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Donnerstag, 22. September 2022

Über den Gewaltsinn der Rhetorik (1)

Eine Sache, die mir schon lange unter den Nägeln brennt, ist die sachgerechte Darstellung dessen, was Rhetorik überhaupt ist. Denn auch diesen Begriff umschwebt ein Nebel, unter dem der wahre Gehalt dessen, was Rhetorik ist und was erst verstehen läßt, warum in der Antike die Rheotik überhaupt als umfassender Raum der Bildung verstanden wurde, fast verschwunden ist. Dadurch konnten sich Mißbraäcueh, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben, wie Wesensmerkmals selbst an diesem Begriff festsetzen, die aber den Blick soigar auf das verhindert, was wirkliche Bildung überhaupt ist.

Wo immer heute von Rhetorik gesprochen wird, tun sich die Redner schwer, ihn von Propaganda, Überredung (die sie von "Überzeugung" ununterscheidbar machen) und illegitimen Machtaspekten zu scheiden. Das hat seinen Grund in zwei Bereichen. Deren einer ist die allmähliche Degradation unserer Kultur seit dem Hochmittelalte,r die man ohne jeden Abstrich als sittlichen VErfall sehen kann. Der dann durch religiöse Begriffe genau als solcher, nur aufeine andree Ebene transponiert, verstanden werden kann. 

Diesem sittlichen Verfall, der ein Abweichen von der Natur ist, steht eine wachsende Angst vor dem Sein gegenüber, ausdem isch alle Natur generiert, und von dem abzuweichen den Verfall und Tod alles Seienden bedeutet. Denn alles Seiende IST nur (ich verwende dazu häufig den das Aktive daran ausdrückenden Begriff des "isset", wie es etwa im Hebräischen besser erkenbar geblieben ist) wenn es am Sein teilhat, das heißt: Ein "persönliches", also von ihm selbst getrgenes ODER (wie bei vernunftlosem Lebenden) das es selbst einbindende Verhältnis zum Sein bestimmt das Maß des Seiend-seins, als Akt des Existierens.

Diese Angst vor dem Sein, dem man nicht genügt (oder dem nicht zu genügen man Angst hat) bewirkt nun genau die Verbildungen der Rhetorik, die wir seit vielen Jahrhunderten auch tatsächlich mehr udn mehrerleben. So viel sogar, daß wir es seit der Erfindung der Demokratie als angebliche Ordnung der Gesellschaft (die sie nie ist; die Demokratie ist keine Ordnung, sie setzt diese voraus) ist deshalb identisch mit der Angst vor der Wahrheit. 

Und sie hat sich im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte mehr und mehr zu einer Unterlegung des Seins - das also alle, das absolute Macht hat, weil von ihm das Seiende (also die Welt) existentiell abhängt - selbst mit dem Aspekt des Unrechts verbunden. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber doch recht klar und einfach um den Aspekt der Todesangst zu ordnen. Denn das vom Sein abweichende fürchtet den Ausdruck des URteils, das heißt: Das Sichtbarwerden des Urteils. Wirklichkeitsflucht, Realitätsferne ist die Folge, udn sie kann wie bei uns eine gesamte Kultur in einem einzigen Atem der Seinsablehnung sammeln. Im Abendland ist diese Todesangst, die aus dem Wissen um die eigene Verfehlung des Seins kommt, schließlich in einer Philosophie kulminiert, also daran ab- nd nachlesbar, ich sprcche von Michel Foucault. Der jede Macht zur beabsichtigten Gewalt erklärt, und damit sein eigentliches Ziel erreichen will: Dem Sein seine Legitimität an ich abzusprechen, um sich vor ihm verbergen zu können. Foucault, der homosexuell (und katholisch erzogen) war,  hat seine Anhänglichkeit an das Laster nicht anders "rechtfertigen" können (bis er ihm auch tödlich erlegen ist.) 

Aber er ist exemplarisch für ein Geschehen, das chthonisch längst höchst wirksam war, udn nur noch auf siene erlösende Theorie wartete - auf jene "Rhetorik", die dem noch (aber shcon sehr schwach) präsenten Geist in der Kultur gegenüber ausreichend schien, um sich unwidersprochen "halten"zu können, also "wahr" zu sein. (Denn der Irrtum verscuht genau das: Eine unwidersprochene Allgemeinheit zu schaffen, sodaß ihm deren Zwangscharakter - Wahrheit ist unhintergehbar - zur Legitimation für die eigene Haltung wird. 

Diese Angst vor dem Sein ist damit zugleich eine Angst vor de rRhetorik. Und wir werden gleich sehen, warum. Denn die Rhetorik ist keineswegs die "Kusnt der Überzeugung." Dsa wußte auch die Antike, die deshalb noch in Heuristik und Sophismus unterchied. Dioese späten (Fehl-)Formen (oder: Schmuddelkinder) der Rhetorik, die ganz exakt wie oben geschildert zu einem Zeitpunkt aufgetreten sind, in dem der sittliche Verfall (der immer mit dem Kulturverfall identisch ist) bereits weit vorangeschritten war. Sioe sind also bereits mißbräuchliche, unsittliche Verwendung der Rhetorik, wie sie eigentlich ist. Und das ist in einer Kultur immer so, daß ihre Grundhaltung die Mittel, die sie hat (also vor allem die Tradition) genau dieser unsittlichen Haltung entsprechend prägt. In unsittliche Zeiten wird selbs die größte wahre Aussage somit zum Instrument des Unsittlichen. Nur der Sittlich ist somit auch ind er Lage, die Wahrheit selbs tnoch zu erkennen.

Die Rhetorik selbst aber ist die genuine menschliche Leistung, den inneren, schweigenden Kern des Wirklichen als des lebenden, wirkenden, aktiven Seins in eine Form in die Welt zu heben, in der sie dem anderen gestalthaft gegeben ist und damit erkennbar werden kann. Weil dieses Erkennen zugleich ein Gefortmwerden vom Erkannten ist, hat das Sein immer auch eine "gewaltsame" Form. Es verändert weil es ihm gemäß formt, in Wahrheiit sogar mehr noch: Es SCHAFFT. Das Sein schafft. Und dieses Sein ist deshlb auch die höchste Instanz, Gott.

Wenn nun der Mensch das Sein in die Welt hebt, sinnlich faßbar umschreiben kann, sodaß es "in der immer unsichtbaren Mitte des Geistigen" erkennbar wird, dann wird derselbe Mensch zum Mächtigen. Somit ist auch der Sittliche der, der zur Mächtigkeit über die Welt (groß, klein, mehr, weniger, je nach Ort, an dem er durch Beziehngen steht, weil alles Darstellen immer eine Sprache AN JEMANDEN ist) berufen und noch mehr, prinzpiell befähigt ist. KOnkret befähigt wird er aber erst, wenn er auch das Sein wirklich in allen Aspekten so gereinigt und herausgearbeitet hat, daß es mit voller Schaffensfähigkeit geborgen und geschaffen udn dargestellt werden kann. 

In diesem Fall - in der Form der Sprache, das heißt mit dem Material der Sprache, Aus der letztlich ja sogar alles Seiende ("Im Anfang war das Wort ...") konstitueirt ist: Allem Seienden liegt logos zugrunde, das heißt, eine Ordnung und Grammatik, die es zu erkennen gilt. (Das nennt man dann Logik, die der Grammatik des Wirklichen folgt.) 

Somit bedeutet Rhetorik (und in ihr Grammatik) zuerst einmal das Erkennen der Welt - und somit also das, was wir heute mit "Bildung" bezeichnen, ohne heute aber noch die Zusammenhänge mit Sittlichkeit und Identität (Selbstein; zu den Implikationen s. o.) zu begreifen. Also enthält die Rhetorik tatsächlich eien "Schule der Welt", ein Durchstreifen der Welt um sie zu erkennen, und die Dinge für sich sehen zu können. Diese Erkenntnisleistung slebst IST aber bereits das, was wir Rhetorik nennen!

Sie ist die Prüfung des Sprachlichen auf Wahrheit, um so zu eine rgereinigten Sprache zu kommen. Das bezieht sich nicht nur auf die bloßen "Worte" (die genaugenommen ebenfalls schon Gestalten, mindestens Symbole, im Sakrament aber sogar Schaffensworte sind) sondern auf die Sprche selber. Die immer eine Form der Erzählung ist. In der Rhetorik wird nun in der Erzählung die Sprache der Welt selbst verwendet. Ihre Formen sind praktische Alltagserfahrungen, geschichtliche Prozesse, die allesamt in ihrer Bewegugn ja dem "Überbleiben des Zieles" dienen - der Reingestalt des Seins, des Wahren, in der Gestalt des Guten und Schönen. 

DAS macht die (eigentliche, antike) Rhetorik auch schön, zu einer Tochter der Muse, und zu einer Tochter der wie aber auch einer Erziehung zur Sittlichkeit. Denn in der Sprachform selbst läßt sich aus ihrer Eigengestalt heraus ein Instrument der Prüfung der Wahrheit erkennen. Die Wahrheit einer Aussage muß bekanntlich auch "logisch" sein, wenn auch diese Logik nicht immer gliech erkennbar ist. Die Rhetorik aber zeigt, wie sie erkennbar wrid, durch ihre Topoi (Festgestalten der Realität), und er gute Rhetor ist auch der gute Lehrer! Weil er die Zuhörenden auf den Pfad au sdem faktischen Gemengelage, wie es menschliche Angelegenheiten IMMER sind, als Gemengelage aus Lüge, Wahrheit, Irrtum, verstellter Sicht usw. usf. 

Daraus hilft der Rhetor zu befreien. Sodaß seine erste Aufgabe zugleich mit der religiösen Bildung (weil dem Sein vor Gott, dem Sein) auch die nach Gerechtigkeit ist, die es erst gibt, wenn die Dinge auf ihre Seinsgrammatik hin geprüftsind. Weil sich darin auch der Wille der Götter (Anführugnszeichen) erkennen läßt: Aus dem Sein und dami tdem Verhalten der Dinge. (Daraus stammt die Wahrsagerei, die in der Antike und weltweit mangels göttlicher Offenbarung eine so große Rolle spielte.)

Morgen Teil 2) Die höchste Kunst. Die Inkarnation der Wahrheit selbst. Die Antwort der Freiheit.


Erstellung 16 September 2022 - Ein Beitrag zur