Dieses Blog durchsuchen

Montag, 11. August 2014

Vom Sinn des Formalen

Nun sind aber alle Dinge (=alles Seiende) nur, insofern es Form hat. Das Glas ist nur Glas, WEIL es die Form eines Glases hat, WEIL es durch die Form ein Wesen (=das, was etwas ist) hat. Deshalb kann man davon sprechen, daß das Sein eines Dinges identisch mit seiner Form ist. Aber man kann auch nicht sagen, daß das Seiendsein eines Dings aus Sein BESTEHT, oder AUS SEIN GEMACHT sei. 

Das Sein eines Seienden ist lediglich seine Form. Die Materie (von: mater) muß das Sein aufnehmen - durch die Formung. Die Materie "zerlegt" also einerseits das absolute Sein, das aber durch dieses Auseinandernehmen in Seiende nie geschmälert wird (bzw. werden kann), denn alles ist gleichzeitig wieder in einem absoluten und unendlichen Sein eingeborgen, das aber für ein Seiendes in gewisser Hinsicht "ausgeschlossen" werden muß. Form ist also auch Grenze, ist aber nicht zugleich der Inhalt. (Wie bei einem Glas eben.)

Das Wesen ist also das reine Ausmaß des Seins im Seienden, aber nicht schon das Sein IN diesem Maß. In gewisser Hinsicht nimmt also das Wesen eines Dings seine Form und damit Sein sein auf, es ist aber damit auch "starr".

Wird die Form zerstört, wird ein endliches Etwas (ein endliches Seiendes) zerstört. Wer ein Seiendes zerstören will, muß seine Form zerstören. (Das Nichts wird also vom Sein = Form nicht aufgenommen, sondern genau eben abgewiesen, wird so zum völligen Nichts, das nicht einmal ein Nichts "ist", und damit auch das Sein nicht zu partiellem Seienden affizieren, anregen könnte.) Das Sein ist also wirkender Ausschluß (s. u. a. H. Beck) des Nichts. Nicht das Nichts aber begrenzt die Seienden ("macht" sie also zu solchen) ...

Was das unendliche Sein zu einem endlichen Sein (im Seienden) macht ist nicht das Nichts, sondern der partielle Ausschluß (Abgrenzung) des unendlichen Seins durch die Essenz (das Wesen) eines (anderen) Seienden (bzw. des nicht-es-selbst-sein eines anderen positiven Seienden). (Alle Dinge, alles Seiende hat ja eine gewisse "Positivität", ein "Selbständigsein". Ein Gefäß hat zu seinem Inhalt ein gewisses Abgegrenztsein.) Damit ist es das Wesen, das den Dingen (=dem Seienden) zuerst Realität gibt. Sein und Wesen sind also einerseits konträr (wiewohl: zueinander positiv), anderseits zwei positive und reale Prinzipien, die das Seiende metaphysisch aufbauen. Das Seiende aber ist damit verursacht (und zwar im Medium der Positivität.) Und das endliche Seiende in seiner endlichen Realität ist damit begründete Wirklichkeit.

Das Seiendsein der Dinge (man beachte: ein Hilfsausdruck) ist also ein Geschehen des Seins IN SICH, einen Prozeß, in dem sich das absolute, unendliche Sein gewissemaßen "zurückzieht" und endliches Seiendes (das am Sein Anteil hat) von sich auswirft. (Schöpfungsprozeß) Als Beziehung des Seins zum Wesen.

Wer ein Seiendes vervollkommnen (=noch mehr mit Gut anreichern, also seinem Wesen noch mehr entsprechen, es vollkommen erfüllen - und im Ganzen damit zur Schönheit bringen) will, muß seine Form noch reiner und klarer machen.

Wie bei einer Statue, werden alle Dinge erst durch die Form, ohne daß man sagen könnte, daß die Dinge nur die Form SIND. Aber sie sind DURCH die Form, die Form ist es, die ihnen Sein gibt bzw. die ihr Sein IST. Und durch die Form, durch das Sein erhalten die Dinge ihr Prinzip ihrer Einheit (=die Dinge sind damit sie selbst, und das können sie nur als sie selbst, also als EIN - dieses konkrete - Ding sein.)

Gleichzeitig ist das Sein eines Seienden durch sein Wesen BESCHRÄNKT.




***

Sonntag, 10. August 2014

Individuelles braucht Gewalt

Erziehung ist die Analogie (ein Gleichnis, aber auf unvergleichlichem und höherem weil geistigen Niveau) zur Eingliederung des Tieres in seine Umwelt. Sie muß deshalb aktiv beim Menschen vollzogen werden, denn er ist nicht in ein lückenloses Instinktnetz eingebunden, und ein solches aktivieren zu wollen, zur Handlungsebene zu erhöhen, würde bedeuten, das spezifisch Menschliche auf das Niveau des Tieres zu drücken. (Womit gleichzeitig zu so machen aktuellen pädagogischen Ansätzen Aussage getan ist.) Der Mensch kann nicht nur geistig entscheiden - er MUSZ es, aus unauslöschlichem inneren Impuls, der ihn ja überhaupt erst zum Menschen macht.

Erziehung aber muß sich auf das Allgemeine, das Typische richten. Während sie das Besondere, das Einzelne, das Individuelle frei lassen muß (was aber noch nicht heißt, ihm alle Schranken zu nehmen). Denn das kann nur der Einzelne alleine leisten, und er muß es in Auseinandersetzung mit dem Typischen, dem Zeitgemäßen tun. Nur so ist die Dynamik einer Zeit, nur so ist Geschichte überhaupt möglich und Ergebnis menschlichen Handelns. Und nur so kann eine Zeit überwunden werden, sich entwickeln, wenn sie dem Einzelnen nicht nur bekannt ist, sondern das Material darstellt, in das hinein, aus dem heraus er seine Individualität erkämpft.

Künstlich genial erhaltene Kinder - und das Kleinkind ist auf eine Weise immer genial - werden impotent! Dies betrifft vor allem die Phase des etwa 7-15jährigen Kindes, die eine Phase der gewissermaßen unoriginellen Eingliederung in den Rhythmus des Lebens (in seiner konkreten Form der Gesellschaft) sein muß. Gerade sogar der sogenannte Erfolg hat mit der Eingliederungsfähigkeit zu tun, denn er bemißt sich ja nur in Bezug auf das Normale.

Noch jede Erziehungsform, die sich aufs Besondere richtete und das Allgemeine als vermeintlich vernachlässigenswert betrachtete, ist deshalb schief gegangen. Sie rief keine Genies auf den Plan, sondern lediglich gut verborgene Konformität der Erwachsenen. Denn in ihr wird das Besondere - ganz im Gegensatz zur erklärten Absicht - genau deshalb vergemeint: es ist nicht "machbar", es ist nicht einmal "förderbar", und es ist nicht neutral. Das individuell Schöpferische bildet sich unter allen Umständen selbst. Und es steht immer "gegenüber", hat keine Norm. Solche Erziehung erreicht aber, daß das Individuelle seine Kraft verliert, weil - wie heute - dem Individuellen bloß eine vorab definierte Form des Allgemeinen gibt. Es ist der für heute typische Machbarkeitswahn, eine Form des Magismus also, der glauben will, daß Originalität mach- oder förderbar sei.

Jeder schöpferische Impuls hat und braucht etwas Gewaltsames, in dem er sich GEGEN alle Widerstände erst zu einer gestaltenden Kraft entwickelt. Ohne Widerstände wird er nicht wirklich. Diese Kraft ist nämlich nicht apriori und als fixe Größe gegeben, sondern sie wird in dem Maß real, als sie sich betätigt, und so der Mensch zum Menschen, zur Persönlichkeit wird. Dem Besonderen quasi alle Wege zu ebnen heißt, daß man ihm genau den Raum zur Kraftentfaltung nimmt, den es braucht, und den es sich erst schaffen (!) muß - dann erst IST sie Besonderheit, weil dieses Raumschaffen die Besonderheit IST. (Reifen heißt ja auch, die Konfrontation mit eigenem Wollen zu erfahren, denn dieses Wollen muß - muß! - sich am Widerstand formen; und vieles am Wollen des Heranwachsenden zerfällt ja dann auch zurecht.)

Das sich aber nur im streitenden Dialog entwickelt, unvorhersehbar ist weil sein MUSZ, und fern des konkreten Charakters gar nicht vorstellbar ist, sondern sich aus der Charaktergeschichte heraus, die damit zur Gesellschaftsgeschichte wird, zur neuen Form schält. Passiert das nicht, verliert der Mensch seine vitale Kraft. Nahezu alle außergewöhnlichen Menschen der Geschichte haben sich deshalb TROTZ aller Widerstände entfaltet, und wurden erst WEGEN dieser außergewöhnlich.

Deshalb sind so gut wie alle Reformansätze der Gegenwart - die das Fehlen schöpferisch vitaler Menschen bemerkt - nicht nur falsch, sondern absolut kontraproduktiv. Gerade die Schule kann und darf gar nichts anderes tun, als die Menschen dieser Lebensphase zur Normalität zu führen. Um so dem Heranwachsenden jene Anspielwand zu bieten, an der es sich später dann, als Erwachsener, bewähren kann. Denn erst so kann auch seine Kraft in dem Maß wachsen, als es notwendig ist, um diesen Wänden entsprechen zu können, und nur aus den solcherart Kraftgleichen bzw. überlegenen kann sich Erneuerung überhaupt bilden. Wer diese Kraft NICHT aufbringt, der kann überhaupt nicht erneuern, was er beizusteuern hat ist nie mehr als mehr oder weniger Konventionelles.

Denn dieser Wille zur Selbstzeugung, wie er den Erwachsenen kennzeichnet, ja der Erwachsenheit ausmacht, der der Welt mit und in Vernunft gegenübersteht (und nur in dieser Spannung zur Vernunft überhaupt fähig ist), ist JEDEM Menschen gegeben, er ist natürlicher Impuls zur letzten Stufe* der Menschwerdung.

Und sieh da - genau daran mangelt es heute. Mehr als die Hälfte der jungen Menschen wollen, wie Umfragen bestätigen, nur den nächsten sicheren Hafen ansteuern, als Beamte, in öffentlichen und sicheren Diensten. Stattdessen wenden sich damit viele junge Menschen der Veränderung der Bedingungen zu, die ihnen nachliefern sollen, wozu sie gar nicht mehr in der Lage sind. Um ihren eigenen Tod zu verschleiern, der ihnen bewußt würde, wollen sie die Welt in den Tod reißen. Wer mit 20 nicht selbständig sein will, ist aber krank (oder einfach schwach), und aus dieser Krankheit (oder Schwäche) wird er fast zwangsläufig böse.

Denn man muß es noch schärfer formulieren: Wer in dieser Phase den Menschen nicht zur Normalität erzieht, ihn in die Lage versetzt, sich der Normalität in immer spezifischeren allgemeinen Gestalten zu fügen, wer also diese allgemeinen Gestalten vorenthält, handelt GRAUSAM. Genauso wie grausam und lieblos handelt, wer einer Zeit die menschliche Normalität als Norm nimmt, oder gar Abnormität sui generis zur Norm erhebt. Das führt direkt zur Impotenz, und löscht jede Zukunftsfähigkeit aus, weil es die Kraft der Natur ins Leere gehen, unerfüllt sein läßt. Stattdessen also wachsen unbewußte Triebkräfte, die nach Entladung suchen, was sich, wenn die (normale) Gestalt der Entladung fehlt, fast zwangsläufig ins Böse, in den Neid, ins Lieblose kehrt. Erziehen heißt, schreibt Hermann von Keyserling einmal, ins "Geborene" hineinwachsen. Man kann nur Vorhandenes erzeihen. Das Neue hingeben ist eine Frage der Inspiration, die aber nicht Inhalt von Erzhiehung sein kann, sondern dort befruchten kann und soll, wo der Mensch aus sich heraus neue Gestalt verwirklicht.

Und hier beginnt die Frage der Person - nicht einer Methodik! - mit Einfluß ausschlaggebend zu werden. Hier geht es um den Akt der Zeugung, und er ist prinzipiell jeder Erziehung ungreifbar. Und deshalb ist Inspiration prinzipiell männlichen Charakters - als der Same, den das Weibliche, das Erziehung bis dorthin noch bedeutet, austrägt und zur Gestalt reifen läßt - im Erwachsen(d)en. Zum Außergewöhnlichen kann nicht "erzogen" werden, es widerspricht dem Wesen von Erziehung. Inspiratoren - die treibenden Kräfte von gesellschaftlicher Entwicklung - sind nie Erzieher, sondern Zeuger, in gewisser Hinsicht sogar "Verführer" (Sokrates wurde Verführer genannt, gerade nicht Erzieher.)

Wer aber in obigem Sinn nicht zur Normalität** erzieht, der nimmt dem Heranwachsenden jede Chance zur Bewährung und zum Erfolg als Erfahrung des konkreten Selbstwertes, der ihm ja bestenfalls in Form eines billigen, künstlichen Ersatzstoffes in geschützten Räumen "nachgeworfen" wird.*** Damit wird die eigene Lebensleistung nicht nur wertlos, sie ist gar nicht mehr als Selbsterfahrung vorhanden. Der Wille, die gesamte Gesellschaft zu einem geschützten Raum umzubauen, zeigt deshalb nicht einfach Dummheit. Er zeigt Bösartigkeit.





*Das ist einer der heute häufigsten Fehler, nicht zu berücksichtigen, daß jede Phase des Heranwachsens keineswegs in einer linearen Entwicklung zum späteren Erwachsenseins steht, sondern in seinen Eigenheiten mit unterschiedlichsten Kräften konfrontiert, deren viele überhaupt nur temporär, der Lebensphase angemessen sind. Erwachsenwerden, Erziehen heißt ja nicht, alles zu entfalten, sondern den Menschen zu einer tragfähigen Mitte und Vernunftfähigkeit hinführen.

**Man denke an den Schwachsinn des Schlagwortes des "kritischen Beuwßtseins", das heute durch die Lande geistert. Das - eiderdautz, wie seltsam - doch nur neue Konformität und Mutlosigkeit bewirkt. Stattdessen verweigern nämlich Erzieher, den Schützlingen Normalität zu ermöglichen, indem sie das Normale zu verweigern anhalten. Und den Menschen damit jede Basis nehmen, auf der Inspiration, Annahme und Ausreifung erst möglich würde.

***Schon darin zeigt sich übrigens die tatsächliche Verrücktheit - und es ist nur Verrücktheit, im eigentlichsten Sinn - etwa von Quotenregelungen, "Antidiskriminierungsbestimmungen", Einflußnahmen auf Auswahlkriterien, das Verwirren des Bildes der Normalität, etc.




***

Blick auf Phänomene

Manfred Lütz, Psychiater und Theologe, in seiner sehr eingängigen Art, mit einigen interessanten Aussagen.







***

Samstag, 9. August 2014

Interessen und Propaganda

Volker Pispers über die USA und Rußland, sowie über antirussische Propaganda. Insgesamt ein schönes Stück Zeitkritik. Aber die Absicht hinter der Berichterstattung im Westen ist zum Greifen.








***

Bis auch die Reichen gleich sind

An dieser Stelle wurde bereits über die Relativität von Vermögen - und also des "Millionärsbegriffs" - gequatscht. Natürlich ist das für eine völlig der Wirklichkeit entfremdete Bevölkerung, mit jungen Generationen, die sowieso glauben, daß das Geld in Bankomaten wächst und vom Staat gefälligst nachzufüllen ist, nicht verständlich. Denn daß 60 % der Studienabgänger nichts mehr erträumen, als bei Vater Staat unterzukommen, und keine 10 % an Selbständigkeit auch nur denken, ist davon auszugehen, daß der Gesamtethos eines Landes keinen Begriff mehr davon ausdrückt, wo und warum Geld überhaupt entsteht, und was es bedeutet. Ach ja, in Goldbergwerken. Oder als Zahlen auf Computerbildschirmen, die man ja auch löschen könnte. Etwa.

Vielleicht wird das mit dem Gesagten Gemeinte aber hiemit für einige Wenige nachvollziehbarer: Eine Untersuchung aus den USA ist dem Millionär nämlich detaillierter nachgegangen. Nicht nur in anonymen Schlagworten. Und sieh da: Es stellt sich bei nährerer Betrachtung heraus, daß der überwiegende Teil der Millionäre - welch Wort bei gestandenen Sozialisten, also bei 3/4 der Österreicher und Westeuropäer, auch wenn sie anders wählen, Beiß- weil Neidreflexe auslöst - es nur für ganz ganz kurze Zeit "ist". Also eigentlich gar nicht ist. Sondern gerade mal einen vorübergehend höheren Vermögensausweis hatte.

Lassen Sie einfach die Graphik auf sich wirken. 50 % sind es nach einem Jahr nicht mehr, und nur 5 % der "Millionäre" sind es nach neun Jahren auch noch.

Freilich, für einem per se nur noch statistisch sich die Wirklichkeit herbeizaubernden Staat, denn anders ist der Sozialstaat nicht einmal denkbar, ist das gleichgültig. Immerhin ist die Menge der Millionäre (noch) jedes Jahr quasi gleich. Aber das werden wir auch noch ändern. Bis endlich alle gleich sind, und alle nichts mehr haben. Dann darf der gestandene Sozialist, zu dem dann die Bevölkerung flächendeckend umgewalzt wurde, zufrieden grunzen. Es gibt ja noch Bankomaten!

Dennoch, dennoch ist es an der Zeit, eine wichtige Einschränkung beizufügen. Denn die wahre Unterschiedenheit der Menschen IST KEINE DES GELDES, keine des Wohlstands. Es ist eine der Kultur! Und das führt zu dem seltsamen Zustand, daß sich in der westlichen Welt eine Art von Sozialismus breitgemacht hat, der im rein monetären Wohlstand die Unterscheidung sieht - und übersieht, daß in Wahrheit bereits alle gleich sind. Denn auch die "Millionäre" (schon gar, wenn sie Emporkömmlinge sind) kennzeichnet nicht differenzierterer Lebensstil, Kultur und daraus erwachsende Verpflichtungen, auch zur Lebensführung. Sondern lediglich technische Quantität und Qualität ist zur Unterscheidung geworden, die aber prinzipiell jedem gleich zur Verfügung steht. 

Wenn man sich heute oft wundert, daß die Mehrheiten der Bevölkerungen auch Europas im Grunde sozialistisch "denken", und zwar selbst und ausgerechnet die sogenannten bürgerlichen Lager, so liegt es schlicht und ergreifend daran, daß auch der Westen in seiner Grundsubstanz bereits weitgehend sozialistisch IST. Die Auseinandersetzung um "Kommunismus vs. Kapitalismus" des Kalten Krieges ist und war ein Scheingefecht zweier Spielformen des Sozialismus, die sich nur in der Art, denselben (technischen, einem mechanistisch-materialistischem Weltbild erquollenen, rein funktionalen) Wohlstand zu erreichen, unterschieden hat, die aber beide dieselben Ziele hatten.

Der Wohlstand der Gegenwart beruht nicht auf höhergeführter Kultur, und er zielt auch nicht darauf ab, sondern lediglich auf der Quantität von Konsum. Es ist Sand in den Augen zu meinen, technischer Status wäre etwas anderes als mögliche höhere Quantität von Konsum. Wohlstand - als Wohlergehen, als Gemeinwohl überhaupt - ist etwas völlig anderes!







***

Freitag, 8. August 2014

Schnee gibt's auch im Kaukasus

Welchem Zweck dienen Wirtschafstssantionen? Sie sollen Druck auf die Politik ausüben. Wie versuchen sie das zu erreichen? Indem ein Volk unter Druck gesetzt, wird, auf daß dieses Volk diesen Druck auf die Politik - von innen her, quasi - ausübt. Wirtschaftssanktionen machen also ein Volk zum Mittel der Politik. Nicht anders, als wenn man Zivilstädte bombardiert, um die Gesamtmoral eines Landes zu zerschlagen, und somit die Politik auszuhebeln.

Wirtschaftssanktionen richten sich also gegen ein Volk. Sie sind eine Form des "totalen Krieges". Wobei sie viel weiter gehen, viel tiefer ansetzen, als es aussehen mag. Denn internationaler Handel baut auf der Komplementarität und Verläßlichkeit der Partner auf. Man verläßt sich aufeinander, und man hört zum Beispiel auf, Karotten anzubauen, wenn das aus dem nachbarland auch geliefert werden kann, wo die Bedingungen vielleicht günstiger sind, und konzentriert sich vielleicht eher mehr auf Schweinebohnen, die im Nachbarland gebraucht, aber im wechselseitigen Vertrauen nun ebenfalls nicht mehr angebaut werden, weil sie dort ohnehin schlechter wachsen. Internationalität von Wirtschaft baut also auf Vertrauen auf. Wirtschaftssanktionen brechen mit diesem Vertrauen, sie gehen also sehr weit: sie zerstören dieses Vertrauen. 

Nun schießt Rußland natürlich zurück. Mit wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen hier, mit Neuausrichtungen auf andere Importquellen dort. Das muß es tun. Ein Land kann nicht einfach die andere Wange auch hinhalten, es wäre ein Versagen der Politik, die ja die Aufgabe hat, ihr Volk zu beschützen, und auch seinen Selbstwert zu verteidigen. Es wäre Verantwortungslosigkeit, wenn Politiker nicht mit Gegenwehr reagierten, denn hier geht es nicht um die persönlich-christliche Haltung der Politiker, sondern um ein Sachgesetz, das Gesetz der Erhaltung einer Identität.

Die EU hat beschlossen, das russische Volk zu treffen, um Putin zu treffen. Das ist die Natur von Wirtschaftssanktionen. Verbot von Rüstungsimporten betreffen die Vertrauensbasis auf Staatsebene, sie sind ein anderes Kapitel, aber auch hier gilt: Wo einmal Vertrauen zerstört ist, wo der andere, der sich im Vertrauen auf meine Zuverlässigkeit sich in Abhängigkeit von mir begeben hat, nun düpiert wird, ist es nur schwer, wenn überhaupt, wieder aufzubauen. Kein Fluß bleibt jemals derselbe.

Warum aber, bitte schön, schlagzeilt Die Welt dann, daß Putin mit seinen Importsperren - die Reaktion auf die EU-Sanktionen - "das russische Volk leiden" ließe? Es ist die EU, die das russische Volk leiden läßt, ganz bewußt. Sie ist es, die einen aggressiven Akt GEGEN DAS RUSSISCHE VOLK setzt. So, wie Lord Harris die deutschen Städte ausradieren ließ und damit einem Volk seine kulturelle Tradition regelrecht in Schutt und Asche legte. 

Und das weiß das russische Volk auch. Es betrachtet die zuvor vertrauensvoll in ihr Leben integrierten Länder Westeuropas plötzlich als gar nicht so wohlgesonnen, wie noch der Stangl-Wirt in Going (Tirol), der extra eine russische Balalaika-Gruppe einfliegen hatte lassen, vollmundig geschworen hat. Sie kommen nicht mehr. Und jahrzehntelanger Aufbau von Wirtschafts- und persönlichen Beziehungen ist mit einem mal ... perdu. Zernichtet. 

Und der Stangl-Wirt und seine Zulieferanten müssen nun ihre sauteuren (pardon, "hochwertigen") Kasnocken und original Tiroler Wurstaufläufe mit Trüffelekantinen, die vor allem russische Mittelstandstouristen, deren es viele, sehr viele gab, und die sich ihren Urlaub im Freundesland viel kosten ließen, selber essen. Oder an die Schweine verfüttern. Die, geschlachtet und zu original Tiroler Schopfbraten und Rippchen zerlegt, aber Rußland ja auch nicht mehr abnimmt. Rußland macht damit genau dasselbe. Nicht einfach als Retourkutsche, sondern weil es ein Wort von Politiker von Politiker ist. Auch hier soll also der Stangl-Wirt die Politiker an seinen Tisch holen, und ihnen sagen, was Sache ist. Wobei - zu spät ist es allemal.

Aber warum versucht man dem Stangl-Wirt zu suggerieren, daß "Putin" das russische Volk leiden ließe, weil es seine mit Trüffelkantinen aufgeplusterten Sauhaxen nicht mehr abnimmt!?

Putin, Putin ... als wäre Rußland eine simple absolutistische Monarchie! Absolutistischer jedenfalls, als der ganze unsinnige Parteienapparat im Westen, der jeden simplen Sekretärsposten (man lese übrigens Max Webers "Politik als Beruf") nach Parteibuch vergibt. Wie erst dieser Tage als Beispiel eine entsprechende Anweisung der Salzburger Energiebetriebe an die Öffentlichkeit gedrungen ist; ein purer Skandal, über den sich aber niemand lange mehr aufregt, in Österreich, denn so war und ist es in Österreich ja seit Jahrzehnten, es ist längst Teil der Alltagskultur.

Herr Stangl, das russische Volk, so meint der VdZ, wird die Absenz ihrer besonders aromatischen Schweinshaxen vielleicht bedauern, aber verschmerzen. Und sich wohl notgedrungen an Scheinskarree aus Tadschikistan oder China und Steaks aus Argentinien gewöhnen (die, freilich, hoffentlich besser schmecken als die von Maredo, denen es am Entscheidenden fehlt, weil das "just in - just out" für Steaks ein Verbrechen ist.) Die AUCH was haben, glauben Sie einem Liebhaber kräftiger Kost. Man muß sich nur umgewöhnen. Schnee gibt's auch im Kaukasus. Der von manchen ja überhaupt als die Wiege der abendländischen Kultur gesehen wird. Die Antike jedenfals sah ihn so. Prometheus war an den Elbrus geschmiedet. Erst deshalb wissen wir, daß es die Eiger-Nordwand auch könnte. Aber dorthin läßt sich kein Russe mehr schmieden.

Es war die EU, Herr Stangl, die die Ketten zerriß. Das mag man mögen, oder nicht mögen. Aber man muß es zur Kenntnis nehmen. Und damit die Folgen der Politik tragen. Hier, wie dort. Mit Ursache, Wirkung und Reaktion. Wenn Sie sich aber nun den Kopf zerbrechen, wie sie die Kredite für ihr neues Biotopstrohdumpelwumpelsolarium abzahlen sollen, wenden Sie sich bitte an Brüssel. Die haben dort Geld in Speichern lagern, die (wie es heißt) größer sind als jeder Büroturm in Moskau.

Fragen richten Sie aber bitte an Brüssel und Wien. Die Herren dort werden sich schon etwas gedacht haben, einen totalen Krieg anzuzetteln. Weil sie noch einmal gerne tausend Kilometer vor Moskau lägen. (Dieses Erlebnis hatte ja die heutige Politikergeneration noch nicht; wir sollten ihnen gönnen, was etwa der Vater des VdZ rutzeputz in seiner Lebenskiste verpackt hatte, sie wollen ja auch was erleben!) Dabei nicht vergessen: Politik ist immer ein Arkanum. Auf gut soll-österreichisch: "Was wissen denn mir einfachen Deppen. Die da oben, die wern's scho wissn. Alsdann, pack ma's."

Übrigens, Herr Stangl (der natürlich anders heißt ...), wenn schon von Eiger-Nordwand die Rede war: Die Schweiz hat es diplomatisch höchst klug und gerecht gehalten. Die  haben nicht wirklich selber Sanktionen verhängt. Sie habe nur - vertragstreu in allen Dingen - soweit "Sanktionen" beschlossen, als die Schweiz sich nicht als Umgehungsweg benutzen lassen wollte. Das, schreibt die NZZ in einem Gespräch mit dem russischen Botschafter in Bern, wissen die Russen sehr gut zu unterscheiden. Vermutlich, Herr Stangl, werden einfach ihre trüffelkaramelisierten Bohnenschnitzel durch ... Käsefondue ersetzt werden. Dann leidet vielleicht überhaupt niemand mehr, werte Die Welt. Denn Leute wie der VdZ ziehen gutes Käsefondue sowieso jedem Trüffelschwein vor. Und Bern ist sogar interessanter als Kufstein und Going samt Wellnessoase und Ajurveda-KnowHow zusammen.

Oder glauben Sie wirklich, daß die russische Hausfrau in Nowij Uralsk ab sofort kein Gemüse für ihren Borschtsch mehr am Markt zu kaufen kriegen, wie uns die Welt einreden will? Die konnte sich Ihr handverlesenes Biokarotterl (Biomöhrchen) oder das garantiert glutenfreie Schopfstückerl des Bauern aus Mittersill auch bisher nicht leisten. So, wie die meisten Österreicher bzw. Deutschen.




***

Medien und Ukraine (2)

Teil 2) Gabriele Krone-Schmalz: Die westliche Berichterstattung ist primitiv




Es sind große Fehler in der Berichterstattung gemacht worden, meine die mittlerweile im Ruhestand befindliche, also aus Abstand beobachtende deutsche Journalistin Gabriele Krone-Schmalz schon im April. Es besteht eine enorme Kluft zwischen veröffentlichter und öffentlicher Meinung, das merken alle Medien durch enorm viele Zuschriften, in denen sich die Menschen beschweren. Die Bürger, so Krone-Schmalz, merken einfach die offensichtlich diffamieren sollende Einseitigkeiten und Automatismen der Berichterstattung. Das merkt die Öffentlichkeit, und sie läßt es sich nicht mehr gefallen, sie sagt sich: "SO kann es nun aber doch nicht sein."

Dabei hat man den Menschen einfach Wahrheiten vorenthalten: Wer hat berichtet, daß § 7 des Assoziierungsabkommens EU - Ukraine Zusammenarbeit in Rüstungsprojekten enthält? Das aber erst hätte Rußlands Reaktion vollends verstehen lassen. Die EU hätte doch wissen müssen, daß es die Ukraine mit DIESEM Abkommen zerreißen wird. Niemand hat Putin und Rußlands Vorschläge, die Angelegenheit zu diskutieren, überhaupt aber ernstgenommen. Die EU hat eben massive Interessen, die Ukraine "rüberzuziehen", und dem sind die Journalisten auf primitive Art und Weise auf den Leim gegangen. Durch simples Schwarz-Weiß-Denken.

Der Journalismus hat sich also viel vorzuwerfen. Auch, wenn es mit dem hohen Zeit- und sonstigen Druck zusammenhängen mag, dem er unterliegt. Aber man muß als Journalist eben Dinge besser durchdenken, in ihrer Tiefe mehr auslosten, will man darüber objektiv berichten. Simple Freund-Feind-Bilder sind keinesfalls ausreichend, und viele machen es sich einfach zu bequem. Die Häme, die Unterschwelligkeit in der Rußlandberichterstattung ist erschreckend erkennbar.

Warum vergleicht niemand die Vorgänge in der Ostukraine mit den Vorgängen in Kiew (also als Aufstand zur Selbstbestimmung eines Volkes hin)? Sie liegen nämlich auf dieser Ebene, und nicht auf der einer Annexion der Krim.

Wer hat aber darüber berichtet, daß die Anschuldigung, Rußland habe bei der Krim Völkerrecht verletzt, gar nicht stimmt, zumindest: nicht SO EINFACH stimmt? Denn das Völkerrecht enthält zwei widersprüchliche Aussagen: hier ist das Recht auf territoriale Unversehrtheit eines Staates, dort aber das Recht auf  Selbstbestimmungsrecht der Völker. Ja, es seien russische Soldaten mit Waffen herumgelaufen, aber die hätten nicht die Menschen zur Abstimmung gezwungen, sondern die ukrainischen Soldaten in den Kasernen gehalten, um eine Abstimmung überhaupt möglich zu machen. Und die ist zu 95 % PRO Rußland ausgefallen. Also, was aus dem Völkerrecht trifft nun zu? Das muß eben von Fall zu Fall diskutiert werden, ist nicht so einfach aus dem Hut und ohne Vertiefung und schon gar nicht ohne Versuch, den anderen zu verstehen, zu beurteilen.









***

Donnerstag, 7. August 2014

Medien und Ukraine (1)

Wußten Sie, daß das Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU auch die Zusammenarbeit in Rüstungsprojekten enthält? Putins Reaktion hat also noch eine viel klarere direkte Dimension. "Die EU hätte wissen müsse, daß dieses Abkommen die Ukraine zerreißen wird." Journalisten hätten dies nicht nur wissen, sondern auch darüber berichten müssen. Aber das ist bei weitem nicht das einzige skurrile Detail rund um den hiesigen Journalismus. "Die Anstalt" des deutschen ZDF - sollten Sie gesehen haben.






Morgen Teil 2) Gabriele Krone-Schmalz: Die westliche Berichterstattung ist primitiv



***

Selbsterklärend

Die Entwicklung der Quote der SOZIALABGABEN (Sozialversicherungsabgaben) in Österreich seit 2003. Mittlerweile machen die Sozialabgaben nahezu gleich viel aus wie Einkommens- und Umsatzsteuer zusammen. Steigerung seit 2003: 44 %. Inflation (offiziell) seit 2003: 23 %

Auf die Idee, schreibt Agenda Austria in einer ihrer Aussendungen, statt der Lohnsteuern doch die Sozialabgaben zu senken, ist noch keine Gewerkschaft gekommen. Dabei belasten diese Abgaben gerade die Arbeitnehmer mit niedrigen Einkommen überdurchschnittlich stark.  Selbst von Einkommen, die gar nie zum Überleben reichen (Untergrenze für Selbständige: ca. 4900 Euro Bruttoeinkommen jährlich), bezahlt der Österreicher den Mindestsatz von 23 %.


Quelle: Agenda Austria





***

Mittwoch, 6. August 2014

Das Bild rundet sich allmählich

Jetzt - erst, muß man sagen - berichtet die Presse, daß laut einem UN-Bericht (!) bereits 730.000 "Ukrainer" (es sind wohl Russen aus der Ukraine) nach Rußland geflüchtet sind. Die Flüchtlingsströme seien damit, so die UNHCR, "weit größer als bisher angenommen". Nach Rußland, wohlbemerkt. Weitere 117.000 Menschen seien innerhalb der Ukraine auf der Flucht. Oft nur mit ein paar Plastiksäcken, in denen die wenige Habe ist, die sie auf ihre Flucht mitnehmen wollten oder konnten. Während der Westen bzw. die westlichen Medien - in einem seit langem seltsamen Schulterschluß der Haltungen - von einer Provokation Rußlands sprechen, das nun 17 Brigaden, das sind etwa 20.000 Soldaten, zusammengezogen hat und Luftmanöver durchführt.

Was sich in der West-Ukraine (="die Ukraine") abspielt, könnte ein auf dem allgemein als regierungskonform bewerteten TV-Sender ausgestrahltes Interview mit einem ukrainischen Journalisten weiter beleuchten. Denn allmählich rundet sich da ein Bild, das jeden Ärger über die nicht begreifbare Politik der EU - die laut einer jüngeren Umfrage 80 % der Deutschen NICHT für gut heißen - in Schrecken verwandelt. Denn hier liegt tatsächlich das Wort "Genozid" am Fensterbänkchen. Vor allem, wenn man dazu die Worte Bogdan Boutkevichs stellt.

Der Journalist analysiert in diesem Interview die Lage im Donbass, einem der Zentren der Schwerindustrie der ehemaligen Sowjetunion. Seiner Ansicht nach seien dort mit 4 Mio Einwohnern viel zu viele Einwohner, das sein eine Frage der Gesamtukraine. Der Donbass hat ausgebeutet zu werden, das ist seine Funktion. Was zu tun sei? Boutkevich wörtlich: "Es mag brutal klingen. Aber man muß 1,5 Mio Menschen auslöschen."




Ob das noch mit "ungeschickte Ausdrucksweise" zu rechtfertigen ist? Wird da nicht vielmehr ein Sinngebäude erkennbar, dem gemäß sich hier nicht "ein Staat verteidigt", sondern eine bestimmte Gruppe sehr überlegt eine sehr gezielte Politik verfolgt, die ein Drittel der Bevölkerung als Störenfriede betrachtet, die entfernt zu werden haben? Sind am Ende die Separatisten gar keine oder nur folgeweise "Separatisten", denen die Nähe zu Rußland letzter Ausweg ist?

Denn wenn Stimmen aus Rußland der seit dem Sturz Janukowitsch' im Amt befindlichen Regierung bzw. der westlichen Ukraine "Faschismus" vorgeworfen haben, so könnte dieser Begriff hier tatsächlich seine Berechtigung haben. Hier versucht sich ein Land willentlich und nach Programm zu konstituieren. Versucht das zusammenzustellen, was einem Sollensbild eines ukrainischen Staates - den es bis zur Wende 1989/91 historisch nie gab -  mit einem entsprechend gesolltem Volk samt entsprechend gesolltem kulturellem und wirtschaftlichem Leben entspricht. 

Der Rest soll ausgeschieden werden. Wie die Russen der Ostukraine. Deren Gebiete man freilich behalten möchte. Wie den Donbass mit 3/4 Russen. Dieses Industriebecken ganz im Osten, das mit seinen Bodenschätzen in der Sowjetzeit sogar als das "Herz Rußlands" bezeichnet wurde.

Tatsache ist ja auch, daß in der Ukraine nun auch "russische Kultur und russische Sprache" - in Form von Literatur, Filmen etc. - verbannt, deren Einfuhr reglementiert werden sollen. Das schreibt kein russisches Putin-Leibblatt, das schreiben Zeitungen wie die FAZ, alles andere als ein Putin-Freund. In einem Land mit einem Drittel Russen als Einwohner, mehrheitlich im Osten wohnend, in einem Land dessen Geschichte von der Rußlands gar nicht zu trennen ist, weil beide gewissermaßen jahrhundertelang "eins" waren, ja das selbst "Rußland war" (die Kiewer Rus war gewissermaßen der erste Staat Rußland), in dem das Russische aus dem Alltag gar nicht wegzudenken ist, sogar in Kiew (mit 30 % Russen) zumindest in Form der Mischsprache, die in der Ukraine häufigste Umgangssprache ist, mehrheitlich gesprochen wird, eine gewiß noch seltsamere Maßnahme.

Als wäre das, was da innerhalb der Ukraine EIGENTLICH passiert, und offenbar viel systematischer passiert, als man bislang dachte, als wäre das alles bislang im Westen entweder verschwiegen oder ignoriert worden. Denn da passiert etwas Grundsätzliches. Da geht es nicht einfach um russisches Einflußgebiet vs. EU-Annäherung, und da geht es auch nicht um "Demokratie", die den Ukrainern der Ukraine ohnehin kein Anliegen war, das haben sie ja längst bewiesen. 

(Wobei, das macht sie ja an sich nicht einmal unsympathisch, so wie die Bewohner der ehemaligen Ostblockstaaten von großem Realismus geprägt sind. An die Demokratie glauben im Westen ja nur die manipulierten Wähler; nicht einmal aber die Politiker und Parteien, für die es nur ein Umweg ist, den es zu nehmen gilt, um an die Macht zu kommen.)

Währenddessen hat die EU nun beschlossen, jede Beschränkung für Rüstungslieferungen an die Ukraine, wie sie gegen Janukowitsch verhängt worden waren, aufzuheben. Dabei hat man alle Lieferungen gesperrt, die die Ukraine "gegen das eigene Volk" anwenden könnte. Das ist nun, nicht unter Janukowitsch,auch tatsächlich eingetreten. Wie die UNHCR feststellt, sind der überwiegende Teil der Toten der bisherigen Kämpfe Zivilisten. Getötet aus den bisherigen Kampfhandlungen, und zwar durch Beschießungen und Bombardements von Zivilgebieten durch die ukrainische Armee. Auch die Flüchtlinge gehen darauf zurück. Das ursprüngliche "humane" Ziel der EU ist also nun offenbar einem höheren Ziel zum Opfer gefallen.

Insgesamt zeichnet sich aber das Bild einer typischen "Revolution" ab. Wie alle Revolutionen, getragen von einer kleinen Schichte Intellektueller und bisheriger Eliten, die die Seiten gewechselt haben, vor allem aber massiv gestützt von wirtschaftlichen Interessen (es sein an das erhellende Buch von J. Ellul erinnert, es wurde hier eingehend vorgestellt) seitens von Geschäftsleuten, will das Volk etwas ganz anderes - ein ganz normales, bisheriges Leben, an das es sich mit der Zeit, die die Wirren andauern, wieder einnert. Erst hat es sich von den Parolen noch mitreißen lassen, doch bald verlieren diese ihre Kraft. Und so findet sich das Volk auf seiten der ursprünglichen Gegner der Revolution, ist bald mit allem einverstanden, will nur eines: Ordnung.

Das wird auch durch verschiedene weitere Berichte gestützt. In einem ORF-Beitrag zum Ö1-Mittagsjournal berichtet der Korrespondent aus Lugansk, das seit Wochen von der ukrainischen Armee belagert wird. Ohne militärischen Erfolg! Aber dafür sind gut und gerne 250.000 der ursprünglich 450.000 Einwohner geflohen, der Rest (Pensionisten, Kinder, Menschen die nicht fliehen konnten) hält sich etwa in Kellern verborgen. Jede zivile Versorgung, jedes Transportsystem, die Kommunikationsmittel sind zusammengebrochen. Lugansk ist eine Geisterstadt - die von den "Separatisten" aber felsenfest gehalten wird. Zwar wird die Stadt permanent durch die ukrainischen Streitkräfte beschossen, aber ohne jeden erkennbaren militärischen Sinn, berichtet der ORF-Korrespondent.

Dasselbe Bild einer chaotischen Führung durch die Ukraine vermittelt auch, so der ORF aus Lugansk, die Tatsache des Überlaufens eines ukrainischen Bataillons auf russisches Gebiet, von dem zu hören und über TV-Berichte zu sehen war. Der ukrainische Major berichte, daß seit einer Woche nicht einmal mehr Befehle eingelangt seien, von Versorgung gar nicht zu sprechen.

Mittlerweile ist die ukrainische Armee, die nicht nur vom Staat, sondern auch von Oligarchen finanziert wird (lt. Aussage von ORF-Berichterstatter Christian Wehrschütz), im Vormarsch auf Donzek, einer Stadt mit 1 Mio Einwohnern. Aber der Vormarsch dürfte drastisch an Schwung verloren haben. Offenbar sinkt bei den Ukrainern selbst nicht nur die Begeisterung, sich zur Armee zu melden, sondern auch die Unterstützung der Bevölkerung für die Politik der eigenen Regierung dürfte rasant abnehmen. Die ohnehin am Boden liegende ukrainische Wirtschaft muß sich aber auf einen womöglich noch Monate dauernden militärischen Konflikt einstellen.

Gleichzeitig wird in der EU überlegt, schreibt die Welt (?), die ukrainischen Gastanks mit russischem Gas, das in diese Lager "zürückgepumpt" wird, das von der EU bezahlt wird, zu befüllen. Und man muß rasch handeln, weil anders die Gasversorgung der EU (und gewiß auch der Ukraine) für den Winter nicht gesichert werden wird können. Man muß im Sommer Vorräte anlegen, weil die Leitungen für die Verbrauchsmengen im Winter zu wenig Kapazität haben.





***

Filmempfehlung

Ein sehenswertes Video, das um wenig Geld bestellt werden kann. Und die Thesen erschüttert, daß die Geologie Millionen- oder Milliarden von Jahren zur Entstehung der Erde annehmen MUSZ, weil sonst die Gestalten und Ablagerungsschichten der Erde nicht erklärbar wären. Sie geht dabei von der These aus, daß sich die Vergangenheit aus beobachtbaren Prozessen der Gegenwart erklären läßt. Genaue Betrachtung aber zeigt die Fragwürdigkeit dieses wissenschaftlichen Dogmas, das im 17. Jhd. entstanden ist. Ablagerungsprozesse deuten empirisch betrachtet auf ganz andere und wesentlich, ja um Dimensionen kürzere Entstehungszeiträume hin. (Falls auf Ihrem Bildschirm kein Video angezeigt wird - hier das Link zu Vimeo)






Die DVD kann hier bestellt werden: cbuch.de/In-Stein-gemeisselt-DVD-p5049/
Video-DVD, 57 Min., SCM Hänssler / Wort und Wisssen 04/2014



***

Dienstag, 5. August 2014

Ein Land, das nie Krieg führt

50 Jahre Vietnamkrieg, zelebriert die Presse. Aber haben die Amerikaner denn überhaupt je einen Krieg geführt? Haben sie gegen Vietnam Krieg geführt? Haben sie überhaupt seit Jahrzehnten noch einem ihrer Gegner in ihren Kriegen einen Krieg erklärt?

NEIN. Denn die Amerikaner hatten gar nie Gegner. Sie waren nur Vollstrecker einer gottgewollten Welt- und Menschheitsordnung, der zum Durchbruch zu verhelfen sie auf der Welt sind.

Seit Jahrzehnten führen die Amerikaner deshalb nur noch Vernichtungsfeldzüge gegen Rebellen gegen ihre Werteordnung. Sie aberkennen allen ihren Gegnern den Status als vollwertige Menschen, ihr Gegenüber ist deshalb auch nie ein Staat, als gleichberechtigter Kontrahend. Und so ein Gegner kann nur noch vernichtet werden.

Weil sich damit aber die Widerstandskraft des anderen erhöht, die eigene mit der Zeit schwächt, ziehen sie sich nach gewiser Zeit wieder zurück, wenn ihnen klar wird, daß sie diesen Kampf nicht gewinnen können. Und solche Kämpfe kann man nicht gewinnen, aus naheliegenden Gründen. Also ziehen sie wieder ab, hinterlassen aber dabei heilloses Chaos nachhaltig zerstörter Ordnungen, die nur einen Fehler hatten: daß sie nicht der Heilsvorstellung der Amerikaner - aus denen heraus sie ihre Interessen zu heiligen Geboten machen, die jedes Mittel rechtfertigen - entsprachen.

Wer keinen Krieg beginnt, der kann ihn auch nicht beenden. Nicht mehr und nicht weniger zeigt sich hier. Die Kultivierung des Krieges, den das Völkerrecht bedeutet, das nur Recht gleichrangiger Partner sein kann, ist nicht einfach ein zynisches Beschränken - es macht erst einen Krieg möglich. Hebt kriegerische Handlungen aus dem bloßen und aus seiner Natur folgenden Vernichten zu einer Handlung. Das ist auch der Grund, warum die USA, wenn sie ein Land verlassen, keine Staaten hinterlassen. Denn die USA kennen keine Staaten.

Genau das ist das Schema, das die USA seit Jahrzehnten verfolgt und praktiziert. Krieg haben die USA nie mehr geführt. Es waren morali(sti)sche Kreuzzüge, die ihren Interessen dienen sollten. Was wiederum ein Selbstbegreifen zum Grund hat, in dem sich die Amerikaner überhaupt als das gelobte Land selbst verstehen, moralischer Richter und Exekutive in einem. Das macht amerikanische Interessen zu Interessen Gottes. Wer nicht für die USA ist, ist damit gegen "Gott". Die Amerikaner haben die ganze Welt zum rechtlosen Land erklärt, in dem nur sie Recht SIND. Und das durchzusetzen dürfen sie jedes Mittel ergreifen.

Es berührt deshalb immer seltsam, wenn die Amerikaner von "Völkerrecht" sprechen. Denn sie kennen keine anderen Subjekte des Völkerrechts. Nur sie selbst sind ein solches, und sie sind das einzige. Sämtliche Institutionen sind ihnen nur soweit akzeptabel, als sie ihren Interessen dienen und andere zu knebeln vermögen. Im Zweifelsfall, d. h. im Fall ihrer Interesssen setzen sie sich über alle diese Institutionen ohne jeden Skrupel hinweg. Die Amerikaner anerkennen nur ein Völkerrecht - das Recht ihres eigenen Landes.

Und sie setzen damit übrigens in einer Tradition an, der sie letztlich entstammen. Denn damals, als sie Europa verließen, um sich in diesem "gelobten Land" niederzulassen, herrschte weltweit genau diese europäische Rechtsauffassung: Nur in einem christlichen Reich war Recht, nur Getaufte hatten Rechtsstatus. Nur sie waren Subjekte mit Rechten und dem Respekt als Gleichrangige, welche Gleichrangigkeit ein Rang der Institutionen war. Alles, was territorial darüber hinaus ging, war zur Landnahme frei, seine Bewohner waren rechtlos. Aus den realen Erfahrungen aber heraus, hat sich Europa mehr und mehr - ausgehend von der Kirche, die diesen Zustand sehr rasch als unmoralisch erkannte (der berühmte Fall des aus Südamerika zurückkommenden "Las Casas vor Karl V.") - zu einem Völkerrecht durchgerungen, das auch fremden Völkern Rechte und vor allem Subjektstatus zuerkannte. Nur menschliche Gier und Schwäche hat das immer wieder zu verhindern gesucht.

Aber die Amerikaner setzen genau dort an. Und sie prolongieren damit die Praxis, die sie in der eigenen Landnahme bis ins 20. Jhd. zur Anwendung gebracht haben, als sie das vorgefundene Land selbstverständlich als "herrenlos" und damit annektierbar, seine Bewohner als rechtlos und ohne Subjektstatus betrachteten. Es wird Zeit, diese Haltung als das zu erkennen und zu bezeichnen, was sie ist, und die Augen von iPods und Chevrolets und DisneyWorld-Wochenenden und Genmanipulationen wieder frei zu machen, die nämlich (wie der Technizismus selbst, der nur Anwendung von Vorhandenem ist, der NIE schöpferisch Neues schafft) derselben Kategorie angehören: Die Unkultur eines primitiven Volkes im Persönlichkeitsstatus eines Kleinkindes, dem jede Form unerträglich weil untragbar ist, weil sie die Persönlichkeitskraft dafür (noch) nicht hat.*

Die Art der Kriegsführung der USA ist deshalb keine Kriegsführung. Sie ist die Zerstörungsneugier eines Kleinkindes, das in seiner Unkenntnis einen Wecker zerlegt, um dann festzustellen, daß er nicht mehr funktioniert. Dem aber - welch charakteristischer Zug der Zeit! genau dort steht ja auch die Pädagogik! - die heutige Welt eine verniedlichte Welt aus Mickey-Mouse-Schultaschen und Pumuckel-Stühlen anbietet, zu der sie sich selbst umgestaltet, weil es die Zornausbrüche des ungezogenen Balgs fürchtet. Was die Amerikaner aber dringend bräuchten wäre schlicht und ergreifend Erziehung, wäre vor allem ... väterliche, männliche Autorität. Und sie werden so lange keine Ruhe geben, wie Kinder es nämlich auch tun, bis sie an diese Autorität gelangen. Denn Kinder kann man nicht "besänftigen", wenn man ihnen nachgibt, ihnen Grenzen weiter nimmt, man hypertrophiert dann nämlich ihre Ungezogenheit. Krankhafter Größenwahn ist die Folge.




*Die Attraktion, die der amerikanische "way of life" für so viele Menschen darstellt, beruht auf dem Versprechen einer Art "Kinderglücks". Das angeblich dann eintritt, wenn die Welt in ein Kinderzimmer umgestaltet ist, in dem nichts Erwachsenes, keine reife Form mehr stört, sondern in dem alles zum andauernden Vergnügen da ist. Natürlich gibt es eine solche Welt nicht, immer bricht Wirklichkeit ein, aber die wird weggedrückt, für "nichtig" erklärt. Der Mythos lebt, solange alle daran glauben. Deshalb ist es wesenstypisch für die Amerikaner der Gegenwart, im Grunde laute Mythen zu produzieren, und alle dazu zu zwingen, diese für echt zu nehmen. Hollywood ist tatsächlich ein repräsentatives Merkmal der Amerikaner geworden: sie produzieren nur noch Traum-, Kinderwelten. Billige Kugelschlecker und Jahrmarktswatte. Und zwar mit genau der Durchtriebenheit, die Kinder nämlich haben - die genau wissen, wo die wirkliche Welt daheim ist. Jedenfalls NICHT in ihrem Kinderzimmer. Deshalb ist jeder eine Gefahr, der dieser Kinderwelt ihre Relevanz abspricht. Die Amerikaner haben keine realen Feinde - ihnen ist aber jeder Feind, der diesen Schein anzweifelt. Die geamte US-Wirtschaft baut wie noch nie nur auf solchen Zukunftsversprechen auf. 

Die Ernte, die die Welt, und dabei vor allem Europa, dafür einfahren wird, daß - und soweit - es diesem Gehabe auf den Leim geht, steht jetzt bereits fest: Wie bei Kindern wird die USA mit einer Verachtung reagieren, die in Haß umschlägt.




***

Schulausflug der neuen Menschlichkeitsvertreter

Ein schauerlicher Blick auf das geistige Niveau einiger Grünpolitiker, die als Abgeordnete im Europaparlament in Straßburg europäische Gesetzesebene mit repräsentieren und das Leben von hunderten Millionen Bürgern bestimmen (wollen). Symptomatisch dabei (wobei es ungewiß ist, ob sachliche Replik überhaupt lohnt): Es gibt keine politischen Gegner mehr, die anderen sind nur noch Untermenschen, die man notgedrungen ertragen muß, deren Ansichten aber von vorneherein zu ignorieren sind. No more comment.







***

Montag, 4. August 2014

Wer fürchtet sich vorm Schwarzen Mann?

Man müßte einen Denkvorschlag unterbreiten, ausgelängt am "cui bono?" der Wirtschaftssanktionen, die nun die EU gegen Rußland beschlossen hat. 

Wer fürchtet sie am meisten? Es sind die deutsche und österreichische Volkswirtschaft (die Schweiz ist auch davon ja ausgenommen; oh, welche Wege wären auch Österreich 1993 offengestanden ...) mit ihrer Orientierung an Maschinentechnik und Know How. Denn diese Branchen wird es am meisten treffen. Österreichs Wirtschaftskammerpräsident rechnet mit einem Exporteinbruch nach Rußland um 25 %, Deutschland punktuell in diesen Branchen mit tausenden Arbeitslosen. Gerade in jenen Branchen, die das abendländische Qualitätspotential nicht nur am direktesten repräsentieren, sondern denen die USA überhaupt nichts entgegenzusetzen hat. Denn Amerika, das sozialistische Land par excellence, ist geistig tot. Schon seit Jahrzehnten, und das als logische Entwicklung. (Darüber mehr zu einem späteren Zeitpunkt.)

Wer profitiert also? Cui bono? Wer initiiert mit enormem Druck einen transatlantischen USA-EU-Wirtschaftsraum, der eine politisch genau mit diesen Sanktionen geschwächte EU einzutreten mit groteskem Propagandaaufwand beizutreten fast gezwungen werden soll? Es gibt nur einen Profiteur - die USA. Daß Europas Poltiker das nicht sehen, verwundert nicht. Oder, wenn sie es sehen, nicht darauf reagieren. Umfragen, jüngste Umfragen, haben ergeben, daß 80 % der europäischen Bevölkerung mit der Politik der EU mehr als NICHT zufrieden sind - sie können sie nicht vertreten. Etwas, was in den USA, die am Tropf der öffentlichen Meinung hängen, die sui generis nur noch Vollzugsorgan der öffentlichen Meinung sind, die genau deshalb das eigentliche Ziel der Politik ist, sofort zum Umschwenken der Politik führen würde.

Nur Europa schwächt sich, mit einer rational nicht nachvollziehbaren Politik, als bloße Handpuppe am amerikanischen Arm. Das heißt nicht, daß Rußland alles richtig macht. Darüber später noch. Aber  die Offensichtlichkeit der Vorgänge schreit. Schreit die alle davonzujagen, die dem primitiven ´Pubertätslang der Transatlantiker auf den Leim gehen. Selbstschwach, intellektuell verrottet, sittlich kaum noch über dem Sauentum.

Was wird passieren? Europa wird seine Produktionen nach den USA legen, dort Arbeit schaffen. Um wen zu beliefern? Richtig. Asien. Durch eine wirtschaftlich tote, aber durch Militärmacht und Politik, noch mehr aber durch Mythen "genial" wiederbelebte amerikanische Volkswirtschaft. Während Europa endgültig am Tropf der Kinderbande aus Washington hängt, die die Welt zum Kindergarten umgestalten müssen, sonst können sie gar nicht überleben.

Und WER innerhalb der EU zahlt die konkrete Zeche? Die Arbeitenden, die Selbständigen, der Mittelstand. Und duldet immer noch, weil es ihm charakterlich einfach angemessen ist, diese Bande, die sich alles, wirklich alles gekrallt hat, was erreichbar ist. Weil niemand je auch nur einen Funken von Verantwortungserfahrung hat. Die sich ihre Pfründe gesichert haben, was auch passiert.

Das behauptet der VdZ. Empört über die offensichtliche Trottelei, die wie ein Orkan Europa erfaßt hat, dessen Politiker so wirklichkeitsfern wie noch nie wurden. Punkt.





***

Sprechstörung Inklusivsprache

Das klarstellendste Argument gegen die Gendersprache gab es dieser Tage in einem deutschen Medium zu lesen (weiß der Deibel wo, ist auch egal): Die Gendersprache widerspricht dem, was als Muttersprache ins Unbewußte verlagert ist. Man spricht nicht "bewußt", sondern man verknüpft unbewußt Begriffe und Dinge.

Die Gendersprache aber verlangt die Neurotisierung der Sprache: Sie verlangt, daß man jedem Sprechakt einen bewußten Akt vorangehen läßt. Damit wird das Wesen der Sprache nicht nur beschädigt, sondern die Sprache selbst wird beschädigt. Gendersprache stehe auf einer Ebene mit dem "Stottern", sei eine von der political correctness gar verlangte Sprechstörung.

Übrigens ist das dasselbe Argument, das den VdZ immer wieder davon sprechen ließ, daß Vegetarianertum oder noch schlimmer: Veganismus als Eßstärungen in dieselbe Kategorie wie die Bulimie gehören. Der Vorgang ist exakt derselbe: Ein wesentlich unbewußter Vorgang wird durch bewußte Vor-Steuerung neurotisiert.

Man kann eben eine Sprache nicht "beliebig" verändern. Wer immer das glaubt, ist schlicht und ergreifend ein Trottel. Sprache verändert sich zwar, ja, das stimmt. Aber sie verändert sich aus einem allgemeinen Wogen heraus. Nicht durch politisch-ideologisch veränderte Begriffsneurotisierung. Das verhindert im Gegenteil sogar das, was Sprache überhaupt leisten soll und kann. (Lesen Sie dazu einen dieser Tage in der Kronen Zeitung erschienenen "Offenen Brief" an zwei Minister Österreichs, der lesenswert handfest gegen die Inklusivsprache argumentiert, und fordert, daß der Wille von über 90 % der Bevölkerung, die diesen Spuk endlich vorbei wünschen, erfüllt, und die Inklusivsprache als totalitäre Vorschrift wieder abgeschafft wird.)

Eine Episode: Der VdZ hat seinerzeit als Diözesansekretär (heute nennt sich das nicht grundlos: Diözesanreferent) für die Katholische Männerbewegung St. Pölten mehrere Universitätsdozenten und auch den Fakultätsleiter der Germanistik der Universität Wien angeschrieben, und um eine wissenschaftliche Stellungnahme zur Inklusivsprache erbeten. Denn wenn auch Kardinäle gar groß die Gosche aufreißen, daß der Genderwahn "zu weit" gehe, so tun sie in Wahrheit nicht nur nichts, sondern "tolerieren", daß sämtliche Diözesen im deutschsprachigen Raum seit 20 Jahren pure Genderfabriken sind und diesen Wahnsinn auch noch mit "christlichem Gewissen" und "Nächstenliebe" durchtrümmern. 

(Aber gut, wenn man genau rechnet, rekrutieren sich ja die derzeitigen Kirchenbesucher, anteilig an den Taufscheinkatoliken und vor allem Kirchensteuerzahlern gerechnet, aus kaum noch mehr als die Kirchenbediensteten und ihre Angehörigen. Wei wollen diese Leute jemals noch einen Duft von Wirklichkeit in ihre Nase bekommen? Schon 1993 war, nach einer statistischen Durchleuchtung durch den VdZ, etwa jeder 8. sonntägliche Kirchenbesucher Mitglied der Katholischen Männerbewegung, die heute aus kaum noch mehr besteht als aus ... Funktionären. Dafür nennt man es neo-soziologisch umgelogen "Feldarbeit". Und die Bischöfe nicken nach wie vor zufrieden.)

Die Antworten, die der VdZ aber damals erhielt, sind derartig lächerliche Wurschtblätter, daß der VdZ sie bis heute aufbewahrt hat. Denn nichts ist vergessen, meine Herren. Wer so (die Gendersprache damit verteidigend) argumentiert, und dann noch den Posten eines Universitätsdozenten okkupiert, weil er es als Arschkriecher verstand das Ärgernis Wissenschaft zu beseitigen, beweist, daß jeder Euro für die Universitäten Verschwendung am Volksvermögen einerseits, vor allem aber Volksverblödung zum anderen ist. Die Germanistik-Lehrstühle im deutschsprachigen Sprachraum sind ein Ärgernis, ein politisches Instrumentarium und eine kulturpolitische Katastrophe geworden, mehr sind sie nicht.

Wie schreibt, so nebenbei, die FAZ (?)? Erstaunlich viele Wissenschaftler beklagen, einer jüngsten Erhebung gemäß, daß ein immer größerer Teil der sogenannten wissenschaftlichen Arbeiten, die sie beobachten, alles andere als wissenschaftlich, ja in erschreckendem Ausmaß erlogen, noch häufiger ideologisch zu unhaltbaren Aussagen umgefälscht, oder aber in ihren sogenannten Daten überhaupt gefälscht sind.




***

Sonntag, 3. August 2014

Meinungsäußerungsschranken

Oh mein Gott, Rußland, China, Iran ... sie schlachten die Heilige Kuh, die "Meinungsfreiheit". Suchen Wege, es zu beschränken, Meinungsäußerungen zu steuern. 

Dabei geht es gar nicht um Meinungsfreiheit des Einzelnen. Es geht um die Verbreitung von Meinungen.

Und ist das also das Geheimnis der Heiligen Kuh "Demokratie", was immer darunter verstanden wird, denn mehr Nebel gibt es ja gar nicht, als mit diesem Wort verbreitet werden?

Diese Form von "Meinungsfreiheit" baut vielmehr auf einem schweren Mißverständnis, Irrtum auf.  Sie baut auf einem rationalistischen Verständnis von "Meinung" auf, die sich jeder angeblich "frei" bilden können solle. Weil jeder Herr seiner eigenen Urteile sei. Angeblich.

Aber das ist nicht der Fall. Wahrheit ist nicht die automatische Summe logischer oder irgendwie logischer Rechenoperationen. Sondern Logik selbst baut auf einer Grundannahme über Wirklichkeit auf, worauf das Urteil beruht, das die logischen Ecksätze geglaubt werden. Diese sind also nicht selbst generiert, sondern sie sind das Gebäude, das auf Glaubenssätzen aufruht, die empfangen wurden. Wahrheit ist nicht selbst generiert, sie ist empfangen.

Was auch immer man über diese Länder denken mag - sie haben noch zumindest einen Funken von Verantwortung dafür, wie Meinung und Welthaltung entsteht. Nicht auf rationalistischen Rechenoperationen, sondern auf Geglaubtem und damit Empfangenem aufruhend. Auf für wahr Gehaltenem. Auf JEMANDEM Geglaubtem. Auf Autorität und Autoritäten also.

Wie immer diese Restriktionen des Internet also zu bewerten seien - prinzipiell FALSCH sind sie nicht. Wer glaubt, daß ein wirr-willkürliches Internet Instrument der Freiheit selbst wäre irrt aber prinzipiell. Und niemand weiß das besser als die angeblichen Verteidiger der "Meinungsfreiheit".

Welt kluger Schritt, etwa, wenn Rußland beschließt, Blogs mit über 3000 Lesern täglich den Mediengesetzen zu unterstellen. Es sind erste Schritte, aber man muß sie genau beobachten, sie sind es wert. Mit versoffenem "alles muß frei sein"-Schreien hiesiger Doofköpfe wird man keinen Blumentopf gewinnen, sie verschleiern nur, was sich wirklich abspielt.

Oh nein, es geht nie um ein "freies" Internet. Es geht um die Steuerung und jeden Staat unterlaufende weil substanzzerrütende Beherrschung der Autoritätsbildungsprozesse, um die niemand besser weiß als jene, die "freies Internet" fordern.




***

Irresein und Normalität

Eine weitere Sommerplauderei mit Manfred Lütz, mit einigen wohltuenden, anderen erhellenden Aussagen, und manches macht schon schnunzeln. Auch wenn der VdZ etwas Vorbehalte gegen eine gewisse Grundtendenz in der Betrachtung der Psychologie hat, die er bei Lütz zu sehen meint. Aber Lütz hat eine Heiterkeit, die wohltut.

Eine der bemerkenswertesten Einzelstellungnahmen: die eines depressiven Pfarrers - der auch als Komiker auftritt - aus Köln, die sehr gut begreifen macht, was tatsächlich zur Bühne "treibt", welche Rolle die Bühne im Leben der Darsteller hat. Es zeigt daß das Darstellende der Kunst bzw. des Künstlers im Rahmen seiner Gesamtpersönlichkeit erst begreiflich wird, und daß genau das das ist (oder sein kann), was den substantiellsten Inhalt eines Werks ausmacht - das es nicht infrage stellt, sondern im Gegenteil, erst fundiert und gerechtfertigt macht. Auch in der Überwindung. Aber etwa ein Schauspieler braucht eine gewisse Persönlichkeitsstruktur, die für den "Normale" nicht normal sein kann. Denn der psychisch Kranke, dem man oft besondere Affinität zur Kunst nachsagt, schafft nicht ein Werk WEGEN seiner Krankheit, sondern TROTZDEM. (Darüber wurde a.a.O. in diesem Blog übrigens bereits ausgeführt.)

Besonders gegen Schluß wird das Video berührend. Auch im Begreiflichmachen der Grenze, wo seelische "A-Normalität" zur Krankheit wird, von der der Betroffene selbst befreit werden möchte und soll und die Verantwortung der Umgebung einsetzt. Das funktioniert aber nur, wenn es doch noch einen Begriff von Normalität gibt, der sich auf gesellschaftliche, soziale Gestalt und Freiheit der Lebensgestaltung bezieht. Ohne diese umgekehrt wiederum zur Zwangsjacke werden zu lassen.

"Woran man sich bei einem Menschen erinnert ist das, wo er eben nicht normal war - wo er eigen war. Normalität hat keine Substanz."







***

Samstag, 2. August 2014

Übelste Hetze der Staatsmedien

Hören Sie den ehem. CDU-Staatsminister Willy Wimmer. Mehr gibt es zur aktuellen Entwicklung USA-EU-Ukraine-Putin kaum noch zu sagen. Der einzige Zweck? Instrumentalisierung gegen Rußland, im Interesse der US, die mit einem Doppelschlag sogar schafft, den Konkurrenten Europa dazu zu bringen, sich über aberwitzige, völkerrrechtlich nicht zu rechtfertigende Saktionen, die schnurstracks auf eine Kriegserklärung zustreben, selbst aus dem Feld zu räumen. Angesichts einer amerikanischen Staatslage, die es kaum noch schafft, die Gehälter seines Militärs zu zahlen, mit Zeitdruck angesichts einer Ukraine, die sich selbst regelrecht auflöst. "Seit Mitte der 90iger Jahre wurde von Westeuropa konsequent - aber mühelos nachvollziehbar - der Weg des Völkerrechts verlassen, der Weg geht direkt zu einem Krieg. Die Amerikaner bieten nur noch Kriegsperspektiven."







***



Vom Gewußten, das gar keines ist

Wenn nun also klar ist, daß alles Gewußte im Geglaubten fundiert - selbst das Gewisse, das das Gewußte konstituiert, ist ja ein als wahr Geglaubtes: eine Wahrheit wird nur geglaubt, nie "errechnet" - so ist auch klar, daß die Haltung dem Sein selbst gegenüber, Gott gegenüber, die Struktur auch des sogenannten "irdischen Gewußten" bestimmt. Deshalb gibt es auch etwas wie einen Gesamtstand einer Kultur in ihrer Fähigkeit, überhaupt zu "wissen". So, wie es eine Befähigung einer Religion gibt, Wissen(schaft) zu generieren.

Spätestens hier ist es an der Zeit daran zu erinnern, daß der Glaube, Wissenschaft ließe sich vom Glauben, von der Religion trennen, noch sehr jung ist. Selbst im 19. Jhd. bestand noch gewisse Scheu, auch wenn sich dieses Denken bereits Bahn gebrochen hatte. Aber es ist ein fataler Irrtum: es gibt überhaupt, betrachtet man es genauer, kein "rein irdisches Wissen", so wie es keine "rein irdische Logik" gibt. Wo immer davon gesprochen wrid, sind es lediglich Hilfsbegriffe, die notdürfig abzugrenzen versuchen, und dabei nur eine Tendenz bezeichnen. Denn es gibt ja nur zwei Richtungen - zu Gott, oder von ihm weg.

Um die nötige Richtung des Verstehens anzudeuten (aber um Gottes willen: nicht sie erschöpfend zu "erklären") kann gesagt werden, daß der eigentliche Akt des Wissens der eines Festhaltens an der Wahrheit einem Geglaubten ist. Während das Geglaubte aus dem Geist der Wirklichkeitsbewegung selbst, in der er weht, entsteht, dessen Art sich an der Sittlichkeit scheidet, die der Atmende hat, und in der Reaktion auf die Welt zur Wahrheit (oder zum Irrtum) nicht zuletzt kraft der Phantasie aus vom Geist Geoffenbartem*, Aufgegriffenem gestaltet. Um es in der Sprache zurückzuhauchen.²

Wenn sich die Wissenschaft in Europa seit der Renaissance in diesem einen Irrweg verfing, so konnte sie das groteskerweise nur auf der Basis der bisherigen Geschichte: sie hat sich an der christlichen Wahrheit so berauscht, daß sie meinte auf sie verzichten zu können. Möglich geworden, weil das Grundbewußtsein, der Zustand der Kultur, ihre Weltdurchdringungsfähigkeit zutiefst von der Wahrheit geprägt war. Mit der fatalen Folge, daß das Werk dieser (noch ganzheitlichen) Kulturhaltung dann zum Fetisch selbst wurde: Aus der technischen Mächtigkeit erwuchs der (im Sittlichen entstandene - die Renaissance zeigt einen Wandel der sittlichen Haltung an -) Glaube an eine technische Konstituiertheit der Welt, die durchaus ohne Gott zu denken wäre. Und verwechselte das Beschreibende von "Gesetzen", die als Tätigkeitsausfluß des Seins selbst verstanden wurden, als Analogien zu Gott also (insofern kann natürliches Wissen in einer Linie mit Erkenntnis Gottes gesehen werden) - mit dem Ursprung.

Wissenschaft blieb nur insofern und dort noch produktiv, als sie sich immer wieder der Strenge der ihr zugrundeligenden Gesetze bewußt wurde, auch wenn ihr Erhellungsvermögen zwangsläufig damit immer beschränkter wird. Wo sie diese Frage aber zugunsten der Weltimmanenz zu lösen versucht und gelöst zu wissen vermeint, löst sie sich zwangsläufig zum bloßen Gerede, das höchstens noch logizistisch (weil in gewisser ahnender Scheu) Schlußelemente verwendet, auf. Wissenschaft "weiß" dann immer mehr - von immer weniger.

Denken wird selbst beim Studium der Geschichte zum Heraussuchen von gerade passenden Elementen, die nur noch äquivok, zum wesenlosen Sprechgleichklang entblättert, verwendet werden, "gleiches Denken" zur Anpassung von "Meinungen". Schon deshalb, weil auch das Geglaubte, das wie gesagt erst das Gewußte konstituiert, nicht machbar ist, und doch in der Sittlichkeit des Menschen gründet, ja, eben genau in der Sittlichkeit gründet. Die im Denken also offenbar wird! Das heutige Denken und Weltanschauen ist alsohäufig nur noch direkt dem Feigenblatt zu vergleichen, das sich Adam und Eva umbanden, weil sie sich in ihrer Sünde zu verbergen suchten.

(Es gründet eben wirklich alles - auch alles was eine Kultur zu leisten vermag - in der Möglichkeit zur Schuldvergebung, die nur von außen, vom Sein her möglich ist, und der realen, fleischlichen Erlösung von der Sünde, also in der sakramentalen Gnade. Hier möge man doch genau jede, wirklich jede Religion der Menschheit betrachten, und die Rolle, die die Reinigung in ihr spielt.)

Das was also in der Wissenschaft passiert ist und heute in Selbstfortzeugung immer ungezügelter passiert ist mit Recht als Revolution zu bezeichnen, die Franz von Baader so definiert, daß sie eine Bewegung ist, die sich von ihren eigenen Quellen abschließt, ihren eigenen Fundierungen entgegensteht, und deshalb zwangsläufig im Chaos endet, weil den Ast absägt, auf dem selbst sie (noch) sitzt.  (Man muß deshalb sehr genau beachten, was an dem, was heute so rasch "Revolution" genannt wird, nicht bereits auf einem revolutionären Zustand reagiert, also im eigentlichsten Sinn gar keine Revolution ist, sondern damit Reform genannt werden müßte. Die ja die Neuerschließung der Quellen beabsichtigt. Umgekehrt ist manche Reform kein solche, sondern Revolution - solchen Bestrebungen gehen deshalb auch Neudefinitionen des Ursprünglichen einher, und dort steckt dann die Revolution.)

Deshalb kann auch eine gesamte Wissenschaft irren, auf Holzwege gehen, die sie ins fruchtlose Niemandsland führt. Und das Verwunderlichste ist manchmal zu beobachten, daß diese Möglichkeit für die (jeweilige) Gegenwart als so unmöglich gesehen wird - während die Geschichte der letzten Jahrhunderte das Gegenteil doch nahelegen müßte: Denn solche totalen Paradigmenwechsel kamen häufiger vor, als man erinnert. Nach wie vor kaum ins Bewußtsein der Bevölkerungen gedrungen ist ja etwa der dramatische Wechsel, der vor etwa 80 Jahren stattfand. Was sich heute als "Gewußtes" offenbart und von den Menschen meist als "Wissen" geglaubt wird,  ist in den allermeisten Fällen Abraum aus einer längst überwundenen "Wissenschaft" des 19. Jahrhunderts! Meist aus mangelhafter Rezeption der Entwicklungen der Philosophie folgend, die nämlich vor 100 Jahren begriff, daß sie die Grundlagen des Erkennens neu zu denken habe und deshalb vor allem Erkentnniskritik wurde. (Wenn man heute oft den Ruf nach "Ganzheitlichkeit" hört, so mischen sich hier Schlagworte aus eben dieser Entwicklung mit dem ganzen Sack an überholtem "Wissen", der am Rücken noch mitgetragen wird, sodaß altes Wissen auf neue Schlagworte anzuwenden versucht wird.) Was sich immerhin noch so stark in der Physik ausdrückte, die als erste Naturwissenschaft an diese Erkenntnisgrenzen stieß und um die Relativität ihres "Gewußten", also die Abhängigkeit von Erkenntnisvoraussetzungen zu wissen begann.

Aber damit ist auch klar, daß nichts die Menschen so konkrete und real trennt - wie die Religion. (Die aber für die Form realen - nicht nur dahergeredeten - Gottesbezugs und damit auch der Struktur des "Gewußten" wesentlich ist.) Sie macht selbst den natürlichen, scheinbar weltimmanent möglichen Lebensvollzug als Einenedes, also eine Kultur als Gestalt des Lebensvollzuges eines Volkes, einer Ansammlung von Menschen "seiendes", unmöglich.** Eine Annäherung über sogenannte "Fakten", über "Gewußtes", ist nämlich genau NICHT möglich. Einher geht also eine sogenannte "Bildung", die auf diesem nunmehr bestenfalls notwendigen schemenhaften Nachfollzug gewisser "Denkfiguren" beruht. Wo "Einfall" den Geist ersetzt und der Selbstwahrnehmung vorgaukelt, zu "denken", während nur tote Sprache umgestellt, und das Element des Neuen durch Irrationales (man schaue auf die Kunst, aber eben auch auf den ganzen Bereich der Esoterik) zu ersetzen versucht wird. Mit dem fatalen Ergebnis, daß das heute "Neue" praktisch immer die Wiederholung eines alten Sprachgebrauchs ist, Epigonentum, weil das Alte, das ja auch nur aus dem Gesamtzustand der jeweiligen historischen Epoche einer Kultur verstehbar wäre, noch dazu gar nicht mehr verstanden und zur bloßen Anwendung wird.



²Wo immer der Mensch deshalb auf den Geist reagiert, selbst wenn es der eine Einzige Gottes wäre, so ist sein Ausatmen gewissermaßen "gefiltert" von seinem sittlichen So-Sein. Genau so, wie der Mensch nur das einatmet, was ihm sein sittlicher Zustand - als Anruf an den (welchen?) Geist - gestattet weil vorwählt. (Worin sich begründet findet, daß das Einatmen eines Geistes, der dem eigenen Zustand widerspricht, der ihn fordert, der ihm seine Deformiertheit klarmacht, entweder in Zerknirschtheit und sittlichem Höherstreben - oder im Haß und Beharren, das damit Abstieg und Gegenwehr ist, beantwortet wird. 

Denn dabei ist die Frage des Einatmens des Geistes nur die eine Hälfte der Wahrheit - die andere ist ja die des Ausatmens, in dem der Mensch seiner Haltung zur Welt Gestalt gibt. In jedem Fall also findet sich in dem Ausgehauchten, im Gesprochenen, Getanen, auch der sittliche Charakter und Freiheitsgrad eines Menschen. Jeder Irrtum gründet in Sittlichkeit, die im Tun und Reden zum Wirkfaktor wird. Die heute so häufige Aussage, daß alle Weltsichten (und Religionen) gleichermaßen ihr Recht und gleichrangig Wahrheit hätten, ist im Grunde der simple und geistlose Versuch, den eigenen Zustand zu verschleiern, die Schuld und das schlechte Gewissen zu verbergen. Gleiches gibt es vom Versuch zu sagen, Beurteilung des Anderen auf formelle "Qualität" (wozu auch gewisse moralische und moralistische Aussagen zählen) zu verlegen: weg vom Sein, hin zum Schein.

*Und das wurde in der Geschichte des abendländischen Denkens nie anders gesehen - schon in der Antike angefangen, deren Rolle, die sie den "Musen" zuschrieben, damit verständlich wird.

**Leider wird in manchen Bestrebungen, die von einer "Aussöhnung von Wissenschaft und Religion" sprechen, diese Grundbestimmung des Erkennens oft viel zu wenig beachtet. Meist, indem der Wissenschaft eine Autonomie bei Aussagen "über die Welt" zugesprochen wird, die sie gar nicht hat. Und nicht selten beginnen dann Religionsvertreter, ihre Religion zu ändern - WEIL die Welt angeblich so und so "ist". Dabei sind sie es, die der Wissenschaft sagen (bzw. gesagt haben und sagen müßten), wie die Welt IST, sonst sind Wissenschaft und Logik überhaupt nicht möglich.






***

Freitag, 1. August 2014

Erschöpfte Gesellschaft

Sehenswertes und leicht zu verfolgendes Philosophisches Quartett, mit Rüdiger Safranski, Peter Sloterdijk, Manfred Lütz und Elke Schmitter, mit einer hohen Dichte interessanter Schlaglichter und Interpretationsansätze, manchem angedeuteten Rundumblick, und Hinterfragungen, besonders des Psychologismus, der Existentielles hilflos pathologisiert.

Grundthese: Die westlichen Gesellschaften sind erschöpft. Diese Gesamterschöpfung, die sich über das Massenphänomen Depression, "burn out" bis hin zum Unwillen sich zu reproduzieren (und damit weiter bestehen zu bleiben) zeigt, fußt auf der Ideologie des "autonomen Menschen", der ständig und ausweglos dazu gezwungen wird, sein Selbst und Sinn aus eigener Kraft zu produzieren und auf der Höhe zu halten. Was sich bis auf europäische Ebene zeigt, als Unfähigkeit, noch europäische Politik zu machen (und sie nicht als Übertragung etatistischer Staatsfehlbildungen auf lediglich größere Bevölkerungsmengen zu mißdeuten.)

Was früher lediglich tragische Erscheinung bei Einzelerscheinungen war, bei Ausnahmemenschen, die durch ihre Position der Gesellschaft gegenüberstanden, etwa weil sie ihr voraus waren, und deshalb in Melancholie verfielen, ist heute zur Allgemeinerscheinung geworden. Aber der "normale" Mensch ist diesem Druck nicht gewachsen, und er kann auch diese Anforderung nicht erfüllen - denn die Herausgelöstheit der Superposition ist eben Ausnahme, die gar nicht zur Norm werden kann. Das mythische Dogma der "Begabung", die zum Fluch wird, und des Zwangs zur "Autonomie" schneidet ihm aber jeden Rückzugsweg und Muße ab, weil er selbst zum Zweck seiner "Ich-AG" wird, die in dem Moment zusammenzubrechen droht, in dem er zweckfrei agiert. Aufruhend auf dem Druck, daß die gesamte Welt in dem Moment zerfällt, in dem er sie nicht mehr aufrechthält.

Alain Ehrenberg (der im Gespräch mehrmals erwähnt wird) meint, daß dies die Zuspitzung der protestantischen Grundhaltung wäre, wie sie Voegelin übrigens mit seinen Analysen zu Calvin und Luther so treffend analysiert: Sie ist die Folge der Sichtweise, daß der einzelne Mensch seine Kirche für sich ist, sodaß ihn mit dem anderen nichts mehr verbindet, das ihn in seiner Grundrichtung auf Gott hin verbindet - und trägt. Während sein Denken zu einer Umfassendheit verdammt ist, die sogar heilsentscheidend wird. Aber wer kann das leisten?

Der autonomistische Mensch, der sich niemandem und nichts mehr verdanken, der von niemandem und nichts mehr abhängen will, ist aber eine Sackgasse, die sich in der Renaissance zur Gesamtstimmung der Kultur aufgeschwungen hat. Die in der Aufklärung zum Dammbruch wurde. Er entspricht aber (in dieser Form) nicht der Wirklichkeit und Natur des Menschen. Denn jeder verdankt sich, und verdankt sich unentwegt. Gerade die heutige Heilige Kuh des "Selbst", der angeblich selbst zu definierenden Identität (bis ins Geschlechtliche hinein), ist nur als "zugewiesene" möglich, ist eine Leistung der Umgebung, des Du, zu der man sich lediglich noch verhalten kann: als Material der Selbstergreifung, das im Aneignen erst den berühmten "individuellen Charakter" erhält. Das fatale Rousseau'sche totalitäre Konzept des "jeder weiß alles aus sich" ist heute aber sogar Grundkonzept der Pädagogik. Und ist es umso mehr, je mehr die Folgen dieser Pädagogik sichtbar werden. Denn sie führen geradewegs in diese Müdigkeit, dieses "burn out", von dem so viel die Rede ist.

Der allumfassende Sozialstaat der Gegenwart, in dem sich dieses Konzept definitiv Bahn gebrochen hat, hat ja Abhängigkeiten nicht abgeschafft, sondern nur verschleiert und so verwirrt, daß sie niemandem - auch der Politik - noch real nachvollziehbar sind. Damit aber gibt es keine Struktur mehr, die den Menschen verweisen und damit halten würde - unsere Gesellschaft wird zu einem Haufen der Verwahrlosung (der noch mehr "soziale Tat" verlangt ...), und damit, übrigens, zur Beute und Herrschaft der Cleveren und vor allem der Verlogenen.

(Und die Allgegenwärtigkeit der Lüge im Alltäglichen und Zwischenmenschlichen ist bereits erdrückend. Wenn auch jeder Mensch und immer um Wahrhaftigkeit zu ringen hat, in der Denken und Dasein übereinkommen können, ist die Diskrepanz zwischen Tun und Reden heute so schockierend allgemein, daß sie niemandem mehr aufzufallen scheint. Als rechnete man gar nicht mehr mit der Fähigkeit zur Wahrheit, ja mehr, sie ist Gefahr.)

Als letzte Ordnungsinstanz bleibt nur noch anonyme staatliche Willkür, die sich aber im völlig Nebulosen (mit Moralschlagworten wie "Demokratie" für alles und jedes) verbirgt. Mit der logischen Folge der political correctness, die zum kollektiven Entschuldungsmechanismus wurde - denn wer politically correct handelt, ist ganz sicher nicht schuldig am Unbehagen, das doch alle erfaßt hat. Schuld haben immer "andere".

Folge: Alle stehen betrachtend "gegenüber", niemand "gehört zu etwas", was aber das Wesen von Identität wäre, die sogar in ihrem letzten Refugium einer (väterlichen) Idee zugehört. Nur aus der Vaterschaft an sich kann ja die Bezogenheit auf eine normative Idee erwachsen, die einem gegenübersteht, der gegenüber man sich verantwortlich erfährt, und die erst einen überhaupt formen kann. (Weshalb geistliche Väter eben immer "Vater" genannt wurden.) Denn aus sich selbst kann sich niemand formen, die Basis löst sich dort (in der Reflexivität) in sich selbst auf.

Einem allgemeinen "Gegenüberstehen" fehlt jedoch das "Gegenüber", selbst der Gesellschaftskritik die Gesellschaft, die zu einem auch für die Politik völlig undurchdringlichen "Irgendwas" geworden ist, dessen wirklich bewegende Kräfte gar niemand kennt. Dem man nur noch mit Einzelkonstrukten Kontur und Scheinfestigkeit aufzupressen versucht, was man "Ideologie" nennt. (Dugin nennt es "Rassismen".) Nach dem Motto: Besser ein Scheingegenüber, als keines.

Sodaß die Politik sich auf die "Inkompetenzverbergungskompetenz" beschränken muß, weil sie gar nicht mehr anders agieren kann und will, um noch Akzeptanz zu finden, die ihr aber vorausgehen muß. "Uns geht es wie auf einem großen Schiff, auf dem es auf der Brücke nur Touristen gibt, die interessiert die Instrumente betrachten und sagen: Ach, wie interessant!" Aber niemand will es mehr gewesen sein, der einen Knopf gedrückt hat, der etwas ausgelöst hat.

Das ist die eine Seite. Die andere ist, daß dieses Konzept des Autonomismus in der Ausbildung des Selbst gar nicht anders ausgehen kann, als daß sich jeder allen anderen überlegen fühlt. Denn das Selbst läßt sich nur in einem "kat-holon", in einem umfassenden Ganzen und Katholischen verankern. Wenn sich jeder aber gezwungen sieht,  dieses kat-holische selbst zu schaffen, und in sich zu verankern, kann dieses nur festen Boden bieten, wenn es absolut wird. Natürlich - eine Form des "eritis sicut Deus", des "Sein wie Gott". Denn der autonomistische Mensch muß sich selbst Gott sein. Weil er ganz frei ist? Nein, im Gegenteil: er ist Gefangener seines Zwangs zum Selbst, der Notwendigkeit, sich selbst und allein zu erhalten. Die verheerenden Folgen können wir heute perfekt beobachten. (Auch wenn das Ausmaß oft recht beträchtlich schwankt, weil natürlich stark von der jeweiligen wirklichen Sozialisation abhängt. Aber ganz auszunehmen ist hier niemand.)







***

Kultur


Gesehen auf everyday_i_show



***

Donnerstag, 31. Juli 2014

Wie man einen Krieg rechtfertigt

Ein interessanter Beitrag zur "humanen Mission" der Amerikaner in der Welt.

Die Frage kann doch nur sein, wie lange Europa sich noch von einem Volk unmündiger Narren, selbst Opfer lächerlicher Machinationen, an der Nase herumführen lassen.









***

Mittwoch, 30. Juli 2014

Angriffspläne aus Reaktion (1914-18)

Es genügt eine leichte, kleine Umgewichtung von Gedanken, und schon sieht ein Gesamtbild anders aus. Das macht das Video (von arte) ("Klarstellung 01") interessant. Denn die Geschichtsschreibung wird natürlich von den Siegern gemacht. Und darin heißt es, daß Deutschland aggressive Angriffspläne - den Schlieffen-Plan - in der Lade hatte, mit denen es Frankreich niederwerfen wollte. Das macht Deutschland schuldig am Ersten Weltkrieg.

Tatsache ist aber mit Gewißheit, daß dieser Schlieffen-Plan die britisch-französischen Kriegspläne einfach beantwortete, und nur insofern ein Aggressionsplan war, als er die bekannte, zu erwartende (und übrigens: noch vor dem 2. Weltkrieg zu erwartende) französische Angriffsposition war. Die davon ausging, daß Deutschland durch einen Zentralstoß in seine Mitte, mit den wichtigsten Versorgungs- und Industriezentren, am vernichtendsten treffen würde. Dem begegnete der Schlieffen-Plan.

Der noch etwas mit einberechnete: Die Neutralität Belgiens war keineswegs ein sakrosankter Standpunkt, auch wenn er formal völkerrechtlich so zu sehen beanspruchte. Belgien war bewußt von den Briten wie den Franzosen als Aufmarschgebiet vorgesehen. Dies schon alleine aus Gründen einer möglichen bzw. effizienten Anlandung der Briten.

Noch eine Gedankenverschiebung ist wichtig, und geht meist unter: Das Militärbündnis Österreichs mit dem Deutschen Reich (schwer kommen diese Begriffe über die Lippen des VdZ, sie enthalten bereits schreckliche Verschiebungen ...) war keineswegs einseitig, wie es oft dargestellt wird. Die für Deutschland lebenswichtige Funktion Österreichs im Osten wird meist verschwiegen. Denn ohne die Abwehrhaltung Österreichs gegen Rußland wäre Deutschland, das ja im Norden anfangs gegen die Russen schwere Niederlagen einstecken mußte, sofort zusammengebrochen. Österreich mußte dem Deutschen Reich den Rücken im Osten freihalten, und verblutete daran. Das hat die spätere Schwäche der K.u.K-Armee wesentlich mitbedingt, denn im Osten ist die Armee der Habsburger-Monarchie schon 1914/15 verblutet. Mit schwerwiegenden Auswirkungen auf Zielsetzung, Orienterung und Kampfmoral so mancher Nationalitäten. 

Auch der angebliche anfängliche Sieg Serbiens im Anfang des Krieges - bei einer leider wirklich verfehlten Gesamtstrategie des Habsburger-Reiches - war keineswegs ein "Sieg", sondern bedingt durch diese Notwendigkeit, die Kräfte auf den Abwehrkampf gegen Rußland - im Sinne einer Gesamtstrategie - zu konzentrieren. Man hat die schon bei den ersten österreichischen Angriffen bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gezwungene serbische Armee, die nach ihrem ersten "Sieg" nachhaltig erschöpft war, sodaß sie später nur noch fliehen konnte (eine Weltkriegepisode, die kaum bekannt ist, und 100.000 österreichischen Gefangenen das Leben kostete) lediglich "in Schach gehalten", bis Kräfte aus den nach den ersten Angriffen erlahmenden russischen Angriffen frei wurden, um Serbien schließlich - mit einem Zusammenwirken deutscher und österreichischer Divisionen - niederzuwerfen. 200.000 deutschen Soldaten standen im Osten 900.000 österreichische "zur Seite". Da konnte sich Hindenburg dann leicht des Erfolgs von Tannenberg rühmen - die Hauptlast der ersten russischen Offensiven hatte Österreich bereits verblutet. Während die eigentliche strategische Richtung Deutschlands, der Zangengriff nach Schlieffen, nämlich schon gescheitert war.

In diesen ersten Monaten verlor Österreich-Ungarn die Elite seiner Armee, stand zudem im Schock über die neue Art der Kriegsführung, die die Tugenden, auf denen österreichisches Soldatentum beruhte, düpierten. Nun ging es um Masse, um Material, nicht mehr Ehre und Mannestum. Alleine die Wirkung der Maschinengewehre und Artilleriekaskaden war verheerend. Fast die Hälfte der österreichischen Soldaten fielen oder wurden verwundet. Jedes Monat 1914 (!), schreibt Manfred Rauchensteiner in seiner akribisch-faktischen Rekonstruktion des Ersten Weltkriegs Österreich-Ungarns, mußten 20 Prozent seiner Soldaten ersetzt werden. Dadurch wurde die k.u.k-Armee binnen weniger Monate zu einer besseren Miliz, denn es traf vor allem die Berufssoldaten, die einen ganz anderen Ehrencodex hatten und ihren Soldaten mutig in den Tod voranschritten. Mehr als die Hälfte der Offiziere, und vor allem die mutigsten, besten Truppenteile verbluteten schon in den ersten Monaten, im Rahmen der Gesamtstrategie, um DER ALLIANZ nicht das Rückgrat brechen zu lassen. Die Selbstmordzahlen, die Anzahl der Entlassungen von Kommandeuren (die es in ähnlicher Weise aber in allen Armeen gab) waren enorm.

Es ist als Österreicher wirklich oft beleidigend zu erleben, wie Deutsche meinen, auf die männlichen Taten ihres "kleinen Bruders" herabblicken zu können. Ohne diese "kleinen Brüder" wäre Deutschland, das sehr wohl seine eigenen politischen Zielsetzungen hatte, die mit den österreichischen eigentlich gar nicht übereinstimmten, denn Österreich-Ungarn hatte keinerlei europäischen Machtziele, binnen Wochen erledigt gewesen. Österreich hat sich bereits aber 1914/15 für seinen deutschen Bruder, seine Sendung, verblutet, und ist daran auch zerbrochen. Denn es war in keiner Hinsicht, militärisch, industriell, versorgungstechnisch auf einen Krieg dieser Dimension vorbereitet. Ihm fehlte allerdings der Mut, sein Schicksal wirklich zu gestalten, und das wurde Österreich zum Verhängnis. Die Pläne Conrad von Hötzendorfs in den Jahren 1907-10 hätten vermutlich sogar den Weltkrieg verhindert - durch Präventivkriege gegen Serbien und Italien.

Das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand war keineswegs zufällig, es war der Kern des Schicksals. Seine Pläne, die k.u.k-Monarchie umzugestalten, waren - was immer man ihm als Charakter zurechnen mag - sehr hoffnungsvolle und realistische Pläne, die Monarchie zu einem wirklichen zukunftsfähigen Reich im besten Sinn umzugestalten. Und sie wären sie heute Maßstab für eine europäische Gesamtgesundung. Das war den Serben aber ein Dorn im Auge. Denn eine stabilisierte Monarchie, die allen Völkern in ihrem Rahmen beste Überlebens- und Mitbestimmungsmöglichkeiten geboten hätte, hätte die serbischen Pläne für ein Großreich unmöglich gemacht.

Mit einem Begriff von Reich und Volk, den sich das Preußentum, eine Gehirngeburt, gar nicht mehr vorstellen konnte. Als der britische Premier 1914 noch Kaiser Franz Josef vor die Frage stellte, ob er nicht auf die Seite der Entente treten wolle, meinte dieser: "Was glauben Sie? Ich bin doch ein DEUTSCHER Fürst? Wie könnte ich das?"

Heimíto von Doderer meint zurecht, daß es 1914 nur noch zwei Kulturen in Europa gab. Die britische (gut, darüber mag man streiten), und die ... österreichische. Deutschland war schon nur noch moderne Zivilisation.



***