Er schien erst so einfach herauszunehmen. Aber etwas sperrte sich denn doch, sobald ich ihn angriff. Er stand vor mir, war schlicht und doch nicht in jener Weise erhellend, wie es solche Gedanken schon so oft zu sein gepflegt hatten. Warum mir nach langen Wochen und Monaten, in denen ich ihn mal hierhin, mal dorthin drehte, wieder weglegte, um doch wie um ein Heiliges Geheimnis zu kreisen, denn zu groß war der Moment des Eintreffens gewesen, warum mir also an jenem Morgen ausgerechnet Gottfried Benn in die Hände gefallen war, weiß ich nicht.*
Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
Dieses Blog durchsuchen
Posts mit dem Label Benn (Gottfried) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Benn (Gottfried) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 21. Dezember 2021
Gang durch die Nachkriegslandschaft
Er war so einfach der Gedanke, und er schien sich erst in die lange lange Folge von Gedanken zu fügen, die seit Jahren und Jahrzehnten diese trainierten grauen Zellen durchwandert haben. Mal davon gekostet worden ist, mal nicht, mal ausgespuckt, mal verdaut, mal transformiert, mal weitergereicht, mal aufgeputscht, mal wieder beruhigt oder gar scheinbar eingeschläfert, mal in Reih und Glied, dann doch wieder in wildes Gestöber verscheucht, mal verspielt, mal herrisch vergattert. Bis ich merkte, daß sich etwas gesetzt hat. Ein kleiner, lehmbrauner Klumpen lag in diesem großen Weitling, wer weiß wie lange schon, entdeckt habe ich ihn erst unlängst.
Mittwoch, 8. September 2010
Erster Beweger
Noch einmal: Hawkings.
Wenn die Dinge kausal aus sich selbst verursacht sind, so kann es keinen Moment geben, wo sie sich aus dem Nichts heben. Es muß sie immer gegeben haben. Die Materie wäre damit ewig.
Damit ist ... nichts gelöst, und nichts erklärt. Denn die Kausalität von allem - weist auf einen Ursprung, auf eine Verursachung hin.
Damit ist ... nichts gelöst, und nichts erklärt. Denn die Kausalität von allem - weist auf einen Ursprung, auf eine Verursachung hin.
*080910*
Mittwoch, 22. Oktober 2008
Kunst ist nutzlos, dann ist sie politisch
Gerd Haffmann in einem Nachwort zu Gedichten von Gottfried Benn: "Wenn die Kunst einen Nutzen hat, dann, im Sinne eines allgemeinen Nützlichkeitswahns nutzlos zu sein. Die Wissenschaft hat sich vor den Karren der Pragmatiker schirren lassen. Die einzige Gegenwelt bleibt die Kunst. Anstatt nun mit Zähnen und Klauen diese Gegenwelt festzuhalten, beginnt die Kunst sich dieser Nutzlosigkeit zu schämen, und will nützlich werden, politisch werden, aufzeigen, verbessern. Also, das kann sie nur wenn sie nutzlos bleibt."
Wann wurde der Geist politisch? Benn: "Als der deutsche Idealismus vordrang, nach dem alles Wirkliche vernünftig war, also auch Kriege Erscheinungen und Ausdruck des Weltgeistes wurden. Kritik wurde Blasphemie am Weltgeist. Darwin verlieh den kämpfenden Haufen naturwissenschaftliche Fahnenbänder: Kampf ums Dasein -Auslese der Starken ... nun trat der Parademarsch neben den Satz vom Grunde. "Das Leben", "Die Wirklichkeit", "Der Starke" - identisch gesetzt mit Vernunft, in Durchdringung miteinander als "Gesetz", "Geschichte" zu idealistischer Philosophie, naturwissenschaftlichem Axiom, dithyrambischer Sonnen- und Gletschervision erhoben: Hegel, Darwin, Nietzsche -: sie wurden tatsächliche Todesursachen von vielen Millionen. Gedanken töten, Worte sind verbrecherischer als irgendein Mord."
*221008*
Abonnieren
Posts (Atom)