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Dienstag, 12. Oktober 2010

Die Als-ob-Identität

Von der Identität im Zeitalter der Identitätslosigkeit.





Gefunden bei 2headedsnake

Machismo

Was wirklich zählt: Männliche Furchtlosigkeit.

Montag, 11. Oktober 2010

Die, die man verdient

Weil man eigentlich nur erkennt, was man in sich trägt - was man also IST - so wählt man auch jene, die diesem Erkenntnisstand entsprechen. Denn zu entscheiden ist nicht Sache eines "rationalen Diskurses" - dieser sicher nur das ab, was letztlich dem Erkennen zugrundeliegt: die direkte Anschauung.

Wirklich zwischen gerechte und ungerechte Führer zu unterscheiden, fehlt dem Volk das Beurteilungsinstrument, fehlen die Kriterien. Somit wird es den Sophistiker wählen, den der "schön redet und behauptet" - der Philosoph wird als bedrohlich empfunden, weil er alles hinterfrägt, keine Sicherheit zuläßt.

In diesem Sinne muß der Satz "Jedes Volk erhält jene Führer, die es verdient" verstanden werden.

Weil das Volk, die Masse, wirklich selbstloses Handeln sich nicht vorstellen kann, ist auch der noch so hochstehende Philosophenkönig nicht vor Mißtrauen gefeit - Mißtrauen, wie es der Sophist setzt, der Schönredner. Und aus diesem Grund greift das Volk zur zweitbesten Regierungsform weit eher, als zur vollkommenen, dem Staat der von einem Weisen geführt wird, und klammert sich an den Verfassungsstaat. (Spaemann)

Denn wie bei Adam und Eva, ist es das Mißtrauen, das vollkommene organische Gefüge zerbricht.

***

Daß das philosophische Wissen eigentlich, wenn es an seinem höchsten Punkt angelangt ist, nicht mißbraucht werden kann [weil im Wissenden das erlebte Gut - in der Lust - mit der erkannten Ordnung zusammenfällt, während das Wesen der Sünde ja genau dieser Auseinanderfall ist, Anm.] weiß die Menge nicht, vor allem, weil sie erlebt, daß es sehr wohl mißbraucht werden kann: dann nämlich, wenn es an seinem höchsten Punkt noch nicht angelangt ist. 

(Robert Spaemann, in "Platons Philosophenkönige")

Mit diesem institutionalisierten Mißtrauen ist also das Beste ausgeklammert! Allerdings ist auch dem Schlechtesten vorgebeugt, vor allem, wenn der Mythos vom vollkommenen Staat lebendig und heilig bleibt, oder große Vorbilder, die sich gegen alle Regeln bewährt haben, in Erinnerung bleiben.

[Das Bemühen um Exzellenz, wie hier schon mehrfach ausgeführt wurde, ist also in Österreich nicht zufällig - und nicht zufällig, dafür zunehmend zwangsläufig, von Erfolglosigkeit begleitet.]
 

*111010*

Ein-Bild-Geschichte als Filter

(Bei Betrachtungen über Giotto und Franz v. Assisi:) Von Anfang an hat der Maler das Bestreben, daß der Betrachter erkennen solle, was er da male. Und an diesem Bestreben fördert wie beschreibt sich der eigentiche Sinn der Kunst!

Denn Giotto filtert aus einer Episode des Franz (die er der Vita des Hl. Bonaventura entnimmt) das "Wesentliche", und zwar so, daß er zu jenen Schlüsselmomenten und -details kommt, die in ein Bild zusammengefaßt die ganze Geschichte erzählen.

So vertieft Giotto sich in die Figur Franz, und in die Umgebung, in der die jeweiligen Geschehnisse gespielt haben, und beginnt dadurch nachzuerleben, was in den Menschen vorgegangen ist (bzw. sein mag), wie das ihr Verhältnis zur Umgebung bestimmt hat. Und kann aus diesem Erlebensschatz heraus dann alles auf das Wesentliche eingedickt darstellen.

Diese Charakterisierung muß präzise sein, denn Giotto braucht alle Gesten, Blicke, Andeutungen, sie sind wesentlich für die Bilder, in denen sich ja Zeit auf ein Bild komprimieren muß. (Den Ausweg mancher Maler der Zeit, in ein Bild dieselben Figuren mehrmals zu malen, um so das Nacheinander zu erzählen, lehnt Giotto als unkünstlerisch ab.)

So wird seine Kunst konzentriert, und so wird das Bild auch erkennbar: Denn Giotto will etwas erzählen. Und jeder Ausdruck trägt etwas zur ganzen Geschichte bei. Die künstlerisch Abstraktion läßt die Zeit auf einen Allblick - wie jener Gottes! - gerinnen, und sie leitet aus dem Besonderen das Allgemeine ab - die "Idealisierung".

Der Weg Giottos führt über die Vielfalt des Lebens des Franz, die in Höhen und Tiefen quasi das Universum des Menschen repräsentiert, zu seinen späteren meisterlichen Arbeiten über das Leben Jesu. Dessen Regungen kennt er. Von Franz her.

Aber damit kommt die Kunst Giottos an einen Punkt, wo der, welcher den Heiligen Franz verstehen will, dies zuerst aus den Fresken Giottos kann, ja in deren Betrachtung tun muß, wie mancher meint.  


*111010*

Exorziertes Geld

Es klingt simpel, so simpel, daß man es für unwichtig halten könnte, was Ayn Rand einmal in Atlas Shrugged schreibt:

"Geld ist des Teufels," sagte sie. 

"Geld? Geld ist nichts anderes," antwortete Francisco d'Anconia, "als die materialisierte Gestalt des Prinzips, daß zwei Menschen miteinander einen Handel abschließen wollen, in dem Wert gegen Wert steht. 

Geld ist ganz sicher kein Instrument für Schmarotzer, die Dir unter Tränen deine Ware abluchsen, oder für Straßenräuber, die Dir Deine Ware mit Gewalt abnehmen. Geld gibt es überhaupt nur durch jene, die etwas produzieren. Nennen Sie das teuflisch?

Wenn man eine Ware produziert, so tut man das nur, weil man davon ausgeht, daß man einen Gegenwert erhält, und zwar das, was der Anstrengung eines anderen entspringt. Kein Schmarotzer aber wird Dir jemals Gegenwert geben - keine Gewehre der Welt, und erst recht keine Tränen, können Dir diese Fetzen Papier in Deiner Brieftasche in Brot verwandeln.  

Diese Geldscheine hier, die eigentich Gold sein sollten, sind an die Ehre geknüpft - an den Glauben, daß es jemanden gibt, der ebenfalls seinen Schweiß einsetzt. Diese Brieftasche ist nichts als ein Zeichen der Hoffnung, daß es irgendwo auf der Welt, die Dich umgibt, Menschen gibt, die nicht auf dieses Versprechen, das Geld bedeutet, pfeifen, sondern die es ernst meinen mit ihrer Moral. Nennen Sie das also teuflisch?

Dann gehen Sie her, und zerlegen Sie diese Maschine, die etwas produziert - wollen Sie im Ernst behaupten, daß dies rohe Muskelkraft stumpfsinniger Arbeiter geschafft hat? Nein, aller Leistung liegt der menschliche Geist zugrunde. Versuchen Sie auch nur ein Korn Weizen zu säen, ohne zu wissen, worauf es ankommt - sie werden kein Brot haben, wenn Sie nicht tun, was irgendwann einmal ein Mensch herausgefunden hat: daß es so und so nur wächst. 

Sie meinen immer noch, daß es des Menschen Muskelkraft ist, die das alles hervorbringt? Nein, Madame, es ist der menschlicheGeist. Sie meinen also wirklich noch, daß Geld dort geschaffen wird, wo nichts erfunden wird? Daß die Intelligenten auf Kosten der puren Muskelkraft in Saus und Braus leben? Daß die Fähigen von den Unfähigen leben? Die Ehrgeizigen von den Faulen? Ehe auch nur irgendein Faulenzer und Schmarotzer Geld ausgeben kann, muß es jemand herstellen. Und jeder ehrliche Mensch stellt es her - jeder, der weiß, daß er nicht mehr verbrauchen darf, als er erwirtschaftet.

Mit Geld Handel zu treiben ist deshalb das Markenzeichen des Menschen, der guten Willens ist. Und es ruht auf auf der Voraussetzung, daß jeder Herr seines Willens und seiner Kräfte ist. Deshalb hat niemand das Recht, Löhne oder Preise vorzuschreiben. Nur zwei Menschen, die diesen Wert geschaffen haben, können sich gegenüberstehen und  als freie Menschen abschätzen, was an eigener Anstrengung ihnen das Produkt des anderen wert ist. Niemand hat das Recht, in diesen Akt freier Menschen einzugreifen. Die Menschen müssen wissen, was an Anstrengung hinter dem Ausgegebenen steht, nur so kann sich ein fairer Preis finden. Als Austausch von Gütern, von Werten - nicht von Leiden. Nur so wird auch der beste als Sieger hervorgehen, und nur so dient er seinem Land am meisten: jeder soll das haben, was er verdient, was er zu leisten vermag. Mit einem ehernen Gesetz, das sich dann bewahrheiten wird: kein Mensch sollte unbedeutender sein als sein Geld! Andernfalls wird das Geld ihn vernichten. Vererbe es deshalb nie an Unwürdige - Geld kann ohne seine Wurzeln nicht leben.

Oder legt die Sache nicht so, daß sie das Geld teuflisch nennen, weil es sie an ihre eigene NIedertracht, sich selbst an eine nichtswürdige Arbeit an einen nichtswürdigen Arbeitgeber verkauft zu haben? an ihren Betrug, die Qualität vermindert zu haben, ohne daß der Kunde es bemerkt hat? an ihren unberechtigten Bezug? erinnert? Geld schenkt Ihnen nie das, was sie nicht verdient haben."

***

Los Angeles: 319.000 Einwohner

Im Jahre 1910 hatte Wien rund 2 Millionen Einwohner. Damals wurde in den USA eine Volkszählung durchgeführt. Los Angeles hat heute rund 4 Millionen, mit näherem Umland 13, mit weiterem Umland 18 Millionen Einwohner. 

1910 erhob man folgende Einwohnerzahlen:


*111010*

Dem Tod von der Schaufel

Eine unglaubliche Zusammenstellung von unfaßbar knappen (gefilmten) Momenten. Es bleibt einem die Spucke weg. Einfach "Glück"?


Gefunden bei thedailywh.at | via Glaserei

*111110*

Sonntag, 10. Oktober 2010

Seinen Platz gefunden

“It is a portrait of Howard Weamer. For the past 35 years he has spent his winters as a hutkeeper in Yosemite’s backcountry. He fills his days writing, reading, photographing, and being an ambassador to mountain culture. This is a brief look into his world and why he chooses to stay.”

 
*101010*

Im tiefen Wald

Erstmals wurde nun eines in Laos gefangen, aber es verstarb binnen weniger Tage: das erst 1992 entdeckte "vietnamesische Waldrind" oder "Saola" gilt als kleine Sensation. Man hielt es Ende des 20. Jahrhunderts für ausgeschlossen, daß es noch größere, unentdeckte Säugetiere auf der Erde geben könne. Da wurde es erstmals von Wissenschaftlern beobachtet. Die Einheimischen hatten ja immer wieder von diesem etwa rehgroßen Tier berichtet, das extrem scheu und verborgen lebt. Von diesem Männchen konnten die extra angereisten Forscher gerade noch ein paar Photos machen, dann starb es. Sein Kadaver wird nun untersucht, um endlich mehr über dieses so unbekannte Lebewesen mit den zwei geraden langen Hörnern zu erfahren, von dem angenommen wird, daß es nur noch so wenige Exemplare gibt, daß es eher aussterben könnte, als man es studiert hat. Bislang waren die wenigen gefangenen Exemplare rascher eingegangen, als ein Forscher anreisen konnte.



*101010*

Einfach erzählt

Wieder. Ich hab's gewählt, weil es immer wieder ein Genuß ist zu sehen, wie man erzählt. Wie etwas sich erzählt. Kein Wort ist notwendig. Aber eine ganze Geschichte, mit wenigen Entscheidungen, hat sich transportiert. Wir wissen alles. Dasselbe betrifft das Schauspiel: da braucht es keine hochgekochten Kindheitstraumata und erinnerte Gefühle und innere Gestimmtheiten ... Es braucht auch keine Regieanweisung, wie "man" in so einer Situation handelt, fühlt, denkt, was auch immer.

Es braucht nur die paar Handlungen. Aus. Alles erzählt, wie immer der Bursche dreinschaut, ja sogar je unerwarteter er dreinschaut - alles liefert uns Details, die dann ein buntes und vielschichtiges Ganzes ergeben.

Und: es braucht das, was der Betrachter hat. Es braucht Respekt dem Schauspieler gegenüber. 


*101010*

Gerechtigkeit gibt's nur persönlich

"Gibt es so etwas wie einen rationalen Diskurs in der Philosophie? Ja, es gibt ihn; aber es gibt ihn nur, wenn wir Rationalität primär als Eigenschaft von Subjekten verstehen und nicht als eine von Subjekten abgelöste Struktur.

Es gilt hier das Gleiche wie für Gerechtigkeit. Das Problem der Gerechtigkeit ist nicht ablösbar ohne Rekurs auf Gerechtigkeit als Tugend von Individuen. Gerechtigkeit ist die Bereitschaft eines Individuums, einen für alle zumutbaren Verteilungsschlüssel anzuwenden. Wo nun alle tatsächlich zustimmen, existiert das Problem des Verteilungsschlüssels gar nicht. Das politische Problem entsteht ja dort, wo NICHT alle einverstanden sind. Da müssen die, die mächtig sind und über den Verteilungsschlüssel zu entscheiden haben, so entscheiden, daß sie dabei die Zustimmung aller antizipieren. 

Ob der Verteilungsschlüssel für alle zumutbar ist oder nicht, das hängt nicht davon ab, ob die Betroffenen tatsächlich zustimmen - darauf kann man nämlich nicht warten -, sondern ob der, der die Entscheidungsmacht hat, sich von dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit leiten läßt. 

Gerechte Entscheidungen sind dann in erster Linie solche, die von gerechten Individuen getroffen werden, d. h. von solchen, die die Tugend der Gerechtigkeit besitzen."

Robert Spaemann, in "Der Streit der Philosophen"

*101010*

Definition der Armut

Als völliges Absterben definiert Franz von Assisi die Armut, wie er sie versteht, und wie sie dem Orden in strengster Form zugrundeliegt, und später sogar bei den Jesuiten in gleicher Weise sich wiederfindet. Sie ist ein völliges Verfügbarsein, wozu es die Beweglichkeit des Pilgers braucht, der keinem Ort und damit keinem Besitz verhaftet ist.

"Nimm einen leblosen Körper und setze ihn wohin du willst; du wirst sehen, daß er der Bewegung nicht widerstrebt, nicht murrt über die Lage, nicht verlangt, losgelassen zu werden. Wenn man ihn auf die Cathedra erhebt, so wird er nicht nach oben, sondern nach unten blicken, in Purpur gekleidet, um so bleicher erscheinen. Dies ist der wahrhaft Gehorsame."

So sagt es jener Mann, auf den sich die entscheidende Wende des Abendlandes, zum Individualismus hin, beruft, auf dem sie gar aufruht. Nur so aber wird der Mensch frei für seine tiefsten Ursprünge, die zeitlos an die Tür pochen, um wirklich zu werden.

Es ist das Konzept der Kunst (und es Künstlers) schlechthin. Es ist die Treibkraft zur Renaissance, der Erneuerung der Kultur aus den tiefsten Quellen des Menschseins überhaupt.

*101010*

Das Wesentliche übersehen

Mit der dramatischen Technik, schreibt Bremond einmal, auf die aristotelische Poetik als Technik (nicht als dem Röntgenblick auf einen legendigen Organismus entsprungener Einblick in ein Skelett) reduziert, verhält es sich so, als würde man vom Christentum sprechen, ohne das entscheidende Kriterium zu nennen: Daß nämlich Jesus Gottes Sohn ist, und damit Gott ist.

Damit bleibe hier wie dort nur eine tote Technik übrig, die aber mit dem Ganzen nichts mehr gemein habe.

 
*101010*

Samstag, 9. Oktober 2010

Sein ist Wissen

Das Gute zu wissen heißt, mit dem Guten zusammenfallen, heißt es auch tun - hier gibt es keine Differenz mehr. Da braucht es keine weiteren Tugenden mehr. Denn im Erkennen zum Erkannten werdend ist gleichbedeutend mit das Gute sehen - und es abbilden.

Bei der Gerechtigkeit ist es umgekehrt: sich der Gerechtigkeit zuwenden heißt, sie auch schon haben.

Nach Plato

*091010*

Spielgefährten?

Kinder wollen Eltern. Ganz einfach. Ältern.

Poesie ist aber auch nicht Irrationalität

Aber das sind alles nicht die Probleme der heutigen Poesie, der Kunst, der Literatur, der Theaterkunst. Vielmehr muß man sie in der Gesamtbewegung von Descartes her sehen, auf dessen Boden wir Aufgeklärte seither stehen: als Anbeter des Verstandes, einer auf den Rationalismus abgehalfterten Vernunft.

Und auf diesem Boden stehen wir, ausnahmslos. Und von dorther wurde das Fehlen des Poetischen zweifellos bemerkt. Dieser Mangel wird - auf sehr rationalistische Weise! wie grotesk! - dadurch behoben daß man das Helle, den klaren Gedanken, wieder vernebelt ...

Genau so sieht es heute über weite Strecken in der Kunst aus, die als Folge das Identifizierbare verloren hat. Das Poetische wurde ersetzt, in Täuschungsabsicht ersetzt, durch das Irrationale, ja: Widerrationale. Und häufig begegnet man Bewegungen, die es geradezu ihr Programm sehen, das Rationale zu düpieren.

Diese "Irrationalität" ist nichts anderes als neuerlicher Rationalismus.

***

Umgelegt auf den wahren Satz, daß alles Religiöse im Entstehungskern mit der Poesie in eins fällt, ja eins das andere ist, läßt sich in der Religion exakt dasselbe sagen: um dem Rationalismus, auf den die Vernunft reduziert wurde, zu entfliehen, wurde die ausgeübte Religion - die Dichtung des Religiösen, die Liturgie, das Gebet - wieder vernebelt. Das Ergebnis? Die Esoterik. Die Schwärmerbewegungen. Die Erneuerungsbewegungen.

***

In einer Arbeit über Wordsworth fand ich ein Beispiel, es deutet ein wenig an, was gemeint ist:

Wordsworth veröffentlichte einen Vers wie folgt:
A thing of beauty is a joy for ever

In einer früheren Fassung hatte der Dichter noch stehen:
A thing of beauty is a constant joy

Erst mit "a joy for ever" beginnt etwas zu fließen, was zuvor im bloßen verstandesmäßigen "Sinn" begrenzt und erstickt war. Rein rational ist der Unterschied aber nicht wirklich auszumachen, ja in gewissen Bedeutungsbezirken völlig gleich. Die Vernunft bleibt, sie wird aber ins Uferlose erweitert.

 
*091010*

Das Leben weht immer

Ich weiß nicht so recht, worauf Hubert Maria Dietrich hinauswill, und die Gedanken scheinen nicht ganz klar, was man an den Versen merkt. Aber man mache sich selbst ein Bild.


*091010*

Tragödien

Viele, quer verschachtelt, offen und subtil. Eine war es dann wirklich. Das Wesen der Tragödie ist der Konflikt zwischen Gütern, die ein Abwägen notwendig macht. Aber es unterliegt ein objektives Gut, das - und der wird damit gezeigt - im Konflikt als weniger wichtig gereiht wird. Tragisch, wenn es dann doch, objektiv, wichtiger war.


*091010*

Spartan Golf Club

Das Logo.



Gefunden auf designshack
 
*091010*

Erlaubte Ironie

Es gibt sie, Produkte, wo der Schwanz mit dem Hund wedelt. Aber gibt es das wirklich: attitudelessness? Jede Eigenschaft weist immerhin auf die Qualität (als: Bestimmbarkeit, Definiertheit) ihres Trägers hin.
 

*091010*

Gerechtigkeit des Staates

"Es gehört auch zur Gerechtigkeit, die eigene Entscheidung über die Zumutbarkeit für andere am wirklichen Urteil der anderen auszusetzen. Nicht, als ob der reale Konsens das Kriterium für die Berechtigung des eigenen Urteils wäre. Aber es gehört zur Gerechtigkeit, daß die von den Betroffenen vorgebrachten Gesichtspunkte ernsthaft in die eigene Überlegung, in die Rechenschaft des Entscheidenden vor sich selbst, eingebracht werden. 

Wo dies nicht geschieht, muß unterstellt werden, daß es ihm bei seiner Entscheidung in Wirklichkeit doch um partikulare Interessen geht. Die Demokratie gewährleistet nicht den Rechtsstaat. Aber der Rechtsstaat, der sich der demokratischen Kontrolle entzieht, steht in dem unaufhebbaren Verdacht, keiner zu sein."

Robert Spaemann, in "Der Streit der Philosophen"

*091010*

Freitag, 8. Oktober 2010

Enteignung der Dichtkunst

Henri Bremond vergleicht den Versuch des Aristoteles (mit dessen "Poetik") einem Staatsstreich: Aristoteles will dem Dichter sein eigentliches Instrumentarium entwinden, und die poetischen Erzeugnisse über die reine Technik herunterbrechen.

Aber gerade die antike Tragödie, das antike Drama, so Bremond, lebt in seinem Zauber nicht von der Stringenz der Handlung und der Spannung, zumindest nicht alleine. Vielmehr kann die Spannung eines Handlungsstranges das Erleben der poetischen Fülle, der Schönheit, verhindern, und der Betrachter (Leser) setzt an die Stelle des Genusses der Fülle - das Erleben eines Nervenkitzels, im Wechsel aus (der Identifikation) erwachsener Spannung (aus Mitleiden) und Entspannung (Erlösung).

***
 
Nach dieser Rechnung würde ein ausgezeichneter Techniker den Poeten überflügeln, würde ein Stückemacher den Poeten unnötig machen. Hollywood ist dafür übrigens ein hervorragendes Beispiel - denn dort überwiegt der Nutzenaspekt, die Dramaturgie, der "Plot", und die Poesie hat keinen Spielraum mehr. Darin unterscheidet sich der europäische Film zweifellos, auch wenn er bereits (vor allem bei den alltäglichen TV-Erzeugnissen) beträchtlicher Hollywoodisierung unterliegt. Während amerikanische Filmemacher, interessanterweise mit der Wanderbewegung des Filmbusiness von Hollywood nach Europa, respektive Deutschland (!), sich in Amerika bemerkenswerte Entwicklungen abspielen - erneut seien an dieser Stelle die Brüder Coen angeführt, die in den Augen des Verfassers dieser Zeilen eine Entwicklung geschafft haben, die weltweit beispiellos ist.

Umgekehrt sind selbst die schwächsten Filme Hollywoods zwar gut konstruiert, und scheinen allen Regeln der dramatischen Technik zu entsprechen, man kann sie mit der Stoppuhr kontrollieren. Aber gerade diesen fünfundneunzig Prozent aller Erzeugnisse fehlt etwas ... das auch das Publikum merkt, so sehr es schon den Nervenkitzel mit dem Genuß durch Poesie verwechselt.

***

Kardinal Newman ist es übrigens, der schreibt: "Es ist nicht wahr, daß bei einem dramatischen Gedicht die Führung der Handlung von solcher Wichtigkeit ist. Der vornehmste Reiz der griechischen Tragödie stammt nicht dorther. Je mehr die Verwicklung gefangen nimmt, um so mehr sind wir behindert, die wahre Poesie des Dramas zu empfinden.

Zwar sei es keine Frage, daß der Handlungsverlauf von großer Bedeutung sei, aber "alleine die Geste, wie der Blinde im Ödipus auf Kolonos sich erhebt und zu jener Stelle geht, wo er sterben muß. Man wird nicht müde, die Stelle wieder und wieder zu lesen." Wie anders die so klug geknüpfte Handlung im König Ödipus, so Newman. Nach dem ersten Genuß sei man gesättigt, und habe kein Verlangen mehr, die Handlung erneut zu erleben - sie sei bekannt, alsohin nur noch ein rein intellektuelles, kein geistiges und kein poetisches Vergnügen.

***

Bremond schreibt dazu: "Muß man etwas so Selbstverständliches noch erklären? Die Wissenschaft handelt vom Allgemeinen, die Poesie vom Besonderen. Die Wissenschaft kennt und regelt nur das Drama an sich. 

Nur: Es gibt kein Drama an sich. Nichts im Ödipus kündigt den Faust an; jedes neue Gedicht ist einzig in seiner Art: Ein Wunder."

***

Aristoteles, schreibt Bremond, habe das poetische Geheimnis nicht geleugnet, das stimme. Aber er habe es einfach verschwinden lassen. Es kommt in seiner Poetik nicht vor. Und dadurch habe er jahrhundertelang prosaischere Geister zur ausdrücklichen Verneinung verführt, die dem Dichter die eigentliche Dichtkunst entwinden wollten. Die gesamte Literaturgeschichte ist durchzogen von diesem Grundkonflikt.

 
*081010*

Hoffnung auf Strafe

Dante bestätigt in seiner Comedia/Inferno (Hölle) eine These, die mir schon so manche Beobachtung erhellte: er beschreibt, wie die "Kinder Adams", die Sündigen, Verworfenen, am Rande des Acheron (eines der Hauptflüsse der Unterwelt) sehnsüchtig warten, über-, der ewigen Qual zugeführt zu werden. Kaum legt der Fährmann Charon an, stürzen sie sich aufs Boot.

In der Sehnsucht nach Gerechtigkeit fokussiert sich der ganze Lebensweg eines Menschen. Und so läßt sich auch vieles bei den Menschen erst verstehen, wenn man es unter diesem Blickwinkel sieht: als Flehen um Strafe, als Schrei nach Sühne, nach Gerechtigkeit.

Nur wenigstens das. Denn im ersten Schritt begegnet Dante den Unzähligen, die nicht einmal gerichtet werden. Weil sie ihr Leben als entscheidungslose, laue Schatten gelebt haben, das Gute ebenso wie das Böse vermeidend. Weil sie "von Gott vergessen" werden, ausgespien, wie es an anderer Stelle heißt, bleiben sie in unendlicher Verzweiflung, weil sie nicht einmal sterben können. Der einzige, der sie bei sich haben möchte, ist Satan selbst.

Man erschrickt, denkt man über die auffälligste Charakteristik der heutigen Menschen nach, denn das Leben so vieler (Dante ist übrigens auch bereits entsetzt über die Menge, auf die er dort stößt) scheint sich so aufzulösen: im Versuch, sich aufzusparen, träge und faul; ein ganzes Leben, oft genug gelebt im Bemühen, allem Auszuweichen, bis es in die völlige Blässe versickert ist. Mit einer Hoffnung: wenigstens den Tod zu erleiden, um wenigstens gerichtet zu werden. Denn in der Ignoranz - für Dante ist die Luft in wirrem Geschrei, "wie in einem Sandsturm", gepeitscht - liegt des Menschen Wahnsinn, seine Auflösung, und doch wird er nicht wieder nichts.

Wenn Dante aber schreibt, wie diese von Fliegen und Wespen gepeinigt werden, wie ihre Haut geritzt und verletzt wird, fällt mir das Wort "Borderline" ein: die "Krankheit", in der man sich verletzt, um sich noch zu fühlen. "Die Armen, die zum Leben nie erweckt" heißt es bei Dante. Ohne Schmach, gewiß, aber auch ohne Ehre.

Warten sie nicht auch heute, immer auf Abruf bereit, mit Facebook und Twitter und immer online am Handy, auf Abholung, auf das Leben?


*081010*

Immer das Kind

Der Tag, an dem der Vater die Tochter entläßt. Schöne, berührend vielschichtige filmische Momente, in wahren Gesichtern, hervorragend gespielt.


 
*081010*

Schuldbewußte Bürger

Ein interessanter Gedanke, den Ayn Rand einen Regierungsbeamten in "Atlas Shrugged" aussprechen läßt, als er einen der Proponenten zu einem illegalen Geschäft überreden möchte: der Staat wolle ja, daß er die Gesetze breche. Und wenn die Menschen keine Gesetze übertreten würden, so würde man so lange die Gesetze enger und noch enger stellen, BIS sie - notgedrungen, erwartbar - die Gesetze brächen.

Denn der Staat ist an schuldigen Bürgern interessiert. Nur die kann er melken wie Kühe - nur deren Verhältnis zum Staat sei (einseitig) von schlechtem Gewissen belastet, und nur solche Bürger leiteten entsprechend Sühne. Freiwillig. Ohne Zwang. Nichts korrumpiert so sehr, wie Schuld!

 
*081010*

Theater. Erkenntnis.

Gefunden bei thisisnthappiness.com

*081010*

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Notwendige Leiblichkeit

Eine der Legenden rund um den Hl. Franz v. Assisi lautet wie folgt, und ereignete sich lange nach seinem Tode, der Hl. Bonaventura hat sie niedergeschrieben:

Giotto, Fresken Assisi - Die erwachte Frau
"In dem Kastrum des Berges Maranus, dicht bei Benevent, war eine Frau, die in besonderer Verehrung am Hl. Franz hing, den Weg alles Fleisches gegangen. Als aber die Kleriker bei Nacht, die Exequien und Vigilien mit Psalmen zu singen, zusammengekommen waren, erhob sich plötzlich angesichts aller die Frau auf dem Bette und rief einen, der dabeistand, nämlich ihren Paten, herbei und sprach: Ich will beichten, Vater! Denn gestorben bereits ollte ich einem harten Gefängnis überantwortet werde, da ich die Sünden,die ich dir offenbaren werde, noch nicht gebeichtet hatte. Aber der Hl. Franziskus, dem ich lebend mit fromm ergebenem Sinne gedient habe, bar für mich, und so ward es mir bewilligt, jetzt zum Körper zurückzukehren, daß ich durch die Enthüllung jener Sünde das ewige Leben mir erwerbe. Und siehe, vor euren Augen werde ich, habe ich sie geoffenbart, zur versprochenen Ruhe eilen. 

Zitternd also dem zitternden Priester beichtend, legte sie sich, nachdem sie die Absolution empfangen, ruhig auf das Lager zurück und entschlief selig im Herrn."

***
 
Die Hl. Theresia v. Avila beschreibt ihre Erfahrungen bei ihren Höllenvisionen als - mangels Leiblichkeit - völlige Unfähigkeit zur Bewegung, als Gefühl, eingemauert zu sein. 

Bei Dante sind die Verdammten eingefroren.

***

Kaum zu glaubendes Unwissen

"Erstaunlich, welchen Geistern damals [in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Anm.] die elementarsten Begriffe der biblischen Theologie fehlten, welche Ignoranz waltete - außer [Stefan] George nenne ich [Rudolf] Borchardt und Georg Simmel, außer Thomas Mann, Sigmund Freud und Rilke. Jedermann redete munter mit, aber keiner gab sich die Mühe, auch nur ein Konfirmanden-Wissen zu erwerben.

George begriff jenen Katholizismus, in dem er ja aufgewachsen war, nur als Brauchtum, als Angeborenheit, als eine Eigenschaft, die in der Sippe weitergegeben wird, und nun das Erstaunen darüber, daß diese Erbschaft ausblieb, Katholizismus nicht als Freiheit des Glaubenswagnisses, nicht als Entscheidung des Selbst, sondern als Äußerlichkeit."

"Gott weiß woher das kommt, daß ich vom Christentum, außer in seiner heidnischen Form, so gar nichts verstehe, ich bin doch, möchte man sagen, aus einer schon lange katholischen Familie ..." schreibt er.
 
Gerhard Nebel, in "Stefan George und die Entgötterung der Welt"
 
 
 *071010*

Freiwillig alles zu Füßen

Waren das noch Zeiten - als man den Frauen einfach gewährte, was immer sie begehrten. Als suchte man es geradezu. Und traute ihnen dennoch. Heute traut man ihnen nicht mehr - also erhalten sie nichts mehr freiwillig. Sie müssen darum kämpfen.

 
 
 
*071010*

Nur ein anderer Modus des Seins

Ein weitereichender Fehler, zeigt Daniel Feuling in seiner Metaphysik auf, ist die Rede von "Leid UND Seele". Wenn dies nämlich nicht metaphorisch verstanden wird, täuscht es eine Dualität vor, die so aber gar nicht existiert. Vielmehr sind Leib und Seele, sind alle vier Arten, in denen man ungeteilt von "Ich" spricht (als Indiz), nämlich Leib, Seele, Körper, Geist, nur jeweils ein Modus des menschlichen Seins. Also die Art und Weise, wie wir in jeweiligen Bezüglichkeiten "in der Welt" stehen.

Alle diese Begriffe beziehen sich auf ein identisches Menschsein, das sich nur unter je anderem Gesichtspunkt unterscheidet und entsprechend benannt wird. "Nur wer klar Leib, Seele, Körper, Geist als die modal-realen Daseinsweisen des Menschen faßt: nur der kann einwandfrei von Körper UND Seele, Leib UND Geist sprechen: aber dann eben in zwei sehr verschiedenen metaphysischen Realsinnen."
 
 
*071010*