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Dienstag, 19. August 2014

Ein unnnötiger Zwischenschritt

Eine interessante weil den Sachverhalt erhellende Darstellung fand sich unlängst auf "Ortner online", das sich nicht ganz frei von Selbstironie "Zentralorgan des Liberalismus" nennt. Darin stellt der Nationalratsabgeordnete (Team Stronach) und Arzt Dr. Marcus Franz das System ELGA - die elektronische zentrale Krankenakte, die per online-Zugriff die Krankenakte jedes Österreichers enthalten soll (mit Verweigerungsmöglichkeit, übrigens) - als eine völlige Fehlinvestition dar. 

Die vorgeblichen Zwecke einer oft lebensrettenden Soforteinsicht in die Krankengeschichte werden damit nämlich gar nicht erreicht, so Franz. Dafür werden Millionen in einen Zwischenschritt investiert (=hinausgeschmissen), denn die intendierten Ziele werden erst  mit einem implantierten Chip erreicht. Dessen Entwicklung nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Längst sind solche Lösungen außerdem in Gebrauch, etwa bei Herzschrittmachern, oder bestimmten schwer einstellbaren Zuckerkranken.

Dafür aber werden die Ärzte mit hohen Kosten belastet, denn die Pflege der ELGA erfordert viel verwaltungstechnischen Aufwand, auch in der zentralen Datenverwaltung. Das Argument der Überwachung und zumindest möglichen, teilweise ja bereits erfolgenden zentralen Steuerung der ärztlichen Maßnahmen selbst erwähnt Franz übrigens nicht. Dafür weist er generell auf die Rolle der ärztlichen Schweigepflicht hin, die schon jetzt unterlaufen wird, aber für das Arzt-Patienten-Verhältnis wesensnotwendig ist.

Im Notfall aber dauert ein Zugriff auf die Daten viel zu lange, als daß man von "Sinn" sprechen könnte. Das viele Geld aber, das nun hinausgeworfen wird, wird dann fehlen, wenn es um die in einigen Jahren sehr wahrscheinliche Serienreife eines solchen Patienten-Implantat-Chips geht. Dieser, so Franz, sei außerdem "datensicher".




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Vorsicht vor Bärendiensten

Der Film lohnt eine relecture, er war ja schon vor Jahren hier zu finden: Ein norwegischer Kabarettist und Moderator geht dem seltsamen "norwegischen Genderparadoxon" - "The Gender-Equality-Paradoxon" - nach. Denn obwohl Norwegen, seit 15 Jahren offizielle und progressive Geschlechtergleichschaltung eingeführt hat, obwohl es weltweit als das Land mit der höchsten "Gendergerechtigkeit" (und -gleichheit) gilt, läßt sich ein seltsamer Schwenk feststellen: die traditionell den Geschlechtern zugeschriebenen Rollen sind vor allem beruflich nicht diffundiert, sondern haben sich noch mehr herausgearbeitet.

Harald Eia spricht darüber mit den (natürlich zur Wissenschaft betitelten; wer ist das heute nicht ...) Genderbeauftragten der norwegischen Regierung, ein nicht zuletzt als Reaktion auf diese Diskussion mittlerweile übrigens aufgelöstes Büro. Als diese, konfrontiert mit den Tatsachen, darauf beharren, daß es keine angeborenen Geschlechterdifferenzen gäbe, und sämtliche Studien die dies behaupten überaltet und längst widerlegt seien, fliegt er um die halbe Welt, um das zu prüfen.

Mit genau dem gegenteiligen Ergebnis: Der aktuelle Forschungsstand belegt so klar wie noch nie Geschlechterdifferenzen sogar vom Embryo an. Die Genderberauschten aber weigern sich nach wie vor, dies zur Kenntnnis zu nehmen. Gegen die Wissenschaft, und vor allem gegen das Empfinden der Bevölkerung, die auch ausreichend zu Wort kommt.

Doch soll das nicht noch einmal aufgekocht werden. Vielmehr soll an dieser Stelle auf ein Problem der Argumentation GEGEN den Genderwahn hingewiesen werden. Es wird deutlich, wenn man den Ausführungen der britischen Forscherin Ann Campbell folgt. Ja, sie verweist auf die genetischen Unterschiede, aber nach den Ursachen gefragt offenbart sich die substantielle Schwäche der "Anti-Gender-Front", wenn sie auf dem Boden der Evolution steht. Denn: genau das ist ja die Argumentation der Genderbeflissenen. Campbell kann, aus diesen Thesen darauf, nur auf die traditioinellen Rollenverteilungen hinweisen, die sich seit der ersten Erhebung des Humanoiden aus dem Äffischen entwickelt haben. Hier wird also argumentiert, daß sich die Unterschiede AUS den unterschiedlichen Aufgaben - Kinderkriegen, Stillen vs. Jagd und Schwerarbeit - entwickelt haben sollen. Campbell kann übrigens gar nicht verstehen, wie die norwegischen Genderbeauftragten so argumentieren können - es ist wissenschaftlich nicht gedeckt. Aber kann sie selbst es entkräften?

Eine Berufung auf "Empirie" ist aus naheliegenden Gründen wissenschaftlich gar nicht gedeckt. Denn es "gibt" sie nicht, die "alles aus sich selbst beweisende Empirie", an die aber so viele Menschen heute glauben, ja, was als regelrechtes (Ver-)Bildungsziel unserer Schulen angestrebt wird. (Der VdZ behauptet das mit Fug und Recht, unter Bezug auf eigene Erfahrung mit seinen Kindern.)

Denn es ist doch umgekehrt, und eigentlich argumentiert auch der Film so: Die unterschiedlichen Aufgabenzuweisungen haben sich AUS den genetischen Unterscheiden ergeben, nicht umgekehrt. Wenn sich außerdem alles "entwickelt hat", und sonst keinen Sinn außer pragmatischen Nutzen hat, dann kann es auch verändert werden, wenn sich der Nutzen ändert.

Und genau so argumentieren ja die Vertreter der Genderideologie.

Erst aber ist das Wesensbils, DANN die Aufgabe, als Antwort, als geprägte Antwort, als wesensgemäße Antwort als Sinn, als "Pflicht". Die weltweit gleichen (!) Ausprägungen der Geschlechterrollen sind kein Zufall, sie sind die jeweilige Kultivierung des Wesens der jeweiligen Menschen. Ausbildung der prinzipiellen Polarität des Menschseins, ja allen Lebens selbst.

Ohne ein festes Wesensbild, und damit sind wir bei den Grundlagen der Natur- und Humanwissenschaften überhaupt angelangt, läßt sich nicht gegen den Genderwahn argumentieren. Dann ist die Rollenverteilung nach wie vor zufällig, an sich sinnlos, bestenfalls von Zwecken her gebunden, aber die lassen sich ja ändern. Genau darauf zielt ja sämtliche Gleichstellungsumerziehung ab. Was sich entwickelt hat, kann sich auch wieder anders entwickeln, wenn man ihm nachhilft. Immerhin sitzt kein Mann mehr mit Pfeil und Bogen auf Bäumen und keult Wildkirschenwachteln zum Abendessen, immerhin gibt es Maschinen die körperliche Arbeit erleichtern (und damit die Geschlechterbindung von Aufgabe und Arbeit quasi lösen), immerhin gibt es Kinderbetreuungseinrichtungen oder Teilzeitväter weil hochkomplexe Sozialsysteme ... Evolution ist genau das nicht: eine Begründung für Tradition. Trahere - tragen, ziehen, übernehmen. Aber warum? Kann nicht heute die Politik weltweit in alle lebensvorgänge eingreifen? Frauen Kredite verschaffen, Männern die Säuglingsaufzucht ermöglichen? Wenn Charakter zufällig, nur relativ ist, läßt er sich auch ändern.

Lediglich auf der Ebene des subjektiven Empfindens der Bevölkerung, am Boden des Faktischen, läßt sich nicht argumentieren. Dieses Empfinden ist wahr, gewiß, aber das hat ontologische Gründe, und nur auf dieser Eben läßt sich dieses "wahr" erfassen. Faßt man die nicht, kann nur polemisiert werden, und irgendwann werden die Gegenargumente unterliegen, weil der Mensch in einem unlösbaren Konflikt zwischen Denken und Empfinden steht. Worin das eigentlich "Gewußte" (als Geblaubtes) im Willen als Richte des Handelns siegen wird. Wenn man die Angelegenheit also nicht grundlegender anfaßt, steht dem Gender-Gleichwahn nichts entgegen - außer irrationale, nicht rechtfertigbare Subjektivität, die nur im Trotz (wenn auch: in gewisser Treue, denn das Empfinden geht viel tiefer, ist substantiell, weil die Sinne auf die Gestalt gehen) zu halten ist.

Nicht einmal davon kann man sprechen, daß es eine neue anthropologische Diskussion bräuchte. Denn daß es die braucht, wird gerade den Humanwissenschaften mit ihren Ansätzen, die etwa die Frage nach dem Leib-Seele-Verhältnis gar nicht klären können, lange schon klar. Aber es läßt sich auch keine Anthropologie klären, wenn es nicht zuvor zu einer metaphysischen, ontologischen Diskusion kommt. Denn die Humanwissenschaften als Naturwissenschaften lassen sich keineswegs aus sich heraus begründen.

So läßt sich der Film als Versuch bewerten, zwei unkombinierbare Schlüsse zu vereinen - Evolution und Geschlechterrollen, wie sie sich einfach unübersehbar aufdrängen. Als Faktum einer offensichtlich nicht veränderbaren Natur. Denn Frauen sind vom ersten Tag an differenziert, Mädchen glotzen auf Gesichter und sind kommunikativ, Buben starren auf Systeme und ihr Kommunikations- und Sprechverhalten entwickelt sich spät. (Nur wegen des Testosterons? Dann verändern wir doch die Testosteronbeigaben?)

Die Gender-Gegner haben die Wirklichkeit (nicht einfach die faktische Realität, die ja vielfach bedingt ist) auf ihrer Seite, das ist ihre Stärke. Während die Genderwahnsinnigen genau das ncith  haben, was sie behaupten: eine Basis auf wissenschaftlichem Denken und Forschen. Es ist eine Ideologie, es ist ein politischer Wille, nichts sonst. Und wenn sich Gender-Ideologen auf naturwissenschaftliche Ergebnisse berufen, so selektiv und nach Willkür, nach Dienstbarkeit. Denn Gender-Ideologie ist nicht Wissenschaft. Nicht einmal im Rahmen einer materialistisch-mechanistische Naturwissenschaft. Wenn heute wie im gesamten deutschen Sprachraum (Österreich im besonderen, das ja seit 1918 Vorreiter ist, wenn es um Umerziehung geht; das heutige Österreich hat eben keinen Seinsgrund, ist selbst nur Pragmatismus)  Genderseminare VERPFLICHTEND für jeden Universitätsstudenten vorgeschrieben sind, dann sagt das alles. Solchen Universitäten gehört jeder Euro an öffentlichen Mitteln SOFORT gestrichen. Sie sind nicht mehr Orte freier Wissenschaftlichkeit. Sie sind Orte der ideologischen Umerziehung. Lagern vergleichbarer, als Denkstätten. (Auch hier bezieht sich der VdZ auf Beobachtungen bei seinen Kindern, die zum Großteil studieren.) Hier zeigt sich eben das, was man am "nordischen Menschen" zurecht bewundert: Mut zur Wirklichkeit. Als den norwegischen Regierungen klar wurde, daß Gender nichts mit Wissenschaft zu tun hat, wurden sofort die Mittel dafür gestrichen.

Aber genau das ist der Grund, warum die Gender-Ideologie nicht aufhören wird können, zu behaupten, umzuerziehen, und immer wieder von aktuellen Erhebungen zur Einstellung der Bevölkerung frustriert sein wird. Dann geht sie eben andere Wege. (Man erspare dem VdZ Berichte über Erfahrungen mit UNO-Stellen; mehr Wirklichkeitslosigkeit gibt es gar nicht mehr.)

Nichts wird sich ändern, auch wenn derzeit ein Sturm durch die österreichischen Medien geht, etwa was die unsäglich dumme Inklusivsprache anlangt - ja, wir werden von Trotteln bestimmt, so ist es. Punkt. Und wir lassen uns von ihnen bestimmen.

Aber bei nicht widerlegter Grundargumentation, die aber nicht innerhalb dieser ideologischen Reichweite liegt, die ihr vielmehr vorausgeht, die aber niemand antastet, werden sie das als Freibrief sehen und diesen erhalten, die ideologische Umerziehung noch dichter zu machen, und die Menschen noch mehr zu verwirren, gerade bei jungen Menschen die Identitätsbildung noch schwerer zu machen.

Aber was ist sie, die Wirklichkeit, die doch jeder fühlt, um die doch jeder weiß?  (Man beachte etwa die grandiosen Sprachanalysen von Ortega Y Gasset - jeder weiß um sie, alles spielt sich im Rahmen dieser Wahrheit, dieser Wirklichkeit ab; Wittgenstein läßt sich in seinem Ringen nur so verstehen.)


Die Wahrheit kann nicht filetiert, Teilwahrheiten nicht instrumentalisiert werden, soweit sie eben reichen. Das ist das Problem, das leider vernachlässigt wird. Ein erbostes "Das geht jetzt aber zu weit!" ist kein Argument.

In jedem Fall ist der Film aber Zeichen einer gewissen Freiheit, die sich in Norwegen ihre Luft wieder geholt hat. In der Ideologieklammer Österreichs wäre das gar nicht möglich. Hier gehören Gendergegner längst zur Kategorie der (rechten) Nicht-Menschen. Aber diese haben das Problem, daß der Vorwurf, sie seien der Vernunft nicht fähig, einen kleinen Funken Wahrheit enthält. Denn die Argumente "gegen" entbehren dieser tatsächlich. Weil sie weit tiefer greifen. Doch da, da stehen ware Heere von mächtigen Dämonen dagegen, diese Denkwege (wieder) zu öffnen.

Eine Arbeit, die aber nicht die Menschen des Alltags - kein Arbeiter, keine Hausfrau, kein Agnestellter, kein Unternehmer - leisten können. Hier sind die Einsamen, die Ausgestoßenen, die Herausglösten gefragt. Die Künstler, die Philosophen, die Eremiten. Mit ihrer "unnützen" Zeit. Die von den Brosamen leben, die von den Tischen der tüchtigen Menschen fallen. Die Tüchtigen, die diese Unnützen aber im wahrsten Sinn notwendig brauchen, was sie leider auch gerne vergessen. Nur in dieser Polarität nämlich kann eine Gesellschaft egal in welcher Form gedeihen. Die Genderfrage ist keine Frage der alltäglichen Dispute.







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Montag, 18. August 2014

Dringend zur Lektüre angeraten

Der VdZ wurde vor Jahren einmal im Rahmen einer Diskussion gefragt, warum es denn nicht in der Kunst mehr Gewahrung der Gefahren der Gegenwart, und im besonderen der Medien- und Politikwelt gäbe. Warum die Kunst nicht auf den Wahnsinn der Lebenswelten der Gegenwart reagiere, analytisch zutreffend, klar sehend, und damit auch die Wirtschaftswelt durchleuchtend bis aufs Gebein?

Erst war der VdZ spachlos, konnte lange nicht nachvollziehen, was das Gegenüber meinte. Und ob der Evidenz - nebenbei: der Gesprächspartner hatte nicht einmal die Mühe wert gefunden, die Roman- oder Bühnenwerke des VdZ kennenzulernen, ja überhaupt Literatur der Gegenwart kennenzulernen - nämlich ratlos stammelte er etwas von: "Aber das passiert doch?" Denn, Kunst hat IMMER die Botschaft der Gegenwart, sonst ist sie ja gar nicht Kunst.

Aber sie hat deshalb die Botschaft der Gegenwart, weil sie das ewig Bleibende in den Schaumgischten der Weltbewegtheit, die doch nur eine scheinbare Bewegtheit ist, aufzeigt. DAS ist es ja, was man dem Künstler als Haltung zumuten muß, sonst ist er erst gar keiner: Die Betrachtung aus dem Bleibenden, Ewigen heraus. (Weshalb es Kunst ohne Religion nicht nur nie gab, sondern auch niemals geben wird weil gar nicht kann. Auch nicht heute. Aus und punktum.)

Diese Erinnerungssequenzen stiegen im VdZ auf, als er unlängst mit der Relektüre von "Zeitgeist und Bernergeist" eines seiner Lieblingsautoren, Jeremias Gotthelf, begann. Was sich hier, so großartig lyrisch, so großartig literarisch, so scharfsinnig und so aufs Einfachste gebracht an Zeitkritik findet, faßt alles, was heute passiert, in Worten zusammen, die schon vor 150 Jahren (!) entstanden sind, und deren Schöpfer exakt erfaßte, was das Menschsein deformiert. Ja, Gotthelf hatte keinen Email-Account und kannte das Fernsehen nicht. Aber alles das ist doch nur Ausdruck ein und derselben Haltung, ein und desselben menschlichen Handelns! Eingeschlossen eine höchst fundierte, dabei tief ausgereifte Kapitalismuskritik, die Gotthelf schon damals scharfe Gegnerschaft eintrug.

Was Gotthelf aber so großartig macht ist, daß er nicht der Versuchung erliegt, einer Verschwörungstheorie oder großen psychosozialen Erklärungsthesen beizutreten, die heute tausende "Akademiker" zu Eliten erheben. Die es vor 150 Jahren - wie immer doch! - natürlich auch schon gab. ER sieht die Dinge wie sie sind, sieht sie beim Menschen anfangen, und sieht, wie die sogenannten "großen Dinge" im Kleinsten ihren Ursprung haben, ja nur von dort her verständlich sind. Im Charakter, in Lebensbedingungen, in der Medienlandschaft, in den Schwächen - wie Stärken - der Menschen begründet. Die damals wie heute ABSOLUT gleich waren.

Gotthelf zeigt das Übel der parteien an sich, zeigt das Übel des Kapitalismus, der in der menschlichen Unzulänglichkeit ansetzt, zeigt den Verfall des eigentlichen Humanen, des Religiösen als das Menschsein Konstituierendem (und dabei war er Protestant, Calvinist sogar vermutlich; aber wer die Augen offen hat, kommt wie alle diese mit der Zeit zum Katholizismus ...), zeigt, wo Menschsein beginnt, wo es aufhört. Zeit die Geschlechterproblematik, zeigt sie in ihren Ursprüngen, präzise, gescheit, und ... in wunderschöner literarischer Form.

Es ist ein Charakteristikum der Zeit, daß die heutigen Menschen glauben, daß was ihnen begegnet einmalig und einzigartig und vor allem: schicksalsbestimmend wie nie sei. Nur - auch diese Einschätzung ist Teil der Krankheit der Zeit. Die Lektüre von so "vergilbten" Autoren wie Jeremias Gotthelf könnte beitragen, von dieser narzißtischen Wirklichkeitsstörung wenigstens zum Teil zu genesen. 

Vorausgesetzt, man macht sich überhaupt noch die Mühe, nach dem Wirklichen zu suchen. (Und das ist doch das Problem: denn das scheint erst einmal mühsam. Da könnte man aufgefordert sein, sich erst einmal zum Geist zu erheben.) Und schreit nach Rettern - obwohl es die längst gab. Weil man gar keine Retter sucht. Nur ... Unterstützer der Faulheit, deren Theorien weit genug ausgefeilt sind, um auch die Faulheit der Zeit zu respektieren. Denn der heutige "Gesellschafts- und Medienkritiker" akzeptiert nur noch, was ihn in seiner verschlammten Acedia, der Grundträgheit überhaupt, die nur ja nicht das eigene Aufstehen erfordern könnte, höchlichst beläßt. Diese Kritik ist allen Heutigen, und hier vor allem den Jungen, gerade mal recht. Lieber vom Blog wettern, als den Arsch vom warmen Sofa erheben.

Die Gegenwart sucht nach Konzepten? Die Jugend nach dem Faden durch die Wirrnisse der Zeit?

Dann lese sie, als Anfang, was Jeremias Gotthelf vor 150 Jahren veröffentlichte. Wie gern der Einzelen aufnimmt, wenn sein Denken vom Realen, Gegenwärtigen abgezogen, auf vermeintlich "größere, wichtigere, allgemeinere" Probleme abgelenkt wird. Auf - Politik, große, ja globale Politik und "Probleme", nur ja nicht auf das Allernächste, die Frau, die Kinder, die nächste Umgebung. Denn dort liegen echte Schmerzpunkte. Das hat der Neird der Gegenwart doch nicht nötig! Der kümmert sich um Klimawandel und weiß der Deibel welche Verschwörungen, die die "anderen" verursachen.

Das ist der eigentliche Verlust: daß die Gegenwart nicht mehr zur Kenntnis nehmen will, daß sie dem bereits Erreichten um 150 Jahre nachhinkt. Aus Unwillen zur Kenntnnisnahme des längst Erreichen.

Wir sind am direkten Weg zum Neandertaler! Wo ein iPod nicht nur nicht bedeutet, der Zeit nicht voraus zu sein, sondern ihr um 5-50 Generationen hinterherzuhinken. Weil die Groß- und Urururgroßväter viel gescheiter waren, als es heutige Medienkonsumenten - und wie erst die selbsternannten "Kritiker" (der VdZ nimmt sich da überhaupt nicht aus; solche Erfahrungen machen ihn kleinlaut und bescheiden) - noch je erreichen können, selbst wenn sie ihr Verhalten von heute auf morgen umstellen.

Der Rückfall der Kultur ist nicht nur wahrscheinlich. Er ist längst geschehen. Die Technnik vertuscht es nur, samt dazugehörigem Glauben. Man möge froh sein, wenn wir in 20 Jahren nicht bei Trommelekstase und Menschenopfern landen. Gerade das könnten wir vielleicht noch verhindern, weil das Gute sowieso nur verzögern kann, wobei es genau darauf ankommt, als eigentlichen Kulturimpuls. Die Felle am Arsch, das Lagerfeuer und die obligate und eheschließende Vergewaltigung der Frauen etwa sind ohnehin nicht mehr abzuwenden. Wir haben es selbst gemacht.




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Leben ist das, was auf der Leinwand passiert

Israelische Zaungäste beobachten - bei Wasserpfeifen und in fußfreier Lage der Bestuhlung - das israelische Bombardement des Gazastreifens. Sie applaudieren bei Treffern, und genießen den schönen Abend. Leben ist Kino. Der Staat hat gefälligst dafür zu sorgen, daß viel passiert, aber der Popcornverzehr nicht gestört wird. Daß alles möglich ist, aber nichts Konsequenzen hat, sollte es unangenehm werden. Immer mehr Geschehnis - und immer weniger Handelnde. Die Wahlen der Zukunft sind Wahlen von Intendanten.

Und dabei ... wie wahr ist das doch. Das Leben als Spiel von Archetypen. Sind nicht jene zu verachten, die ihren Bierernst, den sie sich aufschminken, weil sie die Natur des Lebens nicht verstehen, allen abverlangen wollen? Ist diese Tragik, die man in dieses angeblich neuzeitliche Verhalten hineinliest, nicht lächerlich, weil sie das Leben mit moralistischem Zeigefinger ernster nimmt, als es selbst sich nimmt? Ist diese Haltung nicht die wahrere, richtigere, menschlichere, lebensgemäßere? Der Tod als Bruder, mit dem man sein Tänzchen aufführt ... fehlt es nicht genau an dieser Haltung, die durchbricht, sobald man den Leuten den Moralstock der Selbstgerechtigkeit aus dem Schaufenster nimmt?


Bildrechte bei Allan Sörensen




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Sonntag, 17. August 2014

Zeit für Realismus (3)

Teil 3) Zeit für realistische Abrechnungen




Aber wieviele Menschen sind in Hiroshima und Nagasaki wirklich ums Leben gekommen, als Folge der Atombomben? Herrschaften, man muß den Amerikanern ein wenig aus dem Gelöck schneiden. SO wirkungsvoll waren ihre Waffen gar nicht. Der Brandbombenangriff auf Tokyo wenige Tage zuvor war weit "effektiver". Es gibt verschiedene, sehr realistische Rechnungen, und die gehen von etwa 10 % der jeweiligen Städte als direkte, sofortige Todesopfer aus. (Und: reicht das nicht? Brauchen wir wirklich übertriebene Zahlen? Manche werfen jeden Toten SEITHER in diesen Städten als Atombombenopfer aus. Ist das notwendig? Genügte nicht ... EINER?)

Die meisten sind Brandopfer. Wieviele davon aus dem simplen Umstand, DASZ eben die Stadt in Brand gebombt wurde (also: unabhängig vom Umstand "Atombombe"), und "nur" deshalb umgekommen sind, ist nicht ermittelbar. (Tatsache ist, daß es sogar im Zentrum unmittelbar unter der Bombenexplosion Überlebende gab.) Aus Dresden weiß man, daß Brandfuriosen im Zentrum tausende Grad Hitze entwickeln.

Maßgeblich getragen auch von einer simplen Tatsache, die die USA gewiß damals mit überlegt haben: Die japanischen Städte bestanden damals aus Holz-Papier-Gebäuden. Die natürlich wie in einer einzigen Flamme aufgingen. Den amerikanischen Bomberpiloten über Tokyo wurde übel ob des Geruchs von verbranntem Menschenfleisch. Schon gar Zivilstädte wie Hiroshima und Nagasaki waren deshalb extem anfällig. (Auch in Dresden, übrigens, schmolzen Straßenbahnschienen, wurden Menschen im Hitzesturm der Brände "blitzartig dehydriert") Und die USA wollten gar nicht erst versuchen, einen anderen Weg der "Befriedung" zu finden. Dazu gehören getürkte Opferzahlen über eine notwenige Invasion Japans, dazu gehört vor allem der Vorausblick auf eine niederzuhaltende Sowjetunion: man wollte demonstrieren, welchen Schrecken man auszulösen vermochte, um sich spätere Verhandlungspositionen, mit DER Globalmacht USA, zu sichern.

Spätere Opferzahlen sind kaum nachvollziehbar. Denn prinzipiell hat Japan je nach Bedarf alle Krebs- und Mißbildungsfälle der Zeit seither der radioaktiven Strahlung zugeschrieben. Und den Amerikanern war das, wie gesagt, sowieso alles recht. In Wahrheit war die spätere Krebserkrankungsrate in diesen Städten kaum höher, als im übrigen Japan. Aber wenn ein mißgebildetes Kind auf die Welt kam, war es selbstverständlich ein Opfer der Atombombe. Nicht einmal die Mißbildungsrate aber ist signifikant höher als anderswo gewesen. Sagen zumindest im Internet erreichbare Zahlen, die keineswegs unseriös wirken. Was immer also heute an Opferzahlen herumgeistert - es ist mit größter Vorsicht zu genießen. Hiroshima gibt manchmal Opferzahlen an, die die Toten seit 1945 insgesamt übertreffen.

Tatsache ist aber etwa, daß zwar tatsächlich nach dem August 1945 etwa 20.000 Menschen "strahlenkrank" waren, Durchfall hatten etc., aber - sie starben nicht. Lesen sie dazu den sehr interessanten Artikel in der Weltwoche, der mit sehr nüchternen Zahlen aufwartet. Mit dem rein faktenbezogenen Tenor: Rauchen wirkt schlimmer ... Was Jahr für Jahr in Hiroshima zelebriert wird, ist etwa nicht eine Aufzählung der Atombombenopfer. Es sind die "Todesfälle der damaligen Einwohner." Erhöhte Mißbildungen gab es übrigens nicht nur nach den Atombombenabwürfen nicht, sondern auch nicht nach ... Tschernobyl. Das nur nebenbei. Man hat aus gewissen theoretischen Überlegungen die Wirkung radioaktiver Strahlung lange SEHR überschätzt.

Nach Fukushima etwa trieben - aus dem Glauben an den auch im eigenen Land gerne verbreiteten Mythos - viele Japanerinnen ihre Kinder ab. Man hat aber seit den damaligen Vorkommnissen keinerlei erhöhte Mißbildungsrate festgestellt!

Was, wie gesagt, alles nichts am prinzipiellen Unrecht ändert, Zivilbevölkerung derartig in direkte Kriegshandlungen einzubeziehen. Ja, es verschleiert diesen Umstand geradezu. Das offizielle Argument, daß sich in diesen Städten japanische Armeen aufgehalten hätten, ist hanebüchen. Niemand hat sich je interessiert, ob es wirklich die Kasernen, und vor allem die, getroffen hat. Die städte waren nicht einmal Orte der Schwerindustrie. Feste Gebäude hätten nämlich zuwenig "Schadensmythos" bewirkt. Man hat gezielt reine und ungeschützte Zivilstädte treffen wollen.

Die unglaublich primitive, barbarische Brutalität, der Verstoß gegen jede Moral, die die amerikanische Kriegsführung seit dem 1., endgültig seit dem 2. Weltkrieg kennzeichnet, wird durch alle diese Mythen eben verschleiert. Nicht einmal sechs, nicht einmal eine Million vernichteter Juden rechtfertigt denselben Gegenschlag. Hier von "christlich" zu reden (wie es die Amerikaner tun, weil sie in der Eidesklausel des Präsidenten die Worte haben: "So help me God!") ist sowieso pure Blasphemie.  Nichts Gutes läßt sich durch Schlechtes erreichen. Für einen Gott aber ist alles, was ihn interessiert, auch das Gute. Nur für einen Gott aber. Darauf gründet eben die Grundhaltung der Amerikaner, der Pragmatismus. Eine typisch puritanische Haltung, ja das Wesen des Puritanismus, das Wesen des Protestantismus (mögen die nun aufspringen und mit Steinen werfen - sie sind ... ein fatales menschliches Grundübel, keine "Religion". Aus und Punkt.)

So kann eben nur jemand handeln, der sich für Gott hält und deshalb in der Hand hat, die Gesetze von Gut oder Böse zu bestimmen. Und daß die Amerikaner das taten, das vor allem wie noch nie tun, mehr also denn je: das beweisen sie gerade heute. Die Begeisterung für die Verstärkung des Bündnisses Europa - USA wächst ja genau aus diesem Sumpf. Die Betrachtung jener (zahlenmäßig: vielen), die in die USA auswandern, und - horreur dictú! - vor allem "Gebildeter", weil sie dort angeblich so tolle Entwicklungsmöglichkeiten finden bestätigen genau das: Es wandern vor allem jene aus, die sich für Götter halten, und endlich diesen Status bestätigt erhalten wollen.

Als Amerikaner wollen sie sich frei ausleben wollen. Indem sie der Welt vorschreiben, wie sie sich zu verhalten habe. Sie sollen ruhig gehen, sie fehlen in einem wirklichen Projekt "Europa" nicht, das ist ernst gemeint. Gerade solche braucht Europa nicht. Hier leben noch Menschen, die "am Ort" verwurzelt sind, immer noch, die zumindest eine gewisse Substanz begreifen. Jeder Hochofenarbeiter, jeder kleine Tischler in Wimphofen an der Tauber, hat jene europäische Substanz, die noch entscheidend werden wird, wenn sie denn noch vorhanden ist udn nicht nur noch über Faschismen abrufbar, aber dann schon erstorben, wird. Und zwar fürs Weltschicksal.

Es ist doch nichts anderes als im vergehenden Rom,  man lese doch genau, man verstehe doch genau!

Amerika? Es ist in Wahrheit erledigt, unschöpferisch, erstarrt, und klammert sich umso gewaltvoller an Europa. Die Einzigen, die das nicht merken, sind die europäischen Politiker, weil denen sowieso jede Vision fehlt. Schon gar den amerikanisierten "Eliten", die sich an einen kaum definierbaren Liberalismus klammern, den sie ihn auch mit "Österreichischer Schule der Volkswirtschaft" rechtfertigen.

Das kennen wir doch ...?

Europa hat lange genug von diversen Schreckensmythen gelebt. Von den USA wollen wir da gar nicht reden. Aber um reale Probleme zu lösen, sollte man endlich beginnen, diese Legenden auf ihren realen Kern zu reduzieren. Realistisch zu werden. Wie schrieb so mancher Autor über die Spätzeit des römischen Reiches, einer Zeit des Verfalls? Sie verloren jede Fähigkeit, die Welt realistisch zu betrachten, verloren vor allem aber jede Fähigkeit, Probleme zu lösen. Der VdZ ist aber KEIN Vertreter der Spenglerschen Fatalismusfraktion. Es ist eben menschlich, und nur das ist menschlich, seine Zukunft zu gestalten. Der Mensch, schreibt Ortega Y Gasset einmal, ist seinem Wesen nach - in dieser Hinsicht betrachtet - Utopist.

Schließen wir mit einem Zitat aus der Weltwoche:

Insgesamt zeigen die Untersuchungen in Fukushima und Hiroshima, dass nukleare Strahlung vergleichsweise wenig gravierende Langzeiteffekte hat. Irrtümlich gehen die meisten Menschen aber vom Gegenteil aus. Die übertriebene Angst vor radioaktiver Strahlung hat zuweilen selber schreckliche Folgen: Nach dem Atomunglück in Fukushima trieben viele schwangere Japanerinnen ihr Kind ab – aus Angst vor Missbildungen. Eine solche Gefahr bestand angesichts der vergleichsweise sehr tiefen Radioaktivitätswerte aber nie. Dennoch mussten viele Ungeborene sterben.




²Spricht hier ein Blinder von der Farbe, nur weil er noch nie in Ellis Island angelangt war, nur weil er noch keine Einladung an den Sta. Monica Pier angenommen hat, noch nie in den USA physisch war? Der VdZ hat nicht nur "Auswanderer" in der Familie, sondern auch wirklich viele Amerikaner kennengelernt, und gut kennengelernt. Auch und vor allem in Ungarn. Er muß aus gemachter Erfahrung achtgeben, die Kritik nicht definitiv in Verachtung umkippen zu lassen, so sehr die spürbar werden mag, es wäre nicht verwunderlich. "Gebildete" wollen nach den USA auswandern? Sie sollen gehen, und zwar schleunigst! Sie werden hier nicht gebraucht. Wenn es überhaupt noch einmal zu einer Regeneration der europäischen Kultur kommen soll, dann sicher nicht von Amerika her, im Gegenteil: Europa schleppt einen Toten mit sich herum, und meint in Trance, er sei das Heil.

Was das Thema "Abtreibung" hier zu suchen hat? Es sind seit 1945 durch Abtreibung weit mehr Menschen umgekommen, als durch sämtliche Kriege der Menschheit zusammengenommen! Der VdZ muß sich also jedesmal höchlichst zusammennehmen, keinen Tobsuchtsanfall zu kriegen, wenn sich Menschen als Pazifisten oder Kriegsgegner ausgeben, oder von Gewaltfreiheit quatschen, die im selben Atemzug - und aus DERSELBEN Geisteshaltung - die Freigabe der Abtreibung (samt seiner Rutsche, der einer Sinnesgenossenschaft entsprungenen Kontrazeption, der utilitaristischen Verfügbarkeit von Leben) verteidigen. Gott möge sie ... usw., usf.



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Europa 2014; Klimasymptom

Vielleicht kann der Leser dem VdZ erklären, warum diesem Abgeordneten Polens im Europäischen Parlament, Korwin-Mikke, das Wort unterbunden wird. Die Medien tun es jedenfalls, aber es scheint so seltsam ... Ah ja. Er sei schon längst aufgefallen, bezweifle den Klimawandel, und sei überhaupt durch rechtsextreme Äußerungen aufgefallen, schreibt der österreichische Kurier. Nun habe er sich auch noch diesen Eklat geleistet. Verwendet doch glatt das Wort "Neger".

Alles klar.
Ein Eklat.
Wo kommen wir da hin.

Dann ist also alles nur noch verständlich. Mit einem kleinen Problem: Man braucht den IQ der Elite, um zu verstehen, worum es noch geht. Also, werter Leser, Beitrittsformulare von Sozialisten, Grünen und Christdemokraten ausfüllen, die gewiß postewendend Gebrauchsanweisung inhalieren - dann klappt das schon. Denn leider müht sich der VdZ bislang noch vergeblich um diesen Vorzug. Wie meinte einmal ein Vertreter einer dieser Parteien zum VdZ? Im Kleinen anfangen, am Stammtisch, im Grätzel, im Bezirk. Genau das hat der VdZ getan. Aber es war irgendwie verkehrt. Nun wollen die Eliten nämlich genau das nicht. Vielleicht ist der VdZ doch einfach ein aus psycholgischen Gründen erklärbarer Politverdrossener, also ein banaler Barbar, der für die hohen Weihen der moralischen Papabilität Europas einfach nicht würdig genug ist.

Wie meinte Leser G unlängst in einem langen Schreiben an den VdZ? Wir brauchen in Europa nicht mehr Bildung, mehr Ideen, mehr Kreativität. Wir brauchen mehr Trottel.Und dieser Wunschquote von 100 % sind wir schon sehr nah.

Sehenswert, dieser Entzug des Wortes.









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Samstag, 16. August 2014

Zeit für Realismus (2)

 Teil 2) Wir leben in einer Welt der gemachten irrealen Annahmen



Wenn wir also seit dem ersten Irak-Krieg mit an Videospiele erinnernden Bildern erfuhren, daß amerikanische Raketen (kamerabegleitet) die Kaffeetassen in einem zehn Meter unter der Erde verborgenen Bunker treffen, dann ist es ... Propaganda. Es mag schon sein, daß so ein Treffer gelingt. Aber wenn, dann ist es einer unter ... vielen. Denn die Treffgenauigkeit, die vernichtende Wirkung ist weit geringer, als ausgegeben wird. Sie ist statistisch so und so hoch, ja. Aber das heißt genau das, was Statistik heißt: Im Einzelfall unvorhersehbar und breitest gestreut, im Ganzen hoch zufällig. Nach wie vor. Wer technische Systeme, hochkomplex, so ausreizt, muß damit rechnen - und der Leser möge es glauben: wirkliche Militärexperten (der VdZ kannte solche) wissen das! - daß nur ein höchst geringer Prozentsatz überhaupt funktioniert. Die Faktoren sind zu mannigfaltig, zu unberechenbar ist solch ein (rein technisches!) Gesamtsystem.

Deshalb ist entscheidend, daß der Mythos lebt. Daß die Menschen daran glauben! Wie rasch dieser aufgeplusterte Glaube aber zusammenbricht zeigt die Frechheit, mit der Widerstandskämpfer und Rebellengruppen in Afghanistan, im Irak, in Syrien, ja wo nicht, mit der Zeit vorgehen. Denn sie erfahren genau das: "Alle kochen mit Wasser". Im Endeffekt ist es immer der Mensch, auch und vor allem im Krieg, der entscheidet. Und wo das nicht begriffen wird oder werden will, sind die "Collateralschäden" EXTREM. Kein Kriegsschauplatz, von Vietnam bis zur Ostukraine, der das nicht bestätigt. 

Die Illusion des präzisen, "humanen", lediglich gegner- oder schädlingszentrierten Krieges (denn die Kriege der Gegenwart haben nur noch den Charakter einer Schädlingsbekämpfung) ist nicht mehr als eine Illusion, ja: sie ist eine glatte Propagandalüge. Auch im 2. Weltkrieg war Terror gegen ein Volk - nicht gegen einen Staat! Bis heute kennen die Amerikaner kein Völkerrecht, das "Staaten" als gleichrangige Kontrahenten anerkennen will - das erklärte Ziel der amerikanischen Kriegsführung ist Gegnervernichtung, nicht "Krieg". Daran hat sich NICHTS geändert.

Das Humane an jedem Krieg, egal welchen Krieges, ist, daß er eben nicht human ist bzw. in seinem auf zahllose Einzelfälle zerfallenden Gesamtgeschehen sehr rasch alles über Bord wirft, was den Menschen zum Menschen macht. Daß er die Menschen sehr rasch zum Tier macht. In diesem Wissen liegt die uralte Sitte, im Friedensfall jeden Soldaten, auch den der Gegner, der Verlierer, zu pardonieren. Zu schnell geht das alles, um in jedem Einzelfall sein Gewissen zu prüfen. Zu massiv wirken alle möglichen Antriebe und Instinkte, und zu massiv wirkt das Endszenario, das "es geht ums Ganze", in jede Einzelentscheidung.

Wer solche Kräfte noch nie gespürt hat, hat noch nie gelebt. Und daß heute immer weniger Menschen "leben", das behauptet der VdZ, und darin ist dieser groteske, verachtenswerte Moralismus zu suchen, der das öffentliche Klima des Westens bis zum Erbrechen verseucht hat. Dem jedes menschliche Maß fehlt, gerade WEIL er behauptet, so menschlich zu sein. Dafür hat man ein Völkerrecht entwickelt, dafür hat man den Krieg "kultiviert", wie Carl Schmitt es so großartig ausdrückt.
 
Die Amerikaner nähren aber seit Jahrzehnten einen regelrechten "HOAX": Sie nähren die Illusion eines "sauberen" Krieges. Puritanismus, pur! Sauber. Was immer das heißt. Moralisch gerechtfertigt, nur weil er sauber ist. Und sie tun seit Jahrzehnten - GENAU DAS GEGENTEIL. Ob Vietnam, ob Afghanistan, ob Irak, ob der Balkan, ob Libyen, ob ... ja wo will man aufhören? Es ist die Liste der Weltprobleme!

Aber sie haben die Deutungshoheit, und nur noch darauf kommt es an. Sie schießen einen Hollywood-Film nach dem anderen raus, in dem genau diese Prinzipien - "Moral geht über Recht" - verkündet und verfestigt werden. Wo verkündet wird, daß individuelles Rechtsempfinden über alles Rechtsgefüge geht, und sei es mit der Waffe in der Hand. Pure Aufstachelung zur Rebellion, im übrigen, je nach subjektivem Gefühl. Dabei - genau das spielt den Amerikanern nicht die winzigste Rolle. Und das gründet in ihrem verabscheuenswürdigen Sendungsgefühl, das nicht kollektiv ist² - diese Legende stützt das nur. Sondern das jeder Amerikaner empfindet. Von Gott berufen, er selbst, und nur er, und vor allem er, und damit IST er das RECHT. Und das haben sie über die Welt verbreitet. Und die entkleideten, nackten Europäer - und wer hat entkleidet? Sollen wir es nennen? Die ... ENGLÄNDER, das Tor der USA zu Europa - knien im Staub und beten den neuen Gott an.

Also ruft es mittlerweile auch wohl Empörung hervor, wenn man behauptet, daß die Opferzahlen von Hiroshima und Nagasaki weit (!) übertrieben wurden. Was nichts an der prinzipiellen Schrecklichkeit ändert, die - wohlgemerkt - der Schrecken eines Verbrechens ist. Dem bis heute der Ankläger fehlt. Auch die Kirche hält dazu resch ihren Mund, und das eine Schande. Bei der Abtreibung weiß sie sehr wohl, daß es eine (Tod-)Sünde ist, ein Leben gezielt zu nehmen, um ein anderes zu retten. Zu den militärischen Aktivitäten der letzten Jahrzehnten hat der VdZ noch nichts vernommen, außer halbseidenen, um nicht zu sagen: halbschwul-sentimentalen "Friedensbitten", die mehr an Pazifismus (auch das: keine katholische Haltung) als an Ethik erinnern. Wenn sich nicht mittlerweile Päpste darin ergehen, Tips zu geben, wie man glücklich werden könne, die jedes Frauenmagazin wegen ihrer Lächerlichkeit ablehnen würde, weil jedes primitive Esoterikmagazin "tiefschürfendere" Lebensweisheiten enthält. Und wenn man seine Stimme gegen Abtreibung* oder Homosexualität erhebt, wird man gerade durch und innerhalb durch und durch verrotteteer kirchlicher Kreise, denen man doch in Wahrheit längst jeden Glauben absprechen muß, in Grund und Boden gestampft.** "Ja schon, aber ..."

Statt energisch zu verurteilen. Wen? Das male sich der Leser dieser Zielen selber aus. Viele, alle, und manche gerade aus der Menge, die sich für besonders gerecht hält. Wo sind die Zeiten ...


Morgen Teil 3) Zeit für realistische Abrechnungen


*Nehmen wir den prägnantesten "Rechtfertigungsgrund" für Abtreibung an. Vom Jammer, wegen eines kommenden Kindes an den Wohlstandssegnungen der Gegenwart nur unvollkommen teilhaben zu könne, wollen wir gar nicht reden; der in Wahrheit bei der überwiegenden Anzahl der Fälle dahintersteht - Gott möge diesen menschlich-moralischen Dreck von der Erde fegen, der das gesellschaftliche Klima so dramatisch mit Schuld belastet)

**Der VdZ hat erst vor einigen Monaten den mittlerweile betagten, im übrigen erst von einer schweren Krankheit halbwegs wiedergenesenen Salzburger Weihbischof Andreas Laun bei einer Tagung in Heiligenkreuz bei Wien erlebt. Der VdZ war nie ein "Fan" von ihm, und er hält ihn nicht einmal für einen besonders klugen Kopf, und zwar mit klaren Gründen. Aber wenn einmal in der Kirche selbst ein Bischof sich rechtfertigen muß, regelrecht gemobbt wird, weil er so klar und richtig gegen die Abtreibung Stellung nimmt (im übrigen: mittlerweile durch viele verbale Kämpfe recht ausgeläutert, hoch präzise in seinen Worten), dann weiß man, wieviel es geschlagen hat. Dieses Kampfes wegen zieht der VdZ vor Laun ganz klar den Hut! "Von mir wird man nicht einmal behaupten können: Warum habt Ihr (Bischöfe) nix gesagt!" meinte er in Heiligenkreuz.






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Totalerblindung (2)

Teil 2) Man kann sich seine Religion gar nicht aussuchen




Das hat natürlich weitreichende Implikationen. Wenn nämlich in einer Kultur die Selbstautonomie als Grundgefühl vorherrscht, als Ethos gewissermaßen, beginnt diese Kultur ohne jeden Zweifel an sich selbst auszutrocknen. Ihre Basis wird immer schmäler, ihre Erkenntnis immer dürftiger, bestenfalls in sich noch ausgefeilter und rational wortreicher (weil eigentlich: verzweifelter). Diese Stimmung aber entsteht nicht durch Gedankenarbeit, durch (s.o.) formalistisches Herumgedrechsele am Wortsalat, sondern sie entsteht durch die reale Lebensweise. Stimmen die Hierarchien nicht mehr, weil sie von ihrem herkommen abgeschnitten wurden (das heißt nichts simpler als: Anti-Traditionslismus), so sind damit die Erkenntnisgrundlagen einer Gesellschaft ruiniert. (Hierarchien haben und implementieren selbstverständlich auch die Anti-Hierarchischen, revolutionären Strömungen, es ist ja lediglich der Wahnsinn ihrer Methode, das zu verschleiern: Aus dem Bild der Hierarchie, das also eine aufgeklärte Gesellschaft wie die unsere darstellt, läßt sich das Erkenntnisprinzip ablesen - simpel: der Gott, in dem alles gründet.)

Hier greifen fatale Mechanismen, die nicht auf den Einzelnen beschränkt bleiben können. Wenn sich im Handeln der Menschen zeigt, daß sie aus sich heraus nicht höherkommen, und das heißt: real, konkret, durch ihre reale sittliche Verfaßtheit, die für jede Moral ja erst die Basis bildet, dann beginnt sie ohne jeden Zweifel das Höhere zu hassen. Die Wahrheit, die real ist, wird zum Feind - zum Feind wird die wirkliche Wirklichkeit der Dinge. Selbsteinschätzung wird damit unmöglich, und damit Einschätzung des Begegnenden. 

Denn dem Begegnenden wird nicht getraut, es enthält keine Botschaft mehr, oder man wählt es ersatzweise (weil dem menschlichen Wesen ja notwendig, als Grundstruktur gewissermaßen), mit allen Folgen, bis zur Hörigkeit, bis zum Fanatismus, der ja ein Fetischismus ist. Eine Kultur, ein Volk wird damit als Ganzes blind. Über die Lebensweise, die sie über jeden verhängt, und der sich gar niemand wirklich entziehen kann.

Zugleich müßte nun klar sein, daß auch dasjenige, AN DEM jemand teilhaben will, nicht aus seinem eigenen Urteil erwachsen KANN. Er ist gar nicht fähig, es zu beurteilen, weil zu erkennen. Von Religion kann man deshalb überhaupt nur dann sprechen, wenn es sich um eine Überlieferung handelt. Sie braucht konkrete Personen, die die Offenbarung Gottes weitergeben. Man KANN also gar nicht "seine Religion" wählen.

(Jedes Konvertitentum zeigt ja dieselben Krankheiten der Pseudologie, oder ist überhaupt eine solche, wenn es im "Konfessionellen", also bei der "Überzeugung" bleibt. Sodaß die heutige Religionslosigkeit zwangsläufig Religion gar nicht mehr anders fassen kann denn als "Überzeugung", die sie aber gar nie ist.)

Hinter solchen Aussagen, die heute also nicht zufällig so verbreitet sind - Auswuchs bereits der Verzerrtheit, ja der Wahnverfallenheit des heutigen Menschen - verbirgt sich etwas ganz anders. Man kann nur folgerungsweise auf die Plausibilität gewisser Aussagen vertrauen, und sich daraufhin entschließen, AN DIESER (oder jener) Offenbarung teilhaben zu wollen. 

Und genauso wenig kann man DIREKT, ohne menschliche Vermittlung also, an Gott teilhaben, quasi als autonomistische Direktreligion, als Privatmystik, um die man sich nur zu mühen bräuchte, die quasi außergeistig in bloßen physischen Methodiken oder Vorgehen äußern könnte. Ja, selbst wenn dem so wäre, so wäre es wertlos, weil der Mensch in der Verfaßtheit als geistseelisch-physisches Wesen, er selbst nur über die Vernunft ist. 

Dieser quasi "höchstpersönliche spezielle Draht" zu Gott würde nämlich voraussetzen, daß man selbst bereits Gott (zumindest aber heilig) ist, und das hat einen bereits aufgelösten Gottesbegriff (und eine absurde, jedes Kabarett unendlich übertreffende Selbsttäuschung und Blindheit den eignen Zustand betreffend) zur Voraussetzung, und damit Nihilismus. Nicht mehr und nicht weniger ist aber der Wahn, in dem heute so viele Menschen befangen sind. Den sie nicht zufällig so wortreich und nicht selten durch viel Religionsgequatsche, immer aber gestützt durch formalistischen Mißbrauch formal (teil-)wahrer Aussagen zu verschleiern suchen. Denn die Wahrheit ist eben kein formales Rechenexempel "logischer Aussagen". Sie ist lebendig (und erst darin überhaupt möglich vernünftig) und lebt in personalem Dialog, oder sie ist einfach Dummheit, die folgenotwendig zur Bosheit wird bzw. sich daraus nährt.




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Freitag, 15. August 2014

Kultur - USA - (2)


Teil 2) Kollateralschäden einer mit viel Getöse vertuschten Leere




Wir wollen das freilich (seit Keyserling) etwas erweitern, zur Country-Musik, oder zu Liedermachern wie Bob Dylan oder Tom Waits; um einen Jimmy Hendrix nicht zu vergessen, natürlich ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Auch das scheinen originale Ansätze und wirkliche kulturelle Entwicklungen zu sein. Die eben dort ansetzen, wo Kultur überhaupt ansetzt. Insofern Anfänge sind. Aber sie sind es. Als artikuliertes Leiden an dieser Kulturlosigkeit, der untersten Stufe eines Beginns. Zu lange haben die Amerikaner geglaubt, daß der Puritanismus des Nordens, mit seinen erstarrten Formen ehemaliger europäischer Kultur, AUCH Kultur wäre. Das war er nie, er war immer nur eine Konserve ehemaliger Kultur, eine Bezugnahme darauf. Sein Zerfallen in der ersten Hälfte des 20. Jhds. war nicht zufällig, es geschah zurecht. Aber nach der Befreiung von diesen erstickenden Korsetten ist das Land ein Trümmerfeld geblieben.

Nicht die Technik, nicht die Computertastaturen, nicht Hamburger und Chevrolet-Coupets und nicht Tomahawk-Raketen. Diese Scheinwelt, die aus der (europäischen) Technik resultiert, die wiederum eine reine Scheinwelt produziert (man denke doch nur ans Internet!), verhindert, daß Amerika sieht, wo es wirklich steht, was es wirklich IST. Dominiert von jeder Menge zu bloßen, in jede Richtung verbiegbaren Schlagworten verkommener Begriffe, wie "Demokratie", mangels substantiellem öffentlichem Diskurs, dem tragenden Fundament jeder Kultureinheit.

Sein, nicht Haben. So abgedroschen (und leicht mißverstehbar) diese Formel ist, demaskiert sie doch den "amerikanischen Traum" als leer. Der ein sozialistischer Traum ist, den vom Bolschewismus nur unterscheidet, daß er unter ungeheuren Kollateralschäden einen anderen Weg zu materiellem Wohlstand eröffnet hat. Aber bis heute haben es die Amerikaner (genuin: des seit 1865 endgültig dominierenden puritanischen Nordens) nicht geschafft, eine fundamentale Beziehung zum Land selbst aufzubauen. Das sie wie ein Ersatzteillager für ihre Wohlstandsträume behandeln. Als Menschen, eingesperrt in ihre narzißtischen, engen Schranken, Blüten eben dieses mystizistischen Puritanismus.

Dann - wir zitieren wieder Keyserling - hätte auch der amerikanische Privatismus seine Stunde der Fruchtbarkeit. Von dem Hollywood so auffällig träumt. Aber er setzt eben im Privaten an, im engsten Umfeld, das es erst einmal auf seine Substanz zu gewinnen gilt.

Doch dazu müßten erst einmal die Träume von einer Welt-Ordnungsmacht um acht Stufen abgetakelt, auf die eigene Wohnstube wieder beschränkt werden. Denn das staatliche Amerika der Gegenwart hat nicht die (geistige) Kraft, die Welt zu ordnen. Das gesamte 20. Jhd. ist ein einziger Beweis dafür. Beginnend mit den unausgegorenen Wilson-11-Punkten, die Europa bis heute zerrüttet haben, bis zum Desaster im arabischen Raum.

Während Europa sich endlich seiner selbst besinnen sollte, denn noch gibt es dort, wenn auch schon fast zum Katakombendasein, in solitäre Veranstaltungen oder kleine isolierte regionale Räume verdrängt, Geist und geistige Kraft. Es sollte aufhören, der amerikanischen Schimäre nachzujagen, und endlich die Augen wieder öffnen, sich vom Imponiergehabe transatlantischer Fünfjähriger nicht mehr länger einschüchtern lassen, und eigenes Urteil zu bilden lernen. Die ihr Kind, das davongelaufen ist, in seine Schranken weisen. Das erwartet die USA nämlich. Kinder haben ein Recht auf Erziehung.



Gesehen auf everyday_i_show




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Zeit für Realismus (1)

Es ist ein bißchen so wie bei Dresden. Auch hier wurden die Opferzahlen der (zweifellos: verheerenden) Bombenangriffe der Alliierten von den verschiedensten Seiten instrumentalisiert. Fallweise sprach man von bis zu 1,5 Mio Toten, sechsstellige Zahlen waren jedenfalls üblich.  Daß Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung eines Kriegsgegners ein Kriegsverbrechen sind, ist dabei unbestritten, und zeigt, und das ist vollen Ernstes gesagt, in welchen Barbarismus wir bereits gesunken sind. Das gab es nur bei den schrecklichen Raubzügen heidnischer Völker, der Hunnen, der Tataren bzw. Mongolen, der Türken, die wirklich auf Raub und Mord als Teil ihres "Broterwerbs" aus waren. Das christliche Europa hat dieser Art Kriegsführung, spätestens nach den Erfahrungen in Südamerika, ein definitives Ende bereitet, und das Völkerrecht entstand.

Bleibt dennoch die vor wenigen Jahren wirklich einmal serios recherchierte Opferzahl in Dresden. Es waren maximal 20.000 Tote. Naja, der Augenschein, der subjektive Eindruck, kann eben trügen. Wobei: Moral, Ethik ist kein Gesetz der Masse. Nicht nach christlichem Standpunkt! In der Beicht entscheidet immer der Einzelfall. Hier bricht sich alles auf den einen und einzigen Augenblick, selbst wenn das Maschinengewehr auf Dauerfeuer liegt.

Aber Opferzahlen haben eben auch eine Funktion. Hier, um an einem geschehenes Unrecht großzusprechen, das (zweifellos) Sühne und Bitte um Vergebung verlangt. Dort aber, und dort vor allem - denn Geschichte wird von den Siegern geschrieben - um eine Macht zu behaupten, die auch weitere strategische Vorteile bringen soll.

Schon deshalb waren die Amerikaner zumal 1945, als die Bande der Allierten allmählich brachen, als man sich auf das "danach" zu besinnen begann, auf die nun notwendige Neuordnung von Einflußzonen, höchlichst interessiert, ihre Waffentechnik als besonders "effizient" darzustellen. Und das traf sich im Fall Hiroshima und Nagasaki mit dem Interesse Japans, das Unrecht großzusprechen - in beiden Fällen: Durch die ausgewiesenen Opferzahlen.

Nichts hat im Kalten Krieg so funktioniert wie die wechselseitige Furcht vor den Folgen eines Atomwaffeneinsatzes. Ja, das war sein Prinzip, das sogar zum politischen Wirkprinzip erhoben wurde. Wenn auch auf verschiedene Weise! Denn den amerikanischen Militärs war es mehr als recht, daß die Bevölkerung der USA an die "alles vernichtende" Bedrohung durch die Atomwaffen der Gegenseite glaubte. Es hat eine beispiellose Aufrüstung, respektive deren Kosten, vor der Bevölkerung gerechtfertigt. Gestützt von Mythen, die den Glauben an die damit bewirkte Überlegenheit der Waffensysteme stärken sollten weil mußten.

Selbst die Sowjetunion ist diesem Kasperletheater auf den Leim gegangen. Das Reagan'sche Starwars-Programm hat sie nämlich endgültig in den finanziellen Kollaps gestürzt. Ein Raketenabwehrsystem aus dem All, das den Russen jede Chance, einen atomaren Krieg zu gewinnen, nahm. Angeblich. Weil in diesem System der Abschreckung entscheidend war, wer einen Erstschlag bei Kalkulation des darauf folgenden Gegenschlags führen konnte. Die USA blieben darin Sieger, und als Sieger fühlen sie sich bis heute, und verlangen von den Russen, den ehemaligen Sowjets, sich als Verlierer zu gebärden, die das Diktat des Siegers gefälligst zu ertragen haben. Die Entwicklungen im ehemaligen Osteuropa (das ja in Wahrheit meist ein Mitteleuropa ist) tun es kund.

Aber wie viel davon war Schimäre. Wie viel davon so typisch amerikanisch ... Propagandaerfolg, und nur Propagandaerfolg. Denn bis heute zweifeln sämtliche Militärexperten, ob so ein Raketenabwehrsystem aus dem All je funktionieren kann. Unter realistischen technischen wie atmosphärischen Bedingungen sind die Fehlerquoten extrem. Auch bei solchen Raketen. Und dazu gäbe es eine Menge technischer Details zu erzählen.

Und sie haben weitergestrickt, die Amis, an diesem Mythos. Mithilfe der wichtigsten Waffe, die sie besitzen - der Propaganda ... die Hollywood heißt. Und nicht nur durch Finanzierung, sondern weil auch dort natürlich Menschen arbeiten, die an diese Mythen glauben. Als Regisseure, als Drehbuchautoren, und noch entscheidender: als Produzenten, die allen vorgeben, was wovon zu handeln, was sich wie zu entwickeln, was wie auszugehen hat.


Morgen Teil 2) Wir leben in einer Welt der gemachten irrealen Annahmen



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Totalerblindung (1)

Niemand wird ernsthaft bestreiten, daß das Heranwachsen eines Menschen in der Geschichte mit einem Heranwachsen seines Erkennens direkt zusammenhängt. Das heißt, daß dem Menschen notwendig immer Neues begegnet, sonst wächst er nicht in der Erkenntnis. Denn das Durchdringen der Welt zur Gewinnung von Kriterien ihres Handelns hängt mit der Zeit zusammen - nur im Nacheinander läßt sich die Eigenschaft eines Etwas, eines Objekts, ablösen.

Also ist die Grundhaltung des Erkennens die Haltung, die dem Neuen als "Oberen" begegnet. Und das heißt, daß nur die Ehrfurcht dem Oberen gegenüber an diesem Neuen, Übersteigenden teilhaben läßt. Denn nur durch Teilhabe ist es möglich, an dem Oberen insofern teilzunehmen, als es den eigenen Erkenntnisstand erweitert.

Teilhabe aber heißt, daß ich einer Wesenseigenschaft teilhaftig bin, die zu beurteilen ... ich NICHT vermag. Deshalb ist Vertrauen, deshalb ist Glaube (als "GELOBEN", von dort stammt es ja) die Grundvoraussetzung für Wachstum in der Erkenntnis.

Soferne diese Erkenntnis lebendig sein soll. Denn es gibt ein Erkennen, das im bloßen Formalen steckenbleibt und tot ist: In der Übernahme von Formalismen, in der Übernahme von auch logischem Vorgehen, das immer am Stande des Jetzt freilich stehenbleibt. Das nur der Glaube zur Wesentlichkeit im Wortsinn überschreiten könnte.

Aus dieser Verknüpfung wird klar, daß Erkennen zuerst im Glauben ankert, und dort als "jemandem glauben" bestimmt ist, weil es das Vertrauen braucht. Ein rein formales, quasi "intellektives" Erkennen bleibt tot, kann bestenfalls ein Ausscheiden von bereits Vernommenem sein.

Denn damit ist auch klar, daß es ohne eine Offenbarung des Höheren gar kein Wachstum gibt. Weder im Leben, noch im Erkennen der Vernunft. Aus sich selbst heraus vermag der Mensch nicht weiterzugehen. Daß es scheinbar doch jeder Mensch tut, auch in Zeiten des Autonomismus wie heute, hat lediglich mit der für jeden Menschen unvermeidlichen Gegebenheit zu tun, daß jeder einmal Kind war. Und dort, dort nimmt jeder Mensch ständig - im Glauben, im Vertrauen - am Höheren teil.

So begründet sich auch, daß jede Religion, egal welche, an einem "Jemandem glauben" hängt. Nur wenn man glaubt, daß über die Teilhabe an diesem Menschen, der etwas offenbart, das Höhere habbar wird, durch Teilhabe, kann man ja überhaupt von Religion sprechen. Die Frage für den Menschen ist also in jedem Fall nicht, OB jemand glaubt, sondern WEM er glaubt. Denn sie gründet immer in einer Frage nach einem Menschen, einer Person, der man glauben kann.

Damit ist auch klar, daß die Gretchenfrage des Christentums in der Person Jesu Christi liegt. Denn das Glauben an eine Person äfft auch jede Sekte, jedes Sektierertum nach. (Oder man denke an diverseste esoterische Methodiken und Heilslehren, wie etwa Reiki, die diese Personenanbindung sogar zentral stehen haben, und die Zentraltätigkeit der daran teilhabenden Personen dezitiert als "Medialisierung" gesehen wird.)

Aber nicht einfach an einem quasi "spirituellen" Christus, sondern dieser Christus muß real gegenwärtig sein. Nur so ist Heil überhaupt denkbar.

Das des Erfassens der Bedürftigkeit bedarf.

Wenn - wie heute sogar zum Erziehungsziel erklärt wird! - der Mensch nur in sich verankert sein soll, dann freilich setzt das (und auf die Ausrede, daß es gedanklich nicht so formuliert sei, pfeifen wir, denn das Denkgeräusch der heutigen Menschen ist meist die Luft nicht wert, die es trägt) auch voraus, daß er sich selbst zum Gott macht. Denn anders würde sich jeder Begriff von Gott auflösen, sinnlos werden. 

Erst wenn der Mensch sich seiner Bedürftigkeit bewußt wird, erst wenn er diese mit seinem Gemüt (!) erfaßt hat (und nicht nur "denkt"), als wirkliche Hinneigung zum Höheren, erst dann vermag er also in seiner Erkenntnis wirklich zu wachsen, weil sich damit auch seine Basis vergrößert, um es mit diesen banalen Begriffen vielleicht begreiflicher zu machen. Aber vor allem: Von  Religion läßt sich überhaupt nicht sprechen, wenn der Mensch nicht mit dem realen und freien Eingreifen (eines) Gottes rechnet - wirklich ist nur, was wirkt! Ein Gott der nicht wirkt, ist nicht wirklich, sondern bleibt ein Hirngespinst. Religion ist wesentlich Gnadenvermittlung, Heilsanstalt. Es gibt also keine individuelle Höherentwicklung - ohne Religion, und ohne geschenkhafte Gnade. (Es gibt nur eine höhere Stufe rationalistischer Verworrenheit.)

Der Unterschied zwischen dem Katholizismus und den anderen Religionen ist nicht dieses Prinzip, sondern ... die Realität. Nur der Katholizismus (den es ohne Kirche nicht gibt) muß (ja: darf das gar nicht, genau das ist ja sein Prinzip!) nicht die Wirklichkeit ausblenden, um "wirksam" zu sein, nur er sucht direkt die Wirklichkeit. In ausnahmslos JEDER anderen Religion, so sehr sie hier und dort und oft sogar viele Teilwahrheiten haben mögen, sind aber solche Wirklichkeitsausschließungen, Autonomismen und Selbstevokationen notwendig und tätig.

Und genau diese oft groteske Verfallenheit einzelner Kirchenglieder ist regelrecht wesensnotwendig - denn nur so ist klar, daß es Gott ist, der wirkt, der sich über die Sakramente sogar garantiert. Der fünftägige Achselhöhlenschweiß des Pfäffleins, oder die eitle Vertrotteltheit eines Mönchs ist genau der Verweis darauf. Denn darauf kommt es nicht an, ja im Gegenteil, die oft so verquälte Schiefgestalt der realen Kirche ist der Schlüssel zum Heilsgeheimnis selbst, in dem Gott in jede Zeit real und historisch spricht - und bei Verfallenheit der Kirche umso mehr die einzig mögliche Pforte zum Heil verlangt: Das Kreuz. Das auch und immer real ist, und genau deshalb umso mehr Frucht bringen kann, wenn es die Prüfung in Treue und Glauben - als Verdienstlichkeit! - so anspannt wie heute oft. Daß gerade heute, wo alles von der Welt Perfektion verlangt, sich alles auch politische Streben danach richtet, der Verfaßtheit der Menschen gemäß, die Welt immer perfekter zu machen, sich die Kirche dieser Perfektion so entzieht und den Menschen fordert indem sie ihn in seinem Autonomiestreben beim Wort nimmt, ihn gerade dadurch auf seine weltimmanente Impotenz verweist ... das zu deuten ist nicht mehr schwer. 

Wer sich im Dschungel verirrt hat, muß durch den Dschungel wieder hinaus, auch wenn es noch so mühsam ist. Es gibt keinen anderen Weg. Der Charakter der Gegenwart - träge bis ins Mark, ohnmächtig angesichts der eigenen Schwächen, der Kräfte deren man nicht Herr wird - ist freilich, sich aus diesem Dschungel wegzaubern, wegdenken oder durch Selbstmanipulation wegträumen und wegenthusiasmieren zu wollen.



Morgen Teil 2) Man kann sich seine Religion gar nicht aussuchen




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Donnerstag, 14. August 2014

Es bleiben nur noch Verbote

Es kann nicht ausbleiben, daß als Folge einer Entwertung persönlicher Autorität, als Folge einer Verlagerung von Autorität auf Quantität und Quantitätsbeschaffung, die Autorität des Staates sich auflöst. Denn im wahren menschlichen Verhältnis zählt immer nur und immer noch eine Autorität, die nicht auf formalen Bestimmungen beruht, sondern auf der Persönlichkeit des anderen, in aller Irrationalität, in aller Staunenshaftigkeit, in aller Unmittelbarkeit. 

Wird dieses normale menschliche Verhalten geknackt, indem persönliche Autorität zu einem parallelen, aber offiziell irrelevanten Eigenschaftlichen erklärt wird, verliert sich Autorität im Offiziellen generell, und kann als Offizielles nur noch das Gesicht der Gewalt annehmen. 

Damit geht zweifellos eine Niveausenkung, vor allem aber das Humane von Autorität einher, die zu bloßer Routine und Mechanik verkommt. Mechanik aber ist vom Menschen beherrschbar, liegt also unter ihm.*

Ein Staat, der sich also nur noch als Repräsentant der Massen sieht, muß sich auflösen. Er kann seine Macht nur noch im "Verbieten" demonstrieren, und sich damit nur noch im Verbot selbst erfahren.



*Das ist übrigens der wahre Ausweis, der Magie (in ihren Derivaten der Technik, Methodik, ja einer technizistischen Wissenschaft) als Form der Gottlosigkeit zeigt. Deshalb ist Magie - und Technik, und sei es "transzendente" Technik - in jedem Fall ein Ausweis eines letzten Todesringens einer Kultur, denn sie geht von einer Beherrschbarkeit uind Dienstbarkeit der weltbewegenden Kräfte aus.



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Kultur - USA - (1)

Nur eine einzige Bevölkerungsgruppe der USA hat es geschafft, Ansätze zu einer originalen amerikanischen Kultur zu schaffen - und das sind die Neger.  Das schreibt Graf Hermann Keyserling 1930 in seiner immer noch lesenswerten Analsye der USA. Nur sie bauen auf einem originalen und religiösen schöpferischen Gefühl auf, wie immer man das bewerten möge. Es ist doch kein Zufall, daß die einzige nennenswerte, repräsentative amerikanische Kunst - Negermusik ist bzw. aus ihr hervorgegangen ist. Diese Sklaven haben sehr bald begonnen, sich zu verorten, sich zu verraumen, indem sie - zwangsläufig - ihr Leben neu gründeten, wirklich gründeten, weil sie keine Aussicht auf Veränderung durch Revision ihrer Umstände mehr hatten. Vieles, was von dort her wuchs, kommt deshalb aus dem Einschwingen ins Atmen mit dem Land selbst. Auch wenn es noch auf niedrigem Niveau steht, hat es die Kraft, eine Kultur zu werden. 

Und hier liegt auch die Tragödie der Südstaaten, denn auch dort hat sich originaler Kulturansatz entwickelt, ist aber vom protestantischen, puritanischen Norden niedergewalzt worden.



Gesehen auf everyday_i_show


Morgen Teil 2) Kollateralschäden einer mit viel Getöse vertuschten Leere




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Mittwoch, 13. August 2014

Wie leben die nur?

Auf eine interessante Gegenüberstellung verweist ortner-online: Eine australische Zeitung bringt die für unsere Antipoden schockierende Nachricht, daß in Europa durchschnittlich mehr als die Hälfte der privaten Einkommen vom Staat über Einkommenssteuern und Sozialabgaben einkassiert werden. Diese staatliche Gefräßigkeit ist in erster Linie Ergebnis einer Umverteilungspolitik, die jedem Neuseeländer oder Australier ein Horrorszenario sind. Die Australier nennen das: Sklaverei. Abgesehen davon, daß die für die Produktkosten so maßgeblichen Lohnkosten in Europa in manchen Ländern das Doppelte der Lohnkosten in den meisten anderen Teilen der Welt ausmachen. Der weltweite Schnitt (inclusive Europa) im Verhältnis Brutto- zu Nettoeinkommen beträgt etwa 25 %. Auch wenn nur markttechnisch betrachtet die Lohnstückkosten maßgeblichere Parameter sind, denn in sie fließt auch die Effizienz ein, die in weiten Teilen Europas über der des Rests der Welt liegt. Sonst könnte Europa ohnehin nicht einen Nagel mehr in Melbourne oder Shanghai verkaufen.

Um das wirkliche Ausmaß der Belastung der Europäer aber zu ermessen, müßte man die Rechnung noch weiter treiben. Denn diese beiden Posten machen nur etwa zwei Drittel der jeweiligen Staatseinnahmen aus. Dazu kommen noch durchschnittlich weitere 25 % an Verbrauchssteuern und Gebühren: als Mehrwertsteuern, als Verbrauchsabgaben, als Mineralölsteuern, etc. etc. Sodaß in Wirklichkeit der Staat die Hand auf 75 bis 80 % der in Europas Staaten durch Menschen erarbeiteten Gelder gelegt hat. Wer also meint, die ihm noch verbliebenen 1000 Euro Lohn seien wenigstens sein, irrt: Davon hat er weitere (je nach Haushaltsstruktur) 300, 400 oder 500 Euro an Abgaben zu leisten.

Klar, wir haben unser Leben so organisiert, daß es "funktioniert". Aber es sollte uns bewußt sein, daß wir 2/3 aller Lebensvorgänge auf den Staat übergewälzt, unser Leben regelrecht aus der Hand und auf anonyme Mechanismen verlegt  haben.* Und es werden mehr, denn die demographische Entwicklung (Pensionen) hat sich das dicke Ende noch aufgespart.

*Dazu nur eine Zahl: Es gab vor Jahren eine Untersuchung, die dem europäischen Sozialstaat eine Treffergenauigkeit in sozialen Notlagen attestierte, die kaum einmal 10 % seiner Sozialausgaben benötigen würde. 90 % wären bzw. waren den Bürgern gar nicht notwendig, und die meisten davon könnten durch private Initiative deutlich kostengünstiger abgewickelt werden. Es gibt außerdem nicht wenige Sozialmaßnahmen, deren Verwaltung alleine mehr kostet, als sich als direkter Nutzen für die Bürger errechnen läßt. Fazit: Der Sozialstaat macht das Leben der Bürger nicht gerechter oder sozialer, er verändert es lediglich. Der Staat drängt sich in die Zwischenmenschlichkeit und zieht sie an sich, um sie neu zu "gestalten". Den wirklichen Hintergrund für den Sozialstaat heutiger Prägung bildet also eine politische Vorstellung, eine Utopie, wie Gesellschaft auszusehen habe. Um sie durchzusetzen, muß man die Menschen nur von sich abhängig machen.

Hier eine Gegenüberstellung der Arbeitskosten weltweit - und dem jeweiligen Nettoeinkommen der Arbeitnehmer.

Quelle: BusinessSpectator



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Geschichtsbetrachtung aus Selbstverachtung

Was sich in der Naturwissenschaft mit Wechselwirkung mit der Philosophie (und sogar: der Theologie, nicht zuletzt im Protestantismus) ausdrückte war das allmähliche Selbsterleben des entgeisteten Menschen in der Gefangenheit (weil Gefallenheit) in die physische Natur. Zunehmend erfuhr sich der Mensch ausgeliefert, der Hoffnung auf Geistigkeit durch die Philosophie zunehmend beraubt. Also kam es in der Philosophie des 18./19. Jhds. zur Ausprägung ganzer Systeme, die diesen Immanentismus (in Kant und Hegel) zu großen Systemen zur Welt selbst erklärten. Gott und das Weltganze "retten" konnten beide Systeme nicht, sie führten ihn quasi als unerkennbares Außen (Kant) hier, als Teil der Welt dort (Hegel) ein.

Gleichzeitig entstanden aus derselben Welt- und vor allem Selbsterfahrung (die nur noch den den Resten der Sittlichkeit der vorgängigen Jahrhunderte gehalten wurde, als quasi zweiter Pol, der manche Radikalität noch verhinderte - auch Darwin konnte sich nicht entschließen, "Gott" ganz aus seinem System zu werfen) weltimmanente materialistische Systeme, die mehr und mehr die Welt zu einem Solipsismus erklärten. Es dauerte nicht lange, daß diese Gedankensysteme sich in der Lebensführung wirklichten, und von dorther nach und nach die Humanwissenschaften durchdrangen. Bis zu einem der Höhepunkte, in der Entstehung der neuen Psychologie, die auch das geistig-seelische Leben des Menschen zur weltimmanenten Mechanik erklärten. Und zwar - weil es das tatsächlich mehr und mehr geworden war!

Was aber alle diese Systeme real übersahen und nach wie vor übersehen ist, daß sich das Objekt ihres Forschens VERÄNDERT. Es sinkt in dem Maß, als diese mechanistischen Ansichten die Menschen und ihre Sichtweisen durchdringen, tatsächlich auf dieses Niveau herab. Und zwar nach wie vor und ungebremst. Was diese Wissenschaften also erforschen und an Erkenntnissen zu Tage bringen ist kein "Wachstum" des Wissens über den Menschen, sondern es ist ein Mitgehen, eine Art "historisches Bestimmen", das mit seinem tatsächlichen Niedergang und Verfall parallel geht. Der eigentlich ein Auseinanderfallen mit Gott IST und dessen Endpunkt nicht ein rein innerweltlicher Mensch ist, sondern das Nichts, der Tod - im Falle des Menschen: die Hölle, die bereits in diese Welt herübergeholt wird.

Wenn also heute historische, vergangene Epochen "untersucht" werden, so trifft das Erkennen darüber immer weniger das, was damals wirklich passiert ist, was damals wirklich gewirkt hat. Sondern geht von einem bereits weit untergeistigen Zustand (wir vereinfachen, um das Auszusagende deutlicher zu machen) aus, um eine noch weit geistigere Epoche zu analysieren. Das muß zwangsläufig zu einem Fehlurteil führen. Und je niedriger wir fallen, desto mehr wird uns die Vergangenheit "schlecht" - was nichts als ein an fremdem Objekt formuliertes Selbsturteil ist!

Das Ablehnen der Väter, das Abschneiden der Tradition, ist also aus dem Ekel über unseren gegenwärtigen Zustand geborgen. Denn jede Wissenschaft ist nach dem Bilde der Zeit geformt, in der sie stattfindet. Sie fördert also auch nur jene Bilder, die sie in sich selbst trägt, und kann schon gar nicht mit berücksichtigen, daß das "Objekt" ihrer Betrachtung sich mit ihnen mit gewandelt hat. Die "relecture" des Wissens der Vergangenheit bringt also in Zeiten des Verfalls - der ein sittlicher Verfall bzw. ein Verfall der Sittlichkeit ist, und insoweit er es ist - nicht die ehrfürchtige Hochschätzung der Väter mit sich, sondern deren ... Verachtung. 

Was deshalb heute die Psychologie - als Paradebeispiel - über den Menschen aussagt, ist keine Wahrheit über den Menschen, sondern wird selbst immer tiefer in den mechanistischen Materialismus absinken. Aus dem bloßen Faktenbild (wir vereinfachen noch weiter, um besser zu zeigen) kann sich die heutige Psychologie deshalb gar kein begründbares "Normalbild" vom Menschen mehr machen. (In der Psychotherapie als wirkende Hand ihrer Theorie hat sie diesen Anspruch ja schon längst aufgegeben, klar, dort merkt man das Unzutreffende ja am ehesten)

Was die (von einer klaren Philosophie und Anthropologie nahezu bereits unbeleckte) Psychologie heute über den (an sich physisch-geistig polar konstituierten) Menschen sagt ist nicht, "wie er ist", sondern wie sich ein gar nicht mehr gekanntes Menschsein zufällig äußert. Aber es ist kein Wesensbild mehr, sondern zufällige historische Beschreibung unter denselben Schatten, unter denen die Forschungsobjekte stehen, oder die sie auf diese übertragen. (Nicht selten funktioniert die Psychologie ja nur deshalb, weil es ihr gelingt, den Patienten ein gewisses starres Welt- und Interpretationsbild einzuflößen, das diese wie entgeistete Zombies weiterleben, aber scheinbar wieder "funktionieren" läßt.)

So, wie die Humanwissenschaft heute den Menschen sieht und durch "Forschung belegt", ist er nicht, und ist er nie gewesen, so ist er nur aus den Fakten selbst erkannte zufällige faktische, historische Lage, aus der es kein Entrinnen gibt. Noch verainfachter gesagt: Wenn tatsächlich zunehmend "Mechanismen" aufgefunden werden, so nicht, weil es diese immer gab oder substantiell "gibt", sondern weil der unfreie Mensch der Gegenwart auf die Stufe dieses Mechanismus abgesunken ist. Und dieses Bild der Unfreiheit wird auf alle bzw. aufs Prinzip übertragen. Ohne zu wissen, daß geistlose Zeiten und Kulturzustände auch den Menschen mehr in die Leiblichkeit drücken bzw. ihn über ihre wesentlichen Wirkweisen nicht in seine Freiheit anzuleiten vermögen.

Oder, als virtuelle dialektische (Hegel!) Gegenwende, um die Freiheit noch zu retten: sie fällt in den Idealismus, das rein Virtuelle also, das meint, alles im Menschen sei ohne Physis rein gedanklich, Wirklichkeit selbst wäre bloßer Gedanke, Flucht in den reinen Schein, begleitet von völligem Relativismus.

Zusammengehalten meist in reinem Manichäismus, der Aufspaltung von Leib und Geist/Seele, die bestenfalls notdürftig (durch Anwendung falscher Methoden auf richtige Fakten) wieder geflickt wird. Sicherstes Zeichen der Unvereinbarkeit von realer, immer noch begegnender Weltwirklichkeit, und der Fähigkeit, diese zu sehen. Weshalb angesichts gewisser unübersehbarer Fakten die Psychologie sich ja vielfach in auffallende Weise schon mit der Esoterik vermischt, um "Wirkung" (und damit die Illusion von Wirklichkeit) wiederzugewinnen.





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Dienstag, 12. August 2014

Wo der Kaufmann zum Lumpen wird

Worin liegt das Unethische des Kapitalismus (schon gar, wo er mit "Markt von Freien" gleichgesetzt wird, das er nämlich nicht ist)? Es liegt darin, daß er davon ausgeht, daß jeder soviel herauszuholen vermag, wie er nur kann. Das heißt nichts anderes, als daß jeder ein Lump sein muß, der seinen Preis, seinen Lohn verhandelt. Weil er die Notlage des anderen abschätzen können muß, um so das maximal Mögliche zu erkennen.

Deshalb übrigens galt der Beruf des Kaufmanns, des Händlers, bis in die Renaissance als unehrenhaft, und als für einen Christen unwürdig. Denn ihn haben nur jene ergriffen, die sich dem ethischen Codex des Christentums nicht gefügt haben. Der verbietet, die Notlage eines anderen auszunützen. Darin gründet auch das berühmte Zinsverbot der katholischen Kirche, denn wer Geld braucht, war in Not, und daraus durfte man nicht Nutzen ziehen, der über eigenen Aufwand (das übrigens begründet gleichzeitig wiederum die Rechtfertigung von Zinsen) hinausging.

Die ersten Kaufleute (und Geldleiher) Europas waren deshalb Außenseiter, Fremde, nicht hier Zugehörige und zugehörig sein Wollende - Ausgestoßene, nicht Gebrauchte (etwa Kinder, die am elterlichen Hof nicht mehr gebraucht wurden, keinen Platz hatten), Menschen die auf Ehre und Stellung im Rahmen der europäischen Gesellschaft keinen Wert legten (wie ... die Juden).

Nachdem der expansive Islam vom 7. bis zum 10. Jahrhundert den natürlichen Wirtschaftsraum Mittelmeer zerschlagen hatte, wo jahrtausendelang sich alles aufeinander abgestimmt hatte, entstanden im 10./11. Jahrhundert die ersten Kaufleute, die genau diese (immer regionalen) Notlagen ausnützten. Und das waren vor allem die Juden, denen auch unter dem Islam noch Handelswege (etwa über Spanien) offenstanden, die Christen versperrt waren. So übrigens kam auch erstmals wieder Geld nach Europa (auf dem südlichen Weg; der nördliche war mehr und mehr der Weg der Vikinger, aus ihrem Byzanz- und Asienhandel, über die belgischen Häfen und Handelsplätze), das in diesen Jahrhunderten auf eine regional beschränkte Naturalbinnenwirtschaft mit Tauschhandel zurückgesunken war.

Hierin liegt das Problem einer Diskussion von Marktpreisen, soweit sie bloß von einer Vereinbarung aus Nachfrage und Angebot ausgehen (sollen). Hierin liegt vor allem nämlich das Problem einer seriösen Kalkulation, die ja die Basis bieten muß um zu ermitteln, was ein Ding kosten "muß", und zwar im Sinne einer fairen Abgleichung von Kosten, Aufwand und gerechtfertigtem, ja notwendigem Ertrag, den der Kunde zahlen muß, will ER nicht zum Ausnützenden einer Notlage (eines unter Verkaufsdruck stehenden Betriebes etwa) werden.*

Wo aber Kapitalismus zum "catch as catch can" degeneriert, wird er zum brutalen Raubsystem.




*Woran sich erkennen läßt, daß viele, ja die entscheidenden, und von staatlicher Autorität noch dazu geförderte Entwicklungen der letzten Jahrzehnte - auch zu Anfang des Kapitalismus in Europa waren es die Zentralmächte, die diese (unethischen) Entwicklungen begrüßten, weil sie die Einhebung von Steuern und Zöllen, und damit erst Machtausübung ermöglichten - prinzipiell abzulehnen sind. So manche "große, erfolgreiche Unternehmer" sind in Wahrheit Halunken, und sonst nichts. Das gehörte längst einmal gesagt, und dringendst öffentlich rekognosziert. Speziell auch dort, wo sich etwa Diskonter um regionale Leistungsgefüge nicht kümmern, und diese brutal aushebeln. Fast die gesamte "Wirtschaftspolitik" der letzten Jahrzehnte, die das ignoriert hat, war deshalb ein Verbrechen, und die Verantwortlichen gehörten längst und schärfstens zur Verantwortung gezogen. Zumal sich heute längst bewiesen hat, worauf diese "Wirtschaftsbereiche" abzielten: die nie auf Nachhaltigkeit ausgerichtet waren, pure Schmarotzer waren (die häufig noch rasch ihre Schäflein aufs Trockene brachten), und GAR NICHT aus sich heraus, das heißt in einer gesunden, natürlichen Wirtschaft (weil nicht "als" solche) ÜBERLEBENSFÄHIG sind.




*120814*

Argumente

Man muß natürlich vorsichtig sein in seiner Meinungsbildung über größere politische Zusammenhänge, denn dem gemeinen Mann stehen nur sehr ausgesuchte Informationen zur Verfügung. Auch die Kenntnis von Personen in den betreffenden Ländern hilft oft nur wenig, im Gegenteil kann es den Blick noch deutlicher trüben. Denn das Abstrakte läßt sich erst erkennen, wenn man von eigenen Interessen absehen kann.

Aber was Vaclav Klaus in diesem Artikel über den Fall Ukraine - Rußland schreibt, deckt sich so weitgehend mit dem hier Vorzufindenden, daß der VdZ aus dem vorhandenen Material schon recht gut gedeutet haben dürfte. Aus dem er lediglich Prinzipien ablas und Vektoren anlegte. Klaus, der gewiß mehr Einblicke hat (und als Präsident der Tschechei hatte) als der VdZ bestätigt das nun noch durch zahlreiche Details. Die der geneigte Leser dort im Wortlaut nachlesen möge.

Die Ukraine, so interpretieren wir Klaus, hat es bis heute nie geschafft, einen stabilen Staat aufzubauen. Wirtschaft und politische Strukturen sind in den zwanzig Jahren seit ihrer formalen Unabhängigkeit nie ausreifend zu einem Staat gereift, das Land ist völlig heruntergekommen und hat keine staatliche Tradition, an die es anknüpfen könnte. Mit dem Konflikt West- und Ostukraine, mit vorwiegend russischer Bevölkerung, zugleich aber dem wirtschaftlichen Schwergewicht des Landes. Und - mit größerer Rußlandnähe. Die Unzufriedenheit, die sich so leichtfertig über demokratische Prozesse hinweggesetzt hat, ist deshalb in der Westukraine beheimatet. Und dort sucht man das Heil in einer Integration in die EU mit starker Anlehnung an die USA. 

Das wollen aber die Russen der Ostukraine aus verständlichen Gründen nicht. Detail am Rande: die offiziellen ukrainischen Soldaten auf der Krim sind nach deren Unabhängigkeitserklärung und (von Rußland angenommene) Bitte um Anschluß an Rußland in Scharen zu den Russen übergelaufen. 

Sie sehen das eigentliche Rußland in relativer Ordnung und mit immer besser funktionierender Wirtschaft, die auch Wohlstand schafft, dastehen. Es hat diese Transformationen seit der Wende wesentlich besser bereits bewältigt, ja hat es sogar geschafft, sich wieder auf der Weltbühne zurückzumelden. Die Dämonisierung Putins durch den Westen ist, so Klaus, nicht Politik der EU, sondern Ablenkungsmanöver um zu verschleiern, daß die EU gar keine Strategie - und schon gar keine Einigung im Inneren darüber - hat. Außer das neblichte und auffällig amerikabezogene Ziel, ihren Einfluß bis an die Grenzen Rußlands zu erweitern. Das gehört aber nicht zu den Zielen etwa der Tschechei, die an einer Verschärfung nicht interessiert sind und Rußland nicht in die Enge treiben wollen. Denn das tut die EU.

Das Argument, daß die separatistischen Bestrebungen deshalb zu verdammen seien, weil sie sich gegen die ukrainische Verfassung richteten, sei schlichtweg hanebüchen. Denn dann hätte es in der Weltgeschichte nie Veränderungen gegeben. Selbst die Tschechei hat ja 1918 gegen die Verfassung Österreich-Ungarns verstoßen. Gesetze haben nur dann Sinn, wenn sie von der Bevölkerung getragen werden. Staatsgrenzen müssen dem Empfinden der Menschen Rechnung tragen. Weicht das Rechts- und Raumempfinden der Menschen ab, werden sie sich über kurz oder lang auch durchsetzen und jene staatlichen Ordnungen suchen, die es befriedigen.

Und dennoch muß man größte Vorsicht anmahnen: Denn was Klaus nicht bewußt sein will (und die Gründe dafür sind evident: er würde seine eigene Legitimität damit in Frage stellen) ist, daß er gefährlich mit der Auflösung des Staatsbegriffs jongliert. Wenn aber Staaten nicht mehr souveräne, respektierte und generell gleichwertige Subjekte des internationalen Handelns (in einem kollektiv geordneten Raum) sind, dann bleibt kein einziges wirklich substantielles Subjekt mehr übrig. Dann löst sich jeder Rechtsraum auf. Und so weit scheinen wir ja längst zu sein: In einem Zuhalten auf Zustände der Gewaltverhältnisse, wie wir sie vor 1500 Jahren in mühsamem Voranschreiten bereits überwunden haben. 

Wo sich die Subjekte als solche selbst definieren, und - eiderdautz - immer kleinere Gemeinschaften werden, bis es nur noch Einzelpersonen sind, und denen fehlt erst recht der Status als gleichwertige Partner. Man kann sich nicht einfach als Subjekt selbst definieren. Wo das geschieht ist die Provokation des anderen notwendige Folge, denn Subjekt bedeutet immer die Gleichzeitigkeit der Gegebenheit DURCH DEN ANDEREN mit. Es ist deshalb nicht zufällig und Symptom, wie widersprüchlich heute schon argumentiert wird, wenn es um Kriterien für Staat und Völker und Selbstbestimmung etc. geht. Hier ist es der Wunsch einer Volksgruppe nach Autonomie der zählt, dort gilt er plötzlich nicht mehr. Hier ist es religiöse Gemeinschaft, dort plötzlich nicht. Hier völkische Merkmale, dort sind sie verpönt. Hier die Forderung nach Staatsauflösung, dort nach Souveränität eines Staates. All das sind warnende Zeichen des Verlusts des Bodens für Recht, das nicht einfach positivistisch gesetzt gedacht werden kann. Aus Pragmatismus, wie Ordnung und Gesetz seit Kant so verkehrt daherkommt, weil es nicht mehr mit den Dingen in Zusammenhang gesehen werden kann. (Kants Vernunftbegriff bleibt ja "blind".)

Es ist der Verlust des Bezugs zu unserer Vergangenheit, daß wir uns nicht mehr vorstellen können und unseren Vätern nicht mehr glauben, was es wirklich heißt, in einem (völker-)rechtsfreien (und substantiell religionsfreien, säkularisierten) Raum leben zu müssen, in dem sich jeder selbst sein Recht verschaffen muß. Denn das ist dann wirkliche Hölle auf Erden, mit der Europa so leichtfertig spielt.




*120814*

Montag, 11. August 2014

Mediale Stimmungsbilder

Angesichts jüngster Nachrichten, nach denen Exxon mit Rosneft ein milliardenschwere Kooperation in der Arktis begonnen hat, faßt ein Leser des Artikels in der FAZ, Thomas Schmidt, die Lage und Stimmung zusammen:

"Es ist an der Zeit die gesamte Kopflosigkeit der deutschen bzw. europäischen Außenpolitik offen zu benennen. Hat irgendwer eigentlich mal Ziele definiert? Also, realistische Ziele, jenseits von Russland und Putin mögen sich bitte in den Staub werfen und zusehen, wie von uns geförderte Kleptokraten ethnische Russen töten? Nein, realistische Ziele gibt es keine. Haben wir wenigstens etwas bei der ganzen Aktion zu gewinnen, unter dem Strich? Nein, haben wir leider auch nicht, weil Russland Europa Rohstoffe bieten kann, im Vergleich zur völlig irrelevanten Ukraine, die auf absehbare Zukunft ein Faß ohne Boden bleiben wird. Nimmt es außer den dummen Deutschen irgendwer ernst? Nein, die Franzosen verkaufen munter schwerstes Kriegsgerät und die transatlantischen Freunde scheinen auch nur Spaß gemacht zu haben. Wie sich die deutsche und europäische Außenpolitik hier haben vorführen lassen, in einer derartig amateurhaften Schuljungenmanier, läßt einen verzweifeln. Alle zurücktreten, sofort!"

Man stelle sich vor, da drängt die USA die Europäer zu Sanktionen gegen Rußland, die diese auch brav beschließen, obwohl ihnen die Hände vor den unausbleiblichen wirtschaftlichen Folgen für sie selber zittern - denn Rußland demonstriert auf fast humorvolle Weise durch Abkommen mit der halben Welt, daß es doch überall Ersatzlieferanten gibt, sodaß sich Europa nur selbst aus Rußland mobbt - und lancieren gleichzeitig riesige Kooperationsprojekte mit eben diesem Rußland. Als hätten sie nur ein Ziel gehabt: ´die EU aus dem Markt zu schlagen, um dann selbst reüssieren zu können.

Da klingt der Vorschlag des ehemaligen EU-Landwirtschaftskommissars Franz Fischler noch wenigstens handfest, der ganz offen im Kurier den Tip gibt, daß man sich angesichtgs der russischen "Gegenembargos" nicht ins Hemd machen solle. Weil doch niemand verbiete, landwirtschaftliche Produkte weiter nach Rußland zu exportieren - man müsse nur einen Schein-Dritten einbauen, am Balkan, in der Schweiz, der dann einerseits die österreichischen Waren bezieht, sie anderseits an Rußland weiterliefert. Und alles geht weiter wie bisher!

Und die Planhaftigkeit der Amerikaner? Die jetzt mal ein paar Flugzeuglein in den Irak geschickt haben, die ein paar Bömblein gegen die islamische Kalifatsbewegung IS abwerfen. Nachdem sie sich wie so oft einfach davongeschlichen haben, weil ihnen das selbst angerichtete Chaos über den Kopf gewachsen ist. Als Musterbeispiel für die vollmundig noch von Bush angekündigte "New World Order", die in Wahrheit heilloses Chaos ist. Dazu bleibt einem ohnehin schon lange nur noch der Mund offen stehen. Denn wer soll, ja wer darf dieses Land noch politisch ernstnehmen (außer der EU), das doch nur noch mit Raketen und Bomben um sich wirft, weil ihnen nichts sonst einfällt? Wer nimmt denen noch ab, daß das was sie so tun und sagen auch nur einen Funken Substanz hat, das heißt: Vernunft, das heißt: die Spannung mit einem objektiv überlegten und solide durchdachten Konzept? 

Sie sind eben, wie Amis sind! Dampfplauderer, reine Stimmungsmenschen. (Und der Leser weiß ja, was das heißt: Stimmungsmenschen, die sich jeden Moment von anderen Anregungen wegziehen lassen, zeigen Lasterhaftigkeit, zeigen eben genau keine Persönlichkeit sondern sind unberechenbar.) Die die Hosen gestrichen voll haben vor Stimmungswolken im eigenen Land, weil ihnen Menge auch Qualität bedeutet. Die gerne und jederzeit zu Spaß und Selbstironie bereit sind, aber denen kein einziges geistvolles Wort entschlüpft, weil sie (das schreibt Hermann Keyserling 1930, bitte) hohl wie Kokosnüsse sind - einfach keinen Geist haben. Deshalb ist es das Land des Behaviorismus, der alles aus den Umständen ableitet. Weil ihnen die Erfahrung von Geist und Freiheit glattweg fehlt.  Solche Menschen aber sind tatsächlich Objekte der Propaganda, und zwar: nur Objekte der Manipulation. Das zeigt die Werbung, das zeigt die Politik, das zeigt die Wissenschaft, das zeigt das verteufelte Internet, das zeigt Facebook's jüngster (bekanntgewordener) Manipulationsskandal. Alles kommt auf einen Nenner heraus: Wie bringe ich die Leute dazu, sich so und so zu verhalten.

Diesmal ist es die Neue Zürcher Zeitung, die diese Tatsache auf den Tisch legt. Selbst in den USA mehren sich die Stimmen die sich lustig über das machen, was die Regierung als Politik bezeichnet, das vor allem von einem bezeichnet ist: von völliger Planlosigkeit. Ist  nicht alles, was die USA seit vielen Jahren machen, ein einziger Versuch, wie ein Halbstarker verhindern zu wollen, daß der Andere entdeckt, daß da gar nichts ist? Haben nicht die Amerikaner nur eine Angst: daß die Welt entdeckt, wie hohl und zukunftsleer sie wirklich sind? Behauptung, Mythos, Legende, Lüge, verbale Aufplusterung und Scheinkonstruktion sind nämlich die typischen Merkmale eines Landes, das schöpferisch tot ist, und bis in die letzten Knochen schlottert, daß man diesen Zustand realisiert.




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