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Mittwoch, 20. Juli 2022

Was aber ist es wirklich - das Geld? (2)

Angst, nicht zum Ganzen zu gehören, Angst dem Markt nicht beitreten zu können - das ist also die wahre Ursche der Geldangst die zur Vergötzung des Geldes führt - Leider ist das wahre Wesen des Wuchers und der Zinsnahme nicht wirklich oder zumindst sehr mangelhaft verstanden. Nicht dieser Selbstzweck ist seine Sündhaftigkeit, sondern ein reales moralisches Faktum, wir hben bereits darüber berichtet. Und das ist mit "Schmarotzerdasein" ebenfalls ur ungenügend beschrieben. 

Der Zinsnehmer ist unmenschlich und wider die Natur, weil er eine Logik anwendet (den mathematischen ZIns), wie er in der Lebensrealität des Schuldners nicht vorkommt. Im christentum kam dann dazu, daß es nur zwei Schuldenformen gibt, die gerechtferitigt (und nicht schon Kind der Sünde ist) sind, und deren erste, die Not, würde eigentlich das Geschenk erfordern, die Gabe des Geldbesitzers, um zu helfen 

Die andere, die sinnvolle Investition, in eine Erweiterung des individuellen Handelns aus bestimmten sinnvollen Gründen heraus, verlangte vom Geldleiher wiederum eine Risikobeteiligung, weil das Leben immer riskant ist. 
Das aber berücksichtigt der Zins nicht. Und deshalb ist er unmoralisch und schwer sündhaft, weil er somit IMMER und UNWEIGERLICH in eine Versklavung des Kreditnehmers führt, der mit der Zeit ruiniert wird. Denn die Natur ist NICHT (wesenhaft) mathematisch. Galileo et al. haben sich geirrt.

Dienstag, 19. Juli 2022

Was aber ist es wirklich - das Geld? (1)

Bei Karl-Heinz Brodbeck ist der VdZ endlich fündig(er) geworden. Denn er befaßot sich damit, WAS DENN GELD SEI. An diesem Punkt können wir deshalb schon einen Versuch starten, einige Gedanken zusammenführen. 

Brodbeck sagt dabei, daß Geld eine Denkform ist. Der VdZ glaubt, daß man aber noch einen Schritt tiefer gehen muß - denn Geld IST nicht einfach eine Denkgestalt! Sondern ALS Genkdgestalt gewordne, aber aus einer realen Kategorie.

Die sich (so wie das "Ich") allmählich - und zwar notwendig, über die menschliche Gefallenheit, die nachudn nach das "unschuldige Ganze" der Menschheit aufzulösen begonnen hat - gebildet hat. Das dann als "werten, gelten, gültig sein" den ursprünglich und in sich rein geistigen, zwischenmenschlichen Wert der "Leistung in der Welt" (Bedeutung, Wichtigkeit usw.) als Moment der Persönlichkeit meint. 

Samstag, 7. März 2015

Erkennen braucht Bestimmtheit

Etwas, das nur möglich bleibt, kann gar nicht erkannt werden. Denn im Erkenntnisakt wird die Form des Erkenntnisgegenstandes zur Teilhabe der Erkenntnis als Fähigkeit, die selbst nur eine Möglichkeit ist, an dieser einen Form, die wirklich sein muß. Das macht die nur mögliche Erkenntnis zu einer wirklichen Erkenntnis, zum Wissen.

Illustrieren wir das vereinfachend an einem Beispiel: Was Lehm ist, wird nicht (bzw. nur in einer sehr einfachen, allgemeinen Stufe) durch einen Klumpen erkennbar. Was Lehm aber weiter ist (weil sein kann) wird erkennbar, wenn wir Töpfe und Krüge und Kunstwerke und Ziegel sehen - über die Formbestimmtheit bzw. Idee also, die dazukommt. Plötzlich wird es ein Lehmkrug, eine Lehmfigur und Kunst, ein Lehmziegel. Bzw. ist der Lehm ja zuvor auch schon ein Lehmklumpen, also ein Etwas durch Form. Sonst würden wir Lehm überhaupt nicht erkennen können, er wäre gar nicht wirklich, bestenfalls möglich, hätte er nicht bereits eine Form. Es gibt also nichts für den Menschen Erkennbares und Wirkliches, das nicht eine Formbestimmtheit hat. (Aus einem "Irgendwas" wird auch keine Erkenntnis, das Erkennen bleibt "irgendwie". Damit könnte man nicht einmal einen Liter Milch kaufen, man könnte dem Verkäufer gar nicht sagen, was man wollte, und würde sie auch nicht im Regal finden.)

Diese metaphysische Grundeinsicht hat enorme Konsequenzen bis hinein in die Pädagogik und Psychologie der Identität. Denn es verweist auf den Zusammenhang von Identität und Erkenntnis, also auch des schulischen Lernens und Wissensvermittelns. Etwas, das nur im Möglichen bleibt, kann nicht gewußt werden! Und jemand, der nur im Möglichen bleibt (weil "alles möglich bleiben soll") kann nicht erkennen, kann nicht wissen. Die Erkenntnisfähigkeit im Menschen ist aber etwas, das entwickelt werden muß, durch aufsteigende Bestimmtheit, die dem Kind durch zuerst noch recht umfassende, erst mit der Zunahme seiner Erkenntnis (im sittlichen Reifen) bzw. seines Wissens allmählich zurückweichende Notwendigkeit als Vorgabe noch gegeben werden muß. Das Kind kann sich nicht erkennen, ihm fehlt die materiale Disposition dazu (also schon die rein körperliche Vollkommenheit), und deshalb kann es auch nicht wissen, was für es gut ist.

Die Aufgabe dieses Prinzips gerade in der Schule, die mittlerweile seit Jahrzehnten diesen Irrtum immer durchdringender zelebriert, und heute in der Genderideologie endgültig verbrecherische Dimension annimmt, weil sie schon ganz erste Ansätze zur Erkenntnisfähigkeit vernichtet, zeigt sich nicht zuletzt auch in der Rolle und im Aufkommen der social media, die sich deutlich auf diese Verquickung von Identität und Wissen beziehen und zugleich alles und jeden in Ambivalenz halten.

Damit wird sogar Erkennbarkeit und Geliebtheit (bzw. Liebesfähigkeit) an eine Maschine gekoppelt, das Bediengerät sowie die Maschine der Informationsverarbeitung im Internet bzw. den öffentlichen Medien. Man spricht hier fälschlich vereinfachend und quasi moralisierend (weil bei bestimmtem Verhalten beherrschbar) von "Sucht". Es ist für viele eine existentielle Notwendigkeit geworden, und zwar umso mehr, je mehr es fehlende Bestimmtheit als Zustand aufrechthält, gleichzeitig an vorgegebene Bestimmtheiten (Internet als Kommunikationsmittel fördert fast unausweichlich Fanatismus, Entzweiung durch Meinungsfronten, und verwandelt jede Erkenntnis in eine identitäre Funktion) kettet, weil diese identitär grundbedeutend werden. Weil Erkenntnis (als Tor zum Sein als bzw. in der Vernunft) ja nur über ein außenliegendes Bestimmtes kommen kann.

Gleichzeitig steigt genau durch dieses Hineinstoßen in Unbestimmtheit die Neigung (als Ersatzhandlung für ein an sich unstillbares weil im Sein haltendes Verlangen: zu erkennen), sich Führerpersönlichkeiten - Personen, die Bestimmtheit vorgeben oder tatsächlich haben, auch in der Festlegung auf Falsches, das ist gleichgültig - oder ideologischen Bewegungen völlig (meist freilich in Form verdeckter Umwegshörigkeit, die also von bekannten Formen der Hörigkeit abweicht, aber dasselbe ist - immer "für Gutes", jenes Gute nämlich, das als fast einzige Bestimmtheit der Jugend zum Fraß vorgeworfen wird, an dem sie ihre Freiheit erstickt; es gibt keine "gute" Hörigkeit!) zu unterwerfen.

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Als der VdZ vor einiger Zeit an einer Hochschultagung zu einem der Dokumente des 2. Vatikanischen Konzils, NOSTRA ATETATE, teilnahm, wo auch die Wirkungsgeschichte dieses Dokuments erörtert wurde, wurde exemplarisch ein schwieriges Problem praktisch sämtlicher Konzilsdokumente deutlich: Denn darin wurde fast als Prinzip etwas aufgegeben, das durch die von den meisten kaum wahrgenommene Präambel (gedacht als Rückbindung an die einzige wirkliche Interpretationsautorität, die bisherige und gesamte Lehre und Autorität der Kirche) in der praktischen Wirkung bestenfalls für bereits tief Eingeweihte zu retten war: Das Prinzip der Bestimmtheit, Entschlossenheit in kirchlichen Texten. 

Gerade an Nostra Aetate zeigt sich, wie ein Text, der fast nur noch im Bereich des Möglichen bleibt, weil er in seiner Absicht auf Versöhnung alles Differenzierende bewußt wegläßt, quasi austeste, was noch sagbar wäre, ohne den Boden des Katholischen noch zu verlassen, ohne aber gleichzeitig dieses Katholische mit anzuführen (siehe: Präambel ...), die Türen weit aufreißt, in denen alles (und nichts) mehr herauszulesen ist. Denn natürlich kann man nicht direkt sagen, daß etwas "Falsches" in den Dokumenten steht. Aber dieses Richtige braucht bereits einen Hintergrund der Bestimmungsfähigkeit, der den meisten, zumal den einfachen Gläubigen, einfach fehlt.

Daß sich als direkte Folge dieser Dokumente, die für viele folgerichtig eine regelrecht "neue" Lehre verkündete, sowohl die Liturgie wie auch das Glaubenswissen, noch mehr aber die Identität als Katholik, aufzulösen begann, liegt auf der Hand und ist ja auch passiert. Indem sich die Kirche als "möglich" präsentierte, wurde sie unerkennbar, damit auch nicht weiter liebbar. Zumal sie damit  sogar Grundprinzipien der Vernunft scheinbar aufgab. Es ist auch keineswegs verwunderlich, daß ein Papst wie wir in nun haben, der der erste Papst ist, der bereits nach dem Konzil zum Priester ausgebildet und geweiht wurde, in seinem Reden sich genau dieser Möglichkeitsform bedient. Und damit für allen und jeden schon deshalb konveniert, weil sich alles (und nichts) aus seinen Verkündigungen herauslesen läßt, denen auch keine befestigende Tat - man nennt genau diese Auflösung der Bestimmtheit im Handeln "Pastoral" - zur mehr Bestimmtheit verhülfe. Während die Neigung (s.o.) sich einer Führerfigur (Papst, im besonderen in der Rolle für die "Jugend") in Hörigkeit zu unterwerfen steigt, was als "Notwendigkeit der Zeit" zu bezeichnen natürlich nichts als Zynismus ist.




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Mittwoch, 23. Februar 2011

Überraschende Dimensionen

Vorweg: ich war nie ein VW-Fan. Und es war Zufall, daß mein erster Wagen - noch vor dem Führerschein ein Käfer, mein Fahrschulauto, ein Jahr später, einer der ersten Golf gewesen ist. Aber an der derzeitigen Werbelinie kann man seine Freude haben, weil sich darin regelrecht scholastische Prinzipien exerzieren: in der Suche nach dem Gut. Nun entdeckt man auf diese Art den "Jetta" neu, entdeckt die Vorzüge eines Modells, das bislang eine seltsam ungeliebte Schattenexistez geführt hat. Er wartete, geduldig. Seine Zeit kam als VW anstatt Milliarden in neue Modellreihen zu investieren, diese vorhandene entstaubte.

Wir freuen uns daran, weil uns dies beschwingte Filmchen beschert. In denen uns fast etwas wie eine neu gewonnene Daseinsfreude eines Dings entgegenspringt.


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Dienstag, 5. Oktober 2010

Kopernikanische Wenden

Die wirkliche Revolution löst aber nicht Franz von Assisi aus, er vollzieht nur noch eine Tendenz, der längst Bahn gebrochen ist. In Thomas von Aquin (oder, wenn man will, noch früher: in Albertus Magnus). Denn mit ihnen ist die Welt, wie sie konkret ist, nur als Sein selbst begriffen. D. h. es braucht zu ihrer wahren Darstellung nicht die Auffassung, daß sie nur Symbol ist, wie es sich in der romanischen (und byzantinischen) Kunst noch ausdrückt, die die Dinge so gestaltet, wie sie idealerweise sind.

Die Welt ist als Weg zu Gott ausreichend. Das ist die neue Botschaft des Thomas, der Scholastik. Und das ist die Wahrheit, wie sie in Franz von Assisi wirklicher wird, als bis dahin noch gedacht war, und als sie die Dominikaner - noch weit intellektueller, ja "konservativer" bleibend - noch darstellten.

Und über die von ihm ausgelöste, neu erwachte, oder: noch nie so dagewesene Volksfrömmigkeit, die als Bedürfnis lange schon schwelte, und in den verschiedensten (Ketzer-)Bewegungen nach Luft rang. Plötzlich mußten neue Kirchen gebaut werden, plötzlich war der Wunsch da, die Kirchen selbst auszugestalten, plötzlich wuchs das Bedürfnis, die Heilsgeheimnisse darzustellen, zu sehen, zu erleben, konkret - und damit war der Bedarf da nach einer Kunst, die diesen Mut aufbrachte, die Natur genug sein zu lassen. Die schöne, gereinigte, befreite Natur, ja, aber immer noch: die Natur selbst, in ihren Proportionen und Farben. In den Franziskanern bahnt sich die äußerste Konsequenz der Scholastik ihre Bahn, man muß nur eins und eins zusammenzählen, als gesunder Strom, der das Kranke, Übersteigerte, die Hybris der Ketzerbewegungen überflüssig macht.

Das brachte nun Maler wie Giotto auf den Plan, die bereits Kinder dieser Zeit waren, die diese Strömungen in sich fühlten, aus Gesprächen, aus Lektüren, aus Vorbildern, und sie wurden zu den Ecksteinen, zu den Fundamentsteinen einer neuen Epoche und Kunst, die sich in zwei Strömen unterschiedlicher Ausprägung und leicht variierter Charakteristik ergoß: Gotik, wie sie vor allem nördlich der Alpen aufbrach, und die im Grunde immer italienisch bleibende, römisch, die Antike als ihre genuine Wurzel auffassende Renaissance. Sie finden noch die großen Wandflächen der Romanik für die Fresken vor, und das wird auch zum Teil so bleiben, weil diese Architektur als genuin "römisch", italisch, die Antike als eigene Tradition (nicht wie nördlich der Alpen, wo die eigene Tradition sogar als kontraproduktiv oder bezugsgrößenfrei - was ist damals "deutsch?" - gesehen wird) empfunden wird. Sodaß die Gotik auch viel philosophischer, theologischer bleibt, als es Romanik und Renaissance tun, als sie quasi einander ablösen. (Italien hat keine wirkliche Gotik.)

Und es passiert in einer ersten wirklichen Trennung des Reichs. Das die deutschen Kaiser nicht mehr in einem Atem halten können. Auch durch den Machtkonflikt mit der Kirche, die einen derart starken (römischen) Kaiser fürchtet, und das Reich endgültig in Frankreich und Deutschland aufspaltet. Das Kaisertum erlischt ja auch nicht zufällig kurz darauf (nach Friedrich II. bzw. Konradin).

Aber solche Umbrüche sind in ihrer Dramatik nur dem Rückblickenden erfaßbar. Sie geschehen in der Zeit viel organischer. Und: konkreter, ganz konkret sogar, von Mann zu Mann, von Kirche zu Kirche, von Haus zu Haus, von Bild zu Bild, von Auftrag zu Auftrag.

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Fresco Subiaco - ältestes Portrait des Hl. Franz
Die ersten eigentlichen Portraits der neueren Malerei sind Bildnisse des Mannes von Assisi, auch wenn sie noch lange im Bemühen steckenbleiben, erst in den folgenden zwei Jahrhunderten bildet sich die Fertigkeit dazu wirklich heraus. Man wollte sich aber an ihn erinnern, der nur zwei Jahre nach seinem Tod, in einer noch nie dagewesenen Popularität, heilig gesprochen worden war. Man hat diese Heiligkeit - über eine überwältigende Liebe - bei ihm an ihn selbst, an sein Menschsein geknüpft erlebt. Also hat man das auch von den Künstlern verlangt, denen man den Auftrag gab, Erinnerungsbilder zu malen. Plötzlich also wechselten die Kriterien des Bildnisses: vom Symbol, zum "ja, so war er! das war er! und so ist er's noch mehr!" Gegenwärtig im Erinnern. Gegenwärtig in der Ähnlichkeit.

Je länger Franz tot ist, desto unähnlicher, desto symbolischer werden diese Portraits wieder. Sie betonen mehr als die Portraits, die wohl zum Teil noch in lebendiger Erinnerung gemalt sind, u. a. sein Asketentum, er selbst wird zunehmend zum starren Typus, sofern nicht überhaupt nur noch symbolisiert. (Mit einem interessanten Detail: manche Maler, manche Auftraggeber, in manchen Ländern gar, wie in Spanien und Deutschland, glaubt man nicht an die Stigmatisation des Heiligen Franz, und deshalb finden sich auf seinen Bildnissen dort oft keine Stigmata.)

In Giotto aber, 200 Jahre später, findet sich wieder ein begeisterter, "kongenialer" Verehrer des Heiligen Franz: erfüllt von Liebe zur Natur, zum Natürlichen, zum Schönen in der Natur, und er verändert definitiv die Kunst. Weil sein Portrait so gefragt ist, immer noch, zum Ausdruck - bei einer kaum Ausdruck zulassenden Kutte - aber nur Kopf und Hände bleiben, um seine Innerlichkeit darzustellen, entwickelt sich an ihm die Renaissance-Kunst (während ja die Gotik viel tiefer in den Realismus hinabsteigt, um genau aus ihm, überschwer fast, zum Ideal geronnen, wieder aufzusteigen): in der Darstellung des idealtypischen Seelischen: Kunst als das, was etwas wirklich ist. Das auf der Transzendenz des Gestalthaften aufruht. Franz v. Assisi, der den Zeitgenossen wie der "eigentliche Mensch", der Mensch von Anbeginn und ohne Sünde vorkam, eignete sich hervorragend dazu.

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Wo immer man in diesen Wenden und Umbrüchen Vorbildhaftes sehen kann, kann die Antwort auch für heute nur so aussehen, daß jede Wende, die keine Auslöschung sein will, nur eine sinnliche Konkretion in Richtung "Volksfrömmigkeit" sein kann. Um alle die häretischen Ketzerbewegungen einer vorgetäuschten, weil nur pseudowirklich, in vorgestellten, äquivoken Vorgängen existierenden "Erneuerung" aufzufangen. Und sie kann nur real-liturgisch (also völlig weg von allem, was sich heute vor allem im Jugendbereich abspielt), und sie kann nur über die Kunst stattfinden.

 
*051010*

Mittwoch, 14. Juli 2010

Selbstinduktion Person

Schopenhauer kann nicht begründen, warum der Mensch - der Teil des All-Eins sein soll, von diesem allgemeinen Willen, "sich" in diesem Aspekt (hier Mensch, dort Ziege, dort Stein) zu zeigen, ausgehend, zu diesem zurückkehrend (Schopenhauer weiß um die Nähe unter anderem zum Hinduismus, er zitiert die Upanishaden nicht zufällig an diesen Stellen) - Todesangst überhaupt haben sollte, oder könnte. Gleichermaßen fehlt ihm die "Separation" ZUR Gestalt, zum Individuum, aus Prinzip. Er konstatiert nur - Zeit und Raum IST für ihn das Prinzip der Individuation.

Ihm fehlt der Personsbegriff, der über das Zeitliche hinausgeht. Schopenhauer kennt dieses Für-sich-stehen des Menschen nicht, er wird da seltsamer Aristotelist, wo mit der Existenz alles steht, und vergeht. Ihm zerfällt folgerichtig auch alles in dem Moment, wo der Wille sich (zum Gesamtwillen) zurückzieht - das Individuum geht ins Alleins auf. Demnach wäre der Drang zur Individuation, der dem Menschen zweifellos eigen ist, ja der allem eigen ist, trotz aller "Artheit" als Kennmerkmal, nicht erklärbar beziehungsweise nur aus "psychischem Luxus" erklärt, der Mensch nur Aspekt.

Es geht ihm um die Artheit (die Art über das Individuelle zu stellen, ja selbst nur um der Art willen da zu sein) wie es vor allem bei Tieren zu beobachten ist (denen es nur um die Art zu gehen scheint, nicht um das Individuelle - was im übrigen auch in der Natur nicht stimmt, genau aus der Beobachtung: auch das Tier kämpft ums individuelle Überleben, wenn auch abgestuft, sodaß sich diese "Eigenschaftlichkeit" aufbauend im Menschen vollkommen findet, im Tier graduell, und hinweislich)

Alles Lebende aber ist primär gekennzeichnet durch ein INNEN, das sich in die Welt hinein entfaltet, ja dieses selbständige, sich selbst induzierende Innen ist sein als Lebendes Kennzeichnendstes. Und dieses will für sich sein, will leben, nicht aufgehen.

Also wird Schopenhauer gegen Schluß seines Hauptwerkes, den er der Moral widmet, sogar in seinem Sprachstil seltsam "utopistisch" - und plötzlich "sollte", und "könnte" und "müßte" man - die Todesangst durch Reflexion und Philosophie überwinden; wo sich alles Leiden als "nichtig" relativiert, weil alles ja nur "gleichwertige" Lebenserscheinung ist.

Gleichgültigkeit ist die Folge, wenn es gleichgültig ist, ob ein Individuum existiert, oder nicht - Schopenhauer formuliert es ja richtig. Gleichgültigkeit, nicht aber Überwindung. Sodaß Moral wirklich nur noch zum "zu habenden" Lebensgesetz wird, keinen Sinn mehr in sich, als metaphysische Seinstat, hat. Das Leben wird zum stumpfen Schicksal. Und damit fehlte ihm genau das, was den Menschen aber überhaupt ausmacht: der Wille zur Kultur. Der ein Wille zur Anamorphose (Woltereck) - als Grundgesetz allen Lebens - ist: Entfaltung, Vielfalt als wenn/so einer jeden Augenblick neuen, noch nie so gewesenen Welt als Zueinander individueller (!) Willensimpulse.

Der genau fehlt eben Schopenhauer, der die Freiheit des Menschen bestreitet, und alles Leben als simple Notwendigkeit eines Konzerts zueinander stehender Motive (im Wirken) sieht - während die Biologie sogar jeden Grundimpuls des Lebendigen als Selbstinduktion "freiheitsverdächtig" - als in der höchsten Stufe in menschlicher Freiheit endend - in diesem "Konzert der Zueinander" erkennt.


*140710*

Samstag, 26. Juni 2010

Historischer Ausgleich

Es ist historisch bemerkenswert, wie Zeitalter, in denen die Vernunft, die Ratio große Bedeutung erlangte - nur als Beispiele: das 13. Jahrhundert mit der Scholastik, das späte 17., frühe 18. Jahrhundert mit der Aufklärung - zugleich irrationale Schwärmerbewegungen regelrecht aufkochte.

Die sämtlich auf die Urteilskraft abzielen, die die Vernunft der Verstandeskoppelung entheben und auf rein subjektivistische Gefühle neu abstellen. Die sich aus der (unmeßbaren) "Liebe" und nicht mehr aus der "Wahrheit" ableiten. Die sich aus der Funktion, nicht mehr aus dem Sein ableiten, und damit aus allen Hierarchien ausbrechen, diese beseitigen, neue schaffen. Und damit neue Zeiten mit neuen Regeln schaffen.

So, wie es heute die Erneuerungsbewegungen und die etwas weniger versteckt protestantischen evangelikalen Bewegungen weltweit machen. So wie es die Esoterischen Bewegungen machen, als metaphysiklose (verstandeslose) Metaphysik.

Zur Epoche von 1685-1715, einer Zeit in der sich Europas Geistesleben völlig umdrehte, schreibt Paul Hazard, indem er Pierre Abraham zitiert, und es ist mit diesem Zitat, als beschreibe er, was auch bei uns in den 1950er/60ern passiert ist:

"Als nach langwieriger und entsagungsvoller Arbeit das 18. Jahrhundert die Gestalt des Gottes mit weißem Bart, der jeden Sterblichen mit seinem Blick bewacht und mit seiner Rechten beschirmt, auslöschte - oder auszulöschen glaubte, was auf eins hinauskommt - hat es nicht gleichzeitig auch das religiöse Problem beseitigt. Denn das mystische Sehnen und das Sinnbild, das man diesem Sehnen zu seiner Befriedigung bietet, sind zweierlei. Nachdem das Sinnbild verschwunden ist, bleibt das Sehnen bestehen."

Und dafür, so Hazard, sucht er sich eben dann neue Ausdrucksformen. Denn das Erste ist das Sehnen.

Wenn der Verstand das Herz bedrängt, ihm widerspricht, wird er an sich außer Kraft gesetzt, holt sich das Herz gegen jede noch so übermächtige Außenwelt der Autoritäten seine Hoheit wieder zurück, zerstört das Herz die Außenwelt genau so weit, wie sie ihm entgegensteht.

Zerfällt die Autorität, zerfällt die Gliederung einer Gesellschaft, wie im Demokratismus des 20. Jahrhunderts geschehen, wird der einzelne sohin in all seinen Lebensfragen auf seinen Verstand zurückgeworfen. Weil aber die Fragestellungen des Lebens seinen Verstand bei weitem (!) übersteigen, was angesichts der explodierenden Rolle der (logikbasierten) Technik unausweichlich ist, so treibt diese Entmachtung der Vernunft immer groteskere Umstände, in dem Maß, als der oberste Wert nämlich nominell "Verstand" heißt ...

Der Irrationalismus heute ist unfaßbar groß, und unfaßbar verborgen.



*260610*

Montag, 14. Juni 2010

Das Maß der Freiheit

Silva-Tarouca faßt das Wesen des Dialektischen so zusammen:

Die Welt ist ihrem Wesen nach ein Zueinander aller Dinge. Was immer dem Subjekt begegnet, erregt dessen Reaktion. Alles Werden ist sohin - auch! - ein Werden in eine konkrete Lage, Zeit, Situation hinein. (Aber nicht nur das: Es ist auch ein Schaffen neuer Lage, neuer Situation, neuer Zeit.) In jedem Augenblick drängt sich somit ein Teilhaftes als Ganzes in den Horizont - der Augenblick will das Ewige ersetzen. Das würde aber bedeuten, daß Vollkommenheit und Ewigkeit im Augenblick bereits enthalten sein müßte, würde eine bereits vollkommene Welt verlangen. Aber die gibt es schon aus dem Wesen unseres Erkennens nicht, weil der Mensch nur ganz er selbst ist, wenn er geistvoll handelt - und dazu muß er erinnern, "nachdenken", und das heißt: aus dem Augenblick heraustreten. Unser Denken ist immer nämlich Denken in der Zeit.

Das Anschauungsweise, schreibt deshalb Schopenhauer einmal, ist nicht mehr als die Rückprüfung des Gedachten, sein bildhafter Ausgangs- und (erinnernd) Rückfragepunkt außerhalb der Zeit. Es ergibt keine praktische Vernunft. Es braucht dazu das Urteil.

Das Wesen der Erkenntnis ist insofern also dialektisch, als es die Verpflichtung des erkennenden Individuums bedeutet, aus dem bloßen Agieren und Reagieren der Dinge heraus das sie EINENDE Allgemeine, das über allem Stehende, das beide Teile Beinhaltende, zu suchen und zu ergreifen. Was letzteres eine Frage des Willens zur Tugend ist, wo nicht bereits Tugend selbst, die wiederum Wille zum Geist bedeutet.

Denn so wird der Einzelne zum Besitzer der allgemeinen Wahrheit, so wandert der Weltgeist in das Individuum hinein, im Maß seiner damit entstehenden Geistigkeit, die zugleich seine Freiheit ist.

Nun heißt natürlich diese Dialektik nicht ein simples "Die Wahrheit liegt in der Mitte", schon gar nicht bedeutet sie primitiven Synkretismus - ein einfaches "alles zusammenbrauen", ein "alles ist wahr". Denn hier muß noch dazugedacht werden, daß alles nur im Maß seiner Freiheit überhaupt IST, und insofern nur Sein HAT. Da nur Sein begegnen kann, gibt es zwar nichts, das nicht auf irgendeine Weise Sein hat, sonst gäbe es es nicht, aber es ist aus allem Faktischen dieses wirklich Seiende zu destillieren ... durch Verprüfung mit der Wahrheit.

Konkret an einem Beispiel: Wenn das Gegenüber lügt, ist die Begegnung des wirklichen Seins eine andere, als die des Scheins.



*140610*

Samstag, 12. September 2009

Dramaturgie und Weltsicht

An der Entwicklung der Dramaturgie im Theater (und natürlich dann: Film) kann man gut beobachten, wie sich Veränderungen der Weltsicht, aber auch nur des kulturellen Klimas, auf die Dramaturgien und Formen der Stücke auswirkt.

Die philosophische Entwicklung der Scholastik bzw. des Mittelalters, in der die Welt und ihre Logik als Weg Gottes zur Selbstdarstellung wie als Weg des Menschen erfaßt wird, macht für eine Haupthandlung die Entwicklung einer Nebenhandlung notwendig. Denn anders als im naiven Heidentum, auch der Antike, muß das die Haupthandlung zur Kulmination Treibende, das die Peripetie (Wende) auslösende, mehr sein als ein "Deus ex machina", der direkt in die Welt eingreifende Gott (Götter). Es muß durchgestaltet motiviert und entwickelt sein.

Je mehr die Welt als zueinander sich verhaltendes, unendlich feines und ineinandergreifendes Mosaik begriffen wird, desto mehr entwickelt sich die Dramaturgie umfassender und komplexer. 

In diese Entwicklung hinein auch kann sich dann übrigens auch der Roman aufbauen, der mehr und mehr zur Darstellungsform einer umfassenden Welt wird, die von einem alles überschauenden Standpunkt aus geordnet wird. Und so dem bloßen Epos, dem linear eindimensionalen Geschehen, entwächst und zu einer eigenen, wahrscheinlich nun umfassenderen Kunstform wird.



*120909*