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Samstag, 12. Juli 2014

Wenn Medien sich instrumentalisieren

Vor etlichen Jahren gab es eine große Mediendiskussion: angesichts des explodierenden Internets überlegten Printmedien, wie sie Leser wieder binden könnten. Und der fast einhellige Tenor lautete, daß man dem Internetkonsumenten Orientierung dadurch bieten müsse, als man "Meinung" und Richtung anbiete. Eine Zeitung muß also, so das Fazit, Partei ergreifen. 

Was zuvor Kolumnen vorbehalten blieb und als Verstoß gegen den journalistischen Ethos angesehen wurde, wurde nun bei manchen Publikationen sogar zum erklärten Programm. Es sei nur erinnert, daß der Styria-Konzern, der mit den Zeitungen Kurier, Presse, Kleine Zeitung und Profil einen beträchtlichen Teil der österreichischen Medienkonsums abdeckt, definitiv beschloß, "die Welt besser" zu machen. Der Kurier-Chefredakteur ließ also ganz offen verlauten, was normalerweise gegen den Sinn von Zeitungen verstößt, jedes Medium sofort in die Anführungsstriche eines Parteiorgans stellt. Besonders brisant in einer Gesellschaft, in der es offizielle Medienförderung gibt, wo also die Medien von Steuergeldern - direkt, oder über Inseratentätigkeit - leben, sonst gar nicht existieren können. 

Entsprechend sind die Beißreflexe programmierte politische Reaktionen. Und haben sich nicht nur im gesamten "arabischen Frühling" oder im Syrien-Konflikt unverhüllt und als verhängnisvoller Beitrag zur Eskalation gezeigt, sondern auch im jüngsten Rußland-Konflikt. Hier stieß der Leser im gesamten deutschsprachigen Raum auf eine Einheitsfront der Rußland-Gegnerschaft. Und selbst wenn man berücksichtigt, daß gewiß auch Rußland die social media zu beeinflussen sucht, so ist die Haltung der Gegnerschaft gegen diese Einseitigkeit, die sämtliche Medien erlebt haben und die nun endlich gar niemand mehr bestreitet - eine Diskrepanz zwischen veröffentlicher und öffentlicher allgemeiner Meinung also -, nicht alleine darauf zurückführbar.

Eine der ganz ganz wenigen ausgewogenen Stellungnahmen zum Konflikt Ukraine-Rußland bietet der österreichische Standard dieser Tage. In einem Interview mit dem Wiener Professor für Medienwissenschaften Jürgen Grimm moniert dieser, daß die westlichen Medien (wieder einmal!) in Höchsttempo auf den Zug der Parteilichkeit aufgesprungen seien. Damit aber haben sie den Konflikt verschärft, ja zum Teil überhaupt erst so brisant gemacht. Denn man hat die Ukraine, die völlig pleite ist und war, zu einem Risiko ermutigt, das der Lage gar nicht angemessen war und Eskalation provoziert hat.

Dabei wurde aber sogar die EU in eine Lage gedrängt, in der sie sich offenbar gar nicht mehr fragt, ob sie dort überhaupt sein will. Denn die Ukraine einfach so auf EU-Ebene zu holen würde die EU gewaltig belasten: die Ukraine ist nicht nur pleite, sondern sie nach herkömmlichen Schemata "aufzubauen" würde enorme Geldsummen benötigen, die die EU ja selber gar nicht hat. 

Journalismus, der sich auf eine Seite stellt - in diesem Fall auf die der Ukraine - verliert die Fähigkeit zur distanzierten, objektivierten Betrachtung. Es geht ihm nur noch um (den nunmehr "eigenen") Sieg oder Niederlage, und dafür setzt er alle Mittel ein. Auch innerhalb der Ukraine verliert man Fähigkeit auf der Basis der eigenen Situation zu urteilen, und verfällt in ein (wie in dem Fall) einseitigen "Juhu, wir wollen in die EU!" Das hat die EU natürlich dazu verführt, das anzunehmen. Damit aber hat sie eine Auseinandersetzung mit Rußland riskiert, die nicht mehr von der Vernunft bestimmt war. 

Man kann aber, so Grimm, die Gegenwart nicht ohne Vergangenheit verstehen und lösen. Denn die heutigen Haltungen sind historisch bedingt. Es ist also zwar verständlich, daß die Ukraine aus den Erfahrungen mit dem Holodomor (der nahezu geplanten Ausrottung der ukrainischen Landbevölkerung unter Stalin in den späten 1920er Jahren mit geschätzt 10 Mio Toten durch Hunger und Exekution) einen Anti-Rußland-Effekt hat. Als eine Art "negativer Staatsgründungsmythos", der das Streben nach Unabhängigkeit vom einstigen Peiniger motiviert. Aber es genügt nicht, Gefangener der eigenen Geschichte zu bleiben. Man muß sie vielmehr durch distanzierte Betrachtung, die ein Zurück zur nüchternen, objektiven Einschätzung der Zukunft ist, zu überwinden suchen.



(Nachsatz: Wie weit eine manipulierte Medienlandschaftschaft wirken kann, ja Geschichte schreibt, hat sich etwa 1956 beim Aufstand in Ungarn gezeigt. Und es zeigt sich dasselbe Schema wie bei den sogenannten Revolutionen der letzten Jahre, mit einer Schlüsselrolle der Medien. Damals wurde verbreitet, daß die USA im Fall eines sowjetischen Einmarsches sofort von Westen her militärisch eingreifen würden. Wie dieser Irrglaube entstand ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Man kann lediglich davon ausgehehen daß seine Verbreitung durch Medien sehr im Interesse der Amerikaner lag. Aber die dachten natürlich nicht ernsthaft daran, einen Weltkrieg "wegen Ungarn" zu riskieren. Und so verbluteten tausende Ungarn, die sich mit Steinschleudern bewaffnet dem Goliath Warschauer Pakt entgegenstellten in der Meinung, es käme nur auf ein Aushalten an, denn die Amerikaner würden real zu Hilfe eilen.

Gerade internationale Politik findet nur dann statt, wenn sie unter nüchterner Berücksichtigung langfristister und damit objektiv tragbarer und akzeptierter Raumkonzepte stattfindet. Die angeblichen Rezepte wie aufgescheuchte Emotionalität und "Transparenz", die Internetbescheuerte aller Länder anbieten und anheizen, sind dabei Methodiken, den Doofen die Mittel aus der Hand zu nehmen, überhaupt Politik zu gestalten. Abstrakte Ebenen, die je langfristiger sie sind umso abstrakter werden müssen, niemals von "unten" gehandhabt werden. Zu komplex und notwendig kompromißbehaftet sind die realen Verknüpfungspunkte, die sie zusammenfassen. Die sogenannte Pluralität des Internet ist dabei lediglich eine höchst taugliche Waffe, dem gegenüberstehenden Staat sein Volk zu zerstreuen, ihn aufzulösen. Niemand weiß das besser als die USA! Ihre Praxis, das Internet lückenlos zu überwachen und damit nötigenfalls auch zu steuern, zeigt es.)




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Donnerstag, 10. Juli 2014

Wohin will man Rußland treiben?

Wenn es ein Land gibt, das man in der Geschichte Europas der letzten fünfundzwanzig Jahre bewundern muß, dann ist es ... Rußland. Es hat zugesehen, gute Miene zum bösen Spiel gemacht, und sämtlichen assoziierten Staaten der früheren UdSSR die staatliche Autonomie gewährt. Und es hat nicht einen Mucks gemacht, daß seine frühere militärische Einflußzone im Warschauer Pakt radikal schrumpfte.

Aber mehr als das: es hat zugesehen, ja freundlich gelächelt, daß die EU und die NATO (und hier schon direkt die USA) in blitzschnellem Vorgehen seine Einfluß- und direkte Machtzone bis fast an seine Grenzen vorgetrieben hat. Heute stehen amerikanische Raketen schon in Polen, damit an der Grenze zu Rußland.

Das Rußland als Erbe der UdSSR war lange Zeit durch internes Chaos geschwächt. Es mußte zusehen. Aber es ist wieder stark geworden. Als selbst sich so definierender Rechtsnachfolger der UdSSR hat es sogar sämtliche Schulden übernommen, und beglichen. Woran selbst in Österreich niemand geglaubt hat. Denn die seinerzeitigen 30 Milliarden Schilling (2,2 Mrd. Euro) waren vor allem Kreisky'scher Arbeitsmarktpolitik zu verdanken, mit der das Überleben auch sinnloser Unternehmungen (wie bei der Werft Korneuburg, oder der VÖESt) auf dem Papier verlängert wurde, um "Arbeitsplätze zu sichern" - durch Rußlandaufträge auf Pump.

Aber es ist heute wieder stark geworden. Es hat sich wirtschaftlich erstaunlich erholt, nicht zuletzt unter Berufung auf seine traditionelle Stärke, die Rohstoffe, mit denen es den Westen beliefert. Und es hat vor allem eines nicht gemacht - es hat die neu entstehende Raumordnung in Europa weitgehend zugelassen.

Denn das ist, liest man das ausgezeichnete Buch Carl Schmitts "Der Nomos der Erde", die Grundlage jeder rechtlich geordneten Zwischenstaatlichkeit: Ein allgemein anerkanntes Konzept des Großraumes, in dem sich staatliche Politik jeweils abspielt.

Nur einer hat sich nie daran gehalten: die EU und die NATO mit den USA. Mit einer Politik der geschaffenen Tatsachen hat es seinen Einfluß in Europa erweitert, was soweit geht, daß man Rußland als europäische Großmacht regelrecht ausschaltet. Und das ist der eigentliche aggressive Akt, folgt man der überaus schlüssigen Argumentation Schmitts.

Nun ging die EU sogar so weit, den Krieg der Ukraine um seine östlichen, vorwiegend russisch bevölkerten Gebiete zu finanzieren. Wie, die EU finanziert den Krieg gegen die "Rebellen"? Ja. Sie nennt es zwar "Krisenhilfe", aber die bereits geflossenen 1,5 Mrd, weitere stehen im Raum, die die Zahlungsfähigkeit des bis ins Mark korrupten Staates aufrechthalten sollen, sind nichts als direkte Kriegshilfe. Geld hat bekanntlich ja keine "Mascherl". Während sie laut schreit, daß Rußland - angeblich, wiewohl wahrscheinlich - die russischen "Rebellen" unterstütze. Wohin die Ukraine wollte, wurde bereits wenige Wochen nach der "diesmal aber sicher demokratischen Neuwahl" klar. Als sie ein Assoziierungsabkommen, lange schon vorbereitet, mit der EU unterfertigte.

Damit steht die EU direkt an den Grenzen Rußlands. Damit etabliert die EU ein neues Raumkonzept für Europa, ja für die Welt. Wieweit das überhaupt noch in den Interessen der europäischen Völker liegt, bleibe dahingestellt, das zeitgleich vorliegende Projekt eines Transatlantischen Wirtschaftsfreiraums EU-USA ist kein Zufall, und die Frage, wer zu welchem Einflußraum - ohne Gegenmittel - wird, ist leicht zu beantworten.

Mit allen Erkennungsmerkmalen amerikanischer Politik. Die seit Jahrzehnten Raumkonzepte offiziell ablehnt, in Wahrheit sie aber umso energischer verfolgt, als sie die Ordnungskonzepte der Welt auf eine moralische Ebene hebt. Damit werden sämtliche Kriege der USA nicht mehr zu "Kriegen" - die USA hat nicht einen einzigen ihrer Kriege zum "Krieg" erklärt! Es sind Religionskriege geworden. Und damit Auslöschungs- und Vernichtungsfeldzüge, die den anderen, der den Interessen der USA widerstrebt, schlicht zum "Untermenschen" erklären. Die Kriegsgegner der USA sind keine Staaten mehr. Es sind Untermenschen, gegen die jede Maßnahme gerechtfertigt ist. Die Bevölkerungen der Gegner müssen nur eines ertragen: daß sie keinem Staat mehr zugehören, sondern nur noch Teil der CocaCola- und Internet-Lebensweise sind, an der sie als Trostpreis partizipieren dürfen. Dafür überläßt die Welt den Amerikanern alles, was mit Politik zu tun hat. Bis es nur noch eine Politik gibt - die der USA als Weltordnungsmacht, die beliebig schalten und walten kann.

Dem widersetzt sich Rußland mehr und mehr. Neben China, dessen immer stärker werdendes Selbstbewußtsein als Weltmacht immer sichtbarer wird. Das sich nicht als Staat in einen panamerikanischen Weltstaat hinein auflösen möchte.

Mit einem Europa, das sich nur noch als Vorfeldorganisation amerikanischer Welt-Hegemonie erfahren darf, und offensichtlich damit zufrieden ist, maßgeblich von Ländern wie England dorthin gedrückt. Das bis hinein in den Orient reicht, über den die USA die Staaten des Fernen Ostens kontrolliert, über die Rohstoffe nämlich. 

(Die Ölquellen der arabischen Welt haben für die USA immer nur eine periphere Rolle gespielt. So bezogen die USA zu besten Zeiten kaum 10 % ihres Öls von dort, heute brauchen sie es gar nicht mehr. China und überhaupt Japan sind aber zu fast 100 % von der arabischen Förderwelt abhängig. Sämtlich in der US-Währung abgerechnet ... sodaß wie in einem Hintertreppenwitz gerade China auch noch von einer prosperierenden USA abhängt, will es nicht sein Kapital verlieren. China hat in den letzten zwanzig Jahren aufgerüstet wie kein Land der Erde, und offensichtlich wie logisch mit dem Ziel, den USA widerstehen zu können. Die sich anmaßen, ohne Rücksprache mit der Weltgemeinschaft - Gegner, s.o., sind ihnen nur noch rechtlose Untermenschen - den Weltraum neu zu ordnen.)

Denn auch das britische Konzept war bereits jahrhundertelang zunehmend universal-ORTSLOS geworden, was so weit ging, daß sie 1914 ohne Bedenken in einen Krieg zogen, der die Raumordnung Europas zerstören sollte. Sollte, denn der Kriegseintritt Frankreichs-Englands und Rußlands war ein solcher Verstoß gegen den Nomos Europas, und insofern war nicht Österreich und Deutschland die Katastrophe, sondern die Entente, die bedenkenlos Bewegungen gegen das in Jahrhunderten gewachsene auf Gleichgewicht beruhende Raumgefühl europäischer Politik handelte. Und damit den gesamten Kontinent riskierte - und verspielte. 

Abwich vom Prinzip des "gehegten Krieges" (Schmitt), wie ihn die Akzeptanz einer solchen übergreifenden Raumordnung bedeutet, um zum "totalen Vernichtungskrieg" Europas zu greifen. Und dabei keineswegs zufällig seine eigene Ordnung zerstörte, die (man denke ans englische Kolonialreich, den Commonwealth)nur funktionierte und bestand, WEIL sie in der Ordnung Europas gründete, ihre Wurzel hatte.

(England verlor als Folge dann überhaupt seine Weltgeltung, bis es sie Ende der 1920er Jahre überhaupt aufgab, als es auch als Weltleitwährung abdankte. Und dann noch - keineswegs zufällig! - im nächsten Krieg von den USA endgültig abhängig wurde, nicht mehr in der Lage, sich innereuropäisch selbst zu erhalten.)

Das Spiel 1914 war nicht der Krieg einzelner Staaten gegeneinander. Es war das Spiel mit dem Nomos Europas, den - groteskerweise - Österreich und Deutschland regelrecht verteidigten, während ihn die Gegner aufgaben. (Die Friedensschlüssse, die gegen dasselbe Prinzip verstießen, erzählen es auf andere Weise weiter.)

Und nun, 100 Jahre später, riskiert das englisch-amerikanische Europa dasselbe. Spielt mit einer Raumordnung, die sie durch neue Kategorien zu rechtfertigen sucht. Es riskiert damit eine Auseinandersetzung, die nur durch die bewundernswürdige Langmut Rußlands noch nicht ausgebrochen ist. Das immer noch auf das einzig vernünftige Konzept eines europäischen Raumes setzt - einer Raumordnung, die die EU wie Rußland umgreift. Und nicht den Kontinent spaltet, bis er zum Pulverfaß geworden auseinanderfliegt. Wenn Europa noch so friedlich bleibt, immer noch, dann ist das das Verdienst Rußlands. Die Frage ist nur, wann man den Punkt erreicht, wo man die Lebensinteressen der Russen so beschneidet, daß sich alles auf eine Konfrontation zuspitzt. 

Die EU kann dem offenbar nicht gegensteuern. Sie finanziert sogar noch jene Kräfte, die Europa spalten wollen. So wird sich Europa ein weiteres mal verspielen, wird im schlimmsten aber leider wahrscheinlichsten Fall zum Austragungsplatz wie Mietling fremder Konflikte werden. Aber wieder wird es England sein, das die Ordnung des Kontents erst geistig, dann realpolitisch, zerstört. 




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Mittwoch, 9. Juli 2014

Von heutigen Furchtbarkeiten

Es hat etwas Tragisches, aber noch mehr: Furchtbares um das, womit man heute immer häufiger meint - in Wien sind nicht einmal mehr die Hälfte aller Einwohner getauft, und der Prozentsatz bei Neugeborenen geht auf die 10 Prozent zu - die Taufe zu ersetzen. Denn das unbewußte Wollen und Suchen nach Riten, nach Inititationen, ist dem Menschen untrennbar eigen. Denn der Mensch gründet sich selbst im Kult. Sein ganzes Leben ist alleine als Emanation der Grundbewegung des Lebens selbst verstehbar.

Eine dieser Formen nennt sich "Willkommensfeier". Sie ist in Deutschland bereits verbreiteter als in Österreich, aber auch hier im Kommen. Das Tragische daran ist, daß darin das Kind auf die menschliche Umgebung alleine zugewiesen wird. Und das ist auch das Furchtbare daran. Denn was bleibt dann noch am Menschen?

Selbst in tiefsten Heidenzeiten wurde (und wird) aus natürlichem Verständnis heraus jeder Neugeborene Gott oder den Göttern überantwortet. (Der Heldenkult als Kult von Quasi-Göttern hängst ja direkt damit zusammen.) Was sich im Sakrament noch einmal - und zwar: zur Realität, nicht nur zur "Meinung" - vertieft hat. 

Und das drückt sich ja nicht zuletzt in der Namensgebung aus, denn im Namen wird der Mensch den geistigen Dynamismen überschrieben, die in diesem Namen zum Ausdruck kamen, die man deshalb kennt. Es ist also der Name, aus dem heraus sich ein Mensch entwickelt, und auf den zu er sich entwickeln soll, um das bereits Bekannte weiter zu bereichern. 

Der Name also drückt die geistige und religiöse Haltung der Menschen aus, und darin ihre Haltung zur Welt. Er ist zeitlebens der innerste Anspruch. Leben kann als "sich einen Namen machen" bezeichnet werden, denn durch das Leben wird der Name mit Bezügen, mit Inhalten gefüllt und damit zur Dynamis, die einem Menschen sehr wohl vorausgeht. Die Namensgebung ist also direkt mit dem Religiösen nicht nur verbunden, sondern der erste Akt des Menschen (vgl. die Genesis) der Welt gegenüber. Und weil verstehen, und damit Sprache (Vorsicht - das ist nicht dasselbe wie "Erkennen"), das Beziehen eines Begriffes auf einen anderen ist, führt sich alles Verstehen und alle Sprache auf Namen, und alle Namen auf einen zurück - den des Seins selbst. Die Welt als Zueinander von Dingen ist also auf einen Namen gegründet ...

In einer Willkommensfeier wird aber das Religiöse - als verantwortlicher Bezug auf das Transzendente - bewußt eliminiert. Der solcherart "Empfangene" wird dem rein Innerweltlichen übergeben. Was sich darin also ausdrückt ist nicht Heidentum, denn kein Heide ist und war je a-religiös. Das so zu umschreiben ist schönfärberisch und unwahrhaftig.

Es zeigt die Furchtbarkeit des Nihilismus. Und sein Ritus entstammt dem Akt der Verzweiflung, dem Innerweltlichen doch Seinstiefe, die durch hervorzubringende, voluntaristische emotionale "Tiefe" überdeckt wird,  die zum Inhalt erklärt wird, abtrotzen zu wollen.




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Dienstag, 8. Juli 2014

Ein Land verändert die Welt

Rund 650 Milliarden Euro ist er bereits schwer, der staatliche norwegische Ölfond. In ihn fließen die Überschüsse aus dem Ölverkauf, und er soll Norwegens Zukunft in Wohlstand sichern. Dazu hat der Ölfonds bereits 1,3 % der Aktien weltweit sowie 2,5 % in Europa aufgekauft. Ende 2013 gehörten ihm weltweit 8213 Unternehmen. Und selbstverständlich Immobilien, vor allem im Luxusbereich.

Nun will er seine Investitionstätigkeit vor allem auf Schwellenländer ausweiten, und stockt seinen Mitarbeiterstand auf zusammen 1500 auf, die diese globalen Investitonen in mittlerweile 58 Ländern aquirieren und verwalten.

Es hat schon seine Eigentümlichkeit um die Nordländer und ihr Verhältnis zum Geld. Das sie dem Handel, den Bodenschätzen und Früchten des Landes die sie dafür einsetzten, und ihrem Willen sich zu behaupten verdanken. Von dem sie seit 1200 Jahren immer viel hatten, als es in Europa durch den Wegfall des Mittelmeerraumes im 7. Jhd. kaum Geld gab, was die Aktionsmächtigkeit jeder politischen Zentralmacht stark beschränkte. Das änderte sich erst mit dem Handel, der Europa ab dem 11. Jhd. re-kapitalisierte, von Italien her im Süden über Venedig, Pisa, Genua, damit mit der Lombardei, im Norden aber durch die skandinavischen Handelsplätze und -wege.

Denn die Nordländer hielten den Handelsweg über Rußland nach Süden und dort nach Asien in der Hand, ehe ihnen Venedig durch die Eroberung Konstantinopels im 13. Jhd. diese Wege so schwächte, daß sie dem Druck östlicher Steppenvölker nicht mehr standhalten konnten. Die stadt-staatlichen Strukturen waren einer Zentralmacht wie den Mongolen nicht mehr gewachsen. Aber vom Norden kam Geld nach Europa. Noch heute zeugen städtebaulich die oft riesigen Zentralplätze in osteuopäischen und russischen Städten von der Dimension des Handels als Erwerbsquelle.  Mit (damals) erstaunlichen "demokratischen" Strukturen.*

Sie waren nicht zuletzt deshalb aber maßgeblich bei der Einrichtung der Hanse, einer Freihandelszone, die zu hoher politischer, ja quasi-staatlicher Macht aufstieg, die sich nicht zuletzt der durch die Verluste der Nord-Süd-Wege geschwächten nordischen Kaufleute verdankte, die verlorenen Nord-Süd-Wege durch Ost-West-Wege ersetzte. Und auf das skandinavische Handelsnetz mit dem Zentrum Gotland abzielte, im Grunde also auf die gotländischen Handelsgenossenschaften (Nowgorod!) anknüpfte. In jedem Fall auf den Zerfall staatlicher Macht (im Westen im Interregnum, im Osten durch den militärischen Machtverlust der Nordländer, die sich nie zu einer Zentralmacht einigen konnten, was ihnen ja zum Verhängnis wurde).**

Sie dehnten sich aber auch nach Westen, wo sie die Potenz gehabt hätten, ihren Fuß auf Amerika zu stellen - es gilt als ziemlich sicher, daß Normannen bis ins Andenhochland vorgedrungen sind -, und in den Mittelmeerraum aus, wo sie das immer schon reiche Sizilien zu einem Kernpunkt europäischer Politik im späten Mittelalter machten, eine zentrale Rolle bei der Wiedereingliederung des Mittelmeerraumes in den europäischen Handel spielten. 

Über ihre Rolle beim Aufblühen der europäischen Kultur in der Gotik, in der sich ein Bogen vom Kaukasus bis nach Spanien zu spannen (und zu schließen) scheint, wird gestritten, sie dürfte aber entscheidend gewesen sein.*** Über die kaukasisch-gotische Ornamentik und Ästhetik, in der sich in Spanien der arabische Einfluß zum Kreis schließt. Denn der Geschmack der Skandinavier war über den Handlen hier byzantinisch geprägt, dort aber und vor allem persisch-arabisch.****

Zumindest aber - über das zuströmende Geld. Denn die Gotik ist bereits eine "Geldkunst", sie ist ohne abstraktives Geld nicht mehr denkbar. Schon gar nicht als städtische Volksästhetik und Ausdruck des Weltempfindens, wo sie eindeutig auf Handel, arbeitsteiliges Gewerbe und damit Geld aufbaut und Verkehr mit einem Außen braucht. Denn Geld kann nur als je "Zusätzliches" kommen, als Impulsgeber wirtschaftlicher Dynamik und Ausweitung braucht es das Fremde, Neue, das das Eigene herausfordert, es in Aneignung zu verwandeln.




*Der für Rußland später bzw. nach Ivan dem Schrecklichen ab dem 16. Jhd. so bestimmende Zentralismus kam erst als Folge der Herrschaft der Mongolen, deren Herrschaftsstrukturen übernommen wurden. Bis dorthin war das noch eher cisuralisch gebliebene Rußland (in dem sich Zentralismus nicht durchsetzen hatte können) als zwischen zwei Meeren fungierende Klammer von Steppen- und Waldland ein Land der Freien, wo ein Teil den anderen brauchte, das nur in Austausch und Handel funktionierte - und bis heute funktioniert. Auf dem Gerüst der Flüsse aufbauend, die das Land als Verkehrswege wie Nord-Süd-Spanten duchziehen. Wer Rußland treffen will, muß seinen Handel und seine Verkehrswege treffen. Der Satz ist bis heute aktuell, er berührt ein strategisches Grundproblem der Russen seit je.

**Der immer stärkere Handelsplatz der Hanse, London, sollte (als Finanzplatz) dann schicksalsbestimmend für Europa werden. Bestimmte sie doch den Weg Europas als Weg des technizistischen (und der Politik verschwisterten) Kapitalismus, der, nachdem die staatlichen Mächte ab dem 17. Jhd. die "Geldproduktionsmaschine" Hanse in den Griff bekamen, spätestens im 19. Jhd. auch die bodenverhafteteren, bäuerlicheren Länder Zentraleuropas - von Norden her - erdrückte.

***Eine der stärksten Gegenthesen spricht von keltischer Prägung. Der Ursprung über die Mauren (auf Spanien) ist in der nordischen These ja eingeschlossen bzw. berühren sich diese Halbkreise hier. Es ist deshalb bemerkenswert, daß der endgültige Siegeszug des Kapitalismus im 19. Jhd., der Lebensweisen in ganz Europa umwälzte, von einer neugotischen Phase geprägt war. In der die Gotik pseudologisch funktionalisiert und technisch nachgeahmt wurde.

****Möglicherweise stammt der Name "Rus" sogar von der Phase persischer Stämme - der Antes, mit ihrem Führer "Ros" - herstammt. Denn der persisch Einfluß war hoch. Im Synonym "Mütterchen Rußland" dürfte eine persische Muttergöttin fortgelebt haben.




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Samstag, 5. Juli 2014

Vorsicht vor diesem Video!

Durch Hinweis des Lesers L erhielt der VdZ dieses Videolink. Und - es ist sehenswert. Ein mehr als einstündiges Interview mit dem langjährigen CDU-Abgeordneten - der sich als "rheinischen Christdemokraten" bezeichnet - und OSZE-Delegierten Willy Wimmer. Der offenbar weiß, wovon er spricht, und zu erstaunlichen Urteilen auch über Rußland kommt. Aber vielleicht ist auch er putingesteuert und rechtsextrem. "Die Reaktionen Rußlands gegenüber Europa im kalten Krieg waren nichts anderes als die Umsetzung der Erfahrung mit Napoleon und Hitler." Oder: "Amerika hat Mitte der 90iger Jahre seine Politik umgestellt: von Kooperation zur Aggression." 

Und: "England hatte nie ein Interesse an einem ausgewogenen Kontinent. Das lag nicht in ihrem Interesse. Und Amerika hat einfach die britischen Begriffe übernommen. Die Briten haben ein strategisches Interesse, die Vertiefung der Integration in der EU zu verwässern. Deshalb wollen sie nicht nur die Türkei in die EU bekommen, sondern auch die Ukraine. Das alles - ohne gemeinsamen Nenner, außer dem einer möglichst großen Freihandelszone. Die Briten haben kein Interesse an einem europäisch geeinten politischen Willen. Sie orientieren sich vor allem an einer Einigung mit den USA, auch um den Preis eines Krieges in Europa. Sie waren in allen Kriegen der letzten Zeit bei den Anstiftern. Der Jugoslawien- oder Irakkrieg waren ein reiner Angriffskrieg."

Und da wird es wirklich hochinterssant: "Der Zusammenbruch von Lehman Brothers hatte direkt damit zu tun, daß die Amerikaner ihre Kriege mit europäischem Geld finanziert hatten. Der Hintergrund war, den Euro als Konkurrenzwährung zum Dollar zu eliminieren. Nur Merkel hat eine eigenständige europäische Währungspolitik verfolgt. Auch wenn es mehr als angebracht gewesen wäre, im Falle der Ukraine bei den Massakern am Majdan-Platz eine sofortige Untersuchung zu fordern. Es kann nicht angehen, das nur von China zu verlangen, weil es weit weg ist."

Oder: "Ja, man kann keiner internationalen Organisation mehr trauen, dem Roten Kreuz, wem auch immer. Die Amerikaner haben sie gekapert, sie dienen amerikanischen Interessen."

"Rußland ist doch nicht dämlich! Gorbatschow wurde signalisiert, daß Deutschland nicht an einer konfrontativen Situation interessiert sei, das heißt: keine Nato im ehemaligen Ostblock. Was aber passiert ist ist das Gegenteil. Die Russen haben bei der Ukraine einfach einen Stop gesetzt! Der Ansatz der Amerikaner war eben, daß sie meinten, den dritten Weltkrieg, den Kalten Krieg, gewonnen zu haben, während ihn die Russen verloren hätten. Und so haben sie sich benommen. Die Russen ware nicht mehr Partner, sondern sie meinten: wir machen uns über die her. Die Rusen haben lange zugewartet, aber sie haben erkannt: aus dem Westen kam keine Kooperation."

Aber damit setzt man Rußland, das von seinen Bodenschätzen lebt, das Messer an die Brust.

"Sanktionen sind der direkte Weg zum Konflikt. Wer Saktionen setzt, will die legitime Basis für einen militärischen Konflikt. Eine traditionelle Politik der Briten. Man hat schon damals Japan dadurch in den Krieg gezwungen."

"Der Westen legt es darauf an, die russische Gesellschaft zu spalten. Es gibt in Rußland gut 600 NGOs! Und die sind höchst abhängig von den USA."

"Die Amerikaner haben klar und bekennend ein Konzept, das eine eigenständige europäische Politik gegen amerikanische (Wirtschafts-)Interessen gerichtet wäre. Die amerikanische Politik ist aber nur durchsetzbar durch Gewalt und Unterdrückung seiner Freunde. Die amerikanischen Maßnahmen dazu zerstören unsere Gesellschaft."

"Wenn das, was die USA mit Deutschland machen - flächendeckende Überwachung - passiert, verliert eine Nation jede Würde. Alle Politiker und Verantwortlichen müssen davon ausgehen, daß sie nicht mehr Herr ihres Handelns sind."

"Um zu wissen, was in der Welt vorgeht, brauche ich deutsche Nachrichtensender nicht. Man erfährt über ausländische - chinesische, russische, arabische, französische - viel mehr, ihre Qualität ist viel höher."

Bitte: das waren bis vor kurzem deutsche Politiker, mit solchem  - eigenständigen - Rundumblick. Hochinteressante Einblicke eines höchst glaubwürdigen Zeugen, selbst in die Erdgaspolitik Rußlands.

Vorsicht, es könnte Ihre Sicht mancher Dinge erschüttern.







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Donnerstag, 3. Juli 2014

Eine männliche Tat

Was an Erstaunlichkeiten doch oft zu beobachten sind: Da singt der Volksmusikinterpret Andreas Gabalier beim Formel I-Grand Prix von Österreich im steirischen Zeltweg doch tatsächlich die Bundehymne im ungegenderten Wortlauf. Den auch der VdZ richtig, gut, neben traditionell (und schon deshalb gut) kennt. 

[...] 

Heimat bist Du großer Söhne
Volk begnadet für das Schöne
Vielgerühmtes Österreich
Vielgerühmtes Österreich.

Naja, die norddeutschen Leser mögen das nicht verstehen. Aber Ihnen sei gesagt, was süddeutsche Leser sowieso wissen: Die deutsche Geschichte war 600 Jahre lang österreichische Geschichte, ehe sie im 19. Jhd. zur Geschichte preußischer Militär-Diktatur wurde. Österreich WAR Deutschland. Aber lassen wir das. Die heutigen Deutschen (sieht man von so manchem Bayern ab) war und ist gerne bereit, sich wie Wirklichkeit gegen fettes Kapitalistengeld abkaufen zu lassen, darum vergessen sie gerne die Geschichte und den Boden, auf dem sie stehen. 

(Denn Preußen hatte gar keinen Boden mehr, das ist absolut wörtlich zu nehmen, darum mußte es ihn "erobern", und trug das "Volk ohne Raum", diese preußische Neurose aus nie verdauter Wirklichkeit, in seine verderbliche Entfaltung. Wer mehr dazu lesen möchte, dem sei mit Reinhold Schneiders ausgezeichneter ontologischer Deutung in seinen "Hohenzollern" gedient.)

Jedenfalls: Die (aber nicht eimal einen Deut Mühe machrt sich der VdZ, seine Verachtung gegen das, was sich da abspielt, zu verbergen) längst traditionell wildgewordenen Weiberbeauftragten des Landes, unter ihnen als wesentliche Initiatiorin natürlich eine Vertreterin als frühererer Minister der sogenannten (sic!) Christlich-Sozialen Partei ÖVP, Gräfin Rauch-Kallat, haben freilich in einem Anfall von kreativem Akt den Text umgedeutet, und diese Umdeutung vor wenigen Jahren per Gesetz (anderes als Formalzwang fällt solchen Weibern sowieso nie ein, denn ihnen fehlt das, was die Frau selbst so unfaßlich großartig auszeichnet: Klugheit) vorgeschrieben. 

Sodaß es nun angeblich heißt:

Heimat großer Töchter und Söhne ...

Gabalier hat sich nicht darum bekümmert. Und vor Milliarden von Übertragungsgästen weltweit Österreich nach wie vor als "Heimat großer Söhne" bezeichnet. Die halbseidenen Argumente um Rhythmus und Reim wollen wir gnädig übersehen.

Ja natürlich, sämtliche kirchen- und parteibezahlten Medien (andere gibt es nicht) Österreichs haben ihn kritisiert, und ach wie vernünftig argumentiert. Aber sieh da - ein "Shitstorm" brach los. Denn wie Umfragen belegen, sind 80 % der Österreicher immer gegen diese willkürliche politisch-ideologische Trottelei gewesen und haben es eigentlich ignoriert. (Auch dem VdZ ist es nie im Leben eingefallen, den Text anders zu singen, er hat diese "Diskussion" schlicht ignoriert.) 

Auch die Frauen, übrigens. Also die, die halt solche sind, auch wenn sie als Opfer der patriarchalen  Ideologie eigentlich nicht zählen, wie die Frauenrechtlerinnen meinen. Denn gut, so verhalten sich sämtliche Gendernarren. Wer anders denkt als sie - der ist kein Mensch.

Man mag über Gabalier - der VdZ bekennt noch nie von ihm als Musikinterpret Notiz genommen zu haben, aber das sagt ja nichts - denken wie man will. 

Das ist eine gute, weil eine männliche Tat. Und gute Taten sind immer männlich.



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Mittwoch, 2. Juli 2014

Ein Schuß ins Knie (2)

Teil 2) Was sich aber noch viel mehr in der Affinität zu Rußland ausdrückt




Denn was sich in dem Propagandakrieg noch offenbart ist etwas ganz anderes. Der Grund, warum Putin und Rußland zunehmend an Glaubwürdigkeit gewinnt liegt nicht an den "Vorkommnissen". Mit Verlaub - die hat jeder nur aus zweiter Hand. Und am meisten die, die "mittendrin" sind. Denn denen fehlt noch wahrscheinlicher als dem externen Betrachter jeder große Rahmen. Wobei die Behauptung hier aufgestellt wird, daß den gesamten Rahmen ... überhaupt niemand kennt. Dazu wurde das Nachdenken über Geopolitik zu lange auf Eis gelegt.

Was sich in der zunehmenden Affinität zu Rußland ausdrückt baut also zwar auf Fakten auf, aber es liegt in einem anderen Umstand: Rußland und Putin vermitteln die Gewißheit, daß es noch eine Politik des Handelns gäbe. Ein Urteil, das die westeuropäische Politik schon lange nich tmehr verdient, die nur noch den Ereignisen hinterherhüpft, als wäre politisches Handeln nur noch das Befolgen von Notwendigkeiten - unfrei.

Aber noch mehr. Es wird klar, wenn man "Argumente" verfolgt, die angeführt werden, und die das Unrechtmäßige an Putins bzw. Rußlands Kurs betreffen. Immerhin, so viele Kommentare und Meldungen, würde doch Putin ständig "Menschenrechte" verletzen. Man beachte doch alleine die "Rechte von Homosexuellen", man beachte die Internetzensur, man beachte generell das was alsl "Demokratie" zu bezeichnen ist - die Freiheit aller von allem, also den Liberalismus. Wo sich aber alles entbindet, alles "von" allem frei wird, bleibt das Nichts. Das, was als Menschenrechte verkündet wird, ist zugleich die Verurteilung zum Nichts, zur Sinnlosigkeit.

Hier zeigt sich eine der Grundaporien des Westens, der "aufgeklärten europäischen Gesellschaften".  Denn der Liberalismus basiert auf einer rationalistischen Selbsttäuschung, er ist in sich irrational, bringen wir es auf den Punkt. Er ist eine Ideologie, nicht weniger als der Marxismus oder Faschismus. Aber wie jede Ideologie gerät er in Konflikt mit der Wirklichkeitserfahrung der Menschen. Liberalismus war (und ist) also ohne entsprechende Verbildung nicht denkbar. Er ist ohne Propaganda nicht denkbar. Für die die "gebildeten Schichten" ganz besonders anfällig sind, nicht nämlich die "armen" Massen, wie - auch das eine Propagandalüge - es gerne heißt. In dieser Feststellung hat jede solide Analyse des Revolutionären (wie jene von Crane Brinton, aber er ist keineswegs damit alleine) sehr recht. Man beachte nur die Realitäten jüngster "Revolutionen". Die einfachen Menschen, sozusagen, sind VIEL WENIGER LEICHT zu täuschen, als die sogenannten Gebildeten.* Deren Bildung meist in nichts sonst besteht als darin, sich in wirklichkeitssfernen Sprachwolken zu halten gelernt zu haben, virtuell ist.

Der (radikale) Liberalismus ist eine utopische Revolution gegen die Wirklichkeit des Lebens selbst und mißbraucht dazu das Wort "Freiheit". Wer wirklich lebt, existentiell lebt - und das sind NICHT die Systemgünstlinge etwa des Westens, die Beamten oder quasi Verbeamteten der dortigen sogenannten freien Märkte, die solches ja längst nicht mehr sind - weiß, daß das Leben auf Urteil und Entscheidung zur Konkretion, aus Verantwortung besteht. Die Welt ist überhaupt nur deshalb Welt, weil sie Festlegung ist. In aller Irrtumsanfälligkeit, in allem Wissen um die Schwachheit und Gebrechlichkeit JEDES Menschen.

Jeder Unternehmer, jeder Mensch dem Freiheit noch ein Anliegen ist, weiß, daß Leben also aus dem Entscheid zum Selbstvollzug besteht. Daß Welt "hinausgeworfen" werden muß, nicht quasi von selber entsteht. Daß also auch Politik und Staat und ZUKUNFT gestaltet werden muß, nicht von selber passiert, weil man sonst ihr Opfer wird.

Europa, die Politik in Europa hat aber keine Visionen mehr. Nur noch Utopien, nur noch "Notwendigkeiten", "Zwangsläufigkeiten". Nur noch Maschinenanalytik. Und nahezu jeder öffentlich gemachte Plan - man denke an die Freihandelszone mit den USA - ist nichts als die Fortschreibung von solchen Zwangsläufigkeiten. Einer Situation, mit der die Menschen aber nicht einverstanden sind. (Hier ist die Rede von Menschen, die noch Wert auf Freiheit legen, und nicht die Eliminierung jeder Form als eine Freiheit mißdeuten, die sie ja gar nicht ist.)

Denn Zukunft heißt Gestalt, weil Welt Gestalt ist. Nicht Bindungsfreiheit, nicht Aufgelöstheit, nicht Erfindung des Augenblicks, je neu vorzunehmen. Sie heißt Fundament in der Gegenwart des Sinns, aus der Vergangenheit, um Zukunft zu HABEN.  

Putin bzw. Rußland zeigt einen anderen Willen. Es zeigt den Willen, Zukunft zu gestalten, ohne sich selbst dabei in eine Willkür der Kräfte, einem Getriebe aufzugeben. Das nicht erkannt zu haben ist das Kernproblem sämtlicher "rechter" Parteien Europas, die nicht zufällig mehr und mehr Anleihen bei Rußland nehmen, weil das "gegen"-Sein einfach nicht reicht. Deshalb haben etwa dieWahlerfolge der FPÖ immer wieder dieselbe Bewegung: sie erreichen einen Plafond, und brechen dann wieder ein. Sie sind nicht zukunftsfähig, weil sie keine Sinndimension haben.

Was aber die Menschen von (höherer) Politik wollen ist nicht einfach nur Vision, und schon gar nicht Utopie, die Vision zu sein ja nur vortäuscht. Und schon gar nicht wollen sie summarisch-technische "Lösungen". Sie wollen eigentlich ihre Art zu leben aufrechthalten, Gegenwart, und dazu, das weiß jeder der es noch mit Wirklichkeit zu tun hat, nicht alles Faktoren durch eine Rundumversicherung gegen alles und jeden zu besitzen meint, braucht es immer aktive Gestaltung. Vision. (Nicht Utopie, die die Lebensart ja verändern will.) Diese Erfahrung wird durch einen Grundantrieb von ALLEM  Seienden genährt.  

Das  nämlich zutiefst weiß, daß es sich aktiv im Dasein HALTEN muß - als Akt, nicht einfach als Funktionsvollzug. Der Mensch, schreibt deshalb Ortega Y Gasset einmal überspitzt, ist in seinem Wesen "utopisch". Man ist nur (und wie gerne würde der VdZ nun einige so erhellende Analysen der Sprache und ihrer Zeitbezüge darlegen, alleine ...) im Bezug zur Zukunft gegenwärtig. (Eine Wahrheit, die ja die Utopie pervertiert.) Und das ist das Wesen der Männlichkeit.

Oh nein, Herrschaften - Männlichkeit hat keineswegs ausgedient, nur weil mit Steuergeldern aufgezuckerte, nie abgenabelte Akademiker- und Politikertrottel das verkünden. 

Und diese Männlichkeit, dieses Menschsein (das in seinem Wesen Männlichkeit ist, so wie alles Seiende bzw. Welt es ist, wenn es auch nur auf dem Boden des Weiblichen zu stehen und zu werden vermag - das Wesen der Welt ist Ehe!) wird durch die Russen und Putin quasi personifiziert. Durch ihr Handeln. Das signalisiert: Wir gestalten! 

NOCH heißt das keineswegs, daß die Menschen Westeuropas deshalb Putin hinterherlaufen. Aber wenn man es hierzulande nicht begreift, und wie sollte das geschehen, wird es so (in dieser nächsten Perversion) enden.

Und davor haben die Politiker des Westens - wer von ihnen ist kein Muttersöhnchen? - schlicht und ergreifend Angst. Ja, sie haben MIR RECHT davor Angst, denn sie wissen nicht, wie dem zu begegnen wäre. Wissen kein Gegenrezept gegen ihre Seinssschwäche. 

Denn das liegt nicht in EZB-Geldern und fiktiven Krediten, mit denen (wie derzeit: der Ukraine) gar nicht geholfen, sondern neuerlich das Ausblühen des Wirklichen nur hinausgeschoben wird. (Und wenn man der Ukraine noch fünfzig Milliarden hintenreinschöbe und bald hineinschieben wird - es wird das Land nur noch weiter destabilisieren, weil auch jedes "geschenkte" Geld eine Volkswirtschaft als Geld-Arbeits-Gefüge destabilisiert ... Wenn wir seit sechs Jahren etwas deutlich sehen können dann das, daß sich volkswirtschaftlich betrachtet Kredit von geschenktem - das heißt auch: künstlich gemachtem - Geld in keiner Weise unterscheidet, beides währungs- und finanztechnisch absolut konvertibel ist**)

Putin ist nahezu der einzige europäische, aktive Politiker, der dies zu wissen scheint. Der zu wissen scheint, daß es darum geht, die Zukunft in die Hand zu nehmen. Auch wenn man einmal irrt. Und um das zu sehen braucht es gerade nicht Propaganda der Medien. Dazu braucht es nur den offenen Blick auf Tatsachen. Und gegen die ist jede Propaganda machtlos. Ja. Propaganda ist einfach nur dumm, wenn sie meint, Tatsachen ignorieren zu können***. Die westliche Propaganda aber war und ist ... dumm.

Oh nein, die Menschen Europas wollen nicht Politiker, die mit Glubschaugen stammeln, daß sie nicht anders könnten, und dabei gar nicht anders wollen. Sie wollen Politiker wie zwar um Notwendigkeiten wissen, aber nicht vergessen, daß Leben heißt, sich selbst zu ergreifen, und in die Zukunft vorzustrecken. Nicht - sich zu verkaufen, um sich irgendwelchen Dynamismen auszuliefern.

Das alles aber äußert sich nur chthonisch, stellvertretend an einem fernen Objekt. Als Kampf der Sinnbilder. Für den Diskurs ist die Propagandadecke im Westen bereits viel zu dicht, zu existentiell, zu bedrohlich, zu aussichtslos, vor allem aber zu irrational (denn der Westen ist zutiefst irrational; er ist eine dämonische Willenskrake). Die Menschen wagen es nicht mehr, sie zu durchstoßen, weshalb ihnen auch das Rüstzeug fehlt, es zu tun - die Sprache, das Denken. Die Revolution frißt ihre eigenen Kinder. Man glaubt der Politik nicht mehr. Man glaubt nur Sinn, nicht Begründungen.

Aber deshalb wird es Europa zerreißen bzw. wurde es deshalb bereits zerrissen. In eine Nomenklatura, in eine Politikerkaste, in eine Bürokraten- und Technikerkaste, in eine Pseudoelite, die an ihrer Illusion festhält - und Politikern, und Menschen, und Wahlvölkern, die ihr Leben in die Hand nehmen. Auch ums Risiko, mal zu irren. Aber wer einfach festhält, irrt prinzipiell. Nur Sinn gibt Halt, Zukunft. Kein "Stabilitätspakt".

Europas Bevölkerung hat zunehmend die Muttersöhnchen (und: endlich) satt, die es seit fünf Jahrzehnten beherrschen. Samt ihren sogenannten "Werten".




*Der VdZ ist deshalb zeitlebens immer viel lieber in schlichte Kneipen gegangen, als sich in "gebildeten Kreisen" aufzuhalten, wie es ihm oft und oft abgenötigt war. Aber es war stets nur anstrengende Zeitverschwendung. Die einfachsten Leute und Arbeiter haben nach wie vor den klarsten Wirklichkeitsbezug und -verstand. Auch wenn sie von allen Seiten entmutigt werden sollen.

**Das wäre mal eine fundamjentale Kritik des Papstes gewesen, der doch dauernd über Wirtschaft und Geld lamentiert und sich im medialen Geklatsche sonnt. Aber was will man - von einem Muttersöhnchen?

***Siehe etwa (denn nur den flüchtigen Internet-Worten des VdZ glaubt ja niemand) Jacques Ellul. In Buch-Ausgabe.






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Dienstag, 1. Juli 2014

Ein Schuß ins Knie (1)

Aufgelistet werden Beispiele in teilweise recht eigenwilligem Englisch: „Your nation is a nation of complete idiots.“ Das wurde offenbar in einem Medium mit moderierten Kommentaren geschrieben. Dahinter steht: „Nicht publiziert“. Oder: „Obama did shit his pants while talking about foreign affairs, how you can feel yourself psychologically comfortable with pants full of shit.“ Auch dieser Beitrag wurde nicht veröffentlicht. Im Anschluss gibt es Beispielsätze für Portale ohne Moderation, dort wurden alle Einträge freigeschaltet. Etwa: „Can you live in America without antidepressants? I think nooo.“

Das ist ein Kernstück eines Artikels in der FAZ, in dem die an dieser Stelle bereits besprochene Auffälligkeit, daß in den Zeitungsforen die pro-russischen Kommentare (schon gar im derzeitigen Konflikt mit der Ukraine) so deutlich überwiegen, als von Moskau gesteuerte Kampagne bloßgestellt wird.

Nun, mit solchen Diktionen läßt sich nicht weiterkommen. Sie sind nicht nur übliche Winkelzüge von Propaganda, sondern sie haben allesamt einen gewaltigen Kern an Wahrem. Und zwar nicht nur dort, wo - wie die FAZ "aufdeckt" - ganze russische Unternehmen dafür gegründet wurden, die Medienwelt der Welt zu unterminieren. Die Anzahl von Unternehmen, die sich nur der "Manipulation" öffentlicher Meinung widmen, ist wohl bereits beträchtlich, weltweit, und auf allen Seiten. Und wer als Konzern egal welchen Geschäftszieles meint, erfolgreich sein zu sollen, beschäftigt ganze Horden von "normalen Bürgern", die im Internet ihrer "Meinung" freien Lauf lassen.

Worin läge also hier Beweiskraft für oder gegen jemanden? Worin, ob eine Meinung richtig (= auf  Wahrheit aufbauend) oder falsch (= gezielt desinformierend) ist? Wer die Entstehung von Meinung als Haltung zu etwas generell betrachtet weiß außerdem, daß es so etwas wie eine "freie Meinung", die also autonom und autarkistisch entstanden ist, gar nicht gibt. Diesen Unsinn zu vertreten blieb den Kohlköpfen der Aufklärung und des Rationalismus vorbehalten. Der Mensch empfängt Sprache, empfängt damit Inhalte, und empfinge er sie nicht, hätte er gar keine. Seine Lebensaufgabe besteht also nicht darin, sich von diesem Empfangen abzukoppeln, sondern sie ob ihrer Übereinstimmung mit seinem Gewissen zu prüfen.

Die Beschwerde, daß es Meinungsmanipulatoren gibt, Leute, die das versuchten, ist also schlichtweg kindisch. Wenn die Politik der Demokratie heutigen Zuschnitts von der "Freiheit der Medien" als Grundbeindung faselt, so tut sie dies um die Manipulationswirkung einer bestimmten (leider meist nicht einmal gekannten) Minderheit zu schützen. Oder, wie es jemand einmal formulierte: "Die Freiheit der Medien ist die Freiheit einer kleinen Minderheit von 2-300 Leuten, ihre Meinung zu verkünden." Und dieser existentiellen Kraft einiger Herausgeber fügen sich dann Heerscharen von Journalisten. Das skizziert im wesentlichen die Medienlandschaft der Welt. Links wie rechts, Ost wie West, Rußland wie China oder USA oder Brüssel. Und der Sozialstaat ist überhaupt die effektivste Methode der Hörigmachung ganzer Bevölkerungen, die in "aufgeklärten Mediendemokratien" kritisieren soll, wovon sie abhängt. Das betrifft auch, ja vor allem besonders "radikale" Elemente, oder titelabhängige "Eliten", deren Radikalität höchst häufig in direkter Korelation zum Zähneknirschen steht, mit dem sie ganz zufällig existentielle Versorgtheit so hoch stellen, daß sie Freiheit und Mutlosigkeit gerne einmal niedriger bewerten. Aber - nicht einmal das wollen wir verurteilen. Mein Gott, der Mensch ist, wie er ist. 

Und wir sollten das Meinungsgeraäusch im Internet ohnehin sehr sehr niedrig relevant bewerten. Das davon lebt, daß allen eingeredet wird, es sei hoch wichtig. Was von den allermeisten ohnehin mit gewissem Grunderstaunen quittiert wird, weil ihre alltägliche Lebenserfahrung so gar nicht mit den Erkenntnissen, die die Medien vorkauen, übereinstimmen will.

Worüber also geht die Beschwerde? Geneigter Leser, der VdZ hat hier einen Verdacht. Es geht um die größere Geschicktheit, mit der die Russen offenbar - wenn - die westlichen Medien manipulieren. Denn wenn jemand den Amerikanern um die Ohren schmeißt, daß ihre Gesellschaft krank ist, weil sie ohne Psychopharmaka das Leben in diesem Land kaum noch erträglich sein läßt, so - hat das einen gehörigen Batzen Wahrheit. Wie bei oberflächlicher Recherche nachzuprüfen, steigt der Konsum von Antidepressiva in den USA derartig dramatisch, daß eine Aussage wie oben, die die FAZ als einen Höhepunkt der Perfidie anführt, als so wahr erscheinen läßt, daß man den Russen dankbar sein muß. Kein Kabarettist, kein Kritiker der Zeit könnte es klarer ausdrücken. Die Russen erfüllen also hiermit eine Aufgabe, ddie die Kunst in den USA kaum noch erfüllen kann. (Wobei: Wenn eines typisch ist für Amerikaner, so ist es ihre Selbstironie.) Da will ein Land der Welt das Glück vorschreiben, das sein eigenes Leben nur noch mit einer Fuhre Stimmungserheller erträgt. Das bereichert jede Lennox-Show, und gibt garantierte Lacher von Millionen, die sich erkannt sehen. Die ... zustimmen. Das sei wahr.

Das macht vielleicht die russischen Poster (wenn es sie denn, und in dieser Form, gibt, wobei: das will der VdZ sogar glauben, es stimmt zu sehr mit der heutigen Welt - überall - überein) so glaubwürdig. Sie scheinen etwas zu sagen, was mit der Wahrnehmung der Leute übereinstimmt. Wenn also den so überaus braven, objektiven Journalisten Welt-Medienlandschaften nicht geglaubt wird, so liegt das wohl eher nicht daran, daß die Menschen manipulierbar sind wie Ötkers-Pudding. Daran glauben nämlich nur bestimmte Menschen- und Meinungsgruppen. Sondern weil die Russen es verstehen, wahre Kerne anzusprechen.

Vielleicht, weil sie es leichter haben als die Amerikaner? Vielleicht, weil ihre Politik einen deutlichen Funken weniger widersprüchlich, aber einen gewaltigen Funken logischer ist? Wie glaubwürdig will eine EU sein, die, wie sich nun herausstellt, ein Assoziierungsabkommen mit der Ukraine längst in der Schublade liegen hatte, und unter Milliardenzahlungen die nun erst so richtig demokratisch (weil passender) gewählte Regierung dazu bringt, flux diese auch endlich zu unterzeichnen? Worüber will sich Brüssel da beklagen? Daß das nicht nur stinkt, sondern daß ihre Kampfposter in den Foren der Medien einen schweren Stand gegen die flockigen Kabarettisten der Russen haben, denen man es ziemlich leicht macht: weil die mit dem Rückenwind der Fakten agieren können?

Gewißheiten, geschätzte Leser, geneigte Spekulanten, entstehen ganz anders, als welke Medientheorien materialistischer Titelhamster (pardon: Akademiker, die gerne auf freies Denken verzichten, wenn sie durch Institiutionenkriecherei endlich, endlich jene Autorität erlangen, formell, deren sie kraft ihrer persönlichen Wesensbestimmung nicht in der Lage sind) einhämmern wollen. Gewißheiten sind ein äußerst seltsames Pflaster ... und sie sind in ihren Fundamenten streng genommen ... ein unmanipulierbare Kern jedes Menschen.

Man kann sie bestenfalls noch ... verleumden.

Aber den Menschen zu sagen, daß ihre verbalen Meinungsstrukturen empfangen sind - das heißt, Eulen nach Athen tragen. Das funktioniert nur, wenn man den Menschen gleichzeitig den rousseauschen Unsinn einbleut, jeder Mensch würde die Welt neu erfinden können und müssen. Deutungsbilder sind das Wesen der Tradierung, ohne die Kultur undenkbar ist. Vorsicht deshalb, auch an die FAZ gerichtet, sonst könnte der Schuß ganz schnell nach hinten losgehen, und ihre kulturbewahrende Funktion, die der Zeitung immer noch zugedankt werden muß, könnte sich in Nichts auflösen. Gerade der vor kurzem verstorbene und mit oft genug grotesken (weil von der Zeitung inhaltlich gar nicht  mehr gedeckten) Nachrufen bedachte Herausgeber Frank Schirrmacher, wußte nämlich um diese fundamentale Funktion seiner Zeitung. (Von österreichischen Zeitungen will man da ohnehin gar nicht mehr reden, die sind längst und ausnahmslos Afterdreck am Stecken der Zeit.)

Die Manipulation funktioniert nicht, WEIL Deutungsbilder weitergegeben werden! Kein Mensch deutet die Welt "aus sich". Sie funktioniert, wenn existentielle und identitäre Mechanismen dabei betätigt, werden, die eigene, auf der höchst subjektiven "kleinen" Welterfahrung beruhende Plausibilitätsprüfung ausschalten wollen. Es mag durchaus sein, und wäre verständlich, wenn im Westen erstaunlich hohe Bereitschaft vorherrscht, russischen Deutungsschemata zu folgen. Aber das wäre dann nicht mehr als eine Aussage über die Unglaubwürdigkeit des Westens.

Und Berichte wie die erwähnten, die durch sämtliche Medien geistern, sind dann nicht mehr als das Jammern der Muttersöhnchen, daß ihre eigene Manipulation nicht den Erfolg hat, der ihr doch formal zustünde.



Morgen Teil 2) Was sich aber noch viel mehr in der Affinität zu Rußland ausdrückt




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Montag, 30. Juni 2014

Treffend

Karl v. Habsburg in einem Gespräch über das Attentat von Sarajewo: "ErzHzg. Franz Ferdinand war eine tragische Figur, denn er hätte ja vorgehabt, die Stellung auch der Slawen im Reich zu verbessern. Man hat auch hier wieder einmal gesehen: Terroristen bringen nicht die um, die anderer Meinung sind als sie. Sie bringen die um, die ihre eigene Meinung verbessern könnten."




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Sonntag, 29. Juni 2014

Weg aus der Postmoderne

Sein Name taucht in letzter Zeit immer wieder in den westlichen Medien auf - Alexander Dugin. Dessen Buch "Die vierte politische Theorie" bei amazon.de sogar einen vorderen Verkaufsrang in der Liste der politischen Sachbücher einnimmt. Angeblich sei er ein Putin-Vertrauter, liest man dann. (Wobei: Wenn man rechnte, von wem aller behauptet wird daß er das sei, ließe vermuten, daß Putin parallel zu seinen Amtsgeschäften und einem Angelausflug am Wochenende, bei dem er, nachdem er einen weithin duftenden zwei Meter Huchen aus dem Jenissej geholt hat, mit bloßen Händen einem dummerweise die Falle mit dem Huchen nicht ahnenden Kolabären dessen eigene Zunge in den A... steckt, einen weiteren 48-Stunden-Tag nur mit Beratern verbringt.)

Das Buch ist, es sei offen gesagt, über weite Strecken mühsam weil wenig stringent. Dugin bemüht sich auch kaum, die Lücken in seiner Argumentation zu kaschieren. Auch analysiert er teilweise irritierend falsch. Seine Ausagen über die Natur des Nationalsozialismus sind sogar regelrecht Unsinn, und nur verständlich, wenn man sie aus der Sicht eines emotional betroffenen Russen (gibt es andere?) denkt.

Samstag, 28. Juni 2014

Warum Erdogan lügt

Ach, da wird von der Unintegrierbarkeit gewisser Türkenkreise in Österreich geredet, von der Treue zum türkischen Staat, und der Besuch von Premier Erdogan, der vom österreichischen Pubertätskaiser - pardon: dem jugendlichen Feschak Außenminister Kurz, den nicht zufällig sämtliche Außenminister der EU höchst willkommen hießen: endlich jemand, mit dem es keine Probleme geben würde; sie hatten recht; so, wie sich Friedrich der Zweite, der "große" Preußenkönig, über die Weiber in Rußland wie Österreich als Regentinnen freute, er hatte auch recht: mit denen hatte er leichtes Spiel; aber zu so einfachen, aber fundamentalen Gegebenheiten durchzudringen verbietet die Dogmatik heute gesollten Denkens - "mit klaren Worten" bedacht wurde, spielte mit diesen Topoi: "Türken vor Wien". Das hieß: Türken vor dem Abendland. Denn: Wien war der Eckstein des Abendlands, da braucht niemand herumzureden. 

(Volkskriege, in denen ganze Völker in den Krieg gehetzt wurden, Kriege zur Angelegenheit jedes Einzelnen gemacht wurden, gab es erst seit Napoleon, der überhaupt keine kulturellen Grenzen mehr kannte, ein unerzogenes Muttersöhnchen sozusagen: wer kein Kultur hat, kennt keine Grenzen der Zerstörung, und drängt seine gesamte Umgebung zu den letzten Mitteln.)

Warum ist Erdogan trotzdem ein Lügner, wie er im Buche steht, wenn nicht ein Dummkopf? Ganz einfach. Weil er die Türkei als prosperierenden Staat darstellt. Das ist sie nämlich nicht. Die Türkei mag eine niedrige offizielle Staatsverschuldung aufzuweisen haben, das stimmt. Aber sie gleicht fatal dem Zustand in Irland. Auch Irland hatte eine sehr geringe Staatsverschuldung. Was sich in Irland aber verschuldet hatte war der Einzelne, waren die Banken, waren die Unternehmer, die auf Teufel komm raus expandiert und riskiert hatten. Die Zinsen waren niedrig, die Gelder locker zu kriegen.

Die Türkei, der VdZ (Verfasser dieser Zeilen) hat es immer wieder gesagt, wird in ihrer wirtschaftlichen Dynamik völlig überschätzt. Das ist ihr Problem! Die Türkei weist eine der höchsten Privatverschuldungen weltweit auf. Die, wie in Irland, eines Tages kollabieren wird, und dann muß sie der Staat auffangen, will er das System aufrechthalten. 

Wenn Erdogan also die Wiener Türken auf eine starke Türkei einschwört, so lügt er. Oder wer weiß es nicht einmal, dann wäre er erst recht ein Gebrechen, nicht ein Premier, von dem man sowieso annimmt, daß er lügt. Die Türkei ist nicht stark. Ihre Prosperität beruht nicht weniger auf Schulden, als der verdammte Sozialstaat des Westens. Nur ist es verdeckter.

Die unnachvollziehbare Außenpolitik der Türken in ihrem angestammten geopolitischen Raum, der Levante, bestätigt es.* Man nehme doch einen Türken (und überhaupt: einen Mittelmeer-Anwohner) nicht beim Wort. Man blicke doch nur auf die Taten, auf die Gestalten. 

Erdogans Reden in Wien und Köln sind Innenpolitik, reine (verlogene, virtuelle) Innenpolitik. Die hier damit spekuliert, daß die Türken im Westen ohnehin nicht wissen, worum es geht, und, in die Wurzellosigkeit entlassen, ja mißbraucht als politisches Mittel, orientierungslos nach Halt suchen. Hat der geneigte Leser schon einmal mit Istambulern über jene geredet, die hierher auswandern, und zumeist aus Anatolien stammen? Hat er schon einmal die Zustände der bereits der Sozialpolitik in Anatolien - die Sozialprobleme durch Auswanderung zu lösen vorgibt - zum Opfer gefallenen Zuwanderer in Nordzypern (die mittlerweile die Bevölkerungsmehrheit dort stellen) kennengelernt?




*Oder was wollen die Türken, die gerade den Konflikt mit den Kurden im eigenen Land "beendet" haben? Und stärken die kurdischen Autonomen im Irak, weil sie gerne die Vorherrschaft im arabischen Raum hätten, und das heißt vor allem, Syrien - nicht Arabien! - zu zertrümmern? Erdogan ließ sich in Wien als "Sultan aller Muslime" ausrufen", was auf eine Wiedererrichtung des Sultanats über alle Muslime weltweit hinausläuft. (Und, geneigter Leser, darauf hat es in aller Irrationalität auch Erdogan abgesehen, das scheint kaum von der Hand zu weisen. Er wird deshalb auch die Türkei opfern ... Die sowieso ein Kunstgebilde ist, das seit Errichtung ums Überleben kämpft.)




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Freitag, 27. Juni 2014

Und so fängst es dann an

Eine keineswegs überraschende Studie veröffentlichte dieser Tage das US-amerikanische Gallup-Institut. Deren Ergebnis sich mit einem ernüchternden Satz zusammenfassen läßt: Werbung auf social media ist (nahezu) wirkungslos.

Nun kann Gallup natürlich nicht wissen, daß das vorhersagbar war, und auch an dieser Stelle vorhergesagt wurde. Auch, weil die Konsequenzen enorm wären. Alleine in den USA geben Unternehmen jährlich 5,1 Mrd. Dollar für Werbung auf facebook oder twitter aus. Und die Studie könnte man als etwas dünn bezeichnen, weil sie immerhin auf Umfragen und Selbstaussagen beruht.

Deshalb wäre sie alleine kein Beweis und kein schlagendes Argument. Würde sie nicht ein erstes Wetterleuchten bedeuten. Denn auch das Argument, daß Werbung ja gar nicht bewußt wirkte, weil ihre wirkliche Stärke im unbewußten Beeinflussen läge, ist kein Argument. Denn hier kommt die technische Natur des Internet zum Tragen: Internetbotschaften wirken an sich praktisch überhaupt nicht, verglichen mit herkömmlicher, gegenständlicher "hardware"-Werbung. Und sei es, daß einem beim Kaufmann ein Pappständer den Weg versperrt, oder Dosen dekorativ verziert und geschlichtet sind, schon gar verglichen mit der Werbung durch das Produkt selber.

Alle diese "haptischen", gegenständlichen Werbemöglichkeiten fallen im Internet und den social media weg. Die Art der Rezeption des Internet ist so einzuschätzen, und wurde an dieser Stelle mit umfangreichen Argumenten bereits darzustellen versucht, daß man sich sogar fragen muß, ob da nicht überhaupt jede Werbung sinnlos ist.

Auf das dümmliche Argument, daß man eben nicht auf Werbung setzen dürfe, sondern auf die kommunikative Seite des Netzes setze, wollen wir gar nicht erst eingehen. Bei DER virtuellen, pseudowirklichen Natur der Kommunikation im Netz ... Wer nimmt Netzkommunikation denn ernst, schon gar vergleichbar mit persönlicher Begegnung? im Gegenteil, Netzkommunikation schädigt viel eher, als sie nützt. Weil sich die Aussage der Flüchtigkeit, die mit den Kommunikanden kraft der Eigenschaften der Gegenständlichkeiten der "Kommunikation" einhergeht, wird natürlich übertragen, mit dem Absender identifiziert.

Nun, wovon aber werden diese Unternehmen einmal leben, die uns social media nachwerfen, um uns nur ja davon schon rein technisch abhängig zu machen, weil wir reale Lebensvorgänge darauf verlegt haben oder verlegen müssen weil anderes ..., wenn diese Werbeeinnahmen (die ohnehin schon bisher laufend unter allen Erwartungen blieben) wieder wegfallen, weil kein Unternehmen sein Geld beim Fenster hinauswirft?

Vom Informationsverkauf. Deshalb möglich, weil sich alles aufs Internet gelegt, von dort neue Prosperität erwartet hat. Die aber seltsamerweise nur in dem Maß eintritt, als Geschäftsprozesse nur noch im Internet abzuwickeln sind, weil alle geglaubt haben, daß ... usw. usf. 

Und vom Datenverkauf.

Das war's.

Denn eines kann man  mit Sicherheit sagen: Mit solchen kleinen Meldungen, erst spärlich, dann immer häufiger, schließlich fundiert und immer progressiver dringlich, fängt ein Zusammenbruch einer Massenhysterie, einer Kollektivillusion an.





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Dienstag, 24. Juni 2014

Honi soit qui mal y pense (2)

Morgen Teil 2) Deutschland zeigt es längst vor 


In die gleiche Kerbe schlägt ein dieser Tage in der Welt erschienener Bericht über Deutschland. Er läßt sich auf einen gleichen Nenner bringen, wobei es in Deutschland die Zentralmatura bundeländerweise gibt. Mit dem interessanten Ergebnis, daß die Leistungsschwankungen zwischen den Bundesländern - die ihre Ansprüche natürlich ihrem Klientel anpassen, so, wie es bei Zentralmatura automatisch passiert - den Unterrichtsinhalt von sage und schreibe zweieinhalb Schuljahren umfaßt.

Und dennoch steigt der Notenschnitt in ganz Deutschland seit Jahren und beachtlich. Durchfaller gibt es kaum noch. Die Kritik bezieht sich aber auf das Gymnasium generell, auf die Unterrichtsmethoden, und auf das, was der Autor "Beweislastumkehr" nennt. Bisher waren schlechte Noten für den Schüler Ausweis von Versagen und Nichtkompetenz. Heute ist es Erweis eines Versagens der Lehrer, denn das flexible Unterrichtssystem, das das "Eingehen auf die Struktur der Einzelbegabung" garantiert und vorgibt, führt in der Praxis zur Bereitschaft der Lehrer, eher gute Noten zu vergeben. 

"In den Ländern, wo das Zentralabitur eingeführt wurde, wurden die Aufgaben oftmals leichter", sagt der Präsident der Universität Hamburg, Dieter Lenzen. Offenbar führe das Zentralabitur zu Standardisierungseffekten, die auch Vereinfachungseffekte sein könnten: "Man einigt sich auf niedrigerem Niveau." [...] Lenzen hadert mit dem Können seiner Studenten. Das Abitur bereitet seiner Meinung nach häufig nicht mehr adäquat auf ein Studium vor. "Die zentrale Aufgabe des Abiturs, die allgemeine Hochschulreife zu garantieren, ist aus dem Auge geraten", sagt Lenzen. In der Schule werde sehr früh eine Spezialisierung erwartet. (cit./Die Welt)

Was das bedeutet, illustriert sich durch einen im Artikel geschhilderten Vergleich: 

[...] Aufgaben in den Fächern Mathematik und Biologie. Dabei legte er Schülern der 11. Klasse aus Nordrhein-Westfalen zwei Aufgaben aus der Analysis vor. Eine aus der Zeit vor der Einführung des Zentralabiturs und eine aus der Zeit danach, als die Kompetenzorientierung Standard wurde. "In der Zentralabituraufgabe erreichten bis auf zwei Schüler alle anderen zumindest ausreichende Leistungen, während in der Kontrolle in der gleichen Klasse von den an diesem Tag anwesenden 22 Schülern 21 scheiterten, davon 63 Prozent mit der Note 'ungenügend'."  (cit./Die Welt)

Die Folgen sind ausrechenbar. So, wie heute akademische Titel immer weniger wertgeschätzt werden, wo für Positionen, für die noch vor 40 Jahren ein Handelsakademiker mehr aus ausgereicht hatte, nun nach einem "Magister" (und am besten noch weitere) verlangt wird, ist bereits jetzt eine Geringschätzung der Matura (Abitur) festzustellen, die auf der Leichtigkeit des Erwerbs zurückzuführen ist. Ja, im Zuge sozialpolitischer Utopien ist für ein Hochschulstudium nicht einmal mehr Abitur verlangt, sondern auch Berufs-Querumsteiger können mit entsprechenden Berechtigungsprüfungen studieren, die von einem völlig anderen Bildungskonzept ausgehen: Bildung als Skill, Wissen als Nachschlagekompetenz bei Wikipedia. 

Hans Peter Klein, Professor für Biologiedidaktik an der Universität Frankfurt, gehört zu den radikalen Gegnern des neuen Abiturs. "Der neue Abiturient begibt sich in den von ihm zu bearbeitenden Aufgabenstellungen auf eine Art Ostereiersuche, in dem nahezu alle Antworten aus dem vielfältigen Text- und Grafikmaterial zu entnehmen sind. Lesekompetenz ist gefragt. Fachwissen ist Schnee von gestern. Damit belastet man sich heute nicht mehr, das googelt man", sagt Klein. 
[...] "Man hat die Kompetenzorientierung dazu missbraucht, das zu deren Entwicklung notwendige Wissen weitgehend zu entfernen, insbesondere in den Zentralabituraufgaben fast aller Fächer, im zugrunde liegenden Unterricht zunehmend auch." Nur das Wissen werde als erstrebenswert erachtet, das anwendbar sei und im Rahmen einer weltweiten "employability" Konkurrenzvorteile verschaffe. "Bildung und Wissen als Wert an sich spielt in diesem Konzept keine Rolle mehr." (cit./Die Welt)

Daß man heute mit dem unfaßbaren Umstand konfrontiert ist, daß ein bereits erheblicher Anteil der Maturanten an "burn out" leidet, ist da nur ein weiteres Schlaglicht. Die Konzentration auf die Noten ist - ganz anders als behauptet - so ausgeprägt wie noch nie.

Denn genau das Gegenteil von dem, was man mit der Abschaffung differenzierter Schulstufensysteme vorgeblich im Sinn hatte, tritt und trat nachweisbar ein: Die Berufswahl muß immer früher stattfinden, weil sonst eine "individuelle Förderung", die also bereits frühzeitiger denn je spezialisiert (im alten System mußte jeder Maturant noch eine bestimmte Allgemeinbildung erwerben), überhaupt sinnlos wird.

Noch ein abschließendes Zitat aus dem Artikel: 

"Als es noch kein Zentralabitur gab, haben wir mit den Schülern aus Lust richtig schwere Sachen gemacht", [...] "An diese Grenzen führen wir sie heute kaum noch. Wir üben lieber die Aufgaben, die ihnen im Abitur auch nutzen, und das immer wieder. Alles ist leider schematischer geworden." Mit jedem Zentral-Abi-Jahrgang wächst der Pool an Beispielaufgaben, die die Schüler pauken können. Verlage geben sie als Bücher heraus. (cit./Die Welt)



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Montag, 23. Juni 2014

Honi soit qui mal y pense (1)

Seit Jahrzehnten fällt in den westeuropäischen Ländern (darunter auch Österreich) kontinuierlich der Durchschnitts-IQ der Bevölkerungen.  Diese Aussage ist nur eine der zahlreichen, die die UN (erstaunlicherweise) auf seit vielen Jahrzehnten Untersuchungen beruhrenden Daten in Berichte gefaßt hat. Die - ohne Verschwörungsparanoia oder ähnlichen Neurosen - aber kaum an die breite Öffentlichkeit dringen. Denn sie sind politisch unerwünscht. Solche Aussagen sperren sich mit der Generalpädagogik, deren sich die political correctness befleißigt. Sie würden auch eine verflixte Korrelation von Kultur, Staat und IQ zeigen. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun wurde in Österreich der erste Matura mit der "Zentralmatura" abgeschlossen, in der die Universitätsreife attestiert wurde - die "Maturität", per Reifeprüfung oder Abitur sozusagen. Noch im Probelauf, aber eigentlich schon als Ernstfall, weil die Matura gilt. Und sieh da ... die Aussagen scheinen ganz anders zu laufen. Sind in Wirklichkeit alle intelligenter geworden?

Schon vor Jahren, als die Einführung der Zentralmatura erst diskutiert, und dann ratzfatz beschlossen wurde, hat der Verfasser dieser Zeilen prophezeit, was passieren wird. Nämlich nicht einfach eine von Jahr zu Jahr steigernde "Verbesserung der Noten", sondern:

- Gleichschaltung sämtlicher Schulen, was im völligen Widerspruch zum damit zum Hohn verkommenen Lockvogel angeblich ausgeweiteter Schulautonomie steht, weil das einheitliche Ergebnis und die einheitliche Art es abzufragen zwangsläufig einheitlichen Unterricht bewirkt; Schulautonomie wird ebenso zwangsläufig damit zur bloßen Schein-Kosmetik (eine Tautologie, aber es ist eben keine, auch der Schein wird aufkosmetiert)
- weitere Technisierung von "Bildung", die aus dem persönlichen Bezugsrahmen (wie es das alte, persönliche Prüfungssystem, das gewiß regional und schulbezogen bedeutende Unterschiede im Niveau brachte, aber im Rahmen eines nicht zur Farce verkommenen Bildungsbegriffs unerläßlich ist) weiter herauslöst - mit allen Fehleranfälligkeiten, aber auch vor allem mit unersetzbaren ganzheitlichen Stärken
- Entregionalisierung der Bildung, damit weitere Abstraktion hin zu einer Übernahme der Denkweisen einer mathematisierten Wirtschaft
- Kontinuierliche Senkung des Prüfungsniveaus, bzw. Senkung des Niveaus gleich vom Einführungsdatum an, weil eine gewisse Maturanten- und Studentenzahl aufrechterhalten werden muß, Maturaergebnise zum politischen Leistungserweis werden; man stelle sich außerdem vor, es gäbe 80 % Durchfaller - die Universitäten würden leer bleiben, bei einem technizistischen Maschinenbetrieb undenkbar, weil der von Kapazität und Auslastung ausgehen muß; vom politischen Druck im europäischen Vergleich gar nicht zu reden
- Reduktion des Unterrichts, zumindest ab dem Abschlußjahrgang, auf eine reine (und einheitliche) Testdidaktik
- etc.

Nun  - welche Überraschung! Die erste Zentralmatura in Österreich ist abgeführt, und: das Ergebnis ist weit besser als in den vergangenen Jahren!



Morgen Teil 2) Deutschland zeigt es längst vor



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Mittwoch, 18. Juni 2014

Wo die Schurken wohnen

Es ist schon etwas Seltsames, wenn man so manchen Medienbericht im Netz zur Situation in und um die Ukraine verfolgt. So, wie in diesem aktuellen Bericht in der Frankfurter Allgemeinen, ist hier der Bericht, der eine Geschichte erzählt, der die zahlreichen Wortmeldungen der Leser offensichtlich widersprechen. Und das ist kein Einzelfall. Mit einer erstaunlichen Perspektive: Das Vorgehen Rußlands wird von den (weit meisten) Lesern für gut und richtig befunden, das der Ukraine, die der Bericht - wie auch hier - als Opfer aggressiven russischen, neofaschistischen Imperalismus (mit den Gottseibeiunsen Putin und Alexander Dugin) darzustellen versucht, wie nämlich fast der gesamte Tenor in den westlichen Medien, aber als zumindest fragwürdig dargestellt. Die Politik Rußlands, so wie sie sich darstellt, wird für glaubwürdiger, schon gar gerechtfertigter angesehen, als die der EU oder gar - der Ukraine, um die es geht.

Worum handelt es sich etwa im jüngst und erneut ausgebrochenen "Gasstreit"? Versucht da Rußland sein widerspenstiges Vorhofkind gefügig zu machen, indem es Gaslieferungen stoppt, und damit im übrigen die Versorgung Westeuropas "gefährdet"? Einem Westeuropa, das erst vor kurzem den Bau der Gaspipeline "South Stream" für Gas abgelehnt hat, das die Ukraine über den Kaukasus umgangen, es damit gegen solche Querelen unangreifbar gemacht hätte, das nur als Detail am Rande. Die Pläne dazu waren längst ausgearbeitet, ja Vorarbeiten im Gange, die nun gestoppt wurden.

Hat Rußland tatsächlich willkürlich die Preise für die Ukraine hinausgesetzt, um das Land unter Druck zu setzen und damit wieder kirre zu machen. wie es so viele Medien darzustellen versuchen?

Was sind die Fakten? Die Ukraine hat vor Jahren bereits seine Gasrechnungen an den Lieferanten Rußland nicht bezahlt. Nach langem Streit hat Rußland (das, natürlich, sein Gas verkaufen will, das natürlich damit Geld einnehmen, ja - welch Graus! - verdienen möchte) dennoch nicht nur Kredite gewährt, um Altlasten abzutragen, sondern der Ukraine einen Sonderpreis eingeräumt. Das hat der erst wor wenigen Monaten aus dem Amt gejagte Präsident Janukowotsch ausgehandelt. 

Diesen Sonderrabatt ist Rußland nun nicht mehr länger zu gewähren bereit. Und "schraubt" (so die Diktion westlicher Medien) den Gaspreis auf eine Höhe, der interessanterweise nach wie vor unter dem liegt, den Gas in Westeuropa aktuell kostet. (Von wo Gas beziehen zu wollen die Ukraine vollmundig verkündet, als Antwort auf russischen Gaslieferungsstop.) Es verlangt lediglich, daß die Ukraine ihre Schulden bezahlt, verlangt von der Ukraine, das bereits gelieferte und in ukrainischen Tanks lagernde Gas, auch zu bezahlen. Da geht es um die Kleinigkeit von 14 Milliarden Kubikmeter, im Fakturenwert von rd. 4 Mrd. Euro.

Dieses Gas, geneigter Leser, liefert Rußland seit vielen Jahren, denn aus diesen Tanks wird der Bedarf Westeuropas gespeist, im Winter, wenn mehr Gas benötigt wird, als die Pipelines zu liefern vermögen. Es "gehört" also nicht einmal der Ukraine. Die hält es nur vor. Nach Verträgen.

Ist es nun also "Schwäche", "Trumpf in der Karte", wenn sich ein Vertragspartner an seine Verträge hält, darauf sogar wagt zu bauen, und der andere nun Vertragsbruch als Repertoire täglichen Handelns und glaubwürdiger Poltik bezeichnet, wie die Ukraine es zu tun scheint?

Denn die behält dieses Gas nun ein, und beruhigt mit diesem ("gestohlenen"? man müßte es so fast nennen) Gas die eigene Bevölkerung, die, wie ja längst alle Westeuropäer wissen, nach zahlreichen demokratischen Anläufen nun endlich zu den wahren Werte der Demokratie gefunden, endlich einen "richtigen" Präsidenten demokratisch gewählt haben, nachdem alle demokratischen Entscheide zuvor  nur Irrtum waren, dessen man sich nach demokratischem Entscheid elegant entledigt hatte. Die die Ukraine im Korruptionsranking an die untersten Stellen weltweit gedrückt haben. Jetzt, freilich, jetzt ist das alles zu Ende. Nachdem die Ukraine ... pleite ist, ja völlig am Boden liegt, nur noch genährt wird von Frühlingstäubchen, die mit zartestem Gezwitscher endlich endlich alles besser machen.

Nun brennt aber doch in Westeuropas Politikstuben der Hut. Denn auch wenn die Vorräte etwa in Österreich noch bis Februar ausreichen, wie erst jüngst verkündet wurde - der Sommer steht vor der Tür, und Rußland muß bzw. möchte (denn es verdient viel Geld damit, das es braucht - und das ist ja immer eine Schwäche, wie alle wissen die am 1. ihr völlig unmotiviertes Gehalt am Konto erwarten und deshalb so unvorsichtig waren, Miet-, Leasing- oder sonstige Vertragsverpflichtungen einzugehen) seine ukrainischen Tanks befüllen, um auch liefern zu können. In einem seit vielen Jahren völlig heruntergewirtschafteten Land, in dem kaum etwas funktioniert, wie Reisende immer wieder bestätigen.

Bereits jetzt sprechen westeuropäische Finanzpolitiker mehr oder weniger offen davon, daß die Ukraine ein Sanierungsfall ist, der die für die "Rettung" Griechenlands notwendigen Gelder um ein Vielfaches übertreffen würde. Und - wird. Denn die westeuropäische Politik scheint es genau darauf anzulegen. 

Und dennoch sei Rußland der Schurke. Das hier nicht nur will, daß gelieferte Ware auch vertragsgemäß bezahlt wird, sondern sogar noch bereit ist, der Ukraine für die notwendigen Sommerlieferungen neuerlich einen Sonderrabatt von 100 Dollar zu gewähren, der den Gaspreis auf dann etwa 300 Dollar pro Kubikmeter senken würde.

Der Leser mache sich selbst ein Bild. Auch über die westeuropäische Presse. Und er versuche die Frage zu beantworten, was Westeuropa (= die EU) überhaupt politisch will. Und er findet vielleicht eine Erklärung dafür, warum die "neo-faschistische Politik" Putins, der doch glatt frech genug ist, die Interessen Rußlands und russischer Unternehmer und Bürger zu vertreten. Auch gegen die friedliebende und demokratische EU, unter den Bürgern Westeuropas so seltsame Zustimmung findet. 

Vielleicht, weil sie logischer, berechenbarer ist? Während die Politik der EU mit Europa und europäischen Interessen selbst kaum noch begründbar scheint? Vielleicht, weil sich die Bürger Westeuropas auch Politiker eines Schlages von Putin wünschen, der nämlich seltsamerweise eines tut: tatsächlich Politik zu machen, das heißt: das Schicksal seines Landes zu vertreten, seine Zukunft auch geopolitisch zu gestalten, ihr nicht nur irrational hinterherzuhecheln?

Natürlich, man trifft die Politik der Staaten seit fünfhundert Jahren speziell nur noch am Geld.  Da ist freilich Westeuropa in eklatantem Vorteil. Denn hier, hier wird Geld im perpetuum mobile selbst produziert. Damit kann man einen einzelnen Staat wie Rußland, der von wirklichen Lieferungen und Waren abhängt, natürlich ausbremsen. Während man viele Verbündete dort gewinnt, wo das Lechzen nach virtuellem Wohlstand besonders hoch ist. Da ist ein Gefüge wie Rußland, das historisch aus dem Ausgleich und der Kooperation von Nord und Süd, von Schwarzerde-, Waldland und Steppe beruht, sodaß das Geheimnis des russischen Staates historisch wunderbar aufzeigbar genau in der Zusammenfassung und Ordnung dieses gegenseitigen Bedürfens verstehbar wird, ein gefundenes Fressen.

Einer Ex-Kultur, die wenn sie schon selbst nichts mehr zuwege bringt als Illusionen, wenigstens die anderen Mitspieler auch destabilisieren möchte. Damit endlich endlich alle gleich werden. Im Nichts.

Was aber scheint sich da auch im Westen aufzubauen? Dämmert da nicht eine eigentümliche Sympathie, ja Sehnsucht nach dem Licht aus dem Osten? Nach dem "lux ex oriente"? Die Menschen scheinen seltsam eigen zu empfinden weil zu werten. Seltsam für das, was sich in Europa noch Politiker nennt. Und damit genau die Tore dafür öffnen, was zu verhindern sie vorgeben.

Seltsamer Geist, der stets verneint, und genau damit schafft.




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Montag, 16. Juni 2014

Aus dem Vollzug genommen

Nun ist die Welt ja  nicht eine Summe von Bäumen, Steinen, Kubikmetern Wasser, Lebewesen etc. Sondern das, was wir als Wald bezeichnen, ist das, was wir als umfassendere Wirklichkeit dieser hier stehenden Bäume bezeichnen. Und es ist mehr - es ist eine höhere Wirklichkeit, die sich auf die Bäume selbst bezieht, und diese wiederum auf sie, in untrennbarer Zweiseitigkeit. Deshalb läßt sich die Welt nicht in eine Summe von Funktionen auflösen, die als "chemische Reaktionen" oder "mechanische Wirkung" bezeichnen lassen, wie es die Wissenschaft tut, die sich ja nur auf diese Teile beziehen kann, insofern zwar Wissen schafft, aber dieses Wissen erhält nur Sinn und Bedeutung, wenn es in seinen höheren Bezügen gesehen wird.

Im alltäglichen Leben ist der Mensch (bzw. ist alles) als Vollziehendes aufgenommen wie aufgefaßt. Der Mensch hat es als gewissermaßen ersten, begegnenden Gegenstand mit  dem Baum zu tun, mit dem Kubikmeter Wasser. Die höhere Wirklichkeit, in die alles eingebunden ist, gleichfalls wahrzunehmen, gleichfalls in diese umfassendere Wirklichkeit (die, noch einmal, real ist, kein rein "gedachtes Ding", ohne das es auch ginge) ist das, was wir als Kultur bezeichnen. In die hinein deshalb ein Mensch erzogen werden muß, weil sonst die Kultur mit jeder Generation wieder abreißt, von vorne beginnen muß. Auf der Ebene des Baumes, sozusagen, gibt es nämmlich gar keinen Wald, auf der ersten Ebene der gegenständlichen Begegnung gibt es ihn überhaupt nicht.

Das Darstellen dieser Wirklichkeit ist nun die Aufgabe der Kunst, (die sich hier mit Religion berührt). Sie stellt die Dinge des Weltraumes, der uns umgibt, in ihrer gewisermaßen höheren Wirklichkeit dar, sie stellt diese Wirklichkeit selbst dar. Und damit macht sie sie zu einem "vollziehenden Ding" für den Betrachter. Sodaß er, auf einer höheren Ebene, damit umgehen kann. Darauf reagiert, damit hantiert, damit lebt, damit und auf es bezogen handelt.

Der Künstler muß damit zuerst die Dinge "zerschlagen", er muß sie in gewisser Weise entwirklichen, aus ihrem Realzusammenhang herausnehmen, um sie aus dem Vollziehenden herauszunehmen. (Es ist etwas anderes, eine Würstelbude vor sich stehen zu haben, die verkauft, oder eine Abbildung der Würstelbude zu sehen, die nur noch "virtuell" verkauft. Hier tritt etwas anders in das vollziehende Wahrnehmen (über die Sinne) - die höhere, ja eigentlichere, wirklichere Wirklichkeit, die damit zum Objekt der Erfahrung wird, und damit Gefühlswert erhält (und so den Menschen als Kulturwesen bereichert, formt). Das ist mehr als "Erkenntnis", die abstraktiv wieder nur in vollziehenden Gedanken abzulösen vermag. Und es ist der Quell des Denkens.

Dazu muß der Künstler sich selbst von diesen Dingen aber gelöst haben. Er darf sie nicht als die Objekte verwenden wollen, die sie im alltäglichen Vollziehen (bloß) sind. Er muß sie "entschärfen", sie werden zum bloßen Material einer darzustellenden höheren Wirklichkeit.

Und nun, um beim Beispiel zu bleiben, kann der Künstler "den Wald" zum Objekt der Erfahrung machen, und damit wird er als erkanntes Ding zum Objekt der Welt des Betrachters. Auch wenn dieser "Wald" "in den Bäumen" steckt. Je höher er in seinem Erkennen steigt, desto höher, umfassender wird deshalb auch die dargestellte Wirklichkeit als Erfahrungsgegenstand. (Worin, übrigens, das Phänomen begründet liegt, daß Künstler von ihrer Zeit nur selten verstanden werden, ihr immer voraus sind - weil sie die "nächste'" Zeit ... gründen.)

Weil aber diese dargestellte Wirklichkeit real ist, ist sie nicht einfach "hinzuzudenken", oder gar "zu erfinden". Der Geist des Menschen ist nicht einfach ein bliebiges Gedankenkonstrukt, ja er wird überhaupt erst zum Geist, wenn er in persönlicher, das heißt sich selbst in Freiheit vollziehender Gestalt auftritt.

Gleichzeitig ist es nicht "egal", anhand welcher Qualität der Darstellung der Gegenstände eine Wirklichkeit gezeigt wird, wie jüngst jemand meinte, als er es als gleichgültig bezeichnete, ob man "Liebe" durch einen mickrigen Blumenstrauß oder ein großartiges Bucket ausdrücke. Es ist nicht egal, wenn auch im Einzelfall komplex und erklärungsbedürftig. Aber versuche man die selbe Darstellung mit einem Strauß Disteln sich vorzustellen - und schon ist die dargestellte Wirklichkeit völlig anders, so gleich das Lachen im Gesicht des Gebers auch (trechnisch) sein möge. Diese Wirklichkeit hängt untrennbar mit den Gegenständen zusammen! Eine Ansammlung von Rumpelstilzchen wird kein "Wald" (bzw. bestenfalls im übertragenen, eingeschränkten Sinn.)

Diese Wirklichkeit kann nur GEfunden werden, nicht ERfunden, und nimmt im Sichtbarmachen automatisch die Formenwelt und (auch ästhetische) Charakteristik der Zeit an, weil auch der Künstler ja nur aus dieser Zeit heraus kommen kann (aus der er heraussteigt, sie somit - mehr als der Mensch des Alltags - erkannt und in letzter existentieller Kraft, die auch ihren Tod enthält, den der Vollziehende ja notwendig ausklammert, erfahren hat: dem Künstler muß alles gestorben sein, damit es vollkommen leben kann). Sonst wird das Objekt ("Kunstwerk", das aber dann gar keines mehr ist) zum bloßen Gegenstand einer ästhetisierenden Geste. (Der weil in jedem Fall so auch hier eine ethische, sittliche Haltung zugrundeliegt.) Und es wird durch die Kunst, deren Einfließen in und als Kultur damit deutlich wird, keine unreale Wirklichkeit geschaffen, sondern jene Wirklichkeit dem Menschen mehr und mehr erschlossen, in der er ohnehin lebt, der er sich aber nicht in Freiheit zuwenden kann, die ihn einfach beherrscht. Deshalb muß Kunst - wahr sein. Und Kunst, die solche ist, ist wahr, wenn in ihrer Reibung zum alltäglichen Vollzug auch nicht immer bequem.*




*Auf das Spezialgebiet "sakrale Kunst" wollen wir hier nicht näher eingehen. Die sich in vielem Grundsätzlichen ja gar nicht von "profaner" Kunst unterscheidet, aber etwa im Sakralraum oder liturgischen Dienst eine neue Ebene der Gesamtwirklichkeit betritt, die es noch einmal überhöht. Denn in der Liturgie, im Kult, wird die höchste, alles umfassende, göttliche Wirklichkeit dargestellt, IST diese Wirklichkeit. (Oder, wie im Heidentum, in allem Nicht-Katholischen, SOLL sie sein.)




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