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Sonntag, 5. Juni 2016

Laßt uns anfangen

Es mag mittlerweile auf diesem Blog bei über 7600 Artikeln, von denen per heute noch mehr als 6200 zugängig geblieben sind, die seit 2007 als Ausgliederungen aus dem Tagebuch (das ja jährlich tausende Seiten umfaßt) ins Netz gestellt wurden, nicht mehr so leicht sein, einen Überblick zu finden. Oder, bei den Dauerlesern, um die der VdZ weiß, diesen bewahrt oder gewonnen zu haben. Aber darin war auch die Haltung des VdZ zur Zeit des Hitlerismus erkennbar.

Der ja immer wieder als für das Selbstverständnis der Gegenwart unserer Länder essentiell ansah, daß die Zeit des Nationalsozialismus ohne Befangen und neu durchgedacht werden muß. Nicht um den Nationalsozialismus irgendwie zu rehabilitieren. Sowohl von der Seite der Mutter (mit ganz realen Opfern, ja Märtyrern des Christentums im Hitlerismus) wie der des Vaters (Christlichsozialer bis in die tiefste Wolle) hat der VdZ eine Tradition zu verteidigen und zu gewahren, die er immer gerne aufnahm und als deren Fortführung er sich immer verstand. Auch wenn diese Tradition - wie es aussieht - mit ihm enden wird, vor der alle seine Kinder mit gesträubten Haaren geflohen sind. So ist es eben, auch das ist ein Stück Leiden an der Zeit. Deus providebit.

Aber nun wird es Zeit, dieses Thema weiterzutreiben. Es wird Zeit sich der Differenzierung zu widmen, die herrisch verlangt, Hitlerismus als jene (wenn auch wichtige, ja entscheidende) Spitze anzusehen, die einen Grundstock durchtränkte (und mißbrauchte), der Hitler'sche Politik keineswegs zu einer Politik des Nationalsozialismus macht, sondern zu einer allgemein deutschen Politik. Die auch mit einem Unrechtsfrieden von Versailles und Trianon und St. Germain erklärt wäre. Sondern die sich in der geostrategischen Lage Deutschlands seit je begründet. 

Oder wie sonst glaubt denn der Leser wäre eine so breite Zustimmung in der Bevölkerung zu erklären? Die zu allererst eine Zustimmung eben zu diesen allgemeinen Gebotenheiten gehörten, die sich aus der außenpolitischen Lage Deutschlands in Europa (und in der Welt, denn Deutschland begann die Position der etablierten Weltmächte zu hinterfragen) wie von selbst ergab. Die bereits in den strategisch-politischen Überlegungen eines Friedrich II., dem Großen, ihr Wiederbild haben. Die immer allen politischen Einigungsbestrebungen auch der Habsburger - als jahrhundertelange Kaiser des Römischen Reiches Deutscher Nation - zugrunde lagen: Als ein Volk einem Erdteil inmitten, mit potentieller Gegnerschaft praktisch "rundum". Und daraus folgenden politischen Geboten, wie der Notwendigkeit, bei so geringer Landtiefe - hier etwa Frankreich, dort Rußland - eine andere Politik führen zu MÜSSEN, als es diese Länder brauchten, die ihre Rücken frei hatten.

Selbst der Hitlersche Krieg war keineswegs ein "Nazi-Krieg". Anders hätte die Wehrmacht nie so bereitwillig mitgemacht, es geschafft, Millionen und Abermillionen Soldaten zu rekrutieren, die ihr Bestes gaben, und sich damit einen legendären Ruf erwerben konnten. Das wäre ohne substantielle, ontologische Motive unmöglich gewesen. Und es wäre nur durch geschickte Propaganda und Massenpsychologie, die das Hitler-Deutschland als modernsten Staat der Neuzeit erkennbar gemacht haben, nicht zu erklären, ganz sicher nicht.

Die Unterscheidung dessen, was an diesen Jahren 1933 bis 1945 die schlechten Seiten des Hitlerismus, was davon aber "ganz normale, ja gebotene" deutsche Politik war, ist nicht so leicht, das sei zugestanden. Aber auch nicht so schwer, wie viele glauben wollen. Man muß sie nur endlich (!) anfangen. Und man muß dabei endlich aufhören, sich das Maß des Schnittes mit dem Skalpell von Kräften vorgeben zu lassen, die im Dienste ganz anderer Interessen stand wie steht.

Erst aus einer solchen Operation - mit manchmal noch vielleicht ungenauen Schnitten, mag sein, aber man wird sie eben korrigieren müssen, genauer, präziser setzen, Blutungen wieder stillen, um andere Stellen herauszuoperieren, manchmal falsche Schnitte wieder zuheilen lassen müssen, um etwas daneben neu anzusetzen - wird aber die Gegenwart jemals verständlich werden. Sowohl die von Österreich, wie die eines heutigen Deutschland.

Es wird auch viel Mut zu "Tabubrüchen" brauchen. Denn man hat zu gerne und zu nützlich den gesamten Leib paralysiert, sodaß es uns selbst als Betroffene schwere und gewiß da und dort ungelenke, oft sehr kraftraubende Bewegungen abverlangen wird, um den lebenden Leib von Faulstellen und totem Fleisch zu befreien. 

Aber der Ertrag ist so gewiß wie das Amen im Gebet. Er ist sicher! Er ist notwendig, um uns endlich selbst zu befreien. Also wagen wir es, mehr und mehr - wagen wir die Operation am lebenden Leib. Und beginnen wir zu sehen, was uns als einem Volk (im großen Ganzen) Zubehörige an unserem Selbstverständnis zu arbeiten. Das durch posttraumatische Belastungsstörungen ganze Areale unseres Geistes in tiefsten Kerkern hält.





*260516*

Leben aus Licht

Es greift zu kurz, aus dem beobachtbaren Naturgeschehen einzelne Rhythmen herauszugreifen, als stünden sie alleine. Was an der berauschend sachlichen, in seinen Schlüssen so zurückhaltenden Untersuchung von Ludger Rensing über Biologische Rhythmen und Regulation so fasziniert ist die Ahnung, die man darüber bekommt, in welch unendlicher Komplexität natürliche Rhythmen einander zu-, neben- und untergeordnet sind, sich darin aber in einer hierarchischen Gliederung bedingen. Es läßt die Schöpfungsgeschichte der Genesis noch höher schätzen, die eine viel konkretere Aussage über das Wesen der Schöpfung enthält als man zugeben will, weil man es sich ja mit den Rationalisten nicht verderben möchte.

Es deckt sich mit vielem, was bereits die alten Griechen, ja alle alten Kulturen bereits feststellten und erahnten, denen schließlich überhaupt alles in Rhythmik und Zyklik zerrann. Weshalb alle diese Kulturen die Sterne in ihrer erkannten Periodik fast gottgleich schätzten.* Die von einem alleräußersten Kreis einer das Weltall selbst umschließenden Rhythmik ausgeht, die sich anregend, erweckend, auslösend und schaffend bis in die untersten Bereiche materieller Welt fortsetzt, und jeweils wieder Einzelreise bewirkt, die wiederum eine eigene, mit der jeweils übergeordneten Kreiszyklik aber zusammenhängende, diese je berührende Zyklik und Rhythmik enthält.

So aber teilt ein Ding dem anderen, ein Tag dem anderen mit, woran er nun ist. Im Ausgangspunkt der Untrennbarkeit von Wort und Licht, wie wir es jedes Frühjahr so sinnenfällig erleben. Wo es ds Licht ist, das die Pflanzenwelt aus dem Todesschlaf des Winters erweckt, das auf jeweils andere Dinge der Umwelt trifft, sie sie ohne Rest umschließen, mit denen sie wechselwirkt. Im Licht teilt sich das Leben selbst mit, und alles Dingliche treibt sich zur Gestalt aus Eigenbild und Begegnung.

EIKE - 2016 wie 1958 gilt: Komm lieber Mai und mache die Bäume wieder grün
In dem Punkt wird deshalb die Wärme in ihrer Stellung innerhalb des Wachstums der Pflanzen meist recht falsch eingeschätzt.** Denn sie ist zwar Bedingung, auf die eine Pflanze in der Frühjahrssonne trifft, aber sie ist nicht das auslösende, lebenserweckende Moment, schon gar nicht für höhere Lebensformen. Wärme (ebenso wie Nährstoffzustand des Bodens, Feuchtigkeiten die die Aufnahmemöglichkeit der Nährstoffe bedingen, usw.) ist lediglich vorgefundene Bedingung, je nachdem fördernd oder zu überwinden, ein Trotzdem fordernd. Weshalb die Rolle der Wolken (und damit des Wetters) auch nicht über Licht, sondern in den Wachstumsbedingungen ihre Rolle spielt.

Darein fallen sogar so uralte Phänomene wie die "Eisheiligen". Die die gregorianische Kalenderreform im 15. Jhd. um zehn Tage nach vor schob. Was nicht ohne Bedeutung ist. Denn eine Untersuchung der renommierten Wiener Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) über Kaltlufteinbrüche im Mai hat ergeben, daß sich eine auffällige Häufung an sich nicht erklärbarer Kaltlufteinbrüche mit Bodenfrost in den Tagen 20.-25. Mai ergebe. Das sind genau die früheren Kalendertage der Eisheiligen, zu denen diese Bauernregel entstand. 

Aber dafür sorgt ebenfalls die Sonne, die in veränderter Stellung und Nähe zur Erde auch diese Wärme als Anregung an alles Seiende/Dingliche selbst zu schwingen und dmait Wärme abzugeben mit sich führt und hervorruft. Denn Licht braucht Antwort. Und trifft dabei auf irdische Gegebenheiten, die in ihrem Eigensein sogar andere Farben aus dem Angeregtwerden durch Licht zur Darstellung bringen, weil die Antwort der Organismen (aus den landschaftlichen Einflüssen heraus, mal Meer, mal Landinneres, usw. usf.) je anders aussieht. Was sogar zu einem anders gefärbten Rezipieren der begegnenden Umgebung führt, sodaß jede Landschaft ihre Farben und ihren Geist hat. Aber genug davon.

Das erste Prinzip ist eben das Licht, in der Wirkung über die Lichtstunden des Tages, der in seiner Dauer, in diesem Hintereinander des Einen Ewigen Zeitlosen in der Zeit erst, den Lebewesen das neue Leben wieder mitteilt, die darauf in einem aus geheimnisvoller, physikalisch nicht auf der Erde festzumachender Quelle neu aufstehenden Leben antworten, im neuen ihnen mit-ge-teilten Leben aufwachen, und auszutreiben, nach Gestalt zu streben beginnen, und in der Blüte noch den geistigsten ersten Einblick in ihr Wesen wie in einer Sammlung der Potenz einer Gestalt liefert, aus der ihr weiteres Wachsen und Bestehen hervorgeht.

Denn die Blüte ist die konzentrierte Gestaltppotenz jedes lebenden Wesens, auf der in der Blüte der Geist noch wie Tau haftet, der Betrachter kann das ahnend erfassen, weil ihm in den Sinnen etwas ersteht, das sich im rein Irdischen nicht erschöpfend wahrnehmen läßt. Das in der Tierwelt in je nach Formenhöhe abgestufter Form auf der Grundlage eines Rhythmus, der von einem äußeren Rhythmus initiiert ist, auf die gleiche Weise vorzufinden ist. Ehe es sich im Menschen in dessen Fähigkeit und Wesensart des eigenen Willens zu einem eigenen Rhythmus - nach Prinzipien eines freien Geistes, der das nur biologisch-organische durchdringt, durchwirkt, in Besitz nimmt - gestaltet.

Ein amerikanischer Theolog hat einmal geäußert, es wundere ihn, daß in Europa die Lichtmystik eine so große Rolle spiele. Das kenne er aus Amerika nicht in dieser Intensität. Nun, das ist auch gar nicht so verwunderlich, weil dort das allgemeine Denkklima weit material-gröber, reduktivistischer und materialistisch-mechanistischer ist. Und deshalb Schwierigkeiten damit hat, daß über den Geist in Licht und Rhythmik je nur eine andere Ebene ein und derselben Wirklichkeit zu erkennen ist, die sich jeder "physikalisch-materialen" Untersuchung entzieht. Alles aber was erkannt werden kann läßt sich nur von einem gleichen erkennen. Der Amerikaner tendiert also aus seiner Grundtendenz heraus ganz sicher mehr zur Wärme - als zum Licht, um es so zu sagen.

Mit dem Mikroskop wird sich das Leben nie feststellen lassen, lediglich die Auswirkung eines höheren, geistigen Prinzips, das aber wiederum nur mit dem Geist erfaßt werden kann. Geist ist dem Auge niemals sichtbar, er ist anderer Gestalt als die Welt der Körper, die dem Auge zugeordnet sind. Aber das Auge selbst sieht überhaupt nichts. Es braucht den Geist, der aus den über das Auge erkennbaren Wirkungen weil Bewegungen an den Objekten auf dessen Wirklichkeit schließt.

Der Geist - und damit der Geist des Menschen - ist über die biologische Zyklik hinausgehoben. Aber er muß sich ihrer Aufnahmefähigkeit, also ihres Wesens, ihrer Natur klug bedienen, will er in jenem Geist handeln, der einzig schöpferisch werden kann. (Worauf das Naturrecht rekurriert.)

Bildet sich im menschlichen Geist also nicht der Geist des Schöpfers von allem ab, versteigt er sich zu eigener Machtherrlichkeit und Willkür, vermag er gar nicht zu schaffen. Er vermag nur aus mißgebildeten weil ihrem Wesen nach ungemäß entwickelten Trümmern ein künstliches Gebilde zu errichten, dem es aber an jeder eigenen Lebenskraft fehlt. Das nicht mit dem Licht korrespondiert, sondern einem rein innerweltlich-menschlichen Willen, der eine "zweite", eine "parallele" Schöpfung nach seinen Gesetzen installieren möchte, die aber zerfallen muß. Weil seine Mitte nicht ... dem Wort des Lichts, das die Wahrheit ist, entstammt.





*Es ist übrigens ein Irrtum zu glauben, die Alten, die Uralten hätten die Sterne ALS Götter gesehen, und das läßt sich belegen. Sie waren ihnen Zeichen aus dem ersten Wirkkreis der Götter, nicht Götter selbst, und bestenfalls als Planeten spezielle Wirkzeichen einzelner Götter, und nur als Metapher diesen gleichgesetzt. Das gilt auch für Ägypter. Die Ineinssetzung von Materialem mit Göttern ist bereits eine Degenerationserscheinung aus der Magie weil Technik, zu der die Welt aber bereits gottfern materialistisch begriffen werden muß, selbst wenn man formal Götternamen in Anrufungen beibehält. Aber ein beherrschbarer Gott ist eben gar kein Gott mehr. Magie und Technik (beides sind Synonyme) sind immer die letzten Stadien einer Kultur. Nur der Technizist glaubt, daß es dem Menschen immer darum gegangen sei, weil er von sich auf die Vorzeiten schließt. Das Herausstellen von Wort im Werk ist aber im Ursprung der Liebe zum Sein zuzuschreiben, also ein Akt des anbetenden Spiels bzw. der Anbetung der Ursache DURCH Spiel und Werks: Der Mensch entwickelt sich nur dort, wo er anbetet, und das Werk in ihm bzw. durch ihn durch Gott verherrlicht. Es wäre ein lohnendes Projekt: Eine "Menschheitsgeschichte aus dem Geist der Anbetung" darzustellen.

**Darauf bezieht sich ein netter Artikel auf EIKE, der auf völlig richtige Weise der Behauptung nachgeht, daß eine "Klimaerwärmung" auch frühere Frühjahre bewirke - nämlich durch menschliche Erfahrung, Erinnerung und Beobachtung. Und zu dem kaum verwunderlichen Ergebnis kommt, das auch der Erfahrung des VdZ entspricht, daß es KEINEN immer früheren Beginn des Frühjahrs in der Pflanzenwelt gibt, wie die Klimakatastrophik vorhergesagt hat und behauptet. Der Geist dem die Klimakatastrophik entstammt ist eben genau jener linear-materialistische menschliche Willkürgeist, der das Wesen der Erde, das Wesen der Natur gar nicht erfaßt, und deshalb auch flächendeckend zu völlig falschen Rückschlüssen, Prognosen und Handlungsempfehlungen kommt, weil an der wirklichen Wirklichkeit völlig vorbeigeht. 

Es ist blanker Wahnsinn (und das ist wörtlich gemeint), den Imperativen der Klimakatastrophik (die dem Bösen sehr nahe kommen weil die Grenzen dazu fließend machen) zu folgen, und es beweist sich ja ununterbrochen in den Ergebnissen, die einem solchen folgsamen Handeln entspringen. Auch in diesem Punkt ist man nicht in der Lage, durch Denken Wirklichkeiten wiederzuspiegeln. Wenn, dann unterschieden sich die Frühjahre lediglich durch rascheres oder langsameres Entfalten seiner materialen Gestalt, weil das angeregte Leben, das auf Gestalt abzielt, es einmal leichter oder einmal schwerer hat.





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Ja. Religion ist Ideologie. Katholizismus ist aber keine Religion. (3)

Teil 3) Katholizismus heißt, das Denken zu seinem Ziel 
und ohnendlichen Ende eines Zustands zu führen





Es gibt deshalb keine "katholische Philosophie" - es gibt nur Philosophen, die katholisch sind als Chance, tiefer, besser, dimensional weit umfassender, weltentgrenzter zu denken. Es gibt keine "katholische Kunst" - es gibt nur Künstler, die katholisch sind, als Chance bessere, weltentgrenztere Kunst zu sein. Es gibt keine "katholische Politik" - es gibt nur Politiker, die katholisch sind, als Chance, bessere, gerechtere, umfassender richtige Politik zu machen an deren Endstufe sogar "die Kirche" steht. Und so weiter, und so fort. Das ist nicht zu trennen! Wird es dennoch getrennt, trennt man ein "Irdisch-Immanentes" vom Transzendenten AB, wird es nicht deshalb ein rein irdisch-Konkretes-Immanentes, sondern es wird ein auch irdisch weil "seientlich" Schlechteres, was auch immer davon betroffen ist. 

Der Nicht-Katholik macht auch schlechtere Kunst, der Nicht-Schuster macht schlechtere Schuhe ... oder warum glaubt irgendjemand, daß sich die abendländische Kultur nach Jahrhunderten der Transformation der vorhandenen Kulturen DURCH DIE KIRCHE, DURCH DEN KATHOLIZISMUS als derartig überlegen erwiesen hätte? Und zwar im (scheinbar) "rein Irdischen"? Natürlich wird aus einem schlechten Künstler, Politiker, Denker, Schuster kein großartiger Künstler, wenn er katholisch wird. Aber ein guter Künstler wird durch den Katholizismus ein noch besserer Künstler! Und DARIN liegt sogar sein Ort des Katholischseins - in der gesteigerten, dimensional erweiterten Hingabe an die Kunst.

Gerade in unseren Ländern verdanken wir es den Protestantismen (aber nicht nur diesen), daß diese Zusammenhänge kaum noch begriffen, daß diese Dinge so auseinandergerissen werden. Dabei ist selbst dieses Denken des Auseinanderreißens auf eine Weise ohne Katholizismus gar nicht möglich. Aber sie sind Simplifizierungen, sie sind abgebrochene Denkwege, sie sind vor allem in persönlichen Entscheidungen verweigerte Denkwege.

Wer meint, sich Denkarbeit sparen zu können zugunsten eines irgendwie gefühlten, empfundenen, weiß der Deibel wie motivierten Moralprogramms, einer Verhaltensdressur oder Verhaltenskorrektur, und sei es die einer bestimmten Haltung "der Liebe", einer sinnlos aufgelösten "Demut" als gefühlig-suhlige Gestaltsauflösung, usw. usf., erniedrigt den Katholizismus tatsächlich - zu einer Ideologie. Denn solche willkürliche, irrationale Urteils- und Denkvoraussetzungen sind das eigentliche Wesen der Ideologie, das schreibt Alexander Grau nicht unrichtig.

Das soll nicht heißen, daß es diese Versuchung zur Ideologisierung des Katholischen im Praktischen, im Alltäglichen nicht gäbe! Bücher, ja Bibliotheken sind dazu schon geschrieben, und könnten ständig neu dazugeschrieben weil aus einer immer ihr Kostüm verändernden Gegenwart heraus erkannt und gedacht werden. 

Sehr wohl ist auch wahr, daß diesem persönlichen Verankertsein - genau das ist nämlich Ideologie: Sie ist IMMER aus einer erstarrten persönlichen Haltung geboren - sehr sehr oft nachgegeben wird. Es gibt sie vor allem dort, wo jemand angefangen hat zu denken, aber die Kraft nicht besitzt, dieses Denken zu seinem entscheidenden Punkt voranzutreiben, wo jemand auf halbem Weg stehenbleibt. Wer zu denken beginnt, der muß den Weg auch zu Ende gehen, anders geht es nicht.  

Und das ist sehr sehr mühsam, schmerzhaft, braucht Vertrauen (ins Sein), und das ist eine richtige, nicht endende Tages- und Lebensaufgabe und -anstrengung. Geschenkt gibt es da nichts, obwohl letztlich, ja letztlich doch alles geschenkt ist. Die Mühe ist das Öffnen zum Katholon, zum Allumfassenden, ist das Loslassen des Ausgewählten, des Häretischen (das griechische Wort heißt eben: Auswählen). So, wie sich der Mensch seine Existenz nicht selbst verdankt. Auch das ist eine Aussage über das Sein der Welt.

Und deshalb - wir schließen den Kreis - hat die AfD vielleicht sogar mehr als sie weiß recht, wenn sie sagt, daß der Islam eine Ideologie IST. Er ist es! Weil er eine Religion ist. Und er unterscheidet sich genau darin grundlegend vom Katholischen, und damit grundlegend vom Fundament des Abendlandes. Denn es stimmt, was Alexander Grau im Cicero schreibt: JEDE Religion ist ab und in irgendeinem Punkt Ideologie.

Aber der Katholizismus IST eben keine Religion. Ihn so zu nennen ist bereits sachlich eine grobe Verfehlung seines Wesens, meistens Ausfluß von Ungenauigkeit eines "so irgendwie doch", und immer gefährlich. Weil er die Erfüllung alles dessen ist, wozu jede Religion sich zur Ideologie formt und den Anlauf versucht, der aber immer das Entscheidende fehlt - das Sakramentale. Wo also das, was man sagt, das auch WIRKLICH UND ALS WIRKLICHKEIT IST was man sagt, sich also nie aufs bloße Sagen oder eine Lehre oder eine Ideologie beschränkt weil sich darin sogar verfehlen würde, um es vielleicht anschaulicher zu machen. Jede Religion ist also nicht eine graduelle Abstufung des Katholischen, sondern sie ist ein Hinweis, ein leider nie Erfüllung finden könnender Weg ZUM KATHOLIZISMUS, der jede Religion um die Dimensionen DES WIRKLICHEN SELBST übersteigt. 

In dieser "hinweisenden Eigenschaft" auf Gott verdient jede Religion in ihrem menschlichen Bemühen gewissen Respekt, gewiß, und eben WEIL der Katholizismus für uns Menschen nicht ausreichend positivistisch formulierbar ist, kann man auch nícht endgültig ausschließen, daß Menschen guten Willens irgendwie auch zu Gott in personaler Erlösung finden. Wie, wissen wir aber nicht. Die entsprechenden offiziellen Dokumente jüngeren Datums, wie etwa die des Zweiten Vatikanischen Konzils, sind nicht anders zu verstehen. Sie sind gewissermaßen "diplomatischer Austausch von Höflichkeiten", nicht mehr. Irgendwie ist auch in der Kerze Licht.

Aber umgekehrt ist uns auch nicht möglich, distinkt zu sagen, daß eine "Religion" als Weg des Menschen zu seinem Heil zu sehen ist. Eher müssen wir davon ausgehen, daß es nicht so ist. Und noch weniger bei jemandem, der dem Katholizismus und damit dem inkarnierten Gott (der in der Kirche unter uns Menschen weilt, gewissermaßen als "Pharmakon zur Heiligkeit", wie Mosebach es einmal ausdrückte) bereits begegnet ist. Der MUSZ sich entscheiden, der muß sich zum Anruf der Wahrheit verhalten. 

Unverwester Leichnam des Hl. Padre Pio
Und die Spuren dieser Entscheidung sind auch tatsächlich bei jedem, der genuin christlichem Kulturkreis entstammt, sich aber GEGEN den Katholizismus entscheidet, zu finden, rational zu erfassen, und als Enge und personalen Defekt - tatsächlich, ja: als ideologische Geführtheit - erkennbar. Und wer sogenanntes christliches Milieu heute kennt muß sogar oft eingestehen, daß er von enorm vielen Anhängern einer "christlichen/katholischen Ideologie" umgeben ist. Der Weg ist schmal, fragil, immer gefährdet weil immer ein actu, ein Akt, und der Schritt vom Katholizismus zur "katholischen Ideologie" rasch passiert.

Doch um das zu verstehen, müßte sich auch der Liberalismus, auch viele sogenannte "Katholiken" oder "Christen", aber jeder Mensch erst einmal von seinen Ideologien trennen; aus deren Entführungen herauskommen. Im Schritt in die Insecuritas dieser personalen Entscheidung und Begegnung. Denn zwar hat jede Ideologie, jede Religion eine Entscheidung zur Grundlage, gewiß, aber sie ist eine der Angst, der Suche nach letztlich doch innerweltlicher Sicherheit. Hier hat sogar die Religionskritik eines Feuerbach und Marx oder gar Freud eine gewisse Richtigkeit.

Heiligkeit als ganzer Mensch 
Unverwester Leichnam Hl. Bernadette v. Soubirous
Aber die Wahrheit ist ein der ganzen Welt zugrunde liegender Akt personaler (oder, im untermenschlichen Bereich, einem dem Personalen analogen, sich im Personalen des Menschen aber erst zur Ganzheit erfüllenden) Begegnung und gar Vermählung mit dem Menschen, der sich ihr öffnet. Und im Menschen eine Begegnung der ganzen Schöpfung, die aus sich selbst befreit wird - durch den Menschen, die deshalb "seufzt und stöhnt weil sich nach den Söhnen Gottes sehnt". 

Und DAS ist das Wesen des Christentums. Und die Schwierigkeit, das Bemühen jedes Getauften ist nicht, "die Lehre Christi umzusetzen". Katholizismus ist in seinem Wesen keine Lehre. Das Schwierige jedes Menschen aber ist, aus der Religion herauszufinden, die als Versuchung an jeder Ecke lauert, und eben KATHOLISCH ZU WERDEN. Das actu des Katholiken muß ein organischer Habitus der Wirklichkeitsoffenheit werden, reale, fleischliche Gestalt sein - Seinsverfaßtheit

Unverwester Leichnam des Hl. Pfarrer von Ars
Als Mensch ganz, mit Leib und Seele, in Fleisch und Geist, in Vernunft und Glaube. Denn die Erlösung des Katholizismus ist ganz real eine Erlösung des Fleisches, die vom Geist im absoluten Geist - Gott - ausgeht, mit diesem in eins steht, und zu ihm zurückweist, und damit im Ewigen Leben steht. Alles ist dann Fenster zum Wirklichen selbst, dieses wird gegenwärtig. Dann erst ist man tatsächlich ... heilig. Keine Ideologie könnte das jemals leisten.





*050616*

Samstag, 4. Juni 2016

Nun doch an der Zeit

Vor dem Hintergrund der Realitäten, die wir erleben, ist es nun doch an der Zeit, dieses Video aus dem kanadischen Fernsehen zu zeigen. Auch in persönlichen Begegnungen hat der VdZ die Erfahrung gemacht, daß nicht europäische Bürger überhaupt nicht verstehen könne, was da in Deutschland (und Österreich) seit geraumer Zeit passiert. Ihnen bleiben nur Erklärungen der Psychologie, und so ganz werden sie damit nicht falsch liegen. "Ist das, was die Politiker Deutschlands ihrem Volk verordnen, eine Form der Selbstbestrafung und pathologischen Selbsthasses? Die letzten beiden deutschen Kanzler haben immerhin keine Kinder, also keine persönliche Zukunft."









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Ja. Religion ist Ideologie. Katholizismus ist aber keine Religion. (2)

Teil 2) Der Weg des Katholiken ist ein tägliches Mühen, 
der Religion zu entwachsen, die Insecuritas zu wagen, um katholisch zu werden!





Keine Sprache bleibt "in sich", nominell, das tun nur Zahlen. Sondern jedes Sprechen bezieht sich auf etwas, das dem Sprechen selbst zugrundeliegt, also einem Erfahrbaren. Deshalb ist die Erfahrung des Seins für jede Vernunft, für jedes Sprechen und deshalb für jedes Denken (denn Denken IST Sprechen) konstituierend wie notwendig. Dieses Dahinter aber ist unsichtbar, nicht sinnlich - es ist Geist. 

Nicht sinnlich heißt aber genau nicht: NICHT ERFAHRBAR. Es ist erfahrbar, als geistige Struktur der Welt, und das heißt über die sinnlich erfahrbare Welt, aber nicht im Sinnlichen aufgehend. Und insofern vom Denken, vom richtigen, offenen, wirklichkeitsoffenen Denken erfaßbar weil erfaßt, wenn auch gewiß nie erschöpfend, immer vorläufig, immer mit einem Rest Insecuritas. Auch die Annahme eines Gewissen wäre ja nicht katholisch-allumfassend und damit offen (weil im menschlichen Denken um seine Begrenztheit wissend), auch das wäre Ideologie. Die ja diese Insecuritas beseitigen möchte.

Das Merkmal des Katholischen kann das nie. Es ist deshalb tatsächlich KEINE Religion und DESHALB KEINE IDEOLOGIE. Es ist deshalb auch niemals "gleich wie alle Religionen", obwohl es Religiosität genauso braucht wie enthält bzw. voraussetzt, wie jedes Denken Religiosität voraussetzt, ob das jemand nun fassen kann, akzeptieren kann oder nicht, wie Herr Grau. Ohne eine Eingebettetheit in eine Wahrheit - ein Gedankenvorgang, kein positivistisches Religionsgebot - und ohne einen allgemeinen Bezug jedes Menschen auf eine Wahrheit ist nicht ein einziger Satz zwischen Menschen austauschbar. Niemand wüßte, wovon der andere überhaupt spricht, die Welt wäre prinzipiell unerkennbar und irrational. 

Nein. Sie ist dem Rationalen voraus, überlegen, ja, aber nicht irrational. Das Rationale geht im Sein restlos auf, das ist das für die Gegenwart so schwer zu fassende konstituive Prinzip der Welt überhaupt. So schwer zu fassen, WEIL die Gegenwart in Ideologien, in ungewußten, nur still geglaubten Voraussetzungen (die allesamt persönliche Entscheidungen und Unfreiheiten sind) und religiösen Mythen (auch Herr Grau, ohne Probleme wären ihm deren zahlreiche nachzuweisen, man denke nur an die Evolutionismen, offenen oder verborgenen Materialismen, etc. etc.) regelrecht ersäuft. 

Und zu dieser Ideologie gehört auch - ja, auch das ist Ideologie, ist ungewußte, persönlich gesetzte Denkvoraussetzung - zu meinen, es gäbe ein "voraussetzungsloses Denken", und man selber befleißige sich dessen. Wie Herr Grau es offenbar von sich annimmt. Auch das ist logisch aufweisbar.

Das Katholische ist vielmehr das Allumfassende menschlichen Dasein selbst. Es ist nicht die Überreligion, wie manche Gutmeinenden meinen. Nein. Es ist überhaupt keine Religion, weil es die Schöpfung als Seiendes bzw. am Sein Teilhabende INSGESAMT umfaßt (das meint man mit "Kirche"), also innerhalb der Schöpfung keine Kontur als es selbst hat. Und höchstens insofern enthält es alle anderen Religionen, die nie mehr als innerweltliche Vorstufen zur Katholizität sind, ähnlich der innerweltlichen Poesie. Die Distinktheit des Katholischen ist die Wahrheit selbst, und ihre Form ist die des Katholischen.  Wobei die Wahrheit Form HAT - dynamisch, personal, aber (unabbildbar, versteht man es als Festmachen in einer historischen Gestalt, und doch immer historisch konkrete) Gestalt (was nur im Sakramentskern als Erfüllung, als Ineinsfließen von Ewigem mit Zeitlichem, als Inkarnation Gottes in Jesus eben, auch weitgehend verabsolutierbar ist.) Alle ihre Moral, alle ihre "Lehren" sind darin begründet, wurzeln darin, und fließen wieder darein zurück. Einen Moralismus im Katholischen GIBT es nicht, und wo er auftritt, ist er nicht katholisch.

Es gibt deshalb im Katholizismus KEIN Moralgebot, das nicht zuerst und zutiefst im Sein der Welt erkennbar und verankert liegt. Ja, Gutsein heißt, dem Wesen der Dinge zu entsprechen! Katholische Moral ist deeshalb immer in der Vernunft verankert, niemals aus blindem Gehorsam oder gar Nutzen heraus verstehbar. Das unterscheidet den Katholizismus schon grundlegend von jeder Religion der Welt. Nur wer die Welt erkennt, kann nach Gottes Willen handeln, weil er erst so sieht, in der Vernunft, was an ihr zu tun ist. Katholisch sein, gut sein heißt "Welt vervollkommnen"! 

Das war der Grund, warum Gott in Jesus sogar inkarnierte - nur so konnte die Welt in ihre ursprüngliche Dimension und Vollkommenheit wieder (zumindest potentiell, denn die Welt als Analogie Gottes muß freie Antwort geben, erst so ist sie Gott ähnlich, Abbild, und das kann vollgerecht weil im Geiste nur der Mensch) hineingehoben werden. Aber das war auch nicht ohne Offenbarung möglich, weil das Wesen der menschlichen Vernunft so ist: Menschliches Denken geht immer und ausnahmslos (und jedes Kind zeigt es neu) von einer Offenbarung aus! Der Beginn der Vernunft überhaupt ist - Offenbarung. Logos, der am Anfang von allem steht. Denn alles ist aus logos geworden, und nach wie vor wird alles aus logos. Das zeigt das menschliche Denken auch rein innerweltlich, als Analogie seines geistigen Ursprungs, seines Ursprungs im Geist. Wenn es etwas gibt, das den Katholizismus definiert, dann genau das.

Der Katholizismus ist deshalb ein Seiendes des Denkens, der Vernunft (innerhalb derer das Denken west), der Entscheidung, des Urteils in seiner komplexen Struktur einer universalen (nicht: universalistischen!) Gesamtheit, wo sich Wort, Logik, Denken von persönlicher Haltung und Substanz nicht mehr trennen, separieren läßt, ohne deshalb eines dieser Elemente aufgeben zu müssen, sie bleiben für sich in ihrer Gesetzlichkeit. Und nur insofern ist er deskriptive Gestalt. Selbst seine unveräußerlichen Formen im Sakramentalen sind in einer Vernunftwirklichkeit weil Weltwirklichkeit gegründet.

Aber schon im Schreiben darüber, das (grosso modo; es gibt einen Punkt der Ausnahme, dazu ein andermal) nicht mehr als ein Verweisen (auf ein hinter jedem Begriff stehendes Wirkliches) sein kann, zeigt sich die Problematik des Katholizismus. Katholizität zu erklären ist ein immer ungenügendes Kreisen, ein Verweisen - ist Poesis im eigentlichsten Sinn. Seine Wirklichkeit steht im Dahinter. Der Zugang dzau ist deeshalb der "bonae voluntas" unterworfen, einer personalen Bewegung und Hinneigung. Kein schlichtes rationales Ergebnis, darin kann der Katholizismus niemals aufgehen, weil die Welt niemals im bloß rationalen Ergebnis aufgehen kann. Das Rationale ist deshalb das Verweisende, das in der Poesie der Sprache überhaupt Enthaltene, im Rationalen notwendig widerspruchsfrei an einem Schopf gepackt, aber nicht das Rationale alleine oder selbst, über ihm aber sich auftuend.


Morgen Teil 3) Katholizismus heißt, das Denken zu seinem Ziel 
und ohnendlichen Ende eines Zustands zu führen




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Freitag, 3. Juni 2016

Bonmot zum Tag

"Könnten bitte alle, die jetzt gerne Boatengs Nachbarn wären, ihre Kinder wieder in den Schulen in Neukölln und Wedding anmelden, aus denen sie sie abgemeldet hatten, weil es dort zu viele Migranten gab?" (nach Wiebke Hollerson)





*010616*

Der große Bluff von Freiheit

Peter D. Sutherland

Der UN-Sonderbeauftragte für Zuwanderungsfragen Peter Sutherland erklärte gegenüber Angehörigen des britischen Oberhauses, die EU solle sich nach Kräften bemühen, die nationale Homogenität der Mitgliedsstaaten zu unterwandern; der künftige Wohlstand vieler EU-Staaten hänge davon ab, dass sie immer multikultureller würden. 

Die Zuwanderung sei eine entscheidende Triebfeder für das Wirtschaftswachstum in den EU-Staaten, egal wie schwierig es sein möge, dies den Bürgern dieser Staaten klarzumachen. Eine immer älter werdende oder sinkende einheimische Bevölkerung in Ländern wie Deutschland oder den südlichen EU-Staaten sei das Schlüsselargument für die Entwicklung multikultureller Staaten. Das bedeute zugleich, dass es unmöglich sei, den Grad der nationalen Geschlossenheit dieser Staaten aufrechtzuerhalten. Für diese Staaten gelte es, mehr Öffnung gegenüber den Menschen zu zeigen, die in ihnen wohnen wollen. So wie es Großbritannien bereits bewiesen habe.

Peter Sutherland ist im Vorsitz von Goldman Sachs International und ehemaliger Vorsitzender des Ölriesen BP; er leitet ferner das Internationale Forum für Zuwanderungsfragen und Entwicklung, bei dem Vertreter von 160 Staaten zusammenkommen, um politische Ideen miteinander abzustimmen.


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In dieser ihrer mathematisch-rationalistischen Logik haben sie natürlich recht. Wenn es nicht gelingt, alle Menschen zu entwurzeln, nur noch in die Konsum-Geld-Arbeitslogik einzubinden, und zwar restlos, sodaß sie auch die neu zu etablierende Wertestruktur übernehmen, ist dieses System relativ rasch am Ende. Nur wenn sich Menschen in völliger Beliebigkeit dem Getriebe auszuliefern bereit sind, ist diese Geldphantasie aufrechtzuhalten, wer weiß wie lange noch, weil durch neue Bestandteile dieser Maschierie beliebig und flexibel zu ergänzen. 

Das Damoklesschwert gigantischer Schulden, das über Europa hängt, und von Jahr zu Jahr noch schwerer und dräuender wird, braucht die rechnerische Perspektive, sich irgendwann doch noch zu rechnen - eine quantitative Milchmädchenrechnung, die noch dazu nur bei ständig steigendem Konsumationsgrad aufgehen kann.

Genau dorthin gehört auch das eigenartige Denken, daß die gewaltigen Kosten der Zuwanderung im besten Keynesianischen Sinn dem deficit spending gleichzusetzen sind, und deshalb als Wirtschaftsbelebung zu sehen sind. Nachdem die EU für ihre Mitgliedsstaaten ohnehin bereits ein System der endlos vergrößerbaren Schulden etabliert hat, das fast einem perpetuum mobile gleicht, und nur eines braucht: den dogmatisierten Glauben, daß es irgendwann einmal zu Rückflüssen kommt (und wenn die Zuwanderer erst in fünfzig Jahren mehr Steuern generieren als sie kosten),

Nur Menschen, die in Pseudologien hängen - Menschen der Propaganda, der unwesentlichen Sprache, deren Denken die Ebene reinen Medienoberfläche nicht mehr verläßt - können solche Lebensweise aufrechthalten, in denen die zu habenden Werte im Sinne einerAblaufoptimierung und -regelung diktiert werden, um so dem phänomenologischen Frieden zu dienen - der als Beschwichtigung, als Beruhigung funktioniert. Wo in der Auslöschung alles Selbstseins eine versprochene Konfliktfreiheit ruht. Nur aufgelöste, strukturlose, rein aktualistisch aufgeschäumte Menschen haben "keine Konflikte". Und nur ein so geschaffenes Zueinander von Nichtsen, von reinen zufälligen, faktischen und unhistorischen-unewigen, veränderlichen Werten, kann solche Menschen liefern.

Einer solchen EU muß natürlich auch die Kunst gefährlich werden. Auch sie muß sich diesem Ziel unterordnen. Und eiderdautz, sie tut es längst. Förderungen in den offiziellen Kunstbetrieben erhalten nur noch Produktionen, und das schon seit Jahren, die den politischen Zielen direkt dienlich sind.*

Und da hinein paßt auch nur noch eine Religion, die sich auf Verhaltensregulierung und  Homogenisierung bezieht. Deren Werte - "Friede", "Wohlstand für alle", "Toleranz", "Wohlgefühl", "Klimarettung", "Sozialstaat", "Gleichheit aller" - den Bedürfnissen dieser Konstruktion dienen, und die den Anforderungen der Politik nachgereiht ist. Eine Religion, die auf die Schlüsselreize und Stichworte, die die Politik gibt, die entsprechenden Verhaltensregeln vorschreibt. Tja, Herrschaften, auch so weit sind wir längst.

Einer solchen Politik ist natürlich auch die Auflösung gewachsener menschlicher Verbindungen ein Problem. Denn ihr dient die Kleinst- und Restfamilie, die zufällige Lebensgemeinschaft als Bastion praktischen Nutzens, ihr dient eine aufwendige Infrastruktur, ein aufgeblähter Beamtenapparat, eine hochgeschäumte Sozialindustrie, und eine etatistisch geführte Industrie und Wirtschaft, die genau tut, was die Politik ihr vorschreibt. Und ihr dient ein Erziehugns- und Bildugnssystem, das den vorausetzungslosen Menschen zur Leistungsmaschine im Dienste der Geldproduktion herstellt.

Einer solchen Politik aber ist es auch unbedingt notwendig, die Eckpfeiler ihrer Pseudologie sakrosankt zu stellen. Nichts ist ihr gefährlicher als Zweifel an ihrer proklamierten Zukunft. Und was für ein Zufall, auch dafür finden sich längst Belege. Längst ist Zwiefel an der Klimakatastrophe, Zweifel an der Tragfähigkeit multikulturell-autonomistischer Bevölkerungen, ja unter dem Stichwort "Antidiskriminierungsgesetze", "Gesetze gegen Rassismus", "Gleichstellungsgesetze", "Gendering", etc. etc., einfach alles unter Strafe und Verfolgung gestellt, was die Wertestruktur einer solchen entkernten EU gefährden könnte.** Als nächstes wird der Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Geldsystems folgen, wobei über die Medien auch dieses Ziel bereits weitgehend erreicht wurde. Denn es gehört zur Illusionsdramaturgie freier Medien, auch bestimmte Kritiken zu inszenieren und zuzulassen.

Auch die Energiewende wird meistens von den Kritikern viel zu kurz gedacht. Denn die Frage ist ja gar nicht, ob sie sich rechnet, ob sie wirtschaftlich sinnvoll ist. Es geht auch überhaupt nicht um "Klimarettung", das Dogma dient nur als nützliche Ausrede. Alle diese Parameter kann man mit Gesetzen verändern. Die Frage ist, ob mit solcher Scheinbeschäftigung, mit solchen Scheinumsätzen als Wirtschaftsanschub die nominelle Wirtschaftsleistung weiter zu steigern ist, nachdem reale, wirkliche Innovationen ausbleiben, die einen Wirtschaftsschub liefern könnten. Also schafft man künstliche Schwierigkeiten, die zu bewältigen ganze Volkswirtschaften in Atem hält.

Und eine solche EU braucht eine starke Ordnungstruppe, die wirkliche Dissidenten - man nennt sie bereits ganz konsequent und unterschiedslos "Rechtsradikale" - aus dem Spiel nimmt, und Unruhen unterdrückt.

Eine solche EU will sich nämlich um des Erhalt des status quo willen erhalten, darf darum gar keine grundsätzliche Änderung zulassen, und ordnet diesem Ziel alles, und zwar wirklich alles unter. So zumindest hat sie es vor. Sutherland spricht nur aus, wie manche andere auch, was ohnehin offenbar ist. Für diese linke EU geht es in den derzeitigen politisch-demokratischen Umbrüchen tatsächlich um die Wurst. Denn womit diese Politik weil dieses Denken NICHT rechnet ist, daß der Mensch NICHT bliebig veränderbar ist, selbst wenn man sein Verhalten und sein Denken sehr weitgehend manipulieren kann, sondern einer Ontologie unterliegt, deren letztlich ununterdrückbare Forderungen man "Naturrecht" nennt.




 *Wer heute etwa in Wien (und es ist überall gleich) für ein Kunstprojekt um Subventionen ansucht, hat nur dann eine Chance, wenn er einen genau vorgeschriebenen Themen- und Wertekatalog (der sich in obiger Stellungnahme der EU direkt abgebildet findet) als pädagische Absicht bedient. Die Politik macht sich nicht einmal ansatzweise die Mühe, diese Verzweckung der Kunst zu verbergen. Und die Ausführenden (Künstler? sie werden immer rarer) akzeptiern es ohne jede Widerrede.

**Während ein Papst Benedict XVI. noch vor genau dieser Entwicklung eindringlich gewarnt hat, weil sei das Ende menschlicher Freiheit bedeuten würde, fordert sie sein Nachfolger Franziskus sogar und nennt sie edelstes Ziel der EU.




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Ja. Religion ist Ideologie. Katholizismus ist aber keine Religion. (1)

Auch wenn Alexander Grau vorsorglich und vermeintlich die Tür zugeschlagen hat, indem er im Cicero schreibt, daß "ja jede Religion behauptet, keine Ideologie zu sein", muß man darauf replizieren. Denn da hat sogar die AfD "rechter" als Grau, wenn sie dem Islam zuschreibt, eine Ideologie zu sein, wenn Grau über etwas spricht, das sich mit liberalen Ansätzen (und der Cicero IST ein Organ des Liberalismus) freilich gar nicht mehr greifen läßt. Denn der kennt Distinktion eben nur als Ideologie, weiß aber nicht, daß es Denken ohne Distinktion gar nicht gibt. Nur - Distinktheit ist noch keine Ideologie! Vielmehr ist sie das Wesen der Welt, auch wenn sie zur Ideologie gemacht werden kann und im Alltag und unter Beigeruch des immer so leicht Menschelnden auch oft genug wird.

Wenn Grau schreibt, daß jede Religion eine Ideologie ist, und zugleich Moralismus als Indiz dafür ansieht, Ideologie so versteht, daß sie von Ideen ausgeht, die nicht nachprüfbar seien, so hätte er freilich auf eine Weise sehr recht. Denn tatsächlich ist jede Religion - ab irgendeinem Punkt, und zwar im entscheidenden Punkt, eine Ideologie. sie ist ab irgendeinem Punkt nicht mehr rechtfertigbar, nur noch zu akzeptieren, entzieht sich aber darin jeder realen Welterfahrung. 

Deshalb ist es schlicht eine Katastrophe, wenn selbst aus der katholischen Kirche zu hören ist, daß  der Katholizismus eine "neben allen Religionen gleichberechtigte Religion" sei, wie es der Fremde auf Petri Stuhl sogar unlängst erzählte. Und meinte, damit ein besonderes Zeichen der Nächstenliebe zu setzen - während er etwas völlig anderes tat: zu beweisen, daß er den Katholizismus selbst nicht verstanden hat. Das ist eine Katastrophe, weil es einen Zusammenhang aufzeigt, den genau dieser Fremde dort vorzelebriert, bei jeder Gelegenheit: Wenn er nämlich was in seiner Macht tut beiträgt so zu tun, als sei der Katholizismus NICHT rational durchdenkbar, als seien Ratio und Glaube zwei paar Schuh die sich durchaus auch einmal auf die Zehen steigen würden, als stünde die Wahrheit des Katholizismus NICHT auf einem Fundament des Denkens in der Wahrheit, ja als sei NICHT genau das sein Merkmal. Das ist nicht einfach eine linke Position, das ist genau die liberale Position, wie sie Alexander grau vertritt. die Anzahl der dies bzw. das einander bedingende Verhältnis von Vernunft und Glaube durchdenkenden, hier bestätigenden Dokumente der Kirche ist gar nicht erfaßbar, so groß ist sie. Denn es ist ihr Fundament.

Denn genau das, was Grau ihm in seinem Pauschalurteil jeder Religion zuschreibt, ist der Katholizismus NICHT. Er ist keine simpel fideistische Konstruktion, wie alle anderen Religionen. Die nämlich alle und ausnahmslos in einem entscheidenden Punkt passen müssen: sie sind denkerisch nicht ins Letzte hinein aufzulösen. Weil ihnen die personale Wahrheit fehlt (und lustigerweise: alle Religionen wissen - ungewußt - um diese Schwäche, udn versuchen auf die eine oder andere Art diesen Mangel zu beheben, etwas durch "Offenbarungen", "§Einsprechungen der Götter oder Engel" oder Gottesoffenbarungen vor undenklichen Zeiten wie die Veden.

Welchen Aussagen gleich hinzugefügt werden muß: Der Rationalismus aus der Aufklärung ist genau das nicht, was er vorgibt - DENKEN. Er denkt bewußt zu kurz. Und zwar aus ideologischen Gründen, weil ES SO SEIN MUSZ, daß sich Welt auch ohne einen Gott auflösen und begründen läßt. Der LIBERALISMUS, in dem Grau denkt, IST EINE IDEOLOGIE. Er ist eine Ideologie, die wie die Afuklärung den Katholizismus nachzuahmen versucht.

Daß das so ist, ist ... genau: es ist DENKERISCH zu zeigen, Grau bzw. der Liberalismus denkerisch zu widerlegen. Und weil sich also katholisch NICHT in einem Moralsystem, nicht ein einem konkreten politischen Programm äußert (wieder: Auch wenn es der Fremde am Stuhle Petri so tut, und abertausende Windelpracker hüpfen es ihm nach, weil sie genau dieselbe prinzipielle Unvernunft als katholisch sehen und sehen wollen, warum auch immer, viele Gründe haben wir an dieser Stelle bereits durchgewalkt). Weil sich das Katholische nie so verstand, daß es sich als positivistisches, konstruktivistisches, zweckorientiertes Dogmengebäude erschöpft (wobei es eine positivistische,. auch zweckhafte FUNKTION des Dogmas sehr wohl gibt, und zwar AUS dem Denken über den Menschen, aus dem Denken über die Welt. Aber das ist nicht ihr eigentlichstes Wesen, das sind sie höchstens und auf gewissen Ebenen "auch".)

Das Merkmal des Katholischen ist eben seine unbedingte Offenheit dem Sein gegenüber, und damit der Vernunft gegenüber als das, womit sich der Mensch dem Sein nähern kann. Man nennt das - Erkennen. Und weil man nur im Erkennen lieben kann, weil  man nur Erkanntes lieben kann, ist die höchste Form des Seins die unendliche Liebe im Erkennen, das unendliche Erkennen (Wissen) im Sein selbst, aus dem Liebe hervorströmt. Womit wir im Denken (als Gestaltabformung) der Dreifaltigkeit sind.

Das Merkmal des Katholischen ist eben, daß es die menschliche Vernunft immer, ausnahmslos, auch bei Geschöpfen wie Alexander Grau (der das nur nicht kennt, der also nicht einmal seine eigenen Denkvoraussetzungen kennt, wie es eben für den Liberalismus wie es aber für jede Ideologie, ja wie es leider für das Denken der Gegenwart so kennzeichnend ist), von einem Transzendenten ausgeht. Alles menschliche Denken ist somit von einer religiösen Haltung durchwirkt, durchtränkt, ob das jemand wahrhaben will oder nicht. Es ist denkerisch nachzuweisen, daß es so ist, weil das Denken in sich aus sich - und hier sei durchaus ein Denker angeführt, nämlich der Altösterreicher Gödel, der es rational-denkerisch nachgewiesen hat: JEDES Denken ist aus sich heraus nicht begründbar und begründet, JEDES Denken greift auf eine metaphysische Vorentscheidung, also auf ein Personales zurück - nicht begründbar ist, aber in seiner anthropologischen Funktion nicht einfach nur Notgriff des Menschlichen selbst ist, sondern als Struktur der Welt, in der wir vom Sein Kunde erhalten (wie sonst), vorausgesetzt wird. 

Wäre das nicht der Fall, wäre jedes Reden unter Menschen - das von Grau wie das an dieser Stelle - völlig sinnlose, ja absurde Freizeitübung. (Der Dadaismus nimmt darauf ja in gewisser Weise und die Sackgassen des Denkens der Gegenwart ironisierend Bezug.) Und auch darin aber, im Annehmen des Absurden (wie es ja manche taten und tun), eine - Denkvoraussetzung! Ein Gesetztes. Kein rational sich letzthinnig Ergebendes. 




Morgen Teil 2) Der Weg des Katholiken ist ein tägliches Mühen, 
der Religion zu entwachsen, die Insecuritas zu wagen, um katholisch zu werden!





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Donnerstag, 2. Juni 2016

Wahl der Muttersöhnchen

Wenn praktisch das gesamte offizielle und offiziöse Österreich - mit dabei als überwiegender Teil jene, die durch die Zugehörigkeit zu der Siegergruppe ihr Elitedasein gewissermaßen "erkaufen" wollen (es sind jene Gruppen, die vom "Anspruch" gekennzeichnet und getrieben sind, die Mutterzentrierten, Unmännlichen also) - für den einen Kandidaten stimmte, der Gegengruppe sogar genau das vorwarf: dieser Gruppe der Elite nicht anzugehören, dann muß man sich doch zumindest fragen, WOVON diese Elite Elite ist, worauf sich ihr Elitendasein überhaupt bezieht. Denn ein solches kann es nur in Bezug auf jene geben, die NICHT Elite sind, die Elite aber als solche sehen und anerkennen. Und das sind genau jene, denen die Eliten vorwerfen, unfähig zu sein, richtig zu entscheiden, und denen ihren Willen aufzuzwingen sie sich deshalb das Recht sehen. Diese Identität hat aber einen gravierenden Nachteil: Sie ist auf Dauer nicht positivistisch aufrechtzuhalten, kann durch Behauptung alleine nicht leben.

Sie bereiten damit ohne es zu wissen den Boden für etwas vor, das an dieser Stelle bereits  mehrmals dargelegt wurde: Daß eine Reform des Landes als Widergewinn der Vitalität - nur das kann ja Reform bezwecken - nur durch einen Totalaustausch der Eliten möglich sein wird.

Die Angst der Eliten war also völlig berechtigt. Und: Sie haben es zuerst erkannt. Wenn sie es auch nicht wissen. Dabei wird es nur um die oberen (maximal) 15 % gehen (die in ihrem innersten Kern extrem wenige sogar sind, in Österreich ein paar Dutzend- bis Hundertschaften), das in etwa ist das historisch sinnvolle Maß der wirklichen Eliten. Die zur diesmaligen Wahl noch zugezählt habenden weiteren 35 % (jeweils: von 100) werden nämlich sofort umschwenken. Sie sind jene, die sich Profit und Zukunft durch Zugehörigkeiten erhoffen. Diese brauchen jeweils nur "Gründe" (im Sinne von: Ausreden, Rechtfertigungen) für ihre Gefolgschaft. 

Das wird der rauhe Wind der Wirklichkeiten von selbst und mit der Zeit besorgen. Was in der Regel bis hin zu "Aufdeckern" samt ihren "Bekehrungsgeschichten" geht. Denn die reine Behauptung hört nie auf, unter sich zu greifen, um Boden zu suchen, tappt im Blinden, bis sie etwas wieder findet - und das ist das Volk. Das sind jene anderen 50 %, die diesmal "verloren".

Es wird nicht lange dauern, denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Anzeichen mehren, daß diese Elitenteile (die zwangsläufig zu guten Teilen in ihren Erwartungen enttäuscht werden, denn die Zahl der Plätze "am Königstisch" ist begrenzt) den "Dialog" mit den ehedem Verachteten suchen, und beginnen, Kompromisse zu schließen und Zugeständnisse zu machen, um die Zeit nicht zu verpassen, an diesem (neuen) Tisch einen Platz zu erhalten. Und es wird ihnen umso leichter fallen als sie ja auch heute wissen, daß es um die Vernunft geht. Noch dazu, wo sie (in Österreich nun exakt ermittelt!) nun wissen, daß sie die Königsmacher waren und sind

Dann wissen wir - es ist so weit. Nun wird die Stadt fallen (Sun Dsu).

Das ist der Stoff, aus dem Königsdramen gemacht sind, Herrschaften! Daß dies immer die Zeiten der Muttersöhne sind, damit, werte Herrschaften, müssen wir leben weil es immer so war. Nur Gott richtet definitiv. Wir aber haben klug wie die Schlangen zu sein.

Und umgekehrt? Kann es nicht auch umgekehrt passieren? Das ist nahezu auszuschließen. Denn die "Verlierer" dieser Wahl, die zugleich ein Scheidewasser der Gesellschaft Österreichs war, sind diejenigen, auf deren Rücken sich die Eliten "entschieden" haben. Sie sind vom Schmerz getrieben, der nicht so leicht zu vergessen ist, weil er sich täglich neu meldet - in der Mühe um den Aufbau, um die Gegenwehr gegen den weiteren Verfall.+

Man kann also durchaus optimistisch sein. Wäre nicht Zeit einwichtiger Faktor. Denn es wird viel Unheil passieren in den nächsten Jahren. Und kein Tag kann wiederholt werden, jeder Tag zählt und legt seine Früchte in den Wiegekorb der Ewigkeit. Man steigt nie zweimal als der selbe in einen Fluß.










*260516*

Zukunft? Militär.

Auch auf dieser Ebene laufen Vorbereitungen, deren tangentiale Verlängerung man sehen muß, sie laufen an einem Punkt zusammen. Seit 2010 gibt es die »European Union Police Services Trainings« (EUPST)als Übungseinrichtung für Polizei- und Militäreinheiten, um sich auf innere Konflikte einzustellen. So nebenbei: Die Militarisierung der Polizei geht dabei fast unter. Die Militärs wissen also längst und sehr gut, worauf wir zusteuern.

Die nicht mehr rückgängig zu machende Auflösung der (völkischen)* Grundlagen der europäischen Staaten in ein Konglomerat von Parallelgesellschaften und einen Umbau von "Volk" zu "Bevölkerung" verlangt eine äußerst starke Ordnungsmacht, um so etwas wie "Frieden" noch zu gewährleisten, will sich ein Staat nicht überhaupt oder zumindest rascher auflösen.  Denn langfristig ist ein Staat der nur auf einem Ordnungsgedanken der Gewalt und nicht auf inneren Strukturen und Wertgerüsten eines zu einem solchen Staatsvolk gewachsenen Volkes beruht nicht aufrechtzuhalten.

Die EUPST hat dieses Selbstpräsentationsvideo ins Netz gestellt. Es zeigt eindrücklich, worauf sich die Ordnungskräfte Europas einstellen. Interessanterweise lädt die EU auch andere, nichteuropäische Staaten zu solchen Übungen ein, um ihr Wissen (wohl als Entwicklungshilfe) weiterzugeben. Immerhin ist die Idee der "Staaten ohne Volk - nur noch mit Bevölkerungen" bereits weit verbreitet.








*Auch wenn dieser Begriff gerne und meist bewußt mißverständlich gemacht wird, so bezieht sich "Volk" auf die Tatsche, daß ein Staat ein Staatsvolk braucht, bzw. aus diesem hervorgeht wie auf ein solches bezogen ist. Ein Staat ist eben NICHT eine Serviceinrichtung, die sich die Bürger leisten um Ruhe zu haben, er ist auch kein technischer Apparat, der gewisse Funktionen erfüllen soll, die allen dienen.  Sondern er ist die höhere Daseinsform eines Volkes und der diesem Volk in Willenseinheit zur gemeinsamen wie gemeinschaftlichen Existenz Zubehörigen. Deshalb ist der Begriff "Staatsvolk" auch nie ethnisch oder rassisch motiviert, solche Koinzidenzen sind quasi zufällig, sondern er rekurriert auf einen einer gewissen Menschengruppe eigenen Gemeinschaftswillen, der sich vom Gemeinschaftswillen anderer Völker abgrenzt weil unterscheidet, und in der Regel auf ein gewisses Territorium als Träger der Lebensentfaltung dieses Volkes bezogen ist.  

Weil Eigensein sehr viel mit Landschaft zu tun hat, sind Staaten auch topographisch oft erstaunlich einheitliche Gebilde, man muß nur die europäische Landkarte ansehen. Staat und Volk sind also begrifflich ineinander verschränkt. Das Zusammenfassen mehrer Völker unter einem "Staatshut" verlangt eine andere Auffassung von Staat, der mehr der eines "Reichs" ähnelt und ganz andere (und enger begrenzte) Konsensmechanismen wie -bereiche verlangt, als ein Staat alleine haben kann. Diese nunmehr tatsächlich einem "contract sociale", einem Vertragsverhältnis ähnelnde Situation macht es natürlich leicht, Bevölkerungen auszutauschen, die einen direkt oder indirekt auszuweisen, die anderen "Konsenswilligeren" hereinzuholen. Denn so ein rein technisches Ablauf-Gebilde ist nicht mehr mit dem Willen eines bestimmten Volkes verschmolzen.

Es ist bei der EU zu beobachten. Deren Gründungsimpuls ursprünglich eine solche völkisch-kulturelle Einheit war. So hat auch Otto von Habsburg (in tragischer Verkennung der Realitäten) diese europäische Utopie aufgefaßt. Doch das ist nie konsequent genug umgesetzt worden, weil dieser Einheitsboden zu dünn war. Also hat sich die EU mehr und mehr zu einem solchen Ablaufapparat umgebaut, und ist nahe daran, an ihm zu scheitern. Vor allem eben, weil die völkische Einheit immer mehr mißachtet wurde, und die extremen Zuwanderungsraten in den letzten Jahren haben dieses ursprüngliche Konzept an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Es muß also "umgepolt" werden. Und das wird von einer Verstärkung einer staatsübergreifenden Exekutive begleitet, weil es gar nicht anders geht. Die organisatorischen Vorausetzungen dafür - internationale Überwachungs- und Exekutiveinrichtungen etwa - sind längst geschaffen. Der Umbau der EU ist also längst in Gange, und er ist schon weit gediehen. 

Auch das macht die Entwicklung der USA exemplarisch und interessant, weil die amerikanische Rechtssprechung noch dazu eine "Fallgesetzgebung" ist, also auf das faktische und zufällige Rechtsempfinden der Menschen aufbaut, so lange es nur irgendwie in den Verfassungsrahmen paßt. Die ethnisch-völkischen Verschiebungen in den USA bringen aber unumkehrbar in den nächsten 30 Jahren eine gewaltige Verschiebung des kulturellen wie demokratisch-mehrheitlichen Hintergrunds seiner Bevölkerung. Das kann nur "gelingen", wenn es auch gelingt, jeden völkischen Zusammenhalt zu unterbinden, bei gleichzeitiger Betonung eines übergreifenden "kulturellen Einheit", die in diesem Fall wohl nur technisch-pseudologischer Art sein kann. 

Vor allem kann so ein Konzept nur funktionieren, wenn völkische Einheiten und Eigenheiten noch weiter als ohnehin bereits geschehen aufgelöst und durch eine sopra-völkische Idee ersetzt werden. Das läuft ja längst real ab, mit den universalistischen Werten wie "Demokratie" und deren Substantiierung in faktisch-politisch und in einem sopra-naturalistisch, moralistisch definierten Gottesbegriff verankerten "Menschenrechten". Der Hintergrund des Bürgerkriegs von 1861-65 war genau dieser grundlegende Richtungswechsel, erkennbar an der politischen Position der Südstaaten. Die Sklavenproblematik war rein pragmatisches und nachgeliefertes Scheinargument das gut über das Sentiment funktionierte, und in den puritanischen Nordstaaten (Puritanismus, ja Protestantismus ist in sich bereits eine Pseudologie) am allerbesten griff.




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Wettlauf mit der Zeit (3)


Teil 3) Der Wettlauf zum Totalitarismus




Ein reiner Wettlauf mit der Zeit, der keine Ausnahmen mehr zuläßt

In Wahrheit ist jede Staatsbilanz (und die meisten Firmenbilanzen, übrigens) aus diesen Gründen ein purer Wettlauf mit der Zeit, der in dieser Form nur so lange aufrechterhalten werden kann, so lange auch das BIP nominell (!) steigt, Jahr für Jahr, und notwendigerweise. Nur so lassen sich steigende Ausgaben wenigstens in der Haushaltsbilanz verstecken und steigende Staatsschulden riskieren, weil angeblich durchs BIP rechtfertigen. Und so wird auch akzeptiert, daß pure Staatsausgaben wie Sozialausgaben und Flüchtlingsmilliarden plötzlich zu Signalen einer "positiven Wirtschaftsentwicklung" werden. Denn das aufsummierte "Volkseinkommen" steigt. In halb Europa, übrigens.

Solange sich Bruttoinlandsprodukt und offizielle Staatsverschuldung so irgendwie nicht nur in einem theoretisch akzeptablen und von der Welt akzeptierten Verhältnis befinden, also: offiziell, und vor allem solange eine Steigerung des BIP auch eine Bedienung der Zinsen aus den Schulden zuläßt (wozu man fast jährlich auf neue Ideen verfällt, wie etwa vor ein paar Jahren, als man die Schattenwirtschaft und Schwarzmärkte "einzupreisen" begann, ist ja auch Volkseinkommen, nicht wahr? oder für 2015, wo die Staaten sich einen kräftigen Kreditzusatzschluck genehmigen durften, weil ja die unvorhersehbare Flüchtlingskrise alle Staatshaushalte außerordentlich belastete, aber auf lange Frist - wir wissen ja - die Wirtschaftskraft steigt, eben durch die zugewanderten Fachkräfte von morgen, damit ist es sogar eine Investition, usw. usf.) ist alles paletti. 

Und auch das zeigen diese beiden Kurven - nicht nur Staatsausgaben, die halten sich wie gesagt in berechenbareren Grenzen, auch durch die Flüchtlingskrise. Aber man könnte und müßte aus der Entwicklung der Kurven auch den Schluß ziehen, daß ein Staat immer höhere Direktinvestitionen tätigen muß - Flughäfen, Autobahnen, Straßenbauten, Amtsgebäude, Schulbauten, Kindergärten, Wohnbauten, Brücken, Flußregulierungen, ... (und überall wird eine volkswirtschaftliche Bilanz erstellt - diese Brücke bringt 6,4 Mio Stunden Fahrzeitverkürzung, 3,4 Mrd. Euro mehr Warenfluß, 1,4 Mrd. BIP ...) - die zugleich immer höhere Reibungsverluste aufweisen (weil sich immer dadurch nur noch umschichtet, in Ausgleichspuffer ante muro abwandert, die aber mit der Zeit immer enger werden weil etwa der Mensch einen Rhythmus hat, den er auf Dauer nicht brechen kann, er IST eben keine abstrakte Maschine - Beispiel: Eine Brücke bringt 0,3 Std. Fahrzeitgewinn hier, aber 0,5 Std. mehr Arbeitsaufwand dort; die Verkehrsstrecken wurden immer schneller, die Gesamtfahrzeit der Menschen aber immer länger, usw.), um durch Geldausgeben ein Wirtschaftsklima zu erhalten oder zu erzeugen, das auch eine Steigerung des nominellen BIP bewirkt.

Man nennt dies seit der Zwischenkriegszeit "deficit spending", das kennen wir ja. Der Trugschluß dabei ist nur, daß seine theoretische Erfindung (die Keynes zugeschrieben wird, in Wahrheit aber seit eh und je in Gebrauch war) nur eine kurzfristige Anschubhilfe sein konnte, die sofort greifen mußte, weil langfristig genau das bewirkte, was wir in der Graphik ausgewiesen haben: Höhere Staatsschulden, bei steigendem Zwang, die Wirtschaft selbst in immer mehr Details zu bestimmen um natürliche Marktreaktionen (Inflation, Wertverluste aller Waren, Arbeitslosigkeit) auszuschalten, und dennoch bringt es langfristig eine Staatspleite.

Mit absoluter Zwangsläufigkeit läuft so ein System, laufend perenniert, auf Totalitarismus zu

Denn dieses System kommt irgendwann, und wenn es noch so weit in der Zukunft liegt, an ein Ende. Irgendwann glaubt man nicht mehr, daß die Staaten ihre Schulden bedienen können oder wollen. Und irgendwann glaubt man nicht mehr an die morgen zu erwartende definitive Innovation, die plötzlich neue Wirtschaftsräume eröffnet. Diese Systeme funktionieren aber nur so - sie brauchen einen "unentdeckten, sagenhaften Kontinent", sie brauchen Expansionsphantasie, und sei es am Mars. 

Die Frage ist nur, wer der erste ist, der seine Konsequenzen zieht und Zukunft ins Heute holt. (Weshalb einem weltumspannenden Verband der Wirtschaftspolitik so hohe Brisanz zukommt. Nur  so kann man dieses System stabil halten, indem alle des Kaisers neue Kleider "sehen wollen".) Dann kracht's, und zwar so wirklich. So ein System KANN sich deshalb gar keine Dissidenten erlauben, es muß immer rigider gegen Nicht-gläubige vorgehen. Dieses System mündet zwangsläufig im Totalitarismus, in der Alternativlosigkeit. Je länger es andauert, desto größer wird der Finalcrash, und damit umso schrecklicher die Angst davor, und damit wird der Spielraum schöpferischer, mutiger Politik immer enger.

Nicht zuletzt Hitler ist ein Beispiel dafür. Er hat ja gleichfalls dieser tollen Idee seinen berühmten Wirtschaftsaufschwung zuzuschreiben, der rein kreditfinanziert war. Der Staat Deutschland wäre in den mittleren bis späten 1940er Jahren vor der Zahlungsunfähigkeit gestanden. Wobei den Staatenlenkern vermutlich doch wieder irgendwelche neuen Kredit- und Rechenkunststücke eingefallen wären. Seit den 1970er Jahren gibt es ohnehin keinen Staat Europas (ja, vermutlich der Welt) mehr, der nicht diese Politik betreibt.

Man muß nur der Rückzahlungspflicht immer einen kleinen Schritt voraus sein, weil vor allem eines: liquide bleiben. Also muß die Welt auch glauben, daß es einem gut geht, und das heißt glauben, daß man irgendwann einmal auch diese Schulden tatsächlich bedienen kann, weil man ja ein wachsendes BIP hat und ein immer reicheres Volk auch immer mehr Schulden bedienen kann, alles klar?

Nicht, daß es einem wie Griechenland oder Spanien oder Portugal oder Irland geht. Die haben sich kalt überraschen lassen, ihre Privatwirtschaft wäre schwer ins Schlingern kommen. Plötzlich war aber das Geld in der Staatskasse alle, um das abzufangen. In Wahrheit aber haben diese Staaten kaum mehr Schulden als Österreich oder gar Italien. Wir waren nur etwas cleverer.




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Mittwoch, 1. Juni 2016

Zur Situation in der Türkei

Was die deutsche Bundestagsabgeordnete der Linken, Sevim Dagdelen, da sagt hat schon gewisse erhellende Kraft zur Situation der Türkei. - Deutschland folgt einer tragischen außenpolitischen Tradition: Es sah dem Völkermord an den Armeniern zu, weil es die Türkei außenpolitisch brauchte, und es sieht heute zu, wie die Kurden niedergeknüppelt werden, weil es die Türkei innenpolitisch braucht.*







*Jemand meinte jüngst - und er machte keinen Scherz - daß es doch lächerlich sei, den Türken Visa vorzuschreiben, wo doch schon lange Deutsche ohne Visum in die Türkei einreisen dürften. Die Frage ist halt, was da lächerlich ist. Es hat in der Tag gewisse verblüffende Parallelen. Denn wenn die Türkei die deutschen Touristen nicht mehr haben weil NICHT mehr in die Türkei einreisen können, brechen den Türken 15 % des BIP mangels einfließendem Geld weg, und die Arbeitslosenrate erhöht sich um 5 %. Wenn Türken in Deutschland DOCH visafrei einreisen dürfen, brechen Deutschland 15 % des BIP wegen der auszugebenden Sozialleistungen weg, und die Arbeitslosenrate erhöht sich auch um 5 % - um die zuwandernden Türken. Nein, pardon: Kurden. Denn die Türkei wird damit zum zweiten mal (nach den 1950er Jahren, den berüchtigen Sozialabkommen mit Deutschland, als Opfer eines ohnehin an allem Schuldigen an die US-NATO, um türkische - später italienische, portugiesische, griechische - Sozialprobleme zu lösen) ein innenpolitisches Problem auf recht deutsch gewordene Art lösen. Es gibt sweit einigen Jahren Bücher über diese Abkommen, die den Deutschen immer verschwiegen worden waren.

Im übrigen: Was hat zu Zeiten eingehender Paßkontrollen (an bestehenden Grenzen) jemals die Reisefreiheit EINGESCHRÄNKT? Geht es hier wirklich - man muß sich ja die Augen reiben, um das "Problem" zu verstehen - um eine Viertelstunde Grenzkontrolle? Wie besoffen sind wir Europäer denn bereits, um DAS als Argument für offene Grenzen zu sehen? Der VdZ war VOR dem EU-Beitritt Österreichs (und dem bald folgenden Schengenabkommen) MEHR unterwegs als heute. In ganz Europa. Lebte ohne jedes Problem längere Zeiten in Deutschland. Es brauchte nur ... einen Paß. Und ab und zu - ein Visum, das man sich eben an der Grenze sogar abholte, als reine Formalität.

Den braucht es übrigens auch heute, man täusche sich da nicht. Erst vor einigen Monaten wurde der VdZ nachts spät in einem Eisenbahnzug nach München aus dem Schlaf gerissen. Paßkontrolle. Nur dem Augenzudrücken des Beamten hatte er es zu verdanken, daß er keine Strafe zahlte, weil er glaubwürdig verkündete, noch am selben Tag auszureisen, OHNE mitgeführten Paß. Den man nämlich, so der Beamte, trotz Schengen mitzuführen habe. Es ist also genau DASSELBE wie in den 1980er Jahren, wo der VdZ sehr oft in Deutschland geschäftlich zu tun hatte, und manchmal nur einen Führerschein bei sich hatte weil in gewisser Gelassenheit den Paß vergessen hatte, weil er ja wußte - es war von keiner großen Bedeutung. Was hat sich mit Schengen da überhaupt geändert? NICHTS. Außer einer Viertelstunde am Bahnhof Freilassing. Oder ist der geneigte Leser schon einmal nach Dublin geflogen, ohne am Flughafen dort seinen Reisepaß vorweisen zu müssen, den dann ein Beamter mit Mütze kontrolliert, trotz "EU-"Schalter? Es ist alles wie früher geblieben. Mit Recht. Ach ja, es gibt keine dekorativen Stempel mehr.




*240516*

Filmempfehlung - Was jeder Erfahrung widerspricht

"Risen"

Ein erstaunlicher Film aus einer spanisch-amerikanischen Co-Produktion, der erst  2016 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. In ihm geht es um die realen Konsequenzen eines unbegreiflichen Falles: Da wird jemand - Jesus Christus, "Joshuah", der Nazarener -  hingerichtet, gekreuzigt, und zweifellos getötet. Die Juden wissen um die Vorhersagen, daß er am dritten Tag auferstehen wird. Also erwirken sie eine Versiegelung des Grabes, und die Aufstellugn zweier Wachen vor dem Grab. Aber das unbegreifliche passiert - am dritten Tag ist das Grab leer. Nun geht es darum, und er Film arbeitet damit auf sehr realistische Weise, mit diesem jeder Erfahrung Widerstrebenden fertig zu werden. Denn es KANN nicht sein. für die bekannt sehr pragmatischen, "vernünftigen" Römer noch weniger, als für die Juden. Für die es ganz andere Konsequenzen hätte.

Sofort setzen deshalb die Juden das Gerücht in Umlauf, Jesu Jünger hätten den Leichnam geraubt und fortgetragen, um die Mär vom Messias aufrechtzuhalten. Diese Mär ist lange schriftlich belegt, auch in den Reaktionen der Christen. Sie biegen sogar die Tatsache zurecht, daß jede Wache, die im Dienst einschläft, mit dem Tode bestraft wird.

Aber der Film zeigt sehr gut die Widersprüche, zeigt sehr realistisch was es auslöst bzw. ausgelöst haben muß, wenn hier wirklich ein Toter scheinbar spurlos verschwunden ist. Und jede Menge glaubwürdiger Zeugen belegen, daß dieser Tote nicht mehr tot ist, sondern lebt, er sei ihnen begegnet, sie hätten ihn gehört oder gesehen. Und kein Mittel reicht, um ihnen das auszureden. Sie sind sogar fröhlich.

Spannend, als man die zweite Wache, die aus Angst geflohen war, verhört. Die erste war bestochen, log, der Tribun (als leitender Offizier) erkennt es sofort. Aber dieser zweite ... er erzählt, was seinen Horizont überstieg. Denn er war Augenzeuge. Sofort die Zweifel, denn die beiden Wachen hatten Wein getrunken. Aber es löst sich so nicht auf. Sie haben etwas gesehen, das jeder menschlichen Erfahrung widerspricht, etwas Erstes, etwas Einmaliges: Die Auferstehung Jesu, das danach leere Grab.

Dann tauchen Gerüchte auf, dort sei er, und da, sofort stürmen die Römer hin. So könnte es ja wirklich gewesen sein. Aber es gibt kein Indizi für eine Lüge, kein Indiz für einen Betrug. Die Jünger kennzeichnet keinerlei Exaltiertheit, ihr Zeugnis ist völlig natürlich, und sie verfolgen offenbar auch keine politischen Absichten. Der Tribun beginnt an sich zu zweifeln. Und da zeigt sich der Auferstandene persönlich, zeigt die Wunden, die Todesmerkmale. Mit einem mal steht auch er in Konflikt mit den Juden und natürlich mit seinen eigenen Volksgenossen, den Römern. Den Christen ist er aber immer noch der, der Jesu Kreuzigung verantwortlich durchführte. Doch nur sie bleiben ihm.

Und so wird er Zeuge einer der Erscheinungen des Auferstandenen am See Genezareth, Zeuge des Wunders des Fischfangs auf Jesu Geheiß. "Werft das Netz auf die andere Seite aus." "Aber Herr, wir haben die ganze Nacht gefischt, und nichts gefangen."  Und sie finden 142 große Fische. Da erkannten sie ihn. Und der Tribun begreift endgültig. Er zieht mit den Jüngern, und wird schließlich sogar Zeuge der Himmelfahrt Christi (die immerhin bemüht dargestellt ist; wie soll man sie sich auch vorstellen?)

Der Film hat Schwächen, ja, zeichnet auch passagenweise dieses verwichlichte Sentimentalitäts-Pseudo-Christentum, dieses geistlose Pazifismusgeschwafel, von dem man heute so die Nase voll hat weil es so unwahr ist, als sehr irdische, nicht sehr tiefgeistige Vorstellungsvariante in dieser Verdinglichung des Geistes, wie es aus ihm leider so oft gemacht wird. Und manches wird "zu natürlich", darin fast banal. Immerhin, der Film setzt sich mit teils recht gelungenen filmischen Mitteln mit der Historizität des Christentums auseinander, und das ist selten und zu schätzen, auch wenn er nicht wirklich zu berühren vermag. Er bleibt also ein recht rationales Vergnügen, eher ein aneinanderreihendes Statement als eine Erzählung. Den Griff zur Dramaturgie, der Voraussetzung für Berührung wäre, hat man nie so recht gewagt. Erneuerungsbewegte Charismatiker werden also orgasmisch aufstöhnen, wie sie ja bei allem aufjauchzen, was sich nominell äquivok irgendwie mit Richtigem deckt und sogar "Gott" auszusprechen wagt. Kunst freilich schaut anders aus. Und natürlich Wahrheit.

Aber er macht in seinen Richtigkeiten gut klar, was seither das ganz tiefe Probem des Judentums (mit dem Christentum) ist. Das sich in den ersten Jahrhunderten, ja bis ins Mittelalter, ganz massiv und in offenen Anfeindungen seitens der Juden zeigte: Wäre die Auferstehung wahr, hätten die Juden tatsächlich Gott selbst ermordet. Wer das Judentum vestehen will, seine historischen Probleme begreifen will, kommt um dieses zuteifst ontologische Probem nicht herum. Und das neu aufzugreifen wäre höchst an der Zeit, wo auch das Verhältnis zum Judentum in völlig verfehltem, falschem Sentimentalitätsdenken untergeht. Das macht den Flm so erstaunlich aktuell, denn das ist ein weit brennenderes Problem, als meist geglaubt wird.

Eine Schuld, die nämlich nicht einfach an den Juden der "damaligen Zeit" zu begrenzen ist, sondern die tatsächlich in der Universalie - Judentum - und als weitergegebene Grundhaltung verankert liegt. Wo ein Christ aber diese Universalie als Realität bestreitet, bestreitet er wie die Juden die Erkösung. Das Christentum wäre ein bloßer Wahn, eine bloße irgendwie motivierte reiligiöse Lehre. Und an dieser Argumentation hat sich bis heute nichts geändert. Heute glauben nach Umfragen höchstens 10 % der Getauften in unseren Ländern an die leibliche Auferstehung Jesu. Weltweit wird es nicht besser aussehen.

Aber freilich, ohne sie wäre es tatsächlich allen Religionen gleich. Aber ERST dann ist das Christentum "eine Religion": Wenn man die historische Realität der Auferstehung leugnet.












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Wettlauf mit der Zeit (2)

Teil 2) Und der Gründe mehr und mehr




Sie zeigt nicht wie in diesem Fall, daß seit Jahrzehnten nie substantielle Tilgungen der alten Schulden stattfinden, sondern Steuern mehr und mehr nur noch in den Zinsendienst gehen. Auch die Privatisierungen - also Erlöse aus dem Verkauf ehedem staatseigener Vermögenswerte und Unternehmen - wurden nur ins Budget gestopft, wo sie auch wahre Wunder vollbrachten (Nulldefizite!) Sie wurden aber nicht benutzt, um Schulden abzutragen. 

Waren bisher alte Kredite fällig, etwa durch Anleihentermine, wurden nämlich einfach neue Kredite aufgenommen, die die alten "rückzahlbar" machten. Oder man denke an das schöne "sale and lease back"-Verfahren, mit dem sich seit Jahrzehnten öffentliche Budgets elegant aus Liquiditätsengpässen halfen, indem sie öffentliche Anlagen (von den Straßenbahnwaggons über öffentliche Bäder und Kanalnetze etc. etc.) "verkauft haben", um sie gleichzeitig zurückzumieten, und dabei die allfälligen Einnahmen (also Gebühren, Eintrittsgelder, usw.) als Rückzahlung abtreten. 

Was in dreißig Jahren damit ist interessiert heute ohnehin noch niemanden, denn es pressiert ja immer, irgendeine Notsituation findet sich tatsächlich immer, die um des größeren Ganzen willen einen kleiner bewerteten Nachteil rechtfertigt. Etwa den, daß jede Investition, jedes Anlagegut seinen Neuanschaffungswert in der Zeit einspielen müßte, die sie besteht, sonst kann man (über laufende Sanierungen etc.) nicht einmal die Substanz erhalten. Das Schienennetz in England, das Straßennetz in Deutschland sind Beispiele dafür. Also muß man am Tag X, der notwendigen Erneuerung, wieder einen Kredit aufnehmen, um die Neuinvestition zu finanzieren.

Im Budget (einer vereinfachten Gewinn-und-Verlust-Rechnung) finden sich ohnehin nur die Zinsen, also die gerade realisierten und zu tätigenden Geldflüsse. Eine Kapitalbilanz gibt es für öffentliche Einrichtungen in Österreich nicht. Darum weiß in Wirklichkeit auch niemand so wirklich genau, wie es um heimische öffentliche Finanzen steht. Und in Zeiten, in denen die Zinsen sinken, wie seit einigen Jahren der Fall ist, und aus genau diesem Ursachenzusammenhang (sonst wäre 2008 fast jeder Staat Europas pleite gegangen, zumindest schwerstens erschüttert worden), ist fast jedes solcher Probleme der Geldbeschaffung ohnehin recht leicht zu lösen. Ein Anruf bei der EZB genügt, sozusagen. Dann erwirtschaften Staaten sogar einen Budgetüberschuß, über den sich alle freuen - und verschulden sich in Wahrheit noch weiter. 

Auch Bankenhilfen sind da ein gelungenes Beispiel ausgeklügeltster Finanzierungstechnik der Moderne. Der Staat half 2008 durch Stützungskredite, zugleich erhielt er Bankenanteile zum Pfand. Die Bank war also wieder liquide und gut kapitalisiert, und zwar so lange, als sie der Staat eben stützte, während sie umgekehrt für den Staat "Vermögen" darstellten, also für diesen keine "Ausgaben" nötig waren, WEIL sie eben vom Staat garantiert wurden. 

Die Rückzahlung dieser Stützen mußten oder durften sich die Banken dann eben bei den Kunden wiederholen. Was wiederum eine restriktivere Kreditpolitik seitens der Banken zur Folge hatte, die wiederum der Staat durch billige Kredite verhindern mußte, weil sie das BIP gesenkt hätte, also wurden höhere Spannen für die Banken etabliert, sich selbst ein Netz internationaler Solidarhaftung verordnet (ESM) damit Staatsgarantien nominell werthaltig blieben ... und so weiter, und so fort ... Auch das alles mündet übrigens irgendwann oder gleich in eine zumindest indirekte Steuer. 

Seit Jahrzehnten werden nirgendwo mehr Schulden aufgenommen, um absehbar zurückgezahlt zu werden

Daß Schulden aufgenommen und auch gleich wieder zurückgezahlt werden glaubt ja nur der einfache Maxi. Schon Unternehmer wissen es besser, die sich auf ausgefeiltere Finanzierungsmechanismen eingelassen haben. Sie wissen, daß Schuld nur dort und so lange ein Problem ist, als eine zukünftige Ertragskraft glaubwürdig dargestellt werden kann, in die auch irgendwann eine Schuldrückzahlung einberechnet ist. Da stört auch das eine oder andere Jahr mit Miesen in der GuV nicht wirklich, alles hat Gründe, udn wenn man die Gründe erkannt hat und gegensteuert, ist die Glaubwürdigkeit flugs wieder hergestellt, und weitere Kredite können fließen, um diese pure Liquiditätslücke zu schließen. Das kann oft sehr kompliziert werden, und manche Branchen (wie die Baubranche) sind da Weltmeister, dabei durchaus nicht verlogen, aber eben sehr findig, denn die müssen in der Regel mit enorm hohen Anteilen Fremdkapital arbeiten, viel vorfinanzieren, haben langfristige und auch noch bedingte Forderungsbestände, Haftungsrücklässe, Halbfertigwaren, verschiedene Rangbewertungen von Forderungen (etwa alleine im Spagat zwischen Privatkunden hier, Unternehmen als Lieferanten dort, mit unterschiedlichen Gesetzen und Usancen) usw., usf. Weshalb es bei Baukonkursen oft die größten Überraschungen gibt, denn ein Bauunternehmen kann aktiv und in Gewinnhoffung viel wert sein, und ist buchstäblich am nächsten Tag fast wertlos. Da kennt sich der VdZ (leider) ein wenig aus.

Wie hoch die Schulden Österreichs sind (also: Verpflichtungen, als bereits eingegangene Verpflichtungen, also Schulden und Steuern der Zukunft) weiß niemand so ganz genau. Es gibt verschiedene Hochrechnungen, Schätzungen, wenn-dann-Rechnungen. Die plausibelste ist, daß Österreich (und so gut wie jeder Staat Westeuropas) einen Verpflichtungs- (also: potentiellen, aber nicht aktualisierten Schulden-)Stand hat, der das DREIFACHE eines BIP ausmacht. Also drei Jahreseinkommen aller seiner Bewohner insgesamt ausmachen.

Wirkliche Rückzahlungen, die auch den Schuldenstand senkten, sodaß auch die obere Kurve wieder nach unten gehen bzw. flacher werden würde, würden eine tatsächliche Beschränkung der Ausgaben verlangen und damit den Aktionsradius der aktuellen Politik einschränken. Das hieße weniger öffentliche Investitionen, weniger Beamte, weniger Sozialausgaben usw. Nur hat die Politik dazu seit Jahrzehnten keinen Mut, und vermutlich auch gar keine Ideen, wie man das machen könnte, ohne gleich und radikal an die Wand zu fahren. Und vor allem lassen sich damit, so ihre Angst, keine Wahlen gewinnen. Die müssen sie aber gewinnen, weil der Staat ohne sie ja sowieso vor die Hunde geht.



Morgen Teil 3) Der Wettlauf zum Totalitarismus





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Dienstag, 31. Mai 2016

Dann ist es Todsünde (2)

Teil 2) Zuerst das Gewissen 
- Worüber sich ein Bergoglio-Kabarett schreiben ließe -


Newman sah sehr scharf, wohin eine offizielle Dogmatisierung der Unfehlbarkeit des Papstes führen würde, und er hatte absolut recht: Die Gläubigen würden mit der Zeit nicht mehr unterscheiden können, was eine unfehlbare und was eine fehlbare oder rein private Handlung eines Papstes wäre. Genau diese Verwirrung im Volk kann man seither auch beobachten.

Und daß er es sich in der Gewissensbildung je leicht gemacht hätte, kann ihm ganz gewiß nicht zum Vorwurf gemacht werden. Auch nicht dem VdZ. Im Gegenteil sah er sich aus diesem Grund oft und oft genötigt, sich mit theologischen und philosophischen Fragen auseinanderzusetzen, mit viel Mühe und Zeitaufwand, die er sich manchmal auch lieber erspart hätte. 

Und selbst wenn dieser Argentinier am Stuhle Petri den allergrößten Stuß erzählt (und der VdZ größte Zweifel an seiner persönlichen Lauterkeit hat²) prüft der VdZ bis heute, wo jener berühmte Funke Wahrheit liegen könnte, der in allem sein muß, sonst gäbe es ihn nicht. Nur ist er oft sehr versteckt und sehr häufig in einem ganz anderen Zusammenhang zu sehen, als es Bergoglio zu meinen scheint. Denn man darf auch nicht den Fehler machen, sich im Vereinzelten zu verlieren, man muß immer den großen Horizont suchen, in den es einzubetten ist, und aus dem heraus es überhaupt erst ist wo und was es ist.

Nichts aber könnte den VdZ dazu bringen, in blindem Gehorsam - und das ist immer schon (!) eine von der Kirche abgelehnte, ja als abzulehnende klar bestimmte Haltung! - einfach allem und jedem nachzulaufen, was der Papst sagt. Die Notwendigkeit zu schärfster Prüfung ist aber besonders dort der Fall, und ganz besonders dort der Fall, wo der VdZ zu anderen Schlüssen kam oder kommt, als der Papst bekannt gibt (schon gar, wenn er es als private Plauderei tut). Denn dann weiß der VdZ umso fester, daß er Verantwortung für sich übernehmen muß.

Und das ist es, was den Menschen erst in Freiheit gründet: Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Erst dort (!) und in dieser Freiheit der freien Zustimmung - denn Irrtum ist nicht Freiheit, Irrtum ist immer in Unfreiheit begründet und Ausdruck von Unfreiheit, wenn er nicht gleich Bosheit und damit direkte und schwere Sünde ist - ist er auch Ebenbild Gottes. Und das heißt auch und das heißt gerade, selbst dem Papst zu widersprechen, wenn er Unsinn redet und falsch handelt. Ohne Amt und Realisierung damit je anzuzweifeln.*

Aber zu dieser Berufung des Getauften zur Freiheit der Kinder Gottes gehört genauso jene zu kritisieren, die da meinen, die Anerkennung päpstlicher Autorität verlangte die Außerkraftsetzung des eigenen Gewissens und der höchst persönlich nur wahrzunehmenden Verantwortung für den ganz konkreten Lebenskreis am Ort, an dem man steht. Das ist Aberglaube. Das ist dieselbe Todsünde, die gesetzt wird, wenn man von anderen verlangt, sie hätten sich in blindem Gehorsam dem Papst zu fügen. Denn nichts kann die Notwendigkeit (und man muß heute DARAN erinnern, gerade weil alle meinen, es sei umgekehrt) zum Ergreifen der Freiheit - Selbstsein ist ein Akt - ersetzen oder außer Kraft setzen.**



"Papa Francesco"
 - Ein Bergoglio-Entwurf -

Es erzählt viel auszutesten, in welcher Form und mit welchen Inhalten sich zu einer Situation oder Person ein Kabarett schreiben ließe. Es erzählt schon viel, wenn Kabarett die einzige Möglichkeit ist, sich einer Sache zu nähern, ohne sie in Haß oder Lieblosigkeit auszustellen, weil sie in Sachlichkeit gar nicht zu bewältigen wäre, ohne in einem vernichtenden Urteil zu erstarren. Denn im Kabarett muß man seine Figuren lieben, sonst mißlingt es und wird zum langweiligen Traktat. Das also mit einer überspitzten Handlung Tatsachen Bergoglio'scher Amtsführung auf einen Kulminationspunkt hin schreibt, der die Groteske deutlich macht. Und damit eine Verobjektivierung eines zuvor noch ungeborgenen, chthonischen, diffusen Inhalt möglich macht.

Diesen vor Augen stellt, und im Lachen befreit und distanziert, sodaß man sich frei verhalten kann. Schon vor geraumer Zeit hat der VdZ den Gedanken einmal durchgespielt, weil er sich aufdrängte, dieses Pontifikat in einer episodenartigen Kurzfilmreihe mit viel Humor (in dem Bergoglio durchaus mit gewisser Liebenswürdigkeit betrachtet würde, ohne freilich der Sache etwas zu nehmen) darzustellen. Dazu braucht es aber doch gewisse theologisch-philosophische Urteilskraft, sonst würde man der Sache ihre eigentliche Spitze - und den eigentlichen Humor - nehmen. Der nur über Tragik funktioniert, denn die Komödie ist eine überzogene, überdehnte, auf wahrhaftige Spitzen (als verlängerte Tangenten) getriebene Tragödie, die maßlos wurde. Aber um Tragik zu begreifen, um sie darstellen zu können, muß man ihre sachlichen Grundlagen in ihrer Ernsthaftigkeit erkannt haben.

(Der Leser möge verstehen: Die konkreten Inhalte werden derzeit noch unter Verschluß gehalten.)

Es umzusetzen ist halt eine Geldfrage, und Filmproduktion etwas anderes als Ideen zu gestalten. Zu der es auch jede Menge Mitstreiter und vor allem ein Gemüt braucht, kräftig in die Welt hineinzugreifen. Der VdZ hat also die Idee weit nach hinten gestellt, wo sie weiter fermentieren kann. Wie so viele Ideen.





*Der VdZ war vor gut 20 Jahren in einen schweren und öffentlich ausgetragenen Disput verwickelt, in dem er in seiner Verantwortung als Familienvater auch für die religiöse Erziehung seiner Kinder den offiziellen Religionsunterricht kritisierte. Im Einzelfall müsse man seine Kinder sogar vom offiziellen Religionsunterricht abmelden, äußerte er damals, wenn man sie katholisch erzogen haben wollte. Was ihm den Vorwurf seitens etlicher Kleriker (darunter Bischof Krenn) eintrug, er sei "ungehorsam", ja rufe dazu auf. Das war nicht nur tief ungerecht, und zwar weil man eben nicht verstand was einen Familienvater von einem Kleriker unterscheidet, es ist selbst von maßgeblichen Kirchenvertretern (und im übrigen von + Johannes Paul II.) längst bestätigt worden. Denn vor allem ist religiöse Erziehung eine elterliche Verantwortung, die zu leisten und die kein Priester oder Religionslehrer abnehmen kann. Der offizielle Religionsunterricht kann (wie überhaupt jede Schule) diese elterliche Pflicht nur stellvertretend übernehmen, mit elterlicher Gutheißung, niemals aber ersetzend.

²Warum soll das nicht gestattet sein? Worin unterscheidet sich diese Meinung prinzipiell von jener, in der Menschen nach dem Tod von Päpsten "Santo subito!" rufen, und die sofortige Seligsprechung eines Papstes verlangen? Auch das ein Urteil aus persönlichem Eindruck (so weit man den eben gewinnen kann) und über die persönliche Heiligkeit eines Menschen. Im Fall Bergoglios kommt der VdZ eben zu diesem Urteil. Und er beruft sich auf eine vielfach erprobte und offenbar nicht so ganz unausgereifte Menschenkenntnis dabei. Ein lauterer Mensch handelt und redet nicht so widersprüchlich, im Gegenteil: Lauterkeit ist ja gerade Einheit in Denken und Handeln, wo das Ja zu einem Ja, das Nein zu einem Nein wird. Oder gilt Menschenkenntnis nicht bei Päpsten? Oder nur, wenn diese heilig sind? - siehe eben: Newman.

**Das passiert nicht einmal in den allerhöchsten Stufen der Mystik, ja gerade dort ist die höchste Freiheit Endziel.



*220516*