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Samstag, 26. Juli 2008

Fin de siècle

"Würde man mich fragen, was das bestimmendste Lebensgefühl der jüngeren Vergangenheit war, ja des ganzen 20. Jahrhunderts, so würde ich sagen: Die Angst, daß morgen nicht mehr geht, was heute noch geht; weshalb ich heute - und wenn es unvollkommen ist - alles ausreize, weil es morgen nicht mehr möglich sein könnte. Das ist die eigentliche Zukunftsangst, der ein Verhindernmüssen der Zukunft zugrunde liegt, das mit jedem Tag stärker notwendig wird: weil die Folgen mit jedem Tag schrecklicher werden könnten. Weil die Welt TROTZ ALLEM einfach so weiterzugehen scheint.

Daraus steigt etwas wie ein Zweifel an der Gerechtigkeit des Seins, Gottes: Warum läßt er einfach alles weiterlaufen? Das ist der eigentliche Grund für die heutige Abkehr von den Kirchen. Der Mensch glaubt eher an die Gerechtigkeit der Geschichte - als an eine Religion.

Daher kommt die Ungeduld unserer Jugend. Denn sie erfaßt das Gerechtigkeitssystem der Alten, und ein solches ist jede Religion, als im Zwiespalt mit dem, was sie selbst als Gesetz der Welt erleben. Sie erlebt Geduld und Tugend als Widerspruch zum aus eigenem Erleben Erwarteten. Sie versteht nicht, daß was sie tut keine greifbaren Folgen hat. Ein Universum aber, das nicht gerecht ist, ist sinnlos."

(Roger Atlantov)





*260708*

Da waren doch mal Gewinne? - Gewinne?

Aus einem Bericht des Deutschland-Radio: Etwa die Hälfte von Nordrhein-Westfalen ist durch den Bergbau der letzten 150 Jahre so verändert, daß der Mensch nie mehr dort wird wohnen können, ohne laufend Maßnahmen zu setzen, die eine Bewohnbarkeit gewährleisten: In erster Linie durch ein nunmehr erfolgendes allmähliches Absinken des Landes über den Bergwerken. Teilweise wären riesige Landstriche bereits heute überschwemmt, würde man nicht pausenlos pumpen.

13 Milliarden Euro müßten die Rücklagen der Bergwerke betragen, um "auf ewig" die Kosten für diese Maßnahmen bezahlt zu haben.

Der Kohle verdankt Deutschland seinen wirtschaftlichen Aufstieg, der beispiellos in der Wirtschaftsgeschichte der letzten 200 Jahre dasteht. Von einem Land mit 4/5 bäuerlicher Bevölkerung (1815) hat es sich binnen 100 Jahren (bis zum Ersten Weltkrieg) zur weltweit zweitstärksten Wirtschafts- und Industriemacht emporgewirtschaftet, damals mit gerade noch 1/5 landwirtschaftlichem Bevölkerungsanteil, und gleichzeitig verdreifachter Bevölkerung. Im 19. Jahrhundert ist Deutschland in jeder Hinsicht regelrecht "explodiert".

Erst durch die reichen Kohlevorkommen aber war die Erzverarbeitung und vor allem die elektrische Industrie (die beiden Hauptstandbeine) in dem Ausmaß aufzubauen möglich, wie es geschehen ist. Mit der Konjunkturlokomotive, der Eisenbahn. Das Eisenbahnnetz aufzubauen war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der eigentliche Entwicklungsmotor. Von diesen Gewinnen hat man Deutschland aufgebaut, hat man gelebt, hat man investiert, hat man (auch) Luxus geschaffen wie konsumiert.

Schwachpunkt: der extrem hohe Anteil an Außenhandel, der die Wirtschaft Deutschlands seit je kennzeichnete und nicht unmaßgeblich und "nicht immer glücklich" die Außenpolitik bestimmte.

Einen weiteren Schwachpunkt nennt aber keine Wirtschaftsgeschichte: Die Kostenunwahrheit, die bei Folgeschäden wie im Bergbau nun erst zutage treten. Und künftige Generationen in einem Ausmaß belasten, wie wir es immer noch nicht glauben wollen.





*260708*

Jargon der medial konsumablen Tiefe

"Wir müssen lernen, daß es in jedem Augenblick etwas gibt, an dem wir uns erfreuen können."
Nehmen Sie noch eine Erdbeere zum Frühstück! Claudia Stöckl schenkt ihm Kaffee nach.
"Ah, wunderbar."

"Wenn man an etwas leidet, dann kann man sich immer fragen, was das Gute darin ist." (Vielleicht sollte er mal darüber meditieren, was "gut" ist - und was es ist, aus einem Mangel an Gut noch etwas zu profitieren.)

Steindl-Rast kam zum Interview von einem Seminar, das er vor Wirtschaftsmanagern hielt. Er lebt als Einsiedler in der Nähe von New York.

"Erst habe ich in der eigenen Tradition die Tiefe gefunden, die Regel der Benediktiner gesucht. Später bin ich zum Zen gestoßen." (Das hätte er kaum noch betonen müssen; denn der Weg des Zen ist eben, den Dingen ihre Eigentlichkeit zu nehmen, und sie durch Eliminierung zu "bewältigen" - Frei nach dem kindlichen Motto bzw. der spontanen Reaktion: wenn ich die Augen zumache, ist die Welt plötzlich weg ...)
Wie leben Sie heute, als Einsiedler?
"Mach Dir keine Regel, laß Dich vom Tag selbst inspirieren."
Ganz allein?
"Ach, ich habe Internet, gebe Seminare ... Das wichtigste ist, daß ich mich nach nichts halten muß. Ich kann so leben, wie ich es für richtig halte."

"Das mönchische Leben ist ein Training dafür, im Augenblick zu leben. Es schult durch die Gelegenheit, immer im Augenblick zu sein. Es gibt keine Ablenkung. Es ist sehr still." (Also gibt es doch ein Paradies auf Erden, wo wir aus der Geschichte, der erbsündlichen Verfaßtheit aussteigen können?)

"Wenn ich hier Tee trinke (er schlürft) dann begegne ich Gott." (Im Interview scheinbar nicht.)

"Erfahrungen mit Gott hat man immer durch andere. Oder durch sich selbst. Gott als mein innerstes Wesen." Welch Sammelsurium, das einen wunderbaren "Jargon der Tiefe" ergibt. Gerade recht für Manager.

David Steindl-Rast, "Mystiker" (lt. ORF-Ankündigung), Benediktiner, in den USA lebend.





*260708*

Was war das für ein Scheiß-Volk

"Als wir in Hitler's Wohnung in Berlin gekommen sind, haben sich die übrigen Soldaten um Devotionalien gekümmert - mich haben seine Bücher viel mehr interessiert. Und da waren Briefe, z. B. der Liebesbrief eines Teenagers, den hat er aufgehoben, oder das Treuebekenntnis von 1923 von Himmler, Göring usw. usw., ein ganzes Blatt. Da war auch die Gesamtausgabe von Karl May, natürlich. Mich hat interessiert, was war das für ein Mensch. Und es war ein ganz normaler Mensch. Die Wohnung war nett eingerichtet und irgendwas stimmte das nicht: wo war das größte Ungeheuer aller Zeiten? In dieser Wohnung war es nicht zu finden!"
Das Böse also ganz banal?
"Das Böse ist nicht banal. Die Bösen aber haben auch ein Gesicht, das banal ist, und hinter dem kaschiert sich das Böse. Himmler hat Kaninchen gezüchtet. Hitler hat sicher Kinder, oder seinen Hund geliebt. Kinder sind Ersatz für Gefühle, die man nicht hat oder haben darf. Aber wenn man das Wannsee-Protokoll liest, dann schaudert's einen, mit welcher Normalität hier über solche Dinge geredet wurde."

"Mir hat das Photographieren geholfen, mit Dachau fertigzuwerden. (Anm.: Troller war einer der ersten Photographen in den befreiten KZ) Ich mußte filmen und photographieren, um der Erkenntnis standzuhalten. Wir haben das gesehen, und die Beschäftigung mit der Linse etc. hat uns die Möglichkeit gegeben, dem direkten Blick auszuweichen. Sonst wäre das unerträglich gewesen. Diese ausgehungerten Skelette, wie Wachspuppen, die da überall verstreut herumlagen, ich konnte einen Moment gar nicht glauben, daß das Menschen sind."

"Zum Teil stimmt es schon, was Simmel gesagt hat: was ist nicht alles geschrieben worden, wie wenig hat sich geändert. Zum Teil stimmt es aber auch gar nicht: Denn ich finde schon, daß sich seit 1945 wahnsinnig viel geändert hat. Was war das doch für ein Scheiß-Volk ... Das ist heute doch ganz anders. Und irgendwie haben wir dazu beigetragen. Auch ich, mit meinen Sendungen."

"Heimat läßt sich ebenso wenig wiederfinden wie die Kindheit. Das gilt für alle Emigranten. Es verändert sich alles, während man weg war. Das gilt gerade für uns Wiener, die wir unsere Stadt doch kannten und liebten - anders als die Deutschen, die von der Sehnsucht nach dem Kurfürstendamm redeten, den sie möglicherweise noch nie gesehen hatten. Und es bleibt die Erinnerung: die Ungewißheit, ob nicht doch einer daherkommt und sagt: da, knie dich nieder, schrubbe den Gehsteig!"

Georg Stefan Troller im Interview; geboren in Wien, emigriert 1938, 1945 mit den Amerikanern zurückgekehrt; Journalist und Buchautor.






*260708*

Mittwoch, 23. Juli 2008

Auf Erden den Himmel

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten:
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
und wollen nicht mehr darben,
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für Jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

(Heinrich Heine)





*230708*

Medien hier, Leben dort

Bei Rückkehr nach längeren, ja langen Abwesenheiten (und Medienabstinenz) läßt sich staunend feststellen, daß man absolut nichts versäumt hat: Was auch immer die Zeitungen etc. mit Nachrichten über Inlandspolitik in den vergangenen Zeiträumen füllte - es muß irrelevant gewesen sein. Der Stand der Geschehen nämlich hat sich nicht verändert. Erkennbar auch am Gespräch mit Nachbarn und Bekannten - man ist um kein Yota Information im Hintertreffen. Oder bestenfalls bei Nebensächlichkeiten. Wer "dancing stars" gewann. Bei Themen wie Politik aber würde genügen, alle vier, fünf Jahre stichprobenartig aufzumerken.

So stellt man eine fast völlige Abtrennung der Mediendiskussionen vom Leben und Alltag fest. Eine eigene Welt, die gar keine Aufmerksamkeit mehr verdient, hat sich zunehmend verselbständigt von dem, was man "Leben" nennt. Das eine getriebene Menschheit zunehmend zu versäumen scheint oder mindestens fürchtet, und dem es von Morgen bis Abend unter Ablieferung der verlangten Scheingefechte, die nichts anderes abliefern sollen als Beweise der Teilhabe und Gemeinschaft, nachläuft.

"Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar," meint Antoine de Saint-Exupéry in Der kleine Prinz. "Das," so die Rose, "sieht man nur mit dem Herzen."





*230708*

Wirklich ist vernünftig

Ein berückender Gedanke bei Hegel: Die Identität des Vernünftigen mit dem Wirklichen. Wirklich ist nur, was vernünftig ist. Rasch findet sich die Brücke zum "Göttlichen" als dem Logos, bei Hegel jedoch unpersönlicher Weltgeist. Alles Unvernünftige stirbt somit von selbst ab, welkt ab, fällt ins Nichts. Soweit zu ihrem fatalistischen Zug. Erst im Willen, der Vernünftiges will, konstituiert sich Moral - ja konstituiert sich Welt (hier klingt nicht nur Kant, sondern vor allem Schopenhauer und Nietzsche an).

Dann, auf den zweiten Blick, wird einem aber das Idealistische, ja Wirklichkeitsverleugnende der Hegel'schen Weltkonzeption klar. Nur das Vernünftige und mehr noch: nur das Gesunde ist wirklich.

Und man ahnt diese praktische Dimension der bösartigen Gewalt, wo allem anderen seine Daseinsberechtigung abgesprochen wird, das nicht dem Idealkonzept von "Paradies/Guter Welt" entspricht, in der Zweibeinigkeit aus Machbarkeit von Welt und dem Recht weil nämlich der Pflicht dazu.

Ja, und man ahnt den Spalt, der sich auftut, um der "normativen Kraft des Faktischen" ihren Raum zu geben. Wo sich die Geschichte, die immer Recht hat ihn dem was sich bewegt, ihren Weg ohne Telos sucht. Weil sie gar nicht anders denkbar ist als dieses Zueinander im in der Vernunft je neu zu sich kommenden, sich zur Weltpräsenz (in der Vernunft) entwickelnden Geist.

Damit fällt alles weg, was noch erkennbar machen würde, nach welchen Kriterien der Mensch in die Geschichte eingreifen könnte. Der Mensch fällt auf sich zurück. Marx erkannte, daß so eine Konzeption nicht mehr plausibel macht, warum sie (wie Hegel es noch tat) an einem Gott überhaupt festhalten sollte.





*230708*

Dienstag, 22. Juli 2008

Noch 8 Prozent Volk.

Golo Mann stellt in "Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts" die Frage, ob das alte Preußen nicht ein Staat war, der sein Volk gesucht hat. Um nicht zu sagen: dem es egal war, welches Volk er regierte.

Ähnliches könnte man sich fragen, liest man die Titelschlagzeile einer gestrigen Wiener Gratiszeitung: 92% der Unverheirateten Österreichs lehnen Ehe aus Angst vor den Folgen ab. Stellt man dem die Ergebnisse der Werteumfragen der letzten Jahre, ja Jahrzehnte gegenüber, so fällt auf, daß eine gelungene Ehe und Familie in den Wunschvorstellungen der jungen (unverheirateten) Menschen Österreichs an erster Stelle steht. Man damit am meisten den Wunsch nach einem gelungenen und glücklichen Leben verbindet.

Denn dann darf man sich fragen, welche Umerziehungsweltmeister da in den letzten Jahrzehnten am Werke waren, wenn sie genau das, was die Menschen am meisten wollen, so erfolgreich (um)gestaltet haben, daß es keiner mehr realisierbar sieht. Das gesagt, auch wenn man Aussagen wie genannte mit vielen "naja's" versehen kann.

In jedem Fall dürfen sich andere ebenfalls Weltmeister nennen - die Gelingen von Ehe und Familie immer noch, ja noch mehr denn je, fast ausschließlich mittlerweile, von subjektivem Moral- und Wertebemühen abhängig machen. Oder Gnade des Standes als Gutschein für Dauerwunder betrachten, sonst ist ihr Verhalten nicht nachvollziehbar.

Aber was kümmert's die Generationen der Beamten und Wohlstandseinbetonierten, daß mit so geringer Ehewilligkeit Verkaufsverhandlungen um diesen Staat und sonstige Institutionen geführt werden sollten, solange er noch was wert ist. Ohne Volk ist er's nämlich eines Tages nicht mehr.

Dann wird er sich ein nächstes Volk suchen, das ihn ernährt.





*220708*

Dienstag, 15. Juli 2008

Ohne Ausweg

In den Augen von Golo Mann war es einer der schwersten Fehler der Intelligenz der Zwischenkriegszeit (Weimarer Republik), zu kritisieren (wenn es auch noch so berechtigt war), OHNE eine Alternative anbieten zu können. Das hat in seinen Augen den Weg für Hitler am stärksten geebnet: der vorgab, eine Alternative zu sein, weil zu besitzen.





*150708*

Gleich im Neid

Eines der Charakteristika der Demokratie ist für Tocqueville, daß sie davon lebt, daß der Einzelne, "Gleiche", darauf hofft, eines Tages die übrigen zu diktieren. Weshalb er jene schwächt, um die Zentralmacht zu stärken, gleichzeitig den Zugang zu ihr zu beherrschen sucht, um ihn ihm gemäß zu gestalten.

Der Einzelne wird aus den staatlichen Zentralvorgängen regelrecht eliminiert, indem er durch Normierung, durch Zurückführung auf Abstrakta, ersetzt wird, die schließlich keinem mehr entsprechen, aber anders nicht administrierbar wären und dem Gedanken der Gleichheit widersprächen.





*150708*

Vorhersage

Es stockt einem der Atem, liest man, was Alexis de Tocqueville in "Über die Demokratie in Amerika" 1835 geschrieben hat. Denn die Zutreffendheit seiner Analysen sowie der Prognosen ist beeindruckend. Und sofort beängstigend, weil man sich fragt, ob denn das keiner gelesen habe. (Zumindest damals war T. ein Bestsellerautor.)

Bis man realisiert, daß Tocqueville's Prognosen nicht (mehr) als Zerfallserscheinungen gesehen, sondern als mögliche und legitime, ja gar gewollte Varianten der europäischen, ja weltweiten Kulturentwicklung betrachtet werden (was im übrigen auch die Haltung des Autors zu sein schien). Man schafft es, das aus dem Prinzipiellen heraus ableitbare als lediglich durch jeweilige kurzfristige historische Entscheidungen und Ereignisse hervorgerufen zu erklären. Ignoriert die Tatsache, daß es vorhergesehen war.

Womit sie neuerlich den Befund des Franzosen verifizieren.

Wie habe ich schon oft gesagt? Das Denken der meisten Menschen ist lediglich die Absicherung ihres Standortes ...





*150708*

Sonntag, 13. Juli 2008

Von Heidegger'schem Unsinn

"Die Studenten, wie ich sie in den Vorlesungen antraf - keiner hatte eine Ahnung, wovon Heidegger überhaupt sprach. Auch Heidegger selbst nicht. Ich fand es faszinierend, daß jemand, der so einen Unsinn verzapfte, so berühmt werden konnte." 

Filmregisseur Klaus Lemke über seine einzige Zeit an einer Universität: in einem Proseminar von Martin Heidegger in den 1960er Jahren.




*130708*

Faszination USA

"Wir waren fasziniert von der Maschinerie, wie sie die USA aufbieten konnte, wie sie in den Filmen von John Ford rüberkam. Wir wären am liebsten selber in Vietnam einmarschiert - und hätten dabei gleichzeitig dagegen protestiert. Die USA faszinierte uns, wir wollten daran teilnehmen." 

Klaus Lemke im Radio-Interview.





 *130708*

Terroristen oder Filmstars

Der Regisseur Klaus Lemke, der u. a. mit Uschi Obermaier, Ulrike Meinhoff etc. in den 68ern in einer Kommune zusammengelebt hatte, im Interview: "Eigentlich wollte Baader zum Film, aber da wollte ihn keiner. Und da war auch unsere wirkliche Gemeinsamkeit: im Reden über amerikanische Filme, die eigentlich als faschistisch galten, die keiner wollte, wir aber liebten - mit Wayne etc. Alles was da an politischen Statements daherkam, war doch bloß auswendig gelernt und heruntergebetet, dahinter stand nichts. Die Mao-Bibel unterm Arm, das war Dekoration zur Inszenierung."





*130708*

Mittwoch, 18. Juni 2008

Da hört sich der Spaß aber auf

Reinhold Messner im Interview: Er könne es nicht mehr hören, wenn von "Spaß" die Rede sei - "Hauptsache Spaß!" sagten sich ja auch die Bergsteiger.

Er glaube niemandem mehr, daß es ihm wirklich darum gehe (und wenn sei er im Irrtum). Lebensfreude sei nämlich etwas ganz anders: sie hänge mit Verwirklichung von Ideen und mit Entfaltung zusammen. Und damit untrennbar mit Können. Können aber fange erst dort an, wo der Spaß aufhöre. In der Überwindung, im Durchhalten, im Ernst also - dort liege dann die Leistung der Verwirklichung, an der man sich freue.

So sehe er sich als Künstler, nicht als Bergsteiger: als selbstbestimmter Mensch, der Ideen mit ganzem Herzen umsetze.





*180608*

Was hat was beeinflußt?

An das Kernproblem der Astrologie und jeder Wahrsagerei rührt das Problem "Wallenstein". Ab dem Zeitpunkt, so man recht gesichert annimmt, daß Wallenstein es in Händen hielt, verschwimmt die Grenze zwischen einem posthoc-Vollzug und wirklicher Spiegelung. Eines beginnt dem anderen seine Gesetze aufzudrängen.

So ist nicht mehr abzuschätzen, ob Wallenstein 1618 sein Abenteuer in Gradisca (gegen Venedig) nicht bereits vollzog, um das Horoskop auszuschöpfen ... und nicht seinen persönlichen Handlungstrieb. Wo er den Grundstein zu seiner "Ferdinand-Verbindung" legte, dessen Dankbarkeit für den an sich fast bedeutungslosen Gefallen (sieht man von seiner urkundlich erwähnten Tapferkeit und Umsicht ab - 200 kostenlos beigestellte Kämpfende, bei Zehntausenden involvierten erzherzoglichen Soldaten) ihm den späteren Aufstieg einbrachte.

Ein Horoskop, das übrigens Johannes Kepler erstellte (Horoskope zu erstellen war für Astronomen die einzige Möglichkeit, ihre "unnütze Wissenschaft" finanzieren zu können). Und das eine Genauigkeit, eine Zutreffendheit aufweist, die wirklich staunen macht. Relativ gesichert ist (laut Golo Mann) die Aussage, daß Wallenstein nicht vor 1616 in Besitz des Horoskops kam, das Kepler erstellte, ohne um Wallenstein (der zum Zeitpunkt der Horoskoperstellung außerdem ein völlig unbedeutender, unbekannter Mann war) zu wissen.





*180608*

Was man nicht schätzt verschenkt man gerne

Man sollte sich nicht täuschen: Vielleicht sogar alles, was die Linken an Reformen, gesellschaftlichen Veränderungen, Utopien der Eigentumsverteilung etc. haben, stammt aus der ganz schlichten Unkultur, nicht zu schätzen, was sie haben, und zu neiden, was ihnen fehlt!

Vermutlich sogar oft, weil es ihnen zu leicht fiel, es zu erlangen. Nun verteilen sie die Substanz, und lügen sich und anderen vor, damit moralisch gut zu handeln.

Die wirklichen Linken von heute kommen aus den Salons und Wohlstandshaushalten sowie aus dem Versorgtenstand, und bilden sich den Nachwuchs aus den Enteignungsgesättigtheiten der Umverteilungsgeneration, die auch ihre Zwischenmenschlichkeiten von mißbrauchter staatlicher Gewalt organisiertem (Macht-) Diebstahl und Neid verdankt.

Sie verteilen (materielle wie geistige) Substanz, die sie ohnehin nicht zu schätzen wissen, oder der Tugend neiden, die sie nicht besitzen, weil sie Anstrengung bräuchte, um erlangt zu werden.

Ein praktisches Beispiel: Der Verfall in den Ostblockstaaten beruht schlicht auf der Tatsache, daß niemand einsah, daß verbrauchte Substanz gleichzeitig wieder erarbeitet werden muß, sonst zehrt sie sich auf. Der buchhalterische (und hochphilosophische) Begriff der "Abschreibung" ist im Osten (und den Linken s.o.) unbekannt. Daß Eigentum und Wert nur auf dem Wege des Diebstahls entstehen kann, diese Erkenntnis erwächst ihnen somit aus eigener Erfahrung.




*180608*

729.000 zu 450.000.000

Interessante Fragestellungen tauchen im Zusammenhang mit dem Nein der Iren zur EU-Verfassung auf, die an die Legitimitätsfrage demokratischer Prozesse rühren.

Da heißt es nun von Seiten enttäuschter Befürworter, daß es nicht angehe, daß ein einziges Mitgliedland die EU in Geiselhaft nehme. Ja, noch mehr: daß es nicht möglich sein dürfe, daß 729.000 - die Nein-Stimmen Irlands - über das Schicksal von 450.000.000 Europäer entscheiden könnten.

Mit der Erklärung der Nein-Stimmen zur unerwünschten Menge stimmt natürlich alles nicht. Der Gedanke des Veto-Rechts war immerhin eines der stärksten Argumente, überhaupt eine EU zu gründen: jedes Mitglied hat somit die Möglichkeit, sich gegen Entwicklungen zu wehren, die einen nationalen Willen überfordern. Und er ist das deutlichste Zeichen dafür, daß es sich um KEINEN Zentralstaat handelt.

Ach ja, und wie kennt man die Pappenheimer mit ihrer Denunziationskampagne ... die Nein-Stimmen stammen von den Ungebildeten, den Uninformierten, den Angstbehafteten ... im Grunde keine Menschen. Unterentwickelt und neurotisch. Die Guten, die Gesunden, die Klugen, die Moralischen - das sind die anderen.

Rechnet man demokratische Entscheidungen herunter, ergeben sich freilich ganz andere absolute Zahlen. Destilliert man von den 450 Millionen Europäern die heraus, die EU-Wahlen ignorieren, liegen wir bei etwa 200 Millionen Europäern. Davon sind Befürworter: Knapp 100 Millionen Europäer.

DIESEN 100.000.000 BEFÜRWORTERN STEHEN NUNMEHR 350.000.000 EUROPÄER GEGENÜBER, die frustriert, resigniert, ABLEHNEND sind, die an einer Entwicklung der EU kein Interesse haben! So schaut's nämlich eher aus. Daß man genau das auch befürchtet, zeigt, daß man nicht den Mut hat, europaweit Referenden abzuhalten. Über den Sinn von Referenden mag man diskutieren, gut, aber dann soll man auch über die eigenen Argumente besser nachdenken.

Die Argumente greifen ohnehin schon längst erstaunlich freimütig und weit auch auf Terrain vor, das in offiziellen Worten noch lange nicht betreten ist, ja angeblich gar nie betreten werden will - aber sich unzweifelhaft als zu Betretendes entlarvt: der europäische Zentralstaat.

Längst werden ja die Kataloge der Notwendigkeiten von Entwicklungen und Reformen der EU zu einem Katalog eines europäischen Staates mit Verlust der Souveränität der Mitgliederstaaten. Längst aber zeichnet sich so - wie in den postkonstruktivistischen Sinngebilden von Valie Export, in denen man diesen Vorgang sehr schön erfahren kann: wo im betrachteten Bild etwas so deutlich fehlt, das dazugehört, daß man es selbst "rekonstruiert", in sich das Fehlende ersetzend bildet - im Maß des als fehlend reklamierten ein zentralistischer, totalitärer Staat mit sehr spezifischen geistigen wie ethischen Hintergründen ab.

Das wird erstaunlich deutlich von realen Entwicklungen gestützt, die eine solche Reaktion des Totalitarismus mit dem immer deutlicher werdenden Auftreten regionaler Separatismen! Diejenigen, die treuherzig meinen, das sei nicht richtig, das sei eine Entwicklung, der man "gegensteuern" müsse, erweisen sich einmal mehr als die Masse der Stimmdeppen, die noch nie begriffen haben, daß alle diese Entwicklungen so absehbar und vorhergesagt waren, weil sie die natürliche Reaktion auf eine Fehlkonstruktion ab ovo sind.

Die EU war von Anfang an abgezielt auf die Auflösung der Souveränität der Mitgliedsstaaten und damit der Identität. Die sich nun "rückbildet" auf immer kleinere Einheiten. Bis das Gegenteil der ursprünglichen Intention erreicht sein wird: statt eines geeinten mächtigen Europa im Konzert globaler Großmächte wird sich ein Konglomerat winziger und ungeeinter Staaten ergeben haben. Die Idee der EU hat (leider) spätestens seit drei Jahrzehnten die kritische Masse überschritten und ist längst die Idee eines Zentralstaates diktatorischen Charakters geworden.

Cui bono?





*180608*

Samstag, 14. Juni 2008

Menschheitsepos

"Der Herr der Ringe" ist eines jener Epen, die die archaischen Dispositionen der Welt und des Menschseins, die zu Mythen destillierten welttreibenden Kräfte in dem nie endenden Kampf um die Schöpfung darstellen. Dieser Kampf wiederholt sich immer wieder und wieder, und er ist von wohl jedem zu führen, auch wenn natürlich die bloßen Geschehnisse nicht einfach übernehmbar sind.

Aber das macht die Sättigung beim Lesen aus, diese Fleischstücke, die immer wieder auftauchen und allgemein menschliche, tiefgründige Allegorien des Lebens im Kampf gegen den Tod sind. Es geht um die Macht auf dieser Welt, es geht darum, wer sie besitzt.

Und es geht um die Verquickung von Schwäche, Tod, Häßlichkeit und Bosheit, wie die christliche Tugendlehre so wunderschön zeigt. Am wunderbarsten zeigt sich das an exemplarischen Figuren, wie dem Golum "Smeagol"

Wer sich freilich ein christliches Missionsbüchlein erwartet hat, der verkennt, was Literatur, was Kunst überhaupt ist: nämlich eine Versöhnung der Natur mit der Übernatur, mit nahezu sakramentaler Dimension, im Ringen um das Heil in dieser Welt, die Soteriologie. Tolkien's Werk steht damit in bester Tradition dichterischer Weltdeutung, wie sie sich in den großen Menschheitsepen wiederfindet.

Und keine Saturiertheitsbestätigung selbstzufriedener Pelagianer.

Aber genau das unterscheidet diese Bücher von bloßen Produkten menschlicher Phantasie, wie sie "Phantasy" und "Horror" darstellen, die damit wirkliche dämonische Qualität erhalten. "Der Herr der Ringe" baut keine irrationalen Elemente auf, er findet sich in seinen phantastischsten Allegorien auf dem Boden menschlichen und nachvollziehbaren, erinnerbaren, geahnten (und damit NICHT horrorartigen, das Bekannte nämlich düpierenden) Erlebens, sondern ist ein in Bildern gefaßtes Darstellen des kaum oder nicht Sagbaren, sondern nur Erzählbaren.





*140608*

Keiner kommt zu kurz

Aber nicht nur das. Zwar weiß ich schon, daß das Leben nicht ohne Rest aufgeht. Aber es ist und bleibt die Auseinandersetzung zwischen dem Sein, das (und das ist auch die einzige wirklich vitale Kraft) um Luft ringt, das im jeweiligen Anteil als Seiendes Leib nehmen will, und dem Nichts, denn was auch immer als Übel und Sünde und Fehler bezeichnet wird, hat (außer der moralischen Qualität) die Dimension des Mangels am Gut.

Und zwar weiß ich auch, daß es nicht nur um uns, sondern um ein gehörig Kreuzelchen am Übel der Welt geht, das es mitzutragen gilt.

Aber es ist das, was wir als Fegefeuer bezeichnen, das Leben. Und aller Schmerz, den wir mit so viel Aufwand zu vermeiden trachten, ist nur der Schmerz der Kraftanstrengung, das Gut ins Seiende in allen Dimensionen zu dehnen.

Über längere Jahre und Jahrzehnte - also gerade im Überblick über Generationen - zeigt sich doch für jeden, wie die Lebensbögen sich schließen, daß das, was man sich auf der einen Seite von der Welt herauszureißen trachtete, auf der anderen Seite (sogar: samt Aufgeld) zu zahlen ist.

Wie ruhig mag man sich dann in den Lehnstuhl setzen, und mutig entscheiden, daß es einfach nicht lohnt, in Nichts zu investieren.

Man braucht heute die kostbare Zeit des Lebens schon nur dafür, überhaupt einmal erwachsen zu werden. Das in dieser Zeit überzeugendste Argument, das für eine kommende Anarchie spricht.





*140608*

Sandwichgeneration

Der Begriff kommt aus den USA und bezeichnet die Geburtenjahrgänge 1950-1970. Diese kennzeichnet, daß sie nun eingespannt sind zwischen den Pflichten den Kindern gegenüber, die immer später von den Eltern selbständig sind, und den Eltern, die zu pflegen immer teurer wird, sodaß (rein statistisch) davon auszugehen ist, daß das Erbe deren Eltern nicht einmal mehr dafür ausreichen wird. Eine Lebensspanne, in der eigene Lebensfrüchte zu genießen sind, gibt es nur mehr bei Vernachlässigung einer der Pflichten den übrigen Generationen gegenüber.

Gab es das jemals? Oder ist nicht kennzeichnend, diesen Anspruch (neben anderen) an das Leben überhaupt erst zu stellen, ohne daß er zu Recht bestünde? Wann war das Leben den eine "gemähte Wiese" des Lebensgenusses? Ist es nicht so, daß alles was von dieser Generation 50+ nun beklagt wird - eben ihre Lebensfrüchte sind? War nicht kennzeichnend für diese Zeit - das Leben auf Zukunft? Eine Haltung, die sich heute bis zum Extrem ausgebildet hat. Denn unser gesamter - ich wiederhole: GESAMTER - Lebensstandard beruht NUR NOCH auf Zukunft, die einzutreten man auch mit Gewalt herbeizwingen will. Und wird - mit Gewalt.

Untersuchungen an Pflegepatienten in den 70er Jahren haben gezeigt, daß das damals von den Studienbetreibern als "niedrig" angesehene Lebensniveau dieser Menschen von ihnen selbst als "äußerst hoch" gesehen wurde, die Zufriedenheit dieser Menschen war erstaunlich hoch. Warum? Die Argumente gingen sämtlich in die Richtung, daß es ihnen ... noch nie so gut wie damals gegangen sei, in ihrer Jugend und Erwachsenenzeit in Krieg und Not, und schon gar verglichen mit ihren eigenen Eltern.

Für sie war es ein Aufstieg.

Einen Abstieg zu erleben ist ein anderes Ding.



*140608*

Mittwoch, 11. Juni 2008

Cui bono Klimakatastrophe?

Kilimandjaro Jänner 1976

Tja, es war vorhergesagt, und ist eingetroffen:

Der größte Profiteur der Klimawandel-Hysterie ist ... die Energiewirtschaft, insbesonders die weltweit tätigen Konzerne, die in der Errichtung von ... Atomkraftwerken tätig sind. Es sind dabei immer wieder dieselben Namen: Retter, Opfer, Täter, es sind dieselben.

Nun meldeten sie sich zu Wort. In Form eines UNO-Sprechers von der Atombehörde, bekanntermaßen Kompetenzträger erster Güte, Menschen ohne Furcht und Tadel, daß ihr Ressort unwichtiger werden könnte. Um den Klimawandel zu stoppen, gleichzeitig aber den Energiebedarf zu decken, sei es einfach nötig, TAUSENDE Atomkraftwerke weltweit zu bauen, und das sei auch anzuraten - sind sie doch die einzigen Kraftwerke, die keine Auswirkungen auf die "Klimabilanz" haben UND effizient genug sind, den Strombedarf auch so stark steigender Volkswirtschaften wie derzeit - und das muß ja so bleiben, sonst bricht uns auch der Wohlstand im Westen zusammen - zu decken.

Kein Schaden, wo nicht auch ein Nutzen wäre, nicht wahr?
kilimandjaro Jänner 2006


















Bilder: Kilimandscharo-Eis 1976 und 2006, jeweils im Jänner



*110608*

Teleologie

"Ein Lebendiges ist ein Etwas, das plangemäße Leistungen vollbringen kann, ohne maschinell dazu eingerichtet zu sein und ohne den Plan in personal subjektiver Weise vor sich zu haben. Das bedeutet aber, daß bei entelechialer Wirksamkeit des Gestaltungs- oder Leistungsziels, auf das hin die dynamischen Potenzen ausgerichtet sind, in irgendeiner Weise im Wirkursächlichen objektiv eingeschlossen sein muß. Das richtunggebende Ziel muß ... in der objektiven Wirkursächlichkeit, in der auch die dynamischen Potenzen liegen, mitenthalten sein ... Der lebendige Organismus - oder welche in entelechialer Weise entstehende Entität immer - muß einen Vorentwurf seiner selbst als richtunggebend wirksamen Faktor objektiv in sich tragen." 


H. Conrad-Martius in: "Der Selbstaufbau der Natur"



*110608*

Sich selbst zeugende Natur

Hedwig Conrad-Martius in "Der Selbstaufbau der Natur" (1944):

"Differenzierung (im Zuge der Entwicklung von der Zelle zum Organismus; Anm.) ist unter normalen Verhältnissen immer die Folge einer an dem betreffenden Material ausgelösten Eigengestaltungspotenz".

Materie ist immer Potenz zur Gestalt. Doch braucht es das Wesen einer Form, um es zu organisieren.

"... macht ... (der Natur) ureigenstes Wesen aus, sich kraft ihrer selbst aus sich selbst herauszuzeugen. In dieser immanenten Schöpfungskraft liegt ihr ganzes Sein." Diese Selbstschöpfungskraft (Entelechie) aber ist nur möglich, wenn man die Grundpotenz der Welt in potens und actu denkt, also eine Kraft annimmt, die das Mögliche ins gestaltnehmende Dasein ruft. "Erschaffung bedeutet: ins eigene Sein stellen; bedeutet: ein solches Sein verleihen, daß das Betreffende sich nunmehr aus eigenem Seinsboden zu sich selbst erheben kann. Erst hierdurch wird die Schöpfung zu einem Analogon des Schöpfers, der das allerdings aus dem Nichts heraus in eigene immanente Selbstbewirkungsgründe hineingestellte Weltgebilde nicht nur durch Erhaltung der betreffenden Potentialitätsgründe weiterhin erhalten muß (ohne welch es in Nichts zurücksänke), sondern auch mit jedem Schritt der geschöpflichen Selbstbewirkung selber mitwirkt ..."

Und: "... streng genommen ist materielle Leibhaftigkeit überhaupt nichts andres und kann nichts anderes sein als eine sich kraft ihrer selbst aus sich selbst herauszeugende EKSTASE ..."



*110608*

Dienstag, 10. Juni 2008

Von außen beginnend: Wer man ist

Die Identität hängt - anders als landläufig gemeint - am äußersten Ring der Aussagbarkeit über einen Menschen. Sie beginnt also in der staatlichen, ja überstaatlichen Einheit, in die jemand eingegliedert ist, und geht zurück bis zu beruflichen oder neigungsgemäßen Definiertheiten.

Der Stand, der vielfach definiert ist, ist nur sehr beschränkt auf einen Begriff reduzibel. Teilweise greifen die Standesbegriffe ineinander über - man denke an den der "Verheirateten" in seinem Verhalten zum Beruf usw. Und er braucht an den Rändern Durchlässigkeiten, weil das Wesen des Menschen Entfaltung ist, was der Welt gewisses dynamisches Gepräge verleiht.

Dennoch ist der Mensch angewiesen auf eine "stufenweise Ruhe" dieser Bestimmtheiten. Andernfalls benötigt er seine gesamte Kraft, um sich in seinem In-der-Welt-sein zu halten: das zu einem Behaupten-müssen wird. Es ist also blanker Zynismus davon zu sprechen, daß die moderne Gesellschaft mehr Möglichkeiten offeriert. Das Gegenteil ist nämlich der Fall - es werden gar keine mehr offeriert weil zugesprochen. Die Gesellschaft befindet sich in einem permanenten Kampf aller gegen alle, mit der Besonderheit, daß jeweils der "höher Begabte" erliegt, weil seine Höhergliederung nicht erkannt wird.

Stand muß von oben bestellt sein. Er kann sich nicht von unten heraus formen. Und die Formungskraft, die Duchdringung geht von außen - vom Allgemeinsten - nach innen. Es nützt niemandem, zu wissen, daß man Schaffner ist, wenn nicht geklärt ist, ob auch Mensch ... Somit ist klar, daß Identität im Religiösen ansetzt.



*100608*

Künstlersimulanten

Gütersloh spricht davon, daß der Künstler archetypfrei ist und sein muß. Jeder ist für sich Antwort auf die ihn wie die Luft umgebende Welt, und nur für diese - ob weiter oder enger, international oder lokal, ist völlig irrelevant. Nur so vermag er das zu leisten, was Kunst zu leisten vermag: eine Antwort aus dem Kern der Wirklichkeit heraus zu geben.

Die Institutionalisierung der Kunstförderung in diesem Land aber hat mit sich gebracht, daß das Künstlertum zu einer Art generalisierbarem "Beruf" geworden ist, der sich ergreifen läßt wie der des Besenbinders. Entsprechend sind die Kriterien, an denen die Förderung festgemacht ist, (die in erster Linie damit Identität schafft, damit eigentlich genau die Kunst tötet), phänomenologisierte, für sich genommene Eigenschaften des Lebens eines Künstlers, die zu anstrebbaren Lebensweisen und -formen werden.

Zum Beispiel der zwanghafte Neuigkeitswahn. Zwar ist jeder Künstler originell, aber Originalität nicht Ausdruck von Kunst! Dingfest gemacht wie oben beschrieben aber wird Originalität zu einem Ausweis der Identitätszuordnung und damit -bildung.

Damit werden die meisten Künstler bereits erwürgt, noch ehe sie einen Mucks gemacht haben. Und erstickt von Myriaden von Pseudokünstlern, die es besser verstehen, Identitäten zu ergreifen und zu simulieren. Nimmt man aber dem Künstler seinen individuellen Weg, indem man ihn "ebnet", archetypisiert, erstickt man seine natürliche Entwicklung der Überwindung der Zeit, aus welcher Erfahrung heraus er zu deren Arzt wird.



*100608*

Die Fackel weitergeben

Man erlebt, wenn man älter wird, daß manches nicht mehr verwirklichbar ist, für das man aber in langjährigen Kämpfen den Weg bereitet hat. Denn jedes zu erlangende Gut muß erkämpft werden. Hier muß man die Fackel an die nächste Generation weitergeben - vorausgesetzt, diese nimmt sie auf!

Wie hoffnungslos aber das Leben jener, deren Fackel zurückgewiesen wird. Wie schrecklich das Los jener, die erleben, daß ihre Nachkommen ihnen ins Gesicht spotten und das Erbe zurückweisen, so dumm das auch sein mag.

Ohne Generationenkette aber ist menschliche Kultur undenkbar. Sie begänne mit jedem neu und gleich primitiv. Kulturverfall ist dann am deutlichsten erkennbar, wenn die Generationen in Streit liegen, die Altvorderen gering geachtet werden.

Dies läßt sich auch sehr gut im Verändern des Standes einer Familie über die Generationen beobachten, defacto das Verbürgern bäuerlicher Stände, noch stärker in Hinblick auf Bildungsbürgertum. Wo die erste Generation meist noch gegen starke Widerstände gerade das Fundament legen kann, auf dem dann weitergebaut wird.




*100608*

Samstag, 7. Juni 2008

Traumfrauen

In einer Umfrage in Deutschland gaben an die siebzig Prozent der befragten Männer an, Heidi Klum als Ideal einer Frau anzusehen. Sie übertrifft mit diesem Wert sogar die seinerzeitige Dauerführende Claudia Schiffer.

Hier im Bild mit der heurigen Siegerin des Bewerbs "Deutschland sucht das Supermodel".




*070608*

Mittwoch, 4. Juni 2008

Zeugnis der Entwicklung

Gütersloh sagt einmal so treffend, daß jedes Werk nur Zeugnis von der Entwicklung des Künstlers gibt. Auf dessen Weg zur Universalität.

Aber an sich gar nicht wesentlich für ihn ist.

Es hat schon etwas von Unerhörtheit, das Leben nur zu leben, um vollkommen zu werden. Wie fremd klingt das heute. Aber wie beruhigend.



*040608*

Sonntag, 1. Juni 2008

Prophetische Zwickmühle

Der Prophet befindet sich in einer Zwickmühle: Wird er ernstgenommen, ändert sich der Welten Lauf - und seine Prophetie tritt nicht ein. Wird er nicht ernstgenommen, muß er mit einer Katastrophe leben und leiden, die er sehenden Auges aufprallen sieht.

Das hat nicht nur Jeremias angewidert und verbittert, oder Jonas.

Ähnlich geht es nämlich jedem Künstler, weil Prophetie und künstlerisches Werk ihrem Wesen nach identisch (wenn auch nicht in allem gleich) sind. Auch der Künstler entfaltet aus Möglichem Wirkliches, womit sein Werk "seherische" Qualität erhält. Und beide müssen, um zu sehen, aus dem Gestern, aus der Erinnerung, der Abstraktion schaffen, in der sich das Ewige, das die Zeit überdauernde, das Bleibende, und damit Gott aussagt.

Die Rezeption eines Kunstwerkes ist ebenfalls der Aufnahme der Prophetie gleich.



*010608*