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Mittwoch, 3. Oktober 2018

Scheintheater, Scheintheater, Scheintheater ...

Es ist nicht so schwer zu begreifen, was sich in Irland anläßlich der Jubelkundgebungen zur "siegreich" ausgegangenen Abstimmung über die Abtreibung abspielte. Man muß nur ansehen, was sich in der SPD bereits abspielte, und was sich derzeit in der österreichischen SPÖ abspielt. Wo in einer Art "Überfallsartigem Handstreich" das Parteiprogramm auf Identitätsfragen (Homosexuelle, Ökologie etc. etc.) umgeändert wurde. Was in einer verzögerten Reaktion nun zu einem Aufbegehren des (echten) linken Flügels führte, bei dem man gespannt sein darf, wer sich durchsetzt. Denn mit diesem neuen Programm wird sich die SPÖ selbst aus dem Weg räumen.

Und genau darum geht es überall in diesen Fragen. Die einzige Opposition - nachdem die Kirche als zweitausend Jahre alte Vertreterin der Würde des Menschen weltweit ausgeschaltet wurde und sich mittlerweile selbst ausschaltet (weil den Begriff von Menschenwürde völlig vergessen hat, was das jüngste Junktim zur Todesstrafe beweist) - war noch die Linke, die wirkliche Linke. Die gegen die Oligarchie, gegen den Kapitalismus auftrat. Und insofern mit weiten Teilen der katholischen Soziallehre bestens bedient war und wäre, würde die Kirche selbst noch wissen, was sie selbst verkündet. Das Ansehen der Kirche baute ursprünglich darauf auf, daß sie die kleinen Leute vertrat, und daß Priester diese kleinen Leute mit ihrem Blut vertraten. Gegen alle Machträusche.

Zurück zur Linken. Zurück also zu dem, was sich im Westen (oder gar weltweit) mit der Linken abspielte. Wo es der Oligarchie gelang, die Unzufriedenheit in Fragen der Sexualmoral umzuleiten. Sodaß die Freude in Irland eine ERSATZFREUDE war, ein reines Scheintheater, das eine "Freiheit" erkämpfte, die gar keine Freiheit ist, sondern das eigene Gefängnis: Die Gefangenheit in sexuelle, körperliche Begierden. Das Ende der Vernunft. So wurde der Weg freigeräumt. Denn niemand beschwert sich nun noch in Irland (und anderswo) gegen die Herrschaft der Banken und des Geldes. Irland ist in Schulden VERSUNKEN, regelrecht VERSUNKEN. Durch eine Entscheidung der Politik, die die Bankobliegenheiten in Volksobliegenheiten umwandelte. Und damit das gesamte Volk unter ein äußerst hartes Joch der Schuldknechtschaft zwingt. 

Kern steht für eben diese Ablenkung von den eigentlichen Problemen. Kern steht für eine Auflösung der SPÖ in eine Identitätspartei, die sich in Minderheitenprogrammen selbst eliminiert. Denn der Großteil der Klientel der SPÖ in Österreich (analog zu Deutschland) ist außerordentlich handfest und hausverständig, ja (bis auf manche Schlagseite) vernünftig. Vernünftig genug, um nicht in Schwanz- und Muschiproblemen die Welt zu sehen. Die wurden von ihnen immer noch mit dem Feitel in der Tasche vor dem Tanzlokal in Simmering ausgetragen, und niemanden ging das etwas an. Und schon gar nicht wollen diese Männer und Frauen, die aneinander wurden, was sie sind: Eine Identität! Ihre Identität plötzlich aufgeben und "unbestimmbar-huschti-lustig-bunt" werden.

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Der VdZ war das letzte Mal vor drei Jahren in Irland. Und er hat überall und allerorten dasselbe gehört: Eine tiefe Klage über den Niedergang des Wohlstands vor allem der kleinen Leute, mit dem (im gesamten Westen bekannten) Grundton des Niedergangs des Mittelstands. Die einzigen, die gewonnen haben, sind die Globalkonzerne. Und die Banken. Das einfache Volk war tief depressiv. 

Dafür hat diese Abstimmung nun ein elegantes Ventil geboten. Endlich ein Sieg gegen "das Establishment", also gegen das, was durch die von den Oligarchen beherrschten Medien als "Bedrückung" verkauft wurde - das moralisch-sittliche Gesetz.  

Auf andere Weise, aber in derselben Spur liegt die Weltrettungsphantasie der Klimawahnsinnigen. Sie ist Ablenkung von den wirklichen Fragestellungen, und um nicht einen Jota mehr. Die Leute glauben, die Welt zu retten, ja retten zu müssen, während man ihnen den Stuhl unterm Hintern wegreißt.

Dasselbe wie in Irland passiert derzeit (und schon seit langem) in Österreich, oder soll dort final passieren. Wenn sich der originär-linke, also anti-kapitalistische Flügel der SPÖ nicht durchsetzt. Der ohne jede Übertreibung wie in Deutschland die Volksmeinung vertritt, also die Meinung der eigentlichen SPÖ-Klientel und -Wähler. Und nicht den psychischen Problemen einer unfähigen Minderheit folgt. Unter der Ägide und unter einem aalglatt-verblödeten Kurzzeitkanzler Kern diese Partei in eine "links-grün-ökologische" Identitätspartei umgebaut werden konnte. Wie es Clinton in den USA erfolglos versucht hatte. Das Scheitern ist vorprogrammiert. Aber als Symptom ist es äußerst lehrreich.

In Deutschland hat sich Sarah Wagenknecht durch eine (im übrigen: seltsamen, ja fragwürdigen) "Bewegung" von dieser Tendenz der Linken abzusetzen versucht. Ähnliches ist wohl auch für Österreich zu erwarten. Als Leitfigur scheint der ehemalige (und nicht unverdiente) Verteidigungsminister Doskozil geeignet weil vernunfthart genug zu sein. Man wird sehen, ob sie das System der Scheintheater wirklich durchbrechen können.





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