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Donnerstag, 23. Januar 2014

Ferne







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Verschwörung der Unfähigen (1)

Die Zusammenhänge mit dem politischen Willen, Zentralmatura und Gesamtschule einzuführen - um Leistungen zu "standardisieren" - sind zu offensichtlich, um an Zufall zu glauben, wenn jetzt in der Presse eine "Studie" vorgestellt wird, die das (ach wie überraschende!) Ergebnis zum Vorschein brachte, daß je nach Schule bei den Bewerteten ganz unterschiedliche "objektive" Leistungsniveaus mit nominell gleichen Noten bewertet worden wären.

Die Aushöhlung des Lern- und Schulbegriffs im allgemeinen Gedankengut wird in der schwachen Entgegnung auf solche utilitaristischen Pseudoaussagen sichtbar, auf die einzugehen nicht lohnt. Weil die Fragestellung bereits falsch ist.

Denn selbstverständlich können und werden Noten nur jeweils im Rahmen eines ganz bestimmten lokalen sozialen Gefüges erworben wie verteilt. Wo sich eine Schule, eine Gegend, eine Stadt von der nächsten bereits tief unterscheiden kann. Und will man das nicht sogar, wenn man von "Schulautonomie" spricht? Diese Forderung entlarvt sich bereits im F'rühstadium zur bloßen Rhetorik. Niemand will das nämlich.  Was ist eine Schulautonomie wert, wenn gleichzeitig ihr "Ergebnis" abstrakt und verabsolutiert wird? Dann wird Schulautonomie lediglich zum zweckbetonten Wettlauf um Erfüllung bestimmter, genau abgezirkelter Kriterien, sonst gar nichts.

Auch heute weiß man, welche Schule welchen "Ruf" hat. Weiß man, daß die Matura hier einen anderen Stellenwert hat, als dort. Und entsprechend bewertet man Abgänger, auch wenn diese die gleichen Notengrade haben, als zusätzliche Aussage zum persönlichen Eindruck, den nichts ersetzen kann. (Auch den will man ja lange schon eliminieren. Dazu s.u.)

Die Folie, vor der diese Dinge betrachtet werden geht aber von einer Aporie aus: Der Unmöglichkeit, überhaupt menschliche Leistung im Ganzen "zu objektivieren". Das ist mit Gewißheit nur in bestimmtem Rahmen möglich, und auch nur so sinnvoll. Auch im späteren Leben, im Beruf, ist keine solche Leistung möglich, die Flucht in die Mär von der "Objektivität" will lediglich eine bestimmte Leistungsfähigkeit des Menschen - und die ist allen auf eine Weise gleich - ausklammern. Und das ist vor allem die, die mit seinem Sein einhergeht. Eine der schwersten Erkrankungen der Gegenwart!

Um dorthin zu kommen, wo Ludwig von Mises die Wirtschaft im Rahmen einer überbordenden Bürokratie anlangen sieht: In einer Umbildung des Wirtschaftens (als Lebensäußerung) zu einer bürokratischen Verwaltung.

Der Versuch, Leistungen zu "standardisieren", etwa über Zentralprüfungen (Abitur/Matura) für ein Land zu "objektivieren", ist in sich bereits ein Irrtum. Und ist ein Fremdkörper, ein fremder Baustein, der für den weiteren Gang wie den vorherigen Gang schwerste Konsequenzen hat, weil er mit dem Leben nicht kompatibel ist. Um diese Inkompatibilität zu verschleiern, künstlich Kompatibilität herzustellen, wird deshalb eine derartige Prüfung zwangsläufig zu einer radikalen und nicht mehr endenden Senkung des Niveaus selbst nach diesen Kriterien führen. solche Prüfungen werden zu einer "Leistung für sich", Schule verkommt zu einer Vorbereitung auf diese speziellen Bedingungen, und die Aussagekraft von Noten wird zur bloßen Aussage, wie jemand mit diesen Bedingungen zurechtkam. Und erfinden dann derartig haarsträubenden Unsinn wie "Unterrichtsfach Glück - mit Schwerpunkt Persönlichkeitsbildung".*

Das Schlimmste aber passiert, wenn - wie mit solchen "Studien" versucht und gemacht - der Irrglaube weiter genährt wird, daß Schulnoten (an deren Sinnhaftigkeit der Verfasser dieser Zeilen nicht einen Moment zweifelt, die aber interessanterweise jetzt durch Verabsolutierung ein Gewicht erhalten sollen, das sie ja nie hatten, bzw. nur für eben die Versager im hier definierten Sinn hatten!) eine "absolute Aussage über die (intellektuelle) Leistungskraft" eines Menschen überhaupt erbringen KÖNNEN. Der Wunsch dies zu erreichen stammt dementsprechend aus einem Personenkreis, der die entscheidende soziale Kompetenz - die mit sozialen Rahmenbedingungen zurechtzukommen, sich in einem Sozialgefüge einen Platz, eine Identität zu erwerben bzw. zu behaupten (darin enthalten sogar auch das, was man gerne als "Teamfähigkeit" bezeichnet) - nicht hat.



Morgen Teil 2) Die Verschwörung der Unfähigen



*Als "Beweis", wie sehr man doch "das Glück der Kinder" wolle, als Freibrief für eine mittlerweile geisteskranke und geist-erkrankende weil direkt (und mit solchen "Unterrichtsfächern" noch mehr) persönlichkeitszersetzende Pädagogik, und als Argument gegen alle jene, die irgendwann die nächste Stufe der Verunfähigung ganzer Generationen bemerken, denn diese wollten ja "das Glück" nicht. Auf daß endlich stimme, was Jahr für Jahr durch große Transparenten etwa in Klosterschulen kundgetan wird: "Wir haben alle Aids" (=Allgemeine Immunsuffizienz, zur Erinnerung). Auf daß die Debilität allgemein werde.

Dazu vielleicht die Schauspielerin Erni Mangold - es sind halt nicht alle Schauspieler dumm, zumindest nicht die älteren - in einem jüngst erschienenen (lesenswerten) Interview:

Gibt es so etwas wie dauerhaftes Glück?
Nein. Das wäre lächerlich! Das wäre ganz schlecht. Man würde ein blasses Etwas werden, das grinsend vor sich hin lebt. Vielleicht, wenn man debil wird.

Und, weil es irgendwie dazupaßt:

Es gibt die Aura, die bemerkt man sofort, die kann man nicht erkaufen. Man kann nicht alles erlernen. Aber jene, die beim Vorsprechen sehr gut waren, haben sich manchmal als schlecht herausgestellt. Die waren eben einfach nur intensiv gecoacht, da kann man sich täuschen lassen. Es ist auch so, dass die Stars an den Schulen später oft nichts werden. Ich habe dann im dritten und vierten Jahr meistens die Unauffälligen unterrichtet. Aus denen habe ich sehr oft gute Schauspieler gemacht, sie sind es heute noch.





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Mittwoch, 22. Januar 2014

Nachtijall, ick hör dir trapsen

Er wirkt wie eine immer mühsamer verhüllte dräuende Katastrophe - der Bankensektor Europas. Und wer wirklich wissen wollte, wie sich die Wirtschaft entwickelt - der gebetsmühlenartig verkündete "Aufschwung" will nicht und nicht kommen -, der hätte nur genau studieren sollen, wie sich die Banken verhalten - die offenbar selbst so große Finanzierungsschwierigkeiten haben, daß sie jedes Risiko scheuen. Und Kredite so restriktiv vergeben, daß sich das Reden von "Partnerschaft" in der Wirtschaft, die um ein gewisses gemeinsames Restrisiko jeder menschlichen Unternehmung weiß, erledigt hat.

Wenn sich zugleich die Meldungen schon seit einem Jahr mehren, daß selbst Privatkunden Überziehungsrahmen entzogen wird, deren Bonität außer Frage steht, und bisher auch so bewertet wurde, dann wäre es höchste Zeit, sein Geld von den (meisten) Banken abzuziehen. Denn mit denen wird nach wie vor - nach statistischem Mittel, wie immer - gearbeitet, aber offenbar müssen sie bereits nur noch als kurzfristig zu managende Zusatzliquidität fungieren.

Denn wenn Banken schon ihr eigentliches Kapital, auch der Einschätzungen von Risken, die persönlichen Beziehungen zu den Kunden als nachrangig betrachten, nur noch dem Diktat der Liquidität gehorchen müssen, dann heißt das, daß sie um der Selbstrettung willen gezwungen ist, die letzten Reserven in die Waagschale zu werfen. Und damit die Geldmenge reduzieren. Was unweigerlich die Folge einer Reduktion des nominellen Wirtschaftsumfangs hat, wie immer man das bewerten möge. Weshalb die EZB ja längst schon überlegt, wie man die Banken zwingen könnte, NICHT so zu reagieren. Bislang ohne Erfolg.

Denn da widerstreiten populistische Maßnahmen, vor allem aber irrationale Ängste, die dem Mangel an fachlicher Durchdringung und damit an Berechenbarkeit entspringen.

Dazu bringt der Kurier erst jüngst wieder einen Artikel, in dem sich nicht aktuelle Mahnungen ausdrücken, wenn der Kurier das wie fast jede Zeitung auch nicht einzuordnen vermag und deshalb als Instrument von Partialinteressen leicht zu verwenden ist. (Wer nicht im Sein verankert ist, der ist dem aktualistischen Vielfältigen ausgeliefert. Das ist in der Zeitungsbranche nicht nur im Kurier noch schlimmer geworden.)

Graphik: Agenda Austria (zur größeren Darstellung anklicken)
Was freilich der Kurier nicht schreibt, ist das Ergebnis einer Untersuchung der französischen Ratingagentur Fitch. Die ein interessantes Ergebnis brachte: Denn während die Ausleihungen an Unternehmen und Private kräftig zurückgingen, sind die Ausleihungen an Hypothekarschuldner und Regierungen noch kräftiger gewachsen. Dabei, so schreibt die Agenda Austria, gelten genau jene als zum Teil unsicherste Schuldner. Und die gegenwärtige Krise ist vor allem dem Zusammenwirken von öffentlichen oder halböffentlichen Anlegern mit überbewerteten Immobilien zuzuschreiben.

Die Banken sichern also bei Privaten ab, was sie bei Regierungen und Immobilien an Risiko erhöhen. Was schon damit zu begründen ist, daß die Banken durch die segensreichen Regulierungsversuche durch die Politik ihr Eigenkapital nur für privaten Ausleihungen erhöhen müssen, NICHT aber für Kredite an Regierungen. Dort gibt es außerdem höhere Zinsen.

Da bereitet sich etwas vor, da hört man nicht nur das Gras wachsen, sondern da hört man, daß es wirklich wächst. Man darf gespannt sein. Auch, ob man endlich Banken auch in ihre realen Bezüge zurückstellt. Und das heißt: Sie samt ihrem dicht verwobenen Netz von Gläubigern und Forderungen auch die Folgen von Mißwirtschaft austragen, und damit pleitegehen läßt, wenn sie pleite sind. Denn sie sind längst zu den größten Schmarotzern der Volkswirtschaften geworden.* Als Belohnung gewissermaßen, weil sie die Politik ungebrochen finanzieren. Aber auch als direkte Folge politischen Willens, der die Enteignung der Privaten durch die historisch niedrigen, offiziell festgelegten Zinsen betreibt. Während sich die Staatshaushalte ihre benötigen Gelder einfach herbeizaubern.




*Was im übrigen nur möglich war, weil sie wie in Österreich und Deutschland in so hohem Maß einesteils verstaatlicht waren, direkt oder indirekt, anderseits mit der Politik verflochen waren. Die heute nur eines braucht, denn aus mehr als dem besteht sie nicht mehr: Geld.




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Wegmarken (2)

 Teil 2) Zum Strom geworden, an dem die Gegenwart sich wässert





Für Hegel genau nicht: Die Gestalt ist zufällig und unbedeutend, weil der menschliche Geist ohnehin am Allgemeingeist Anteil hat, ja dieser durch ihn sich äußert, Gestalten dafür nur hinderlich sind. Der "alles Erkennende" ist also auch der, der die Gestalt ablegen kann. Er braucht keine "Offenbarung", der Geist ist er selbst, er ist selbst dieser Allgemeingeist, weil alles dieser Geist bzw. aus ihm IST. (Und das ist der Verstand, die Sprache.) 

Die Beziehung der Dinge zueinander ist nicht an der Gestalt entschieden, sondern am neutralen "Dahinter" des Allgemeinen. Damit ist die Menschheit dann an ihrem Ziel (und genau das übernimmt Marx und macht daraus ein politisches Programm**), und sie kann es nur als Ganze weil das Individuum in Wahrheit diesem Ganzen zugehört, wenn sie im Allgemeinen aufgeht, das Individuelle (als quasi Rest des Scheins) erloschen ist, das Allgemeine in ihnen rein zur Sichtbarkeit kommt. Sittlich handelt hier also der, der das Individuelle ins Allgemeine (etwa: Gesellschaft, Staat) auflöst, die weil das Allgemeine darstellend zum höheren und eigentlichen Ich des Einzelnen werden. Je weniger der Einzelne selbst tut (und "denkt", denn nun denkt das Kollektiv, die "Wissenschaft", die Partei als Hort der Wahrheit, wie im Kommunismus vorexerziert) desto förderlicher ist er sich selbst, denn er besteht ja selbst, und besteht NUR aus dem Allgemeinen, es gibt sonst nichts.

Bis hinein in die Entstaltung der Liturgien läßt sich dieser (letztlich) Hegelianismus als Grundzug der Gegenwart erkennen. In der Entstaltung von allem und jedem - in der Psychologie, in der Politik des Zentralismus, in der Pädagogik (des "sich in sich selbst finden"), in der Art zu Wirtschaften (Computertechnik) - wo das Individuelle (das umgedeutet wird: Zum gewissermaßen zwanghaft zu setzenden "Originellen") in die Funktion hinein (und die ist das Allgemeine) aufgelöst wird. Denn das Eigentliche, das dem Menschen Glück und Erfüllung bringen soll, LIEGT BEREITS IN IHM. Er ist sich nur selbst - im Geschichtlichen - ein Hindernis, weshalb die Geschichte als bedeutungslos und zufällig aufzulösen ist, sodaß partikulare Tradition sogar zur Gefahr wird.

Und es ist historisch (wie dann individual-psychologisch) höchst verständlich, daß diese Haltungen und Denkweisen in dem Moment in Vollgestalt auf- und ausbrechen, wo die Eingebettetheit in ein gesellschaftliches Ganzes verlorengeht, die Gesellschaften endgültig (weil schon lange ausgehöhlt) zerfallen - im 19. Jhd. beginnend, im 20. Jhd. endgültig.



**An dieser Stelle wurde bereits versucht, auf die Verschränkung und Vielschichtigkeit der Hegel-Marx-Philosophie hinzuweisen, der Leser möge bitte nachlesen, weil selbst damit natürlich die Komplexität der Konzeption nicht endgültig durchwandert ist. So der Umstand, daß für Hegel wie Marx, bei letzterem aber ohne "Metaphysik", die Marx bei Hegel für entbehrlich hält, der Geist überhaupt im Seienden, also im Faktischen des Historischen, aufgeht, also nie anders als relativ sein kann, was jede Geschichte als Gestalt entwertet und zum bloßen Übergangsstadium mit bestenfalls praktischem Wert - am Weg zur endgültigen Wahrheit - macht.





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Dienstag, 21. Januar 2014

Wegmarken (1)

Stellen wir uns einmal in einem fragmentarischen Umriß wesentliche Unterschiede gegenüber, die sich aus dem Durchsetzen des Hegelianismus - selbst in einer Linie mit dem Nominalismus und Descartes² zu sehen - in der westlichen Denkweise in Gegensatz zur "Philosophie des Hausverstands", dem aritsotelisch-thomistischen Realismus ergeben.

Tatsache ist auch bei Thomas v. Aquin, daß der menschliche Verstand aus den Einzeldingen nur das Allgemeine (aus dem Tätigsein des Verstands) erkennt, im Vergleichen, im Differenzieren. Das Individuelle selbst ist ihm unerkennbar. Es ist (Aristoteles) nur als "to-tein", als Eben-dies erkennbar. Man kann auf es nur verweisen, es selbst bleibt ein Geheimnis. Dennoch ist klar, daß das Sein sich nur dort manifestiert und damit (daraus) erkennbar ist, soweit dieses (geheimnisvolle) Seiende (das individuelle Ding also) überhaut IST.

UMGEKEHRT bei Hegel. Für ihn ist alles Individuelle - weil nur das Allgemeine erkennbar und damit "Geist" ist - eine Täuschung, Schein und Zufall. Es ist also unbedeutend. Damit fällt die reale Bedeutung des historischen Bildes, und das Wesentliche an den Dingen (und für den Menschen) ist ein a-historisches, quasi neutrales "Generalwesen", das dialektisch herauszuschälen einziger Sinn der Geschichte ist (das nur so nebenbei.)

Das hat enorme Konsequenzen.

Für Thomas ist nämlich die Gestalt, die Form das Wesentliche der Erkenntnis, weil ihr Träger, und alles Abstrakte ist ohne sie gar nicht zu erkennen. Der Erkenntnisprozeß ist ein Übergang von Gestalt, über die Wahrnehmung, über die Sinne, der aktive Prozeß dabei ist das Zueinanderstellen (Urteilen) durch das Ich des Menschen, sein individuell geistiger Akt, der ihm ohne reales "Hören" (Offenbarung) damit gar nicht zugängig ist, weil ihm das Licht fehlt, unter dem das Wahrgenommene erkennbar wird. 

Die Welt ist damit ein Zueinander von Gestalten, wo eine der anderen die Botschaft des Seins (das in seiner Ordnung zu Einem wird) damit nur deshalb übermittelt, WEIL sie diese und keine andere Gestalt ist. Nur im Zueinander der Gestalten, aus ihren Beziehungen, offenbart sich das Wesentliche des Seins, und die Geistigkeit des Individuellen entscheidet sich aus dem Selbsttätigsein des Seienden selbst (in gewisser Hinsicht als Sittlichkeit benennbar). Damit ist die Geschichte wesensnotwendiges Antlitz der Erkenntnis, weil sich Sein im Seienden NUR geschichtlich darstellen kann, es umgekehrt kein Geschichtliches gibt, das sinnlos wäre, sondern immer ein mehr oder weniger schwer erkennbares Gesicht der Grundzüge des Seins selbst präsentiert, das sich aber letztlich nur im Respekt der Gestalt gegenüber überhaupt erschließt. Individuelle Erkenntnis ist also ein Gefüge aus Gestalten, die über die sinnliche Erkenntnis sozusagen "in den Menschen" gelangen, einerseits, und von ihm anderseits als sittlicher Leistung ins Eine zusammengeführt werden. Der Einzelne bleibt damit immer aber auch ein Geheimnis des Hier und Jetzt, weil er sich immer auf dieses in seinem konkreten Dasein bezieht, in dem eben alleine sich Sein (das alles Umfassende also) darstellt und verkörpert.*



Morgen Teil 2) Zum Strom geworden, 
an dem die Gegenwart sich wässert


²In ihm äußert sich in dieser klaren Form zum ersten mal Geist auf den menschlichen Verstand alleine bezogen. Das muß man bei späteren Entwicklungen, wie bei Hegel und Marx, im Blickfeld bewahren, um schon gar in einer gerafften Form wie hier deren Konzeption von Geist zu verstehen (oder "mitzuspüren", wie man im Film sagt).

*Wir wollen hier nicht weiterführen, denn natürlich beginnt hier das Problem des Faktischen als Konglomerat aus Sein (im Seienden) und Irrtum (aus individuell möglicher, größerer oder kleinerer menschlicher Verlorenheit ins Viele, das nicht ins Eine geholt ist, der sich dennoch nie ganz vom Sein, an dem er irgendwie noch teilhat, entfernen kann, sonst wäre er gar nicht).





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Weitsicht

Was wir heute haben, ist das letzthinnige Ergebnis des Kluturkampfes, der sich im 19. Jhd. abspielte, und der zugunsten der Moderne ausging. Zahlreiche Schriftsteller, die zu lesen heute mehr denn je lohnt, sind für uns heute noch greifbar. Wenn man sie sucht, und lesen will. 

Es ging um die entscheidende, endgültige Wende in der Sicht der Welt, der Natur und des Menschen, wo sich der materalistische Mechanismus und Funktionalismus durchzusetzen begann. Die Scharfsicht so vieler Künstler und Denker, nicht zuletzt Goethe ist da zu nennen, ist beeindruckend. Wir stehen heute in jenen Sackgassen, die damals bereits in ihren Schreckenskonturen,m die sie in den Jahrhunderten zuvor vorbereitet und angenommen hatten, erkennbar waren. 

Und einer war auch Karl Christian Planck (1819-1880), der die Kulturzerstörung, die sich Bahn brach, erkannte und zur Rückkehr zur gestalthaften Sicht der Dinge als Notwendigkeit aufrief, soll sich nicht das geistige Fundament in die ertraglose, flache Vielheit und Leere des gegenwärtigen Rationalismus auflösen, der auch die Wissenschaft (und dabei v. a. die Naturwissenschaft) zersetzt und zum bloßen Werkzeug der zeitgeistigen Ideologien macht.

Plancks Hellsicht zeigt sich aber auch im Kampf gegen den bürokratischen Staat. Eine Erkenntnis, die aus derselben Quelle - der ganzheitlichen, ontologischen Sicht der Schöpfung - stammt. Zeitlebens kämpfte er deshalb gegen die "kleindeutsche Lösung", gegen den preußischen Nationalstaat, den er so charakterisierte:  

Er ist eine „zentralisierte vielregierende und vielschreibende Staatsmaschine, die fremd gegen den Geist und die innere lebendige Bestimmtheit der einzelnen Gebiete und Verhältnisse von oben herab gleichmäßig über alle Gemeinde- und Provinzialverwaltung, über Kirche und Unterricht, über gewerbliches und bäuerliches Leben übergreift“

Im besonderen kritisierte Planck die Entfremdung der Menschen von ihrer eigenen Daseinswurzel durch die Mutation der Arbeit zur reinen, nur noch monetären Zwecken dienenden "Erwerbsarbeit". Damit hängt seine Forderung nach dem Recht jedes Menschen auf ein Stück Boden direkt zusammen. Wenn Planck schließlich doch den Bogen überspannt, und ein Konzept eines irdischen Paradieses entwirft, das über reines Urbilddenken hinausgeht, die Welt letztlich immanentisiert. Nicht zufällig steht er später Hegel nahe. Und nicht zufällig feiert er in gewissen zivilisationskritischen Kreisen der Gegenwart eine Art Renaissance. Die allesamt, wenn auch aus verständlichem, zum Teil auch richtigen Impuls heraus, das Kind mit dem Bade ausschütten.

Woran es heute regelrecht fehlt ist jene Geisteshaltung, die aus der historischen Dialektik heraussteigen kann, und die Mitte (der Ontologie) noch wahrt. Das macht auch die heutige Zivilisationskritik oft regelrecht zur Gefahr - eines aus dem Überdruß heraus entstandenen, geistig aber nicht richtig gefaßten Archaismus und Anarchismus, der sich selbst (in zahllosen Irrtümern befangen) zu Diktatur, Moralismus (als technisierte Spiegelung des idealen Seins) und Formzerstörung auswächst. Das könnte nur die Kirche leisten, und das wäre ihr historischer Auftrag, den zu verraten sie so tief mittendrin steckt, daß auch ihr das Blutgericht droht, das unsere Kultur sich längst errichtet hat.





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Montag, 20. Januar 2014

Kreisläufte

Es ist doch sehr die Frage, ob es ein Stück Gerechtigkeit ist, die "Sparvermögen" der Bevölkerung anders zu behandeln, als die Schulden der Banken. Durch Einlagensicherungen, oder, wie mancher Vorschlag lautet, durch andere Behandlung durch Herauslösung aus den Aktiva bei Bankenrettungen, die im Prinzip jede Bank zur "bad bank" macht. Denn was sind dann noch ihre Reserven wert, auf denen ihre Bonität beruht?

Aber die Kreise schließen sich nahtlos, und die simpelste "Spartätigkeit" des Otto Maier aus Wuppertal, der zeitlebens am Schreibtisch der Otto-Koch-Kugelwerke arbeitete und brav gewerkschaftlich organisiert war und immer deutlicher mehr verdient hat, als er monatlich benötigte, denn das ist seit Jahrzehnten das Gesetz des "Sparens", schon lange nicht mehr der "Konsumverzicht" (der Zinsen rechtfertigt), hat sich zur Haupttriebkraft auf den internationalen Finanzmärkten entwickelt. Mengenmäßig, aber vor allem auch durch das Verhalten dieser Geldanlagen.

Das zeigt auch das Interview mit Günther Schnabl in der Welt. Der darin die deutschen Exporterfolge relativiert. Denn die daraus generierten Gelder verbleiben zum einen über die Target-Abrechung (die für manche Volkswirtschafter weitgehend Abschreibeposten sind, dieses Geld wird in Deutschland nie realisiert werden können, besteht als Forderung nur auf dem Papier) in den Zielländern, und zum anderen werden erzielte Gewinne ebendort investiert. Alleine in den letzten 10 Jahren hat Deutschland auf diese letztere Weise 1 Billion Euro im Ausland "investiert".

Ach, lehnt sich Otto Maier nun zurück, investiert, das waren also alles die reichen Unternehmer, die ihr Schäflein aufs Trockene brachten?! Mitnichten und -neffen, darf man ihm zuraunen. Die Immobilienblase, die in Spanien, dessen Bankensektor (ähnlich wie in Irland) stark regional organisiert war, so kräftig geplatzt ist, daß es die gesamte Volkswirtschaft ins Wanken brachte, ist maßgeblich von ... deutschen Lebensversicherungen genährt worden. Die auf der Suche nach hohen Renditen Milliarden und Abermilliarden "investiert" hat. Damit in Spanien die Preise trieb, bis sich herausstellte, daß am Realmarkt vorbeigebaut worden war, die Preise abstürzten, und die Kredite notleidend wurden.

Sie haben das mit dem Geld des Herrn Maier aus Wuppertal gemacht. Nicht mit den Millionen der Superreichen. Die, so nebenbei, viel vorsichtiger und umschauender ihr Geld anlegen, als es an Mathematik orientierte, persönlich aber nicht betroffene Versicherungsagenten je tun werden, und schon deshalb in der Krise weit weniger verloren haben, als - diese öffentlichen oder halböffentlichen Pensionskassen und Versicherungen, deren Verhalten sich mit dem der Neureichen* deckt (denn auch die haben mit am kräftigsten verloren.)

Diese Sparvermögen aus allen Krisenüberlegungen heraushalten zu wollen hat ausschließlich populistische Gründe, ist aber volkspolitisch wie wirtschaftspolitisch falsch, ungerecht, und widersinnig. Es zerreißt weitere Zusammenhänge des subjektiven Handelns. Weder ist dieses Geld ehrlicher erworben als die Milliarden der Familie Thiess, noch ist es "unschuldiger" an der Krise, ja, es ist sogar am direktesten schuld daran. Nur sagt das niemand. Weil es den Umverteilungsstaat der letzten Jahrzehnte, und damit die Politik der sämtlich zu Sozialisten mutierten politischen Kräfte in Frage stellen würde. Der den Bevölkerungsmassen Gelder in die Hände spielte, mit denen sie nie umgehen konnten und können, und deshalb wie Diebe agieren und wie Neureiche, denen dieser ontologische Bezug zwischen Vermögen und Wirklichkeit gleichfalls fehlt. Der deutsche Sparer verlor sein Geld an der Costa del Sol und am Peloponnes, nicht am Steinhuder Meer.

Damit wurde die Wirtschaft grundlegend in eine völlig falsche Richtung gedrängt, was sich an der Bildung von Parallelwirtschaftskreisläufen längst erkennen läßt. Wie sich am Auseinanderklaffen der Preisentwicklungen von Artikeln des Grundbedarfs und jenen der Spaßkultur (zur Vertreibung der Langeweile), der sich ein großer Teil der Wirtschaft (und nicht zufällig: vor allem der Finanzwirtschaft) bereits dient, zeigt.

Aber vor allem ist der deutsche Export in hohem Ausmaß purer Kapitalabfluß, in dem sich Realwirtschaft, wirklich erzeugte Produkte, in andere Länder verlagert, während den Deutschen der fragwürdige Buchwert der "Vermögen" bleibt. Während die Güter - auf Pump bei den Deutschen selbst - woanders genossen werden. Das wirkliche Investitionsvolumen in Deutschland selbst sinkt hingegen seit einem Jahrzehnt, und wird durch Sinnlosinvestitionen wie in der Energiewende zusätzlich beschönigt.

Dazu noch ein Absatz aus dem Interview zum Schluß. Er stärkt die obigen Argumente:

Schnabl: Zwischen 2001 und 2013 haben deutsche Anleger netto rund 1500 Milliarden Euro im Ausland angelegt. Viel davon ist bereits verloren. Viel davon werden die Sparer noch verlieren, weil durch die Niedrigzinspolitik der EZB neue Vermögenspreisblasen und Inflation begünstigt werden. Beispielsweise lagen die kumulierten Leistungsbilanzüberschüsse Mitte 2013 bei 1663 Milliarden Euro, das Nettoauslandsvermögen aber nur bei 1201 Milliarden Euro. Daraus kann man Verluste in Höhe von 462 Milliarden Euro ableiten. Würde man noch die sogenannten Target-Salden der Bundesbank hinzuziehen und davon ausgehen, dass das Geld verloren wäre, wäre in einem Extremszenario das deutsche Nettoauslandsvermögen 2011 auf 260 Milliarden Euro geschrumpft.

Man könnte durchaus zur Meinung gelangen, daß die Krisenbewältigung, die vielerorts bereits verkündet wird, lediglich die Übereinkunft meint, sich allgemein frohzurechnen.



*Neureiche tendieren zu zwei Formen der Fehleinschätzung, die sie von generationenlang erworbenem und erhaltenem Vermögen unterscheiden: Entweder zu (auch sehr riskanten) Spekulationen, oder zur Überbewertung von "Sicherheiten", in Form von Immobilien, oder - wie heute sehr gut zu beobachten - Gold. Alte Vermögen sind in der Regel durch große Besonnenheit und dem Wissen um die Relativität von irdischen Werten geprägt. Sie sind nur möglich, was besonders gut beobachtet werden kann, wenn Vermögen sogar über Jahrhunderte bestehen, wie beim Adel, weil die einzig gerechte Form von Eigentum an ihnen zu beobachten ist: Als Akt der Persönlichkeit synchron gehender Weltverantwortung, und damit Sittlichkeit. Es ist kein Zufall, daß sozialistische Staaten vor allem die Erbschaft angreifen. Denn ihre Proponenten kennen keinen gerechten Eigentumserwerb, also schätzen sie diesen auch als Diebstahl ein. Während neureiches, und das heißt auch schnell entstandenes Vermögen (das mit scheinbarem Klassenaufstieg einhergeht) sich nie lange hält. Denn schon der nächsten Generation fehlt es in der Regel an der für Eigentum notwendigen Sittlichkeit. (Und diese hat nichts mit Moralismen zu tun.) Es ist ein historisches Gesetz, daß Zentralismus, Despotie und Neureichentum immer zugleich bzw. im Wechselspiel auftritt.




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Wie wir leben

Gesehen auf everyday_i_show






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Sonntag, 19. Januar 2014

Säule des Volksentscheids

Unser gegenwärtiges Geschichtsbild ist gerade was die Zeit VOR Aufklärung und französische Revolution anbelangt, auf höchst effiziente Weise manipuliert und geändert worden. Nur ist und das nicht bewußt. Und sollte es doch sein. Vor allem in den Vorurteilen, mit denen das Mittelalter bedacht wird, zeigt sich dies.

Denn die sich im Absolutismus ausprägende subjektive Allmacht des Herrschers ist eine pathologische Übertreibung einer Königsmacht (bzw. Fürstenmacht), die es bis ins Mittelalter überhaupt nie gab. Nicht bei den Franken, nicht bei den übrigen germanischen Völkern. Diese Zeit im besonderen hat über weite Strecken Geschichte umgeschrieben, um die Legitimität der neuen Ideen zu beweisen. Und dazu mußte vor allem die Vorzeit umgefälscht, verleumdet und umgedeutet werden.

Zwar ist die Herleitung der Gott repräsentierenden Stellung des Königs uraltes, in seiner Entstehung im Grau aller Vorzeit verschwindendes Rechtsgut als Volksempfinden, aber nie war diese Herleitung aus göttlicher Macht ohne Ausdruck des Volkswillens zu denken. Der König war König, solange er die göttlichen Gesetze befolgte, sittlich einwandfrei war, nicht vorher, nicht nachher. Erfüllte er diese Bedingungen nicht, war er auch nicht mehr König, wurde er vom Volk abgewählt. Insofern stand das Gesetz als Recht auch über dem König, durch ihn regierte Gott das Volk.

Und in diese theokratische Auffassung fügte sich auch die katholische Theologie. Die nicht die Macht um ihrer selbst willen bejahte, sondern aus dem Sinn des Staates herleitete. Der die sittliche Vervollkommnung der Menschen zum Ziel haben mußte. Seine Gesetze mußten diese Sittlichkeit der Menschen befördern und schützen. Taten sie es nicht, verlor der Staat, der Machthaber seine Legitimität. 

Wenn in allen möglichen billigen Machwerken etwa der Filmindustrie ein oft so unsäglich dummes Bild vom Mittelalter als von einer bigotten, machtgeilen Kirche wie gefangen gehaltenes finsteres Zeitalter gezeichnet wird, wie es der Verfasser jüngst in "Die letzte Legion" sah, dann steckt dahinter zum einen Unwissenheit, aber auch viel böse Absicht. 

Denn im Gegenteil, war es die Kirche, die immer, vor allem aber dann in der Zeit des beginnenden Spätmittelalters, 12./13. Jhd., dieses Volksrecht stärkte und schützte. Den Investiturstreit muß man auch und vor allem unter diesem Gesichtspunkt sehen. Ricarda Huch (eine Protestantin) ist sogar der Meinung, daß dort - durch Betreiben der Kirche -  der Grundstein für die freiheitliche und individualistische Verfaßtheit Deutschlands gelegt wurde, die als kaum zu überschätzendes hohes Gut erst durch die selbstherrliche Ausrufung des Kaiserreichs 1871 beseitigt wurde. Auf das die zentralistische Ausrichtung des geschichtlichen Fortgangs Deutschlands, das sich als Nation erfand, in einer Pervertierung des mittelalterlichen Reichsbegriffs im folgenden 20. Jhd. zurückgeht.

Das Element des Volkszustimmung, das bis ins Mittelalter real, später zumindest noch formal lange seine Rolle spielte, bezog sich dabei nicht auf das monarchische Prinzip. Das stand sowieso außer Zweifel (wenn es auch Stimmen gibt, die darauf hinweisen, daß es von Zeit zu Zeit bei den Germanen fürstenlose Zeiten gegeben haben könnte.) Es bezog sich auch nicht auf das Haus, aus dem sich nach und nach das Geschlechts- und Geblütsrecht entwickelte, welches sich aber selbst wiederum auf uraltes Volksrechtsgefühl bezog. Denn ein Volk wollte von Gott regiert werden, also war der Herrscher auch sein Stellvertreter. Niemand wollte von Seinesgleichen regiert werden. Die Volkszustimmung bezog sich aber auf die Person selbst, das Subjekt. Im Befinden, ob sie tauglich sei, die Aufgaben zu erfüllen.  Und die bestand in der erwähnten Garantie, die er auch durch reale Kraft und Macht durchsetzen konnte.

Dieser Pflichtgedanke hinter dem Begriff des Königs (bzw. Herrschers) deckt sich exakt mit der Amtsauffassung der Kirche. Nicht legitimistische Prinzipien rechtfertigen einen Herrscher, sondern seine Vernunftfähigkeit. Volkszustimmung war dabei nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern ausdrücklicher Grundstein seiner Legitimität - "Vox populi vox Dei". In der Stimme des Volkes sprach Gott, das in einem Glauben geeinte Volk urteilte aus einer Gewissenslage.* Die Kirche hat aber im wesentlichen immer die Idoneität vor die Legitimität gestellt, Legitimität (als Geburtsfolge etwa) war nur dort von Bedeutung, wo sie realpolitisch eine Rolle in der gerechten Ordnung eines Staates spielte.**

Dieses Prinzip der Volkszustimmung hat gleichfalls seine tiefen Wurzeln. Denn ein Volk hatte auch stets einen gemeinsamen Glauben, eine gemeinsame Sittlichkeits- und damit Rechtsauffassung. Niemand stand außerhalb der einen Religion. Insofern war in allen auch die Stimme Gottes anzunehmen, und Ausnahmen fielen nicht ins Gewicht. So stammte zwar das Recht des Königs von Gott, aber er wurde nicht ohne das Volks eingesetzt - um ihm dann mit eigenem Recht gegenüberzustehen.

Wie entscheidend dieses Prinzip des einenden Volksglaubens auch in der antiken Verfassung als Demokratie war (die sich nicht nur darin von der heutigen gravierend unterscheidet), ist uns viel zu wenig bewußt. Das Schicksal des Sokrates etwa hat direkt damit zu tun: War die gemeinsame Religion zerstört, wankten die Fundamente eines Volksentscheids.***

Und auf dieser Säule also stand auch die Wahl des Volksfürsten, die einher ging mit der Bereitschaft, den Gewählten in mythische, höhere Sphären zu entrücken, in die er mit der Wahl eintauchte. Was die Kirche übernahm, aus im Grunde gleichem Gedankengut, und in der Königsweihe zum Ausdruck brachte. War der König (Fürst) einmal gewählt, war sein Haus, sein Geschlecht geweiht, und zwar für alle Zeiten. Nicht aber jeder Einzelne daraus.




*Deshalb hat die Kirche auch das Thronrecht Unmündiger bekämpft, auch darin das Volk vor irrationalen Machtansprüchen eines Geschlechts beschützt. Die Thronansprüche unehelicher Kinder - Bastarde - zu verneinen lag hingegen im Schutz der Würde der Ehe begründet, ohne die im übrigen eine staatliche Ordnung zerfällt. Denn der Staat beruht auf jenen ontologischen, zuinnersten Prinzipien, die nur in der Ehe existieren. Ihn anders zu definieren war gleichfalls eine Erfindung der Aufklärung, und darin eine Frucht der Renaissance.

**Das ging im übrigen so weit, daß sich die Kirche ab dem 11. Jhd. auch gegenüber dem Geblütsrecht ablehnend verhielt, und das Wahlkönigtum - auch gegen "legitime" Geschlechtsnachfolger - stützte. Fritz Kern schreibt sogar, daß die Kirche das alte deutsche Dynastierecht regelrecht zertrümmerte. Daß sich in den Lützhelburgern und Habsburgern das Geschlechtsrecht wieder zurückmeldete, hat andere Gründe: im Selbsterhaltungstrieb des Gemeinwesens in der Konfrontation mit den übrigen europäischen Staaten.

***Demokratie schafft nicht Einheit - sie setzt Einigkeit voraus. Andernfalls wird sie zur Diktatur der jeweiligen Mehrheit, und endet unweigerlich im Bürgerkrieg. Es wird im übrigen vielfach übersehen, daß auch die Demokratie in der griechischen Antike (zumindest bis zur Verfallszeit) nur den Wahlvorgang selbst betraf. Einmal gewählt, stand der Herrscher dem Volk in monarchischer Weise vor. Das Bild, das wir heute meist von dieser Zeit haben, führt sich gleichfalls auf die massive Geschichtsfälschung der französischen Revolution zurück.






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Nichts sonst wollen sie

Wenn - in einem privatimen Wort - der Verfasser dieser Zeilen von der gegenwärtigen Generation enttäuscht ist, dann vor allem in einem Punkt, einer Beobachtung: Hier wird nicht mehr protestiert (wie er selbst es kannte), um das System auszuhebeln, sondern hier wird FÜR die Potenzierung des Systems rebelliert. Die Natur des Protests hat sich schon in seinen eigenen Kindern beobachtbar geändert. Des Verfassers eigene Kinder protestieren für ihr Recht, konform zu sein! 

(Und: Sie wissen das gar nicht mehr. Sie meinen, wie so überall beobachtbar, "Neues" zu verlangen - und wollen doch, geistig unfrei, ideologisiert, nur im Dreck des Alten baden. Das das Klima, den Druck der Gegenwart eben ausmacht.)

Die heutigen, sozialstaatsdeformierten, wirklichkeitsfremden Jungen protestieren, um den Zeitgeist, die Beschleunigungsmodule des Faktischen, zu stärken. Ob in Piratenparteien, oder im nur scheinbar anarchischen Hacker-Ensemble, das sich jährlich in Hamburg zum "Chaos Communication Congress" trifft. Auf dem eine überaus befremdende, aber leider so typische Hoffnungshaltung auf die Mechanisierung menschlicher Geistesprozesse auf Computer-Vorgänge neuerlich als Programm verkündet wurde. Wo alle Hoffnung auf solche Computerprozesse, auf "per Computer objektivierte Wirklichkeit", liegt.

Das macht die Jammerei über "Überwachung" zum grotesken und völlig irrationalen Scheingefecht. Freiheit ist in seiner Substanz überhaupt nicht mehr in Begriffsnähe! Zum Zufallsprodukt gerade empfundener Einschränkung unfreier Willkür des Moments reduziert.

Weil sie nur noch eines wollen: Daß das Wohlgefühl, zu dem sie zeitgeistig durch den Geist verrückter Weibischheit verbildet wurden, anhält.

Es ist nur noch erschütternd, wenn die anarchische Haltung als Haltung der Erneuerung zum Willen der Systemkonformität mutiert, sich also nicht auf die Erneuerung des Prinzips sondern auf dessen Zerstörung wendet, die Totalität des Faktischem als System fordert.






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Samstag, 18. Januar 2014

Auf Kosten der Bürger

Wie hier oft genug gesagt - kein Staat hat sich historisch je anders entschuldet, als über Enteignung der Bürger. Und das niedrig gehaltene Zinsniveau der Gegenwart ist genau das: Wer Geld hat und einlegt, verliert. Weil die Realentwicklung auf eine Enteignung hinausläuft. Der Standard berichtet darüber recht profund.

Das vorgeblich gute Unternehmensklima (v. a. in den USA) führt sich auf mathematisch überbewertete (wohin mit dem Geld? Das ist ja längst die Frage: wo verliere ich weniger!) Unternehmenswerte zurück. Das wiederum wirkt sich zudem negativ auf den Innovationsdruck aus, den Unternehmen fehlt es an Wirklichkeit. Die Zahlen stimmen ja?

Einzige Profiteure in dem Spiel: Die Staaten. Um ganze 1,6 BILLIONEN Euro (am Kaufwert gemessen) hat sich die Staatsschuld weltweit mittlerweile reduziert. Die Zuwächse am Unternehmensgewinn, und damit am BIP, sind rein künstlich erzeugt - aus Zinsgewinnen. Wer fremdkapitalisiert ist, profitiert scheinbar. Die Steigerung an Eigenkapital, die durch diese Zinslage zu vermelden ist, ist aber nur dem Zinsgefüge (und der künstlich erzeugten Nachfrage nach Unternehmensbeteiligungen, also Aktien) zu verdanken, in jedem Fall rein buchhalterisch.

Die Staaten sind also regelrecht auf ihre Nullzinspolitik angewiesen. Die Abgaben wachsen nominell, während die Realzinsen sinken. Nur so können die weiterhin wachsenden Staatsschulden noch dargestellt werden, ohne Bankrott zu vermelden.




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Wie wir leben


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Freitag, 17. Januar 2014

Wirklichkeiten

Er spricht ein sehr gutes, sauberes Russisch, der ungarische freie (=fraktionslose) EU-Abgeordnete Bela Kovacs. Was er in diesem schönen Russisch über Realitäten im EU-Parlament spricht ist aber auch inhaltlich hörenswert, und recht plausibel.

Es geht um das vielleicht grundlegendste Problem der Gegenwart - richtige Mittel, auf falschen Voraussetzungen aufgebaut, ergeben auch unrichtige Resultate. Begriffe werden durch nichtverbalisierte Veränderung ihres inneren Bezugs mißbraucht. Die Situation der Schizoidität, aus der nur zu entkommen ist, indem das Wort ignoriert, die Wahrnehmung am Boden der Suche nach Wirklichkeit auf die Dinge selbst gerichtet wird. Sprache kann nur wahr bleiben, wenn ihre Begriffe immer wieder neu geboren - geerdet, erneut verwurzelt - werden. Das wahre Wesen der Lüge ist nicht primär, falsche Begriffe zu verwenden, sondern sie in einen anderen Horizont zu stellen.

In einer schizoiden, wurzellosen Sprache nach "Körnern der Wahrheit" zu suchen, um die Wahrheit des Tuns (und über das Handeln das Sein des Gegenüber) zu erweisen, führt aber zur Verwirrung. Der Hörende muß "sein Gesicht hart machen", und am Sein der Dinge festhalten, nicht am Gesagten. Wer das nicht vermag (und dazu braucht es viel Persönlichkeit weil Spannkraft, Selbsttrage), wer sich auf die bloße Sprechimmanenz einläßt, ist heute schon verloren. Er steht auf diesen kleinen (und ach so bequemen) Wägelchen des "irgendwie oder auch richtig", und wacht eines Tages ganz woanders auf, als er je dachte hinzugehen. Wahrheit ist primär eine Frage des "Einen", in dem alle Ordnung sich birgt, nicht des "Vielen".

Ganz anders als kolportiert, liegt die Chance der Gegenwart im Rückbesinnen auf das direkte (und alltäglichste) Gegenüber der Begegnung von Gestalten. Denn genau in diesen Gestalten (die wir durch Sprachverwirrung nicht mehr wahrnehmen), im zweitwirklichen "als ob", liegt auch ihre tiefe Krankheit.










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Pars pro toto

Vom Ruin der Gemeindekasse in Rosenau-Sonntagberg durch ausufernde Finanzgeschäfte, die Finanzierungsgeschäfte waren, bis die Kredite nicht mehr bedienbar waren, weil sämtliche (reale) Substanz verspielt war, war hier bereits die Rede. Dort regierte (Stahlwerke) seit je die SPÖ. Kaum 15 km entfernt liegt, wie sie bezeichnet wird, die Wiege Österreichs, Neuhofen an der Ybbs. Dort regiert (Bauern) seit je die ÖVP. 

Und nun wird bekannt, daß der zu den Kleinen unter den über 2.300 Gemeinden Österreichs gehörende Marktflecken, die tiefere Heimat des Verfassers dieser Zeilen, gleichfalls 2007 von der Idee geritten war, an internationalen Finanzmärkten ihr Haushaltsbudget aufzubessern*, und 1 Mio Euro eingesetzt hatte.

Das Geschäft ging negativ aus, berichtet jetzt (erst) die NÖN, die ohnehin ein einziger Verrat am Journalismus ist**, und nun liegt die Gemeinde (wie etwa in der um Dimensionen größeren Städten Linz, Salzburg und Wien) mit der örtlichen Raiffeisenbank im Streit. Denn sie weigert sich diese Schulden, die ursprünglich keine sein sollten, zu bezahlen. Sie hat das Geld auch gar nicht, denn der Schuldenstand ist ohnehin groß genug.

2.300 Gemeinden, von 1000 Einwohnern bis zu 1,7 Millionen. Kaum eine hat NICHT spekuliert, ja die Landesregierungen haben über eigene Berater sogar dazu geraten. Man hört nur selten und krasse, oder nicht mehr zu verheimlichende Fälle über die Medien. Milliarden und Aber-Milliarden, die hier an Börsen über Wetten und Spekulationen Hebelwirkungen erzielten, und damit die Krise, an der die Träume von Volksbeglückung und ewig währender Geldflüsse besonders cleverer Politiker, die sich in immer komplexeren Geldbeschaffungsmethoden übten, zusammenfielen, direkt ausgelöst haben. Etwas anderes zu sagen wäre einfach nicht sachgerecht.

Wen will man hier bestrafen, wen einschränken, wenn man von Beschränkungen der Kapitalmärkte spricht? Populistisch verbreitet sind es ja die Reichen, die aus Langeweile und Gewinngier ihre Milliarden verschieben. Wen träfe man damit aber real am schlimmsten?

Tatsächlich ist es nämlich zu ZWEI DRITTELN die Politik, die auf den Finanzmärkten als Agitateur aufgetreten ist. Etwas, das sie nie hätte tun dürfen, aber seit tausenden von Jahren tut. Nun muß - wie immer - die übriggebliebene freie und verantwortliche Bevölkerung, längst auf 40 % reduziert, die Zeche dafür zahlen. Denn wer sonst sollte diese Gelder je erarbeiten? Beamte? Staatshörige? 

Nichts hat sich geändert, die Geschichte zeigt es. Zentralismus braucht Geld. Und zwar NUR Geld. Und er rechnet es sich froh.

Auf wen waren diese Spekulationen abgezielt, von Anfang an, wenn nicht auf die Werkschaffenskraft der realen Menschen? Wer glaubt, daß Geld etwas "für sich" wäre, und macht es damit zu so einem Ding? Sicher nicht der seine Existenz in direkter Verantwortung bewältigende Mensch. Es ist vielmehr die bereits zur Mehrheit gewordene Schichte der Bevölkerungen, die sich als Elite fühlt (90 % der Österreicher fühlen sich als Mittelschicht!), aber absolut keine Ahnung mehr hat, weil es ihr an sittlichender Erfahrung mit der Wirklichkeit der Dinge fehlt, wie etwas von realem Wert aufgebaut wird. Diese Hohlheit des Selbstgefühls der Menschen ist die wahre Gefahr, an der wir auch zusammenbrechen werden, daran gibt es keinen Zweifel mehr.





*Diese Tatsache ist insofern bemerkenswert, als der Vater des Verfassers dieser Zeilen 1945/46 Bürgermeister dieser Gemeinde war. Und er war abgewählt worden, weil seine Gemeindevorhaben - Investitionen in Gemeindebetriebe (Ziegelwerk, überregionales Freibad), die den Ort finanziell weitgehend autark machen sollten - den Bauern zu fortschrittlich waren. Heute wählen die Bauern der Landschaft Politiker, die Geld auf internationalen Finanzmärkten lukrieren wollen. Das erzählt viel über die Veränderungen in der Mentalität.

**Die Niederösterreichischen  Nachrichten (NÖN), zu deren Ursprüngen nach 1945 die Zeitung des Vaters des Verfassers dieser Zeilen gehörte, der (mit seinem Sekretär) in seinem "Amstettner Boten" ein Wochenblatt sehr anderen, freiheitsbetonten Typs gründete, gehören der Kirche. Es gibt kaum eine Zeitung in Österreich, deren Verpflichtung zur Wahrheit so deutlich erkennbar zugunsten einer ideengelenkten, pädagogisierenden "Verbesserung der Menschen" (und das heißt heute vor allem: politically correct) ausgeschaltet ist. Die Lächerlichkeit und nichtige Kleingeistigkeit der regelmäßigen Kolumnen der Chefredakteure sämtlicher Kirchenpublikationen ist ja kaum noch zu überbieten. (Man denke in Deutschland, wo nichts anders ist, an das Schicksal des "Rheinmerkur". Einst einer hervorragenden Zeitung, die gemäß der theologie nouvelle, der Taktgeberin des 2. Vaticanum, zu Tode "gegutet" wurde - bis sie keiner mehr las.) Aber der Verfasser dieser Zeilen weiß aus eigener Erfahrung, daß dies dem wahren Charakter der Kirchenfunktionäre entspricht. Wie meinte einmal Konstantin Wecker? "Nur ned auffallen, dann kannst ned reinfallen."




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Donnerstag, 16. Januar 2014

Unterschiedliche Lebenswelten

Auch in Deutschland hat sich 2013 dasselbe gezeigt, wie in Österreich: Zwar ist die offizielle Inflationsrate sehr niedrig, ja tendiert zur Deflation, aber das hat lediglich mit der Zusammensetzung des Warenkorbs zu tun, aus dem sie sich errechnet. Wer eine bestimmte Lebensweise nicht pflegt, nicht daran teilhat, erlebt etwas ganz anderes.

Das betrifft vor allem die Haushalte mit niedrigem Einkommen, bei denen die Nahrung einen großen Anteil an ihrem verfügbaren Einkommen ausmacht. Und damit auf jeden Fall Familien mit mehreren Kindern. Denn die Grundnahrungsmittel - Milch, Butter, Brot, Zwiebel, Öl, Kartoffeln etc. - sind im Vorjahr in Deutschland um 15-25 % im Preis gestiegen, berichtet die Welt.




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Frau


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Mittwoch, 15. Januar 2014

Leben braucht Gegenstand

Jean-Henri Fabre schreibt in seinen "Erinnerungen eines Insektenforschers", daß in der Insektenwelt auffällt, daß dort, wo die Böden zerklüftet und vielgestaltig sind, ja schwierig, Insekten vereinzelt leben und ihre Brutlöcher bauen, während in flachen ungegliederten Gegenden, mit vielfältigen Transportwegen, Siedlungen und Staaten entstehen. Woraus sich so etwas wie Mentalität als Wesenseigenschaft auch innerhalb von Arten ausprägt. So wie bei der Schlupfwespe, je nach Landschaft, in der sie lebt.

Vereinzelt Lebende integrieren ihre Umwelt in ihre Persönlichkeit, weshalb sich dort auch ein anderer Eigentums- (als Zugehörigkeits)begriff bildet. Dieser erstreckt sich auf die Umwelt.

Eine Beobachtung, die sich durchaus auf den Menschen ausdehnen läßt. Und sich heute vor allem auch an den umgekehrten Erscheinungen erkennbar macht. Der Verlust des Bezugs zur Umwelt, zur Landschaft, ihre Ausschaltung durch Überwindung der Zeit in der Geschwindigkeit, ist begleitet vom Anwachsen der Ballungsräume und Großstädte. Ja die Städte selbst sind Gründungen von Bodenlosen, die die Kaufleute waren. Die die damit fehlenden Bezugslinien durch andersgelagerte Beziehungsbahnen ersetzen, in die sich ihre Handlungsenergie erfließen kann.




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Weiche Erde

Als die Seattle-Seahawks in einem Footballspiel 2013 einen Touchdown erzielen, jubeln die Zuschauer so stark, daß die dortige seismologische Anstalt mehrere Erdbeben der Stärke 2 registriert.





Eingeordnet unter das Tag "Windräder".





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Dienstag, 14. Januar 2014

Es schmerzt

Der König (!) eines Ghanesischen Volkes, im Stammesnamen Cephas, Herrscher über 200.000 Menschen in Hohoe (östlich des Voltasees in Ghana), arbeitet in Deutschland als KFZ-Meister. Und brüstet sich damit, Brücken und noch mehr Brücken über Flüsse gebaut zu haben.

Er heiratete eine (bürgerliche) Deutsche, und begann hier eine bürgerliche Existenz.

Und hat ein paar Brücken schon bauen lassen. Jaja, Brücken sind wichtig, wenn die Überschwemmungen kommen.

Nun wurde er sogar zum König über 2 Millionen ghanesischer Menschen gewählt. Von Stammesfürsten. Und hat dafür eine Webseite eingerichtet. Spendet für eine Schule in Bungubungu!

Sein Sohn, legitimer Thronfolger, hat Betriebswirtschaft studiert und arbeitet bei der Deutschen Bank.

Wer soll Afrika noch ernst nehmen? Sie tun es ja nicht einmal selber. Ein bißchen Geld abgreifen reicht offenbar, um zum spirituellen Führer eines afrikanischen Volkes gewählt zu werden. Wer weiß, vielleicht gibt es ja auch bald mal Einwanderungserleichterungen für die EU. Wer wollte nicht Farbfernseher und  neue iPods? Und Toyotas, vom König selbst gewartet. "Brauch ma noch ein paar Liter Öl? Der Motor ruckelt zuweilen."





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Nationale Mythen

Im oberschlesischen Königshütte (poln. Chorzow), das 1921 trotz 75%igem Votum für den Verbleib bei Deutschland Polen zugeschlagen wurden, gründet einer der Volksmythen der Polen. Und er entstand bei einem Fußballspiel, dem ersten, das gegen den großen Bruder Sowjetunion (mit der Legende Jaschin im Tor) geführt - und gewonnen wurde. 1957 siegte Polen 2:1, und die 100.000 Zuschauer im Königshüttener Naturstadion sangen in Siegesfreude erstarkt erstmals öffentlich die polnische Nationalhymne, als Bekenntnis zur eigenen Nation: Hier war wieder der Geist sichtbar geworden, aus dem das so schwer geprüfte Land seine Existenz rechtfertigt und nährt. Eigentümlich genug: Aus dem 36 Jahre zuvor annektierten Schlesien erstanden in den 1950er-1960er Jahren jene Fußballvereine, die Polen über den europäischen Fußball, über das Außen, Identität gaben.







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Montag, 13. Januar 2014

Zwang zur Enteignung

Es ist immer wieder notwendig, die komplexen Verflechtungen realer Umstände beiseite zu lassen, und Grundvorgänge zu betrachten. Denn so erst werden Grundantriebe erkennbar. Das betrifft vor allem die Geldwirtschaft, deren Komplexität ohnehin von niemandem (mehr) durchschaut wird. Politik wird hier ja längst zum munteren Rätselraten, und zum try and error.

So wird zu wenig davon geredet, daß der aufgeblähte Finanzsektor der Welt einen grundlegenden Motor hat - und der liegt in den rein monetären Sparvermögen. In die sich durch staatliche Garantien für diese Gelder auf komplexe Art direkte staatliche Interessen mischen. Der Sparsektor unterscheidet sich aber grundlegend vom Kreditsektor. Denn während ersterer exponentiell wächst, stagniert bzw. reduziert sich sogar letzterer. Kredite sollen aber die Sparzinsen finanzieren. Das erzeugt eine nicht enden wollende Dynamik zur Geldvermehrung.

Gelder, die eingelegt werden, werden mit Zinsen honoriert. Diese Zinsen werden, im Gegensatz zu Vermögen früherer Zeiten, wo das Dasein als "Rentner" Merkmal der Mittelschicht war, aber nicht konsumiert. Konsumiert, wie es auch Dividendenausschüttungen für Aktien wurden. Die Zinsen der heutigen Sparer, die aus dem Überfluß heraus sparen (denn die Wirtschaftsdynamik lebt geradezu davon, NICHT (wirklich) zu sparen), bleiben liegen. Sie erhöhen dadurch den Kapitalbetrag, und werden im darauffolgenden Jahr als Zinseszinsen berechnet. 

Das Beispiel mit der Drachme, die zur Zeit Jesu eingelegt wurde, ist ja bekannt. Die Differenz zwischen dem Herausnehmen der Zinsen, und deren liegenlassen, ist ja unglaublich und zeigt diese Dynamik.

Aber die Bank muß diese Zinsen und Zinseszinsen verdienen. Und sie kann es nur über Kredite, und tat es zunehmend über Eigengeschäfte, über Anlagen und Finanzprodukte, sie kann es nur über Vermehrung der Geldmenge, die im wesentlichen ein Vorgriff in der Zeit (zukünftige realwirtschaftliche Erfüllungen von gegenwärtigen Leistungsversprechen, die Geld ja darstellen). Dadurch entsteht ein gleichfalls exponentiell wachsender Renditedruck. Denn Kreditvolumina sinken, das liegt in ihrer Natur, und sei es durch Ausfälle. Wer Zinsen nicht bezahlt, wer keine Tilgung zu leisten vermag (also das Kreditvolumen senkt), wird sich nicht lange seiner Spendekraft, die er der Zukunftserwartung verdankt (nicht nur: Hoffnung! Kredite müssen durch möglichst ausrechenbare Zukunft besichert sein, sonst wären sie nach heutigem Begriff nicht verantwortbar) erfreuen. Sie müssen also entweder erneuert (und erweitert), oder/und es müssen andere Gebiete der Renditeerbringung (durch die Bank) erschlossen werden. Der Geldmarkt dieser Art und dieser Charakteristik der Bevölkerung (!) tendiert also aus sich heraus zur Uferlosigkeit.

Der Verfasser dieser Zeilen ist damit der Ansicht, daß vier Jahrzehnte Umverteilungs- und Sozialstaat*, im besonderen mit dem darin begründeten Umbau der Bevölkerungsmentalitäten, eine Finanzkrise zwangsläufig auslösen mußten. Denn in diesen Jahrzehnten kam es zu einer Kumulation von zahllosen (kleineren) Kapitalien, die zur Zeitbombe wurden, weil deren Ertragsversprechen immer unerfüllbarer werden. Diese Dynamik kann gar nicht anders gebrochen werden - als durch periodische Enteignung.



*Der Verfasser dieser Zeilen macht in der Verwendung dieses Begriffs - Sozialstaat - ausdrücklich darauf aufmerksam, daß er von jener Entwicklung spricht, die in Europa ab den frühen 1970iger Jahren einsetzte: Eine Entwicklung zum marxistischen Zentralstaat. Der den früheren Begriff der "sozialen Marktwirtschaft", wie er das Deutsche Wirtschaftswunder ermglichte, wie sie etwa Ludwig Erhard und mit ihm eine ganze Schule von hoch respektablen Denkern meinte, schamlos pervertiert. Immer noch lohnenswert, zur Scheidung der Begriffe sogar notwendig, ist deshalb sein Buch "Wohlstand für alle", das es in wohlfeiler Ausgabe in ständigen Neuauflagen immer noch zu erwerben gibt. Der heutige Sozialstaat in Österreich und Deutschland hat mit der sozialen Marktwirtschaft Erhard'scher Schule so gut wie nichts mehr gemein.




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Wie wir leben


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Sonntag, 12. Januar 2014

Erstaunlich richtig

Der Präsident Boliviens, Evo Morales, muß es ja wissen. Denn er hat schon seit seiner frühesten Jugend das gemacht, was im verrotteten Europa zu einer der Ersatzhandlungen nicht mehr vorhandener Liebe wird - er hat gearbeitet, um zum Brot seiner Familie beizutragen. Er war ein "Opfer der Kinderarbeit", wie es die Dummschwätzgesellschaft formulieren würde.

Völlig richtig sagt Morales, daß die Einbindung von Kindern und Jugendlichen ihr soziales Gewissen bilde. Er selbst sieht sich keinesfalls als Opfer, weil er schon von frühester Jugend an, ja noch in der Kindheit, in einer Bäckerei arbeitete, oder mit 16 durch Straßenmusik zum Haushaltsbudget der Familie beitrug.

Denn eine der schlimmsten Nebenerscheinungen Europäischen Asozialentums, in dem die Kinder nicht allmählich in das Gefüge der Familie hineinwachsen, weil man sie unter einen Glassturz stellt, ist, daß sie ihre eigene Existenz als sinnlos empfinden, weil empfinden müssen. Sie werden ganz real einfach nicht gebraucht.

Deshalb ist das meiste, was an Charaktereigenschaften der gegenwärtigen jungen Generationen sichtbar wird, die typische Erscheinung nihilistischer, gelangweilter, seinsloser (!) Charaktere, die in der Reflexivität in ihre eigene Leere stürzen. Menschen, die keine Ahnung mehr haben, worum es im Leben geht, denen aber über sinnlose "Bildung" ein Instrument der Zweitwirklichkeit aufgepflanzt wird, das sie die Wirklichkeit später kaum noch finden läßt. 

Da lobt der Verfasser dieser Zeilen das Glück einer bescheidenen Kindheit und Jugend, und bewundert diesen Bolivianer. Einer Jugend, in der es aber immerhin auch für ihn so selbstverständlich war daß nicht einmal darüber nachgedacht wurde, daß er ab 15 wenigstens in den Ferien, und bald mit jeder Menge Nachhilfestunden auch unterm Jahr, seinen persönlichen Aufwand bzw. die Kosten des Schulbesuchs, wenigstens, durch oft genug harte Arbeit selbst gedeckt hat, damit der verwitweten Mutter, Bezieherin einer Mindestrente, nicht auf der Börse lag. Taschengeld hat er sein Lebetag nie erhalten. Woher auch. Und wofür.

Heute ruft in Europa die dem verrotteten Zeitgeist verfallene Mutter das Sozialamt zur Hilfe, um der 14. Hose des pubertierenden Jugendlichen, der stets nach dem neuesten Schrei gekleidet zu sein beansprucht, denn von allen Seiten wird ihm eingeredet, er sei sonst "leidender Außenseiter", die Konten des demontierten Vaters per Gesetzesbeschluß zu öffnen, denn er soll sonst doch gefälligst das Maul halten. Mit Versorgungsgarantie bis ins hohe Erwachsenenalter, egal, wie konzentriert man daran arbeitet, oder eben nicht, auf eigenen Füßen zu stehen, um selbst Verantwortung für andere übernehmen zu können. Auf daß dieselben Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein keine Ahnung mehr haben, wozu sie überhaupt auf der Welt sind. Weil konkrete Lebensaufgabe mit Lebenssinn, weil Freiheit mit Verantwortung zu tun hat.

Das macht auch das, was als "Krisenbekämpfung" in Europa die Runde macht, zum sinnlosen Akt sinnloser Menschen. Denn sie versucht nach wie vor - eine Jahrhundertchance der Rückmeldung der Wirklichkeit ungenützt lassend - den Menschen genau diese Wirklichkeit weiterhin vorzuenthalten. Nach der sie doch in Wahrheit gieren. Weil sich dann plötzlich wieder Sinn meldet.

Da hat offenbar ein bolivianischer Präsident mehr Ahnung von der Wirklichkeit und vom Guten, als dauerschwafelnde Päpste vom selben Kontinent, die ihre Ahnungslosigkeit, berauscht vom Schnaps der Gemeinschaft der vertrottelten Sozialromantiker, zu dem die Jesuiten Europas verkommen sind, als Sozialgewissen tarnen, und dabei asozial sind.

Aber der Ruf der Menschen nach Sinn ist nicht immer zu unterdrücken. Die Energie, die sich sammelt um das System zu zerstören, wird immer größer, das steht außer Zweifel. Ihre berechtigten, zumindest verstehbaren Ziele: die Politik, und die (faktische) Kirche als kaum anders mehr zu verstehen als Barriere zur Wirklichkeit, impotent gemacht durch die Gefangenheit in der Zweitwirklichkeit.






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Umkehr der Betrachtungsprinzipien

(Gedankensplitter) Nimmt man einem Faktor in der belebten Natur den Widerstand, so wächst er in Hybris aus, er wird uferlos, als suchte er den Widerstand. Denn es ist der Widerstand, es ist nur der Widerstand als Grundmerkmal der Welt, die eine Welt der GEGENstände ist, und sonst nicht, auf den hin sich jene Kräfte in einem Lebewesen regen, die die Selbstent- und ausfaltung als das eigentlichste Ziel allen Lebens, aber auch als die eigentlichste Kraft des Lebens anregen. Denn alles, was lebt, lebt in gewisser Weise "aus sich", sodaß sich im Menschen die allerumfassendste Autonomik findet, denn er lebt aus dem Geist, wurzelfrei, wenn auch nicht wurzellos.

In diesem Gesetz steckt eine regelrechte Umkehr der Betrachtungsprinzipien, wie sie in der derzeitigen Naturwissenschaft herrscht. Und wie sie sich bis zu den Erziehungsprinzipien, dem (cit. Doderer) "Förderwahn" der Gegenwart ausdrückt.

Der nämlich davon ausgeht, daß alles auf eine neutrale Art seine Wuchsrichtungen in sich hätte. Dies trifft aber nur auf einen strukturellen Bauplan, auf strukturelle Prinzipien zu - als Analogien geistiger Wesensgesetze, die allem zugrundeliegen.

Tatsächlich aber ist es der Widerstand, die Gegenständlichkeit der umgebenden Welt, die diese Prinzipien zu konkreter Fleischlichkeit resp. Dinglichkeit treibt. Es sind die übernommenen "Dinge", aus dem Einander-Zuneigen der Schöpfung, Bestandteile, die im Selbstwachsen der Dinge integriert und in einen neuen Sinnzusammenhang gefügt und - vom anorganischen ausgehend - überhöht werden. In einer Verwandlung, die ihren tiefsten, ersten Ursprung im Licht hat.

Um das Gesagte konkreter zu machen, ohne es weiterzutreiben: Wenn also beobachtet wird, daß in den Alpen die Wuchsgrenzen sich höherschieben, so ist die Ursache dafür nicht "in der Erwärmung" zu suchen, in "idealeren Bedingungen", sondern im Übergreifen normalerweise tiefer wachsender Pflanzen (Lebewesen) auf veränderte Bedingungen, die sie im Widerstand wieder mehr zu sich bringen, diese Selbstheit damit stärken.

Das würde auch die rhythmische Veränderung der Wuchsbedingungen erklären, die historisch nachvollziehbar sind, im nachvollziehbaren Verschieben der Wuchsgrenzen und -höhen, samt der folgenden bzw. zu diesem Ganzen, in dem sich alle diese Entwicklungen vollziehen, gehörigen Tierwelt. Denn Tier- und Pflanzenwelten sind gleichermaßen aufeinander hingeordnet. Wobei sich im Zuge dieser Veränderung auch das Kleinklima wandelt. Jene Umgebung, übrigens, in der dann auch die Meßstationen stehen.

Zumal es immer die Peripherien sind, in denen sich (in diesem Sinn:) Anpassungswandel vollzieht. Jene Peripherie, in der sich das Schicksal der Gestalt entscheidet, ja zum Weltschicksal WIRD.

Tier- und Pflanzenwelten sind sogar mehr, meint eine morphologische Schule um Hans André - sie sind im analogischen Sinn Pole. Wo die Pflanze die Ausbildung des Vertikalen bedeutet, in der sie Bindeglied zwischen Sonne und Erdhaftigkeit bedeutet, erster in letztere umwandelt - einschichtet - und damit Grundlage aller Lebewesen wird, in einem ständigen Pendeln zwischen Erde und Licht (in der Blüte), zwischen Gestalt und Auflösung der Gestalt. Während die Tierwelt horizontal ausgerichtet ist - sich innerhalb dieser Erdhaftigkeit bewegt. Und erst der Mensch diese Gesamtheit im Knotenpunkt beider Richtungen in sich faßt.

Zwar ist die Natur, ja die Welt ein Stufenbau, aber nicht im simpel linearen Sinn, wie es der Evolutionismus mißdeutet.

Nicht jedes Wachstum ist eine Wesensentfaltung eines Organismus bzw. einer biologischen Ganzheit. Eine Betrachtungsweise, zu der nur eine mechanistische, physikalistische Sicht kommt, die aus abstrahierten Vorgängen Grundgesetze konstruiert, die auch das Wesen der Dinge sein sollen. Aber es ist dieses Wesen, das den Dingen ihre Gesetze und Antriebe gibt. Nicht eine reduzierte Mechanik.
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Samstag, 11. Januar 2014

Was wirklich ist

Man muß (und darf) nicht in allem zustimmen, was Philipp Blom als die Genese des Ersten Weltkriegs sieht, indem er die Zeit vor 1914 als kulturelles Fazit charakterisiert. Aber die Art, Geschichte verstehen zu wollen, setzt richtig an. Und im Gegensatz zu so vielen Dokumentationen, die vorgeben "neutral" zu bewerten, dabei aber nur auf oft genug dümmliche Weise verschleiern wollen, woher Muttern ihre Milch macht, macht Blom keinen Hehl daraus, daß Geschichte nur von ihrer wirklichen Wirklichkeit her verstehbar wird.

Daß also alle Frage um die Wahrheit der Gegenwart, die nur aus der Geschichte her verständlich ist, aus dem Begreifen der Phänomene, der Gestalten der Vergangenheit möglich ist. DAS macht diese Universum-History-Dokumenation "Der taumelnde Kontinent" sehenswert, die in der ORF-TVthek nachgesehen werden kann. Denn erst auf dieser Ebene kann man über Wahrheit oder Unwahrheit in der Geschichte diskutieren. Und da gäbe es zu dieser Sendung genug zu sagen, denn letztlich fehlen den Interpretatoren, fehlt Blom der weitere Horizont. Gerade in gegenwärtig neurotisierten Fragen, wie jener der Frauen und ihrer Rolle, ist das erkennbar. Aber sein Buch (gleichen Titels wie der Film) ist lesenswert, knüpft sogar auf eine Weise an Interpretationen etwa von Modris Eksteins an, die an Plagiat anmuten. Und Blom fehlt der wirkliche ontologische Horizont. 

Leider. Sein Buch hat seinen Wert also zuerst aus dem Modus des Aufbegehrens des Jugendlichen, der einfach mit dem Gegebenen nicht einverstanden ist, dagegen opponiert. Aber Blom bricht nicht wirklich neue Bahnen auf.

Er weiß nämlich nicht, daß eine Zeit aus der Gesteinsbildung ihrer geistigen Bewegungen auch "Strömungen" der Sichtweisen, nicht zuletzt als Formen der Sprechweisen hervorruft, die etwas wie una voce evozieren. Denn alles, was "eine Zeit" tut oder denkt ist Aussage, es ist nur eine Frage, welche Aussage es denn nun ist. Und damit sind wir bei zutiefst ontologischen, metaphysischen Fragen. Das macht die Blom'sche Interpretation oft hinterfragenswert. Wenngleich wahr bleibt, daß Geschichte zu interpretieren ist. Nicht weniger als die Gegenwart, zu der uns aber jede Distanz - Zeichen der fehlenden Interessehaftigkeit allen Forschens, das heißt: daß das Forschungsergebnis figurales Gewicht in der Gegenwart hat - fehlt, weshalb sich aus der Gegenwart heraus, in die wir alle involviert sind, geschichtlich absolute Bedeutung praktisch NIE erkennen läßt. Der Gegenwartsmensch kann das, worin er involviert ist, nie in seiner Gültigkeit über die Zeit hinaus erkennen, sobald er figural eingebunden ist. Und sei es, daß er akademische Anerkennung möchte.

Jeder Mensch, wer immer er sei, was immer er tut, ist aber mit derselben Grundfrage konfrontiert, in der sich je nach persönlichem Sittlichkeitsstatus das tiefste eigentliche Geschehen wiederspiegelt: Wo sich die Abwandlung des Allgemeinen in seinem Persönlichen, in seinem Individuellen, ausdrückt und zeigt. Tiefste Geschichtsinterpretation, die in nucleo alles enthält, ist also immer die Konfrontation mit der Frage nach dem Sein, nach dem was wirklich IST, nach ... Gott.






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Freitag, 10. Januar 2014

Der Schwanz wedelt mit dem Hund

Ein sehens- und hörenswertes Statement von Dirk Müller im Deutschen Bundestag - "Warum lassen wir uns von High-Frequency- und Computertechnik das gesellschaftliche Tempo vorgeben?" Zu meinen, solcher "Handel" wäre kontrollierbar, ist illusorisch. Das Tempo, bezogen auf reales Geschehen, ist viel zu hoch. Die Preisfindung am Aktienmarkt ist damit abgekoppelt von der Realwirtschaft. Die Sekundärwirtschaft, die reine Geldproduktion, ruiniert die Primärwirtschaft.







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Marginale Gemeinkosten unserer Lebensweise

Schon vor einem Jahrzehnt war der Verfasser dieser Zeilen als Controller und Quality Assurance Manager bei einem Hersteller von Produkten beschäftigt, die man im Alltag kaum wahrnimmt. Die aber Milliardenumsätze zu einer Zeit liefert, wo solche schlichten Basisprodukte in einem scheinbaren Widerspruch zur Hochtechnisierung und Virtualisierung des Geschäftslebens stehen: mit einer hauchdünnen Silikonmischung beschichtete Papiere, die chemisch fein abgestimmt auf die vielfältigen Kleberzusammensetzungen und Abzugsnotwendigkeiten der Etiketten diese tragen, um dann abgezogen und entsorgt zu werden.

Ähnliches gilt von der Beschichtung des Papiers der Etikette selbst mit thermisch reaktiven Substanzen, um die Druckverfahren, die in großem Stil vom Tintenauftrag auf ein Einbrennen übergegangen sind, zu ermöglichen.

Beides: Reine Wegwerfprodukte, deren Kostenanteil sich in der Herstellung pro Stück oft im Milli-Cent-Bereich bewegt, die aber durch die so weitgehende Umstellung auf Aufklebeprodukte - man denke nur an die Post, an die rasende Zunahme der Bedeutung von Etiketten* in allen Lebensbereichen, die man auf den ersten Blick gar nicht wahrnahm - einen Boom erleben. Beschichtung von Papier (und die Herstellung von Etiketten) ist ein äußerst florierender und riesiger Produktionsbereich geworden.

Einen ähnlichen Boom erleben die Hersteller von schlichten Pappkartons, die Welt berichtet darüber. Auch hier geht es ja nicht einfach um Kartonerzeugung (mit dem "Gewinner" Wellpappe), sondern um Anpassung an die Verwendungen durch Beschichtung, Konsistenz und Falttechnik. Die enorme Zunahme des Versandhandels (über Internet ausgelöst) hat den Bedarf nach Versandkartons** nämlich explodieren lassen. In ganz Europa werden Produktionskapazitäten erweitert, neue Fabriken gebaut. Ein Zusammenhang, an den man nicht gleich denken würde. 18.000 Mitarbeiter beschäftigt diese Branche.

Schon erzählt hat der Verfasser über sein Staunen, mit dem er eine Aussage eines Papierproduzenten aufnahm, der bei einer der in der Schulzeit noch erlebten Exkursion in eine Fabrik meinte, daß Papier und Fahrzeugindustrie leicht gegenläufige Zyklen, aber direkte Abhängigkeit hätten. Jedes (!) Auto benötige bzw. verschleiße, bis es den Verkaufsraum erreicht 100 Kilogramm Papier. Auch an solche Zusammenhänge denkt man nicht. Erlebt die Autoindustrie Einbrüche oder Höhenflüge, so segelt in ihrem Schatten, zeitlich leicht versetzt (Entwicklung!), die Papierbranche.

Und die wirkt sich direkt auf das Holz (oder, wie beim Bambus bzw. zellulosetragenden Holzadäquaten) weltweit aus. Denn das europäische Papier besteht aus Kostengründen bereits zu hohen Anteilen aus Zelluloseplantagen etwa in Afrika.

Wie man diese Umstände, reine Fakten, bewertet, steht freilich auf einem ganz anderen Blatt Papier geschrieben. Als Faktor, der im Produktendpreis kaum eine Rolle spielt, der in der Kalkulation so gering ist, daß er summarisch meist nur unter die prozentual ohnehin niedrigen "Materialgemeinkosten" fällt. Der alleine bei Karton sich in der Herstellung bereits auf 5 Milliarden Euro Umsatz kumuliert, in Deutschland, bei jährlichen Zuwachsraten von 15-20 %. Der sehr reale und handfeste Auswirkungen hat, die kaum direkt mit dem Produkt, viel aber mit der Art es zu handhaben zu tun haben.



*Ein schönes Beispiel übrigens für die direkte Wirklichkeit rein geistiger Grundzüge einer Zeit. In einer Zeit, wo die persönliche Wahrnehmung immer weniger Rolle spielt, wird - rein faktisch - die Etikettierung von allem und jedem immer bedeutender. Denn die Erkenntnis der Dinge geht hier nicht mehr über die sinnliche Erkenntnis, die im Ding, im Objekt, im Produkt selbst liegt, sondern über seine verbale Beschriftung.

**Hier Analogieschlüsse zur Veränderung des Umgangs mit den Dingen zu ziehen sei dem Leser überlassen. Denn sie sind zahlreich. 




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Donnerstag, 9. Januar 2014

Recht wird zur Formaltechnik

Die Nachricht könnte fast untergehen, weil ihre Tragweite und Tiefe kaum noch begriffen wird. Aber der Oberste Gerichtshof in Österreich hat nun festgestellt, daß die sexuelle Zuwendung der Partner nicht für den Bestand einer Ehe ausschlaggebend ist. Ein entsprechendes Begehren eines Leidtragenden, der unter der diktierten Enthaltsamkeit der Partnerin litt, der schon vor der Hochzeit körperliche Nähe unerträglich war, beide hatten aber gehofft, daß sich das "legen würde",² wurde abgewiesen, die Ehe ist rechtlich gültig, wird nicht annulliert, weil rechtlich von sexuellem Vollzug unabhängig.*

 "Sexuelle Gemeinschaft ist kein zwingendes Merkmal einer Ehe," schreibt der Oberste Gerichtshof dazu. Und um diesen Satz vor allem geht es.

Wenn dem nämlich so wäre, würde die Ehe auf eine reine legistische Vertragswirklichkeit reduziert, ihr Wesen mißdeutet. Denn sie ist in ihrem Wesen auf die wechselseitige Hingabe, die Überschreibung der Leiblichkeit an den anderen, gekennzeichnet. Ja, das macht als Grundbewegung das Wesen der Ehe aus, und in diesem "einander sterben" bildet die Ehe die Grundlage für neues Leben.**

Aber mit der sukzessiven Aufweichung der Ehe, ihrer "Öffnung" für reine Vertragswirklichkeit (wie bei homosexuellen), schwindet natürlich dieser ihr eigentlichster Boden. Und so erleben wir erstmals die volle und erschütternde Wirklichwerdung dieser Umdeutung. Denn fehlt einer Gesellschaft diese Hingabe, fehlt ihr der Boden für die Liebe und das Leben, wird sie zu einem Formalvollzug von Funktionen.

Da scheint ein anderer Artikel in der Presse das Bild über die Veränderung der österreichischen Justiz zu ergänzen. In welchem der Salzburger Strafrechtsprofessor Kurt Schmoller dem Obersten Gerichtshof vorwirft, das Recht zunehmend auf reine Formalgründe zu reduzieren, ja mündliche Verhandlungen zu vermeiden, in denen umfassendere Kriterien zum Tragen kommen könnten. Die eigentlichste Aufgabe aber, die solche eine Instanz hätte, nämlich Maßstäbe für eine einheitliche Rechtsauslegung zu setzen, die sich nicht auf Formalien begrenzen darf, sondern die Dinge auf ihren tiefsten Grund befragen muß, wird immer weniger erfüllt. 

Der OGH ziehe sich auf formelle Argumente zurück - "methodengerechte Begründung" - ohne die "materiellrechtliche Begründung" noch zu prüfen, diese wird offen gelassen, gar nicht mehr behandelt. Der Oberste Gerichtshof mache sich so zum reinen Überprüfungsinstrument des Handwerks der Rechtsanwälte, ohne auch nur der Frage nachzugehen, ob das Formalrecht sich ohne Materialrecht überhaupt ausreichend definieren lasse. Dem entspricht ein beobachtbares Zurückweisen von Zuständigkeit und Kompetenz gerade in inhaltlichen Fragen.

Damit fällt auch das Prinzip der Gerechtigkeit, das aber dem Wesen des Rechts zugrundeliegen muß. Gerecht ist dann nur noch, was in gewissen Hinsichten der Rechtstechnik formal ablesbar ist.

Auf obiges Thema angewandt: Der OGH prüft gar nicht mehr das Wesen der Ehe, das ist ihm irrelevant, um ihren Rechtsboden zu definieren, sondern geht ausschließlich von der vorgefundenen formal-juristischen Handhabung aus. Weil sich diese aber durch die Rechtsentwicklungen der letzten Jahre vom inneren Wesen der Ehe abgewandt hat, etwa durch die Handhabung der Scheidung oder des Trennungsrechts (man nehme nur das in der Praxis bereits vollzogene Fallen des Verschuldungsprinzips, im Volk durch den sehr dummen Satz bereits angekommen, nachdem zu einer Scheidung wohl "beide dazugehören"), es durch die Ausweitung auf alle möglichen Lebensformen auf ein rein juristisches Vertragswerk reduziert hat, das sogar ausdrücklich ihre Wesensdefinition ausschließt, erhält die (einzig mögliche) Ehe (von Mann und Frau) selbst ein Rechtsgewand, das ihrer Natur gar nicht mehr entspricht.



²Naturrechtlich lag also von beiden Seiten kein Einverständnis zu einer "Josefsehe" (ein Sonderfall der Ehe, der Sexualität nämlich nicht "ausschließt", sondern auf ihre höhere Ebene stellt, weshalb eine Josefsehe äußersten geistigen Hochstand, dem Zölibat gleich, der im Grunde eine Form der Josefsehe ist, erforderte) vor, sowie keine Bereitschaft, den Fall einer "Nichtbehebung" dieses (psychischen) Defekts zu tragen. Beide sind also von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Die Ehe war kirchenrechtlich also höchstwahrscheinlich (man müßte den Fall bzw. die jeweilige Gewissenslage natürlich genauer kennen) nie gültig geschlossen.

*Nach Kirchenrecht hat eine solcherart "nicht vollzogene Ehe" die Möglichkeit, über einen entsprechenden Antrag an der Rota Romana aufgehoben zu werden.

**Darin gründet ihre notwendige Offenheit für Nachwuchs - einer der Gründe deshalb, die eine Eheannullierung als Konstatierung einer nie gültig geschlossenen Ehe vor Kirchengerichten bewirken können.



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