Fleck weist auf zahllose Beispiele hin, wo wissenschaftliche Theorien sich auf Partialerscheinungen bezogen, manchmal über Jahrhunderte, das Gros der Erscheinungen aber, quasi ihre "Normalität" - im Nachhin wirkt manches dabei grotesk - gar nicht gesehen wurde!
Von dem, was wir noch gar nicht entdeckt haben dabei, gar nicht zu sprechen - weil es uns zu natürlich ist. Denn: das Auge sieht sich ja nur, wenn und insofern es krank ist!
Das läßt sich an vielen Erkenntnissen der Chemie (Fleck war Mediziner, Chemiker) und der Medizin genauso zeigen, wie an der Psychologie, wo man viele Jahrhunderte Sexualität bei Kinder für "nicht vorhanden" ansah, obwohl sie doch jeder erlebt hat - und erst im 20. Jhd. wurde kindliche Sexualität offiziell "entdeckt"!
Desgleichen hielt man in der klassischen Infektionstheorie Krankheiten für von Erregern verursacht - sah aber nicht, daß dieselben Erreger auch in allen "nicht kranken" Organismen vorkamen. Das ging in allen Bemühungen die Zusammenhänge exakter zu definieren so weit, daß man gar nicht sah, daß der Fall einer "Invasion" mit Erregern sogar der Ausnahmefall des Mechanismus zur Entstehung von Infektionen war! "Die Löfflerschen Bazillen z. B. wären wahrscheinlich gar nicht isoliert worden, wären sie bei Gesunden gefunden worden! Sie würden auch wegen ihrer Beziehungslosigkeit zum Ursachenwahn der Epoche die notwendige Aufmerksamkeit niemals erweckt, niemals die nötige Arbeitsenergie erzwungen haben."
"Nur in dieser und keiner anderen Reihenfolge wickelt sich der Erkenntnisprozeß ab: Fördernde Macht besitzt nur eine klassische Theorie mit ihren plausiblen (also in der Epoche wurzelnden), abgeschlossenen (also beschränkten), propagandafähigen (also stilgemäßen) Ideeenverknüpfungen."
Entdeckung und Irrtum sind, so schreibt Fleck, untrennbar verbunden, und stehen in keinem nachvollziehbaren logischen Zusammenhang.
"Analog den Erscheinungen in der Bewegungsphysiologie verhalten sich jene der Erkenntnisphysiologie: um die Bewegung eines Gliedes auszuführen, muß ein ganzes sogenanntes myostatisches System als Fixationsbasis unbeweglich gemacht werden. Jede Bewegung besteht aus zweierlei aktiven Vorgängen: aus Bewegungen und aus Hemmungen. Dem entspricht in der Erkenntnisphysiologie ein zielstrebendes, gerichtetes Determinieren und ein entgegenkommendes Abstrahieren, die einander ergänzen."
Entdeckung und Irrtum sind, so schreibt Fleck, untrennbar verbunden, und stehen in keinem nachvollziehbaren logischen Zusammenhang.
"Analog den Erscheinungen in der Bewegungsphysiologie verhalten sich jene der Erkenntnisphysiologie: um die Bewegung eines Gliedes auszuführen, muß ein ganzes sogenanntes myostatisches System als Fixationsbasis unbeweglich gemacht werden. Jede Bewegung besteht aus zweierlei aktiven Vorgängen: aus Bewegungen und aus Hemmungen. Dem entspricht in der Erkenntnisphysiologie ein zielstrebendes, gerichtetes Determinieren und ein entgegenkommendes Abstrahieren, die einander ergänzen."
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