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Sonntag, 7. Juni 2015

Ums Wesentliche herumgedrückt (2)

Teil 2) Deshalb kann es gar keine gleiche Rechtssituation geben





Aber warum nennt man die Dinge nicht beim Namen? Warum packt man sie nicht am Schopf, wo doch dort ihr Kriterium liegt? Weil sie genau das sind, wogegen sich der Feminismus und die Genderbeflissenen - eine winzige Minderheit, darauf hinzuweisen, immer wieder hinzuweisen hat Gerl-Falkovitz völlig Recht - wehren? Oder sollen sich Mann und Frau "in ihrer Differenz" irgendwie finden, und dann auch ihre Rollen definieren, wie es halt dann in einer konkreten Situation wurde? Ist der Anfangspunkt nicht genau hier - außen?! Muß hier nicht die vorgegebene Ordnung der inneren Ordnung vorausgehen, weil sie davon gar nicht zu trennen ist?

Denn diese Zueinanderstellung von Mann und Frau ist es, die eine Ehe erst institutionell konstituiert, und zu jenem Feld macht, in dem das Paar zu sich findet - als vorausgehendes Bild, als Auftrag der Menschwerdung. Dem jeder unterliegt. Denn auch das Zölibat (bei weiblichen Orden ist es ohnehin noch viel greifbarer - als Braut Christi) ist in seinem Wesen ehelich, und nur so zu leben, will es nicht voluntaristische Selbstleistung, Taschenspielerei, ja Simulation sein.

Diese Hierarchie, die auch Aufgabenteilungen nach sich zieht (und nicht: umgekehrt! aus dem Faktischen quasi ein Urbild macht, das dann recht individuell aussehen kann; daß G-F es aber so meinen könnte, diesen Verdacht wird man nicht ganz los), ist jener transzendente Rahmen und jene Aufgabenforderung, auf die hin sich Mann und Frau in je ihrer Stellung selbst übersteigen müssen. Erst dann sind sie auch "füreinander" - im Hineinsterben in diese ontologische Situation. So wird dann das Miteinander, diese Einheit, die nicht mehr trennbar ist und die beide, wenn es zur Trennung kommen sollte, warum auch immer, in eine existentiell äußerst schwierige Lage bringt, weil es gar nicht anders geht. Und damit erst kann auch die Familie ihre gesellschaftliche Aufgabe erfüllen - als unter dem äußeren Dach des Mannes. Natürlich hat das immer ein gewisses historisches Gesicht. Aber immer als Gestalt dieser Grundordnung, die sich nicht einmal nur auf die reale, faktische Ehe selbst bezieht, sondern in jedem Bereich des Lebens auf die Stellung der Frau dem Mann gegenüber.

Und natürlich, auf eine, vor allem auf eine abstrakte Weise, stehen beide unter dem Dach, das da der Bezug auf Gott, das Gott selbst ist. Aber Gott ist Mensch geworden, Fleisch. Das Kriterium des Weges zu Gott ist das konkrete Menschsein im Fleisch. Das heißt, daß der konkrete Mann hier, mit seinen Macken und Eigenarten, Schwächen und Fehlern, jener ist, der der Frau, die auch ihre Fehler und Schwächen und Stärken hat, welche Qualitäten ja auch schon erst in Bezug auf diese hierarchische Stellung definierbar sind. Damit ist es immer genau diese konkrete Frau, dieser konkrete Mann, die diese ontologische Ordnung herstellen weil abbilden müssen.* Aber sie werden erst konkret und wirklich, wenn sie sich auf dieses Gesamtbild beziehen.

Der Mensch ist, schreibt Ortega Y Gasset einmal, seinem Wesen nach "utopisches Wesen". Erst aus seiner Hingerichtetheit auf eine ihm immer vorweggehenden Namen, Begriff, gewinnt er Gegenwart und Sein. Das ist das Geheimnis des Kreuzes. Das ist der Ort der Hoffnung! Weil sich aus dem Kreuz heraus - und nur aus diesem heraus - die Kraft des Seins, der Gnade Gottes in die Welt ergießt.

Aus dieser ontologischen Konstellation ergeben sich ganz klare praktische Konsequenzen. Denn selbstverständlich kann das etwa nicht heißen, daß Mann und Frau in allen Bezügen auf eine gleiche Rechtssituation stoßen KÖNNEN. Das ist es ja, und zwar ganz konkret, worüber die Ehe ausgehebelt wird! Da braucht man noch gar nicht über Gendertheorien reden. Genau diese rechtliche Gleichstellung aber hat Gerl-Falkovitz (an anderer Stelle) aber für gut geheißen! Daß dies nur das Wirken in der Öffentlichkeit, Geschäftsfähigkeiten, Erziehungs- und Haushaltsvorstands- bzw. generell Leitungsrechte auch in der Familie anbelangt ist selbstverständlich. In gewissen abstrakten Rechtsbereichen (Recht auf Leben etc.) kann es auch nur ganz nominelle Gleichbehandlung geben.



Morgen Teil 3) Wenn man dann aber gehorchen muß, wird es happig - 
Plus: Das Video



*Dieser Vorwurf einer zu geringen Bewertung der Ontologie wird übrigens auch in der Diskussion gemacht. Gerl-Falkovitz erwidert ihn aber mit Bezug auf "das Werden", das angeglich erst im Christentum in die Philosophie gekommen sei. Was in den Augen des VdZ nicht stimmt, denn er liest etwa die Vorsokratiker, Heraklit, aber auch Aristoteles anders.




Wo die Geisteskrankheit beginnt

Das, was wir landläufig als Geisteskrankheit bezeichnen, hat mit einer Erkrankung des menschlichen Geistes gar nichts zu tun. Es sind Behinderungen des Geistes, ja, Störungen des Trieblebens, des Vorstellungsablaufes, ja, Störungen der Wirklichkeitserfahrung, gewiß. Aber an allen diesen Störungen kann der Geist sogar noch wachsen und reifen. Sie liegen unter ihm, und betreffen nicht seinen eigentlichen, engeren personalen Vollzug. (Damit hängt auch zusammen, daß viele sogenannte Geisteskranke, in Anstalten gar, einen Blick aussenden, der einen in seltsamen Zwiespalt versetzt: Denn man spürt hinter ihrer Verrücktheit einen außerordentlich klaren Geist, der genau weiß, was sich hier im Vordergrund abspielt.)

Eine wirkliche Erkrankung des Geistes ist von seinem Inhalt nicht zu trennen. Er kann sein Leben nicht beliebig führen, ohne daß es auf ihn zurückwirkt. Die wirkliche Geisteserkrankung setzt dort an, wo der Mensch aufhört, nach der Wahrheit und Wahrhaftigkeit zu streben, wo er aufhört, das Gültige zu suchen, die Wahrheit, die Güte. Erst wenn er davon abgleitet, so schreibt Romano Guardini einmal, wird er als Geist in Frage gestellt.

Dieser Abfall ist nicht schon gegeben,wenn der Mensch irrt, schreibt Guardini weiter. Er ist gegeben, wenn er die Wahrheit aufgibt. Nicht schon, wenn er lügt, auch nicht wenn er häufig lügt. Sondern wenn er die Wahrheit als solche nicht mehr als verpflichtend nimmt. Nicht, wenn er die anderen täuscht. Sondern wenn er sein Leben darauf ausrichtet, die Wahrheit zu zerstören. 

DANN erkrankt er im Geiste. Das muß nicht einmal psycho-pathologische Wirkungen haben, solche Menschen sind sogar oft erfolgreich und wirken kräftig. Trotzdem wäre er krank, und ein nicht nur psychisch, sondern auch geistig sehfähiger Beobachter würde es wahrnehmen.

Wenn er also von der Wahrheit abfällt, dann wird er krank. Wenn er nicht mehr danach strebt, Gott und die Wahrheit zum Inhalt seines Aktes zu haben. Denn die Qualität, die Güte eines Geistes, schreibt Augustinus, hängt vom Wert und Rang des Inhalts ab. Dieser Wert aber, als Ziel, als logos (als: auf etwas hin), ist dem Geist als Aufgabe gegeben, er ist nicht einfach da oder eine Art Schicksal. Es ist Aufgabe seiner Freiheit, diesen Inhalt und Rang zu wählen. 

Der Wertrang eines Geistes bestimmt sich also aus seiner Freiheit, und damit auch sein Wirklichkeitsgrad, seine Wirklichkeitssicherheit und -gefährdung, seine Gesundheit, und seine Krankheit.

Aber der Geist hat sein Dasein nicht aus sich, er hat es empfangen. Und das Sein an sich kann er auch nicht mehr aufheben, nicht durch den schlimmsten Akt, nicht durch die böseste Absicht kann er sich selbst vernichten. Er kann nur in einem nicht endenden Akt auf das Nichts zustürzen (Guardini), ohne es je zu erreichen. Er kann es soweit als wertverneinenden Akt in Frage stellen, daß sein Geist nur noch Träger von Verfehltheit und Verdammnis und Verzweiflung ist.

Von dieser Krankheit kann auch keine Psychiatrie heilen. Sie ist nur durch Bekehrung, durch Umkehr heilbar - als personalem, geistigem Akt. Sie müßte also in einer Sinnesumkehr (logos) bestehen, und das kann schwerer sein als jede psychiatrische Behandlung.

Denn die Person selbst wird nur durch Gerechtigkeit und Liebe gewährleistet. Nicht aber, wenn sie ungerecht handelt fällt sie ab, sondern wenn sie aufhört, nach Gerechtigkeit zu streben. Denn nur in der Gerechtigkeit gesteht man den Dingen ihr Wesen zu (das sie erst zu dem macht, was sie sind), und das Recht, daß die damit zusammenhängenden Ordnungen ihr Recht haben. Und damit ordnet sich auch der Geist - in den Sinn. Denn Gerechtigkeit heißt, die Dinge in ihren Sinnzusammenhang (logos) stellen bzw. haben wollen.*

Dem Menschen ist alles übergeben (Gen 1, 27-30). Nicht als Gegenstand seines Beliebens, sondern als wesenshaltiges Gotteswerk zu treuen Händen seiner Erkenntnis und Ehrfurcht. Das zu sehen und zu bejahen, ist Gerechtigkeit; die erste und alle anderen grundlegende sittliche Haltung. (Guardini, aaO.)


Dort mündet die Genesis direkt auch in den Kulturauftrag als jenen Ort, in dem sich diese Gerechtigkeit wirklicht, die aber ohne Ordnung der Dinge in ihrem Zueinander, ohne konkrete Hierarchie der Schöpfung undenkbar ist. 

Fällt der Mensch davon ab, wird er zu einer Macht (weil ihm die Mächtigkeit dazu natürlich bleibt) - ohne Ordnung. Er wird krank.

Ebenso bedeutend ist die Liebe, schreibt Guardini an anderer Stelle. Denn Liebe heißt, die Wertgestalt im fremden (vor allem im personalen) Seienden zu erblicken; heißt von der Sorge um die Verwirklichung dieses anderen Seienden erfüllt und bewegt zu sein. Deshalb geht, wer liebt, in die Freiheit, weil er von sich und seiner eigenen Gebundenheit weg geht. Freiheit ist also ein Akt bzw. eine Aktmächtigkeit des gesunden Geistes. Und damit kann das Eigene wirklich werden: im Weggehen von sich selbst. Das ist dann gesunder Geist.

Wer also von der Liebe abfällt, der ist es auch, der krank wird. Nicht, wer einmal gegen die Liebe verstößt, oder öfter, oder häufig, oder wer einmal haßt, oder oft, oder einmal selbstsüchtig ist, oder oft. Aber er ist dann krank, wenn er diese Liebe zu etwas Unernstem macht, zu einer Frage von List und Gewalt oder Berechnendheit. 

Er ist krank, wenn er die Unordnung zur Ordnung erheben will, und er ist definitiv böse, wenn er das fordert und für andere durchsetzen will.**

Dann wird sein Dasein zum Kerker, er verschließt sich. Alles verschließt sich. Die Dinge bedrängen. Alles wird zuinnerst fremd und feind. Der letzte, einleuchtende Sinn schwindet. Das Sein blüht nicht mehr.




*Somit erübrigt sich auch jede Diskussion über Gerechtigkeit, wenn man nicht ZUVOR die Frage der Sachgerechtheit diskutiert. Wer meint, letztere zugunsten ersterer ausklammern zu können, will keinesfalls Gerechtigkeit. Aus dem Umstand von Ungleichheit läßt sich also niemals Gerechtigkeit ableiten, eher im Gegenteil ließe sogar Ungleichheit, auch große Ungleichheit, auf Gerechtigkeit schließen.

**Deshalb steht der Fanatismus immer sehr der Bösheit nahe, ohne es aber immer schon zu sein. Denn der Fanatiker ist fanatisch, weil er über dem Nichts Willkürliches zu errichten sucht - ihm ist aber auch das Gute noch Willkür. Das ist sein ontischer Mangel, unter dem er selber am meisten leidet. Aber er ist nicht automatisch böse, lediglich noch nicht gut. Wenn es auch den bösen Fanatiker - aus denselben Konstellationen, aber mit andern Inhalten - gibt, und beim Fanatiker eins ins andere sehr rasch umschlägt.



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Samstag, 6. Juni 2015

Zynismus und Haß der sexuell Befreiten

Daß es bei Mädchen einen gewissen Erklärungsbedarf gibt, der mit der körperlichen Reifung zur gebärfähigen Frau entsteht, sei eingeräumt. Den haben dann die Mütter als Identifikationsfiguren zu erbringen, und das haben sie auch immer getan. Aber bei heranwachsenden Burschen und Männern bereits ist dieser Bedarf nicht mehr gegeben. Es braucht kein "wie es geht", das spitzt sich in der Zwischenmenschlichkeit von selbst auf ein körperliches Geschehen zu. 

Deshalb ist jeder Aufklärungsunterricht in den Schulen nicht nur unnötig, sondern zutiefst schädlich für die personale Integrität eines Heranwachsenden. Auch das Gerede von "Behutsamkeit" oder "Altersgerechtheit" ist ein plumper Nebelmythos, es gibt diese Behutsamkeit nicht. In öffentlicher Form von Sexualität zu sprechen ist immer ein direkter Eingriff in das Selbst, und er ist immer zu früh, er ist immer falsch. Es gibt nur einen Weg, wie eine an sich gar nicht herauszugreifende "Sexualität" in einem Menschen heranreifen kann, und das ist seine Einbettung in einen Raum der Intimität, des Tabus eines Geheimnisses, das isch nur in höchster Intimität einer Wirklichung zuwenden kann. Alles andere disintegriert Sexualität aus dem Insegesamt eines gesamtmenschlichen Vollzugs, der bis an die Grenzen der Welt vordringt, an die Grenze des Lebens selbst, das immer ein Geheimnis ist, und sich menschlicher Verfügbarkeit prinzipiell entzieht.

Der Aufklärungsunterricht ist aber vielmehr die Rache einer "befreiten Generation", die entdecken mußte, daß sie über den Weg einer für sich stehenden Sexualität zu keinerlei Glück oder Glückssteigerung gelangt ist. Deshalb drängt diese Lebensweise aus sich zu einer immer weitergehenden Technisierung, einer Vermehrung der Praktiken, die von Tür zu Tür eilt, um immer tiefer in ein Labyrint zu gelangen, das nicht nur endlich ist, sondern an dessen Grenzen sogar der Tod wartet. Und nur Leere interläßt, weil es das Wesentliche des Menschseins nicht erfüllt: Seine Ganzheit, seine poetische Gegründetheit, die im Schweigen beginnt wie endet.

Von technischen Notwendigkeiten zu sprechen, einer Anleitung "wie es geht", meint deshalb nur diese Technisierung des eigenen Leibes, sowie der Leiblichkeit des Menschen generell. Und sie meint im konkreten Fall die Zurüstung zu dieser Unkeuschheit, die Technisierung ist,  durch Beschränkung auf momentanes, aber rein körperliche Hervorrufung von Effekten, die der gesamtmenschlichen, geheimnisvollen, und mit enormer Wucht daherkommenden Begegnung zweier Menschen vorbehalten bleibt, aber nun zum billigen Abklatsch wird. Der die menschliche Würde in jedem Fall verletzt und zerstört. "Wie es geht" hat sich immer noch von selbst gelöst, der Mensch weiß im Grunde immer, wie etwas geht, zu dem es ihn treibt. Denn diese Gestalt des Vollzugs selber ist es, als "Kräftegefüge" vorstellbar, das ohne Leiblichkeit gar nicht möglich ist, die das Verlangen, das ohne ein konkretes Gegenüber, mit dem größtmögliche Nähe und Einung in einer gesamtmenschlichen Regung gar nicht denkbar ist, als immer mit einem Du zu tun hat, nur seine Gesamtform erst allmählich prägen muß, überhaupt erst auslöst. 

Diese Ganzheitlichkeit des Menschen, desse Innerlichkeit nicht als psycho-physischer Parallelismus vostellbar ist, sondern als ein geistiges, integreres Insgesamt mit je unterschiedlichen Seiten, sorgt damit auch dafür, daß jeder Mensch zu dem ihm gemäßen Zeitpunkt, und nie losgelöst von einem Du, auf das "wie es geht" kommt. Es ist in ihm da. Es muß nicht gelernt werden. Es muß aber immer entdeckt werden, und zwar von jedem Paar selbst.

Die Menschenverachtung, die aus dem in der Presse erschienenen Artikel der "Feministin und Journalistin" Sibylle Hamann (aus dem Kuriositätenkabinett der Gegenwart, in der intentionale Haltung zum Brotberuf werden kann) spricht, ist deshalb nicht zufällig. Wo die Wienerin sich sogar zu der Forderung versteigt, daß man Eltern, die einen keuschen Umgang mit der Leiblichkeit für ihre Kinder vorziehen, als "Fundamentalisten" ihrer Erziehungsrechte berauben muß. Forderungen, die an schlimmste totalitäre Zeiten erinnern.

Und Rechte. Die auch für hier ansässige Muslime gelten, denen es selbstverständlich zugestanden werden muß, daß sie ihre Töchter am Schwimmunterricht nicht oder nur eingeschränkt teilnehmen lassen wollen. Darüber hat niemand zu befinden, außer vielleicht der Lehrer in der Note für Leibesübungen, weil halt gewisse Leistungskriterien nicht erfüllt sind. Noch in der Jugend des VdZ war es übrigens auch hierzulande keineswegs allgemein üblich, schwimmen zu können, und in der Generation davor schon gar nicht. Beide Elternteile des VdZ konnten nicht schwimmen. Und niemand sah das als elementares Versäumnis, eher als Einschränkung des Wohlstands- und Freizeitspaßes, der die Zunahme von Freibadbauten möglich machte. In einem Binnenland, noch dazu, ist auch keine Veranlassung zu sehen, es als allgemeinen Standard zu fordern, in welchem Zusammenhang es noch irgendwie gerechtfertigt sein könnte. Da haben Schulschikurse durchaus mehr Sinn, denn der Umgang mit Schnee ist tatsächlich ein Stück Volkskultur. Aber auch sie müssen disponibel sein, wenngleich es eine kulturell-gesellschaftliche Norm sein darf, der man eben hinterherhinkt. Aber Schwimmen? Seit wann fährt Österreich wieder zur See?*

Aber in ihrem Haß auf sich selbst, in dem sie auch ihre Mitwelt in dieselbe Lebensverfehlung zwingen wollen, kennen viele schon lange keine Grenzen mehr. Daß jede gegenläufige Meinung dann postulativ zum Ausweis von persönlicher Unterentwicklung verleumdet wird, die natürlich nicht objektiv begründbar, sondern Resultat eines seelischen Defekts ist, ist schon alltägliches Erleben. Das genaue Gegenteil aber ist wahr. Und der VdZ scheut sich nicht, Frau Hamann krank zu nennen. Und - bösartig. Wie sonst soll man jemanden bezeichnen, der staatliche Eingriffe in elementarste Naturrechte verlangt? Und wie soll man ein gesellschaftliches Klima bezeichnen, das solche Eingriffe längst gewöhnt ist, ja sogar noch weiter fordert?

Genau das Gegenteil ist also von der Politik zu fordern. Die Wiedererstehung oder Stärkung einer Lebenssphäre der keuschen Intimität, die Re-Tabuisierung der Zwischengeschlechtlichkeit als kulturelles Verhaltensschema, sofern es überhaupt möglich ist, ein zerstörtes Tabu wieder aufzurichten, der Respekt vor dieser höchstpersönlichen und immer situativen, immer individuellen Lebenssphäre. Die auch Reifung braucht, sodaß auch die Formen der Zwichengeschlechtlichkeit einer Entwicklugn unterliegen, wie alles im Leben. Sodaß Freiheit, wie Guardini einmal schreibt, nicht am Anfang, sondern am Ende eines ganzen Lebens steht, das sich die Lebensbereiche nach und nach aneignen muß und auch aneignet.

Aber es ist auch eine solche, heute nahezu gigantisch fern anmutende Sphäre regenerabel, wenn auch gesamtgesellschaftlich nicht von heute auf morgen. Weil jedes Kind in eine neue Welt geboren wird. Aber es ist es nicht, wenn es nicht als gesamtgesellschaftliche Konvention akzeptiert wird. Denn es muß von außen empfangen werden, es muß als Außen wahrgenommen werden - als "Tanz des Wahren" sozusagen, in den man hineinwächst weil von der Mitwelt allmählich hineingenommen wird. Der Mensch hat seine Lebensregeln nicht "aus sich", wie Rousseau fälschlich meint, der amit meint, jeder Mensch müsse sich eine Kultur von Beginn an neu erfinden. 

Die Folgen dieser Nicht-Erziehungsverwahrlosung (mangels Verortung der gesamten Mitwelt, in der alles Gestalthafte zu reinen Abstrakta entstaltet wird) haben wir längst als gesamtgesellschaftlichen Verlust der Lebensdynamik zu tragen. In einer Verzögerung der Reifung der jungen Menschen, die immer länger wird, und für die die Lebenszeit bald gar nicht mehr ausreicht. Um dort anzulangen, wo man überhaupt erst zu leben, ein Leben in freier, schöpferischer Kraft aufzurichten beginnen könnte, weil sich zwangsläufig der individuelle Lebensgang in immer größere Widersprüche verstrickt. Sodaß der Kairos kaum noch gefunden wird, weil die Vergangenheit die Zukunft erschlägt. Aber ohne diese Anbindung an das zeitlos Wirkliche ist schöpferisches Tun unmöglich.

Und dazu gehört auch die völlige Eliminierung eines Sexual-Aufklärungsunterrichts an den Schulen, der ohne jeden Zweifel und ausnahmslos weil prinzipiell eine schlimme Form von Mißbrauch ist. Der in jedem Fall ein Verhalten konventionalisiert, das den Einzelnen aus seiner nur persönlich bewältigbaren Ausfaltung seines Lebens in diese große, ja größte und grundlegendste Dimension seines irdischen Lebens - den Eros, der Verfaßtheit der Welt als Zueinander von Mann und Frau, von Form und Materia - herausreißt, und ihn auf ein statistisches Verhaltensmerkmal hin abstrahiert, mit dem der Mensch dann alleinegelassen nichts mehr anfangen kann, weil er es nicht mehr in sein konkretes Leben zu reintegrieren vermag, und von einem abstrakten Wunsch getrieben wird, der sich prinzipiell der Erfüllung entzieht, weil er bestenfalls Äußerung eines ganz anderen Zieles ist - dem der Geglücktheit des Lebens, das nicht ohne den keuschen, ja scheuen Respekt vor dem Geheimnis des Lebens selbst auskommt.




*Was die Ungarn ganz anders sehen, weshalb das Land eine enorme Schwimmtradition pflegt, und durch entsprechende Wettbewerbserfolge stets neu festigt. Die Ungarn träumen bis heute von "ihrer" Adria, von ihrer Schifffahrtstradition (die Österreich heute gerne mal als die ihre ausgibt), und der Balaton (Plattensee) hat einen ganz anderen, mythisch-wurzelhaften Stellenwert im Bewußtsein der Bevölkerung, als ihn Seen in Österreich haben. Der Ungar sieht sich "wassergeboren".




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Ums Wesentliche herumgedrückt (1)

Sie wird vor allem in katholischen Kreisen wie eine Art Ikone der Anti-Genderbewegung gehandelt, aber die Frage ist, ob das zu Recht geschieht. Denn die Vorträge und Publikationen von Barbara Gerl-Falkovitz hinterlassen immer wieder eine Art Ratlosigkeit beim Zuhörer oder Leser. man sagt sich "ja, schon, gut, richtig," aber irgendetwas ist nicht aufgelöst, irgendetwas dreht sich wie am Stand. Daß es auch den Teilnehmern dieser Diskussion in Krakau so geht, wo sie anläßlich einer Tagung an der dortigen Universität "Johannes Paul II." referierte, wird aus dem Video ersichtlich. Auf deren Einwände hin die em. Philosophieprofessorin ein wenig ins Schwimmen kommt. Nicht zufällig, auch wenn man gewisse Zufälligkeit in solchen Situationen berücksichtigen muß - man kann nicht immer zu allem etwas sagen, das Denken ist kein Lexikon, in dem man nur nachzuschlagen hätte, es braucht eine innere Bewegung innerhalb eines Themas, und das heißt immer auch: eine gewisse Richtung, in die man gerade denkt. Da kann einen schon manchmal etwas "im Rücken" erwischen.

Aber in allem, was auch der VdZ von ihr gelesen oder gehört hat, bleibt eine seltsame "Abstraktion" dessen, wovon doch so konkret zu reden wäre. Immerhin nährt es eine mächtige Politikströmung, die sich anmaßt, etwa ins persönlichste Leben der EU-Bürger einzugreifen. Ein ähnliches Fazit, das sich auch aus den von ihr so empfohlenen Schriften des + P. Johannes Paul II. über eine von ihm entworfene "Theologie des Leibes" sagen läßt. Wo sich über hunderte von Seiten nichts zu bewegen scheint, als kriegte der verstorbene Papst das Thema einfach nicht zu fassen. Auch wenn man zugestehen muß, daß ein Philosoph nicht auch der sein muß, der praktische Ratschläge gibt. Aber beim Papst wie bei der Professor bleibt eine Vorläufigkeit, die fortgedacht durchaus zu einem historischen Relativismus führen könnte, zu einer Form von Existentialismus also, dem man einen Hauch an zuviel Hegel nicht absprechen kann.

Hat Gerl-Falkovitz zudem eine gewisse Affinität zum Feminismus? Nicht, weil sie völlig richtig darauf hinweist, daß an der Gender-Theorie immerhin stimmt, daß Geschlecht AUCH eine soziale Konstruktion ist, und diese sogar braucht. Man IST nicht einfach nur ein Geschlecht, sondern man muß es auch zur Gestalt bringen. Aber woran bringt man es zur Gestalt? Einfach nur an der "Geschlechterdifferenz"? Was ist das? Werden Mann und Frau also aneinander, weil der eine schärfere Steaks lieber ist als die Frau, die sanfte Zucchini bevorzugt, was schon geschlechtsspezifischer wäre (nur: woran?). Oder auch nur, daß der eine den Frühstückskaffee mit Zucker, der Partner ihn lieber mit Milch und Honig trinkt? Auch das sind Differenzen. Wird man daran dem anderen seine Ergänzung, wird man daran "ein Dach"? Können wir gar auf Rousseau vertrauen, der ja auch davon ausgeht, daß wir "zurück zur Natur" finden müssen? Gibt es eine menschliche Natur als Wirklichkeit - ohne Kultur?

Ein Wort, das der VdZ aber noch nie aus dem Munde der zweifellos gescheiten Frau gehört hat, ist nämlich das, worum sie sich nicht weniger zu drücken scheint wie es der verstorbene Papst tat: Daß das Zueinander von Mann und Frau das einer hierarchischen und damit ziemlich konkreten Ordnung ist. Und das ist aber der springende Punkt, denn dort wird die Geschlechterdifferenz erst wirklich, und bleibt kein warmes Gerede über den Wolken. Das heißt nicht, daß einer oder der andere weniger oder mehr an personaler Würde hätte, das stimmt schon. Aber es heißt, daß sich erst und nur in dieser Zueinanderordnung das Geheimnis der Weltwerdung (!) und damit die Sinnerfüllung des Menschen vollzieht.

Denn aus der Polarität Form - Materia, wie es Gerl-Falkovitz in einem jüngst auf kath.net erschienenen, durchaus schönen Arbeit auch nannte - ergibt sich auch eine Ordnung. Sie stellt den Mann ins Außen, sie überträgt ihm die Sphäre der Öffentlichkeit, des Wirkens in der Welt, des Gestaltens von Staat und Gesellschaft zur Kultur. Diese Agenden sind seine Aufgabe. Daß sie ohne die Frau ins Leere steigen, daß der Mann die Frau lebensnotwendig braucht, weil sonst sein Werk kein leiblich-fleischliches Konkretum hat, ist dabei selbstverständlich, und das kommt in diesem Text auch schön zum Ausdruck.

Ja, man muß es noch klarer, noch direkter formulieren, und hier hat man den Rückenwind der Anthropologie des verstorbenen (heiliggesprochenen) Papstes Johannes Paul II., der vom konstitutiv "ehelichen Charakter" des Menschen spricht. Was heißt das aber?

Es heißt, daß die Ehe nicht ein Hinzugefügtes zum Menschen ist, in dem er sich ein wenig besser zu Gott hin, und damit zu sich selbst hin, entwickeln kann. Sondern es heißt, daß dieses "Formfeld" (H. Plessner) dem Menschen vorausgeht, und ihm jene Innengesetzlichkeit darstellt, die er gar nicht umgehen kann, will er sich entwickeln - und zwar: zu sich selbst, als Mann, als Frau.

Und noch mehr heißt es: Es heißt, daß sich diese Ganzheit - "Als Mann und Frau schuf er sie!" (Genesis) - auch in einer Gesetzlichkeit des Zueinander entfalten muß, sonst entfaltet sie sich nämlich gar nicht. Mann und Frau brauchen also nicht einfach "Polarität", sie brauchen diese wesengemäße Zueinanderordnung, und das heißt: diese Hierarchie, in der beide gleicherweise dem Gehorsam unterstellt sind. Der Mann Gott und dem Weltauftrag gegenüber, die Frau - dem Mann gegenüber, durch den Gott sie anspricht. Sie muß seinen Samen austragen, hegen, wachsen lassen, nähren. Und tut sie das nicht, ist das Wohl und Wehe der ganzen Familie untergraben, ja verunmöglicht.

Man hat stattdessen ja gar den Eindruck, daß sich die Kirche schon längst damit begnügt, von "Familie" und "Ehe" zu sprechen, auch wenn es dabei diesen Wildwuchs der "Gleichheit" (die mit "Gleichheit der Würde" dann gerne vernebelt wird) gibt. Doch wie soll es zum Gelingen des Menschen selbst kommen, wenn man seine Grundkategorien übersieht, ja gar meint, sie wären zu umgehen, "weil es halt so ist, heute"? Das ist dem Versuch vergleichbar, ein Haus vor dem Regen zu schützen indem man das Dach repariert, ohne zu sehen, daß seine Fundamente fehlen, und das Haus selbst längst in den Wellen der Wasser fortgeschwommen ist.



Morgen Teil 2) Deshalb kann es gar keine gleiche Rechtssituation geben