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Donnerstag, 25. Oktober 2018

Rückschlag hier, Sieg dort für den Liberalismus (4)

Teil 4) Wemhoff stellt unser Bild von Trump auf den Kopf




Dabei wird auch Trumps Außenpolitik, die sich derzeit in "Handelskriegen" auszutoben scheint, aus denen heraus man ihm unterstellt, er würde der globalen Wirtschaft entgegenstehen, seltsam falsch, ja verkehrt herum eingeschätzt. Denn was Trump hier macht, muß ihn sogar als einen Präsidenten einschätzen lassen, der so wie kein anderer vor ihm FÜR internationalen Freihandel eintritt - indem er nämlich verlangt, daß alle Handelspartner des Globus die gleichen Bedingungen haben müssen. Trump verlangt von den anderen Staaten deshalb mit Nachdruck, jedwede Einfuhrbeschränkungen für amerikanische Güter aufzugeben und die Handelsbedingungen anzugleichen.

Die Folgen davon sieht Wemhoff sehr realistisch. Sie sind beträchtlich und werfen ein völlig anderes Bild auf Trump, als hier herrscht. Denn Europas Gesellschaft - von der amerikanischen schon durch die regionalen Bedingungen sehr verschiedenen - braucht Zölle auf amerikanische Güter, um sich halten zu können. Ein Auflösen dieser Schranken würde die europäischen Völker ins Mark treffen, weil hier alles umbauen. Hier würden endgültig sämtliche traditionelle soziale Strukturen durch wirtschaftlichen Druck angegriffen. Trump bedient sich also scheinbar des amerikanischen Nationalismus, um andere Nationen aufzulösen und den Einfluß der USA durch seine Wirtschaft zu vergrößern!

Das Ziel wird somit klar erkennbar: Amerika wird tatsächlich im Einfluß auf die Lebensweise der Welt wachsen. Nur braucht Trump dazu keine Flugzeugträger. Er hat andere Zwangsmittel. Trump nützt einfach die wahre Stärke eines Landes - die Wirtschaft vor dem Hintergrund des Liberalismus. Damit trägt die USA den universalistischen Individualismus als das, was das wahre Gründungs- und Lebensprinzip der USA ist, stärker und zwangvoller weiter, als es je der Fall war. Amerika braucht seine Industrie, um seine sozialen Probleme und Spannungen zu bewältigen, und Industrie bedeutet unentwegte Güterproduktion. Und diese wiederum braucht Absatzmärkte, braucht unbegrenzte Zugänge zu ausländischen Märkten. Und das braucht ein Niederreißen der nationalen Eigenheiten und der Schranken, die diese bewahren sollen. Trumps Außenpolitik zielt genau darauf ab. Er setzt also die US-Außenpolitik des 20. Jhds. fort, aber mit anderen Mitteln. Und bleibt damit in der direkten Entwicklungslinie der USA, wie sie von Anbeginn an vorgezeichnet und angelegt war.

Ein viel weiteres Blickfeld tut sich nun auf

Gleichzeitig wird nun aber auch klar, daß eine Seite der Globalisierung der letzten Jahrzehnte für viele Länder - allen voran China! - ein reales Mittel der Kriegführung und des Dominanzgewinns, ja sogar der machtvollen Änderung sozialer Gefüge war. Denn die billigen Produkte Chinas haben weltweit traditionelle Gesellschaften ausgehoben und Strukturen zertrümmert. Damit sind soziale Probleme (Arbeitslosigkeit) entstanden, wurden in Europa speziell nicht nur Arbeitsplätze vernichtet, sondern Gesellschaften und Lebensweisen verändert. Vor allem aber wurden durch das chinesische Dumping (also durch das gezielte Unterbieten von Marktpreisen) die Nationen geschwächt und neue Abhängigkeiten geschaffen. Denn alle Volkswirtschaften haben auf der Grundlage der nun in die Systeme eingebauten niedrigen Preise Chinas ihre Strukturen geändert. Viele sind damit auch völlig überfordert.

Die Planmäßigkeit des Vorgehens Chinas zeigt sich auch in einem Ereignis, das man unterschätzen könnte, und das auf die Unterwerfung der Religion durch den Staat hinauslauft - eine Parallele also zur Situation in Europa, wie sie sich im Investiturstreit des 11. Jhds. ausdrückte. China hat im Jänner 2018 im Gegenzug zu einem "Friedensschluß" mit dem Vatikan den Anspruch angemeldet, die Bischöfe zu ernennen. Dasselbe hat seinerzeit der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs für sich reklamiert. Was Papst Franziskus da also macht, widerspricht komplett der traditionellen Sichtweise und Politik der Kirche. Gleichzeitig hat es in den USA eine Menge Menschen auf die Barrikaden gebracht. Denn das wird den chinesischen Nationalismus massiv stärken, und der heißt nach wie vor: Kommunismus!

Damit verliert die Kirche ihre "fünfte Kolonne", also das was sie in jeder Gesellschaft ist und sein muß: Sie darf niemals mit den irdischen Machthabern in eins fallen, sondern muß sich immer als Korrektiv für die Politik bewahren. Sie gibt auf, was sie auch - und trotz allem - in den USA gewesen ist, wo sie immer (zumindest ihrer inneren Verfaßtheit nach) gegen die amerikanische Ideologie und gegen den Liberalismus stand.

Und hier schließt sich endlich die Argumentationslinie Wemhoffs. Geht zusammen mit den zu Anfang ausgeführten Beobachtungen, in denen sich zwischen Liberalismus-Kapitalismus und Kommunismus in ihrer Haltung der Religion gegenüber dieselben Grundzüge zeigen. Was der Vatikan nun macht, ist exakt dasselbe, was die Kirche in den USA vor mittlerweile sechzig, siebzig Jahren in den USA so verheerend falsch gemacht hat. Wo sie sich unter den Staat stellte, und im Namen des Katholizismus die amerikanische Ideologie, den amerikanischen Liberalismus in die Welt trug. Das hat sie in den Staaten jede Substanz und Glaubwürdigkeit verlieren lassen, denn sie hat aufgehört, dem Staat kritisch-kontrollierend gegenüberzustehen, hat jede interne Kritik als Schwächung der Nation - im Angesicht eines "Feindes", des Kommunismus - aufgefaßt und vermieden.


Morgen Teil 5) Der Papst ist ein Amerikanist. 
Das ist vielleicht nicht seine größte, aber die sein 
praktisches Pontifikat bestimmendste Häresie.




*011018*