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Freitag, 6. September 2019

Glyphosat - Hatte Bayer einen Sonnenstich? (1)

Als die EU vor rund zwanzig Jahren die Auflagen für Fleischer (Metzger) dramatisch verschärfte - angeblich, um einerseits das Tierleid, anderseits hygienische Mißstände zu verbannen - schlossen innerhalb kürzester Zeit vier von fünf Fleischern im damaligen Wohnort des VdZ, und der letzte verbleibende hörte auf zu schlachten und stieg völlig auf Handel um. Heute gibt es Fleisch nur noch in Lebensmittel-Großketten, hygienisch verpackt, und in Massen von einigen wenigen Schlachthöfen verarbeitet. Kein Konsument opponierte jemals. Er war weichgekocht durch Sturzfluten von Medienberichten, in denen ihm Bilder von Tierleid und kranken Zuständen um die Ohren gedroschen wurden. Wer immer gegen diese Über-Regulierung des Fleischmarktes auftrat wurde zum Befürworter des Bösen.

Als Upton Sinclair in den 1920er Jahren seinen Aufdeckerbericht "The Jungle" veröffentlichte, dachte er, daß die US-Regierung nun nicht mehr anders konnte als die aufgedeckten Mißstände zu beheben, allen voran die unmenschlichen Zustände, unter denen die Arbeiter in den Massenschlachthöfen von Chicago zu leiden hatten. Präsident Roosevelt ließ sich auch tatsächlich eine Ausgabe in sein Büro in Washington bringen, und kündigte tatsächlich an, gegen die Mißstände vorzugehen. Aber verbesserte sich irgendetwas an den Arbeitsbedingungen? Wurden die Großschlachthöfe verboten, die mit gegen jedes Gebot von Achtung vor dem Tier ihre Millionengewinne einschaufelten? Nein. Wenige Wochen nach seinen Ankündigungen tanzten vielmehr Dutzende Vertreter der Fleischindustrie an und präsentierten ein Papier, das die Tierschlachtung bis ins Detail regelte. 

Der Effekt? Sämtliche Kleinfleischereien schlossen. Übrig blieben nur noch einige Großbetriebe, die zufällig diese Auflagen erfüllen konnten, weil sie kapitalstark genug waren, und durch die verarbeiteten Mengen durch Standardisierungen die Gewinne auf bekannter Höhe halten konnten. Kein Arbeiter erhielt freilich mehr Lohn. Die Fleischpreise stiegen natürlich, denn nun waren ja höhere Verarbeitungsstandards etabliert, die auch mehr Geld kosteten. Und wo sie das nicht taten, sanken die Erzeugerpreise, die Bauern und Viehzüchter erzielten. Aber wer würde sich gegen Tierleid auflehnen?

Als man beschloß, gegen die Krebsgefahr durch das Rauchen mit schärfsten Gesetzen vorzugehen, zeigte sich die Zigarettenindustrie auf seltsame Weise kooperativ. Jeder Konsument muß seither unerträgliche Schreckensbilder auf den Verpackungen erdulden, die ihm ein schlechtes Gewissen einreden sollten, das ihn zugleich mundtot machte. Denn die Preise für Rauchwaren sind seither explodiert. Niemand opponierte, und niemand opponiert, daß weitere Vorschriften, die angeblich nur dem Volkswohl dienen sollen, das Rauchen jeder Kultur berauben, den Raucher zu einem bösartigen Unmenschen stempeln, der an die Hinterausgänge und Schmuddelecken verbannt wird. Niemand opponiert, denn wer will schon böse sein? Ach ja - gab es vor hundert Jahren noch zahllose kleine Tabakmanufakturen, die oft ausgesuchteste Qualität herstellten, gibt es heute nicht einen kleineren oder mittleren Hersteller von Rauchwaren mehr. Die Überregulierung (und sei es durch die gigantischen Rückstellungen für zu erwartende Klagen) verhindert es nachhaltig.

Der Staat freilich kompensiert ebenso wie die in der Hand immer weniger Großkonzerne befindliche Industrie allfällige Rückgänge im Absatz durch höhere Steuereinnahmen. Wird weniger geraucht? Nein. Raucht die Jugend weniger? Die schon gar nicht. Frauen? Fehlanzeige. Wenn aber Rauchen so eindeutig tödlich ist und unsere Sozialsysteme so unerträglich belastet - warum verbietet man sie nicht einfach? Ganz einfach: Weil sie eine sprudelnde Einnahmenquelle sind, für die Konzerne nicht weniger wie für die Staatskassen.




Morgen Teil 2) Monsanto. Bayer war doch nicht blöd!