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Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Sonntag, 21. August 2011
Consuetidine statuit altera natura
Die Gewohnheit formt sich eine zweite Natur - und es kann durchaus sein, daß uns die Ebenen des Handelns durcheinandergeraten. Vermutlich ist es viel öfter, als uns bewußt wird. Vieles, was wir an uns, am anderen nicht verstehen, kommt genau aus dieser Gespaltenheit. Es liegt an uns unser wahres Ich als Träger der Persönlichkeit zu definieren. Ein Spiel mit Ersatz-Ichen ist durchaus gefährlich.
Wenn nur noch Böse Waffen tragen
Auf ortner online fand ich einen interessanten Aspekt in Zusammenhang mit der Forderung, ein Waffenverbot würde die Untaten mit Schußwaffen minimieren. Er zieht das Fazit, daß in einer entwaffneten Gesellschaft der Einzelne wehrlos gemacht, der Untäter aber nicht an seiner Tat gehindert wird:
- Gewalttaten können mit jeder Form von Waffe begangen werden, und gerade Gewalttäter sind nicht wählerisch, wenn es um die Form des Tötens geht. Untaten mit Schußwaffen sind (in Österreich, Deutschland) statistisch betrachtet außerdem sehr selten (0,2 % aller Verbrechen). Es ist definitiv unmöglich zu unterbinden, daß Gewalttäter sich auf irgendeinem (illegalen) Weg in den Besitz einer Waffe bringen. Tatsächlich werden auch (von erwähnten 0,2 %) deutlich mehr Untaten mit illegalen Schußwaffen begangen, als mit legalen.
- Gewalttaten nehmen speziell in einem Umfeld zu (weil Täter besonders dreist vorgehen) wo mit keiner Form von Gegenwehr zu rechnen ist. Der Zusammenhang ist belegbar, daß besonders restriktive Waffengesetze einen hohen Anteil an "heißen Einbrüche" aufweisen - wo also die Täter von den Opfern bemerkt werden, ja anwesend sind.
- Gewalttaten in definitiv bewaffnetem Umfeld sind selten, weil jeder Täter mit handfester Gegenwehr rechnen muß. Bewaffnete Kinderbetreuer in Norwegen hätten möglicherweise den Attentäter erledigt, ehe er so viele Morde begehen konnte. Privater Waffenbesitz besitzt also Abschreckungswirkung!
Fazit: Sicherheit ist ein zu hohes Gut, um deren Gewährleistung dem
Staat zu überlassen. Im Falle eines gewaltsamen Übergriffs ist man in
100 von 100 Fällen auf sich allein gestellt – Polizei ist garantiert
nicht zur Stelle. Das Beispiel Israels, mit seiner unerhört großen Zahl
ziviler Waffenträger zeigt: Massaker wie jenes in Norwegen kommen dort
nicht vor. Dort aber, wo privater Waffenbesitz verboten ist oder von
paternalistischen Bürokraten behindert wird, verfügen eben nur noch
Verbrecher über Waffen.
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Merkwürdiger Auseinanderfall
Während also in Madrid, wie zuvor in Köln oder sonstwo, die Millionen im Hochgefühl jubeln, ein neues Pfingsten wäre für die Massen angebrochen, jeder in ein riesiges Insgesamt eingebettet, macht einen denn doch wundern, daß die wirklichen Heiligenviten mit einem einzigen Satz beginnen:
Die Geschichte mit Gott begann im Begreifen, daß man ganz alleine vor ihm steht. Nur, schreibt Ferdinand Ebner sogar, wer diese Einsamkeit erfaßt, der beginnt seine Geschichte mit dem göttlichen Du.
*210811*
Samstag, 20. August 2011
Kanonisierung der Spießbürgerlichkeit
"Wir wollen mit dem Dichter beginnen. Dem, was der Dichter gebraucht und unsterblich macht mit seinen Dichtungen. Z. B. [Julia], das Leben sich zu nehmen aus Leid usw. Dieses kommt im wirklichen Leben bereits selten vor.
Nun kommt das Ethisch-Religiöse und erklärt jenes Ästhetische für Verzweiflung und preist so genau das Gegenteil an, z. B. an [Julias] Stelle leben zu wollen.
Aber nun kommen die Pfarrer und mit ihnen immer das Gewäsch. Sie nehmen sich nicht in acht davor, daß das rein Spießbürgerliche bloß äußerlich betrachtet eine Ähnlichkeit hat mit jenem ethisch-religiös Höchsten; Karen, Maren, Mette usw. entleiben sich keineswegs selbst, wiewohl ihrer respektiven Geliebten beraubt - ergo avancieren diese Geehrten, durch des hochgeehrten Pfarrers Beistand, um weit über Julia zu stehen.
Die Pfarrer merken gar nicht das Geheimnis: wenn eine Existenz, wie der Dichter sie gebrauchen kann, so selten ist, wie der der Dichter es behauptet: wie selten muß da nicht eine wahre ethisch-religiöse Existenz sein!
Nein, die Pfarrer kanonisieren die Spießbürgerlichkeit. Nun, und wir Protestanten haben ja die katholische Kanonisation von Asketen, Märtyrern usw. abgeschafft - zum Ersatz werden so die Interesssenten es Spießbürgerabsuds kanonisiert, und ganz richtig, sie werden kanonisiert von jenem letzten geistlichen Orden, der im Protestantismus aufkam: den Versorgungsbrüdern."
Kierkegaard in "Tagebücher 1850"
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Das Böse
Es ist etwas völlig anderes, "Horror" und "Böses". Hier ahnt man - und der Film eignet sich erstaunlich und nicht zufällig bestens, um das Böse darzustellen, denn das Böse hat ein geistiges, voluntaristisches Wesen (der Unbedarfte, "Unschuldige" kann nicht böse sein), und das ist das vielleicht wesentlichste Element des modernen Films - was es mit dem Bösen auf sich hat.
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Mangelerscheinungen
Die Zeit berichtet über einen Schweizer Notstand, der uns bekannt sein dürfte: Mittlerweile ist der Fachkräftemangeln in der Schweiz so dramatisch, daß "wirklich jeder genommen wird", der noch bereit ist, mit seinen Händen zu arbeiten, und nicht seine Zukunft hinter Schreibtischen und Bildschirmen und in Ärztekitteln sieht. Aber es reicht nicht, hunderte freie Stellen - Lehrstellen - können nicht mehr besetzt werden, obwohl man Neueintretende schon obligatorisch mit Rechen-, Rechtschreib- und Sprachkursen auf jenen Stand zu bringen sucht, den sie nach ihrer Schulkarriere eigentlich haben sollten.
Mit dramatischen Auswirkungen, und hier weiß der Verfasser dieser Zeilen - als früherer Bauunternehmer - sehr gut, wovon die Rede ist: Speziell am Bau ist eine ungebrochene Zunahme von Mängeln zu beobachten. Weil nur noch der zur Handarbeit bereit ist, der wirklich "zu allem zu blöd" ist, oder einfach nichts besseres findet, ist es für Unternehmer immer schwieriger, Arbeiten so auszuführen, daß sie sach- und fachgerecht sind - und nicht voller Mängel. Und das in einer Zeit, wo der Zeitdruck immer größer, der Kundenanspruch auf Perfektion immer höher, und die segensbringende Arbeit des Konsumentenschutzes und die Regulierungsfreude der Gesetzgeber immer schlagender wird!
Mit dramatischen Auswirkungen, und hier weiß der Verfasser dieser Zeilen - als früherer Bauunternehmer - sehr gut, wovon die Rede ist: Speziell am Bau ist eine ungebrochene Zunahme von Mängeln zu beobachten. Weil nur noch der zur Handarbeit bereit ist, der wirklich "zu allem zu blöd" ist, oder einfach nichts besseres findet, ist es für Unternehmer immer schwieriger, Arbeiten so auszuführen, daß sie sach- und fachgerecht sind - und nicht voller Mängel. Und das in einer Zeit, wo der Zeitdruck immer größer, der Kundenanspruch auf Perfektion immer höher, und die segensbringende Arbeit des Konsumentenschutzes und die Regulierungsfreude der Gesetzgeber immer schlagender wird!
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Freitag, 19. August 2011
Zeitalter der Märtyrer
Die erste Formation von Herrschern, schreibt Kierkegaard 1850, waren die Tyrannen, die letzte werden die Märtyrer werden, dies ist in der Entwicklung der Welt die Bewegung zunehmender Weltlichkeit; denn die Weltlichkeit ist am größten, muß am fruchtbarsten die Oberhand gewonnen haben, wenn nur Märtyrer Herrscher sein können. Wenn nämlich einer der Tyrann ist, ist die Masse nicht ganz weltlich bestimmt; aber wenn die Masse der Tyrann sein will, so ist die Weltlichkeit ganz allgemein geworden, und so kann nur der Märtyrer der Herrscher sein.
Freilich ist zwischen den beiden ein ungeheurer Unterschied, doch eines haben sie gemeinsam: Das Zwingende. Aber der Tyrann herrscht, bis er stirbt. Der Märtyrer, sobald er stirbt. Der Tyrann ist der Einzelne, der unmenschlich die Menschen zur Masse macht - der Märtyrer destilliert sich aus der Masse als Einzelner, ja er setzt die Masse in lauter Einzelne um. Und im Himmelreich ist Freude über jeden Einzelnen.
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Wie man handelt
Wissen Sie, was mir an dem Filmchen gefallen hat? Er wirft den Ring weg. Nur so tritt er aus der Niedrigkeit der Funktion heraus - er rechnet nicht. Er handelt gemäß der Dinggrenzen.
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Donnerstag, 18. August 2011
Anonymität als Weg zur Macht
Vollkommene Öffentlichkeit macht das Regieren absolut zu einer Unmöglichkeit. Denn alle Regierung ruht in dem Gedanken, daß da einige Einzelne sind, die die Einsichtsvolleren sind und die just dadurch um so viel qeiter sehen, daß sie steuern können; aber vollkommene Öffentlichkeit ruht in dem Gedanken, daß alle regieren können.
Daß dieses so ist, hat auch niemand besser verstanden als die Tagespresse; denn keine Macht hat in dem Grad auf Geheimhaltung, betreffend ihre ganze innere Organisation, gehalten, wer ihre Mitarbeiter seien, welche ihre eigentlichen Absichten usw., wie just die Tagespresse, die dann in einem fort geschrien hat, daß die Regierung öffentlich sein sollte.
Ganz richtig; die Meinung der Presse war nämlich, daß sie die Regierung weg haben wollte. - und so wollte sie selber regieren, weshalb sie auch die Geheimhaltung sich sicherte, die notwendig ist, um zu - regieren.
Sören Kierkegaard, "Tagebücher 1850"
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Respektabstand
Eine gar nicht so seltene Methode: Der Mensch stinkt sehr gerne präventiv, um Respekt und Raum zu schaffen. Ein amüsantes Filmchen von VW!
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Mittwoch, 17. August 2011
Nur noch Narreteien
Für die (im Verhältnis) "paar" Tausend Euro - dieses Bemühen ... aber der BAWAG-Bedienstete läßt nicht locker, und unterbreitet seine Vorschläge, wie "mehr" (!) Rendite aus den in sicheren, braven Papieren angelegten Sparstrumpf zu holen wäre. Und zwar mit Investitionen in Schwellenländer! Hier, Brasilien, Afrika, China - Renditen jenseits der 8 Prozent!
Nein danke, winkt Z ab. Sie bleibe bei den sicheren Papieren, auch wenn die die reale Inflation (die ja deutlich höher ist als die "ausgewiesene", eine an sich nichtssagende Zahl, ein rein rhetorischer, zutiefst relativer Parameter, aber keine Aussage über die wirklichen Preissteigerungen) gerade damit abgefangen wird. Man muß bescheiden bleiben, meint sie später, ich habe gespürt, wie da schon wieder die Gier durchbricht, auf allen Seiten. Und selbst wenn ich ein wenig Geld verlieren sollte, so ist es eben auch einmal, es ging mir ja lange gut genug. Aber ich heize nicht die Konkunktur in diesen Ländern an, die an Inflation ersticken, nur damit ich - als gäbe mir das noch dazu Ruhe! - ein paar Prozentpunkte mehr Rendite habe.
Man sieht außerdem, wo die Spekulanten sitzen, so gerne sie sozialistische Kanzler aus populistischen Gründen in den sprichwörtlichen "Reichen" sähe, und mit glänzenden Augen mit Neidkomplexen arbeitet, den verläßlichsten Motiven der Menschen. Es sind diese vielen vielen kleinen Bankangestellten und Anleger, die ihre paar oder mehreren paar Tausender von Anlage zu Anlage hetzen, in Summe Milliarden, Billionen, um ein paar Prozentpunkte zu kassieren, ohngeachtet aller Folgen. Da sind sogar genau all die vielen "Kleinen", die auf hier gar nicht erst hinterfragte Weise zu diesen Kleinkapitalien gekommen sind, besonders gefährliche "Spekulanten". Denn sie sind ahnungslos, willige Opfer von Massenhysterien und -psychosen, die jeden Trend so verstärken, daß aus einfachen Schwankungen jeweils existenzgefährdende Krisen oder bedrohlich substanzlose Blasen werden. Derzeit zeigt sich das ganz besonders!
Und daß die Schwellenländer "lohnende" Märkte sind, ist ja schon länger bekannt. Auch, was nun auf diese Länder für Probleme zukommen. Es sind ja die einzigen Länder, wo noch halbwegs produziert wird, auf diesen Nenner könnte man es bringen. Dabei: sieht man die Eckdaten an, sind die meisten dieser Länder schwer "fußmarod", und werden über kurz oder lang selber in der Krisenecke landen, wo sich die überkapitalisierten Märkte wieder ihr reales Wertgefüge holen. China, Indien, Brasilien ... Hände weg!
Nicht viel anderes passiert seit geraumer Zeit mit der Schweiz und dem Schweizer Franken: aus allen Himmelsrichtungen fließen die Gelder nach Bern, um Franken zu kaufen, einer der wenigen Währungen, der man noch vertraut. Franken, als Anrecht auf Schweizer Produkte, denn das ist Geld. Und das zeigt die Verrücktheit dieser Nachfrage (aus so vielen kleinen Anlageecken): denn eine Währung ist kein Selbstzweck, und wäre das nicht einmal, wenn sie völlig in Gold aufgewogen wäre. Sie hat nur Wert in Bezug auf die Wirtschaftsleistung eines Landes.
Und die Schweiz steht damit selbst vor dem Kollaps: denn der hohe Wechselkurs des Franken übersteigt die Kaufkraft der dortigen Währung um rund 70 Prozent! Das heißt, daß Produkte, die 1,90 Franken kosten, in Wahrheit nur einem Wert von 1 Franken entsprechen. Seit einem halben jahr fallen die Aktienkurse schweizer Unternehmen, ihr Wert hat sich (analog zur verfälschenden Währungsrallye) um etwa ein Drittel verringert. Die Gewinne sinken (wegen der sinkenden Margen, weil Schweizer Produkte am Weltmarkt allmählich unerschwinglich werden, auch die Inlandspreise viel zu hoch liegen)*
Das nennt man schlicht: eine gewaltige Blase, die sich da aufbaut, und die nur solange funktioniert, als die übrige Weltwirtschaft derartig unter Vertrauensverlust leidet. Dennoch hört man sie aus allen Ecken: Schweizer Franken! Womöglich mit irgendwelchen Verschwörungstheorien gekoppelt - die Bundesbank habe eine neue Mark in Vorbereitung, nächste Woche, über Nacht, sei es soweit. Etc. etc. So entwickelt sich ein Währungspreis, der sich von der Realwirtschaft weit entfernt hat.
Eine Lehre kann man ganz gewiß aus dem Fall Griechenlands (etc.) ziehen - es gibt offensichtlich regionale Faktoren, die mit der realen Wirtschaft einer Region zu tun haben, nicht mit der rechnerischen Oberfläche einer Pauschalwährung ie dem Euro. Es gibt so etwas wie eine Regionalwirtschaft Griechenland, und hat es immer gegeben, deren Bewertung eigene Wege geht - reale Wege sucht. Und das hat mit ganz simplen Preisfindungsmechaniusmen zu tun, mit subjektiven Bewertungen, die die Wirklichkeit hinter Worten (Geld) suchen und sich keine Nominalideologie aufschwatzen lassen. Auch in der Schweiz ist das icht anders, und wenn der Kurs wirklich noch auf 1:1 zum Euro steigen würde - er WIRD fallen, das ist so sicher wie das Amen im Gebet. Währung, Geld hat mit realem Wert zu tun, immer und ausschließlich. Der Rest ist lächerliches Kiki ahnungsloser Laienspekulanten und mediokrer Bankangestellter und Zeitungskommentatoren.
Nur: worein investieren, meint Z etwas ratlos?
Ja, sage ich darauf, wo hinein möchtest Du denn investieren? An welches Produkt, an welches Unternehmen glaubst Du denn? DAS ist die ursprüngliche Investitionsidee: sich aktiv am Wirtschaftsleben zu beteiligen, in Freud und Leid, mit Geld mitzuarbeiten am Erfolg eines Unternehmens, einer Idee. Nicht "abzocken", das ist immer unethisch! Denn die Welt ist doch nur noch verrückt: während die Blasen (Schweizer Franken, Schwellenländer, Rohstoffe) boomen, brechen die Börsenkurse ein.** Dabei gibt es kein sichereres Engagement als in ein solides Unternehmen zu investieren, durch stinknormalen Aktienkauf, dessen Produkte auch in schwersten Krisen benötigt werden.
Aber es gibt keine wirkliche Sicherheit auf dieser Welt, nicht in Geld, nicht in Wertpapieren, nicht in Gold. Und Geld ist wie das Leben - es geht mal besser, mal schlechter, und vielleicht verliert man auch einmal alles. Was will man? So ist eben das Leben, da geht es um etwas anderes: um den Dialog mit der Wirklichkeit, nicht um synthetische Wohlstandskonservierung.
*Der Lebensmittelkonzern Nestlé z. B. hatte im ersten Halbjahr 2011 einen Umsatzrückgang von 12,9 %, (die allerdings zum Teil auf Verkäufe von Unternehmensteilen zurückgehen) bei annähernd gleichem (absolutem) Gewinn.
**Nachtrag: Wie irrational der jüngste Börsencrash war, zeigt ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden des österreichischen Maschinenbaukonzerns Andritz: Das Unternehmen steht blendend da, die Auftragsbücher sind voll - aber die Kurse fielen! So kann eine künstliche Hysterie tatsächlich real dramatische Auswirkungen haben: "Wenn alle glauben, daß alle glauben, daß alles schlechter wird, dann wird es schlechter!"
Nein danke, winkt Z ab. Sie bleibe bei den sicheren Papieren, auch wenn die die reale Inflation (die ja deutlich höher ist als die "ausgewiesene", eine an sich nichtssagende Zahl, ein rein rhetorischer, zutiefst relativer Parameter, aber keine Aussage über die wirklichen Preissteigerungen) gerade damit abgefangen wird. Man muß bescheiden bleiben, meint sie später, ich habe gespürt, wie da schon wieder die Gier durchbricht, auf allen Seiten. Und selbst wenn ich ein wenig Geld verlieren sollte, so ist es eben auch einmal, es ging mir ja lange gut genug. Aber ich heize nicht die Konkunktur in diesen Ländern an, die an Inflation ersticken, nur damit ich - als gäbe mir das noch dazu Ruhe! - ein paar Prozentpunkte mehr Rendite habe.
Man sieht außerdem, wo die Spekulanten sitzen, so gerne sie sozialistische Kanzler aus populistischen Gründen in den sprichwörtlichen "Reichen" sähe, und mit glänzenden Augen mit Neidkomplexen arbeitet, den verläßlichsten Motiven der Menschen. Es sind diese vielen vielen kleinen Bankangestellten und Anleger, die ihre paar oder mehreren paar Tausender von Anlage zu Anlage hetzen, in Summe Milliarden, Billionen, um ein paar Prozentpunkte zu kassieren, ohngeachtet aller Folgen. Da sind sogar genau all die vielen "Kleinen", die auf hier gar nicht erst hinterfragte Weise zu diesen Kleinkapitalien gekommen sind, besonders gefährliche "Spekulanten". Denn sie sind ahnungslos, willige Opfer von Massenhysterien und -psychosen, die jeden Trend so verstärken, daß aus einfachen Schwankungen jeweils existenzgefährdende Krisen oder bedrohlich substanzlose Blasen werden. Derzeit zeigt sich das ganz besonders!
Und daß die Schwellenländer "lohnende" Märkte sind, ist ja schon länger bekannt. Auch, was nun auf diese Länder für Probleme zukommen. Es sind ja die einzigen Länder, wo noch halbwegs produziert wird, auf diesen Nenner könnte man es bringen. Dabei: sieht man die Eckdaten an, sind die meisten dieser Länder schwer "fußmarod", und werden über kurz oder lang selber in der Krisenecke landen, wo sich die überkapitalisierten Märkte wieder ihr reales Wertgefüge holen. China, Indien, Brasilien ... Hände weg!
Nicht viel anderes passiert seit geraumer Zeit mit der Schweiz und dem Schweizer Franken: aus allen Himmelsrichtungen fließen die Gelder nach Bern, um Franken zu kaufen, einer der wenigen Währungen, der man noch vertraut. Franken, als Anrecht auf Schweizer Produkte, denn das ist Geld. Und das zeigt die Verrücktheit dieser Nachfrage (aus so vielen kleinen Anlageecken): denn eine Währung ist kein Selbstzweck, und wäre das nicht einmal, wenn sie völlig in Gold aufgewogen wäre. Sie hat nur Wert in Bezug auf die Wirtschaftsleistung eines Landes.
Und die Schweiz steht damit selbst vor dem Kollaps: denn der hohe Wechselkurs des Franken übersteigt die Kaufkraft der dortigen Währung um rund 70 Prozent! Das heißt, daß Produkte, die 1,90 Franken kosten, in Wahrheit nur einem Wert von 1 Franken entsprechen. Seit einem halben jahr fallen die Aktienkurse schweizer Unternehmen, ihr Wert hat sich (analog zur verfälschenden Währungsrallye) um etwa ein Drittel verringert. Die Gewinne sinken (wegen der sinkenden Margen, weil Schweizer Produkte am Weltmarkt allmählich unerschwinglich werden, auch die Inlandspreise viel zu hoch liegen)*
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| Kursverlauf der Nestlé-Aktie 1. Hj. 2011 |
Eine Lehre kann man ganz gewiß aus dem Fall Griechenlands (etc.) ziehen - es gibt offensichtlich regionale Faktoren, die mit der realen Wirtschaft einer Region zu tun haben, nicht mit der rechnerischen Oberfläche einer Pauschalwährung ie dem Euro. Es gibt so etwas wie eine Regionalwirtschaft Griechenland, und hat es immer gegeben, deren Bewertung eigene Wege geht - reale Wege sucht. Und das hat mit ganz simplen Preisfindungsmechaniusmen zu tun, mit subjektiven Bewertungen, die die Wirklichkeit hinter Worten (Geld) suchen und sich keine Nominalideologie aufschwatzen lassen. Auch in der Schweiz ist das icht anders, und wenn der Kurs wirklich noch auf 1:1 zum Euro steigen würde - er WIRD fallen, das ist so sicher wie das Amen im Gebet. Währung, Geld hat mit realem Wert zu tun, immer und ausschließlich. Der Rest ist lächerliches Kiki ahnungsloser Laienspekulanten und mediokrer Bankangestellter und Zeitungskommentatoren.
Nur: worein investieren, meint Z etwas ratlos?
Ja, sage ich darauf, wo hinein möchtest Du denn investieren? An welches Produkt, an welches Unternehmen glaubst Du denn? DAS ist die ursprüngliche Investitionsidee: sich aktiv am Wirtschaftsleben zu beteiligen, in Freud und Leid, mit Geld mitzuarbeiten am Erfolg eines Unternehmens, einer Idee. Nicht "abzocken", das ist immer unethisch! Denn die Welt ist doch nur noch verrückt: während die Blasen (Schweizer Franken, Schwellenländer, Rohstoffe) boomen, brechen die Börsenkurse ein.** Dabei gibt es kein sichereres Engagement als in ein solides Unternehmen zu investieren, durch stinknormalen Aktienkauf, dessen Produkte auch in schwersten Krisen benötigt werden.
Aber es gibt keine wirkliche Sicherheit auf dieser Welt, nicht in Geld, nicht in Wertpapieren, nicht in Gold. Und Geld ist wie das Leben - es geht mal besser, mal schlechter, und vielleicht verliert man auch einmal alles. Was will man? So ist eben das Leben, da geht es um etwas anderes: um den Dialog mit der Wirklichkeit, nicht um synthetische Wohlstandskonservierung.
(Verfaßt: 04. August 2011)
*Der Lebensmittelkonzern Nestlé z. B. hatte im ersten Halbjahr 2011 einen Umsatzrückgang von 12,9 %, (die allerdings zum Teil auf Verkäufe von Unternehmensteilen zurückgehen) bei annähernd gleichem (absolutem) Gewinn.
**Nachtrag: Wie irrational der jüngste Börsencrash war, zeigt ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden des österreichischen Maschinenbaukonzerns Andritz: Das Unternehmen steht blendend da, die Auftragsbücher sind voll - aber die Kurse fielen! So kann eine künstliche Hysterie tatsächlich real dramatische Auswirkungen haben: "Wenn alle glauben, daß alle glauben, daß alles schlechter wird, dann wird es schlechter!"
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In den Untergrund gezwungen
Wäre die Tat des Anders Breivik nicht in sehr individueller und individualistischer Weise zu verstehen oder zu erklären, neigte ich jener Meinung zu, die Andreas Kämmerer auf der Seite der "Freie Wähler Frankfurt" dieser Tage publiziert hat. Mit einer sehr stringenten Argumentation, die die Neurotisierung des Denkens (Kämmerer spitzt es auf "political correctness" zu) zur Ursache solcher Extremisierung macht, und animiert weiterzudenken:
Wenn nämlich bestimmte Diskurselemente gar nicht mehr möglich sind, wenn sich das Klima öffentlichen Diskurses, öffentlicher (und: veröffentichter) Meinungsbildung wie in der political correctness so deutlich auf Denkverbote zuspitzt, wo bestimmte Ansichten und Argumente, die sich nicht innerhalb einer bestimmten dogmatisierten Moral bewegen, finden zunehmend Menschen ihr Denken nicht mehr in den Rahmen möglicher demokratischer Mehrheitsbildung gestelt.
Das hat die unausweichliche Folge, daß mehr und mehr (!) Menschen ihre Ansichten als "außerhalb des politischen Diskurses" erfahren, sich selbst als Dissidenten erleben, die keine normalen Wege mehr finden, um ihre Wünsche berücksichtigt zu finden. Im Klartext heißt das sogar, daß JEDER, der nicht willens ist, vorgekaute Dogmatiken zu übernehmen, sondern wirklich - das Grundprinzip der Demokratie befolgend! - eine eigene Meinung zu bilden, die notwendig die Freiheit braucht, "ergebnisoffen" zu sein, sich politisch entmachtet erlebt.
Die political correctness funktioniert ja nur, wenn sie mit der Macht einhergeht. Denn sie braucht, um das Klima zu bestimmen, die Mehrheiten, die Masse. Und sie braucht diese Masse als feige, mutlose Systemdiener - und aus dieser Voraussetzung ist die Nähe zum Fanatismus endgültig evident: political correctness lebt nur in der Form des Fanatismus! Sie ist anti-demokratisch, und provoziert damit Vorgangsweisen außerhalb der gegebenen demokratischen Wege. Weil die political correctness das wirklich Soziale zerstört, Soziales also gar nicht mehr gegeben ist - Familie, Multi-Kulti-Gesellschaft, Zerstörung der Zwischenmenschlichkeit (in dem man sie in die öffentliche Sphäre hebt, vor allem auch in der Sexalität), etc. - ist eine Tat gegen diese Gesellschaft auch nicht mehr "asozial", im Gegenteil: der Proponent versteht sich als "letzter Vertreter des Sozialen". Und er hat damit nicht einmal unrecht.
Der Linken und ihrem Instrument PC wird deshalb ihr Zynismus gar nicht klar, in dem sie ihre Denkzäune aufstellt. Und in dem sie sohin erschafft, wovor sie warnt. Indem sie also auch den Extremismus für immer mehr Menschen zum einzigen Weg macht, sich in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Weil diese Menschen die Oberfläche der PC als jene offene Kampfansage identifizieren, als die sie sogar gemeint ist - und sich als im Krieg befindlich zu begreifen anfangen.
Wenn man also Breivik und wenn man die political correctness politisch ernstnehmen will (was der Verfasser dieses Blog aber nicht tut!), dann ist diese Erklärung am naheliegendsten. Lesenswert weil voller Anregungen ist der scharfsinnige Aufsatz von Kämmerer allemal. Auch wenn der Verfasser dieser Zeilen meint, daß Kämmerer den konkreten Fall nur zum Anlaß seiner Thesenbildung nahm, also gewissermaßen Breivik umdichtet.
Wenn nämlich bestimmte Diskurselemente gar nicht mehr möglich sind, wenn sich das Klima öffentlichen Diskurses, öffentlicher (und: veröffentichter) Meinungsbildung wie in der political correctness so deutlich auf Denkverbote zuspitzt, wo bestimmte Ansichten und Argumente, die sich nicht innerhalb einer bestimmten dogmatisierten Moral bewegen, finden zunehmend Menschen ihr Denken nicht mehr in den Rahmen möglicher demokratischer Mehrheitsbildung gestelt.
Das hat die unausweichliche Folge, daß mehr und mehr (!) Menschen ihre Ansichten als "außerhalb des politischen Diskurses" erfahren, sich selbst als Dissidenten erleben, die keine normalen Wege mehr finden, um ihre Wünsche berücksichtigt zu finden. Im Klartext heißt das sogar, daß JEDER, der nicht willens ist, vorgekaute Dogmatiken zu übernehmen, sondern wirklich - das Grundprinzip der Demokratie befolgend! - eine eigene Meinung zu bilden, die notwendig die Freiheit braucht, "ergebnisoffen" zu sein, sich politisch entmachtet erlebt.
Die political correctness funktioniert ja nur, wenn sie mit der Macht einhergeht. Denn sie braucht, um das Klima zu bestimmen, die Mehrheiten, die Masse. Und sie braucht diese Masse als feige, mutlose Systemdiener - und aus dieser Voraussetzung ist die Nähe zum Fanatismus endgültig evident: political correctness lebt nur in der Form des Fanatismus! Sie ist anti-demokratisch, und provoziert damit Vorgangsweisen außerhalb der gegebenen demokratischen Wege. Weil die political correctness das wirklich Soziale zerstört, Soziales also gar nicht mehr gegeben ist - Familie, Multi-Kulti-Gesellschaft, Zerstörung der Zwischenmenschlichkeit (in dem man sie in die öffentliche Sphäre hebt, vor allem auch in der Sexalität), etc. - ist eine Tat gegen diese Gesellschaft auch nicht mehr "asozial", im Gegenteil: der Proponent versteht sich als "letzter Vertreter des Sozialen". Und er hat damit nicht einmal unrecht.
Der Linken und ihrem Instrument PC wird deshalb ihr Zynismus gar nicht klar, in dem sie ihre Denkzäune aufstellt. Und in dem sie sohin erschafft, wovor sie warnt. Indem sie also auch den Extremismus für immer mehr Menschen zum einzigen Weg macht, sich in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Weil diese Menschen die Oberfläche der PC als jene offene Kampfansage identifizieren, als die sie sogar gemeint ist - und sich als im Krieg befindlich zu begreifen anfangen.
Wenn man also Breivik und wenn man die political correctness politisch ernstnehmen will (was der Verfasser dieses Blog aber nicht tut!), dann ist diese Erklärung am naheliegendsten. Lesenswert weil voller Anregungen ist der scharfsinnige Aufsatz von Kämmerer allemal. Auch wenn der Verfasser dieser Zeilen meint, daß Kämmerer den konkreten Fall nur zum Anlaß seiner Thesenbildung nahm, also gewissermaßen Breivik umdichtet.
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Fülle von Augenblicken
Erwachsenheit heißt wohl auch, den Augenblick schätzen zu lernen. Aufzuhören, jede Situation in eine vermeintlich bessere Lage bringen zu wollen, weil erst dann Leben möglich wäre. Ein schöner Gedanke, den das Filmchen da zeigt.
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Neuer Test - alte Krankheit
Der deutsche Internist Claus Köhnlein vertritt in dem Gespräch, das das Alpenparlament.tv aufgezeichnet hat, die These, daß Aids keine neue Viruskrankheit sei, sondern alte, längst bekannte Krankheitsbilder lediglich mit neuen Namen subsummierten. Solche Thesen zu vertreten sei aber nicht ratsam, weil es die Karrierewege eines Mediziners definitiv abschließe - die Hierarchie- und Anerkennungsmechanismen seien von einer an solchen Virus-Mythologie höchst interessierten Industrie beherrscht, die über wirtschaftliche Macht (Pharmakonzerne) auch die weltweite Meinungsbildung in Händen halte.
So passierte es dem als Nobelpreisträger gehandelten Peter Duisenberg, der zu dem Schluß kam, daß das gängige Aids-Medikament AZT "Aids auf Rezept" sei. Die Nebenwirkungen des Medikaments entsprechen genau dem Krankheitsbild ...
Weil die Zusammenhänge zwischen HIV und Aids gleichfalls schwierig nachzuweisen sind, führte man die These der langen Inkubationszeit ein - mit 20 und mehr Jahren. Was in der Praxis psychologisch einer Selffulfilling-Prophecy entspricht.
Zudem gibt es keinen weltweiten Standard für HIV-Tests. Es ist aber nachgewiesen, daß er mit Tuberkel- und Pilzbakterien kreuzreaigert, was seine Anwendung in Afrika höchst problematisch macht. Zudem werden viele gesundheitliche Probleme Afrikas "Aids" zugeschriebe, die aber ganz andere, "normale" Krankheitsentstehungsbedingungen (Mangelernährung, Lebensbedingungen etc.) aufweisen. Sieht man von der Fragwürdigkeit ab, daß die Impftheorie davon ausgeht, daß Anti-Körper normalerweise den Schutz eines Organimus aussagen - bei HIV aber soll es genau umgekehrt sein.
Mit dem HIV-Test aber "verbreite" sich auch Aids. Was vorher dieses und jenes Krankheitsbild war, wird nun umgetauft.
Keine Verschwörung, aber ein medizinischer Fehler und Meinungsbildungsmechanismen, so Cöhnlein, führen zu solchen Thesen, auch in den permanent auftauchenden Epidemie-Hysterien, die seit Jahren regelmäßig die Öffentlichkeit beunruhigen. Natürlich ist es für diese Gegenthesen kaum mehr möglich, in die Massenmedien oder in die Lehrbücher zu gelangen. Nicht selten wird Kritik an den derzeitigen Aids-Hypothesen als "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" unterdrückt.
Dabei gibt es Arbeiten die nachweisen, daß z. B. die Frühbehandlung mit AZT ungünstigere Auswirkungen hat, als deren Weglassen. Häufig wird sogar einfache Tuberkulose als Aids diagnostiziert und entsprechend mit enormer chemischer Keule behandelt.
Köhnlein glaubt freilich nicht, daß hinter der Aids-Hysterie mehr steckt als ein Irrtum - das macht seine Vertreter auch meist sehr glaubwürdig. Anders als bei SARS, Vogel- und Schweinegrippe etc., ja selbst BSE (sic!)*, wo geschäftliche Interesse sehr wahrscheinlich sind. Das hat durchaus mit der Politik zu tun, die im Medizinbereich einen Wachstumsfaktor für die Volkswirtschaft entdeckt hat. Vielfach (z. B. in der Krebstherapie oder der Kardiologie) ist der Aufwand riesig geworden, die Überlebensrate aber nicht höher. Gerade für solche Krankheiten ist eine Änderung des Lebensstils das einzig wirklich Effektive. Selbst Kinderlähmung - ein gigantisches Geschäft, weltweit - ist klinisch nicht von reinen Intoxikationserscheinungen (DDT!) zu unterscheiden, die Annahmen die es als Infektionskrankheit klassifizieren stehen auf äußerst wackeligen Beinen. Wie bei der TBC, wo die Impfung sogar große Schäden angerichtet haben könnte, sind die "Erfolgsmeldungen" durch Impfungen zu einem Zeitpunkt vermerkt worden, wo die Impfungen eingesetzt haben, wo die Epidemien ohnehin bereits deutlich zurückgegangen waren.
Nur noch ein Beispiel: Aids nahm statistisch zu Anfang der 1990er-Jahre sprunghaft zu - hieß es. Der Grund? Man nahm einfach ein weiteres Parameter als Aids-Faktor auf, und plötzlich schossen 1993 die Zahlen in die Höhe ... Das Jahr davor - welch "Zufall"! - war die Anzahl der Aidskranken deutlich zurückgegangen.
Diese Fragen - Aids vor allem - sind ja deshalb auch so interessant, weil mit ihnen ein Rattenschwanz an sonstigen Haltungen und Forderungen verbunden sind. So die Kondomfrage in Afrika. Was, wenn es Aids (in dieser Form) also gar nicht gäbe? Es wäre nicht unlogisch, daß und von wem solche Viren-Thesen ("der böse äußere Faktor") vertreten werden. Auch muß man keineswegs an Verschwörungstheorien glauben, um für solche Prozesse Erklärungen zu finden. Es reicht Kenntnis des Menschen, und fundierte Erkenntniskritik. Besonders Ludwik Fleck setzt sich auf diesem Feld auf höchst erhellende Weise mit der Entstehung von Begriffen in der Forschung auseinander, deckt auf, in welchem Maß die Überzeugungen der Massen von bloßen Mythen dominiert wird. Was als "wissenschaftlich" verkauft wird hat den Nimbus der Unumstößlichkeit und "Gesichertheit". Aber kaum etwas ist weniger zutreffend.
Erkenntnistheoretisch ist dieser Ansatz ja der überhaupt einzige: der von den Prinzipien des Erkennens (und der Begriffsbildung) ausgeht, und nicht teleonomisch von "Daten" (die ja nur teleologisch zu solchen werden!) Wenn man verstanden hat, daß es die inneren Evidenzen sind, aus denen heraus sich erst äußere Überzeugungen formen, ist so manches Zeitverschwendung, was man in Faktenprüfungen oder "Beweisführungen" investiert. Denn das zu Beweisende geht dem Beweis voraus. Das gilt auch für "Meßergebnisse" - wenn man begriffen hat, wie problematisch jede "empirische Messung" von den Voraussetzungen her ist, stürzt auch dieses Dogma.
Es gibt sie eben nicht, die großen Welt- und Lebensbeweise und Gewißheiten. Leben bleibt in dieser Hinsicht zu vollbringende und zu wagende Leistung.
*Es spricht sehr viel dafür, daß BSE eine Vergiftungserscheinung durch Nervenschädigung ist, daß die Annahmen die zur Kannibalismusthese geführt habe, reine immunologische Reaktionen aus den durchgeführten Testes heraus - Einspritzen geschädigter Zellen in das Gehirn von Affen - darstellen.
So passierte es dem als Nobelpreisträger gehandelten Peter Duisenberg, der zu dem Schluß kam, daß das gängige Aids-Medikament AZT "Aids auf Rezept" sei. Die Nebenwirkungen des Medikaments entsprechen genau dem Krankheitsbild ...
Weil die Zusammenhänge zwischen HIV und Aids gleichfalls schwierig nachzuweisen sind, führte man die These der langen Inkubationszeit ein - mit 20 und mehr Jahren. Was in der Praxis psychologisch einer Selffulfilling-Prophecy entspricht.
Zudem gibt es keinen weltweiten Standard für HIV-Tests. Es ist aber nachgewiesen, daß er mit Tuberkel- und Pilzbakterien kreuzreaigert, was seine Anwendung in Afrika höchst problematisch macht. Zudem werden viele gesundheitliche Probleme Afrikas "Aids" zugeschriebe, die aber ganz andere, "normale" Krankheitsentstehungsbedingungen (Mangelernährung, Lebensbedingungen etc.) aufweisen. Sieht man von der Fragwürdigkeit ab, daß die Impftheorie davon ausgeht, daß Anti-Körper normalerweise den Schutz eines Organimus aussagen - bei HIV aber soll es genau umgekehrt sein.
Mit dem HIV-Test aber "verbreite" sich auch Aids. Was vorher dieses und jenes Krankheitsbild war, wird nun umgetauft.
Keine Verschwörung, aber ein medizinischer Fehler und Meinungsbildungsmechanismen, so Cöhnlein, führen zu solchen Thesen, auch in den permanent auftauchenden Epidemie-Hysterien, die seit Jahren regelmäßig die Öffentlichkeit beunruhigen. Natürlich ist es für diese Gegenthesen kaum mehr möglich, in die Massenmedien oder in die Lehrbücher zu gelangen. Nicht selten wird Kritik an den derzeitigen Aids-Hypothesen als "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" unterdrückt.
Dabei gibt es Arbeiten die nachweisen, daß z. B. die Frühbehandlung mit AZT ungünstigere Auswirkungen hat, als deren Weglassen. Häufig wird sogar einfache Tuberkulose als Aids diagnostiziert und entsprechend mit enormer chemischer Keule behandelt.
Köhnlein glaubt freilich nicht, daß hinter der Aids-Hysterie mehr steckt als ein Irrtum - das macht seine Vertreter auch meist sehr glaubwürdig. Anders als bei SARS, Vogel- und Schweinegrippe etc., ja selbst BSE (sic!)*, wo geschäftliche Interesse sehr wahrscheinlich sind. Das hat durchaus mit der Politik zu tun, die im Medizinbereich einen Wachstumsfaktor für die Volkswirtschaft entdeckt hat. Vielfach (z. B. in der Krebstherapie oder der Kardiologie) ist der Aufwand riesig geworden, die Überlebensrate aber nicht höher. Gerade für solche Krankheiten ist eine Änderung des Lebensstils das einzig wirklich Effektive. Selbst Kinderlähmung - ein gigantisches Geschäft, weltweit - ist klinisch nicht von reinen Intoxikationserscheinungen (DDT!) zu unterscheiden, die Annahmen die es als Infektionskrankheit klassifizieren stehen auf äußerst wackeligen Beinen. Wie bei der TBC, wo die Impfung sogar große Schäden angerichtet haben könnte, sind die "Erfolgsmeldungen" durch Impfungen zu einem Zeitpunkt vermerkt worden, wo die Impfungen eingesetzt haben, wo die Epidemien ohnehin bereits deutlich zurückgegangen waren.
Nur noch ein Beispiel: Aids nahm statistisch zu Anfang der 1990er-Jahre sprunghaft zu - hieß es. Der Grund? Man nahm einfach ein weiteres Parameter als Aids-Faktor auf, und plötzlich schossen 1993 die Zahlen in die Höhe ... Das Jahr davor - welch "Zufall"! - war die Anzahl der Aidskranken deutlich zurückgegangen.
Diese Fragen - Aids vor allem - sind ja deshalb auch so interessant, weil mit ihnen ein Rattenschwanz an sonstigen Haltungen und Forderungen verbunden sind. So die Kondomfrage in Afrika. Was, wenn es Aids (in dieser Form) also gar nicht gäbe? Es wäre nicht unlogisch, daß und von wem solche Viren-Thesen ("der böse äußere Faktor") vertreten werden. Auch muß man keineswegs an Verschwörungstheorien glauben, um für solche Prozesse Erklärungen zu finden. Es reicht Kenntnis des Menschen, und fundierte Erkenntniskritik. Besonders Ludwik Fleck setzt sich auf diesem Feld auf höchst erhellende Weise mit der Entstehung von Begriffen in der Forschung auseinander, deckt auf, in welchem Maß die Überzeugungen der Massen von bloßen Mythen dominiert wird. Was als "wissenschaftlich" verkauft wird hat den Nimbus der Unumstößlichkeit und "Gesichertheit". Aber kaum etwas ist weniger zutreffend.
Erkenntnistheoretisch ist dieser Ansatz ja der überhaupt einzige: der von den Prinzipien des Erkennens (und der Begriffsbildung) ausgeht, und nicht teleonomisch von "Daten" (die ja nur teleologisch zu solchen werden!) Wenn man verstanden hat, daß es die inneren Evidenzen sind, aus denen heraus sich erst äußere Überzeugungen formen, ist so manches Zeitverschwendung, was man in Faktenprüfungen oder "Beweisführungen" investiert. Denn das zu Beweisende geht dem Beweis voraus. Das gilt auch für "Meßergebnisse" - wenn man begriffen hat, wie problematisch jede "empirische Messung" von den Voraussetzungen her ist, stürzt auch dieses Dogma.
Es gibt sie eben nicht, die großen Welt- und Lebensbeweise und Gewißheiten. Leben bleibt in dieser Hinsicht zu vollbringende und zu wagende Leistung.
*Es spricht sehr viel dafür, daß BSE eine Vergiftungserscheinung durch Nervenschädigung ist, daß die Annahmen die zur Kannibalismusthese geführt habe, reine immunologische Reaktionen aus den durchgeführten Testes heraus - Einspritzen geschädigter Zellen in das Gehirn von Affen - darstellen.
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Dienstag, 16. August 2011
Der Schönheit verbunden
Das Urteil der Welt ist gar nicht moralisch [natürlich, sonst wäre die Welt nicht die Welt], sondern ästhetisch! schreibt Kierkegaard in seinen Tagbüchern 1850. Es bewundert alles, was Macht hat, List, Selbstsucht usw. - mit Glück -: so daß dabei Geld, Ehre, Ansehen gewonnen wird.
Darum hat die Welt eigentlich als das meist Gefürchtete substituiert: das Grinsen, daß es zum Gelächter wird, was ganz richtig ein ästhetisches Urteil ist. Darum fürchtet man durchaus nicht, ein verkehrte Meinung zu haben - wenn man bloß in der Majorität ist; aber man fürchtet, und wenn es die Wahrheit wäre, sie zu haben - aber allein zu stehen.
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Haltung der Poesie
Poesie ist nicht das "schöntrinken" der Wirklichkeit, sondern die innere Haltung, sie in ihrer Weite, in ihrer Tiefe, in ihrer Ganzheit mehr und mehr zu erfassen. Deshalb braucht der poetische Geist eine entsprechende sittliche Haltung, weil er sonst das innere Wesen der Dinge nicht zu erfassen vermag, wo sich der Alltag aus allen funktional-banalen Schalen wieder herauslöst, und in sein Ganzes zurückfindet. Die Dinge werden dann nicht schön, weil man ihre Wirklichkeit verdreht, sondern erst ihre wirkliche Wirklichkeit - die tatsächlicht mit Eros, mit Spiel zu tun hat - erfaßt. Poesie als Haltung ist also keine Lüge, keine Selbstttäuschung, keine ästhetisierende Selbstmanipulation! Sie ist die Befähigung zur Schönheit.
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Problemfall der Kultur
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| Copyright Kleine Zeitung |
Ich stimme also Handke zu. Dessen "Das Gewicht der Welt" in meiner Jugend eine große Rolle spielte. Mag sein, weil es mir einen falschen, destruktiven Begriff von Werk beibrachte, gerade weil es viel Poesie enthält, was auch immer.
Ich stimme ihm auch zu in der Einschätzung von Thomas Bernhard. Handke bezeichnet ihn als "Sand", als Flugsand. Ich sehe ihn erstickt im Ringen mit, verbittert an der Unfähigkeit zum Werk. Was ihn meist mit ich-erstickten Scheinwerken zufrieden sein ließ, verdorben durch den hämischen Erfolg, den ihm Linke aufdrängten.
Auch sonst ist das Interview gut lesbar, zeigt viel vom Dichter, vorausgesetzt, man verwechselt Handkes Hang zu Manierismen nicht mit Poesie, sondern erfaßt die manchmal nur schwer faßbare Grenze von Dichtung und Eitelkeit, die er gerne überschreitet, um dann doch wieder zurückzukehren. Aber es tut in jedem Fall wohl zu sehen, immer wieder zu sehen, wie wirkliche Künstler (und deren gibt es, auch heute) unausweichlich (außer sie erschießen sich, zerrissen am unlösbaren Widerspruch zwischen innerem Gesetz und figürlichem Zwang) immer zu einer archaischen Basis des Lebens gelangen, nachdem sie alle Fieber der Ideologien, in die sie sich - noch jung, schwach, unausgegoren - geflüchtet haben, ausgestanden und überstanden haben, und das schlichte Gewand des schlichten Menschen anlegen.
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Montag, 15. August 2011
Wie man verrückt wird
Es ist mehr als absurdes Schauspiel, das sich hier bietet. Es ist eine erstaunlich (und gewiß ungesucht) tiefsinnige Aussage - was ist Wirklichkeit, was ist Realität? Und womit hat es der Mensch zu tun? Was ist Lüge? Was ist Verrücktheit?
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Über die Welt hinaus
Wo sämtliche Weisheitslehren bereits scheitern ist in der Tradition der Mystik im ersten Schritt erläutert, dort, wo diese Lehren sämtlich festhangen, weil sie ohne externe Gnade, ohne Erlösung nicht darüber hinaus kommen: der Reinigung, die der Vereinigung vorausgeht, der Voraussetzung für die Erleuchtung.
Diese Reinigung ist nicht methodisch erreichbar, es gibt keine Technik - in ihr entscheidet sich die Grundfrage des Lebens selbst: ist die Welt, die Wirklichkeit des Seins das Gegenüber? Diese Frage nach der Disposition ist auch keine moralisch-moralistische Frage, keine Frage der Askese oder der voluntaristischen Kasteiung. Kein "rechtes Denken" vermag es zu erreichen, kein "Rechthaben", kein "besser denken".
Nur ein wirklich wirkliches Sein. Denn die Frage nach der Reinheit als Gleichförmigkeit mit Wahrheit und Wille Gottes ist die Frage nach der persönlichen, personalen Struktur der Wahrheit, an der der Mensch nur teilhaben kann, die er nur im übertragenen Sinne besitzt. Es ist deshalb die Frage nach der Natur der Demut (die auch keine willentliche "Herabsetzung" ist, oft sogar, und zumal heute, als Arroganz oder Stolz ausgelegt wird). Es ist die Frage nach dem "Du", als das das Begegnende gesehen und zugelassen und beantwortet wird: als Dialog mit dem lebendigen Gott, dem Sein an sich und darin für mich - oder nicht. Sodaß nichts in sich sinnlos und tot ist, das zustößt, sofern es Sein hat (und nicht Selbsttäuschung ist); sodaß die Lebensaufgabe nicht programmatisch eingegrenzt werden kann, wie es der Fanatiker tut, wie es alle tun, die im Begegnenden selektieren, selbst in ihrem Auswählen das Gut bewerten, anstatt in ihm die Spuren des immer vorauseilenden, höheren Seins zu suchen. Mit dem entscheidenden Punkt; daß das Sein, Gott, den Menschen sucht, nicht umgekehrt, Gottessuche also Durchlässigkeit für Gott auf Gott hin bedeutet (und darin Teilhabe für den Menschen).
Keine Nichtung des Ich jedoch, sondern Ich in Gottförmigkeit (durch Demut) deshalb, kann diese Stufe erfüllen, nicht also Auslöschung, wie sie der Buddhismus versucht. Keine "Lehre", kein immanentes Erleben, keine Stimmung, keine Gefühligkeit in deren Watte ich die Welt packe.
In dieser Personalität erfolgt die Gleichrichtung - als Frucht der wachsenden Reinheit, so fragil diese auch ist (!), so sehr sie immer wieder bricht und brechen kann, als Boden der Vereinigung im Geist, als Ort der Erleuchtung, als Geschenk der Gnade. Denn nur im Geschenk kann etwas über sich hinaus-, in eine weitere Welt hineingehoben werden, nicht aus eigener Seinsvollmacht - wo wäre dann Hoffnung, über sich hinaus-, aus der Begrenztheit der Weltimmanenz herauszuwachsen? Und wenn denn ein Gott ist, so hat er (rein ideell betrachtet) nur Sinn, wenn er dieser Welt in einer völlig neuen, anderen und unbekannten Qualität gegenübersteht.
So isset denn die Welt ein Geheimnis, und die Linien lassen sich bis hinein zu Wittgenstein ziehen, der diese Begrenztheit des Denkens, des Redens erfaßt hat: die Grenzen des Redens sind aber nicht die Grenzen der Wirklichkeit.
***
Fester Schritt, auf dünnem Eis
Es gehört zu den schwierigsten Dingen zu begreifen, daß auch das Urteil über eine Sache, eine Handlung, ein schöpferischer Akt ist - oder es ist gar keines, nein, es ist nicht. Denn es gibt die restlose Sicherheit nicht, die aus Fakten hervorgienge, sodaß das Urteil ohne Rest aufgeht. Es gibt diese Form von Beweis nicht, und es ist kleinbürgerliche Niedrigkeit, Urteile nicht zu ethischen Akten zu machen - sondern vorzutäuschen, es gäbe Akte einer rationalen Gewißheit.
Ein Urteil ist einer Haltung zu einer Sache gleichzusetzen, und es ist immer ein Akt der gesetzt werden muß, gegen einen mehr oder weniger großen Rest Ungewißheit. Und weil die einzigen Gewißheiten, die es überhaupt gibt, subjektiver Evidenz entspringen, mag ein gültiges Urteil auch aus oft wenigen Eindrücken entstehen.
Es bleibt ein weiterer Akt, Fehlurteile zu korrigieren. Aber unsere Zeit krankt vor allem daran, Urteile als Akte mit sittlicher Qualität zu begreifen, nicht - herausgehoben aus aller Sittlichkeit - als Gewißheitssummen. Es braucht Bereitschaft zum Risiko, es gibt kein risikoloses Leben. Unser Handeln muß sich immer auf solche unsere subjektiven Haltungen beziehen - und dazu stehen. Unter Ansehung der Gefahr, auch zu irren.
Rationalistisch Gewißheit zu verlangen ist nur ein weiterer kleinbürgerlicher Versuch, unsere wirkliche sittliche Qualität - denn wenn Urteil nur subjektiv entstehen kann, ist es so gut, wie unsere Sittlichkeit gereift ist - zu verschleiern. Durch die Forderung nach Verlagerung auf angebliche Gewißheit, die der Welt abzugewinnen wäre.
Ein Urteil ist einer Haltung zu einer Sache gleichzusetzen, und es ist immer ein Akt der gesetzt werden muß, gegen einen mehr oder weniger großen Rest Ungewißheit. Und weil die einzigen Gewißheiten, die es überhaupt gibt, subjektiver Evidenz entspringen, mag ein gültiges Urteil auch aus oft wenigen Eindrücken entstehen.
Es bleibt ein weiterer Akt, Fehlurteile zu korrigieren. Aber unsere Zeit krankt vor allem daran, Urteile als Akte mit sittlicher Qualität zu begreifen, nicht - herausgehoben aus aller Sittlichkeit - als Gewißheitssummen. Es braucht Bereitschaft zum Risiko, es gibt kein risikoloses Leben. Unser Handeln muß sich immer auf solche unsere subjektiven Haltungen beziehen - und dazu stehen. Unter Ansehung der Gefahr, auch zu irren.
Rationalistisch Gewißheit zu verlangen ist nur ein weiterer kleinbürgerlicher Versuch, unsere wirkliche sittliche Qualität - denn wenn Urteil nur subjektiv entstehen kann, ist es so gut, wie unsere Sittlichkeit gereift ist - zu verschleiern. Durch die Forderung nach Verlagerung auf angebliche Gewißheit, die der Welt abzugewinnen wäre.
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Sonntag, 14. August 2011
Eine Quelle der Freude
Ein Israeli, Martin van Creveld, laut Junger Freiheit "international anerkannter Militärhistoriker" und -fachmann, Autor mehrerer Bücher, hatte jüngst in einem Vortrag vor der deutschen Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik sein Auditorium aufgescheucht, denn seine Thesen über Krieg, Kriegskultur und Frauen in Armeen haben weitreichendere Implikationen, als manchem lieb ist.
Gleich vorweg: wo Frauen in Militärkörper integriert sind, wird die Kampfkraft nicht nur fragil, sondern bricht - ein Erfahrungswert der USA - ab 50 % Frauenanteil völlig zusammen. Aber diese (sehr plausible) These kennt der geneigte Leser ja schon aus früheren Beiträgen an diesem Ort. Sieht man von Sanitätseinheiten ab, wo sich auch der 40%ige Anteil von Frauen, wie derzeit, sehr bewährt hat.
Creveld aber vertritt noch etwas anderes: Wenn das Militär nicht mehr als spezifische Form der Kultur, ja als Kultur für sich betrachtet wird, wird aus einer disziplinierten Armee ein unberechenbarer Ausbund menschlicher Niedrigkeit:
Er sagt damit nichts anderes als daß der früher so angesehene Stand des Soldaten (übrigens: nur in Deutschland und Österreich heißt auch der Offizier Soldat; Anm.) als "Militarismus" zu Unrecht diffamiert wurde. Krieg ist eine (für ein Volk notwendige) Lebensform, Krieger einer der drei fundamentalen Stände (neben Bauer und Priester) bzw. Standesgruppen, aus denen sich auch unsere Kultur aufgebaut hat und nach wie vor nährt. Die Geschichte zeigt, daß nur dort, wo diese Kultur zusammenbrach oder nie existierte, der Krieg zum reinen und nicht abgrenzbaren Greuel wurde.
Am schlimmsten aber sei es, wenn die Streitkräfte Opfer des Feminismus würden. Aber: Israel habe doch mittlerweile einen so hohen Frauenanteil in der Armee?!
Eben, sagt van Creveld: Israel hat dafür seit 1973 keinen Krieg mehr gewonnen!
Was seien das heute aber für Armeen, in welcher Kampfverfassung seien solche, deren Soldaten nach viermonatigen Kampfeinsätzen - wie in jüngsten Kriegen - posttraumatische Überlastungsstörungen aufwiesen?
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| Martin van Creveld |
Creveld aber vertritt noch etwas anderes: Wenn das Militär nicht mehr als spezifische Form der Kultur, ja als Kultur für sich betrachtet wird, wird aus einer disziplinierten Armee ein unberechenbarer Ausbund menschlicher Niedrigkeit:
Eine Nation könne zwar auch ohne eine Kriegskultur noch über
Streitkräfte verfügen, doch seien solche Streitkräfte höchstens noch
„wilde Haufen ohne Manneszucht, ohne soldatische Regeln, die kaum noch
kämpfen, sondern höchstens Greuel verursachen“.
Anders als von Clausewitz, und man spürt förmlich den abendländischen Anklang aus tiefster Wurzel, hört Homer und Vergil, sei Krieg keine "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" - auch das ein Pragmatismus, diese Anmerkung sei erlaubt, der seit der Renaissance die Welt auseinanderfallen läßt und die Dinge zu Funktionen auflöst - sondern als
„Spiel mit dem Tod“ war und ist [er] für viele eine „Quelle der Freude“. Im
Laufe der Jahrtausende hätten die Menschen eine besondere „Kultur des
Krieges“ entwickelt, die sich in Zeremonien, Uniformen, Militärmusik,
Paraden, Namen von Kriegsschiffen und Flugzeuggeschwadern, in besonderen
Regeln und Bräuchen bis hin zu Ehrenmalen ausdrücke.
Er sagt damit nichts anderes als daß der früher so angesehene Stand des Soldaten (übrigens: nur in Deutschland und Österreich heißt auch der Offizier Soldat; Anm.) als "Militarismus" zu Unrecht diffamiert wurde. Krieg ist eine (für ein Volk notwendige) Lebensform, Krieger einer der drei fundamentalen Stände (neben Bauer und Priester) bzw. Standesgruppen, aus denen sich auch unsere Kultur aufgebaut hat und nach wie vor nährt. Die Geschichte zeigt, daß nur dort, wo diese Kultur zusammenbrach oder nie existierte, der Krieg zum reinen und nicht abgrenzbaren Greuel wurde.
Am schlimmsten aber sei es, wenn die Streitkräfte Opfer des Feminismus würden. Aber: Israel habe doch mittlerweile einen so hohen Frauenanteil in der Armee?!
Eben, sagt van Creveld: Israel hat dafür seit 1973 keinen Krieg mehr gewonnen!
Was seien das heute aber für Armeen, in welcher Kampfverfassung seien solche, deren Soldaten nach viermonatigen Kampfeinsätzen - wie in jüngsten Kriegen - posttraumatische Überlastungsstörungen aufwiesen?
Seine Schlußfolgerung: Weil das Abendland vergessen hat, was Krieg
bedeutet, wird es einen Krieg nach dem anderen verlieren, denn man sei
nicht mehr bereit, um die eigene Existenz zu kämpfen und dabei auch sein
Leben einzusetzen. Unter diesen Umständen werde man auch nicht siegen
können.
***
Ein Loblied auf den Zwang
Was für eitler Plunder, schreibt Kierkegaard einmal, zu sagen, der Mensch müsse völlig frei von allem Zwang sein, um so zu seiner ganzen Größe der Gewissensentscheidung stehen zu können. Die Wahrheit ist, daß nur die wenigsten diese Größe des Alleinseins vor Gott wirklich aushalten - und sie sind es, die in der Geschichte gerade die Widerstände und Zwänge gebraucht haben, um zu ihrer ganzen Größe aufzustehen, um überhaupt sichtbar zu werden. Ja, gerade die Zwänge waren ihnen oft entscheidender Nährboden.
Im Innersten ist es ja gerade der Widerstand, der die Kraft des Gewissens herausfordert und braucht. Sonst vermag man sich ja nie sicher zu sein. Aber man ruft nach Gewissens- und Glaubensfreiheit usw. (Kierkegaard schrieb das 1850), dabei ist es schon eine große Seltenheit überhaupt einen Menschen vorzufinden, der noch eine eigene Meinung hat!
Also sind diese Rufe doch meist nichts als verachtenswerte Weibischkeit, bedeuten, daß wir Schwächlinge sind, schreibt Kierkegaard, verweichlicht, die doch so gerne um billigen Preis die Heroen spielen würden. Denn wirkliche Gewissenshoheit, ja, das wäre in der Tat Heroismus.
Mit der sogenannten Gewissensfreiheit in allen Dingen kam nur die Einbildung, in der alle nun meinen, Gewissensfreiheit auch zu HABEN. Aber die hat sich immer nur eingeklemmt zwischen zwei Schilden bewährt - bereit für den Scheiterhaufen, für das Kreuz, für den Tod. Alle Zwänge aufzuheben hat genau das Gegenteil bewirkt.
Je größer das Ding, um das es geht, umso mehr Zwang kann man sogar vertragen. Geht es um die Pflicht, einen Hut zu tragen - gut, das ist unerträglich. Kein Zwang kann die geistige Freiheit jemals zwingen! Er kann ihn höchstens die Freiheit teuer kaufen lassen.
Das Gerede vom Zwangabschaffen kommt deshalb von verweichlichten Menschen, schreibt Kierkegaard. Oder von solchen, die vielleicht einmal die Kraft zum Kämpfen gefühlt haben, aber nun ermattet sind und es bequemer finden, wenn der Zwang abgeschafft wird.
Der Mensch ist fast nie so ein Satanskerl, wie er sich gerne schmeichelt. "Nimm allen Zwang fort, welchen die Menschen just brauchen und eben gerade in den höchsten Angelegenheiten [und vernünftigerweise beständig mehr, je höher die Angelegenheit ist] - und die Masse der Menschen wird entweder zu nichts werden oder in die Hände von Parteien u. ä. fallen.
Die Apostel, Luther u. ä. waren das, was sie waren, eben dadurch, daß aller mögliche Widerstand und zwang gegen sie da war - aber sie überwanden sie. Wäre der Zwang nicht dagewesen, hätte man nie zu sehen bekommen, daß sei das waren, was sie waren.
Im Innersten ist es ja gerade der Widerstand, der die Kraft des Gewissens herausfordert und braucht. Sonst vermag man sich ja nie sicher zu sein. Aber man ruft nach Gewissens- und Glaubensfreiheit usw. (Kierkegaard schrieb das 1850), dabei ist es schon eine große Seltenheit überhaupt einen Menschen vorzufinden, der noch eine eigene Meinung hat!
Also sind diese Rufe doch meist nichts als verachtenswerte Weibischkeit, bedeuten, daß wir Schwächlinge sind, schreibt Kierkegaard, verweichlicht, die doch so gerne um billigen Preis die Heroen spielen würden. Denn wirkliche Gewissenshoheit, ja, das wäre in der Tat Heroismus.
Mit der sogenannten Gewissensfreiheit in allen Dingen kam nur die Einbildung, in der alle nun meinen, Gewissensfreiheit auch zu HABEN. Aber die hat sich immer nur eingeklemmt zwischen zwei Schilden bewährt - bereit für den Scheiterhaufen, für das Kreuz, für den Tod. Alle Zwänge aufzuheben hat genau das Gegenteil bewirkt.
Je größer das Ding, um das es geht, umso mehr Zwang kann man sogar vertragen. Geht es um die Pflicht, einen Hut zu tragen - gut, das ist unerträglich. Kein Zwang kann die geistige Freiheit jemals zwingen! Er kann ihn höchstens die Freiheit teuer kaufen lassen.
Das Gerede vom Zwangabschaffen kommt deshalb von verweichlichten Menschen, schreibt Kierkegaard. Oder von solchen, die vielleicht einmal die Kraft zum Kämpfen gefühlt haben, aber nun ermattet sind und es bequemer finden, wenn der Zwang abgeschafft wird.
Man sollte da sagen: wir sind schwach und furchtsam, haben keinen solchen Mut oder solche Kräfte, darum wollen wir allen Zwang weg haben; darin läge doch Sinn. Aber in der lügnerischen Diebessprache der Zeit heißt es: wir kämpfen für Gewissensfreiheit.
***
Alles wird neu
Die Idee, daß die Dinge ganz real neu geboren werden, wenn man sie in Wasser taucht, ist eine uralte Menschheitsahnung, die Fortführung des Waschens, als Purifizierung der Dinge. Sie werden gereinigt, um befreit von irdischer Unvollkommenheit zu neuem, eigentlicherem Sein aufzustehen.
***
Samstag, 13. August 2011
Bis es durchbricht
Der Tag, als die Männer wieder zu Männern wurden, ihre Natur ihr Recht verlangte.
***
Freitag, 12. August 2011
Wo alles nur noch auf sich selbst starrt
Man sagt oft, daß das Betreiben eines Blogs den Menschen dazu diene, ihre Meinung zu artikulieren, und schreibt den Blogs geradezu demokratiehygienischen, substantiellen Wert zu. Ich weiß nicht recht.
Viel häufiger habe ich den Eindruck, daß es den meisten Blogs an genau dem fehlt - an eigener Meinung. Gar zu häufig wirken sie wie Opfergaben an den Geist bestimmter Strömungen und Gemeinschaften, die beweisen sollen, auch durch die Solidarität, die damit bewiesen wird, daß man diesen angehört.
Viel zu oft fehlt genau das, was ein Blog ausmachen könnte - eine originäre Sicht. Viel zu oft scheinen sich Blogbetreiber bemüßigt zu fühlen, "wie" offizielle Vertreter einer Geisteshaltung oder eines Organismus aufzutreten, diesen quasi zu repräsentieren. Viel zu oft finden sich in Blogs deshalb einfach nur Geisteshaltungen, nicht "persönliche Meinungen", originelle neue Aspekte oder Blickwinkel und Arrangements (denn wirklich erfinden, klar, kann niemand etwas).
Und damit fehlt ihnen genau das, was sie interessant sein lassen könnte. Meist trifft man auf Blogs, bei denen man nach den ersten Zeilen meint, sie ein für alle mal gelesen hat: man kennt die Geisteshaltungen, man kennt die Meinungen, man kennt die Aktualitäten, denen sich bemerkenswerterweise fast alle verpflichtet fühlen - oft genug schon reine Medienaktualitäten! - aus unzähligen andere Medien.
Und damit schließen sich so manche Kreise. Denn das größte Problem des Internet, aber generell der Medien, ja unserer gesamten Gesellschaften, die bereits allesamt im internet zusammengeschlossen sind, und zwar so sehr, daß sie vielfach nur noch medial existieren, das größte Problem ist also genau das, dessentwegen sie zu sein behaupten: Inhalt, "Content".
Eine Gesellschaft, die nur noch auf die Medien starrt, die berichten sollen, was in einer Welt passiert, die aber nur noch darauf starrt, was denn passiert ... löst sich förmlich ins Inhaltslose auf. Der Reflexivität bleibt nichts mehr übrig, sie wird sich selbst Inhalt, und damit löst sie sich auf.
Das macht lustigerweise schon fast wieder Hoffnung. Denn die letzten verbliebenen Lebenslieferanten, die letzten, die noch realen "Content" (und nicht Content aus der Reflexivität) besitzen weil sind, und die phasenweise aus der öffentlichen Wahrnehmung regelrecht verschwinden werden, werden - neu entdeckt - im Wert unermeßlich steigen. Ja, es wird gar nicht mehr so lange dauern, wird Wertschötzung nur noch mit eben jenen verbunden sein. Und jeder Markenartikelkonzern und jede Boutique aus dem 8. Bezirk wird mit Händen und Füßen dagegen ankämpfen, mit social media und Internet in Verbindung gebracht zu werden, bzw. aus dieser Vergemeinung wieder loszukommen.
Viel häufiger habe ich den Eindruck, daß es den meisten Blogs an genau dem fehlt - an eigener Meinung. Gar zu häufig wirken sie wie Opfergaben an den Geist bestimmter Strömungen und Gemeinschaften, die beweisen sollen, auch durch die Solidarität, die damit bewiesen wird, daß man diesen angehört.
Viel zu oft fehlt genau das, was ein Blog ausmachen könnte - eine originäre Sicht. Viel zu oft scheinen sich Blogbetreiber bemüßigt zu fühlen, "wie" offizielle Vertreter einer Geisteshaltung oder eines Organismus aufzutreten, diesen quasi zu repräsentieren. Viel zu oft finden sich in Blogs deshalb einfach nur Geisteshaltungen, nicht "persönliche Meinungen", originelle neue Aspekte oder Blickwinkel und Arrangements (denn wirklich erfinden, klar, kann niemand etwas).
Und damit fehlt ihnen genau das, was sie interessant sein lassen könnte. Meist trifft man auf Blogs, bei denen man nach den ersten Zeilen meint, sie ein für alle mal gelesen hat: man kennt die Geisteshaltungen, man kennt die Meinungen, man kennt die Aktualitäten, denen sich bemerkenswerterweise fast alle verpflichtet fühlen - oft genug schon reine Medienaktualitäten! - aus unzähligen andere Medien.
Und damit schließen sich so manche Kreise. Denn das größte Problem des Internet, aber generell der Medien, ja unserer gesamten Gesellschaften, die bereits allesamt im internet zusammengeschlossen sind, und zwar so sehr, daß sie vielfach nur noch medial existieren, das größte Problem ist also genau das, dessentwegen sie zu sein behaupten: Inhalt, "Content".
Eine Gesellschaft, die nur noch auf die Medien starrt, die berichten sollen, was in einer Welt passiert, die aber nur noch darauf starrt, was denn passiert ... löst sich förmlich ins Inhaltslose auf. Der Reflexivität bleibt nichts mehr übrig, sie wird sich selbst Inhalt, und damit löst sie sich auf.
Das macht lustigerweise schon fast wieder Hoffnung. Denn die letzten verbliebenen Lebenslieferanten, die letzten, die noch realen "Content" (und nicht Content aus der Reflexivität) besitzen weil sind, und die phasenweise aus der öffentlichen Wahrnehmung regelrecht verschwinden werden, werden - neu entdeckt - im Wert unermeßlich steigen. Ja, es wird gar nicht mehr so lange dauern, wird Wertschötzung nur noch mit eben jenen verbunden sein. Und jeder Markenartikelkonzern und jede Boutique aus dem 8. Bezirk wird mit Händen und Füßen dagegen ankämpfen, mit social media und Internet in Verbindung gebracht zu werden, bzw. aus dieser Vergemeinung wieder loszukommen.
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Nur nicht auf den Leim gehen
Ich habe das zufällig gefunden, und fand es sehenswert, weil es viel über das Handwerk sagt: Christoph Schlingensief lud als Gast in seine Talkshow Harald Schmidt ein. Sehen Sie, was dann passierte.
Was nie möglich gewesen wäre, wenn Schlingensief nicht mit sich selbst gespielt hätte, lasse man sich da nur nicht täuschen - es bleibt Show, verwechsele man nur nicht die Realitätsebenen, was zu vermischen - und dabei doch nicht - die im Grunde unzulässige Methode des voriges Jahr Verstorbenen war. Dies gilt insbesonders auch für den zweiten Film, einer späteren Sendung, die auf die vorangegangene Bezug nimmt.
Was nie möglich gewesen wäre, wenn Schlingensief nicht mit sich selbst gespielt hätte, lasse man sich da nur nicht täuschen - es bleibt Show, verwechsele man nur nicht die Realitätsebenen, was zu vermischen - und dabei doch nicht - die im Grunde unzulässige Methode des voriges Jahr Verstorbenen war. Dies gilt insbesonders auch für den zweiten Film, einer späteren Sendung, die auf die vorangegangene Bezug nimmt.
Schmidt führt Schlingensief vor
Schlingensief "dreht durch"
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Dienst am Wirklichen
Ich fand die Flirt-Idee ziemlich originell. Zusätzlich zur Erfahrung, daß das Internet insofern human wird, wenn es der wirklichen Wirklichkeit zuarbeiten kann - keine eigene Wirklichkeit für sich ist. Man erlebt das wirkliche Geschehen wie mit einem Löffel aus dem Bildschirm zurückgehoben.
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Zerstörung der Selbstregulation
Man sagt fälschlich von der Kiefer, daß sie sandige, nährstoffarme Böden LIEBE. Aber sie findet sich damit ab, und wächst auch - wenn auch langsamer - auf schwierigen, armen Böden. Bestenfalls noch kretinierte Buchen oder Eichen können sich in kleinem Rahmen halten. Aufgrund ihrer Genügsamkeit, ihrer Lichteigenschaften, ihrer flexiblen Wurzelbildung aber gilt die Kiefer als "waldbildend", egal unter welchen Bedingungen. Sie zieht die übrigen Hölzer nach, die unter dem Schutz und Schatten der ersten Kiefernkronen sich überhaupt erst gegen die Grasschichte durchsetzen können. Sie ist deshalb ein sozial äußerst verträglicher, nützlicher Baum, der auch aufgrund seiner Schnellwüchsigkeit hervorragend geeignet ist, wertvollere Hölzer regelrecht nachzuziehen.
Greift nun der Mensch ein, indem er die Böden düngt und bewässert, um die wertvolleren Hölzer zu forcieren, so passiert Folgendes: Nicht die Kiefer wächst nun einfach reicher und rascher, sondern weit mehr profitieren ihre Mitbäume, die zu Konkurrenten werden - jene mit höherem Nährstoffbedarf und -verzehr. Sie wachsen mit einem male so erfolgreich, daß sie schließlich die Kiefer (mit ihrem langsameren Stoffwechsel) zu verdrängen beginnen, bis die verschwunden ist. Die Kiefer kann bei künstlich verbesserten Böden den Konkurrenzkampf mit den meisten anderen Baumarten nicht gewinnen.
Die neuen Baumarten aber bleiben (unter diesen neuen Bedingungen) defizitär. Sie benötigen ständige Nährstoffzufuhr. Die Struktur des Waldes ändert sich - und er verliert seine Selbsterhaltungskraft. Wird die zusätzliche Nahrstoffzufuhr eingestellt, stirbt der gesamte Wald, weil es die genügsame Kieferdecke nicht mehr gibt, unter der sich der übrige Wald einmal schützend bergen und erst damit heranwachsen konnte.
Noch etwas läßt sich sagen: es sind nicht einfach die wärmsten, wasser- und nährstoffreichsten Gebiete, die die Bäume am besten gedeihen lassen. Jede Baumart hat nämlich eine "optimale" Zone, wo sich ihre Eigenart am besten, auch im Zusammenleben mit den übrigen Baumarten, und immer in komplexem Dialog mit der gesamten Umwelt entwickelt. Das ist aber praktisch nie die Zone, die in diversen Einzelbedingungen "am meisten" (Wärme, Wasser etc.) aufweist. Vielmehr sind diese optimalen Zonen in jahrtausendelangen Prozessen entstanden, und jede Änderung erfolgt in kleinsten Schritten, weil sonst der Wald höchstwahrscheinlich überhaupt stirbt: wird ein Faktor verändert, muß sich nämlich das gesamte übrige Gefüge darauf einstellen, und: es verändert sich.
Ich ordne dieser Notiz (aus Morosow's "Lehre vom Wald") die Stichworte "Politik", "Staat" und "Sozialstaat" zu. "Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte" fange ich mir aber nicht an. "Wirtschaftskrise'" ist ohnehin obligatorisch, denn dieses Beispiel macht deutlich, wie staatliche Intervention (meist zugunsten eines Parameters) auf eine Volkswirtschaft (=Wald) nicht einfach "fördernd" oder "hemmend" wirkt, sondern "verändernd", sich selbst entfremdend: sie macht abhängig und unfähig zur Selbstregulation, und sie verändert die Zusammensetzung der "Arten". Der Wald wird zu einem anderen.
Greift nun der Mensch ein, indem er die Böden düngt und bewässert, um die wertvolleren Hölzer zu forcieren, so passiert Folgendes: Nicht die Kiefer wächst nun einfach reicher und rascher, sondern weit mehr profitieren ihre Mitbäume, die zu Konkurrenten werden - jene mit höherem Nährstoffbedarf und -verzehr. Sie wachsen mit einem male so erfolgreich, daß sie schließlich die Kiefer (mit ihrem langsameren Stoffwechsel) zu verdrängen beginnen, bis die verschwunden ist. Die Kiefer kann bei künstlich verbesserten Böden den Konkurrenzkampf mit den meisten anderen Baumarten nicht gewinnen.
Die neuen Baumarten aber bleiben (unter diesen neuen Bedingungen) defizitär. Sie benötigen ständige Nährstoffzufuhr. Die Struktur des Waldes ändert sich - und er verliert seine Selbsterhaltungskraft. Wird die zusätzliche Nahrstoffzufuhr eingestellt, stirbt der gesamte Wald, weil es die genügsame Kieferdecke nicht mehr gibt, unter der sich der übrige Wald einmal schützend bergen und erst damit heranwachsen konnte.
Noch etwas läßt sich sagen: es sind nicht einfach die wärmsten, wasser- und nährstoffreichsten Gebiete, die die Bäume am besten gedeihen lassen. Jede Baumart hat nämlich eine "optimale" Zone, wo sich ihre Eigenart am besten, auch im Zusammenleben mit den übrigen Baumarten, und immer in komplexem Dialog mit der gesamten Umwelt entwickelt. Das ist aber praktisch nie die Zone, die in diversen Einzelbedingungen "am meisten" (Wärme, Wasser etc.) aufweist. Vielmehr sind diese optimalen Zonen in jahrtausendelangen Prozessen entstanden, und jede Änderung erfolgt in kleinsten Schritten, weil sonst der Wald höchstwahrscheinlich überhaupt stirbt: wird ein Faktor verändert, muß sich nämlich das gesamte übrige Gefüge darauf einstellen, und: es verändert sich.
Ich ordne dieser Notiz (aus Morosow's "Lehre vom Wald") die Stichworte "Politik", "Staat" und "Sozialstaat" zu. "Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte" fange ich mir aber nicht an. "Wirtschaftskrise'" ist ohnehin obligatorisch, denn dieses Beispiel macht deutlich, wie staatliche Intervention (meist zugunsten eines Parameters) auf eine Volkswirtschaft (=Wald) nicht einfach "fördernd" oder "hemmend" wirkt, sondern "verändernd", sich selbst entfremdend: sie macht abhängig und unfähig zur Selbstregulation, und sie verändert die Zusammensetzung der "Arten". Der Wald wird zu einem anderen.
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Donnerstag, 11. August 2011
Verfinsterung der Welt
Wie simpel ... die Sonnenfinsternis, die Verdunkelung der Erde, die zur Kreuzigung Jesu von mehreren Stellen berichtet wird, und die von Mittag bis drei Uhr Nachmittag (etwa) gedauert habe, kann keine natürliche Sonnenfinsternis gewesen sein, wie sie als "Eklipse" immer wieder zu erleben ist. Kaltenbrunner schreibt es in seinem "Dionysius vom Areopag".
Denn es war zur Zeit des Pessach-Festes, und das findet zur Zeit nach dem ersten Frühlingsvollmond statt. Das heißt, daß der Mond der Sonne gegenüber gestanden haben muß.
Von Dionysios wird berichtet, daß auch im entfernten Heliopolis, in Ägypten, diese Verfinsterung der Welt zu erleben war. Dort versetzte diese völlige Verfinsterung um die Mittagszeit die Bevölkerung in Angst und Schrecken. wunderlichste Zeichen wurden sichtbar, spuknächtige Ungestalten zeigten sich, bleiche Skelette traten auf, gräßlicher Gestank lag in der Luft. So schreibt Dionysius es in einem Brief an Polykarp noch viele Jahre später über dieses Ereignis. Und auch beim Philosophen Apollophanes ist Gleiches zu lesen.
Auch in Jerusalem hatte sich ja die Sonne verdunkelt, hatte die Erde gebebt, waren Schatten über den Hügeln zu dichten dunkelen Gestalten verdichtet, so wird auch von dort erzählt. Und viele berichteten, daß ihnen Tote begegnet seien, die aus den Gräbern zurückgekehrt waren. "Wahrhaftig," rief der römische Hauptmann, den die Legende "Longinus" nennt, angesichts der beeindruckenden Zeichen aus: "Dieser war der Sohn Gottes!"
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Von Dionysios wird berichtet, daß auch im entfernten Heliopolis, in Ägypten, diese Verfinsterung der Welt zu erleben war. Dort versetzte diese völlige Verfinsterung um die Mittagszeit die Bevölkerung in Angst und Schrecken. wunderlichste Zeichen wurden sichtbar, spuknächtige Ungestalten zeigten sich, bleiche Skelette traten auf, gräßlicher Gestank lag in der Luft. So schreibt Dionysius es in einem Brief an Polykarp noch viele Jahre später über dieses Ereignis. Und auch beim Philosophen Apollophanes ist Gleiches zu lesen.
Auch in Jerusalem hatte sich ja die Sonne verdunkelt, hatte die Erde gebebt, waren Schatten über den Hügeln zu dichten dunkelen Gestalten verdichtet, so wird auch von dort erzählt. Und viele berichteten, daß ihnen Tote begegnet seien, die aus den Gräbern zurückgekehrt waren. "Wahrhaftig," rief der römische Hauptmann, den die Legende "Longinus" nennt, angesichts der beeindruckenden Zeichen aus: "Dieser war der Sohn Gottes!"
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Herr der Dinge
Der Wunsch, anstrengungsfrei Herr über die Welt der Körper zu sein - als Hintergrund der Virtualität, ja der Phantasie: Computer als künstliche Tugend.
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