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Sonntag, 10. Juli 2022

Vollkommen falsch gedacht (5)

Die Hölle ist die enteignete Welt - Es gibt Meinungen die besagen, das habe mit der Reduktion der vier aristotelischen Ursachen durch den Rationalismus der Renaissance zu tun. Wo aus der causa efficiens, der causa formalis, der causa materialis und der causa finalis nur noch die causa materialis und die causa efficiens übrig gelassen wurde. 

Die beiden übrigen Ursachen wurden ausgeschieden, weil in ihnen natürlich die Anschauung über das Ziel und dne Sinn der Welt eine entscheidende Rolle spielt. Damit wir die Welt auf jenen Materialismus reduziert, den wir heute vo runs haben. Der aber einen, ja sogar den bedeutendsten Teil der Welt ausschließt. Den des Endzwecks (telos), und den der allem vorangehenden Form, der causa finalis also. 

Sie werden zu Zufälligkeiten erklärt, die aus der causa materialis (dem Material) und der causa efficiens (der Arbeiter, der Handelnde, der etwas tut) entstehen. Der Aufbau der Welt also von unten nach oben - nicht teleologisch, also von oben nach unten. 
Die Welt geht also nicht vom Sinn und von der Gestalt aus, wie es die Menschheit eigentlich seit je gedacht hat, sondern von puren Materialeigenschaften, aus denen alles andere folgt, das dann einfach übergestülpt wird.

Samstag, 9. Juli 2022

Vollkommen falsch gedacht (4)

Eine Welt der Hologramme taugt nicht für die Wirklichkeit. So entsteht notwendig eine Welt der Unsicherheit aus Fehlentscheidungen - Von einem lebensdienlichen Produktnutzen als Grund für Dinge kann aber schon lange keine Rede mehr sein. Nicht nur werden die Urteilsgrundlagen der Menschen als beliebig formbar angesehen (ohne eine gewissermaßen ewige Moral als Grundlage), werden Produkte auf die Grundlage der sie hervorbringenden Maschinen gesehen. Sprich: Was produziert iwrd bestimmen die produktionstechnischen Möglichkeiten und damit in Zusammenhang die Notwendigkeiten, die Meschinen als Kapitalanlagen mit Gewinn zu krönen. Der Mensch wird diesen Produkteionmöglichkeiten ann angepaßt.

Weil sich somit das Produzieren von der Freude an den Dingen ob ihres Lobpreises und Tanzes der Schönheit im Lebensganzen entfernt hat, wird auf den Menschen zugegriffen, um ihn zum Teil einer Gewinn-Produktions-Maschinerie zu machen. Denn der Mensch wird auf den rein materiell gedachten Daseinszweck (der keine absoluten höheren Aufgaben hat) hin gedacht. Er wird zum technischen Apparat, der so weit und so lange funktionsfähig gehalten werdne muß, so lange er Nutzen für diese Maschinerie hat. Darauf setzt die gesamte Public Relations- und Werbemaschinerie an, die seit hundert Jahren das vordringlichste Handwerkszeug der Produktion gesehen wird.

Freitag, 8. Juli 2022

Vollkommen falsch gedacht (3)

Alle Dinge wollen jemandem gehören, weil sie wohin gehören müssen, das ist das Wesen des Existierens: Der Ort definiert also das Wesen.Damit verschwinden also vor allem die natürlichsten, wichtigsten Grundentscheidungen, -anforderungen und -situationen des Menschen (man denke an die Ehe, oder in Zeiten des Corona an die Pflicht sich dem Nchsten zu widmen, die sterbenden Eltern zu besuchen, man denke an die religiösen Kulte, usw. usf.) aus dem Bewußtsein. und werden durch Scheinhandlungen ersetzt, die niemand mehr reflektiert weil er anderwärts beschäftigt ist. Daß dies viel mit Versuchungen, mit dem Anlocken auf bereits vorhandene habituelle Schwächen und Neigungen zu tun hat ist ein wichtiger Aspekt dabei. Denn das Natürlichste ist dem Bewußtsein das am wenigsten Präsente. Nur das kranke Auge sieht sich selbst, sagt V. Frankl einmal dazu.

Und wir hören die Dinge nicht mehr sprechen. Denn alles spricht, trägt seine Grammatik unter und in sich. Aber nur wenige können noch in diese Stille hinein hören. Denn die Wirklichkeit ist unsichtbar, sie ist nicht wesenhaft materiell, sondern hinter (oder: vor) dem Materiellen. WAS etwas ist erschließt sich nicht dem Auge oder dem Tastsinn, sondern ist eine Frage der Erkenntnis, die die Daten der Sinne erst ordnet und mit Bedeutung füllt.

Donnerstag, 10. Februar 2022

Sieben weitere Jahre durchgekaut

Weil er zuletzt immer wieder in der Zugriffsstatistik aufgetaucht ist, habe ich den Artikel vom 29. Juni 2014 nun doch wieder vor die Augen genommen, und ihn überarbeitet. Erst wollte ich nur die Tippfehler korrigieren. Aber dann habe ich gesehen, daß da mehr zu tun, die Mosaiksteinchen neu zu arrangieren wären. Weil ich nach sieben Jahren Denkarbeit und Leben maches klarer auf einen Punkt bringen kann, was ich damals zu Alexander Dugin gesagt habe. So ist ein weitgehend neuer Artikel entstanden, den ich Ihnen nun zur Wiedervorlage präsentiere.

Sein Name taucht in letzter Zeit (2014, Anm.) immer wieder in unseren Medien auf - Alexander Dugin. Dessen Buch "Die vierte politische Theorie" bei amazon.de sogar einen vorderen Verkaufsrang in der Liste der politischen Sachbücher einnimmt. Man ist offenbar neugierig auf russisches Denken. Und auf Putin. Denn angeblich sei Dugin ein Putin-Vertrauter. 

Wobei: Wenn man rechnete, von wem aller behauptet wird daß er das sei, müßte man vermuten, daß Putin parallel zu seinen Amtsgeschäften, einem obligatorischen Angelausflug am Wochenende, bei dem er, nachdem er einen weithin duftenden zwei Meter Huchen aus dem Jenissej geholt hat, mit bloßen Händen einem dummerweise die Falle mit dem röchelnden Fisch nicht ahnenden Kolabären dessen eigene Zunge in den A... steckt, einen weiteren 48-Stunden-Tag nur mit Beratern verbringt.

Donnerstag, 19. November 2020

Kernschmelze im Reich der Mitte (2)

Teil 2)


Diese Form hat er in China. Mit Konnotationen, die staunen machen könnten, wüßten wir nicht, daß es gar nicht anders sein kann. Wo sich im chinesischen System des "social credit" ein "graduelles Menschsein" ausdrückt, in dem die Würde des Menschen nicht absolut besteht, also im Menschsein an sich, und zwar von der Empfängnis an, sondern von der Aktualisierung bestimmter ERWÜNSCHTER Eigenschaften abhängt. Wer etwa in China ein Verbrechen begeht, hat kein Recht auf Menschenwürde, der hat sie verspielt. 

Deshalb ist unsere Empörung, wenn zum Tode Verurteilten die Organe entnommen werden (was heißt, daß sie noch VOR dem Tode ausgeschlachtet werden), völlig sinnlos. Unsere Wertesysteme kollidieren nicht mit den chinesischen, sagt Englert, sondern sie sind wie zwei Züge, die auf verschiedenen Geleisen fahren, sich also gar nicht begegnen. Der westliche Begriff von Menschenrechten ist deshalb in China irrelevant. China kennt nur das System des graduellen Menschseins. Und diese Auffassung wird nicht nur vom Materialismus von Denksystemen wie dem Evolutionismus-Darwinismus gestützt, ja mit Theorie unterfüttert, sondern er hat längst auch uns, den Westen, zutiefst durchwuchert. 

Längst ist auch bei uns die Menschenwürde graduell verstanden, hängst also von der Aktualisierung bestimmter Eigenschaften ab, die erwünscht sind. Wie in China, nicht anders. 

Sehr aufschlußreich zeigt Englert, wie Xi Jinping von persönlichem Ehrgeiz getragen ist. Der sich nicht zufällig mit dem vulkanartigen Verlangen der Chinesen deckt, sich aus jahrhundertelanger Demütigung durch den Westen zu befreien. Und den Westen nicht nur zu erreichen oder zu übertreffen, sondern auch zu beherrschen. Und das deckt sich wiederum mit dem Ziel des Kommunismus, das Weltherrschaft heißt.

Alle Fäden, machen wir es einfach, laufen in der KPCh zusammen. Sie definiert, was "gut" ist, was Mensch und was nicht Mensch, was gut und was nicht gut als vermeintlich China dienlich ist. Der Staat, der in seiner Verwaltung letztlich nur der verlängerte Arm der Partei ist, samt einer "freien Wirtschaft", die von Großbetrieben bestimmt ist, die wiederum vom Staat gelenkt werden, sagt, was erlaubt ist. 

Und er verbietet, und zwar mit rigoroser Kontrolle und Unterdrückung, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln - und sei es die unglaubliche Internierung von Millionen Uiguren in Umerziehungslagern, sei es direkt von einzelnen unbotmäßigen, im social credit-System erkennbaren (Un- oder Nicht-)Menschen, Vereinigungen, NGOs oder Religionen (als Variante von NGOs), was nicht der "wissenschaftlichen, also unwiderlegbar wahren, richtigen Sichtweise" der KPCh entspricht. Die KPCh aber wiederum vertritt, was ... Xi Jinping sagt. Über der Partei und über den Ministerpräsidenten, der die Partei bestimmt, gibt es keine Instanz. 

Sie leiten sich von Gott her. Wie die früheren chinesischen Kaiser. Was also hat sich in China tatsächlich geändert? 

Oh wir dummen Westler. Wir reden tatsächlich in jener Dummsprache Gehirngewaschener, die einer uns völlig fremden Scheinlogik der Ideologien entspricht, wir glauben, daß politische Systeme die Menschen ändern und fügsam machen können. Nein, das haben sie nie gekonnt. Das waren seit je nur Verlegenheitsreden, mit denen persönlicher Ehrgeiz verschleiert werden sollte, mit dem manche ganz nach oben kommen wollten. 

In Wahrheit hat jedes Volk, jede Gesellschaft das politische System, also das institutionalisierte System, das wirklich funktioniert. Erhält also jedes Volk das, was sich wirklich wirklich abspielt, das seiner inneren, geistigen, mentalitätsmäßigen, den Tugenden entsprechenden Neigungen und Wollensrichtungen entspricht.

Tugend ist deshalb in China auch nicht eine positive Haltung des Menschen. Sie ist jene Haltung, zu der der Mensch gebracht werden kann, wenn er durch Zwang dazu gebracht wird. Herrschaften, glauben unsere "politischen Führer" - siehe Corona-Krise, siehe Klimakrise, etc. etc.! - etwas anderes? Machen wir doch endlich die Augen auf.

Nicht um Revolutionen abzuführen oder "auf die Straße zu gehen." Die sind selbst wieder Lüge in sich, und Schleier, den manche um ihren Ehrgeiz IM SYSTEM (das sie angeblich als schlecht oder mangelhaft bekämpfen) werfen. Sondern einfach um zur Kenntnis zu nehmen, WAS IST. Wie in der Logotherapie also, die nur fragt, ob wie das, was wir so daherreden, AUCH WIRKLICH GLAUBEN, für Realität (als emanierte Wirklichkeit) und (noch einmal tiefer, der Wirksamkeit entsprechender gegraben) für Wirklichkeit (als geistige Tatsache) halten.



Mittwoch, 18. November 2020

Kernschmelze im Reich der Mitte (1)

Endlich ein Einblick ins Reich der Mitte, weil man dem Vermittler glaubt. Professor Dr. Siegfried Englert ist nicht nur studierter Sinologe, sondern war auch viele Jahre in verantwortlicher Position in China tätig. Er kennt nicht nur die aktuellen Vorgänge, er kennt auch die Werdegänge, er kennt die Geschichte dieses riesigen Landes. Und man merkt auf bei dem was er sagt, weil es großartig erhellt.

Wir wollen nur einige der Punkte herausgreifen, die Englert in diesem Vortrag an der Uni Koblenz erzählt. Und dabei prüfen, wie sie sich ins Gesamtbild fügen, das sich bei uns zu bilden beginnt. Nachdem wir von den ersten Hollywood-Erzählungen über Glanz und Glorie eines kommunistischen Landes, das angeblich den freien Markt des kapitalistischen Westens (welch ein Euphemismus - freier Markt oder gar Freiheit und Kapitalismus!) entdeckt hat, erholt sind. Die uns den Blick so schwer getrübt haben, daß wir Schwierigkeiten haben, ein konsistentes Bild von China zu formen.

Bei Englert dürfen wir endlich aufatmen. Denn in seinen Ausführungen finden wir jene Linie, die das Phänomen zusammenhält - China. Diesem Land, das von sieben Personen (sic!) gesteuert wird, die nicht nur auf einem Sockel von zweihundertfünfzig Abgeordneten und noch einmal neunzig Millionen Parteimitgliedern der KPCh stehen, sondern die selbst wiederum an einem Punkt zusammenlaufen, dem Kern.

Und dieser Kern ist eine Person. Xi Jinping. 

Der einen Zentralismus, einen Despotismus bedeutet, wie er seit je den Osten des eurasischen Riesenkontinents bestimmt hat. Sämtliche Völker und Länder des Ostens, ob nah oder fern - ob das was wir heute als muslimischen Raum bezeichnen, ob Südostasien, Ostasien, Mittelasien ... - haben seit je eine Tradition der gottgleichen Stellung eines Alleinherrschers. 

Die so attraktiv und "praktisch" ist, daß sie immer schon europäischen Herrschern eines ähnlich ehrgeizigen Zuschnitts wie den des Stauferkaisers Friedrich II. oder in der Erscheinung des Absolutismus (sämtlich von Friedrich II. übrigens vorbereitet, das eine hätte es ohne das andere nicht gegeben, Machiavelli war dazu nur die passende Kommentarfunktion), auch für diesen Kontinent des Abendlandes eine große Versuchung bedeutet hat.

Dieser Alleinherrscher ist heute Xi Jinping. Und was er im kommunistischen System, das in seiner Machtpraxis einem Zirkelschluß gleicht, aufgebaut hat, ist selbst wiederum das Destillat russischer Zustände. 

In beiden, in nucleo kommunistischen, aber kapitalistisch verbrämten Ländern hat sich der momentane Herrscher gewissermaßen "verewigt", also das System so angepaßt, daß nicht nur aktuell alle Fäden bei ihnen zusammenlaufen, sondern das auch so lange bleiben, bis sie tot sind. 

Denn selbst, wenn wir (und so ließe sich selbst ein Scholl-Latour mißverstehen) die geopolitische Lage Rußlands (und Chinas) aus dem Selbstbehauptungsinteresse der Länder "verstehen", dann vertreten wir nichts als jenen Total-Relativismus, der sich auch in China manifestiert. Und warum? Weil er keine absolute Ideenbasis kennt, sondern alles Sein aus der Geschichte gezeugt wird. Die als Emanation des absoluten Geistes gesehen wird. 

Und das, werte Leser, steht hinter den bei uns von manchen ("rechten") Kreisen propagierten Vordenkern wie Alexander Dugin oder Martin Heidegger (auf den sich Dugin selbst bezieht) ihr "Identitäts- als Selbstbestands-Recht" aller Völker ist nicht nur nichts als Relativismus, sondern es ist der Materialismus des Hegelschen Systems.

Es ist absurd, und zwar im wahrsten Wortsinn, wenn WIR mit den Augen DES ANDEREN denken. Und das hat sich bei uns längst eingeschlichen und etabliert. Bei den "Putin-Verstehern" oder den "China-Verstehern." Womit wir uns schwer tun ist dies als das zu begreifen, was solche Denkweise von Anfang an war: Strategisch etablierte Denkweise aus dem Kommunismus heraus.

Dabei spielt das Unverständnis, das der abendländische Mensch für die Mentalität dieser (östlichen) Völker und Menschen hat, eine bedeutende Rolle. Denn uns ist nicht nachvollziehbar, was diese Länder und Menschen im Innersten charakterisiert. 

Die nicht kommunistisch "wurden", sondern die aus sich heraus jene Strukturen und Gerichtetheiten aufweisen, die sich unter dem Deckmantel des Kommunismus am besten zur Gestalt bringen. Aus dem sie ihrer wesenhaft eigenen Ausrichtung auf die Beherrschung der Welt - was meint der Leser, woher der von den Chinesen selbst geprägte Begriff "Reich der Mitte" kommt?! - den "wissenschaftlichen Unterbau" hinzufügen konnten. 

Und dieser, in der Aufklärung längst auch unserer gewordene Wissenschaftsbegriff in seiner gesellschaftlichen, politischen Stellung und Anspruchskraft ist ein Zwangssystem. Das den Menschen mit der Behauptung aufoktroyiert wird, daß er das "alte, überholte" System der Wahrheit der Kirche weil tauglicher ersetzt und ersetzen muß. Daß der Rationalismus sich nicht nur nicht aus sich selbst begründen kann, sondern daß er genau deshalb auf einem Glauben aufruht, wurde gefließentlich übersehen (wenngleich tatsächlich "wissenschaftlich" bewiesen!). Er ist eben Zwang. Und Diktatur. 


*181020*

Dienstag, 8. Oktober 2019

Wenn ein Land sich als Gottes einzige Braut sieht

Ungeachtet der fundamentalen Kritik an Alexander Dugin, die wir hier zuletzt brachten, hat er natürlich nicht in allem Unrecht. Und seine Kritik am Zionismus hat ein starkes fundamentum in re, ist zumindest sehr interessant.

Kurz zusammengefaßt, sagt Dugin hier, daß die Diaspora, die (zweite) Zerstörung des Tempels im Jahre 70, und die darauf folgende Zerstreuung der Juden in alle Welt, den Aspekt der Sühne für die Sünden der Juden hatte. Das sahen sie auch selbst so. Nichts desto weniger hat sich die Ansicht verfestigt, daß diese Sühne begrenzt ist. An deren Ende die Rückkehr der Juden ins Gelobte Land steht - wenn der Messias kommt. Diese messianischen Vorstellungen der Heilserwartung haben sich vor allem im Ostjudentum (Aschkenasim) und seit dem 17. Jahrhundert in diesem eher städtischen Judentum verstärkt breitgemacht (Chassidimismus). Hier begann auch die Geheimlehre der Kabbalah eine enorme Rolle zu spielen. Das Judentum nahm in zahlreichen Strömungen die Form eines Satanismus an.

Was alles sich in dem Moment vollendet hatte, als die Juden durch den Holocaust offensichtlich genug gelitten haben. Das war der Moment, sich endgültig das Recht zu sehen, auch mit Gewalt das von Gott versprochene Land - Israel - wieder an sich zu nehmen. Das ist auch der Anbruch der Zeit, in der die Herabkunft eines Erlösers zu erwarten ist, der in einer Endschlacht (Armageddon) alle Völker der Welt unterwerfen wird.

Der Zionismus beruht buchstäblich auf der Gleichsetzung der Geschichte des Judentums und damit der Juden der Gegenwart mit dem Willen Gottes, denn die Juden sind die Braut Gottes, allen übrigen Völkern übergeordnet und mit Missionsauftrag ausgestattet. Damit haben sie in und zu allem das Recht. Sie verbindet weltweit ein Band, das gleichgültig macht, ob ein Jude aus pragmatischen Gründen liberal oder katholisch oder islamisch lebt - es ist das Blut, das sie zu einem weltweiten Bund macht. Mit dem heiligen Auftrag, das Ende der Welt herbeizuführen. Und den dritten Tempel in Jerusalem zu bauen. Auf dieses Ziel gehen sie Schritt für Schritt zu.








Montag, 26. August 2019

Die Wahrheit über Alexander Dugin

Noch einmal Dugin, noch einmal, weil an diesem zehnminütigen Interview mit BBC klarer wird, daß der russische Philosoph zutiefst Nihilist ist, der mit Nietzsche mehr zu tun hat als mit traditioneller abendländischer Metaphysik oder gar der Orthodoxie. Insofern paßt er tatsächlich gut ins Bild der "Neuen Rechten", die einen zutiefst relativistischen und pragmatistischen Ansatz hat, in dessen Rahmen (aber nur in dessen Rahmen) die Religion eine "tragende Rolle" spielt. Als Mittel.

Klarerweise kann man dann formulieren, wie Dugin dies hier tut, daß Rußland "seine eigene Wahrheit" hat und nichts anderes verlangt, als daß diese Sicht von allen anderen akzeptiert wird. In diesem Sinn muß man auch das vom Philosophen gerne verwendete Wort von der "Multipolarität" der modernen Welt sehen. Wo vier, fünf oder wer weiß wie viele völlig verschiedene Kulturen "gleichberechtigt" nebeneinander stehen. Nein, nicht einmal das. Denn dieses Konzept sieht letztendlich auch keine Schranken dahingehend, daß diese Kulturen sich auch mal gegenseitig bekämpfen. Denn wenn es keine absolute Wahrheit, keine absolute Kultur sohin gibt, dann gibt es auch keinen Grund, warum nicht das Gesetz des Moments, die Kraft des Stärkeren den Fortgang der Geschichte bestimmen sollte.

Nur Wille kann eine Kultur beseelen und deshalb muß eine Kultur fest an sich glauben, denn sonst hat sie bereits verloren. Wie dieser Glaube an sich zustande kommt ist nebensächlich, und hierein kann Religion ihre nützliche Rolle spielen. Das sagt Dugin zwar nicht explizit, aber es ist in seinen Sichtweisen enthalten. Das einzige, was damit eine Welt der Multipluralität befrieden kann, ist eine starke globale Organisation der Staaten der Welt. Ob das manchem klar ist, der Dugin als Intellektuellen verehrt? Der Mann ist zwar "sophisticated", aber ihn als "einen der größten Intellektuellen der Welt" zu bezeichnen nicht einfach übertrieben, sondern ... lassen wir das. Diese Form des Relativismus ist nämlich weder neu noch besonders originell. Es ist vielmehr dumm und geistlos. (Siehe dazu auch dieses eineinhalbstündige Interview mit Dugin, in dem es genau um diese Gleichberechtigung unterschiedlicher Ideologien geht.)

Wahrheit ist, so Dugin auch hier, ein Resultat der Glaubensinhalte eines Volkes, einer Kultur. Das ist auf eine Weise faktisch richtig, aber es ist hier und absolut gesehen der relativistische Bezugspunkt, der absolute, eine einzige Wahrheit nicht kennt (so vielseitig die auch sein mag, so daß sie ein Mensch allein kaum je tragen und erfassen kann), und deshalb einen lediglich soziologischeren, aber nichts weniger materialistischen Zugang zum Menschen hat als der liberale Materialismus des Westens. Die also enorme Deckungsbreite mit der "Vierten Politischen Theorie" Dugins haben. Es ist also auch kein Wunder, daß Dugin (an anderer Stelle im Netz nachzuhören) die Kabbalah als größtes Werk der Menschheit preist - als "magischer, mechanistischer Zugang" zur absoluten, aber technisch aufgelösten Weltgrammatik.

Dugin macht den häufig zu beobachtenden Fehler, daß er den Umstand, daß jeder Mensch nur über seine Interpretation Zugang zu den Daten der Welt hat - und somit seinen subjektiven Überzeugungen gemäß "Information" erkennt - als Erweis der reinen Subjektivität der Wahrheit sieht. Aber das stimmt eben nicht! Es gibt eine jeder Subjektivität vorausliegende, objektive Wahrheit, ohne die eine Kommunikation überhaupt nicht möglich wäre, gäbe es nicht für alle Gesprächsteilnehmer einen objektiven, für alle gleichen Bezugspunkt. 

Wo immer rein subjektive, also interessengeleitete (eigentlich: Interessendeformierte) Sicht vorherrscht, haben wir es nicht mit der "subjektiven Wahrheit", sondern einer subjektiv verdrehten Wahrheit zu tun. Und darin kann der Mensch sehr wohl unterscheiden, auch Dugin beweist das ja, gerade indem er auf diese Differenz der subjektiven Sichten hinweist. 

Dugin sagt es hier expressis verbis: DAS ist die von ihm so verstandene Multipolarität! Daß man jeder Seite diese subjektive Überzeugung läßt, daß sie die absolute Wahrheit gerade in ihren Interessengebundenheiten vertritt, und die andere Seite nicht. Daran hängt dann auch der Friede: In der Akzeptanz, daß der andere eine andere Wahrheit hat. 

Das geht nur, wenn man im tiefsten Grund auf Nihilismus aufruht. So, wie es auch weite Teile der "Neuen Rechten" tun. Der Rest - oder: der überwiegende Teil sogar - an Dugins Argumentation ist somit Äquivokation! Aber wer sich der Äquivokation bedient, der will, mit Verlaub, sich verstellen und deshalb lügen.

Dugins "Anerkenntnis" auch widersprüchlicher Theorien ist sogar blanker Post-Modernismus! Einer neo-marxistischen Strömung, die am Boden eines aktiven Nihilismus steht.* Der wie alle Liberalen (sic!) in dem durchaus auch Richtiges sagt, weil er vom liberalen Lust-Schmerz-Prinzip geleitet oft zum richtigen Moment schreit, wo er (und damit der Mensch) verletzt wird.





*Man siehe dazu auch dieses nachträglich im Netz entdeckte Video einer Kritik Dugins aus traditionalistischer Sicht. Um die darin vorgebrachte Kritik auf einen einfachen Punkt zu bringen: Dugin verdreht so gut wie alle Sichtweisen, Religionen und Theorien, die er in Anspruch nimmt in seine Theorie integriert zu haben. Denn seine 4. Politische Theorie versteht sich als Schnittpunkt von Metaphysik und Politik, und "integriert" so gut wie alles, was ihr dabei über den Weg kommt. Dabei erhebt sich der Verdacht, daß Dugin alles schon deshalb "integrieren kann", weil er die einzelnen Lehren, Religionen und Gebiete ... gar nicht wirklich kennt. Das reicht von Mythen bis zu Eschatologie, mit der er seine Politik umgibt, bis zur Physik. Schon alleine dieser Umstand läßt natürlich vieles "vereinen" ... Dugins Metaphysik aber ist verschwommen und widerspruchsvoll. Darf man vermuten, daß seine Popularität (auch, wenn nicht vor allem bei uns; über das Maß seiner Rolle in Rußland selbst gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen) vor allem damit zusammenhängt, daß auch viele (pardon) "Rechte" von heute verdammt wenig Ahnung haben, aber gut in ihrem Status der Intellektualität davon leben, daß das allgemeine Bildungs- und Kenntnisniveau dermaßen niedrig ist, daß auch Vierteläugige wie intellektuelle Helden dastehen können?
Wovon wir überzeugt sind, sagt Dugin, trennt uns, aber wogegen wir sind, das ist es, was uns eint. Widersprüche als gleichberechtigt zu akzeptieren ist freilich der sicherste Weg zur individuellen Unfreiheit der Vernunft, also zur Manipulierbarkeit der Unvernunft. Und das allein weist auf einen wichtigen Punkt: Dugin ist aus mehreren Gründen (er bezieht sich unter anderem immer wieder auf die Kaballah) ganz offensichtlich eng im Okkultismus und Satanismus verwurzelt. Wir wollen es nicht hysterisieren, aber gewisse Erhellungskraft hat ein weiteres Video durchaus: Dugin und das Okkulte.



Samstag, 24. August 2019

Die Unantastbarkeit einer Heiligen Welt

Was Alexander Dugin in diesem Interview aus 2017 sagt, ist so gescheit, daß es (widerwillig, aber denn doch) hier nicht fehlen darf. Denn es fügt sich in so manche der Gedanken, die dieses Blog ebenfalls kennzeichnend. Was sagt Dugin hier?

Rußland wird vom Westen völlig falsch eingeschätzt. Denn die russische Tradition, also die russische Volksseele, ist zutiefst von einem Massencharakter geprägt. Das deckt sich nicht mit dem westlichen Individualismus. Auch wenn die oberflächlichen, in den Medien kolportierten Ideen und Dispute liberaler sind, als vielleicht sogar im Westen (und auch Putin ist zutiefst liberal), handelt es sich hier um eine Scheinwirklichkeit der Worte und der modernen Informationswelt. Im tiefsten Inneren hat und sucht der Russe eine Wertestruktur, die er zwar kaum zu sagen wagt, die sich aber mit den Ansprüchen des liberalistischen Westens nicht decken. Das ist eine soziologische Tatsache, keine Verschwörungstheorie.

Und diese tief innerliche Wertestruktur ist es auch, die die eigentliche Wurzel des russischen Menschen ist. Es ist dieser Kollektivismus, diese kollektive Identität (die vor der individuellen Identität steht), der die innere Grammatik aller Lebensäußerungen steht. Insofern steht Putin vor einem Dilemma, denn er muß auf eine Weise "zwei Putins" sein. Der eine, der persönliche Putin ist Liberaler. Der andere weiß, was die Russen sind und brauchen, und dem versucht er aus pragmatischen Gründen zu entsprechen.

Die Moderne begeht einen Etikettenschwindel, oder sie weiß es nicht besser, wenn sie meint, daß sich das Bewußtsein der Menschen durch "Information" (Internet, social media etc.) "ändern" beziehungsweise bestimmen ließe. Das ist ein Irrtum, denn man versteht nicht, was "Idee" wirklich ist. Die sich besser mit "Gott" und "Engel" beschreiben ließe als mit dem, was dafür gehalten wird: Gedanken, die wir halt so im Kopf haben. Das sind keine Ideen, das sind lediglich Oberflächen der Informationsflüsse. Ideen sind Wesenheiten (also nicht, wie der Nominalismus seit 500 Jahren vertritt, lediglich Gedanken im Kopf), die aus sich heraus einen Antrieb haben, Realität (Welt) zu werden. Sie sind deshalb mehr als Kräfte zu verstehen, denn als Gedanken. 

Wozu aber dann diese Informationswelt, wozu Sender wie Russia Today, die sich zum Ziel gesetzt haben, mehr Transparenz zu bringen, um so den Menschen zu ermöglichen, eine aktivere Rolle in der Gestaltung ihres eigenen Lebens zu spielen? Dugin lenkt ein, daß auch er die Demokratie vertritt. Aber er ist nicht der Meinung, daß das eine liberale Demokratie sein müsse, wie sie der Westen so ausschließlich vertritt, daß er sich gar nichts anderes vorstellen zu können scheint. Er erwähnt Fukujama, der einmal gemeint hat, daß das aktuelle Verständnis der liberalen Demokratie grotesk ist, weil es die Macht der Minderheiten meint, nicht die der Mehrheit. 

Ja, wir haben es sogar mit der Situation zu tun, daß die Macht der Minderheiten so stark ist, daß sie sich GEGEN die Mehrheit durchsetzt. Und zwar weil die Mehrheit im Innersten es nicht mehr wagt, hierarchische Gesellschaften zu bilden. Damit richtet sich das liberale Verständnis der Demokratie gegen das eigentliche, ursprüngliche Verständnis von Demokratie! 

Er meint deshalb, daß im Kreml zum Beispiel nur Entscheidungen mit globalem Aspekt getroffen werden sollen, etwa wenn es um Atomwaffen oder diplomatische Beziehungen zu anderen Ländern oder um strategische Aspekte der Entwicklung des Landes geht. Dafür muß jede andere Entscheidung auf einer möglichst niedrigen Ebene getroffen werden. Und dort nicht auf der Ebene des Liberalismus, also des Individuums, sondern sie sollten auf dem Konzept organischer Kommunitäten, Einheiten aufbauen. 

Der Unterschied zum Liberalismus ist, daß dieser glaubt, daß Gesellschaften, Einheiten, organische Kommunitäten NACH dem Individuellen kämen, also eine Summe wären. Das ist nicht richtig, das ist eine künstliche Schöpfung. Es ist vielmehr das Ganze, die Gesellschaft, die Gemeinschaft, die das Individuum ausmacht und ihm sogar vorausgeht. Sie ist dann dessen Ort (der Individualität), nicht umgekehrt. Die Gemeinschaft ist die Geburtsstätte der Kultur und deren Werte, sie enthält die gesamten Kontexte der einzelnen individuellen Inhalte. 

Der westliche Individualismus ist ein falsches, ja gefährliches Konzept. Denn das Individuum von der kollektiven Identität zu befreien, ist der direkte Weg zur künstlichen Intelligenz, zum Cyberraum, und zur De-Humanisierung des Menschen. Auch wenn Liberale das glatt bestreiten würden - es ist mehr als bloßer willkürlicher Entscheid, den ein Mensch treffen kann. Es ist die ihm zugrundeliegende Grammatik, die ihn bestimmt, ob er das weiß und will oder nicht.

Wenn man von der Zukunft eines Volkes spricht, dann darf man nicht übersehen, daß wir ohne jeden Inhalt und ohne Sinn wären, wenn wir die Geschichte verdrängen, vergessen oder vernachlässigen würden. Geschichte ist nämlich weit mehr als "Vergangenheit", man darf sie nicht darauf einschränken. Ohne Geschichte hätte die Gegenwart keinen Sinn. Jeder momentane Augenblick ist geladen mit Bedeutung und Sinn, der uns vorangegangen ist und der uns heute prägt, der uns jene Inhalte vorgibt, die unser Leben eigentlich erst ausmachen. Deshalb muß Geschichtsbetrachtung auch kultiviert werden und Teil einer Kultur sein. Ein Land muß sich deshalb als historisch begreifen, mit Verantwortungen, mit einem Weg in die Zukunft, der alles mitführt was bisher war. Die Geschichte enthält den kulturellen Code einer Gegenwart! Also muß sie so wahrhaftig wie möglich erinnert werden.

Besonders scharf geht Dugin deshalb mit der Medienlandschaft um. Er meint, daß die historischen Debatten heute oberflächlich und irrelevant geführt werden, daß sie diese historische Identität des Volkes zerstören.  

Aber sind die Russen wirklich so traditionell, meint die Reporterin? Es ist doch eine Tatsache, daß es in Rußland enorm hohe Scheidungsraten und hohe Abtreibungszahlen gibt. Außerdem sind die russischen Frauen ziemlich "emanzipiert" und den Männern oft in der Liberalität voraus. Die bekanntermaßen dann alles tun, um nicht Alimente zahlen zu müssen, sich also nicht durch viel Verantwortungsbewußtsein auszeichnen. Die Statistik spricht nicht gerade dafür, daß sich die Russen den traditionellen Werten sehr verbunden fühlen? 

Traditionsbewußtsein, sagt Dugin, reicht viel tiefer als Scheidung oder Abtreibung. Sie ist nicht einfach nur eine "praktizierte, übernommene Gewohnheit", ein praktizierter Brauch. Traditionsbewußtsein ist ein Wille zum Heiligen. Ein Wille also, Dinge heilig zu halten, weil die Welt auf eine Art sakral ist. Es ist die Realität von Geist in unserem Leben. Geist gibt es dabei nicht nur als guten Geist, sondern auch als das Böse. Aber alles zusammen ist Teil eines lebendigen geistigen Ganzen, das als Ganzes auch respektiert werden muß. 

Was man gerne als traditionelle Werte bezeichnet - Familie, persönliche Beziehungen etc. - sind nur Teil dieses Geistes der Tradition, so wie die Kirche. So auch wie die Gewohnheiten, die Bräuche: Es ist dieser ganze "Gerichtshof der russischen Mentalität" gewissermaßen. Und dieses Ganze muß den Menschen heilig sein. Wenn man Dostojewski liest wird es deutlich: Diese Heiligkeit der russischen Kultur prägt jede einzelne Seite, sie ist einfach überall. Deshalb ändern sich traditionelle Werte einer Kultur auch nicht. Sie gründen nicht in der Realität, in der ein Volk historisch gerade lebt, sondern umgekehrt: Seine Realität wurzelt in der Heiligkeit seiner Kultur. 

Die Welt, die die Russen akzeptieren können, ist diese Heilige Welt. Das Übel des Kommunismus war, diese Heiligkeit neu zu etablieren. Aber es war eine häretische Heiligkeit! Es war ein irriger, extremistischer, totalitärer Versuch, der sich abnormaler, schrecklicher Mittel bediente. um eine solche Heiligkeit aufzurichten. Es geht um die Heiligkeit des Seins! Und die ist in uns real vorhanden, und sie ist es als eine Art von Kollektivismus. 

Es ist ein Irrtum zu meinen, daß die russischen Menschen nach so langen Epochen des Darbens nun ein gewisses Anrecht auf Liberalismus und damit Materialismus hätten - die Russen hassen den Materialismus zutiefst, sagt Dugin. 








Samstag, 27. Januar 2018

Individualismus und Kollektivismus

Es ist ein sehr interessantes Gespräch, das Russia Today hier mit Alexander Dugin führt. Der beeindruckend klar Begriffe klärt - das eigentliche Wesen des Philosophierens. Es ist spannend und erfreulich zu sehen, wie sich sein Denken entwickelt. In diesem Interview ist er besser, vor allem (auch weil von einer bemerkenswert hartnäckigen Moderatorin dazu getrieben) konziser als in den Büchern, die der VdZ von ihm bislang kennt. Und er geht hier deutlich über Heidegger hinaus, der ihn zumindest eine gute Weile sehr nachteilig gefesselt hatte. Es ist vor allem erkennbar an der Entwicklung seines Begriffs von "Heiligkeit", der nun endlich Substanz anzunehmen scheint.

Dugin stellt letztlich und deshalb das Wesen der russischen Seele (wie der Seele aller Völker, Anm.) als Hort der Heiligkeit dar, an dem alle einzelnen Russen teilhaben. Die Tatsache ist unbestreitbar, daß jeder Mensch - zumindest auch, und zwar in einem polaren Wechsel - an einem Kollektivwesen, einer Idee teilhat, ja in manchen Grundlagen eben sogar daraus hervorgeht. Kultur, so der russische Philosoph und Soziologe, ist etwas wie die Matrix, die in jeden Menschen hineingeschrieben ist, und in der er sich bewegt. (Die er über sein Individuum lediglich anpaßt, variiert, der er sein persönliches Gepräge gibt. Anm.)

Darin irrt der westliche Liberalismus grundsätzlich, der als Grundlage des Kapitalismus entstanden ist und den individuellen Egoismus absichert. Weil er das Individualwohl in jedem Fall als vorrangig sieht, ja sogar zum Prinzip hat, daß er egal um welchen Preis und unter Preisgabe jeder Moral kein Gemeinwohl kennen soll. Ihm ergibt sich das Glück nämlich aus dem subjektiven, egoistisch verstandenen Streben nach Wohlstand und Lust. Aber damit ist nicht nur nichts mehr heilig, und eine Gesellschaft verliert ihre Kohäsion, sondern eine Gesellschaft wird zur Rennbahn der brutalen Kräfte. Korruption ist eine weitere der logischen Folgen des Liberalismus, der die Spekulation eingeführt hat und heute auch in Rußland immer allgemeinere Haltung wird. Wie soll denn Gemeinwohl entstehen, wenn der Einzelne sein Glück (angeblich) auch ohne jede Moralbezogenheit und auf Kosten des Mitmenschen - also: durch asoziales Verhalten! - erlangen kann oder sogar soll?

Das alles erhält in Rußland (bzw. dem Osten) seine eigene (brutale, oder gar: primitive; Anm.) Prägung durch die Art, wie dort Liberalismus interpretiert wird. (Der ja einst quasi die Antithese zum Kommunismus war. Und das ist übrigens im gesamten ehemaligen "Osten" festzustellen, der daran schier auseinanderbricht. Anm.)

Noch dazu, weil in Rußland (und nicht nur dort; Anm.) die Rolle des Gesetzes immer anders gesehen wurde als im Westen. Der Osten geht davon aus, daß das Gesetz und die moralische, absolute Wahrheit (vor Gott) sowieso zwei Paar Schuhe sind. Er erwartet keine Wahrheit und Gerechtigkeit vom juridischen Gesetz, deshalb ist ihm dieses Gesetz auch weniger wert als das im Westen der Fall ist.

(Übrigens ist das die Folge der tatsächlichen historischen Erfahrung der Ostvölker mit dem über ein Jahrtausend währenden Despotismus, nicht zuletzt durch langwährende Fremdherrschaft, der sich auf ähnliche Weise im gesamten Orient findet. Weshalb dort Strafen viel drastischer ausfallen mußten bzw. müssen, weil sich sonst das Gesetz überhaupt nicht durchsetzen läßt. Eine ähnliche Situation wie im westlichen Abendland bis vor - sagen wir - 500 Jahren. Anm. d. VdZ)

Vladimir Putin ist im Sinne der kollektiven Identität viel geglückt, und das muß man ihm zugute halten. Es ist ihm aber nicht geglückt, dieses Liberalismus-Verständnis zurückzudrängen. Deshalb gibt es in Rußland so viel Korruption - er ist Teil der liberalistischen (mit Kapitalismus gleichzusetzenden) Ideenlandschaft. (Und das kann der VdZ aus seiner mittlerweile 10jährigen Erfahrung in Ungarn völlig bestätigen.) Putin hat die heilige Kollektivseele sehr gut repariert, und deshalb ist er so beliebt und wird von der Mehrheit der Russen bejaht. Was nun aber fehlt ist die soziale Gerechtigkeit, hier denkt Putin, so Dugin, wie ein Liberaler.

Dugin führt an, daß die Realität der liberalen Demokratie aber sogar dem Wesen der Demokratie fundamental widerspricht.  Denn tatsächlich werden unsere Prozesse von Minderheiten bestimmt. Das hat damit zu tun, daß eine Mehrheit immer die Tendenz hat, organische, hierarchisch funktionierende, ihrer selbst wenig bewußte Gesellschaften zu bilden. Denen dann die Minderheiten mit einem weit höheren rhetorischen Potential gegenübersteht, weil sie die Mehrheit als Gefahr sehen. 

Aber höre der Leser selbst, Dugin reißt in sehr konzentrierter Art viele wichtige Themen an. So spricht er nicht nur sehr präzise über die unheilvolle Rolle des Internet, die auf einer völligen Konfusion über logos (Idee als lebendige Kraft, im besten Sinn also "englisch"; wir sind hier  mitten im fatal ausgegangenen Universalienstreit des Mittelalters und der Renaissance, wo die Idee zum bloß menschlichem Gedankenkonstrukt wurde; Anm.) aufbaut und fälschlich "Information" für "neutral" (also: heilig) hält, sondern macht auch deutlich, warum der individualistische, autonomistische Westen das russische Denken, die weit kollektivistischere russische Seele (die im Kommunismus diese eigentlich heilige Idee säkularisiert zu verwirklichen versuchte; nur in Rußland konnte sich deshalb so ein Regime bilden) nicht versteht.

Das anthropologische Konzept des heutigen Westens weicht von dem des Ostens also deutlich ab. (Besonders interessant weil wohl wahr: Dugin führt an, daß das Verständnis des "kollektivistischen" Menschen im Kommunismus eine säkularisierte Variante des Kirchenbegriffs ist, von dem die Russen automatisch ausgegangen sind!)

Freilich muß man eine spezielle Begriffsverwendung von Alexander Dugin ablehnen. Denn Dugin nennt Individualismus, was korrekterweise Autonomismus zu nennen wäre. Erst als solcher steht er dem Kollektivismus als anderes Ende auf der selben Skala gegenüber. Ein Personsbegriff aber (und das ist die Grundlage des Bezugs auf eine Idee in dem Sinn, wie Dugin ihn hier gut darstellt) ist ohne Individualität (als notwendige, damit gebotene Wirklichung des Einzelnen) nicht denkbar. Dann erst hätte er Recht, wenn er sagt, daß dieses westliche Konzept anthropologisch falsch ist und die Realität nicht erfaßt, in der es keinen Menschen gibt, der nicht zugleich Individuum UND Teil eines Kollektivs (bzw. vieler vieler Kollektive) ist.

Besonders empfehlenswert übrigens sind die Passagen (ca. ab min. 23), in denen Dugin darüber spricht, warum er tatsächlich Demokrat ist. Aber auf eine andere Weise als der Liberalismus, sondern so wie er meint, daß man Demokratie als essentiell verstehen muß: Weil sie nämlich auf (kleinsten) organischen Gemeinschaften aufbauen muß, in der für den Staat, die Staatsregierung wirklich nur noch alles übergreifende, vor allem zwischenstaatliche Agenden bleiben.

Noch eine Beobachtung: Dugin stößt in diesem Interview an etwas sehr Wahres und Grundsätzliches, ohne es freilich auf die Spitze zu treiben, denn sonst hätte er das Studio verlassen müssen. Er stößt an die "Evidenz". "Wenn Sie", so sagt er an einem Punkt, "DAS nicht sehen, leben wir in unterschiedlichen Universen." Dann, das sagt er aber nicht, wird jedes Gespräch sinnlos. Denn es gibt Evidenz. Es gibt Wahrheiten, die nicht mehr argumentierbar sind, sondern einfach nur "feststellbar". Ja, letztlich ist das sogar das Prinzip der Wahrheit, müßte man hier weiterführen.











*070118*

Dienstag, 15. März 2016

Überwindung der Moderne

Zwar hält der VdZ seine Kritik an seinem Buch "Die vierte politische Theorie" aufrecht, aber im Vortrag scheint die Tangente von Alexander Dugin doch auf das Richtige angelegt zu sein: Als Überwindung der Moderne, wie sie seit der Renaissance Europa mehr und mehr vom Sein abgedrängt und zur Pseudologie (logos) konstruiert hat.

In dieser Moderne wird das Denken über die Welt vom Weltsein getrennt. Dabei wird vergessen ("Seinsvergessenheit"), daß dieses Denken aus seiner historischen Aktualität nicht ausbrechen kann. Niemals. Sondern in dieser geschichtlichen Situation ein Sein in sich offenbart, das im bloß nominellen Denkinhalt gar nicht gefaßt wird. Denken wurde damit zum Symptom, nicht zum Einbruch der Wahrheit als Seinerhellung.

Denn dieses ist der öffnende Moment des Ereignisses: Das Sein des Menschen - sein Da-sein - muß als Dasein wie Sein des Seins selbst (analog, also: als Gleichnis, als Abbild des Seins selbst, als Gottes) gesehen werden.

Natürlich kann das nicht in einem Rückgriff auf die Vormoderne geschehen. Denn (Heidegger) jeder Mensch ist in seine Epoche hineingeworfen, und somit ist geschichtliche Gegenwart immer neu, nie dagewesen, und immer neu zu lösen, und auf die Zukunft hin zu entwerfen.

Dieses Entwerfen aber kann nicht auf demselben seinslosen Rationalismus basieren, der Europa in die völlige (und fast verzweifelte) Unfruchtbarkeit geworfen hat. Es ist ein wirkliches und mutiges Neuwerfen einer künftigen Gestalt. Ob aber Europa das überhaupt noch denken kann? Der VdZ hat so seine Zweifel. Dann aber würde er Europa tatsächlich schon aufgegeben haben. Denn dieser Ansatz müßte heißen: Eine neue Offenheit für Poesie. Denn dieses Denken ist selbst Poesie. Denn in der Poesie ist eben das Sein das Seiende des Seienden. Die Frage ist ja auch, ob es überhaupt ein Seiendes geben kann, das nicht Poesie ist. Wo es das nicht ist, fällt es ins Nichts. Und kein modernes Denken vermag es davor zu retten. Und schon gar keine Weltrettung. Die aber darin auf seltsame Weise ihren Grundimpuls - als Wissen, ja als offenbarte Struktur (!) der eigenen Verworfenheit - offenbart.*

Das zweifellos Achtenswerte an Dugins Denken ist, daß er keinen Hehl daraus macht, daß er einen Weg gegangen ist und geht, der noch nicht fertig ist. Auch darin knüpft er an Heidegger an, der einmal sagt, daß er auf den wartet, der seinen ersten Ansatz in ein neues Denkgewand bringt.**

Der VdZ ist sich allerdings nicht sicher, ob das, was Dugin als "Multipolarität" bezeichnet, auch dem entspricht, was auf diesen Seiten mit neuen Notwendigkeiten der Staatsdefinition - der Volksstaat, der Kulturstaat hat sich bereits selbst ausgelöscht, er schlägt nur noch im Todeskampf um sich - anzudenken versucht. Immerhin, es könnte sein.

Übrigens: Auch eine interessante Erfahrung mit der Sprache. Dugin versucht, in Deutsch zu sprechen, und das gelingt erstaunlich gut, obwohl er eine ganz simple deutsche Sprache verwendet, weil er es halt nicht besser kann. Aber das ist gar nicht entscheidend - denn man hört immer das Dahinter!






*Denn es hat schon so seine Wahrheit daran, daß die Weltretter der Gegenwart - ob im Klimawahn, ob in der Zuwanderungskrankheit, im Weltberbesserungsirrsinn auch der Kirchen - mit der Menge der Moderne zusammenfallen, und sich zugleich in einem proklamierten Regress von dieser befreien wollen. Aber sie können es nur auf der Ebene, auf der sie selbst in die Hölle fahren.

**Das könnte nur im Christentum geschehen, das sieht Dugin völlig richtig, dessen Zentralgeheimnis und -botschaft genau diese Ereignishaftigkeit, diese Gegenwärtigkeit zum Inhatl hat. Und der VdZ sieht wie Dugin Heidegger - der dieses Denken angebrochen hat, ohne es zu vollenden - im Grunde offen für das Ereignis der Wahrheit in Jesus Christus. Aber in Europa ist das Chistentum im Grunde bereits tot. Auch die Konservativsten singen nur noch einen karikaturhaften Abgesang. Die momentanen Ereignisse in der Kirche sind ohnehin nicht einmal mehr die Atemluft wert, die sie absingt. Es ist vorbei, sie hat keine Wirklichkeitsrelevanz mehr. In Westeuropa. Mit diesen Eliten hat es keine Chance. Die verstehen gar nicht mehr, worum es geht. Und weil es ihnen verborgen ist - okkult ist - ist es für sie überhaupt "okkult". Aber es ist sehr rational. Auch die USA wird aus gleichen Gründen auf das Niveau eines Entwicklungslandes im Chaos zurückfallen. Alleine die wirtschaftlichen Daten zeigen es. Ex oriente lux - realpolitische Hoffnung liegt eher noch im Osten. Dort scheint noch das Potential für diese Existentialität zu bestehen. Selbst von den Ungarn hat der VdZ diesen Eindruck.





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Sonntag, 8. März 2015

Große Gedanken entstehen nur in großen Ländern

Gedanken, die an diesem Ort geäußerten recht ähnlich sind, brachten dieser Tage österreichische Medien. Und sie taten es durchwegs mit einem Aufschrei der Entrüstung, in der sie deren Vortragenden, Alexander Dugin, zum irren, rechtsradikalen Wodkasäufer erklärten. Was hatte der "Chefideologe Putins", wie er gerne (wohl abstruserweise) genannt wird, gemacht?

Er hatte in einem Interview im ungarischen Internetportal Alfahir, das lt. Presse "jobbik-nahe" sei, geäußert, daß sich Europa in Reichen neu sammeln sollte. Westeuropa (mit deutscher Führung), Mitteleuropa (als mehr oder weniger Wiederaufnahme der Habsburgermonarchie) und Osteuropa (unter russischer Führung), das eigentlich ein Eurasien sei. So stünden sich weltweit dann etwa gleichstarke Blöcke bzw. Reiche gegenüber. 

Vielleicht war der größere Auslöser für die Beschimpfungsorgien, die sich in den Zeitungen abspielten, daß Dugin es gewagt hatte, Westeuropa als im moralischen Niedergang befindlich zu bezeichnen? Durch Homosexuellenehe, und generelle Verwestlichung der Lebensart. 

Das Erschreckendste aber ist (auch und vor allem in den Postings, die sich in den Zeitungen finden) feststellen zu müsse, daß in Österreich jeder Begriff von Politik und deren Bedeutung und eigentlicher Aufgabe völlig verloren gegangen ist. Was sich in sämtlichen angrenzenden Ländern nämlich völlig anders verhält. "Große Gedanken entstehen nur in großen Ländern," hat vor 150 Jahren einmal jemand geschrieben. In Ländern wie Österreich entstehen offenbar nur noch Gedanken, wie der Bankomat gut gefüttert bleibt, und die Schnitzelbestellung über amazon per iPhone abzuwickeln ist. Den Rest hat "die Politik" zu erledigen, die weit weit weg ist.

Denn selbstverständlich  - und dieses Bewußtsein ist im ehemaligen Ostblock weit ausgeprägter, als es sich hiesige Blutarmut vorstellen kann - wäre es dringend an der Zeit, den Nomos, das gewissermaßen "natürliche Beziehungsgeflecht" des europäisch-asisatischen Raumes neu zu überdenken, bzw. in die reale Politik einfließen zu lassen. (Wobei diese Diskussion gewiß stattfinden, aber als Geheimpolitik oder gar unbewußt bleibende Richtung, die man den Bevölkerungen gefließentlich verschweigt und so tut, als ginge es um anderes. Wie um Fragen des Chlorhuhnes oder einer bloßen Markteffizienz.) Aber sonst wird Europa Opfer jener, die über den Beginn jeder Politik in den großen Räumen Bescheid wissen, während Europa den Mantel verschenkt, weil es doch so wunderbar warm ist. Im Winter. Politik beginnt aber beim Mantel, nicht bei der Unterhose. Die Ukraine oder Griechenland zeigen aber nicht zuletzt, wie blitzschnell wirtschaftliche in politische Probleme umschlagen können.

Gerade der Raum zwischen Westeuropa und Rußland ist aufgeladen mit Spannungen. Sie stammen als Spätfolgen der Zerrüttung Europas im frühen 20. Jhd. vor allem vom Ungleichgewicht, der strategischen Schwäche der vielen kleinen und mittleren Staaten, die sich gezwungen sehen, sich Machtblöcken zuzuordnen, von denen sie sich am meisten versprechen. Daneben bzw. darin kochen einige Länder still und heimlich ihr eigenes Süppchen. Wie etwa Polen, das von vielen (nicht nur Polen) sogar als kommende Macht in Europa gehandelt wird. Historisch hat Polen aber recht große Interessen in einem geographischen Raum, der seit längerem wie ein losgerissenes Schiff ohne Anker trudelt und in denen es vor Spannungen brodelt, wie die Ukraine, wie Ungarn, wie Serbien, wie die baltischen Länder. 

Die Ukraine und er baltische Raum sind der einzige Raum, in den hinein sich Polen entfalten kann, das exemplarisch herausgegriffen werden soll. Der Traum vom Großreich, das es in der Vergangenheit bereits gab, ist keineswegs ausgeträumt, wie sich der VdZ in Gesprächen mit Polen immer wieder überzeugen konnte. Nur spricht man nicht darüber, und verschleiert außenpolitisch langfristige Ziele, als Richtungen, die Außenpolitik im Kleinen orientieren. Etwa, indem man sich der NATO bedient. Aber es geht den Polen nicht um übergeordnete Reiche, es geht um nationale Interessen eines starken Polen, und die sind sogar verständlich.

Genau das sollte mit "Reichen" aber geordnet oder verhindert werden, wie auch Dugin vorschlägt. Nur ungefähr gleich starke Mächte können auf einer Augenhöhe miteinander sprechen und verhandeln. Die auf geographischen Räumen beruhen, die jeweils so halbwegs organische, harmonische Interessensbalance haben. Nur dann werden die großen Interessen, auf die sich Außenpolitik ja mehr oder weniger reduziert, zu tragfähigen Kompromissen verhandelbar, in denen keine Seite übervorteilt wird. Die Hälfte Europas ist aber derzeit im Grunde machtlos, weil zu schwach den großen Spielern gegenüber, auch wenn viel getan wird, um diese Wahrheit zu verschleiern.

Gerade die Ukraine ist unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten, die einem starken Rußland gegenüber nur noch zu äußersten Mitteln zu greifen sich in der Lage fühlte, und damit globale, weit größere Interessensprobleme aufkochte, die den Konflikt so gefährlich machen.

In der derzeitigen Lage aber geht es vor allem um neue "große Gedanken". Gar nicht so sehr um direkte kurzfristig erreichbare Ziele, sondern um Gedanken, die über den eigenen Tellerrand hinausreichen, und an denen sich Politik im Kleinen, Alltäglichen orientiert. Nur unter Ausrichtung auf solche Ziele kann diese Kleinpolitik widerspruchsfrei bleiben. Nur so kann auch das im Diffusen verschwimmende Gerede vom Frieden wieder mit konkretem Inhalt gefüllt werden, anstatt sich zur bloßen Propaganda degradiert instrumentalisieren zu lassen. Denn die Mittel zu einem friedlichen Zusammenleben der Völker, im Großen wie im Kleinen, haben wir gar nicht. Nur eigene Interessen aufzulösen, um Konflikte zu vermeiden, ist keine Politik, es ist ein Vertagen und Verdrängen. 

Großreiche als globale Ordnung gleichrangiger Mächte wären aber solche Instrumente. Und sie beflügeln auch die Phantasie einer globalen Ordnung, die dann nicht ein Gerangel um Hegemonie, das ohnehin gefährlich versagt (USA, China), sondern ein Rechtssystem sein könnte, dem sich sämtliche dieser Reiche unterstellen, weil auch das Völkerrecht zu neuer Kraft belebt wird. Handelsabkommen bzw. teilregelungen vorzunehmen, ohne solche Ordnungsgedanken zuvor zu klären, könnte sonst zu einem furchtbaren Aufwachen führen, weil sie zu einer ungeordneten Verquickung und Neugruppierung von Interessen führen, die ausrichtungslos und damit "zufällig" aus dem Faktischen neu entstanden sind und entstehen. 

Wie diese Ordnung als faire Ordnung aussehen könnte, diskutiert unter gleichrangigen Partnern, unter Kriteriengleichheit, ist eine Frage, die es konkret zu klären gäbe. Im derzeitigen wirren Haufen aber werden oft willkürlich und verschleiert interessengesteuert dem einen Dinge zugestanden, die beim anderen kriminalisiert werden, und umgekehrt. Jede Wirtschaftsordnung muß aber auf eine zuvor erfolgte und vorhandene politische Ordnung zurückgreifen, die sie ausrichtet, sonst schafft sie nur Verwirrung.

Österreich, seine Bevölkerung, seine Politik, weiß es nicht mehr. Deshalb sieht auch der VdZ keine Führungsrolle, die es in solchen Gruppierungen erfüllen könnte. Österreich wird bei Beibehaltung derzeitiger politscher Prämissen (die eine Prämisse der Nicht-Vorhandenheit ist) zum bloßen Appendix (egal welcher Macht) werden, und ist es ja ohnehin schon (von Deutschland und der EU)*. Weil es aber auch sonst kein Land gibt, das derzeit durch konsequente Politik herausragt die mehr will, als eigene Interessen durchzusetzen und zu warten, bis ihm reife Früchte in den Schoß fallen, weil sich immer die Logik des Faktischen als von jenen bestimmt erweist, die ein Ziel verfolgt haben und damit jenen überlegen war, die das nicht hatten und deshalb Gesamtrichtungen gar nicht erkannt haben

Wenn man diese Gedanken also nicht schleunigst aufgreift, den Großraum Europa wieder ordnet, und zwar nach europäischen und damit geostrategischen Gesichtspunkten die anders gelagert sind als in die USA hinein aufzugehen, wird sich ganz Europa, nicht nur der mitteleuropäische Raum, eines Tages als bloßes Instrument anderer Machtinteressen wiederfinden. Wiederfinden? Es sollte sich endlich daraus befreien und sein Schicksal endlich wieder in die eigene Hand nehmen.




*Dieser Aspekt - ein Aufbrechen der Kleingeistigkeit in Österreich - wäre auch der einzige Aspekt gewesen, den der VdZ 1994 dem hinzunehmenden EU-Beitritt (den er vehement ablehnte) abgewinnen konnte. Die letzten 20 Jahre aber haben genau gezeigt, worum hier gehandelt wird: Österreich hat sich sogar noch weiter aufgelöst, und seine Kleingeistigkeit ist endgültig zur trüben Wasserlacke geworden. Das zeigt, daß es einen kleineren, adäquateren Großraum gebraucht hätte, der Österreich nicht so erdrückt, wie es nun stattfand, und wo es um konkrete Interessen gehen hätte können, nicht um universalistische "Werte", während das Konkrete der EU ein schwaches Österreich hinweggespült hat. Daß das realpolitisch so kommen mußte, war dem VdZ (und vielen anderen) ohnehin klar. Die Fragestellungen sind für Frankreich oder Deutschland völlig anderer Natur, als für Österreich (und all die Kleinstaaten). Sie wären es genau so für die Mittelmeerländer, und für Mittel-Osteuropa.




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Donnerstag, 27. November 2014

Da denkt die Rechte einfach links (2)

Teil 2) Lächeln wir aber doch über diese Kindereien



Es ist eine lächerliche Gepflogenheit und Verdrehung, die Menschen vordergründig mit anderen Absichten zu täuschen. Indem man ihnen das eingeredet hat, haben bestimmte Interessengruppen nichts anderes gemacht, als Instrumente zu schaffen, die ihnen helfen zu lügen (wozu es umschreiben?) Und sei es, daß sie sich die eigenen Erkenntnisprozesse diesbezüglich "aberzogen" haben, und selbst intern solche Dinge fordern. 

Alles Schall und Rauch, alles Lug und Trug. 

Aber es hat noch weitere Konsequenzen. So in der Einschätzung der Stunde, die einem Land, einem Volk, Menschen, einer Situation geschlagen hat. Wie hier "Freies Österreich", das von einem Volksaufstand träumt, der angeblich in einer bestimmten Bedrückungssituation unweigerlich folge. Das sind Märchen, vorwiegend der Linken, die darauf ein ganzes Weltbild aufgebaut hat ("Klassenkampf"), aber auch vieler anderen Bewegungen. Die auf einem völligen Verkennen der Ontologie des Menschen, die meist sogar regelrecht auf einer marxistischen, die selbst wiederum auf der aufklärerisch-rousseau'schen Utopie aufruhen, nach der der Staat ein Vertrag sei, der auf den einzelnen Menschen beruhe, sodaß alle Macht, alles Recht vom Volk ausgehe.

Das einzige, was daran stimmt ist, daß auch ein Staat, seine Form die ein Volk zu einer organismischen Gestalt zieht, hält, formt, einer dem Volk selbst zugrundeliegenden Ordnung genügen muß, sonst bricht er zusammen oder entsteht gar nicht. Aber diese Ordnung geht dem (und den) Menschen (der ein Beziehungswesen, also ein Ordnungswesen ist) selbst voraus. Eine Regierung repräsentiert lediglich den Nervenknoten eines Gemeinwesens, ist insofern sogar Prinzip einer Gemeinschaft (und nur dann kann man von Volk sprechen.)

Solche Aufstandsphantasien sind nicht "gefährlich", das wäre lächerliche Überschätzung. (Umso lieber wird sich die Linke darauf stürzen, denn hier hat sie Brüder im Geiste der Virtualität, die genau damit - der Umwelt - bestätigen, daß sie ja doch etwas "Reales" sind und fordern.) Sie sind schlicht unrealistische, wenn nicht sogar dumme Utopien. Träume, an denen ihre Forderer (und dahinter steht eindeutig einzelnes Wunschdenken) letztendlich selbst verbluten. Weil sich keine ihrer Voraussetzungen je erfüllen. In dieser Tragik sind  zwar fast sogar liebenswert (und zwar egal, ob links oder rechts) - aber bloße Schäume. Die aber ihr Verfallsdatum in sich tragen, weil sie Erwartungen hegen und pflegen, die sich nie erfüllen werden, und damit Frustration unausbleiblich machen.

Oder sind sie böse? Deckungsschilder, die hierhin weisen, während der Pfeiler selbst in die andere Richtung geht? Um eine andere, sich vorbereitende Absicht zu verhüllen, um zu dem Zeitpunkt, wo das einzige, was Umstürze verwirklichen kann - Elite, Einzelne, ja ein EinzelneR, der/die nicht erst um Legitimation ringen muß, die sie schaffen muß, sondern der/die sie HAT, ohne daß man derzeit vielleicht daran denkt - darauf aus realpolitischen Entscheidungen verweisen zu können? 

Möglicherweise. Aber der VdZ glaubt nicht einmal das. Er glaubt nicht an das Vorhandensein dieser großen Köpfe in Österreich, höchstens irgendwo in Europa, wo sie als Solitäre leben, und durch die Hand Gottes irgendwie irgendwann "nach oben" gespült werden. Vielleicht und vermutlich sogar, ohne daß sie das selber je beabsichtigen oder gar anstrebten. Denn auf eine immerhin recht rational (und metaphysisch wie anthropologisch) begründbare Weise stimmt es, daß sich in der Geschichte der Menschen immer bestimmte Kristallisationspunkte bilden, die dann entscheidende Weichen im Fortgang der Geschichte stellen. Knoten, in denen die Nerven einer Zeit und einer Epoche zusammenlaufen, ohne daß man es je wahrgenommen hätte.

Aber ein Volksaufstand, eine "Reform von unten", kann das schon wesensgemäß gar nie sein. Diese "Warnung" vor einem "bald" eintretenden Volksaufstand sind also reines Wunschdenken. DARIN, ja, erstaunlicherweise, deckt sich die Rechte tatsächlich mit der Linken. Was aber soll man mit einer Rechten anfangen, die um die Wurzeln ihrer eigenen Gedanken gar nicht weiß, und deshalb - links ist, weil ur-linke Phantasie, das Gründungsmotiv aller Linken, schlichtweg so verlockend klingen? Es wäre nicht überraschend, denn auch die Linke denkt, wenn es ihr paßt, gerne rechts.

Ihrer alle Grundwirklichkeit, ihre alles sonstige Weitere begründende Richtung aber kommt von ganz, gaaaanz woanders her. Ihre Worte sind (wie Doderer es einmal nennt) Nebelschwaden, die verhindern sollen daß man sieht, woher das Geschoß kommt. Die deshalb ohne eine blackbox nach der anderen gar nicht auskommt, die es "später" einmal kären will, aber nie können wird.

Nicht jede Kritik an der Zeit zeigt auch, daß der Kritiker weiß, wie die Dinge zusammenhängen. Auch hier gilt, wie so oft sonst: Nicht das, was jemand im Einzelnen sagt, ist entscheidend, ist wahr oder gelogen, sondern in welchen Zusammenhang es gestellt wird. Oder nährt sich die Rechte Europas aus demselben Töpfchen, wie alle Linken, aus einer diffusen, aber ziemlich subjektiven Unzufriedenheit?

Gnade uns allen aber, und Gnade und nur Gnade, wenn an "die da unten" einmal manche wirklich glauben, glauben, es käme nun auf sie an, sie müßten sich erheben. Das ist das Tor zum Inferno, auf daß sich eine Bestialität freisetze, die alles übertrifft was der Mensch je dachte, wozu er in der Lage wäre.

Aber besser wird dabei gar nichts. Nur der Ochsenziemer wird diese Bestien wieder in neue, aber noch schärfere Zäune führen können. Und das Volk wird dem Peitschenschwinger dankbar die Füße küssen. Es hatte nie eine Änderung des Systems gewollt. Es war nur hier und dort unzufrieden.

Übrigens - DIESE Wende, als "Wende zurück", als Wiederkehr des Friedens in der gottgewollten Ordnung, bei allen Unausgewogenheiten, die unvermeidbare Folgen der Freiheit sind, steht den Völkern Europas seit 200 Jahren tatsächlich noch bevor. Wenn Gott will, so findet sie auch sogar ihren Kristallisationspunkt. Als Rückkehr des Schöpferischen aus Gnade.

Wissen Sie was, geneigter Leser, was der VdZ aber glaubt, was herauskommen wird, egal, was in den nächsten Jahren passiert? Es werden immer irgendwelche Krüppelformen sein, das "Reich des Himmels" wird niemand errichten. Das ist nicht resigniert gesagt, das ist Fazit einer großen Nüchternheit über die Welt und die Menschen, wie sie eben sind. Damit leben zu lernen - das ist die große Aufgabe, die sich uns Menschen aber stellt. Um Menschen zu bleiben.

So wichtig und bedeutend und unverzichtbar auch ist, das Faktische immer wieder und immer wieder, ja täglich neu, auf jene Bestandteile zu untersuchen, die SIND, die dieses Sein wollen und suchen und von ihm her sich bestimmen. Denn nur aus dem Sein kann der Einzelne - und das wird immer eine Aufgabe des Einzelnen, dabei aber nicht "autonomistisch", sein - LEBEN.

Und dieses Sein ist Mensch geworden, ist Person. Ist in der Kirche real gegenwärtiger Gott. Jesus Christus. Das ist der Gradmesser der Wahrheit.

Das sollte uns milde lächeln lassen. Nicht sarkastisch, nicht zynisch, nicht ironisch. Liebend weil verzeihend. Sind wir selber vollkommen?




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Mittwoch, 26. November 2014

Da denkt die Rechte einfach links (1)

Es war bei Alexander Dugin nur ein Verdacht - in seinen Schriften, Reden etc. wird es zu wenig deutlich. Wobei es schon verstehbar ist, wenn Dugin viele "black boxes" schafft, indem er die Klärung so mancher der von ihm angerissenen Themen als noch zu leisten offen läßt.

Aber natürlich macht das auch mißtrauisch. Dort etwa, wo er Richtungen weist oder andeuten will, die in sich ein Problem sind. Wenn Dugin nämlich schreibt, daß die alte links-rechts-Ordnung hinfällig ist, daß also das "Beste" aus beiden Denkrichtungen zusammenwirken muß, um die politische Gegenwart real zu lösen, dann ist der Vorwurf eines Eklektizismus, erweitert um den der "Selbstbedienungsmentalität", alles andere als weit hergeholt. Wenn sich nämlich dieses "Beste" - widerspricht. Und das tut es bei Dugin.

Und es tun andere. Und der VdZ wirft ihnen weit mehr noch vor als Selbstbedienungsmentalität - es hat mit ... Geistesschwäche zu tun. Daß es Lüge sei, wollen wir nicht, oder: noch nicht behaupten. Auch wenn sich dieser Verdacht nicht von der Hand weisen läßt. Denn die Bedienung am "Demokratischen", um es dann, nachdem man sich seiner bedient hat, an der Macht also, wieder zu entsorgen, ist ja keinesfalls alt. Es haftet praktisch SÄMTLICHEN politischen Bewegungen des 20. Jhds. an (samt den Nachläufern im 21.). Sie alle wollen durch Demokratie an die Macht kommen, um dann - nicht mehr ganz so demokratisch - ihre Veränderungen durchzuziehen. Dann nämlich, an der Macht, und mit der Erfahrung ihrer Mechanismen, wird die Problematik der Demokratie (heutigen Zuschnitts) als Staatsprinzip erst so richtig und real schlagend. Was zuvor Polemik war, wird dann real erfahrene Aporie, ja Verstoß gegen jene Verantwortlichkeiten, denen zu folgen man ursprünglich beschloß.

Das hat Hitler so gemacht, das war die erklärte Zielsetzung sämtlicher sozialistischer Bewegungen (die als "Sozialdemokraten" keineswegs andere Zielsetzungen hatten, als DURCH Demokratie jene Macht zu erlangen, die sie die Demokratie NACHHER wieder abschaffen lassen könnte), und das kennzeichnete sogar die sogenannte "konservative Revolution", die sich aus pragmatischen Gründen sogar so in den Nationalsozialismus "integrierte", daß sie heute nicht einmal mehr bekannt sind. (Grob gesagt: es waren jene kreise, die dann den 20. Juli organisierten und durchtrugen, sofern sie nicht - wie Edgar J. Jung- schon zuvor den Säuberungen der Nazis zum Opfer gefallen waren, denn diese wußten um die Unvereinbarkeit) Wer immer durch Demokratie an die Macht kommt, möchte - einmal AN der Macht - diese autokratisch bestimmen, das ist einfach so, weil Machtausübung und Verantwortung gar nicht anders möglich sind. (Ganz simples Beispiel: Man kann nicht demokratisch abstimmen, ob jemand ein Gesetz halten muß, oder nicht. Das zeigt, daß es Grenzen der Demokratie auf jeden Fall gibt.)

Wie sonst sollte sich also das von der Rechten eingeforderte demokratische Moment verstehen lassen? Und - es scheint sie selbst zu verwirren, ihr Einschätzungsvermögen zu trüben. Ein Beispiel von vielen ist ein Artikel, der auf "Freies Österrreich" jüngst erschienen ist. In dem (wie als Aufputschdroge) davon die Rede ist, daß ein Aufstand der Bevölkerung, die unter der korrupten und verfehlten Politik leide, nur eine Frage der Zeit sei. Das mag ein frommer Wunsch sein - aber er gründet nicht in Realitäten. Und wo das behauptet wurde (und wieder: nahezu alle Bewegungen s. o. beanspruchen die eine oder andere Erhebung für sich) wurden bestimmte Faktoren - durchaus auch solche, unter denen ein Volk litt - als "Auslöser für eine Revolution" in Anspruch genommen und interpretiert. 

Tatsache aber ist etwas ganz anderes ... einen "Aufstand von unten", der ein politisches System kippte, hat es praktisch NIE gegeben. Nie, und nirgends. Wenn sich tatsächlich Massen auf die Straße begaben (als Synonym benutzt) waren sie IMMER BENUTZT. Und zwar von einer intellektuellen Schichte, meist, wenn nicht sogar auch ausschließlich von Interessengruppen, die durch die Masse - als Legitimation, weil scheinbar "Wille aller", auch vor den die Masse ausmachenden Individuen selber! -  ihre Ziele durchsetzen wollten.

Hier stößt zum einen ein frommer Wunsch (denn das Bedürfnis nach Wandel mag durchaus berechtigt sein) auf eine naturgesetzliche und naturrechtliche Aporie. Ein Organismus (und nur auf einen solchen kann sich politischer Wille beziehen) ist wesentlich bestimmt durch die Hierarchie seiner Glieder. So lebensnotwendig fürs Ganze alle sein mögen, so haben doch die Einzelnen ihre einzigartige Stellung zum Ganzen und zu den Teilen. Die Leber ist nicht weniger als das Herz oder das Gehirn lebensnotwendig, aber sie ist es auf eine ganz andere Weise, als der Magen, das Rückenmark oder die Blutzelle. Auf keines kann man verzichten, aber nur das Gehirn (der VdZ vereinfacht natürlich) kann alles zu einem einheitlichen Ziel ordnen. Und tut es ja auch.

Die meisten, wenn nicht sogar alle Krankheiten sind nichts anderes als Desintegrationen einer Teilfunktion, die ins Ganze nicht ausreichend integriert werden können. Und nichts reagiert mit mehr Erleichterung als dieses Einzelne, dieser Teil, wenn er vom entscheidenden Zentrum, dem Gehirn in diesem Fall, wieder an seinen Platz gewiesen wird. Dann ist er nämlich wieder gesund.

Eine der eisernsten Lebenserfahrungen des VdZ ist deshalb auch, daß sich ein System (ein Organismus) NIE "von unten heraus" reformieren läßt. Wenn er das versucht, stellt er sich in einen Widerspruch in sich - er zerstört genau das, was zu reformieren er vorgibt. Deshalb ist jede Revolution der Geschichte gekennzeichnet davon, daß nach kurzer Zeit eben diese Referenzmassen nichts sonst wünschen, als daß alles wieder zur FRÜHEREN Ordnung zurückkehrt. (Wie gesagt: hier wird grob vereinfacht, um es anschaulich zu machen indem die Richtung, in der die Aussage liegt, an der Metapher deutlich werden zu lassen.)

Das ist der Grund, warum nahezu alle "rechten Parteien" Europas im Grunde immer wieder in sich zusammenfallen: Sie produzieren einen Widerspruch! Während sie dann Zuspruch haben, wenn sie autokratisch sind und Autokratie fordern (und damit den allem politischen Wollen der Menschen zugrundeliegenden Ordnungsstreben entsprechen), fallen sie in sich zusammen, wenn sie sich DESHALB auf Demokratie und "Macht, die vom Volk ausgeht" berufen. Mit nichts kann man die Menschen mehr erschrecken. Denn jeder Mensch weiß - ob er das "weiß" oder nicht - daß nicht er eine Ordnung vorgibt, sondern ihm selbst eine Ordnung vorausliegt.


Morgen Teil 2) Lächeln wir aber doch über diese Kindereien




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Freitag, 10. Oktober 2014

Begreifen Sie immer noch nicht? (2)

Teil 2) Eine erschütternde Rede - Adolf Hitler im November 1941





Nach wie vor aber wird auf Schulen und Unversitäten, und in Dauerumerziehung (=Dummerziehung) durch Medien, den Menschen eingeredet, man könne das Böse einfach daran erkennen, daß es den Hitlergruß zeige, Hakenkreuzbinden trage, und Juden vernichten wolle. Eben einfach böse sei. Wäre der Nationalsozialismus aber nicht auf einem Boden gestanden, der auf verblüffende Weise viele Wahrheiten und Tatsachen zu einem verwirrenden Konglomerat zusammengemixt hätte, bis seine eigentliche Natur nicht mehr erkennbar war, wäre er nie so mächtig geworden. Erst so wird verstehbar, warum sich so viele hervorragende Köpfe mit ihm identifizieren konnten. Die so manches halt für Kinderkrankheiten oder Randerscheinungen hielten.

Und er würde heute noch viel leichter gewinnen, gerade jene, die sich durch brave und attestierte Eingliederung in die Guten so gefeit vor ihm wähnen (und das kommt von Wahn.) Die heutigen Generationen, behauptet der VdZ, wären sogar so fanatische Nationalsozialisten (wenn auch mit hier und dort anderen Inhalten), wie es sie damals in dieser Masse (und in ganz Europa) gar nicht gab. Denn ihnen fehlt heute längst jener Rest von Humankultur, den damals immer noch viele hatten. Ihre Unmenschlichkeit kennt als Massenphänomen überhaupt keine Grenzen mehr, und von einem unüberwindlichen Wall des Narzißmus umgeben in tiefste Dunkelheit gestürzt.

Jetzt wie vielleicht in der Geschichte der Menschheit noch nie kommt es auf den Menschen selbst an, gerade in der dialektischen Gegenwelle zur Vermassung der letzten Jahrhunderte, in der nun die Sittlichkeit jedes EINZELNEN so gefragt ist wie noch nie. Wer jetzt nicht fest steht, den wird der Sturm der Zukunft, der wesensnotwendig immer wieder neue Anläufe sucht um endlich zum Orkan werden zu können, wie Laub im Herbst wegfegen. Das gilt für Politik und Staat nicht anders, als für die Kirche. Das aber stimmt sehr pessimistisch ... denn woher sollen die Menschen heute die Kraft dazu noch nehmen?








*Vielleicht wird nun auch den Letzten klar, daß sich das Thema Nationalsozialismus nicht über eine Diskussion über Holocaust, Hakenkreuze und Generalverdammung der Menschen und dem primitiven Geschrei von "Antifaschismus" lösen läßt. Das alles sind in diesem fundamentalen Sinn unwesentliche Kasperltheateraufführungen, wo ein und derselbe Spieler hier links den guten Kasperl, und dort den bösen Räuber spielt. ER ist es, der sich die Guten, er ist es, der sich die Bösen - als Figuren - selbst schafft. Aber nach wie vor befaßt sich niemand mit dem Spieler. Fast alle glauben, daß es darum geht, wer von den beiden den anderen besiegt!

**Noch einmal, und wieder und wieder: Man lügt nicht durch falsche Daten oder Fakten, sondern durch richtige Tatsachen. 

***Es gehört ja zu einer der groteskesten Merkwürdigkeiten der Gegenwart zu sehen, daß die heutigen Menschen meinen, ihre Gedanken und Weltbilder und Lebensweisen wären originell und deshalb Produkt des Fortschreitens der Menschheit. Nur weil die Römer oder Ägypter kein iPhone und keinen Opel Omega 3i hatten. Der VdZ hat in seiner mittlerweile fünf Jahrzehnte währenden Lebensspanne NOCH NIE etwas (in zivilisatorischer Hinsicht) gesehen, das es nicht vor tausenden von Jahren sogar bereits gegeben hätte. Und staunt immer wieder zu sehen, daß so viele Menschen meinen, was sie dächten und täten wären einmalig in der Geschichte. Aber diese Verblendung ist eben Teil des (ewig gleichen) sittlichen Problems, sie ist keine Frage des Disputs (oder gar von Internet-Foren und Zeitungsabonnements). Sodaß gerade New Age-Behuschte ins Narrentürmchen gesperrt gehörten, die von "neuen Zeitaltern" quatschen, die wir nun angeblich beschritten. (Welch Überlegenheit, welch realistischer Blick, der die katholische Geschichtsauffassung kennzeichnet. Die einzige, die auch verifizierbar ist, ohne in Wahn zu verfallen.) 




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Donnerstag, 9. Oktober 2014

Begreifen Sie immer noch nicht? (1)

Mit der größten Verblüffung - in Anknüpfung an die gestrigen Bemerkungen - hört man also, was Adolf Hitler in einer Rede im November 1941 von sich gab. Sprach er hier von der Gegenwart und der Ukraine bzw. Rußland? Oder von der weltpolitischen Situation Deutschlands 1941?

Hier wird noch deutlicher, was der VdZ meint: Bewegt sich die Politik nur auf der Ebene der Pseudologie, kommt es zu überhaupt keiner Entwicklung, sondern bleibt in Grundkonflikten stecken, die eigentlich nur in Vernichtung enden können. Jeder "Kampf" ist ein Scheintheater, links und rechts bewegen sich auf derselben Ebene. Eine Ebene, auf der sich sowohl die USA damals wie heute bewegen, aber auch die Weltgemeinschaft, und genauso Deutschland damals oder vermutlich auch Rußland (wo der VdZ diese Gefahr der Pseudologie als Vehikel sehr wohl sieht). Und daß sich heute beide Seiten so vielfach einig zu sein scheinen - man muß nur mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen, zuhören, sehen - ist nichts als die Folge einer unausbleiblichen, nur durch die Zeit bewirkten, zwangsläufigen Zurückführung dieser Exponenten auf ihre gleiche Substanz.

Wenn man hier den wahren Kern nicht herausschälen kann, hier nicht die Erdung findet, bleibt nur noch Verwirrung. Und nun beginnt sich zu rächen, daß die eigene Geschichte seit Jahrzehnten falsch erzählt wird, daß speziell die eigentliche Thematik Deutschland (und Österreich) in den 1930er, 1940er Jahren nie wirklich aufgearbeitet wurde. Denn es geht um etwas anderes, es geht um viel mehr als beim Auftritt des Kasperl zu jubeln, und beim Auftritt des Räubers empört zu buhen um sich und allen zu vergewissern, daß man auf der richtigen - natürlich: guten - Seite steht. Worauf sich Erziehung, Schule, Journalismus seit Jahrzehnten beschränkt. Das betrifft auch eine gewisse Neigung, Nationalsozialismus MINUS Vernichtungslager ("denn klar ... das ging ja dann doch nicht ...") für doch recht akzeptabel zu halten. Welchen Verdacht der VdZ bei einigen russischen Strömungen zu sehen meint. Ja, darauf wird es in resigniert-realistischer Betrachtungsweise hinauslaufen. Und wieder haben wir selbst es verbockt. Aber Wahrheit gibt es nicht frei Haus geliefert, sodaß man sie nur ins Regal stellen müßte, um bei Gelegenheit darin nachzuschlagen.

Denn was Hitler da sagt, ist deshalb starker Tobak, weil man es grosso modo fast 1:1 als Analyse der gegenwärtigen Weltpolitik gelten lassen könnte.* Diese Argumente hört man heute immer öfter, und zwar bei Linken UND Rechten. Bei Kasperl UND Hotzenplotz.

In diese Richtung argumentiert etwa ein Alexander Dugin, zumindest hört der VdZ es mitschwingen. Dugin, der noch vor zehn Jahren quasi kommunistischer Revisionist war, gilt heute als rechter Gottseibeiuns, ohne daß er seine Gedanken wesentlich geändert hätte. Und niemandem fällt etwas daran auf. Dabei sieht der VdZ Dugin keineswegs als Lügner, und schon gar nicht als dummen Menschen. Selbst wenn Dugin das Wort "dritter Weg" verwendet, das auch der VdZ hier gebraucht. Meint er aber dasselbe? Der VdZ meint: nein. Er meint genau diesen zweieinhalbten Weg.

Vielmehr scheint er nämlich ein Pferd zu reiten, dessen Siegeszug auch durch Westeuropa nach Auffassung des VdZ kaum noch aufzuhalten ist. Da kann sich EU und NATO auf den Kopf stellen. Das wäre tatsächlich nur durch Krieg und vor allem seiner Folge - staatliche Totalitarismen aus der Umstellung auf Existenzbedrohungsmodus - zu stoppen.

Es baut auf auf der Unfähigkeit, einen anderen Weg zu finden als hier blanken Revisionismus, oder dort sinnloser Ablehnung des Richtigen. Weil die Phänomene keineswegs neu sind, und viel Wahrheit enthalten. Und wie wenig neu, das sollte Ihnen, geneigter Leser dieses Blog, dem der VdZ seine Gedanken hoffentlich klar genug darzustellen vermochte, durch Hören dieser verblüffenden Rede deutlich werden.** Weil aber nie dem nachgegangen wurde, wo der Nationalsozialismus (und der Kommunismus) auf Richtigem, auf dem berühmten Funken Wahrheit und auf so vielen richtigen Tatsachen aufbaute, stellt er heute die Menschen immer drängender vor die Wahl, sich pauschal für oder gegen diese falsche Alternativenwahl (!) auszusprechen. Kayserling wies schon vor 100 Jahren nicht zufällig darauf hin, daß der Amerikanismus und der Bolschewismus (und später: Nationalsozialismus) von EIN UND DERSELBEN Grundhaltung getragen wird.

Ist alleine angesichts der amerikanischen Nivellierungsaggression (und Entstaltung ALLER Lebensprozesse) - die wir ja bis ins Geschlecht hinein erleben - noch nie jemandem diese Parallele aufgefallen? Die auf einer geistigen Struktur aufruht, die keineswegs Zufall sondern vektoriell im Ausgang des Mittelalters angelegt ist. (Wobei in Wahrheit immer in mehr oder weniger Kraft vorhanden war.)***

Es ist die Menschheit selbst, es ist die Entwicklung der Kulturen, die fehl ging. Auf der Ebene der faktischen Argumente - und was Hitler hier sagt, ist heute äußerst weitverbreitete Ansicht, und dabei sogar auch nach Meinung des VdZ vielfach richtig, damals wie heute! - läßt sich dieses Problem nicht nur nicht lösen, sondern wir drehen uns im selben Kreis der Selbstentfremdung und -vernichtung, in die die nördliche Halbkugel seit fünfhundert Jahren mehr und mehr, in einer fatalen Eigendynamik, die in den USA wie in Rußland nur je extrapoliert wurde, hineingerutscht ist. Und in einem falschen Kreis der Politik der Technik von Abläufen gelandet ist.  

Diese Rede sollte also erschüttern. Aber illustrierend, und so ganz anders, als manche vielleicht meinen. Angst vor Tatsachen sollte man auf jeden Fall nicht haben. Aber auch die Kraft, sie richtig zu ordnen. Und dazu muß man anders denken, als heute üblich ist. Und schon gar der Versuchung widerstehen, den Tatsachen einfach aus Angst auszuweichen.


Morgen Teil 2) Eine erschütternde Rede - Adolf Hitler im November 1941
 samt nachgelieferten Fußnoten





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Sonntag, 29. Juni 2014

Weg aus der Postmoderne

Sein Name taucht in letzter Zeit immer wieder in den westlichen Medien auf - Alexander Dugin. Dessen Buch "Die vierte politische Theorie" bei amazon.de sogar einen vorderen Verkaufsrang in der Liste der politischen Sachbücher einnimmt. Angeblich sei er ein Putin-Vertrauter, liest man dann. (Wobei: Wenn man rechnte, von wem aller behauptet wird daß er das sei, ließe vermuten, daß Putin parallel zu seinen Amtsgeschäften und einem Angelausflug am Wochenende, bei dem er, nachdem er einen weithin duftenden zwei Meter Huchen aus dem Jenissej geholt hat, mit bloßen Händen einem dummerweise die Falle mit dem Huchen nicht ahnenden Kolabären dessen eigene Zunge in den A... steckt, einen weiteren 48-Stunden-Tag nur mit Beratern verbringt.)

Das Buch ist, es sei offen gesagt, über weite Strecken mühsam weil wenig stringent. Dugin bemüht sich auch kaum, die Lücken in seiner Argumentation zu kaschieren. Auch analysiert er teilweise irritierend falsch. Seine Ausagen über die Natur des Nationalsozialismus sind sogar regelrecht Unsinn, und nur verständlich, wenn man sie aus der Sicht eines emotional betroffenen Russen (gibt es andere?) denkt.