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Freitag, 25. Januar 2019

Der Freitag-Abend-Film

Auf diese Filmproduktion wurde der VdZ erst jüngst aufmerksam gemacht. Und er war überrascht über die Aktualität von "Durchbruch Lok 234" aus dem Jahre 1963. Der die schwierige Situation eines Familienvaters zeigt, der in einem System lebt und seine Kinder aufzuziehen versucht, die seinen Überzeugungen widerspricht. 

Es zeigt sich darin, daß man nur mit "Maßnahmen im eigenen Haus" nicht durchkommt. Besonders Kinder stehen - nicht per se, sondern durch das, was wir als "Errungenschaft" preisen, die Schulpflicht, der Kindergarten* - in einem Abhängigkeits- und Bildungsverhältnis zur Umwelt, und damit zu den öffentlichen ideologischen Systemen. Die - wie heute - in einem fundamentalen Konfliktverhältnis zu den Eltern stehen und keine Alternative lassen. Bleibt angesichts der Verantwortung überhaupt noch eine andere Möglichkeit als zu fliehen? Die innere Emigration bleibt in so einer Lage höchstens dem, der alleine steht.

Ein sehr spannender Film, der sich auf ein wahres Ereignis bezieht. Doch ist es gleichgültig, ob man den Ausgang kennt. Denn Spannendheit zeigt immer etwas an: Das Maß an Identifikation läßt sich im Bangen ums Gelingen einer Sache erkennen. Diese Identifikation ist immer die Ineinssetzung mit einem Archetyp, der auch im Betrachter selbst besteht. Die sich zwar nur an einem Konkreten zeigen weil wirklichen kann, wobei aber dennoch die konkrete Handlung, die Detailgestalten selbst, nur sekundäre Bedeutung hat.

Aber sie hat immerhin hinweisende, auf die konkrete Geschichtlichkeit bezogene Kraft. Im günstigsten Fall fallen also beide Dinge in eins, und der Archetyp trägt auch die wieder erkennbaren Kleider. Und da entfaltet jedes Drama (als Sonatenform - die zweite Form der Kunst neben der Fuge - in der Musik nicht weniger als in der Literatur, im Theater, oder eben im Film) seine entscheidende Wirkung. Wenn es gelingt, dieses (an sich a- oder prä-morphe) Archetypische, an dem man in der Darbietung teilgenommen hat, mit anderen Konkretionen zu füllen. Plötzlich kann sich dann das konkrete eigene ge- und erlebte Leben auf seine wirkliche Wirklichkeit hin erhellen.

Diese Leistung kann ein ideologisch konstruiertes, damit in seiner Tendenz immer totalitäres Werk (ideologische Werke haben immer die Starrheit eines künstlichen Konstrukts, denn ihnen ist die Freiheit, die Offenheit des konkreten geschichtlichen Ausgangs die drängendste Gefahr, weshalb ideologische Werke nie wirklich spannend sind, weil die Ideologie das Archetypische ersetzen will) freilich nicht erbringen. Es bleibt im Konkreten hängen, und meint, im Konkreten auch die kathartische (im "Feuer" reinigende) Wirkung festmachen zu können. Als würde sich das Archetypische immer in derselben Gestalt zeigen.

Man kann den ganzen dramaturgischen Konflikt, der sich im ersten Akt (Teil) aufbauen muß (Exposition), als Konflikt des Archetypischen als eigentlichem Wirklichkeitskreis mit dem Konkreten und dessen vordergründige Gesetzlichkeiten bezeichnen, das irrtümlich für das Wirkliche gehalten wird.

An der Fähigkeit zur Abstraktion läßt sich aber nicht nur die Reife eines Künstlers, sondern auch die des Publikums erkennen.** Eine Kunst, die einer Ideologie zuarbeiten möchte, ist deshalb immer unbrauchbar - und keine Kunst. Und ein Publikum, das ideologische Werke sucht, sucht nur die immer fragile Bestätigung der künstlichen Identität. Die entscheidende Tätigkeit des Künstlers ist somit der des Publikums ähnlich: Sich aus jenem Konkreten (als Lebensträger, nicht als Material des Lebens verstanden) zu lösen, in das er ab ovo eingeflochten ist. Erst dann kann er das Gute, Schöne, Wahre in die Welt stellen, auf daß es in der Existenzberührung mit dem Publikum, den Menschen, der anschließenden Welt, diese in Kommunikation und Kommunion hebe.







*Wie in diesen Tagen bekannt wurde, hat die deutsche Bundesregierung eine Broschüre herausgegeben, die Erzieher in Kindertagesstätten (Kindergärten) anleiten soll, wie mit Eltern zu verfahren ist, die "rechts" stehen. Was am Verhalten der Kinder erkennbar ist. Kita-Mitarbeiter sind angehalten, ein "klärendes" Gespräch mit den Eltern zu suchen, und sie auf die Notwendigkeiten einer "Erziehung zu Vielfalt", "Antirassismus" etc. hinzuweisen. Das ideologische System rückt immer näher, wird immer totalitärer.

Fast zeitgleich gehen in Österreich die Wogen hoch, weil die eher konservative, traditionsorientierte Aufklärungsvereinigung "Teen Star" - die Haltung des VdZ ist freilich bekannt, er hält öffentliche "Sexualaufklärung" in keinem Fall für vertretbar,  aber hier geht es um etwas anderes, um etwas Exemplarisches - von der linken Reichshälfte (und das ist mittlerweile quasi das Gros der "Bildungsbeflissenen") als "homophob" (u. a. wird Homosexualität - richtig - als Identitätsstörung dargestellt; offensichtlich in Österreich bereits ein Rechtsverstoß) und "nicht vielfältig" (weil gegen den Genderismus eintretend), somit als von Schulen unter Verweis auf bereits bestehende Gesetze (sic!) auszuschließen gefordert wurde. Wie sich allerdings mittlerweile herausstellt, geht das gar nicht so einfach per Ministeriumserlaß. Denn diese Maßnahmen sind von den Schulen in Eigenverantwortung vorzunehmen. Tja, die (viel zu halbherzige, im Grunde bloß scheinhafte) Schulautonomie hat vielleicht doch einige kleine Fächelchen geschaffen, in denen sie sich gegen die Indoktrinierung der Kinder wenigstens etwas wehren können. 

**Man erkennt so manche Stupidität der Gegenwart daran, daß gerade die "Gut-Beflissenen" (=Selbst-sich-für-gut-Haltenden) meinen, daß sich das Böse, das Übel an immer denselben Zeichen, Gestalten und Worten erkennen und festmachen lasse. Was in der Regel nicht mehr ist als das "von sich weg-"sprechen eines Archetyps ist, von dem man sich in Wahrheit gar nie lösen konnte. Deshalb sind die Gutmenschen in aller Regel selbst jene Totalitaristen, als die sie andere bezeichnen weil "an Zeichen erkennen" wollen.




*021218*