Die Welt geht also nicht vom Sinn und von der Gestalt aus, wie es die Menschheit eigentlich seit je gedacht hat, sondern von puren Materialeigenschaften, aus denen alles andere folgt, das dann einfach übergestülpt wird.
Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Sonntag, 10. Juli 2022
Vollkommen falsch gedacht (5)
Samstag, 9. Juli 2022
Vollkommen falsch gedacht (4)
Weil sich somit das Produzieren von der Freude an den Dingen ob ihres Lobpreises und Tanzes der Schönheit im Lebensganzen entfernt hat, wird auf den Menschen zugegriffen, um ihn zum Teil einer Gewinn-Produktions-Maschinerie zu machen. Denn der Mensch wird auf den rein materiell gedachten Daseinszweck (der keine absoluten höheren Aufgaben hat) hin gedacht. Er wird zum technischen Apparat, der so weit und so lange funktionsfähig gehalten werdne muß, so lange er Nutzen für diese Maschinerie hat. Darauf setzt die gesamte Public Relations- und Werbemaschinerie an, die seit hundert Jahren das vordringlichste Handwerkszeug der Produktion gesehen wird.
Freitag, 8. Juli 2022
Vollkommen falsch gedacht (3)
Alle Dinge wollen jemandem gehören, weil sie wohin gehören müssen, das ist das Wesen des Existierens: Der Ort definiert also das Wesen. - Damit verschwinden also vor allem die natürlichsten, wichtigsten Grundentscheidungen, -anforderungen und -situationen des Menschen (man denke an die Ehe, oder in Zeiten des Corona an die Pflicht sich dem Nchsten zu widmen, die sterbenden Eltern zu besuchen, man denke an die religiösen Kulte, usw. usf.) aus dem Bewußtsein. und werden durch Scheinhandlungen ersetzt, die niemand mehr reflektiert weil er anderwärts beschäftigt ist. Daß dies viel mit Versuchungen, mit dem Anlocken auf bereits vorhandene habituelle Schwächen und Neigungen zu tun hat ist ein wichtiger Aspekt dabei. Denn das Natürlichste ist dem Bewußtsein das am wenigsten Präsente. Nur das kranke Auge sieht sich selbst, sagt V. Frankl einmal dazu.
Und wir hören die Dinge nicht mehr sprechen. Denn alles spricht, trägt seine Grammatik unter und in sich. Aber nur wenige können noch in diese Stille hinein hören. Denn die Wirklichkeit ist unsichtbar, sie ist nicht wesenhaft materiell, sondern hinter (oder: vor) dem Materiellen. WAS etwas ist erschließt sich nicht dem Auge oder dem Tastsinn, sondern ist eine Frage der Erkenntnis, die die Daten der Sinne erst ordnet und mit Bedeutung füllt.
Donnerstag, 10. Februar 2022
Sieben weitere Jahre durchgekaut
Donnerstag, 19. November 2020
Kernschmelze im Reich der Mitte (2)
Teil 2)
Diese Form hat er in China. Mit Konnotationen, die staunen machen könnten, wüßten wir nicht, daß es gar nicht anders sein kann. Wo sich im chinesischen System des "social credit" ein "graduelles Menschsein" ausdrückt, in dem die Würde des Menschen nicht absolut besteht, also im Menschsein an sich, und zwar von der Empfängnis an, sondern von der Aktualisierung bestimmter ERWÜNSCHTER Eigenschaften abhängt. Wer etwa in China ein Verbrechen begeht, hat kein Recht auf Menschenwürde, der hat sie verspielt.
Deshalb ist unsere Empörung, wenn zum Tode Verurteilten die Organe entnommen werden (was heißt, daß sie noch VOR dem Tode ausgeschlachtet werden), völlig sinnlos. Unsere Wertesysteme kollidieren nicht mit den chinesischen, sagt Englert, sondern sie sind wie zwei Züge, die auf verschiedenen Geleisen fahren, sich also gar nicht begegnen. Der westliche Begriff von Menschenrechten ist deshalb in China irrelevant. China kennt nur das System des graduellen Menschseins. Und diese Auffassung wird nicht nur vom Materialismus von Denksystemen wie dem Evolutionismus-Darwinismus gestützt, ja mit Theorie unterfüttert, sondern er hat längst auch uns, den Westen, zutiefst durchwuchert.
Längst ist auch bei uns die Menschenwürde graduell verstanden, hängst also von der Aktualisierung bestimmter Eigenschaften ab, die erwünscht sind. Wie in China, nicht anders.
Sehr aufschlußreich zeigt Englert, wie Xi Jinping von persönlichem Ehrgeiz getragen ist. Der sich nicht zufällig mit dem vulkanartigen Verlangen der Chinesen deckt, sich aus jahrhundertelanger Demütigung durch den Westen zu befreien. Und den Westen nicht nur zu erreichen oder zu übertreffen, sondern auch zu beherrschen. Und das deckt sich wiederum mit dem Ziel des Kommunismus, das Weltherrschaft heißt.
Alle Fäden, machen wir es einfach, laufen in der KPCh zusammen. Sie definiert, was "gut" ist, was Mensch und was nicht Mensch, was gut und was nicht gut als vermeintlich China dienlich ist. Der Staat, der in seiner Verwaltung letztlich nur der verlängerte Arm der Partei ist, samt einer "freien Wirtschaft", die von Großbetrieben bestimmt ist, die wiederum vom Staat gelenkt werden, sagt, was erlaubt ist.
Und er verbietet, und zwar mit rigoroser Kontrolle und Unterdrückung, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln - und sei es die unglaubliche Internierung von Millionen Uiguren in Umerziehungslagern, sei es direkt von einzelnen unbotmäßigen, im social credit-System erkennbaren (Un- oder Nicht-)Menschen, Vereinigungen, NGOs oder Religionen (als Variante von NGOs), was nicht der "wissenschaftlichen, also unwiderlegbar wahren, richtigen Sichtweise" der KPCh entspricht. Die KPCh aber wiederum vertritt, was ... Xi Jinping sagt. Über der Partei und über den Ministerpräsidenten, der die Partei bestimmt, gibt es keine Instanz.
Sie leiten sich von Gott her. Wie die früheren chinesischen Kaiser. Was also hat sich in China tatsächlich geändert?
Oh wir dummen Westler. Wir reden tatsächlich in jener Dummsprache Gehirngewaschener, die einer uns völlig fremden Scheinlogik der Ideologien entspricht, wir glauben, daß politische Systeme die Menschen ändern und fügsam machen können. Nein, das haben sie nie gekonnt. Das waren seit je nur Verlegenheitsreden, mit denen persönlicher Ehrgeiz verschleiert werden sollte, mit dem manche ganz nach oben kommen wollten.
In Wahrheit hat jedes Volk, jede Gesellschaft das politische System, also das institutionalisierte System, das wirklich funktioniert. Erhält also jedes Volk das, was sich wirklich wirklich abspielt, das seiner inneren, geistigen, mentalitätsmäßigen, den Tugenden entsprechenden Neigungen und Wollensrichtungen entspricht.
Tugend ist deshalb in China auch nicht eine positive Haltung des Menschen. Sie ist jene Haltung, zu der der Mensch gebracht werden kann, wenn er durch Zwang dazu gebracht wird. Herrschaften, glauben unsere "politischen Führer" - siehe Corona-Krise, siehe Klimakrise, etc. etc.! - etwas anderes? Machen wir doch endlich die Augen auf.
Nicht um Revolutionen abzuführen oder "auf die Straße zu gehen." Die sind selbst wieder Lüge in sich, und Schleier, den manche um ihren Ehrgeiz IM SYSTEM (das sie angeblich als schlecht oder mangelhaft bekämpfen) werfen. Sondern einfach um zur Kenntnis zu nehmen, WAS IST. Wie in der Logotherapie also, die nur fragt, ob wie das, was wir so daherreden, AUCH WIRKLICH GLAUBEN, für Realität (als emanierte Wirklichkeit) und (noch einmal tiefer, der Wirksamkeit entsprechender gegraben) für Wirklichkeit (als geistige Tatsache) halten.
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Mittwoch, 18. November 2020
Kernschmelze im Reich der Mitte (1)
Wir wollen nur einige der Punkte herausgreifen, die Englert in diesem Vortrag an der Uni Koblenz erzählt. Und dabei prüfen, wie sie sich ins Gesamtbild fügen, das sich bei uns zu bilden beginnt. Nachdem wir von den ersten Hollywood-Erzählungen über Glanz und Glorie eines kommunistischen Landes, das angeblich den freien Markt des kapitalistischen Westens (welch ein Euphemismus - freier Markt oder gar Freiheit und Kapitalismus!) entdeckt hat, erholt sind. Die uns den Blick so schwer getrübt haben, daß wir Schwierigkeiten haben, ein konsistentes Bild von China zu formen.
Bei Englert dürfen wir endlich aufatmen. Denn in seinen Ausführungen finden wir jene Linie, die das Phänomen zusammenhält - China. Diesem Land, das von sieben Personen (sic!) gesteuert wird, die nicht nur auf einem Sockel von zweihundertfünfzig Abgeordneten und noch einmal neunzig Millionen Parteimitgliedern der KPCh stehen, sondern die selbst wiederum an einem Punkt zusammenlaufen, dem Kern.
Und dieser Kern ist eine Person. Xi Jinping.
Der einen Zentralismus, einen Despotismus bedeutet, wie er seit je den Osten des eurasischen Riesenkontinents bestimmt hat. Sämtliche Völker und Länder des Ostens, ob nah oder fern - ob das was wir heute als muslimischen Raum bezeichnen, ob Südostasien, Ostasien, Mittelasien ... - haben seit je eine Tradition der gottgleichen Stellung eines Alleinherrschers.
Die so attraktiv und "praktisch" ist, daß sie immer schon europäischen Herrschern eines ähnlich ehrgeizigen Zuschnitts wie den des Stauferkaisers Friedrich II. oder in der Erscheinung des Absolutismus (sämtlich von Friedrich II. übrigens vorbereitet, das eine hätte es ohne das andere nicht gegeben, Machiavelli war dazu nur die passende Kommentarfunktion), auch für diesen Kontinent des Abendlandes eine große Versuchung bedeutet hat.
Dieser Alleinherrscher ist heute Xi Jinping. Und was er im kommunistischen System, das in seiner Machtpraxis einem Zirkelschluß gleicht, aufgebaut hat, ist selbst wiederum das Destillat russischer Zustände.
In beiden, in nucleo kommunistischen, aber kapitalistisch verbrämten Ländern hat sich der momentane Herrscher gewissermaßen "verewigt", also das System so angepaßt, daß nicht nur aktuell alle Fäden bei ihnen zusammenlaufen, sondern das auch so lange bleiben, bis sie tot sind.
Denn selbst, wenn wir (und so ließe sich selbst ein Scholl-Latour mißverstehen) die geopolitische Lage Rußlands (und Chinas) aus dem Selbstbehauptungsinteresse der Länder "verstehen", dann vertreten wir nichts als jenen Total-Relativismus, der sich auch in China manifestiert. Und warum? Weil er keine absolute Ideenbasis kennt, sondern alles Sein aus der Geschichte gezeugt wird. Die als Emanation des absoluten Geistes gesehen wird.
Und das, werte Leser, steht hinter den bei uns von manchen ("rechten") Kreisen propagierten Vordenkern wie Alexander Dugin oder Martin Heidegger (auf den sich Dugin selbst bezieht) ihr "Identitäts- als Selbstbestands-Recht" aller Völker ist nicht nur nichts als Relativismus, sondern es ist der Materialismus des Hegelschen Systems.
Es ist absurd, und zwar im wahrsten Wortsinn, wenn WIR mit den Augen DES ANDEREN denken. Und das hat sich bei uns längst eingeschlichen und etabliert. Bei den "Putin-Verstehern" oder den "China-Verstehern." Womit wir uns schwer tun ist dies als das zu begreifen, was solche Denkweise von Anfang an war: Strategisch etablierte Denkweise aus dem Kommunismus heraus.
Dabei spielt das Unverständnis, das der abendländische Mensch für die Mentalität dieser (östlichen) Völker und Menschen hat, eine bedeutende Rolle. Denn uns ist nicht nachvollziehbar, was diese Länder und Menschen im Innersten charakterisiert.
Die nicht kommunistisch "wurden", sondern die aus sich heraus jene Strukturen und Gerichtetheiten aufweisen, die sich unter dem Deckmantel des Kommunismus am besten zur Gestalt bringen. Aus dem sie ihrer wesenhaft eigenen Ausrichtung auf die Beherrschung der Welt - was meint der Leser, woher der von den Chinesen selbst geprägte Begriff "Reich der Mitte" kommt?! - den "wissenschaftlichen Unterbau" hinzufügen konnten.
Und dieser, in der Aufklärung längst auch unserer gewordene Wissenschaftsbegriff in seiner gesellschaftlichen, politischen Stellung und Anspruchskraft ist ein Zwangssystem. Das den Menschen mit der Behauptung aufoktroyiert wird, daß er das "alte, überholte" System der Wahrheit der Kirche weil tauglicher ersetzt und ersetzen muß. Daß der Rationalismus sich nicht nur nicht aus sich selbst begründen kann, sondern daß er genau deshalb auf einem Glauben aufruht, wurde gefließentlich übersehen (wenngleich tatsächlich "wissenschaftlich" bewiesen!). Er ist eben Zwang. Und Diktatur.
Dienstag, 8. Oktober 2019
Wenn ein Land sich als Gottes einzige Braut sieht
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Montag, 26. August 2019
Die Wahrheit über Alexander Dugin
Dugins "Anerkenntnis" auch widersprüchlicher Theorien ist sogar blanker Post-Modernismus! Einer neo-marxistischen Strömung, die am Boden eines aktiven Nihilismus steht.* Der wie alle Liberalen (sic!) in dem durchaus auch Richtiges sagt, weil er vom liberalen Lust-Schmerz-Prinzip geleitet oft zum richtigen Moment schreit, wo er (und damit der Mensch) verletzt wird.
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Samstag, 24. August 2019
Die Unantastbarkeit einer Heiligen Welt
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Samstag, 27. Januar 2018
Individualismus und Kollektivismus
Dugin stellt letztlich und deshalb das Wesen der russischen Seele (wie der Seele aller Völker, Anm.) als Hort der Heiligkeit dar, an dem alle einzelnen Russen teilhaben. Die Tatsache ist unbestreitbar, daß jeder Mensch - zumindest auch, und zwar in einem polaren Wechsel - an einem Kollektivwesen, einer Idee teilhat, ja in manchen Grundlagen eben sogar daraus hervorgeht. Kultur, so der russische Philosoph und Soziologe, ist etwas wie die Matrix, die in jeden Menschen hineingeschrieben ist, und in der er sich bewegt. (Die er über sein Individuum lediglich anpaßt, variiert, der er sein persönliches Gepräge gibt. Anm.)
Das alles erhält in Rußland (bzw. dem Osten) seine eigene (brutale, oder gar: primitive; Anm.) Prägung durch die Art, wie dort Liberalismus interpretiert wird. (Der ja einst quasi die Antithese zum Kommunismus war. Und das ist übrigens im gesamten ehemaligen "Osten" festzustellen, der daran schier auseinanderbricht. Anm.)
Noch dazu, weil in Rußland (und nicht nur dort; Anm.) die Rolle des Gesetzes immer anders gesehen wurde als im Westen. Der Osten geht davon aus, daß das Gesetz und die moralische, absolute Wahrheit (vor Gott) sowieso zwei Paar Schuhe sind. Er erwartet keine Wahrheit und Gerechtigkeit vom juridischen Gesetz, deshalb ist ihm dieses Gesetz auch weniger wert als das im Westen der Fall ist.
(Übrigens ist das die Folge der tatsächlichen historischen Erfahrung der Ostvölker mit dem über ein Jahrtausend währenden Despotismus, nicht zuletzt durch langwährende Fremdherrschaft, der sich auf ähnliche Weise im gesamten Orient findet. Weshalb dort Strafen viel drastischer ausfallen mußten bzw. müssen, weil sich sonst das Gesetz überhaupt nicht durchsetzen läßt. Eine ähnliche Situation wie im westlichen Abendland bis vor - sagen wir - 500 Jahren. Anm. d. VdZ)
Vladimir Putin ist im Sinne der kollektiven Identität viel geglückt, und das muß man ihm zugute halten. Es ist ihm aber nicht geglückt, dieses Liberalismus-Verständnis zurückzudrängen. Deshalb gibt es in Rußland so viel Korruption - er ist Teil der liberalistischen (mit Kapitalismus gleichzusetzenden) Ideenlandschaft. (Und das kann der VdZ aus seiner mittlerweile 10jährigen Erfahrung in Ungarn völlig bestätigen.) Putin hat die heilige Kollektivseele sehr gut repariert, und deshalb ist er so beliebt und wird von der Mehrheit der Russen bejaht. Was nun aber fehlt ist die soziale Gerechtigkeit, hier denkt Putin, so Dugin, wie ein Liberaler.
Das anthropologische Konzept des heutigen Westens weicht von dem des Ostens also deutlich ab. (Besonders interessant weil wohl wahr: Dugin führt an, daß das Verständnis des "kollektivistischen" Menschen im Kommunismus eine säkularisierte Variante des Kirchenbegriffs ist, von dem die Russen automatisch ausgegangen sind!)
Freilich muß man eine spezielle Begriffsverwendung von Alexander Dugin ablehnen. Denn Dugin nennt Individualismus, was korrekterweise Autonomismus zu nennen wäre. Erst als solcher steht er dem Kollektivismus als anderes Ende auf der selben Skala gegenüber. Ein Personsbegriff aber (und das ist die Grundlage des Bezugs auf eine Idee in dem Sinn, wie Dugin ihn hier gut darstellt) ist ohne Individualität (als notwendige, damit gebotene Wirklichung des Einzelnen) nicht denkbar. Dann erst hätte er Recht, wenn er sagt, daß dieses westliche Konzept anthropologisch falsch ist und die Realität nicht erfaßt, in der es keinen Menschen gibt, der nicht zugleich Individuum UND Teil eines Kollektivs (bzw. vieler vieler Kollektive) ist.
Besonders empfehlenswert übrigens sind die Passagen (ca. ab min. 23), in denen Dugin darüber spricht, warum er tatsächlich Demokrat ist. Aber auf eine andere Weise als der Liberalismus, sondern so wie er meint, daß man Demokratie als essentiell verstehen muß: Weil sie nämlich auf (kleinsten) organischen Gemeinschaften aufbauen muß, in der für den Staat, die Staatsregierung wirklich nur noch alles übergreifende, vor allem zwischenstaatliche Agenden bleiben.
Noch eine Beobachtung: Dugin stößt in diesem Interview an etwas sehr Wahres und Grundsätzliches, ohne es freilich auf die Spitze zu treiben, denn sonst hätte er das Studio verlassen müssen. Er stößt an die "Evidenz". "Wenn Sie", so sagt er an einem Punkt, "DAS nicht sehen, leben wir in unterschiedlichen Universen." Dann, das sagt er aber nicht, wird jedes Gespräch sinnlos. Denn es gibt Evidenz. Es gibt Wahrheiten, die nicht mehr argumentierbar sind, sondern einfach nur "feststellbar". Ja, letztlich ist das sogar das Prinzip der Wahrheit, müßte man hier weiterführen.
Dienstag, 15. März 2016
Überwindung der Moderne
Dieses Entwerfen aber kann nicht auf demselben seinslosen Rationalismus basieren, der Europa in die völlige (und fast verzweifelte) Unfruchtbarkeit geworfen hat. Es ist ein wirkliches und mutiges Neuwerfen einer künftigen Gestalt. Ob aber Europa das überhaupt noch denken kann? Der VdZ hat so seine Zweifel. Dann aber würde er Europa tatsächlich schon aufgegeben haben. Denn dieser Ansatz müßte heißen: Eine neue Offenheit für Poesie. Denn dieses Denken ist selbst Poesie. Denn in der Poesie ist eben das Sein das Seiende des Seienden. Die Frage ist ja auch, ob es überhaupt ein Seiendes geben kann, das nicht Poesie ist. Wo es das nicht ist, fällt es ins Nichts. Und kein modernes Denken vermag es davor zu retten. Und schon gar keine Weltrettung. Die aber darin auf seltsame Weise ihren Grundimpuls - als Wissen, ja als offenbarte Struktur (!) der eigenen Verworfenheit - offenbart.*
Der VdZ ist sich allerdings nicht sicher, ob das, was Dugin als "Multipolarität" bezeichnet, auch dem entspricht, was auf diesen Seiten mit neuen Notwendigkeiten der Staatsdefinition - der Volksstaat, der Kulturstaat hat sich bereits selbst ausgelöscht, er schlägt nur noch im Todeskampf um sich - anzudenken versucht. Immerhin, es könnte sein.
Übrigens: Auch eine interessante Erfahrung mit der Sprache. Dugin versucht, in Deutsch zu sprechen, und das gelingt erstaunlich gut, obwohl er eine ganz simple deutsche Sprache verwendet, weil er es halt nicht besser kann. Aber das ist gar nicht entscheidend - denn man hört immer das Dahinter!
**Das könnte nur im Christentum geschehen, das sieht Dugin völlig richtig, dessen Zentralgeheimnis und -botschaft genau diese Ereignishaftigkeit, diese Gegenwärtigkeit zum Inhatl hat. Und der VdZ sieht wie Dugin Heidegger - der dieses Denken angebrochen hat, ohne es zu vollenden - im Grunde offen für das Ereignis der Wahrheit in Jesus Christus. Aber in Europa ist das Chistentum im Grunde bereits tot. Auch die Konservativsten singen nur noch einen karikaturhaften Abgesang. Die momentanen Ereignisse in der Kirche sind ohnehin nicht einmal mehr die Atemluft wert, die sie absingt. Es ist vorbei, sie hat keine Wirklichkeitsrelevanz mehr. In Westeuropa. Mit diesen Eliten hat es keine Chance. Die verstehen gar nicht mehr, worum es geht. Und weil es ihnen verborgen ist - okkult ist - ist es für sie überhaupt "okkult". Aber es ist sehr rational. Auch die USA wird aus gleichen Gründen auf das Niveau eines Entwicklungslandes im Chaos zurückfallen. Alleine die wirtschaftlichen Daten zeigen es. Ex oriente lux - realpolitische Hoffnung liegt eher noch im Osten. Dort scheint noch das Potential für diese Existentialität zu bestehen. Selbst von den Ungarn hat der VdZ diesen Eindruck.
Sonntag, 8. März 2015
Große Gedanken entstehen nur in großen Ländern
Genau das sollte mit "Reichen" aber geordnet oder verhindert werden, wie auch Dugin vorschlägt. Nur ungefähr gleich starke Mächte können auf einer Augenhöhe miteinander sprechen und verhandeln. Die auf geographischen Räumen beruhen, die jeweils so halbwegs organische, harmonische Interessensbalance haben. Nur dann werden die großen Interessen, auf die sich Außenpolitik ja mehr oder weniger reduziert, zu tragfähigen Kompromissen verhandelbar, in denen keine Seite übervorteilt wird. Die Hälfte Europas ist aber derzeit im Grunde machtlos, weil zu schwach den großen Spielern gegenüber, auch wenn viel getan wird, um diese Wahrheit zu verschleiern.
Gerade die Ukraine ist unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten, die einem starken Rußland gegenüber nur noch zu äußersten Mitteln zu greifen sich in der Lage fühlte, und damit globale, weit größere Interessensprobleme aufkochte, die den Konflikt so gefährlich machen.
Donnerstag, 27. November 2014
Da denkt die Rechte einfach links (2)
Gnade uns allen aber, und Gnade und nur Gnade, wenn an "die da unten" einmal manche wirklich glauben, glauben, es käme nun auf sie an, sie müßten sich erheben. Das ist das Tor zum Inferno, auf daß sich eine Bestialität freisetze, die alles übertrifft was der Mensch je dachte, wozu er in der Lage wäre.
Aber besser wird dabei gar nichts. Nur der Ochsenziemer wird diese Bestien wieder in neue, aber noch schärfere Zäune führen können. Und das Volk wird dem Peitschenschwinger dankbar die Füße küssen. Es hatte nie eine Änderung des Systems gewollt. Es war nur hier und dort unzufrieden.
Übrigens - DIESE Wende, als "Wende zurück", als Wiederkehr des Friedens in der gottgewollten Ordnung, bei allen Unausgewogenheiten, die unvermeidbare Folgen der Freiheit sind, steht den Völkern Europas seit 200 Jahren tatsächlich noch bevor. Wenn Gott will, so findet sie auch sogar ihren Kristallisationspunkt. Als Rückkehr des Schöpferischen aus Gnade.
Wissen Sie was, geneigter Leser, was der VdZ aber glaubt, was herauskommen wird, egal, was in den nächsten Jahren passiert? Es werden immer irgendwelche Krüppelformen sein, das "Reich des Himmels" wird niemand errichten. Das ist nicht resigniert gesagt, das ist Fazit einer großen Nüchternheit über die Welt und die Menschen, wie sie eben sind. Damit leben zu lernen - das ist die große Aufgabe, die sich uns Menschen aber stellt. Um Menschen zu bleiben.
So wichtig und bedeutend und unverzichtbar auch ist, das Faktische immer wieder und immer wieder, ja täglich neu, auf jene Bestandteile zu untersuchen, die SIND, die dieses Sein wollen und suchen und von ihm her sich bestimmen. Denn nur aus dem Sein kann der Einzelne - und das wird immer eine Aufgabe des Einzelnen, dabei aber nicht "autonomistisch", sein - LEBEN.
Und dieses Sein ist Mensch geworden, ist Person. Ist in der Kirche real gegenwärtiger Gott. Jesus Christus. Das ist der Gradmesser der Wahrheit.
Das sollte uns milde lächeln lassen. Nicht sarkastisch, nicht zynisch, nicht ironisch. Liebend weil verzeihend. Sind wir selber vollkommen?
Mittwoch, 26. November 2014
Da denkt die Rechte einfach links (1)
Freitag, 10. Oktober 2014
Begreifen Sie immer noch nicht? (2)
Nach wie vor aber wird auf Schulen und Unversitäten, und in Dauerumerziehung (=Dummerziehung) durch Medien, den Menschen eingeredet, man könne das Böse einfach daran erkennen, daß es den Hitlergruß zeige, Hakenkreuzbinden trage, und Juden vernichten wolle. Eben einfach böse sei. Wäre der Nationalsozialismus aber nicht auf einem Boden gestanden, der auf verblüffende Weise viele Wahrheiten und Tatsachen zu einem verwirrenden Konglomerat zusammengemixt hätte, bis seine eigentliche Natur nicht mehr erkennbar war, wäre er nie so mächtig geworden. Erst so wird verstehbar, warum sich so viele hervorragende Köpfe mit ihm identifizieren konnten. Die so manches halt für Kinderkrankheiten oder Randerscheinungen hielten.
Und er würde heute noch viel leichter gewinnen, gerade jene, die sich durch brave und attestierte Eingliederung in die Guten so gefeit vor ihm wähnen (und das kommt von Wahn.) Die heutigen Generationen, behauptet der VdZ, wären sogar so fanatische Nationalsozialisten (wenn auch mit hier und dort anderen Inhalten), wie es sie damals in dieser Masse (und in ganz Europa) gar nicht gab. Denn ihnen fehlt heute längst jener Rest von Humankultur, den damals immer noch viele hatten. Ihre Unmenschlichkeit kennt als Massenphänomen überhaupt keine Grenzen mehr, und von einem unüberwindlichen Wall des Narzißmus umgeben in tiefste Dunkelheit gestürzt.
Jetzt wie vielleicht in der Geschichte der Menschheit noch nie kommt es auf den Menschen selbst an, gerade in der dialektischen Gegenwelle zur Vermassung der letzten Jahrhunderte, in der nun die Sittlichkeit jedes EINZELNEN so gefragt ist wie noch nie. Wer jetzt nicht fest steht, den wird der Sturm der Zukunft, der wesensnotwendig immer wieder neue Anläufe sucht um endlich zum Orkan werden zu können, wie Laub im Herbst wegfegen. Das gilt für Politik und Staat nicht anders, als für die Kirche. Das aber stimmt sehr pessimistisch ... denn woher sollen die Menschen heute die Kraft dazu noch nehmen?
**Noch einmal, und wieder und wieder: Man lügt nicht durch falsche Daten oder Fakten, sondern durch richtige Tatsachen.
***Es gehört ja zu einer der groteskesten Merkwürdigkeiten der Gegenwart zu sehen, daß die heutigen Menschen meinen, ihre Gedanken und Weltbilder und Lebensweisen wären originell und deshalb Produkt des Fortschreitens der Menschheit. Nur weil die Römer oder Ägypter kein iPhone und keinen Opel Omega 3i hatten. Der VdZ hat in seiner mittlerweile fünf Jahrzehnte währenden Lebensspanne NOCH NIE etwas (in zivilisatorischer Hinsicht) gesehen, das es nicht vor tausenden von Jahren sogar bereits gegeben hätte. Und staunt immer wieder zu sehen, daß so viele Menschen meinen, was sie dächten und täten wären einmalig in der Geschichte. Aber diese Verblendung ist eben Teil des (ewig gleichen) sittlichen Problems, sie ist keine Frage des Disputs (oder gar von Internet-Foren und Zeitungsabonnements). Sodaß gerade New Age-Behuschte ins Narrentürmchen gesperrt gehörten, die von "neuen Zeitaltern" quatschen, die wir nun angeblich beschritten. (Welch Überlegenheit, welch realistischer Blick, der die katholische Geschichtsauffassung kennzeichnet. Die einzige, die auch verifizierbar ist, ohne in Wahn zu verfallen.)
Donnerstag, 9. Oktober 2014
Begreifen Sie immer noch nicht? (1)
In diese Richtung argumentiert etwa ein Alexander Dugin, zumindest hört der VdZ es mitschwingen. Dugin, der noch vor zehn Jahren quasi kommunistischer Revisionist war, gilt heute als rechter Gottseibeiuns, ohne daß er seine Gedanken wesentlich geändert hätte. Und niemandem fällt etwas daran auf. Dabei sieht der VdZ Dugin keineswegs als Lügner, und schon gar nicht als dummen Menschen. Selbst wenn Dugin das Wort "dritter Weg" verwendet, das auch der VdZ hier gebraucht. Meint er aber dasselbe? Der VdZ meint: nein. Er meint genau diesen zweieinhalbten Weg.
Vielmehr scheint er nämlich ein Pferd zu reiten, dessen Siegeszug auch durch Westeuropa nach Auffassung des VdZ kaum noch aufzuhalten ist. Da kann sich EU und NATO auf den Kopf stellen. Das wäre tatsächlich nur durch Krieg und vor allem seiner Folge - staatliche Totalitarismen aus der Umstellung auf Existenzbedrohungsmodus - zu stoppen.