Dieses Blog durchsuchen

Donnerstag, 22. Januar 2015

Heiße Jahre unter der Lupe

Sämtliche Graphiken von science-sceptical,
Erläuterungen dazu auf deren Seiten















Baumringdaten in Nordschweden








***

Warum es keine Dinge gibt

Man erkennt eine Kultur an der Art, wie sie die Dinge zerlegt, läßt Jakob von Uexküll einen der Proponenten seiner Erinnerungen sagen. Und baut darauf die großartig schlichte Substanzlehre des Mittelalters auf.

Im Mittelalter sah man in den Dingen ihre Eigenschaften, so verstand man Wissenschaft, und man zerlegte sie in Eigenschaften. Die man in Akzidentien - für den Bestand eines Dings nicht wesentlich - und Essentia - für den Bestand eines Dings wesentlich - ein. Zusammengehalten wurden diese Eigenschaften durch die Substanz eines Dings. Und diese Substanz ist der Sinn, ist geistig. Erst durch ihn sind die Dinge: das Haus aus Farben (als konkrete Farbe: Akzidentien) und Mauern (Akzidenz), die durch ihre Festigkeit (Eigenschaft; Essenz) das Haus erst "als Haus" (Substanz) möglich machen.

Die Neuzeit hingegen zerteilte die Dinge in Teile. Und damit verlor alles seinen Sinn, das "einende Band", wie Goethe es im Faust ausdrückt. So wird alles zufällig, und man sucht bestenfalls nach Gesetzen, die alles beherrschen. Aber diese Gesetze sind menschengemachte Gedanken. Und man übersieht das Wesentlichste in der Natur: daß sie nämlich nur Wunder schafft.

Uexküll erzählt dazu eine Geschichte. Ein griechischer Exarch war als Gast zu einem Brahminen in eine dessen Residenzen eingeladen. Er kam etwas zu spät, und platzte in eine Diskussion über die Existenz der Seele. Der Brahmine verneinte eine solche, denn sie sei nicht sichtbar. Wirklich aber sei nur, was sichtbar ist. Der Exarch beglückwünschte daraufhin den Mann, denn immerhin sei er die vielen Stadien zu diesem Palast zu Fuß gegangen. Der Brahmine lachte auf: ob er denn nicht dort draußen den Wagen sehe, mit dem er gekommen sei? Nein, meinte der Exarch. Er sehe keinen Wagen. Er sehe nur Räder, Speichen, Achsen - oder ob der Gastgeber denn meine, daß Sitze ein Wagen seinen? Nein, antwortete dieser. Oder Räder? Nein. Oder Deichseln? Nein, war wieder die Antwort. Dann aber, so der Grieche, gebe es auch keinen Wagen. Denn ein Wagen - die Eigenschaft, um die es dabei gehe - sei unsichtbar, und doch das, worum es bei diesem Ding gehe.

Erst aus einem Sinn, den dieses Ensemble von Teilen ergibt, das zu einem Sinn hin gestaltet und geordnet ist, ergibt sich also die Substanz eines Dings, und damit das Ding selbst.

Die Natur tut nichts anderes: Sie geht davon aus, daß alles, was es in ihr gibt, von einem Sinn getragen ist.* Und sie behandelt diesen Sinn wie ein reales Ding, ja wie das erste reale Ding. Unsere hinausverlegten Sinnesempfindungen also werden in der Natur selber wie objektive Faktoren behandelt, die ihre Erscheinungen sogar konstituieren.

Anders aber als bei der Natur, ist bei Dingen, die der Mensch verfertigt hat, diese Substanz menschlich und menschlicher Vernunft, menschlichem Denken entsprungen. Und insofern nur eine Analogie (Ähnlichkeit) zu den Naturdingen. Sie gehört nur insoweit zur Natur, als sie - als Kulturleistung - der Natur des Menschen anbehört, dessen Art des Daseins essentiell das der Kultur ist. Denn ohne Kultur gibt es gar kein Menschsein, sie ist die Essenz seines Bestands. Obwohl es Kultur gibt, die genau das nicht ist - Kultur - sondern als Erscheinung den Bestand - die Substanz, weil den Sinn und dessen Erfüllung - gefährdet. Nur dort kann man auch von Kulturleistung sprechen; anders ist sie lediglich Kulturerscheinung.

Die Herstellung von Dingen ist deshalb in der gesamten Menschheitsgeschichte ein kultischer Akt, und bei Naturvölkern ist sie es bis heute. Denn in der Herstellung wird ein "Dämon", ein Geist, ein Sinn in die Welt gerufen. Weil aber auch die Herstellung sohin in einen Sinn eingebunden ist, der von Menschen ausgeht, muß etwa bei einem Besitzübergang auch dieser Sinngeist, dieser "Dämon", beschworen werden.**

"Dingsein" ist also eine Frage des Sinns, und dessen Erfüllung eine des Bestands. Der fundamentale Unterschied zwischen Mensch und Tier (und noch mehr: Pflanze) besteht nun darin, Sinn erst suchen zu müssen, und seiner Erfüllung selbst zustimmen zu können, ja diese Erfüllung sogar erst suchen zu müssen. Die Substanz des Menschseins ist also - Freiheit, die eine Leistung ist. Denn sie ist eine Frage der Bindung an den nicht sichtbaren, aber den Bestand entscheidenden Sinn. Nur in der Bindung an den (vorausliegenden!) Sinn entscheidet sich also Freiheit.



*Selbst das Zweckdenken des Darwinismus ist ja nichts anderes als die Suche nach dem Sinn der Erscheinungen. Es geht also auch im Materialismus/Mechanismus um eine Auseinandersetzung um den Sinn der Dinge und Lebewesen, nicht um irgendwelche "biologische, für sich stehende Evidenzen".

**Man übersieht ja gefließentlich, wie hier schon mehrfach betont, den kultischen Sinn des Zahlens eines Kaufpreises, des Verkaufs als Akt selbst: der als kultischer Akt ein solches Angefügigmachen, ja -bitten (!) des Geistes eines Dings, seines (als irdischer Geist: dämonischen) Sinns, an einen neuen Besitzer - als Eigentümer! - ist. Damit sich der Sinn eines Gegenstands nicht gegen den neuen Eigentümer wende. Der heute praktisch omnipräsente Geld-Ware-Tausch ist meist nur noch ein "Zwingen" des neuen Geistes in technische Abläufe, und nicht zuletzt das Garantieunwesen erzählt davon, in dem die Sinnerfüllung vom Eigentümer abgetrennt, zu einem bloß technischen Vorgang erklärt wird. Unter solchen Lebensbedingungen, "Bräuchen", MUSZ die Religiosität zwangsläufig verschwinden. Etwas, das sich in der heutigen Erziehung - als "Erziehung zum Recht (nicht: zur Pflicht, zur Notwendigkeit des Erbittens, zur Bitte um Gefügigkeit etc.)" - ohne jede Übertreibung: dramatisch! auswirkt. Hier wird (und wurde bereits) unsere gesamte Zukunft substantiell verspielt. Deshalb schreibt der Protestant (!) Uexküll, daß das Heilmittel der protestantischen Kirche - "Glaube" - zwangsläufig versagen muß, während das Heilmittel der Katholischen Kirche, "Gehorsam", enorme Wirksamkeit beweist.





***

Mittwoch, 21. Januar 2015

Was bildet sich dieser Papstwurschtel eigentlich ein?!

Seltsam. Früher hieß es, daß kinderreiche Familien das unendlich wertvolle Reservoir der Katholischen Kirche seien (wieviele Heilige soll der VdZ denn da zitieren?). Außerdem, daß sie die natürlichen Brutstätten der Priesterberufung seien. Und zwar mit Grund.

Seit vor ein paar Tagen aber ist per höchstrichterlichem dogmatischem Dekret jede Familie, die mehr als drei Kinder hat, ein Hasenpaar, das rammelt, daß die Fetzen fliegen, und völlig unnötigerweise und gar unverantwortlich "Karnickel" in die Welt setzt.

Erstens, Bischof von Rom, ist das ganz sicher nicht das Problem katholischer Familien. Die demographische Katastrophe mangels Geburten dürfte zwar an vatikanischen Welteinschätzungen vorbeigegangen sein, aber die Zeit des Denkens ist dort ohnehin abgesagt. Denn jetzt wird ja geliebt und zärtlich gekuschelt, wen kümmert da noch Wahrheit. Die einzigen Völker, die noch Geburtenüberschuß haben, sind mehrheitlich muslimisch. Das gilt auch und gerade für Afrika.

Zweitens sind - historisch nachweisbar - nur kinderreiche Völker mittelfristig auch wohlhabende Völker. Und umgekehrt. Aber auch das ist dem Vatikan und der Weltkirche natürlich wurscht, weil dort ja das Geld aus dem Bankomaten kommt (und wie das im Einzelfall auch noch gerechtfertigt wird! der VdZ könnte da wunderbare Geschichten von den Ausnahmen erzählen, wo es natürlich "schon Sinn hat"), nicht VON MENSCHEN erwirtschaftet wird, die ihr Leben verwirklichen.

Drittens ist es eine schwere Beleidigung für kinderreiche Familien! Und eine schwere Beleidigung für das Volk, das er gerade besucht hat, die Philippinen, die das EINZIGE mehrheitlich katholische Land der Welt sind, wo die Geburtenrate noch hoch - und nicht UNTER EXISTENZMINIMUM - ist. Ein Zeichen von Vitalität, werter Herr in demonstrativ "bescheidenem" Sackleinen! Ein Zeichen von Gnade Gottes, elender Selbstinszenierer, der glaubt, es ginge um ihn! Wird mit herzlicher Offenheit von Millionen Philippinen aufgenommen, als Frucht der Lebenszugewandtheit eines Volkes - und dann das! Kann sich der denn nicht einmal benehmen?!

Oder glaubt der fette Argentinier gar, daß die zwölf Kinder, die die Herkunftsfamilie des VdZ ausmachten, aus der er als jüngster Sohn und vorletztes Kind (in schwierigster Zeit geboren; der Vater schwerkrank, und Sozialstaat gab es damals noch nicht, also: Armut) stammt, aus "Katholizität" in die Welt kamen, nicht aus einfachem, ehrlichem Lebensvollzug, aus wilder, chaotischer Liebe zum Leben der Eltern, die eben katholisch geprägt waren?! Ist nicht das das Leben? Das EINZIGE Leben, das man begrüßt, wie es eben kommt, mit offenen Armen als Weg zu Gott?!

Das ist eine schwere Beleidigung der Mutter des VdZ, werter Bergoglio! Mutter von zwölf Kindern, in schwersten Zeiten großgezogen, Großmutter von (zum Zeitpunkt ihres Todes) über siebenzig Enkeln und Urenkeln. Allesamt übrigens katholisch, allesamt mehr oder weniger in guten Positionen, kein Falott oder Nichts darunter, Menschen mit großen Gaben und Talenten sogar. Vom VdZ halt abgesehen. Sie haben das Leben geliebt, in aller Unbill, in allen Schwierigkeiten, auch ohne das ständig zu reflektieren. Auch miteinander. Und haben vor allem JA gesagt zu diesem Leben, wie immer es sich noch darstelle, das Gott selbst ist: Leben. UND DIE HABEN GELEBT. Und viel, ja sehr viel gelitten. Auch aneinander, auch an sich selbst. Aber selbst uns Kindern war dieses Leiden an der schwierigen Situation Tor zur Gnade, hier mehr, dort weniger. Kreuz, das nicht gescheut wurde. So entsteht Kultur. DA ist Kirche. Jawohl, das sagt der VdZ mit Stolz, in allem Wissen um die immense Zerbrechlichkeit des Menschen.

Hier wird deshalb sehr real mit Fäusten geantwortet, wie vorgeschlagen, wenn es zu einem Treffen kommt, nicht nur vor geilen Journalisten, werter Bischof von Rom!

Oder wie steht es um die älteste Schwester des VdZ, die beim fünften Kind (durch einen Ärztefehler, wie sie eben auch unter Menschen vorkommen können) verstarb (das Kind aber lebt, ist mittlerweile ein tüchtiger Erwachsener) - war sie auch nur blöd, weil sie Karnickel schob? Schreibt nun der Vatikan jetzt auch noch die Zahl der Kinder dogmatisch fest? "Drei ist ideal", der Rest ist nicht mehr der göttlichen Vernunft gemäß? Hat ein Papst (sieht man von gewissen Erscheinungen in der dunklen Zeit der Kirche ab) jemals größeren Unsinn verzapft?!

Und viertens ist es sehr wohl NICHT KATHOLISCH, Kinder und Familie zu "planen", als wäre es vernünftig, die Zukunft zu planen wie einen Ablaufplan für Kohlebedarf. Empfängnisoffenheit heißt DAS nämlich nicht! Auch nicht mit Rötzer und Konsorten, den zitierten "vielen Methoden", denn es ist ja nur eine, das Achten auf empfängnisoffene Tage mit folgender Enthaltsamkeit. Werter Papst, wo Sie Glaubenserfahrung gemacht haben entzieht sich natürlich der Kenntnis des VDZ, aber das Sprichwort im Deutschen - "Wo der Herr a Haserl schickt, schickt er auch das Graserl" - hat eine ganz seltsame Wirklichkeit, als Glaubenserfahrung übrigens. (Das Problem entsteht ja nur im Elend; und da könnte man gleich mit der Haltung der Kirche zu anderen Religionen nachfassen ...) Schon mal was vom Heiligen Josef als mächtigen Fürsprecher gehört?  Wunder über Wunder, über die alleine der VdZ hier berichten könnte.

Und er sieht sich noch mehr bestärkt, wenn er die vielen Bekannten, Geschwister, Verwandte, Freunde erinnert, die vier, fünf, sechs, sieben Kinder in die Welt gesetzt haben. Sie haben keine Karnickel in die Welt gesetzt, als hätten sie etwas verbrochen oder wären zu blöd gewesen, um "zu planen"! Sie haben auch nicht Kinder in die Welt gesetzt, UM katholisch zu sein. Sie haben das Leben geliebt! In aller Leidenschaft! In aller Frömmigkeit! SIE sind die Säulen dieses Europa, von dem auch dieser Papst seinen Mittagstisch bezahlt bekommt (und nie mehr wieder wird der VdZ auch nur einen Schilling spenden, der direkt oder indirekt der Erhaltung des Vatikans dient - NIE MEHR WIEDER), vor allem aber: aus denen, wenn je, sich diese Kultur noch erneuern kann.

Sie sind jene Kirche, die auch die Pforten der Hölle nicht überwinden. Sie sind die Hoffnung. Gerade sogar dort, wo das Leben schwierig ist. In all den zerfallenen, irgendwie und wie im Chaos noch zusammenfallenden "Familien", die das Heute kennzeichnen, wo oft gar keiner mehr weiß, wie wer mit wem zusammenhängt (und wie oft hat der VdZ das erlebt! Er hat ja doch selber eine Tochter adoptiert, und nicht einen Moment hat er es bereut, so schwierig alles sein mag), die aber alle still und unterdrückt weinen um das, was sie nicht haben, aber so gerne hätten.

Aber das sind die wertvollsten Menschen. Sie tragen echtes Kreuz. Ohne es zu twittern. Sollen doch die im Vatikan den Kitt aus den Fenstern fressen. Wie es der VdZ auch zuweilen getan hat.  Damit diese Fenster endlich auch mal aufgehen. Nicht noch mehr getrübt werden.

Die Wirklichkeit der Welt IST EBEN WUNDER! Wenn das Ihre persönliche spirituelle Wirklichkeit überschreitet, denn die intellektuelle tut es allemal, werter Herr Bergoglio, dann muß das wohl andere Ursachen haben. Katholizität heißen sie jedenfalls nicht.

Wie viele Kinder Gott der Welt schenkt - und es ist Gott, der Leben schenkt! Das muß man dem ja erst mal sagen, er scheint es nicht zu wissen! Ach so, pardon, die Jesuiten sind ja bekannt für die Tendenz zum Molinismus (was das ist? das möge der Papst mal nachlesen!) - liegt immer noch in seinen Händen. Gerade NICHT zu fragen, ob es nun empfängnisvolle Tage sind oder nicht, DAS IST KATHOLISCH. Denn ein Kind kann man - Gegenbeweis! - auch nicht "machen", derzeit ein brandheißes Thema in Österreich sowieso. Es ist NICHT KATHOLISCH zu glauben, man könne oder solle gar die Zukunft planen und vor allem "machen", als ginge es um das Vollräumen einer Modelleisenbahn. Katholisch sein heißt auch und vor allem: ZUKUNFTSOFFEN zu sein, weil man tut, was der Moment einem gebietet, und den Schritt in die Insecuritas wagt - und damit in die Arme Gottes fällt.

Das Wort von der "Familienplanung", das sich aus verachtenswerter Feigheit in diverse katholische Äußerungen eingeschlichen hat, um es sich mit den Fraktion der Verhüter nicht gleich zu verscherzen, interpretationsoffen weil feige undefiniert wie eben seit fünfzig Jahren so viele Worte in und aus der Kirche (nur ja nicht anecken, gelle?), die Familien (und zwar weil: die Väter) völlig im Stich läßt (man ist das ja längst gewöhnt und leidet halt stumm darunter), ist an sich schon ein Witz.

Aus und punktum, werter Bischof von Rom! Und mehr - mit Ehrenvorsitz, gewiß; mein Kniefall ist also immer gesichert! Er ist aber ein inniger Kniefall vor Jesus Christus, dem Wort, dem Weg, der Wahrheit, dem Leben! - sind Sie nicht. Reden Sie nicht nur davon, weil es gut klingt, handeln Sie danach: Als Bischof von Rom. Niemand will mehr. Das war's also fürs erste. Und scheren Sie sich sonst zurück in die Pampa und braten Sie sich dort ihren selbstverliebten Storch, elender Selbstdarsteller. Das Leben als Katholik - für das man irgendwie ja nicht einmal "etwas kann", denn es hat mit Wahrheit, mit Wirklichkeitssicht zu tun, und die kann man nicht wechseln wie die Roben - ist so schon schwer genug. Weiß dieser Matepisser überhaupt, was sich kinderreiche Familien hierzulande längst schon anhören können? Oder will er gar jenen den Rücken stärken, die es ja (und ausschließlich aus schlechtem eigenem Gewissen!) immer gesagt haben: so viele Kinder sei ja "unverantwortlich"?

Unsachlich? Na dann los: Soll einer das Gesagte - sachlich - widerlegen! Nicht mit "ach, was war ja anders gemeint", oder "die Presse hat das falsch interpretiert" daherkommen; dann soll der eben seine Gosch halten wenn er nicht ausdrücken kann, was er meint, und nicht gewährleisten kann, wie berichtet wird! Dann muß man eben seine Worte besser wählen. Und vermutlich reicht es dann gar nicht weiter als zum Giornale delle Trastevere, wo die Journalisten kennengelernt und eingeschätzt werden können. Hier träfen sich dann die Ebenen in aller Adäquanz! Dessen übt sich ja sogar der VdZ. Und auf die nachträglichen Richtigstellungen, die im Vatikan seit Jahrzehnten ohnehin üblich sind, ist der VdZ schon gar nicht heiß. Die Milch ist auch diesmal verschüttet. Der Rest ist Käse.*

Dreckfink, wer so redet wie der VdZ in diesem Blog-Beitrag? Nein. Dreckfink ist der, der so redet wie dieser schwer narzißtisch gestörte Kardinal aus Argentinien, der seine Ebenen permanent überschreitet, gerade indem er die Illusion nährt, es gäbe diese Ebenen der Relevanz - aus pastoralen, aus zeitnah-praktischen Gründen (MUMPITZ!) nicht mehr. Ex factis, non ex dictis amici pensandi.

Los, kommt aber her, an die überbreite Brust eines Vaters von acht Kindern, neuerdings freilich: Karnickelerzeuger. Der VdZ ist sofort zu weiterer und sehr sehr kräftiger Argumentation bereit! Denn da gibt es keine Rechtfertigung zur Antwort, da gibt es nur noch die Pflicht zu Reue und Entschuldigung. Sonst werden die Sprache und das Handeln durchaus noch um einiges schärfer ausfallen. Bei jemandem, der sehr gut weiß - anders als all die widerlichen Twitterfurzer und Postingnagler, die mit Exkommunikationen so rasch bei der Hand sind - wo das Papsttum und wo die Kirche liegt, und wo ein völlig uninteressanter Herr Bergoglio im Zeitgeistrausch sich ausbreitet.

Schluß mit lustig!

Wobei der Argentinier nur bestätigt, was auch die Erfahrung des VdZ in seinen Jahren bei der Kirche war: MIT FAMILIEN UND VÄTERN HABEN ES DIESE KONZELEBRANTEN, wohlversorgt verbeamteten SESSELFURZER NOCH NIE ZU TUN GEHABT! Denn auch die Kirche hat die Männer, die Väter, MIT WONNE längst kastriert. Kein Wunder, daß sich so viele Homosexuelle in ihr bestens aufgehoben fühlen. Kuschen alle viel zu viel, die Väter, sind viel zu brav und duldsam vor dem Frömmeln sich selbst heiligsprechender Charakternieten, die sofort da sind mit den Totschlagworten wie "Liebe", "Friede", "Familie" etc. etc.. Weil eben - genau, wie in Blog-Artikeln vorige Woche dargelegt - durch die Dogmatisierung des Unfehlbarkeitsanspruchs des Papstes das gesamte Papsttum in reale Schieflage gekommen ist, und jeder fürchtet, daß seinen Verstand zu benutzen auch gleichbedeutend mit Exkommunikation ist.

Da brechen aber nun die ersten echten Dämme in Rom, und es war hier exakt vorhergesagt: Mit dem Lob des "gut Ankommens" - unweigerliche Folge solcher charakterlicher Konstellation - eines feigen Rückenwindseglers wird der übermütig. Straflosigkeit bringt Keckheit, Keckheit aber Ausschweifung. Papst, oh mein Gott, da wird ja alles dogmatisch, selbst wenn er Unsinn verzapft.

Für Twitter-Pseudokatholiken ist der VdZ zukünftig nicht mehr zu sprechen. Und dieser Papst hat hier, wenn er nicht gerade ein Dogma verkündet, und dann auch nur so weit, in der B. utca im ungarischen Sopron anno 2015, wenn er nicht gerade ein Dogma verkündet, und dann auch nur so weit, inmitten einer Bibliothek also aus mittlerweile 8.000 Bänden, die sich letztlich wie die Erde um die Sonne um den Thomismus dreht, der sein Leben im konkreten, realen, lokal zelebrierten kirchlichen Jahreskreis als gottgegebenem Weg der Heiligung eingebettet hat, als Interpret des Lebens mit Gott ausgejausnet.




P.S. Der VdZ hat Rückmeldungen von Lesern erhalten, die meinen, daß es bedauernswerterweise schwierig sei, ihn zu erreichen, die offiziellen Kontaktmöglichkeiten funktionierten angeblich nicht gut (so, wie angeblich auch die Abonnement-Möglichkeiten). Die Kommentarfunktion ist ja nicht aktiviert. Ja, und dabei wird es auch bleiben. Er erlaubt sich aber - diesmal - explizit eine Möglichkeit bekannt zu geben, wie er zu erreichen sei: In der Mail-Anschrift "quendolinat@gmail.com"

*Oh ja, und natürlich sieht der VdZ die hunderten, nein, tausenden Presseklagen weltweit, ständig, in denen der Vatikan namens des unfehlbaren Papstes verlangt, daß er "richtig interpretiert" werde. Und erst die lokalen Bischöfe! Wie sich die unermüdlich mühen, die Lehre der Kirche richtig dargestellt zu wissen! Gott wird es lohnen.




*210115*

Von der Pflicht, eine Religion kennenzulernen (2)

Teil 2) Wieweit und worin KANN ein christkatholischer Mensch
überhaupt einen Andersgläubigen lieben? Wieweit und worin MUSZ er das? 
(Plus die Anmerkungen zum ersten Teil)




Freilich, eben weil man nur lieben kann was man kennt, hätte ein Christ die Pflicht, um den Nächsten lieben zu können, ihn - und damit auch seine Religion - kennenzulernen. Aber handelt es sich hier nur darum? Steht diese Nächstenliebe überhaupt auf ihrem Fundament, das alleine sie nämlich tragen kann: dem der Liebe zu sich selbst? Vor allem aber: Um etwas lieben zu können ist es notwendig, seine Wirklichkeit zu erkennen. Denn man kann nur eine Wirklichkeit lieben. Etwas lieben heißt also keineswegs, das Schlechte, das also Nicht-Wirkliche des anderen, zu lieben oder einfach so zu tolerieren. Da schlägt Liebe sehr schnell zur Nicht-Liebe um. Insofern könnte, ja müßte man christliche Liebe als Liebe zur "anima naturaliter christianum" bezeichnen. Sie ist die Liebe zur Ebenbildlichkeit des Menschen zu Gott. Aber sie ist auch damit in gewisser Weise eine Liebe zur "Idee", die jeder Mensch verkörpert, und darin Liebe zu Gott. Richtet sich die Liebe nur auf das faktische Leibliche eines Menschen, wird sie sogar zum Götzendienst. Denn man DARF und KANN gar nicht ALLES an einem Menschen lieben. Dann wäre dieser ja vollkommen wie Gott.

Weil man nur das Gute lieben kann, Gott (der Dreifaltige, mit Christus, dem Sohn) aber das Gute selbst ist, kann man nur das Christliche oder (bedingt, also relativ) das aufs Christliche Hinweisende lieben. Eine andere Aussage ist dem Katholiken (bzw. als darin eingeschlossen: Christen) gar nicht möglich. Denn daß sich auch außerhalb der Kirche menschliches Heil vollziehen kann, ist nicht möglich zu glauben ("de fide", also Dogma). Der fleischgewordene Sohn Jesus Christus erst hat die Menschheit mit Gott versöhnt, den Menschen in diese göttliche Dimension, das Heil, hineingenommen, sofern es dieser annimmt - oder nicht.

Denn als Ebenbild Gottes ist der Mensch zur Freiheit (der Annahme oder Ablehnung) als Teil seines vollkommenen Menschseins begabt wie (als Notwendigkeit, das wird oft vergessen) aufgerufen. Freiheit und Heiligkeit sind Synonyme! Freiheit aber gibt es nur in der Wahrheit. Und Jesus Christus IST die Wahrheit, in Person. Er lehrt sie nicht nur, wie jeder andere Religionsstifter. Sein uns geschenktes Heil ist mehr als Lehre, es ist auf unübertreffliche Weise (und daß sie unübertrefflich ist, liegt schon in seiner Natur als Gott begründet, denn Gott KANN nur vollkommen sein, also muß das auch auf seine Offenbarung "einer für alle" zutreffen) "ganzheitlich".

Mehr, anderes ist bestenfalls angesichts der uns nicht ermeßlichen Barmherzigkeit Gottes zu hoffen, als Weg aber ist es nicht "zu empfehlen". Genau das führt ja auch zur Wertschätzung wahrer kultureller Werte, auch wenn sie in anderen Kulturkreisen vorzufinden sind. Sie sind das quasi materiale Moment, in das sich Gnade und Gottes Geist überhaupt erst ergießen kann, wie es dann in der Taufe bzw. den Sakramenten ganz real passiert. WENN sie solche denn sind, denn es gibt sehr wohl eine Unkultur, die sich als "Kultur" geriert.

Deshalb richtet sich der Auftrag der Kirche auf die Verbreitung ihrer selbst. "Gehet hin in alle Welt und taufet ..." Nicht auf die Gleichstellung jener, die sie ablehnen. Darüber läßt sich gar nichts Bestimmtes sagen, also kann es auch nicht verantwortet werden. Was sich darüber sagen läßt, ist im Katholischen mit Begriffen wie "Bluttaufe", "Begierdetaufe" (bzw. -sakrament) bereits bis an die Grenze des aus Glaubensgeist überhaupt Sagbaren ausgeweitet, doch nie ohne Christusbezug. Denn Frieden kann es nur in Christus geben, für jene, die "bonae voluntatis" sind: Guten Willens Gott (in seinem Hause, der Kirche) gegenüber.

Oder sollen wir verwegenere Fragen stellen, wie die: Braucht es erst Katholibane, die Terrorakte setzen, um sie christlich motiviert darzustellen, auf daß dann die Katholische Kirche sich davon distanzieren und das Recht reklamieren kann, daß Kritiker die eigentlichen Inhalte des Christentums kennenzulernen hätten, die alleine sie ja vertritt? Immerhin könnte sie das sogar (bei Protestanten ist das ja auch schon gar nicht mehr möglich), weil es nur eine Glaubenslehre und eine Interpretationsautorität gibt. 

Würde das dann gar endlich die viel beschworene Neuevangelisation Europas auslösen, weil jeder nun die Pflicht hätte, die Heiligen Schriften und Traditionen der Kirche zu studieren, und zu verstehen? Steckt dieser durchtriebene Plan gar hinter dem Bemühen nicht weniger katholischer und höchster katholischer Würdenträger, das Verstehen des Islam einzumahnen?

Der Leser möge sich seinen eigenen Reim darauf machen. Der VdZ kann es nicht wirklich.




*Gerade die jüngst veröffentlichten Statistiken über Gottesdienstbesuche zeigen, daß gerade noch 10 Prozent der Katholiken (regelmäßig) einen Gottesdienst besuchen.

**Nikolaus von Kues, der Cusanus, hat schon im 15. Jahrhundert eine eingehende Kritik des Koran verfaßt. Er kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Wobei er darauf hinweist, daß dort, wo der Koran schön und wahr ist, er eine Abform der Bibel ist. Auf der er ja aufbaut. Hingegen sind die Stellen, wo er abzulehnen ist, immer Stellen, wo er von der Bibel abweicht. Dieses Urteil, meint der VdZ, könnte einem Katholiken doch auch reichen, zumindest auf's Erste?




*210115*

Dienstag, 20. Januar 2015

Von der Pflicht, eine Religion kennenzulernen (1)

Aspekte - Sichtweisen

Es heißt zu warten, bis sich die trüben Wasser wieder geklärt haben, um jene Linien wieder zu finden, die aus dem bloß Aktuellen wieder schöpferische Gegenwart und damit Zukunft machen. Man fischt nicht in trüben Gewässern.




Die Aufforderungen, den Q'ran (Koran) zu lesen, um den "wahren Islam" kennen- und beurteilen zu lernen, prasseln mittlerweile in einer derartigen Dichte auf den Europäer ein, daß es recht verwundert. Haben wir wirklich die Pflicht, uns mit einer Religion auseinanderzusetzen, die nicht die unsere ist, um so Taten, die im Namen dieser Religion begangen werden, als dieser gar nicht zuzuschreiben qualifizieren zu können? Handelt es sich da nicht eher um eine Bringschuld der Muslime? Und: sind die überhaupt daran interessiert?

Das könnte man sich nämlich mit Michael Klonovsky fragen, der von der interreligiösen "Mahnwache" am Berliner Brandenburger Tor berichtet. Zu der Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime (der im übrigen, so Klonovsky, kaum zwanzigtausend Mitglieder repräsentiert) geladen hatte, und wo sich neben Vertretern aller größeren muslimischen Verbände Deutschlands Bundeskanzlerin Merkel, Bundespräsident Gauck und diversen Kabinetts- und Bundestagsmitgliedern auf der Tribüne einfanden. Um "ein Zeichen zu setzen" für Toleranz und gegen den Terror.

Höchst scharfsinnig fragt Klonovsky, was es dann zu bedeuten habe, daß sich zu diesem Aufruf in der größten muslimischen Stadt Deutschlands, der zweitgrößten der Welt (nach Istanbul), kaum zehntausend Mitdemonstranten eingefunden hatten. Von denen der überwiegende Teil Nicht-Muslime waren. Was wurde also hier demonstriert? Oder haben gar jene Muslime mehr ausgesagt, die "diesem Zeichen" eher wenig Bedeutung schenkten? Wessen Anliegen, welche Gesinnung wird also hier von den Proponenten des öffentlichen politischen Lebens vertreten, und welche Stellung hat diese im Verhältnis zu den Bürgern? Das sind doch viel spannendere Fragen?!

Hat außerdem noch niemand gefragt, ob die Angst vor dem Islam, wie sie vielen in diesen Tagen regelrecht zum Vorwurf gemacht wird, als wäre Angst nämlich einfach etwas, in der man automatisch schuldig wäre, ob nicht also diese Angst (zumindest: auch) eine wahre Aussage sein könnte. Und da muß man gar nicht zur Spitzfindigkeit der Scheidung Angst : Furcht (als Angst vor Konkretem) greifen. Ob sie also nicht auch mit dem Auftreten und Rezipieren der Muslime in Deutschland (und Österreich) zu tun haben könnte. Nicht als Anschuldigung ist das gemeint, sondern einfach als Frage "wissenschaftlicher Redlichkeit". Immerhin haben wir es doch ohne Frage mit dem Phänomen zu tun, daß hier Menschen zu uns kommen, die ohne viel zu fragen ... ihre, der unseren fremde Religion und Kultur leben.

Muß man da "krank" oder "faschistisch" oder "nationalistisch" oder gar "rechtsradikal" (und, im übrigen, auch das längst üblich: "unchristlich", "nicht katholisch" etc.) sein, um das als Bedrohung zu empfinden? Hat man nicht die Pflicht zur eigenen Wahrnehmung? Wird nicht diese Wahrnehmung in dem Maß unwahr, als sie sich nicht in geistigem objektivem Urteil, also "nach" den Sinnen, objektiviert, und heißt das denn nicht auch, daß sie sich über reale Details erheben muß? Ist nicht sogar gerade das Versinken ins Einzelne, in Details, in Teilqualitäten, die größte Gefahr für die Wahrheit?

Dies jenen gesagt, die da meinen, eine Wahrheit, ein wahres Urteil über etwas würde sich übers "Kennenlernen des Details" quasi erst formieren. Der Mißbrauch etwa zeigt, welche Gefahr und Täuschung im Urteil gerade darin liegt, eine empirische Erfahrung nicht ins Ganze des Geistes und der Gesamtordnung (der Ideen, um es über Plato anschaulich zu machen) überführen zu können (oder zu wollen, weil das Einzelerlebnis willentlich fürs Ganze genommen wird, man wie die Maus aus Liebe zum Speck die Falle akzeptiert.)

Umgekehrt ist das Ganze immer in jedem Detail, ja nur dort. Richtig, weil alles einem Ordnungsgefüge zubehört, läßt sich aus dem Detail aufs Ganze schließen, als Teil eines Ganzen. Aber zum einen nur, wenn man es zu abstrahieren vermag, dazu braucht es auch bereits abstrahierte Lebenserfahrung, um ableiten zu können, und zum anderen braucht es dazu nicht JEDES quantitative, ja nicht einmal qualitative Detail. Dem Erfahrenen genügen oft winzige Bruchstücke einer Menge, um auf das Ganze schließen zu können. Jemand mit guter Menschenkenntnis vermag Menschen oft schon nur nach wenigen Augenblicken verblüffend genau einzuschätzen, bis hin zu ganzen Lebensgeschichten, die sich daraus folgern lassen. Jeder reifere Künstler kann dies bestätigen, ja er lebt davon, das ist ja sein Metier: Wirklichkeit ist unsichtbar! Ein Streit über Einschätzungen hat also nur Sinn, wenn er auf der Ebene der abstrakten Urteile stattfindet, nicht auf der einer (oft sogar das Gesamturteil nur verwirrenden) quantitativ unterschiedlichen Kenntnis von Details. (Das ADHS-Syndrom, aber auch Geisteskrankheiten wie Schizophrenie, demonstrieren genau das.)

Ist es denn überhaupt anders gemeint? Hat man sich je bemüht zu zeigen, daß es NICHT so gemeint ist? Oder wie soll man Aufrufe eines Erdogan deuten, der seine "Landsleute in Deutschland" aufruft, türkische Traditionen in Deutschland zu leben? Da ist mit dem entschuldigenden Wörtchen "Wahlkampfrhetorik" nicht wirklich etwas getan. Zumindest hat man es hier mit einem kulturellen Unterschied zu tun, der beachtlich und keineswegs eine Erfindung der Gegenwart ist. Denn selbst schon die Germanenstämme waren berühmt dafür, sich wo immer sie hinkamen, blitzartig den dortigen Lebensgebräuchen, ja den Religionen einzupassen.

Aber um zur Frage nach dem Koran (wir bleiben bei der deutschen Phonetik) zurückzukommen: Sollen dem Aufruf, den Islam kennenzulernen, also genau jene Menschen folgen, die ihre eigene Religion, das Christentum, gar nicht mehr kennen? Denn daß dies der Fall ist, ist unbestreitbar. Ist dieser Regen an Aufrufen also nicht eher einem Versuch gleichzustellen, ein Land zu islamisieren, das nämlich gar keine Religion mehr hat, die es ernst genug nimmt, um sie kennenzulernen?* Zumal der Koran ja keineswegs einfach ein dummes Buch ist, sondern durchaus sehr schöne und tiefe Stellen hat.**

Meist haben ja die größten Kritiker erschreckend wenig Ahnung (und noch weniger Verstehen) von Glaubensinhalten, die sie kritisieren. Das betrifft den Islam nicht weniger als den Katholizismus.  Man kann aber nur lieben, was man kennt. Diese beiden Pole auch des Glaubens sind nicht zu trennen. Woraus man durchaus schließen könnte, daß diejenige Religion, die man zuerst kennt, auch recht wahrscheinlich die ist, der zu folgen man sich entschließt. Das Bibelverbot in vielen vorwiegend muslimischen Staaten kommt ja nicht von ungefähr, dort kennt man die Gefahr.


Morgen Teil 2) Wieweit und worin KANN ein christkatholischer Mensch
überhaupt einen Andersgläubigen lieben?
Morgen auch: Die Anmerkungen



*200115*

Der Staat ist kein Lotteriespiel, mit Gewinnern und Verlierern

In seinen Erinnerungen erzählt Jakob von Uexküll von seinem Vater Alexander, der ein ausgemachter Feind der sogenannten Nationalökonomie war. Eines Tages war ein Nationalökonom zu Besuch in Reval, und es entspann sich nach Tisch ein Disput mit dem Vater. In dessen Verlauf der junge Gelehrte die Meinung äußerte, daß man aus gewissen nationalökonomischen Vorteilen den Zwischenhandel ausschalten müsse. 

Der Vater widersprach heftig: "Was heißt Zwischenhandel? Es gibt nur Zwischenhändler, das heißt kleine menschliche Existenzen, die auch ein Recht auf Leben haben."

"Wo gehobelt wird, fliegen Späne," sagte mit überlegener Miene der Nationalökonom.

"Ein Staat, in dem Mitbürger als Hobelspäne gewertet werden, ist selbst nur noch totes Holz," war die eindrucksvolle Antwort des Vaters.

"Aber Sie werden doch zugeben," ereiferte sich nun der junge Mann, "daß es die Aufgabe des Staates ist, selbst auf Kosten einer Minderheit die große Mehrheit seiner Bürger glücklich zu machen?"

"Der Staat ist kein Lotteriespiel," kam nun die zornige Antwort, "mit möglichst wenig Nieten, sondern ein Zusammenhang lebender Menschen, die alle das gleiche Recht - nicht auf Glück, denn Glück ist Privatsache - aber auf eine Existenzmöglichkeit haben. Daß das Wohl des einzelnen vom Wohl des Ganzen abhängt, ist eine Binsenwahrheit. Aber daß das Wohl des Ganzen vom Wohl des einzelnen abhängt - das vergessen die Nationalökonomen."




***

Montag, 19. Januar 2015

Newmans Häresie der Unfehlbarkeit (5)

Teil 5) Schluß - Wie aus einem unfehlbaren Papst viele 
Millionen unfehlbare Päpste wurden


Genauso, wie Heiligkeit Ergebnis einer Praxis ist - des Teilnehmens an den Sakramenten nämlich, um geformt zu werden vom Rhythmus des Heiligen, der dann die Welt nach dem Logos ordnend aufbaut. Was jemand denkt oder angeblich denkt (denn das zu betrachten ist ja eigentlich erst spannend) ist fast unwichtig, wenigstens eine ganz andere Frage. Der der murrt, und dann doch geht, erhält den Lohn. Nicht der, der eifrig zustimmt, aber nicht geht.

Aber wenn irgendjemand dem Papst bzw. der so betitelten Telephonnummer eine SMS schickt, um ihm Frohe Weihnachten zu wünschen, dann drückt er nicht sein inniges Verhältnis zum Stellvertreter Christi aus, sondern die Banalität, die bloß menschliche Figur, zu der dieses Amt für ihn bereits geworden ist, zu dem er selbst sich nämlich erhöht. Das ist ein logisches Faktum, keine "Möglichkeit für Böse". Und genau das ist das Sakrament der Priesterweihe nicht. (Der Papst ist ja nur bevorrangter Hohepriester; das Papstamt selbst ist ja kein Sakrament.) Angesichts der Größe der Würde MUSZ jeder Mensch darunter verschwinden.

Ein Papst, der sich anmaßt, das Amt "zu interpretieren" wie ein Sänger ein Lied, erniedrigt ohne jeden Zweifel und ausnahmslos das Amt. Jeder noch so schurkenhafte Papst der Kirchengeschichte, und es gab deren einige, tat gerade das Gegenteil: Denn gerade die Schurken wußten, daß sie ihre oft sogar kriminellen Vorhaben wesentlich erst umsetzen konnten, wenn das Papstamt in hohem Ansehen und in sakrosankter Positionierung blieb. Und so mehrten sie die Größe des Amtes, obwohl sie hurten und betrogen und mordeten. Oh nein, heutige Päpste morden nicht mehr. Aber sie machen das Amt klein, ja bringen es zum Verschwinden, um zu zeigen, daß sie "heilige" Menschen sind. Auf Kosten des Amtes also, und das ist ganz konkret gemeint, arbeiten sie an einer solcherart abstrahierten Heiligkeit.

Und locken jede Menge Hyänen an - ja, die SMS-Schreiber und Twitterer etc. sind gemeint - die mit Heimtücke und natürlich unter tausend Demutsgesten hoffen, den leeren Stuhl, die verlassene Idee an sich reißen zu können, die nun jedem Platz bietet. Es reicht, die Äußerlichkeiten aufzuweisen. Alles ganz konkret nachzusagen, alles ganz konkret nachzuäffen.

Ein Paradox, so wie der Glaube eines ist. Denn aus der "Personalisierung" des Amtes, das in den Menschen fließt, statt umgekehrt, wird seine Übertragung auf die Allgemeinheit. Luther hat nicht das Papstamt abgeschafft. Er hat Millionen von Päpsten geschaffen. 

Eine Nachäffung dessen, was in der Erlösung durch Jesus Christus passiert, die auf einer zutiefst anthropologischen, wenn man so will: psycho-sozial erfaßbaren Wahrheit aufruht. Und schon gibt es nur noch unfehlbare Heilige. Päpste - oder Apostaten. Mehr gibt es nicht mehr. Die sich alle natürlich anders im Worte nennen. Aber sie beziehen ihren Ort eben nicht aus dem Sein, sie beziehen ihn aus Selbstzuteilung. Auch wer sich selbst, in einer vermeinten "Übung der Demut", in die Hölle versetzt, der ist gerade dadurch Gott. Wurde jemals in der Kirche so viel und so perfide gelogen wie heute?

Hört nur der VdZ die Häme in den Stimmen so vieler, die nun mit dem Finger darauf zeigen und sagen: Ha, da seht ihr wohin es führt, wenn man "dem Papst untreu" wird? Oh ja, man sieht, man hört es am Jüngsten Gericht: wem dann Gericht gesprochen wird. Es könnte da so manche Überraschung geben.

Eine dogmatische, immer selbstverständliche, jedem Menschen bonae voluntatis selbstverständliche, nur nie explizit gemachte, in figurale Dimension, zum Wirkmechanismus erhobene Antwort - die Unfehlbarkeit des Papstes, die Unüberwindlichkeit der Kirche durch die Hölle - wurde plötzlich in genau diese pastorale Dimension gehoben, von der sie rückwirkend eine völlig neue dogmatische Problematik mitbrachte, die ... die Wahrheit, das Heil der Menschen beschädigte.

Wer es fassen kann, der fasse es.

Mein lieber Leser S! Für diese Anregung sei Ihnen noch einmal und überschwenglich gedankt. Beste Grüße an Ihre Frau und die Kinder! Und viel Glück, und Gottes Segen, für Ihre neue Firma!



Nachbemerkung: Zur Vertiefung einiger wesentlicher Aspekte dieser Ausführungen, namentlich Aspekte der social media, anläßlich der Ankündigung verfaßt, daß der Papst (damals noch Benedict XVI.) nunmehr twittern werde, entwickelt aus einem Bericht vom Blogger-Weltkongress im Vatikan, zu dem der VdZ seinerzeit eingeladen worden war, sei auf die Artikelreihe vom Mai 2011 verwiesen: "Ehe der Papst twittert, kommt das Ende" Ein wenig wurmt den VdZ dabei, daß er den ursprünglichen Titel nicht belassen hat. Er ist ihm denn doch zu vermessen erschienen. Aber was wäre nun hineinzudeuten, zu interpretieren gewesen, und nicht einmal zu Unrecht, wenn er es beim ursprünglichen Titel belassen hätte, der da lautete: "WENN der Papst twittert, kommt das Ende"


*190115*

Da staunt man schon

Schauen Sie selbst, was da eines Tages im Jahre 2014, am 24. November,  nächtens im österreichischen Privatsender Puls4 als Diskussionssendung lief. Der VdZ kennt etwa Voggenhuger aus den Zeiten des EU-Beitritts, recht nah sogar, wo derselbe als beinharter Propagandist des EU-Beitritts hervortrat und damit übrigens den Meinungschwenk der Grünen bestimmte wie mitvollzog. Nicht anders, als Bischof Krenn, übrigens. Hören Sie aber, was er nun sagt. Ohne geringsten Zweifel sagt der VdZ, daß Voggenhuber - selbst Mittäter war. Denn das alles war vorhersehbar. Der nun sagt: "Kein russischer Politiker KANN überhaupt anderes reagieren, als Putin es tut."

Am köstlichsten an dieser Sendung ist aber vielleicht, mit welcher Lust ein Zeitungsblatt, das sich gerne zum Leitmedium der intellektuellen Elite Österreichs ausruft, sich bis auf die Knochen blamiert.







***

Sonntag, 18. Januar 2015

Newmans Häresie der Unfehlbarkeit (4)

Teil 4) Hier lernen Sie sogar rechtgläubig Wäschewaschen 


Hat sich der geneigte Leser schon einmal Gedanken darüber gemacht, was für Auswirkungen es hat, wenn ein Papst, der ja nur Bischof von Rom ist (worauf ja auch Franziskus hingewiesen hat, wobei: worauf hat er nicht hingewiesen - Wahrheit ist keine Frage von dem einen oder anderen richtigen Formalwort; kein Papst JEMALS war derartig zentralistisch! Man lese doch "Evangelii gaudium"! Da wird ja schon die einzelne detaillierte Pfarrpastoral geregelt, und sie wird es - kraft "unfehlbarem Papstwort", kraft also einem tiefen Mißverständnis), sich jede Minute weltweit meldet und davon berichtet, was er gerade macht? Und alles ist - unbewußt, zumindest, mit der Zeit aber bewußt werdend, unausbleiblich! aus Eigendynamik der Unfehlbarkeitsdogmatik, die jede Kritik unterbindet! - per Dogma verankert UNFEHLBAR. 

Wie soll so ein Bischof überhaupt als Diözesanbischof pastoral wirken? UND NUR SO kann er es, der Rest ist dummes Gewäsch. Ein Papst, der einer wiederverheirateten Schneiderin in Buenos Aires Tips gibt, wie sie doch nicht oder doch zur Kommunion gehen könne, berührt dogmatische Fragen, die ihm offenbar gar nicht bewußt sind. Und wenn er nur Würstel am Hotdogs-Stand in der Via Revonciliacione bestellt - er setzt weltweit, absolute, normgebende, unfehlbare Akte. Weshalb Ferne, Diskretion, Verborgenheit für einen Papst (wie FÜR JEDE hochgestellte Person) UNABDINGBAR sind.

Aber man braucht nicht viel Phantasie, um sich die prinzipiellen Unvereinbarkeiten zwischen Pastoral - die NUR (!) lokal, persönlich sein kann - und Dogma vor Augen zu führen. Im intimen, zwischenmenschlichen Kontakt (meinetwegen, nehmen wir das aktuelle Beispiel) zwischen einem Muslimen und einem Katholiken sind ganz andere Dinge - auch Klugheiten - gefragt, als in einem in jedem Fall zum OFFIZIELLEN, NORMIERENDEN AKT werden Begegnung zwischen einem Papst und einem Imam (etc.). Hier begegnen sich eben nicht mehr zwei Menschen, hier begegnen sich zwei Ämter, zwei Lehren, zwei Systeme. Hier so zu tun, als sei das eine das andere, ja als könne oder gar müsse beides ineinander aufgehen, ist nicht nur naiv, es ist strohdumm. So können im übrigen nur Menschen denken, die in ihrem ganzen Leben noch nicht ein Pfund Verantwortung für etwas getragen haben, das weiter entfernt ist als ihr Bauchnabel, oder ihre Mutti, der sie folgen, die noch nie etwas aufgebaut haben, die nur Beamte waren.

Ein sehr großer Teil der Schwierigkeiten, die zwischen der Priesterbruderschaft Pius X und dem Vatikan entstanden sind, baut auf solchen Umschlägen von Pastoral ins Dogmatische auf.

Und wer vermag sich vorzustellen, wie viele Vernünftige (und das ist doch DER Boden für die Gnade!), ja gerade oft die Besten, sich von der Kirche aus aus diesem Blickwinkel RICHTIGEN Gründen abgewendet hatten. Mit Aspekten, die der sorgtreuende Katholik gar nicht mehr sieht, weil er - pastoral - bereits dogmatisch fortgespült worden ist.*

In diesem historischen Kontext WIRKT NOSTRA AETATE (zu diesem Konzilsdokument über das Verhältnis zu anderen Religionen bald mehr) geradezu als SELBSTBERUHIGUNG DER KIRCHE, als verzweifelter Reparaturversuch, ANGESICHTS vorangegangenen KATASTROPHALEN VERSAGENS.  Hier sieht der VdZ mögliche und furchtbare historische Linien.

Der VdZ meint deshalb heute, mit tiefer Reue im Herzen, daß er damals (und wer weiß wie heute) so manches an Kritik an der Katholischen Kirche nicht verstanden hatte. Das kann gar nicht der Fall gewesen sein. Selbst der Altkatholischen Kirche ist da womöglich tiefes Unrecht widerfahren. Wie sonst hätten Leute vom Format eines Ignaz Döllinger sich von Rom abgewandt? Da ging es doch nicht um die Unfehlbarkeit "an sich", bei einem Monarchisten, wie es der bayrische und zuvor hoch angesehene Dogmatiker war! Unrecht, dessen Wiedergutmachung heute in unabsehbar weite Ferne gerückt ist, weil sich aus diesem einen Punkt, wo ein pastoraler Punkt zu einer dogmatischen Gegenreaktion geführt hat, eine bereits weitreichende neue Lehre entwickelt hat. Denn die Art, wie etwas Figur nimmt, ist bereits vorentscheidend, wie es wirkt. Es könnte sehr lohnend sein, sämtliche kirchlichen Konflikte seit 1870 (Erstes Vatikanisches Konzil) unter diesem Gesichtspunkt neu zu untersuchen. Und das Zweite Vatikanum mit so mancher durchaus auch zu mißdeutenden Formulierung - als Reaktion, um wieder etwas zurechtzurücken - gleich mit.

Das Medium macht die Botschaft. Es macht auch ein Dogma, das weit mehr ist als sein formaler Inhalt. Noch vor fünfzig Jahren (ja, so alt ist der VdZ mittlerweile, daß er das so sagen kann) wäre niemandem eingefallen, hinter dem Papst etwas anderes als das Amt, weit entrückt, das es auch ist, zu sehen. Hier begegnete einem nicht "der Mensch", sondern das Papstamt. Und man fiel bei einer der seltenen Audienzen auf die Knie. Heute? Ersparen Sie dem VdZ Ausführungen ... 

Selbstverständlich geht diese Unfehlbarkeit - als Nimbus, als psychologische Tatsache - auf den Menschen über, es ist nur eine Frage der Praxis. Das geht gar nicht anders. Und sie zieht sie herab, auf eine menschliche Ebene, auf die sich das Papstamt gar nicht bezieht. Denn das ist Aufgabe der Pfarrer und Seelsorge vor Ort. Denn DORT ist sie, die REALE Kirche. Und dort ist er, der Weg zur Heiligkeit: in der Liturgie, im ins Ganze gehobenen, mit dem Übernatürlichen wieder verbundenen Jahreskreis als Kranz der Wunder, in den Heiligen Feiern.**


Morgen Teil 5) Schluß - Wie aus einem unfehlbaren Papst viele 
Millionen unfehlbare Päpste wurden


* Dem VdZ unvergeßlich ist ein Disput (es muß so um 1995 gewesen sein) mit einem Mitglied der charismatischen Erneuerung, der binnen fünf Minuten fünf Häresien explizit vertrat, die ihn theoretisch ipso facto exkommuniziert sein lassen würden. Zumindest ist das im Dogma so formuliert: "Anathema sit", wer das so sage, der sei ausgeschlossen. Der VdZ behielt dies natürlich für sich, so einfach ist da ja alles nicht. Aber der andere fühlte sich doch in die Enge getrieben. Und mit einem Schlag wischte er alles weg, und setzte nun seinerseits den VdZ ins Unrecht. Indem er meinte: Aber es gehe doch um die Liebe, ob der VdZ das bestreite? Wer liebe, wie er, habe Recht. Wer nicht, wie der VdZ, denn so kleinlich (vielen wird logisch ja rasch zu kleinlich) zu argumentieren sei Zeichen mangelnder Liebe, sei einfach nicht christlich. Er nämlich sei papsttreu, der VdZ möge doch nachlesen, er sage genau, was der Papst sage, und somit könne ihm nichts passieren.

**Als der VdZ einen mittlerweile verstorbenen Pater, der ihm viele Jahre Beichtvater gewesen war, zu Anfang fragte, was er tun müsse, um heilig zu werden, meinte der in aller Seelenruhe: "Geduld haben." 


*180115*

Durchklingen des Übergeordneten

Es ist ein schöner Vergleich, in dem Franz von Baader die Differenz zwischen menschlichem Denken (und Geist) und Gottes Denken (und Geist) darstellt. Er zieht das Verhältnis des Menschen zu einem Tier heran.

Denn das Tier - nehmen wir noch konkreter illustriert: einen Hund - wird vom  Menschen gedacht. Nur insofern kann es auch dieses menschliche Denken "denken". Und insofern kann es, im Gehorsam, das Denken seines Herrn "nachdenken", nach-darstellen. Das Untergeordnete ist also je im Übergeordneten gedacht bzw. erkannt.

Es kann sich aber nicht aus eigenem Ich heraus dazu verhalten, so wie es der Mensch kann.

Im Tier aber steht etwas anderes in einem Verhältnis zum rein menschlichen Denken: Das Von-Gott-Gedachtsein des Tieres* nämlich, das bei ihm bzw. seinem Verhalten ursprünglich differenzlos mit seiner Natur (im Instinkt) zusammenfällt. Fällt das menschliche Denken also nicht - im "Nach-"Denken - mit dem Gottes zusammen, gerät das Tier im Gehorsam in Widerspruch mit sich selbst, und fällt ins Nichts, in den Tod.

Das trifft natürlich auch auf den Menschen zu, wenn er nämlich nicht in der Wahrheit denkt. Welcher Wahrheitsbegriff sich auf dieses Gedacht-sein der Welt selbst bezieht, und es im Geist (spritus kommt von atmen) zur Gestalt macht und darin hält. 

Aber so wie ein Tier nunmehr seines Herren Geist präsentiert und daraus atmet und lebt, so lebt der Mensch, in der Wahrheit, aus dem Geist Gottes. Das liegt aber beim Menschen in seiner Leistung. Nicht, sich zu erhalten "aus sich selbst", sondern seine Erhaltung liegt an seiner eigenen (sittlichen) Leistung.

Doch das untergeordnete Geschöpft - das Tier - ist eben vom Herrn durchdrungen. NICHT der Herr vom Tier. Und so ist das Verhältnis des Menschen zu Gott. (Baader sagt das gegen Hegel und Spinoza.)

Man muß nun diesen Gedanken nur weiterführen, um auf das Wesen der Hierarchie, den Sinn von Autorität etc. zu stoßen, welch alles sich dadurch auf noch klarere Weise erschließt.

Zugleich kann das Tier den Menschen erst suchen, wenn es auch von seinem Geist durchdrungen ist, bzw. diesem folgt. Das läßt sich in jedem Umgang mit dem - bleiben wir beim Beispiel: - Hund erkennen. Der ausreißt, wenn er nicht dem Geist des Menschen, lediglich seinem In-sich-selbst-sein (Instinkt) folgt.

Denn der Geist kann nur suchen, was er bereits hat. Und in diesem Sinn kann der Mensch Gott erst suchen und finden, wenn er sich bereits aus dem Geist Gottes heraus, diesem nachfolgend, sich diesem fügend, sucht.

Weil aber nun alles Geschöpfliche nur erkennbar ist, weil es von Gott (dem Sein) zuvor gedacht wurde, kann der Mensch auch sich selbst nur erkennen, wenn er sich ... in Gott sucht. Bliebe er nämlich nur in sich, in abgeschlossener Welt sozusagen, so würde er sich nicht finden, sondern sein Erkennen fiele ins Nichts, sein (rein menschlicher Geist) würde nichts erkennen (bzw. könnte Erkenntnis bestenfalls - aus der Erinnerung an Erkenntnis - simulieren).

Weil sohin Gott nur in einem Aus-sich-Heraussteigen des Menschen (Ekstasis) direkt erkennbar wäre,  der Mensch aber nicht aus sich heraussteigen KANN (er bleibt zwangsläufig immer in sich), ist auch klar, daß diese Ekstasis nicht vom Menschen MACHBAR sein kann.

Alles andere Erkennen Gottes aber bleibt das indirekte Erkennen durch Rückfolgerung, weil alles Geschöpfliche die Signatur seines Hervorbringers trägt, von ihm erzählt. Und das ist (der Kreis schließt sich also) der, der alles gedacht hat, in dessen Denken alles ist - Gott.

Die Sprache ist keine Erfindung des Menschen! Nur ihre aktuelle Gestalt hat mit ihm (und seinem Geist bzw. Ungeist) zu tun.**




*Ohne ein Von-Gott-Gedachtsein gibt es überhaupt kein Erkennen. Das ist keine religiöse Aussage, sondern eine Folgerung der Philosophie.

**Weshalb auch jede Diskussion über Genderismus nicht in irgendwelchen Pragmatismen etc. ergehen kann, sondern nur über eine metaphysische Klärung überhaupt sinnvoll, weil von dort her vernünftig ist."Die Sprache", schreibt Wilhelm von Humboldt einmal, "entspringt aus einer Tiefe der Menschheit, welche überall verbietet, sie als ein eigentliches Werk und als eine Schöpfung der Völker zu betrachten." Denn in der Sprache kommt, folgt man dem oben Gesagten, gar nicht des Menschen Geist "zur Sprache" - der menschliche Einfluß ist lediglich im Bereich der Sittlichkeit von Bedeutung, die seine Sprache berührt.




***

Samstag, 17. Januar 2015

Newmans Häresie der Unfehlbarkeit (3)

Teil 3) Wie eine unfehlbare Wahrheit zur Häresie wird


Damit wir uns, geneigter oder ungeneigter Leser, der so weit noch gefolgt ist, uns richtig verstehen: Wir reden hier nicht um das berühmte Kavaliersdelikt, um ein paar Kastanien, die wir aus dem Mantel des Weihnachtsmannes stehlen oder nicht. Und auch in der damaligen Kritik am Twitterdienst, dessen sich plötzlich der Papst bedienen wollte, an der Aufarbeitung der ontologischen Problematik der neuen Medien, der social media, dieses in Wechselwirkung befindlichen Ineinander von Pastoral und Dogmatik, von Tun und Sein. 

Und wir reden hier nicht von all den Schnapsnasen, die überlegen lächelnd gemeint hatten, wie sie ja immer meinen, das betreffe sie nicht, denn man müsse natürlich "aufpassen", jaja, aber das täten sie ja. Denn sie sind längst allesamt dieser Doppelmühle in die Falle gegangen. Allesamt. Und haben, ohne daß sie es gemerkt hätten, ihre dogmatische Position verändert. Natürlich so, daß man es nicht gleich merkt ... 

Da rennen aber sogar mittlerweile Leute herum, darunter Würdenträger, gerade auch im Internet, die jeden exkommunizieren, der es wagt, den Papst zu kritisieren! Bringen damit Menschen in unlösbare Konflikte, weil sie die natürliche Vernunft aufgeben müßten, um ihr Heil nicht zu verlieren! Solchen Würdenträgern sollten augenblicklich (Schriftgröße 24, nein, 36 ist noch besser) alle Würden von der hohlen Hühnerbrust gerupft werden, sie haben einen Spaten verdient, um wenigstens einmal in ihrem Leben wenigstens ein Stückchen Wirklichkeit zu erfahren.

Aber lassen wir auch das. Und stellen wir uns etwas ganz anderes vor. Nämlich: Wenn es sich also so verhält, wie Kardinal Newman sagt, und der VdZ sieht nichts, was dieser Logik widerstehen könnte, schon gar nicht empirisch, denn Newman hatte völlig recht, wenn es sich also so verhält, dann möge sich der Leser dieser Zeilen (der LdZ also, der Tanzpartner des VdZ also) vorstellen, WIEVIELE gutmeinende, vernünftige Menschen sich angesichts dieser Papolatrie - die nach Newman FALSCH und UNKATHOLISCH ist - von der Kirche abgewendet haben.

Herrschaften, der VdZ erinnert sich augenblicks an einige Gespräche, in denen er gar nicht verstand, was sein Gegenüber meinte, als es sich tief ablehnend, bei aller sonstigen logischen Übereinkunft, in seiner Ablehnung der Kirche auf den "Heiligen Vater" bezog - einer solchen Lehre könne er nicht zustimmen. Wie könne jemand heilig sein, wenn nicht einmal der Erlöser sich als heilig bezeichnete, ja dies strikt zurückwies? Et cetera, et cetera. 


Morgen Teil 4) Hier lernen Sie sogar rechtgläubig Wäschewaschen



*170115*

Worum es wirklich geht

Es geht um "Die Große Transformation", nicht einfach nur der Wirtschaft, sondern der gesamten Gesellschaften. Klimakonferenzen sind Wirtschaftsgipfel. - Das Interessanteste an diesem Video sind die Originalstellungnahmen, in denen sich die Hintergründe hinter dem "Klimawandel" ohne Blatt vor dem Mund darstellen. Es geht um neue Umverteilung, es geht um neue Gleichheit, was nur durch massive Eingriffe der Politik in gesellschaftliche Prozesse möglich ist. Klimaschutzpolitik und Totalitarismus sind nur zwei Seiten ein und derselben Medaille, und sie kommen aus denselben Geistesbezirken. Mit absurden - sachlich schlicht falschen! - Vorstellungen, die die Bedrohungsbilder tragen. Etwa, indem abstrakte Begriffe zu Vorstellungen von Realitäten konkretisiert werden, die es so aber nicht gibt.

Dazu gehört auch eine irrige Vorstellung von der "Endlichkeit der Erde", die als geschlossener Mechanismus vorgestellt wird. Eine Folge eines mechanistischen, immanentistischen Weltbildes, die im falschen Bild eines durch Faktorenverschiebung ausgelösten "Kollaps des Gesamtsystems Erde" gipfelt. Mit diesem Technizismus erwachsener völliger Verkennung des vom Menschen überhaupt Machbaren.

Also erhält das Böse wie das Gute ein neues Gesicht, eine neue Natur. Der Klimawandel bietet für eine atheistische Gesellschaft ein fast unwiderstehliches Glaubensangebot, sagt Norbert Bolz einmal: Endlich kann man wieder religiös sein, auch ohne Gott und Kirche. Die "Klimakatastrophe" als Meta-Moralgebot, dem alles unterzuordnen ist, weil es "um alles geht". Klimawandelverhinderung wird zum Kampf gegen das Böse - als DIE BöseN personalisierbar - selbst. Der (vulgo) Klimaskeptiker wird zum Todfeind, den es zu eliminieren gilt, dem alles Menschliche aberkannt werden darf weil muß. Er stellt sich für die Guten des Klimawandelverhinderns außerhalb des Rechtsraumes, in einem totalen Krieg, zu dem sich diese Haltung in den letzten Jahrzehnten ausgewachsen hat.

Mit einer besonderen Schichtung der Wandel der sozialen Milieus, denen die Klimakämpfer entstammen, grosso modo: als kleinbürgerliche Emporkömmlinge wirklichkeitsfremder, ja -feindlicher Schichten mit entsprechenden Welt- und Moralbildern als Kampfmittel, vorwiegend aus ungebundener, überschüssiger wie künstlich hochgezüchteter  Intellektualkraft, die nach Fleisch, nach Wirkfeldern sucht, die sie sich nun aber erfinden muß. Und damit zu Priestern eines Arkanums werden, dessen Geheimnisse sie der Welt einzuflößen, nötigenfalls aber  mit vollem moralischen, göttlichen Recht aufzupressen haben. Denn die Rettung der Welt ist auch jedem "Gott" übergeordnet.

Daß sich hier Deutschland, das sich seit 1945 in einem Schuldkomplex windet, Vorreiter des Guten werden will, gerne hinnimmt, in diese Pflicht von anderen gedrängt zu werden, bis zur Selbstzerstörung als Sühne, nimmt nicht wunder.

Wie bei der Evolutionismusdebatte ist hier aber mit "sachlicher Diskussion" nichts zu klären. Das hat auch damit zu tun, daß die "Wissenschaft", mit der wir es hier zu tun haben, in ihren Grundlagen völlig unklar und ungeklärt ist. Ein Problem im übrigen der gesamten Natur- und Sozialwissenschaften, die mit Details im Mund philosophische Grundfragen verwischen möchte. Sie trifft auf eine denselben Herkunftsbezirken entstammende Politikerkaste, die deshalb das Thema mit offenen Armen aufgegriffen hat.

Deshalb muß auch nach einzelnen Proponenten zu suchen - á la Verschwörungstheorie - zu kurz greifen. Wir haben es hier nämlich mit der Dynamik der Dämonie zu tun, die sich wie alles spiralig entwickelt. Sodaß was heute vor mir als Handeln liegt, mir morgen im Rücken als Triebkraft begegnet. Eine Dynamik, vor der sich aber auch Klimaskeptiker zu hüten haben. Jeder braucht ein lauteres, und immer wieder neu zu läuterndes Gewissen um jene Dämonen abzuschütteln, die jeden Spalt in der Tür sofort nützen wollen.

Der Film ist empfehlenswert.







***

Freitag, 16. Januar 2015

Ausdruck des allgemeinen Unmuts

Eine umfangreiche Studie der TU-Dresden bestätigt nun, was der VdZ an dieser Stelle über Pegida schrieb (auch wenn er noch nie bei einer der wöchentlichen Demonstratioen in Dresden anwesend war.) Auch, was hier über die irreparable Selbstbeschädigung der Medien gesagt wurde, wird bestätigt. 

Die Demonstranten seien, so die Studie (die gewiß nicht die Intention hatte, zu exkulpieren), keinesfalls Rechtsextremisten, wie es oft heiße. Der spiele eine nur kleine Rolle. Und natürlich werde von verschiedenen Seiten versucht, die Bewegung für sich zu nutzen, die wöchentlich mittlerweile 25.000 Teilnehmer in Dresden auf die Straße bringe.

Vielmehr sei aber das Anliegen der Demonstranten einfach, ihrem allgemeinen Unmut über die Politik zum Ausdruck zu bringen. Das Nutzen des Rechts auf Meinungsäußerung stehe an erster Stelle. Dann folge die Unzufriedenheit mit den Medien und der Öffentlichkeit. Und erst an dritter Stelle der Motivation stehe das, was man der Pegida generell so schnell als Mäntelchen umgehängt hat, und was die Studie mit "Ressentiments gegen Migranten" bezeichnet, mit einer besonderen Rolle des Islam darin.

Auch die üblichen weiteren Zuschreibungen, mit denen man solche Bewegungen bedenkt, funktionieren nicht. Die Ergebnisse der Studie stünden, so die Forscher, "zum Teil bisherigen öffentlichen Annahmen über Anliegen und sozialen Hintergrund von Pegida-Anhängern entgegen", schreibt die Welt. Es sind keine Randschichten der Gesellschaft, die hier demonstrieren, sondern im Gegenteil: Bürger aus der Mitte. Der durchschnittliche Pediga-Demonstrant sei 48 Jahre alt, gut ausgebildet bzw. gebildet, verfüge über ein intaktes soziales Umfeld, und habe ein leicht überdurchschnittliches Einkommen.

Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl meinte dazu in einer Stellungnahme: "Es sind Bürger, die ihr grundgesetzlich garantiertes Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen – und das sollte nun wirklich nicht in Frage stehen."

Es wäre interessant, welchen Fehlinformationen es zu verdanken ist, daß der türkische Regierungspräsident Ahmet Davutoglu jüngst zu der öffentlich getätigten Feststellung kommt, daß Pegida mit der IS gleichzusetzen sei. Oder geht es hier nur um gezielte Verleumdung von Gegnern eines EU-Beitritts der Türkei, dem großen Ziel der türkischen Außenpolitik, wie erst jüngst wieder zu lesen war? Und worum geht es Merkel, die mit besorgter Miene an die Öffentlichkeit tritt und eindringlich tut, als gehe es um die Verhinderung der Reichskristallnacht? Geht es hier nicht einfach um das Gewinnen von Kontrolle über vielleicht bald nicht mehr so willkürlich beherrschbare Bevölkerungsteile durch dieselbe Verleumdungs- und Ausgrenzungstaktik? 

Mit ungeheuer rasch reagierendem, angeschlossenen Öffentlichkeitsapparat, der sofort die aufkommenden Begriffe zu diffamieren versucht, um unliebsamen Sprachgebrauch zu beschneiden - und "Lügenpresse" binnen Wochen zum "Unwort des Jahres" erklärt? Na wie auch nicht. Wie auch nicht. Es rührt ja am einzigen Kapital, das Medien (nicht mehr) haben, der Glaubwürdigkeit, der Autorität der Diskursführerschaft. Die gesellschaftlich relevanten Diskurse finden heute zunehmend ganz woanders statt.

Wie es aussieht, waren es also nicht die Pediga-Denonstranten, die sich in diffusen Ängsten der Zukunftssorge winden. Sondern die meisten Politiker und zahlreiche weitere "Besorgtheitsbeflissene der Nation", die sich vor einer IHR nämlich diffus werdenden Bevölkerung zu schützen versuchen. Die in ihren Scheinwirklichkeiten gar nicht mehr vorkommt. 

Oder was soll sich ein Pegida-Demonstrant denken, der rasch nachdem er sein Büro abschließt, seine Kinder von der Klavierstunde holt und sich ein paar Stulle von seiner Frau einpackt, die diese samt einer Wärmeflasche gerichtet hat, ihm noch Grüße an Tante Herta aufträgt, die auch kommen wolle, um dann mit seinem Audi-Karavan nach Dresden zu fahren - wenn über ihn anderntags in den Medien zu lesen steht, er sei rechtsradikal, stamme aus der Schichte der Ausgegrenzten, lebe von Hartz IV, und sei eine Gefahr für Deutschland. Nicht ... Lügenpresse?

Noch einmal: Der VdZ glaubt nicht, daß es sich bei Pegida um eine politisch wirklich relevante Größe geht. Nicht bei Pegida selbst. Sehr wohl aber bei dem, was sie ausdrückt. Vergleichen wir es mit ehernen Gesetzen der Zeitungsbranche: Manche Leserbriefe vertreten gerade mal die Anzahl Leser und Bürger, die solche Briefe schreiben. Sie sind zugleich die aktivsten. Manche Leserbriefe aber vertreten das Zehn- und Hundertausendfache, und sie kommen selten, sind aber umso aussagekräftiger. Es ist der Realitätsnähe des Herausgebers überlassen, diese Unterschiede zu erkennen, sonst verliert er den Kontakt mit seinem Publikum. Und das rächt sich eines Tages. Welche Seite die "nur" 25.000 Dresdner und Sachsen zuzuordnen sind, soll der Leser dieser Zeilen entscheiden.




***

Newmans Häresie der Unfehlbarkeit (2)

Teil 2) Wie aus einem Menschen plötzlich ein Heiliger wird


Und darauf weist auch Kardinal Newman hin. Der sogar darauf hinweist, daß eine explizite Formulierung ungenügend sein kann, und durchaus historisch wandelbaren Interpretationen unterliegt. Er zeigt es an zwei Beispielen. Etwa dem Zinsverbot, das nämlich ursprünglich dogmatisiert war. Um im 19. Jahrhundert eine bemerkenswerte Änderung zu erfahren: Wer es nämlich NICHT als unsittlich, sondern als gerechtfertigt sehe, Zinsen einzuheben, das sehr wohl dürfe. 

Ähnlich verhält es sich mit dem Satz "extra ecclesiam nulla salus" - außerhalb der Kirche kein Heil. Er zeigt eine andere historische Wandelbarkeit eines Dogmas, die von der Herangehensweise abhängt, in der sie gesehen wird. Dieser Satz wurde ursprünglich nämlich streng positivistisch gedeutet. Das heißt daß man damit ausdrückte, daß es UNBEDINGT notwendig sei, Mitglieder Kirche, also getauft zu sein, um in den Himmel zu kommen, um das Heil zu erlangen. Das hat selbst Zwangstaufen gerechtfertigt, wenn man deren Geschichte nachgeht. Denn sie waren ganz reale Instrumente der heilsvermittlung, wie auch immer die Reige der Ahnungslosen und Strohköpfe der Gegenwart sie sonst deuten möge, die sich guten Willen in seiner Abhängigkeit von Erkenntnis (die IMMER ein historisches Gesicht hat) eben gar nicht vorstellen können.

Diese Interpretation ist einem anderen Aspekt gewichen, bzw. wurde aufgeweicht. Ja, es stimmt, etwas anderes kann die Kirche nicht sagen als das, daß es außerhalb kein Heil gebe. Sie könne, sie dürfe, ja sie müsse aber vermuten, daß Gottes Wege der Barmherzigkeit von uns Menschen nicht erschöpfbar sind. Die Kirche MÜSSE zwar so sagen, und zar nicht aus Pragmatismus, sondern weil sie nichts anderes sagen KÖNNE, denn nur diesen Weg zum Heil kennt sie überhaupt, aber dennoch ist nicht ausschließbar, daß Gott auch Heiden sein Heil schenkt. Wie immer dies passieren möge. Dies freilich so zu deuten, daß deshalb auch Heiden jederzeit das Heil hätten, wenn sie es nur wollten, würde aber schon wieder falsch sein! 

Wer fassen kann, der fasse. An diesem Beispiel illustriert sich das Wesen des depositum fidei, das weit weit tiefer ist als alle menschlichen Worte es je zu fassen vermögen, und doch, und doch absoluter und konkretes Urteil möglich macht, und genauso eine positive Formulierung, ein absolutes Urteil NOTWENDIG macht, sonst kann sich erst gar kein Urteil bilden. Wer fassen kann, der fasse.

Im Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich dies etwa im Dekret "Nostra Aetate" zum Ausdruck gebracht. Das wie sämtliche Konzilsdokumente "nur für sich" keine Wahrheit ergeben. Sondern, wie in der Präambel zum Konzil festgehalten, nur ... aus dem depositum fidei heraus interpretier- und verstehbar ist. Wo sich also Einzelne auf Wortlaute kaprizieren, wollen sie in Wahrheit eine ihnen genehme Interpretation. Kein Text ist "aus sich heraus" verstehbar, kein menschliches Wort der Erkenntnis ist absolut, also auch sein Geist, sein Vollzug. Es hat nur Analogie zum Logos.

Ausschweifung? Notwendige Ergänzung des Farbenrings, um das Ganze zu sehen? Der Leser möge es selbst beurteilen. Fahren wir also fort.

Denn was Newman ganz sicher gesehen hätte, wäre die Auswirkung, die die Entwicklung der medialen Welt auf das Papstamt - unter dem Dogma der Unfehlbarkeit - ganz real hat. Vergessen wir nicht: Bis noch vor 50 Jahren war das einzige, was der durchschnittliche Gläubige vom Papst mitbekam, und zwar in seinem ganzen Leben, das eine oder andere Predigtwort durch den Pfarrer, wenn überhaupt, oder das eine oder andere blaßkolorierte Bildchen, das jemand von einem Rombesuch mitbrachte. Und schon nur noch wer sich wirklich und mit Eigeninitiative interessierte - das eine oder andere Buch mit Papstaussagen. Welcher Gläubige aber las Enzykliken? Die hatten doch mit ihm sowieso nichts zu tun, denn er glaubte ja. Und da sind wir wieder exakt bei Newman.

Führen wir also nur die beiden Aspekte zusammen - die "Sanktifizierung", "Dogmatisierung" von allem und jedem, was der Papst macht oder sagt, und das Schaufenster, in dem seit Jahrzehnten, und mittlerweile in kaum noch vorstellbar überbietbarer Weise jeder Papst steht, so erhellt sich sehr vieles, was in den letzten Jahren immer konzentrierter zu beobachten ist. Denn unter dem nunmehr explizit gemachten, und nicht zufällig immer wieder und noch mehr explizit gemachten Licht einer Unfehlbarkeit der Gestalten, der Personen, die Papst sind, wird der Gedanke fast unausbleiblich, daß auch jeder dieser Päpste HEILIG ist, und jeder dieser Päpste - weil Heiligkeit Vollkommenheit bedeutet, zumindest hochgradige - auch in allem was er tut und sagt UNFEHLBAR ist.

UND DAS IST EINE HÄRESIE.


Morgen Teil 3) Wie eine unfehlbare Wahrheit zur Häresie wird



*160115*

Interessante Feststellungen

"Zunächst mal haben wir Industrieländer die Atmosphäre der Weltgemeinschaft quasi enteignet. Aber man muß klar sagen: Wir verteilen durch die Klimapolitik de facto das Weltvermögen um. Daß die Besitzer von Kohle und Öl davon nicht begeistert sind, liegt auf der Hand. 

Man muß sich von der Illusion freimachen, daß internationale Klimapolitik Umweltpolitik ist. Das hat mit Umweltpolitik, mit Problemen wie Waldsterben oder Ozonloch, fast nichts mehr zu tun."

IPCC Vizechef Prof. Dr. Otmar Edenhofer in einem 
Interview in der NZZ vom 14.11.2010




***

Donnerstag, 15. Januar 2015

Newmans Häresie der Unfehlbarkeit (1)

Dem serbischstämmigen Leser S verdankt der VdZ einen Hinweis auf ein Dokument aus der Feder von John Henry Kardinal Newmann. Der mittlerweile Seliggesprochene ist ja von ungebrochener Aktualität, auch wenn er nach wie vor wenig rezipiert wird. Denn er hat sich besonders um die Zusammenführung von Wissen und Glauben verdient gemacht, um diesen Scheinbruch zu kitten, der der Kirche so fatal zusetzt. Eine Problematik, die vielen hellen Köpfen des 19. Jahrhunderts in den katastrophalen Auswirkungen bewußt war, weshalb es wirklich herausragende Werke gibt - man denke an Ceslaus M. Schneider und sein "Wissen Gottes" - die in klarem Denken aufarbeiten, daß es Wissen überhaupt nur geben kann, wenn beziehungsweise WEIL es in Gott Wissen ist. Aber so fundamental dieses Thema ist - darüber soll ein anderes Mal gehandelt werden. 

Hier geht es nämlich um einen Brief, den Newman verfaßt hat, und in dem er etwas ausbreitet, das manchen in Erstaunen versetzen wird. Und einige seiner Gedanken wollen wir hier ausführen.

Newman meldet nämlich darin seine Skepsis der bevorstehenden Dogmatisierung der Unfehlbarkeit des Papstes an! Und was er anführt, ist so einleuchtend, daß es im Grunde unbedeutend ist, welchen formellen Rang dieses Schriftstück hat. Denn selbst, wenn Leser S es verfaßt hätte (was wir ihm natürlich nicht unterstellen wollen, aber wer weiß ;-) so bliebe es doch wahr. Wollen wir einige Gedanken dazu ausbreiten.

Denn, um gleich ein Mißverständnis auszuräumen: Selbstverständlich zweifelt Newman nicht einen Augenblick an der Wahrheit, die sich in diesem Dogma ausspricht. Ja, die Logik dahinter zu erkennen, spielte ja in der Geschichte seiner Konversion eine entscheidende Rolle. Daß die Kirche in der konkreten Person des Papstes letztlich unfehlbar sein müsse, stand ihm nie außer Frage. Und dennoch spricht er sich DAGEGEN aus, dies als Dogma zu verkünden.

Denn Newman sagt etwas anderes: Er sagt, daß die praktischen Auswirkungen eines solchen Dogmas auf den normalen Katholiken verheerend sein könnten. Das ist schon deshalb interessant, weil dieses Dogma, so wie andere auch, einen sehr realen, historischen Kontext und Anlaß hat, auf den es hinzielt, indem sie eine implizite Wahrheit explizit machen, ihr damit eine stärkere politische, pastorale Dimension geben: den Kirchenkampf in ganz Europa. Das haben Dogmen überhaupt so an sich, denn ein richtiger Katholik bräuchte gar kein Dogma. ER hat ja das, was ein Dogma mühsam zusammenkratzt, und nur aus dem kann es schöpfen: das depositum fidei.

Das sieht gewiß auch Newman, auch wenn er sich darauf nicht bezieht. Aber genau der Grund ist es auch - die pastorale Seite - die ihn starke Bedenken anmelden lassen. Denn er sagt, daß sich nach dieser Dogmatisierung für die Weltkirche die Gestalt des Papstes ganz anders darstellen wird. Während sich nämlich diese Unfehlbarkeit lediglich auf den allerinnersten Kern des katholischen Glaubens, das despositum fidei, bezieht, wird die Verkündigung als Dogma hinkünftig jede faktische Äußerung des Papstes in den Geruch einer dogmatischen Äußerung stellen.

In Wahrheit aber ist der Anlaßfall für die explizite Bemühung der "Unfehlbarkeit" eine "minimalistische" (Zitat Newman) Angelegenheit, und sollte es auch bleiben. Denn der Glaube lebt aus dem inneren Bezug der Gläubigen auf dieses Herz der Kirche, auf den Heiligen Geist, der in ihr in Wahrheit herrscht. So daß man von Kirche als Vollgestalt ja nur sprechen kann, wo und soweit dieser Geist atmet. Ohne ihn wäre sie tot. Erlischt also dieser Geist in Gläubigen, so ist er auch durch kein Dogma wiederherstellbar. Denn auch das Erkennen der Wahrheit, die die Kirche darstellt, ist bereits eine Angelegenheit des lebendigen Geistes, ein Geschenk. 

Umgekehrt aber wird diese Dogmatisierung ganz neue Probleme aufwerfen. Denn wie die Kirchengeschichte lehrt, sind die praktischen, die pastoralen, ja sogar die moralischen Maßstäbe einzelner Päpste höchst unterschiedlicher Qualität, um es gelinde auszudrücken. Und nicht zuletzt die zweite große Kirchenspaltung - Luther ab dem Jahre 1517 (wobei er selbst erst ab 1519 von "Protest" spricht, denn eigentlich wollte er reformieren, Mißbräuche, "nützliche Mißdeutungen" auch durch Päpste abstellen, und gar nicht zu Unrecht) - führt sich keineswegs auf einen ursprünglich protestantischen Geist zurück, sondern auf reale (spirituelle!) Erfahrungen eines erst wohlmeinenden Reformers, der aber die Auswüchse des Papsttums, seinen Absolutismus, seinen Zentralismus, als Krebsschaden erkannte. 

Nunmehr aber wird - nicht gleich, aber allmählich - jeder Kritiker des Papstes und seiner Regierung zu einem tendenziellen SEDISVAKANTISTEN. Das ist ungefähr dieselbe Ebene wie jene, auf der sich die Kirchensteuer in Deutschland und Österreich abspielt: Selbst aus der Pflicht jedes Gläubigen, für den Erhalt der Kirche (wie jeder Bedürftigen) zu sorgen, läßt sich nicht ableiten, daß er bei deren Verweigerung NICHT MEHR KATHOLISCH, kein Mitglied der Kirche mehr sei. Durch die teuflische Kirchensteuer aber findet sich diese Problematik UNTRENNBAR verquickt. Denn wer nunmehr die Zahlung der Kirchensteuer verweigert, ist gezwungen, AUS DER KIRCHE AUSZUTRETEN. Und DAMIT setzt er einen Akt des Abfalls von der Kirche. Jedes noch so wohlmeinende Argument, daß das ja nicht so sei, weil es ja auf die innere Haltung etc. etc. ankomme, greift zu kurz. Die Sache ist NICHT MEHR ZU TRENNEN. Und ganz real setzt jeder, der aus der Kirche austritt, auch einen realen Akt der Apostasie, des Abfalls vom Glauben - mit Auswirkungen auf sein Seelenheil. An dieser Wahrheit führt kein Weg vorbei.

Und dieses Beispiel zeigt, wie sehr dogmatische Fragen mit ganz einfachen historischen Handlungen veränderbar sind. Man nehme nur Ungarn, in dem der VdZ ja seit etlichen Jahren lebt, und wo er auch den Jahreskreis in die Heiligen Zeitschöpfungen der Kirche eingebettet und zum Heil erhöht erfährt. Aber hier gibt es keine Kirchensteuer. Lediglich freiwilligen Obolus, mit einer Empfehlung der Kirche, ihn mit einem Prozent des Jahreseinkommens festzulegen, denn damit komme sie durch. Das war's.  Niemand hier tritt aus. Und wenn, dann ist es ein definitiver Akt des freiwilligen, bewußten Abfalls. Und niemand nimmt einen am Schlafittchen, weil man nur 0,5 Prozent oder gar nichts abliefert. Und man wird auch nicht heiliger, weil man mehr spendet. 

Entsprechend ist der im kirchlichen Alltag erfahrbare Bürokratismus (was das ist, weiß ein Kirchendiener in Österreich, Laie oder Kleriker, ja nicht einmal mehr, der VdZ hat es erst jüngst erlebt: die leben überhaupt schon in einer Separatwelt) nicht vorhanden. Es gibt ihn in Ungarn nicht. Und - es gibt auch nicht die Frage, die sich der VdZ in Österreich permanent gestellt hat: Ob man aus der Kirche austreten wolle, weil einem etwas an ihrer realen Politik nicht paßt. Dafür sind die Kirchen voll, tatsächlich, voll, immer, und die hohe Anzahl der Messen und kirchlichen Feiern in den vielen Kirchen in Sopron steigert sich immer noch, von Jahr zu Jahr. Aber wir werden schon wieder ausschweifend ... Zeigen wollten wir, daß ein dogmatischer Inhalt keineswegs von praktischen und historischen Fragen abzukoppeln ist.


Morgen Teil 2) Wie aus einem Menschen plötzlich ein Heiliger wird




*150115*

Ein Irrtum, den keiner mehr eingestehen wird (2)

Teil 2) Fußnote und Exkurs - 
Die Energiewende ist nur der vorläufige Gipfel einer Gesamtentwicklung



Sie ergreift hier freilich nur einen weiteren Bereich, wenn auch einen noch fundamentaler realen - die Ökonomie, auf der die übrige Politik ja aufruht. Wenn man im eigenen Umfeld hört und schaut, wie auf jedes auftauchende Problem sofort mit dem Ruf nach "Politik" und "Gesetz" reagiert, bei jedem zwischenmenschlichen Problem nach "Staat" gerufen wird, kann einen diese Steigerung gar nicht mehr überraschen. Unsere Völker sind seit Jahrzehnten, ja seit mehr als 100 Jahren, sukzessive auf solche Ausgliederung der Freiheit zugunsten einer Ablaufoptimierung durch Zentralsysteme umerzogen worden. 

Gerade die jungen Menschen der Gegenwart scheinen deshalb folgerichtig an eine Welt zu glauben, die nur durch "große, globale Regelungen" gestaltbar ist, während das eigene Lebensumfeld, bis hin zur Familie, dagegen ins Bedeutungslose absinkt, bestenfalls noch beherrsch- und machbaren "Erlebniswert" hat. Das ist logische Folge der Bedingungen, unter denen sie bereits aufwuchsen.

Dabei zeigt sich an der Energiewende, zuvor schon am Klimaerwärmungswahn, ein zutiefst wahrer Mangel! Es ist nämlich der Mangel an der Wahrheit, die erst die Welt zum EINEN zusammenführen kann. Wenn aber die Persönlichkeitsstruktur bereits technizistisch sich selbst entfremdet wurde, zeigt sich die gefühlte Weltproblematik nun in technizistischer Aufbereitung: In Klimawahn oder wie hier der Energiewende. Der gefühlte, gewußte Mangel an dem, was alles zusammenfaßt, am Sein selbst - und man muß hier eben von Gott sprechen - ist der Stimmungshintergrund, auf dem die einzig verfügbare Gedankenwelt, der Technizismus, der Materialismus, der die Welt in Mechanik auflöst, nun zusammengefügt wird. Die Welt selbst IST Technik.

Das gedanklich nur noch technisch lösbare Heilsproblem wird also von einem tief wahren Stimmungsbild getragen und durchtränkt. Das macht die scheinbar nur technisch-wissenschaftliche Diskussion eben in Wahrheit zu einer religiösen Auseinandersetzung, und die Praxis beweist das. 

Während für das ebenfalls vorhandene innere Wissen um das Geheimnis der Welt selbst keine adäquate Gedankenwelt mehr zur Verfügung steht. Und zwar mangels einer die gesamte Wirklichkeit widerspruchsfrei, wenn auch nicht in allem auflösbar, erfaßbaren Metaphysik und Immanenz wie Transzendenz - logisch - versöhnenden Naturphilosophie - Philosophie, nicht Mythologie.

Was sich zwangsläufig in Irrationalismus äußert. Denn ohne Fundament der Wahrheit, des Geglaubten, für gewiß Gehaltenen - wenigstens dem figuralen, welthaften Status nach! als Notlösung eines im Tiefsten freilich schon vom Ich abgespaltenen, somit zweitwirklichen, pseudologischen Selbst, in dem jede "Wahrheit" sohin zur existentiellen Funktion der Selbstabsicherung und -verteidigung wird - kann kein Selbst existieren. Also wird konstruiert, was nicht logisch ist, wird aus unweigerlich fehlendem logischen Urteilsvermögen auch in der Tradition zum Bestandteil einer Heilstechnik. Man betrachte die Esoterik, vor allem dort, wo sie geistige Traditionen "integriert", aber umdeutet und in Methodik umwandelt, ganz klar also Technizismus - und gerade NICHT Religion - ist. 

Über die diesbezüglichen ursächlichen Zusammenhänge wurde an dieser Stelle ja bereits häufig gehandelt, und wird es weiterhin. So wie es ja notwendig ist, die in all den Einzelbeiträgen vorgetragenen Fragmente im Rahmen des Insgesamt zu sehen, in den sich dieses Blog selbst stellt. Auch dieses Blog ist ein Ringen um das Ganze, das sich - wie die Welt - in der Zeit und im Nacheinander in jeweiligen Aspekten des Zeitgeschehens, der Aktualitäten zeigt, in denen jeweils nur ein Abglanz dieses Ganzen (und dieses insofern natürlich doch auch auf eine Weise "ganz") zu sehen ist. 

So, wie also aus dem politischen Geschehen der Energiewende ein "Dahinter" zu sehen ist, auf das in allem Vorfälligen sich Tangenten ziehen, sind auch aus jedem der mittlerweile über 6000 Einzelbeiträge der ambrosius.konnotationen Tangenten erkennbar, die auf einen Zentralpunkt hinweisen. Seine Wahrheit kann sich nur daraus ergeben, als dieser Zentralpunkt wahr ist, zum einen, und ob die Tangenten darauf verweisen - sonst würden sie nämlich verwirren. Eine Auseinandersetzung in Teilfragen ist deshalb nur dort sinnvoll, wo der Zentralpunkt übereinstimmt. Gleichzeitig ist eine Teillösung nur soweit sinnvoll, als sie auf ein wahres Ganzes hinweist, in das sie eingebettet ist. 

Die gesamte Frage um den Klimawandel - und damit auch um die der darin eingebettete Frage um die Energiewende - ist also im eigentlichen eine Auseinandersetzung um Zentralfragen des Menschseins, nicht eine Diskussion um mehr oder weniger gemessene Grade oder Eisflächen, oder Formen der Stromerzeugung, Politik und Netzsicherheit.




***

Mittwoch, 14. Januar 2015

Häresie der Steuerlast

Ein interessantes Rechenspiel kann jeder auf der Seite www.bruttomat.at durchführen. Man gibt seinen Bruttoverdienst ein, und erhält am Ende einen Rechnungszettel, der ausweist, wieviel vom Einkommen an Steuern und Abgaben anfallen, und wofür diese Beträge vom Staat verwendet werden. Das bezieht sich zwar auf Österreich, wird aber in Ländern wie Deutschland und der Schweiz, die ähnliche öffentliche Strukturen haben, nicht viel anders ausgehen.

So nebenher macht das Rechenexempel das Ausmaß der Verschleierung der Steuereinnahmen unserer Länder deutlich. Sodaß immer noch viele glauben, Steuern wären nur das, was am Lohnzettel als Lohn- oder Einkommenssteuer abgezogen würde. Die Wahrheit ist, daß niemand einer hohen Steuerlast entkommen kann. Aus letztgenanntem, aber eben plakativem Titel stammen nur ein Drittel der Staatseinnahmen. 

Insgesamt muß man davon ausgehen, daß zumindest 55-65 Prozent jedes verfügbaren, "verdienten" Schellini (Euro) in den Staatssäckel wandern, und, von der öffentlichen Hand verwaltet, ausgegeben werden. Nicht berücksichtigt ist dabei eine allfällige Tilgung von Schulden - zusätzliche Staatsausgaben also -, die in unseren Ländern bereits die Summe der Verdienste sämtlicher Bürger in einem Jahr ausmachen. Und die nur deshalb nicht sofort zu bezahlen sind, weil sie der Glaube an die Verbindlichkeit des Tilgungsabsicht durch unveränderten Systembestand als irgendwann rückzahlbar einstuft. Was ständiges Wachstum erfordert, um nicht vom Wesen des Kredits - Rückzahlung durch Konsumverzicht, also Einschränkung - erschlagen zu werden.

Es kann natürlich nicht darum gehen, das Recht des Staates auf Steuern abzulehnen. Wer einen Staat will, muß auch Steuern zustimmen. Die Frage ist nur, welche Aufgaben ein Staat zu leisten hat, und welche er sich mittlerweile anmaßt, die seinem Volk aber die vitale Substanz rauben.  Vielmehr ist er Staat eine Auswirklichung des Höherstrebens eines Staatsvolkes, eine Kulturleistung, vielleicht sogar die höchste, zu der ein Volk, aber vor allem der Mensch, in der Lage ist. Das ist mit "Nutzen" bei weitem nicht ausdefinierbar. Ein Staat, der nur berechenbar "nutzt", ist weit mehr als eine Organisation.

Vielmehr ist er ein Organismus, einer Person vergleichbar, die den Einzelnen, im Rahmen eines vitalen Gefüges, in dem er seinen Platz als Teilorgan einnimmt (das zwar seine Funktion und Recht im Ganzen hat, aber nur so weit, als es sein Eigensein in Stärke führt), zu den größten, jedes Einzeldasein übersteigenden (und doch auf dieses lichtend, veredelnd, entwickelnd rückwirkenden) Möglichkeiten seines Menschseins ausfaltet.

Es gehört zum Wesen alles Lebendigen, sich immer weiter auszudifferenzieren: von der alles noch einbegreifenden Einzelexistenz (wie es etwa eine rein bäuerliche Gesellschaft zeigt) hin zur Aufteilung in Teilorgane. Die am Ganzen durch das organische, sie einbegreifende Ganze teilhaben. Deshalb aber auch einer zentralen und personalisierten Lenkung bedürfen, die jeden Teilplatz zuweist wie schützt - der Regierung, dem (Einzahl!) Regierenden, dem König, in dem sich alles zusammenfaßt. In welchen also das Ganze repräsentativ und in immer höherer Symbolik sichtbar ist (das auch sein muß), an dem alle Teile, in je anderer Konkretisierung, Anteil haben. Das sich also auch in allen Teilen als das, worauf sie sich beziehen, wiederfindet. Denn das Wesen des Gefüges des Lebendigen, ja das Wesen der Schöpfung, der Welt, ist Bild und analoges Wiederbild des Einen, in der graduellen Gestalt des Vielen. Ganzes heißt also Ordnung, und Ordnung - Hierarchie. Zu der zwar alle zustimmen, denn Voraussetzung eines Staates ist der Staatswille seines Volkes. Das aber kein bloßer "Vertrag" ist, aus dem jede Seite die Macht hat, auch wieder zu entlassen. Es ist wie in der Ehe ein unauflösliches Einschreiben des einen in den anderen, ein neues Ganzes.

Dieses Ganze aber lebt eben nicht nur dann, wenn es eine Regierung hat, sondern wenn seine Teile ihre Eigenart leben. Eine Auswucherung des Staates, der sich nicht mehr auf seine Aufgabe bescheidet sondern sein Volk "machen", die Eigenart nach neuen, erfundenen Bildern bestimmen will, sowie die damit notwendige Steuerlast, ist deshalb auch nicht damit rechtfertigbar, daß das Volk per Stimmzettel zustimmt, und sich der Staatsleistungen bedient.

Nicht anders als wenn die Teile den Kopf als ihnen untergegliedert betrachten, der Kopf also ihrem Teilwillen (im Rahmen und unter Bezug auf das Ganze) zu folgen hätte. Gar den Staat als reines "Dienstleistungsunternehmen" mißdeutet.

Oder, umgekehrt (wobei eins ins andere geht), als solches zur Willfährigkeit "angedient" erhält, vielleicht über Wohltaten, die der Einzelne sich nicht mehr zu erwirken hätte, sondern die ihm von nun an als "Recht" zustehen. Gerade der Mißbrauchte stimmt ja seinem Mißbrauch zu - gegen offene Vergewaltigung, die die Wesenseigenart auf eine Weise sogar respektiert, könnte er sich ja wehren. Mißbrauch bedeutet aber eben die Korrumpierung des Urteils, die Umgehung der Abwehr durch ein falsch gewichtetes, "häretisches", Teilziel, das das Wesen des Insgesamt durch Verführung vergessen macht.

Aber dieses meldet sich immer irgendwann zurück, denn wo immer ein Wesen verfehlt wird, wird Leben reduziert, bis zum Tod.

Auch ein Staat hat aber ein Wesen, das menschlicher Willkür nicht zur Verfügung steht. So, wie auch der Mensch sich sein Wesen nicht selbst gegeben hat.




***