Dieses Blog durchsuchen

Freitag, 22. Mai 2009

Mit der Lampe kristallener Klarheit in jede Nische des Dämonischen

Franziska Martienßen-Lohmann hat die Aufgabe des Künstlers (und es betrifft alle Kunstsparten) in einem kurzen Artikel auf einen konzentrierten Punkt gebracht, und nicht zufällig im Artikel über das "Maß", in ihrem Quasi-Lexikon "Der wissende Sänger":

"Das Geheimnis der Geheimnisse in der Kunst ist die Grenze. [...] Der Künstler braucht eine heilige Nüchternheit [...] Bändigung des Maßlosen, [...] Überwindung des Chaos, [...] Geistige Formung im Kampf mit der Materie [...], Ausgleich der Willenskräfte, Sieg über Willkür, Triumph der Wahrhaftigkeit [denn sie ist das Wesenhafte, das Entscheidende. Wie muß das unbestechliche künstlerische Gewissen mit der Lampe der Klarheit auf den Grund der Darstellung leuchten ... Und dies in völliger Selbständigkeit des Geistes, fern von Nachahmung, fern von Originalitätssucht. Denn diese beiden - wie auch ihre dritte Hexenschwester, der Eitelkeit - sind Feinde der Wahrhaftigkeit, Träger der Lüge und damit in höherem Sinne auch Feinde des Geistes und der Natur.]"




*220509*

Gesunde Existenz und künstlerischer Anspruch


Einige Aussagen von Christoph Waltz, einem Wiener Schauspieler, der seit vielen Jahren in London lebt und vor allem in deutschsprachigen Fernseh- und Kinoproduktionen auftrat, zuletzt in Quentin Tarantino's "Inglorious Bastards", aus verschiedenen Medien-Interviews:

[Wie war die Begegnung mit Liselotte Pulver bei der „Zürcher Verlobung“?]
Das war ein Wiedersehen, weil ich das Vergnügen hatte, ihr schon einmal begegnet zu sein. Ich fand es schön, dass mit ihrem Auftritt der Geist der alten Filmwelt hereinschwebt, die wirklich eine bessere war. Lilo Pulver kommt aus einer Zeit, in der den Dreharbeiten mehr Zuwendung entgegengebracht wurde als heute. Diese Art und Weise des Herangehens an Filme ist einfach vorbei. Heute geht es in erster Linie um die Verwertbarkeit.

[Aber es ist doch Ihr Traumberuf?]
Albtraumberuf (lacht). Es könnte wirklich der schönste Beruf sein, den man sich träumen lassen kann. Aber tatsächlich unterscheidet er sich nicht von anderen Berufen. Ein Architekt muss sich auch seine ganze Laufbahn lang mit Bauherren und der Finanzierung seiner Fantasie herumschlagen. [...]

Die Teams sind [in Wien; Anm.] besser, die Mitarbeiter höflicher, aufmerksamer. Etwas verallgemeinernd: Der Umgang hier - und zwar in alle Richtungen - ist ein respektvollerer. Und auf so etwas lege ich Wert.

[Sie vermissen Respekt und Höflichkeit in Deutschland?]
In der Tat. Der Umgang ist mir in Deutschland oft zu direkt. Das Niveau ist sowieso nicht so besonders - das ist natürlich eine Verallgemeinerung, natürlich gibt es viele Ausnahmen. [...] In Berlin ist das Gottlob alles noch nicht so extrem. Aber ich spüre dort auch den Ansatz: 'Glaub ja nicht, du könntest hier gewisse Privilegien in Anspruch nehmen!' Es geht [...] um die Anerkennung einer bestimmten Funktion in der Gemeinschaft. Daran fehlt es in Deutschland, meiner Meinung nach. [...]

Es wird eindeutig zu viel gequasselt und zu wenig gesehen. Bis tief in die Kunstszene hinein drängt sich das Gequassel inzwischen in den Vordergrund. Wir Künstler sind, so nannte es Jim Rakete einmal, nur der Rohstofflieferant. Aber ich weigere mich, nur der Rohstofflieferant zu sein für Presse, Making-ofs und all das. Wenn Sie jetzt bedenken, daß es immer schlimmer wird, dann ahnen Sie, was für ein Problem ich habe.[...]

Es wird in der Branche immer noch mit den Marketingmaximen der 80er- oder 90er-Jahre gearbeitet: Der Inhalt spielt absolut keine Rolle, es ist die Verpackung, die zählt, nur die! Es ist für einen ernsthaften Schauspieler, aber sicher auch für wirkliche Künstler aus ganz anderen Disziplinen, ein komplizierter Vorgang, wenn von einem verlangt wird, sich so zum Objekt zu machen.

[Wie genau meinen Sie das?]
Dass von einem im Interesse einer gesunden Existenz verlangt wird, die Arbeit von der Person zu trennen. Wenn ich das tue, wo bleibt dann der künstlerische Aspekt? Der geht völlig verloren.




*220509*

Mittwoch, 20. Mai 2009

Nicht den Arbeiter vertreten wollen

Man muß sich fragen, ob es Identitätslosigkeit überhaupt gibt (außer vielleicht: für den Künstler zu Anfang). Ob die heutigen Identitätsprobleme nicht eher Probleme der Ablehnung der wahren Identität sind.

Der Gedanke kam mir beim Lesen eines Satzes von Oswald Spengler, der monierte, daß es keine Partei der heutigen Demokratien mehr wage, zu bekennen, daß sie NICHT den Arbeiter (als Proletarier) vertrete und diesen auch nicht als privilegierte Schichte ansehe. (Was würde geschehen, wenn das eine Partei heute wagte? Ich denke: Überraschendes ...)

Das weit größere Problem, das in einem Kulturzusammenhang entsteht wie heute gegeben ist, ist jenes der Persönlichkeit und deren Konstituierung. Es kann nämlich tatsächlich Persönlichkeitslosigkeit geben, die oft umso mehr ihr Vorhandensein wegzutäuscheln versucht, je mehr sie zutrifft. Eine existentielle Schwäche zum Tode, in dessen Armen sie sich eigentlich weiß.

Der Schauspieler faßt das, was Persönlichkeit ist, in einem einzigen Satz zusammen: "Mut zur Blamage." Es geht um das Aushalten des Alleinseins in allen Entscheidungen und Wegen, weil es im Leben nicht wirklich darauf ankommt, WAS man tut, sondern: in welcher Haltung und Hingabe man es tut.

Im Anfang war das ... Spiel! Am Anfang der Persönlichkeit steht nicht die Irrtumslosigkeit - sondern die Bereitschaft, den Irrtum auszutragen, weil die Treue zu sich selbst mehr wiegt.




*200509*

Dienstag, 19. Mai 2009

Nur Freie Marktwirtschaft ist verantwortbar

Die Argumentation Max Weber's in "Wirtschaft und Gesellschaft" ist ebenso simpel wie einleuchtend: verantwortetes, "rationales" Wirtschaften und Arbeiten (als jeweiliger Mitteleinsatz) ist nur möglich, wenn (alle Faktoren betreffend) realistische wie erzielbare Wertansätze einer (wie immer gearteten) Kalkulation und Kapital-/Wirtschaftsrechnung ermittelbar sind, die im gesamtgesellschaftlichen Gefüge verankert, erwachsen und begründet sind.

Dies ist nur in einer personalen, freien Marktwirtschaft gewährleistet.




*190509*

Montag, 18. Mai 2009

Vorsicht mit den Namen!

Rilke an Kappus: "Es ist so oft der Name eines Verbrechens, an dem ein Leben zerbricht, nicht die namenlose und persönliche Handlung selbst, die vielleicht eine ganz bestimmte Notwendigkeit dieses Lebens war und von ihm ohne Mühe aufgenommen werden könnte."




*180509*

Samstag, 16. Mai 2009

Teleologie der physischen Erscheinungen

Sowohl von der Tatsache und den beobachtbaren Wirkungen der Schwerkraft wie aus den Erscheinungen der Quantenphysik ließe sich die These verifizieren beziehungsweise nicht falsifizieren, daß dem Verhalten der Körper ihre Beziehungen zueinander fundamental vorausgehen - nicht also umgekehrt. Dieses Zueinander der Körper ist auf einer anderen Ebene definiert, als es die bisherige Physik in den festgestellten physischen Phänomenen zu messen vermag. Es liegt nahe, daß diese Beziehung den Charakter einer Apriori-Information hat, weil sie auch die Eigenschaften der Dinge bestimmt.

Bei beiden Kräften spielt übrigens Distanz eine Rolle. Auch im Verhältnis der einzelnen Dinge zueinander ist dies der Fall, vom Eintritt in Beziehungskreise bis zu dessen definitivem Verlassen.

Auch die Behauptung wäre unwidersprochen gültig, daß dem So -Sein eines Einzelkörpers die Bereitschaft des Insgesamt (seines Systems, das er bis in seine äußersten Verästelungen berührt, im Grunde immer: der Kosmos) zur Separation vorausgeht. Das heißt, daß das Insgesamt das Einzelne zuvor denken muß, ehe es entsteht. Folglich enthält das Insgesamt alles Einzelne - ist sohin keine posthoc-Summe der Einzelheiten, sondern - omnipotent.

Hier ... setzen Hegel und Schelling (unter anderem) an.




*160509*

Donnerstag, 14. Mai 2009

Kunst, Natur, und Zwang.

Wie schon so oft ist auch in diesen Tagen auffällig, wie sich bestimmte Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen ihrer inneren Qualität und Natur nach konzentrieren. Nennen wir die Erfahrungen der letzten Tage "Befreiung durch Nüchternheiten - 385. Kapitel"

Beispielhaft seien zwei der denkwürdigsten Momente angeführt, und, wie könnte es anders sein, sie sind durch Bücher erfahren.

Da ist das Buch des im angloamerikanischen Raum sehr bekannten und vielgespielten (angeblich hat er dreitausend Stücke geschrieben) Theaterautors und Regisseurs Alan Ayckbourn, "Theaterhandwerk". (Eine Empfehlung von M., danke!) Typisch amerikanisch der Untertitel: "Einhunderteins selbstverständliche Regeln für das Schreiben und Inszenieren." Sie können sie nicht lassen, die Amis, ihre Kochbuchmentalität ... Egal. Das Buch ist wegen seines pragmatischen Realismus hervorragend! Lob und Preis der subventionslosen Kunst, die im Gegenwind der Wirklichkeit ganz anders ausgewaschen wird. Dieses Buch hat deshalb das Potential, Schauspieler (und Regisseure) von so vielem zu befreien, das sie dumpf am Theater (kaum: im Film) erleben mußten und täglich müssen, über das man aber hierzulande nicht (mehr) spricht, ja nicht einmal meist identifizieren darf und damit bald kann - und das Ayckbourn so simpel beim Namen nennt: "Unsinn!"

Man atmet stellenweise richtig durch: "Ja!" Wenn es etwa heißt: "Ich habe erlebt, wie Schauspieler, arglose Gemüter, selbstsicher wirkenden Regisseuren, die für sich den Anspruch erhoben, im Besitz der letzten Geheimnisse zu sein, durch Klippen von Inkompetenz folgten, an denen Selbstvertrauen und oft auch berufliches Ansehen der Darsteller zu zerschellen drohte."

Oder: "Ganz zu Unrecht mißtrauen wir oft dem Einfachen. Wir wühlen im sandigen Boden der Kreativität in dem Versuch, unsere Kunst bedeutungsvoller, irgendwie "tiefer" zu machen. Im allgemeinen mit dem einzigen Resultat, daß wir mit dem Kopf im Sand dastehen und dem Publikum den Hintern zeigen."

Eine wahre Goldgrube ist aber das Buch von Franziska Martienßen-Lohmann (eine Empfehlung, die Dietrich Fischer-Dieskau in seinen Memoiren ausspricht, posthum ebenfalls: Dank!), "Ausbildung der Gesangs-Stimme".

Es gibt eben solche Bücher, die zu bestimmten Zeiten wie Schlüssel wirken können. Indem es zu einem selbst befreit, Mut macht, zum eigenen Empfinden zu stehen - für jeden Kunstschaffenden eines seiner zentralen Themen. Wieviel Unsinn hat man zu diesen Themen bereits gehört, auch in sogenannten "Ausbildungen"! Wieviel Verwirrung wird oft gestiftet, in den Anleitungen und Regieanweisungen, was wie zu tun wäre, in der Kunst, sonst gehörte man ja nicht einmal dazu.

Und wie oft wird (und wurde) das eigene Empfinden beschädigt, nachhaltig oft beschädigt, weil es so wenige kompetente Gestalten im Raum der Kunst gibt, wie oft erlebt man den Widerspruch von Anforderungen und "Kritik" zum eigenen Empfinden ...

Martienßen-Lohmann ist eine jener selten anzutreffenden Personen, die wissen, wovon sie sprechen. Und das ist nur auf der Basis großer, uneitler, wahrhaftiger, durch demütig zugelassene Wirklichkeitseinbrüche ernüchterter Erfahrung möglich. Man ahnt und weiß es vom ersten Satz an, und schlürft Zeile um Zeile.

Und wollte fast das gesamte Buch zitieren! Es gehört (in aller antiquarischen Schäbigkeit) nämlich zum Wertvollsten, das hinsichtlich der Ausübung jeder Kunst (und hier sind alle Künste gleich) an Gedrucktem zu finden ist. Nur ein paar Sätze, dennoch herausgegriffen:

"... Was heißt "Technik" in der Kunst? Jeder reife Künstler weiß: Technik ist im letzten gleichbedeutend mit Persönlichkeitsgestaltung. ... [Kunstinteressierte Laien] müßten selbst Künstler in voller Reife sein, um dieses innere Verhältnis von Persönlichkeit und Technik, diese Einheit [am Beispiel Auguste Rodin, Anm.] ganz zu verstehen - um zu erfassen, daß mit dem kalten und irreführenden Begriff "Technik" etwas ganz Eigenzugehöriges gemeint sein kann, zutiefst verflochten mit der innersten Lebensbewegung."

"... [Bei manchen Gefahren, die der Autodidakt zu bewältigen hat, gilt dennoch:] In [diesem] Sinne sind alle wirklichen Könner im Gesange Autodidakten und werden es immer bleiben. [Ja müssen sich zuzeiten immer wieder dazu machen, denn:] Das Entscheidende ist das frisch wachgerufene [und wachzurufende] Autodidaktentum durch die neugewonnene Einsicht in die eigene Stimmnatur."

"Genie ist eine Zwangslage; die Hand, die Sinne, der Geist müssen arbeiten, müssen schaffen, müssen wirken."

"Leider muß ja der Einsichtige denen Recht geben, die auf die eingeschworenen Gesangsmethoden schlecht zu sprechen sind. Das Wort "Methode" sagt alles [...] - da kann nichts Organisches, Lebendiges wachsen und erblühen. [...] "Die Natur auffassen und sie unmittelbar benutzen ist wenigen Menschen gegeben; zwischen Erkenntnis und Gebrauch erfinden sie sich gern ein Luftgespinst, das sie sorgfältig ausbilden und darüber den Gegenstand zugleich mit der Benutzung vergessen." Das Luftgespinst heißt "Methode". Der Natur nahe sein, ihre Gesetze erlauschen vermittels eines gesunden, reinen, unbeirrbaren Instinktes - das macht das augenfälligste Talent im Gesange aus."




*140509*

Mittwoch, 13. Mai 2009

Am falschen Kreuz gestorben

Ich kenne bei weitem mehr Menschen, die an eingebildeten Kreuzen (perfiden Formen von Kreuzesscheu in Wahrheit) leiden, ja sogar ganz real daran zugrundegehen, als solche, die ihre wirklichen Kreuze einfach aufnehmen und tragen.

Denn natürlich, auch das Erkennen eines Kreuzes unterliegt dem Tugendmaß jedes Erkennens, und schon gar ist verdächtig, zumindest mit Vorsicht zu behandeln, wenn das Kreuz aus dem Lebensinsgesamt heraus in Vereinzeltheit gesehen wird.

Schon aus diesem Grund - ist Humor ein sicheres Erkennungsmal des Heiligen, des echten Kreuzes. Der Humor zeigt eine Distanz, die das Kreuz als gegeben - nicht als selbstgeschaffen - ausweist.




*130509*

Austrocknung des Sentiments durch Kreuzesrealismus

Beim Lesen eines Aufsatzes über Eugen Dühring: Es ist ein großer Irrtum anzunehmen, im Leben erlittene Ungerechtigkeiten, Schmähungen, Lieblosigkeiten, schlicht: alle Formen von Verwundungen, würden auf gleich zu stellen sein. Wer in dieser Erwartung lebt, läßt sich immer mehr in eine Bewegung stellen, die dieses Teilwollen zum Hauptwollen umgestaltet, ja überhaupt erst zu einem absichtsvollen Wollen (wie in einer Ideologie) macht.

Es gibt nur einen Weg, mit diesen Verwundungen - die jeder Mensch am laufenden Band einzustecken hat - fertigzuwerden, das ist jener der Integration. Aber wenn das Insgesamt, die Mitte eines Menschen, stark genug ist, vermag er alles zu tragen, mit allem fertigzuwerden. Umso mehr, als er das Metaziel - im Kreuz - damit fruchtbar machen kann, wo Natur in Übernatur verwandelt und überstiegen wird. Der Unterschied zum Idealistischen liegt im Realismus, der sich im Kreuz in weit mehr als einer bloßen subjektivistischen/subjektiven (solipsistischen) Hilfe zur Lebensbewältigung ausdrücken muß.

Erst wo gesunder Realismus der Gnade aus dem Kreuz herrscht, und einen solchen kann wesentlich nur die soteriologische Dimension der Liturgie formen, wird auch die Gefahr gebannt, das Kreuz desintegriert als "Merite" und Anspruch auf Anerkennung in Hochmut und Vermessenheit, immer Selbstgerechtigkeit (die sich selbst Urteil und Wert bestimmt) manisch zu verunstalten. Erst auf solche Mißbräuche kann sich Kritik wie "Opium fürs Volk" beziehen, und hier ist sie sogar berechtigt.

Aus Gesagtem sollte auch vordergründigstes Ziel im Umgang mit dem Nächsten sein, den Rahmen dessen, was er zu tragen imstande ist, nicht zu überschreiten, nicht durch eigenes Verhalten zu überdehnen.

Meint man sohin einmal, ein Kreuz nicht tragen zu können, wäre zuvorderst die Frage zu stellen, wo wirkliches Kreuz endet beziehungsweise beginnt, nicht das Leid zweitwirklicher, nur vorgestellter Egozentrik, oder dem Irrtum, oder einem zeitgeistigen Ressentiment das kein Fundament in re hat, entspringt.

Daraus läßt sich ableiten, daß "gelungene Verarbeitung" nicht heißen kann, einen Schaden in den Blick zu rücken, sondern zum Gegenteil: die eigentlichen, hauptsächlichen Lebensziele ohne jede Utopie so zu stärken, daß sich vom Mittelpunkt ausgehend die Wunden schließen, zumindest integrieren können. (Manche Wunden können einfach nicht heilen, weil sie tatsächlich wesentliche Lebensvollzüge betreffen: wo eine Tat, da auch reale Folgen.) Hier ist subjektiver wie subjektivistischer Unrealismus allerdings oft wichtige Hilfestellung, wie ein Druckpolster, ein Warten auf bessere Zeiten.

Dühring hat sich in dieser nie endenden, ganz gewiß auch durch Lieblosigkeiten immer wieder aufgefrischten Erwartung - a-theistisch im eigentlichen Sinn einer erschütternden A-Religiosität - nicht runden können. Und das war wohl schade, weil es sein wirkliches Werk und seinen wirklichen Wert zunehmend verdüstert hat.




*130509*

Schutz vor der Bestialität

"Das einzige, das den Menschen vor der Bestialität bewahrt, ist die institutionalisierte Kulturalität," sagt einmal Samuel Johnson. Um an anderer Stelle zu sagen: "Dieses Gerede um Gleichheit ist schlicht unsinnig. Wo es doch immer, wenn zwei Menschen zusammenkommen, innerhalb einer halben Stunde zur Ausbildung einer Hierarchie kommt, weil einer etwas viel besser kann als der andere."




*130509*

Dienstag, 12. Mai 2009

Bild der Jugend

Schon längst wollte ich schreiben, daß wir doch unser ganzes Leben lang nichts sonst tun haben als zu versuchen, das Bild der Kindheitswelt zu erfüllen, das uns Auftrag ist, da lese ich bei Ernest Renan Folgendes:

"Der Wert des Menschen bemißt sich nach der Größe des religiösen Gefühls, das er von seiner Jugend her bewahrt hat, das den Duft seines Lebens bildet. Die religiösen Menschen leben von einem Schatten. Wir leben vom Schatten eines Schatten. Wovon wird man nach uns leben?"




*120509*

Montag, 11. Mai 2009

Am Ende - matriarchale Degeneration

Man sollte sich da keine Illusionen machen - im Stück "Der Fechter von Ravenna" (ein "Hit" in den Theatern der 1850er, 1860er Jahre) von Friedrich Halm steht es nackt und bloß vor Augen, und läßt mich auch von einer weiteren Perspektive her an Bachofen's Matriarchats-Thesen zweifeln:

Das 19. Jahrhundert hat definitiv ein Zeitalter der Muttersöhne, eine Epoche hysterisch-pathetischer, sich selbst dramatisierender Charaktere eingeläutet. Gerade in unseren Breiten waren Figuren wie Bismarck und Hitler signifikanter Ausdruck dafür.

Das Matriarchat ist nicht, wie Johann Jakob Bachofen meinte, Ausgangs-, ja Heimat- und Fluchtpunkt einer Kultur, sondern Endpunkt einer spezifischen kulturellen Degeneration.

Der "Mutterkult", wie ihn Halm in seinem (dramaturgisch ausgezeichnet konstruierten) Stück so zeitgemäß erscheinen läßt - jawohl, zeitgemäß: Die Frau, die das Schicksal des Landes in die Hand nimmt, weil die Männer versagt haben und versagen ... das ist die Grundhaltung heute, Ibsen hat es noch weiter ausgebaut, noch anklagender, realistischer, deshalb warnender, wahrer, auf die Bühne gebracht - hat jene revolutionäre Kraft sentimental verankert (so funktioniert Lenkung der Masse), die die Kulissen unserer Kultur endgültig gesprengt haben.

Damals übrigens kam auch der "Muttertag".




*110509*

Samstag, 9. Mai 2009

Spiel und entfaltete Leiblichkeit

Selten habe ich so klar, einfach verständlich, und doch umfassend, auch in der Tiefe, etwas über die Kirchliche Liturgie gelesen wie in dieser Zusammenfassung (Autor: Stefan Baig, Zenith) eines Vortrags der Dresdener Religionsphilosophin Hanna Barbara Gerl-Falkovitzs. Aber lesen Sie selbst.

... Gerl-Falkovitzs Betrachtung der Liturgie geschah hingegen aus anthropologischer Perspektive. Dabei stützte sich die Religionsphilosophin auf Romano Guardinis Klassiker „Vom Geist der Liturgie", dessen Kapitel „Liturgie als Spiel" Ausgangspunkt ihrer Ausführungen wurde. Im Zentrum ihres Vortrags stand „die spielerische Entfaltung der Leiblichkeit". Um die heilende Wirkung der Liturgie zu betrachten, wurden zunächst die verschiedensten Tätigkeiten des Lebens betrachtet, und zwar im Hinblick auf die Unterscheidung von Zweck und Sinn.

„Im Zweck ruht das Tun nicht in sich selbst, sondern wird als Durchgang auf ein anderes Ziel hin getan: Lernen, um die Prüfung zu bestehen. Sinn aber lässt den Schwerpunkt des Tuns in ihm selbst aufleuchten: Lernen, weil es Freude macht." Während der Zweck ein Ende in der Zeit habe, gebe es auch Vorgänge, deren Sinn nicht mit ihrem Ende abgeschlossen sei. Gerade die wesentlichen Vorgänge des Lebens seien zwecklos, aber sinnvoll. Liebe zum Beispiel sei eine selbsttragende Handlung ohne „um - zu". Ebenso gebe es auch den absichtslosen, kontemplativen Blick, in dem das Individuum frei werde, sich selbst mitzuteilen.

Die Liturgie verfolge wie jedes wirkliche Kunstwerk keinen unmittelbaren „Zweck", sondern trage ihren Sinn in sich. Dieser Zug begründe auch die Schönheit der Liturgie: „Sie hat weder erzieherische noch absichtsvoll künstlerische Aufgaben, ihr tiefster Sinn ist einfach ‚Schau', und zwar Schau von Gottes Herrlichkeit, die Leiden und Kampf einschließt."

Der Sinn der Wirklichkeit erschließe sich über den Leib. Gegenwärtig geschehe in der Anthropologie eine Neuentdeckung des Leibes. „Der Leib ist in ein Spannungsgefüge einbracht. Das, was ich nach außen spiele, erfahre ich auch innerlich." Gerl-Falkovitz beschrieb mit Guardini verschiedene körperliche Haltungen. Das Liegen etwa sei „gesammeltes Ausgegossensein", Stehen „schwingende Ruhe".

In der Liturgie finde ein leibhaftes Spiel statt. „Der Schwerpunkt ist oben. (...) Es ist dieses wunderbar in sich Ruhende und den Blick Öffnende, das die Liturgie zur Quelle eines Ankommens im Sinn macht und über Verzweiflung hinausführt, bis in die leibliche Erfassung und schwingende Ruhe hinein." Auch für das leibhafte Spiel in der Liturgie lieferte die Vortragende eine phänomenologische Beschreibung: „Zweckfrei sich ausströmendes, von der Fülle besitzergreifendes Leben, sinnvoll in seinem reinen Dasein."




*090509*

Samstag, 2. Mai 2009

Zusammenbruch durch Selbstauflösung

David Kelly sagt in "Die Herrschaft der Wenigen" in seinen Kommentaren zu historischen Prozessen in Indien (den Rückzug Großbritanniens aus dem Subkontinent 1949 erlebte Kelly als britischer Botschafter in Moskau), daß er noch nie erlebt hätte, daß die marxistische (stalin'sche) Theorie stimme: daß Führungseliten nur durch Gewalt, durch eine Revolution, von der Macht zu trennen seien.

Vielmehr sei sein Fazit aus der Weltgeschichte (und der Britanniens), daß der Verfallsprozeß einer Gesellschaftsordnung, einer Hierarchie, mit dem Verlust des Selbstbewußtseins einer Führungsschichte beginne, ja von dort ausgehe, bis diese sich definitiv zurückziehe, nach Ersatz rufe. Dies geschehe in erster Linie durch ideelle Prozesse, die einen Verlust der moralischen Fundierung des eigenen Handelns bewirkten.

Dann genüge das, was immer passiert sei, meint Kelly: eine kleine Schichte, die aber entschlossen genug und vor allem: überzeugt von sich ist, setzt sich durch und bestimmt den weiteren Weg. Denn, meint Kelly, es seien (auch in der Demokratie) immer nur Minoritäten, die wirklich Politik machten.

Unter diesem Blickwinkel, werden tatsächlich Geschehen, beginnend vom Zerfall Griechenlands und Roms, über die Französische Revolution, die Geschehnisse in ganz Europa 1914 bis 1918, bis zu Rußland 1917, usw., usw., viel umfassender verständlich.




*020509*

Düpierte Vorhersagen

Den Crash vom Oktober 1987 hatte Paul C. Martin (neben zahllosen Vorträgen in seinen Büchern "Sachwert schlägt Geldwert", "Der Kapitalismus", "Cash - Strategien gegen den Crash") richtig vorhergesehen, und die letztlich so hausverständlichen Gründe angeführt, warum es gar nicht anders kommen konnte. Auch ich war seinerzeit dieser Meinung. Als Bauunternehmer (eine Branche, in der viel Geld, und viel Fremdkapital in Bewegung ist, so daß man rasch und notgedrungen Einblick in Finanzierungs-, Rendite- und Zinshebel erhält) hatte ich Martin's Argumente, vor allem die realen Auswirkungen solchen Wirtschaftens (der ungeheure Druck, der den Zwang zum Wachstum mit sich bringt), nur bestätigt gefunden.

Der Crash kam. Aber es ging ... scheinbar munter weiter. Womit er (und ich) damals nicht gerechnet hatte war nämlich, daß die Bereitschaft, durch immer weitergehende Verschuldungsstrategien die Finanzmärkte und Volkswirtschaften weltweit so zu vernetzen, daß einzelne Volkswirtschaften, ja sogar Kontinente, durch multilaterale Kreditnetze "unsinkbar" wurden. Die Staaten erklärten sich einfach weltweit bereit, sich untereinander "beliebig" Geld zu leihen.

Paul C. Martin war düpiert. Ich war düpiert. Scheinbar unglaubwürdig gemacht, als Schwarzmaler desavouiert. Dabei hatten wir recht. Aber das wußten nur wenige. Völlig richtig - und mit resigniertem Sarkasmus - hat er in seinem weiteren Buch "Aufwärts ohne Ende" 1990 kopfschüttelnd aufgegeben, weitere Prognosen zu stellen, denn wenn der Gegner keine Grenzen kennt, kann man im Disput nie gewinnen.

Mittlerweile gab es weitere Crashs, auch solche in denen weit mehr Geld vernichtet wurde als 1929. Aber mit immer weitergehender und immer findigerer Ausreizung des Systems, wobei das "Weiter!" immer mehr bestimmt war von "ultimo ratio", vom "geringeren Übel", von Alternativlosigkeit, weil sonst (bereits früher) das System kollabiert wäre, sprich: mit immer weiteren immer uferloseren Schulden, hat man alles weiter am Laufen gehalten.

Nun kam der globale Crash.

Was nun? Es gibt sie nämlich nicht mehr, die Hoffnungsmärkte, auf die alles aufgehangen wurde - China, Indien, ehemalige Oststaaten. Was auch immer an "Maßnahmen" gesetzt wird - es geht immer nur um noch mehr öffentliche Schulden, denn aus sich heraus sind die Volkswirtschaften nicht mehr in der Lage, solche Geldmengenverringerungen (um die geht es letztlich: die Geldmengen suchen ihren Boden in realen Werten, wie Martin seinerzeit warnend ausgeführt hat) auszuhalten.

Es wird deshalb zu einem Systemwechsel kommen, das zeichnet sich längst ab. Um das System zu halten, um den "Wohlstand" zu halten (der nie einer war, sondern vorgezogener Konsum des Ertrags späterer Generationen gewesen ist), funktioniert weltweit nur noch: Verstaatlichung, Kommunisierung, Vergemeinschaftung, vor allem: noch mehr Globalisierung, noch mehr Zentralisierung weil weltweite Akkordierung nationaler Maßnahmen.

Gemeinwohl? Gibt es nicht mehr. Es ist durch den Wohlstand ersetzt.

Und um den geht es uns doch letztlich allen. Oder?




*020509*

Freitag, 1. Mai 2009

Vergessene Propheten

Rasch hatten sie ihre Schuldigen, ihre Sündenböcke, die man mit aller Schuld belud und in die Wüste trieb. Die Manager, die Führungskräfte, die Chefs, die Anlageberater, die anderen Banken, die Regierenden, die Minister, vor allem aber: die Reichen. Die sollen zahlen, die haben ja alles gestohlen. (Da kommen Blitzableiter wie Julius Meinl, oder Graf Mensdorf-Pouilly, wie gerufen, wie politisch bestellt: perfekte Dramaturgie! Ich teile übrigens das Lachen des 5. Meinl, mit dem eigentlich Stimmung gegen ihn gemacht werden soll ... )

Denn alles gehört allen, ein paar nehmen es diesen Allen nur weg. Nur das meine - das ist mir. Das eigene Unglück ist nämlich immer von anderen verschuldet, deren Glück unverdient; das eigene Glück hoch verdient, das Unglück der anderen allemal.

Und die Gewerkschaften schlagen Kleingeld aus der Lage und fordern, die Pensionistenvertreter nützen die Chancen, sich zu profilieren, und daß die Beamten schweigen, kann nur ein Versehen sein. Endlich kann man wieder mit der Gier das Massen arbeiten, Unzufriedenheit und Begehrlichkeiten schüren, damit hat es sich immer leicht politisiert.

Während die beamtete Wohltätigkeit mit dem Geld anderer Hochkonjunktur feiert - die Caritas (und weitere kirchliche Stimmen) hat noch immer viel zu verteilen und soziale Gerechtigkeiten zu fordern. (Aber wann haben die in den letzten dreißig Jahren auch nur irgendetwas kapiert?)

Denn den Wohlstand, den haben ja wir uns erarbeitet, nicht wahr? Unseren Wohlstand. Und wir wollen ihn halten, auf alle Fälle, er gehört uns allen, alles gehört uns. Auch um den Preis des Verlusts der Freiheit des Wirtschaftens. Wen kratzt das?

Daß unser System der Schulden, mit dem wir seit dreißig Jahren unseren Wohlstand regelrecht gestohlen haben, der Zukunft herausgerissen, das ist zu unangenehm, um wahr zu sein.

Aber es gab sie, die Vorhersagen. So vieles, wenn nicht alles, was vorhersehbar. Nur nicht populär.

Heinz Pentzlin zum Beispiel hat Prognosen gemacht, lange Jahre leitender Redakteur der WELT. 1962 in seinem Buch "Was kostet der Wohlstand?" Was kostet das sogenannte Wirtschaftswunder?

All die soziokulturellen Veränderungen, die gesunde wirtschaftliche, kulturelle Strukturen zerstören, die Herrschaft der Zahlen mit völlig überschätztem Rang der Betriebswissenschaften, die Getriebenheiten - alles war vorhersehbar. Aber noch etwas, über die zunehmende Umbildung der Wirtschaft auf Etatismus (Staats-Plan-Wirtschaft), dem Streben nach wie dem Geworfenwerden auf staatliche Abhängigkeit und Versorgung immer weiterer gesellschaftlicher Schichten, wird unsere Gesellschaft den sozialistischen Systemen angeglichen werden.

Und das ist mehr als ein Schlagwort. Der Preis des (dieses "unseres") Wohlstands war für Pentzlin vorhersehbar: er heißt Freiheit.

Antonio della Caraffa hat es 1989 so formuliert: "Der Osten hat die Mauer nicht mehr gebraucht. Die Gesellschaften zu vereinen war reif, weil der Westen erfolgreich angeglichen, zugleich fallibel genug war, nun den Osten auch materiell aufheben zu müssen. Die Mauer fiel nicht nach Westen, sie fiel nach Osten."




*010509*

Im atmenden Arm Gottes

"Jeder Mensch hat einen inneren Freund, seine Eingebungen sind am reinsten in der Jugend; nur Frivolität verscheucht ihn, so wie Hinneigung zu gemeinen Zwecken ihn endlich ganz verstummen läßt."

"Uns allen nämlich wohnt ein geheimes, wunderbares Vermögen bei, uns aus dem Wechsel der Zeit in unser Innerstes, von allem, was von außen her hinzukam, entkleidetes Selbst zurückzuziehen, und da unter der Form der Unwandelbarkeit das Ewige in uns anzuschauen."

"Im stillsten Dasein und ohne Reflexion offenbart die Pflanze die ewige Schönheit. So wäre dir am besten, schweigend und gleichsam nicht wissend Gott zu wissen. Nur in der höchsten Wissenschaft schließt sich das sterbliche Auge, wo nicht mehr der Mensch sieht, sondern das ewige Sehen in ihm sehend geworden ist."

(F. W. Schelling)




*010509*

Kunstwerk und Prophetie

Noch nie war der Eindruck so stark, wie beim Lesen von Schelling, bei dem genau dies so plastisch zu werden scheint (als dächte er nicht, sondern schlüge er wie ein Bildhauer am Stein, bis das Bild der Idee gleiche), daß Denken ein Anpassen der Vorstellungs- und Ideenordnung an das Gefühlte, über die Welt Geahnte, ist. Gerade, wenn man "Menon" von Plato dazufügt, wo Sokrates über das Erkennen als reinen Akt des Erinnerns spricht.

Damit ist auch das Sprechen an sich als Gestalt ein Akt der Gewohnheit, sohin in direktem Zusammenhang mit Tugend und Wahrhaftigkeit stehend, das Denken ein Akt der Sprachgestaltung, bis es im Logos kopuliert.

Gleichzeitig ist - auch hier ist Schelling zu folgen - das Urgrund allen Weltfühlens ein Herzensakt der Poesie, wird der Künstler zum Priester und Propheten, das Kunstwerk zum einzigen die Schöpfung als Akt der Liebe und Selbsterkenntnis Gottes wirklich entfaltenden Akt.

Heinrich Reinhardt weist wohl in gleicher Gedankenlinie auf die zentrale Bedeutung des "Wohlwollens" als Tor zur Philosophie hin.

In dieser Sicht - der Welt als Explikation Gottes, dem Sein, das sich enthüllt, sodaß Wahrheit menschlicher Erkenntnis im Maß Ihrer Übereinstimmung mit Gott (als der Wahrheit) darstellende Teilhabe an Gott (mit dem Schlüssel: Kreuz, wie Dante es ebenfalls ausdeutet: laß alles fahren ...) bedeutet - trifft sich Schelling absolut mit Thomas v. Aquin, Cusanus, Plato etc. etc.

Nietzsche wirft Schelling vor, kein Denker zu sein. Während Schelling diesen Anspruch gar nicht mehr erhebt, sondern sich als "Mythologe der Vernunft" begreift.


*010509*

Donnerstag, 30. April 2009

Die Krise beginnt jetzt erst

Jetzt erst beginnt die Krise, jetzt erst wird sie schlagend: Bis in diese Tage konnte noch viel aufgeschoben, über weitere Zukunftshoffnung in "Verhandlungen" verdrängt werden. Aber irgendwann ...

Sie beginnt mit dem Zusammenbruch der Konzerne. Wie nun Chrysler. Den Folgen für Unternehmen, die gewisse Zeit durchtauchen konnten. Mit den realen Faktoren erst beginnt die Krise, von der sich so viele bisher gewundert haben, daß sie kaum etwas spürten.




*300409*

Mittwoch, 29. April 2009

Vom unermeßlichen Wert des Vorurteils

"Wir haben nicht die Wahl zwischen Vorurteilen oder Vorurteilslosigkeit - wir haben nur die Wahl zwischen erprobten und noblen Vorurteilen, in denen sich die unbewußte Lebensweisheit zahlloser Generationen akkumuliert, und den willkürlichen Abstraktionen ehrgeiziger Sophisten.

Eine der Hauptursachen unserer Fortschritte finden wir darin, daß wir die Kenntnisse nicht verachten, die uns unsere Voreltern hinterließen. Das Leben eines einzigen Individuums reicht nicht aus, die zum Leben notwendigen Einsichten und Haltungen selbst zu erwerben.

Es empfiehlt sich, ein Vorurteil eher beizubehalten mit der Weisheit, der es zur Hülle dient, als das Gewand wegzuwerfen und die nackte Weisheit stehen zu lassen, weil ein Vorurteil, das ein Prinzip der Weisheit enthält, zugleich eine Kraft, um dies Prinzip zu beleben, und ein Gefühl der Zuneigung, um ihm Dauer zu verschaffen, bei sich führt."

(Edmund Burke)




*290409*

Dienstag, 28. April 2009

Diskretion

Samuel Johnson (angeblich) über Lord Chesterton - in einer Bemerkung über ihn und Lord Tyrawley: "Tyrawley und ich sind schon seit zwei Jahren tot, wir wollen bloß nicht, daß es bekannt wird."

Ich mußte mehrmals in Lexika nachschlagen, und glaube es dennoch noch nicht: Daß Johnson wirklich gelebt und Boswell (ein Zeitgenosse), dessen Biographie nach minutiösen Aufzeichnungen angefertigt hatte. Zu grotesk wirkt alles, vielleicht gerade wegen dieses riesenhaften Realismus, der zur umwerfenden Komödie wird. Wäre alles erfunden, würde ich das Buch als kaum zu fassendes Meisterstück einer Schöpfung ansehen, vor dreißig oder zwanzig oder zehn oder drei Jahren abgeschlossen.

So beschließe ich, es doch wieder - nach zweihundertfünfzig Seiten sah ich mich durch zunehmende innere Unsicherheit gezwungen, die Perspektive durch Recherche zu klären - so zu lesen. Sprunghaft steigert sich wieder das ohnehin schon so beträchtliche Vergnügen an diesen schrulligen Figuren, die gerade durch die Einbindung in reales historisches und literaturhistorisches Geschehen umso schelmenhafter wirken.

Ich beschließe: Es gehört zu den umwerfenden Tricks und Wendungen der Geschichte, diese fiktive Figur durch das Hinterlassen von "realen" (aber: immer konstruierten) Relikten noch realer zu machen - ein Marketingtrick, der bis zur Gestaltung von Bieretiketten, zum Anfertigen von Portraits in Öl ("Johnson an Bord der Hickory"), und zur Abfassung von Lexikoneinträgen geht. Ein ganzer Londoner Stadtteil hat sich gar diesem Zauber einer fiktiven Welt verschrieben, die so wahr sein könnte, daß mitzuspielen mehr Lebensfreude bringt als das Leben selbst. 

(James Boswell, "Leben und Meinungen des Dr. Samuel Johnson")




*280409*

Der Tod der Kultur.

Fast treibt es einem kalte Schauer über den Rücken, betrachtet man die Wirkmächtigkeit mancher Gedanken. Die ich, wie hier, als "geniale" Erfindung betrachte:

Die Idee Jean-Jacques Rousseaus, dergemäß der Mensch gut geboren wäre, würde er nicht durch die fortschreitende Zivilisation, die differenzierte, zunehmend komplexe Kultur verdorben. Er deutet "... die Formlosigkeit als Ausdruck der Freiheit." Deshalb sind alle Ordnungen zu zerstören, um die Prinzipien der Natur, die neue Ordnung zu entdecken. Das Kind überragt deshalb den Erwachsenen, die Frau den Mann, der Bauer den Städter, der "Wilde" den Zivilisierten.

Rousseau reitet hier nicht nur auf der wohlgenährten, rossigen Stute der menschlichen Sehnsucht nach dem Paradies, nach dem Mutterschooß, sondern auch auf dem Gedanken der "Pädagogik des Seins", der einzigen Erziehung, die jene Liebe zum Inhalt hat, die die Welt erstlich wie letztlich überhaupt sein läßt: Der Kraft, die das potens ins actu ruft und dort erhält, der einzigen Kraft, die errichtet.

Diese warme Wamme unter dem Sitz aber seinen angestammten Böden entfernt und mißdeutet, treibt der Gedanke bis zum heutigen Tag ganze Städte an Pädagogiken und Weltlügen. Er motiviert Revolutionen, schleichende wie abrupte, und reißt die Kultur nieder, er wirft die Menschen in identitätslose, regressive Persönlichkeitsstadien und Androgynie, entwertet Geschichte zur Aneinanderreihung menschlicher Bosheit, macht deren Träger zu Ausgeburten der Hölle, und befördert damit den Feminismus (auch dieser Ausspruch ist von Rousseau: das Gute sei im Weibe) in den Rang einer Kämpferin für das Wohl der Welt als Ganzes.

Man kommt an kein Ende, will man die Wirkgeschichte alleine dieses Gedanken untersuchen. Er "überfiel" Jean-Jacques Rousseau, als er im Alter von 37 Jahren, erfolgloser, unbedeutender Sekretär und stinknormaler Bourgeois, in einer Kutsche sitzt. Blitzartig kommt es ihm, schreibt er später. Er steigt aus, setzt sich unter einen Baum, denkt den Gedanken weiter. Mit einem Male ist ihm seine Sendung klar.




*280409*

Die wahren Helden

In Zusammenhang mit Amokläufen der letzten Wochen (in Deutschland und den USA) meinte ein amerikanischer Journalist, es sei heute eine "Privatisierung der Gewalt" zu beobachten. Die Menschen würden nicht mehr auf staatliche Regulierungen vertrauen, sondern die Gerechtigkeit selbst in die Hand nehmen.

So nebelhaft diese Aussage bleibt und bestenfalls als bereits weiterentwickelte Reaktion auf das längst in jeden Bereich greifende Gewaltmonopol hiesiger Staaten gesehen werden kann (wo also aus der Enttäuschung über den Staat, der zwar alles zu regeln vorgibt, aber die Ungerechtigkeiten nicht weniger, die Bedrückten aber noch wehrloser werden, weil keinem Ding mehr sein notwendiger "archaischer" Grau-/Randbereich zugestanden wird) - mir fielen bei diesen Aussagen augenblicks die typischen Produkte amerikanischer Kunst- und Unterhaltungsindustrie ein.

Denn gerade die modernen Heroen - von Rambo über Superman, Batman, Terminator, Bruce Willis-Typologien, etc. etc., ja nahezu das gesamte dramaturgisch-dramatische Inventar des amerikanischen Films von Beginn an - sind allesamt Heroen der Selbstjustiz! Bestenfalls (wie zum Beispiel in "Erin Brockovich") dient das Rechtssystem noch späterer Junktimierung, häufig nachdem es "auf Vordermann" gebracht wurde (wieder: nach den Maßstäben der Helden)

Mit dem schwindenden Einfluß europäisch-abendländischen Geistes aber (wie in der Emigrantengeneration seit den 1930er Jahren, die Hollywood regelrecht aufgebaut hat) bleibt dem amerikanischen Medienerzeugnissen kein anderes dramaturgisches Schema mehr kennzeichnend: der Kampf des Einzelnen gegen den Staat, gegen die Gesellschaft, der seinem Gewissen und seinen Vorstellungen von Gerechtigkeit folgt, und vor keinem Mittel zurückschreckt.

Wen wundert da noch ein Amokläufer? Videospiele sind dabei lediglich Training für den moralischen Hintergrund - den die Dramaturgie der Welt, wie sie gelehrt wird, vorgibt.

Ein Selbstmord mancher dieser Amokläufer mag nichts sonst mehr sein als ein erschrecktes Aufwachen, daß die Gesellschaft plötzlich doch anders reagiert, als er es sich vorstellte und erwartete. Im Grunde das einzige wirkliche Drama, das sich hier abspielt: ein Drama der Zweitwirklichkeit, das mit einem Gott und Richter rechnet, der in den Drehbuchstuben Hollywoods sitzt, und "weiß, wie es wirklich war".




*280409*

Samstag, 25. April 2009

Eine Art von Engel

Ein Schriftsteller ist eine Art von Engel,
der über den Himmel dahinschweift,
die Erde berührt
und dann heimwärts entschwindet.


(Gert-Klaus Kaltenbrunner)





*250409*

Donnerstag, 23. April 2009

Prophezeiung als Gradmesser

Vorhersagen, die eintreffen, sind der sicherste Beweis (diesen könnte man in der Tat wissenschaftlich nennen) für die Richtigkeit von Annahmen, noch mehr aber: für die Kenntnis der Materie, für die Zutreffendheit der Perspektive, des Lichts, unter dem eine Sache angeschaut wird.

Was also denkt sich der moderne Mensch, wenn er Tocqueville liest, oder Burke (beide publizierten vor zweihundert Jahren), oder Kelly (vor fünfzig Jahren), um nur einige wenige von so vielen zu nennen, deren Schriften wirken, als seien sie gestern verfaßt worden und hätten keine Vorhersage, sondern eine Zustandsbeschreibung geliefert.

Das Wahre steht dem geschichtlichen Geschehen immer quer, jenes wird von Antrieben bewegt, die erst bei richtiger Abstraktion erkennbar werden. Und diese Antriebe sind immer die gleichen, seit es den Menschen gibt.

Das Versagen der modernen, schon gar der populären Ansichten über Welt und Mensch wird deshalb am erschreckendsten deutlich, wenn man das Versagen der Vorhersagen ansieht. Auch an der Hysterie, mit der die Gegenwart versucht wird zu steuern, weil die Zukunft damit ins Okkulte sinkt.




*230409*

Mittwoch, 22. April 2009

Und reimt sich auf -ismus.

C. G. Jung meinte 1927, aufgrund seiner psychischen Befunde an den Patienten könne er sagen, daß die alten heidnischen Religionen in ihren urtümlichen Formen im kollektiven Unbewußten fortlebten und jederzeit wieder ausbrechen könnten. Sie würden dann auf dem Wege der Massensuggestion furchtbare Zerstörungen anrichten. "Unsere schrecklichen alten Götter haben nur ihre Namen gewechselt - sie reimen sich heute auf -ismus."

1932 warnte er (die Wiener): "Die riesigen Katastrophen, die uns bevorstehen, sind nicht physikalischer oder biologischer Art, sondern psychische Ereignisse. Wir sind in fürchterlicher Weise von Kriegen und Revolutionen bedroht, die nichts anderes sind als geistige Epidemien. Der Mensch ist heute den elementaren Mächten seiner eigenen Psyche ausgeliefert."

1937 sagte er an der Yale-Universität, zur künftigen Welt gehöre "ganz spezifisch" die Massenvernichtung Andersdenkender, und wenn sich Menschenmengen zusammenrotteten, werde die Dynamik des Kollektivmenschen entfesselt: "Bestien oder Dämonen, die in jedem Einzelnen so lange schlummern, bis es der Teil eines Pöbelhaufens geworden ist." Hysterie, meinte Jung, könne in der Individual- wie Kollektivseele aus dem Gefühl der Unterlegenheit oder Minderwertigkeit resultieren, aus dem Wunsch, diesem Gefühl durch Selbstvergötterung oder Lügen zu entrinnen - oder durch Umschlagen einer Angst vor dem Verfolgtwerden, in dem heftigen Drang der Verfolgung anderer.




*220409*

Übereinstimmende Analysen zum Kulturverfall


Kelly faßt in "Die hungernde Herde" die Theorien zahlreicher und renommierter Kulturphilosophen und Kultursoziologen der letzten Jahrhunderte zusammen: Alle sind der Auffassung, daß sich die abendländische Kultur in ihrer letzten Zerfallsphase befindet.

Die Merkmale solchen kulturellen Verfalls sind zusammengefaßt bei allen (als gemeinsamer Nenner von Spengler über Toynbee zu Berdjajew, Sorokin, etc. etc.):

- Verweltlichung der Kunst, der Ethik und des Rechts sowie
   der allgemeinen Haltung
- Verfall der schöpferischen Intuition zugunsten des
   technischen Raffinements, das die geniale Leistung ersetzt
- Quantität ersetzt Qualität
- Familie und körperschaftliche Beziehungen treten zurück,
  Vertragsverhältnisse ersetzen sie
- Ausübung von Zwang gegen den Einzelnen wird
  vorherrschend
- Emporwachsen von Riesenstädten, in welchen sich entwurzelte anonyme Massen fluktuierender 
  Individuen ohne Eigentum und Tradition bilden
- Vernichtung der schöpferischen Minoritäten des Mittelstands durch verantwortungslose Neureiche
  und Diktatoren

Übereinstimmend (!) heißt es bei sämtlichen Kulturphilosophen auch, daß diese letzte Phase zunächst durch einen Versuch religiöser Erneuerung verschleiert wird (Spengler: "Zweite Religiosität"; Toynbee "Universalkirche"; Berdjajews "kommende neu-mittelalterliche Kultur", Schubarts "messianischer Prototyp"; ich füge hinzu: "Erneuerungsbewegungen"; "Die Kirche der Zukunft wird mystisch sein, oder sie wird nicht mehr sein"; "Neues Pfingsten"; etc. etc., die meiner Einschätzung nach Religiositätssimulation fordern oder gar sind; Ähnliches gilt natürlich auch u. a. für die Esoterik)

ALLE sind der Meinung, daß keine rein rationale oder empirische Philosophie, keine utilitaristische Berechnung eine neue Zivilisation oder Kultur schaffen könne. Nur aus echter, intuitiv erlebter Religion sei eine Wiedergeburt zu erwarten, und immer müsse die neue Kultur zuletzt durch die Vereinigung der intuitiven, rationalen und Gefühlswerte ihre Reife erlangen.

Überwiegend werden in den Analysen neue Zentren neuer Kultur prophezeit wie geortet, unter anderem von Rußland ("Zeitalter der Slawen") über Indien oder China.

David Kelly, der nicht an die Schicksalshaftigkeit der Entwicklung einer Kultur glaubt, diese Zyklen-Gläubigkeit für einen der Mythen des 19. und 20. Jahrhunderts hält, schrieb sein Buch 1955.




*220409*

Kaum zu greifender Fisch

Liest man Montaigne über längere Zeit, erfährt man regelrecht sinnlich, wie sich alles Denken in seinem Skeptizismus auflöst, demgegenüber sich innerlich Skepsis meldet: Man wird ärgerlich angesichts einer immer deutlicher werdenden Absicht, sich auf jeden Fall einer geordneten Denkweise zu entziehen, weil man sie nahezu als Faul- und Feigheit erlebt, die Dinge schlichtweg nicht auf einen Punkt zu bringen.

Vor allem im zweiten Band seiner Essays zeigt sich dies durch deren Ziel- und letztlich sogar schon Aussagelosigkeit. Bei aller Frische, die man in seinen Schriften oft genug findet und die deren Lesen zu einer Art "Spiel am lauen Sommerabend" machen. Dort hörte ich auf, seine Gedanken werden zum leeren Gescheppere, langweilig. Ständige, fast prinzipielle Skepsis trägt einfach nicht.

Angeblich hat er diese Haltung im dritten Band bereits etwas überwunden. Ich werde es zu späterem Zeitpunkt testen.




*220409*

Revolutionen aus Langeweile

Ob nicht alle Revolutionen und Umstürze von jenen Schichten initiiert werden, die man am umfassendsten mit "gelangweilte Wohlstandsbürger", manchmal auch mit Boheme, bezeichnen könnte.

Jede Geschichtsinterpretation unterliegt ja einer Sicht der Dinge, ist eine Ordnung von Fakten unter dem Gesichtspunkt einer jeweils vermeinten Ursache-/Wirkungsverkettung. Am massivsten erfolgte solche Geschichtsverklitterung immer durch Veränderungsabsichten (damit solche werdende:) politischer Kräfte und Ideologen.

Das trifft nicht nur auf Rußland 1917 zu, sondern fiel mir erneut auf, als ich Bemerkungen von David Kelly und, als zweite Meinung, Bernard Fay zur Französischen Revolution las. Beide sind der Ansicht, daß die Französische Revolution von der Rebellion des (degenerierten) Adels ausgelöst wurde, sofern man überhaupt von einem einheitlichen, überschaubaren Geschehen sprechen kann (Fay in "Die große Revolution 1715 - 1815") Fay geht davon aus, daß man um dieses Geschehen zu begreifen, das ganze Jahrhundert - von Ludwig XIV. und Richelieu an - in seiner Gesamtbewegung sehen muß.

Keineswegs aber handelt es sich um eine "soziale Revolte" - nachweislich war der allgemeine Wohlstand, jener der Bauern, um 1789 so hoch wie kaum je zuvor. Da war es noch weit eher denn eine soziale Bewegung, eben ein Versuch des Adels, den König zu stürzen, der seine Macht beschnitt: Lediglich als Revolte gegen die Autorität aus jeweils verschiedensten Ursachen einte er die Revolutionäre. Ihr Zusammenwirken war einer jahrzehntelangen Wühlarbeit im öffentlichen Bewußtsein weit direkter vergleichbar als einer gezielten politischen Arbeit. Der (ungeliebte) König Ludwig XVI. samt seiner (noch ungeliebteren, auch dem König gegenüber kontraproduktiven) Frau war schließlich allen gemeinsamer Feind.

Interessanterweise finden sich parallele Entwicklungen in mehreren europäischen Ländern, unter anderem in Portugal.




*220409*

Mittwoch, 8. April 2009

Zeitlos gültig

Heinrich Heine nennt Tieck die "Astrallampe der Teegesellschaften". Je schwächer der Tee (Heine: wie in Berlin) umso mehr muß die Lampe poliert, aufgebauscht und akklamiert werden, um ihr Licht zu geben. (Heinrich Heine; Die Romantische Schule)

Aber nicht nur bei diesen seiner Schriften muß ich mich immer wieder vergewissern, daß sie tatsächlich vor 200 Jahren geschrieben waren, und nicht heute.

Carl J. Burckhardt muß es 1939 (er war Völkerbund-Kommissar für und in Danzig) ähnlich gegangen sein: Er weist auf die prophetischen Worte Heines hin und liest man sie nach, kann man nur staunen, wie exakt Heine (Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland) den Nationalsozialismus (der genauso gut Kommunismus heißen hätte können) vorhergesagt hat.




*080409*