Dieses Blog durchsuchen

Donnerstag, 9. Juli 2015

Bezeichnend

Australische Forscher haben Warnungen veröffentlicht: Die Beobachungen und Messungen zur Klimaerwärmung in der Antarktis werden immer schwieriger.

Grund? Die seit 1979, seit Beginn der Satellitenmessungen systematisch beobachtete Zunahme der Fläche des Meereises der antarktischen Region macht eine nachhaltige Versorgung etlicher Stationen von See aus immer schwieriger. Besonders in den letzten Jahren hat sich diese Zunahme beschleunigt. Das Eis versperrt alte Zufahrtsrouten. Teilweise mußte bereits auf Helikopterversorgung umgestiegen werden, was aber langfristig nicht ausreicht - die Stationen müßten aufgegeben oder verlegt werden.

Insgesamt, beide Pole addiert, nimmt seit 1979 die Ausdehnung des Meereises zu, denn die Eisfläche des Nordpols bleibt seit 10 Jahren stabil. Wobei man den Wert dieser Messungen nicht im Absoluten sehen darf (und regionale Besonderheiten sind dabei unberücksichtigt), weil sie nur gewisse Aussagekraft haben, weil die Meßmethode bleich blieb, und deshalb relative Veränderungen festgestellt werden können. Im übrigen: auch die Kubatur des Festlandeises auf Grönland bleibt gleich. Was im Westen nach wie vor abschmilzt, baut sich im Osten und Norden nämlich auf.


Flächenausdehnug des Eises in Artiks und Antarktis




***

Mittwoch, 8. Juli 2015

Es ist erschütternd (1)


Wie angekündigt, hat der VdZ nach einer ersten oberflächlichen Lektüre die jüngste Enzyklika LAUDATO SI des Heiligen Vaters, Papst Franziskus dem Ersten, nun genauer gelesen. Ermuntert durch einen ersten Eindruck: Es handele sich hier um einen Schlag gegen die Moderne. Einen Schlag gegen die heutige Lebensweise, die darauf abzielt, den Sinn des Menschseins zu pervertieren, der eingebettet ist in den Sinn der Schöpfung überhaupt.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es ist nachgerade umgekehrt, wenn auch subtil. Der VdZ hat eine intensivere (Re-)Lektüre des Textes jedenfalls eingestellt. Denn - dieser Text ist eine intensive Lektüre nicht wert. Er ist es nicht wert, eine Intention zu suchen, sie ist nicht zu finden, sie wäre eine "Hineindichtung". Nicht wert, einen Faden, eine Deutungsmitte zu suchen, der nicht da ist. Und das, was die superfrommen Propagandisten und atheistischen Rationalisten sowieso tun werden - einzeln Sätze oder Wörter heraussuchen, um an ihnen zu beweisen, was sie an diesem Konvolut haben - sollen die machen, das muß hier nicht auch noch passieren.

Aber der Text desavouiert nicht nur alles, was der VdZ als die unfaßliche, immer wieder staunenswerte, ergreifende Weisheit und geistige Tiefe und Höhe der Kirche kennzeichnend kennengelernt hat. Er ist in einem Ausmaß dumm und widersprüchlich, daß sich ein Generalimpuls (wie: Antimoderne) gar nicht herauslesen läßt. Die Reaktionen bestätigen das ja vielfach.

Daß sich nichts (und alles) herauslesen läßt, weil - sich ein Papst, der es nicht schafft eine innere Mitte zu finden (und das in dem Alter!), gerne schwafeln hört, und in seinem narzißtischen Wahn meint, er hätte so unendlich viel Wichtiges zu sagen. Vielleicht trifft das auch über argentinischen Tango zu (nicht einmal das glaubt der VdZ), ganz sicher aber nicht über die in der Enzyklika angerissenen Themen, und eigentlich schon gar nicht über Glaubensdinge. Denn auch dort verfährt er wie mit dem Umweltthema - er plappert Stehsätze nach, die nur aufnahmebereite Gehörgänge finden, weil sie der Papst sagt. Jedem anderen am Biertisch würde man übers Maul fahren, weil er im Suff faselt.
 
Leserin S, Sie haben deshalb völlig recht: Was der VdZ in der ersten Schnellreaktion noch an Gutem zu sehen meinte - und glauben Sie ihm: Wie hätte er gewollt, endlich einmal Gutes an diesem Papst zu finden! denn es gibt wahrlich geistig Ungefährlicheres als Kritik am Papst! an dessen Amt die geistige Gesundheit der Welt hängt! -  ist bei genauerem Betrachten nicht vorhanden. Und sich auf die vereinzelt guten Sätze zu beziehen, die natürlich auch vorkommen, ist im Ganzen gesehen Lüge - denn man spricht nicht mit Einzelnem, man spricht immer im Ganzen. Einzelne Punkte, die besondere Mängel darstellen (wie die inkonsistente Kulturanthropologie - nicht jede Lebensweise des Menschen ist nämlich Kultur, das gilt auch für Ureinwohner), werden hier im Laufe der Zeit vielleicht noch einmal aufgegriffen.

Weiteres Eingehen auf dieses Schandpapier, auf dieses unsägliche, oft grotesk lächerliche, vor allem aber widersprüchliche Gefasele eines Wirrkopfs pubertären Zuschnitts, in dem die Kirche in einem Ausmaß blamiert wird, gegen das der Fall Galileo Galilei wie ein dezenter Fauxpas bei einem despektierlichen Nachmittagstee unter hochwohlgebornen Freunden wirkt, ist eine Vergeudung menschlicher Ressourcen. In einer Zeit, die so nach Substanz und Orientierung lechzen würde, in der in einer breiten Stimmung die Bevölkerungen die Nase voll haben von Umweltmoralismen und Scheinlösungen für Scheinprobleme, ist die Kirche, die hier zum politischen Rundumschlag mit revolutionärem Impetus angesetzt hat, wie immer, wenn sie Weltdinge annimmt, zu spät und am falschen Dampfer unterwegs. Die nun Tips zum ethischen Bäumchensetzen und moralischen Mülltrennen gibt und dringend aufruft, einer Wissenschaft zu glauben, die längst im Rationalismus erstickt ist.

Wie, bitte schön, will man der "Umweltproblematik" auf den Grund gehen, wenn man vom Wort "Vorsehung Gottes" scheinbar nicht einmal gehört hat? Das Wort kommt nicht ein einziges mal vor. Dabei ist es der Dreh- und Angelpunkt jeder katholischen "Ökologie".  Nur von ihr aus läßt sich das Thema der Lebensweise überhaupt reflektieren.

Ach ja, die Dolchstoßlegenden sind natürlich auch längst vorbereitet und unterwegs. Ihr Inhalt ist jetzt schon formuliert, auch das nichts Neues und aus bisherigen Papstäußerungen längst bekannt - was nicht alles doch AUCH in dem Dokument stünde, wenn nur hier, dort, in einem Absatz, in einem Wort.

Eine Enzyklika, das sei allen jenen gesagt, ist wie jede sprachliche Arbeit eine Gesamtaussage, ein Ganzes. Sie hat eine Spitze, eine Stoßrichtung, ein Ziel. Und aus der Wirkung läßt sich erkennen, wo dieses Ziel liegt, und wie es um den Redner bestellt ist. Nicht an einzelnen Sätzen, die "natürlich nicht gelesen werden," wie ein Sandro Magister bereits wenige Tage nach dem Erscheinen von Laudato Si schwächlich moniert, um zu beweisen, daß er doch eh den Papst verteidigt, man solle ihm doch die Akkreditierung bittebitte wieder zustellen. (Die ihm der Heilige Stuhl entzog, nachdem Magister eine ihm zugespielte Entwurfsfassung des päpstlichen Schreibens vor dessen offiziellem Präsentationstermin online stellte.)

Wieder aber, so ein amerikanischer Kommentator, werde der Kirche, also die Sonne - man beachte den hohen Stellenwert der Lichtsymbolik in der Kirche! - zum Verhängnis. Der VdZ bestreitet einmal mehr vehement, daß dieser Papst ein besonderes Gespür für diese Zeit und die Öffentlichkeit hätte. Das genaue Gegenteil ist wahr. Er rennt ihr nur nach, einerseits, und irritiert anderseits, weil es der Papst ist, mit allem Gewicht, das der Welt schon ontologisch innewohnt. Der da aber eine ganze Runde im Olympiastadion hinterherhechelt und in der Zielgeraden, kurz vor der Überrundung, nun so tut, als würde er den Lauf anführen.



Morgen Teil 2) Ein Läufer der 1970er Jahre kommt an




*Man lese die immer noch sehr lesenswerten Rhetoriken der Antike. Denn anders, als heute meist gemeint wird, ist Rhetorik nicht einfach die "Kunst gut und wirkungsvoll zu sprechen" - zu dem Zeitpunkt war sie bereits Sophistik und Nominalismus. Vielmehr enthält die Rhetorik das Wissen, daß sich in der sprachlichen Struktur eines Menschen, einer Rede, auch sämtliche Auseinandersetzung mit der Wahrheit enthält. Es ist eine geistige Konstellation, die Sprache gestalten, Worte wählen, Sätze formulieren läßt. Die Texte entstehen läßt, die dann dieses geistige Insgesamt in sich bergen, und weitertragen können, wenn der Leser (oder Hörer) es aufzunehmen, zu begreifen vermag - indem er sich dem geistigen Inhalt und Impuls öffnet. Deshalb kann es auch im Gespräch nur ein Verstehen geben, wenn beide Seiten in einem Geist übereinkommen, dem auch der Hörer oder Leser beitritt. Ein und derselbe Satz, ein und dasselbe Wort wird in anderem Zusammenhang zu einer völlig anderen Aussage. Das ist auch das Spezifische an der Unterschiedlichkeit der menschlichen Sprachen - sie sind Schöpfungen eines geistigen Raumes mit spezifischen geistigen Konstellationen, ohne daß dies universales Verstehen ausschließt. Hinter jeder Grammatik steht eine Weltanschauung, ein "Denkstil", ein Kulturstil.

Deshalb wird ein Nicht-Glaubender niemals nominelle Glaubensinhalte verstehen oder darin denken können - es sei denn, er WILL glauben, er will diesen Geist HABEN, beziehungsweise in ihm atmen. Das macht den Unterschied des Katholischen gegenüber jeder anderen Religion aus: Es ist universal, es enthält alle anderen. Was sich, übrigens, Mitglieder anderer Religions- oder Bekenntnisgemeinschaften meist nicht vorstellen können - wie auch; sie gehen ja von Voraussetzungen der Selektion aus.

Und deshalb muß man einen Text immer in seinem Gesamthintergrund sehen und zu verstehen suchen. Wer einen Text, dessen geistiger Hintergrund verworren ist, durch Selektion zu "Aussagen" stilisiert, mißachtet bereits den Hersteller dieses Textes und versucht einen Geist zu simulieren, der nicht da ist. Das Eklektizistische an den Aussagen des derzeitigen Papstes ist dabei dieselbe Simulation des Universalen. Das der Einheit nur dient, wenn es sich in einem einzigen Punkt eint, und von dort wiederum ausgeht. Sonst bleibt der Text, eine Aussage, im Vielfachen (Subjektiven, Faktischen) zerstreut, eint sich nie ... in Gott. 

Das muß nicht bewußt geschehen, im Gegenteil sogar, es ist wesentlich immanent, unbewußt: es muß nämlich nur vorhanden sein, als Kraft. Ein Mensch widerspricht sich deshalb nicht, weil sich seine "Worte" widersprechen. Er widerspricht sich, wenn einzelne Aussagen aus je anderem Geist stammen. Das ist mit dem bewußten Wollen gar nicht zu bewirken (aber oft gut vorzugaukeln). Denn dann trägt sein Vielfältiges - und jedes tägliche Leben ist ein Exzentrieren, ja ein Hingeben ins Vereinzelte - nicht die innere Ausrichtung auf das Eine hin, die Verwurzelung darin. Das ist sie dann, die Wahrheit - oder die Lüge, zumindest die Nicht-Wahrheit. Wahr zu sprechen ist deshalb eine Frage der Tugend als Durchdringungskraft der Äußerungen.

Das Eine, das alles enthält, das Universale, ist aber nicht summativ zu erreichen. Wie es der Vielsprecher versucht, der einfach alles sagt, im Versuch, dann auch alles zu enthalten. Es ist eine innere Qualität, die in ihrer höchsten Vollendung (weil Universalität) in ein Wort beziehungsweise ins Schweigen mündet. 

Das nennt man dann Mystik - von myeein = schweigen. (Geheimnis bezieht sich damit auf das "daheim, vertraut" sein; seine Nähe zum Schweigen ist evident.) Weil das Universale = Eine unendlich ist. Aber nicht "nichts" (im Sinne von Auslöschung), sondern "alles", und deshalb nicht mehr ins Vielfältige verloren. Weshalb die Mystik die Initialstufe - zur Aktivität ist. Denn das Eine, das Sein, ist höchste Aktivität. So, wie dann alles Vereinzelte, alles Dinghafte, alles Seiende, zur (tathaften) Stellvertretung des Einen (Seins) wird.

Von außen beziehungsweise dem "unheimigen Auge" scheint die Aktivität des ins Vielfältige Verlorenen und aus dem Einen Tätigen oft ununterscheidbar. Aber sie sind Gegensätze. Niemand "tut" meist so "viel" (ist so "aktiv") wie der "Nicht-Tuende" (im Einzelnen Verlorene), dessen Streben aber nie ins Eine führt.




*080715*

Zeichen und Wunder

Einen wahrlich grandiosen Artikel zur Entwicklung unserer europäischen Gesellschaften fand der VdZ dieser Tage in der österreichischen Tageszeitung Die Presse. Verbunden mit der dringenden Aufforderung an die Leser dieses Blog, ihn sich zu Gemüte zu führen. Das Verwunderlichste ist, daß sich solch ein Artikel überhaupt in einem Massenmedium - und dann in diesem findet. Das sich ansonsten wie sämtliche übrigen Medien in diesen Landen durch political correctness auszeichnet und Journalistik mit Meinungsmache gleichsetzt.

Die Folgen davon zeigen sich übrigens auch hier in den Leserreaktionen, die dem Artikel folgen: Ist aufgrund dieser Realitätsverweigerung kein offenes Sprechen mehr möglich, kann sich auch kein kollektives Narrativ bilden, keine Abklärung der Vernunft. Und der Einzelne versinkt in diffusen "Weltbildern". Zeitungen müssen aber so etwas sein wie die antiken Foren, oder die germanischen Hallen, das Wirtshaus, oder der Kirchplatz nach der Messe, in denen Abklärungen stattfinden können, die einheitsbildend wirken weil Vernunft herausfiltern. Die immer eine Mutmaßung über den eigentlichen Weltgrund ist, die der Autorität bedarf, um zur "Sichtweise" zu werden. Denn Vernunft kann jeder nur empfangen, sie liegt dem Einzelnen voraus, und allem zugrunde. Ohne Vernunft kann deshalb kein Mensch leben, und das heißt: ohne absolute, allgemeine, allen gleich zugängige Vernunft. Die ist aber allen übergeordnet, nur dann ist sie absolut, und jedem gleich offen. In einer öffentlichen Atmosphäre der Wirklichkeitsoffenheit und -liebe kommt es so also zu einer "allgemeinen Vernünftigkeit". Und jeder Streit, jede Meinungsdifferenz ist nur der Versuch, Vernunftbeeinträchtigungen aufzuhellen.  Weil niemand Angst haben muß, daß der andere nur "seine"  (verbeulte, in seinen Nutzen oder gar Haß gestellte Version) Vernunft durchsetzen möchte, sondern um die "Vernünftigkeit selbst" ringt.

Das Vertrauen in diese Foren verlor sich aber aus erwähnten Gründen, und so zerfällt das Volk in unzählige Sonderlinge. Mit je dieser oder jener Autoritätsstelle, der er anhängt, die miteinander um Einfluß ringen, weil sie gar nicht anders können - um "alles" (und damit selbst erst "Vernunft") zu werden.

Der VdZ ist für die von Ley vertretenen, aus eigenen Analysen gewonnenen Ansichten noch vor wenigen Jahren gesteinigt worden. Aber gut, auch der Wiener Historiker und Buchautor wurde ja verschiedentlich angegriffen, im mildesten Fall zum Radikalisierer gestempelt. Allmählich aber scheint sich wenigstens in Ausnahmefällen eine vorsichtige Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit einzustellen. Und eine solche Bereitschaft zur Wirklichkeit nicht als Kampagne, die von "Hetzern, die der Dominanzgesellschaft angehören und durch das Herbeireden derartiger Szenarien zu einer mentalen Radikalisierung weiter Teile der sogenannten abendländischen Zivilisation beitragen" betrieben, verleumdet wird.

Die in dem Artikel dargelegte Analyse deckt sich in seinen Einschätzungen oft aufs Wort mit den an dieser Stelle schon seit längerem vorzufindenden Analysen. Nur in den Konsequenzen gehen die Meinungen auseinander, aber darüber kann man eben diskutieren, aber eben nur dann diskutieren, wenn einmal die Bereitschaft da ist, den Wirklichkeiten offen zu begegnen. Solange die Furcht herrscht, die Kenntnisnahme des Wirklichen wäre schon selbst die Gefahr, ist jede Gestaltungsmöglichkeit bereits blockiert.

Auch Ley meint, daß wir auf ein Auseinanderbrechen unserer Staaten zusteuern, und dieser Prozeß ist durch die Masseneinwanderung bereits irreversibel. Denn den Zugewanderten steht eine demographischen Selbstmord bereits begangen habende Gesellschaft gegenüber. Daraus werden zwangsläufige Konflikte, wie sie der deutsche Demograph Herwig Birg (auch von ihm wurde hier bereits mehrfach gehandelt) entlang von vier Bruchstellen identifiziert: als Generationenkonflikt, als Regionalkonflikt, als Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen mit und ohne Migrationshintergrund, und als Konflikte zwischen Menschen mit Kindern und ohne Kinder. Problemzonen, die natürlich teilweise ineinander übergehen.

Im Presse-Artikel weist Ley speziell auf die irreversible Islamisierung Europas hin. Auch er kommt - wie der VdZ längst hier nachzulesen meint - zu dem Schluß, daß der Islam mit den derzeitigen europäischen Gesellschaft inkompatibel ist. Angesichts einer handlungsunfähigen, die Wirklichkeit verweigernden Politik wird es deshalb zu einem territorialen Auseinanderreißen kommen (müssen.) Mit jeweils eigenen Rechts- und Politiksystemen einerseits, aber auch als gewaltige Konfliktherde, weil sich jeweils unterschiedliche Zivilisationsniveaus vorfinden werden. 

Großartig an dem Artikel ist auch, daß Ley - endlich, möchte man sagen! - auch Kenntnisse über den Islam (und seiner Entstehungsgeschichte) zu besitzen scheint, die über das übliche und unterträgliche Geschwätz von Ökomenismus und Friedensreligion weit hinausreichen, und ihn in seiner Wurzel zumindest weitgehend verstehen. Denn extrem selten sind - gerade Ökumeniker oder Multi-Kulti-Vertreter - in der Lage weil in ausreichendem Kenntnisstand, um über das aus dem Islam selbst stammende Narrativ (das eine posthoc-Poetisierung ist, keine historisch-faktische Erzählung, die aber als solche anzuerkennen verlangt wird) hinauszugehen. 

Hier stimmt nämlich ausnahmsweise auch das Wort von der Islamophobie. (Und solche Schlagworte dienen ja meist nur einem Verbot, sich mit der Wirklichkeit zu befassen, sie nicht "schönzudeuten".) Denn der VdZ behauptet, daß der Umgang mit Muslimen in Europa tatsächlich von einer bereits immanentisierten, das Wahrnehmen und Denken lähmenden Angst vor ihnen bestimmt ist. Sodaß man gar nicht mehr wagt, ihnen mit der bloßen Vernunft zu begegnen - sondern in "ihrem Maßstab" zu werten bereit ist, um nicht Anstoß zum Konflikt zu geben.

Völlig richtig weist Ley darauf hin, daß der Islam in seiner Selbstwerdung im 9. und 10. Jhd. - und zwar aus genau dem erwähnten Grund der A-Historizität, der die Poetisierung in den Rang von Realem hob, und damit notwendigerweise eine Reflexion unterband weil unterbinden mußte, sonst würde er sich selbst ständig in Frage stellen müssen! - jede weitere geistige und kulturelle Entwicklung (bzw. seine Entwicklung zur kulturschaffenden Kraft, wie sie das Christentum bewies) unterband. Historisch (wie hier bereits abgehandelt) ist deshalb die sogenannte "goldene Zeit" des Islam keineswegs eine "islamische" Zeit, sondern eine Nachwirkung der Kultur davor, die solange bestehen blieb, wie der Islam noch NICHT die dominierende gesellschaftliche Macht hatte. Wo immer diese erlangt hat, erstarb diese Kultur binnen weniger Jahrzehnte. Spanien (oder auch Afghanistan) ist dafür beredtes Beispiel.

In den (seit jener Zeit erst definitiv) islamischen Gesellschaften stehen uns deshalb seit damals unveränderte, anachronistische Religions-, Moral- und Rechtssysteme gegenüber. In ihnen findet sich keine den späteren Entwicklungen Europas (über Renaissance und Aufklärung) vergleichbare Entwicklung. Auch wenn diese nicht immer begrüßenswert waren. Hierin, im Rationalismus-Optimismus Leys, weicht die Ansicht des VdZ von der des Wiener Historikers deutlich ab, was sich dann natürlich bis in die finalen Schlüsse weiterzieht.

Der Wiener wagt aber sogar die Aussage - in einer Zeitung! denn hier, in diesem Blog, sind wir ja quasi "unter Gleichgesinnten" und nicht von staatlicher Presseförderung abhängig - daß von islamischer Zuwanderung dominierte Gebiete diesen Zivilisationsunterschied nicht ausgleichen werden können. Ley spricht es zwar nicht aus, aber man kann es zwischen den Zeilen lesen: Das hat mit der prinzipiell zu einer schöpferischen Kulturleistung unfähigen Religion zu tun. Lesen Sie aber einfach selbst.

Und das - in einer österreichischen Tageszeitung!





***

Dienstag, 7. Juli 2015

Man muß die Griechen lieben

Zwar ist der VdZ schon lange der Auffassung, daß Griechenland aus dem Euro austreten und endlich, endlich wieder zu einer eigenen Währung zurücksteigen müsse. 

ABER wollen die das überhaupt? Nein, sagen auch die Nein-Bejaher. Sie wollten doch ohnehin beim Euro bleiben? Na das glauben wir gerne.

Denn es ist amüsant zu sehen, weil so außerordentlich typisch für linke Geisteshaltung, daß ein NEHMER abstimmt, ob und unter welchen Bedingungen der GEBER weiter zu geben habe, weil er sonst noch mehr geschädigt würde, aber natürlich indem er weiter gibt sowieso weiter geschädigt wird, weil kein Mensch daran denkt, daß Geliehenes so irgendwie auch wirklich einmal zurückbezahlt werden sollte, weil der Geber eigentlich das Gegebene SCHULDET.

Ein Geber, dem bisher nämlich erzählt wurde, er gebe nicht, sondern leihe, und der das berne übernahm, weil er allen vormachte, er leihe, und in Wahrheit wußte, daß er gebe. Nur zu Illustration: Die EU hat Griechenland seit 2005 das DREIFACHE eines Bruttoinlandsprodukts, also sämtlicher Einkommen in einem Land während eines Jahres, geliehen.

Und die Griechen haben es tatsächlich geschafft, daß sich nun ein gespaltenes Europa den Kopf zerbricht, warum es so unmoralisch sei, nicht noch mehr zu geben, weil ein Volk unter der Rückzahlung des bereits Genommenen so leide.

Nur so nebenbei: Warum kam Griechenland erst zur EU, und dann zum Euro? Weil es die geostrategischen Überlegungen der USA nicht vertrugen, daß dieser - den Meereszugang zum Mittelmeer mit beherrschende, den Suez-Weg absichernde - Eckposten Europas im Kalten Krieg nicht beherrscht werden könnte.

Denn am sympathischesten und treffendsten war eine unlängst bei Jauch (?) getätigte Aussage - und der VdZ ist ein großer, sehr großer Liebhaber der Griechen! - daß nämlich die Griechen den ökonomischen Stand eines Entwicklungslandes hätten, aber wie ein Industrieland leben wollten

Ist das nicht Alexis Sorbas, wie er leibt und lebt?  

Oh, man muß die Griechen aus ganzem Herzen lieben. Poetischer geht es nicht.


***

Einmal mehr dürfte die Argumentation von Hans-Werner Sinn die Angelegenheit am realistischen abbilden. Seine Argumente sind schlüssig. Der da meint, daß Griechenland aus dem Euro austreten MUSZ, will es sich wirtschaftlich je erholen. Ein neue, eigene Währung könnte Griechenland einige Jahre zumindest die Wechselkurse floaten lassen, zuerst natürlich mit enormer Abwertung. So kann sich die griechische Wirtschaft nach und nach wieder in ein realistisches Verhältnis zum Euroraum herantasten, abhängig von den realen Wirtschaftsverhältnissen. Die durch die enormen Kredite, die Griechenland seit dem EU- und Eurobeitritt erhalten und verbraucht hat, ohnehin schwer verfälscht worden ist. Man kann eben (es ist immer wieder dieselbe Logik) rein durch zugeührtes Geld KEIN Wirtschaftssystem, keinen Wirtschaftsraum wirklich retten, oder ihn substantiell verbessern. Das hat sich immer wieder in der Geschichte bewahrheitet.

Ein Wirtschaftsraum, eine Währung ist immer und ausschließllich nur so stark, wie die Leistungsparitäten in diesem Raum es sind, die eine Währung nur ausdrückt, nicht schafft. Mehr formales Geld heißt damit immer nur mehr Leistungsversprechen, die aber nicht einzulösen sind. Geld muß sich immer im Verhältnis je persönlicher Eigentumsmacht bewegen, das heißt: Der Mensch kann und soll immer nur so viel besitzen, als seiner Persönlichkeit entspricht, die jene Dinge integriert haben muß, die man als Eigentum bezeichnet. Denn Dinge sind ausgelagerte Persönlichkeit.

Was heißt, daß die über 300 Mrd. Euro Auslandsschulden nun auch offiziell und wohl fast restlos auszubuchen wären. Damit kommen auf jeden Bewohner des Euro-Raumes, vom Baby bis zum Greis, 1.000 Euro Steuerbelastung zu. Daß diese Schulden der Griechen praktisch schon lange wertlos waren, wußte ohnehin jeder. Der Euro würde also gestärkt, weil dem Markt signalisiert würde, daß es sehr wohl um die reale und realistische Bedeckung der Währung geht, Staaten also nicht bliebig Schulden machen können, die Euro-Zone ihre eigene Währung ernstnimmt. Die (Nicht-)Reaktionen des Devisenmarktes von voriger Woche zeigen, daß Griechenland längst "eingepreist" war.

Deshalb ist die Argumentation von Robert Misik im Standard nicht nachvollziehbar, weil sachlich nicht richtig. Der da dem österreichischen Finanzminister Schelling vorwirft, er hätte durch seine Parteinahme für "einen scharfen Kurs" Griechenland nicht nur in den Orkus zu stoßen mitgeholfen, sondern dem österreichischen Steuerzahler "letzte Woche" sieben Milliarden gekostet. Die nun abgeschrieben werden müßten - sonst wäre dieses Geld als Buchgeld vorhanden geblieben. Erstens ist dieses Geld bereits "weg", es wurde also nichts verspielt, sondern bestenfalls NUN realisiert, was bereits vor etlichen Jahren ausgegeben wurde. Wir haben es durch höhere Steuern, vor allem durch die kalte Steuerprogression, bereits abgedeckt. (Hätte die Politik nicht immer noch mehr durch sonstige Posten ausgegeben als eingenommen, sodaß die Staatsverschuldung Österreichs trotzdem in den letzten fünf Jahren von 65 % auf mittlerweile 85 % des BIP gestiegen ist, wobei ein Teil davon - wie die Schulden durch den Hypo-Alpe-Adria-Crash - auch nur eine Realisierung zuvor nicht ausgewiesener, aber bereits getätigter Ausgaben war. Es scheint in Österreich Prinzip geworden zu sein, eingegangene Verpflichtungen erst durch nachfolgende Regierungen realisieren zu lassen.)

Diese sieben Milliarden hat (s.o. die Reaktion der Finanzmärkte) der Österreicher durch immanente Geldentwertung IN ÖSTERREICH bereits klammheimlich BEZAHLT. Das österreichische Geld (als Teil des Euroraumes ein fiktiver weil im Währungskollektiv enthaltener Wert) war diese 7 Milliarden schon bisher WENIGER WERT, salopp formuliert. So, wie die 90 Mrd. Deutschlands.*

Nun geht es darum, sogar noch weitere Milliarden in ein System zu pumpen, das sich durch Geldzufuhr niemals erholen kann. Für diesen Fall alleine sähe dann der VdZ eine punktuelle, sehr konkrete solidarische Hilfeleistung durch Europa (und sei es durch Waren- und Leistungslieferungen) angebracht, um dem Land die Übergangsschwierigkeit zu überstehen zu helfen.



*Diese Enscheidung ist bereits VOR FÜNF JAHREN getroffen worden, als man Griechenland erstmals "rettete". Selbst wenn man berücksichtigt, daß diese damalige Rettung auch, aber nciht ausschließlich, eine Rettung deutscher und französischer Banken war, deren Kredite an die Griechen mittlerweile von der Allgemeinheit übernommen wurden. Sonst hätte man vor fünf Jahren diese Banken retten müssen weil sie die Ausfälle nciht mehr verkraftet hätten. Was pekuniär vorerst aufs selbe hinausgelaufen wäre. Alles das übrigens als Folge des bereits langjährigen Deals zwischen Staaten und ihren Banken. Denn immerhin finanzieren diese schon lange die Politik, und gehen dabei die allergrößten Risiken ein - wie im Falle Griechenlands, dem Geld geliehen wurde, obwohl die Bonität nicht vorhanden war. Hier zu behaupten, es wäre die Privatwirtschaft, die die Politik unter Druck setzte, ist also auch sachlich falsch. Es war und ist ein Kuhhandel.

Der VdZ war schon damals anderer Meinung, der Meinung daß man es darauf ankommen hätte lassen müssen, man die Banken also in die Pleite hätte gehen lassen müssen. Mangels Wirklichkeitserfahrung schreckt die Politik zu leicht vor Krisen zurück, weil sie die Regenerationsfähigkeit eines Systems deutlich unterschätzt. Akzeptiert heute aber auch die Argumente, die der Politiker Edmund Stoiber jüngst vorbrachte, daß vor fünf Jahren AUCH Portugal, Spanien und Irland in Bedrängnis waren. Ein Schock, samti diesen Bankenzusammenbrüchen, hätte den Euro damals höchstwahrscheinlich kippen lassen. Heute - verträgt er es, weil es momentan nur noch um Griechenland geht.



***


Am Fall Griechenland wird erstmals auch erlebbar, daß die Euro-Gemeinschaft tatsächlich eine Schicksalsgemeinschaft ist, in der jeder für jeden stellvertretend haftet - und zwar automatisch. Weshalb solche Gemeinschaft nur möglich ist, wenn alle sich an denselben inhltichen Zielen orientieren, und dies verbindlich und verläßlich.  Wenn sie das nicht tun, schädigen sie - wie in einem Raubverfahren, denn es ist dann auch Diebstahl - die übrigen Mitglieder. Warum der VdZ das sagt? Weil man natürlich nun die griechische Politik enorm unter Druck gesetzt hat. 

Angesichts der Konsequenzen, die nun drohen - in dem Referendum vom vergangenen Wochenende hat Griechenland genau das ja verweigert: es hat gesagt NEIN, wir wollen diese gemeinsamen Inhalte s.o. NICHT, könnte die griechische Regierung "genötigt" sein, Maßnahmen zu setzen, die diesen Vereinbarungsrahmen explizit sprengen. Indem es Euros selber druckt! Denn die Konsequenzen, die Griechenland hier abgelehnt hat, kommen IN JEDEM FALL, auch und gerade durch dieses Nein, nur auf andere - meinetwegen: würdevollere - Weise. 

Solches Geld wäre dem Sinn nach einfach perfektes Falschgeld, das vom Euro überall sonst nicht zu unterscheiden wäre. Mit der Konsequenz für den übrigen Euroraum, diese innere Geldentwertung durch verwässernde Leistungsverringerung pro Euro tragen zu müssen. Und das könnte nun wirklich an eine politische Grenze führen. Denn wie wollte man Griechenland diesen Betrug, der als Notmaßnahme gewissermaßen sogar gewisse Folgerichtigkeit hätte, verbieten, wie sollte man das verhindern? Durch Militärintervention? In der sich Griechenland plötzlich ganz neue, überraschende Hilfestellung suchen könnte, ja vermutlich würde. Vielleicht in China, das hier sehr klare geopolitische Interessen - strategisch bedeutende Stellung zum für China lebenswichtigen Öl im Golfraum - hat?



***

Ex factis, non ex dictis amici pensandi (2)


Teil 2) Auf daß die Herdfeuer erlöschen




Oder will auch nur irgendjemand behaupten, daß ein Mensch, der bereit ist, die Welt in einem Ausmaß zu zernichten, das mit enormem finanziellem Einsatz, der jede Volkswirtschaft austrocknen MUSZ, weil er ökonomisch völlig sinnlos ist, die Lebenskraft von Völkern schwächt und irgendwann vernichtet, daß so eine Mensch Natur, Welt und Schöpfung (die immer mit menschlicher Kultur verbunden ist) LIEBT? Sind nicht Techniker, Technizisten - auch diese Behauptung unterschreibt der VdZ aus Beobachtungen jederzeit - immer besonders muttergebundene, mutterbeherrschte, wie väterkastrierte Wesen? Ist nicht gerade die Technik (und die heutige Ökologie in ihrer dogmatischen Verweisung auf "Wisssenschaft als Handlungsimperativ" ist pure Technik, purer Technizismus) der einzige Weg des Schwächeren, die - leibliche! Leib als Medium des Weltseins! - Stärke des Stärkeren zu überbieten?*

Könnte nicht die Stoßrichtung "carbonfree" auch aussagen, daß sie sich gegen das "nie verlöschende Herdfeuer" wendet, das die Frau zu hüten hat - ihre seit Menschengedenken eigentliche Aufgabe, in alle Dimensionen des Weltseins umfassende Realsymbolik für das einzig Lebensspendende, die Liebe? Sie finden das übertrieben, werter Leser? Der VdZ nicht. Denn man muß die Welt so denken. Nur so ist sie human, nur so ist sie in der Vorsehung - dem Wissen, der Vernunft - des personalen Gottes geborgene Schöpfung. Nur so ist sie schöpferisch.

Es wird also tatsächlich Zeit, meint der VdZ, anders zu denken, gerade in Schöpfungsfragen. Sonst kommt man nicht weiter. Die bloße Gegnerschaft gegen die Sprechfiguren des Ökologismus führt zu nichts, im Gegenteil, sie erhält einen Wahn am Leben, der die Welt in nie gewesenem Ausmaß beschädigen möchte, und sich dabei "Umweltschutz" oder gar "Liebe zur Schöpfung" nennt. Das ist seine Charakteristik: Fanatismus, Zerstörungswut mit Ersatzcharakter. Darin wird das Offensichtlichste nicht mehr gesehen.

Viktor Frankl schlägt in solch einem Fall deshalb vor, dem von solchem Wahn Befallenen nicht zu opponieren, sondern im Gegenteil: darin zu bestärken. Nur so erhält diese Denkfigur das Gewicht eines Gedankens, einer Gestalt, die Gravitation entwickelt, zur Erde zurückwill. Denn es ist zuvor diese Opposition, die seine Haltung am Leben hält, und ihm damit selber den Weg versperrt, aus Gründen des Erhaltens im Sein, dessen Verlust er fürchtet, das auch nominell zu wollen, was er sowieso will. Die Opposition ist es also, die ihn in in einer Haltung befestigt, die ihn nicht sehen läßt, was er in Wahrheit tut.










*Ist nicht das, genau das auch der tiefere Grund, warum selbst die Kirche - die Mutter der Welt selbst! - dabei ist, eine eigentümliche Verschwisterung mit dem Ökologismus einzugehen, denn das ist der größte Effekt, den die jüngst veröffentliche Enzyklika Laudato Si haben wird? Denn wenn diese in manchen Ansätzen freilich ganz anderes aufreißt - ihre Verwertbarkeit, ihr Umbrechen in Nutzen, das was als Funktion übrigbleibt, liegt woanders. Sie stärkt ganz real nicht die, denen die Schöfung als Gottesgabe heilig ist - sie stärkt die, die von Schöpfung (und Gott) gar nichts wissen wollen, denen dieser Begriff bestenfalls fromme, nützliche Metapher ist. 

Die wirkliche Botschaft, einen Schellnhuber in den päpstlichen Rat der Wissenschaften einzuladen, liegt dort: In einer Entheiligung durch (moralistischen) Technizismus. Mit einem Papst, der sich fast offen (wie immer ist er auch hier zurückgezuckt, jede Festmachungsmöglichkeit ist ihm ja feind) gegen die Vernunft (aber dafür für eine rationalistische, auf Denkzwänge umgebrochene Wissenschaft) ausspricht - und das heißt: Gegen den Vater, dafür pausenlos Verhaltensmaßregeln für kleinste Alltäglichkeiten in die Welt schießt. Die eigentümlichen Berichte über das bis heute nicht ganz geklärte Verhalten Bergoglio's während der argentinischen totalitären Militärdiktatur könnte hier eine weitere erhellende Note zufügen. Sucht er prinzipiell, in wirrem Instinkt, die Nähe zur - faktischen, als Moral starken - Macht, um von ihrem Schatten zu profitieren, wie Frauen es eben tun?




***

Montag, 6. Juli 2015

Ex factis, non ex dictis amici pensandi (1)

Die Frage müßte doch in Wirklichkeit ganz anders lauten: Welche unterbewußten, chthonischen Antriebe bewegen die Kämpfer gegen die Erderwärmung? Denn es ist mehr als auffällig, daß der Umstieg zu "nachhaltigen Energiegewinnung" mit einem von Jahr zu Jahr noch deutlicher gestiegenen Verbrauch an fossilen Brennstoffen korreliert. Das thematisiert Hans-Ulrich Jörges, der das im Juni stattgefunden habende Treffen der G7 zu Fragen des Klimawandels bespricht. Und dabei zu dem Schluß kommt, daß die Politiker dort allesamt glatt gelogen haben: Denn während sie vollmundig den Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter verkünden, treibt etwa die USA ihre Öl-, Gas- und Kohleproduktion (samt Verbrauch) in nie gewesene Höhen.

Und dieser Ansatz ist es auch, der den VdZ zunehmend beschäftigt: Man will offenbar genau das Gegenteil von dem erreichen, was man vorgibt. Denn das ist das Ergebnis.

Denn auch die deutsche "Energiewende", die ganz Europa mitzwingt, hat aus selbst dem simpelsten Gemüt nachvollziehbaren Gründen genau die gegenteiligen Effekte. Noch nie waren Kohle- und Atomkraftwerke - europaweit gesehen - von so hoher Bedeutung. Nicht TROTZ, sondern WEGEN der Energiewende als Umstieg auf "erneuerbare Energiequellen". Dazu kommt eine Verwüstung deutscher Landschaft, wie sie die Menschheit noch nie gesehen hat. Möge sich bitte der Leser diese kleine Photoshow zu Gemüte führen, und weitere Beispiele ließen sich in Massen anführen. 

Wenn auch das bloße Öffnen der Augen genügen würde, wenn man etwa durch das nördliche Burgenland oder die norddeutschen Landschaften fährt, wo von Landschaft oder Natur, oder Dächerlandschaften, wo von Kulturform gar nicht mehr gesprochen werden kann, die zu reinen technischen Nutz-Einrichtungen verkommen sind.

Könnte es also sein, daß die Figur des Gesprochenen, die Sprechfiguren, die unbewußte Auslagerung - in Stellvertreter- wie Sündenbockfunktion, in jedem Fall: als Scheintheater - jenen Nebel bilden sollen, der verhindern soll, wie Doderer es einmal ausdrückt, daß die Richtung aus der das Geschützfeuer kommt erkannt werden soll? Ist nicht zumindest einer der Gründe auch darin zu suchen, daß von einer Lösung "nur in globalem Maßstab" gesprochen wird, weil die Wirklichkeitsnähe schon so weit verloren ist, daß Folgen für die eigene Sittlichkeit - und nur daraus ließe sich eine "Wende" konstruieren - auszuschließen sind, weil sittliche, charakterliche Mühe, weil Rückbindung an die göttliche Vorsehung durch Eintreten in Gottes Willen bedeuten würden, und NUR DIE kann eine Veränderung bedeuten, NUR DIE kann die Welt verwandeln - von wo das Wort "Wende" ja kommt? Reden nicht (und der VdZ kennt da einige Fallbeispiele) die größten Wendepropheten längst davon, daß individuelles Verhalten "gar nichts bringt", weil nur große, noch größere, globale "Lösungen" (will heißen: per Gesetzen zwanghafte Regelungen)

Das Motiv der "ökologisch Bewegten" liegt, daran hat der VdZ keinen Zweifel, NICHT in einer Liebe zur Natur, zum Wesen der Schöpfung, zum Leben. Es liegt ganz, und zwar wirklich ganz woanders. Und das gilt es zu sehen, und immer schärfer zu sehen. Das muß zu Wort kommen, um gedacht zu werden. In neuen Ansätzen. Was heißt es, wenn man das Geheimnis der Welt selbst zunehmend in Technikgerüste spannt, um es zu beherrschen? Wut auf die Mutter? Verborgener Versuch, den Vater doch zum Sieg zu führen? Sind solche Ansätze nicht weit vielversprechender, um das Problem zu verstehen? Zumal der VdZ sofort, aus dem Stand, aus Beobachtung heraus, der Behauptung zustimmen würde, daß die Ökologiebewegten der Gegenwart durchweg aus einer familiären, identitären Situation stammen, in der Entmännlichung, Kastration herrscht, in der das Weib - durch funktionalisierte Moral, welche die hierarchische Stellung des Mannes durch Universalisierung von Moral aushebelt - herrscht.

Damit aber wehrlos gemacht, weil existentiell an diese Moral gebunden (die es sprachlich-gedanklich nicht mehr aufzulösen wagt, weil es sonst ins Nichts fiele), wendet sich die Wut gegen die Mutter - aber auf ganz andere Weise. Und richtet sich gegen das Wesensbild des Mütterlichen selbst, das im selben Atemzug, im Doppelschlag, auf ein Wesen zurückgestutzt werden soll. Dazu bietet die Natur perfektes Objekt.



Morgen Teil 2) Auf daß die Herdfeuer erlöschen




***

Symbolic against oppression

Eineinhalb wirklich köstliche - und enthüllende - Minuten aus Monty Python's "Das Leben des Brian". Das kann eben nur Kunst: Sie zeigt. Und wirkt nur damit isolierend. Es ist der Betrachter, der diese "in-sich-Logik" zur Vernunft hin aufschließt, und diese damit in ihm selber zu ihrem Recht áls Weltgrund kommen läßt.








***

Sonntag, 5. Juli 2015

Was sonst?

Was hier Prof. Dr. Karl Albrecht Schachschneider vorstellt, ist das, was der VdZ schon vor Jahren hier dargestellt hat. So wird es kommen, auch Schachtschneider sieht es so. Alles andere ist nur ein Verschleierungsgeplänkel. Der VdZ glaubt allerdings nicht an die Erneuerungskraft der Demokratie.







***

Der Inhalt Heiliger Sprache

Jeder Übersetzer weiß um die Schwerigkeit, die Poesie eines Werks - und im letzten ist jedes geschriebene Wort ein Stück Poesie, ob es ein Gedicht oder eine philosophische Aussage ist - in eine andere Sprache zu transformieren. Und es ist meist unmöglich, wenn das neue Werk nicht zumindest eine Neuschöpfung ist, die vom poetischen Inhalt ausgeht, nicht von der bloßen sprachlichen Form. Und es mit diesem Inhalt auch zugleich in eine neue Kultur stellt. Dennoch geht etwas unwiderbringlich dabei verloren, und das ist niemals nachholbar: Daß jedes Werk auf eine Zeit hin und aus ihr heraus geschaffen wurde.

Drückt sich aber in diesem Werk eine zeitlose, ewige Tatsache aus, kann auch die Form nicht verändert werden. Nur so ist dieser Inhalt gleich präsent.

Es ist nicht gut, aus dem Latein in der Heiligen Messe beziehungsweise Liturgie einen Fetisch zu machen. Es ist auch nur die halbe Wahrheit, daran festzuhalten zu verlangen unter Hinweis auf Zwecke und Nutzen. Das alles reicht nicht, das alles sind nur Folgenbeschreibungen.

Der wahre Grund muß in der Ehrfurcht vor dem untransponierbaren Inhalt liegen, der in eine neue Sprache transformiert niemals mehr derselbe sein kann, ÜBER den eine neue Sprache nur noch sprechen kann. Nur im Festhalten an dieser damit immer "heiliger" (und abgehobener) werdenden, nur noch liturgisch verwendeten Sprache, in die der Gründungsimpetus untrennbar verwoben ist, die im Laufe der Zeit aber auch immer weiter auf diese nur anschaulichen Inhalte hin angepaßt wurde, kann auch dieser Inhalt gleich und unverändert weitergegeben werden. Mit größter Behutsamkeit sind deshalb auch nur jene poetischen Aussagen einfügbar, ein Kult damit veränderbar, die diese Inhalte noch präziser, noch begrifflich ausgefeilter zur Darstellung bringen. Weshalb es immer große Heilige waren, die den Inhalten in Anschauung verwandt geworden waren, deren Gebete nach und nach die Liturgie, den Kult angereichert haben. Und nur Heilige könnten es sein, die ein Reform eines Kults durchführen, nur Heilige, die ein Vorhandenes weiter in die Welt hinein ausfalten, auf daß diese für eine Zeit aus ihr heraus greifbar bleiben.*

Ansonsten kann man nur noch über diesen Inhalt sprechen, der als Arkanum zunehmend in die hermetischen Hände jener wandert, die die alte Sprache noch verstehen, und sich in ihr und damit in den Inhalten bewegen können. Aber man gibt ihn damit nicht mehr - weil immer mangelhaft - in der kultischen Handlung selbst weiter. Was umso tragischer wird, wenn die Heilige Handlung selbst Träger der realen Vermittlung Gottes in die Welt ist - im Sakrament.



*Darin wurzelt dieser "tödliche Instinkt", mit dem seit geraumer Zeit in immer kürzeren, ja extrem kurzen Prüfräumen sämtliche Päpste der Neuzeit heiliggesprochen werden. Denn damit (und im letzten: nur damit) lassen sich Reformen sakrosankt stellen. Umgekehrt setzt eine Liturgie von jedem, der in die Heilige Handlung eingreift, diese Heiligkeit voraus. Und genau das ist die fatale Konsequenz, einer Umkehrung gleich, wie sich aus der "Volksbeteiligung" in der Liturgie der Katholischen Kirche zeigt. Der den protestantischen Trugschluß verbreitete, Heiligkeit wäre subjektivistisch attestierbar, ja überhaupt durch Selbstgefühl attestiert. Die Folgen sind logisch zusammenhängend: Nicht nur, daß der VdZ eine erstaunliche Menge von Menschen kennt, sie sich selbst und sogar ausdrücklich als "heilig" bezeichnen.

Mehr noch: Die heutigen Heiligsprechungsverfahren² sind überhaupt zu Heiligsprechungen der Anhänger des Heiligzusprechenden geworden, und damit zu Mitteln aktueller, selbstreferentieller Kirchenpolitik. Im Falle Johannes Paul II. und Polen wurde dies sogar explizit als Grund für eine enorme Dringlichkeit - Stärkung der heutigen (!) faktischen polnischen Kirche durch "Sanktifizierung" - ins Treffen geführt. Und im Fall des aktuellen Papstes (samt Emeritus) hat sich diese Heiligsprechung bereits auf deren Zeit als Lebende ausgeweitet: Die zahlreichen Apologien der Päpste, die ihr Handlen und Sprechen "benedicieren" (also: gut-sprechen; aktiv und wörtlich verstanden), tragen allesamt den Charakter von Argumenten in Heiligsprechungsverfahren.

²Das alles vom VdZ gesagt, ohne sich ein Urteil darüber anzumaßen, ob die betreffenden Personen wirklich heilig waren oder nicht. Dennoch: Wenn es heute auch meist heißt, daß Heiligsprechungen den Charakter der Unfehlbarkeit tragen, so gibt es gute Argumente dafür, daß dies eine unzulässige Ausweitung der Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit ist. Die sich nicht zuletzt in der Heiligsprechungsformel selbst, also der dabei verwendten Sprechformel (sic!) ausdrückt, deren Inhaltsbezug v. a. seit dem 1. Vatikanum allzu großzügig ausgelegt wird. - Da greift also ein Rad ins andere. Die Warnung Kardinal Newmans vor der Unfehlbarkeitserklärung des Papstes (nicht des Inhalts, als der realen Wirkung auf die Kirche wegen) könnte also noch berechtigter sein, als er selber meinte. Denn mit dem unfehlbaren Papst (welche Unfehlbarkeit seither nach und nach vom Amt in die faktische, menschliche Person wanderte) wurde in unausbleiblicher Wirkungskette auch das Kirchenvolk ... unfehlbar, weil heilig.

Denn im Anhängen an eine Person (oder ein Ding) nimmt man an dessen Wirklichkeit teil. Aus dieser anthropologischen Tatsache begründet sich die Einheit und das Schicksal der Welt in seinem Bezug zur Vorsehung (Ordnung) Gottes überhaupt (die in der "Quellperson" Jesus Christus verankert ist - nur in ihr, in Gott selbst, wird Maske und Mensch dahinter eins: im Willen des Vaters: "wer mich sieht, sieht den Vater".)

Weshalb menschliche Identität nur als (imperativischer) Bezug zur Maske (persona) zu verstehen ist. Die Ordnung Gottes (wenn man sie sich bildlich vorstellen möchte) ist eine Ordnung von "Masken", als Ideengefüge aus/in Gott. (Namen und Begriffe sind ja ganz real Auftrag.) Wo jemand die Maske ablegt, oder ständig hervorlugt³ (wie es das narzißtische Kind tut, das diese Wirklichkeiten in "ich" und Maske noch nicht auseinanderhalten kann), sie also "verdoppelt" und damit enteigentlicht, tritt er aus dieser Ordnung heraus. Selbst das Gender-Problem wurzelt GENAU darin.

Das ist aber bei so hohen Ämtern wie Papst oder Kaiser von entscheidender Bedeutung, denn sie verlieren damit als "Personen" ihre reale Einungskraft. Kaiser oder Papst sind deshalb historisch immer unter "Ornaten" verschwunden, und haben nach außen nur ALS Amtsträger in entsprechendem Ritus gehandelt. An ihnen DARF nur das Amt als Kopf eines Organismus sichtbar sein. Auf die Spitze getrieben muß man sogar sagen: Ein König, der die Insignien des Reichs geringschätzt und ablegt, IST gar kein König mehr, sondern nur noch Herr XY. Das hat in der Geschichte der Menschheit nachweisbar die allergrößte Bedeutung! Und sie hat es noch heute, nur kennen es nur noch wenige, weil sie sich und den Menschen nicht mehr kennen.

³Ein katastrophales Signal, im übrigen, weil sich der Mensch HINTER einer Maske in seinem faktischen Sein selbst ins Zentrum der (göttlichen) Ordnung der Theateraufführung schiebt. (Man stelle sich das ganz real während einer Aufführung am Hoftheater zu Wien vor. Schauspiel heißt nämlich genau das: Verschwinden des privaten Menschen hinter der Rolle, der Maske.)

Der Witz dabei: Weil dieses Verschwinden hinter einer Maske eine hohe und ständig neu zu erbringende sittliche Leistung ist (die nur in der Tugendhaltung nach und nach "leichter" wird, denn Tugend IST das Verschwinden hinter der Maske), die Anstrengung verlangt, ist es in einer Zeit, der es GERADE UM dieses Hervortreten geht, in der alles darum geht, sich das "Leben zu erleichtern", denn das ist der Charakter der Gegenwart, ist es also heute logisch, daß solchen "Hervortretern" besondere "Sympathie" entgegengebracht wird. Es ist aber - man täusche sich da nur nicht! - die (hämische) Sympathie der Vergemeinung, in der sich Übeltäter bekanntlich gerne zu "Gemeinschaften" finden.

Der VdZ hat in seinen Monaten im Obdachlosenheit (2001) genau das hautnah erlebt: Wo man in Bruderschaft unter seinesgleichen willkommen ist, solange man diesen schrecklichen Zustand (in dem alle ihre Masken des öffentlichen Theaters ablegen) nicht zu überwinden trachtet, um wieder hinter eine/seine (!) Maske zu gelangen.

Genau das stellt sich in einer jüngst veröffentlichten Umfrage zu Glaubwürdigkeiten dar: Dergemäß Papst Franziskus persönlich (als Bergoglio) fast die höchste Stufe an Glaubwürdigkeit erreichte, während die Kirche (!) nur noch vor der EU-Kommission, aber sogar hinter der Politik rangiert. (Man trennt das also! Frage sich doch einmal einer, wie das möglich ist! Denn gerade und NUR im Papst wird Kirche unüberwindlich und untrennbar real, darin gründet ja sogar das Unfehlbarkeitsdogma!) Der Papst hat es also geschafft, sich persönlich, als Juan Bergoglio, in wahrer Schizophrenie von der Kirche "abzukoppeln" - anstatt sie und nur sie "zu sein". Aber mehr als das: Er hat gewisse Eigenschaften des Amtes in seine private Jackentasche gesteckt, und ist auf und davon gelaufen. Denn natürlich ist sein Glanz nur dem Glanz des Amtes geschuldet. Der Witz dabei: Es gibt jede Menge "Katholiken", die darüber jubeln! Über die Gründe dafür wurde alles gesagt.

Wie bei einem Schauspieler also, der zwar nie eine Rolle (gut) gespielt hat, aber es dennoch (über Meinungsmache, Täuschung, Blendung) geschafft hat, ALS XY zum größten Schauspieler gekürt zu werden. Und eiderdautz - solche Schauspieler gibt es heute tatsächlich zuhauf.
 
 
 
 
 
*050715*

Samstag, 4. Juli 2015

Einleitendes Wort

Das einleitend-ankündigende Wort zu einer Ausgabe der schweizerischen WELTWOCHE von Juni 2015 durch deren Chefredakteur.







***

Die zweischneidige Benedict-Option

Einen weiteren sehr interessanten Artikel fand der VdZ jüngst auf onepeterfive. Daraus klamüsert sich der VdZ einen Aspekt heraus, der der spitzfindigen Frage nachgeht, ob das Argument von Benedikt XVI. (Josef Ratzinger), daß er zu schwach für das Papstamt geworden sei, weshalb er es zurückgelegt habe, nicht selbst ein Symptom für die Krankheit der Zeit ist. Die sich als zu schwach dafür fühlt, eine Maske zu tragen, weil die Welt als theatrum aufgelöst wurde und immer weiter aufgelöst wird. Weshalb das Ablegen, Nicht-Tragen von Masken, regelrecht zum moralischen Gebot erhoben wurde: Wer auf Masken besteht, wird heute ja regelrecht angefeindet, im mindesten verleumdet. Liebe selbst wird nachgerade sogar als Verzicht auf Masken definiert!

Die Menschen haben heute Angst vor dem Sein. Und alles, was "etwas ist", das also noch Gestalt hat, wird aufgelöst. das ist ein Stück weit verständlich, denn wenn das Stück fehlt, fehlt der Maske ihre Ebene der Wirklichkeit, ihre Ordnung. Sie wird kaum noch als Aussage von Beziehung und Auftrag verstehbar. Nur die Erinnerung des Spielers vermag das Stück noch zu halten, vor dem inneren Auge, im Außen aber weiß er, daß er "im Leeren", im amorphen Raum spielt. Das erfordert Kraft, viel Kraft, und möglicherweise - zu viel.

Also legen auch an sich gutmeinende Menschen diese Masken ab, und versuchen dafür einen Weg, in dem die (nur!) in der Maske liegenden Auftragserfüllungen abstrahiert, und Objekt bzw. Ziel selbst werden. Damit wird etwa Liebe (aber darüber hinaus: das gesamte Tugendleben) ein "für sich stehendes" Merkmal, und von der an Inhalte gebundenen Ebene (wie sie das theatrum nur hat, denn das ist ja der Inhalt der Welt) abgelöst.

Damit hat man es plötzlich mit Vätern zu tun, die ihre Kinder in der Trageschlaufe tragen und sich die Hausarbeit "50/50" aufteilen, dafür gerne einmal ihre berufliche Aufgabe hintanstellen, Männer, die es als Tugend sehen, die Frau ganz real und in allem "gleich" zu stellen. Damit wird der Bundeskanzler gelobt, der durch die Straßen wandert und mit den Leuten ihr Abendbier genießt, der Präsident, der morgends im Jogginganzug seine Brötchen in der Bäckerei holt, und der Firmenchef, der nur noch mit der klapprigsten Kiste durch die Gegend gurkt. Man nennt das dann "bescheiden", nennt es "Verzicht auf Statussymbole".

Das wirkliche Geschehen dabei ist aber: Auflösung des theatrum, Auflösung einer Welt in und aus der Vorsehung Gottes - sie ist das "Stück", um das es als Leben im Leben geht -, Auflösung der (wenn schon) scharfen Trennlinie von öffentlich und (verborgen zu bleibendem) Privatem. Auflösung letztlich der Inkarnation Gottes, und Abstraktion der Erfüllung seines Willens auf vom Inhaltlichen abgelösten Eigenschaftlichen.* 

Damit wird natürlich auch der Kult - wie die Kunst -  zur bloßen Zelebration von "Eigenschaften", denen natürlich neue Konkretionen zugeflickt werden müssen: denn es geht ja nur noch um die Hervorrufung dieser Eigenschaften, egal mit welchen Mitteln (was meist sogar noch als besonders "innovativ" vorgestellt wird). Die völlig außerhalb jeder rituellen Ordnung stehen.**

Da werden dann plötzlich Kinder geherzt, auch wenn der Pfarrer aus der liturgischen Ordnung des Einzugs der Zelebranten ausschert, und Postillen des persönlichen Mitfühlens gesendet, auch wenn der feierliche Eröffnungsakt des Championship-Finales völlig über den Haufen geworfen wird. An entsprechenden Beispielen ist diese Zeit ja mehr als reich, es zieht sich bis in sämtliche und kleinste Ebenen des gesellschaftlichen Lebens - vom Vorspielabend der Musikschule bis zur Neujahrsfeier im Konzerthaus. Man nennt es mit Recht auch: Infantilisierung der Gesellschaft. Denn es ist die typische Schwäche und unreifebedingte Ungeformtheit des Kindes.

Der Rücktritt von (em. Papst Benedikt XVI.) Josef Ratzinger (der erstaunlicherweise nun nicht in sein Glied zurücktrat, als Kardinal und Bischof also, sondern als "Papst emeritus" durch die Lande geistert) ist also ein Grenzgang. Denn es gibt auch berechtigte Gründe DAFÜR - die aus derselben Verstehensecke kommen, und als Argument GEGEN den verstorbenen hl. Papst Johannes Paul II. galten: WEIL ein Papst in höchstem Maß NUR das Amt repräsentieren (darstellen; sein) muß, muß er auch dazu - und vor allem: dazu - in der Lage sein. Wenn er das aus Krankheitsgründen (oder Altersschwäche) nicht (mehr) vermag, kann ein Rücktritt genau jenes Hineinsterben in das Amt sein, das den Glanz und die Würde der Aufgabe ausmacht, weil diesem Amt der Raum bleibt - nicht dem faktischen Menschen.

Die im erwähnten Artikel also genannte "Benedict-Option" ist damit zweischneidig: Sie KANN zum einen reines Symbol einer sich auflösenden Zeit sein, und damit verheerende Signalwirkung entfalten, betrachtet man es auf oben explizierter Ebene. Dann wäre es eine seltsame Tautologie: Denn daß jeder Mensch seinem Amt NIEMALS und zu jeder Zeit gerecht wird, liegt im Wesen des Menschen begründet. Freiheit heißt eben auch das Leben mit der Schwäche und Fehlerneigung. Der Mensch bleibt IMMER und täglich und minütlich hinter dem Anspruch zurück. Das Problem liegt prinzipiell darin, sich selbst das Maß zu setzen, ab und in dem man ein Amt - eine Maske - noch auszufüllen vermag. Denn jedes Amt wird verliehen. Auch das des Papstes. Und es ist immer nur der Verleiher, der den Grad seine Erfülltheit bestimmen kann.

Die Benedict-Option (s.o.) KANN also auch das genaue Gegenteil sein: Das durch ein Außen herangetretene Erkennen, dem Amt nicht mehr gerdcht zu werden. Von außen, als Mensch schon gar, schwer, ja unmöglich und bestenfalls rückfolgernd und annäherungsweise zu beurteilen. Denn Könige können nur von Königen beurteilt werden.*** Wer beurteilt aber einen solitären Papst dort, wo er gar nicht in eines Lebenskreis vorkommt? Das Problem jedes Kritikers. Selbst wenn er Katharina von Siena oder - ein exemplarischer Fall dieser seltsamen Gewissensaporie! - Johanna von Orleans heißt. Dem noch ein Problem gegenübersteht - daß nämlich dieser Hinweis (als "Hinweis Gottes" gewissermaßen) von außen kommen, weil ein sichtbares Außen haben muß. Und hier zeigt die Geschichte die merkwürdigsten Zusammenfälle - außerhalb jeder Ordnung.****



*Das nur ein unlösbares Problem damit hat - daß es diese Liebe ohne DIESE Inhalte (Maskenspiel, theatrum) gar nicht gibt. Man verändert also einfach das Drehbuch, und meint auch noch, damit der Intention des Autors noch mehr oder überhaupt erst nachgekommen zu sein. wohlgemerkt: Das ist etwas völlig anderes als der Einwand gegen den sogenannten RUBRIZISMUS, in welchem mit Recht eine gewisse Relativität auch der strengen rituellen Formeln moniert wird, weil eben der Mensch ein zerbrechliches, schwaches Gefäß ist. Was aber genau das GEGENTEIL des Formverzichts ist: Es ist das großmütige Hinwegsehen über Fehler und Schwächen WEIL und indem man (stellvertretend!) dennoch die rituelle Strenge als Maßstab und Auftrag verfolgt. Niemals kann Formverzicht aber als von vorneherein beschlossener Bestandteil des Ritus akzeptiert werden, denn das erst wäre seine Auflösung.

**Es ist zwar ein anderes Thema, aber hier soll es eingefügt werden: Entscheidend bleibt dennoch das exakte rituelle Vollziehen. Selbst wenn - und das wurde und wird vielfach als Argument herangezogen, das die Notwendigkeit eines Liturgiereform in so großem Ausmaß belegen soll - der Ritus "heruntergeschludert", also in immer kürzerer Zeit abgeführt wird. Der VdZ kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß diese Sage maßgeblich nur möglich war, weil sich das Verständnis des Gebets in den maßgeblichen intellektuellen Kreisen weitgehend aufgelöst hat. Denn die Reife eines Gebets wird nicht in seiner stets frisch bewahrten "innigen Ausdeutung" jedes Satzes oder jeder Geste gemessen, und zu leicht geht man mit dem Wort "gedankenlos" um. Vielmehr hat das Gebet eine Geschichte der Reifung. Und geht von einer anfänglichen sehr explizit nötigen Anpassung des Beters an die Gebetsinhalte (in dieser Stufe kann und soll das Gebet also noch jeden Moment neu durchgedacht und willentlich so gut es geht vollzogen werden), also der Betrachtung und Beachtung jedes Details und Elements, über in eine sich immer mehr der Zeit enthebende "Gesamtintention" über. Gemäß der Rolle, die der menschliche Geist und Verstand eben im menschlichen Insgesamt spielt. Was sich schließlich beim reifen Beter zu einem Wimpernschlag verkürzen kann. Das berühmte "Jesus-Gebet" der russischen Mystiker illustriert diesen Vorgang. Der ganze Evangelien bereits in diesem einen Wort, das über lange Wege zu einer alles umfassenden Gesamthaltung wurde, mitenthält. Man darf also mit Recht mißtrauisch sein, wenn in vorgeblich besonders frommen Kreisen Gebete mit "besonderer Betonung" gebetet werden. Und traue eher den alten Frauen, die in der Dorfkirche ihren Rosenkranz "herunterleiern".

***Darin gründet übrigens die heute gerne kritisierte Tendenz vieler historischer Königshäuser, "familienintern" oder gar "inzestuös" zu heiraten. Denn die Würde und damit die Legitimation steht untrennbar über dem Haus, liegt im Stand, und steht über allem faktisch-Persönlichen. Das Problem morganatischer Heiraten, von Heiraten "unter Stand", ist ja hinlänglich aus der Geschichte bekannt. Und es ist natürlich iin seiner Dimension etwas völlig anderes, als heute hineininterpretiert wird, wo man die Grundproblematik der Herrschaft - ihre Herkunft aus dem Platz im theatrum Gottes - ja gar nicht mehr begreift.

****In dieser Aporie gründet die fast unausbleibliche Folge jeder Revolution, die eben eine Aporie ist, und in beeindruckender Regelmäßigkeit ihre eigenen Initiatoren zu verschlingen beginnt - gerade dann, wenn die Revolution ihre Ziele erreicht. Weil Revolutionäre aus jeder Ordnung heraussteigen. Die Tat der Johanna von Orleans - außerhalb jeder, wirklich jeder Ordnung - konnte also fast nicht anders enden, als mit ihrem Tod.




***

Freitag, 3. Juli 2015

Wer also Sünder ist

Es ist natürlich der nächste Unsinn, aber wen wundert das überhaupt noch: Da hat der Papst jüngst wieder "Frieda's Problemecke" in "Bunte Schoaßerln zum Tag - Boulevard für die Blöden" mit Wortspenden beschickt, und prompt verkündet, daß sich getrennte Eltern doch respektvoll zueinander verhalten sollten, immerhin seien die Kinder die ersten Leidtragenden, und - jetzt kommt's! - wie kämen die dazu, an der Sünde ihrer Eltern zu leiden. 
 
Abgesehen davon, daß sich da zumindest Vieles von dem sagen ließe, was in jedem halbwegs fundierten Theologiekurs 1. Grundstufe durchgearbeitet wird. Aber während der Argentinier gerne einmal verlauten läßt, daß er keineswegs einen Homosexuellen verurteilen würde, "wer sei er denn" (eben: nicht der Papst? oder doch nur irgendein Bergoglio-Fuzzi?), wagt er es hier glatt: Eltern, die sich trennten, seien Sünder.*

Aha. Aber respektvoll sollten sie nach der Trennung sein. Also vollbringen, was sie in der Ehe nicht mehr vollbringen konnten. Jetzt aber - der Kinder wegen.

Nicht daß es an einer Trennung sehr wohl gewichtete Schuld geben könnte, daß es durchaus so sein könne, daß einer, und nur einer, die Ehe zerstört habe, sodaß eine faktische Gemeinschaft nicht mehr lebbar ist. Davon hat Bergoglio, für den sich die Welt und Wirklichkeit ohnehin nur in Phantasiewelten abspielt, noch nie etwas gehört. Nicht also, daß eine Trennung der Eltern das sinnvollste weil einzig mögliche Vorgehen sein könne, was die Kirche übrigens mit der uralten kirchenrechtlichen Anerkennung von "Trennung von Tisch und Bett" immer schon sah. Nicht also, daß es sehr wohl notwendig sei, die Kinder darüber in Kenntnis zu setzen, daß Schuld nicht in der Trennung an sich liege, sondern in dem Verhalten, durchaus nur eines der Partner, das dazu geführt hatte.

Davon alles keine Rede. Wie denn auch. Und dann glaubt der Argentinier auch noch, er habe nun einen wichtigen Beitrag zur Rettung der Welt geliefert, und spirituell der Welt die Tiefen der Geistigkeit eröffnet.

Ja, Tiefen sind es.

Lauter Medienbesoffene, wo man hinblickt.


(Nachtrag vom 25. Juni: Mittlerweile hat der Papst natürlich auch das schon gesagt, und verlauten lassen, daß es oft nicht nur besser weil unvermeidlich sei, sich zu trennen, sondern sogar moralisch geboten sein könnte. Also doch nicht "Sünde"? Wie üblich: Nachdenken vor dem Reden, in jedem Fall aber: erst reden. Irgendwas, wie es gerade kommt. Und möglichst im Laufe der Zeit alles - quantitativ - sagen, und wieder endlos korrigieren, weil gerade wieder etwas anderes daherkommt. Ach ja, das auch ... Im Endeffekt ist dann nichts angreifbar, und jeder kann sich aussuchen, was nun Sache ist. Nur: Gesagt ist damit eben nie etwas. So kann man den Subjektivismus natürlich auch befördern. 

Der einen kleinen Haken hat: denn Wahrheit braucht eine Fundierung in realen Personen, sie muß in personaler Autorität verankert sein. Und Personsein heißt wiederum: Hingespanntheit auf eine Rolle, eine Maske, einen ordo. Das ist das Wesen des Christentums, in dem eine Person die Wahrheit IST - Jesus Christus, der neue Adam, in dem die Menschheit gründet. Der nicht aus Jux oder pragmatischen Überlegungen einen Menschen zum Stellvertreter eingesetzt hat, und in jedem Priester sakramental "in persona Christi" handelt. Nicht als bloße Idee, nicht als gnostische "Lehre", nicht als Moralkonstrukt, und nicht als diffuse irrationale Religiositätsgefühligkeit. Denn es geht um Erlösung, und die ist ziemlich real. Daß das seit dem liturgischen Umbruch seit dem Zweiten Vatikanum ff. entweder völlig vergessen, oder in Utopismus und Befreiungsteheologie hier, in Erlebensaffektationen dort degeneriert ist, wundert allerdings nicht. Man erlebt es ja am Papst, der keine Mitte findet.)


*So nebenbei: Beieinanderbleiben um jeden Preis ist keineswegs Merkmal einer christlichen oder gelungenen christlichen Ehe. Denn dort, genau dort, wie bei jedem Akt des Christen, geht es um Treue zum Wesen einer Sache, nicht um faktische Fruchtsimulation. Zusammenzubleiben schaffen auch unverheiratete Atheisten, die es sich bequem einrichten in der Welt der Geficktheiten, Hauptsache die Zweckvorteile stimmen, und zu faul sind, sich zu trennen. Oder ist ein Sack, den man in die Ecke stellt, nun auch schon treu, weil er sich nicht bewegt?


*030715*

Sprachlos

Erst hatte Youtube das Video von OnePeterFive als Verstoß gegen seine Richtlinien gelöscht, es dann aber überraschend wieder freigegeben. Der VdZ enthält sich jeden Kommentars dazu. Denn auch wenn es für heutige barbarisierte Ohren bizarr klingen mag - es geht tatsächlich im Tiefsten darum.


Ein Brief des Volkes vom Kreuz an die ISIS







***

Donnerstag, 2. Juli 2015

Wenn die Ehe nicht mehr selbstverständlich ist (2)

Teil 2) Im Grunde ist damit alles erklärt - 
Und: Warum die Ehe die Ehe macht




Das wahre zivilisatorisch-kulturelle Problem entsteht also in dem Moment, wo die Ehe nicht mehr selbstverständlicher Lebenspunkt aller Menschen eines Kulturkreises ist. So, wie es in Österreich noch in der Kindheit des VdZ, den 1960ern war, wo niemand auf den Gedanken kam, NICHT eines Tages zu heiraten. (Es sei denn, er wollte in den Kleriker- oder Ordensstand eintreten, oder bewußt in irgendeiner anderen Form - man denke an den Stand der geheiligten Jungfrauen, auch das damals durchaus häufig; oder er war "für die Ehe unfähig", ein schwerer seelischer Mangel) Jedes Lebensnarrativ hatte prinzipiell die Ehe im Blick. So, wie es auch bei vielen außereuropäischen Kulturkreisen nach wie vor der Fall ist. Und immer ist es ein heiliger Akt - außerhalb der Religion läßt sich Ehe nur noch als pragmatische Abführung begreifen, ihr Wesen liegt aber in der Form, nicht in ihrem "Nutzen" begründet. (Ein Fehler, den im übrigen auch gerne "Verteidiger" der Ehe machen, die glauben, sie durch Pragmatismus - oder in spiritualisierender, das natürliche Gefüge, der eigentliche Ort der Wirklichung der Menschwerdung, als belanglos vergessende Weise - retten zu können.)**

Wenn die Menschen eines Kulturkreises aber nicht mehr heiraten, wenn die Ehe nicht mehr als selbstverständlich angesehen wird, weisen sämtliche (!) Menschen dieses Kulturkreises einen schweren, ja fundamentalen Mangel in ihrer Menschwerdung auf. Der nicht durch Ersatzhandlungen (die zur technischen Funktionalität werden) wettzumachen ist. Jeder tätige Vollzug weist demgemäß dieselbe Mangelcharakteristik auf. Eine solche Gesellschaft (egal in welcher Form) wird mit der Zeit immer substanzschwächer werden. Sie wird ihr schöpferisches Element verlieren, und damit ihre Lebenskraft. (Das demographische Problem ist da nur noch Folge; es kann auch direkt niemals gelöst werden, etwa durch "Gebäranreize", "Kitas", oder "Vereinbarkeit von Beruf und Familie"; es sei denn auf Kosten des eigentlich Humanen - die berühmte "Mutterkreuz-Diskussion: Soldaten für den Führer".) Denn es kommt unweigerlich zum Austrocknen der Liebe - Liebe ist aber das einzige Element, aus dem heraus Erkenntnis einerseits, gute Handlung anderseits erwachsen kann. Sie ist das höchste Ziel der Politik überhaupt, schreibt Rosmini sogar.

Handeln, auch in der Politik, wird nur noch reaktiv - und in der Zielvorgabe der Reaktion: rückwärtsgewandt - sein. (Denn nur aus diesem oben beschriebenen Je-einander kann schöpferisches entstehen.) Auch im Handeln der Bürger (und damit auch der Wirtschaft) wird nur noch Ablaufoptimierung (auch sie: rückwärtsgewandt) und Schein-Innovation herrschen. Gefühl wird durch Gefühls-Simulation verdrängt, denn die wahren Gefühle (die aus den Tiefen stammen, denn die stellen ontologische Zustände dar) werden zur Gefahr. 

Dafür wird eine heftige Bewegung zur Unterdrückung dieser Gefühle - etwa in Rausch- und Fluchtmitteln und -zuständen - stattfinden. Moralismen, als Simulation "guten Handelns" anhand technizistischer Weltsicht, werden dominierend und schließlich totalitär. Heranwachsende, denen bereits die Erfahrung der ontologischen Grundverhältnisse der Welt fehlt - die sich in Vater und Mutter darbieten - werden zu hilflos an der Welt herumoperierenden, versuchenden, aber haltlosen Ausgewachsenen, die aber ihre Kindheit nie substantiell überwinden können, und deshalb auch die Stufen des Menschen im Lebensalter erfüllen können. Ihre Erkenntnis, die nur am Leid genug "Interesse" an Modifikation (am Sein, also: in Richtung Wahrheit) findet, also wächst, wird immer der körperlichen Faktizität nachhinken. Und dies ist nur eine sehr schwache, unvollständige Beschreibung der Folgen.

Sodaß sich zusammenfassend sagen läßt: Verliert die Ehe im Lebensvollzug eines Menschen ihre Selbstverständlichkeit, mangelt es im Grundvollzug des In-der-Welt-seins an fundamentalen, jede einzelne Handlung kategorial defizient machenden Parametern. Die nur als ganzer Mensch möglich zu erkennen wie zu vollziehen sind, weil nur der sie "hat", weil sie als nur dem realen, "ernsten" Lebensvollzug immanent seiend nicht methodisch erwerbbar sind. (Weshalb jeder Mensch als Erwachsener einen "Stand" erworben wie ergriffen haben müßte, der begrifflich zu einem solchen "wurde" und einen Ort in einem Staat hat - sodaß er in jedem Fall auch in einer "Schmalspurehe" "heiraten" kann.) 

Das wirkt sich besonders deshalb aus, weil der Mensch als Sozialwesen auf Gemeinschaft hin orientiert ist, sich diese Gemeinschaft aber nicht mehr "natürlich" - nur noch mit totalitärem Zug - vollziehen läßt. Damit löst sich erst langsamer, dann aber in immer rascherem Tempo jede gesellschaftliche Form - Staat, Gemeinschaften, Genossenschaften jeder Art - auf, der Einzelne ist immer mehr nur noch auf sich geworfen, ohne so aber leben zu können.

Wie sehr diese Konstellation als Konstitutivum jedes Menschen (in der Zweigeschlechtlichkeit) ihn auch mit jedem Menschen neu bestimmt, zeigen die jährlichen Werteumfragen, die Jahr für Jahr dasselbe Ergebnis zeigen (woraufhin sich Genderbefleißigte noch mehr "Arbeit" vornehmen): daß junge Menschen zu über 90 % - eine Ehe (oder eine Vorform der Ehe, und eigentlich damit: Ehe) wollen. Das ist nie das Problem. Das Problem beginnt, wenn die begriffliche Welt so neurotisiert und zerstört ist, eben die Selbstverständlichkeit (und was aber läge näher?), daß sie den Weg nicht mehr finden. Ihrer eigenen Freiheit also, als Folge gedanklicher Kastration wie einer habituellen Prägung, die der vollen Wirklichkeit des Erlebten nicht entspricht (und hier ist von Sexualität die Rede), im Wege stehen.***

Aus alledem folgt, daß sich sagen ließe, daß die Grundmängel, die heute allesamt längst feststellbar und allgemein bekannt sind, ihre Deutung schon nur aus der Stellung der Ehe - und der Geschlechter innerhalb der Ehe, weil das für den Ehevollzug selbst wesentlich und nicht beiläufig ist, weil sich ein Ding erst in der Form vollzieht - zulassen.

Wenn also eines der Geschwister der Seherkinder von Fatima, Lucia, dem Kardinal Carlo Caffara aus Bologna im Jahre 2008 in einem (wie es heißt) langen Brief schrieb, daß sich der entscheidende Kampf um die Welt in der Frage der Ehe und Familie austrage, so kann das aus diesem auf andere Weise notwendig zu denkenden, ontologischen Gesamtzusammenhang nur bestätigt werden. Denn mit der Ehe, in oben beschriebenem Sinn konkretisiert - steht und fällt buchstäblich alles. Nur tut es das auf andere Art, als viele glauben.

Denn der Mensch ist seinem Wesen nach - ehelich. Diese Ehelichkeit aber ist ein Problem der Form, nicht einer bloßen "Moral".






**Es gibt zahlreiche Beispiele der Vergangenheit, die zeigt, daß gute kulturelle (und wirtschaftliche) Entwicklung von verantwortlichen, wissenden Politikern mit der politischen Maßnahme "Möglichkeit zur Verehelichung" (direkt-konkret im geschlechtlichen wie im o. a. übertragenen Sinn) eingeleitet wurde.

***Wie sehr dies bereits eingetreten ist bestätigen Aussagen von Kirchenrichtern aus ihren Erfahrungen mit Annullierungsverfahren, oder aus der Pastoral. Die seit Jahren behaupten, daß ein enormer Prozentsatz der jungen Menschen nicht mehr ehefähig sind. Nicht, weil sie nicht "wissen", was Ehe bedeutet. Das muß nicht im Bewußtsein auftauchen. Sondern weil ihr Habitus, ihre Prägung, die Unfähigkeit zum Empfang des Ich aus dem Du sozusagen, ihre Unfähigkeit vor allem, sich auf ein "Formfeld" hin (und das ist ja eigentlich Ehe) zu transzendieren, ein Ehe nicht mehr führbar (und damit auch eine faktische Eheschließung ungültig) macht. Wir haben es bereits heute offenbar mit einem enorm hohen Prozentsatz an jungen Menschen zu tun, die "von Menschen zur Ehe unfähig gemacht" wurden. Den Bestand einer faktisch "geschlossenen" Ehe als Moral- oder Glaubensgebot einzulasten hat deshalb oft regelrecht etwas Zynisches. Wenn auch nie vergessen werden darf - und aus hiesigen Ausführungen müßte das als conclusio auch hervorgehen - daß bei gültigem Einsetzungsvorgang DAS AMT DEN MINISTER - die Ehe also die Ehe - MACHT.





***

Alles beginnt in der Kunst

Was die Kunst leistet ist nicht einfach das Herstellen von Artefakten, die irgendwie dann in der Welt herumstehen und das Leben lustiger oder ästhetischer machen. Das zwar auch, aber nur in einer zweiten Folge. Was die Kunst* vielmehr leistet ist das Schaffen einer Deutungswelt, und erst als Deutungswelt wird den Menschen überhaupt Welt. Denn was die Dinge "sind" kann niemand sagen - es muß in die menschliche Welt hineingefügt und hineingedeutet werden.

Dabei kann nur ausgedeutet - nicht willkürlich ERfunden - werden, und es bezieht sich auf ein Beziehungsfeld, das vorgefunden wird, in der Anschauung der Welt (in ihren immer geheimnisvollen "Dingen", deren letzten Grund wir nie erkennen können) gründen muß. Denn die Welt ist primär nur anschaubar. 

Hier nimmt die künstlerische Phantasie Vorhandenes, und setzt es - schaffend - zu neuen oder weiteren Bedeutungseinheiten zusammen, die auf dem geistigen Horizont einer Zeit - meinetwegen: dem, was "in der Luft liegt" - aufbauen.  Weil das erste des Menschen immer die Religion ist, und zwar ontisch, nicht einfach faktisch oder als Zeigefinger-Gesolltes, weil er sich ab dem ersten Moment seines Hierseins als Person (ab dem Moment der Zeugung) einem Du gegenüber sieht, aus welchem heraus er erst zum Ich wird (weil das Du das Ich enthält, mit aussagt, wenn auch  nicht schafft - das tut nur Gott, das Sein, und der tut es eben, genau so: indem er mich im Namen ausspricht), ist das was Kultur schafft immer aber der Kult. 

In ihm kommt ein diffuses unbestimmt Mögliches zur Gestalt, und so wird Welt,** die selbst wiederum ein unendlich verflochtenes Begriffs- und Beziehungsgefüge ist. Das in einer heiligen Ordnung steht, weil aus einer solchen entnommen, empfangen ist. Es ist immer ein Schauer, der den Menschen umfängt, aus dem Logos (Sinn) heraus zu nehmen, der die Welt trägt. Eine Welt, die erst zur Welt wurde, weil der Mensch ihr Namen gab.

Damit schafft die Kunst einen Kulturstil, einen Zivilisationsstil, und in diesem Stil, der das Wesen einer angeschauten Welt vermittelt, der ein Kult ist bzw. im Kult weitergegeben wird, wird die Welt von einer Kultureinheit (in Familie, Stamm, Volk etc.) zu einer solchen Kultureinheit gestaltet, die auf die Menschen selbst, über die Generationen hinweg, rückwirkend formt.***

Insofern überwindet NUR die Kunst die jeweiligen Erstarrtheiten einer Kultur, die sich im Transformieren eines Stils bis in den kleinsten Alltag wirklicht, und holt das Leben je neu herein. Das sie nicht selbst schaffen kann, sondern nur eintreten läßt.

Die Kunst - und damit: der Kult - war nicht das letzte, was der Mensch schuf, weil er nun technisch genug entwickelt war, um dafür auch Zeit zu haben, sondern sie war das erste. Das erste war nicht die zufällige Entdeckung, daß sich ein Vierzehnender jagen und essen ließe. Das erste war der Begriff der Jagd und des Hirschbratens. Das erste war der Auftrag, sich die Welt untertan zu machen: durch Begriffe, durch Definition von Beziehungen - Durch Kunst.




*Man löse dazu diesen Begriff aus dem "Kunstgetriebe", das sich in der Neuzeit gebildet hat, und das erst eine "für sich stehende Kunst" mit sich brachte.

**Was ist ein Stein? Wir wissen es nicht. Er wird erst zu "etwas", einem Begriff, wenn wir ihn in die menschliche Welt hineinheben, ihn in Beziehungen setzen bzw. sehen, die für uns Bedeutung haben. Es ist also dieses Erfahren von Bedeutung, das uns ein Interesse an der Welt schafft. Nur was Bedeutung hat, für uns hat, denn die Bedeutung eines Steines für eine Möwe oder einen Regenwurm ist völlig anders, uns im übrigen gar nicht nachvollziehbar, denn was immer wir als deren Beziehung sehen, ist bereits anthropomorph, wird zum Begriff. Und damit erst wird es zu diesem und jenem so bestimmten Ding, das aus diesen Bestimmungen heraus (die immer menschliche Bezüge sind) definierbar und erkennbar wird.

***Weshalb den Griechen wie allen Völkern (nur sieht man es nicht immer gleich) die Architektur die erste und umfassendste, alle anderen Künste gebärende Kunst war. Denn sie prägt im Erleben den Rhythmus der Menschen (so, wie es die Landschaft zuvor tat), und erst im Rhythmus wird ein "Ding", weil alle Dinge Rhythmus sind.





***

Mittwoch, 1. Juli 2015

Wenn die Ehe nicht mehr selbstverständlich ist (1)

Der Mensch ist seinem Wesen nach ehelich. Aber nicht nur das: Die Ehe als schicksalshafte, unauflösliche Zuschreibung von Mann und Frau - im übertragenen Sinn: von Wort zu Fleisch, von forma zu materia - ist das Grundkonstitutivum der Welt überhaupt. Erst in dieser "Einheit in Zweien" wird der jeweilige Teil zu sich selbst - und damit wirklich. 

Das zeigt schon das Denken, das Begreifen. Als Begrifflichkeit, ohne die es diese unsere, die humane Welt - und ein andere gibt es nicht, jede Spekulation darüber ist müßig und in sich unmöglich, weil wir aus der Anthropomorphie nie aussteigen können - ja gar nicht gäbe. Aber in jedem Begriff steckt nicht nur das Positive, das "was ein Ding an sich ist", sondern auch das, was es nicht ist. Es wird automatisch mitgedacht, auch wenn es unausgesprochen bleibt. Es ist sogar so selbstverständlich, daß es sich unserem Erkennen nur ganz schwer darbietet, also ganz schwer verstehbar wird. (Denn es ist das Selbstverständlichste, das am schwersten begreifbar wird. Das Auge sieht sich nicht selbst, nennt es Viktor Frankl einmal, es sei denn, es ist krank.)

Aber mehr als das: Ohne ein Gesamtweltbild ist ein Ding nicht verstehbar, nicht erkennbar. Es wird alles also immer in einem Gesamtzusammenhang gesehen - der Mensch geht in seinen Sinnen zwar vom Einzelnen aus, und kehrt auch dorthin wieder zurück, aber er holt es in ein Insgesamt, und erst aus diesem erschließt es sich im Sinn. Umgekehrt geht er auf das Erkennen des Einzelnen ebenfalls nur aus dem Insgesamt heraus. Kein Begriff also, der "für sich, isoliert" bestehen könnte. Jeder Begriff, und damit das allen Begriffen Anschauliche, das Angeschaute also, steht in einem untrennbaren Zusammenhang mit einem Ganzen.

Nicht anders ist es bei Mann und Frau. Sie sind nie (nur) für sich begreifbar, sie sind es erst, wenn sie in ihrem Insgesamt - als Mensch - gesehen werden. Dieses Menschsein aber ("als Mann und Frau schuf er den Menschen") ist eben nur in dieser Zweiteilung einerseits gegeben, anderseits aber nur in der Zueinanderfügung von Mann und Frau zu vollenden.

Helmuth Plessner zeigt in seiner Untersuchung "Der Stufenbau des Organischen" nunmehr, daß das Wesen eines lebendigen Dings in einer pulsierenden Bewegung beschreibbar wird. In dieser (es ist hier natürlich sehr vereinfacht, was Plessner in einem umfassenden Argumentationsgang darlegt) Polarität holt sich einerseits ein Lebendiges (das in einem inneren, raumlosen Kern steht, der zugleich in der Exzentrik - also: im Außenwerden - zwischen Innen und Außen rhythmisch pendelt) eine "feste Idee", um sie anderseits im Zurückpendeln in den Lebensgrund selbst hinein zu transzendieren, sie damit im Zurückpendeln wieder neu zu verlebendigen, zu wirklichen. Dieses Sinn- und Wesensbild aber ist immer ein Bezugsfeld, das jedes lebende Ding (bzw. überhaupt jedes Ding, nur Unbelebtes kann nicht aus sich sein) überhaupt erst zu einem "Ding" macht.

Etwas unsachgemäß, aber in der Hoffnung zu illustrieren, heißt das: Nur aus dieser Hineinordnung in Beziehungen sind lebendige Dinge überhaupt. Sie haben ihr Sein daraus, im Hineinsterben ihrer lebendigen Substanz einerseits, im Heraussteigen in die Gestaltenwelt anderseits. Daraus entwickeln sie sich immer in spiraliger Form nach oben, einer Vervollkommnung zu, die freilich nie abgeschlossen sein kann, weil sich die Bezugsgrößen ja gleichfalls mitändern, die gegenüberstehende Welt also immer nur dann lebendig ist, wenn sie je neu ist. Und doch - als ein Bezugsfeld in einer riesigen, unendlichen Ordnung geordnet ist, ohne die es nicht bestehen könnte, weil gar nicht wirklich wäre. Diese Bezugsfelder sind also der eigentliche Ort des gewirklichten Lebens, des Lebens überhaupt.

(Noch einmal: Der VdZ versucht der Illustration willen zu vereinfachen; den philosophisch hoch präzisen Gedankengang muß der Leser dieser Zeilen in Plessners Buch nachlesen - er ist überaus erhellend, und für jede nähere Auseinandersetzung auch notwendig! hier soll nur ein Bild nachgemalt werden, um einen Eindruck zu geben, aber nicht derselbe Fehler gemacht werden, wie er so häufig ist: Daß "fromme" oder "gefällige", phantasiereiche Konkretisierungen und Materialisierungen rein geistiger Vorgänge und Sachverhalte stattfinden. Wozu der Mensch ja sehr neigt.)

Darauf Bezug genommen, ist auch über dem Menschsein ein solches "Feld" zu denken. Das Mann und Frau je für sich erst dann zu sich selbst macht, wenn sie sich in dieses Feld hineintranszendieren. Der Philosoph Jörg Splett hat es unlängst so ausgedrückt: Das Selbstsein, die eigene Identität für Mann und Frau sind etwas, das sie jeweils durch den anderen bzw. vom anderen erhalten. Es ist nicht aus sich selber heraus mach- oder konstruierbar. Ihr eigenes Sein zu wirklichen, erhalten die Geschlechter jeweils also durch das Hin-sein auf das andere Geschlecht.

Oder, mit Martin Buber formuliert: Das Ich erwächst aus dem Du.

Aber dieses Selbstsein ist ontisch nicht ein relatives Ergebnis, das beliebig ausfallen könnte. Sondern es braucht eben ein "fixes" Zueinander als Wesensbild. (Und noch einmal: Vorsicht vor der Erstarrung in Bildern!) Das heißt, daß der Mann (der zum Mann erst werden muß) und die Frau (die zur Frau erst werden muß, als Prozeß, der bei beiden nie aufhört, erst im Tod) jeweils ein "festes" Zueinander haben. Das sich in der Leiblichkeit ausdrückt, als Hinweis, sozusagen. Und das heißt, daß Mann und Frau zueinander in einer Heiligen Ordnung (das heißt ja: Hierarchie) stehen. Die nicht stupid mit "Unterwerfungsordnung" verstehbar wird, sondern einfach einen nur von der jeweiligen Seite zu erbringenden ontischen Bezug darstellt. Und darin ist das Wort - des Mannes, die Form, der Materie zu- und ontisch VORgeordnet. (Gott schuf ERST den Mann.) 

Das Zueinander von Mann und Frau ist also nicht von jedem Paar separat und im Ergebnis beliebig auszuschnapsen - es ist jene Wesensvorgabe, aus der heraus und in den hinein erst der jeweilige Teil des Ganzen (Mann UND Frau sind erst Mensch) überhaupt lebt. Wie das konkret aussieht, hat immer eine historische Form, kann also nicht simpel "an Vorbildern aus der Vergangenheit" übernommen werden, auch wenn es sich dort in seinen Wesenseigenschaften mehr oder weniger gut zeigt. 

Daß sich das auch in der Neuschöpfung durch die Erlösung (in die Kirche, die societas perfecta hinein) nicht anders darstellt, belegt das Beispiel der Gottesmutter Maria, in ihrem Verhältnis zum Sohn, dem Mann Jesus Christus. Die Erlösung hat also NICHT die Auflösung der Wesensbilder gebracht, sondern im Gegenteil: Deren Erfüllung, als in der Gnade überhöhte Vervollkommnung der in jedem Geschlecht angelegten Eigentümlichkeit des Wesens. Hier das Empfangende - dort das zur Welthaftigkeit hin Spendende. Form - Materia. Mann - Frau.

Daraus ergibt sich, daß sich Mann und Frau in einer beide umspannenden, hierarchisch geordneten Formeinheit zusammenfinden müssen, um jeweils sie selbst zu werden. Und das ist ... die Ehe. Die Ehe ist damit das Konstitutivum des Menschseins! 

Sie ist also nicht, wie so oft getan wird, eine Art "Zusatzleistung", ohne die es aber auch ginge.*  Sie ist auch nicht etwas, das dem normalen Zusammenleben auf gut Glück halt auch einmal hinzugefügt wird. Ohne die Ehe in allen ihren Wesenseigentümlichkeiten (Unauflöslichkeit; Zuschreibung auf den Partner in der Hingabe, die eine Selbst-Weggabe des Mediums "Leib" ist; damit Offenheit für den Einbruch des Schöpferischen im Nachwuchs; etc. etc.) ist ein Menschwerden (der Teile) eines Paares, das sich sonst alle Eigentümlichkeiten des Ehelebens (Sexualität, gemeinsamer Lebensaufbau, Kinder, etc.) gar nicht möglich. 

WEIL dies eben eine anthropologische Kategorie ist, ist als Ehe natürlich auch die Naturehe mögliche Form, ihr fehlt freilich die Dimension der Übernatur, die nur in Taufe wieder an das Irdische eingeschlossen wird. Eine Naturehe wird also auch die entsprechend erkennbaren Mängel haben, die diese fehlende reale, ja fleischliche Dimension eben hat. Das drückt sich auch ganz konkret psychologisch (weil ontologisch) bzw. in der Art der Weltwirklichung aus. Aber das soll nur ergänzend (weil belegend) hinweisen.



Morgen Teil 2) Im Grunde ist damit alles erklärt -
Und: Warum die Ehe die Ehe macht




*Selbst der Zölibat (oder, wenn auch anders in der Poligkeit: die Ordensfrau) ist nur darin und daraus verstehbar, wenn man ihn als Verehelichung mit der Kirche (als weiblicher Leib einer Gemeinschaft der Gläubigen) betrachtet. Der zölibatäre Priester ist also nicht nur nicht "nicht verheiratet", sondern er ist es auch nicht "nicht mit einer Frau" - er ist es sehr wohl mit einem Weib, nur ist dieses Weib die Kirche.





*010715*

Kein Rat für Kleinbürger

Umberto Eco auf die Frage, was er einem jungen Schriftsteller raten würde: "Not to believe to be an artist." Ein kurzes Interview auf cicero.de

Er verstünde nicht, sagt Eco unter anderem, wie es machen schafften, jährlich ein Buch, einen Roman zu produzieren. Man muß sich doch jene Zeit zur Entwicklung geben, die der Stoff verlangt? Das kann nur auf Kosten der Qualität gehen. Ganz gefährlich ist dabei, schon als junger Mensch Bücher zu publizieren. Denn man darf nicht schreiben, und sich dabei als künftiger Nobelpreisträger sehen.




***