Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
Ein Symbol, ein Königreich für ein Symbol! Die Erlösungsidee. Die Feinde. Der Tod. - Käutner stellt ein mehr oder weniger zusammengeklittertes Symbol dar. Er macht Ludwig II. zum Sinnbild des Idealen, des Schönen, Guten, Wahren, das inmitten des Reißwolfs der Moderne untergehen muß. Die Welt ist brutal, und die Macht gehört den Skrupellosen. Aber nur die Schönheit kann Mensch, Kultur, Volk prägen, nur die (idealisch überhöhte, eigentlich aber als Sakrament mißverstandene) Kunst als Kult des Vollkommenen kann ein Volk zu sich selbst führen.
Richard Wagner sollte die Werkzeuge der Auferstehung der innersten Kräfte des Volkes schaffen. Denn so war dessen Werkverständnis, als Liturgie, in deren Grammatik sich die Grammatik des Ewigen enthält, an der der Einzelne vorbehaltlos wie an einer Kommunion teilhat. Was viele nicht wissen ist, daß sein Nibelungenring (insbesonders Rheingold) eine fundamentale Kapitalismuskritik zum Inhalt hat, als das alles wahrlich Menschliche, Hohe Zerstörende.
Es geht auch zum Hören, was als Film über "Ludwig II." im Jahre 1955 angelegt wurde (und auf Youtube an mehreren Stellen angeboten wird.) Denn der Maestro della musica höchstpersönlich, Herbert von Karajan, bietet mit den Wiener Philharmonikern sowie namhaften Solisten (Martha Mödl als Isolde, Wolfgang Windgassen als Tristan) die unvermeidliche Wagner-Musik zum Liebling so vieler romantischen Bewegungen, zum Kreis der Legenden und Sagen rund um den vorvorletzten Bayernkönig.
Den O. W. Fischer spielt. Dessen denkwürdige Leistung einerseits bis in die Nebenrollen (wer hätte da etwa einen Klaus Kinski vermutet? war der auch mal Schauspieler, ehe er sich als Kasperl seiner selbst verdingt hat? natürlich, und wie!) von einem hochkarätigen Ensemble getragen wird. Wer Marianne Koch hier in jungen Jahren (als Prinzessin Sophie, die sich historisch mit Ludwig verlobte, ohne daß es dann zur Ehe kam) sieht, das nebenbei, kann sich nur fragen: Mein Gott, diese vielleicht schönste Frau Deutschlands im 20. Jahrhundert ist wirklich nie gealtert. Sie war immer gleich schön.
Einige gerade in der Zurückhaltung ihre Klugheit sichtbar machende Äußerungen kommen hier von Christian Thielemann in einem Interview aus 2019 zu der in Salzburg gebrachten Oper "Meistersinger von Nürnberg" (R. Wagner) An anderer Stelle sagt derselbe ja, daß wir aus der Tradition wie in den "klassischen" Opern immer neu für die Gegenwart lernen können. Denn die Konflikte und Themen, die sich dort stellen, sind zeitlos, und haben in der Geschichte nur ein je anderes Kostüm. Aber wir können deshalb aus ihnen immer wieder neu für die je heutige Welt lernen.
»Es gefällt mir ganz und gar nicht, wenn Musik oder Musiktheater in den
Dienst einer politischen Botschaft gestellt werden. Ich finde das
ideenlos und armselig. Spielen wir lieber unsere Klassiker. Die sagen
viel Kluges über das, was uns aktuell beschäftigt.«
Die Wirklichkeit bleibt immer dieselbe, in der wir leben, so sehr auch manche Realität wechselt. Jene Wirklichkeit, die immer neu aus dem ewigen Wissen Gottes aus Liebe zum Weltsein drängt, und weil sie Beziehung ist (die sich als "Knoten", als Idee, als logos, als Sinn, als "auf - zu" beschreiben ließe) in Dynamik mit dem faktisch Gegenwärtigen ringt.
Wer also diese Wirklichkeit nicht in rechter Offenheit sucht, einläßt und damit kennt, wird immer auch an der Realität scheitern. Sie wird sich nur fügen, wenn er in manischer Art versucht, sie in Totalitarität zu beherrschen und alle Bedingungen zu bestimmen. Um sich dabei für die Stimme des Wirklichen (logos) taub zu machen. Jeder Totalitarismus weiß somit (mehr oder weniger still) um dieses Losreißen von der Wirklichkeit (die es nur in Gott gibt) und steigert sich immer in seiner Manie, bis es ihn zerreißt.
Wenn man das Leben als täglich, ja stündlich, minütlich, sekündlich neue "Suche nach dem gelungenen Tag" bezeichnen könnte, so ist das die stets neu zu beginnende Suche nach der wirklichen Wirklichkeit, von der die Welt getragen ist. Wo das Wirkliche mit dem Unwirklichen, dem Bösen, dem Zerstörerischen der Anti-Wirklichkeit als Gewalt und Lüge, in stetem Kampf liegt, den es zu führen gilt. In der daraus zu gewinnenden Anverwandtheit mit der Vorsehung Gottes in seinen Ideen, in seinem Geist sohin zu leben ist dann jenes Leben in der Poesie, die das Wirkliche bedeutet, das einen Tag gelingen läßt. In der Zuhauchung des Ewigen, das in die Welt als Wirklichkeit "quer zum Faktischen" ragt, das die Zeit nie ganz einzufangen vermag, das aber im Symbol, ja wie erst im Sakramentalen Ewigkeit in der Zeit bedeutet, aus der alles ist und lebt. Das ist die Aufgabe der Kunst, ja das IST erst Kunst: Darreichung des Wirklichen.
Oder ... wie es der VdZ einmal in einem Interview zu "Die Räuber" äußerte, wo er den Vater spielte, in aller Hektik eines Interviews Minuten vor Beginn der Aufführung:
Der
Mensch ist an sich auf Schönheit ausgerichtet, er braucht und sucht
sie. Sie ist die unmittelbare Kraft, die ihn auf Ordnung und Sinn
hinweist und entsprechend formt. Somit ist sie auch eine, wenn nicht die
erste, vornehmste kulturbestimmende Kraft (wenn man auch Architektur
als Musik begreift). Findet der Mensch diese Schönheit nicht mehr in der
Kunst, in der Liturgie (und darauf läuft es hinaus), so sucht er sie
woanders.
Und
er sucht sie in Ersatzformen, sprich: in Wirkungen, die denen der
Wirkung der Schönheit ähneln. In Erschütterung, in Rhythmus, in selbst
evozierten Gefühlen. Wie sie der Jazz bedeutet, der ebenfalls die
Ordnung aufbricht und als Quelle der Musik den Musiker selbst sieht,
ebenso wie den Hörer, von dem bedingungslose Auslieferung verlangt
wird. Und wie sie die Rockmusik bedeutet. Niemand wußte um die
revolutionäre Kraft von Musik besser als die Rockmusiker selber! Die die
Crux erlebten, daß ihre Intentionen durch die eine immer größere Rolle
spielende Elektronik (heute: Digitalisierung) eine ungeahnte weitere
Dimension der Entfesselung wie auch der Breitenwirkung (Schallplatte,
Radio, Tonband, Fernsehen, bis zum Digitalspieler*) erfuhr.
Was
sich dann vor allem ab der Mitte des 20. Jahrhunderts abspielte, war
wie in allen Bereichen, nicht nur in der Musik, aber stark von ihr
ausgehend, eine Ausfaltung dieser philosophischen Schlüsse, die so
nebenbei auf einer völlig neuen (von Evolution und Darwinismus
geprägten) Anthropologie aufbaute. Das Bild von dem, was der Mensch war,
hat sich vollständig geändert, wir sehen es heute in aller Macht.**
Und
in der Postmoderne eines Michel Foucault ihren vorläufigen Höhepunkt
fand. Der ebenfalls aus persönlicher Erfahrung - Foucault war nicht nur
homosexuell (und schon damit gesellschaftlicher Außenseiter, ein Mann
"außerhalb des logos" also), sondern lebte seine Neigung in San
Franzisco, wo er Vorlesungen hielt, in dessen Möglichkeiten extrem aus,
bis er an seinen Exzessen krepierte. Für ihn (bzw. die Postmoderne) war
Wissen (Nietzsche!) eine Angelegenheit der Macht und damit der
herrschenden Klasse. Und damit der bestehenden Ordnung. Nur die
dionysisch-befreite Sexualität vermag diese Banden aufzubrechen und die
Menschen auf der Grundlage ihrer eigenen Erfahrung zu Wissen über die
Welt gelangen. Dazu müssen sämtliche Denkmodelle aufgebrochen werden,
denn in ihnen manifestiert sich lediglich die Macht derjenigen, die die
kulturelle Ordnung beherrschen.
Ein
Instrument dazu, wenn nicht das wesentliche Instrument dazu, war die
Musik, die im 20. Jahrhundert aufkam und durch neue Medien und Technik
rasch populär werden konnte. Die Sehnsucht der Menschen nach Schönheit
war nach dem Abdanken der klassischen Musik, in der Schönheit noch der
wesentliche Inhalt von Kunst war, um die sich jede Musikdramaturgie
abspielte, um die der dramaturgische Aufbau in Oper, Symphonie, jedem
Kunstwerk rang, ehe sie sich in der Katharsis (dem Freilegen der
Schönheit) zu neuem Menschsein erhebt, unbefriedigt geblieben.
Umso
mehr stürzten sie sich auf die neuen Formen der Musik, wie sie eben aus
den ausgeführten Impulsen, diesem Paradigmenwechsel, ja diesem Umsturz
(Nietzsche, "Umwertung aller Werte") in der Musik, aufkamen. So wurden
aber die Grundfesten unserer abendländischen Kultur buchstäblich
erschüttert. Die Rolle der Musik in diesem Kulturumwälzungsprozeß, wie
wir ihn seit 50 Jahren definitiv erleben, ist gar nicht zu überschätzen.
Denn es war immer die Kunst, und noch mehr der Kult (als Quelle aller
Kunst), die gesellschaftliche Haltungen und Stimmungen bewirkte, die
sich dann in allen kulturellen Bereichen, bis hin zur Arbeit, ihre
Realisierung suchte.
*In
der Digitalisierung erfuhr diese dargestellte Wirkgeschichte der Musik
im 20. Jahrhundert noch eine Wirkdimension zusätzlich. Denn die
Digitalisierung ist bereits eine Reduktion der Musik von ihr weg hin zur
reinen Wirkgeschichte. Der Programmierer geht nicht von der Musik
selbst aus, diese ist nur noch abbildhaft (im Hörbild) vorhanden,
sondern von der Wirkung, der entsprechend er sie programmiert. Das
Digitale erzeugt also Wirkungen, keine Musik mehr. Oder wenn, dann eine
eigene Musik, die mit der Ursprungsmusik nur noch einen rationalen
Zusammenhang hat. Zur Illustration: Auf der Schallplatte ist noch eine
direkte Wirkung der Ursprungsmusik in physischer Übertragung weil Präsenz
- die Plattenprägung wird von den Schallwellen der Musik selbst
hervorgerufen - enthalten. Wer das einmal erkannt hat, wird nie mehr
digitalisierte Musik wollen, die nur "Bericht liefert, wie diese Musik ist",
sie aber nicht mehr selber, sondern eine Interpretation des
Programmierers ist. (Siehe unter anderem die Medienkritikansätze von
Friedrich Kittler.)
**Es
ist ein schweres Versäumnis, weithin zu beobachten, daß in vielen
Diskussionen über Zeiterscheinungen ausgeklammert wird, daß diese
Diskussionen sinnlos geworden sind, weil die Frage "Was ist der Mensch?"
in zwei unvereinbaren Extremen gespalten ist und somit eine dialogische
Klärung unmöglich ist. Das geht bis hinein in Fragen der Wirtschaft.
Das hier jüngst in einem Radiointerview
mit E. Michael Jones besprochene, von diesem verfaßte Buch "Dionysos rising - The birth of cultural revolution out of the spirit of music" ist zwar
schon 25 Jahre alt, aber es hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt.
Auch wenn Jones heute meint, daß er die Hauptconclusio damals noch nicht
in der Schärfe gesehen hat wie heute - daß hinter den Entwicklungen in
der Musik des 20. Jahrhunderts konkrete Personen und Personengruppen standen - so hält seine These
über das, was sich in der Musik abgespielt hat. Denn auch dort hat sich
ein Kulturbruch abgespielt. Ja, vor allem dort nahm er seinen Ausgang.
Und
er nahm ihn bei Richard Wagner, führte von dort über
Nietzsche hin zu Schönberg und Michel Foucault. Signalpunkt war die
Wagnersche Beschwörung der dunklen Kräfte, des Chaos gewissermaßen, wie es in
"Tristan und Isolde" programmatisch (man beachte die Rolle des Venusbergs) vor Augen kommt. Wo die Befreiung des Menschen anhebt, wenn er sich
den Leidenschaften hingibt. Die sich aber direkt gegen die Ordnung der
Welt, gegen die Kultur wenden.
Nietzsche war von Wagner (zuerst; später
hat er sich von ihm abgewandt) so beeindruckt, daß er sein erstes Buch
"Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik" verfaßte (und sich in der Erprobung dieser Freiheit gleich die Syphilis holte). In dem er
die durch Wagners Musik gemachte Erfahrung in eine Kulturtheorie
ummünzte: Erst hat die Auslieferung an die Mächte der Nacht, des Chaos,
des Erdinneren (Höhle), des weiblichen Uterus zu erfolgen, dann
ersteigen daraus jene (rhythmischen; man beachte die Zusammenhänge mit
der Architektur) Kräfte, die die Musik als noch bildlose, aber umso
wirkmächtigere Grundverfaßtheit der Welt im Menschen hervorbringen.
Nicht
logos, Sinn, Ordnung und Gerichtetheit auf diese vorgegebene,
vorzufindende Ordnung (in Gott, also in der Vorsehung*) ist das
zutiefst, innerste, grundlegendste Wesen der Welt, sondern die frei aus
dem Chaos aufsteigenden Mächte. Und das ist auch die Grundaussage
Wagners, die er in seinen Opern immer mehr herausschält. Die Welt selbst
ist letztlich sinnlos, Moral hat nur pragmatischen und kulturbezogen
relativen Charakter. Ein im logos fundiertes Wesen der Dinge gibt es
nicht. Es hängt umso mehr davon ab, wozu sich der Mensch als Heroe
(jener "Übermensch", der den "Willen zur Macht hat") entscheidet und
ermannt, um die Welt nach seinem Bilde zu gestalten.
Diese
Sichtweise öffnete die Tore zu dem 20. Jahrhundert, wie wir es erlebt haben.
Das als Kampf des logos mit dem Chaos, als Kampf von Dionysos mit Apollo
begriffen werden kann. Und Dionysos hatte mächtige Verbündete, die
vorerst auch gesiegt haben. Denn hinter ihm stehen alle menschlichen
Leidenschaften und deren Entbindung, Entfesselung. Die Geschichte der
Musik spiegelt es exemplarisch.
Denn
von Wagner geht die Linie direkt weiter auf Arnold Schönberg, dessen
Zwölftonmusik - so meint Jones aufzeigen zu können - ein Racheimpuls
gegen die Ordnung der Welt war. Der er eine willkürliche,
"übermenschliche" Ordnung (in seiner mathematischen Beziehung der Töne)
entgegensetzte. Die aber damit auch das Schöne verlor, und es durch
Beeindruckung und Sentiment ("Verklärte Nacht" ersetzte. Schönberg,
ursprünglich Jude, hatte sich zum Christentum bekehrt und als Protestant
taufen lassen. Bis er erlebte, daß ihn seine Frau mit einem
Komponistenkollegen betrog. Das hat ihn ins Mark getroffen.
Fortan
war sein Schaffen nur noch von dieser Verletztheit geprägt. Und in
einem nächsten Schritt hat er eine Anti-Ordnung konstituiert - seine
Zwölftonmusik. Die eine fundamentale Wende in der abendländischen Musik
bedeutete, in der er Wagner bis zur letzten Konsequenz weiterführte und
den Boden für den Jazz (als Vorläufer) und die dionysische Rockmusik
(später) bereitete. Sie stehen völlig logisch in dieser
Entwicklungslinie. Und in dieser Linie steht die Entfesselung der
Leidenschaften und Begierden der Menschen.
Die
Zwölftonmusik wirft jedes menschliche Harmonieempfinden über Bord und
ersetzt es durch eine neue Dissonanz, die rein menschliches Werk ist.
Aus dieser "Musik ohne Hören" wurde ein Hören ohne Musik. Es hatte
tiefgreifende Auswirkungen. Denn in sehr rascher Folge gewöhnte es sich
das Publikum ab, von der Klassik noch etwas - Schönheit! - zu
erwarten.
Am kommenden Montag Teil 2)
*Es wäre schon lange an der Zeit, einen wichtigen Punkt herauszustreichen, der seltsamerweise in der ganzen Diskussion noch nie berührt scheint: Nämlich die Analogie zwischen dieser Vorsehung Gottes "als Chaos" und dem dionysischen Chaos zu zeigen. Denn auf eine Weise verlangt auch der göttliche logos jenen entscheidenden Punkt, an dem die transzendenten Mächte (also die Gnade), in deren Händen alles (Gelingen, also alles Ordnende, Vernunftgemäße) liegt - Gott also, konkret sogar: Gott Vater (in dem alles Wissen ist) - über das Tor der Hingabe an diesen göttlichen Willen erst einzubrechen vermag. Der Unterschied zum Dionysischen liegt also nicht in diesem "Chaos", dem zu überantworten es ultimativ gilt. Das oft so rigoros abzulehnen hat der abendländischen Kultur (man betrachte vor allem den Protestantismus) nicht gut getan und vieles in eine kaum lösbare Aporie und Erstarrung geführt.
Der an sich gar nicht so falsche Versuch über die "nouvelle theology", der im 20. Jahrhundert (parallel zu den Entwicklungen in der Musik) stattfand und heute die Theologie der katholischen Kirche zu überschwemmen droht, dieses Chaos wieder "hereinzubringen", diese Ganzhingabe, dieser "Steuerungsverlust" (durch letzthinnige Übergabe des Steuers an Gott), mußte aber insofern scheitern, als es vielen nicht gelang, dieses Geschehen, diese Akte in die göttliche Vernunft bzw. Vernunft überhaupt einzubetten. Damit endet auch diese Theologie dort, wo sie im Heidentum (Dionysos) endete, und in der Musikkultur des 20. Jahrhunderts sich exemplarisch zeigt: In einer Götzenanbetung, ja in der Dämonie der Verantwortung "an das nicht Gekannte und nicht zu Kennende". In einer Verneinung des dreifaltigen Gottes zugunsten anonymer (dämonischer) Mächte des Chaos. Wenn sich überhaupt Linien im theologischen Denken dieses Papstes (der VdZ bestreitet das) zeigen lassen, dann gehört diese dämonische, heidnische und letztlich nihilistische, weil vernunftverneinende Linie eindeutig dazu. Die Hineingabe in den Willen Gottes ist genau NICHT der Verzicht auf Vernunft, sondern ist die Hineingabe an die ultimative Vernunft, ist somit deren "Entfesselung" in die Welt hinein - aus Gott kommt nur Ordnung, niemals Chaos, das wäre ein Wesenswiderspruch. Chaos läßt er aber freilich zu, und es hat dann den Charakter einer Strafe, einer Gnadenlosigkeit aus menschlichem Abwenden und Versagen heraus. Wie sagt der VdZ in einem seiner Stücke ("Keiner hört auf Harvey") auf der Grundlage von Erlebnissen in Obdachlosenheimen? "Das ist die Hölle - wenn es keine Vernunft mehr gibt." Die Geschichte des 20. Jahrhunderts zeigt es eindrücklich.
Der Leser möge verzeihen, daß der VdZ schwach wurde. Auch das, das bitte noch! Johan Botha. RiP. Schluß der Meistersinger. Wiener Staatsoper 2008. Sehen Sie, werter Leser, den VdZ? Ganz rechts, im Chor? Nein, nicht der, der singt. Der, der weint. Deo gratias.
Und hier alles, dieselbe Aufführung. Vor allem den Schluß ab etwa Stunde Zwei beachte man. Es genügen die letzten zwanzig Minuten, sie sind gefährlich genug. Wenn auch der VdZ gesteht, daß er sich diese Minuten acht-, nein zehnmal anhört, wenn er sie denn anhört. Mit vollem Volumen.
Achte der Leser deshalb so nebenher auf den Ratsherren rechts im Chor, damals ohne Bart, der vor Schluchzen, vor Begeisterung auf seiner Stimme wie auf einem Hexenbesen fliegt. Oder zusammenbricht. Je nachdem. Minute 2:03 "Habt acht, es dräun uns üble Streich.Zerfällt erst deutsches Volk und Reich in falscher welscher Majestät, kein Fürst bald mehr sein Volk versteht. Und welschen Dunst mit welchem Tand, sie pflanzen uns in deutsches Land. Was deutsch und echt, wüßt keiner mehr, läg's nicht in deutscher Meister Ehr.(Jetzt kommts!)Drum sag ich, ehrt Eure deutschen Meister! Dann bannt ihr gute Geister.[...] Zerginge auch das Reich, blieb uns doch gleich die heil'ge deutsche Kunst". Die Kunst, die den Menschen erst zu sich selbst bildet, weil sie ihn in seine eigene Höhe hebt. Die Kultur, die aus der Transzendenz heraus sich nährt und damit (Wagner ist eben kein Katholik) das Leben selbst enthält, um das zu verschenken. Wie dann, ab 2:05:30, wo sich alle Schleusen endgültig (zu 2:07:07 hin, dem Explosionspunkt) öffnen ...."EHRT EURE DEUTSCHEN MEISTER!"
Denn, und das ist die zentrale Lehre des Stücks, das momentane Glück baut auf der Ehre der Vormaligen, der vergangenen Meister, auf der von ihnen hinterlassenen Kunst, deren Überwindung, auf der Selbsttranszendierung vieler Vorfahren auf - das macht ja erst ein Volk aus!
Einmal pro Jahr - nur einmal, nicht öfter! - darf man schon die "Die Meistersinger von Nürnberg" hören. Nicht öfter freilich, die Dosis macht Medizin zu Gift. Denn das Gefühl führt hier wie so oft zum Falschen. Und Wagner hat - selbst verführt - wesentlich dazu beigetragen, mehrere Völker zu einer Scheinidentität zu verführen.
Einmal pro Jahr ... Ouvertüre zu Tannhäuser. Hier mit den Wiener Philharmonikern unter Christian Thielemann. Bitte, dieser Streichereinsatz, nach ca. dreißig, vierzig Takten! Nur dieser Moment. Und dann noch den Einsatz der Hörner, ca. Minute 10:50', darauf die Streicher die sich, folgend bis zum finalen Crescendo des Orchesters entfalten. Kann man da nicht sterben? War's das nicht?
Der Gedanke, den E. Michael Jones hier ausspricht, trifft einen Nagel auf den Kopf. Nicht einmal Hitler vermochte auf der Grundlage des Deutschlands zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein GEEINTES Deutschland, eine geeinte Kultur zu schaffen. Der Grund? Ganz einfach - die prinzipiell kulturrevolutionäre Haltung des Protestantismus, die Unvereinbarkeit dieser angeblichen "Religion" mit der einzigen möglichen Basis, der Basis der Vernunft, des logos, dem Katholizismus.
Also blieb ihm nur der Rückgriff auf eine VORchristliche Mythik, eine VORchristliche Religion - auf das germanische Heidentum.
Nun mag der Amerikaner Jones diese historische Frage der Rolle des Heidentums unter Hitler etwas überzubewerten, die Amerikaner haben als Historiker ein gewisses Problem, das darf man nie aus dem Blickfeld verlieren, wenn man ihre Geschichtsinterpretationen hört. Selbst wenn sie wie in diesem Fall auf ihr deutsch-irisches Erbe zurückgreifen. Sie haben immer diesen Zug zum Vereinfachten, der aus gewissem Utilitarismus entsteht.
Aber natürlich hat er (auch) Recht. Und er weist auf eine zumindest interessante Tatsache hin. Es gibt ursprünglich nämlich gar kein Wort für "Rasse" im Deutschen. Dieses Wort ist ein aus dem Englischen hereintransportiertes Wort, das auch aus Amerika stammt, von Madison Grant, der es im 19. Jahrhundert erstmals verwendet hat. Hitler hat es übernommen. Der Begriff "Rasse" ist an sich nur aus der Evolutionstheorie entstanden, nur von dort her als "relevant" begreifbar.
Jones weist damit auf etwas hin, was der VdZ schon vor etlichen Jahren hier dargelegt hat: Auf die enge Verknüpfung des nationalsozialistischen Rassebegriffs mit dem Gedankengebäude der Evolution, das ihm aus seiner immanenten Logik heraus die moralische Rechtfertigung lieferte.
Nie vorher in Europa, und schon gar nicht in Deutschland. Die germanischen Völker waren seit je BEKANNT für ihre Assimilationsfähigkeit; die Wanderung "germanischer" Völker war immer die Bewegung eines Vielvölkergemisches. Jedes Volk auf das man traf konnte sich anschließen, in dem ethnische Kriterien nie eine Rolle spielten; die auffälligste Fähigkeit der Germanen war schon laut Tacitus ihre Assimilationsbereitschaft, passiv wie aktiv. Nie gab es einen ethnisch ("rassisch") motivierten Gedanken von "Volk". Nicht einmal sprachlich. (Das Deutsche hat einen Lehnwortanteil von über 30 Prozent, das Englische als Sächsischer Dialekt gar von über 70 Prozent.)
Wenn, dann war es in der Neuzeit, der die Politik Ludwig XIII. bestimmende Kardinal Richelieu, der ERSTMALS in der europäischen Geschichte im 17. Jahrhundert die Sprache eines STAATES (in der Frage des Anspruchs auf Lothringen) als Argument für einen französischen, legitimen Anspruch in den Vordergrund schob, denn sonst blieb ihm keine Begründung von Legitimität. Und Lothringen war wohlhabend, ja reich. Wenn auch richtig an dem Gedanken ist, daß die Sprache den geistigen Raum und damit die geistig-motivische, damit sogar wirtschaftliche Gestalt eines Volkes bestimmt, ja ist.
VOLK aber hatte bei den Deutschen nie einen rassischen Hintergrund, es ist ein schlichtes Äquivalent zum griechischen Begriff ethnos. In dieser Umdeutung spielte aber Richard Wagner eine gewaltige Rolle. Denn die Rolle der Musik wird wohl heute völlig niedergespielt. Doch ist sie in der Bedeutung für die Stimmungslage eines Volkes kaum hoch genug anzusetzen. Wagner erkannte zwar sehr richtig die Rolle des jüdisch getragenen Kapital-Kapitalismus, aber er schuf zugleich eine Ersatzreligion, einen Ersatzmythos: Den der Regenerationskraft eines Volkes aus der biologisch-evolutionär manifestierten, damit in die Realität eingreifenden Kraft seiner ethnischen (rassischen) Herkunft weil Tradition und Begründetheit des tiefsten Selbstgefühls.
Wagner schuf nachgerade einen Begriff für deutsches Selbstbefinden. Und universalisierte dabei das ursprünglich stämmisch-völkische Selbstbefinden der Wirklichkeiten in Deutschland, das von Bayern bis nach Schleswig-Holstein griff, worin man es mit sehr unterschiedlichen Völkern zu tun hatte. Er erweiterte damit fast notwendig seine These durch den Aufruf zur sexuellen Befreiung, denn das Wahre läge ja in der Befolgung "biologischer Anreize". Damit war auch die Sexualität, die Begierde, an sich geheiligt, als heiliges Streben nach Wahrheit und Erlösung. Und das ist der wahre Kern fast aller Opern von Richard Wagner. Die Erlösung liegt im Befolgen der "natürlichen" Anreize zur Erotik. Was sich zur Kernfrage steigert, die dann später Michel Foucault stellt: Ist Sex wert, dafür zu sterben? Die Antwort? JA. Sexualität ist damit der ultimative Wert, der auch ein Volk zu erlösen vermag. Erlöst wird, wer sich seiner Begierde ausliefert.
Wer da nicht die 1968er anklingen hört, dem ist nicht zu helfen. Wagners Aufruf zur "sexuellen Befreiung" hatte aber enorme Konsequenzen. Auch ganz konkret. Wie auf Arnold Schönberg, den "Schöpfer" der "12-Ton-Musik". Dessen Frau den Aufruf zur sexuellen Befreiung wörtlicher genommen hatte, als Schönberg lieb war. Der Wiener Komponist, der erst ein tiefer Bewunderer Wagners war, war tief getroffen, und begann fortan, sein Werk der Zerstörung des christlich-abendländischen Hintergrundes zu widmen, der ihm dieses persönliche Desaster bereitet hatte. Er schuf die Disharmonie, den "anti-logos" als Grundzug einer neu zu schaffenden Kultur. Denn die alte hatte ihm nur Schmerzen zugefügt.
Und mit Schönberg sprang das Motiv des Disharmonischen in die europäische Musik, generell. Erstmals tauchte 1918 in Paris der Gedanke des JAZZ auf. Der auf jede Harmonie insofern verzichtet, als er Melodie, Musik nicht mehr gestaltet, sondern in Disharmonie, in der völlig subjektiven untergehen läßt. Diese "Musik" wurde sofort von der abendländischen Kultur fern stehenden Gruppen aufgegriffen - den Negern, mit demselben Motiv: Die herkömmliche Kulturtradition* war ihnen unerreichbar, war Quelle der Frustration, weil sie sich nicht als Heilsbringer entpuppte, sondern persönlichen Schmerz verursachte.
Das letzte originär europäische Musikwerk war, so Jones, Schostakowitschs 7. Symphonie, geschaffen 1940. Ab da war alles nur noch amerikanische Hegemonie. Und damit direkt kapitalistisch-revolutionär (= jüdisch) motiviert. Sie haben damit aber im Grunde nur aufgegriffen, was Wagner vorbereitet hatte. Nur konnte sich Wagner nicht vorstellen, daß es eine Gruppe - die Juden, als Vertreter des Judaismus - aufgriff und sogar weltweit: dominant wurde. Mit der neuen Subjektivität als Paradigma wurde auch der ethnische Faktor plötzlich dominant - mit der Rolle der Juden als ultimatives Opfer der Weltgeschichte, wie der Hitlerismus ja "bewiesen" hatte. Der 1945 so katastrophal einem Scheitern zugeführt wurde. Was sonst sollte man "beweisen"?
Damit wurde quasi endgültig festgelegt, daß die Grundbewegung des Judentums - die Ablehnung, nein, die Bekämpfung des logos, der Jesus Christus als inkarnierter Gott ist - als kulturelle Leitlinie etabliert wurde.
Künstler begriffen sehr wohl aber, was nun passierte, etwa indem sie begriffen, daß fortan "Musik in der Zwangsjacke" (wir werden über dieses Buch noch berichten) steckte. Sie war fortan zu zensurieren, sie war fortan Objekt der "political correctness", auch wenn man das zu Anfang des 20. Jahrhunderts als solches noch nicht in seiner realpolitischen Macht erlebte und erkannte weil begrifflich faßte.
Die schlimmste Wendung nahm die Musikrezeption nach 1945. FORTAN war ALLES, was von Juden geschaffen wurde, PER SE GUT, alles was in der Tradition stand, die noch dazu mit dem Selbstempfinden der Menschen übereinstimmte, SCHLECHT. Es mußte - in einem völlig traumatisierten Volk, das jeder Selbstmacht gegeben war - so sein! Das jedem normalen Menschen normale Urteil, daß diese neue Musik UNHÖRBAR, ja unerträglich war, wurde zum an sich antisemitischen und damit per Höllenurteil bösen Impuls erklärt.
Ab 1945 wurde Kultur und Kunst in Deutschland (und Österreich) zur Form der BESTRAFUNG. Die Alliierten hatten jede, wirklich JEDE Form der Kunstvermittlung unter ihrer Direktive. Von der Erlaubnis ein Kino zu führen, bis zur Medienlandschaft, die wir heute haben.**
Die heutige Generation hat aus dem Verbot des logos die Schönheit abgeschafft, verachten gelernt. Praktisch alles was sich heute als "Kultur" offenbart, insbesonders die persönliche Kultur, ist folgerichtig eine Ausgeburt der Häßlichkeit geworden. Bis hin zu violetten Haaren.
Wir haben es heute mit einem HOLOCAUST DURCH TITTEN zu tun.*** Einer völligen Kulturauslöschung durch Entsittlichung, in der die Menschen ihren momentanen "Bedürfnissen" (= Begierden) ausgeliefert sind. Damit sind sie beliebig steuerbar.
*Den an sich immer persönlichen Charakter von Kunst (und Musik, natürlich) als Gestaltungsfaktoren von Kultur können nur jene unterschätzen, die bereits genug über Universitäten geistig ins rational-abrealistische gebrochen sind. Der heute weit verbreitete Ansatz, Kunst WEGEN dieser Subjektivität als Indikator wie Wirkfaktor von Kultur zu relativieren, also ihr den absoluten Gehalt als "Wahrheitsindikator" abzusprechen, zeigt nicht, daß die historische Bezogenheit falsch ist, sondern daß man von Kultur und Menschheit (Anthropologie) nichts mehr versteht. Denn die Gestalt des Absoluten ist IMMER nur PERSONAL, also in Personen konkret.
**Es ist geradezu absurd und lächerlich, wenn die heutige junge Generation mit "ihrer Musik" meint, sie säße damit am Ast der Freiheit. die sich gegen die Unfreiheit des Traditionsdiktats zu wehren habe. Als hätte der Mensch auch nur IRGENDETWAS, das er nicht empfangen hätte! Sie sind regelrecht und praktisch ausnahmslos ferngesteuerte, gehirngewaschene Zombies. Wir haben es heute sogar mit einer Jugend zu tun, die sich nicht GEGEN die Zeit wendet, um sie aufzubrechen, sondern die dafür protestiert, daß sie IM Mainstream verharren darf. Man könnte sie dafür nur verachten, wären nicht die Schuldigen so leicht auszumachen. Darunter - die Mütter, unter dem Segel weil der Hochmacht des Feminismus.
***Darin gründet die Publikumsvorliebe für Horrorfilme. Sie sind eine Art "Schein-Katharsis" vom zutiefst erahnten Fundamentalproblem der von der Vernunft erlösten Sexualität.
In dieser eindrucksvollen Summa bringt es E. Michael Jones auf den Punkt: Wo immer katholisch-abendländische Monarchen durch Revolutionen überwunden worden waren, trat an ihre Stelle die Versklavung der Völker durch den Kapitalismus. So hat es noch 1890 das offizielle Magazin des Vatikan Civilta Catholica ganz offen ausgesprochen, und genau diese Geschichte erzählt Richard Wagner in "Rheingold".
Alle Völker Europas haben mittlerweile unter der falschen Flagge der "Freiheit" ihre frühere Freiheit, die im Christentum begründet war, gegen die Versklavung durch das Kapital eingetauscht.
In Rheingold versucht Alberich das Gold der Rheinjungfrauen (Frau=Volk) zu erlisten, was ihm durch Raub dann gelingt. Und er schmilzt aus diesem Gold (unter Verzicht auf die Weltkraft der Liebe) den Ring der Macht. Mit dem er dann alle unterwirft, was im Untergrund die Welt bestimmt. Ehe man ihn schließlich mit List überwindet. Doch der Fluch der Macht des Goldes wirkt bereits. Auch die Söhne Wotans haben um der Macht willen das Höchste verkauft. So bringt das Gold auch den einst gesunden, geordneten, naiven Götterhimmel durcheinander. Sogar der in dieser Hinsicht gewiß unverdächtige Theodor W. Adorno nennt es so: Alberich ist der Jude, der Finanzjude. Und das hat ganz konkrete geschichtliche Hintergründe, so passierte es.
Richard Wagner erzählt nämlich nicht nur im Ring der Nibelungen die Geschichte des Kapitalismus, als der Geschichte der Zerstörung der abendländischen Kultur, im Kampf zwischen Liebe und Macht, Liebe und Gold.
Sondern er erzählt in Rheingold speziell die deutsche Geschichte des 19. Jhds., und hier speziell die von Amsel Rothschild, der von der französischen Revolution in ihrer Spitze Napoleon so unglaublich profitierte und im 19. Jhd. nahezu alle Regierungen Europas in seinen Einflußbereich bekam. In der Angst vor den heranrückenden Heeren Napoleons übergaben die deutschen Könige und Fürsten den Rothschilds ihr Gold, die es beliehen. Die brachten es nach London, und dort verhalf es ihnen zu jener Finanzwucht, die das Haus Rothschild so groß machte.
Die deutschen Fürsten aber waren fortan in Schuldknechtschaft, denn der Ziensendienst fraß alle Aktiva auf. Damit waren die deutschen Länder für den Kapitalismus aufgebrochen, denn fortan mußte die Wirtschaft der Geld- und Steuernproduktion dienen. Nach und nach mußte so die eigentliche Volkskultur dem Wirtschaftsliberalismus ausgeliefert werden. Bis alle ihre logische Rettung nur noch in einem Großdeutschland sahen. Heute beherrscht das Haus Rothschild weltweit fast 100 Nationalbanken, und bestimmt somit maßgeblich die Politik.
Hier Rheingold von Richard Wagner, Wien 1958, mit großartigen Wiener Philharmonikern, unter einem anbetungswürdigen Dirigat von George Solti. Die Philharmoniker spielen, als tanzten ihre Töne wie Feuerfunken aus dem Handgelenk des Dirigenten. Andere Passagen sind wie Peitschenschläge, alles aber ist ein Wogen, das an der Spitze des Taktstocks hängt.
Vergessen wir nicht, daß es sich hier bereits um Interpretatorische Leistung handelt, die das Phänomen selbst - die Gestalt der Musik - von ihrem Ursprung her erschließen soll, um sie so noch konkreter gestaltbar zu machen. Aber der Hörer, Zuseher muß diese rationalen Hintergründe nicht wissen. Gerade nicht bei Wagner. Es reicht, wenn er sich ihr hingibt. Denn in der Musik ist die Dynamik aller übrigen menschlichen Handlungen bereits dargestellt. Und zwar genau bei Wagner, dessen Musik im logos ansetzt. Wagner war vor allem und zuerst ein ... Sprach-Dichter. Der die Sicht auf eine Leibes-Theologie (des Eros) öffnet, die in der Philosophie des beginnenden 20. Jahrhundert längst schlummert, sich aber bis hin zu Johannes Paul II. Leibes-Theologie mehr und mehr entwickelt findet. Im Begreifen der Welt in ihrer Körperhaftigkeit als Bedingung, wie als eigentlichen Ort der Transzendenz. Katholizität läßt sich nur aus dieser Leiblichkeit heraus überhaupt verstehen.
Der VdZ ist noch nicht sicher, aber er hält es für möglich, daß sich in Wagner das Schicksal der Gegenwart vorweggenommen enthält. Er hält ihn aus besagten Gründen auch nicht für einen Vorreiter der Emanzipation, wie das manche sehen, die die Freiheit des Menschen einfach nicht verstehen. Die erst aus der Gebundenheit und dem hierarchischen Spiel geboren wird. Daß sich die Frau (selber nämlich!) GERADE in der Emanzipationsbestrebung völliger Unterschätzung preisgibt, ist ein ganz anderes Problem. Der Feminismus erreicht sein Gegenteil. Die Gegenbewegung (die sich im Islam in Europa längst ankündigt), die er in sich trägt, wird die völlige Unterwerfung des Weibes mit sich bringen.
Das ist das Wesen der Musik Wagners - ihre Analogie zu in weiteren menschlichen Ebenen ausgefalteten Motivebenen. Das macht die vor 150 Jahren geschriebene Musik so aktuell. Denn der Mensch ist immer derselbe geblieben, und seine Geschichte ist nur dort real, wo sie um die Grundprobleme geht. Dabei ist der "Rheingold" sogar höchst (!) aktuell, ja geradezu aktualistisch in seiner Zivilisationskritik, und eine Darstellung auch der heutigen Politik. Lassen wir uns nicht irreführen. Auch das Heute ist von denselben Motiven und Grundkonflikten des Menschen geprägt.
Eine wirklich großartige Videoserie, die hier im Netz abrufbar ist, zu der wir hier mit dem ersten Film ermutigen. Großartig auch die Perspektive, die sich auf das Amt des Regisseurs (und des Dirigenten) offenbart.
Wagner - schwierig? Nein, Thielemann hat völlig recht. Nicht schwierig. Nur komplex. Ein Genuß, der zuerst einmal vom musikalischen Eindruck ausgeht, und sich dann in immer weiteren Kreisen erschließt. Da braucht es keine große Bildung, zuerst einmal, sondern ... (wieder einmal) Sittlichkeit. Den Willen nicht den einfachen, primitiven "Genußlieferung" des Barbarentums der heutigen Menschen nachzugeben, das mit fünftausend Watt so einschlägt, daß man möglichst nichts mehr dazu beitragen muß. Genuß ist immer nur eine Frage der Selbsttätigkeit! Eine Spaßpädagogik ist also buchstäblich eine Genußverhinderungspädagogik der bereits in der Verwesung der Wohlstandsgeficktheit Befindlichen.
Wer als "Konsument" wirklich Zugang zur Fülle der Oper sucht, kann ihn freilich in diesem Video besonders eindringlich (und natürlich besonders bei Richard Wagner, der manchmal so sperrig scheint) finden. Wagner zeigt sogar direkt, oft genug (manchmal wie in späteren Ring-Werken zu viel, zu reflektiert) buchstäblich die ungebrochene Gegenwart der Mythen. Die Oper als Gesamtkunstwerk wird durch dieses Video wirklich begreifbar: Alle Dimensionen des Menschen sind umfaßt. Natürlich in allen Opern, aber bei Wagner in eine neue Dimension (in einen neuen Anspruch zumindest) gehoben. Wagner erzählt in einem unaufhörlichen Strom. Er ist deshalb am ehesten mit Homer zu vergleichen.
So nebenbei wird dabei das ungeheure Geheimnis der Namen begreifbar. Denn jemanden Franz oder Rigobert zu nennen, ist keinesfalls zufälliges Schicksal. Es ist das Aufgreifen eines Motivs (im musikalischen Sinn), der mit jedem Menschen in die Welt kommt. Genauso wenig wie wir glauben sollten, wir sprächen "zufällig" weil "inhaltlich-rational-kommunikativ", also nominal zweckbestimmt. Wir sprechen (weil stellen dar) ... in Welt-Grund-Motiven.
Der VdZ besitzt nur die - keineswegs schlechte, sogar (vor allem in den romantischen Passagen) recht gute! - historische Aufnahme unter Hans Swarowsky mit der Tschechischen Philharmonie und durchaus passablen Sängern. Aber er wird sich gewiß eines Tages den Zyklus unter Thielemann zulegen. Derzeit scheint es aber noch keine wirklich befriedigende Gesamtaufnahme (und sei es aus technischen Gründen) unter ihm zu geben. Aber man kann es auch so verstehen, daß Wagner zeitweise nahezu religiösen Status genießt. Er faßt die Welt ... sagt man das heute so? ... an den Eiern.
"People don't listen to Your music, they just follow what You do. And that I wanted to break. I wanted to be more asides." Wardruna - Gaahl, norwegischer Ritualistic-Rocker (man verzeihe die gewiß mangelhafte Einordnung in die Musikrichtungen; es geht wohl in Richtung "black metal", also dämonischer Ausprägung) in einem interessanten Interview (mit weiteren vier Teilen auf Youtube).
Interessant ist es deshalb, weil diese Art der Musik sich bewußt als Ritual versteht. In einer Mischung aus Magie und Religiosität, wird diese Musik im Selbstverständnis sakramental. Damit liegt sie auf einer direkten Linie mit Richard Wagner. "You feel," sagt der Norweger an einer Stelle, "You ARE the song, You represent its content." Und das jeden Tag, jeden Auftritt. Deshalb proben diese Musiker auch nur wenig, oder gar nicht.
Damit fließt religiöser Vollzug und Person zusammen, der Musiker wird zum Priester. Wardruna war das schließlich zuviel. Was er ursprünglich nur als sehr persönliche, intime Gefühlsäußerung beging, wurde allmählich zum Inhalt seiner Auftritte. Ehe ihm dieser rituelle Aspekt zuviel wurden. Es widersprach seinem Empfinden, diese religiösen Bezüge diskret, verborgen zu vollziehen. Jenem Gefühl, das aus seiner Kommunikation mit den alten germanischen Göttern erwuchs.
Wenn diese Innerlichkeit aber, so Wardruna, nicht zutiefst jeweils persönlich stattfindet, dann wird sie gefährlich. Die Auftritts- und Eventmechanismen verändern die Rezeption in den Künstlern wie in den Konsumenten, machen sie unwahr. Der Kult wird zum Schauspiel, nicht zum realen Vollzug. "[But] I have to forget how to paint, before I get a new picture." Sonst wird alles zur Technik. "You should be what You do, and therefore You have to become a child."
Da kommen noch viele weitere Aspekte dazu, wir werden das ein wenig hier nachverfolgen, mit der Zeit gewiß. Denn es geht auch hier um Wirklichkeit und Realismus in der Kunst, und es geht um Geist und Leib. Ein Thema, das spezielle die österreichische Kunst auf phänomenale Weise durchwirkt. Weshalb sich hier Nähen zwischen "Linkem Realismus" und "Ritualistischem Hardrock" (="ultrarechts") anzeigen, die keineswegs zufällig sind. Das fließt alles im selben Strombett. Wie hier schon oft gesagt: Die Linke will nicht KEINEN (irrationalen) Faschismus, sie WILL GENAU IHN, man höre nur genau zu.
Typisch ist, daß diese Selbstrezeption, die sich immer mehr verengt, zur zwanghaften Introspektion wird, weil alles Wahre sich aus dem Empfinden ergeben solle, die vergebens versucht, jede Reflexion auszuschalten, in Nichts auflöst. Wardruna ... outete sich nunmehr als "gay", als schwul. Und das ist in diesem extrem "rechten" Milieu äußerst häufig! Man denke an die SA, die fast eine per se homosexuelle Männergesellschaft war. Und man sehe sich genau den Zirkus der "katholischen" Weltjugendtage, das Gebaren mancher Päpste an, im übrigen, wo dasselbe Prinzip zu fließen beginnt.
Videos wie dieses nächste anzusehen heißt, in unsere Zukunft zu sehen. Und da paßt es wie die Faust aufs Auge, daß diese Bewegung so stark von einem Land ausgeht, das im monetären Wohlstand (Norwegens Öl!) regelrecht erstickt.
Richard Wagner geht davon aus, daß der Mensch bewußt nicht wissen könne, was er wirklich wolle. Das sei Angelegenheit der großen, gesamten Natur. Nur, was er nicht wolle, das wisse er. Deshalb wüßten wir erst, was wir wollten, wenn wir es erreicht hätten. Erst dann kann der Mensch bewußt sein Ziel denken. Denn dann sei alles abgefallen, was man nicht wolle.
Daraus zieht er den Schluß, daß nur die Kunst das vorzeichnen und gestalten könne, wohin sich ein Volk entwickeln wolle. Denn diese ist von positiven, aber unbewußten Antrieben bewegt. In ihren Werken, die nur dann Werke sein könnten, wenn sie eben alles ausgeschieden hätten, was ihnen NICHT zugehöre [die Analogie des Bildhauers ist immer noch die zutreffendste, spricht man über das Kunstwerk: der Bildhauer meißelt alles weg, was nicht dazugehört; Anm.] zeige sich das, was das Volk präge und bewege. Dies auch deshalb, weil die Kunst dynamisch sei, sich immer aus der Spitze der Gegenwart nähre. Ist das Kunstwerk fertig, ist der Zustand der Bedürfnislosigkeit erreicht - und damit erst ist es die vollste Vergewisserung des bewußt gewordenen Wesens.
Der Staat aber, in seinen verschiedensten Ausformungen der Gegenwart [Wagner bezieht sich ausdrücklich auf die "demokratischen" Formen des Kommunismus; Anm.] sei eine bewußte Konstruktion. Er wolle somit mehr sein, als er sein könne. Denn er setze den Moment für die Ewigkeit, wodurch er tot sei, noch ehe er ins Leben trete. Er setze eine Norm für die Zukunft, um sie festzuhalten, obwohl sie ihm ja gar nicht gehöre.
Das Nicht-Gewollte wird dem Volk in der Kunst hingegen bewußt. Weil die Kunst nur aus Notwendigkeiten besteht. Damit bleibt, am Ende des Tages, im fertigen Kunstwerk, im abgespielten Drama, das, was gewollt wird. Als das, was frei von allem Ungewollten übrig ist.
Die Zeitungen schreiben, daß die Enthüllungen um die Seitensprünge und Eskapaden des schwedischen Königs diesem, wie man nun feststellt, im Lande nicht geschadet hätten, zum Gegenteil: der König sei nun so menschlich geworden. Jedenfalls sei die Stimmung nicht gegen ihn.
Bürger Carl Gustav Wasa, aus der Ex-Monarchie Schweden
Welch tragischer Irrtum. Diese Meldung kommt einer Todesanzeige gleich. Der König ist tot. Es lebe Karl Gustav. Reduziert in seiner Menschlichkeit auf die Unmenschlichkeit der Formlosigkeit. Das Volk, bequem und verführbar zur Bequemlichkeit, hat nun einen Kumpanen, hat wieder einen Anspruch weniger zu erfüllen, der ihm Lebensmühe und Kultur abverlangen würde. Heja, Sverige!
Welch Königskonzept noch bei Richard Wagner, bei Görres, bei Ludwig II. von Bayern. Der König, der Künstler, der Prophet, die Kirche - in einer Linie. Priester des Ewigen, ohne Anrecht auf diesseitige "Menschlichkeit", aufgegangen in einer Inkarnation, die selbst dem Priester erspart bleibt, der sich noch eher von seinem Sakrament zu lösen imstande ist. Im König aber wird - und ich verweise da auf das Buch von Johannes Paul II., "Von der Königswürde des Menschen" - diese Berufung, als Ideal des Menschen an sich, wirklich. Welche Last. Ludwig II. ist daran zerbrochen, am Kreuzweg zerbrochen, den es in einer bereits so zu Tode profanisierten, banalen Welt bedeutet, König zu sein.
Der schwedische Fickerkönig hingegen macht sich die Mühe gar nicht mehr. Er schafft gleich das Königtum ab. Getreu der Gegenwartsphilosophie: nicht die Probleme werden gelöst, sondern die seelische Haltung, die ein Problem mit etwas hat, aufgelöst. Nicht das Versagen ist das Problem, sondern die Form - also schaffen wir sie ab. Aus dem König wird ein "Promi", der Geld hat, von dem aber niemand sagen könnte, warum er berühmt sein sollte. Der nur noch versucht, das Familiensilber für seine Kinder zu sichern.
Denn der Grund dafür sank längst dem Tode zu. Dem Meister der Formlosigkeit. Und irrt nun als Gespenst über den Vänar-See.