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Sonntag, 6. Juni 2021

Daß wir klüger sind ist wissenschaftlich bewiesen (2)

Es wird Ihnen den Sonntag versüßen, was das M. I. T. herausfand! wissenschaftlich bewiesen ist (Trommelwirbel) ...Wir sprechen hier vom natürlich "nicht verhängten" Impfzwang. Dem man nun ganz leise (und das Effiziente ist immer leise) etwa den "Grünen Pass" entgegengesetzt hat, der zum Ausweis der Freiheit wird. Während sich jeder, der sich diesen Vorgängen verweigert (warum auch immer, und wir berichten gleich dazu noch etwas sehr Interessantes!) mit massiven Einschränkungen des Lebens abfinden muß. Der VdZ erlebt es derzeit in Ungarn, wo man ohne Impfung nicht einmal mehr Restaurants betreten darf, die man gleichzeitig "ach wie freiheitsliebend!" und lautstark verkündet GEÖFFNET hat.

Darf nun etwas Interessantes eingefügt werden? Natürlich, der Leser nickt, er kennt ja diese endlosen Zusammenhänge. In den USA hat nun eine der maßgeblichsten Arbeitnehmervertretungen einer Rechtsmeinung zugestimmt, auch das laut und gut zu hören, daß ARBEITGEBER, die ihre Mitarbeiter zum Impfen zwingen, indem sie ihnen sonst Entlassung androhen, DIREKT UND SOGAR PERSÖNLICH (Manager!) für sämtliche NEBENWIRKUNGEN und gesundheitlich abträgliche Folgen aus der Impfung (sogar die Beweislast ist hier längst umgekehrt!) HAFTBAR GESTELLT SIND

Samstag, 5. Juni 2021

Daß wir klüger sind ist wissenschaftlich bewiesen (1)

Dieses unten gezeigte, hier besprochene Video sollte der Leser rasch ansehen, es wird nicht lange auf Youtube bleiben. Denn es enthält ... James Corbett. Der seit vielen Jahren sein Leben und Arbeiten sehr seriös (soweit eben seine Gesamtsicht "gesund" ist) der Untersuchung der damit in Zusammenhang stehenden Tatsachen erforscht, die dafür sorgen, daß wir in einer Überwachungs- und Steuerungswelt leben, wie sie sich George Orwell nicht in seinen kühnsten Träumen hätte ausdenken können. 

Aber das paßt manchen nicht. Und natürlich jenen nicht, die mit nicht wenig Energie (und das ist buchstäblich gemeint) daran arbeiten, daß das Zu-Erkennende, die Wirklichkeit, uns durch immer mehr Denkverbote, neuen Tabus und Verbergungshüllen nicht mehr möglich machen sollen, in dieser unserer Welt jenen Selbststand zu erlangen, den man "Vernunft" nennt. Sodaß viele von uns, ja (schön demokratisch gesehen) die meisten schon heute in tief existentiellen und höchst persönlichen (weil die Basis unseres Selbstseins in der Welt bildenden) Abhängigkeiten stehen, die bereits jetzt atemberaubend sind.

Samstag, 20. März 2021

Gedankensplitter (1034)

Bemerkenswert, wie den Verteidigern der Impfstoffe, die eine gar nicht unbeträchtliche Menge an Meldungen brachte, nach denen etwa Thrombosen eine Folge der Impfungen mit einem bestimmten Wirkstoff seien, kein Problem bedeutet, eine Argumentation auf den Kopf zu stellen, die sie bislang für sich benutzt haben. 

Denn daß die Bestimmung von Covid19 als Todesursache, WEIL dreißig Tage vor dem Ableben Tests positiv angeschlagen hätten, sachlicher Unsinn ist, ist bislang nur Verschwörungstheoretikern eingefallen. Dennoch gilt für die Behörden auch bei uns dieses Kriterium unhinterfragt.

Doch fallen ihnen die Impfstoffhersteller in den Rücken. Denn genau jetzt bringen Medien die Stellungnahme des Herstellers von AstraZeneca sowie einiger Autoritäten, daß die zeitliche Nähe von Impfung und Gesundheitswirkung KEIN INDIZ für einen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung gebe.

(Übrigens haben davor schon vor Monaten Biologen wie Clemens Arvay gewarnt: Vor Thrombosen als Folge, ja sogar als mögliche Spätfolge! der Impfstoffe. Es scheint also durchaus medizinisch-sachliche Zusammenhänge zu geben, zumindest geben zu können. Sonst wären diese Forscher nicht auf die Idee gekommen, ausdrücklich vor Thrombosen als Impfwirkung zu warnen.) 

Immerhin berichtet nun sogar der ORF von europaweit bereits "hunderten Fällen" solcher zufälliger zeitlicher Nähe. 

Warum nicht auch Österreich (wie Frankreich, Dänemark, Norwegen usw.; es werden täglich mehr Länder, die die Impfung mit AstraZeneca sistieren) sofort reagiert? Werte Leser, der VdZ hat einen Verdacht, der in Zusammenhang mit der hier schon öfter gebrachten Kritik an den mangelhaften ethischen Kriterien steht, mit denen dieses Massenexperiment "Corona-Impfung" derzeit gerechtfertigt wird: Man rechnet Krankheiten und Häufigkeiten gegen! 

Man rechnet beim Impfstoff mit wissenschaftlichen Wahrscheinlichkeiten* samt daraus folgenden Fallzahlen gegen auf anderen Gebieten ("normale" Entstehung von Thrombosen samt tödlicher Wirkung, wie Schlaganfall oder Herzinfarkt) liegende Folgen, die nicht streng nachweislich von den Impfstoffen verursacht werden, sich aber statistisch im Rahmen bisheriger Sterbefälle liegen. 

Was heißt: Solange nicht signifikant MEHR Menschen an den Folgen von Thrombosen versterben, wird die wahrscheinliche Ursache Impfstoff in Kauf genommen und ethisch geringer bewertet, als eine durch den Impfstoff erfolgende mögliche (!) Verhinderung einer Erkrankung an Covid19.


*Wir haben an dieser Stelle schon oft darauf ingewiesen, daß es ein Fehlschluß und Irrtum ist, Wahrscheinlichkeiten aus Ereignissen hochzurechnen. Wenn, dann kann man Wahrscheinlichkeiten (P-Werte) nur aus exakt bestimmten und bestimmbaren Zusammenhängen von Ursachen und Wirkungen errechnen. Siehe dazu das unerläßliche Buch von William M. Briggs, "Uncertainties". In dem er zeigt, was für verheerende Folgen die heute zwar obligate, sachlich aber falschen und katastrophal überschätzten Sicherheit von zukünftigen Ereignissen hat. Man muß auch hier von "Massenpsychose" sprechen, eine der häufigsten Erscheinungen der Wissenschaftsgeschichte (s. u. a. die Publikationen von Ludwik Fleck und Thomas S. Kuhn)

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Ein kleines Video, das wir prompt vom RPP Institut übernehmen. Denn es zeigt anhand der üblichen Argumentation sehr gut, wie irrational und grotesk, ja tatsächlich verrückt so manches ist, mit dem wir täglich zu tun haben, und das über uns verhängt wurde. 


(Urheberrechte ausdrücklich NICHT beim VdZ. Sollte sich jemand in seinen Rechten verletzt fühlen, sollte diesem also die Verbreitung des Filmchens nicht recht sein, so wird das Video sofort gelöscht - kurze Nachricht genügt!)


*160321*

Mittwoch, 15. April 2015

Winkel des gesunden Menschenverstandes

Immer wieder finden sich auf EIKE Beiträge, die gar nicht so sehr wegen ihrer detaillierten wissenschaftlichen Fakten bestechen, sondern durch die Art der Herangehensweise. In der sie sogar deutlich "spezialwissenschaftlichere" Seiten im Internet übertreffen. Man muß deshalb EIKE zwar mit gewisser Vorsicht lesen, hat aber anderseits einen viel richtigeren Zugang zur Materie als anderswo. Wo der Glaube herrscht, es gäbe eine Fachwissenschaft, die "aus sich heraus" zu korrekten Ergebnissen in der Lage wäre. Das ist sie aber nie. Weshalb der VdZ immer wieder gerne Beiträge auf diesen Seiten liest und deren Entwicklung verfolgt.* Über den Ansatz des "gesunden Menschenverstandes" wird damit schon alleine das Kriterium der Wissenschaftlichkeit mehr erfüllt, als über noch so spezifische Fachuntersuchungen.

Einer dieser Artikel befaßt sich mit den aus den Eisbohrkern-Analysen (angeblich) hervorgehenden rasanten Anstiegen der CO2-Konzentration im Schnee bzw. im Eis. Der Amerikaner Robert Voisin zeigt nun anhand realistischer Rekonstruktion der Vorgänge des Schnees auf dem Weg zum Eis, daß eine solche Annahme zwangsläufig irreführend sein muß. Denn auf dem Weg zum Eis werden Konzentrationsspitzen immer und ausschließlich abgeflacht. Das führt bei unwissenschaftlicher - und das heißt immer auch: unrealistischer - Betrachtungsweise zur Fehlannahme, daß in jüngsten Zeiträumen (etwa) die CO2-Konzentration überdurchschnittlich angestiegen ist.

In einem Artikel vom Jänner dieses Jahres hat derselbe Autor bereits seine bedenkenswerten Überlegungen zu gemessenen Spitzenwerten in Eisbohrkernen generell niedergelegt. Wer sich also mit der logischen Kontinuität der Überlegungen näher auseinandersetzen möchte, sollte auch diesen Beitrag lesen.

Um zu realistischen Daten über aktuelle Zeitepochen zu kommen, die (erst!) einen Vergleich mit Tiefenschichten zulassen, müßten bei Oberflächenanalysen im Vergleich etwa 500 Jahre abgewartet werden, um sämtliche Vermischungsvorgänge mit berücksichtigen zu können, die ältere Schichten natürlich hinter sich haben. Ohne konkret wirklich Aussagen zu ermöglichen. Denn JEDE Messung älterer Schichten ist zwangsläufig abgeflacht, und zwar aus der realen Bedingung der Entstehung dieser Schicht heraus.

Es ist deshalb schlicht unwissenschaftlich und falsch zu behaupten, die aktuelleren Schichten der letzten Jahrzehnte im arktischen Eis würden einen rapiden Anstieg des CO2-Gehalts beweisen. Geht man dem Vorgang der Entstehung des zu Messenden auf den Grund, der immer höchst individuell - auch in kleinstem lokalem Rahmen - ist, sieht man, daß das zu sagen falsch und unwissenschaftlich ist.

Übrigens ist der VdZ der Ansicht, daß Voisin ein sehr prinzipielles Problem der Naturwissenschaft angeschnitten hat. Gerade, wenn sie paläo-ontologisch vorgeht. Wo in dieser heutigen Zeit beobachtete Vorgänge erstaunlich oft unreflektiert auf vergangene Zeiten übertragen und zu Aussagen über vergangene Epochen und Gegebenheiten und damit für Genesen gegenwärtiger Zustände verwendet werden. Meist scheitern sie schon an simplen realistischen Bedingungen des Zustandekommens von gemessenen Objekten.


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Man nehme nur die Temperaturmessungen. Kein Mensch kann natürlich daran zweifeln, daß hier und heute dort jene X Grad gemessen werden. Und kein Mensch wird zweifeln, daß vor fünfzig Jahren Y Grad gemessen wurden. Der Unterschied liegt aber nicht in einer Steigerung der Temperatur generell, sondern - es gibt belegte Beispiele! - daran, daß der Parkplatz einer Spedition in 200 Metern Entfernung errichtet wurde, der logischerweise zu einem Anstieg der an diesem Punkt gemessenen Temperaturen geführt hat. Geändert haben sich im Beispiel (aus einem konkreten Praxisfall) die Bedingungen des Messens, nicht der Meßvorgang selber. 

Über die Notwendigkeit einer "händischen" Anpassung der Meßvorgänge wurde an dieser Stelle bereits abgehandelt. Samt dem keineswegs also überraschenden Ergebnis, daß eine "händische" Bewertung der konkreten Einzelergegnisse (die natürlich enorm aufwendig ist und vor allem: nicht mit Computer erfolgen kann) ... kein bißchen "Temperaturanstieg" in den letzten Jahrzehnten ergibt. Ein solcher beschränkt sich auf jeweils feststellbare, nachvollziehbare Änderungen in den Meßbedingungen. Und das glaubt der VdZ mit aller Erfahrung über Menschen und Denkprozesse sofort. Denn es entspricht allen Bedingungen des gesunden Menschenverstandes.

Aus denen es auch prinzipiell - wörtlich, nicht als Metapher gemeint - WAHNSINN ist, aus einer "aktuellen Befindlichkeitserhebung" heraus Entwicklungen abzuleiten. Schon gar, wenn sie aktuell "dringend" wirken, weil aus der Reihe fallen. Was immer jemand behaupten und wozu ihn universitäre Zertifikate sonst noch ermächtigen mögen: Das ist NICHT (natur)wissenschaftlich. Und der VdZ geht so weit, daß er jedem der vielen, die er kennengelernt hat und die sich naturwissenschaftlicher Missionen befleißigen, streng genommen Wissenschaftlichkeit abspricht. Er kennt (persönlich) nur ganz ganz wenige Naturwissenschaftler (aber: es gibt sie), die überhaupt IN DER LAGE sind, wissenschaftlich zu denken. Keiner von jenen, übrigens, hat etwas mit Klimawandel am Hut. 

Die Frage der Wissenschaftlichkeit ist keine Frage "richtiger" Teiloperationen, sie ist deshalb auch keine Frage richtig angewandter Teilmethoden. Methoden alleine ergeben noch nicht notwendig Wissenschaftlichkeit, noch weniger aber ergeben sie notwendig Wahrheit. Es gibt ihn - den "naturwissenschaftlich richtig seienden" ... Irrtum. Denn es gibt sie, ja sie ist sogar das, was man historisch in Unzahl belegbar (Unter anderen zkeigen das L. Fleck oder T. Kuhn in ihren legendären wissenschaftssoziologischen Werken auf) als "Stand der Wissenschaft" bezeichnet: Die wissenschaftliche Mode, die "korrekt" vorgeht, aber generell ... Unsinn produziert, weil nichts als eine psychologische Massenerscheinung ist. Wo Wissenschaft sich nicht mehr zuerst um Wahrheit (nicht einfach um "Richtigkeit") müht, ist sie wertlos und pure Verschwendung gesellschaftlicher Resourcen. Die Forderung nach einem zweijährigen philosophischen Propädeutikum - VOR allem Fachstudium - die u. a. sogar ein K. P. Liessmann (obwohl er selber ein philosophischer Dünnbrettbohrer, aber halt populär ist) in aktuellen Werken der Bildungskritik erneuert, ist WEIT brennender, als geglaubt wird. Nur weil jeder Mensch "denkt" heißt das noch lange nicht, daß jeder Mensch denken KANN.



*Wobei leider die philosophische Durchdringung der Materie auf EIKE zwar in ihrer entscheidenden Rolle von den Autoren dort meist geahnt, aber kaum je erfüllt wird. Man kann Philosophie aber nicht einfach oberflächlich, man muß sie systematisch betreiben, sonst verreckt man auf Wegen, weil man längst früher verschluckte, grundsätzliche Fehler im Denkprozeß übersehen hat, und bleibt bei simplen, also damit zusammengeschusterten Meinungsgebilden stecken.




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Freitag, 21. September 2012

Persönlichkeit und Krankheit

Von einer neuen Immunschwächekrankheit berichtet das New Englands Journal of Medicine. Sie tritt vorerst vor allem in Asien, in einigen Fällen auch in den USA auf, und äußerst sich in einer - Aids ähnlichen! - Unfähigkeit, mit Bakterien und Keimen fertigzuwerden, mit denen der Betroffenen konfrontiert wird. Es sei nicht davon auszugehen, daß ein Virus sie verursache, vielmehr deute alles darauf hin, daß diese Krankheit erworben (nicht vererbt) sei.  Erkrankte kennzeichnet, daß sie immer wieder von den verschiedensten Infektionskrankheiten befallen werden, ein insgesamt geschwächstes Immunsystem haben. 100 Erwachsene habe man bisher unter dieses Syndrom eingeordnet.

Wobei dasselbe Magazin von einem möglicherweise bevorstehenden Ende von Aids spricht, und zwar nicht aufgrund von realen Zahlen! Sondern weil der Autor die allseits propagierten Vorbeuge- und Behandlungsmethoden technisch weltweit und lückenlos möglich sieht. Man müßte nur ... und man sollte ... und man dürfte nicht ... Aber das ist ja ein anderes Thema.

Aber diese beiden Krankheiten - beides sind offenbar "Syndrome" - haben eine auffällige Gemeinsamkeit: auch diese neue Krankheit, als die man das Syndrom nun identifiziert hat, wurde vermutlich bisher nicht bemerkt. Weil man die jeweiligen Ausbrüche als bisher bekannte Krankheiten identifiziert hat - Tuberkulose etwa, oder Lepra, beides Krankheiten die als Besiedelung mit Mycobakterien darstellbar sind. Das war mit Aids nicht anders! Bis man all diese Einzelkrankheiten zu einem Syndrom zusammenfaßte. (Über die Begriffsfindung bei Krankheiten lohnt die Lektüre des wissenschaftsgeschichtlichen bzw. -philosophischen Werkleins von Ludwik Fleck, "Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache". Und noch eine Lektüre ist gewiß lohnend: David Dickinson, "The New Politics of Science", über die Zusammenhänge von Wissenschaft und Finanzierung in den USA.)

Und noch etwas verbindet sie, machen wir es kurz, wir haben an dieser Stelle schon mehrfach darüber geschrieben: Als Immunschwächekrankheiten stehen sie in direktem Zusammenhang mit Persönlichkeitsdefiziten bzw. -diffusionen.

Nachdem das Selbst kulturell "außen" gefestigt sein muß, sich also sich nicht selbst geben kann, sondern die Selbsttranszendenz auf das Begegnende zu braucht, wir aber in einer Kultur der Reflexivität leben, in der gerade das die Persönlichkeit Befestigende (in der verkündeten freien, selbstbestimmten Wahl der Identität, einem dramatischen Irrtum) nach und nach völlig aufgelöst wird, passiert das Entscheidende: die Selbstaffizierung des Lebens aus sich selbst heraus erschlafft, das Fleisch nimmt seine Erhaltenskraft nicht mehr an. Und damit die Fähigkeit, Begegnendem zu begegnen - die Überwältigung folgt. Das Formstärkere, mehr es selbst (in konkreter Gestalt) Seiende - so habe ich es in "Helena" einen Arzt sagen lassen - prägt dem Formschwächeren seine Form auf, was in der Regel auf der Ebene der Eiweiße, der Formtrage, passiert. 

Diese Selbststärke kann nicht auf dem Weg der Behauptung - unter diesen Titel könnte man auch viele Erscheinungen der social media zusammenfassen, gerade in der Vernetzung, die kaum mehr ist als voluntaristische, virtuelle, aber unwirkliche Selbsterhaltung - erreicht oder erhalten werden. Sie benötigt die permanente Offenheit der Wirklichkeit gegenüber. Die zum mindesten eine Haltung des Vertrauens in das Sein an sich braucht, aus dem der Vertrauende weiß nicht hinauszufallen. Auch Vertrauen kann nicht "gemacht" werden, es muß - in je neuem Mut - erworben werden.

Die Paradigmen der heutigen "Kultur" sind Paradigmen des Todes, auf diesen einfachen Nenner kann man es bringen. (Johannes Paul II. sprach nicht zufällig von einer "Kultur des Todes", das sollte man durchaus umfassender verstehen als nur auf bestimmte Phänomene beschränkt.) Im Formverlust, der dem Impuls des Lebendigen entgegensteht, löst sich jedes Ding auf, und stirbt damit. Dort, wo es in Teilen stirbt, spricht man von Krankheit. Leben, das sich nicht in Form - an der Wirklichkeit als "gegebene", empfahende, nicht willkürlich erfundene - ergossen findet, erlischt (in der Entropie) allmählich. Denn Leben kann sich nur in Gestalt befestigen, um dem anderen zu sein, das ist das Wesen der Schöpfung.

Solche Krankheiten sind deshalb auch durchaus als "milieuspezifisch" zu bezeichnen, wobei Milieu nicht nur begrenzt oder als schlichte soziale Klasse gedacht werden darf - die Globalisierung hat uns längst in ein alles umgreifendes Gesamtmilieu versetzt. Auch wenn es noch spezifischere lokale Bedingungen gibt, sind sie im Ganzen des Kulturzerfalls zu sehen.

Jawohl, auf diesen einfachen Nenner wage ich es zu bringen. Autoimmunkrankheiten, Immunschwächekrankheiten, Allergien, ja Multiple Sklerose sind also (wie im übrigen alle Krankheiten, nur auf andere Weise) persönlichkeitsadäquat. So wenig sie einfachhin mit persönlicher Schuld oder Verschulden direkt in Verbindung gebracht werden können. Bis zum Tod selbst, der gleichfalls auf menschlicher Grundschwäche aufbaut, die irgendwann das gesamte lebendige System zusammenbrechen läßt. Die jeder mit zu tragen hat.


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Freitag, 9. September 2011

Hebel zur Entmachtung

Weil man angesichts der heißen letzten Sommerwochen nur darauf zu warten braucht, bis sie wieder kommen, die Beweiserbringer für Klimakatastrophen etc., zum Abkühlen ein einstündiges Referat von Hartmut Bachmann, der es klar sagt: es ist eine Ideologie, eine gezielt gewählte Leitidee, an deren Geburtswiege ich sogar als Zeuge stand. Es ist keine Verschörungstheorie, es ist eine Verschwörungstatsache. Die "Klimalüge" ist (und diese Aussage schlägt mit dem, was hier schon oft dargelegt wurde, in dieselbe Kerbe) jene Metamoral, die als Hebel hervorragend eingesetzt werden kann, nicht einfach um Macht zu zentralisieren, sondern um dezentrale Macht auszuhebeln. Weil auf "offiziellem", offenem Wege eine Zentralmacht aufgrund faktischer Dialektiken und Mechanismen nie so absolut werden kann, wie sie es wird, wenn man die Gewissen der Menschen, der Völker in der Hand hält.

Der Anteil an CO2 (und davon jenem Teil, der bestenfalls vom Menschen ausgehen kann) an der Luft ist so gering, daß es nahezu absurd ist, so einem winzigen Faktor die Wirkung zuzuschreiben, die ja nebenbei ein gigantisches Geschäft ist, zu dem auch Österreich und Deutschland Milliardenbeträge Jahr für Jahr beitragen. Aber es ist der einzige Faktor, der überhaupt mit dem Menschen zusammenhängt, also wurde er zum Zentralproblem ausgewählt. Diese beiden Länder seien nicht zufällig erwähnt: denn diese beiden Länder laborieren nachhaltig an Vorgängen, die 1933-45 frappierende Ähnlichkeiten mit den heutigen Szenarien aufweisen, und nützen die in diesen Ländern kaum abzuschüttelnde Neurotisierung der Meinungsbildung. Und immer zugespitzter, auf alle Bereiche übergreifend, als Analogie zur Saga von Wilhelm Tell, scheint sich die Schweiz zumindest unbewußt als letzter Hoffnungsanker europäischer Kollektivahnung herauszubilden.

Das Frappierende an dem Vortrag, der die Geschehen am Beginn des weltweiten "Klimaproblems" nachzeichnet, ist, daß ich aus eigener Erfahrung weiß, daß dazu keine großen Verschwörungen und Sitzungen nötig sind. Schon aus bloßer Kenntnis menschlicher Untiefen, Schwächen, aus dem Wissen, wie menschliches Handeln entsteht, wie es sich fortsetzt, wie sehr der Mensch posthoc rechtfertigt, da aus allen möglichen, oft lächerlich kleinen, persönlichen Beweggründen längst auf Schiene steht, und den Charakter einer Zufälligkeit aufweist, die sich mit grundlegendsten Erkenntnissen über die Entstehung wissenschaftlicher Lehrmeinungen - Ludwik Fleck, Thomas S. Kuhn, um nur Ecksteine zu erwähnen - nahtlos deckt.

Da fallen Aussagen Bachmanns wie "Wir haben keien Demokratie, wie haben eine Parteien- und Beamtendiktatur" gar nicht mehr ins Gewicht.

Der betagte Deutsche findet noch zu einigen sonstigen bedenkenswerten Aussagen: Die Angst vor Energieknappheit (Stichwort: Erdöl, Erdgas) ist künstlich geschaffen, und künstlich hochgehalten. Sie ist ein äußerst probater Hebel, um Öl zu jenem gigantischen Geschäft zu machen, über künstliche Verknappungsszenarien, die es ist. Gleichzeitig wird, über die CO2-Lüge, seine Verwendbarkeit eingeschränkt. Geopolitisch gründet darin die Schlüsselstellung Israels inmitten eines zentralen Ölfordergebiets.

Ich darf noch einmal hinweisen: nicht aufgrund solcher Vorträge oder Einzelmeinungen (über die man sogar recht geteilter Auffassung sein kann) oder Verschwörungsgeschichten etc. war ich immer ein vehementer Gegner der "Klimawandel-These". Vielmehr war mir die Deckungsgleichheit mit Phänomenen der Massenpsychose, der Massenpsychologie, der Massenhysterie schon nach kurzer Zeit so auffällig, daß ich der ganzen Geschichte einfach keine Glaubwürdigkeit beimessen konnte. Fakten kamen erst mit der Zeit - belegend, verifizerend, falsifizierend - dazu.

Bachmann verquickt die Klimalüge mit dem faktischen Zustand der Staatsfinanzen: Hochverschuldete Staaten haben mit der "Black Box" Klimalüge ein höchst wirksames Instrumentarium, die Steuerschraube fast nach Belieben nach oben zu drehen, den Sozialstaat, als Mittel an der Macht zu bleiben, in unabsehbare Zukunft zu verlängern. Das erklärt die Affinität der Politik zu diesem Thema.




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Montag, 15. November 2010

Gewußtes als Identitätsproblem - II

Teil II)

Damit ist kennzeichnend, daß wissenschaftliche Denkkollektive, in ihrer apologetischen Funktion, simplifizieren, apodiktisch werden, und zwar ganz in Gegensatz zu ihrer wirklichen Wissensgenerierung, die vor allem heißt: Begriffsfindung! Es wird - weil sonst Aussagbarkeit überhaupt verschwinden würde - verschwiegen (anders geht es gar nicht), auf welchen stufen welche vorentscheidungen zur Problembegrenzung getroffen wurden, es wird verschwiegen, was alles notwendig war, um ein nach und nach "erfundenes" Problem zu einem "gefundenen" zu machen.

Gewißheiten entstehen dann erst nach und nach, im Gleichschritt - mit der Popularisierung des Erkannten. Unangenehmer Nebeneffekt dabei ist freilich, daß für den Nicht-Eingeweihten, aber bald auch (im Rückwirken: als Bild, zu dem sich das ursprüngliche Hilfsmittel "Bild" entwickelt hat) für den Eingeweihten, die Wissenschaft wie eine klare Angelegenheit vorgefundener Begriffe und vor allem: eines einheitlichen, objektiven Denkens aussieht, was sie überhaupt nicht ist. Denn mit jedem Forschen verändert sich das Denken selbst.

Solche Gewißheitsgrade entstehen und geschehen von Stufe zu Stufe, mit dessen Fortgang immer weniger denkzwingende Beweise verlangt sind, vom esoterischen Kreis ausgehend, zum exoterischen. Denn (und das ist das einleuchtend Interessante!) jeder Fachwissenschaftler bezieht seine Anforderungen in Wahrheit aus dem exoterischen Kreis und Begriffsfundus. Dem steht er (unbewußt) gegenüber, dem verantwortet er sich - dem Laien, dem Amateur, dem allgemeinen Denkkollektiv, dem er entstammt bzw. auf das er sich bezieht.


Interessant ist deshalb vor allem die Beziehung von Masse bzw. Laie und esoterischem Kreis, der Elite sozusagen. Ist die Elite schwach, paßt sie ihre Aussagen in hohem Grad an die Masse an. Je exoterischer eine wissenschaftliche Meinung wird, desto bindender ist sie, desto zwanghafter wird sie für einen Denkstil.
Demgegenüber ist für eine starke Elite ihre Esoterik kennzeichnend, und damit einher geht auch ihre Tendenz zu Starrheit und Konservatismus.

Je bindender ein Denkstil geworden ist, desto mehr formt er sich auch seine Wirklichkeiten: in den Begriffen, die in ihren Eigenschaften definiert wurden, und nun zu "Dingen" geworden sind.

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Sonntag, 14. November 2010

Gewußtes als Identitätsproblem - I

Der stärkste Zwang ist der, schreibt Ludwik Fleck an einer Stelle, dessen Gewalt gar nicht mehr bemerkt wird, weil sie als selbstverständliche Notwendigkeit gilt. Besonders deutlich wird er in Denkkollektiven, weil der intrakollektive Denkverkehr spezielle Abhängigkeitsgefühle hervorruft, und somit zur automatischen Verstärkung der Denkgebilde führt. Je länger die Vermitlung eines Gedankens innerhalb eines Denkkollektivs bereits dauert, desto sicherer erscheint er, unabhängig vom Rationalitätsgrad seiner Entstehung.

Wer sich innerlich gegen eine solche Kollektivansicht sieht, erlebt sich in Angst und Furcht vor Ausgestoßenheit, weshalb er unweigerlich dazu tendiert, sich dem Kollektiv zu fügen, das ihn mit völligem Umverständnis (=Hölle, Anm.) strafen kann und wird. Je differenter Denkstile sind, desto mehr kommt jeder Gedankenverkehrt zum Erliegen. Fleck weist auch darauf hin, daß Denkkollektive - selbst wider besseren Wissens - schon rein aus Selbsterhalt fremde Denkstile (bis zur Existenzvernichtung) bekämpfen.

Diese interne Semantik bestimmt auch, welche Probleme überhaupt gesehen, als Fragen definiert, und welche als unerheblich ignoriert werden - Denkstile könnte man ja auch als "Bereitschaft für gerichtete Wahrnehmung" bezeichnen. Dabei gibt des sich nähere, oder sich ferne Denkkollektive. Der allgemeine Pool an Denkstilen, der die Spezialgebiete in einer Art Schnittmenge in sich birgt, sollte im Normalfall der Denkstil der Allgemeinheit sein, das was man als "gesunder Hausverstand" bezeichnet.

Fleck zeigt, wie in Spezial-Denkkollektiven ursprüngliche Annahmen sehr häufig völlig anders gelagert sind, als die späteren Entdeckungen, die dann oft regelrecht zufällig, in sehr vielen Fällen ohne Bezug zum Ausgangspunkt entstehen, und nur mehr mit spezieller Semantik und Symbolsprache überhaupt verstehbar und nachvollziehbar, mit behaupteter Logik aber inkommensurabel sind. Das ist an Menschen beobachtbar, die mehreren Denkstilen zugehören, und in sich logische Widersprüche vereinen, die emotional gar nicht so empfunden werden, ja es ist sogar sehr häufig, daß Menschen sehr verschiedenen Denkstilen zu gehören.

Unvereinbar sind eher ähnliche, nicht so stark abweichende Denkstile - hier wird Abgrenzung viel deutlicher gefordert, Fleck nennt dies "Grenzgebiet-Stil". Auch im Lösen von Problemen verwendet der Einzelne öfter völlig verschiedene Denkstile, als einander ähnliche. So, wenn ein Arzt ein Krankheitsbild einmal aus bakteriologischer, und zugleich aus kulturhistorischer Sicht betrachtet.

In jedem Fall verändert die Kommunikation das Kommunizierte: es wird also nicht Information hin- und hergeschoben, wie ein starrer Block im euklidischen Raum, sondern im intrakollektiven Raum wirkt Informationstransport verstärkend, im interkollektiven Raum abschwächend.

Hier kann es bis zu phantastischen Phänomenen kommen - Massenhalluzinationen, stimmungsmäßiges Gestaltsehen generell und weit verbreitet, wo weitreichendes Ausblenden, Nicht-Sehen selbst offenbarster Phänomene eintritt - und der (vogelschwarmartige!) plötzliche Umschlag, wo man plötzlich nicht mehr versteht, wie man etwas hat übersehen können. Kommt es zu Änderungen des Denkstils ist meist damit auch ein plötzliches Unverständnis der früheren Problemlage verbunden.

Genauso, meint Fleck, verhalte es sich mit den meisten wissenschaftlichen Entdeckungen. Denkkollektive "schaffen" sich in gewisser Hinsicht ihre Phänomene, auf die sie sich beziehen, selbst. 


Fortsetzung folgt)
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Montag, 8. November 2010

Gebunden an die Kultur

Den aktivsten Grad der Beharrungstendenz der Meinungssysteme aber, schreibt Ludwik Fleck, bildet die schöpferische Dichtung, die sozusagen magische Versachlichung der Ideen, das Erklären, daß eigene wissenschaftliche Träume erfüllt seien. Auch hier kann eigentlich jede Lehre angeführt werden, denn jede enthält Wunschträume der Forscher.

Besonders die oft in naivsten Anschauungen mündende Überschätzung des utilitaristischen Aspekts in den Naturwissenschaften führt sich auf eine subjektive, emotionale Haltung der Wertschätzung der Erscheinungen der Natur zurück, die den Willen zeugte, das Beobachtete mit Hymnen der Sinnhaftigkeit zu beschreiben. Fleck führt als Beispiel an, daß es aus diesem Grund zu langlebigster Verbreitung von Irrtümern auch in den Lehrbüchern kam. So fand er während seiner Arbeiten kein einziges wirklichkeitsgemäßes Abbild der menschlichen Fortpflanzungsorgane, weil alle - selbst photographische Werke - eine herrschende Auffassung zum Ausdruck zu bringen suchten, in diesem Fall: der Analogie von männlichen und weiblichen Organen, eine dem Altertume entstammende Idee.

Oder die bekannte Geschichte von Häcker, der seine Deszendenztheorie (Evoluton) beweisen wollte, indem er in seine "Natürliche Schöpfungsgeschichte" massenhaft Abbildungen verwendete und anfertigte, die das Gewünschte in die "Erscheinungen" hineinlegte - die so entweder zur Metapher wurden, oder überhaupt Fakten hinzuerfanden. Teilweise verkündete er auch "Beweise" aufgrund von Forschungen, die sich später als Fälschungen erwiesen (Einer, Kammerer, der eine wichtige Rolle im "Erweis" bestimmter Vererbungsmechanismen spielte, erschoß sich, als das in seinem Fall entdeckt wurde). Seine Werke aber waren wesentliche Grundlage zumindest der Naturforschung in den nachmaligen kommunistischen Staaten!

Fleck: "In der Naturwissenschaft gibt es gleichwie in der Kunst und im Leben keine andere Naturtreue als die Kulturtreue. Jeder Legitimierungsversuch konkret ausgeführt hat einen nur beschränkten Wert: er ist an ein Denkkollektiv gebunden. Man ist nicht imstande den Stil der Auffassungen und die für jedes naturwissenschaftliche Untersuchen nötige technische Fertigkeit logisch zu fassen. Eine Legitimierung ist also nur dort möglich, wo sie eigentlich nicht mehr von Nöten ist, nämlich unter Menschen derselben denkstilgemäßen geistigen Verfassung und speziell annähernd gleicher Vorbildung."

Mit anderen Worten: Wissenschaftliche Erkenntnisse spiegeln lediglich den Zustand der gesellschaftlichen Strömungen und Auffassungen. Sie sind "für sich" aber immer relativ, wenn nicht fragwürdig, und bräuchten für ihre Verifizierung ein nicht in sie zweckinvolviertes, völlig "anderes" System. Denn systemimmanent ist auch ein "Widerspruch" kein Bruch des Denkstils, sondern wird integriert und verstärkt, auf irgerndwann nicht mehr nachvollziehbare Weise, die Denkkonvention.

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Sonntag, 7. November 2010

Verschwiegenheit, um logisch zu bleiben

Die aktive Beharrlichkeitstendenz, die bei wissenschaftlichen Behauptungen und Meinungssystemen so grundlegend festzustellen ist, äußert sich auch im Verschweigen von "Ausnahmen".

So wurde jahrhundertelang verschwiegen, daß die Bewegungen des Merkur den Gesetzen Newtons widersprachen, obwohl das den Fachleuten bekannt war! Erst als die Relativitätstheorie aufkam, und diese "Ausnahme" für sie als Beleg nützlich wurde, wurde diese Tatsache öffentlich.

Diese Beharrungsbestrebungen sind, schreibt Fleck, sehr lehrreich. Denn sie beweist, wie logische Systemfähigkeit um jeden Preis angestrebt wird und wie sich die Logik in der Praxis ausdeuten läßt. Jede Lehre will ein logisches System sein - und wie oft ist sie eine Petitio principii! (Widerspricht also elementarsten Grundauffassungen.)

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Ganz so, könnte man hinzufügen, als wäre es eine stille Prämisse, die alle erfüllte, und die hier zum Vorschein käme, dergemäß Logik, Vernünftigkeit, Ausweis einer konstituellen, verbindlichen Wahrheit, wäre weil Wahrheit, Vernunft im Ursprung der Schöpfung, im Schöpfergott, grundgelegt ist.

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Samstag, 6. November 2010

Wer weiß, was wir wissen

Wissenschaftliche Theorien durchlaufen zumindest zwei Phasen: in der ersten, der klassischen Phase, wird alles kompiliert, was sie stützt und stärkt. Sie wird ausgebaut und "gesichert". Schließlich kommen die Ausnahmen, die nach und nach integriert werden, was in vielen Fällen so weit geht, daß die Ausnahmen die Regel bei weitem überwuchern, ja daß die Regel vor lauter Ausnahmen gar nicht mehr besteht!

Fleck weist auf zahllose Beispiele hin, wo wissenschaftliche Theorien sich auf Partialerscheinungen bezogen, manchmal über Jahrhunderte, das Gros der Erscheinungen aber, quasi ihre "Normalität" - im Nachhin wirkt manches dabei grotesk - gar nicht gesehen wurde!

Von dem, was wir noch gar nicht entdeckt haben dabei, gar nicht zu sprechen - weil es uns zu natürlich ist. Denn: das Auge sieht sich ja nur, wenn und insofern es krank ist!

Das läßt sich an vielen Erkenntnissen der Chemie (Fleck war Mediziner, Chemiker) und der Medizin genauso zeigen, wie an der Psychologie, wo man viele Jahrhunderte Sexualität bei Kinder für "nicht vorhanden" ansah, obwohl sie doch jeder erlebt hat - und erst im 20. Jhd. wurde kindliche Sexualität offiziell "entdeckt"!

Desgleichen hielt man in der klassischen Infektionstheorie Krankheiten für von Erregern verursacht - sah aber nicht, daß dieselben Erreger auch in allen "nicht kranken" Organismen vorkamen. Das ging in allen Bemühungen die Zusammenhänge exakter zu definieren so weit, daß man gar nicht sah, daß der Fall einer "Invasion" mit Erregern sogar der Ausnahmefall des Mechanismus zur Entstehung von Infektionen war! "Die Löfflerschen Bazillen z. B. wären wahrscheinlich gar nicht isoliert worden, wären sie bei Gesunden gefunden worden! Sie würden auch wegen ihrer Beziehungslosigkeit zum Ursachenwahn der Epoche die notwendige Aufmerksamkeit niemals erweckt, niemals die nötige Arbeitsenergie erzwungen haben."

"Nur in dieser und keiner anderen Reihenfolge wickelt sich der Erkenntnisprozeß ab: Fördernde Macht besitzt nur eine klassische Theorie mit ihren plausiblen (also in der Epoche wurzelnden), abgeschlossenen (also beschränkten), propagandafähigen (also stilgemäßen) Ideeenverknüpfungen."

Entdeckung und Irrtum sind, so schreibt Fleck, untrennbar verbunden, und stehen in keinem nachvollziehbaren logischen Zusammenhang.

"Analog den Erscheinungen in der Bewegungsphysiologie verhalten sich jene der Erkenntnisphysiologie: um die Bewegung eines Gliedes auszuführen, muß ein ganzes sogenanntes myostatisches System als Fixationsbasis unbeweglich gemacht werden. Jede Bewegung besteht aus zweierlei aktiven Vorgängen: aus Bewegungen und aus Hemmungen. Dem entspricht in der Erkenntnisphysiologie ein zielstrebendes, gerichtetes Determinieren und ein entgegenkommendes Abstrahieren, die einander ergänzen."

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Mittwoch, 3. November 2010

Denkstile, nicht Wahrheit

Zwischen (wissenschaftlichen, Anm.) Auffassungen und ihren Beweisen besteht in der Wissensgeschichte kein formal-logisches Verhältnis: die Beweise richten sich ebenso oft nach den Auffassungen, wie umgekehrt die Auffassungen nach den Beweisen. Die Auffassungen sind eben keine logischen Systeme - so sehr sie es jederzeit sein wollen - sondern stilgemäße Einheiten, die sich nur als solche entwickeln und vekrümmern oder in andere mit ihren Beweisen übergehen. 

Ist ein ausgebautes, geschlossenes Meinungssystem, das aus vielen Einzelheiten und Beziehungen besteht, einmal geformt, so beharrt es beständig gegenüber allem Widersprechenden.

Nicht um bloße Vorsicht handelt es sich, sondern um eine aktive Vorgehensweise, die in einige Grade zerfällt:

  1. Ein Widerspruch gegen das System erscheint undenkbar
  2. Was in das System nicht hineinpaßt, bleibt ungesehen, oder
  3. es wird verschwiegen, auch wenn es bekannt ist, oder
  4. es wird mittels großer Kraftanstrengung dem Systeme nicht widersprechend erklärt.
  5. Man sieht, beschreibt und bildet sogar Sachverhalte ab, die den herrschenden Anschauungen entsprechen, d, h. die sozusagen ihre Realisierung sind - trotz aller Rechte widersprechender Anschauungen.

Jede Epoche hat herrschende Auffassungen, Überreste vergangener Anlagen zukünftiger, analog allen sozialen Gebilden.


Ludwik Fleck, in "Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv"

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Was Fleck tut ist natürlich nicht ein Entwerten aller Wahrheit dadurch, indem der Wahrheitsfindungsprozeß zum Argument für die Ent-Absolutierung von Wahrheit macht. Er sieht aber völlig richtig, daß Wahrheit und Erkenntnis ein tief sozialer Prozeß sind, und daß Wahrheit und Persönlichkeit untrennbar zusammengehören. Er wendet sich gegen den Rationalismus des Wiener Kreises, dem Wahrheit nur ein logizistisches Spiel von "absoluten Werten" sein sollte. Eine solche Wahrheit aber gibt es nicht. Dennoch entwertet das nicht die Wahrheit an sich. Wir wissen, ja, wissen, weil streng logisch (seit spätestens Gödel) gezeigt, daß jedes formale System sich selbst nicht beweisen, sich nicht verifizieren kann. Dazu braucht es ein Drittes, ein Außenstehendes. Fleck schließt an alle diese Erkenntnisse an. Und im Grunde zeigt er nur, warum sich Wahrheiten oft so schwer durchsetzen, und wie es zugeht, daß sich gaze Epochen - ausgehend von ihrer "Stimmung" - in scheinbar "wissenschaftlich erwiesenen Meinungen" sehr weitgehend irren können. Er zeigt, wie sich Wahngebilde festsetzen können, die aber enorm fest im Sattel eines Zeitgeistes sitzen können, der auf den Einzelnen rückwirkt.

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Dienstag, 2. November 2010

Aus uralten Zeiten

Zwar wolle er, schreibt Ludwik Fleck einmal, nicht behaupten, daß JEDE wissenschaftliche Erkenntnis der Neuzeit auf Urideen zurückgehe, aber es sei auffallend, daß enorm VIELE der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Jahrhunderte und Jahrtausende hin konsequente Verfolgungen solcher Urideen waren! Die nach heutigen Wissenschaftskriterien nicht durch "Beweise" oder "Fakten" belegt hätten werden können - und doch: stimmen!

Fleck führt als eines der illustrativsten Beispiele die Idee des "Atoms" an, ebenso wie die Kugelgestalt der Erde. Oder der Gedanke von Krankheitserregern im Blut, der schon bei den Römern lebendig war, der sich sogar auf die Säftelehre zurückführen läßt, lange ehe noch ein Mikroskop erfunden war - ja, diese wurde in gewisser Weise "auf diese Idee hin" entwickelt.

Was sogar nahelegt, die Sprache selbst, die Worte, als Entsprechungen auf Erlebtes und Wahrgenommenes zu sehen: übertragen in ein Element, das jedem verfügbar rasch formbar war. Dann wäre Gedankliche Wiedergabe kein logischer Prozeß, sondern eine Übertragung in die Darstellung. Damit wäre Erkennen um Ursprünglichen nicht als gedanklicher Prozeß definierbar, sondern ... auf Intuition, auf Bilddarstellung, Sprache auf Darstellung in "'Erlebensäquivalenten" rückgeführt.

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Samstag, 30. Oktober 2010

Entscheidende Begrifflichkeiten

In den Begrifflichkeiten, als irgendwann entstandene Problemdefinitionen, zeichnet sich, so Ludwig Fleck, am deutlichsten das Relative, Historische der Wissenschaft ab. Anhand seiner Analyse der Entstehung des Syphilis-Begriffs muß ein Denkansatz verweigert werden, der davon ausgeht, daß mit heutigen Instrumentarien und Möglichkeiten ein rascherer Klärungsprozeß gefunden worden wäre. Selbst der Erreger kann nicht als "Erreger" gesehen werden, sondern als Mikroorganismus, der mit der Syphilis in Beziehung zu setzen ist. Dies ist weit mehr als eine Spielerei, weil sich daran die Frage des "Trägertums" entscheidet.

(Die sehr grundsätzliche Frage muß also sein, ob die seit den 1940er Jahren gegebene "Breitseitenbekämpfung" durch Penicillin, die heute zunehmend an ihre Grenzen stößt, genau daran scheitern muß: weil man sich zunehmend vom "was" der Krankheiten ab-, und nur noch dem "wie bekämpfen" zugewendet hat.)

"Auch die heutigen Forschungsmittel sind eben Ergebnis der historischen Entwicklung, sie sind so und nicht anders eben durch solche und nicht andre Vorgeschichte. Auch der heutige Begriff der Krankheitseinheit z. B. ist Entwicklungsergebnis und nicht die logisch einzige Möglichkeit. Man kann nicht nur vollkommen andersartige Krankheitseinteilungen einführen, wie es die Geschichte lehrt, aber man kann auch überhaupt ohne den Begriff einer Krankheitseinheit auskommen."

An dieser Stelle sei dezent daran erinnert, daß - über die Gründe könnte man separat disputieren - von "Aids" erst seit wenigen Jahrzehnten gesprochen wird. Mit einem Federstrich wurde aus einer lange schon bekannten Symptomkollektion ein Krankheitsbild deriviert. (Weshalb ich jener Meinung anhänge, daß einer wirklich fruchtbaren Erforschung der Krankheit durch einen völlig verkehrten, begrifflich viel zu früh definierten Ansatz - hier der HIV-Erreger, dort die Krankheit - eiserne Riegel vorgeschoben wurden. Und finde mich bei Fleck bestätigt: denn er weist ebenfalls darauf hin, daß in jedem Fall ein offeneres, mehr Bindungen zulassendes Definitionsfeld vorzuziehen ist. Begriffe sind nur denktechnische Hilfsmittel.)

Ähnliches geschah (als zufällig herausgegriffenes Beispiel) in der Definition von "Schizophrenie". Ronald D. Laing, der "amerikanische Freud", hat sich immer gegen die schließlich einfach durchgesetzte Definition gewehrt, die führe am eigentlichen Problem vorbei.

 
*301010*

Freitag, 29. Oktober 2010

Die wissenschaftlichen Tatsachen

"Die Entstehungsgeschichte eines wissenschaftlichen Begriffs könnte jenem Erkenntnistheoretiker gleichgültig sein, der glaubt, daß zum Beispiel die Irrtümer eines Robert Mayer gar keine Bedeutung für den Wert des Energieerhaltungssatzes hätten.

Dem ist zu entgegnen: Erstens gibt es wahrscheinlich keine vollständigen Irrtümer, so wenig wie vollständige Wahrheiten. Es wird sich früher oder später eine Umarbeitung des Energieerhaltungssatzes als notwendig erweisen - und dann wird man vielleicht an einem verlassenen "Irrtum" rück-anknüpfen müssen.

Zweitens, ob wir wollen oder nicht, wir können nicht von der Vergangenheit - mit allen ihren Irrtümern - loskommen. Sie lebt in übernommenen Begriffen weiter, in Problemfassungen, in schulmäßiger Lehre, im alltäglichen Leben, in der Sprache und in Institutionen. Es gibt keine generatio spontanea der Begriffe, sie sind, durch ihre Ahnen sozusagen, determiniert. Das Gewesene ist viel gefährlicher - oder eigentlich nur dann gefährlich - wenn die Bindung mit ihm unbewußt und Unbekannt bleibt."

"Es ist ein Wahn zu glauben, die Geschichte des Erkennens habe mit dem Inhalte der Wissenschaft ebenso wenig zu tun wie die Erfindung des Telephonapparates mit dem Inhalt der Telephongespräche: Wenigstens drei Viertel und vielleicht die Gesamtheit alles Wissenschaftsinhaltes sind denkhistorisch, psychologisch und denksoziologisch bedingt und erklärbar."

Ludwik Fleck, in "Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv"

 
*291010*

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Wissens(chaftlichkeits)psychose

Er wurde von einem blinden Schicksal fast völlig um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Und hätte ihn nicht ausgerechnet jener - Thomas S. Kuhn - in seiner Arbeit, die genau seine Thesen aufgreift und verwertet, und die dann berühmt wurde, "Strukturen wissenschaftlicher Revolutionen", wenigstens erwähnt, er wäre wohl völlig vergessen: Ludwik Fleck. Er war in den 1920er/1930er Jahren in den Lemberger Wissenschaftlerkreis eingebunden, der auch den Wiener Kreis reflektierte. Fleck lehnte dessen Ansatz ab, und sein Hauptwerk, das ihm einen ewigen Platz in der Geschichte der Wissenschaft sichern müßte, ist auch eine Kritik des Wittgenstein'schen-Popper'schen Positivismus, der nach dem Zweiten Weltkrieg großen Einfluß gewann: "Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache". Von dem Buch, das gerade noch 1939 erschien, wurden in den Jahren bis zum Tod des Autors kaum fünfhundert Exemplare verkauft.

Ludwik Fleck (1896-1961)
Fleck war eigentlich Mediziner, und befaßte sich mit Typhus und Virenerkrankungen, was ihm in den KZs, die er später durchlitt, auch das Leben rettete: die SS entdeckte, daß er mehr als ein Arzt war, und steckte ihn in eine ihrer Serumsfabriken, wo er Typhus-Serum produzieren sollte. Was er scheinbar tat - dabei aber die SS-Ampullen mit unwirksamem Impfstoff füllte. Den wirklichen Impfstoff verwendete er nur für die kranken KZ-Insassen ...

Ursprünglich befaßte er sich mit einer Entdeckung im Bereich der Abwehrreaktion bei Typhus, wo ihm auffiel, daß sich Leukozyten verklumpten, sobald der Organismus an einer Stelle an einer Entzündung litt. Daraus entwickelte er den Fleck-Test, der in Polen und der Ukraine auch nach dem Krieg noch lange Zeit eine Rolle spielte.

Bald aber befaßte er sich mehr und mehr mit der Art, wie wissenschaftliche Theorien überhaupt entstanden, denn das schien ihm bei der Befassung mit Syphilis ein viel eigentlicheres Problem zu sein, als die Bekämpfung der Syphilis überhaupt. Fleck entdeckte, daß wissenschaftliche Meinungen und Ansätze nämlich nach sehr klar nachvollziehbaren soziologischen Regeln entstehen - und NICHT, wie die landläufige Meinung war, durch streng wissenschaftliche Aussintherung des Wahren, Besseren, und immer Besseren. Sie sind deshalb immer nur relativ zu ihrer Zeit zu sehen, als absolute Wahrheiten aber untauglich. Wahrheit? Wahrheit spielt bei wissenschaftlichen Auffassungen nur eine bestimmte Rolle, aber nicht einmal das ist sicher, wenn ...

... ja wenn die Thesenbildung nämlich zu esoterisch vor sich geht, also zu wenig externen, exoterischen Bildungsprozessen unterliegt, durch externe Kontakte, vor allem und interessanterweise im Kontakt mit dem "common sense", dem Hausverstand: durch Popularisierung der Thesen vor allem also. Denn frische Ansätze, Denkregeneration, braucht diese "Fremdheit", auch der Denkkreise. Fleck geht in Konsequenz tatsächlich so weit, den immer frischen Amateur(ismus) zur Bedingung der Wahrheitsfindung innerhalb einer Wissenschaft zu machen.

Wissenschaftliche Thesen aber werden durch soziologische Prozesse gebildet, durch zwischenmenschliche Vorgänge, die einer Absicherung von Identitäten gleichen. Das hat auch gravierende Auswirkungen bei der Auswahl des Nachwuchses, auch an den Universitäten, die sämtlich solchem Bestandserhalt entsprechen. Nur wer den solchermaßen entstehenden "Denkstilen" entspricht, vermag in diese Kreise und Zirkel auszusteigen, welche Ausleseprozesse alle Elemente von Eliteverhalten zeigen. Je homogener solche Zirkel sind, desto weniger Rolle spielt "Wahrheit", desto ausdifferenzierter werden bloße Abwehrmechanismen, desto mehr werden Tatsachenanalysen zu Irrtumsanalysen.

Wissenschaftliche Forschung vollzieht sich nie isoliert, sondern immer in Denkkollektiven, in denen Ursachen und Wirkungen kaum noch zu differenzieren sind. Aus ersten Thesen, die publiziert werden, entwickelt sich bald ein "Handbuchwissen", das mehr und mehr die Formen eines Denkzwanges annimmt. Entsprechend selektiv (und historisch gebunden) wird der Umgang mit Tatsachen, es entsteht eine "Harmonie der Täuschungen", Denken ist nur noch Selbstvollzug "sozialer Stimmungen". Neue, wirklich neue Erkenntnisse stehen nur noch in Zusammenhang mit Revolutionen des Denkstils der Denkkollektive, weil Erkennen von einer sozialen Wirklichkeit nicht zu trennen ist. Einer "absoluten Wirklichkeit" aber nähert sich diese Wissenschaftlichkeit nie, weil in dem Maß, in dem sich die Erkenntnis ändert, auch die Wirklichkeit herum umgeformt wird, jede Entdeckung erzeugt weitere Wirkungen im Getriebe der Forschung, die in sich konservativ bleibt, weil Kenntnisse aus Erlerntem bestehen. Die erkannte Wahrheit wird so relativ zum Zweck des Wissens.

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Bislang hat noch niemand wirklich seriös darüber nachgedacht, was für Konsequenzen diese Erkenntnis für die Zeit des Internet hat. Wenn sich nämlich die soziologischen Größen durch Globalisierung und Gleichzeitigkeit, durch Homogenisierung der Wissensgenerierung, nicht mehr erweitern, wenn also die Wissensgenerierung nur noch Angelegenheit einer einzigen homogenen Gruppe wird, mit lediglich mächtigeren, aber immer weniger "fremden" Denkorten, muß sich zwangsläufig Wissenschaft und wissenschaftliche Erkenntnis immer mehr in sich abschließen, und nur noch aus sich selbst entwickeln.

Damit schwindet die Wahrscheinlichkeit, daß durch Diskursprozesse, durch Kontakte mit "Andersdenkenden", Irrtümer ausscheiden, und steigt die Wahrscheinlichkeit, daß sich zum Gegenteil Irrtümer perennieren, verfestigen, weil soziologisch ihre Tendenz zur "Ewigkeit", in der Selbstabsicherung, immer vollkommener ausprägen! Wissenschaftliche Thesen werden solcherart zu psychosozialen Erscheinungen, die von "Psychosen" nicht zu unterscheiden sind: zu "Wissenschaftlichkeitspsychosen".

Das Internet, die "eine Welt und Öffentlichkeit", wirkt somit fatal, weil es nur noch zur Potenzierung bereits bestehender Tendenzen und Konstellationen führt, zu einer Versteinerung der Konflikte durch Kategorisierung der einzelnen Denkdifferenzen zu absoluten Endkonstellationen - zur definitiven Ausschaltung anderer Denkansätze also. Die aber wissenschaftshistorisch unverzichtbar wären.

Unter solchen Ansätzen muß sich Wissenschaft - soweit sie offiziell ist - also zwangsläufig zu einer Irrtumsproduktion entwickeln, die in sich mehr und mehr gefangen bleibt. Weil sie Diskursprozesse immer einheitlicher werden, verlieren sie jede Maßstäblichkeit, und würgen selbst "kleine", partielle Gegenthesen mehr und mehr ab, weil sie die Natur auch solcher partieller Diskussionsprozesse maßgeblich eingreifen. Bildlich gesprochen: in der Diskussion mit dem Kollegen wirken autoritative Kräfte, die den zwischenmenschlichen Rahmen in die größte Weltvorgänge hinein verlängern.

"Seine" Autorität wird plötzlich die weltweiter Kollektive - es gibt durch die extreme Vernetzung (Twitter, Newsfeeder, etc. etc.) nur noch EINE soziologische Gruppe. Das Internet führt also nicht zu einer Diversifizierung, sondern zu einer Vertiefung, zu einer Einengung auf nur noch eine psychosoziale "Sieger-"Gruppe, durch Selektion.

Und wer alltägliche Informations- und Meinungsbildungsprozesse beobachtet, wird dies tatsächlich selbst im Kleinsten feststellen: es gibt keine kleinen partiellen Meinungsbildungsprozesse mehr, sondern mehr und mehr nur noch einen einzigen. Die sozialen Prozesse werden also immer einheitlicher, und damit die Kräfte die darin wirken: der Bezugspunkt sozialen Verhaltens (und damit die Kriterien der Meinungsbildung als Haltung zum "Wissen") wird, psychosozial gesehen, immer weniger das partielle, individuelle Gegenüber, sondern die eine, einzige "Welt".

Damit wird Wissensgenerierung generell - für JEDEN einzelnen - mehr und mehr zum Teil eines einzigen Vorgangs, und gerät in dringenden Zweifel, weil es für den, der in diese Prozesse (und hier ist die Rede von Lebens-, nicht nur Meinungsbildungsprozessen, weil Wissensbildungen soziale Vorgänge sind; siehe unter anderem Luhmann) eingebunden ist, kaum eine Möglichkeit gibt, zurückzutreten, um aus innerer, absichtsloser Distanz eine "eigene" Meinung zu bilden. Weil die Beteiligten alle einen - und zwar bald wirklich nur: einen! - Zweck verfolgen.

Rein soziologisch - hier habe ich schon mehrfach diese Tatsache dargelegt - ist deshalb die Beobachtung, daß sich "Problemdefinitionen" mehr und mehr verabsolutieren und globalisieren (Stichwort: Klimawandel), überhaupt nicht zufällig. Genauso wenig wahrscheinlich aber ... wahr. Wir meinen deshalb, folgerichtig, aus dem Beobachten weltweiter Prozesse, daß aus statistisch - aus diesem einen selektiven Horizont heraus - gleichen Prozessen (die das nur sind, weil wir sie SO SELEKTIEREN) auch einheitliche, alle umfassende Prozesse ableiten lassen.

Es ist aber - wissenschaftlich, wissenschaftstheoretisch - fast Gewißheit (weil so hoch wahrscheinlich zutreffender) zu sagen, daß SOLCHE Wissensbildungsprozesse kaum noch Wahrheits- und Realitätsgehalt besitzen, sondern sich als soziologische Prozesse verselbständigen. Eine eigene Dynamik entwickeln, weil ihr Zweck thesenprägende Kraft hat.

Die hier vorzufindende Ablehnung solcher Bedrohungsszenarios ist, wie noch einmal dargelegt sein soll, nicht auf einzelne Fakten zurückzuführen, sondern auf diese Prozesse, die analysiert zwangsläufig zu solcher Haltung führen. Was immer hier in den letzten Jahren beobachtet werden konnte wies zunehmend alle Merkmale solcher Psychosen auf, und keinesfalls und immer weniger Merkmale "wissenschaftlicher Thesenfalsifizierungen/-verifizierungen".

Vereinfacht: Wir leben heute im Zeitalter weltweiter Dämonien, weltweiter Massenpsychose, und nicht weltweiter (realer) Probleme.

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Politisches Handeln, wie auch privates ethisches Handeln, ist also nur dann sinnvoll, wenn erst diese Psychose(n) abgelegt, überwunden werden, was an sich bereits politische Aufgabe wäre, woraufhin zum anderen der Blick für reale, partielle Probleme wieder frei wird. Nicht "größer", "globaler" also muß der Maßstab politischen Handelns werden, sonder "kleiner".


*281010*

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Gründungsfiktion der Neuzeit

Thomas Kuhn zeigt in "Die Entstehung des Neuen: Studien zur Struktur der Wissenschaftsgeschichte", daß es ein die Neuzeit begründender, aber erfundener Mythus ist zu meinen, die Wissenschaft würde, wie auf einer Jakobsleiter, höher und höher steigen, von Erkenntnis zu Erkenntnis, jede Stufe nach strenger Prüfung und schwerer Forschungsarbeit weiter erobernd. Mitnichten ist das so, das ist eine Fiktion. Und Ludwik Flek zeigt, welche Vorgänge in Wirklichkeit (an der Syphilis) stattfinden. Flek nennt dies "historischer Denkstil", der aus einem dichten Geflecht aus gesellschaftlichen, historischen und persönlichen Strömungen und Vorgängen entsteht. Wissenschaftlicher Wandel ist keineswegs ein Fortschrittsprozeß, eine Akkumulation von Wahrheit.

Für Veränderungen wissenschaftlicher Ansätze ist das Bild vom Recht des Stärkeren viel angemessener. Veränderung in der Wissenschaft ist nämlich der Verdrängung gleich. Meist trifft nicht einmal das zu, daß eine neue Theorie mehr erklären könnte als die alte, also (ohne Wahrheitskriterium) einfach fruchtbarer sei. Die Gründe für solchen Wandel liegen auf ganz anderen Ebenen.

Widerlegungen im eigentlichen Sinn, so Spaemann in "Die kontroverse Natur der Philosophie", gibt es gar nicht, und die Frage, wann ein Paradigma durch ein anderes abgelöst wird, ist eine Frage, bei deren Entscheidung pragmatische Gesichtspunkte, aber auch persönliche und gesellschaftliche eine Rolle spielen. Daß etwas veraltet ist, besagt danach gar nichts mehr darüber, ob es gut oder schlecht, wahr oder falsch ist. Es ist eher ein Einschüchterungsvokabel.
 

*131010*