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Samstag, 20. Juni 2015

Kerneigenschaften des Lebendigen

"Ganzheit läßt sich nicht abstrakt verwirklichen. Verwirklichung heißt Konkretisierung. Konkretisierung der Ganzheit aber [...] ist nicht direkt, sondern nur in den Wesenseigentümlichkeiten der organischen Natur möglich. Damit der in Fall II [...] angegebene Sachverhalt* mit den Bedingungen raumzeitlicher Dinglichkeit übereinkommt oder wirklich werden kann, muß das raumzeitliche Körperding die Eigenschaften des Lebens annehmen. 

Eine derartige Deduktion der Kategorien oder Modale des Organischen - wohlgemerkt nicht aus dem Sachverhalt der Grenzrealisierung,** denn den gibt es ja für sich nicht, sondern unter dem Gesichtspunkt seiner Realisierung - bildet den Zentralteil der Philosophie des Lebens. [...] Von Panlogismus und Rationalisierung der Kategorien darf also nicht gesprochen werden, wenn es gelingen sollte, das Leben in seinen wesentlichen Erscheinungen als die Reihe der Bedingungen nachzuweisen, unter welchen allein eine Gestalt Ganzheit ist."


Helmuth Plessner, in "Die Stufen des Organischen und der Mensch"


*Plessner meint damit das Ergebnis seiner Analyse, aus der heraus er nachweist, daß das eigentliche Merkmal des Lebendigen nicht, wie oft angegeben, die Selbstregeneration einer Ganzheit oder die teleologische Entelechie (auch in der Selbstreparatur) ist - das alles ist kein zwingendes Merkmal des Lebendigen, es läßt sich auch im Anorganischen nachweisen (man denke nur an die Kristalle, oder die Benetzung eines von Quecksilber umschlossenen Gegenstands, der zerbrochen wird, woraufhin sich um jedes Bruchstück die Quecksilberdecke wieder schließt, oder an elektromagnetische Eigenschaften, etc. etc.) - das führt zu falschen Rückschlüssen! 

Es ist vielmehr der Umstand, daß eine lebendige Gestalt seine Grenzen VON EINEM INNEREN GANZHEITSPRINZIP HER selbst setzt, aufrecht hält, sodaß also seine Grenze von ihm selbst definiert wird, weil seine Grenze zu seinem Wesen gehört. Wo ein Lebendiges seine Grenzen (etwa durch grenzenloses Wachstum) überschreitet, also seine Grenze von innen her nicht setzen kann, stirbt es (man denke an Krebs; Anm.), ist es entartet und nicht lebensfähig. Genauso wie dort, wo es bestimmte Grenzen (bzw. Größen, auch im Sinne von Gestaltreife) nicht erreicht (man denke an einen Keimling, oder an einen Embryo; Anm.)

Das Lebendige hat also nicht nur dort Grenze, wo es durch ein begrenzendes Außen, ein "Gegen-ständliches" in einer Gestalt gehalten wird. Was lebt, hat immer diese Tendenz. Das Anorganische - vereinfacht gesagt - erhält also seine Grenze vom Lebendigen, wenn sie aufeinandertreffen. Das Lebendige aber hat seine Grenze aus seiner Innerlichkeit heraus.

Das betrifft natürlich auch die Bewegung: man denke etwa an den einfachen Akt des Hebens eines Arms, um etwas zu ergreifen. Es ist eine konkrete, eingegrenzte Gesamtbewegung sämtlicher physiologisch beteiligter Teile (wenn nicht sogar des ganzen Körpers), nicht eine fortgesetzte Bewegung von einem räumlich entfernten Zentrum her, das sich mechanistisch-linear über Schulter und Ellenbogen auf Hand und Finger fortsetzt. Das sich aber durchaus anorganischer Verhältnisse bedient (das Blut etwa muß einen Weg zurücklegen, sonst wäre die Hand nicht integrierbar; der Mensch oder das Tier oder die Pflanze muß sich Nahrung zuführen, die sogar ins Anorganische im Verdauen zerlegt werden muß, sonst kann sich nichts bewegen), ja die Innerlichkeit setzt diese sogar bereits voraus. Wenn es auch innerhalb des Organischen klare Stufen gibt, deren höchste die Geistbegabung beim Menschen ist. Nicht einmal die Phantasie, denn auch ein Tier ist täuschbar oder träumt sogar, hat also eine gewisse Vorstellungsbegabung, aus der heraus es sich bewegt, wenn diese auch immer bedingt, nicht frei ist.

Eine lebendige Bewegung trägt also den Charakter einer Erfüllung eines vorausgehenden Zieles. Die Form des Lebendigen geht also der faktischen Form (Gestalt) voraus, hebt sich ab - auf ein Erfüllungsziel hin. Sie hätte auch anders sein können. Die anorganische Bewegung hingegen IST immer auch ihre Form bzw. Bahn. Lebendiges behauptet Raum, es füllt ihn nicht nur aus.

Das Lebendige ist also das, das sich zu seiner Grenze aus seiner Innerlichkeit als Ganzes verhält. Es ist dem Angrenzenden gegenüber, und besitzt den Übergang selbst. Ja, am Verhältnis zu seiner Grenze läßt sich Lebendiges vom Nicht-Lebendigen unterscheiden. Es ist prinzipiell nur erschaubar, nicht "meßbar". Es ist gleichermaßen über sich hinaus - und darin, als Gestalt, im ständigen Werden (als "Bleiben"), in sich hinein. Sein Sein hört nicht an der faktischen Körperlichkeit auf (wie beim Anorganischen), sondern das Lebendige ist immer "angehoben", über sein Faktisches hinausgehoben.

**Das bezieht sich auf den Umstand, daß zwar alles Dingliche eine Grenze hat, daß es diese Grenze aber "nicht dinglich gibt". Sie ist, sie ist sogar wesentlich, hat aber kein direkt feststellbares, dingliches Sein, sondern ist "im Ding", ja sogar in dessen Innerlichkeit "als Ganzes". Denn ein Ganzes als Dingliches gibt es nur in einer Grenze. Beim Lebendigen kommt noch etwas hinzu: Denn auch bei Deformation, bei Unregelmäßigkeit, ja gerade dann, bleibt es ein Ganzes - es zeigt eine gewisse Rhythmik, in aller Variierbarkeit (man denke an den Herzschlag)! Es wächst sogar der Eindruck der Lebendigkeit, je unregelmäßiger etwas ist, und sich dennoch von einer Form "umhüllt" als Gestalt zeigt. Dann gelangt diese Selbstbegrenzung quasi "in die Wahrnehmung".




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Die Wirklichkeit einer Revolution

Es gibt nichts rückwärtsgewandteres als ... eine Revolution. Denn es gibt keine revolutionäre Bewegung, die nicht das Ziel hätte, einen Zustand "von früher" wiederherzustellen. Das ist der innere Grund, warum jede noch so wild begonnene Revolution der Geschichte nach wenigen Jahren (Ellul meint: zwei bis drei, allerhöchstens) mit der Situation konfrontiert ist, daß die Menschen wieder "normal", wieder "wie früher" leben wollen. Und sonst nichts. Nur das läßt ein Volk bereit sein, zumindest vorübergehend ihren üblichen Lebensablauf zu verlassen, um sich um die Ordnung selbst zu kümmern, in der sie leben wollen.

Und deshalb erfüllen dann allfällige "neue" Herrschende immer dieselben Positionen, weil es nur eine einzige Ordnung der Welt gibt - ob sie sich nun Führer, Parteiführer oder sonst wie nennen, sind sie Könige, Fürsten, und Volk. Wie immer dann auch ein konkretes Gesellschaftsbild aussehen mag. Es unterscheidet sich in einzelnen revolutionären Bewegungen nur dadurch, welche Scheinvorgänge es aufbaut, um die Illusion eines "Neuen" aufrechtzuhalten. Die Wirklichkeiten aber haben sich nie geändert.




*200615*

Freitag, 19. Juni 2015

Staat aktuiert Gemeinschaft

Das Verhältnis der Menschen zueinander ist nie direkt. Sondern es konstituiert sich aus dem jeweiligen Ergreifen des beide (oder: viele) überspannenden Wesens und Form einer konkretisierten, benannten (namentragenden) Beziehung. Nicht also, wie falscher Gemeinschaftskult meint, im Niederreißen der Formalität besteht und entsteht Gemeinschaft, sondern im Gegenteil, im Anziehen des formalen Kleides dieser Beziehung. Damit ist Gemeinschaft nur dort möglich, wo die jeweilige individuelle Ganzheit nicht nur erhalten bleibt, sondern sogar durch diese Gemeinschaft zur Persönlichkeit gesteigert ist.

Diese Form als Beziehung ist aber nicht willkürlich erfindbar oder setzbar, entsteht also nicht "von unten nach oben", vom Einzelnen oder Individuellen ausgehend.* Sondern sie ist nur als Ergreifen eines Vorausliegenden möglich. Die Beziehungsform liegt also dem Einzelnen voraus! Die Ordnung der Welt ist nicht die Ordnung einzelner, für sich seiender Individuen, sondern es ist das unendliche Mosaik von ("sachlichen") Beziehungsformen. Ordnung entsteht also aus der Selbsttranszendierung der Einzelnen auf diese Beziehungsform hin, in diese hinein.

Was bis in die Gemeinschaft der Welt hineingeht, als Zueinander von Staaten, die dem einzelnen Staatsein vorausgeht, während das Staatsein dem Einzelnen vorausgeht.** Das Recht, das dem Staat zugrundeliegt (und nicht: das er sich willkürlich gibt), ist deshalb vorwiegend auf solche, die Menschen überspannende, zusammenspannende Gebilde bezogen. Und insofern ist es eine Klammer jeder Form von Gemeinschaft. 

Auch international. Denn daß es historisch zu einzelnen "Staaten" kam, ist dem Umstand zuzuschreiben, daß der ursprüngliche "Weltstaat", als Entsprechung göttlicher Schöpfungsordnung, zerbrochen ist, und als Teilgebilde nachgeformt wurde. Aber nach wie vor ist jeder einzelne Staat nur er selbst, WEIL er in ein weltumspannendes Gefüge von Staaten eingebettet ist - in eine gestaltfordernde Weltordnung des Seins. Auch wenn dieses Zueinander in seiner Gestalt dynamisch, also nicht als erstarrtes Bild vorstellbar ist.

Nichts anderes gilt im übrigen für die Kirche - sie, die Kirche als Ganzheit, als ultimative Gemeinschaft - weil "societas perfecta" - des ordo Gottes, der kosmischen Ordnung der Wirklichkeit (die eine Wirklichkeit Gottes ist), geht dem Einzelnen voraus. Und sie durchtränkt dann das konkrete Weltwerden des Menschen, der die Welt nach dieser Ordnung gestaltet, wenn er die Kirche ergriffen hat bzw. sich von ihr ergreifen ließ. Sie entstand also nicht, weil sich einige gleichen Glaubens zusammenfanden, sondern sie wurde und wird aktuiert, konkret, indem sich Einzelne in sie einfügen, sich von ihr damit als Persönlichkeit prägen lassen.

Und nichts anders gilt für jede weltliche Form von Ganzheiten, und seien es banale Wirtschaftsbetriebe oder Kartenspielvereine. Auch sie ehen immer von "oben" aus, von einer vorhandenen Gesamtheit als Idee, die dann jeden durchtränkt, der in sie eintritt und sich damit von dieser Idee - soweit sie eben reicht - durchtränken läßt.***



*Die Vertragstheorie, die seit der Aufklärung unser Denken verwirrt hat, ist schlicht ein Irrtum. Sie entspricht nicht der Wirklichkeit.

**Deshalb begeht ein Staat, der seine Formen auflöst - wie es bei der Ehe (und damit der Familie) derzeit weltweit passiert, indem er alles zur Ehe macht, und damit nichts mehr, weil er das Wesen der Ehe und Familie unbestimmbar macht, die Begriffe aus ihrer Seinsverankerung reißt - Selbstmord, und zerstört jede Gemeinschaft der Bürger, indem er ihre Zueinanderordnung auflöst, und sie damit in die Irrationalität einer unbestimmbaren Verortung wirft.

***Damit sind wir übrigens auch beim enscheidenden Problem jedes "ökumenischen Gesprächs", das seit geraumer Zeit auch in der Kirche so hoch im Kurs steht. Aber offenbar hat sich kaum jemand Gedanken darüber gemacht, WER dort jeweils überhaupt das Gegenüber sein könnte, MIT DEM etwas geregelt, besprochen werden könnte. Denn allen diesen Religionen, ausschließlich, fehlt ein alle umgreifendes Ideengebäude, das zudem immer in einer Person verankert sein muß, weil Religion an sich dem Bereich des Personalen zubehört. (Einen nicht-persönlichen Gott gibt es nicht, damit löste sich der Begriff "Gott" überhaupt auf.) 

Wir lassen uns viel zu leicht von Begriffen täuschen, die dergestalte Gemeinschaft vortäuschen - aber immer nur vage Abstraktionen sind, die sich auf gewisse, mehr oder weniger vorhandene faktische (oder auch nur: abstrakte) Gemeinsamkeiten beschränken. Oder durch die Täuschungsmanöver mancher anderer Religion selbst, die eine Personalität als ihren Ursprung (aus erwähnten Gründen) vortäuschen. DEN Islam, DEN Buddhismus, DEN Hinduismus etc. etc. - gibt es real gar nicht. Es gibt aber DIE reale Kirche, die in DEM realen Jesus Christus verankert ist. Wäre diese Realität nicht, und wäre sie nicht historisch, so wäre auch der Katholizismus Unsinn und Selbsttäuschung. Und dann stünde er tatsächlich in einer Reihe mit allen "Religionen".





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Zerbricht der Vater, zerbricht der Staat

Wo die Ausübung der Macht, die Verwirklichung des Rechts oder die Darlegung des Gedankens auf der Rationalität der Mitteilungen begründet ist, die zwischen Menschen hin- und hergehen, da besteht Autorität im strengen Sinne. Also nicht Glauben oder Hingabe oder ähnliche psychologische Prozesse begründen die Autorität, schreibt Carl J. Friedrich, sondern nur die Mehrung solcher Vorgänge durch die Vernunft, wie sie sich in dem Urteil der Alten (der "patres") oder in einem Urteil der Schriftgelehrten oder der Weisen äußert. Nur durch solchen Venunftbezug tritt zur Machtausübung, sei sie nun autokratisch oder demokratisch, die Autorität hinzu, die ihr die Chance gibt, rechtsschöpfend zu wirken, indem sie Legitimität begründet.

Wir haben also auch hier den Bezug zur Vernunft an sich - zur göttlichen Vernunft, der die Quelle von Legitimität und Autorität bedeutet. Wo diese Öffnung auf die Vernunft hin besteht, ist auch die Autorität legitim, und Gehorsam zurecht gefordert, weil vitales, von oben her durchblutendes Prinzip eines Organismus. Nur in dieser Anbindung an die Vernunft kann jenes fundamental wichtige Vertrauen entstehen, das aber diese Anbindung lebendig herzustellen vermag. Dies ist aber ein Gebot für die Autorität selbst! Sie unterliegt nicht der Entscheidung des hierarchisch Untergestellten, sondern ergibt sich aus dem formalen Wesensgefüge, in das beide gestellt sind. So, wie jeder Mensch, immer und überall, an einem Ort in einem solchen Gefüge steht.

Urbild jeder gesellschaftlichen Autorität ist damit (!) die Autorität des Vaters in der Familie, denn sie ist die erste Erfahrungsumwelt des Menschen. Über ihn, über die urbildhafte Erfahrung dessen was er ist, findet der Anschluß der Lebenswelt der Familienmitglieder, vor allem der Kinder, aber auch der Frau und Mutter, an diese Vernunft statt. 

Wird die familiäre Autoritätsfolge zerbrochen, durch Schulen, politische Agitation, das Säen von Mißtrauen, Ungehorsam der Frau, fehlt zumalen den Kindern jeder Begriff von Autorität, und damit auch der Zugang zur Vernunft, die alles übergreift, und nicht Sache des Individuums, der bloßen Rationalität damit, ist. 

Der Begriff der Autorität ist also konstitutiv für die Vernunftfähigkeit. Er wird über die erste Identifikation mit der Mutter als Haltung ebenso vermittelt, wie in der Erfahrung durch den Vater, auf den diese Haltung Bezug nimmt - eine archetypische Erfahrungskonstellation, die für jede weitere Erfahrung (und vor allem für den Zugang zur Vernunft, der auf denselben Grundhaltungen basiert) grundlegend ist. Sie muß (als Gestalterfahrung, damit als Gestaltpotenz im Kind, die sich erst allmählich vom faktischen Vater löst) gegeben werden, und wird erst im Erwachsenen - wenn es denn Vernunft war - zum aktuierten personalen Akt, in der Identifikation mit der Vernunft selbst.

Fehlt diese Erfahrung, zerfällt auch der Staat, weil seine Begrifflichkeiten (die hinter seinen Institutionen stecken) auf keine Erfahrenswerte weil Haltungen bei seinen Bürgern mehr treffen. Seinem Recht fehlt die Autorität und Legitimität, es muß der Gewalt und dem Rationalismus - der Vernunft auflöst - überantwortet werden.





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Donnerstag, 18. Juni 2015

Erste Eindrücke (Laudato si)

Auf Bitten einiger Leser hin hat der VdZ - obwohl unter Zeitdruck, weil er am Sprung zu einer Reise ist - die per heute vorliegende Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus, so gut es in der kurzen Zeit möglich war, gelesen, überflogen, und einen ersten Eindruck gewonnen, den er nunmehr schildert.

Um es gleich vorwegzunehmen: Er war ... überrascht. Trotz einiger Bedenken über manche Formulierungen, trotz des Eindrucks, daß es nicht ein einzelner Autor war, der den Text verfaßt hat (und für solche Dinge hat er ein meist perfektes Sensorium; hier speziell bei den beachtlichen naturphilosophischen Anklängen auffällig, die sich deutlich vom übrigen Text abheben), trotz wieder seitenweisem totalem Schwachsinn, der aus der schon mehrfach bewiesenen naiven, unfamiliaren Sicht von Wissenschaft durch den Papst stammt - speziell was die Klimaangelegenheiten anbelangt, die wie ein unreifer Schulaufsatz aus den frühen 1970ern wirken, der an den bekannten (sachlich falschen) Boulevardschlagzeilen aufgehangen wurde - trotz so mancher anderer Widrigkeiten und der üblichen pseudospirituellen Schwurbeleien des Papstes, die da und dort aufstoßen, trotz des Eindrucks, daß dem Ganzen eine Mitte fehlt, die sie erst definitiv über eine bloße Gruppierung von Aussagen heben würde, trotz mancher Lächerlichkeiten, die den VdZ regelrecht auflachen ließen, und trotz mancher allzu offensichtlicher "artfremder" Intentionen, die sich immer wieder (und sei es wortweise) in die Sätze drängen, als hätte ihm jemand über die Schulter von hinten aufs Papier gespuckt, ist die Gesamtkonzeption dieses Textes ... der VdZ muß es sagen ... in einem ersten Eindruck möglicherweise so etwas wie ein großer, wenn nicht sogar ganz großer Wurf. 

Der zwar nicht ganz gelungen ist, der erst ein Versuch ist, doch auch, weil der Verfasser sich wohl einfach zu viel vorgenommen (was ihn eigentlich ehrt), aber zu wenig Zeit gelassen hatte. Der aber in dieser Form der Welt und der Zeit tatsächlich gefehlt hätte, und ihr tief in die F'undamente greifen könnte (wenn man manchen Unsinn noch entfernt).*

Eine erste, noch etwas seltsame, aber im Versuch bemerkenswerte Basis, so stellt es sich also dem VdZ dar. Mit einzelnen Ansätzen, besonders wo ein Tun empfohlen wird, die eine prinzipielle Schwierigkeit darstellen und aufs erste völlig falsch, ja wie eine Aporie angesichts anderer Aussagen wirken. Ein Text also, an dem noch enorm viel zu arbeiten wäre oder ist, der noch sehr zu reinigen und zu reflektieren wäre. Ein Text auch, der viele falsche Ansichten stärken wird, weil er "Umweltschutz" auf eigentümliche Weise dann doch wieder für sich stellt, nicht an den Wesensvollzug gekoppelt sieht, der der Schöpfung innewohnt. Und der sich von diesem unseligen Universalismus nicht ganz lossagen kann, der die wirkliche Universalität mißinterpretiert. Der auch vieles übersieht, wie die Zusammenhänge von sozialen staatlichen Wohltaten - und Wachstumszwang. Der nicht einmal vom Zentralismustendenz frei ist, der Perversion der Einheit der Welt.

Aber das Schwierige des Schöpferischen ist - und das erkennt der VdZ auch an: das Schaffen einer solchen Basis, eines ersten Gerüst, an dem jedoch weitergearbeitet werden kann, weil es dazu eben eine sich selbst fortzeugende, evolvierende Basis braucht. Und mehr kann ein solches päpstlich-kirchliches Schreiben, zu solchem Thema, vielleicht gar nicht bieten. 

Das die Axt an die Wurzel gelegt hat: Daß es ein umfassendes Ändern der Lebensart bräuchte. In dem die Kirche der Welt einen Gegenentwurf vorstellt.

Näheres dazu nach genauerer Lektüre bzw. nach Rückkehr.



*Und der in seiner Umfassendheit - der VdZ spricht hier ausnahmsweisig von seiner laufenden Arbeit - sogar vieles recht deckungsgleich aufarbeitet, wie es der VdZ in einem schon lange unter der Feder liegenden Roman erzählenderweise versucht.




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Es ist nicht einfach






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Geheimnisvolle Lebenswelten

Jean-Henri Faber ist dem rätselhaften Umstand nachgegangen, daß eine bestimmte Mauerwespenart die von ihr angelegten Bauten, in die sie ihre Eier ablegte, immer mit unterschiedlichen Mengen an paralysierten Beuteraupen ausstattete, ehe sie ihr Ei legte, und den Bau so fest verschloß, daß er vom Naturforscher (und späteren Nobelpreisträger für Literatur) nur mit Gewalt aufzubrechen war. Er erbrach ein ganze Reihe dieser Bauten, und notierte die Mengenausstattung. Dabei stellte sich eine gewisse statistische Häufung heraus, der er weiter nachging. Und sein Verdacht bestätigte sich: Wo weniger Nahrung vorhanden war, schlüpften Männchen, wo (deutlich) mehr - Weibchen. Die Wespe muß also bereits BEVOR sie ihr Ei legt wissen, welchen Geschlechts ihr Nachwuchs sein wird, und zwar an genau jenem Ort, wo hinein die Wespe dieses Ei dann legt.

Von den Bienen ist ein ähnliches Verhalten ja noch ausgeprägter bekannt. Hier wird überhaupt nur ein je spezifisches Ei befruchtet, und durch entsprechende Nahrungsversorgung zur Königin aufgezogen. Nur dieses eine Ei ist dann in der Lage, die Vollgestalt des Weibchens auszubilden, um das Überleben eines Bienenvolks zu gewährleisten.

Als Fabre die Nahrungsmenge bei seinen Mauerwespen manipulierte, also das Verhältnis umdrehte, stellte sich heraus, daß die Männchen das zusätzliche Nahrungsangebot verschmähten. Sie waren, ausgewachsen, beim Schlüpfen, zwar gut genährt, aber sie waren grosso modo nur auf eine bestimmte Nahrungsmenge angelegt, und mehr fraßen sie auch nicht, und überschritten auch ihre übliche Größe nur unwesentlich. Umgekehrt verhungerten Weibchen entweder, oder sie entwickelten sich zu deutlich kleineren ausgewachsenen Exemplaren, als ihre ungestört aufwachsenden Artgenossinnen.





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Der Einzelne im Ganzen

"Die menschliche Gesellschaft ist als Ganzes von solcher Ganzheitlichkeit, daß der Einzelmensch erst durch seine Teilhaftigkeit als Glied der Gesellschaft sein volles Menschsein besitzt, Mensch ist in der Seinsvollkommenheit, die Gottes Schöpfungsplan dem Menschen zugedacht hat.

Nun erreicht der Mensch das Vollmaß der ihm erreichbaren Vollkommenheit, die allseitige Entfaltung seiner Persönlichkeit, nur durch die Verwirklichung seines ganzen Wesens, also auch seiner gesellschaftlichen Wesensanlage.

Aus alledem erhellt: die menschliche Gesellschaft - hier in der rein natürlichen Ordnung betrachtet - ist in der Tat kein bloßes Mittel für den Einzelmenschen zur Erreichung seines Zieles, sondern besitzt echten Eigenwert. Dieser nicht nur an Wertfülle, sondern auch der Wertstufe nach den Einzelmenschen überragende Eigenwert sichert ihr eindeutig den wertmäßigen Vorrang vor dem Einzelnenschen. Mit diesem ihrem Eigenwert nimmt die menschliche Gesellschaft auch in der rein natürlichen Ordnung teil an jener letzten Vollendung, an jener Verherrlichung Gottes und Beseligung in Gott, die in dieser Ordnung allein erreichbar sind.

Bei alledem bleibt unerschüttert bestehen: die menschliche Gesellschaft mit all ihren Werten besteht nur in den Einzelmenschen als ihren Glieder, auch die letzte Vollendung, deren die Gesellschaft fähig ist, erlangt sie nur in ihren Gliedern und für ihre Glieder.

Noch mehr kommt das ganzheitliche Moment in der übernatürlichen Ordnung zur Geltung: Der einzelne in der übernatürlichen Ordnung ist angenommenes Kind Gottes, gewiß eine überaus hohe Würde. Das GANZE aber ist der ganze Christus ... Darum  ist in der übernatürlichen Ordnung das Ganze den einzelnen an Wert und Würde schlechthin unendlich überlegen. Das Ganze nimmt teil an der göttlichen Würde und Hoheit des Hauptes Christus, die einzelnen als solche sind und bleiben gnadenhaft erhobene Geschöpfe."


 Oswald von Nell-Breuning S.J., in "Einzelmensch und Gesellschaft"




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Mittwoch, 17. Juni 2015

Das Glück liegt hinter den Augen

Das Gute liegt dort, wo wir es nicht erwarten, und nicht gesucht haben.








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Einige Handlungsrichtlinien eines Staates (2)

Teil 2) Die Anmerkungen & Gewohnte Exkurse





²Ludwig Erhard hat deshalb einen Sozialstaat, der sich als Versorgungsstaat als Dauereinrichtung versteht, strikt abgelehnt. Eine soziale Politik, die sich als direktes Beheben eines dem Gemeinwohl abträglichen Übels versteht, und das kann (subsidiär) notwendig sein, kann nur punktuell und temporär stattfinden. Denn ist sie das NICHT, kann man nicht nach geraumer Zeit darauf wieder verzichten, dann zeigt sich genau damit, daß sie verfehlt ist, weil sie die Wirklichungskraft der Bevölkerung und der gesellschaftlichen Strukturen nicht verbessert hat. Immer mit der immensen Gefahr (siehe die Untersuchungen von V. v. Weizsäcker über die entsittlichende Wirkung eines Sozial- und Sozialversicherungssystems als Dauereinrichtung) daß soziale Maßnahmen in der Praxis sehr schnell die Selbstgestaltungsfähigkeit (=Personalitätsprinzip) der Bürger (und nur darauf kann Gemeinwohl und sogar Wohlstand aufbauen) zerstören. Der Sozialstaat heutiger Prägung zerstört also direkt das Gemeinwohl.
³Dieser Unterschied ist sehr wichtig. Denn es ist nicht Angelegenheit der Öffentlichkeit, heimlich und in begrenztem Rahmen praktizierte Unsittlichkeit zu unterbinden, soferne es nicht die Sittlichkeit anderer gefährdet. Homosexualität (oder egal welche Promiskuität) zu verfolgen gehört sicher NICHT zu den Aufgaben eines Staates, solange sie in diesem Rahmen (sittlicher Eigenverantwortung) vorfällt. Es ist aber einem Staat gleichfalls NICHT gestattet, die "Ignoranz" gewisser (entsittlichter) Moralauffassungen zu fordern oder gar zu verordnen, etwa durch "Anti-Diskriminierungsgesetze", oder durch Erziehungsmaßnahmen, die bestimmte Lebensweisen dem persönlichen moralischen Urteil der Menschen entheben sollen. Tut das die Politik, hat sie das Recht auf Gehorsam verwirkt, und schädigt nachhaltig das Gemeinwohl eines Staates.

Man spricht heute wieder viel von Martyrium. Aber man sieht es meist in gewissen Bildern erstarrt, und sieht es deshalb GAR nicht dort, wo es wirklich stattfindet. Denn in einer Gesetzeslandschaft, die die Entsittlichung der Menschen regelrecht verordnet, fände sich Martyrium in zahllosen "alltäglichen" Fällen, und sei es, daß jemand ein Abfassen seiner Doktorarbeit in Gendersprache verweigert, und damit eine Nicht-Annahme riskiert. Es ist der stinknormale Alltag, so wie er mittlerweile geworden ist, der der Ort des wirklichen, bald zahllosen Aufrufs zum Martyrium für Europas Christen ist, nicht die Kommentierung von Medienereignissen über Syrien oder Nigeria. Aber genau diesem Aufruf folgt niemand mehr.

*Das betrifft übrigens auch die Medien, die die wirkliche Kontrollmacht über den Staat - die Kirche, das religiöse System, das in erster Linie die Aufgabe hat zu prüfen, ob die Lebensweise der Menschen zu ihrer Vervollkommnung führt, oder dieser abträglich ist - zu ersetzen sucht. Denn eines ist es, frei zu denken - das darf niemals verboten werden, und sei es noch so im Irrtum! - aber ein anderes, dieses Denken oder Denkwirken zu verbreiten.

**Das ist einer der Gründe, warum Simone Weil für ein Verbot von Parteien als Organisationen eintrat. Neben der Tatsache, daß die dadurch erfolgende Abstrahierung einer Wahlentscheidung, deren Loslösung vom Personalen eines Mandatars, eine Enteigentlichung (Pseudologisierung) der Menschen selbst mit sich bringt, die das Wesen eines Staates von innen her zerstört.

***Dieses Problem wird heute sträflichst unterschätzt, und deshalb wurden hier bereits Fehler begangen, deren Folgen sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten dramatisch zeigen werden. Ein friedliches Nebeneinander wirklich unterschiedlicher Religionen hat es in der Menschheitsgeschichte noch NIE gegeben. Sämtliche Beispiele der Geschichte, die dies angeblich belegen, sind völlig anders zu deuten. Und sei es, daß in sehr viel früheren zeiten die Unterschiede im tragenden Grund des Religiösen entweder marginal waren, oder gar nicht existierten. Was uns im Rückblick als "Toleranz" erscheinen mag, war gar nie eine solche. Es fehlte schlicht an Unterschiedlichkeiten. 

Oder - wie etwa im Persien bis ins 17. Jhd. - an der Relevanz der Religion, durch bewußt säkulare Regierung. Selbst die Türkei unter Atatürk ist nicht anders zu bewerten. Und wo, wie in der Levante, das "Nebeneinander" unterschiedlicher Religionen "funktionierte", wie in Ägypten oder in Syrien, war und ist es gleichfalls der strengen Hand säkularer Regierungen, oder regelrechter Länderteilungen (wie in Nigeria-Biafra) zu verdanken. Der Libanon zeigt, wo es aber langfristig hinführt. Und die Geschichte ließe zahllose weitere Beispiele anführen, die das Gesagte untermauern. Warum das heute anders sein soll, müßte einmal jemand begründen.

Das betrifft auch und ganz besonders die angeglich "toleranten Zeiten" des Islam, der ja aus einer christlichen Häresie hervorgegangen ist, und deshalb zu Anfang gar nicht als "andere Religion" auftrat, und zum zweiten erst nur eine Strömung unter vielen war (wie im maurischen Spanien bis ins 11., 12. Jhd.) Seine sogenannte "Ausbreitung" hatte schlicht weltlich-politischen Charakter. Nur kommt auf Dauer kein politisches System ohne Religion aus, weil ihm sonst Recht und Ordnungszusammenhalt (mangels Legitimität) zerfiele.

Schon aus der Logik einer Religion überhaupt heraus kann aber gesagt werden, daß es einen starken unpolitischen Islam gar nicht geben KANN, weil es im eigentlichen Sinn überhaupt keine unpolitische Religion geben kann. Genau so wenig wie einen auf Dauer a- oder gar anti-religiösen Staat. Sonst könnte es gar kein Recht geben. Es ist das Recht - und damit die Religion - die die causa formalis des Staates ist, nicht umgekehrt.

Man muß allen Ernstes am Geisteszustand jener zweifeln, die von "friedlicher Koexistenz der Religionen (in einem Staat)" schwafeln. Tolerabel, aus realpolitischen Gründen, sind in ein und demselben Staat andere, nicht-mehrheitliche, stark unterschiedliche Religionen nur dann, wenn sie zu klein sind, um Einfluß zu haben, und in gewisser Hinsicht in der Wahrnehmung des überwiegenden Staatsvolkes nicht vorkommen. Gewinnt eine kleine Gruppe aber viel Einfluß, werden Pogrome oder Bürgerkriege unausweichlich, wie die Geschichte zeigt, weil dem Staatsvolk keine einheitliche Rechtsontologie VORAUS geht: es fehlt somit dem Staat an einem einheitsschaffenden Sinngebilde, aus dem ALLEINE er entstehen und bestehen kann, das er nämlich genau repräsentiert. Also muß er in einer Richtung reagieren, die seinem Gründungsimpetus entspricht.

Die praktischen Folgen aus einem Verstoß gegen diese Wirklichkeit hat auch das Christentum nie verhindern können, wie denn auch: denn es bezieht sich ja wesensgemäß auf das Naturrecht. Und ein solcherart falsche Toleranz als Gebot zu als "man müßte aber" einem Land aufzuerlegen ist Verstiegenheit. Nicht selten, ja wenn nicht fast immer aber - eine versteckte Ableitung eines Hasses auf die Mutter als erfahrene Wirklichkeit von Heimat, von der man sich nicht zum Vaterland lösen konnte - zur Persönlichkeit sohin. 

Das betrifft sinngemäß eine Europäische Union gleichermaßen. Die sich auch auf ein ihr vorausgängiges, christlich-abendländisches Sinn- und Wertegefüge bezieht, ohne die sie von sich selbst abfallen würde, weil sie ihre ontologsiche Quelle - die idea - verlieren und zur reinen Willkür werden würde. Diese idea aber geht jedem einzelnen europäischen Staat gleichermaßen VORAUS, der sich selbst aus ihr heraus im Staatengefüge ALS dies oder das definiert. Wer diesem Sinngefüge nicht zubehört, kann auch nicht "Mitglied der EU" werden.





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Dienstag, 16. Juni 2015

Einige Handlungsrichtlinien eines Staates (1)

Das Recht auf Eigentum als freie Verfügung über Welt bzw. Dinge und Lebewesen (Tiere, Pflanzen etc.) die unter dem Menschen stehen, ist von der Kirche immer verteidigt worden, ja es ist Teil ihrer Anthropologie.

Ist aber Eigentum quantifizierbar? Prinzipiell - nicht! Deshalb ist auch nicht aussagbar, daß Unterschiede im Eigentum gut oder schlecht wären, oder quantifizierte Unterschiede als gut oder schlecht beurteilbar. Denn diese Güte hängt von vielen anderen Faktoren ab, die nicht generalisierbar sind, weil es sich immer um konkrete Menschen und Umstände handelt, in denen sie auftreten. Eigentum bedeutet nicht mehr und nicht weniger als die Möglichkeit für einen Menschen, sein Leben zu vervollkommnen, indem es ihm Anwendungsmöglichkeiten bietet, in denen er sein Leben zur Vollgestalt bringt. Daran bemißt sich auch dann die Gerechtigkeit.

Das muß keineswegs heißen, daß jeder der wenig hat, nun mehr haben muß. Denn das Maß des Wohlstands eines Volkes, schreibt Rosmini einmal, bemißt sich nicht an Zahlen oder Bevölkerungsmengen, sondern am zustand ihrer Sittlichkeit. Nur als sittliche Menschen können sie gerechte Güter schaffen und gerechtes Eigentum erwerben, und der Staat hat wenn schon nicht immer die Aufgabe, das diekt zu fördern, so doch dafür zu sorgen, daß dieser Lebensvollzug durch andere nicht beeinträchtigt wird. Deshalb darf er sich niemals unter das Eigentum seiner Bürger stellen, sondern muß immer mächtig genug bleiben, um korrigierend einzugreifen. Und sei es durch Verfügungsbeschränkungen.

Weil eben Eigentum, und das Recht darauf, mit Sittlichkeit direkt zu tun haben, hat die Obrigkeit - Staat, oder öffentliche Regierung - auch nur darauf zu achten, daß Eigentum im Sinne des Gemeinwohls wirkt, nicht GEGEN dieses Gemeinwohl wirkt. Die viel eigentlichere Aufgabe des Staates ist, das Gemeinwesen so zu lenken und zu ordnen, daß sich die Sittlichkeit seiner Bürger - die damit ident ist mit deren Fähigkeit zum Lebensvollzug - hebt. Das heißt sehr wohl auch, daß er entsittlichende Einflüsse fernzuhalten oder gar zu unterdrücken hat.

In keinem Fall ist es aber richtig, die Menge an verfügbarem Eigentum zu verabsolutieren. Denn das erste Ziel des Staates ist Sittlichung -  nicht Wohlstand. Es kann also auch heißen, daß ein Staat geringeren Wohlstand akzeptiert, weil dessen bloße Vermehrung das höchste Staatsziel gefährden würde. Armut ist kein absolutes Übel, es kann in entsprechender Haltung getragen, die Sittlichkeit eines Staates sogar heben, und tut dies sogar meist.  (Marx war sehr verbittert als er feststellte, daß Armut KEIN Grund für die Menschen ist, sich zur proletarischen Revolution zu erheben, sondern das genaue Gegenteil bewirkte.) Zumindest solange sie nicht durch die Gefahr der Entmutigung existentiell geschwächt wird.

Denn ohne diese Haltung wird Armut zum Elend. Hier hat der Staat aber dann nur die Aufgabe, etwas direkt (immer aber: in Subsidiarität) zu fördern oder zu verhindern, wenn dieses Elend aufgrund seiner entsittlichenden Funktion Gemeinwohl verhindert. 

Das heißt aber wiederum nicht, daß der Staat "unsittliches Verhalten"³ in jedem Fall verhindern muß, denn die Freiheit seiner Bürger - und nur darauf kann das Gemeinwohl aufbauen - heißt auch, daß sie die Freiheit zum Scheitern besitzen können müssen, sonst wäre auch die sittliche Entscheidung gar keine Freiheit, und die "gute Handlung" u. U. gar nicht "gut". Der Maßstab für ein Gemeinwesen, einzugreifen - durch Strafen, durch Verbote etc. - liegt dort, wo individuelles Verhalten beginnt, sich auf andere auszuwirken.

Während also einerseits Eigentum nicht heißt, daß sich damit auch ein Lebensvollzug vervollkommnet, denn es kann sogar das Gegenteil eintreten: entsittlichte Menschen verwenden Eigentum falsch, zerstören also das Gemeinwohl, heißt es anderseits, daß im Sinne des Gemeinwohls jeder so viel Eigentum schaffen und besitzen (also frei darüber verfügen) können soll, als er zur Erfüllung seines Lebens benötigt. Immer noch heißt das aber nicht, daß sich für einen Staat die Pflicht ergibt, direkt Eigentum zu "verteilen". Gleichheit des Eigentums ist noch lange keine Gerechtigkeit, sogar meist das genaue Gegenteil, und schädigt das Gemeinwohl. Es heißt nur, daß er alles fördern muß, daß diese Gerechtigkeit bewirkt oder bewirken kann, und alles beschränken oder gar verbieten muß, das diese verhindert.²

Es kann also sehr wohl sein, daß sich riesige Vermögen bilden, während ein großer Teil der Bevölkerung nur wenig besitzt - und alles ist dennoch KEIN Zustand der Ungerechtigkeit! Es kann aber auch sein, daß diese Vermögen durch ungerechte Übervorteilung entstanden sind, durch ungerechte Ausbeutung, die einen Teil der Bevölkerung hindert, sein Leben zu entfalten. Oder gar einen Einfluß bilden, der den Staat in seiner Aufgabe, für das Gemeinwohl zu sorgen, erpreßbar macht. Dann braucht der Staat genug Macht, um diese Eigentumskonzentration zu bekämpfen und in die Sittlichkeit überzuführen. 

Ein Staat darf also auch - und sei es, daß er Gewalt anwenden muß - nicht zulassen, daß sich eine Gegenmacht bildet, die ihm gefährlich werden könnte.* Nicht, weil er absolut ist oder sein darf, denn er ist auf eine Weise nur die andere Seite der einzelnen Person,  sondern weil er eben jene Gesamtheit ist, in der sich erst seine Bürger (die Personen sind) ganz zu sich - als Individuen - entfalten können, als erste Identität, aus der dann der Einzelne seine Identität - im Aufruf des Du - aktuieren kann. Denn ein Staat ist immer ein unauflösbares Gefügeganze seiner Bürger. Der Staat darf  niemals zur Beute von einzelnen Interessensgruppen werden, die seine Macht usurpieren wollen, um ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen, und das betrifft auch eine Parteienstruktur einer Demokratie.**

Es heißt umgkehrt aber auch nicht, daß ein Staat nur Maßnahmen setzen darf, die "von allen gutgeheißen" werden. Das Maß dieser politischen  Maßnahmen muß vielmehr das höchste Ziel des Staates bilden - das anthropologisch definierte Gemeinwohl. Und dieses höchste Ziel kann nur die Religion definieren, die das unverzichtbare Gegenüber eines politischen Staates ist, das diesem in den abstrakten Prinzipien übergeordnet sein muß. Recht ist ohne Ethik, ja ohne Moral undenkbar, und wird unter einer lediglich formalisierten Betrachtung zwangsläufig zum Unrecht und zur institutionalisierten Ungerechtigkeit.

Zerfällt ein Staatsvolk deshalb in unterschiedliche Religionen, zerbricht ein politisches Ganzes, zumindest für einen gesamten Staat, und Parallelgesellschaften mit je eigenen Rechtssystemen werden unerläßlich, ohne der Frage nachzugehen, nach welchen ethischen Prinzipien eine Regierung überhaupt noch verantwortlich handeln kann - wenn etwa eines dieser Religionssysteme anthropologische Schlüsse zieht, die nach anderer Betrachtung als dem Gemeinwohl schädlich betrachtet werden müssen. (Darin liegt der ursprüngliche Sinn der "Anerkennung einer Religionsgemeinschaft", in der der Staat genau diese Überordnung beim Einzelnen nämlich anerkennt, oder nicht.) In jedem solchem Fall aber muß sich ein Staat politisch in eine Reichsidee transformieren, und seine politischen Möglichkeiten beschränken sich auf Agenden, die diese Vielfalt überhaupt zusammenhält (vor allem: Kriege, Zusammenhalt sämtlicher Teilgebilde, oder Außenpolitik).***


Morgen Teil 2) Die Anmerkungen & Gewohnte Exkurse







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Eine klimagerettete Welt (2)

*Anmerkung - Was den Menschen zum Menschen macht




Um diese Determiniertheit zu überschreiten, braucht es den Geist, und zwar in einer bestimmten Höhe. Deshalb gilt diese Determiniertheit sogar für den Menschen, der ja nur die MÖGLICHKEIT - als Anlage, deshalb als Auftrag für den Menschen überhaupt - seinen Geist (und damit seine Freiheit, auch in der Ortswahl, in der Wahl seiner Lebenswelt) zu entwickeln. Auch wenn er - als Person zur Selbsttrage berufen - immer auf diese Geistigkeit hin ausgerichtet sein wird, sie also auch nicht wirklich unterschreiten kann. Der Mensch wird entweder Geistesmensch, oder er sinkt sogar unter die Tiere herab. Deshalb ist die einzige, dem Menschen mögliche Lebenswelt, seine bzw. eine Kultur.  

Denn auch der Mensch ist auf eine Umwelt existentiell angewiesen: sein Personsein (das er nie unterschreiten kann, gleichgültig, auf welcher Entwicklungsstufe er sich befindet, also unabhängig von seinem Aktuierungsgrad - als Embryo, als Behinderter, als kraftstrotzender Intelligenzbolzen) ist ein Ausgreichtetsein auf ein Gegenüber. Erst im Du wird sein Ich aktuiert (wenn auch nicht geschaffen). Ohne ein Du, das ihn anruft, würde der Mensch nicht leben können. Deshalb hängt jedes Menschsein in seiner Geistigkeit - in Gott, dem absoluten Du. Und jeder, wirklich jeder Mensch ist auf dieses absolute Du ausgerichtet: Ohne absolute Wahrheit kann kein Menschen leben, er würde wahnsinnig. 

Weil aber jeder Mensch aus diesem Du wird, hängst seine Aktuierung zu sich selbst, zur Gestalt seines Ich, vom Freiheitsgrad des Gegenüber ab. Deshalb gibt es große Unterschiede in den Kulturen, die nicht in Schnellsiedeverfahren, durch Angleichung äußerer Lebensbedingungen etwa, überwindbar sind. Die praktische Beantwortung dieser Frage ist für Europa, das mit gewaltigen Einwanderungswellen zu tun hat, von existentieller Bedeutung. Und sie ist mit "Ausbildungsmaßnahmen" ganz sicher nicht zu bewältigen, es ist eine Frage der Religion. 

So, wie Europa seine Kraft (fast könnte man sagen: ausschließlich) dem Christentum verdankt. Verliert es sein Gegenüber, sein "Du" in Jesus - und das heißt ja erst: Christentum - fällt es ohne jeden Zweifel in ungekannte Tiefen zurück. Denn nur in Jesus Christus ist die Welt in den ordo Gottes zu führen, und "sie wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes." Denn die Welt ist nicht unabhängig vom Menschen vorzustellen, sie hängt direkt an ihm, und muß durch ihn in den Geist hineingenommen werden. Das ist Kultur. DAS ist alternativlos, weil nur Gott als Du den Menschen zur Freiheit führen kann. Andere Völker mögen hohen Zivilisationsgrad erlangt haben. Aber ihnen fehlt genau und immer dieses Freiheitsmoment. Weshalb historisch gesehen ausnahmslos alle "hohe Kulturen" Kulturen gradueller Vermassung waren. 

Das gilt übrigens auch für die abendländische Antike, man übersieht es meist freilich. Sieht man von Einzelerscheinungen ab (wie Sokrates), in denen diese eigentliche Berufung des Menschen als Ahnung aufblitzte, hat es keine historische Kultur geschafft, den Spagat zwischen "Art und Person" zu vollziehen, beides in eins zu führen. Sie sind deshalb - aus einer ursprünglichen, ganzheitlichen, traumartigen Erinnerung heraus, in der aber noch kein "Ich" aktuiert war bzw. ist - immer in die eine (individualistische) oder die andere (vermasste) Richtung degeneriert. Das war und ist nur dem lebendigen, fleischgewordenen Gott möglich, der diese Synthese des Einen und Alles - die Wahrheit - IST, und an der deshalb, als Gestalt, der Mensch teilhaben KANN, wenn er will.
 
Nur in dieser Freiheit im Geist aber ist der Mensch das, was man mit "Persönlichkeit" bezeichnet: Frei, weil von seinem Personsein frei - in der Konkretion der Welt - getragen. In der Persönlichkeit hat er sich die Welt angeeignet, ihre Formen in seinen Geist hinein übersetzt. Und aus diesem Geist heraus, der nur der Geist Gottes sein kann, weil nur der Freiheit bedeutet, vermag er die Welt in ihrer Ordnung - zu einer vitalen Ordnung - zu gestalten. Tut er das nicht, fällt die Welt - mit ihm - ins Chaos, fällt in ihre ungeordnete, nicht auf ihren Sinn hinorientierte Eigengesetzlichkeit (soweit man davon sprechen kann), die die (mathematische) Gesetzlichkeit eines überkritischen, zufälligen Systems ist, zurück.
 
Deshalb ist jeder Versuch, die Welt "technisch zu retten", das heißt, als technisches System zu sehen und in diesem Rahmen mit ihr umzugehen, ohne jeden Zweifel zum Scheitern verurteilt, ja er muß zwangsläufig zum Gegenteil führen. Sämtliche Weltrettungsversuche der Gegenwart führen (oder: würden das tun) in ein nur noch größeres Chaos. Das macht jede ökologische Bewegung, wie wir sie heute kennen, zum törichten Unternehmen. Denn es gibt keinen "Umweltschutz". Es gibt nur den Geist der Liebe, in dem die Welt in die Vorsehung Gottes hineingezogen wird.
 
Der, aus der Torheit geboren (die nicht durch Rationalismus, durch noch so perfektes rationales Handeln aufgehoben werden kann, weil alles am Geist hängt, nicht an der Richtigkeit einer Rechnungsoperation), immer und ausschließlich zu noch mehr Chaos führt, schon gar, wenn er sich vorgeblich "auf die ganze Welt" bezieht. "Erfolge" kann es nur dort geben, und auch da nur temporär (!), wo einzelne Aussschnitte aus dem Weltganzen quasi paralysiert, versteinert werden, indem man ihre Bedingungen, wie in einem Modellbaukasten, soweit als möglich fixiert. Entsprechend ist alles, was wir heute zur "Klimarettung" unternehmen, nie mehr als lächerliches und im letzten kontraproduktives Stückwerk. Denn es wird dadurch die Reaktion des Insgesamt, die Stellung dieses Baukastens darin, nur noch heftiger.
 
Es gibt nur eine Rettung der Welt - und die ist von den Menschen nicht zu trennen. Sie liegt im Sinn der Welt: der Heiligung, als Hineinführung in die göttliche Vorsehung im Heiligen Geist, wie immer dieser göttliche Plan dann auch aussieht. DAS ist dann auch Gerechtigkeit. "Klimarettung" ist deshalb eine Häresie, eine schwere Sünde, und kein gutgemeintes und deshalb verzeihbares oder akzeptables Kavaliersdelikt. (So, wie jeder Universalismus, der Universalität als Ding, als Objekt menschlicher direkter Manipulationshoheit behandelt.) Sie ist der Versuch, der am Anfang vom Ende stand: Der Hochmut, wie Gott zu sein. Frei nach dem Motto: Erst retten wir einmal die Welt, erst sind wir mal wieder "gut", dann kann eh Gott wieder Gott spielen. Gutheit ist von diesem Geist der Vorsehung nicht zu trennen. Gut ist nur, was aus diesem stammt.





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Montag, 15. Juni 2015

Identitätsverlust

Interessante Zahlen liefert eine Untersuchung über die Religionsstruktur in den USA, die die Veränderungen in den Jahren 2007 bis 2014 betrifft. Demgemäß waren von allen US-Amerikanern im Vorjahr noch 31,7 % als Katholiken geboren und aufgewachsen, aber nur noch 20,8 % bezeichnen sich heute als solche. Und das trotz der ungebrochen hohen Zuwanderungs- und auch weit höheren Geburtenraten von Menschen aus lateinamerikanischen Ländern*, die mehrheitlich katholisch sind. Das ergibt in nur sieben Jahren eine Reduktion um 10,9 Prozentpunkte, oder: den Verlust eines DRITTELS von sich noch 2007 als Katholiken sehenden Mitgliedern.

Der Anteil der Protestanten hat sich im selben Zeitraum etwas geringfügiger reduziert, er sank von 50,2 % auf 46,6 %. Leicht gestiegen ist allerdings darin der Anteil der (genuin protestantischen) Evangelikalen, von 23,9 % auf 25,4 %. Sodaß die absolute Zahl der quasi traditionellen Protestanten gleich stark absank wie der der Katholiken in den USA. Bei letzteren fällt aber auf, daß die Zahl der Übertritte IN die Katholische Kirche deutlich niedriger ist als bei den Protestanten: Viele verlassen aktuell also die Kirche, aber nur sehr wenige treten ein.

Mit den "Skandalen" zu argumentieren, die die Kirche auch in den USA erschütterten, ist nicht stichhaltig, und man macht es sich damit viel zu leicht. Denn wie Untersuchungen etwa aus Österreich zeigen, sind solche Ereignisse lediglich die Auslöser - für einen längst gereiften Prozeß der Identitätserosion. Und das ist auch der entscheidende Punkt: Identität. Denn Glaube ist wesentlich Identität, selbstverständliche Gestaltung des Lebensrhythmus, ist Gestaltskategorie, kein Einzelverhalten. Wer je im Verkauf war (und darüber reflektiert hat) wird bestätigen, daß die Zustimmung zu einer Zubehörigkeit (und das ist das Kauf-Verkaufsgeschenen) der Eintritt in eine gemeinsame Gestalt ist, die beide Seiten nun überspannt, in die der eine sich nun auch birgt, sodaß der Entschluß für einen "Käufer" (man verzeihe diese banausische Parallele, aber sie ist hier aussagekräftig) zur natürlichsten Sache der Welt wird. Weil er sich selbst zustimmt, sich in einem Seinszustand (und das ist Identität) sieht, einem Seinszustand ganz (per rituellem Entschluß) beitreten will.**

Deutlich gestiegen ist der Anteil derjenigen ohne Religionszugehörigkeit - während nur 9,2 % so aufwuchsen, sehen sich 22,5 % der Amerikaner heute in dieser Gruppe. Dieser Anteil wächst also rasend schnell. Wieweit es sich in den Glaubensbekenntnissen um graduelles Absteigen handelt - also: vom Katholik zum Protestanten, von dort zum Evangelkalen, und von dort zum Konfessionslosen - geht aus der Studie nicht hervor. Aus persönlicher Einschätzung meint der VdZ, daß es sich die Waage halten wird: Katholiken tendieren nämlich zwar eher dazu, sich völlig zu verabschieden. Denn wer einmal die Vernunft gekostet hat, sie aber nicht mehr findet, gibt sich auch mit der fideistischen Simplifizierung, wie sie der Protestantismus et. al. vornimmt, nicht zufrieden.

Aber ein großer Teil wird seit langem innerkirchlich protestantisiert, vor allem in den charismatischen Gruppierungen, sodaß der Übertritt in eine evangelikale Gruppe kaum noch als Schritt erscheint. Das hat der VdZ oft und oft erlebt. Längst ist - gegen die dogmatischen und philosophischen Tatsachen - die herrschende Lesart auch in weiten Teilen der Kirche, daß der Protestantismus nur ein anderer Grad von Katholizismus bzw. Christentum sei.*** Vor allem in Südamerika ist dies zu beobachten, wo manche davon sprechen, daß er dort bereits zur Massenbewegung wurde. Der Schritt von Freikirchen, Evangelikalen zu heidnischen oder überhaupt atheistischen Strömungen ist freilich tatsächlich nur noch graduell, und passiert schneller, als viele meinen. Denn der Fideismus IST eine Art des Atheismus.

Insgesamt fiel der Anteil derjenigen in den USA, die sich überhaupt noch Christen nennen, zumindest aber als solche aufgewachsen sind, um satte 15 Prozentpunkte auf heute 70,6 % Bevölkerungsanteil. Alles das wie gesagt nur in den letzten sieben Jahren.







*Aktuelle Bevölkerungshochrechnungen gehen davon aus, daß in 2-3 Jahrzehnten die Latinos erstmals die größte Gruppe in den USA stellen weil die Weißen zahlenmäßig überholen werden. Während die der Schwarzen weiter sinkt, und zwar auf etwa 10 %. Das ist etwa die Größe der Gruppe, die aus Asien abstammt.

**Die bekannt hohe Bereitschaft der Amerikaner, zu "switchen", also Zubehörigkeitsgruppen zu wechseln, liegt in der geringen Rolle der Gestalt in dieser Zivilisation begründet. Das zeigt aber lediglich "Konfession" an, voluntaristische Zustimmung - keinen Identitätsübergang. Salopp formuliert: Der Amerikaner lebt mehrheitlich "im Kopf", der seinem Leib aber davonschwebt. Weil aber Erkennen sehr wesentlich eine Frage der - leiblichten - sittlichen Haltung ist, kommt es gar nicht (oder nur sehr schwer) zu diesem eigentlichen Erkenntnisprozessen, denn auch das sind Identitätsvorgänge: Man hat nur das als Erkenntnis, wonach man sich formen hat lassen. Man glaubt also primär, wie man lebt. Denn so ist das Rhythmengefüge des Leibes, und so ist damit die Vernunftstruktur des Menschen. Die Liturgie der Kirche, ihre Riten sind deshalb Formungen in der Vernunftfähigkeit der Gläubigen, die sie dann sakramentenfähig macht. Heute hat man leider den Eindruck, daß die Kirche das regelrecht vergessen hat, und selber den Glauben als das sieht, was wie ein Luftballon über den losgelassenen Leibern schwebt. Opfer der Lebensumstände? Nein, im Gegenteil: Denn alle Lebensweisen beginnen im Kult, nicht in Moralquatschereien oder Twitterbotschaften. Das ist tiefste katholische Sichtweise.

***Was man bestenfalls von manchen Einzelpersonen sagen kann, nicht aber von der prinzipiellen Richtung, die der Protestantismus in allen Schattierungen ist.




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Eine klimagerettete Welt (1)

Jedes Windrad benötigt einen Sockel von 1200 m3 Beton, darin 200 Tonnen Stahl. Die neuen Bautypen brauchen noch mehr. Samt dem Turmaufbau kommt ein Windrad somit auf etwa 7000 Tonnen. Für Anlieferungen und Wartung, aber auch für Notfälle, muß zu jedem Windrad zu Land eine Straße, ausgelegt für Schwerlastkräne, angelegt werden.

Für nachhaltige Energiegewinnung aus nachwachsenden Bio-Rohstoffen werden ganze Landschaften in Monokulturen verwandelt. 20 % der Agrarflächen Deutschlands sind bereits dem Anbau von "Energiepflanzen" (v. a. durch den berüchtigten "Wasser- und Bodenzehrer" Mais, sowie Raps) gewidmet.

Jakob von Uexküll hat gezeigt, daß jedes Tier, egal welcher Stufe, nur eine ganz beschränkte Welt "hat". Es erkennt nur jene Elemente, auf die es hinorientiert ist. Kein Tier kann diese Elemente abstrahieren, sie bleiben immer konkret. Was nicht als konkretes Ding in seiner Welt vorkommt, wird nicht erkannt. Eine Gefahr, die in dieser Welt nicht vorkommt, kann von ihnen nicht rezipiert werden. Hört ein bestimmtes Lebewesen auf leiseste Geräusche seiner Artgenossen oder ihrer Beutetiere, könnte man eine Kanone neben ihnen abschießen - sie würden sie nicht hören. Deshalb sind Vögel oder Fledermäuse auch unfähig, sich auf die Gefahr der Rotoren umzustellen. Das einzige an diesen Rotoren, das in der natürlichen Lebenswelt mancher Tiere vorkommt, ist der am Boden vorbeihuschende Schatten der Rotorblätter, der etliche Tierarten in Dauerstress versetzt.*

Werden Lebewesen - Tiere wie Pflanzen, und in gewisser Hisicht gilt das auch für den Menschen - aus ihrem angestammten Herkunftsraum (in den sie lückenlos an je einer Stelle eingefügt sind) wegtransportiert, suchen sie in dem neuen Raum wieder genau jene Elemente, auf die sie auch in ihrem Herkunftsraum angelegt waren, und können mit neuen Dingen, die dort nicht vorkommen, nichts anfangen, selbst wenn deren abstrakte chemische oder physikalische Eigenschaften "gleich" wären. Das gilt auch dort, wo Tiere sich pflanzlich ernähren. Viele Insektenarten etwa sind nur auf eine ganz bestimmte Pflanze (bzw. Blüte) ausgerichtet.

Lebendiges Verhalten ist mehr oder weniger extrem determiniert, aber immer determiniert, und schon geringe Änderungen, Überschreitungen dieser Abgestimmtheiten, können oft nicht mehr bewältigt werden.* Ein Insekt etwa erkennt nicht einmal ihr selbst gelegtes Ei, wenn es nicht genau in jener Baukonstellation vorkommt, etwa weil der Bau verschoben oder sonstwie beeinträchtigt wurde, die das Elterntier angelegt hat und immer gleich anlegt. Und umgekehrt aber auch unter allen Bedingungen sogar den Ort wiedererkennt, selbst etwa, wenn man den Bau zudeckt. Es hat ein bestimmtes Verhalten, und was die Dinge sind, mit denen es zu tun hat, ist gleichgültig, es ist durch das Verhalten, durch den Ritus ausgesagt. Die Schlupfwespe hat nur eine bestimmte Weise, in einen Bau zu kriechen, Eier zu legen, Nahrung zu deponieren, den Bau zu verschließen, und sobald es diese Riten absolviert hat, ist die Angelegenheit erledigt. Es kennt keine zielorientierten Vorgänge, es kennt nur die im Instinkt vorgegebene, immer einmalige Handlung.

Jean-Henri Faber zeigt dazu in seinen Beobachtungen und Experimenten, daß jede Wespenart sogar auf ein extrem festgelegtes Beutetierspektrum ausgerichtet ist. Jede Wespenart hat nur eine Art oder sogar Unterart eines Insekts, das es jagt. Zwar gelang es ihm, diverse Raupen auch mit anderen Insektenarten zu füttern, immer freilich nur kurz, denn die Methode, mit der ausgewachsene Wespen ihre Beute frisch halten ist nicht ersetzbar, und nicht mehr frische Nahrung vergiftet augenblicklich die Raupen. Aber sobald diese Raupen fertige Insekten sind, jagen sie wieder ganz genau das Insekt, das die Wespenart immer gejagt hat, mit nur bei manchen Arten vorkommenden geringfügigen Ersatzmöglichkeiten. Kommt dieses bestimmte Beuteinsekt aber - aus irgendeinem Grund - nicht mehr in der Lebenswelt dieser Wespe vor, ist diese Wespenart (die selbst wiederum Beutetier für andere Lebewesen, nicht zuletzt für parasitäre Lebensformen, ist, die selber aber auch wiederum Nahrung für andere Lebewesen sind) nicht in der Lage, Ersatz zu suchen. Sie stirbt aus.






*Morgen Teil 2) Anmerkung - Was den Menschen zum Menschen macht


*Wieweit Windräder sogenannten Infraschall aussenden, der in der Umgebung Wirkungen zeigt und als Dauerbelastung auch Menschen krankmachen kann, ist derzeit noch umstritten, wenn auch recht wahrscheinlich: Ein Windrad dreht sich nur über abgeleitete Reibung, und damit muß sich Rhythmik, Schall entwickeln und fortsetzen. Angeblich werden an Nutztieren, die in der Nähe von Windrädern gehalten werden, verstörende Beobachtungen - Aggressionsausbrüche, Fehlgegurten, Mißgeburten - gemacht. Dänemark hat sein ehrgeiziges Ausbauprogramm deshalb vorerst ein wenig gebremst, weil Untersuchungen abgewartet werden sollen. Der Widerstand in der Bevölkerung jedenfalls wächst allerorten. 2014 wurden in Baden-Württemberg trotz eines ehrgeizigen politischen Gesamtzieles nur noch 8 Windräder gebaut, das ist gerade eimal ein Zehntel der Neubauten im viel kleineren Hessen.





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Sonntag, 14. Juni 2015

... das Böses will, und Gutes schafft

Einen sehr berührenden, vor allem aber interessanten Artikel fand ein Leser in der Zeit vor einigen Wochen. Darin wird über Kambodscha unter und nach Pol Pot gehandelt. Über dessen Wahn, eine neue Gesellschaft zu errichten. In welchen ideologischen Wahn sich ganz gewiß und wie immer sehr viele ganz persönliche Motive mischten, bei Pol Pot, und erst recht bei seinen vielen Helfern und Untergebenen, ja es sind eigentlich immer zuerst die persönlichen Motive, für die dann ein Gedankengebäude instrumentalisiert, konstruiert wird: die Ideologie, der große Bruder - Angkar

Aber darum geht es nicht hier. Sondern darum, daß sich sein Regime ganz gezielt in jede soziale Zelle einmischte, vor allem iin die Familie. Die Menschen sollten völlig entwurzelt werden. Nur eine Einwurzelung sollte es geben: die in die politisch-soziale Organisation, ins Angkar. Das für alle dachte, das plante, das leitete, das anordnete.

Um das zu erreichen, mußte diese Organisation willkürlich vorgehen, unberechenbar bleiben. So sollte bewirkt werden, daß die Menschen aufhörten, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen, weil sie jederzeit mit Eingriffen der Staatsmacht rechnen mußten, die jedes persönliche Vorhaben, Wollen, Planen zunichte machte. Alles war entweder verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt oder befohlen war, oder gleich in staatlicher Hand. Arbeit, die meist zur reinen und anlaßbezogenen Sklavenarbeit degredierte, war ausschließlich auf gesellschaftlich verordnete Zwecke beschränkt, jeder Individualismus, jede persönliche Lebenserfüllung, Bildung die über staatliche Notwendigkeiten hinausging, sogar die Essenszuteilung - alles Persönliche wurde als dem Gesamtzweck schädlich unterbunden.

Die Familie war es dabei zu aller erst und vor allem, die den politischen Zielen im Wege stand. Wie es die Grünen und Roten der Welt bis heute und überall machen. Also wurden sie auch willkürlich auseinandergerissen, Eheleute, Verwandte, Geschwister oder auch nur Freundschaften durch Versetzungen getrennt, ohne daß einer vom anderen wußte, wo der nun war. Die dadurch entstehende Haltlosigkeit, die Intitiativlosigkeit sollte die Anhänglichkeit an das Regime verstärken. Und über allem - die Todesangst, denn zu töten war den Kadern und Soldaten praktisch willkürlich möglich, ja das Aufrechthalten der Furcht war deren Aufgabe.

Deshalb wurden auch private Ehen verboten, und ihre Schließung und Verwaltung - als zweckhafte Institution, um ausreichend Nachwuchs zu produzieren - durch die Staatshand übernommen. Durch willkürliche Anordnung wurden die jungen Männer und Frauen verheiratet, und mußten unter Überwachung die Ehe vollziehen, um sicherzustellen, daß sie Kinder bekamen. Die dann wenige Tage und Wochen nach der Geburt in staatliche Erziehungseinrichtungen kamen, oder - oft auch einfach nicht, denn der große Plan hatte auch so seine Denklücken oder simple Durchführungsschwierigkeiten. Hunderttausende "Familien" wurden also zwangsweise "begründet".

Aber nun stellte sich etwas Interessantes heraus. Denn selbst, wenn die Zwangsverheirateten, die auch gleich zur Zwangsbegattung gezwungen wurden, sich oft nicht einmal kannten, oder nicht mochten, waren es genau diese Familien, die den Menschen ... Halt gaben, ihnen Kraft zum Überleben gab! Denn mit einem mal hatte ihr Leben einen persönlichen Sinn, den genau das Regime ja ausrotten wollte. 

In diesen Familien entstand plötzlich für die Menschen eine Möglichkeit, eine sinnvolle Parallelwelt zu errichten, die den Wahnsinn, die Unvernunft, die den Alltag sonst erfüllte, ertragen ließ. Die durchhalten ließ, weil plötzlich Kinder da waren, ein Ehepartner, der zu einem hielt, auch wenn es niemand öffentlich zeigen durfte. Und es entstand vor allem die Möglichkeit, alte religiöse Riten und Bräuche - im Geheimen - aufrechtzuhalten, weiterzugeben, die die Menschen an ein Transzendentes anbanden, die das Leben aus der brutalen Verzweckung des Regimes herausrissen, und ihrem Leben eine Würde gab, die die offizielle Seite nicht mehr zerstören konnte. Denn nun ging es um etwas, und nun wollten die Menschen auch den Segen der Götter, mit denen sie in Frieden leben wollten.

In diesen Zwangsfamilien und -ehen, die der ultimative Todesstoß der bürgerlichen, traditionellen Familie sein sollten, und die viele nur aus Resignation eingegangen waren, bis soweiso keiner mehr frug, schuf das Regime also sogar sein Gegenmittel. Dort, in einer Sphäre des Geheimen, Privaten, Persönlichen, überlebte menschliche Würde, dort überlebte die Religion, die unabtrennbarer, ja fundierender Teil menschlicher Würde ist. Dort entstanden und überlebten neben familiären auch soziale Beziehungen. Auch inmitten einer aberwitzigen Gesamtsituation, und immer in der Angst, entdeckt zu werden, denn das hieß meist Tod. Je nach Schätzungen, kamen in Kambodscha in dieser Schreckenszeit unter Pol Pot bis zu 2 Millionen Menschen um, was einem Viertel der Gesamtbevölkerung entspricht. 

Nun hatten die Menschen einen eigentlichen Ort, an dem und vor allem für den sie leben konnten. Selbst wenn sie wieder getrennt wurden - die betroffenen Menschen hatten wieder einen Sinn gefunden, der in allem Wahnsinn aufrechthielt, ja auf den hin sich die Menschen überschritten, und das zahllose Leid ertrugen, weil es sie nicht in ihrem Sinn zerstören konnte. Da war ein Kind, für das die Frau zu sorgen hatte. Da war eine Frau, auf die der Mann als Mitte seines Lebens bezogen war. Da war für alle eine Familie, in der man eigentlich lebte und verankert war. Ja darauf bezogen hatte auch die Ökonomie, die Arbeit, das Schaffen - Sinn.

Die meisten dieser Ehen überlebten deshalb auch, als das Regime fiel. Als dann die internationalen Juristen kamen, und alles zu Unrecht erklärten, konnten viele damit gar nichts anfangen. Ja plötzlich stellte sich Unbehagen und Scham ein. Was die Menschen empfanden sogar als zweiten Raub empfanden - nun wollte man ihnen noch das entreißen, das das Leben doch ausgemacht und aufrechtgehalten hatte! Plötzlich ging es um Liebe und Leidenschaft, plötzlich sollte die erzwungene Ehe, auf der sie ihr Leben aufgebaut hatten, nicht gültig sein. Manche feierten seither die Eheschließung in den alten Zeremonien nach. Aber nur wenige trennten sich.

Und mit ihnen hat - die Religion überlebt, in den alten Sitten und Bräuche, nach denen die Menschen dort heute wieder öffentlich leben dürfen. Auf ihnen baut das heutige Kambodscha auf, das trotz der furchbaren Jahre, die so viele Menschen zu rohen Bestien gemacht hatten, nicht zur Hölle verdammt ist. Die Hälfte der heute 25 Mio Einwohner des Landes sind unter 25 Jahre alt. Und viele von ihnen haben menschlich genau das erlebt, was das Regime auf jeden Fall verhindern wollte, und genau damit stark gemacht hatte: Die menschenbildende Kraft der Familie.




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Die Frage nach dem Warum (2)


Teil 2) Die Frage nach der Wahrheit der Religion




Und hier kommt die Frage nach der wahren Religion ins Spiel, die nur in ihrem Verhältnis zur Vernunft beurteilt, nicht quasi religionenintern beantwortet werden kann. Nur so ist auch die Frage nach dem Sinn des Leidens dann beantwortbar (und tief vernünftig, wenn auch nicht immer leicht verstehbar, weil eben kein simpler logischer Prozeß, sondern ein Akt ... der Vernunftfähigkeit, zu der die Sehnsucht, den Schmerz abzulegen, nicht gerade disponiert: dazu muß man quasi aus dem Schmerz aussteigen, sich darüber erheben, der Welt sterben ... im Geist Gottes, dem Geist der Vernunft, der Wahrheit, dem Heiligen Geist, in dessen Atmen die Vernunft erfahrbar wird.)

Die Wahrheit des Katholischen leitet sich direkt daraus ab: in Jesus Christus ist die Wahrheit selbst erschienen; Gott als die Vernunft selbst. Und das koinzidiert mit der Grunderfahrung des Menschen im Welterfahren. Wo immer im Katholischen Raum Unvernunft auftritt, sind deren Vertreter auch nicht mehr katholisch. Jedes katholische Dogma ist nur eine Gestalt der einen Vernunft, die aber nur im rechten Geist erfahrbar wird.**

Aber sie geht wie jede Religion davon aus, daß die defintive Vernunft die Offenbarung braucht. So, wie schon dem Kind der Aufbau von Vernunft nur gelingen kann, wenn es Wahrheiten über die Welt erfährt und übernimmt. Die sich, salopp formuliert, als erhellend über die Welt herausstellen. Und so muß der Mensch auch die Wahrheit über die Vernunft selbst, die abslute Vernunft, empfangen. Deshalb kann auch nur jene Religion wirklich den Zugang zur Vernunft herstellen, die aus dieser absoluten Vernunft ihre Offenbarung empfängt. Das kann nur Gott selbst bewerkstelligen, das geht nicht über subjektivistischen Zugang oder persönliches Bemühen oder Methodik oder Technik, denn dann läge ja gerade das wieder in der Verfügbarkeit des Menschen selbst, ein Widerspruch. Und Gott hat es in Jesus Christus, seinem Sohn, gemacht. Die Frage nach dem Ich, dem Bestand der Person, hängt also direkt nicht nur an "einem Gott", sie hängt direkt an Jesus Christus, an den zu glauben an diese göttliche, absolute Vernunft erst anschließt und daran teilhaben läßt.

Damit steht und fällt jede Moral, jede Ethik, jede menschliche Würde mit der Geschöpflichkeit des Menschen, und nur wenn der Mensch sich so begreift kann er jene Haltung ergreifen, in der er für diesen Geist empfänglich wird. Seine eigene Würde und Vernunftverankerung kann nur absolut sein, wenn sie von einem Auftrag des Absoluten her - als eigene Wesensform nämlich, als "Natur" (passivum; "geboren zu") - verstanden wird. Wenn also der Mensch den Maßstab seines Daseins aus Gott ableitet. Und damit läßt sich auch menschliche Freiheit nur aus der Freiheit Gottes rechtfertigen - aus der absoluten Freiheit eines Ursprungs, der seinem Abbild diese Eigenschaft ALS MÖGLICHKEIT (zur Wesenserfüllung) mit eingeschaffen hat, die er in der Liebe und Vernunft bzw. Erkenntnis - nur so ist Person in sich stehend möglich - aktuieren kann und muß, um er selbst zu sein.

Deshalb ist der Mensch nur aus Gott er selbst, wie auch das Judentum geglaubt hat und glaubt, aber seine Aktuierung zum Selbstsein (in der Teilhabe; dimensional weit über alles Gesetz hinaus) ist eine Frage des Erlösers - des menschgewordenen Sohnes Gottes, in dem sich absolute Übernatur und Natur verbunden haben. Das ist ein erstes, nicht weiter rückführbares Faktum, und ein Geheimnis, das sich aus rein innerweltlicher Logik nicht mehr erschließt, das aber einleuchtend wird und von dort her die menschliche Vernunft erhellt. Die real zu beobachtende Vernunftkrise der Gegenwart - man beachte die Verzweckung des Denkens, die Methodisierung von Lebensvollzügen, das Herunterbrechen von Vernunft auf lineare Information, der Ausweg in die Irrationalität anstelle des Geheimnisses, etc. - ist direkt eine Krise des Glaubens AN Jesus Christus.

Eine sehenswerte Zusammenstellung von Statements aus dem amerikanischen Raum, wo die Frage nach Gott im öffentlichen Raum sehr präsent ist. 








*Damit ist auch klar, daß die Sprache an sich dem Menschen vorausgeht, nicht von ihm "gemacht" worden sein KANN. Wie natürlich dem Evolutionismus als einziger Ausweg zu sagen bleibt - aber das kann aus logischen Gründen schon so nicht sein, da muß man kein "Creationist" sein. Gemacht sind nur die SprachEN, zumindest weitgehend, und damit drückt sich in ihnen auch die faktische Charakterhaftigkeit in diesem Verhältnis zur Vernunft aus. Nicht aber gemacht kann die allen Sprachen zugrundeliegende Sprache selbst sein. Und diese ist - die Darstellung, der Körper, das Herz der Vernunft. Jeder der menschlichen Sprachen geht also das Wort - der logos, der Sinn - als Grundlage der gesamten Welt voraus.

**Man begehe aber nur nicht den Fehler, das Wort Vernunft mit irgendeiner Form kleinbürgerlichen Kalküls gleichzusetzen, die im Volksmund auch häufig aber falsch als "Vernunft" bezeichnet wird.





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Samstag, 13. Juni 2015

So geht es, das Leben

Die Jagd mit Falken und Frettchen. In allem steckt alles, nur je anders, weil in seinem Platz in der Hierarchie der Welt. Aber immer wartet dasselbe Eine an seiner Wurzel. Und löst sich ins Erkennen, wenn man sich den Dingen schenkt. Denn den Dingen ist die Wahrheit inne. Ihre Bewegung, die im Erkennen übernommen wird, ist Bild des logos, je nach Stufe der Dinge. Über die Dinge formt sich so die Wahrheit im Menschen, wo sie sich in dessen Wahrhaftigkeit, Sittlichkeit, in dessen Menschheit in den Atem des Einen Heiligen, Göttlichen Geistes eint, der im logos Mensch, der Spitze der Welt, in dem alles ist, die Welt ins Eine Höchste faßt. Ins Universale, das den Stufenbau von Welt und Überwelt vereint.







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Die Frage nach dem Warum (1)

Ohne die Frage nach dem Warum würde der Mensch auf die Stufe des Tieres herabsinken, und sinkt in Wahrheit unter diese, weil ihm die Instinktsicherheit der Tiere fehlt, die diese Frage eben nicht stellen können - und nur aus ihrer Beantwortung heraus handeln können. Es wäre die ultimative Tragödie, wenn der Mensch sich wirklich einreden würde, diese Frage nach dem Warum nicht mehr zu stellen. Umgekehrt ist die Frage nach dem Sinn nicht vortäuschbar, man kann Sinn nicht willkürlich definieren, um, so man es halt braucht, Halt im Leben zu gewinnen. Nur aus dem Glauben daran, daß es objektiven, ihm vorauseilenden, ihn umfassenden Sinn gibt, kann der Mensch überhaupt leben.

Die Frage nach Glück und dem guten Leben, nach Moral, ist mit materialen Zwecken nicht beantwortbar. Das Böse und das Gute sind Kategorien, die sich innerweltlich nicht beantworten lassen, und mit physischer Wohlfahrt nicht identisch sind. Wer das glaubt, hört nur zu früh zu fragen auf. Denn die Struktur der Welt ist Vernunft, diese Feststellung ist die Basis jedes Lebens und jedes Menschen. Also muß das Sprechen darüber logisch kohärent bleiben, will man über Welt und Gott sprechen. Und die Verfaßtheit jedes Menschen beweist, daß kein Mensch ohne logische Kohärenz auskommen kann - der Mensch zerfällt, wenn er keine logischen Antworten findet (die im letzten in einem Glauben an ein Absolutes aufruhen). Außerhalb von ihr über die Welt sprechen zu wollen ist ga rnicht möglich: Kein Gespräch könnte geführt werden, wenn es nicht eine über die Gesprächspartner hinausgehende, nein, diesen vorausgehende Sphäre der Vernunft gäbe. Gespräch, Disput ist also nur ein Disput über den Zugang zu dieser Vernunft.

Und dieser Zugang ist nur in der Liebe möglich: das heißt, in einem personalen Verhalten zur Vernunft ALS persönliche Reaktion, an der man dann teilhaben kann (die man aber nicht zwingen kann), die also in sich steht - Person IST. 

Jeder Mensch sieht sich dieser allem zugrunde liegenden Vernunft somit als DU gegenüber. Nur über ein persönliches Verhältnis läßt sich zur Vernunft überhaupt ein Zugang aufbauen - jeder Mensch kennt die Erfahrung, daß sich Vernünftigkeit durch persönliche Haltung verhindern oder verweigern läßt. Und das heißt selbst schon: Bezug zu einer rationalen, logischen Weltstruktur, das Ausspannen jedes weltlichen Vorgangs und jeder Tatsächlichkeit auf diese außerhalb eines selbst stehende Vernunft hin - man kann Vernunft also nur "annehmen", wie es die Sprache auch richtig kennt.

Ja, dieses Du geht dem Ich sogar voraus, das Ich empfängt sich daraus, und aktualisiert sich in der Bereitschaft zur Vernunft aus der Vernunft heraus. Das zuerst nämlich ein "ich bin es" ist, als Aufruf von einem Du her. Dem freilich damit auch ein bereits bestehendes Ich vorausgehen muß, sonst könnte sich der Mensch ja gar nicht angesprochen fühlen - der Anruf konstituiert, schafft also nicht das Ich, er aktuiert es nur, wie Guardini sagt. Die Entwicklung der Vernunftfähigkeit bei Kindern demonstriert dies beeindruckend.*

Könnte das aber dann nicht ein Computer auch erfüllen? Ein Computer, der diese Eigenschaften hätte, die wir als Grundlage der Welt erfahren, wäre nur ein anderes Wort für - Gott. Wissenschaft kann keine Moral definieren, denn sie ist relativ, historisch relativ, und deshalb wandert ihre Moral mit dem Zeitempfinden. Selbst die KZs waren wissenschaftlich in "objektiver Notwendigkeit" fundiert, genauso wie es die Sklaverei war - gerade jene Verbrechen, die im Namen der Wissenschaft, der je historischen "objektiven Notwendigkeit" durchgeführt wurden, sind die schlimmsten gewesen. Rationalität (und eine Wissenschaft hat nur Rationalität, ja das ist ihr Prinzip) reicht eben nicht aus, und sie ist auch nicht Vernunft, die diese persönliche Dimension hat, wenn sie auch in sich rational ist.

Was wir heute als unethisch empfinden (und damit absolut setzen), war vor 200 Jahren oder ist sogar heute noch auf anderen Kontinenten oft keineswegs als unethisch definiert. Eine wirkliche Verankerung von Ethik läßt sich nur darauf gründen, daß die menschliche Würde gleichermaßen ins Absolute verlängert wird,. also selbst absolut wird. Was dann die absoluten Kriterien dieser Würde sind - läßt sich nur aus Gott definieren. 

Nur aus diesem Verhältnis zur Vernunft, zur Wahrheit, läßt sich auch das Böse, das Leid verstehen. Das NICHT aus dem Mangel an absoluter Vernunft entstammt, sondern nur in eine Sinnfrage eingebettet werden kann, die selbst wiederum mit dem Verhältnis zur absoluten Vernunft direkt zu tun hat. Leid setzt im Letzten nämlich in der verweigerten Vernunfthaltung des Menschen an, in welche auch die gesamte übrige Welt mit hineingezogen wurde, und die von Generation zu Generation weitergegeben wird - weil der Mensch eben frei ist, aber sich zur Vernunft immer neu, in jedem neugeborenen Menschen neu aufrichten muß, ohne aber der Welt entfliehen zu können.




Morgen Teil 2) Die Frage nach der Wahrheit der Religion




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Freitag, 12. Juni 2015

Katholisch ist: Ja zur Todesstrafe

Er sei, meint da Leser R in einem Brief an den VdZ, doch etwas irritiert. Denn da verkünde der Papst nun eine so rigorose Ablehnung der Todesstrafe, wie er, R, sie weder in der katholischen Tradition noch im aktuellen Katechismus (oder: gelte der nicht mehr, frägt er weiter?) noch auch in seinem eigenen Glaubensverständnis vorfinde.

Selbstverständlich, werter R, haben Sie Recht. Was immer da der argentinische Schwafelpofler wieder einmal erzählt hat - nehmen Sie sich ein Beispiel an Kardinal Newman, der das persönliche, am depositum fidei gebildete wie zu bildende, weil dort anzuhängende Gewissen über alles gestellt, hat, auch über den faktischen Papst. Und wenn es diese gesamte Schmeißfliegengesellschaft der Speichellecker, die sich in seinem Schweif sammelt, nachbetet - Ja, es gibt nicht nur die gesellschaftliche Möglichkeit, es gibt die politische Pflicht sogar, die Todesstrafe zu verhängen. Wenn das seelische Heil anderer, in offiziöser Verantwortung stehender ausdrücklich bzw. klar gefährdet ist. Als Notwehrmaßnahme. Das war noch nie anders, und das wird auch nie anders sein.

Und bleiben Sie weiter dem Katechismus treu, im Gegensatz zu manchen anderen. Der VdZ erinnert sich noch gut, was es 1994 bereits für einen Aufschrei gab, als sich diese prinzipielle Möglichkeit im Katechismus des Heiligen Papstes Johannes Paul II. fand.  So ist es einfach. Es war nie anders. Weil es prinzipiell so ist.

Daß das im Einzelfall schwer zu beurteilen sein mag, sei dahingestellt. Aber es ist die verdammte Pflicht jedes Entscheidungs- und Verantwortungsträgers, es zu beurteilen! Es zu befinden. Und dazu wird er nie mehr haben als seine eigene Einschätzung der Gefährdung.

Es gehört zu den großen Geheimnissen des Lebens, daß der Mensch imme rnur im Rahmen einer gewissen Unsicherheit agieren kann - aber darin feste Entschlüsse setzen MUSZ. Erst so kann schöpferisches Leben wirklich werden. Endgültige, absolute Gewißheit werden wie auf Erden nie erlangen. Das ist eben dann genau - Verantwortung! Wer nur auf Sicherheit hin meint, Entscheidungen treffen zu dürfen - wird überhaupt nie welche treffen, er wird immer nur Abläufe summieren.

Im übrigen ist die Todesstrafe auch eine Form der Sühneleistung - VOR GOTT. Daran scheint heute ja überhaupt niemand mehr zu denken. Weil es offenbar niemand mehr kennt. Es kommt im Leben aber nicht darauf an, möglichst lang und unbehelligt zu leben, sondern seine Seele ins Heil zu bringen. Jede Strafe hat genau diese Funktion: Der Rückgliederung in diese Ordnung des Heils. DEas geht nur mit Schmerz.

Noch dazu hat die Welt einfach eine gewisse Relativität, die Relativität eine Spiels mit ernsten Regeln. Um es wieder einmal salopp zu formulieren: Die Welt geht auch mit einem irrtümlich verhängten Todesurteil nicht zugrunde. Eher sogar im Gegenteil. Auch das Todesurteil das über Jesus verhängt wurde war nicht gerecht, und doch hat es die Welt erlöst. Der überlieferte Dialog am Kreuz, mit den Schächern, erhellt die Problematik großartig. "Wir haben es verdient - jener aber nicht." Wir haben es verdient. Das hat sogar etwas sehr Zeitrelatives, guter R. Mal wird die Todesstrafe häufiger, mal weniger häufig verhängt. Ein "objektives, absolutes" Maß für die Todesstrafe gibt es also auch nicht. Aber niemals kann sie prinzipiell ein "no go" sein.*

Wenn Ihnen auch noch so viele twitterfromme Scheinheilige und Heiligkeitssimulanten, von denen es heute so viele gibt wie noch nie, das wagt der VdZ zu behaupten, erklären wollen, daß - gegen den Katechismus, gegen das depositum fidei, gegen jede Vernunft - die Todesstrafe in jedem Fall abzulehnen ist, dann nennen Sie jenen dezent das berühmte (leider aber nicht historische) Zitat Goethes aus dem Götz von Berlechingen. Und heißen sie die Superfrommen weiter Schlabber sammeln. Denn das Rückgrat der meisten dieser hat nicht einmal die Qualität einer Stangenbohne, in deren Gestus sie sich egal wie verbiegen, um nur ja oder endlich "nach oben" zu kommen.

Lassen Sie sich, geschätzter Leser R, nicht von den käsigen Muttersöhnchen der Gegenwart irritieren, deren Moralität doch in Wahrheit nur die Lüge der Schwäche ist, die andere schwächen will, weil sie Angst vor dem Sein haben und noch nie in ihrem Leben wußten, was Verantwortung für andere überhaupt heißt.

Also, lieber R: schnaufen sie sich die künstliche, lächerlich sentimentale Tragik, die über dieses Thema gelegt wird, als ginge es um Grundsatzfragen des Glaubens, einmal aus. Und dann lesen Sie Newman. Oder - von mir aus - dieses Blog. Manchmal. Als Stütze oder Prüfstein der Vernunft vielleicht. Der VdZ übernimmt die Verantwortung. Weil er sie sowieso dafür hat, denn dafür wird er gerichtet - für jedes, JEDES Wort.

So, wie alle anderen. Und wenn sich die tausendmal wünschten (und wünschen werden), daß man ihr Wort nicht ernst nehmen solle. Die Welt steht auf dem Wort gegründet.  

In principio erat verbum, et verbum erat apud Deum, et Deum verbum erat.




*Daß es - davon völlig unabhängig - eine Reform des Umgangs mit Straftätern braucht, die ihre Strafe abgebüßt haben, ist ein ganz anderes Thema. Denn Bestrafte für immer zu ächten ist tatsächlich unchristlich.'Daß sie das Vertrauen in sie neu aufrichten müssen ist ein anderes Thema. Dem aber kommt die ständige Zerrerei von allem und jedem in die Öffentlichkeit nicht gerade entgegen. Da bräuchte es im Gegenteil eine Kultur der Diskretion. Wer eine Strafe abgebüßt und seine Tat gesühnt hat, braucht die reale Möglichkeit, neu anzufangen.  

Interessanterweise hat sich genau aber dieser Gedanke völlig verloren. Gefängnisse sind in Teilen Europas (Norwegen!) schon regelrechte Sanatorien, mit bester Ausstattung, einem bequemen Urlaubsheim gleich, wo es nur noch darum geht, für eine gewisse Zeit irgendwie auszusperren, ohne daß es zu sehr nach Aussperrung aussieht. Aber eine "Resozialisierung" ohne Sühne, Strafe und Schmerz. auch ohne Bürgerrechte in dieser Sühnezeit, gibt es prinzipiell nicht. Und damit ist auch jedes Gerede um angeblich schuldige Barmherzigkeit obsolet. Barmherzigkeit kann niemals "geschuldet" sein.





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Ohne Glaube keine Wissenschaft

Noch selten hat der VdZ derart präzise und gerafft die Widerlegung der szientifizistischen Weltanschauung gesehen, wie es hier durch William Craig gegenüber Peter Atkins geschieht: Im Grunde kann ÜBERHAUPT NICHTS "wissenschaftlich bewiesen" werden. Denn die gesamte Wissenschaft ruht auf wissenschaftlich nicht beweisbaren, lediglich gesetzten - geglaubten - Postulaten auf. Drei Minuten, die nicht nur wegen des verblüfften Gesichts von Atkins schmunzeln machen.








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Donnerstag, 11. Juni 2015

Schon der Name ist Betrug

Jüngst erschien einer der üblichen Empörungsartikel über Putin und Rußland in der Presse, in dem ein offiziell verkündetees Vorhaben Rußlands an den Pranger gestellt wurde, die Tägigkeiten ausländischer, ausländisch finanzierter, und politisch tätiger NGOs ("Non Gouvernmental Organisation") einzuschränken. Darunter fand der VdZ eine Lesermeldung, die er hier einfach übernimmt. Er war übrigens direkt (quasi blutwarm aus dem Psychlogie-Studium heraus) in der PR reines Unternehmens tätig. Und hat den Umbruch ab Mitte der 1980er Jahre blutwarm miterlebt, wo die PR von bloßen Unternehmensnachrichten auf "public interest" umzusteigen begann. Das heißt: die PR begann damals systematisch auf "Content" umzusteigen, die journalistische tätigkiet "zu erleichtern", was dankbar angenommen wurde.

Heute kämpfen die Medien, überhaupt noch redaktionell frei erstellten Inhalt auf die Füße zu stellen, meist gelingt es gar nicht mehr. PR-Büros - oder interessensgruppen-finanzierte Sammelredaktionen für mehrere "unabhängige", "eigene" Zeitungen und Medien - liefern die Inhalte, und bestimmen das, was Sie, geneigter Leser, in ihrem gewohnten Leibblatt lesen. In Österreich ist es besonders schlimm, weil es nach 1945 (ab wannen das Land besetzt war) nicht gelang, eine international relevante Zeitung aufzubauen. Der Griff der Politik nach den Medien hat schon rein finanziell Überlebensrelevanz, kein einziges relevantes Medium in Österreich wäre ohne staatliche und damit politische Gelder noch überlebensfähig.* Die österreichische Medienlandschaft ist ohne jeden Zweifel diejenige im deutschsprachigen Raum, die sich im erbärmlichsten Zustand befindet, und reines Vehikel von Interessensgruppen ist.


(cit/.) Schon der Name ist Betrug

Alle global relevanten NGOs sind keineswegs "non gouvernmental", sondern werden direkt von Staaten oder Lobbys finanziert. Und zwar von jenen, die sich darüber eine Stärkung ihrer eigenen Interessen durch politische Arbeit verspricht. Nur "moderne" Wege wählt.

NGOs sind KEINE grassroots-Einrichtungen eines demokratischen Staates. Sie sind längst staatsfeindlich, weil sie genau den Staat über andere Wirkmechanismen aushebeln wollen.

Die Zeiten, wo sich selbstlose Gesinnungsbrüder verbunden haben, um ihren Idealismus einzusetzen, weil ein Thema in den demokratischen Prozessen zu wenig Gewicht hatte, sind vorbei. Es sind regelrechte Konzerne.

Ich weiß wovon ich rede. Ein naher Verwandter von mir arbeitet an maßgeblicher Stelle in so einem Konzern, und agiert weltweit. Der mit einem Budget von nur aus US-Regierungsgeldern stammenden 270 Mio Dollar jährlich (offizieller Budgetposten) regierungsfinanziert ist.

Jährlicher Vorgang, um sich zu finanzieren? Aufweis der Nützlichkeit der "unabhängigen" Agenden für die Regierung. Natürlich, weil es "objektiv" wichtig ist

Welche Position die wohl vertreten? Nennt sich aber NGO! Und diese Organisation (ich könnte sie natürlich nennen) ist nur eine unter VIELEN, von denen manche noch weit (!) mehr Geld bekommen.

Ihre Arbeit? Ausschließlich MEINUNGSBILDUNG. PR. Bücher. Weltweit. (Mein Verwandter hat auch in "Die Presse" Artikel plazieren können.) Dafür haben die hunderte hochqualifizierte Mitarbeiter angestellt. (./cit)



*Unter dem "alten Herrn Dichant" war es ausgerechnet die am meisten als "Boulevardblatt" verschimpfte "Kronen Zeitung", die sich ein völlig eigenes Nachrichtennetz leistete, und von staatlichen Geldern unabhängig, ja ein hochprofitables Unternehmen war. Entsprechend eigen war die inhaltliche Linie. Mit einem täglichen Leseranteil, der sogar in absoluten Zahlen die deutsche Bild (Musterblatt allen Schimpfboulevards in Europa) noch übertraf. Mit - der VdZ wagt es, dies hier zu sagen - einer erstaunlichen (!) redaktionellen Qualität, die mit Bild niemals zu vergleichen war. Diese Zeitung hat es sich sogar geleistet, täglich eine ganze Seite kompetenter Kulturkommentare, mit Theaterbesprechungen der besten Kulturjournalisten, zu liefern, und eine so eigene inhaltliche Linie zu fahren, daß die Politik wie gebannt auf sie starrte. Denn die Hälfte der Österreicher las es! Weil es ihre Meinung traf. Sonst kauft man keine Zeitung. Allein die Gründung (Wiederauferstehung) dieser (einst monarchistischen) Zeitung ist schon Legende, die innenpolitisch ein Erdbeben mit sich brachte. (Stichwort "Gewerkschaftspräsident Franz Olah") Die Kronen Zeitung war (war!) eine Kulturleistung.

Die nationale Machtposition, die die Legende Hans Dichand aufgebaut hatte, war aber für seine Erben (und die mittlerweile eingestiegenen Mitbesitzer - die WAZ) ein "aufgelegtes Spiel", das diese in die Lage versetzte, noch besser als die Konkurrenz öffentliche Mittel anzuzapfen. Ja, man muß es sogar so formulieren, daß sich der Staat seine eigene Gegenmacht aufbaut und "leistet", weil es einer politischen Gruppierung, die die Staatsmacht mißbraucht, in die Strategie paßt.





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