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Freitag, 22. Oktober 2010

Werbepoesie

Eine schöne poetische Geschichte. Selten, leider sehr selten in der Werbung. Und gut gemacht!

"Carla, eines Tages wird Dich einer erwischen!"

 

 
*221010*

Der Losschläger

Warum es einen Mittler im Verhältnis zu Gott braucht? Spaemann formuliert eine der Antworten, und es ist eine der am leichtesten nachvollziehbaren: Weil der Umkehr, der Öffnung des Herzens nach der Lösung von der Sünde, dem Irrtum in ihre Gepäck, die Gnade VORHERGEHEN muß. Die stellvertretende Sühne, das stellvertretende Opfer erbittet diese Gnade.

Wie im Kinderspiel also: man muß von einem anderen abgeschlagen werden, um sich aus der Erstarrung wieder lösen zu können. UND dieser andere muß die Lösegewalt - die Autoritsierung von höchster, alle beide überragender, für alle beide gültiger Stelle braucht! - haben.

Wir empfangen, was uns befreit. Hätten wir es, wären wir frei, hätten wir keine Sehnsucht nach mehr Freiheit. Erlösung heißt: Freikauf durch einen Losschläger.

Weil aber dieser Losschläger, wäre er nur irdisch, wiederum einen bräuchte, muß es ganz am Anfang einen Losschläger gegeben haben, der sich selbst Anfang war, der ... Gott war.

Jesus. Auf den alle gewartet haben. Und der in der Kirche leiblich präsent blieb. Dem Losschläger.

 
*221010*

Unendliche Momente

Vielleicht kann man es so sagen: Es geht im Leben überhaupt nur darum, die Fülle eines einzigen Moments, und in diesem liegt alle Fülle der Welt, ganz, ins Insgesamt des Lebenshorizonts, in die Zeit, in die Abfolge die eine stetige Steigerung zum Universalen ist, hineinzuziehen. Jeder Augenblick ist so unausschöpfbar, und die Höhe einer Kultur ist, diese Fülle nicht zu verwischen, sondern aufzunehmen. Kultur ist überhaupt nur Präsenz der Schönheit, die aus dem Tun, dem Vollzug erfließt.

Nehmen Sie sich diese 7 Minuten Zeit ... Wunderschöne Momente.

 
 
*221010*

In der Hand weniger

"Dreihundert Männer," schreibt Walther Rathenau in einem Aufsatz für die Neue Freie Presse im Jahre 1909, "von denen jeder jeden kennt, leiten die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents." Er selber war im Laufe jener Jahre bei insgesamt 86 deutschen, und 21 ausländischen Unternehmungen leitend tätig. Deren Auflistung sich wie ein Lexikon der Wirtschaftsgeschichte liest.

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Ein Lobbyist hat einmal gemeint, daß es in Österreich knapp hundert Personen gäbe, die im Grunde alles in der Hand hätten.

 
*221010*

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Sinn des Opfers

Woraus die Dinge entstehen, dahinein vergehen sie auch nach der Ordnung der Zeit. Denn sie zahlen einander Buße für das Unrecht. (Anaximander)

Alles Existierende existiert auf Kosten von anderem. Es ist gewalttätig vom Wesen her. (Spaemann)

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Das heutige Gequatsche von Gewaltfreiheit - das die erbsündliche Verfaßtheit des Menschen übersieht, und von einem Paradies auf Erden ausgeht - ist nichts anderes als der Kampf gegen das Sein selbst, das seine Gestalt sucht, und diese nur mit Landnahme findet: durch Einbruch in bestehende Gefüge. Es ist der Versuch, dieses Entstehen zu behindern, das immer Licht in die Welt hinein spiegelt - um Freiheit für die Macht des Dunkels zu erlangen, dem nunmehr geopfert werden soll. Dies zu wissen belädt die Verantwortung mit notwendigen Fragen der Gewaltanwendung.

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Das Christentum denkt im Gedanken des Paradieses die Möglichkeit eines Lebens, das gewaltsamer Selbstbehauptung nicht bedürftig ist. Es denkt ferner, daß es dem Einzelnen und der Menschheit nicht möglich ist, dem fatalen Zirkel gewalttätiger Selbstbehauptung, nachdem er einmal etabliert ist, zu entkommen, außer indem der Einzelne jenem Menschen nachfolgt, der von Anfang an in diesen Zirkel (aus Verstoß und Wiedergutmachung) gar nicht verstrickt war, sich ihm aber freiwillig als "Opfer" überließ. 

Daß die Übernahme der Sündenbockrolle zugleich die Intention der Opfergeschichte erfüllt, die Intention der Versöhnung der Gottheit durch Wiederherstellung des Gerechten, das setzt freilich voraus, daß dieser Mensch nicht nur einer unter anderen ist, sondern die Inkarnation des göttlichen Logos selbst, der seine endliche Existenz stellvertretend preisgibt. 

Robert Spaemann "Zum Begriff des Opfers"

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Dem Utilitarismus, dem heutigen Zweckdenken, steht das Opfer unlösbar gegenüber - es ist nicht argumentierbar. Es ist einfach - DA. Im Bedürfnis nach Wiederherstellung einer Bilanz, die der Mensch im Transzendentalen, in der absoluten Gerechtigkeit ahnt und weiß. Eine Einbuße - die Untat, die empfangene Gabe (im Dankopfer) - soll durch eine andere, freiwillige Einbuße ausgeglichen werden. Wobei es nicht einmal um die Adäquatheit der Gabe geht, sondern um die subjektive Entsprechung der Tat (im Verzicht). Denn es geht um die Wiederherstellung der Ehre vor dem, demgegenüber die Bilanz unausgeglichen ist, und in seinem Maßstab.

 
*211010*

It's a dad's life

 
 
 
*211010*

Sehen, und doch nicht sehen

Sehen, schreibt Valentin Tomberg in "Lazarus komm heraus", heißt ursprünglich "vertikal" sehen: Mit dem über die Augen Eintretenden bewegt sich der Geist als Spiegelung des Himmels, und jeder Sinneseindruck ruft eine Gesamtwelt aus "Tatsachen" und Geist hervor. Als Ideen, die die absoluten Ideen in Gott widerspiegeln, sodaß der Mensch in der Wahrheit wandelte - ihm gegenüber (das Geschöpfliche als transzendent, damit hereinragender Geist), in ihm spiegelnd. Ein Zusammensehen von Realem und Idealem.

Besser: Rief hervor.

Denn mit dem Sündenfall zerbrach diese Ganzheit, sodaß das Sehen prinzipiell zynisch wurde. Plötzlich sahen Eva und Adam, daß sie nackt waren, reduzierten sich und die Welt auf Tatsachen.

***
 
Der Taufritus der Kirche kennt genau deshalb die Berührung der Sinne: Effata! Das Sehen (und Wahrnehmen) soll wieder ganz, vertikal sein.

 
*211010*

Verwirklichte Anarchie

In den 1960er Jahren hat es begonnen. Von auf ausgedienten Fliegerabwehrtürmen improvisierten Sendetürmen außerhalb der Hoheitsgewässer Großbritanniens aus entstand ein Piratensender nach dem anderen, vorerst ohne jedes kommerzielle Interesse. Heute sind sie, dank moderner technischer Möglichkeiten, längst mitten in London platziert, und so gut getarnt, daß die eigentlichen Sendestudios, dank Internet und häufigem Wechsel der eigentlichen Sendeanlage völlig ortlos, von den britischen Behörden nicht ausfindig gemacht werden können, selbst wenn die gut getarnten Sendemasten auf den Dächern, die oft genug nur eine Häusergruppe bedienen, gefunden werden.


*211010*

Seltsame Blüten

Die Blüten, die die Bewegung des Heiligen Franz von Assisi indirekt trieb und anstieß, waren beträchtlich, und die Kirchengeschichte ist ab der Gründung des Ordens voll mit Konflikten, Ordensabspaltungen, Sektengründungen und teilweise bedenklichsten Erscheinungen. Was dem Heiigen Franz adäquat war, war eben im Grunde eine Form der Häresie, und stieß in der Form eines Ordens bald an sehr logische und natürliche Grenzen - alleine die Eigentumslosigkeit war ständiger Streitpunkt, weil sie bei einem Klosterbetrieb, der gewisse Notwendigkeiten aufwarf, nicht wirklich durchführbar war.

Zusammen mit den Prophetien des Joachim von Fiore blühten bald die seltsamsten Gewächse auf, der Heilige Franz galt als apokalyptische Figur, und Kaiser Friedrich II. als Antichrist. Erst als dieser 1250 (und NICHT 1260, dem angeblichen Todesjahr des Antichristen) verstarb, floß manches wieder in ruhigere Gewässer. Aber insgesamt bildeten sich rigoroseste und versponnenste Gemeinschaften, mit teilweise beachtlicher Anhängerschaft, und man muß hierin ein gewisses Erbe der Waldenser erblicken, das im Heiligen Franz insofern weiterlebte, als es tendenziell im Subjektivismus angelegt unter anderen Bedingungen den franziskanischen Gedanken leicht zum Rigorismus und schwärmerischen Fanatismus kippen ließ. Mit am tollsten trieben es aber die sogenannten "Apostoliker" in Parma, eine - Henry Thode beschreibt es - nachgerade Karikatur des Minoritenordens.

Ihr Stifter, Gherardo Segarelli, wollte in allem Christus nachahmen, legte sich sogar in die Wiege, und benahm sich wie ein Säugling. Er lief wie toll herum, und rief fortwährend "Tut Buße, tut Buße, tut Buße!", forderte auf dem Lande die Leute auf, sich in fremden Weinbergen an den Trauben satt zu essen, und war von so schwankem und unstetem Wesen, daß er eine Einladung der Bevölkerung mit "Entweder ich komme oder ich komme nicht" beantwortete.

Er gewinnt sich einen sehr fragwürdigen und bekannt unmoralischen Gesellen, der Famulus bei den Minoriten war, ja gewinnt nach und nach weitere Anhänger. Denn die Sinnlosigkeit, deren er sich befleißigt, findet bei den Leuten Gefallen. Dabei tut die Gesellschaft nichts: sie beten nicht, sie hören nicht Beichte, sie predigen nicht, sie verwalten keinerlei kirchliche Funktionen oder erteilen gute Ratschläge - sind zudem weit davon entfernt, ein gutes Beispiel in ihrer Lebensführung zu geben. Nur der Umstand, daß diese chaotische innere Haltung eine Organisation unmöglich macht, verhindert ihre weitere Ausbreitung.

Erst ein gewisser Guido Putagius beendet das ziellose Treiben, reißt die Herrschaft des "Ordens" an sich, worauf ein förmlicher Kampf mit einer anderen Abteilung in der Mark Ancona beginnt. Sie benehmen sich wie unmündige Kinder. Sind sie mit Gherardo zusammen, so tun sie nichts als beständig "Pater, Pater, Pater" zu singen. Ihre Tracht ist nach Zeitzeugen unfaßbar grotesk.

Der arme Narr Gherardo mußte 1300 seine Verrücktheit mit dem Feuertod büßen, denn inzwischen hatte die Sache einen bedenklichen Anstrich bekommen. Mit Dolcino von Novara war ein energischer Mann an die Spitze der Apostelbrüder gekommen, der sich die realen gefährlichen Waffen der Patarener aneignete und sie mit erneuter Kraft gegen die römische Kirche führte. Es kam zur offenen Schlacht mit dem Heer der Inquisition, und die Apostolaten wurden 1367 am Berge Zebello eingeschlossen. Dolcino von Novara verhungerte qualvoll, gab aber nicht auf, und blieb seinen Überzeugungen bis zum Schluß treu.

 
*211010*

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Vielleicht muß man es ganz anders sehen

Die FAZ schreibt - begleitend zum Staatsbesuch von Präsident Wulff in der Türkei, ein Schelm, wer deshalb Arges dächte, bei Artikeln, die "die Angst vor der Türkei" so offenbar und bemüht "nehmen" sollen - über die Tatsache, daß sich das Bevölkerungswachstum der Türkei verlangsame. 
Hätte man noch vor wenigen Jahren vor einem heranwachsenden Giganten Türkei, mit hundert bis hundertzwanzig Millionen Einwohnern gerechnet, so sei diese Angst unberechtigt. Mit ihren derzeit dreiundsiebzig Millionen Einwohnern habe die Türkei ihr Bevölkerungswachstum auf unter zwei Prozent eingeschliffen.

Und zwar weil der Westen, die Gegend um Istanbul, die ja ein Drittel der Türken ausmacht, im Gleichklang mit westlichen Entwicklungen (Wohlstand bringt Geburtenminus) längst eine auch westlichem Standard angepaßte Geburtenrate aufweise. Nur der Osten (Karte), das Bergland von Anatolien, dort wohnten sie noch, die Massen, dort herrschte noch der Geburtenüberschuß. Aber leider, leider auch mit dem Wertmutstropfen: der Westen, der ja so gerne seinen sich abzeichnenden Mangel an Facharbeiten mit türkischem Bevölkerungsüberschuß decken würde, träfe da auf völlig ungebildete Bevölkerungsteile, oft ohne jede Schulausbildung.

Nun wollen wir uns einmal diese menschenverachtende Diktion auf der Zunge zergehen lassen: Unsere Industrie will den Facharbeitermangel mit türkischen Bevölkerungsmassen decken. Eigentlich sollte man solche "Industrie" sofort des Landes verweisen, die dann auch noch von Steuergeldern ihre Anteile verlangt, um überhaupt überleben zu können, und kaltlächelnd Fremdarbeiter zu Sklavendiensten importiert, die Sozialprobleme im Gepäck haben, die dieselbe Industrie bald bewegt, ihre Produktionsstätten überhaupt in lohnschwächere Gebiete, in China oder Thailand, zu verlegen.

Es fällt aber auf, daß die Türkei offenbar konzentriert daran arbeitet, eigene soziale Probleme zu exportieren. Der Aufruf des türkischen Präsidenten an seine eigenen Landsleute, sich in Deutschland gut zu integrieren, kommt ja nicht von ohngefähr. Warum macht man das? Da muß man nur weiterdenken, als bis zur ersten, eigentlich nur rhetorischen, gewöhnten Antwort.

Das alles ist aber nicht neu, und war jahrzehntelang Inhalt europäischer, ja weltweiter Außenpolitik. Nun sollen diese Menschen offenbar - unter völliger Mißachtung des abendländischen Bildungsbegriffs! - mit Hochleistungskursen zu Handlangern europäischer Industrie vergewaltigt werden.

Das legt den Verdacht nahe, daß die Verdächtigen nicht einfach die üblichen sind, sondern daß es sich um ein völlig anders gelagertes Problem handelt: Wo eine Kultur, die nicht mehr besteht, die sich selbst zugrundegerichtet hat, im verfluchten Laster der Jahrzehnte 1970 folgend endgültig alles in den Boden gestampft hat, nun von einer Kultur, die schon Jahrhunderte keine mehr ist, gemäß dem Gesetz der Osmose, aufgesogen wird. Da herrscht auf beiden Seiten nicht die Hoffnung auf eine frohe, gute Zukunft, die haben beide Seiten nicht mehr vor sich - da klammern sich zwei Ertrinkende aneinander. Das Christentum ist (als Religion in der historisch bekannten Form) tot, der Islam ist längst tot. (Der "Islamismus" hat im Christentum in den "Erneuerungsbewegungen" sein Pendant, beides sind aufgrund ihrer seelischen Strukturen Todeserscheinungen, vergleichbar der "Seele", die vom Leichnam verduftet.)

Was will man da erwarten? Hat man nicht diese Generation - und zum Bespiel Strache, Wilders etc. sind "diese" Generation - schon aus den Elternhäusern her in die Irre geführt, und läßt sie nun mit peripheren Problemen kämpfen, sich aufreiben, während die Schuldigen ganz woanders sitzen, und nur noch hoffen, die paar Jahre bis zu ihrem Ableben halbwegs zu überstehen?

Nein, nein, da braucht es einen völlig neuen, anderen Ansatz. Den gilt es zu finden, und in Politik - die nicht nur eine, die eigentlich schuldhafte, die zwei Stufen, auch die der Zurkenntnisnahme des Tatsächlichen, zu spät ist - umzusetzen. Wundengelecke ist Zeitverschwendung. Da ist etwas anders im Gange.

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Ein Kontinent, Europa, dessen geistige Wurzeln wegbrechen und verfaulen - Griechenland - und der dafür von denselben Kräften bestimmt wird, die jener Geist als voluntaristisches, moralistisches, positivistisches Konzept (das immer in Konflikt mit dem Holismus der Griechen stand) Gepräge überwand und klein hielt (im 6. Jahrhundert definitiv) - als Rückkehr also.

Was gemeint ist? Die Etrusker, aus denen heraus sich Rom entwickelt hat, kamen aller Wahrscheinlichkeit nach aus eben jenem geographischen Raum, der nun erneut, in einer Völkerwanderung, Europa durchwirkt. Sie waren matriarchalisch, wie es die Anatolier bis heute sind. Nun steigt Europa auf exakt diese Stufe zurück, nein, sammelt sich dort, wo es nichts mehr zu sammeln gibt, denn diese Stufe heißt Formlosigkeit, heißt technizistische Auflösung der Lebensprozesse, und heißt, chthonisch - archaische Religiosität.

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Die Gegenwehr gegen die einwandernden Türken könnte (zumindest: auch) eher mit jenem Verhalten zu vergleichen sein, wo man am anderen exakt jene Schwächen haßt, die man selber hat.
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Und haben wir nicht in der Art, wie die Türken hier ihr Dasein fristen, nicht nur die Früchte dessen, was wir selbst als Lebensform provoziert haben? Wer durch Berlin geht, könnte den Eindruck haben, daß die Berliner selbst jene formlose, verwahrloste Lebensform wollten. Berlin sieht über weite Strecken aus, wie ein einziger Slum - aber nicht "nur", weil dort so viele Ausländer wohnen. Die Einheimischen selbst scheinen so leben zu wollen - ortlos, heimatlos, nur noch auf die Deckung momentaner und spontaner Bedürfnisse ausgerichtet.

 
*201010*

In Freiheit - Sein

Die Anerkennung von "Sein" (und das ist ja Metaphysik) ist eine Angelegenheit des freien Willens, schreibt Robert Spaemann einmal. Ich kann mich weigern, den Schmerzensbekundungen eines anderen zu folgen, ihm zu glauben, daß er Schmerz leidet. Ich kann mich weigern, Lebendiges als Lebendiges anzuerkennen. Ich kann mich weigern, B zu sagen, wenn man A gesagt hat. Ich kann mich weigern, einfach weigern, evidente Konklusionen zu ziehen, wo wenn - dann gilt. 
 
"Sein im Sinne von Dasein ist nicht empirisch gegeben und seine Affirmation ist nicht zwingend." (Kant)


*201010*

Leben als Schadensfall

Das Sorgerecht wie die Sorgepflicht der Eltern beruht auf dem ursächlichen Zusammenhang des Menschen (bzw. jedes Seienden) mit seinem Hervorbringer. Sprich, wer mich gemacht hat, der übernimmt damit gewisse Verantwortungen, aber auch Rechte. Jeder Mensch verdankt sich also jemandem, wobei dies letztlich in einem Unsagbaren verschwimmt, denn die Zeugung neuen Lebens ist ein "Nebeneffekt" (!) personaler Hingabe, wenngleich nicht abtrennbar (und genau darum geht es ja in der Verhütungsdiskussion) weil Teil eines Ganzen.

Robert Spaemann führt diesen Gedanken auf einen logischen Punkt: Wenn die pränatale Diagnostik die Entscheidung für oder gegen einen Menschen zur Voraussetzung hat, so ist in diesem Fall nicht nur ausjudiziert, daß der Arzt quasi die Verantwortung für einen nun "doch" geborenen Menschen, der behindert ist oder sich so fühlt, trägt, sondern wenn dieses Dasein sich auch noch einer in-vitro-Entstehung "verdankt", wird der Hersteller - denn hier ist es ein solcher, kein Erzeuger - gleichfalls rechenschaftspflichtig.

Damit wird die eigene Existenz, sobald sie mit Leid konfrontiert ist, zum "Schadensfall", weil die Selektion - und sie findet bei dieser Form der "künstlichen Befruchtung" statt - auch Kriterien verlangt, über die Rechenschaft zu legen ist, und damit eine neue Dimension der Verantwortung (an einen Ort, wo sie gar nicht hingehört, nämlich) aufreißt. Sieht man von einer bemerkenswerten Ungleichheit der Menschen ab, die nun entsteht: hier die Gezeugten, dort die Gemachten.

Erschreckenderweise sind wir im selbstverständlichen Handeln der Menschen bereits dort angelangt. Wo das Leben als Ablauf definert wird, der von falschem Handeln der Mitwelt deformiert wird, sodaß diese für die Folgen aufzukommen hat. Es ist weiterhin mehr als naheliegend, daß in einer landläufig betriebenen Praxis der Empfängnisverhütung gleichfalls "zufällig" und ungewollt (!) entstandenes Leben zum Schadensfall wird.

***

Zwanzig Jahre war jener Embryo eingefroren, der dieser Tage, aufgebaut und in eine Frau eingepflanzt, als Baby geboren wurde. Zwanzig Jahre Hölle, unendliches Leid verhinderter Lebenswirklichung, unartikuliert und wahrscheinlich unartikulierbar (denn welcher Zeitgenosse wird ihn verstehen können? Gefängnisinsassen, Gelähmte, wohl noch am ehesten?), hat dieser Mensch erlebt. Was wird wohl aus ihm werden? Welche Welterfahrung liegt seiner Art, auf die Welt zuzugehen, zugrunde!?

 
*201010*

Unvorhersehbar

Gefunden bei failblog
 
 
*201010*

Im Zweifel: für die eigene Glücksillusion

Das Wiener Jugendamt meldet (Pressebericht), daß die Familien kaputter seien, als noch vor Jahren. Solche Meldungen freilich gehen und kommen, und unterliegen derselben Skepsis, wie sämtliche übrigen Medienberichte. Aber das sagen auch im Artikel Genannte, die nicht sicher sind, ob Gewalt und Verwahrlosung gestiegen seien, oder einfach - seit den Werbekampagnen 2004/05 - die Bereitschaft, solche Fälle der Öffentlichkeit zu übergeben, zu melden.


(Vielleicht steckt hierin auch der einzige wirkliche Schlüssel für diesen Artikel, die in einer Linie zu stehen scheinen: zuletzt stand häufiger zu lesen von "steigender Gewalt in Familien". Geht es also um Subventionen, um Budgetverhandlungen, um Geldnöte oder schlicht Begierlichkeiten der Kriseninterventionszentren, die "professionell" von entsprechender PR, die ein öffentliches Interesse vortäuschen sollen, begleitet werden? Es wäre nur die übliche Vorgangsweise.)

Das interessanteste freilich ist, was die Jugendamtsleiter über die Reaktionen berichten, wenn sie einschritten, um Kinder aus untragbar gewordenen familiären Situationen in Kriseninterventionszentren zu bringen - was zwar nicht häufiger vorkomme, aber in immer drastischeren Fällen.

Die Kinder würden, so die Dame, meist nicht überrascht sein, sondern sich, wenn sie von der Schule z. B. abgeholt und in städtische Obhut verbracht würden, so verhalten, als hätten sie es längst erwartet. Desgleichen die Eltern - als gehörte es so. Nur in zwei Prozent der Fällen müßte gerichtlich eine Abtrennung der Kinder erwirkt werden. Das sei sogar fürs Jugendamt seltsam, und - ein erstaunlicher Anflug von Normalität - man würde sich wünschen, wenn dafür gekämpft würde, auch beisammen zu bleiben.

Eltern? Es seien viele alleinerziehende Frauen, die oft psychische Probleme hätten, und mit der Situation überfordert seien. Schon gar unter dem Spardruck der letzten Wirtschaftskrise. (Die auch dafür herhalten muß? Wer, schon gar aus eher prekären Verhältnissen, hat wirklich "sparen müssen"? Am wenigsten, interessanterweise, hat sich ja für die unteren Einkommensschichten geändert!?)

Frauen aber würden in oft sehr intensiven Spannungsfeldern stehen, zwischen neuen Partnern und "alten" Kindern. Und sich oft für den neuen Partner entscheiden.


2009 ist die Zahl der Gefährdungsmeldungen beim Jugendamt mit 10.451 erstmals leicht zurückgegangen (2008: 11.312 Meldungen). Was allerdings auffalle, sei, dass die Fälle "häufig sehr extrem werden". "Wir führen das auf überforderte Eltern zurück, die immer weniger Zeit haben", sagte Gabriele Ziering vom Wiener Jugendamt. Die Kinder seien heute mehr sich selbst überlassen.

Ebenfalls neu sei, daß Familien - insbesondere Patchworkfamilien - nicht mehr so belastbar sind. "Die Entscheidung wird dann häufiger gegen das Kind und für den neuen Partner getroffen."


*201010*

Austrian perspective

Der österreichische Nationalökonom Friedrich Hayek, hier in verschiedentlichen Interviews in den 1970er Jahren, wo er seine Thesen argumentiert, vor allem immer wieder den Keynesianismus kritisiert. Der seiner Auffassung nach unweigerlich zu Inflation und Arbeitslosigkeit führt.



Hayek erklärt in diesem Video seine These, warum Sozialismus schon rein theoretisch nicht funktionieren könne: menschliche Ressource ist nicht verplanbar und einfach verfügbar von einer Zentralstelle, sondern eine Eigenschaft freier Individuen. Eine Gesellschaft funktioniert nur auf der dezentralen Nutzung auch nur dezentral gültiger Kenntnisse und Ressourcen. Sprich: eine Volkswirtschaft ist nicht "eine zentrale Ressource", sondern die bloße Summe unzähliger dezentraler Wirtschaftseinheiten, die als Organismus intakt bleiben müssen, und das heißt: frei bleiben müssen, sollen sie funktionieren. Der Sozialismus protestiert außerdem gegen die Erzeugung von Gewinnen, nicht einmal für deren Verwendung. Aber er wendet sich damit gegen das, was eine Gesellschaft überhaupt möglich macht. Gewinn ist keine Ausbeutung, sondern ein Symptom das zeigt, daß individuelle Verantwortung wahrgenommen wird. Eine arbeitsteilige und mannigfaltige Gesellschaft wie die Staaten der Gegenwart kennt nur diesen Parameter für ihr Funktionieren, weil sich Anbieter und Konsumenten nicht mehr persönlich gegenüberstehen. Deshalb kann nur der Gewinn anzeigen, ob wir überhaupt noch der Gemeinschaft dienen. 
 
Sozialismus würde außerdem voraussetzen, daß er gerecht wäre. Gerechtigkeit aber kann nur dann vonstatten gehen, wenn der Verteiler, der Planer, auch alle Fakten kennt, berücksichtigt. Es ist aber für Zentralstellen prinzipiell unmöglich, alle notwendigen Informationen zu erreichen und zu verarbeiten, weil der Informationsstand aufgrund ständig verändernder "spontaner" Situationen auch ständig wächst und sich verändert. Also braucht es hinwiederum autorisierte (!) Dezentralisation, weil nur dezentrale, lokal betroffene Selbstverantwortung solche Information wirklich aufnimmt und verarbeitet - und das verhindert prinzipiell zentrale Planung. (Dies auch präventiv gesagt, um dem Irrtum vorzubeugen, das Problem zentraler Planung wäre mit verbesserter Informationsverarbeitung - über moderne Computer - zu bewältigen: es besteht ein prinzipieller Widerspruch zwischen dem Verhalten freier Menschen, die ihren eigenen Zielen folgen, und zentraler Steuerung von Wirtschaft. Nur die wirkliche, nicht simulierbare, Notwendigkeit der Integritätswahrung, der Zwang zur Selbsterhaltung bei lokalen Organismen, und das bedeute auch die Absenz zentraler "Notfallhilfe", macht alle jene Ressourcen frei, die eine Volkswirtschaft eigentlich hat, Wirtschaftsorganismen sind "singulär", Häufung oder Wahrscheinlichkeit ist irrelevant.)



***

"Das Ganze der Wirklichkeit ist kein möglicher Gegenstand unseres Wissens und Vorstellens, denn unser Wissen und Vorstellen ist selbst Teil des Ganzen." (Spaemann) Es gibt kein "alles umfassendes Glück" als stabilen, ruhenden Zustand, sondern nur ein unendliches Fortschreiten von Begierde zu Begierde.

 
*201010*

Ein christlicher Dichter

Warum, fragt Henri Bremond einmal, ist Shakespeare mehr Christ als Racine, und ein größerer Dichter? Weil in Romeo und Julia ein Mönch auftritt?

Ganz sicher nicht.

Sondern weil wir mit Shakespeare tiefer ins menschliche Herz schauen, weil er ein Dichter des Tiefen-Ichs ist, der sich sicherer auf der Höhe und in Glut hält. Und selbst Newman sprach aus diesem Grund davon, daß Shakespeare ein großer religiöser Dichter ist.

Und John Middleton Murry schreibt dazu: "Wenn die Religion die Grundtatsache der Seele ist, wenn das Bewußtsein, das diese Seele von sich selbst gewinnt, notwendig eine Art Besitzergreifung Gottes erfordert, der in ihr wohnt und ihr das Sein gibt, so muß die Literatur, die nichts, als die Kundgebung dieser tieferen, wesentlich religiösen Seele ist, unweigerlich und unauflöslich ganz von Religion durchdrungen sein. Da gibt es keinen Ausweg. Religion und Literatur sind wie zwei Schößlinge, die aus einer und derselben ewigen Wurzel entsprießen."

Und er fährt fort: "Diese Intuition mag man mystisch nennen. Das schreckt mich nicht ab. Hauptsache ist es zu wissen, daß dies es ist, wodurch sich die romantische Bewegung auszeichnet."

Denn: "This was the creative centre of Wordsworth, Shelley, of Keats and Coleridge."

Und, meint wiederum Bremond, dies ist auch der Kern von Shakespeare. Was sich an ihm zeigt, findet sich beschrieben in den spanischen Mystikern, den Mystikern der Gegenreformation, hundert Jahre vor ihm. Die Poesie findet eben keine bessere Zuflucht als in der Psychologie der katholischen Mystiker. Und man kann diese beiden Aktivitäten nicht trennen, die zusammengehören, und voneinander abhängig sind: man lähmt sie, sobald man dies versucht.

Man kann auch die Mystik nicht von der Askese, nicht von der Vernunft, nicht von der sittlichen Vorbereitung ausschließen, vielleicht unter dem Vorwande, Gott zu preisen. Dies würde auf die hohlste Sentimentalität oder den Quietismus hinauslaufen. Die Askese ist kein Gebet, aber ohne eine Spur von Askese gibt es ebenso wenig wahres Gebet.


Wenn Animus sich weigert, das Kreuz zu tragen, wird die Ekstase Animas nur eine Illusion sein.

 
*201010*

Geschärfte Sinne

Vielleicht zum ersten Mal. Erkenntnis läßt am Gut der Welt teilhaben. Nihil est in intellectu, quod non sit prius in sensu, sagt Thomas von Aquin. Nichts ist im Verstand, um im Vernunfturteil zur Handlung zu führen, was nicht zuvor in den Sinnen war. Erst im Urteilen zeigt sich das Maß der Tugend, als Habitus zum Guten.


 

*201010*

Interpretation



Gefunden bei rrrick | via Glaserei
 
*201010*

Auf der Suche nach der Heimat

"Im Bewußtsein jedes Künstlers spiegelt sich die Welt (wird sie ergriffen und besessen) in besonderer und einzigartiger Weise. Jeder Künstler erscheint so als Bürger einer unbekannten Heimat (Anima), die er selbst vergessen hat. Und je mehr sich der Künstler dieser Heimat nähert, eine um so höhere Stufe der Schönheit erreicht sein Werk ... 

Zu dieser Heimat, die so tief im Bewußtsein versunken ist, versucht auch Proust selbst zurückzukehre, um das Wesen seiner Impressionen wiederzufinden, damit er sie wiedergeben kann; eine Arbeit, die Im Urgrunde aller seiner Werke liegt und die wir seine Methode der Tiefenforschung genannt haben."

(Pierre-Quint, "Marcel Proust")

 
*201010*

Dienstag, 19. Oktober 2010

Die glorreichen Sieben


Bures: Gebt dem Übel keine Chance!
Sie ziehen aus, um das Böse der Welt zu exterminieren. Was für gute Menschen unsere Politiker nicht sind!? Alkomaten für jedes Fahrzeug. Nie wieder Alkolenker!? Wer könnte da noch nein sagen.

 
 
 
Nur: ist das ihre Aufgabe? Soll und kann, ja DARF das überhaupt die Politik? Wollen wir tatsächlich Politiker die da sagen: Gut, wenn die Menschen nicht freiwillig (unfehlbar gewünschten Normen gemäß) moralisch handeln, dann geben wir ihnen gar keine Chance mehr dazu - wir lassen es nicht mehr auf ihre Moral und ihr Urteil ankommen, sondern machen sie wieder ein Stückchen mehr zu einem Teil einer Maschine, in der sie gefügig zu sein haben - der Lebens-Glück-Maschine. Was im Grunde nur noch heißt: Ablaufoptimierungsmaßnahme.

Ist es wirklich besser "nichts anzurichten", als zu handeln? Gab es da nicht einmal etwas wie "Leben"? Was bleibt davon eigentlich noch? Heißt "gelungenes Leben" wirklich "unfallfreies", "mißgeschickfreies", "verbrechensfreies", "normgerechtes", "versagensfreies" Leben? Und, wozu gibt es ein Strafrecht?

Oder, umgekehrt: haben wir unser Leben in Abläufen aufgehen lassen, die Schäden anrichten können, die in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen stehen, und so schlecht beherrschbar sind, daß wir den Menschen - weil er fehlbar ist, und tatsächlich (!) fehlt - ausschalten müssen? Sollten wir aber dann nicht die Technik eliminieren- statt den Menschen?

Oder sind es nicht gar dieselben Politiker, die eine Zivilisation aufrechthalten, fördern, durchdrücken, die mit dem Menschen nur noch auf eine Weise vereinbar ist, die ihn eigentlich eliminiert? Wie hier - Transportfreiheit (durch KostenUNwahrheit, also Staatseingriffe in Ursache-Wirkungs-Verhältnisse) in der EU, damit die Arbeitsteiligkeit brummt, und dafür Unschädlichmachung der beteiligten Menschen? Erst die Strukturen, erst die totale Enteignung (denn, wie man es auch dreht und wendet: der Verkehr verlangte und verlangt die größte Enteignungswelle, die überhaupt noch denkbar ist! nichts schädigt die Einzelinteressen so rücksichtslos, und so schwerwiegend!) und dann gehen wir daran, den Menschen hinten und vorne, oben und unten zurechtzuzupfen, damit er ins vorgefertige Glückssesserl paßt?

Naja, sagen dann die anderen, aber ist schon besser, wenn keine Alkoholunfälle mehr passieren.

Darum geht es? Um die Zustimmung zu diesem Satz? Warum sollte der implizieren, daß wir daraus ein Gesetz machen?

***

Friedrich G. Jünger setzt in einer seiner bekanntesten Publikationen - "Die Perfektion der Technik" - auseinander, daß der Verkehr es war und es ist, der die gesamte Menschheit in eine gigantische Maschine einspannt, daß sich nach und nach das gesamte Leben der Menschen nur noch nach dem Verkehr einrichtet - daß der Verkehr die ganze Welt, das Leben, in eine gigantische Maschine verwandelt, der alles untergeordnet wird. Was sich NICHT einordnen läßt, fällt ihr gnadenlos zum Opfer. Während sich alles in Nützlichkeiten und Zwecke verwandelt.

Weil alles Leben mit Raum zu tun hat, Raum durch Leben entsteht, sich Leben Raum schafft, an Raum gebunden ist. Verkehr aber bedeutet, Raum zu überwinden. Und damit das Leben, weil seine Bedingungen, zu beherrschen. Denn was wir nicht besitzen können, kann nur durch Überwindung von Raum (noch vor der Zeit - Zeit hängt am Raum) aus der Welt geschafft werden, damit es uns nicht beherrscht.


*191010*

Der Geist, der sich einen Leib suchte

Dieses kleine Rest-Österreich, das 1919 von den Siegermächten gegen seinen Willen gezwungen wurde, einen eigenen Staat zu bilden, war einem Gespensterhaus vergleichbar, was nur verstehbar wird, wenn man die historische Situation fertigdenkt: Österreich war das Herz und Hirn eines Vielvölkerstaates, enthielt also die Synapsen, die Schaltstellen im Gehirn für eine Weltmacht, dem sein Rumpf abhandengekommen war.

Also kam es in diesem Land zu einer geistigen Explosion, die einen heute nur noch wundern machen könnte: denn von Wien, von Österreich aus, wurden fast sämtliche maßgeblichen geistigen Grundlagen gedacht und in die Welt transportiert, später auch unfreiwillig, aber nicht weniger schicksalshaft, die bis zum heutigen Tag fortwirken.

In Österreich mußte die Welt neu erfunden werden, was natürlich zu allererst ein Bergen der Grundlagen aller Gebiete verlangte, und natürlich in den angestammten charakterlichen wie historischen Gebieten geschah - in der Musik (Zwölftonmusik) oder im Film (Hollywood!), in der Literatur, wie in der Malerei (die den Zusammenbruch vorwegnahm), in der Seelenkunde (von Wien nahm die Psychoanalyse ihren Ausgang), in der Philosophie (in den Polen Gödel - Wittgenstein, dem "Wiener Kreis", der später die scientistisch-rationalistische Philosophie der Neuzeit grundlegen sollte, dabei aber weit unterschätzt: in der Naturphilosophie und Naturrechtslehre, mit Namen wie Johannes Messner), und nicht zuletzt - in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Nationalökonomie.

Auch hier spricht man von der "Wiener Schule". Und sie ist deshalb von so hoher Relevanz, weil sie bis zum heutigen Tag fortwirkt, ja in den USA eine regelrechte Renaissance erlebt, wo man wörtlich von "Österreichische Schule" und "österreichisch sehen" spricht, und damit die Thesen der Nationalökonomen Mieses oder Hayek oder Schumpeter, meint. Die Nationalökonomie nicht als Naturgeschehen sieht, sondern als Sozialwissenschaft begreift. Markt ist also wesentlich eine Resultante subjektiver Wertschätzungen, und deshalb in höchstem Maß im sittlichen Stand eines Volkes rückgebunden - und damit eine Frage der Freiheit.

Gerade jetzt, wo sich innerhalb der Republikaner die Parteiung der "Tea-Party" gebildet hat, deren Programm sich aus den Schlüssen der Österreicher speist, haben diese österreichischen Thesen (die in ihrem Herkunftsland aber leider keinerlei Rolle mehr spielen) neue Relevanz. Diese haben eine Nationalökonomie gepredigt, die auf der Freiheit des Individuums aufbaut, und auf diese nicht verzichten kann. Deshalb läuft ihr Fazit auch auf den Punkt hinaus, daß der Staat sich aus allen Prozessen heraushalten soll, die der natürlichen Lebensäußerung eines Volkes zugehören. Jeder Eingriff des Staates bewirkt ein Verschieben des Gleichgewichts, in dem sich dialektisch die Volkswirtschaft des freien Marktes selbst reguliert.

Sämtliche Entwicklungen des 20. Jahrhunderts, beginnend von den 1930er Jahren an, belegen, daß ab dem Moment, wo sich ein Staat als "Hersteller", als Erzeuger der Lebensweise seiner Menschen versteht, das Ergebnis unweigerlich in Totalitarismus ausartet - ob in offener Form, wie es sich in Deutschland und Rußland, China, Italien, Spanien, Südamerikanischen Staaten, etc. etc., oder in der verdeckten Form einer "Demokratur", wie sie die "mildere" Form staatlichen Interventionismus in Form heutiger "Sozialstaaten" darstellt.

Das führt zu einer Deformierung der Selbstverwirklichung der Menschen, und langfristig überhaupt zu einem Ersticken jeder wirklichen Privatinitiative und Motivation. Besonders die Gleichheitsideologien werden als immense Gefahr erkannt, weil sie zum Verlust der Freiheit der Menschen führen, schon gar in Zusammenhang mit staatlichem Interventionismus.

Hayek sagt übrigens einmal, daß man sehr überrascht war, als sich Keynes aus "unerfindlichen Gründen" so durchzusetzen begann. Denn sämtliche Nationalökonomen waren eigentlich der Auffassung, daß die Vermehrung der Geldmenge als Mittel der Wirtschaftsstimulation, wie Keynes sie anpries, weil sie wie die Vergangenheit (die Krisen rund um 1880!) bereits gezeigt hatte automatisch zu Inflation und Arbeitslosigkeit führte, endgültig obsolet sei. (Was ja nicht oft genug gesagt werden kann: bereits die Krise 1929-1933 war eine solche Krise, die sich nur durch den Krieg unterbrochen, bis heute perpetuiert hat.) Aber man hat wohl die politische Brauchbarkeit des Keynes'schen Ansatzes unterschätzt ...

Freiheit bedeutet natürlich, daß es zu sozialen "Reibeverlusten" kommt, weil eine freie Volkswirtschaft in einem fortwährende Anpassungsprozeß verläuft, der sich erst dort anpaßt und dialektisch entwickelt, wo es eben zu "Verlusten" kommt. Dies kann punktuell - und erneut im wesentlichen auf einer Basis privater Initiative immer persönlicher Wohlfahrt - aber durch Wohlfahrt im jeweils adäquaten Maß aufgefangen werden. Denn auch eine Wohlfahrt kann nicht statistisch stattfinden, sondern braucht immer individuelles Eingehen, will sie nicht mehr zerstören, als beheben.

Nimmt man aber den Menschen diese Angewiesenheit auf die Wirklichkeit des Wirtschaftens selbst, zerstört man mittelfristig die Lebensfähigkeit einer Volkswirtschaft, die unweigerlich in einer Form von Staatssozialismus endet.

Die "Teaparty" - und damit die Aktualität und Brisanz der "Österreichischen Schule" (die FAZ schreibt, daß man in den USA sogar wörtlich von "to think austrian" oder "Austrian perspective", von "Österreichischer Sichtweise" spricht) - baut auf exakt dieser Erfahrung auf: daß sich immer deutlicher zeigt, daß ein Staat die Aufgaben, die er an sich zu reißen zu müssen meinte,  nicht nur nicht erfüllen kann, sondern sich dabei ruiniert.

Bereits Ayn Rand (ausnahmsweise keine Österreicherin, sondern vor der Revolution geflüchtete Russin) hat ja in den 1930er Jahren schärfstens kritisiert, daß mit den  Anti-Trust-Gesetzen um die Jahrhundertwende ein Damm staatlichen Eingreifens geborsten ist, der sich dann im fabulös gescheiterten "New Deal" Roosevelts in seinem zerstörerischen Ausmaß gezeigt hat. Nein, hätte. Denn der Krieg in Europa bewahrte die USA vor einem Desaster, denn Staatsinterventionismus "funktioniert" nur in Zusammenhang mit Ausweitung, mit Imperialismus, mit einer Steigerung der Anzahl der Bürger als Bürgen und Leistungsversprechen.

Aber auch die Weltwirtschaftskrise der Gegenwart ist tatsächlich eine Krise der Staatsstrukturen, der politischen Doktrinen, und zwar weltweit. Das Gerede von "reichen Spekulanten" etc. ist eine Lüge, die natürlich gerne verwendet wird, um zu verschleiern, in welchem Ausmaß die Staaten der Welt - und damit das alltäglichste Verhalten der einfachen Bürger - bereits auf reinen virtuellen Werten aufbauen.  

Das haben österreichische Nationalökonomen schon vor 90 Jahren vorhergesagt. Damals, als in Österreich die Welt neu erfunden, und dazu in ihren tiefsten Tiefen erforscht werden mußte. Weil nur noch der Geist einer Kultur und Gesellschaft übrigblieb, der seinen Leib verloren hatte, und notgedrungen einen neuen suchte. Also zog er aus, sich eine Heimstätte zu suchen ...

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Ein Filmchen, das die Gegensätze zwischen den unterschiedlichen ökonomischen Schulen - Freiheit vs. Staatswirtschaft, Hayek vs. Keynes - illustrieren soll. Naja.
 

 
*191010*

Marxismus kurz und bündig

Harry Graf Kessler bringt auf eine präzise und knappe Formel, was das Wesen des Marxismus ausmacht. Und er stellt so nebenbei einige abstrakte Haltungen dar, wie sie bis heute aktuell sind, denn ...


"... Marx stützt die ethische Berechtigung des Klassenkampfes auf eine sozusagen juristische Forderung: der Bourgeois vergütet dem Proletarier nicht den ganzen Wert seiner Arbeit, sondern nur einen Teil dieses Wertes: den anderen Teil (Marx nennt ihn Mehrwert) steckt er ohne Gegenleistung in die Tasche; dieser Unterschlagung verdankt er sein Einkommen, sein Kapital, seine Existenz. 

Der Proletarier fordert das Unterschlagene, den Mehrwert, zurück; aber das Urteil ergeht in der kapitalistischen Gesellschaft gegen ihn, nicht weil er unrecht hat, sondern weil der Bourgeois die politische Macht und die Produktionsmittel sich gesichert hat und das Recht beugen kann. Daher muß der Proletarier beides, die Produktionsmittel und die politische Macht, erobern; und ihn stützt dabei das Recht, wenn nämlich die Voraussetzung richtig ist, daß der Unternehmer ihm einen Teil des Kaufpreises für seinen Arbeitswert unterschlägt.

Dies die ethische Grundlage des Marxismus. Sie ist agitatorisch hinreißend, politisch unerhört wirksam, aber schmal und offensichtlich schwach, weil sie von einer Voraussetzung ausgeht, die zum mindesten bestritten ist."

***

Walther Rathenau übrigens geht nicht einfach nur von diesem Unrecht aus, sondern für ihn ist das Unrecht viel tieferliegend, diese Unterschlagung ist nur Teil eines viel größeren Unrechts, nämlich dem des Diebstahls der Seele. "Nicht innere Notwendigkeit des Mechanisierungsprinzips," schreibt er, "sondern bequem gebilligte Begleitumstände der Entwicklung haben die an sich unvermeidliche Arbeitsteilung zwischen geistiger und körperlicher Leistung zur ewigen und erblichen gemacht und so in jedem zivilisierten Lande zwei Völker geschaffen, die blutsverwandt und dennoch ewig getrennt, im gleichen Verhältnis wie ehedem die stammesfremden Ober- und Unterschichten, einander gegenüberstehen. Beide sondert und beherrscht der Zwang."


*191010*

In der innersten Seelenkammer

"Es gibt keinerlei Fenster in diesem Heiligtum, um Licht einzulassen; auf dieser Stufe des Geistes gibt es keinerlei Erörterung, uns zu erleuchten. Noch niemand trat in dieses Heiligtum ein, wie der Hohepriester; zu dieser Spitze der Seele hat die Rede keinen Zutritt, sondern nur das große, allgemeine und souveräne Gefühl, daß Gottes Wille über Alles geliebt werden muß. 

Tritt der Hohepriester in das Heiligtum ein, so wird er das Licht noch abdämpfen, das durch die Tür einfallen könnte, indem er viel Weihrauch in sein Rauchfaß werfen wird, dessen Schwaden die Strahlen der Helligkeit abhalten sollen, die das Öffnen der Tür einließ. 

Und alle Schau, die an der äußersten Spitze der Seele statt hat, ist in gewissem Grade dunkel und verhüllt durch die Entsagungen und Verzichte der Seele, die nicht so sehr die Schönheit der Wahrheit und die Wahrheit de Schönheit, die ihr dargeboten wird, ansehen und prüfen will, als danach verlangt, sie zu umarmen und anzubeten."

Franz von Sales über die innerste Seelenkammer, dem Abgrund, der nur noch vom ungeschaffenen Licht durchdrungen ist, als Seinsgrund, in seinem immerwährenden Anklammern an Gott.

 
*191010*

Beim Wort genommen

Wenn die Männer die Frauen wirklich beim Wort zu nehmen beginnen, und in den Wettbewerb einsteigen ... Wunderbar die betretenen Gesichter der jeweiligen Umstehenden, die über die wirklichen Dinge viel Wirkliches erzählen. Keine Angst - man tut es nach wie vor nicht.


*191010*

Verblüffende Inquisition

In einer ersten vierbändigen Veröffentlichung haben (weltliche) Wissenschaftshistoriker ein erstes Teilergebnis ihrer Untersuchung der römischen Zentralstelle der Inquisition (die in den letzten Jahrzehnten "Glaubenskongregation" hieß, und der der jetzige Papst Ratzinger lange vorstand) veröffentlicht. Mit einem verblüffenden Ergebnis, das laut Neue Zürcher Zeitung durchaus als Demaskierung eines im 19. Jahrhunderts - im Zuge eines sehr realen Kulturkampfs gegen den Katholizismus - entstandenen Vorurteils angesehen werden muß, demgemäß die Katholische Kirche als Feind der Wissenschaft den Fortschritt des Abendlands behindert eher denn gefördert habe.

Tatsache ist vielmehr, daß die römische Inquisition - eine Zentralinstitution, die erst 1541 entstanden ist (zuvor gab es nur lokale Inquisitionen*), also auch nichts mit "mittelalterlich" zu tun hat, als Teil eines weiteren tiefen Kulturkonflikts, der durch Verleumdung dieser Epoche, die heute völlig mißverstanden wird, schlicht diskreditiert wurde - keineswegs gegen naturwissenschaftliche Thesen vorgegangen ist, wie es auch heute kolportiert wird. Diese kommen vielmehr kaum in den Akten vor*. Sieht man von all jenen Büchern ab, die aus sittlichen Gründen, ob anstößigen pornographischen Inhalts etc., verboten wurden.


Die NZZ dazu:

Was in diesen vier Bänden in minuziöser Arbeit rekonstruiert wird, betrifft kaum das, was seit dem späten 17. Jahrhundert in einigen europäischen Vulgärsprachen als «Wissenschaft» bezeichnet wird und sich erst im 19. Jahrhundert in der heutigen Form gefestigt und institutionalisiert hat. Der Heliozentrismus von Kopernikus ist im 16. Jahrhundert beispielsweise noch nicht aktenkundig geworden. Und Giordano Bruno ist im Jubeljahr 1600 nicht wegen seiner kühnen Kosmologie der unendlichen Welten verbrannt worden, sondern, wie die bereits seit langem bekannten Akten belegen, wegen seiner theologischen Häresien. Auffälligerweise ist es gerade nicht die Astronomie, die den Zorn der Inquisitoren und Zensoren erweckt, sondern vielmehr deren Schwester, die prognostische Astrologie – und zwar bloss dort, wo diese zukünftigen Ereignisse als «sicher» voraussagen zu können behauptet.

Sonst wird systematisch bloß gegen die schwarze Magie vorgegangen, da sich diese des Teufels oder seiner dämonischen Dienerschaft bediene. Hier sympathisiert der heutige Leser leicht mit der Auffassung der Zensoren. Solche Sympathie wird durch den Umstand gefördert, daß beide Praktiken, die astrologische Prognostik und die schwarze Magie seit dem 18. Jahrhundert den Pseudowissenschaften zugerechnet werden.


Es stellt sich die Frage, so die NZZ bzw. die Forscher, wie der Konflikt im 19. Jahrhundert überhaupt habe entstehen können. Denn das, worauf sich diese Wissenschaftsfeindlichkeit der Kirche angeblich bezogen habe, betrifft Wissensgebiete, die in den Augen der Kirche ja gar keine Wissenschaften waren:

Denn von der Warte der mittelalterlichen Terminologie aus betrachtet ist die Theologie ja nicht nur selbst eine der Wissenschaften («scientiae»), sondern gar deren Königin – und die einzige, in welcher man einen Doktorhut erwerben konnte (die anderen «höheren» Fakultäten, Medizin und Jurisprudenz, galten nicht als Wissenschaften). Logischerweise kann somit die Fehde eigentlich nur als wissenschaftsinterner Zwist begonnen haben, der im Laufe der Zeit zu einer Spaltung der Wissensmodelle, zu einem kognitiven Schisma, geführt hat.

***

*(Es ist z. B. das heliozentrische Bild des Kosmos eines neben anderen, wobei im Prinzip dabei zum Problem wurde, wie die Metaphysische Wahrheit des Anthropozentrismus - der Mensch als Gottes Ebenbild, wie in Jesus unverrückbar geoffenbart - mit entsprechenden Beobachtungen und physikalischen Ableitungen vereinbar sein könne, denen gemäß die Erde NICHT das Zentrum des Alls sein solle.)


** Die Inquisition wurde völlig ungeteilt im Interesse der weltlichen Herrschaften aufgeführt, ja von dieser verlangt, weil damals noch völlig klar war, daß nur eine einheitliche Religion (bzw. Weltanschauung) des Volkes auch die Regierbarkeit möglich machte. Kam es in Religionsfragen zu Spaltungen, so würde unweigerlich auch ein Herrschaftsbereich in weltlicher Hinsicht bzw. eine Kultur zerfallen. Dies ist eine Wahrheit, die sich ja ununterbrochen bewiesen hat, und heute sträflichst - wobei: aus Dummheit wohl - aus dem Kalkül europäischer Politik (und Historie) verschwand. Diese (wirkliche) Einheitlichkeit der Weltanschauung und Religion, übrigens, ist vielleicht eine der markantesten Eigenschaften des europäischen Mittelalters. Und war Grundvoraussetzung für die Entwicklung der europäischen Kultur.


*191010*

Sexualität muß sich selbst Zweck sein (5)

Fortsetzung von Teil 4

The other kind of half is the man whom people call practical, the man who despises principles, abstractions, art, philosophy and his own mind. He regards the acquisition of material objects as the only goal of existence - and he laughs at the need to consider their purpose or their source. He expects them to give him pleasure - and he wonders why the more he gets, the less he feels. 

He is the man who spends his time chasing women. Observe the triple fraud which he perpetrates upon himself. He will not acknowledge his need of self-esteem, since he scoffs at such a concept as moral values; yet he feels the profound self-contempt which comes from believing that he is a piece of meat.

He will not acknowledge, about he knows that sex is the physical expression of a tribute to personal values. So he tries, by going through the motions of the effect, to acquire that which should have been the cause. He tries to gain a sense of his own value from the women who surrender to him - and he forgets that the women he picks have neither character nor judgement nor standard of value. 

He tells himself that all he's after is physical pleasure - but observe that he tires of his women in a week or a night, that he despises professional whores and that he loves to imagine he is seducing virtuous girls who make a great exception for his sake. It is the feeling of achievement that he seeks and never finds. What glory can there be in the conquest of a mindless body?


Ayn Rand, in "Atlas shrugged"


*191010*

Du sollst Dich fürchten

"Wir hingegen nehmen uns schon - unter dem Vorwand der Verbesserung - eine viel zu große Bevormundung und Festlegung kommender Generationen heraus durch die Art unserer irreversiblen Investitionen. Umso wichtiger ist es für die europäisch-amerikanische Menschheit, ihren Lebensstandard nicht als unverzichtbaren Besitzstand zu betrachten und noch gar ihre Utopien dem Rest der Welt zu suggerieren. 

Wir haben nicht das Recht, unsere sozialen und ökonomischen Probleme auf Kosten kommender Generationen zu lösen.

Zur utopischen Hybris gehört auch der Gedanke, es könne Globalplanungen geben, die alle Nebenfolgen großräumiger Aktionen mit bedenken. Je großräumiger die Planung, desto großräumiger die unvorhersehbaren Nebenfolgen.


Nie hat mehr als heute gegolten, daß das Bessere der Feind des Guten ist. Das "Prinzip Verantwortung" ist bewußt und ausdrücklich dem "Prinzip Hoffnung" entgegengesetzt. Nicht Hoffnung, sondern Sorge muß künftig das leitende Prinzip menschlichen Handelns sein. Sorge heißt nicht persönliche Angst, Angst um das eigene Schicksal. Panik ist ein schlechter Ratgeber. 

Worauf es ankommt ist vielmehr, aus Vernunft und sittlicher Verantwortung eine Furcht in uns zu kultivieren, die, ebenso weit entfent von Angst wie von Hoffnung, nichts anderes als die angemessene emotionale Antwort auf die reale Gefährdung des Lebens auf der Erde ist."

Robert Spaemann, in "Laudatio auf Hans Jonas"

 
*191010*

Montag, 18. Oktober 2010

Neulich in Rußland

Eine ganz normale Verkehrskontrolle auf einer Autobahn. Plötzlich schreit der Kollege vom wartenden Fahrzeug aus: Steig ins Auto!

 
 
*181010*

Höppas

Ein interessanter Leitsatz, den sich die SS seinerzeit voransetzte: "Die Fehler der Justiz müssen korrigiert werden."

 
*181010*

Sexualität muß sich selbst Zweck sein (4)

Fortsetzung von Teil 3
 
You're the man who would know that just as an idea unexpressed in physical action is contemptible hypocrisy (Heuchelei, Anm.), so is platonic love - and just as physical action unguided by an idea is a fool's self-fraud, so is sex cut off from one's code of values. It's the same issue, and You would know it. Your inviolate sense of self-esteem would know it.

You would be incapable of desire for a woman you despised. Only the man who extols the purity of a love devoid (leer, Anm.) of desire, is capable of the depravity of a desire devoid of love. But observe that most people are creatures cut in half who keep swinging desperately to one side or to the other.

One kind of half is the man who despises money, factories, skyscrapers and his own body. He holds undefined emotions about non-conceivable subjects as the meaning of life and as his claim to virtue. And he cries with despair, because he can feel nothing for the woman he respects, but finds himself in bondage to an irresistible passion for a slut from the gutter. He is the man who people call an idealist. 

Ayn Rand, in "Atlas shrugged"
Wird fortgesetzt

 
*181010*