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Mittwoch, 16. Dezember 2009

Mehr zu geben als sein Leben

Inschrift auf der Grabsäule eines jungen, kriegsfreiwilligen Kürassiers von 1914/18:

Wanderer, bleibe stehen und lies:
Noch ein junger Mensch war dies,
Sorglos, liebenswürdig, gut;
Auch für dich hat er sein Blut
Gegeben, da der Feind ihn traf - 
Schon zu ernst und viel zu brav,
Als daß je in sein Verschwinden
Sich die Seinen könnten findenl
Noch zu jung, um mehr zu geben
Seinem Lande, als sein Leben.
Wanderer geh; und denk im Wandern
Dieses hier, und all der andern.





*161209*

Dienstag, 15. Dezember 2009

Glaube ist nicht Wissen

Dieses 10-Minuten-Video sollte man sich nicht entgehen lassen - um sich ein Bild von der Rationalität der gesamten Angelegenheit zu machen. Lord Monckton interviewt eine Greenpeace-Aktivistin in Kopenhagen, die aus Norwegen angereist war, um mal ein wenig Druck auf die Klimaverhandlungen zu machen, damit die Erderwärmung endlich aufhöre. Zwar ist die Fragemethode des Engländers nicht immer wirklich charmant und fair, denn selbstverständlich "glaubt" man immer jemandem, und man ist auch nicht verpflichtet, jedes Detail ständig nachzuprüfen. Aber innerhalb dieser kurzweiligen 10 Minuten erhält man doch einen recht passablen sachlichen Einblick in die Gesamtproblematik.

So nebenbei: Mittlerweile bringt sogar der heutige KURIER die Stellungnahme "eines der profiliertesten Kritikers der Klimamodelle", der summa summarum alles bestätigt, was auch Lord Monckton dem jungen Mädchen um die Nase reibt. Und das soll bei den österreichischen Medien-Fähnchen im Winde was heißen.












*151209*

TAGesmüll - Die Krise selbst

Aus einem kurzen Überfliegen der Tagesmedien ein kurzer Überblick der zeigt, daß man nur noch verrückt werden kann, folgt man deren Meldungen, glaubt man deren "Informationen":

Dieselbe Martina Leibowici-Mühlberger, die unlängst im KURIER davon erzählte, wie psychisch gesund und normal (was ist normal, wenn normal alles ist?) Kinder angeblich (bzw. nach "Studien" - auch da: ist da ein Unterschied zu "angeblich"?) auch bei gleichgeschlechtlichen Erziehern aufwachsen, bietet nun wieder ihre "normalen" Dienste per Mail und Telephon an. Sehr vertrauenserweckend. Schon alleine ein Doppelname bei einem Ehe- und Familientherapeuten ...

Während die PRESSE schreibt, daß das TV im Wohnzimmer erledigt ist, von Video on-demand etc. verdrängt wird, und dabei sei die Jugend völlig zu verlieren, schreibt der KURIER das genaue Gegenteil: nicht nur, daß Jugendliche nach wie vor, und völlig unterschätzt bzw. hochgeredet, stinknormale Fernsehmuffel sind, die weit mehr Zeit vor dem Fernseher verbringen, als angesichts Internet etc. angenommen, steigt der Fernsehkonsum in den USA "in Zeiten der Krise" (alleine diese Formulierung ...) nunmehr sogar deutlich an.  Das kommt davon, wenn an nur jeweils die PR von einer Seite bekommt und abdruckt.

Und während der Finanzminister Pröll "die Nase voll von Kärnten" habe, wieder der KURIER, schreiben die Zeitungen, wieviel Geld uns - UNS - eine Insolvenz der Kärntner Alpe-Adria Bank gekostet hätte. Laut Standard (und Pröll) wäre eine Insolvenz für die Republik nicht verkraftbar gewesen. Hätte? Wäre? Wo waren denn die Aktiva, die uns das alles verkraften haben lassen? Ist das also nun vorbei? Mitnichten - nicht nur wird verschleiert, daß insgesamt bis zu drei Milliarden Euro blühen, auch jetzt schon, ist niemandem klar, daß dieses Geld theoretisch durch (am besten: zusätzliche) Gewinne genau dieser Bank in den nächsten Jahren wieder verdient werden sollten, sonst ist es nicht Geld, das nachgeschossen wurde, um höhere Verluste zu vermeiden, sondern kommt zu den Verlusten noch HINZU. Samt Arbeitslosen etc. Es ist eine wirtschaftsgeschichtlich im übrigen nachweisbare Tatsache, man muß es nur sehen wollen, daß noch JEDE etatistische Maßnahme, die Arbeitsplätze "schaffen" sollte, nach Jahren oder Jahrzehnten über die Geldvermehrung und die Inflation, die darauf unweigerlich folgt, die Ursache für genau den gegenteiligen Effekt war ... Solche Maßnahmen haben also keinesfalls wirtschaftlich rationale Motive, sondern ausschließlich kurzfristige politische! Weil diese Frohrechnereien über "zukünftige Erträge" noch nie so funktionierten, wie sie pausbackige smartgejoggte Wirtschaftsabsolventen und MBA-Lackschuhträger am Laptop aufzumalen gelernt haben.

So nebenbei: die Kärntner Hypo Alpe-Adria ist NICHT durch die Weltwirtschaftskrise in die Insolvenz geraten. Sie IST damit noch deutlicher erkennbar die Krise selbst. Die Hypo der Freunde unter Bajuwaren, wie es jemand nannte, war anders gelagert. Wird aber nun aus dem - nicht real vorhandenen! sondern: fiktiven, erst durch solche Maßnahmen real zu "neuem Geld" werdenden - Topf, der die Wirtschaftskrise bekämpfen sollte, bedient.

Im übrigen kann man den Bayern nur gratulieren. Gut verhandelt, alle Register meisterhaft gezogen, und damit viele Milliarden auf die "bad bank" geschoben und im Grunde damit: lukriert. Was bei den österreichischen Neurotikern allerdings auch nicht schwer war.

Was diese Themen hier, allesamt, vereint? Ich wähle den TAG: Lüge.

Den für Dummheit habe ich gar nicht erst eingerichtet, der wäre überstrapaziert. Ich führe einen neuen ein: TAGesmüll.




*151209*

Dramatisch übertrieben

Wenn es ein US-Klimaforscher sagt, dann muß ja was dran sein - Der KURIER schreibt heute in einer Schlagzeile, daß die Erderwärmung dessen Meinung nach "dramatisch übertrieben" werde. Das ist aber blöd - grad jetzt, wo selbst die Kirche (wie immer bei solchen Themen fünf Jahre zu spät, und auch nur dann, wenn alles bereits wieder widerlegt ist) die Dringlichkeit des Problems anerkannt und unter alarmierendem Glockengeläut und vatikanischen Mahnworten auch auf den apokalyptischen Gaul aufgesprungen ist. Wie kath.net berichtet, hat nun ein niederländischer Bischof sogar aufgerufen, am Freitag Fleisch zu fasten, um den CO2-Ausstoß dadurch zu verringern.

Irgendwelche christkatholischen oder protestantischen Laienorganisationen werden nicht lange mit einem noch radikaleren Vorschlag warten lassen. Vielleicht gehen alle nur noch an einem (pfarrweise zu vereinbarenden) Wochentag in die Messe - um Strom zu sparen. Um das Zwangsgemeinschaftskuscheln zu stärken. Wobei: längst gibt es solche weiteren katholischen Aktionen und Aktionsgemeinschaftgen, wie diese hier, die dann ungemein modern und kreativ "klima fair bessern" heißt, und die, in vielen vielen Sitzungen und Protokollen "erarbeitet", man ist ja so beschäftigt, die Weltgemeinschaft der "reichen Länder" (ja, die gibt es!) wirkungsvoll auffordern, endlich das Kyoto-Protokoll zu erfüllen - und damit ihrer christkatholischen Pflicht heldengleich Genüge tun.

Natürlich, unter dem Eindruck des 'Standard'-Artikels, wonach "Klimaforscher" warnen, daß der "globale" (gibt es auch einen anderen?) Meeresspiegel innerhalb dieses Jahrhunderts um 1,9 Meter steige (ah nein, steigen könnte), kann man schon in Panik verfallen. Und wenn der Mensch die Welt zerstört, BEVOR die Apokalypse kommt, also alles quasi ohne Beteiligung Gottes abläuft? Jesus zu spät zu seiner eigenen Parusie kommt? Ach so, verstanden, das war die PR-Abteilung von Greenpeace.

Seinen klaren Kopf beweist nämlich gleich derselbe 'Standard', und kämpft erneut um den Nimbus einer kritischen Distanz, wenn er in einem weiteren Artikel einräumt, daß die Gletscherschmelze 1940 viel viel rascher und dramatischer gewesen war. Aber gut, das war in der Schweiz, und von der wissen wir, wie das dort läuft. Patrick Michaels widerspricht aber mancher der Watschenmeldungen dieser Tage ebenfalls gründlich:

Der US-Klimaforscher Patrick Michaels (Photo, Anm.), der das CATO-Institute, einen einflussreichen konservativen US-Thinktank, in Klimafragen berät, gilt als einer der profiliertesten Kritiker der gängigen Modelle des Klimawandels. Mit dem KURIER sprach er über:

... Erderwärmung Man muss sich die realen Zahlen anschauen. Natürlich gibt es Erwärmung, aber die ist in den Modellrechnungen dramatisch übertrieben.

... Prognosen
Die Modelle gehen von massiv überhöhten Treibhausgas-Konzentrationen aus. Daher prognostizieren sie eine viel zu hohe Erwärmung - in der Realität liegen wir immer am untersten Ende aller Prognosen. Zu erwarten ist etwa ein dreiviertel Grad in den nächsten 50 Jahren.

... andere Folgen des Klimawandels
Wenn man sich zum Beispiel die Häufigkeit von Hurrikans in den wichtigsten Sturmzonen der Erde anschaut, muss man feststellen, dass sich die Häufigkeit dieser Ereignisse seit den 50er-Jahren nicht erhöht hat. Was das Steigen des Meeresspiegels angeht, sagt sogar die UNO, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis für einen so massiven Anstieg gibt, wie er von manchen Klimaforschern angegeben wird.

... Ursachen Natürlich hat der Mensch den Klimawandel mitverursacht, das steht fest. Doch diese Klimaerwärmung ist ein linearer Prozess mit einer konstanten Steigerungsrate.

... Kopenhagen Dieser Gipfel ist ein gigantisches Theater. Das Kioto-Protokoll ist gescheitert. Wieso soll ich also, wenn ich Ziel A nicht geschafft habe, es jetzt mit 20-mal A versuchen.

... Hintergründe Die Entwicklung wird aus politischen Gründen übertrieben. Gerade in der Politik in Washington dreht sich doch alles um Geld - und wer seine Anliegen mit Maßnahmen gegen den Klimawandel begründet, der bekommt daher mehr Förderung.

... internationale Maßnahmen Es hat doch keinen Sinn, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, nur um ineffiziente Technologien zu fördern. Wenn wir den Menschen ihr Geld zum Investieren lassen, wird das wirklich zukunftsweisenden Energieformen den Weg bahnen.




*151209*

Dichterische Figuren

Zwei Irrtümer herrschen in der Einschätzung von dramatischen Erzeugnissen:

1. Der Dichter würde Figuren schaffen - in Wahrheit kann er nur anregen, daß der Betrachter sich selber Bilder von Menschen formt.

2. Die sohin entstandenen Bilder seien so, weil die Wirklichkeit so sei - in Wahrheit entsprechen die offenbaren, dargestellten Handlungen der Menschen nur in den allerseltensten Fällen (bei "bedeutenden" Menschen, solchen also, die in vollem Selbstbesitz sind, und stets hinter alle Vordergründigkeiten blicken) den wirklichen Antrieben. Meist sind sie vordergründig motiviert, ein unentwirrbares Bündel aus Leidenschaften, Lastern, Tugenden, Vorstellungen, Gewohnheiten (!), Wünschen, und besonders ... Trägheiten. Weil aber auch das Publikum aus ganz unterschiedlichen Begabungen, Veranlagungen wie Erfahrungshorizonten kommt, schätzt es auch die Motivzusammenhänge der Handlungen völlig unterschiedlich, weil immer nach dem eigenen Daseinshorizont, ein. Im wesentlichen gibt es drei Ebenen, auf denen Figuren zu verstehen sind, bzw. handeln: der der Vorstellungsbilder von Figuren, wie sich diese also gehaben; der, wie sie von Leidenschaften getrieben werden; und jener, wie sie Seelen sind.

Vorausgesetzt, der dramatische Dichter hat genügend innere Festigkeit in der inneren Wirklichkeit der Figur, die er darstellt, erreicht und abgewartet, kann er aber niemals Widersprüche haben, weil die Figur immer dieselbe ist, über die er schreibt, die sich im wie ins Ohr sagt.

Eines ist deshalb gewiß: eine dichterische Figur psychologisch erklären zu wollen, oder zu müssen glauben, kann nicht möglich sein. Denn - vorausgesetzt, es gäbe sie überhaupt - wäre die (heutige, mechanistische, biologistische) Psychologie das Konstrukt der Person, würde überhaupt kein Drama (weil keine Freiheit) möglich sein.




*151209*

Montag, 14. Dezember 2009

Klimawandel und Studentenproteste

Was haben Klimawandelengagement und Studentenproteste gemein?

Bei beiden Themen hängt nur ein diffuses "es muß besser werden" im Raum, aber niemand weiß wirklich was er warum wollen soll, und schon gar nicht läßt sich zuverlässig belegen, ob man es überhaupt wollen soll. Und beide haben den "Wind der Medien" im Rücken, ja haben dem gegenüber sogar Rückstand. Und alle schreien sich in Panik zu: "Mein Gott, irgendetwas muß man doch tun! So tut doch endlich einmal etwas!"

Es soll halt einfach alles besser werden, damit es nicht schlechter wird. Also mal runter mit dem menschenverursachten CO2-Anteil, von derzeit 0,0019 Prozent der Atmosphärengase, auf sagen wir ... 0,0017, oder noch besser: 0,0016, ach was, runden wir doch ab: auf 0,0015 Prozent der Atmosphärengase! So viel ist menschenverursacht. Maximal. Aber im Grunde ... weiß man nicht einmal das so genau. Es schwankt zumindest. Und schaden tut es sicher nicht.

Auf alle Fälle aber hilft das Allheilmittel der letzten Jahrzehnte, damit hat man noch alles in den Griff bekommen: deshalb verlangt man für beide Themen einmal mehr Geld. Das kann auf keinen Fall schaden. Für die Forschung. die hat das noch immer hingekriegt. Die Ölkrise. Den sauren Regen. Das Waldsterben. Das Ozonloch. Den Kometenaufprall.

Oder war das Letztere nur ein Spielfilm? Und: spielt das überhaupt eine Rolle?

Das wird die Wissenschaft auch noch rausfinden. Seind mer froh, daß mer se ham.




*141209*

Epiphänomenologie

Epiphänomenologie bedeutet, daß ein Ding von zwei unterschiedlichen Standpunkten aus betrachtet als zwei verschiedene Dinge erscheint. In Wahrheit ist also zwischen den beiden Dingen gar kein (ontologischer) Unterschied.

Wie? Ob man das durch ein Beispiel beleuchten könnte? Man kann es versuchen.

Nehmen wir einen ... aktuellen Anlaß, einen, der in aller Munde und Erinnerung ist, so daß davon zu sprechen die Gefahr ausschließt, kein Bekanntes, und damit kein Verstehbares zu verwenden, auf dem sich das neu zu Verstehende dann aufzubauen vermag: Die italienischen (und österreichischen) Medien berichteten seit gestern Abend vom jüngsten Anschlag auf den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Ein Attentäter habe mit einem Gegenstand - man spricht einhellig von einem Modell(chen) des Mailänder Doms - den Premier getroffen und doch halbwegs verletzt, wie die Bilder zeigen.

Wer die Souvenirstände vor dem Originaldom kennt, kann sich das auch gut vorstellen - die Miniaturdömchen sind tatsächlich perfekte Wurfgeschoße, und man sollte überlegen, speziell unter dem Eindruck jüngster Ereignisse überlegen, sie als solche sondergenehmigungspflichtig zu machen. Immerhin wird in diesem lombardischen Städtchen auch leidenschaftlich Fußball gespielt. Nicht auszudenken, wenn die jüngsten Ereignisse Anlaß, weil Entdeckung waren, eine Tradition neu zu etablieren.

Nein, hier werden wir aber einmal nicht den TAG "Humor" aktivieren, nur weil es um Berlusconi geht. Auch er, nein: gerade er verdient Pietät. Gerade jetzt.

Vielmehr sei in unserer Beispielsuche zur Illustration von Epiphänomenologie auf die Medienberichte über die Reaktionen der Linken (in Italien oder in Österreich) einerseits hingewiesen sein - die von "Berlusconi ist selber schuld" über "Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen" zu "Er hat (mit seiner Politik) angefangen!" und "War längst fällig!" oder: "Er soll doch nun nicht das Opfer spielen!" (spielen!?) reichen - sowie auf den sich daraus ergebenden Umstand, daß die Linke diese Tat als zumindest in ihrem Sinne interpretiert, wenn nicht als "ihre" Tat reklamiert. So weit so gut. Auch soweit so gut, als es eine Lehre sein soll vor all jenen, die da von "Gewaltlosigkeit" reden, und nur jene Gewalt meinen, von der sie betroffen sein könnten.

Einig sind sich nun aber die Medien aber denn doch dahingehend, daß der Attentäter unter psychischen Störungen leide. Die Motive ihn so zu sehen können dabei aber schwanken. So daß er für die einen lediglich "psychisch labil" ist. Für dergestalte Theorie spricht allerdings die Tatsache, daß er Funktionär der Weltrettungsorganisation Nr. 3 ist - des WorldWildlifeFond. Und wie erst: daß er auf Facebook (mit mittlerweile angeblich 48.000 "amici") ein Profil angelegt hat, auf daß er auch gebührend als Held gefeiert werde, der "sich so etwas getraut" hat. Also etwas jene Argumentationshöhe, auf der sich unter anderem der österreichische Standard bewegt.

Damit scheidet (enttäuschender Weise) auch das (dem Autor Ambrosius - auch ein Mailänder, übrigens - noch plausibelste) Motiv kunstkritischen (nur etwas verspäteten) Engagements á la "vox populi - vox Dei" aus, denn der Mailänder Dom ist ja tatsächlich eine geschmacklose Scheußlichkeit und kunsthistorische Mißgeburt einer Italianitá von der schlimmsten Sorte, keine Frage, die den bruzzo-brozzo-gockeligen Verantwortlichen längst einmal um die Ohren gedroschen hätte gehört, bildlich freilich nur gesprochen. Sohin wäre dieser Domwurf als tagespolitisch zu verstehende Aufforderung an tatenlose Politiker zu werten gewesen, von denen man endlich jene "Schönheit" erwartet hätte, die doch als Signum der Rechten versprochen, aber (hier, bei den Frauen, wie wir längst wissen, ja sehr wohl) zumindest noch nicht eingehalten wird - indem man den Mailänder Dom endlich schleift.

Wir haben hier also eine Tat, die die Linke als in ihrem Sinn betrachtet. (Übrigens: auch politisch gesehen nach seinen Sexgeschichten, die ihn als "stallone" (Hengstchen) klassifizieren, nur die nächste Fehlkalkulation - mehr politischen Dienst kann man Berlusconi schon längst nicht mehr leisten.)

Stehen sich da nun also zwei Meinungen gegenüber? Nein! Vielmehr kommen wir zum Anlaß unseres Artikels zurück: Was denn eine Epiphänomenologie sei.

Eine Tat, die für die Linke eine Akt "gegen", politisch-demokratisch aber ein solcher "für" ist, sowie eine Tat, die für die einen eine "linke" Tat, für die anderen Ergebnis "psychischer Störung" ist.

Voilá!



*141209*

Frei, unmittelbar, und ohne Pose

Rudolf Borchardt in "Max Reinhardt und das Theater" (1920) in einem Aufruf an die Dichter. In dem er von ihnen verlangt, wieder zu ihrem Eigentlichen zu finden, das Theater endlich aus der Ecke der Bildungsanstalt, in die es durch seine Kretinierung durch Klopstock und Schiller bzw. den Klassizismus geraten ist, herauszuholen:

"[Max Reinhardt] erlöse sich und uns [Dichter] von den letzten Fesseln der Bildungsbühne und des höfischen Theaters, und spiele Tasso und Iphigenie in den Kammerspielen wohin sie gehören. [...]  

Wir verlangen von [Euch, mit mir Dichtern] das schwerste Opfer das dem Dichter zugemutet werden kann, - nie schwerer zu opfern als in diesen unsern Zeiten [wo alles um seinen Platz ringt, weil alles ihn verloren hat, vor allem die Dichtung, die Kunst; Anm.]: das Opfer seiner selbst [als wohlbedachte Figur im Weltdrama, Anm.] 

[Aber Vorsicht vor der nächsten Pose:] Ihr meint, ihr brauchtet nur zu schwindeln und Euch [als volksnah, als posenfrei, Anm.] zu verstellen, und alles sei getan? Bedenkt was aus dem Drama geworden ist, seit man es Euch bequem gemacht hat."




*141209*

Unwahre Figuren als Problem

Für den Schauspieler ist eine unwahre Figur das wohl größte Problem, für das es keine kunstgerechte Lösung gibt - nur technische Umsetzung, die aber dem Berufsethos in Wahrheit widerspricht.

Oft findet sich dies gar bei älteren, "klassischen" Stücken des Bühnenrepertoires - und bei größten Klassikern gibt es immer wieder Figuren, deren Wahrheit man bezweifeln kann und sogar muß. Die nicht exakt genug gearbeitet sind.

Das hat auch simpelste Gründe. Wie bei Shakespeare. Im Laufe der Aufführungsgeschichte haben sich viele Figuren nach Bühnenwirksamkeit und jeweiliger Einschätzung schlicht verändert. So finden sich Hinzufügungen, die rein nach Gesichtspunkten der Publikumsreaktion dazukamen, und uns längst sogar bekannt, ja berühmt (Ophelia, Laertes!), aber nicht nur nicht originär, sondern undichterisch und unwahr sind.

Speziell zu Shakespeare meint deshalb Paul Ernst einmal, daß seine Stücke heute gerade deshalb aber so stark wirken, seine Figuren gerade deshalb oft einen eigenen (und im Vergleich zur "Urfassung" ganz neuen) Glanz hätten, weil sie ... Ruinen sind, und der Zuschauer genau denselben Genuß daraus zieht, als blickte er auf eine Bauruine aus der Antike.

Ob aber solch ein Fall vorliegt, kann wiederum nur ein Dichter (nicht einmal der Regisseur) beurteilen, schon gar wenn es um Arbeitsprobleme des (ursprünglichen) Dichters geht. Denn für den Schauspieler muß eine Rolle immer zuerst "wahr" sein, ist ihm nicht Nachvollziehbares zuerst zwingende Aufforderung, sich vom Dichter an der Hand nehmen zu lassen, um das weite Land der menschlichen Landschaft weiter kennenzulernen. Aber manche Probleme, die sich nicht in der Probenarbeit beheben, sind auf genannte Tatsache zurückzuführen.



*141209*

Sonntag, 13. Dezember 2009

Von Gewerkschaften und Ideologen erpreßt

Einen ausgezeichneten Artikel bringt DIE PRESSE zum Thema "Einsparungen in der Verwaltung". Denn während über neue Steuern nachgedacht wird, beziffert selbst der Bundeskanzler sowie sein Kämmerer die Höhe möglicher Einsparungen mit 3,5 Milliarden Euro. Jährlich.

Zudem werden die eingenommenen Steuergelder auch nicht für Frauen, Drinks und flotte Autos [wie der britische Fußballer Georgie Best, allen noch mit dem unvergänglichen Bonmot in Erinnerung, als er auf eine entsprechende Interviewfrage, was er mit dem vielen Geld, das er als Profifußballer verdient hatte, gemacht habe, antwortete: "Dein Großteil habe ich mit Saufen, Weibern und Autos durchgebracht, und den Rest sinnlos verprasst"; Anm.] aus dem Fenster geworfen. Sondern für eine überdimensionierte Verwaltung (Doppelgleisigkeiten und Beamtenprivilegien inklusive), ein auf Missbrauch angelegtes Gesundheitssystem, eine nicht mehr zu sanierende Bundesbahn, eine im Stile der alten Sowjets organisierte Landwirtschaft sowie andere „Staatsaufgaben“, die auf gar keinen Fall eingeschränkt werden dürfen, wie den Bürgern von der Politik allerorts erklärt wird. Weil nämlich andernfalls die Kaufkraft der öffentlich Bediensteten geschwächt werden würde. Und das wiederum wäre in einer Zeit der Wirtschaftskrise höchst kontraproduktiv.

Wesentlich produktiver scheint es offensichtlich zu sein, die Kaufkraft aller nicht öffentlich Bediensteten zu schwächen. Ihnen nimmt der Staat für seine Dienste allein in der Verwaltung 3,5 Milliarden Euro im Jahr zu viel ab. Auf diese Summe schätzen nämlich Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) das Sparpotenzial in der heimischen Bürokratie. Derartige Summen Jahr für Jahr auszugeben, obwohl deren Einsparung für die Bewohner dieses Landes keinerlei Komfortverlust bedeuteten, wäre schon in der Hochkonjunktur ein ziemlich unangebrachter Luxus.

Fazit: es gibt in Österreich keinen Druck für den Staat, wirklich sinnvoll mit Steuergeldern umzugehen. Irgendwie rennt das Werkel schon. Wie schon seinerzeit der unvergeßliche Geschäftspartner des Autors, † H. v. W., in seiner sonoren mitteldeutschen Stimme bemerkte: "Ich kapiere das nicht, wie das bei Euch (in Österreich) überhaupt laufen kann, ich versteh es nicht."

Es gibt nur den Druck, gewerkschaftlich organisierte sozialstaatliche Profiteure still, und Umverteilungsnutznießer geschmeidig zu halten.

Hier noch eine klitzekleine Auswahl haarsträubender Details:

Nach 35 Jahren in Pension. Hinzu kommen die nach wie vor aufrechten Privilegien im öffentlichen Dienst bzw. in der staatsnahen Wirtschaft. In der OeNB reichen für die meisten der 1027 Beschäftigten noch immer 35 Dienstjahre aus, um mit 85 Prozent des Letztbezugs in den Ruhestand zu gehen – bei einer durchschnittlichen Pension von 75.000 Euro brutto im Jahr. Um das alles auch bezahlen zu können, hat die Notenbank 1,8 Milliarden Euro zurückgelegt. Nicht zu vergessen, dass sich das kleine Österreich im Verhältnis zur Einwohnerzahl um ein Drittel mehr Notenbanker leistet als die Schweiz. Oder – ebenfalls auf die Bevölkerungszahl umgelegt – um zwei- bis sechsmal so viele wie Großbritannien, Schweden, Japan oder Kanada. Die EZB steuert den gesamten Währungsraum übrigens mit 1350 Mitarbeitern.
 
In den ÖBB wiederum liegt das durchschnittliche Pensionsantrittsalter bei 52,3 Jahren – ebenfalls ein Ausfluss großzügiger Beamtenprivilegien. Zwei von drei der 42.000 Eisenbahner sind unkündbar, weshalb der Abbau von Beschäftigten ohne Beschäftigung ausschließlich über Frühpensionierungen möglich ist. Allein im Vorjahr mussten die Steuerzahler die Renten der Eisenbahner mit 1,5 Milliarden Euro subventionieren. Die Gemeinde Wien hat sich indessen entschlossen, die Wirtschaftskrise über einen Sonderurlaub für ihre 64.000 Bediensteten abzufedern. Ab dem 57. Lebensjahr gibt es drei Tage zusätzlich (macht 33 Tage), für Beschäftigte ab dem 60. Lebensjahr kommen zwei weitere Tage dazu. Die Kosten dieser Aktion sind allerdings überschaubar – das Pensionsantrittsalter liegt bei 58 Jahren.

Finanzfachleute aber, die allen Ernstes damit argumentieren, daß in "Zeiten der Wirtschaftskrise" Einsparungen im öffentlichen Dienst ein unglückliches Signal wären, weil die Kaufkraft der öffentlich Bediensteten schwächten, als Oberste Kämmerer zu dulden, Menschen an den Hebeln der Macht zu dulden die solchen Schwachsinn tatsächlich glauben, könnte Geisteskrankheit anzeigen. 

Und für die gesagt, bis zu denen es sich noch nicht herumgesprochen hat: die Krise ist nicht IN DEN USA oder IN CHINA oder sonst wo IN DER WELTWIRTSCHAFT - SOLCHE Leute, wir hier, wir SIND die Krise. 




*131209*

Darf man nicht meckern

Kaiane Aldorino aus Gibraltar wurde nun zur schönsten Frau der Welt gekürt.

Dabei war ihr Weg nach Johannesburg gar nicht so ohne Hindernisse verlaufen: in der landesinternen Ausscheidung war sie knapp als Siegerin erwählt worden. Kaylee Edwards (Bild 1) und Maxine de la Rose (Bild 2) hatten ihr das Leben zur Hölle und den Titel ziemlich streitig gemacht. Vor allem die irische stämmige (oder wie man das schreibt) Kaylee Edwards, die (mittlerweile) Schwiegertochter der Stiefnichte des ehemaligen Britischen Konsuls, des letzten Earl of Thumbarning, Lord Suthleworth the 4th, von dem sie angeblich das bestens gehütete Familiengeheimnis des "Original Swouthershire Plumpudding" hat, mit dem sie schon in den Vorausscheidungen in Killarney-County die Jury bestochen hatte, wobei sie zuvor, wie man hört, nur durch Bekanntwerden ihres unverschämten Männerverbrauch NICHT im Kloster "Mary Mercy" in Cork gelandet sein soll, sollte, so verlauten die Gerüchte, mit einer starken Lobby hinter sich, die erst durch Bestechung, dann unter der Drohung, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen ihren Willen durchsetzen wollte, auf jeden Fall Siegerin werden.

Während man mit Maxine de la Rose - der Favoritin des Autors, wie er gesteht, die zur Vorwahl in Gibraltar nur schnell vor einem Einkauf einen Abstecher gemacht, und schon mit siebenzehn den reichsten Olivenbauern der Riocha-Gegend geheiratet und mit ihm fünf Kinder in die Welt gesetzt hatte (sagen glaubwürdige Gerüchte) - ja noch ganz gut hätte leben können.

Aber ein Gott hatte sowieso Erbarmen, und einen anderen Geschmack als der Autor dieser Zeilen, denn es kam anders, und die Siegerbilder aus Johannesburg zeigen: die Gibraltesen haben im Sinne weltlichen Erfolgs - eben nicht die Kategorie, in der der Autor denkt, und hoffentlich auch der Leser - richtig entschieden. Wie die Zeitungen schreiben, habe die 23jährige auch anders, als bisherige "Miss World", Ihre Wahl keineswegs mit hysterischen Tränen oder Überraschungsgestammel "I am so surprised - Thank you!" kommentiert, sondern sei sehr selbstbewußt im Blitzlichtgewitter gestanden und habe den Rummel sichtlich genossen.

Und doch, liest man, hätten selbst noch bei der Krönung zur Miss Gibraltar die Umstände gezickt? Erwähnt sei es, immerhin ein Hinweis auf eine möglicherweise doch gegebene Kongruenz der Sichtweisen des Autors, und Gottes. Die Krone nämlich, die habe damals nicht auf ihr Köpfchen gewollt, sei wieder und wieder heruntergerutscht. Ein versteckter Neidhieb eines Journalisten, der ähnlich wie der Autor denkt, und damit die Gottgewolltheit in Frage, weil: Schicksalsgestohlenheit der unübersehbaren Karriere der neuen "Miss World" in den Raum stellt? Mag sein.

Und sie selbst? Sie sagt, daß sie von Kindheit an davon geträumt habe. Das aber, meine Lieben, hätte sie eigentlich gar nicht extra erwähnen müssen - genau so sieht sie nämlich aus. Csokolom, Verehrteste.



*131209*

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Wer war, wer ist aber der Bettnässer?

Werden nun auch, unter dem Druck des Wirklichen, die Zeitungen realistischer? Hören sie auf, diesen Furz gelangweilter Große-Welt-Spieler, der dieser sogenannte Studentenprotest von Anfang an war, fahrlässig, ja heimtückisch zu einem Gasdruck aufzubauen, der durch das Ventil völliger Entwirklichung fuhr, und dabei diese jungen Menschen schamlos zu Schemen eigener Wunschvorstellungen mißbraucht, die vor allem einem folgen: der Hoffnung, daß andere irgendetwas tun, über das zu berichten sein könnte, nötigenfalls erfinden wir etwas? Content, endlich, bitte, bittebitte, Content?! Wer füllt sonst die Zeitungsspalten mit "Sensation", die Nährbrotstreifen der Generation der Twitterer und social mediatisierten?

Oder passiert das aus wirklicher Feigheit, aus wirklichem schlechtem Gewissen, von all den Vorgängergenerationen übernommen? Dafür spräche, daß dieselben Leute, die ein Nichts zur republikstürzenden Sensation aufbliesen, nun, nachdem sie die Luftblasen losließen mit dem Finger auf sie zeigen und sagen: na wo ist sie nun, EURE Revolution? Die von den Medien selbst erfundene Revolution fand nämlich nicht nur nicht statt - sie wird nun als gescheitert denunziert. Da wird den Jugendlichen, die es gar nie waren, nun auch noch Versagen zugedichtet.

Wie es halt zu einer guten Geschichte gehört. Denn so beginnt der KURIER seinen heutigen Artikel über die "österreichischen Studentenproteste", über die "neue Ära jugendlichen Protests", ja (wie sich eine andere Zeitung gar in einem Kommentar verstieg) über "eine neue, nie gesehene studentische Revolution," mit untenstehender Einleitung, als hätte er es ja immer schon gewußt. (Wir haben es ja ohnehin anders wahrgenommen, man schlage hierorts nach.) Das illustrative, beschämende Bild (Copyright: Kurier) ist übrigens eine tagesaktuelle Aufnahme. Ich ordne diesen Beitrag aber nicht deshalb auch unter das Label "Humor" ein.

Eine Klavierspielerin, zwei Studenten und 15 (größtenteils schlafende) Obdachlose, die augenscheinlich mit Sack und Pack an die Uni Wien übersiedelt sind - so gestaltete sich Donnerstagvormittag der 50. Tag der Audimax-Besetzung. Die skurrilen Momentaufnahmen im okkupierten Hörsaal häufen sich, und sie passen mittlerweile ganz gut als Bild für die Besetzung: Es gibt auch nach sieben Wochen keine offiziellen Vertreter, keine realistischen Forderungen an die Universitätsleitung - und vor allem keine Exit-Strategie.

Ja, wer schrieb denn da von "berechtigten Protesten", vom Aufstand einer Generaten "gegen" ... WOGEGEN? Wonach wurde es als berechtigt bewertet? Da waren doch NIE Forderungen, außer die üblichen "Wir sind für den Weltfrieden"-Rufe? Erst wirklich irr, nicht einmal mehr bizarr, wirkt die Szenerie, wenn man weiter liest:

"Die Lage hat sich zugespitzt", sagte Rektor Georg Winckler, der Donnerstagvormittag zum dritten Mal im Rahmen des Uni-Dialog-Forums mit Besetzer-Vertretern über einen Abzug aus dem Audimax verhandelte. Es gebe "Sicherheitsprobleme verschiedenster Art", ein Besucher sei tätlich angegriffen worden. Auch sei die Uni nicht bereit, täglich mehr als 20.000 Euro für Ersatzquartiere auszugeben.

Winckler bot am Donnerstag erneut an, den Studierenden Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen: "Ich verhehle auch nicht, dass jetzt genügend Dialog und Bewegung von Seiten der Uni vorhanden war."

Bis Freitagabend will Winckler eine Entscheidung haben. Die Besetzer haben angekündigt, das Ultimatum verstreichen zu lassen. Ihre Begründung: Ein Ende der Besetzung würde auch "zahlreiche Obdachlose betreffen, die vor Weihnachten in die Kälte geschickt würden".
 

Jede Wette der Welt aber: In fünf, ach was: in drei Jahren, erzählen dieselben paar Studenten ihren Enkeln von ihren Heldentaten. Kurz, nachdem sie in Pension gegangen sind, und auf ein langes, ereignisreiches Leben voller Höhepunkte zurückblicken. 

Als Schande einer ganzen Generation gehen sie aber gerade noch durch. So klar, daß man sich genötigt fühlt, jene zu verteidigen, weil man auch andere kennt, und man nur noch Mitleid hat.

Aber was rede ich? Einer Generation? Den Jungen? Und was ist mit den "Verantwortlichen"? "Die Lage hat sich zugespitzt," sagt der Rektor. Das fasse, wer es fassen kann. Ran an den Pranger! Selbstverständlich! Aber mit dem Rektor. Der ja bislang gar nicht vorhanden war. Na gerade nicht, daß man die Studenten von Universitätsseite aus mit Brötchen und Leckerli versorgt hat. Also, eine Jugend, die muß doch protestieren, und sie haben ja so recht, so recht.

Hier ist tatsächlich längst die herbeizitierte Wut angebracht. Und zwar auf die Pädagogen und Eltern und Ministerialen, mit ihrem nun schon jahrzehntelang abstoßenden und umso vehementer als klug verteidigten, eine ganze Generation regelrecht vertrottelnden Versagen, das solche Bettnässer in die Welt gespuckt hat. Die man tatsächlich nun nur noch als Opfer sehen kann. Die für ihr ganzes Leben punziert sind.

So weit hat es ja kommen müssen. Erst fesselt und knebelt man sie indem man pädagogisch wertvoll ihre Schwächen stärkt, verweigert ihnen jeden Halt, zwingt sie, wehrlos geworden, die Hirne mit Scheiße vollzustopfen, damit sie überhaupt noch existieren, zwingt sie jedes eigene Wahrnehmen und Verhalten schon im Ansatz über Ideologenkämme und Werteerziehung wie Aludosen-Trennung und Klimaschutz-Rauchverbot zu verbiegen, und dann verhöhnt man sie noch, weil sie, blind geworden, mit völlig falschen Landkarten ausgestattet, wie Betrunkene herumirren. Und in Hörsälen herumliegen, wenn nicht gerade Weihnachten ist, und Obdachlose beherbergen, zu irgendwas muß es ja gut sein, und vor allem: wir sind ja gut wie wir es gelernt haben, Obdachlose, diese Opfer der Gesellschaft, ein Wahnsinn. Nun ist es erwiesen. Wir bringen ihnen den Kuchen, den Antoinette verweigerte.

Schließlich hat sich sogar die große Menschenversteherin, die Gewerkschaft, "solidarisiert" (das ist ja ihre große Stärke), und ist mit auf die Straße gegangen, sodaß dann ein paar hundert oder tausend Gewerkschafter ein paar Dutzend Jugendliche förmlich an den Händen hielten, "Gewerkschaft und Jugend sind eins" oder so, die trotzdem noch ehe das Ziel des Protestzuges überhaupt erreicht war, verduftet waren - es war ihnen schlicht "zu kalt". Und die Öffentlichkeit nickt verständnisvoll. Na bei DEN Temperaturen?

Und das alles nur, weil die offizielle Öffentlichkeit, die zu einem einzigen Schmierentheater verkommen ist, jemanden braucht, der die eigenen Sünden sühnt, dieses komische schlechte Gewissen zur Ruhe bringt. Weil man jemanden braucht, der die eigenen Fehler verbirgt, indem man Fehlermuster erfindet, die komischerweise gar nie vorhanden, gar niemandem ein Anliegen waren. Weil die wahren Probleme ganz woanders liegen.

Wir lassen unsere Jugend nicht nur erst verkommen, aber aus ganz anderen Gründen als wir vorgeben, wir erfinden nicht nur auch noch ihre Proteste, wir lassen sie daran dann auch mit Häme in der Stimme so richtig scheitern. Wir haben es ja immer gewußt.

Also ermuntert, nein hetzt man Hundertscharen unbedarfter Schopflöckchen, die ungemein überzeugend in die Kamera japsen, daß es "jetzt wirklich reiche", auf die Sträßchen - wenn es nicht zu kalt ist - um dann in die Fernsehkameras, die "die großen Jugendproteste" mit geilem Lippenschnalzen begleiten, wie Alkoholiker nach ihrem Rettungsviertel nach vier Stunden Abstinenz, irgendwas von "mehr Geld für die Bildung" lallen, und überhaupt muß alles besser werden, seien wir's uns doch ehrlich, ist ja alles, also irgendwie. Nach Weihnachten jedenfalls.

Mir graut. Mir graut! Was wird da an Wut aber noch zurückschlagen. Wenn ihnen einmal bewußt wird, diesen Jungen, wie man sie da vorgeführt hat?! Der Kakao, durch den man sie zog, sie trinken ihn nun noch.

DANN werde ich genau diese Generation aber unterstützen, ich schwör's, und allem Widerwillen zum Trotz. Denn mit ihr sitze ich in Wahrheit im selben Boot.



P. S. Jede Wette: In einem Jahr nuckelt dann ein von der Gewerkschaft poussiertes Studentenvertreterschweinchen in die Kamera, daß die Studentenproteste, in denen eine ganze Generation auf die Barrikaden stieg, Erfolg hatten - es gibt sie, die neue Bildungsmilliarde, oder zwei. Wählt deshalb [Klara Liebspecht] ins nächste Politgremium, ihre Karriere im Parlament ist vorgezeichnet. Sie hat den Studentenprotest artikuliert. Und [wir] haben die Jugend gehört. Ich meine: wenn wir die Probleme erfinden, wenn wir die Proteste dieser Probleme wegen erfinden, wenn wir ihr Scheitern erfinden, wenn wir das Versagen einer Jugend erfinden - warum sollen wir dann nicht auch die Erfolge der Politik erfinden können, die die erfundenen Probleme mit erfundenem Geld löst, samt erfundener Politiker? Ihre Vita ist ja schon geschrieben: "Internationales Aufsehen erregten die von ihr geleiteten und organisierten erfolgreichen Jugendproteste von 2009." Ihre? Klar. Derzeit werden nur Politikerinnen erfunden. Business as usual, in jeder Hinsicht. Und von wo wenn nicht aus den Hörsälen sollen sie denn kommen, die zukünftigen Führungseliten des Landes?




*101209*

Kinder, nicht kleine Erwachsene

Ebenfalls auf Zenit zu finden: Ein Bericht von Fortunato Di Noto, Präsident des Vereins „Meter“, der im Kampf gegen die Pädophilie Pionierarbeit leistet. Der Verein arbeitet in erster Linie in der Vormundschaft für Kinder und hat seinen nationalen Hauptsitz in Avola, Italien, in der Provinz Syrakus.

Pädophilie ist nicht nur an sittenwidrige Kreise gebunden, sondern hat sich fast zu einem kulturellen Phänomen entwickelt, das immer mehr an Boden gewinnt.“ Was dabei herauskomme, sagte der sizilianische Priester, sei oftmals das Gesicht einer Gesellschaft, die die Menschen das Kind nicht als solches sehen lässt, als eine Person, die in der Entwicklung seiner Persönlichkeit steht, sondern als einen Erwachsenen mit sexuellen Wünschen und Forderungen, die erfüllt werden müssen.

So ist es. Aber nicht nur in der häuslichen (Des-)Erziehung findet dies - unter dem meist schönfärberisch der Verwahrlosung vorgeschobenen Motto der "Freiheit" - statt, sondern die gesamte schulische Aufklärungsarbeit steht unter diesem Motto. Ausnahmslos. Es gibt keine "schonende" oder kindgerechte schulische Aufklärung. Eine solche ist immer Mißbrauch.

Weshalb das Verstehen des "posttraumatischen Belastungssyndroms" - als zutreffendste Beschreibung der Folgen des Mißbrauchs unter heutigen Bedingungen (eine sehr komplexe, aber sehr gut nachvollziehbare Weise, den eigenen Wahrnehmungen und Wünschen in der Identitätsbildung regelrecht auszuweichen, bis zur völligen Entfremdung des Außenbildes vom Inneren, also das absolute Gegenteil des behauptet Intendierten) - zum Schlüssel des Verstehens heutiger und kommender Generationen sein wird.




*101209*

Mittwoch, 9. Dezember 2009

G'schwind ist man g'foltert!

Neidlose Anerkennung ... einfach witzig: Michael Niavarani in einem Ausschnitt über Flugangst. Danke K.!




*091208*






Dienstag, 8. Dezember 2009

Mensch bleiben

Es steht dem Menschen keineswegs frei, sich nicht zu sich selbst zu verhalten.

In einem Essay über Hegel schreibt Bernard Willms diese Satz. Und er meint damit, daß der Mensch pausenlos unter dem Druck steht, zu denken, zu reflektieren, zu handeln. Es gibt keinen Freiraum, in welchem er sich "aus der Welt heraus nimmt". Denn dieses wäre ein Herausnehmen aus seinem Dasein selbst - undenkbar.

Damit ist aber auch bereits umschrieben, wo die Defekte so häufig anzutreffender heutiger Anwendungsweisheiten und Methoden liegen. Die von einer "Selbstneutralisierung" ausgehen - dem Zen entlehnt oder ähnlich, der ja genau das intendiert, und genau das damit bewirkt bzw. bewirken will: die Auslöschung, Zernichtung des Menschseins - und dies als Höhepunkt der Freiheit beschreiben.  

Und damit ist auch der Hauptdefekt der "mystischen Bewegungen" nahezu aller Weltreligionen (auch und gerade der christlichen Bewegungen, auch jener wie sie Jakob Böhme oder Angelus Silesius betrieben) beschrieben, die in ihrem "Wahr ist was sich zeigt" genau die prinzipiellen Fehler Hegels begehen: die Idee (weltimmanent) mit dem Faktischen wandern, aus diesem ontologisch begründend erstehen zu lassen. Wodurch automatisch eine Vergötzung der Phänomene, und eine Heiligung der Mittel um des Zweckes willen eintritt. Es kommt zu einer moralischen Neutralisierung und Gleichsetzung Mensch - Gott, in der Idee als Movens der Welt, gleichgültig in welcher Form.

Aber dem Menschen steht nicht frei, sich nicht zu sich zu verhalten. Diese Illusion ist bereits ein Verhalten zu sich selbst. Es kann für ihn nur einen Weg geben: dieses Sich-zu-sich-verhalten ganz wahrhaftig zu machen. Erst in dieser Freiheit von Selbsttäuschung, in diesem Durchlässigwerden für das Wahre, erst in dieser Sittlichkeit wird er frei, erst in dieser verliert er die Getriebenheit. Und: bleibt, ja wird erst was er ist: freier Mensch.




*081209*

Montag, 7. Dezember 2009

Konformitäts-Revolte

Ein interessanter Gedanke, der sich mit der hier schon öfter vorgefundenen These deckt, der zufolge die Revolte der 68er-Jahre eine der "Muttersöhnchen" war: Die 68er-Revolte war eine Revolte der Konformität, der Eingliederung in die Reihen der "Starken" - sie ging völlig mit der Mentalität der Sieger des Zweiten Weltkrieges konform.

"Anti-Faschismus und Anti-Antisemitismus sind die einzigen politischen Positionen, die einzunehmen keinen moralischen Mut und keine intellektuelle Kühnheit erfordern." (Reinhold Oberlercher in: "Österreich, die Weltrevolution und die Wiedervereinigung")

Revolutionen, so in anderem Zusammenhang, aber als weiteres gutes Bonmot, decken im Namen der Aufdeckung vergangener immer gegenwärtige Verbrechen zu.




*071209*

Das Werk erzählt, wer er war.

Nicht ein Photo von einem seine Werke - dabei sollte, gerade bei einem Bildhauer, und wohl gerade bei Alfred Hrdlicka, der am Wochenende verstarb, NUR das zählen. Der Mensch ist eben uninteressant, auch ihm selber gewesen. Darauf stürzen sich nur kleinbürgerliche Moralpharisäer und linke Totalitäre - die kunst-, wahrheits- und menschenfeindlichste Sippschaft, die überhaupt denkbar ist.

Denn nein, seitenlange Fürze über politische und angeblich politische Ausrichtungen, seitenlange Besudelungen linker Klopapiere wie dem Standard, über seinen angeblichen politischen Willen.

Als ob das etwas gezählt hätte. Jemals.  Bei einem Bildhauer. Bei einem Künstler. Überhaupt bei jemandem?

Nur das Werk erzählt auch zuverlässig über den Menschen. Nicht umgekehrt. Die Gestalt, die jemand hier errichtet hat. Die er - zum Gedächtnis - hinterließ.

Er hat soviel Unverständnis nicht verdient. Denn er war ein großartiger Bildhauer. Stattdessen: Photostrecken (Titellink) ohne eines seiner großartigen Werke in den Mittelpunkt zu stellen, NUR Werke in den Blick zu bringen: DAS WAR ER! SO WAR ER!

Dafür Bilder, wo er auch politisch tätig gewesen war, mit denen sich irgendein leeres Gehirn seine papierene Identität bestätigt, um nicht ins Blaue des Nichts zu steigen, wo es hingehörte. Und deshalb hinstrebt. Als wären in seitenlangem Texterbrochenem etwas festzuhalten, das über ihn auch nur irgendeine relevante Aussage bringen könnte, wo irgendein Papierbeschmutzer meint, diesem Leben, diesem Hrdlicka, noch etwas hinzufügen zu können, es gar erklären zu könne, oder noch schlimmer: zu müssen!

Was gäbe es denn mehr Aussage über ihn als seine Werke? Er hat doch jahrzehntelange von sich selbst in die Welt hinausgebrüllt, wie ein Löwe! Was gäbe es da noch zu sagen als: Kommt und seht!? Schauen, sonst nichts, das ist unsere Pflicht! Und seine Gabe an uns, an zukünftige Generationen.

Er wird aber schon jetzt diese ganze Volltrottelschickeria linker Hirnwichser vom Himmel herab verfluchen, die ihn da und dort vom gültigen Werk abbrachten, indem sie ihn durch Versuchungen und Anbiederungen in seinen Schwächen selbst lähmten, sich doch um dieses oder jenes "Guten" willen von der Wahrheit, vom Blut der Seinsspitze in der Wirklichkeit, an deren Busen er hing, von dem er sich alleine nährte, abbringen zu lassen. Wo sich das Gesicht der Wahrheit da und dort verdunkelte, durch diese politischen Hände, die ihn dahin, dorthin zerrten, und frech riefen, wie Hunde die die Karawane anbellen: er ist einer der unseren! Er ist links! Nein, er ist ja doch so gläubig! Er ist in Wahrheit rechts!

Dabei war er ohnehin so hell, so hell! "Stalinist," meinte er immer. Ha, wäre diese Aussage nicht so überstrapaziert, würde man sagen müssen: Genial!  Denn damit hatte er Ruhe. Wer sagt, daß er der Teufel sei - der muß sich mit keinerlei Erwartungen mehr herumschlagen. Der ... ist tatsächlich frei von aller Identität. Denn die besteht eben auch und sogar in erster Linie aus herrischen Erwartungen.

Oder? Hört man ihn denn nicht nun doch, erleichtert weil alles hinter sich, deshalb so seltsam sanft, wie man ihn nie kannte, lachen? Er wird sich großmütig wohl doch abwenden, ins weite Land der Himmel losstapfen, nur einmal noch zurückblicken, dann die Nase rümpfen und zwischen den Lippen herauspressen: "Ned amoi ignoarian, Schatzal!"

(Bild: Orpheus betritt den Hades)




*071209*

Sonntag, 6. Dezember 2009

Der Baum in der Knospe

J. G. Herder am Grab von J. J. Winckelmann: "In diesem Schriftchen und in den beiden Schreiben, die darauf folgen, liegt, dünkt mich die ganze Knospe von Winckelmanns Seele; Rom konnte sie nur mit gelehrtem Laube oder mit Früchten eines bestimmtern, ältern Urteils krönen. Was Winckelmann in Rom sehen sollte und wollte, trug er schon in sich. 

[...] daß meistens, wie in der Knospe der ganze Baum, so auch in den ersten Hervorbringungen des menschlichen Geistes die ganze Gestalt desselben und seiner künftigen Wirkungen liege, wer sie nur zu sehen und zu entwickeln weiß. Ich rede hier von Früchten und nicht von jungen Mißgeburten des menschlichen Geistes: denn Winckelmann war beinah ein vierzigjähriger Man, da er seine erste Schrift, und auch sie noch mit aller jugendlichen Blödigkeit und Schüchternheit, schrieb."




*061209*

Samstag, 5. Dezember 2009

Die Macht, nicht niedrig zu werden

Herder in seiner Grabrede für Johann Joachim Winkelmann, der sich durch viele Schwierigkeiten und Kämpfe hindurch seine Berufung errungen hatte, und schließlich zum Begründer der heutigen Archäologie, zum anerkanntesten Fachmann für griechische Kunst, zu deren Wiederentdecker in der Freilegung ihrer kunstgeschichtlichen Wirkung und Größe, bis zum heutigen Tage, wurde:

"Lese man seine ersten, armen und bedrängten Briefe an Bünau; man höret den verschlagenen, vom Glück verlassenen, aber noch immer festen und edlen Mann, der unbiegsam der Kriecherei und Torheit seiner Zeit, sich selbst fühlet, sich selbst ehret und nur aus seinem Kerker heraus seufzet. - Jüngling, der du diese Briefe liesest, schöpfe Mut aus ihnen, bei vielleicht ähnlichem Schicksal. Deutschland ist lange ein Wald gewesen: aber auch im dicksten Walde findest du die rechte Himmelsgegend allein durch die Tugend und Gesinnung der Alten; durch das Gefühl, nämlich, zu etwas zu sein auf der Erde, von niemand als sich anzuhangen im Begriff der wahren Ehre, des wahren Nutzens und Lebens; Macht zu haben, daß man falschen Zwecken entsage, nach Flittergold des Ranges, Standes, der Gemächlichkeit und Wollust nicht laufe, auch arm und verachtet sein könne, wenn man nur das wird, was man werden soll, und in seinem Werke lebet."




*051209*

Freitag, 4. Dezember 2009

Nicht Wahrheiten - geistreiche Voraussetzungen

König Friedrich II., der Preußenkönig, in seiner Grabrede für seinen geliebten Neffen Prinz Heinrich: 

"Mit achtzehn Jahren wußte er die Systeme von Leibniz, Malebranche, Descartes und Locke darzustellen. Ja sein Gedächtnis hatte nicht nur diese abstrakten Dinge erfaßt; seine Urteilskraft hatte sie auch geläutert. Er war erstaunt, in den Forschungen dieser großen Geister weniger Wahrheiten als geistreiche Voraussetzungen zu finden, und er war mit Aristoteles zu der Ansicht gelangt, daß der Zweifel der Vater der Weisheit ist."




*041209*

14 Milliarden Kubikkilometer. Jährlich.

In allen Medien - Print, Fernsehen - tagtäglich, stündlich, hämmert pausenlos die PR-Maschinerie. Man merkt, wo das Geld ist, wo der Einfluß herkommt. Klimakonferenz in Kopenhagen ist jetzt. Bald. Es geht um Milliarden an Forschungsdollars und -euros. Milliarden! Viele Milliarden. Weltweit 50, 200, 500 Milliarden. Jährlich. Nichts ist zu gut, nichts ist zu teuer.

Nirgendwo seriöse Fakten, Verifizierungen, die länger als das Auszoomen einer Kameraeinstellung halten - denn man weiß all das nicht, was man sonst um die Ohren gedroschen erhält: Massenweise, tonnenweise Behauptungen und Hochrechnungen, die niemand untermauern kann. Niemand. Auch nicht der eingefleischteste Klimahysteriker, der endlich seine Zeit gekommen sieht: ein Held zu werden, die Welt zu retten. Superman 4. Mission impossible 6. Rocky 8.

***

"Mister President, darf ich vorstellen: John Miller, nur er kann die Welt retten."
"Sie?"
"Ich werd's versuchen, Sir," rülpst John und lächelt dabei. Sein Setter Boomer stupst ihn in die Kniekehlen - John versteht sofort, und steckt sich das Hemd in die schmuddelige Hose. Der Sekretär des Präsidenten schüttelt den Kopf, hält sich die Nase zu. John hätte zumindest die Ginflasche vor der Türe lassen sollen. Aber gut, er wollte ja sowieso nicht raus, aus seinem Loch in der Wüste Nevada, wo er Bienen züchtet und Kornkörbe flicht, und - bis auf den Gin, sein Lebenselixier seit den schweren Schicksalsschlägen (seine unendlich geliebte Cordula starb vor fünf Jahren bei einer Klima-Bergbesteigung am Aconcagua bei einem Rettungsalleingang, den sie für einen Kollegen, trotz aller Warnungen und orkanartiger Winde, unternommen hatte; man sieht die Bilder in kurzen Rückblenden, immer wieder, sie verfolgen John, im Schlaf, im Wachen, man erkennt daraus seine gequälte Seele, was seine Art so unsagbar männlich macht) -  bescheiden und zufrieden war, bis der Lincoln des President auftauchte, mit diesem "überzeugenden" Hanson drin. Und ... Barbara.
"Na gut. Sie haben bis morgen 14 Uhr Zeit."
"Sir! Das ist unmöglich."
"Mehr Zeit haben wir nicht. Meine Herren - Guten Abend, ich habe zu tun."
"Jawoll, Ssssöa!"
Beim Hinausgehen raunt der President Barbara zu: "Und sie sind sicher, daß er der richtige ist?"
"Er ist der Beste, SSöa."
"Na Sie werden es schon wissen."
"Nur ..."
"Ja?"
"Ich weiß nicht, wie ich es Ihnen sagen soll, Mr. President."
"Los reden sie, wir haben wenig Zeit!"
"Sir ... er wäre sicher noch besser, wenn auch seine Stieftochter aus dem Waisenhaus entlassen würde, er ... wäre dann sicher entspannter."
Der President macht eine lapidare Handbewegung, wiegt den Kopf. Er versteht sichtlich. 
"Hanson, kümmern sie sich drum." Der Adjutant nickt, und verschwindet im Eilschritt im Off.
Schnitt, zurück zum Office.
"Na dann mal los ... wo darf ich? Ah, da ist ja so ein Ding." Er setzt sich an den Computer, beginnt zu tippsen.
"Sir, das Paßwort ist ..."
"Weiß ich schon, hier ... voilà."
Der Sekretär staunt ihn an. Barbara lächelt wissend.
"Stehen Sie nicht rum!" Burschikos-jovial scheucht John den Sekretär. "Ich brauche alle Daten, die sie kriegen können, alle, verstanden?"
Der Sekretär schießt los, telephoniert nun pausenlos mit irgendwelchen Datenabteilungen. John aber unterbricht ihn.
"Dann möchte ich ... einen Hamburger mit extra viel Käse, und Gurken, aber flach g'schnitten, bitte! Und eine Rieeesenportion Pommes mit EXTRA viel Ketchup und Mayo, Tonnen von Mayo."
"Aber Sir, sollten Sie nicht ..."
"Es ist für ihn!" Er zeigt auf den Setter. "Boomer ist sonst unerträglich, wenn ich mich nicht mit ihm beschäftige. Und hier - das können sie entsorgen." Boomer läßt den Ball wieder fallen, den er bereits im Maul hatte, hechelt erwartungsvoll und freundlich.
Sohn schiebt dem Sekretär seine Gin-Flasche hin. Nun lächelt auch der, während das Orchester der Hintergrundmusik mächtig aufspielt und von "Danger in Glory" auf "March in March, seventeen" übergeht. Die Anweisungen fliegen, Hektik herrscht von nun an im Weißen Haus. John beginnt seine Weltrettung.
Schnitt, Schloß Kopenhagen, sämtliche Regierungschefs und Präsidenten Europas sind versammelt, überall tief besorgte Gesichter, Ratlosigkeit, hochgezogene Schultern, geschüttelte Köpfe. Musik auf "In Dawn I called my Lord, but thy not heared" , dazu sieht man einen Kardinal in tief besorgter Miene, der mit schmalen Lippen auf den Fernsehschirm in der Ecke starrt, der alles aus dem "presidential office", das die weltweiten Rettungsmaßnahmen koordiniert, life überträgt.
Schnitt, Naturbilder.

***

Man versteht. Der Haß gilt den Kritikern dieses Alarmismus. Denn die versauen den Helden die Rolle ihres Lebens, IHRE Viertelstunde! Da geht es um Karrieren!

Gestern ein Universum-Special. Wieder einmal sah man sich's an, um zu sehen, ob man Argumente fände, für, gegen, einfach weil man doch willens ist anzuerkennen, was IST.

Aber was ist? Das weiß niemand. Dafür strotzt der Bericht von lächerlichen Stimmungsbildern, die durch laufende Wasser suggerieren soll, wie alles zusammenschmilzt. Fakten? Im Mikrometerbereich. Eine einzige Ansammlung von unwissenschaftlichen Aussagen, von Aussagen die wissenschaftlich selbst bei oberflächlichstem Nachdenken niemals halten können. Dafür sieht man minutenlange Sequenzen, wie ein Forscher mit einem Metallbehälter Wasser aus dem Meer holt. Da weiß man, wo die Forschungsmilliarden hinfließen. Ins Meer. Und Gletscher kalben. Vielleicht deshalb. Viertelstundenlange Bilder von kalbenden Gletschern, denen das Meerwasser in den Rücken fällt.

Schon arg, gö?

Hochgerechnete angebliche Daten dürfen nicht fehlen. Und Diagramme. Und Mengen, im Milliardenkubikkilometerbereich schließlich. Da wird vom dauerkehligen Otto Clemens, die jährliche (!) Fehlmenge an Eis in Grönland mit 14 Milliarden Kubikkilometer angegeben.

14 Milliarden Kubikkilometer.

Keiner sagt etwas. Irgendwoher wird er es ja haben, der ORF, die BBC. Und wird schon stimmen. Die Zahl ist so jenseits aller Vorstellungskraft, daß sie kein Mensch begreifen kann. Insofern wäre es rein präsentationstechnisch völlig verkehrt, solche Zahlen zu verwenden.

Aber dann rechnet man nach. Weil man es sich eben vorstellen möchte.

14 Milliarden Kubikkilometer. Jährliche Mindermenge.

Grönland hat eine Fläche von einer Million Quadratkilometer. Rund. Großzügig. Und ist mit Packeis bedeckt, das bis zu 2000, ja 3000 Meter dick ist. Bis zu. Meter. Also zwei oder drei Kilometer. Maximal. Und steigt an, von Null, sagen wir, auf diese Dicke.

14 Milliarden Kubikkilometer. Jährlich.

Schrumpft das Eis über Grönland jährlich um einen Kilometer, flächendeckend, dann schrumpft in Grönland jährlich EINE MILLION Kubikkilometer.

Und Grönland hätte kein Eis mehr. Nach einem Jahr. Nach einem Schwund von EINER MILLION KUBIKKILOMETER.

Million.

14 Milliarden Kubikkilometer. Jährlich ...

Das Eis der Arktis - von dem Grönland ein Teil ist - NIMMT insgesamt ZU. Sagt natürlich nicht der gestrige Bericht, sagen Klimaforscher, wenn man sie dort liest, wo sie nicht um Forschungsgelder kämpfen und PR machen, anstatt zu informieren. Weil die Temperaturen der letzten 10 Jahren NICHT gestiegen sind. Lediglich das Eis der Antarktis schrumpft. Warum weiß man nicht.

Warum wußte auch gestern kein einziger der Forscher, die in die Kamera redeten.

Weil das CO2 steigt. Deshalb steigen die Temperaturen.

Es gibt äußerst überzeugende Argumente die zeigen, daß das CO2 nicht die höheren Temperaturen verursacht, sondern von diesen verursacht IST. Das konnte man im Bayern-Fernsehen mal sehen. Schien vernünftig.

Vernünftiger jedenfalls als 14 Milliarden Kubikkilometer jährlich. Und selbst nur 50 Milliarden Forschungseuros.

***

Schnitt, kalbende Gletscher.
Schnitt, fünfzehn Eskimos verstauen ihre sieben Zwetschken auf einem Schlitten, den sie selbst ziehen, ziehen los.
Schnitt, mehr kalbende Gletscher, in mehreren Schnitten.
Schnitt, hundert Eskimos ziehen ihre Schlitten und ziehen durch das da und dort schon aper werdende Grönland gen Süden.
Schnitt, viele kalbende Gletscher, in vielen, rasch aufeinanderfolgenden Schnitten.
Schnitt, tausende Eskimos ziehen, ohne Schlitten, auf grünen Wiesen Richtung Süden, man sieht von der Ferne bereits Vancouver, Vögel scheißen ihnen auf ihre Robbenpelze.
Schnitt, Panik in New York, das Wasser quillt langsam aus den Kanaldeckeln.
Schnitt, Office in Washington. John, mit Verzweiflungsgesten.
"Es ist sinnlos. Irgendein Arsch in good old Europe heizt immer noch mit Braunkohle." 
Musik auf "Panic on Titanic".
Schnitt, Houston military base. Eine Staffel Tornados startet, hebt ab, man sieht an ihren Tragflügeln die Raketen.
Schnitt, Österreich, ein einsamer Bauernhof im Waldviertel, aus dessen Schornstein es dick qualmt. Himmel, Tornados im Anflug, Schnitte, schneidige Anflugmanöver, abfliegende Raketen. Musik auf "Remember our attack at Comantchee-River, when Custer was young, and young was the beever"
Schnitt, Trümmer dort, wo der Bauernhof stand. Kameraschwenk auf den Himmel. Die dichte graue Wolke reißt auf. Blauer Himmel wird wieder sichtbar.
Schnitt, New York, Times Square, tausende Menschen vor einer Videowall, wo alles zu sehen war, applaudieren. Die Menschen fallen sich um den Hals, lachen, weinen, Kinder tollen herum, rutschen auf Eisresten und Popcornschachteln aus.
Schnitt, Schloß Kopenhagen Schloß außen.
Schnitt, Schloß Kopenhagen, innen. Die Europäischen Präsidenten und Regierungschefs fallen sich um den Hals, gratulieren einander. 
'Schnitt, Office. John und der Sekretär fallen sich um den Hals.
"Oh, sorry," sagt John. Er sieht zu Barbara, die bescheiden im Hintergrund mit Boomer spielt. John geht auf sie zu, zieht sie hoch.
"Oh John," sagt sie, und fällt ihm um den Hals. "Ich wußte, daß Du es schaffen wirst."
"du hast immer an mich geglaubt, Barbara. (Die Bilder im Weichzeichner lassen Barbara immer mehr zu Cordula werden, und umgekehrt) Willst Du mich ... "
"Ja," Barbara in Tränen. Da öffnet sich die automatische Schiebetür des Office, und Jenny, die elfjährige, entzückende, bildhübsche Stieftochter von John, stürzt herein, die drei umarmen sich, stehen beisammen, outfading - Überblende:
Eskimos in langen Schlangen ziehen zurück nach Norden. Kamera auf Landschaftstotale, Zoom auf Details, wie: zwei Robbenbabys spielen ausgelassen auf einem putzigen Eisberg; Schwenk auf Ferne, Zoom, zwei Eisbärenkinder tollen herum und spielen mit einem dürren Ast, die Frau Mama lächelt und zieht weiter.
Music auf "Never ending Glory"
Abspann.
End.
Hinweis auf die Homepage von "Save the world - save our climate!"  Fünf Minuten scrolling - Liste der unterstützenden Stellen und Organisationen, von Greenpeace bis zu "Ottakring auch morgen - rettet den Stirlweger Wald!"





*041209*

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Hauptgegner des Kommunismus

Man kann darüber diskutieren - aber die These hat etwas für sich: daß nämlich der wirkliche, erste Überwinder des Kommunismus das Nationalgefühl der einzelnen Völker war. Das zu allererst eine Identität festhielt wie verhieß, das auf die jeweilige Eigenart, nicht aber auf eine funktionale, mechanistische Idee, eines bloßen Utilitarismus menschlichen Zueinanders, gegründet war.

Sowohl die Aufstände in Ungarn, der DDR, der Tschechoslowakei, Polens, auf andere Weise auch in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien - sie waren Aufstände, die sich auf ein praktisches Menschenbild bezogen, das die Fremdheit der Funktionärsdiktatur - der künstlichen Meta-Nation und -Identität der "sozialistischen Menschen" - begründete, und die künstlichen Staatsgebilde nie wirklich Wurzeln treiben ließ. Und die Quelle der Lebenskraft aller dieser Staaten war. Selbst Afghanistan 1980-90 belegt diese These.

Während sogar die DDR ein Musterbeispiel einer Staatsidee, einer "Staatsnation" war, die aber nie identitätsstiftende Kraft (gegenüber der der "deutschen Nation" beider Deutschland) gewann, weil am realen Widerspruch scheiterte. Nicht zufällig hat die DDR in z. B. militärischen Traditionen sogar versucht, an die Teilnation "Preußen" - in ihrer historischen Gegnerschaft zu Westdeutschland - anzuschließen! Vielleicht hat sogar gerade die für die Linke so brauchbare Keule der Kriegs- und Judenvernichtungsschuld dieses Nationalgefühl, "Deutscher" zu sein, auf eine Weise erhalten, die nur bei einem "Rückfall" in die früheren Identitätsbecken der Länder (Stämme) auflösbar gewesen wäre. Rückschlüsse auf Österreich (und die Funktion der "Mitschuld") sind zulässig.

Sogar noch weiter ist anzusetzen: der Nationalismus war es nämlich, der auch den Widerstand gegen Hitler zuwege brachte! Ein Nationalismus, der sich eben nicht auf Meta-Ideen bezog, sondern die Heiligkeit der Nation, ihre Ehre und Sittlichkeit, immer im Vordergrund behielt. Das machte zwar für die Nazi-Rhetorik täuschungsanfällig, die beliebig Begriffe mißbrauchte und umdeutete, aber die Frage des Erwachens war nur eine Frage der Zeit. Hitler hatte immer der Wehrmacht genau deshalb mißtraut! Und mit Recht.

Wird, wie in der DDR passiert, der Nationsbegriff der Gründungslegende (hier: Weltkriegsschuld) eliminiert, dann passiert genau das Gegenteil, und auf völlig unerwünschte, weil politisch erst schlagkräftige Weise: der Nationsbegriff "rutscht" nach unten, wird singulär und wird dort sogar zum positivistischen, ja: ideologisierten Bezugspunkt und Wert! Und dieses "Nationalgefühl", das sich nun gegen den Zerstörer des Nation richtet, nährt sich aus Traditionen, die unmöglich auszurotten sind ... geschichtliche Bezüge, Kunst, Musik, Architektur. (Worin man den inneren Grund für Maos "Kulturrevolution" in den 1960ern sieht.) Und vor allem sittliche Hochwerte der (sogar: phantasierten, in jedem Fall: unkontrolliert idealisierten) Nation ("Rittertum") beinhalten.

Damit haben sich die Ostblockstaaten selbst - von unten heraus - destabilisiert. Der Mauerfall 1989 war deshalb nur noch Kulminationspunkt einer nicht mehr länger hintanzuhaltenden Identitätskrise, der die äußeren Anlässe (Staatsbankrott) nur den Anlaß weil die Schwächung des herrschenden Regimes boten. Eine Identifikation mit der Ideologie der Staatsführung in der DDR hat nie in breitem Maß stattgefunden, im Gegenteil, die Glaubwürdigkeit der DDR-Führung und staatstragenden Idee war dem Nullpunkt nahe. (Es gibt Untersuchungen aus jener Zeit, die von nur 5 Prozent Regimevertrauen sprechen.) Entsprechend erfolgte keine Gewöhnung im Sinne einer Haltung, sondern Gleichgültig bei reduziertem Leben.

Erst hierein fällt auch die Religion als begreifbarer und für einen Teil der Bevölkerungen (Polen, Ungarn) entscheidender Faktor, weil die Religion die Legitimation dieses Nationalgefühls bedeutet, ja sogar die Pflicht auferlegte, es als Gottes Auftrag zum Selbstsein in der Welt nicht untergehen zu lassen.

In dem Moment, wo die Sowjetunion an ihren inneren Widersprüchen zerbrach - DAS ist die "historische Funktion" Gorbatschows, über den man streiten kann: ob er überhaupt wußte, was er tat - zerbrach auch das imperialistische Reich, das die kommunistische Sowjetunion in Wahrheit gewesen ist. Für die die Metaidentität "Kommunismus" als haltendes Band realer Machtpolitik, als moralisch scheinbar übernational legitimierender Bezugspunkt dieser Machtpolitik, fungieren sollte. Und es blieben die Nationen.

Als Bündnis freier Nationen, genauso haben auch die Gründungsväter der Europäischen Gemeinschaft diese gesehen. Ja, Schumacher z. B. war völlig klar, daß die Stellung und Kraft Europas im globalen Selbstbehaupten nur auf dem Boden starker Nationen wachsen konnte. Nur in einer Nation, so Schumacher (laut den Memoiren von Carlo Schmid), habe die Demokratie Fundament und Quelle. "Demokratie ist keine Sache des Kapitulierens vor fremden Egoismen, sondern Ausdruck der Achtung des Volkes vor sich selbst."

Und der Preußenkönig Friedrich II. sagte in der berühmten Grabrede für seinen Neffen Prinz Heinrich: "Es ist nicht die Aufgabe der Philosophie, die natürlichen Gefühle zu ersticken." Recht hat er.




*021209*

Das nennt man einen Schuldner

Man könnte, so irgendwie, und mit sehr viel Wahrheitsgehalt, die These formulieren, daß die Politiker der Deutschen Weimarer Republik 1928ff sogar eine Weltwirtschaftskrise, die eigene Wirtschaftskrise 1929-33, und damit Hitler riskiert haben, nur um die Reparationszahlungen loszuwerden. Wovon man sich die Rückkehr der Wählergunst versprochen hatte, denn die "Schmach" von 1918 sowie die als ungerecht empfundenen Reparationszahlungen, vor allem an Frankreich (das im übrigen nach Napoleon und nach 1870/71 gewaltige Summen an Reparationen zahlte, und gar zahlen konnte!), waren ein wichtiger innenpolitischer Faktor. Das ist ja kräftig gelungen.

Aber seinen selbst aufgenommenen Schulden gegenüber verhält sich Deutschland offenbar und in jeder Hinsicht mustergültig: Wie die PRESSE schreibt, sind erst mit nächstem Jahr alle Kriegsschulden (aus Anleihen) endgültig getilgt! Immer noch sind nämlich 56 Millionen Euro offen.

Für diese Schulden wurden (die BRD war wie man sieht immer alleiniger Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches) 1952 im Londoner Schuldenabkommen die Zinsforderungen ausgesetzt. Weil durch die Gebietsverluste die Rückzahlungsfähigkeit eingeschränkt war. Bei einer Wiedervereinigung aber würden diese sofort wieder aufleben.

Seit 1990 also zahlt Deutschland wieder Zinsen, und wohl die Anleihenkapitalien zurück. Und wird es noch tun, bis zum nächsten Jahr. Dann sind definitiv alle Kriegsschulden aus dem Ersten Weltkrieg getilgt.



*021209*

Montag, 30. November 2009

Ein stolzes Völkchen

In der Schweiz hat aus dem Gründungsgedanken heraus seit je eine starke staatliche Identität geherrscht, die eine solche im vielleicht besten Sinne war, die denkbar ist. Denn auf der Grundlage einer ungemein ausgeprägten regionalen Identität, dem sprichwörtlichen "Kantönligeist", ist die Schweiz ein Zusammenschluß, der diese kleinen Gebilde zusammenfaßt. Bei ungemein stark ausgeprägter regionaler Autonomie. Nicht zuletzt deshalb war die Schweiz bis vor kurzem nicht einmal Mitglied der UNO, ebenso wenig wie es eines der EU ist. Seine jeweils betroffenen konkreten Interessen hat es in bilateralen Verträgen geregelt, der die Schweiz durch den Beitritt zum Schengener Abkommen sogar stärker mit der EU zusammenschließen, als z. B. die meisten der ehemaligen Ost-Europa-Staaten.

Dieser staatliche Zusammenschluß - und das hatte nicht einfach wirtschaftliche Vorteile, trotz des Schweizer Calvinismus! denn man vergißt leicht, daß die Schweiz bis zum ersten Weltkrieg ein sehr armes, industriell unterentwickeltes Land war - ist für die Schweizer ein wirkliches Mittel höherer Organisation. Im Gegensatz zu Österreich hat die Schweiz ihre Eigenstaatlichkeit immer höchst glaubwürdig zu behaupten, in letzter Konsequenz durch beachtliche militärische Bereitschaft zu unterstreichen gewußt. Und das war die entscheidende Basis für ihren Aufstieg im 20. Jahrhundert, als neutrales Flucht- und Rückzugsland.

Aber diese Neutralität hieß nie Konturlosigkeit. Man hat in den 1960er, 1970er Jahren Tränen über Emil gelacht, wenn er im Film ("Die Schweizermacher"), im TV, durchaus kritisch, aber mit viel Augenzwinkern, die ganz reale Praxis aufgriff, Ausländern, die in der Schweiz dauerhaft leben wollten, die unbedingte Bereitschaft abzuverlangen, die Schweizer Art auch annehmen zu wollen. Das ging bis zu Fragebogenpunkten, wie ein Käsefondue, das Nationalgericht der Schweizer, zu kochen sei.

Zwar kann man hier kaum von Nationalgefühl sprechen - in der Schweiz leben Angehörige von drei, wenn nicht vier Nationen, und selbstverständlich sind die deutschsprechenden Schweizer immer ein Teil (ja: und einer der wichtigsten) Deutschlands gewesen. Die sich aus der militärischen Hilfe für Kaiser Friedrich II. gegen die Lombardischen Städte jene Privilegien erstmals gesichert haben, die sie dann zum Kampf gegen die Fremdherrschaft der Habsburger ermutigte. Aber es ist diese Metaidee "Staat", in Form einer Eidgenossenschaft, die alle Separatismen kurzhält. Und sie gibt den Schweizern eine starke Identität, die sie auch bis heute gewisse Unerschrockenheit, Prinzipientreue, auch wenn es Nachteile bringt, bemerken läßt.

Wer Schweizer kennt wird bestätigten, daß bei allen, ausnahmslos, ein ausgesprochenes Selbstbewußtsein ihre eigene Art betreffend herrscht, ein Stolz Schweizer zu sein. Selbst politisch unvereinbare Richtungen finden sich nach außen sofort zusammen, wenn es um die Schweiz selbst geht.  So daß sich bestätigt, was Adam Müller einmal schreibt: daß es dieser Bezug jedes Einzelnen zum Gesamtorganismus ist, der den Kredit, auch des Singulären, ausmacht.

Entsprechend unbeugsam sind sie auch. Ein in der Schweiz populäres Buch in den 1960er, 1970er Jahren behandelte ... die Taktik totalen Volks- und Guerillakrieges im Falle eines Angriffs von außen. Und während in Österreich immer schon über 10, 12 oder 24 Abfangjäger diskutiert wurde - und Österreich liegt an einem europäischen strategischen Schnittpunkt - hatte die Schweiz in den 1970er Jahren 500 (!) Abfangjäger und Militärflugzeuge modernster Art unterhalten.

Wenngleich man natürlich auf den separatistisch-voluntaristischen Charakter dieser Identitätsbehauptung hinweisen muß, den er immer zumindest als Gefahr hatte. Und dieser machte so manche Schweizer ihrem Land gegenüber auch recht kritisch. Denn wo der Staat aus der Haltung jedes einzelnen lebt, und nur daraus lebt, ist die Gefahr groß, daß jede Lebensäußerung auch als Staatsangelegenheit angesehen wird.

Vermutlich ist die aktuelle Entscheidung gegen eine Verfremdung der Kultur durch Minarette exakt aus dieser Motivlage gestärkt worden und so zu begründen.




*301109*