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Mittwoch, 30. Januar 2008

Von der Versuchung, sich Selbstachtung verdienen zu wollen ... oder: Vom Wandel des Edlen zum Imperativistischen


Georges Chastellain (1404-1475)

"... der Glanz der Fürsten besteht in Hochmut und im Unternehmen sehr gefährlicher Dinge; alle fürstlichen Machtäußerungen laufen in einem engen Punkte zusammen, der 'Hochmut' heißt."

"Nun ist aber unter den tiefverwurzelten Gefühlen des Menschen keines, das geeigneter wäre, sich in Redlichkeit, Vaterlandsliebe und Gewissenhaftigkeit umzusetzen; denn der Stolze bedarf der Selbstachtung, und um sie zu erlangen ist er versucht, sie zu verdienen."





*300108*

Dienstag, 29. Januar 2008

Der Windkraft-Schwindel ... ?

Es ist doch heute wirklich schon egal, ob eine Sache sachlich gerechtfertigt ist oder nicht - es geht nur noch darum, daß Sentimentalkontingente befriedigt werden.

Befaßt man sich nur oberflächlich sachlich mit der Angelegenheit - Windkraftanlagen, WKAs - gewinnt man den Eindruck, daß das doch ein einziger ausgemachter Bluff ist?! Hier ist eine der vielen Seiten verlinkt, die sich mit den zahlreichen Argumenten GEGEN Windkraft auseinandersetzen. Wobei diese Seiten oft bejammern, daß sie es mit einer regelrechten Öko-Lobby zu tun hätten, wo massive Profitinteressen von Großkonzernen wie Siemens sich auffallend unauffällig mit zur Moral erhobenen "Umweltschutznarreteien" verquicken.

Auszüge:

... Professor Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises, Initiator des ostdeutschen Nationalparkprogramms, erstmals den Windkraftkurs der neoliberalen Bundesregierung als überspannt und unverantwortlich anprangert ... Succows Windkraft-Kritik fast durchweg der Medienzensur zum Opfer fällt. Denn nicht nur in Redaktionen, auch in Umweltorganisationen haben die Windkraftkonzerne clever ihre Funktionäre postiert, sponsern sie nach Kräften, damit Windkraftwerke wider besseres Wissen mit Umweltschutz gleichgesetzt werden.

Succow sieht, wie selbst seine Heimat Brandenburg zunehmend durch die Windmonster zerstört wird. „Aus einer Kulturlandschaft ist eine Produktionslandschaft geworden, die nur noch ein Ziel hat - Maximalprofite. Industriemäßig genutzte Standorte sind lebensfeindliche Räume. Wahnsinnige Erträge, die Bodenfruchtbarkeit vernichtet - riesige Flächen, wo kein Hase mehr leben kann, das Leben flieht. Und dann kommt noch die Windkraftanlage dazu - in ökologisch hochwertigen Räumen für mich ein Fluch! Diese Verschandelung der Landschaft kann man nicht akzeptieren.“

... Pseudo-Umweltschützer tun weiter so, als grabe man mit Windkraftwerken der bösen Atomindustrie, den Betreibern konventioneller Großkraftwerke das Wasser ab, tue also ein gutes Werk. Und bestreiten erbittert selbst öffentlich in Umweltblättchen, daß just die Rüstungsindustrie, der Atomkraftwerksbauer Siemens-KWU von Anfang an beim Windkraft-Deal mit dabei sind - als Produzenten, Planer, Vermarkter hohe Profite erwirtschaften. Es reicht, im Internet die entsprechenden Firmen-Websites anzuklicken. Und - wenn man einmal dabei ist, die Argumente auf den Windkraftgegner-Websites zu studieren - über fünfhundert Bürgerinitiativen Deutschlands sind inzwischen vernetzt. Mancher bislang Blauäugige müßte sich zwangsläufig mit einigen physikalisch-technischen Details befassen: Windanlagen können keine konventionellen Kraftwerke ersetzen, brauchen diese sogar, um überhaupt zu laufen. Und im häufigen Fall einer Flaute, damit abnehmender Windanlagenleistung, müssen die konventionellen Kraftwerke sofort einspringen, deshalb schon vorher Reserveleistung vorhalten.

„Windenergie für sich allein ist zwar emissionsfrei erzeugt, aber auch schlicht unbrauchbar“, schreibt in der Frankfurter Rundschau“ der Windkraftkritiker Werner Eisenkopf.“ „Sie schwankt von Viertelstunde zu Viertelstunde und ist bei Schwachwind, Flaute und auch bei Sturm wegen Sicherheitsabschaltung nicht verfügbar. Im deutschen Schnitt des Jahres 2001 waren nur ca. 14 Prozent der Nennleistung aller Windräder überhaupt und unregelmäßig nutzbar. In der übrigen Zeit und immer wieder zwischendurch mußte durch ständiges Zu- und Abschalten von Regelungsenergie dafür gesorgt werden, daß die örtlichen Stromnetze nicht dauernd durch diese unvermeidlichen und natürlichen Schwankungen des Windes abstürzen und Computer täglich mehrmals zwangsweise neu booten müssen und Daten verloren gehen. Diese Regelungsenergie(...) ist nicht emissionsfrei erzeugt, sondern kommt von aus dem Teillastbetrieb schnell hochgefahrenen Kohlekraftwerken und von Gasturbinen.“

Nicht zufällig gilt bei Naturschützern Windkraft auch deshalb als der größte Bluf.

... müssen die Industrieanlagen in deutlichem Abstand von menschlichen Siedlungen errichtet werden, um die Menschen nicht zu stören oder zu gefährden. Aber der Natur, den wildlebenden Tieren sind all diese negativen Effekte zuzumuten, meinen die zynischen Windkraft-Sympathisanten. „Kein Mensch baut die Anlagen“, so Sömmer, „weil er den Strom braucht, sondern weil er an der Förderung verdient.“ Der erfahrene Naturbeobachter ist sicher, daß die Anlagen, „nachdem sich die Firmen dumm und dämlich verdient haben, wohl wieder abgebaut werden - zu riesigen Kosten, die dann die Allgemeinheit bezahlt.“



*290108*

Widerspricht der Islam der Schweizer Gesetzesgrundverfaßtheit?

Ein interessantes Argument brachte in einer auf Ö1 (siehe Link) zu hörenden Diskussion ein Schweizer Gegner gegen (weitere) Minarette in seinem Heimatland vor:

Die islamische Lebensordnung und -welt (schon gar in der Scharia) widerspreche der Schweizerischen Grundordnung und der darin verankerten Lebenswelt.

Übrigens: Die Freiheit des Gewissens und der Religionsausübung ist kein Gegenstand des Völkerrechts.





*290108*

Menschliches Leben IST Kommunikation

Samy Molcho im Interview auf SWR3; sinngemäße Wiedergabe:

"Es gibt keine Körperhaltung, die gut oder schlecht ist. Jeder Mensch hat einen Grund, so oder so sich zu verhalten. Gut oder schlecht kann es höchstens sein für meine Ziele. Der Körper ist der größte Schwätzer aller Zeiten, bewußt und unbewußt. Man kann nur gewisse Sachen machen, gewisse aber nicht. Man kann nicht wirklich mit dem Körper täuschen und lügen. Man sieht sofort den Widerspruch.

Der Körper ist der Handschuh der Seele. Jede seelische Bewegung äußert sich im physischen Verhalten. Selbst wenn man durch Kleidung verdeckt ist - dann ist es eben die Atmung ... Man hört nie auf (über Empathie) zu kommunizieren. (Menschliches Dasein IST pausenlose Kommunikation.) Man kann sich aber über Bewegungen, über Haltungen auch in seelische Positionen bringen!"





*290108*

Kein Mensch ist unabhängig

Eine schlichte Nachricht unter vielen als Link zu einer Tageszeitung - ein Ungeborenes wurde mittels Kaiserschnitt aus einer Mutter geboren, die bereits tot war, Opfer eines Schußwechsels. Das Baby lebt.

Eines der Argumente, die ich gehört habe, um das "noch nicht Mensch"-Sein eines Ungeborenen zu beweisen ist, daß es erst in dem Moment, wo die Nabelschnur durchtrennt sei, Mensch, weil selbständig existenzfähig sei.

Wie sehr ein Mensch trotz seiner Abhängigkeit zu leben vermag, beweist dieses Baby. Aber die Selbständigkeit als Organismus, als eigenständiger Organismus kann jeder Arzt bestätigen. Gerade übrigens Abtreibungsärzte, denn nicht nur überleben manchmal vermeintlich Abgetriebene, wie ich persönlich von (erschütterten) Krankenschwestern gehört habe, die man dann einfach bewußt liegen und sterben läßt. Sondern Videoaufnahmen zeigen, nicht weniger erschütternd, wie der Embryo bereits im dritten Monat der todbringenden Zange zu entkommen sucht.

Doch was dahintersteht ist eine per se falsche Vorstellung über die Autonomie des Menschen. Niemandem würde einfallen, die Abhängigkeit des Menschen von Sauerstoff, Wasser, Nahrung als Grund anzusetzen, daß er nicht Mensch sei. Niemandem würde einfallen, den Unternehmer, der von der Zahlung des Kunden existentiell abhängt, den Rentner, der wenn die Rentenzahlung nicht eintrifft nichts zu essen hat, den Bauern, der zwar alles zum Wachsen seiner Feldfrucht beitragen kann, aber dennoch das Wachsen selbst nur abwarten kann, etc. etc. als weniger Mensch anzusetzen.

Kein Mensch ist autonom im Sinne von unabhängig von der Welt oder der Kultur! Jeder Mensch hängt existentiell ohne Unterbrechung von allen möglichen Umständen, aber auch von Mitmenschen ab. Abhängigkeit - die religio, die existentielle Rückgebundenheit - ist Kennzeichen des Menschen, ja Kennzeichen der ganzen Schöpfung, die ein gigantisches Zueinander der Dinge ist, wo nichts autonom agiert, und nichts agiert ohne anderes zu tangieren.

Sie tangiert nicht die Freiheit des Menschen, denn nichts kann ihm nehmen, sich zu allem zu verhalten. Ja selbst Notwendigstes zu verweigern. Erst wenn dieses Verhalten zu sich selber eingeschränkt, getrieben ist (wie beim Tier) - dann ist der Mensch unfrei.

(Was der Biologismus der Naturwissenschaften, der alles Lebendige als simplen Ursache-Wirkung-Mechanismus erklären möchte, als erstes opfert ist eben die menschliche Freiheit. Deutlich wird das für jeden, der mit einem Psychologen europäischer Schule spricht ...)





*290108*

Mittwoch, 23. Januar 2008

Glück = Nutzen

Es soll nachgeschoben werden: Der Vortrag von Tobias Moretti bei einer Tagung in Hartheim in Oberösterreich. Denn er ist es wert.

"Wer das Leben am einen Ende - bei der Empfängnis - in Frage stellt, wird es auch am anderen Ende in Frage stellen. Das Leben an sich darf aber keine Rechtfertigung benötigen!"

Mit einem schönen Gedanken: "Mir macht die Norm Angst: Fit, jung, schön ... Wer aber ein behindertes Kind großzieht, sich um einen alten Menschen kümmert, für den ist das plötzlich Hobby (gegen die Norm) ... Die Frage, was Lebenskultur zu einer menschlichen Kultur beitragen kann ist, daß diese Frage nach dem Nutzen offen bleibt."





*230108*

Dienstag, 22. Januar 2008

Aufschreiben als Pflicht

Es sind oft nicht viele Sätze, ja manchmal wenige, manchmal nur ein einziger ... die aufstehen. Vor denen man Respekt entwickeln wie bewahren muß, so kummervoll das auch sein mag. Denn man darf sich nie dabei verurteilen, nie werten, sondern bescheidentlich hinnehmen, was einem so dürftig vorkommt.

Doch diese wenigen Sätze aufzuschreiben - es ist das Wahrnehmen von Lebensgelegenheiten, es ist die Treue einer Pflicht gegenüber, an die zu glauben einem selbst schwerer fällt als ein Außenstehender glauben mag. Aber am Abend, vor dem Einschlafen, werde ich nach ihnen gefragt. Ich kann dann ruhig einschlafen, wenn ich sagen kann: ja, ich habe sie aufgeschrieben.

Erst wenn man diese Pflicht, die aus Momenten des Tages aufsteigt, aufgibt - dann gibt man auch das Leben als Schriftsteller auf, das sich scheinbar sonst durch nichts zu erkennen gibt ... will man nicht in den Beruf des "Künstler-Seins" fallen, der heute größten und tödlichsten, folgenreichsten Versuchung.

Aber man weiß es einfach: Dann gibt man sich selbst, sein Leben auf.





 *220108*

Halloween ... Schluß mit dem Rätselraten

Was gibt es nicht alles für Thesen, woher Halloween stamme: von den Kelten, aus Urzeiten, des Teufels Werk, heidnisches Unzeugs, erfunden in den USA, etc. etc.

Die Wahrheit ist aber vielleicht viel einfacher: Gottseibeiuns MARTIN LUTHER hat auch Halloween erfunden! Aus der Notwendigkeit, dem Protestantismus mehr Freude einzuhauchen, dessen Ausbreitung nach den ersten Jahren zu erlahmen schien (denn feiern können bekanntlich nur die Katholiken ...) führte er das Fest "Hallo Wahn!" ein.

Luther galt ja bald als "Spaßverderber", und das war tatsächlich eines der schlagendsten Argumente für die katholischen Bischöfe und Landesfürsten. Zu bierernst war bald der Protestantismus geworden, der binnen 5 Jahren immerhin 50 Prozent Deutschlands erobert hatte. Aber die Arbeit als "höchste Tugend", der Moralismus als Lebensgalle ... das verlangte nach Gegenmaßnahmen, um die Massen nicht wieder zu verlieren. Immerhin wurden in den protestantischen Gebieten die meisten katholischen Feiertage gestrichen, und darüber hinaus die zur Unmoral so verleitenden Fastnacht und Karneval! Es gab also ein ernstes! "Imageproblem"...

So kam es zu ernsthaften Debatten, wieweit die Freude des Festes, "Wein, Weib und Gesang", nicht reiner Ausfluß teuflischen Umtriebes war. Ob also irdische Festesfreude generell als göttliche Gnade angesehen werden kann, wie es übrigens die Katholiken betrachten. Für das Argument teuflischer Herkunft sprach für Luther und Melanchthon, daß bei großer Festesfreude ein "Wahn" über die Menschen zu kommen schien. Ja, als läge geradezu das Wesen des Festes im "Wahn" ... ein "frommer Wahn" ... Also habe der Christ denn doch den (begrenzten) Wahnsinn zu begrüßen - der Weg zu "Halo Wahen" war nur kurz: Am 1. April 1522 erschien die Luther-Schrift "Sermon vom Halo Wahen! Dem gottgewollten und also gestatteten Frohsinnsfeste zum Frühlingsbeginn".

Rasch setzte sich dieser neue Brauch durch, und er schlug rasch auch Fastnacht und Karneval aus dem Rennen: Die Obrigkeit wurde verspottet, und so manches Treuegelöbnis nicht mehr so ernst genommen. Luther schien das erst kaum zu stören.

Wäre diese Lockerung der Sitten nicht auch im Hause Luther zu bemerken gewesen ... bei ihm wie bei seiner Frau ... So begründet allen Ernstes die Lutherforschung zu nicht unerheblichem Teil den sonst nicht wirklich nachvollziehbaren Stimmungswandel, der ab 1525 bei Luther dieses Fest betreffend einsetzte.

Daneben aber uferten die Halo-Wahen-Feste zu Aufständen aus, es kam zu Bauernaufständen etc., und Luther war Revolution eigentlich ja ein Greuel! So kam's zur nächsten Schrift: "Wider das gotteslästerliche Halo-Wahen-Treiben der Bauern, Hexen, Juden und Bademeister ..."

Also konterkarierte er es, denn abschaffen konnte er es kaum noch. Und verlegte es in den düsteren Herbst. Und so wurde aus dem typischen Winter- und Frühlingsfest das heute bekannte Herbstfest, am Vorabend zum Buß- und Bettag. Halloween ist also ein wirklich protestantisches Fest! Wer nicht zum Beten in die Kirche ging - dem sollte wenigstens aber der Schrecken in die Glieder fahren! Nur den Kindern war es noch erlaubt, feiernd herumzuziehen

Damit wurde aber das "entschärfte", "kanalisierte" Fest unpopulärer. Nach und nach geriet es in den protestantischen Gebieten sogar wieder in Vergessenheit. Thüringer Auswanderer jedoch sorgten dafür, daß das Fest in den USA weiterlebte ... von wo es heute wieder zu uns kam. Denn in den USA ist es längst das größte "Frohsinnsfest" des Jahres geworden.

Die Verquickung aus Freude und Moral, einem immer vorhandenen letzten Rest schlechten Gewissens, stammt eben aus dieser schon an allem Anfang sichtbaren protestantischen Zwiespältigkeit, dem "einerseits und doch auch anderseits" Der Katholik kann ja über die Strenge schlagen, er findet in der Beichte seinen Frieden wieder. Für den Protestanten war das aber eine Heuchlerei. So kennt er zwar die Reformation - verlangt aber völlige Unterordnung unter die Landesherren, kennt Freude - aber ohne gefährliche Selbstvergessenheit ... was zum Vorwurf an die Protestanten führte, sie wären unfähig zu feiern.

***

ACHTUNG: Dieser "Bericht" basiert auf einem Aprilscherz des WDR, er entspricht nicht der historischen Wahrheit, sosehr er ihr als Metapher sowie in abstrakten Grundaussagen entspricht! "Halo Wahen" hat NIE EXISTIERT!

ATTENTION: This "report" is fictious, and it is based on some 1st-April-joke of WDR-Radiostation Germany! It does not describe historical facts, though they are true in abstract, and describe motives and truths according protestantism and Martin Luther, but not in concrete! There never existed any "Halo Wahen"!




*220108*

Freitag, 11. Januar 2008

Alles Bakterien ...

Bisherige Ergebnisse brachten vorläufige (und immer weiter steigende) Schätzungen einer Bakterienmasse auf unserem Planeten, die 80 Prozent der Biomasse der Erde beträgt. Aufeinandergeschichtet - auch jene Organismen, die unter der Erdoberfläche leben - ergäbe das eine Bedeckung der Erdoberfläche von 1,50 m Höhe.





*110108*

Mittwoch, 9. Januar 2008

Physik am Ende?

Dem deutschen Physiker Max Planck wurde 1875 als Student von einem angesehenen Professor geraten, sich nicht mit der Physik, sondern mit der Mathematik zu befassen. Denn in der Physik sei nichts mehr zu holen, es seien alle bahnbrechenden Entdeckungen bereits gemacht, die Welt ausreichend erklärbar.

Der amerikanische Sachbuch-Bestseller-Autor Bill Bryson schreibt in seinem Buch "A short history of nearly everything", das mit dem Aventis-Price for Science-Books 2004 ausgezeichnet wurde, daß das Fazit der heutigen Kosmologie so laute: "Wir leben in einem Universum, dessen Alter wir nicht berechnen können, umgeben von Sternen, deren Entfernung wir nicht kennen, zwischen Materie, die wir nicht identifizieren können, und alles funktioniert nach physikalischen Gesetzen, deren Eigenschaften wir eigentlich nicht verstehen."

In der Kosmologie sei "ein Berg von Theorien auf einem Maulwurfshügel von Befunden" aufgebaut. (Ein Eindruck, den ich übrigens beim Lesen von "Die kürzeste Geschichte der Zeit", dem Sachbuchbestseller von S. Hawkins so stark hatte, daß ich das Buch für wissenschaftlich unseriös halte.) Ein anderer (Martin Rees) meint: "In der derzeitigen Zufriedenheit (bei unserem derzeitigen Kenntnisstand) spiegelt sich möglicherweise eher ein Mangel an Daten als die Qualität der Theorien wider."

Es gibt allen Ernstes bei manchen Publikationen zu diesem Thema - so Bryson - auch in reinen Fachkreisen niemanden mehr, der unterscheiden könnte, was geniale Theorie und was Unsinn oder gar Betrug sei. Die Spekulationen zu diesen Themen hätten sich längst jeder Vorstellungskraft entzogen.





*090108*

Sonntag, 6. Januar 2008

Wegen einer Beobachtung in elf Jahren

Die Venus schiebt sich ca. alle hundert Jahre, dann aber zweimal hintereinander im Abstand von etwa acht Jahren, zwischen Erde und Sonne. Um die Abstände der Planeten untereinander, neben dem der Erde zur Sonne etc., noch genauer zu vermessen (bis ins 17., ja 18. Jahrhundert verfehlte man durch die Ungenauigkeit bei nautischen Messungen Ziele zur See oft gewaltig) schwärmten 1761 weltweit über sechzig Astronomen aus aller Herren Länder aus, um dieses Ereignis zu beobachten und unter Berücksichtigung der von Newton festgestellten Abplattung der Erdkugel in Meßreihen festzuhalten.

Unter den alleine zweiunddreißig französischen Beobachtern war auch ein gewisser Guillaume LeGentil. Er wollte den Durchgang in Indien beobachten, und machte sich 1760 schon von Frankreich aus auf den Weg. Wegen verschiedener Pannen aber war er 1761 immer noch auf schwankender See, als das Ereignis stattfand. Sodaß sich die entsprechenden Messungen nicht vornehmen ließen.

Ohne zu zögern fuhr LeGentil aber weiter, um dann eben den Durchgang der Venus im Jahre 1769 in Indien abzuwarten. Er baute dort alle seine Geräte auf, und bereitete in Form einer erstklassigen Beobachtungsstation acht Jahre lang alles für diese drei Stunden, vierzehn Minuten und sieben Sekunden am 4. Juni 1769 vor. Schließlich war es so weit. Am Morgen war auch das Wetter klar, die Sonne schien, LeGentil machte sich bereit.

Im selben Moment aber, wo sich die Venus vor die Sonne zu schieben begann, taten dies auch Wolken, und verstellten endgültig die Sicht. Das Unternehmen war gescheitert. Ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, ließ LeGentil die Station abbauen, die Sachen verpacken und nach einem nahen Hafen verbringen, um den Heimweg anzutreten. Ehe er aber einschiffen konnte, packte ihn die Ruhr, die ihn ein Jahr ans Bett fesselte. Schwer geschwächt, trat er 1770 endlich die Heimreise an. Doch das Schiff sank vor der afrikanischen Küste.

Schließlich, als er nach elf Jahren wieder heimatlichen Boden betrat, mußte er feststellen, daß seine Verwandten ihn für tot erklärt und seinen Besitz veräußert und aufgeteilt hatten. Mit großen Mühen konnte er noch sein weiteres Überleben sichern.

Wegen einer einzigen, dreistündigen Beobachtung des Durchgangs der Venus zwischen Erde und Sonne ...

Es kommt nie darauf an, wieviel wir tun, oder ob wir damit Erfolg haben. Es kommt darauf an, ob wir das tun, was es zu tun gilt.





*060108*

Dienstag, 4. Dezember 2007

Der "Männerminister"

Mit einer neuen Kampagne gegen Gewalt an Frauen. Und dem Versuch, eine weitere Psychose zu installieren: Das Tragen des "white ribbon" soll "sensibilisieren". Sodaß wohl jeder, der dieses Zeichen nicht trägt, sich als Gewaltbefürworter kennzeichnet. Die Kampagne soll natürlich auch in Schulen ansetzen.

Ein Männerminister, der sein Amt dahingehend versteht, seine Mandanten "verbessernd" zu erziehen. Einzugliedern in den Zug der Feministen. Und der sich natürlich nicht zu schade dafür ist, mit Gewalt weitere Verhaltensneurosen bei jungen Menschen als "geringeres Übel" zu installieren.

Man kann all diese Sozialismen eigentlich ganz einfach verstehen: Als historische Ausdünstungen eines zerfallenden Kulturkörpers, wo sich das Geistlose (und umso Selbstbewußtere) in Moralismus und Utopien flüchtete, um alles doch noch zusammenzuhalten.

Da nützt wohl nur, sich zum Paradoxen zu bekehren - und zu sagen: Ja, man befürworte Gewalt! Weil es am Rand der Dinge gar nicht anders geht, dort, wo etwas zerbricht für das man Verantwortung trägt; solange noch die Chance besteht, daß es nicht zerbricht.

Und den Jungen, den Kindern, den Gequälten zurufen: Fürchtet Euch nicht, wir Väter werden Gewalt anwenden, um Euch vor diesen Mördern zu schützen. Auch wenn man uns dann köpft.

Verbeißen kann ich es mir freilich nicht: Sozialminister Buchinger ließ sich klammheimlich vor einigen Monaten scheiden. Denn er hat eine "Neue" kennen- und lieben gelernt. So ist das halt im Leben. Liebe kommt und Liebe geht.





*041207*

Frauen gewalttätiger als Männer!

Solche Medienberichte und statistische Fakten werden selten veröffentlicht - aber doch: Die Gewalt an Kindern geht weit stärker von Frauen als von Männern aus. Bemerkenswert an diesem (deutschen) Artikel: Er sieht daneben (richtig) auch Vernachlässigung als Gewalt an.

Eindeutig und für jemanden, der seine Einschätzungen aus den Medien bezieht, ist wohl kaum zu glauben: Der überwiegende Anteil von Morden an Kindern wird von Frauen begangen.





*041207*

Dienstag, 27. November 2007

Klima- und andere Lügen

Welche Rolle die Medien in den individuellen Meinungsbildungsprozessen spielen - darüber läßt sich viel sagen.

Hautnah sind solche Prozesse und ihre Steuerungs- und Absichtsinstrumente immer wieder zu erleben.

Ein kleines Beispiel dazu:

Vor etwa drei Wochen erschienen Medienberichte über die hervorragende Auftragslage von EADS im Zusammenhang mit dem neuen Großraumflugzeug A 380. Man sprach von jahrelanger Auslastung. Weitere Berichte finden sich über Absichten Chinas, die Fluglinien mit solchen Flugzeugen zu bestücken.

Vorige Woche tauchten plötzlich Berichte auf, daß - weil die Abrechnung von Flugzeugen weltweit in Dollar passiert (vermutlich auch die preisliche Konkurrenz) - Airbus in Schwierigkeiten kommen wird, weil der Preisverfall durch die Dollarparität (seit Einführung des Euro vor fünf Jahren hat der Dollar sage und schreibe 33 Prozent an Wert eingebüßt!) die Existenz der Flugwerke infrage stelle. Man sprach von Auslagerungen in jene Länder, wo die Herstellungskosten niedrig gehalten werden könnten - und die ...

Gestern nun die endgültigen Meldungen: China hat dutzende Flugzeuge bestellt, ein riesiger Auftrag, der jahrelange Auslastung gewährleistet.

Es ist bekannt, daß China seit Jahrzehnten eine Politik betreibt, wo die Öffnung ausländischen Betrieben gegenüber immer im Gegenzug mit Knowhow- und Arbeits-/Produktionstransfer nach China verbunden ist.

Aber eines der Beispiele, wie Airbus-EADS konsequent über PR Politik betreibt. Ohne daß man noch wirklich sagen könnte, wo der Sinn dieser Airbus-Geschäfte liegt, außer sich selbst zu perpetuieren. Die Argumente, die dafür sprechen, sind so bekannt, daß sie langweilig sind. Sie sind allesamt Maßnahmen der "geringeren Übel."

Die Fakten, die hier ins Treffen geführt werden, sind jahrelang, ja jahrzehntelang bekannt, zumindest absehbar gewesen. Wenn ich selbst als Unternehmer vor mittlerweile 15 bis 20 Jahren Geschäfte abgeschlossen hätte, wo ich Ware zu Preisen verkauft hätte, die nicht kostendeckend sind - ich wäre wegen betrügerischer Krida ins Gefängnis gewandert.




*271107*

Montag, 19. November 2007

Trotzalter

Es liest sich vermutlich viel zu leicht, ist nämlich völlig ernst gemeint:

Wenn man mich fragt, was das Kennzeichnendste an den Menschen der letzten Jahrzehnte ist, so komme ich nur zu einem Schluß: Wir leben im Zeitalter der Trotzphase.

Es gibt kaum Menschen, die über das Verhalten dieser Drei- bis Fünfjährigen hinauskommen.

Nahezu alles, was an politischen Forderungen im Raum steht, ist aus der Haltung dieses Kindes heraus zu verstehen, das sich unreif in ein neurotisierendes Teilziel verbeißt.

Was ganz anders zu verstehen ist als die berühmte "Haltung des Kindes", die sich auf die Art der Weltoffenheit bezieht.





*191107*

Dienstag, 6. November 2007

Lächerlich schlecht

Was die Bischöfe im Film über Elisabeth I. beklagen, betrifft nahezu ausnahmslos sämtliche und schon gar historische Darstellungen der Katholischen Kirche im Film.

Mangels Bildung, noch mehr aber mangels Verstehen wird die Kirche und alle ihre Thematiken, zumal der Glaube, auf eine grotesk gängige und meist primitive Gerüchte und nicht selten nur verleumden sollende Vorurteile Art gezeigt, die einem Magenkrämpfe hervorruft.

Am stärksten betrifft dies interessanterweise die Drehbücher aus europäischen Werkstätten. Während amerikanische Drehbuchautoren wenigstens ab und an noch bemerkenswerte Darstellungen zuwegebringen.





*061107*

Freitag, 26. Oktober 2007

Prof. Ulrich Lüke zu Evolutionstheorien - Teil II (aus: Zenit)

Der Glaube ist also eine positive Grundhypothese, mit der ich an die Wirklichkeit herantrete...

Mehr noch, er ist die Ermutigung und Ermächtigung zur Forschung. Das Erste Vatikanische Konzil sagt uns: Gott, Ursprung und Ziel aller Dinge könne mit dem Licht der natürlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewissheit erkannt werden. Dann ist die Natur zugleich der Ort, an dem ich etwas über das Sosein und Dasein Gottes erfahren kann. Solch ein Glaube drängt zur Erkenntnis.

Der moderne Naturwissenschaftler erkennt also Gott in den Dingen?

Gott ist kein Gegenstand der Naturwissenschaft. Aber der Naturwissenschaftler kann gewissermaßen als existenzielle Konsequenz, die in sich vernünftig ist, Gott erkennen. Naturwissenschaftliche Erkenntnis ist vielleicht manchmal das Ende eines kindlich gebliebenen Glaubens, häufig aber der Anfang des erwachsen gewordenen Glaubens. Der Anfang der Gotteserkenntnis liegt im Staunen.

Die natürliche Gotteserkenntnis stützt sich aber wesentlich auf die Schönheit der Schöpfung als Kosmos, als geordnetem Ganzen. Wie lässt sich diese Vorstellung mit Zufall und Selektion der Evolutionstheorie vereinbaren? Hatte Einstein unrecht: Würfelt Gott doch?

Wenn ich mir den Körperbau eines Vogels anschaue, so kann ich daraus die Gesetze der Aerodynamik erschließen. Der Vogel selbst hat aber keine Ahnung davon. Er hat auf dem Weg seiner Evolution ohne Bewußtseinsbegleitung gewissermaßen Gesetzmäßigkeiten aus der Umwelt extrahiert und in seinen Körperbau aufgenommen. Dasselbe gilt für Fische, deren Körperbau die Gesetze der Hydrodynamik widerspiegelt, ohne diese zu kennen. Sie verweisen auf eine intelligible Struktur der Umwelt hin. Wenn sich das aus den beiden Stellgrößen mutativer Zufall und selektive Notwendigkeit ergibt, dann gibt mir das zu denken. Es spricht also nichts dagegen, die Natur als Buch der Schöpfung zu lesen. Vielleicht zieht der Schöpfer, wenn er inkognito bleiben will, den grauen Kittel des Zufalls an.

Damit wären wir beim „Intelligent Design“: Das intelligente Design der Wirklichkeit, verweist für diese Denkrichtung aus naturwissenschaftlichen Erkenntnissen auf einen intelligenten Designer, der dahinter steht. Neodarwinisten werfen den Vertretern dieser Richtung vor, sie seien verkappte Kreationisten und ziehen in den USA bis vor Gericht.

Das hat etwas von einem Glaubensstreit unter Fundamentalisten. Ich sehe im Intelligent Design die „Evolutionsform“ eines überholten Kreationismus. Aber auch der Neodarwinismus ist durch die Synthetische Theorie überholt.

Der Mathematiker William Demski hat hier errechnet, dass der Informationsgehalt biologischer komplexen Strukturen viel zu hoch sei, um im Zeitraum der Erdgeschichte allein durch Zufall vollständig zu entstehen.

Um so den Designer nachzuweisen?

Sie versuchen zunächst eine hochkomplexe Zweckmäßigkeit in Organismen nachzuweisen, dann alle bekannten Ursachen für deren Entstehung auszuschließen und schließlich über die Wahrscheinlichkeitstheorie auch den Zufall. Vom höchst zweckmäßigen Design schließen sie dann auf einen Designer. Die nähere Kennzeichnung des Designers, wer es ist und wie er wirkt, lassen sie offen.

Und woran machen Sie ihre Zweifel fest?

Als Naturwissenschaftler denke ich, dass sie Zwischenschritte übersehen, die schon für andere evolutive Prozesse tauglich und vorteilhaft sind. Die Evolution springt nicht vom Boden in den siebten Stock. Ginge man davon aus, dann hätten die Vertreter des ID vielleicht recht. Bei der Entstehung des Auges müssten dann im Sinne der Koinzidenz von Zufällen Millionen von Würfeln „zufällig“ gleichzeitig eine Sechs aufweisen.

Wie würfelt die Natur stattdessen?

Sie hält sozusagen jede Sechs fest und würfelt weiter. Wir benutzen den Zufall doch auch als Innovationselement etwa beim Brainstorming. Dabei schaffen wir einen Pool von Problemlösungen und probieren sie aus. Ganz ähnlich macht es das Genom. Mit einem Teil macht es die alten Hausaufgaben weiter und mit dem anderen begibt es sich auf genetische Exploration. Damit hätte der Zufall eine „klare Aufgabe“. Zu sagen, weil es in der Biologie Zufall gibt, kann es keinen Plan geben, ist nicht zwingend. Wir selbst sind nur Teilnehmer eines Prozesses – siehe Vögel und Fische – die das, was an ihnen passiert, nicht letztlich durchschauen.

Können Sie dies anhand eines Beispiels verdeutlichen?

Wenn ich morgen im Kölner Dom am neuen Fenster von Richter stehe und dort 10 Bekannte von mir ohne vorherige Absprache mit Goethes Farbenlehre unter dem Arm auftauchen, könnte ich sagen: Das ist aber ein Zufall! Dennoch könnte auf Nachfrage jeder nachvollziehbare Gründe für sein Dortsein angeben: Der Eine ist Kunststudent, der andere Germanist mit einer Vorliebe für Goethe, der Dritte schlicht ein Beter etc. Es gibt also klare Kausalitäten. Wo liegt nun der Zufall? Bei diesem Zufall handelt sich also um einen „subjektiven Zufall“, der eigentlich nur die prognostische Inkompetenz des Forschers bezeichnet, aber nicht die absolute Grund- und Ziellosigkeit des Vorgangs. Von dieser Art Zufall ist der biologische Zufall, wie man bei Ernst Mayer, einem „Papst“ der Evolutionstheorie, gut nachlesen kann.

Also kein absoluter Zufall?

Nein, kein absoluter Zufall wie in der Quantenphysik, sondern ein subjektiver Zufall, eine naturwissenschaftliche Kategorie, die man nicht metaphysisch aufladen sollte, wenn man im Bereich der Naturwissenschaft bleiben will. Darüber hinaus aber kann man ihn natürlich deuten.

Ist Intelligent Design also völlig abwegig?

Vielleicht liegt das intelligente Design in der Singularität des so genannten Urknalls. Mit ihm entstanden die vier Grundkräfte: Die schwache und die starke Wechselwirkung sowie die Elektromagnetische- und die Gravitationskraft. Wären die Werte dieser Kräfte aber nur minimal andere, dann hätte es die gesamte Kohlenstoffchemie, auf der die Evolution des Lebendigen gründet, nicht gegeben. Wenn also Leben nur durch diesen schmalen Korridor möglich ist, dann kann dies durchaus auf ein Geheimnis jenseits der naturwissenschaftlichen Wirklichkeit verweisen.

Damit wäre jener Designer also doch mit der Vorstellung eines Schöpfergottes vereinbar?

Wenn Gott für die Kreationisten gleichsam ein Hersteller von Einzelprodukten ist, dann sieht das Intelligent Design in ihm einen Konstrukteur, der die Weltmaschine in Gang setzt und sich selbst den Wartungsvertrag ausstellt, um immer wieder mal einzugreifen: Beim Übergang vom Unbelebten zum Belebten, vom Affen zum Menschen, bei Schritt von Ei und Spermazelle zur Zygote. Der „liebe Gott“ fungiert dann als Weichensteller, als Reparateur oder Lückenbüßer, fast wie eine biologische Größe. Das ist unter der Würde Gottes.

Aber im Sinne einer ständigen Schöpfung, einer creatio continua?

Nur wenn man davon ausgeht, das die Schöpfung aus dem Nichts, also die creatio ex nihilo, und die creatio continua aus der Perspektive Gottes in eins fallen. Die Erschaffung des Seins und die Erhaltung im Sein sind aus der Perspektive Gottes ein und dieselbe Initiative. Gott macht kein Fertigprodukt. Er macht eine Welt, die sich macht.

Wie kann ich Gott dann erkennen?

Man kann ihn natürlich nicht mit Waage, Bandmaß oder Geigerzähler erfassen. Aber der erste Schritt der Gotteserkenntnis ist, wie gesagt, das Staunen. Ich lebe in einer Welt, die ich selbst nicht gemacht habe und lebe als jemand, der sich selbst einem anderem verdankt. So steckt schon in meinem Dasein ein Verweis auf den Geber dieser Gabe. Wann immer ich über Gott rede, er sprengt meine Kategorien und Definition. Ich kann also nur hinweisend, nicht beweisend von ihm sprechen. Gott, das Geheimnis der Welt, übersteigt jederzeit unsere Erkenntnis und unsere Begriffsbildung: „Deus semper major“. Und Naturwissenschaftler wie Theologen sind nur armselige Nach-Denker dessen, was ein unerschöpflicher Vor-Denker zuvor ins Werk gesetzt hat.

[© Die Tagespost vom 20. Oktober 2007]




*261007*

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Prof. Ulrich Lüke zu Evolutionstheorien - Teil I (aus: Zenit)

... Allerdings scheint die Evolutionstheorie nach dem Ende der großen Ideologien für nicht wenige Zeitgenossen als allumfassende Erklärung der Wirklichkeit übriggeblieben zu sein. Sie erheben den Anspruch, alle Lebens- und Wissensbereiche allein evolutionistisch zu erklären. So versuchen zum Beispiel Soziobiologen alles, auch die Religion evolutionistisch zu erklären und damit eine allumfassende Deutungshoheit zu gewinnen.

Wie begründen sie dies?

Sie zerlegen die Religion in die Bereiche Ritus, Mythos, Ethik und Mystik und behaupten, jeder Bereich sei im Rahmen der Evolution von selektivem Vorteil. Demnach stärkt etwa eine gemeinsame Ethik das Vertrauen einer Gruppe oder Gesellschaft. Dies sei dann ein Vorteil gegenüber anderen Gruppen. Oder sie sagen, die Religion fördere ein brutpflegefreundliches Verhalten. Damit ist die Religion für die Biologen lediglich eine populationsdynamische Umwegfinanzierung, sie ist nur insofern wahr, als sie der Evolution dient.

Der englische Biologe Richard Dawkins sieht in seinem soeben erschienenen Werk „God Delusion“, „Der Gotteswahn“ in der Religion hingegen eine evolutionäre Fehlentwicklung, die man bekämpfen müsse.

Wenn er schon einem derartigen Gedanken folgt, müsste er erklären, wie der Homo sapiens in seiner über einhunderttausendjährigen Geschichte ein solch „schädliches“ Verhalten entwickeln und mitschleppen konnte. Das alles ist schlecht durchdacht und dient weniger der Wissenschaft als vielmehr der medialen Selbstdarstellung.

Wo sehen Sie die Gefahren einer Absolutsetzung der Evolutionstheorie?

Die Evolutionstheorie ist eine naturwissenschaftliche Theorie und hat als solche einen empirisch bestimmten Aussagerahmen. Wenn man sie zu einer neuen Metaphysik aufbläst, verliert sie ihre naturwissenschaftliche Dignität. Eine naturwissenschaftliche Theorie, die sich selbst als Ganzes oder auch eines ihrer Elemente, zum Beispiel den Zufall „metaphysiziert“ „metafüsiliert“ sich als Naturwissenschaft selber.

In welchem Sinne?

Sie verstrickt sich schon auf der Ebene der Erkenntnis in unaufhebbare Widersprüche. Den Zufall zur alles entscheidenden Größe in diesem Welttheater zu erheben, ist keine Naturwissenschaft, sondern ein philosophisch unzureichend durchdachtes Glaubensbekenntnis. Wenn alles bis hin zur naturwissenschaftlichen Erkenntnis und zur Religion nur eine Finte der Evolution ist, um die biologische Fitness zu maximieren, dann wird auch die naturwissenschaftliche Erkenntnis selber zu einer Finte der Evolution und der Zirkelschluss ist perfekt. Hier wird versucht, eine metaphysisch überhöhte Evolutionstheorie zur alles umfassenden Megatheorie zu kreieren.

Welche gesellschaftlichen Folgen sehen Sie bei einer ausschließlich biologischen Sicht auf den Menschen?

Der Mensch wird ein biologischer Gegenstand, über den man dann je nach Interessenlage verfügen kann. Das gilt für den Anfang des Lebens, bei der Embryonenforschung, wie für das Ende bei der Euthanasie. Mit einem Geschöpf von unantastbarer Würde gehe ich anders um, als mit einem x-beliebigen Bio-Produkt der Evolution. Wenn angeblich biologische Behauptungen, ein Mann sei von seiner Natur her für mehrere Frauen geschaffen, zur Legitimation eines entsprechenden Verhaltens werden, dann produziert man einen naturalistischen Fehlschluss: Dann wird von einem (angeblich) empirisch erhobenen Sein auf ein moralisches Sollen oder Dürfen geschlossen. Dann bin ich letztlich nicht für mein Verhalten verantwortlich, da ich nur dem biologisch vorgegebenen Trieb folge. Das Ergebnis ist eine Selbstentmündigung und Entwürdigung des Menschen: Er spricht sich selbst die Freiheit ab. Eine Ethik, die sich allein aus Zufall und Selektion begründet, nicht aus Liebe und Vernunft, ist keine Ethik, und das auf grausame Weise.

Angesichts dieser Perspektiven suchen vor allem in den USA immer mehr Menschen ihre Zuflucht im Kreationismus. Inzwischen wurde sogar ein Museum eröffnet. Die Kreationisten setzen auf ein wortwörtliches Verständnis der Bibel, wonach die Welt vor knapp 6.000 Jahren von Gott erschaffen wurde.

Der menschliche Wunsch nach einem geistigen Halt in einer hochkomplexen Welt ist nachvollziehbar. Doch darf dies nicht auf Kosten der Vernunft geschehen. Bei den beiden Schöpfungsgeschichten handelt es sich um Erzählungen, die tiefer liegende, überzeitliche Wahrheiten mitteilen. Sie sind also keine minderwertige Naturkunde darüber, wie es zum Menschen kam, sondern eine hochrangige „Ur-Kunde“ darüber, was es mit dem Menschen auf sich hat. Sieht man in ihnen hingegen naturwissenschaftliche Reportagen, dann tauchen schon auf den ersten Seiten der Bibel Widersprüche auf, da es zwei völlig divergente Schöpfungsgeschichten gibt. Wer in den zweieinhalb- bis dreitausend Jahre alten Erzählungen eine Alternative zu den Naturwissenschaften sieht, hat weder das Eine noch das Andere verstanden.

Dennoch sprechen die Bibel und die Kirche davon, dass sich der einzelne Mensch wie die Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxie dem einen Schöpfer verdankt. Lebt der Gläubige damit in Parallelwelten: Als geliebtes Geschöpf Gottes einerseits und als Zufallsergebnis der Evolution andererseits? Lassen sich Glaube und Naturwissenschaft noch vereinbaren?

Davon bin ich als Biologe und als Theologe fest überzeugt. Solange die Naturwissenschaft tut, was ihr Handwerk ist, sehe ich keinerlei Widerspruch. Glaube verdankt sich ja nicht der Ignoranz: Es ist nicht so, dass die, die viel wissen, wenig glauben müssten und die, die viel glauben, wenig wissen dürften. Jeder – auch der Atheist – glaubt etwas, und er muß mit seiner Ratio über das, was er glaubt, Rechenschaft ablegen. Manchmal stellt man aber fest: Der Theologe weiß, dass er glaubt. Und der Naturwissenschaftler glaubt, dass er weiß.

Welche Haltung hat also die Kirche gegenüber der Naturwissenschaft?

Es ist kein Zufall, daß die naturwissenschaftliche Forschung und ihre technische Anwendung vor allem auf dem Boden der christlich-jüdischen Tradition entstanden ist. Denn Voraussetzung allen Forschens ist ein Grundvertrauen in die Erkennbarkeit der Welt. Wie der heilige Thomas sagt: „omne ens qua ens est intellegibile“, alles Seiende, insofern es ist, ist erkennbar. Alle Naturwissenschaftler, auch jene, die nicht an Gott glauben, gehen zwangsläufig von dieser Grundhypothese aus. Wenn ich nun an einen Schöpfer glaube, der Logos ist, der mit seiner Schöpfung das Vertrauen in die Erkennbarkeit seiner Welt mitliefert und uns nicht dem blanken Chaos aussetzt, dann ist dies die beste Voraussetzung für die Forschung.





*251007*

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Die Jungenkatastrophe - Defizite männlicher Erziehung

56 Prozent der Abiturienten sind mittlerweile Mädchen, was sich bei Studienanfängern fortsetzt. Dafür stellen die jungen Männer die oft deutliche Mehrheit bei Lehr- und Schulabbrechern, bei Selbstmorden (75 Prozent), Schulabsentionen (vulgo: Schule schwänzen), Drogenkonsum, Jugendkriminalität etc.

Frank Beusters hat als Pädagoge an Hamburger Schulen Erfahrungen ausgewertet und in seinem Buch "Die Jungenkatastrophe" dargestellt. Einige seiner Fazits:

Es fehlt Buben mehr als Mädchen an körperlicher Selbstwahrnehmung und Erfahrung, was sich vor allem auf mangelnden Sport, genuin männlichen Betätigungen (auch "kultivierter Aggressionen" in Sportkampfarten wie Boxen) zurückführen läßt (weil damit auch verändert werden kann). Dort lernten sie auch eine "Kultur der Wertschätzung."

Zwar haben auch Buben Träume, doch meist nicht die Kraft, sich zum Erreichen eines Zieles zu überwinden, auch längerfristig zu motivieren. Sie haben nie gelernt, daß man auch etwas tun muß, daß es Überwindung braucht, sie haben nie gelernt, etwas auszuhalten. So erwarten sie mit wenig Einsatz viel Erfolg, wenn sie ein Talent haben, was jedoch nicht zum Erfolg führt. Beusters führt dies auch auf die vielen irreführenden, vor allem von Medien vorgesetzten Idealbildern zurück. Vor allem aber fehlt es an männlichen Begleitpersonen, Vorbildern und Identifikationsfiguren in ihrer unmittelbaren Umgebung. (1 Million Jungen wächst in Deutschland ohne männliche Bezugsperson auf.)

Mehr als Mädchen sind Buben sinnorientiert. Weshalb er schon im pubertären Alter Arbeitserfahrung (Ferien) einfordert.

Ein großes Problem sieht Beusters darin, daß Jungen vorwiegend an Mädchen gemessen werden. Über Männlichkeit aber zu sprechen sei derzeit ein großes "Minenfeld", fast unmöglich und tabuisiert. Genau an dieser Definition aber mangele es.





*241007*

Dienstag, 23. Oktober 2007

Tut Buße und bekehret Euch ...

Das Klimageschwafel nimmt immer beeindruckendere Ausmaße an. Nun gibt es wunderbare Mechanismen, sich von Sünden lossprechen zu lassen (Zustimmung zum Mainstream der Medienhype, deren Zustandekommen übrigens alleine eine bemerkenswerte Geschichte darstellt, die zu beobachten faszinierend ist), Reue zu beweisen und Buße zu tun. Es ist dies einer der Geschäftszweige, denen eine große Zukunft vorhergesagt wird: Der Ablaßhandel. (Der Ablaß bezieht sich auf die Befreiung von Sündenstrafen durch Sühneleistung mittels Geld.)

Unter anderem über das oben mit Link erreichbare Unternehmen können Umweltsünder, die zum Beispiel nach Mallorca fliegen, sich (für den konkreten Fall: mit 15 Euro) mit Geld von den Folgen loskaufen, indem sie dieses Geld für Umweltprojekte spenden. (Verwaltungsaufwand von hier Atmosfair laut Radiointerview: 12 Prozent in Deutschland)

Wer also mit seinem Porsche mal nicht gerade die hochschwangere Frau ins Krankenhaus rast (im Notfall wird das höhere Gut meist sehr rasch sichtbar), sondern zum Sonntagsvergnügen übers Land braust, kann sich das schlechte Gewissen durch Geldüberweisungen, durch welche in Brasilien ein Bäumchen gepflanzt werden kann, das das CO2, das er gerade freistieß, absorbiert, freikaufen.





 *231007*

Samstag, 20. Oktober 2007

Wir leben heute viel kürzer

Der Arzt und Theologe Dr. Manfred Lütz:

"Die Menschen im Mittelalter lebten viel viel länger als wir heute: Sie hatten zwar eine kürzere Lebensdauer hier, aber dafür die Ewigkeit. Wir heute haben nur noch die Phase zwischen Geburt und Tod - und darein müssen wir alles drängen."

"Die Erziehung sieht heute oft so aus, daß wir bis 18 die Hardware aufbauen, um dann die Software aufzupfropfen. Werte sind heute oft nicht mehr als eine Straßenverkehrsordnung mit Chancen für Falschparker."

"Die Psychologie ist unfähig, über die Existenz Gottes etwas auszusagen. (...) Die Sehnsucht nach einer Sahnetorte beweist zwar nicht, daß es eine Sahnetorte gibt. Aber es heißt auch nicht, daß es sie nicht gibt. Die Psychotherapie ist nicht mehr als die (Selbst-)Manipulation auf Zeit auf Geld. Sie ist zudem ständig mit Existentiellem - Liebe etc. - konfrontiert, das sie total übersteigt."

"Kein Kind ist Atheist. Jedes Kind sieht die Welt unter einem Sinnaspekt (Anm.: mit der Frage "warum?")"





*201007*

Spiegelneuronen und tierische Sprache

Die Verhaltensforscherin Julia Fischer im Radiointerview:

"Es scheint so zu sein, daß wir genau dieselben Neuronen ('Spiegelneuronen') im Gehirn aktivieren, wie jene, die wir beobachten und die etwas tun. Das sind mehr als einzelne Neuronen, sondern ganze Verhaltenskomplexe."

"Ich würde es aus meinen Forschungen an Tieren - gerade im Vergleich zum Menschen - so formulieren: Es existiert eine gemeinsame Weltwahrnehmung auch mit den Tieren, aus der aber jeder seine eigene Welt konstruiert."

"Ein Beispiel: Ein (Berber)Affe weist, wenn er auf der Hand sitzt und der Mensch nimmt eine Nuß, dieselben Gehirnströme auf als nähme er die Nuß selbst."

"Es ist eindeutig für mich, daß ein Tier sich fundamental in seiner Kommunikation vom Menschen unterscheidet. Selbst beim Schimpansen, dessen physiologischen Voraussetzungen dem des Menschen sehr ähnlich sind, kennt keine Kommunikation, die sich vom Gegenstand löst, die also abstrahiert. Alle entsprechenden Versuche sind lediglich Formen der Konditionierung, der Verbindung von Erfahrung und Laut oder Geste. Es gibt im Tierreich auch keine hinweisende Geste. Natürlich kann das im Verkehr mit Menschen sehr weit gehen (weil es sich der menschlichen, differenzierteren Welt anpaßt.)"

"Die Verhaltensforschung an Tieren war sehr lange sehr anthropozentrisch, wir haben also alles auf seine Nähe zu menschlichem Verhalten interpretiert. Wenn man sich davon aber löst, wird das tierische Verhalten viel besser deutbar."

"Es wird aus der Verhaltensforschung bei Tieren derzeit viel darüber diskutiert, daß man evolutionär den Zeitpunkt der Entstehung der Sprache beim Menschen viel viel weiter zurückdatieren wird müssen. Mit dem Kernsatz: "Nichts Genaueres über die Sprachentstehung wissen wir eigentlich nicht."





*201007*



Freitag, 12. Oktober 2007

Bericht eines Scheidungsrichters

Jürgen Rudolph, einer der renommiertesten Familienrichter Deutschlands, im Radio-Interview:

Die Scheidungsquote von mittlerweile über 50 Prozent entstehe in erster Linie in den Großstädten - mit 70 bis 80 Prozent Scheidungsquote in Wien (die höchste im deutschsprachigen Raum), Hamburg ... Von den städtischen Randgebieten aus greife die hohe Scheidungsquote zunehmend auch aufs Land über.

Immer sei für zumindest einen der beiden Betroffenen die Scheidung ein umfassender Bruch der Lebensvita.

Für Kinder sei eine Scheidung ebenfalls ausnahmslos ein traumatisches Erlebnis (was Rudolph zu einem Vorkämpfer eines vermitteln sollenden Verfahrens macht, wo die Scheidungsauseinandersetzungen im Vorfeld und von den Kindern getrennt ablaufen sollen, in Deutschland als "Cochemer Modell" bekannt). Eine Folge sei dabei typisch, daß - als Überlebensstrategie - die Kinder die Haltung desjenigen Elternteils übernehmen, bei dem sie verblieben (zumeist also die Frau) Das führt sehr oft zur Dämonisierung des "weggehenden" Elternteils. Hier ließen sich auch die gravierendsten psychosozialen Folgen aufzeigen. Rudolph gebraucht dabei Kinder anbetreffend den Begriff "Mißhandlung", weil die Kinder in einem für sie unlösbaren, von sehr realen Ängsten dominierten Spannungsverhältnis stünden.

Rudolph plädiert deshalb auch für rasche sachliche Auseinandersetzung ("Cochemer Modell", das interdisziplinär alle Faktoren so rasch als möglich zu klären versucht, eine Art umfassendes Mediationsmodell also), weil die reine (solange die Verfahren dauern unentschiedene) Kampfsituation die schwersten Folgen hat und die Konflikte noch weiter verfestigen. Zudem verlagert sich bei länger dauernden Auseinandersetzungen die richterliche Entscheidung zunehmend auf prozessuale Eigendynamiken, verlangt Gutachten etc., wird also ein möglicher Konsens zunehmend unwahrscheinlich.

Die entscheidenden Motive der sich Trennenden in den Scheidungsprozessen seien Verletzungen, wobei schon deshalb die meisten Motive unbewußt wirken, auch gestützt vom jeweiligen sozialen Umfeld. Diese Verletzungen bestimmten auch die Art des Kampfes um die Kinder. Der bei Männern eher über charakterliche Einschätzungen der Frauen, bei jenen über Kriminalisierungen der Männer gehe.

Eine Aussage, ob die Trennung vorwiegend von Frauen ausgehe, könne man nicht treffen. Es läßt sich nur sagen, daß die Frauen in der Mehrzahl die Schritte unternehmen. Die "einfachsten" Scheidungen ergäben die Ehen mit einer Dauer von 5 bis 7 Jahren, die häufig sehr schlicht auf ein "war halt nicht der Richtige" hinausliefen.

Immer unterschätzt sieht Rudolph den "Nachtrennungskampf", auch, wenn wohl Regelungen bestehen, doch Änderungen in den Lebensumständen (neuer Partner z. B.) des anderen eintreten. Wobei nach Rudolph's Einschätzung Männer wie Frauen gleichermaßen, wenn auch anders, unter der Trennung von Kinder litten.

Was in den von Rudolph also verlangten (und in Deutschland zunehmend flächendeckend installierten) Mediationen von Scheidungen "gelöst" wird, bleibt aber gerade angesichts dieser Tatsachen fraglich. Bestenfalls kann es wohl darum gehen, die wirkliche Beurteilung (und DAMIT nämlich Lösung) der Konflikte auch mit rechtlichen Schritten zu verhindern (nicht alle Richter sind ja wohl deshalb bereit, das Prinzip zu übernehmen) - um Schmerz für die Kinder zu vermeiden, seelische Probleme wie unter Eis zu legen. (Etwas, das ich auch den "rainbow-"Bewegungen in Österreich vorzuwerfen habe, so edel ihre Motive auch sonst sein mögen.) Oder nach dem Motto "ist das Problem unlösbar, dann ändere die Sichtweise darauf", das letztlich (wenn es nicht vereinzelte Notmaßnahme bleibt) auf ein anderes Menschenbild zurückgeht.

Sodaß ich auch von dieser Seite in der Auffassung gestärkt bin, daß eine Scheidung - zumal wenn Kinder da sind - im Prinzip unlösbare Fakten und Brüche schafft, die bestenfalls subjektiv überwunden ("... trotz der Scheidung und trotz der Trennung der Eltern") und ins Leben integriert, nie aber behoben werden können. Man kann ja auch lernen, mit einer Krücke noch so weiterzuleben, daß man das, was mit der Krücke noch möglich ist, wahrnimmt.

Aber das heutige Reden um eine gar neue, der alten auf Ehe gegründeten Familie quasi ersatzlos gleichberechtigten "Patchworkfamilie" wird immer als fahrlässig und dumm entlarvt.





*121007*

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Über die Gleichsetzung von Licht und Gott

Das Licht wird (und wurde vor allem) von allen Menschen als das erste und entscheidende Kriterium des Lebens erfahren und erfaßt. Insofern ist es völlig verständlich, daß es in seinem Ausgangspunkt, der Sonne, mit Gott (in vielen Religionen ontologisch) gleichgesetzt wurde und wird. Dieser Gedanke findet sich in nahezu allen Religionen. Und sei es, daß es durch den Begriff der "Erleuchtung" ausgedrückt wird.

Auch das Christentum hat diesen Gedanken somit zentral und wenn es in der Osternacht heißt "Lumen Christi - Christus das Licht", und zu diesem dreifachen Ruf der Kirchenraum allmählich, von der Osterkerze ausgehend, ins Licht emporsteigt, die Welt aus dem Dunkel (des Nichtseins) herausgerissen wird, vom Licht erfaßt wird, so drückt sich dies aus. Über die historischen Entwicklungen nahezu vergessen wurde dieser Gedanke im Kirchenbau, wo die Wandlung "gegen das Licht zu", "auf das Licht hin" geschah, durch die Levitierung (Hebung) der Opfergaben, die (in den realen Gott) aus dem Licht heraus verwandelt werden.

Aus diesem Grund kann man auch nie von "Volksaltar" oder ähnlichem sprechen, dieser Gedanke an sich ist eigentlich lächerlich. Es ging um das Gegenübertreten zu Gott hin. Es ist hinlänglich nachgewiesen, daß dieses Wenden auch des Volkes zur Sonne hin bis ins hohe Mittelalter, ja bis in die Renaissance hin liturgisch üblich war. Erst die stärkere Rationalisierung des Glaubens - deutlich im Protestantismus - hat eine Fixierung der Zelebrationsrichtung über bauliche Maßnahmen (Kirchenbänke) gebracht. Bis hin zur Incarnierung des gesamten Himmelsgeschehens, des transzendenten Geschehens im Barock. Der somit einerseits die Tendenz der scholastischen Metaphysik ausdrückte und verwirklichte, anderseits ihre Gefahren - nämlich genau diese Spiritualisierung, also quasi Entwirklichung, Entfleischlichung des Glaubensgeschehens, das immer mehr in die Vorstellungswelt des Menschen hineinverlegt wurde, wie sie heute geschieht, bis hin zur ontologischen Vergöttlichung des faktischen Menschen an sich, dem nämlich eigentlichen und in praxi ganz rasch häretisch werdenden (auswählenden) Zentralgedanken der "neuen Liturgie" - mit sich brachte.

Das, was das Licht bedeutet, drückt Eigenschaften Gottes aus: Es ist nicht machbar, es ist Urgrund allen Lebens, ja das Leben selbst (ich verweise auf parallele Erkenntnisse der Physik, die hier interessante Fragestellungen aufdrängen, daß nämlich das Licht das von ihm Beschienene, die Form, zu dem dieses erwacht, auf eine Weise mit sich bringt) ist, es ist nur zu empfangen, und es regelt unser gesamtes Leben und Geschehen, aber auch unser Erkennen. Wir können uns ihm nur unterwerfen. Das, was dem Licht also zugeschrieben wird, floß mit der Beschreibung Gottes in eins.

Gott Vater, der im unzugänglichen Licht wohnt ... Und: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott - so heißt es nach wie vor im "großen" Glaubensbekenntnis.

Zugleich erfolgt auch weltweit die Gleichsetzung des Bösen, des Gegen das Sein Gerichteten, mit dem Dunkel.





*101007*

Freitag, 28. September 2007

Was ist der Nationalsozialismus überhaupt?

Beim Studium einschlägiger Literatur drängt sich der Eindruck auf, daß es damals wie heute niemandem gelingt, überhaupt zu definieren, was denn der Nationalsozialismus überhaupt war bzw. ist. Es gibt keinen wirklichen theoretischen Unterbau, lediglich vielerlei theoretische Facetten, die vor allem aber in Affekten zusammengeklittert werden.

Betrachtet man die Fakten, muß man sich die Frage stellen, ob wir nicht in unausgesetzten Systemen nationaler Sozialismen leben. Denn die Grundmerkmale scheinen nicht wirklich verschieden: Die Auffassung des Staates als eines homogenen Organismus, der in sich durch staatliche Interventionsmaßnahmen ein Wohlergehen der Bürger (im Sinne des Wohlstands sowie der Selbstbehauptung des Staates) gewährleistet. Das Element der freien Marktwirtschaft wie auch der Individualität ist dort erwünscht, wo es diesem Wohlergehen dient. Wo nicht, wird es durch staatlichen Eingriff beseitigt. Der Affekt gegen den Liberalismus vor allem der Wirtschaft.

Der Nationalsozialismus schien damals, wie es scheint, heute eine historische und politische Antwort auf den kulturellen Zustand zu sein. Die Betrachtungsweisen des Volkes - Mittel zur Macht - und der damit notwendigen politischen Mittel - Affekt, Emotion, damit der Stellenwert der Propaganda; die Pädagogik - sind keineswegs heutige Erfindungen, sondern standen in ganz Europa am Anfang der Entwicklungen hin zum nationalen Parlamentarismus, der den Reflex der Selbstdefinition wie Selbstbehauptung als Nation in sich birgt.

Das Revolutionäre als "Sozialismus" - die Beseitigung der Stände zugunsten eines definierten Leistungsgedanken, der die Standesordnung neu zusammensetzt ("Nicht Gleichheit, sondern Gleichheit der Chancen" ist ein expliziter Gedanke des Nationalsozialismus) - ist ebenfalls längst Alltag. Und er bringt eine ständig neu und panikartig zu sichernde Identität mit sich, weil die Fragen des Status quo zu höchst persönlichen Fragen werden: nur das Faktische sichert nämlich die Identität.

Entsprechend auch die intellektuelle Unschärfe dieser Ideologien, aber auch verschiedenster Ausprägungen, bis hin zum Rassenwahn. Auch letzteres ein Gedanke, den der Begriff "Nation" schleichend mit sich trägt.





*280907*

Gegen den Terror - Einschränkung der Freiheit

Immerhin ist zu sagen, daß Hitler die Macht tatsächlich auf völlig legalem Weg von einer schwachen Gegnerschaft übertragen bekam. Diese Legalität, die er später zu beseitigen nie verhehlt hatte, war seine erklärte Strategie, und sie lehnte sich auch an Mussolini und den türkischen Weg an. Hitler hatte damit sogar parteiintern große Schwierigkeiten, insbesonders die SA unter Röhm war einem Putsch mehr als zugeneigt. Und die Bereitschaft, die politische Krise der Weimarer Republik durch Gewalt zu beseitigen, schien auf einer von allen Seiten fast für notwendig gehaltenen Notwendigkeit zu beruhen. Gerüchte über Putschgelüste, ja aufgeflogene Putschpläne von allen Seiten - außer den Sozialdemokraten und den eigentlichen Konservativen - gab es zuhauf. Nicht zuletzt beruhte die weitgehende Handlungsvollmacht, die Hitler durch die von Hindenburg erlassene Notverordnung bald alle Möglichkeiten eröffneten.

Als noch der Reichstagsbrand dazukam, war die Bereitschaft, die individuellen Freiheiten um des größeren Übels - die Gefahr eines kommunistischen Putschversuches - einzuschränken keine Frage mehr. Es ist fraglich, wer den Brand gelegt hat, die Autoren widersprechen sich, in jedem Fall wurde das Umstoßen eines Grundgesetzes als das kleinere Übel angesehen.




Das GANZE war ja - nachweislich - in Gefahr.

Dieses Ganze in Gefahr zu sehen - das war das Kennzeichen sämtlicher faschistischen und nationalsozialistischen Bewegungen Europas. Und es traf noch dazu das Grundempfinden der Bevölkerungen in einem Zeitalter des völligen Umbruchs der Gesellschaften.




*280907*

Gescheiterte Existenzen

Es ist zumindest bemerkenswert, daß das demokratische Zeitalter, das Zeitalter des "kleinen Mannes", gleich an seiner Wiege zwei gescheiterte Existenzen zu einer Machtfülle brachte, die es zuvor kaum je in der Geschichte gegeben hatte: Hitler und Stalin.

Hier der "arbeitsscheue", orientierungslose Bohemien und Möchtegern-Künstler Hitler, dort der ehemalige Leibeigene und entlaufene Priesterzögling Stalin.




*280907*

Sonntag, 9. September 2007

Es gibt keinen katholischen Schriftsteller

Graham Greene, der in vielerlei Inventarismus der "katholischen Epoche" der Mitte des 20. Jahrhunderts zugerechnet wird, hat es einmal so ausgedrückt: "Es gibt keinen katholischen Schriftsteller - es gibt nur Schriftsteller, die katholisch sind."

Der Betrachtungsgegenstand wie das Material, mit dem er arbeitet, ist nur eine einzige Wirklichkeit. Zu der es nur eine einzige Wahrheit gibt, eine einzige dahinterstehende Wirklichkeit.

Die Aufgabe des Schriftstellers selbst ergibt sich aus seinem individuellen Lebenshorizont. Das kann für den einen ein winziges Tal in Tirol sein mit all den Lebensumständen, in die der Künstler hineingeworfen ist, und das kann zum anderen die Welt oder auch geistlicher Inhalt sein. Auch hier gilt: "gratia supponit naturam", die Gnade baut auf der Natur auf, ja setzt sie voraus.

Dies auch all jenem Kleingeist entgegengestellt, der meint, die Darstellung der Welt in ihrer Unmoral und Zerstörtheit sei eines katholischen Schriftstellers (bzw. generell Künstlers) unangemessen, er habe sich als Prediger auszuweisen. Wo immer ein Werk wahr ist, ist es ein Hereinragen der einen Wahrheit, die auch Gott und Gnade einschließt. Der Gottesdienst eines zum Beispiel Schauspielers kann sehr wohl auch darin liegen, einen unmoralischen oder gar bösen Sachverhalt wahrhaftig darzustellen!

Eine Unterscheidung zwischen religiösem und nicht-religiösem Künstler (so schwer es glaubhaft ist, daß es einen solchen überhaupt geben kann), mehr also noch zwischen getauftem und ungetauftem Künstler, findet sich lediglich in der Dimension seiner Wahrhaftigkeit und Darstellungskraft der Wahrheit. Was keineswegs bedeutet, daß sein Darstellungsobjekt quasi nur geistlichen, kirchlichen oder gar direkt verkündenden Inhalts (wie beim sakramentalen Priester) sein muß.




*090907*

Über den Weg des Künstlers als Heiligen und Priester

Anders als beim sakramentalen Priester, dessen incarnatio der Wahrheit im liturgisch-sakramentalen Akt gewährleistet ist, ist das Hereinragen des paradiesischen Menschen im Künstler graduell verwirklicht, ontologisch aber ein "Relikt" des Paradieses. Seine Liturgie im Werk ist somit immer wahr, als sie zum einen von der nicht ermeßbaren Standesgnade geheimnishaft wie prophetisch getragen ist, zum anderen im Maß seiner Wahrhaftigkeit ein reines Antlitz bietet.

Der genuin christliche Weg des Kreuzes, des Sterbens, auf daß der ursprünglich gedachte Mensch, die Wahrheit an sich, im Gewand ihrer historischen Gestalt dargestellt wird, ist auch der Weg des Künstlers, der sein Figursein absterben lassen muß, wie die Schlange sich häutet, in völliger Auslieferung an das Sein. Weil er diese absolute Freiheit in der Wahrheit naturhaft sucht und will, und für sie sein vor anderen bewertbares Leben läßt. So aber wird er zum "sacerdos", zum Priester, zum Urbild des Menschen an sich und zum Propheten.

Hier ist kein Platz für Ideologien und Egoismen, kein Platz sein Menschsein angstvoll selbst in Händen zu halten - das alles spiegelt sich als Spannung wieder. Aus dieser Sicht heraus ist auch seine A-Moralität zu verstehen, ist das notwendige Vertrauen in sein Werk zu verstehen, das keine Wirkens-Absicht als die größtmöglicher Wahrhaftigkeit - mit dem Staunen über seine gestalthafte Wirkung, die auch den Künstler selbst erfaßt - prägen darf.

Wenn er diesen Kampf verweigert, den vielfältigen Versuchungen nachgibt, doch sein Menschsein selbst in Händen zu halten, wird sein Werk unbrauchbar, bestenfalls zum Symptom. Denn er beginnt sogar, sein Werk zu bekämpfen. (Thomas Bernhard halte ich für ein sehr gutes Beispiel dafür - der in meinen Augen werklos blieb.) Also unterliegt er derselben Disziplinierungspflicht wie der Heilige, muß zum Kelch, zum "Verdunstungsapparat" der Wahrheit werden, auf daß die Welt den Duft der Wahrheit aufnehme, wie auch immer rezipiere. Auch mit Haß und Ablehnung. Der Künstler wird zum Entstehungsort der Wahrheit, er ist damit ein Gezeichneter, ein Herausgehobener, in einem kaum faßbaren ontologischen Zusammenfall - was für eine Berufung!

"Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder ..."





*090907*

Freitag, 7. September 2007

Jungfräulichkeit Mariens

Aus der Erfahrung, wie Kinder geboren werden, ist manchen die Jungfräulichkeit Mariens nicht nachvollziehbar, ja abstrus. Wie soll sie ohne Zerstörung des Hymens (des Jungfrauenhäutchens) gebären? Ist das nicht überzogen? Sie bliebe doch Jungfrau, schon weil sie mit keinem Manne geschlafen hat - "ich kenne keinen Mann". (Josef hatte ja auch erst Zweifel, wie überliefert ist.)

Es gibt keine Dinge "in spiritu", auch wenn sie geschöpflich halt anders sind - Jungfräulichkeit schließt ein, daß diese Jungfräulichkeit "ganz" blieb, um Jungfräulichkeit zu sein. Also auch mit intaktem Hymen. So wie alle Konkretion von "Dingen" nicht von ihrem Bezug zu ihrem Urbild ("potens") - dem Gedanken im Sein - zu trennen ist. (Dies ist die Auffassung unter anderem der Protestanten, wo ein Ding nicht unbedingt wie sein Gedanke aussehen muß, um dieser zu sein, und umgekehrt - vereinfacht ausgedrückt.)

Das ist bereits weniger schwer verständlich, wenn man die uns heute bekannte Geburt - "in Schmerzen" - als Folge der Erbsünde begreift. Wie zuvor geboren wurde, wissen wir nicht. Die katholische Theologie spricht selbst bei der Geburt Jesu von "neuer Geburt", ohne das genau definieren zu können, aber so muß es aus anderen Voraussetzungen heraus dann eben gewesen sein. Es gehört nicht zum Glauben, sich genau vorstellen zu müssen, wie das geschehen sei. Wir wissen eben nicht alles. Aber es ist logisch und denknotwendig, daß die Geburt des "neuen Adam" auf eine Weise geschah, die mit der erbsündlichen Folge nichts zu tun hat bzw. diese nicht kennt.

Um diese gesamte Thematik aber glauben bzw. glaubend annehmen zu können, bedarf es des Für-wahr-Haltens vieler weiterer, solcherart "vorangehender" Glaubensinhalte. In diesem Sinne spricht man von "zentralen" Glaubensinhalten und weniger zentralen. Nicht, weil sie weniger wichtig oder auch weglaßbar wären, sondern weil die Gesamtheit der Glaubenslehre sehr eng ineinander verwoben und verschränkt ist, und manche Inhalte andere wiederum voraussetzen, um verständlicher und plausibler zu werden.

Wer zum Beispiel nicht an die Geschöpflichkeit der Welt glaubt, diese also für plausibel (vernünftig) und damit - im Zustimmen - für wahr hält und damit ihre Verkünder (die Kirche) für glaubwürdig hält, wird mit der gesamten katholischen Theologie nichts anfangen können, ja sie für positivistischen Unsinn halten.





 *070907*