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Samstag, 7. Dezember 2019

Doch über Monsanto und Bayer geirrt?

Der VdZ wurde kürzlich angesprochen, daß er sich scheinbar doch in der Einschätzung der Realität hinter dem Bayer-Monsanto-Deal geirrt habe. Immerhin hat erst jüngst zum Beispiel Österreich mit anderen europäischen Ländern Glyphosat verboten. In der Artikelreihe des VdZ aber sei angekündigt worden, daß Glyphosat nie wirklich verboten, sondern nur mit vielen gesetzlichen Regelungen auf ein Monopol zugeschnitten werde. 

Nun, der VdZ meint das nicht. Und zwar nicht nur deshalb, weil selbst das die Richtigkeit der These über prinzipielle Strategien nicht widerlegen würde. Sondern weil er die Rolle Europas in diesem Spiel anders sieht. Das ist seinen Gedanken bereits so immanent, daß er es für gar nicht mehr erwähnenswert hielt. Europas Rolle im globalen Geschehen ist vielfach fast spiegelverkehrt und anders.

Europa wird tatsächlich ent-ökonomisiert, und die Rolle des Niedergangs vor dem Hintergrund eines ansonsten "prosperierenden" Globalgeschehens einnehmen. Alles, was produktiv ist, wird aus Europa abgezogen oder völlig marginalisiert, auch die Produktion von Lebensmitteln. Das Glyphosat-Verbot für Europa muß zum Beispiel in Zusammenhang mit dem Mercosur-Abkommen, Globalisierungsabkommen mit Afrika und dem CETA gesehen werden.

Das trifft sich mit dem Umstand, daß sich Europa die Hoch-Subventionierung seiner Landwirtschaft nicht mehr leisten kann und will. Was durch den Austritt Großbritanniens aus der EU noch einmal verschärft wurde. Diese Subventionslandschaft, ohne die kein Bauer mehr überleben kann, die aber immer mehr reguliert und restringiert, sind aber die einzige "Gegenwehr" gegen den Weltmarkt, dem sie durch internationale, globale Abkommen weiterhin offene Scheunentore bieten muß.

Hofft mancher aber heute, daß dies durch Exporte am Markt "höherwertiger" eingeschätzter Produkte kompensiert werden kann, wird sich bald herausstellen, daß das eine Illusion ist. Und das ist bereits mit Händen zu greifen, denn Europa stellt solche Produkte nicht nur immer weniger her, sondern wird sie schon aus demographischen Gründen immer weniger herstellen KÖNNEN. Oder meint der Leser tatsächlich, daß der voll angelaufene Bevölkerungsaustausch der letzten Jahrzehnte - der ein offizielles UN-Programm bedient - der Vision dient, ein Europa zu schaffen, das in der Topliga der Weltmärkte mitspielt?* Mit einem Erziehungs- und Bildungssystem, das bereits voll gegen die Wand gefahren IST**, also die geistige Basis gar nicht mehr bereitstellt, das zu bewältigen?

Wir werden uns in allernächster Zeit hier noch eingehender mit der These befassen, warum Europa in der globalen Ordnung, die zu bilden sich nicht erst anschickt, sondern bereits in die Wege geleitet ist, kulturell wie ökonomisch niedergehen "muß" und wird, denn es ist vermutlich bereits zu spät. Weil zu viele Faktenzwänge schon geschaffen wurden und das europäische "Immunsystem" nicht mehr zu retten ist, um daran noch etwas zu ändern.



*Auch wenn man darüber sehr anders und nicht unbedingt in Kategorien der Begehrlichkeit dieses Zustands denken kann. Dazu müßten wir aber einmal ernsthafte Diskussionen führen, welche Zukunft wir Europäer tatsächlich wollen. Uns ist bis heute nämlich nicht klar, wie sehr die kapitalistisch-globalistische Welt dem christ-katholischen Ethos widerspricht! Stattdessen haben wir uns im Zuge des absurden Kalter-Krieg-Narrativs ("wir gegen den Kommunismus") in der Falle einer Gleichsetzung von Freiheit mit liberalistischem Kapitalismus fangen lassen. Das ist deshalb so tragisch, weil diese Unaufgearbeitetheit und Irrationalität, in der die Thematik steckt, den Jungen (aber vielen weiteren Bürgern), die durchaus Richtiges fühlen, nur die Alternative bietet, sich deklariert dem Sozialismus zuzuwenden, und dessen Totalitarismus regelrecht herbeizuwünschen.

**Während die Erziehungs- und Bildungssysteme Ostasiens - völlig andere - Wege beschritten haben. Wege, die exakt auf diese Situation zugeschnitten waren und sind. Was überhaupt nicht heißt, daß sie "gut" sind. Sie sind aber zweifellos "adäquater" und pragmatisch-realitätsbezogener. Selbst unsere Akademikerlandschaft ist über weite Strecken nur noch "Volksbespaßung" dagegen. Die Greta-Hype ist kein Zufall. Sie soll uns zeigen, daß wir uns kollektiv bereits in einem Kindergarten befinden. Jawohl, der ganze Greta-Rummel ist dämonisch. Aber jeder Exorzist wird bestätigen, daß auf eine Weise jeder Dämon die Wahrheit sagen MUSZ. Wenn Gretas Mund formuliert, daß wir endlich ernsthaft werden sollen, dann hat sie auf diese Weise völlig recht! Nur sieht diese Ernsthaftigkeit ganz anders aus. Denn das Schlechte setzt sich nur durch, soweit das Gute inaktiv ist. Europa krankt an der Schwäche der Guten, nicht an der Stärke der Schwachen. Die in ihrem Mangel an Gut eben ... totalitär werden, um den fundamentalen Mangel an Gut (das in sich stark ist) durch Gewalt zu kompensieren.




Samstag, 7. September 2019

Glyphosat - Hatte Bayer einen Sonnenstich? (2)

Teil 2) Monsanto. Bayer war doch nicht blöd!



Als voriges Jahr der Bayer-Konzern die Firma Monsanto kaufte, waren die größten Klagen schon im Rollen, die die amerikanische Gerichtslandschaft je gesehen hatte. Roundup und Glyphosat waren nachweislich krebserregend. Mit einem Mal, das war das erstaunliche, denn zahllose Studien aus der Vergangenheit hatten das Gegenteil gezeigt. Mit einem Mal aber hörte nicht nur die Industrie auf, gegen die Behauptung (mit vorliegenden Studien, die bisher jede Klage entkräfteten: Glyphosat ist nachweislich nicht krebserregend) aufzutreten, sondern war mit erstaunlicher Leichtigkeit bereit, gewaltige Summen lockerzumachen, um Konsumentenklagen zu befriedigen.

Was war passiert? Etwas, das erst verständlich macht, warum Bayer dieses für jeden Normalbürger absurd unsinnig erscheinende Geschäft einging, das jedem Konzernboß seinen Job, und zahllosen Aktieninhabern ihre Renditen kosten würde. Und gewaltige 66 Milliarden Dollar für ein Produkt ausgab, das laut Medienberichten kurz vor dem endgültigen Todesstoß stand. Komischerweise aber dennoch ... nirgendwo verboten wurde und wird. 

Dieser Deal ist in der Geschichte der Öffentlichkeitstäuschung vermutlich der größte, den es bislang gab. Die Wahrheit ist, daß die Patente für Glyphosat und Roundup vor einigen Jahren ausgelaufen sind. Immer mehr kleinere und mittlere Hersteller von Insektenschutzmitteln begannen nun, ihre Version davon auf den Markt zu bringen. Dagegen mußte man vorgehen. Und die Strategie dazu ist alt und bewährt: Durch Überregulierung verdrängt man die Konkurrenz. Und dazu braucht es sogar gigantische Schadensklagen, die jeden Kleinen überfordern.

Denn eines ist klar: Die globale Lebensmittelproduktion BRAUCHT Glyphosat. Viele Samen funktionieren gar nicht mehr ohne dieses Wundermittel, sie sind durch Genmanipulation schon so geschwächt, daß sie gegen Schädlinge überhaupt keine Widerstandskraft mehr haben. Ganze Landwirtschaftsbereiche - wir erleben es gerade in Österreich, bei der Kartoffel ebenso wie bei der Zuckerrübe - stehen vor dem Ruin, sobald Glyphosat verboten wird. An Erklärungen, die man dafür präsentiert, sind ebenso hanebüchen wie herbeikonstruiert, und an Scheinargumenten und heuchlerischen Ratschlägen, wie man durch biologischeres Wirtschaften - also sind die Bauern schuld - das Problem in den Griff bekäme, mangelt es in Zeiten des "Klimawandels", der für alles bereits verantwortlich ist*, nicht.  

Gleichzeitig sorgen im Wochenabstand eintrudelnde Nachrichten über nächste Globalisierungspakte, die man abgeschlossen hat, dafür, daß man sich an den Gedanken gewöhnt, daß die Kartoffeln aus Ägypten, und der Zucker aus Südamerika (Abkommen EU-Mercosur, Abkommen EU-Afrika) stammt. Allesamt Bauernopfer für vermeintliche Absatzmärkte für ganz andere Produkte. Auch aus der Chemieindustrie. Schöne neue Welt, in der die nächsten Kleinstrukturen, die tausenden und hunderttausenden Menschen Brot und Arbeit gegeben haben, ausgelöscht werden. Geopfert, um die mathematisch aufgelösten Staatsbudgets durch rechnerische Großtaten internationaler Konzerne weiterhin rechtfertigen zu können. Aber Hauptsache, wir reden übers Wetter und glotzen Pornos.**

Dazu passen dann die schon zur Gewohnheit gewordenen Katastrophenmeldungen über eine angeblich nicht mehr in den Griff zu bekommende "Überbevölkerung" der Erde. Die natürlich einen Einsatz der Lebensmittelindustrie brauchen, den auch viele normale Landwirte niemals mehr zu leisten vermögen. Wen brauchen wir dazu? Richtig!

Die Überregulierung, die dem Einsatz und Gebrauch von Glyphosat nun folgen wird, darauf können wir (wirkliches) Gift nehmen, dient also nur einem: Bayer. Denn es wird den Markt "bereinigen", wie es in so vielen Branchen bereits geschehen ist. Nur Bayer wird als Anbieter von Glyphosat übrigbleiben, nur Bayer wird allfällige Klagen (die in Zukunft ohnehin weniger werden, denn gleichzeitig ist diese Regulierung die wirksamste Barriere für nächste Klagen in der Zukunft) als kleines Opfer für nunmehr garantierte, monopolartige und gesteigerte Gewinne bringen können. 

Bayer war nicht so blöd, für ein Produkt eine absurd große Geldmenge auszugeben, das angeblich überall tot ist. Glyphosat ist nicht tot. Es ist nur bald in der Hand einiger oder eines Großen. Der dann den Preis für ein weltweit unabkömmliches Produkt bestimmen kann. Den jeder Konsument mit Handkuß bezahlen wird. Denn dem ist ja längst eingebleut, daß sein (eingeredetes) Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit auch etwas kosten wird. Und wer wollte schon böse sein?

(Dieser Artikel wurde angeregt durch einen Bericht auf den Seiten von Culture Wars.)

Aktueller Nachtrag, der obige Thesen bestätigt: In einem Artikel auf Tichys Einblick wird darüber berichtet, daß Mitte August 2019 die United States Environmental Protection Agency (EPA) dem Staat Kalifornien verboten hat, Glyphosat als "krebserregend" zu klassifizieren. Selbstverständlich wird Glyphosat also weiter verkauft und angewandt werden. Was machen nun all die kleine(re)n Hersteller ähnlicher Mittel, die nicht so viel Geld für solche Prozesse und aufwendige Studien (die oft lange brauchen) zur Unschädlichkeit ihrer Pflanzenschutzprodukte wie das Bayer-Monsanto-Produkt haben?



*Und dessen angeblich abnormale Form der Antwort auf menschliche Schädlichkeit immer noch niemand gesehen hat. Aber wie überall, kann man auch hier auf die Propaganda der Medien vertrauen. Die ausreichend dafür gesorgt haben und in einer Dichte, die seinesgleichen sucht, heute dafür sorgen, daß niemand den Mund aufzumachen wagt, der die von jedem zu tragenden finanziellen Folgen (Energiepreise waren nur die Vorreiter; nicht zuletzt über eine CO2-Steuer gibt es bald Preiserhöhungen auf sämtliche Produkte) kritisieren wollte. Immerhin geht es ja um die Rettung der Welt, und wer wollte die Welt zerstören?

**Es war keineswegs Zufall, als die Kronen Zeitung vor einigen Wochen ihre Berichte über den richtigen Kondomgebrauch oder nackte Dies und Dasse mit Schreckensmeldungen über nächste Klimakatastrophen in einer ungeheuren Dichte brachte. Da weiß jemand, was er macht. Besser sind die Menschen kaum noch zu steuern, und ihre Handlungsenergie von den wirklichen Fragen abzulenken.



*220719*

Freitag, 6. September 2019

Glyphosat - Hatte Bayer einen Sonnenstich? (1)

Als die EU vor rund zwanzig Jahren die Auflagen für Fleischer (Metzger) dramatisch verschärfte - angeblich, um einerseits das Tierleid, anderseits hygienische Mißstände zu verbannen - schlossen innerhalb kürzester Zeit vier von fünf Fleischern im damaligen Wohnort des VdZ, und der letzte verbleibende hörte auf zu schlachten und stieg völlig auf Handel um. Heute gibt es Fleisch nur noch in Lebensmittel-Großketten, hygienisch verpackt, und in Massen von einigen wenigen Schlachthöfen verarbeitet. Kein Konsument opponierte jemals. Er war weichgekocht durch Sturzfluten von Medienberichten, in denen ihm Bilder von Tierleid und kranken Zuständen um die Ohren gedroschen wurden. Wer immer gegen diese Über-Regulierung des Fleischmarktes auftrat wurde zum Befürworter des Bösen.

Als Upton Sinclair in den 1920er Jahren seinen Aufdeckerbericht "The Jungle" veröffentlichte, dachte er, daß die US-Regierung nun nicht mehr anders konnte als die aufgedeckten Mißstände zu beheben, allen voran die unmenschlichen Zustände, unter denen die Arbeiter in den Massenschlachthöfen von Chicago zu leiden hatten. Präsident Roosevelt ließ sich auch tatsächlich eine Ausgabe in sein Büro in Washington bringen, und kündigte tatsächlich an, gegen die Mißstände vorzugehen. Aber verbesserte sich irgendetwas an den Arbeitsbedingungen? Wurden die Großschlachthöfe verboten, die mit gegen jedes Gebot von Achtung vor dem Tier ihre Millionengewinne einschaufelten? Nein. Wenige Wochen nach seinen Ankündigungen tanzten vielmehr Dutzende Vertreter der Fleischindustrie an und präsentierten ein Papier, das die Tierschlachtung bis ins Detail regelte. 

Der Effekt? Sämtliche Kleinfleischereien schlossen. Übrig blieben nur noch einige Großbetriebe, die zufällig diese Auflagen erfüllen konnten, weil sie kapitalstark genug waren, und durch die verarbeiteten Mengen durch Standardisierungen die Gewinne auf bekannter Höhe halten konnten. Kein Arbeiter erhielt freilich mehr Lohn. Die Fleischpreise stiegen natürlich, denn nun waren ja höhere Verarbeitungsstandards etabliert, die auch mehr Geld kosteten. Und wo sie das nicht taten, sanken die Erzeugerpreise, die Bauern und Viehzüchter erzielten. Aber wer würde sich gegen Tierleid auflehnen?

Als man beschloß, gegen die Krebsgefahr durch das Rauchen mit schärfsten Gesetzen vorzugehen, zeigte sich die Zigarettenindustrie auf seltsame Weise kooperativ. Jeder Konsument muß seither unerträgliche Schreckensbilder auf den Verpackungen erdulden, die ihm ein schlechtes Gewissen einreden sollten, das ihn zugleich mundtot machte. Denn die Preise für Rauchwaren sind seither explodiert. Niemand opponierte, und niemand opponiert, daß weitere Vorschriften, die angeblich nur dem Volkswohl dienen sollen, das Rauchen jeder Kultur berauben, den Raucher zu einem bösartigen Unmenschen stempeln, der an die Hinterausgänge und Schmuddelecken verbannt wird. Niemand opponiert, denn wer will schon böse sein? Ach ja - gab es vor hundert Jahren noch zahllose kleine Tabakmanufakturen, die oft ausgesuchteste Qualität herstellten, gibt es heute nicht einen kleineren oder mittleren Hersteller von Rauchwaren mehr. Die Überregulierung (und sei es durch die gigantischen Rückstellungen für zu erwartende Klagen) verhindert es nachhaltig.

Der Staat freilich kompensiert ebenso wie die in der Hand immer weniger Großkonzerne befindliche Industrie allfällige Rückgänge im Absatz durch höhere Steuereinnahmen. Wird weniger geraucht? Nein. Raucht die Jugend weniger? Die schon gar nicht. Frauen? Fehlanzeige. Wenn aber Rauchen so eindeutig tödlich ist und unsere Sozialsysteme so unerträglich belastet - warum verbietet man sie nicht einfach? Ganz einfach: Weil sie eine sprudelnde Einnahmenquelle sind, für die Konzerne nicht weniger wie für die Staatskassen.


Morgen Teil 2) Monsanto. Bayer war doch nicht blöd!