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Montag, 26. Dezember 2022

Transeamus usque Bethlehem! (2)

Die Zeit heilt keine Wunden. Sie läßt sie sogar erst aufbrechen weil sie jeden Versuch, Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit zu schaffen, als das ausblühen läßt, was es ist. - Man sagt, daß die Zeit alle Wunden heile. Als wäre das so einfach wahr! Hier hat sich vieles sogar wieder gedreht, das meinte nicht nur die Glatzerin vom Hotel am alten Preußischen Tor. Das rund um die Brücke eine Bieleumbauung bietet, die mehr an echter Romantik hat, als sich Filmregisseure je vorstellen konnten. Da unten meint man jeden Augenblick die Heidelinde zu sehen, die die Wäsche im Fluß spült, und da drüben den ollen Heinmück, der mit zerfleddertem Hut und löchrigen, hochgekrempelten Hosen einen Weißfisch im Flachwasser zu fangen versucht. Heute jedenfalls hat man denn auch wirklich den Eindruck, daß man sich allmählich wagt, das Deutsche zu hassen, das mit den nun so freizügig möglichen Besuchern (wir kannten aber damals noch nicht Corona; dieser Seitenhieb muß sein) daherkommt, als wäre er hier mehr zu Hause als ... ja, als was, als wer? Das Dumme ist nämlich, daß das tatsächlich so sein könnte. Aber wer würde das noch je zugeben wollen, der nicht in Gefahr geraten wollte, zum Revisionisten und Neo-Nazi gestempelt zu werden?

Die jungen Polen wollen davon aber aus anderen Gründen nichts mehr wissen, ja die kennen es gar nicht mehr. Die sind also an Nazi-Etiketten und den alten Deutschen überhaupt nicht mehr interessiert.

Dienstag, 31. August 2021

Die klarsten Argumente (1)

Die erhellendste und konziseste Äußerung zum letzten motu proprio "Traditionis Custodes" von Papst Franziskus hörte der VdZ im Podcast eines slowenischen Kanals. (Auf Youtube natürlich längst gesperrt.)

QR EM Jones im Podcast

Darin wird E. Michael Jones um seine Meinung zu der über diese Anordnung absehbaren Beschränkung* der Alten Messe befragt. Ob er dafür oder dagegen sei? 

Und in der Art der Fragestellung nahm der Interviewer vermeintlich die zu erwartende Antwort vorweg: Ein konservativer, also ein echter Katholik könne doch nur dagegen sein?!

Gegen die Erwartung des Interviewers stellt Jones aber zur Antwort eine Gegenfrage: Ob er beides wählen könne? Denn das Motu Proprio sei viel subtiler zu sehen. Rein pastoral war es nämlich seiner Ansicht nach notwendig. Auch wenn es der Alten Messe auf lange Frist quasi den Todesstoß bereiten wird. Aber aus anderen Gründen ist es Symptom für etwas, das abzulehnen ist. 

Warum war es notwendig? - Ganz offensichtlich verfolgt "Traditionis Custodes" die Intention, so Jones, die Alte Messe nur noch für jene zuzulassen, für die sie einen ursprünglichen Kult darstellt - also die "Alten" (wie den VdZ), die damit aufgewachsen sind. Das bedeutet, daß mit ihnen über kurz oder lang auch die Alte Messe verschwinden wird.

Aber ob Jones denn nicht der Ansicht sei, daß das eine Katastrophe sei und sich gegen die Tradition der Kirche richte? Wo doch die Liturgie eine Lebensfrage der Kirche sei, man möge doch schauen, welchen Zulauf sie gerade bei den Jungen hätte. Und die Piusbruderschaft sei auch nicht mehr als schismatisch eingestuft, die Exkommunikation aufgehoben!

Da erzählt Jones von seiner Begegnung mit Bischof Richard Williamson, den er an anderer Stelle sogar als "lieben Freund" beschreibt.

Freitag, 19. April 2019

Der Sünder haßt das Sein, haßt die Welt

Es gibt nur einen Grund, warum die Abtreibungslobby - gegen den Willen des Volkes! - in den USA auch noch den schlimmsten Coup durchbrachte: Die höchstrichterliche Festlegung, daß Abtreibung bis zum Moment der Geburt zugelassen werde. Und das ist das schlechte Gewissen. Dieses motiviert die Aggression, die sich nun in einem glatten Kinder-Genozid äußert. Der Faktor, daß es sich hier um eine Schlacht des Judentums gegen den Katholizismus handelt, ist da fast schon zweitrangig, wenngleich er das Pferdeinventar stellte, auf dem die Attacken geritten wurden, und in anderer Hinsicht - als Kampf gegen den logos, gegen Gott somit - der doch der eigentliche Kampf ist, um den es hier geht. Da verblaßt alles andere, wie die klare Intention, mit Abtreibung einen rassistischen Kampf gegen die Schwarzen zu führen (die die bei weitem überwiegende Mehrheit der Abtreibungsopfer in den USA stellt). Denn das war und ist es. Teil einer protestantisch-jüdischen Zusammenarbeit, die aus demographischen Gründen aufkommenden Mehrheiten (katholisch, schwarz) ab den frühen 1960ern zu verhindern.

Völlig mitleidlos - mitleidlos sowohl mit den Kindern als auch mit den Frauen, die sämtlich schwer unter einer Abtreibung leiden - kämpft eine "Elite" voller Haß, um diesen Massenmord zur Norm, ja zur Natur zu erheben. Um sich selbst zu exkulpieren. Selbst ein Nixon wußte noch, daß die Verhütung (die in den mittleren und späteren 1960ern zur "allgemein akzeptierten Norm" wurde) nur bis zum Punkt der Abtreibung gehen, davor aber stoppen mußte. Ab 1973 aber war diese Hürde weggeräumt. Ab dieser ebenfalls höchstrichterlichen Entscheidung von damals, daß Abtreibung "legal" zu werden habe, und zwar in den gesamten USA. 

Aber die Sache wird noch dramatischer, erklärt E. Michael Jones in diesem Interview-Gespräch. Sie wird dramatischer, weil es den Juden gelungen ist, auch die Katholische Kirche zu spalten. Mittlerweile gibt es sogar Kardinäle, die in seelisch-geistiger Verwirrung und (wie im Fall McCarrick) von Schuldgefühlen und den daraus folgenden Exkulpations-Versuchen im Namen der "sozialen Gerechtigkeit" der Abtreibung jene Tür und jenes Tor öffnen, das die Kirche im Namen der Natur des Menschen und seines Seelenheiles zu hüten hätte.

Wie kann man sich die Aussage, daß Abtreibung ein weiteres Mittel dazu ist, die Bevölkerung zu kontrollieren, konkret vorstellen? Jones trifft den Punkt exakt: Jede Frau, die abgetrieben hat, ist schwer belastet mit der Schuld der Tötung ihres Kindes. Wie soll nun diese Frau (und die an ihrer Entscheidung Beteiligten) mit der Schuld umgehen?

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: In der Beichte zu bereuen und Vergebung zu erlangen, oder: Das ganze weitere Leben damit zu verbringen, das Falsche zum Richtigen zu erklären. Also sucht man "Gemeinschaften", "Bewegungen". Man hat es getan, also darf/kann es nicht falsch sein. Und andere bestätigen einen, mit vielen Rechtfertigungen und Begründungen. Dazu gehört auch, "Gutmenschen" in demokratischen Wahlen zu wählen, um sich doch auf der Seite der Richtigen zu wissen. (Das steckt am allermeisten hinter den für Hillary Clinton "Begeisterten". Es ging um millionenfache Schuld. Hillary Clinton verhieß allen diesen, daß sie ihrer Schuld ledig würden.)

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt. Der sich in der Vorgehensweise von Rabbi Shoeman zeigt. Der zwar in den USA für Abtreibung eintritt, aber sie in Israel strikt ablehnt? Warum? Weil Abtreibung und Verhütung Mittel demographischer Kriegsführung sind. Eine Gruppe dominiert die andere, indem sie die Geburt von deren Kindern verhindert. Das ist auch alles, worum es in Afrika geht. Politische Macht baut eben ausschließlich auf demographischer Macht auf. Frauen aber, die abgetrieben haben, haben das ständig im Vordergrund ihres Bewußtseins. Darum wird die Frage ständig so hochgekocht, ja zur Gretchenfrage um Menschenrecht gemacht.

Wenn man aber etwas tut, das einen unglücklich macht, so wie alles, was gegen die Natur weil das Wesen des Menschen geht, und das nicht bereut, nicht beichtet, nicht verziehen weiß, so folgt mit Folgerichtigkeit der haßerfüllte Blick auf die Umwelt, die gezwungen werden soll, dasselbe zu tun. Und das ist der Selbstfortpflanzungsmechanismus der schweren Irrtümer die Sexualität betreffend. Die Leute brauchen nur noch die Mittel, die Verbreitung, die Propaganda, den sozialen Druck zu folgen besorgen sie selbst. 

Den Einfluß auf die geistige Elite holte sich die dahinterstehende Gruppe von Oligarchen über Geld. Über Geld und (medial inszeniertes) Ansehen. Moralische Korrumpierung bringt aber intellektuelle Korrumpierung, und diese bringt politische Korrumpierung. So wurden die katholischen Universitäten und Lehranstalten bestochen, darüber wurde das dort Gelehrte verändert. Die Oligarchie wurde frech, bis zum Höhepunkt, wo N. D. Rockefeller III. zu Papst Paul VI. auf Vermittlung des Dekans der Universität von Notre Dame (Illinois) nach Rom fuhr und diesem anbot, den Text zu einer Enzyklika über die Empfängnisverhütung zu schreiben. Was der Papst höflich aber bestimmt ablehnte (und 1968 stattdessen die Enzyklika Humanae Vitae herausgab, die so gar nicht nach dem Geschmack der Oligarchie ausfiel).

Darüber aber hat man auch ganze Orden korrumpiert - wie die Jesuiten. Gewiß, nicht jeder Jesuit ist homosexuell, aber die internen Mechanismen zeigen ganz deutlich, daß die Korrumpierung durch Homosexualität diesen ganzen (einflußreichen) Orden durchzieht. Heute stehen wir vor der Situation, wie Erzbischof Viganò enthüllt hat, daß eine regelrechte Mafia von Homosexuellen den Diskurs in der Kirche bestimmt. Aber aus diesen Gründen ist auch klar, daß ein Homosexueller niemals Priester sein darf. Er ist intellektuell "beschattet", geistig korrupt. 

Da wundert es nicht, daß man etwa im Fall von Medjugorje zu so seltsamen Urteilen kommt, daß die "ersten sieben" Marien-Erscheinungen "echt" gewesen sein sollen, aber die folgenden 47.000 nicht. In der vatikanischen Medjugorje-Kommission war auch ein (französischer) Bischof, der wegen Homosexualität seines Amtes enthoben worden war. 

Und was ist mit so fragwürdigen Figuren wie dem Jesuitenpater James Martin, der in Rom von hohem Posten zu hohem Posten fällt?

Gibt es eine Möglichkeit für Laien, sich aus diesen Wirren herauszuhalten? Ja, sagt E. Michael Jones. Keuschheit. Die einzige, aber sicherste Möglichkeit, sich von der sogenannten sexuellen Befreiung nicht befreien zu lassen, ist persönliche Keuschheit. Nur damit kann man auch dem eigentlichen Ziel der Oligarchie wehren - dem Zerbrechen der Familien. Das ist der Ausgangspunkt, von dem aus sich das Individuum kontrollieren läßt. 

Das beste Beispiel liefert Deutschland. Das nach 1945 noch dazu erobertes, besetztes Territorium war. Es war für die sexuelle Befreiung leichte Beute. Damit hat man das Land sicher in die Hand bekommen. Und wer waren die Jäger? Von Rache getriebene Juden aus New York, sagt Jones. Wo einmal die Moral zerstört ist, im besonderen die Sexualmoral, ist die Zerstörung des Menschen nicht mehr aufzuhalten.








*060219*

Mittwoch, 12. September 2018

Pädophilie als Ablenkungsmanöver

Der Gedanke ist nicht neu, aber er wirkt angesichts dessen, was wir heute sehen, umso überzeugender: E. Michael Jones weist darauf hin, daß das angebliche Pädophilie-Problem der Kirche als solches keineswegs als Generalproblem existiert. Und das zeigt sich am jüngst Aufsehen erregenden Fall des Kardinal McCarrick, der bereits zurückgetreten ist und dem vom Vatikan "Zurückgezogenheit" auferlegt wurde. Denn ein heute erwachsener Mann hatte ihm vorgeworfen, mit ihm als 15jährigem homoerotische Kontakte gehabt zu haben.

Mit Pädophilie hat das aber nichts zu tun, sagt Jones, auch wenn der Betroffene rein formal Minderjähriger war. Vielmehr ist das ein Ablenkungsmanöver, das vom eigentlichen Problem im Klerus ablenken soll. Und das ist - Homosexualität. Sie war die Waffe, mit der man unter dem Banner der sexuellen Befreiung ("sexual liberation") den Klerus von innen heraus zerstört hat. Weil aber die Haltung des Menschen sich auch auf sein Urteilsvermögen auswirkt, sind die die Lehre betreffenden Verwirrungen aus subjektiven Verborgenheiten (aus Rechtfertigung, aus Gewissensproblemen in der Tiefe also) erwachsen, die nach und nach das Lehrgebäude der Kirche so devastiert haben, wie wir es seit dem Zweiten Vatikanum in progressiver Linie erleben. 

Eine tragende Rolle spielten dabei die Jesuiten. Sie SIND heute weitgehend das Homosexuellennetzwerk in der Kirche, und sie haben es geschafft, bis in die höchste Kirchenspitze hinein diesen fatalen Irrtum zur Hauptagenda zu machen. Analog zu gesellschaftspolitischen Vorgängen, wo mehr und mehr homosexuelle Agitation die Öffentlichkeit (nicht zuletzt medial) und öffentliche Atmosphäre beherrscht.

Denn Homosexualität, die LBGT-Agenda, ist eine Form der politischen Kontrolle. Vor allem aber ist sie (und es gibt eine Menge von Aussagen von Oligarchen) eine "Wirtschaftsagenda", denn ein alle Vernunft (die erst über den Augenblicksimpuls hinaus trägt) in "Spontanität" (weil der Begierde, momentanen Lüsten folgend) auflösende Klientel ist der ideale Konsument, der von der Werbung perfekt zu steuern ist.

Unabhängige Untersuchungen bestätigen, was Jones hier einmal mehr sagt: Es gibt statistisch keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophilie. Es gibt ihn aber eindeutig (mit überwältigender Korrelation) zwischen Homosexualität und Pädophilie. Das Problem ist also nicht Pädophilie an sich! Es ist die ungezügelte, sterile Sexualität der homosexuellen Priester. Wie sie seit Jahrzehnten regelrecht "gezüchtet" wurde und wird. Es gibt jede Menge an Beispielen (auch der VdZ kennt solche), die davon berichten, daß in den Priesterseminaren bedrückende homosexuelle Atmosphäre herrschte und oftmals herrscht. 

Die Vorfälle in St. Pölten, die 2003 an die Oberfläche kamen, sind keineswegs ein Einzelfall gewesen! Und schon gar nicht haben sie damals als Erscheinung in der Kirche durch Teufelsaustreibung gewissermaßen "geendigt". So berechtigt alles im "Fall Krenn" auch war, so war er trotz allem nur ein Sündenbock, dessen Verteidigung nur symbolische Teufelsaustreibung war, die die Illusion herstellen sollte, daß die Kirche energisch zu ihren Prinzipen und Lehren stünde. Mitnichten! Das zeigen die jüngst aus den USA bekanntgewordenen Fälle einmal mehr, und viele wußten es ohnehin.

Bedrückend ist buchstäblich gemeint, weil es zu einer regelrechten Repression jenen gegenüber kommt, die sich gegen diese Umtriebe stellen und nicht mitzumachen bereit sind. Und wieder sind hier besonders die Jesuiten zu nennen, die mittlerweile sogar zu den Bannerträgern der LGBT-Bewegungen geworden sind und kraft ihres enormen Einflusses diese Agenda überall an die vorderste Stelle heben. Mit der "Pädophilie" aber schaffen sie es, daß sie selbst "vom Haken" kommen, an dem sie eigentlich hängen. 

Die Jesuiten sind die fünfte Kolonne der Oligarchie innerhalb der Kirche geworden. Das begann schon in den 1920er-/1930er Jahren mit Figuren wie Teilhard de Chardin, und setzte sich dann systematisch fort. Als trojanisches Pferd mit der wirksamsten Waffe gegen den Klerus in ihrem Bauch: Homosexualität. Sie wurden so zu Verrätern an der Kirche, die ihre wahre Absicht lange Zeit gut verbergen konnten. Denn Homosexuelle sind vor allem perfekt in der Praxis des Doppellebens. Sie sind Meister der Täuschung.

Mit der Homosexualität schuf man sich aber die perfekt steuerbaren Gesellen. Denn das Laster erzeugt die tiefsten Gewissensprobleme und Schuldgefühle. Damit sind Homosexuelle die perfekten Opfer, um über Schuld gesteuert zu werden. Der angeblichen "Freiheit" steht direkt die "Bestrafung" gegenüber, die verdient zu haben man fühlt. Das führt zum unbewußten Kampf gegen die eigene Identität, und das heißt zu dem, was sie je aktuell wieder und wieder "herstellt", in der Institutionalisierung hält, in der Treue festigt. 

Eine Systematik, die generell hinter der sexuellen Befreiung steht und sie zu einer Agenda der Oligarchie macht. Denn der im Laster Gefangene sagt: Laß mich mein Laster ausleben, dafür darfst Du machen, was Du möchtest! Homosexualität ist das perfekte Instrument der Kontrolle.

Und es finden sich weitere direkte Linien, die auf diese persönliche Dimension zurückgehen. Aus dem persönlichen Familienproblem, das Homosexualität in ihrer Wurzel evoziert, wurde die sexuelle Befreiung, die sich direkt gegen die Familie richtet und dieser ihr Fundament raubt. Weil freie Sexualität als Herrschaft der Begierde von der Verbindlichkeit des Wortes, der logos-Dimension der Persons-Begegnung der Geschlechter losreißt. Weil aber die Zerstörung der Familie enorme destruktive Energie freisetzt, wendet sich diese nun gegen jene, die den Finger auf diese Wunde liegen. "Hate-Groups" sind Gruppen, sagt Jones, die zu hassen nicht nur erlaubt, sondern mittlerweile sogar geboten ist.  

Die Jesuiten, meint er, gehören deshalb energisch bekämpft und eingeschränkt! Kein Orden ist so mächtig und einflußreich. Er ist aus der Erfahrung der ungerechten Verfolgung des 18. Jahrhunderts heraus als eine Organisation der Unterdrückung wieder aufgestanden. Deshalb muß man an ihnen ein Exempel statuieren. Was früher ungerecht war, ist heute dringend angebracht: Man muß sie heute unterdrücken. Wenn Rom dazu nicht in der Lage oder willens ist, müssen die Gläubigen die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen - und wie in den historischen Volksaufständen mit Mistgabeln und Dreschflegeln vor die Tore der Unterdrücker ziehen.









*170818*

Sonntag, 12. Januar 2014

Erstaunlich richtig

Der Präsident Boliviens, Evo Morales, muß es ja wissen. Denn er hat schon seit seiner frühesten Jugend das gemacht, was im verrotteten Europa zu einer der Ersatzhandlungen nicht mehr vorhandener Liebe wird - er hat gearbeitet, um zum Brot seiner Familie beizutragen. Er war ein "Opfer der Kinderarbeit", wie es die Dummschwätzgesellschaft formulieren würde.

Völlig richtig sagt Morales, daß die Einbindung von Kindern und Jugendlichen ihr soziales Gewissen bilde. Er selbst sieht sich keinesfalls als Opfer, weil er schon von frühester Jugend an, ja noch in der Kindheit, in einer Bäckerei arbeitete, oder mit 16 durch Straßenmusik zum Haushaltsbudget der Familie beitrug.

Denn eine der schlimmsten Nebenerscheinungen Europäischen Asozialentums, in dem die Kinder nicht allmählich in das Gefüge der Familie hineinwachsen, weil man sie unter einen Glassturz stellt, ist, daß sie ihre eigene Existenz als sinnlos empfinden, weil empfinden müssen. Sie werden ganz real einfach nicht gebraucht.

Deshalb ist das meiste, was an Charaktereigenschaften der gegenwärtigen jungen Generationen sichtbar wird, die typische Erscheinung nihilistischer, gelangweilter, seinsloser (!) Charaktere, die in der Reflexivität in ihre eigene Leere stürzen. Menschen, die keine Ahnung mehr haben, worum es im Leben geht, denen aber über sinnlose "Bildung" ein Instrument der Zweitwirklichkeit aufgepflanzt wird, das sie die Wirklichkeit später kaum noch finden läßt. 

Da lobt der Verfasser dieser Zeilen das Glück einer bescheidenen Kindheit und Jugend, und bewundert diesen Bolivianer. Einer Jugend, in der es aber immerhin auch für ihn so selbstverständlich war daß nicht einmal darüber nachgedacht wurde, daß er ab 15 wenigstens in den Ferien, und bald mit jeder Menge Nachhilfestunden auch unterm Jahr, seinen persönlichen Aufwand bzw. die Kosten des Schulbesuchs, wenigstens, durch oft genug harte Arbeit selbst gedeckt hat, damit der verwitweten Mutter, Bezieherin einer Mindestrente, nicht auf der Börse lag. Taschengeld hat er sein Lebetag nie erhalten. Woher auch. Und wofür.

Heute ruft in Europa die dem verrotteten Zeitgeist verfallene Mutter das Sozialamt zur Hilfe, um der 14. Hose des pubertierenden Jugendlichen, der stets nach dem neuesten Schrei gekleidet zu sein beansprucht, denn von allen Seiten wird ihm eingeredet, er sei sonst "leidender Außenseiter", die Konten des demontierten Vaters per Gesetzesbeschluß zu öffnen, denn er soll sonst doch gefälligst das Maul halten. Mit Versorgungsgarantie bis ins hohe Erwachsenenalter, egal, wie konzentriert man daran arbeitet, oder eben nicht, auf eigenen Füßen zu stehen, um selbst Verantwortung für andere übernehmen zu können. Auf daß dieselben Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein keine Ahnung mehr haben, wozu sie überhaupt auf der Welt sind. Weil konkrete Lebensaufgabe mit Lebenssinn, weil Freiheit mit Verantwortung zu tun hat.

Das macht auch das, was als "Krisenbekämpfung" in Europa die Runde macht, zum sinnlosen Akt sinnloser Menschen. Denn sie versucht nach wie vor - eine Jahrhundertchance der Rückmeldung der Wirklichkeit ungenützt lassend - den Menschen genau diese Wirklichkeit weiterhin vorzuenthalten. Nach der sie doch in Wahrheit gieren. Weil sich dann plötzlich wieder Sinn meldet.

Da hat offenbar ein bolivianischer Präsident mehr Ahnung von der Wirklichkeit und vom Guten, als dauerschwafelnde Päpste vom selben Kontinent, die ihre Ahnungslosigkeit, berauscht vom Schnaps der Gemeinschaft der vertrottelten Sozialromantiker, zu dem die Jesuiten Europas verkommen sind, als Sozialgewissen tarnen, und dabei asozial sind.

Aber der Ruf der Menschen nach Sinn ist nicht immer zu unterdrücken. Die Energie, die sich sammelt um das System zu zerstören, wird immer größer, das steht außer Zweifel. Ihre berechtigten, zumindest verstehbaren Ziele: die Politik, und die (faktische) Kirche als kaum anders mehr zu verstehen als Barriere zur Wirklichkeit, impotent gemacht durch die Gefangenheit in der Zweitwirklichkeit.






***

Freitag, 12. Juli 2013

Über Verbindendes und Gleiches (2)

Teil 2) Die Antwort, die vielleicht denn doch ironisch wurde,




Geschätzte, gnädige Frau V! 

Der Verfasser dieser Zielen dankt für Ihre Mitwirkung an einer interessanten Gestaltung dieses Blog. Und Ihr Beitrag fügt sich ohne Zweifel in sein Spektrum.

Gewiß, die Ähnlichkeit - weniger in der Physiognomie, auch nicht in der Auffassung des Zölibats, mehr in der, naja, wie soll man sagen: praktischen Lebensart und -auffassung? - ist tatsächlich verblüffend. Selbst auch das Alter stimmt überein. Und Argentinien liegt ja nur durch den Rio della Plata von Uruguay getrennt, auch das stimmt. Wobei: der ist in der Mündung dutzende Kilometer breit, Sie wissen das? 

Ja, und auch das stimmt - in etwa diesen Gebieten fand für 260 Jahre dieses Heilige Experiment der Jesuiten statt, KEIN kommunistisches Konzept allerdings, als das es häufig mißverstanden wurde, hier wurde es ja etwas vorgestellt.

Ja, und auch das ist richtig, der Mann hat sicher keine Berührungsscheu vor einfachsten menschen, und herzt ganz gewiß jedes Kindchen, das ihm über den Weg läuft. Das tut ja mittlerweile sogar der Pfarrer jener Pfarre, in die der Verfasser dieser Zeilen sonntags zu gehen pflegt, die Liebe bricht einfach überall aus, wie eine Seuche. Jaaa, und auch das stimmt - beliebt ist der mann ganz sicher, auch darin eine Parallele.

Ja, und auch das ist richtig, gnädige Frau, er sagt teils wörtlich dasselbe, wie es uns aus dem Munde des Heiligen Vaters in Rom zu Ohren kam.

Wobei der Autor dennoch davon ausgeht, geschätzte Leserin V, daß ihre Hinweise keineswegs von jener Ironie getragen werden, die man ihnen beimessen könnte? Denn immerhin: der Mann - der Präsident, nicht der Papst - ist doch Kommunist? Haben Sie das überlesen? Oder war der Hinweis auf den Jesuitenstaat (Jesuit, nun dämmert es dem Autor!) schon darauf ...? Aber die haben doch vorgezeigt, daß Christianisierung (im Neusprech: Neuevangelisierung) auf der Kultur, ja ist sogar Eigentum, ist Persönlichkeit, und Persönlichkeit ist wie Kultur pure Formpräsenz, aufbaut, ja nur darauf aufbauend überhaupt möglich ist?!

Wie? Sie meinen daß das doch offensichtlich egal sei? Oder daß man zumindest auf den Schluß kommen könnte? Daß es gar nicht so auf das Sein, sondern auf das ... also ... SSSSein, so irgendwie jedenfalls ... na jedenfalls auf die Liebe ankommt, vor allem aber aufs Verhalten? Wie verhält man sich ohne Form, werte V?

Gnädige Frau, das ist denn also doch zuviel. Oder meinen Sie wirklich? Immerhin, "gut seiende Menschen" hat der Verfasser dieser Zeilen gleichfalls eher unter "Linken" gefunden, die bemühen sich oft deutlich mehr als die Katholiken, die oft so eine seltsame Lässigkeit an den Tag legen, als würden sie sich um ihr Heil gar nicht kümmern, als hätten sie es ja schon. Während die Formlosen sich mehr mühen müssen, weil ja quasi von ihrer Liebe quasi nie etwas stehen bleibt.

Ach so, Sie meinen ...? Dann hat der Verfasser dieser Zielen es vielleicht überhaupt mißverstanden? Dann heißt es vielleicht gar nicht "Erlösung DES  Fleisches", mit postmortaler Paradieskomponente, sondern "Erlösung VOM Fleisch", und dann funktioniert es schon hier und jetzt (Kommunisten haben ja kein "später" das Paradies betreffend, das dürfte ein so ziemlich wahrer Satz sein)?

Wollen die also beide, tun sie also beide nicht das Gleiche? Worin unterscheiden sie sich überhaupt? Nicht einmal im Brustkreuz, wenn man es genau nimmt. Sie verwenden sogar die selben Worte, reden vom Frieden, und il presidente Mujica wird das eine oder andere mal auch schon jemanden diabolo genannt haben, und die Zuhörer werden begeistert geraunt haben: endlich einer, der mutig die Wahrheit spricht. Da ist ihm papa Francisco also sicher auch nicht voraus.

Der Verfasser muß Ihnen beipflichten - verblüffend. Wollen also Kommunisten udn Christen eigentlich das Gleiche? (Gut, ja, das mit den Gulags ist blöd, aber es war halt ein Betriebsunfall, obwohl: die Kirche hatte ja auch einmal Scheiterhaufen und Kreuzzüge und Probleme mit Astronomen, also "wos feuilt's (fehlt es) do, do feuilt's genau nix", wie man im Mostviertel sagt?)

Dann wäre diese Moral aber ja überhaupt äußerst ... modern, sagt man so? Gewissermaßen von zeitlosem chique. Zeitlosigkeit, auf die wir uns ja hinentwickelt haben oder hinentwickeln wollen, selbst da stimmen beide überein. Und Zeitlosigkeit heißt nun einmal nicht sinnenfällig, also gestaltlos.

Und man sieht es ja überall und allerorten. Selbst in Schauspielerkreisen wird seit je geherzt und gebußt, daß es eine Freude ist. Und Geld haben sie auch nicht. Dann wäre ja überhaupt vielleicht die ganze (halbe) Welt schon erlöst, wir begreifen es nur noch nicht, weil sich Gestalt ja global zur Funktion er-, nein: auflöst, und je mehr sie sich er-, nein: auflöst, desto mehr wird querfeldein geherzt und gebusst und aufs Outfit geschi... also: wenig Wert gelegt, und vor allem: geliked und gefriendet? Vielleicht wäre dann überhaupt das Internet DIE Erlösung, als Lösung des lästigen Fleischproblems, mit dem jeder zu tun hat?

Pardon, nun muß der Autor gestehen, daß er sich nun denn doch sicher ist, daß gnä' Frau (Csokolom, übrigens! Sehen Sie? Wirkt schon, auch der Verfasser vergißt bereits die Form) - daß Gnä' Frau also Ihr Brieflein mit einer gehörigen Portion Sarkasmus aufgefaßt hat. Denn im Nachdenken Ihrer geneigten Gedanken ist dem Autor ebendieses Gefühl aufgestiegen. Aber vor jener Bitterkeit sollten wir uns doch - beide, bitte - hüten? Versuchen wir es doch wenigstens!?

Mit den allerliebsten Grüßen und Wünschen, 
auch an den Herrn Gemahl, 

verbleibt Ihr

Verfasser dieser Zeilen








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Donnerstag, 11. Juli 2013

Über Verbindendes und Gleiches (1)

Den Hinweis zu diesem Bericht, der sich in der Presse vor einiger Zeit fand, verdankt der gewohnheitsmäßige Verfasser dieser Zielen der (sie sie schreibt: gleichfalls gewohnheitsmäßigen) Lesern V. Und er dankt dafür, denn es ist tatsächlich interessant, was da unter "Der bescheidenste Präsident der Welt" zu lesen steht.

Der Mann, über den da berichtet wird, ist nämlich tatsächlich gewählter Präsident des südamerikanischen Uruguay. Sie wissen schon, mit der Hauptstadt Montevideo, zu Weltruhm durch die so wunderbare Verfilmung der Geschichte mit dem Haus, sei es mit dem unvergeßlichen Curt Goetz, sei es mit dem nicht weniger vergessenen Heinz Rühmann.

Aber man schweift ab.

Nun, so steht da also:

Es war ein Linienflug der TACA Airlines Anfang des Jahres nach Caracas. Kurz vor der Landung kam Nervosität bei der Besatzung auf, man hatte offenbar einen Funkspruch vom Tower empfangen. Die Chefstewardess fragte einen groß gewachsenen, blauäugigen Mann: „Sind Sie der Präsident?“ Während der Befragte staunend verneinte, meldete sich ein kleiner, älterer Herr, der während des Flugs in der Economy Class gesessen hatte. Mit ruhiger Stimme sagte er: „Ich bin der Präsident.“

José Mujica, das Staatsoberhaupt Uruguays, ist mit 78 Jahren der älteste Präsident Amerikas – und der bescheidenste der Welt. 2010 ließ er die luxuriöse Präsidentensommervilla im exklusiven Badeort Punta del Este versteigern, um den Erlös in den Sozialwohnbau zu stecken. Ein Opel Corsa genügt ihm als Dienstwagen. Von seinem monatlichen Gehalt von 260.259 uruguayischen Pesos, etwa 10.400 Euro, zweigt er 90 Prozent für karitative Fonds und Nichtregierungsorganisationen ab. 800 Euro behält er.

Compagnero Jose Mujica, il presidente - Photo Die Presse
Wenn er Interviews gibt, lädt er die Journalisten gern zu sich nach Hause ein, in den Kleinbauernhof am Stadtrand von Montevideo. Das BBC-Team war erstaunt darüber, dass auf dem Zufahrtsweg nur ein einzelner Polizist Wache stand. Als der Staatschef in Gummistiefeln und in Begleitung seiner dreibeinigen Hündin Manuela die Gäste empfing, trocknete auf einer Leine die Wäsche des Präsidenten und seiner Ehefrau, der Senatorin Lucia Topolánsky. Das Wohnhaus des Anwesens, in dem die beiden bis heute Gemüse und Blumen anbauen, besteht aus einer Küche und drei kleinen Räumen.

Mujica spricht von seiner Frau mit der Terminologie des bewaffneten Kampfes als „compañera“. Beide waren in den 1960er-Jahren Anführer der Guerillagruppe Tupamaros, heute gehören sie zur Spitze der „Breiten Front“, einer Großen Koalition aus Linksparteien.

Ein ganzer Kontinent nennt ihn nur Pepe, so die Kurzform für José. Er sagt, dass seine Amtszeit nur eine kurze Phase seiner lebenslangen Passion sein wird. „Die Politik werde ich nur mit den Füßen voran verlassen.“ Dabei hat Mujica das Ziel seines politischen Lebens nie verändert: Er will sein Land gerechter hinterlassen, sein Streben galt von Anfang an der Beseitigung der Armut.

Unter dem Eindruck der kubanischen Revolution radikalisierte er sich und schloss sich den Tupamaros an, jenen Guerillas, die sich die deutsche Baader-Meinhof-Gruppe zum Vorbild erkoren hatten. Schon vor Beginn der Militärdiktatur 1973 kam Mujica in Haft, zweimal gelang ihm der Ausbruch aus dem Gefängnis. Elf seiner 15 Haftjahre verbrachte Mujica in Einzelhaft.

„Die Jahre in Einsamkeit waren jene, die mich wahrscheinlich am stärksten geprägt haben“, sagt Mujica. Sieben Jahre lang durfte er kein einziges Buch lesen. Ich musste alles immer wieder neu denken, um nicht wahnsinnig zu werden.“ Resultat dieser Reflexionen war es, dem Materiellen ebenso abzuschwören wie dem bewaffneten Kampf. Nach seiner Freilassung schloss sich Mujica der „Breiten Front“ an.

[...] Er bekenne, dass er das Fehlen von persönlichen Besitztümern als Freiheit empfinde. Wer ständig vor dem Verlust seines Vermögens Angst habe, sei eigentlich nur unfrei. „Ich muss mich nicht als Präsident verkleiden. Ich bin, wer ich bin.“

Zitat Ende

Ob ich denn nicht auch meine, schreibt Leserin V alsdann dazu, daß das doch ein wunderbarer Kandidat für das Papstamt wäre? 




Teil 2 morgen) Die Antwort, die vielleicht denn doch ironisch wurde





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Dienstag, 28. Mai 2013

Das Heilige Experiment (4)

 Teil 4) Das Ende des Experiments ist das Ende der Jesuiten. Fast.




Das Ende des Heiligen Experiments kam aber nicht nur durch Intrigen am spanischen Hof, durch staatliche Behörden, irrationalem Neid und die Gier weißer Siedler, sondern vor allem seitens der Kirche selbst. Dabei hatte der Borbone auf Spaniens Thron, Philipp V., 1743 nach eingehender Prüfung durch Ministerialen vor Ort und in Spanien die Reduktionen - die u. a. all die Legenden und Verleumdungen über die Profitgier der Jesuiten entkräfteten, darunter die von einem sagenhaften Goldschatz der Jesuiten in Paraguay" - vermeintlich ein- für allemal bestätigt. 

Doch da kam es im Vertrag von Madrid 1750 in Abtauschgeschäften zu neuen Grenzziehungen zwischen Portugal und Spanien in Südamerika, getragen bereits von tiefem Haß auf die Jesuiten, die auch das Jesuiten-Gebiet auseinanderreißen, dabei die blühendsten Reducciones an Portugal abtreten sollten. Erstmals kam es zu einem Versagen der Autorität der Jesuiten, die Guaranis folgten ihnen nicht mehr, sondern ein Selbstverteidigungsreflex machte sich breit. Und sie weigerten sich nicht nur, die Siedlungen zu verlassen, sondern erhoben sich gegen die Portugiesen.

Da bildete sich eine seltsame Allianz der Todfeinde - Spanien half Portugal, den Aufstand 1754 und 1756, wo er in Schlachten kulminiert war, brutal niederzuwerfen. Als die Portugiesen nach dem Ende des Gemetzels bemerkten, daß sich in den Reduktionen keineswegs die kolportierten Goldschätze häuften, wollten sie das Tauschgeschäft mit Spanien sofort rückgängig machen, was Spanien verweigerte, woraufhin Krieg ausbrach. An diesem wurden ... die Jesuiten für schuldig erklärt, selbst vom spanischen Jesuitengeneral. Plötzlich waren sie also Rebellen.

Was war passiert? In einer Art Massenpsychose waren die Jesuiten europaweit durch gezielte Verleumdungspropaganda zu wahren kollektiven Haßobjekten geworden. Das ging so weit, daß sich selbst der Papst dazu hinreißen ließ, die Vernichtung der Jesuiten zum Gebot der Stunde zu machen. 1764 wurden die Jesuiten aus Frankreich vertrieben, dasselbe für Spanien konnte gerade noch abgewendet werden. Da wurde 1766 ein Attentat auf Karl III. verübt, das man wieder nachweislich falsch den Jesuiten in die Schuhe schob. 1767 wurden alle Jesuiten Spaniens ausgewiesen, 2617 Missionare im gesamten überseeischen Reich, von Südamerika bis zu den Philippinen, verhaftet. Die Padres der Reduktionen wurden in Buenos Aires in den Kerker geworfen, und 1768 nach Spanien verfrachtet.

Weil aber der Kirchenstaat (!) sich weigerte, sie aufzunehmen, kreuzten sie monatelang bleibelos auf dem Mittelmeer, bis ihnen Korsika Zuflucht gewährte. 1773 hob Papst Klemens XIV. die Societas Jesu weltweit auf. Wäre nicht in Rußland und Preußen aus naheliegenden Gründen jeder päpstlicher Ukas ignoriert worden, gäbe es sie heute gar nicht mehr. Denn aus diesen Ländern heraus haben sich die Jesuiten später wieder restrukturiert. Mit ihrem Verschwinden aus Amerika aber zerfiel auch Spaniens Weltreich, und mit ihrer versuchten Auslöschung schwand die Liebe aus der Mission. Es blieben nur noch auszubeutende Kolonien, deren Besitzer das Heilige Experiment immer ein schmerzhafter Gewissensdorn gewesen war.

Die Guaranis waren verzweifelt, als die Jesuiten verhaftet wurden. Die Reducciones, soweit sie nicht ohnehin bereits verwüstet waren, verfielen schnell, und die Indios wurden versklavt. Damit schritt der wirtschaftliche, sittliche und biologische Niedergang unaufhaltsam voran. Es kam noch da und dort zu kleineren Revolten, aber ohne Erfolg. Teils flüchteten sie in die Wälder, oder verkamen in den Städten. Aber sie versanken insgesamt in jene Apathie, die Vorstufe und -bedingung zum Aussterben ist.

Als Steyler Missionare 1910 in diesen Gebieten wieder beginnen wollten, das Christentum zu verkünden, waren sie erschüttert: Sie sahen sich in der Stunde Null. Sie fanden nur noch leere Ruinen.






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Montag, 27. Mai 2013

Das Heilige Experiment (3)

 Teil 3) Ein Muster wirklicher Entwicklungshilfe, 
das aber an menschlicher Schwäche scheitert




Das ganze Leben in den Reducciones kreiste aber um Religion. Die Indios besuchten gerne und täglich die Messe, und kein Tag klang ohne Abendandacht aus. Ihr ganzes soziales Leben wurde umgemodelt: die Vielweiberei erlosch, die völlige Vernachlässigung der Kinder - von Familien konnte man gar nicht sprechen - wich einer Erziehung, und nach und nach wurden Ehen üblich, auf freier Partnerwahl. Mit einer Konzession an früher: es war die Frau, die wählte. Aber es erwies sich auch hier, daß die Polygamie eine Degeneration der Geschlechtsgemeinschaft in die beliebige Formlosigkeit ist, nicht eine "freiere Vorstufe".

Die Jesuiten wußten, daß es sinnlos war, einem Nomadenvolk eine "Demokratie" bzw. eine hochentwickelte Staatsform überzustülpen wie einen Konfektionsanzug. Die Guarani waren einfach maßlos faul und träge, wie es von den meisten (wilden) Indianerstämmen bekannt war, und wollten nur tun, was ihnen gerade Spaß machte. 

Die Menschen mußten erst höhergeführt werden, und das gelang: Binnen 80 Jahren wurde aus einer primitiven Kazinkenherrschaft (der alten Dorfhöchsten) und Hordensoziologie eine Selbstverwaltung nach spanischem Muster, die selbstverständlich auch Tribute und Steuern zahlten, ja in Kriegen (wie mit Portugal) sogar besonders zuverlässige und tapfere und freiwillige Truppenkontingente stellten, in denen sie von Laien aus ihren eigenen Reihen geführt wurden und keinen Sold verlangten.

Und obwohl die Guaranis das Privileg des Waffenbesitzes hatten, kam es nie es auch nur zur geringsten Insubordination. 7-12.000 Guaranis kämpften so in über 50 Auseinandersetzungen für die spanische Krone, bei einem Einwohnerstand, der sich von insgesamt rund 28.000 innerhalb der Reducciones auf bald 100.000, ja mit einem Höchststand von 130.000 sogar, entwickelte.  Übrigens mit interessanten Schwankungen, auch durch eingeschleppte Krankheiten.

Sie blieben damit übrigens auch der einzige Indianerstamm ganz Amerikas, der sich - bei erheblichen Schwankungen - über die Zeit damals vermehrte, nicht verminderte oder verschwand. BIS zur Auflösung der Reducciones 1768. Denn dann schwand auch ihre Bevölkerung rapide, bis 1801 nur noch 300 (!) gezählt wurden.

Eine Ordnung, in der sich die Befähigungen der Einzelnen aus ihrer Sittlichkeit allmählich heranbilden mußte - zu späteren Bürgermeistern und Schreibern, Richtern und Ratsherren und Polizisten.

In ihrer jeweiligen dörflichen, klar patriarchalischen Ordnung waren die Guaranis hingeordnet auf den Pfarrer, dem von allen geliebten und glaubwürdigen Hort der Gerechtigkeit und des geordneten Wohlergehens, dem Schutz auch gegenüber schlechten Regeln des eigenen Stammes. Dabei erwies sich das jesuitische interne Ordenssystem als besonders fruchtbar, weil es die Vielfalt und charakterliche Prägung der Einzelnen hervorragend nützte. Wobei sich herausstellte, daß deutsche Pater - die bald ein Viertel der Missionare stellten - bei den Indios ganz besonders beliebt waren. Die rund 80 Pater, die eingesetzt waren, wurden immer als eine erstaunliche Mannigfaltigkeit der Individualitäten gerühmt.*

Natürlich gab es auch Straftaten und Strafen. Sie orientierten sich an Strafsystemen für Kinder: Stockhiebe auf den Allerwertesten etwa, oder in schweren Fällen (begrenzt auf 10 Jahre) als Gefängnisstrafe, die VOR ORT, also im Dorf, in dem der Täter gelebt hatte, zu büßen hatte. Eine Todesstrafe gab es nicht, wohl aber eine Ausweisung aus dem Gebiet. Alle Berichte erzählen, daß die Indios das Strafsystem als gerecht empfanden, ja mit Genugtuung zur Kenntnis nahmen und sogar forderten.

Man verlangte von den Menschen also nicht, was sie gar nicht leisten konnten. Auf den Säulen patriarchaler Struktur aber bildete sich Wohlstand und friedliches Leben. Das immer mehr Neid und Mißgunst erweckte, auch in Europa, immer wieder als verschwörerisches Treiben verleumdet wurde, bei dem die Jesuiten der Machtlüsternheit und unersättlicher Geldgier bezichtigt wurden. Der Hintergrund war freilich ein anderer: Denn der immer drängender aufkommenden "modernen Zeit" des maßlosen und wurzellosen Individualismus, der Gier, ja auch des Protestantismus, denen allen die Welt auszubeutendes weil an sich wertloses ("gefallenes") Nutzgefäß war, standen die Jesuiten auf der Grundlage ihres strengen Gehorsamsgebots eindeutig entgegen.

Nie ist das quasi von selbst zusammengewachsene Reduktionsgebiet in Südamerika ein Staat gewesen. Die Jesuiten hatten keinerlei entsprechende Befugnis, und auch nie die Absicht. Der König war für die Indios ohnehin höchst willkommene, natürliche Verkörperung des Weltengesetzes der Dreifaltigkeit, des Höchsten Gottes. Nicht anders hatte man ja in Europa bis ins 18. Jhd. empfunden.

Alle zivilisatorische Entwicklung - die erste Entwicklungshilfe also, die diesen Namen wirklich verdient - aber sollte  nur einem dienen: der Höherentwicklung des religiösen Lebens. Das aber eine Grundlage bereits in der kulturellen als persönlichen Sittlichkeit haben muß. Man kann Religion nicht einfach überstülpen, sie kann nur auf natürlicher Religiosität anwurzeln.


*"In Geduld unüberwindlich, in ihrem Tun und Lassen starkmütig, in dem Umgang mit den Leuten freundlich, in Sitten ernsthaft und an Tugenden bewährt" mußten sie sein. Nicht aber "zarte, gleichsam aus Wachs possierte Männlein, denn die taugen auf die Missionen so wenig als der Haas zum Sturm-Lauffen," erzählen Berichte aus der Zeit. Im besonderen aber mußten die Missionare, die aus Europa hinübergeschickt wurden, Kenntnisse der Landwirtschaft, der wichtigsten Handwerke, Bewandertheit in Heil- und Arzneikunde, und die Beherrschung der Indianersprache aufweisen.



Teil 4 morgen) Das Ende des Experiments ist das Ende der Jesuiten. Fast.



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Sonntag, 26. Mai 2013

Das Heilige Experiment (2)

Teil 2) Keine kommunistische Utopie, sondern Höherführung




Aber für immerhin mehr als 150 Jahre konnten die Jesuiten ihr Bekehrungsprojekt entfalten, das vor allem einmal ein schwieriges Erziehungsprojekt war. Einem nomadisierenden Indianerstamm gegenüber, der in zahlreichen zuverlässigen Berichten als "Kinder" bezeichnet wird, die gedanken- und sorglos in den Tag hineinlebten, Arbeit in unserem Sinn nicht kannten und bewältigen konnten, und zu Recht als schwurunfähig galten, also mit Gesetzen bedacht waren, wie sie in Europa für Geistesschwache, Arme, Witwen und Waisen sowie dauernd Kranken galten.*

Die aber auffallend eines hatten: Eine große, allerdings nur (das dafür mit größter Begabung) interpretierende, nicht aber schöpferische Liebe zur Musik. Jedes Dorf hatte bald eine 40köpfige Kapelle und Chorgemeinschaft, die lateinische Choräle oder Tänze und Lieder darbrachte. Oder die Padres schrieben Stücke, inszenierten Theateraufführungen, oder kreierten wie in einem Fall 70 Ballettchoreographien, die von den Indios mit Begeisterung einstudiert wurden.

Nie nahmen die Jesuiten ab 1609, unter oft schweren Rückschlägen, mehrmaliger Notwendigkeit quasi neu zu beginnen, in ihren Reducciones die Hilfe der Staatsgewalt in Anspruch, sie wollten nur mit dem Evangelium siegen, selbst wenn es zu Anfang einige das Leben kostete. Nicht in den ersten 30 jahren zumindest, ehe sie die Erlaubnis erhielten, sich gegen die zahllosen Banditen und Räuber zu verteidigen, für die diese Reducciones Gier- und Beuteobjekt waren und fortlaufend plünderten und zerstörten, was aufgebaut worden war. Und sie in einer regelrechten Schlacht 1641 besiegten. Daraufhin war für über 100 Jahre Ruhe.

Sie begannen immer mit der behutsamen Einführung in eine andere, seßhafte Lebensform, mit vorsichtiger Gewöhnung an Arbeit, mit der Nachahmung an das vorgelebte Leben der Jesuiten selbst, die selbst, meist als hochgebildete Männer, zu Holzfällern, Zimmerleuten und Saatbauern wurden.

Die eigentliche Christianisierung begann erst ab diesem Zeitpunkt, und unter sorgfältiger Aufnahme alter Vorstellungen, deren religiöser Kern aufgegriffen und neu entfaltet wurde.

Dabei nützten die Padres die Musik- und Spielfreude, worin sich ein neues Band der Zusammengehörigkeit bildete. Und für das sich die Liturgie hervorragend eignete, für deren feierliche, ausgeschmückte Riten die Indios sehr empfänglich waren. Die geistige Abstraktion konnte so auf dem zuerst bereits Erfahrenen aufbauen. Soziales und religiöses Leben wurden so ein Ganzes. Und bald begannen die Indianer sich sogar schon untereinander zu missionieren.

Verfolgung und Zerstörung standen am Beginn - Vertreibung und Zerstörung am Schluß ihres Missionierungswerkes 1768. Mit dem sie aber zeigten, was Europa zu tun gehabt hätte. Dessen Menschen sich aber anders entschieden. Ein Experiment, das mit kommunistischen, aufklärerischen Utopien überhaupt nichts gemein hatte, sondern ein kluges Aufbauen auf dem vorgefundenen Kulturstand, mit behutsamer Weiterentwicklung zu höherer Kultur und damit Lebensentfaltung (größere Steinkirchen folgten erst nach etwa 100 Jahren) bedeutete. Kein Staatsvolk war der Krone mehr ergeben, als diese Reducciones. aber es wurde kein überlegenes Kultursystem einfach aufgepfropft, sondern eine sehr primitive Kulturstufe aufgegriffen, und behutsam weitergeführt.

Wo es Kommunaleigentum gab, war dies bereits eine alte Sitte der Indios selbst, und darin gar nicht unähnlich Europa, wo es auch Kommenden - Gemeindewiesen, -wälder etc. - gab. Diese wurde in bestimmtem Maß weitergeführt, ein Eigentums- weil Verantwortungsbegriff (und vor allem: der Pflicht zur Privatinitiative, die mit Eigentum verbunden ist, und die diese Menschen nicht aufbringen konnten!) mußte sich erst entwickeln. Die Jesuiten bauten also auch hier lediglich auf dem vorhandenen Fundament auf, führten keineswegs einen Kommunismus ein, wie oft dargestellt wird. Daß diese Gemeindegüter (bei zwei Tagen gemeinnütziger Arbeitspflicht pro Woche) freilich auch die eigentliche Versorgungsquelle war und meist blieb, die Privatäcker verkamen, lag eben an der Sittlichkeit der Guaranis selbst, nicht an der Ordnung.

Es gelang in diesen 170 Jahren nicht, die Indianer zu Vorratswirtschaft anzuregen, nur in ganz kleinem Maß zu Privatinitiative. Ein Erbrecht war deshalb obsolet. Sie blieben immer noch eine "Menschheits-Kindheit", wie es ein Pater niederschrieb. Ihre Arbeitsleistung über ein Jahr entsprach etwa dem, was ein europäischer Bauer in vier Wochen bewältigte.

Der Wohlstand der sich bald einstellte, und bald auch in Silber klang, war vor allem der Findigkeit der Padres - und der Geschicklichkeit und Fähigkeit zur Nachahmung der Guaranis - zu verdanken. Bald blühte vielfältigstes Handwerk, und die (kollektive) Rinder- und Schafzucht oder (die kollektiven) Anbauplantagen für Yerba-Tee, Tabak oder Mais brachten durch kluge Bewirtschaftung der Jesuiten höchste Erträge. Sogar eine Druckerei wurde installiert, wo 1705 das erste Buch Südamerikas** erschien.

Auch der Handel blühte. Aber auch der mußte von den Jesuiten durchgeführt werden, denn den Indios fehlte überall jede Eigeninitiative. Wo doch Kontakt mit (weißen) Siedlungen, z. B. durch unvermeidlichen Handel, stattfand, waren sofort die schädigenden, verrohenden Einflüsse durch Verführungen festzustellen, denen die Indianer nicht gewachsen waren. Weshalb er auf das Notwendigste eingeschränkt wurde.



*Natürlich soll diese Passage nicht verstreichen, ohne auf die Tumbheit jener hinzubeißen, die da meinen, welch überlegen Ethik sie selbst nicht verträten, verglichen mit den Vorvätern, und wie erst den Kirchenvätern, die die "Wilden" oft nicht als Menschen bezeichnet hätten. Auch unsere Gesetze kennen die eingeschränkte oder gar entzogene Mündigkeit und damit Handlungsfähigkeit - das "Menschsein" wird auch bei uns definiert und hat - Abtreibung! - eindeutige historische Definition. Nichts anderes war der Kern der damaligen Überlegungen, ohne zu berücksichtigen, daß die materielle Gier vieler sehr darnach verlangt hat, sich jeder menschlichen Gewissenspflicht zu entheben. Es waren die Könige und die Kirche, die diese Pflicht wieder und wieder eingefordert haben! Ohne sie würde es uns heute mit Sicherheit normal erscheinen, den Indianern nach wie vor Menschenqualität abzusprechen. So, wie wir es ja mit Föten oder in der Euthanasie (pardon, "Sterbehilfe" ...) tun. Nur aus dem Transzendenten, als Abbild Gottes, wird der Mensch unabhängig von seiner AKTUALISIERUNG, zu einem in jedem Fall zu Liebenden.

**"Temporal y Eterno" von Pater Nierenberg




Teil 3 morgen) Ein Muster wirklicher Entwicklungshilfe, 
das aber an menschlicher Schwäche scheitert






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Samstag, 25. Mai 2013

Das Heilige Experiment (1)

Durch zahllose Verbote und Gesetze hatten die spanischen (und portugiesischen) Könige versucht, die Landsleute in Südamerika dazu zu bringen, die vorgefundenen Bevölkerung menschlich zu behandeln. Aber Spanien war weit, und die Umsetzung der Gesetze scheiterte an der Gier und brutalen Ausbeitungsabsicht jener, die Europa nicht verlassen hatten, um die Welt zu christianisieren, der Erlösung zuzuführen, sondern die reich und mächtig werden wollten, ohne dafür zu arbeiten. Ausdrücklich waren Sklaverei und menschenunwürdige Behandlung verboten, und die Erlässe wurden sogar durch Todesurteile und Exkommunikation (durch den Papst) gestützt, aber ohne viel Erfolg.

Sämtliche Versuche, den riesigen neuen Kontinent, den dem Abendland entdeckt zu haben man sich im 16. Jhd. allmählich bewußt wurde, durch dem europäischen Lehenssystem (ein Gewährsmann des Königs übernimmt treuhänderisch Aufbau und Verwaltung eines Gebiets) ähnliche Gebilde zu organisieren mündeten in der nicht zu kontrollierenden Praxis neue Instrumente der brutalen Unterdrückung. Denn welche Europäer verließen den Kontinent? Die Abenteurer, die Gierigen, die Wurzellosen, denen das Leben in Europa zu mühsam war, die Nervenkitzel und Reichtum suchten. In einem Europa, in dem der Adel ja bereits sinnlos wurde, weil Beamtenmechanismen ihn verdrängten.

So wurde für die Indios Christianisierung zu einem Synonym für Unterdrückung und Sklaverei. Schon die Vorstellung eines Paradieses, in dem sie mit eben diesen Spaniern und Portugiesen neuerlich und auf ewig zusammengesperrt sein würden - Sklaverei für immer! -, war ihnen ein Greuel, welche Perspektive sie nicht selten den Freitod einer Taufe vorziehen ließ. Eine Christianisierung war so gut wie aussichtslos.

Den Orden, die den Kontinent (mit nur wenigen Priestern) christianisieren, den Menschen die Freiheit des Christen bringen wollten, war dies wohl bewußt. Ihre Bemühungen mußten scheitern. Was die Indios erfuhren, hatte mit Christentum nichts zu tun. Und die Erlässe der Könige, die immer wieder menschengerechte Behandlung der Einwohner der Neuen Länder verlangten, waren nicht durchzusetzen.

Also schlugen die Jesuiten einen Versuch vor: Man mußte die Identifikation von Christentum mit Europäern verhindern. Man mußte die Indios für sich lassen, und an der natürlichen Religiosität ansetzen, um von dort aus die Liebe Christi begreifbar zu machen. Als vollkommene räumliche Trennung von Kolonisten und Indianern hieß das auch für die zweifellos gut meinenden, verantwortungsbewußten Könige ein großes Wagnis eingehen: das Land konnte genau so gut erst recht in Chaos versinken. Schließlich stimmte aber die Krone zu.

Das "Heilige Experiment" der Jesuiten in der (als damalige Provinz flächenmäßig weit größer als der heutige Staat) Paraguay konnte beginnen. Nie als Staat konzipiert, sondern als Konzept des Kulturaufbaus, der Verbreitung der Liebe Christi. Der (spanische) Habsburger Philipp III. räumte das Gebiet vom Ober- und Mittellauf der Flüsse Paraná und Uruguay ein, dem Gebiet der Guarani-Stämme, streng separiert von der Welt der Weißen, ausschließlich dem missionarischen Einfluß der Jesuitenpatres ausgesetzt. Das sonst am Kontinent eingeführte Kommendensystem wurde dort für ungültig erklärt, in dem - ähnlich dem strukturellen Aufbau der europäischen Kultur seit je - eingesetzte Landherren ein gewisses Gebiet verwalten und ordnen sollten. Nominell und ausdrücklich mit Verbot von Sklaverei und unbezahlter, unfreiwilliger Arbeit. Das aber in der Praxis zu rücksichtsloser, brutaler Ausbeutung geführt hatte. 

Von 1607 an, in immer weiteren Erlässen und Ausführungen weiter ausgeführt und gestützt, wurden sämtliche Indianer dieser Gebiete von allen "servicio personals", von allen Tributen und Arbeitsleistungen* befreit, alle diese Pflichten reduziert. Mit diesen "Reducciones", diesen aus dem Allgemeinsystem herausgelösten Dörfern und Gebieten, wie mit allen Versuchen, die brutale Gier der Kolonialisten einzuschränken, zog sich die Krone aber auch jenen Haß der Siedler zu, der später den vielleicht entscheidenden Auslöser für die Unabhängigkeitsbestrebungen der südamerikanischen Länder liefern sollte. Die wie in den USA ja alles andere als "Volksbewegungen" waren, wie eben so gut wie alle "Revolutionen", sondern von so gut wie immer wirtschaftlichen Einzelinteressen getrieben werden. Aber das ist eine andere Geschichte.




*Es stellte sich sofort heraus, daß die Indianer Südamerikas für schwere Arbeit völlig ungeeignet waren. Ausdrücklich war deshalb z. B. Bergwerksarbeit für sie per königlichem Erlaß verboten, denn sie war ihnen wie der sichere Tod. Mit schweren Folgen, denn die "mehr an Sklaverei gewöhnten" Afrikaner ersetzten sie bald. An deren Handel die Niederländer und Engländer und wie erst die Araber bestens verdienten.



Teil 2 morgen) Keine kommunistische Utopie, sondern Höherführung




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