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Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Samstag, 16. Juli 2011
Wer begehrt Einlaß?
Das traditonelle Begräbniszeremoniell der Habsburger in der Kapuzinerkirche zu Wien.
Freitag, 15. Juli 2011
Fehlgriff
Ich mag das Filmchen, weil es so unverschämt gut gespielt ist: gerade genug, aber nie zuviel. Was bei so wenig Handlungsmöglichkeiten nicht leicht ist. Der Zuseher aber bekommt die Geschichte hervorragend mit.
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Ok, I am a Nazi
Lars von Trier in Cannes im Mai 2011 bei der Pressekonferenz zur Premiere seines Films "Melancholia 2001" - ein skandalisierter Auftritt, der ihn fast seine Karriere gekostet hätte und wer weiß wieviel wirklich gekostet hat, das wird sich ja noch herausstellen, denn es wird etwas an ihm haften bleiben, allen Entschuldigungen zum Trotz.
Hier ist das Video, auf das mich J dankenswerterweise hingewiesen hat. Er schreibt, daß man etwa ab Sekunde 50 merkt, wie der Mann merkt, wie er sich aus einem völlig harmlosen Geplappere, einer absoluten Ironie, in immer mehr Unsinn verheddert, weil ein Ernst eindringt, mit dem er nicth gerechnet hat. Denn er hat offensichtlich nicht mit einer neurotisierten, zwanghaft reagierenden Öffentlichkeit gerechnet. Mehr und mehr wird ihm das bewußt, und er redet sich nur noch mehr in den Wirbel hinein, seine Witze, seine bizarre Selbstironie, aber auch seine Versuche mit dem Thema zu spielen, greifen nicht mehr, und das Malheur ist fertig.
In dem Bemühen, auf jeden Fall Distanz und moralische "Richtigkeit" anzuzeigen, ist das Thema "Juden & Nazis" zum zivilisatorischen Dämon geworden. Man DARF sich von diesem Thema nicht distanzieren, man soll davon nicht frei werden dürfen - und damit ist auch das Verbot impliziert, es nicht "bewältigen" zu dürfen. Plötzlich gibt es "Blasphemien", und zwar in derselben Öffentlichkeit, die sie bei religiösen Themen schon fast abgeschafft hat, aus derselben Abgeklärtheit und Rationalität, die dieses Thema hinwiederum, und zwar in seiner aktualistischen Form, regelrecht sakralisiert - einen bestimmten Gestus sakralisiert!
Damit soll dieser Gestus psychotisch verankert werden. Als Gegenwehr. Fragen wir uns gar nicht erst, was es bedeutet, daß sich eine Weltöffentlichkeit bemüßigt fühlt, sich SO zu distanzieren, daß es sogar eine Berührung mit dem Thema unmöglich macht, seine Behandlung in Riten festlegt, gegen die erst zu verstoßen das Delikt ist, das Ausstoßung nach sich zieht. Das kann - und hier muß man auf Seiten Triers stehen, keine Frage! - Kunst und Künstlertum nicht akzeptieren. Es MUSZ zu einem Aufbrechen der Zwänge, auch bei diesem Thema, kommen, weil es sonst der Vernunft unzugängig bleibt. Jede Generation muß sich ihre Vernunft aus dem Übernommenen heraus neu aneignen, sich neu zugängig machen. Und dazu muß sie frei sein, hier darf es tatsächlich keine Tabus geben, hier braucht es Freiräume.
Was es nämlich sonst für gegenwärtige und kommende Generationen hieße? Es ist nicht auszumalen, weil es jede subjektive, wirkliche Reaktion apodiktisch unterdrückt. Erst damit aber provoziert man eine Reaktion, die dieses Thema als wirklich nicht - und zwar durch die Art es heute zu behandeln! - bewältigt erweisen wird. Denn plötzlich könnte die gewünschte Haltung - die Ablehnung des Nationalsozialismus, der Judenvernichtung - unter den Verdacht geraten, gar nicht vernünftig zu sein! Warum sonst soll man sie dem subjektiven Vernunfturteil vorenthalten?
Das zu wollen - und leider ist es ein regelrechter pathologischer "Kultur"gestus geworden, der sich in den Schulen, in der sogenannten Pädagogik etc. wie ein Geschwür festgefressen hat - ist tatsächlich zutiefst unvernünftig.
Hier ist das Video, auf das mich J dankenswerterweise hingewiesen hat. Er schreibt, daß man etwa ab Sekunde 50 merkt, wie der Mann merkt, wie er sich aus einem völlig harmlosen Geplappere, einer absoluten Ironie, in immer mehr Unsinn verheddert, weil ein Ernst eindringt, mit dem er nicth gerechnet hat. Denn er hat offensichtlich nicht mit einer neurotisierten, zwanghaft reagierenden Öffentlichkeit gerechnet. Mehr und mehr wird ihm das bewußt, und er redet sich nur noch mehr in den Wirbel hinein, seine Witze, seine bizarre Selbstironie, aber auch seine Versuche mit dem Thema zu spielen, greifen nicht mehr, und das Malheur ist fertig.
In dem Bemühen, auf jeden Fall Distanz und moralische "Richtigkeit" anzuzeigen, ist das Thema "Juden & Nazis" zum zivilisatorischen Dämon geworden. Man DARF sich von diesem Thema nicht distanzieren, man soll davon nicht frei werden dürfen - und damit ist auch das Verbot impliziert, es nicht "bewältigen" zu dürfen. Plötzlich gibt es "Blasphemien", und zwar in derselben Öffentlichkeit, die sie bei religiösen Themen schon fast abgeschafft hat, aus derselben Abgeklärtheit und Rationalität, die dieses Thema hinwiederum, und zwar in seiner aktualistischen Form, regelrecht sakralisiert - einen bestimmten Gestus sakralisiert!
Damit soll dieser Gestus psychotisch verankert werden. Als Gegenwehr. Fragen wir uns gar nicht erst, was es bedeutet, daß sich eine Weltöffentlichkeit bemüßigt fühlt, sich SO zu distanzieren, daß es sogar eine Berührung mit dem Thema unmöglich macht, seine Behandlung in Riten festlegt, gegen die erst zu verstoßen das Delikt ist, das Ausstoßung nach sich zieht. Das kann - und hier muß man auf Seiten Triers stehen, keine Frage! - Kunst und Künstlertum nicht akzeptieren. Es MUSZ zu einem Aufbrechen der Zwänge, auch bei diesem Thema, kommen, weil es sonst der Vernunft unzugängig bleibt. Jede Generation muß sich ihre Vernunft aus dem Übernommenen heraus neu aneignen, sich neu zugängig machen. Und dazu muß sie frei sein, hier darf es tatsächlich keine Tabus geben, hier braucht es Freiräume.
Was es nämlich sonst für gegenwärtige und kommende Generationen hieße? Es ist nicht auszumalen, weil es jede subjektive, wirkliche Reaktion apodiktisch unterdrückt. Erst damit aber provoziert man eine Reaktion, die dieses Thema als wirklich nicht - und zwar durch die Art es heute zu behandeln! - bewältigt erweisen wird. Denn plötzlich könnte die gewünschte Haltung - die Ablehnung des Nationalsozialismus, der Judenvernichtung - unter den Verdacht geraten, gar nicht vernünftig zu sein! Warum sonst soll man sie dem subjektiven Vernunfturteil vorenthalten?
Das zu wollen - und leider ist es ein regelrechter pathologischer "Kultur"gestus geworden, der sich in den Schulen, in der sogenannten Pädagogik etc. wie ein Geschwür festgefressen hat - ist tatsächlich zutiefst unvernünftig.
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Schlüssel des Verstehens
Kierkegaard weist darauf hin, daß mitunter die größten Dichter ... blind waren. Oder, wie bei Homer, gewesen sein sollen. Wie läßt sich das mit der heutigen empristischen Sicht der Welt vereinbaren, die alles gesehen haben will? Es ist der Hinweis, daß es auf die innere Sicht der Dinge ankommt, dann erst werden sie wahr. Und das erschließt sich auch, ja mitunter erst durch die Analogie. Denn die Welt ist ohnehin zu groß für den Menschen, er kann sie nur ausschnitthaft erfassen. Das macht ja ein Kunstwerk so menschengerecht - es trägt einen für den Menschen nachvollziehbaren zentralen Verstehenspunkt, der sich dem Betrachter erschließt, auch wenn er weit unter der Sichtweise des Künstlers steht.
Ein besonderes Beispiel für diesen Zentralpunkt, der alles aufschließt, ist wohl der französische Schriftsteller Francois Huber (1750-1831). Seit dem 15. Lebensjahr blind, schrieb er eines der besten Bücher über die Bienen, die je geschrieben wurden. Er hatte offenbar jenen inneren Punkt gefunden, von dem aus er jede noch so kleine Sinneswahrheit, die er erfassen konnte, richtig einordnen und in Analogie mit dem, was er über Natur wußte, ein großes Ganzes aufbauen konnte.
Ein besonderes Beispiel für diesen Zentralpunkt, der alles aufschließt, ist wohl der französische Schriftsteller Francois Huber (1750-1831). Seit dem 15. Lebensjahr blind, schrieb er eines der besten Bücher über die Bienen, die je geschrieben wurden. Er hatte offenbar jenen inneren Punkt gefunden, von dem aus er jede noch so kleine Sinneswahrheit, die er erfassen konnte, richtig einordnen und in Analogie mit dem, was er über Natur wußte, ein großes Ganzes aufbauen konnte.
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Donnerstag, 14. Juli 2011
Um seiner selbst willen
Leopold Ziegler weist auf ein Denkproblem hin, das, wie er meint, das gesamte 19. Jahrhundert regelrecht eingenebelt, verblendet hat - es ist der Gedanke, daß sich mit zeitlichem Ablauf auch "Fortschritt" im Sinne einer "Verbesserung" verbinde.
Nicht nur, daß dieser Gedanke von der höchst bedenklichen, ja lächerlich kindischen Prämisse ausgehe, daß der heutige Zustand nur aufgrund seiner Aktualität einen jeweiligen Höchststand der Entwicklung darstelle. Sondern weil er den Kosmos einer heimlichen Zielgerichtetheit unterwirft, der als Denkprämisse die gesamte Forschung unreflektiert duchdrungen hat.
Er verhindere damit, daß das Leben sich als spielhafter Ablauf von Varianten, in einem unendlich komplexen Zueinander, darstelle - wie es Goethe sah! Als "Ondulation" gewisser Grundtypen und -arten, wo sich niemals sagen ließe, was "weiter" oder "weniger weit" entwickelt sei - seil es jeweils nur Ausformungen des je selben Potenzenpools sind.
Das Leben, schreibt er, hat in seinem Wandel, seiner Morphologie aber vielleicht kein anderes Ziel - als sich selbst! Und in seiner jeweiligen Form ist es vollendet, so gut es ging, und steigert sich im Menschen zum wahren Selbstbesitz, im ewigen Leben: einem unentwegten, unendlichen Formenwandel.
Darein fände sich der Gedanke von Georg Cantor, der Unendlichkeit gleichfalls als unendliche Aneinanderreihung unendlicher Unendlichkeiten sah.
So aber, schreibt Ziegler, wird eine anspruchslosen, aber unanfechtbaren Morphologie eine anspruchsvolle aber anfechtbare Metaphysik hingefälscht. Damit überschreite sich die Naturwissenschaft kategorisch!
Dafür spräche auch das Bestreben der Arten, sie selbst zu bleiben - zwar nach wie vor unterscheidbar, von einzellig zu vielzellig, etc., aber nicht mehr unter dem Gesichtspunkt, daß das Moos eine Weiterentwicklung der Alge wäre, der Farn eine Vorstufe zum Lindenbaum etc., was in sich bereits eine Wertung trägt, die sich zweifellos in der Ehrfurcht allem Lebendigen gegenüber auswirkt. Damit erst entsteht auch das Element des (prinzipiellen) Kampfes der Arten, entstehen die Kategorien von Sieg und Niederlage, von minder- und höherwertigem Leben, je nach "Fortschritt". Erst unter dieser Prämisse ist das jeweils Aktuelle zum "Besseren" geworden, weil es mehr dem Leitsatz Darwins "Survival of the fittest" entspricht. In Wahrheit würde doch eine jeweilige Formveränderung als Weiterentwicklung das Überleben der jeweiligen Art - unter dieser Prämisse - eher voraussetzen, als erklären!
Nicht nur, daß dieser Gedanke von der höchst bedenklichen, ja lächerlich kindischen Prämisse ausgehe, daß der heutige Zustand nur aufgrund seiner Aktualität einen jeweiligen Höchststand der Entwicklung darstelle. Sondern weil er den Kosmos einer heimlichen Zielgerichtetheit unterwirft, der als Denkprämisse die gesamte Forschung unreflektiert duchdrungen hat.
Er verhindere damit, daß das Leben sich als spielhafter Ablauf von Varianten, in einem unendlich komplexen Zueinander, darstelle - wie es Goethe sah! Als "Ondulation" gewisser Grundtypen und -arten, wo sich niemals sagen ließe, was "weiter" oder "weniger weit" entwickelt sei - seil es jeweils nur Ausformungen des je selben Potenzenpools sind.
Das Leben, schreibt er, hat in seinem Wandel, seiner Morphologie aber vielleicht kein anderes Ziel - als sich selbst! Und in seiner jeweiligen Form ist es vollendet, so gut es ging, und steigert sich im Menschen zum wahren Selbstbesitz, im ewigen Leben: einem unentwegten, unendlichen Formenwandel.
Darein fände sich der Gedanke von Georg Cantor, der Unendlichkeit gleichfalls als unendliche Aneinanderreihung unendlicher Unendlichkeiten sah.
So aber, schreibt Ziegler, wird eine anspruchslosen, aber unanfechtbaren Morphologie eine anspruchsvolle aber anfechtbare Metaphysik hingefälscht. Damit überschreite sich die Naturwissenschaft kategorisch!
Dafür spräche auch das Bestreben der Arten, sie selbst zu bleiben - zwar nach wie vor unterscheidbar, von einzellig zu vielzellig, etc., aber nicht mehr unter dem Gesichtspunkt, daß das Moos eine Weiterentwicklung der Alge wäre, der Farn eine Vorstufe zum Lindenbaum etc., was in sich bereits eine Wertung trägt, die sich zweifellos in der Ehrfurcht allem Lebendigen gegenüber auswirkt. Damit erst entsteht auch das Element des (prinzipiellen) Kampfes der Arten, entstehen die Kategorien von Sieg und Niederlage, von minder- und höherwertigem Leben, je nach "Fortschritt". Erst unter dieser Prämisse ist das jeweils Aktuelle zum "Besseren" geworden, weil es mehr dem Leitsatz Darwins "Survival of the fittest" entspricht. In Wahrheit würde doch eine jeweilige Formveränderung als Weiterentwicklung das Überleben der jeweiligen Art - unter dieser Prämisse - eher voraussetzen, als erklären!
"Das Leben ist offenbar nirgends schöpferisch in Hinblick auf eine stets fragwürdige Vervollkommnung, sondern schöpferisch lediglich in Hinblick auf den Wandel seiner Erscheinungen und Verkörperungen." Sinnentsprechender wäre also von einem "élan formal" oder gar "élan figurel" zu sprechen, als von einem "élan vital".
Immerhin - und alleine dieser Gedanke hat doch noch kaum Eingang in die heutige Naturwissenschaft gefundne, nein: er wurde wieder ausgeschieden, "Feldtheorien" gab es längst zuhauf, doch wurden sie wegen ihrer zunehmenden Nähe zur Metaphysik als "unwissenschaftlich" ausgeschieden - haben wir es in der Natur mit jeweils abgeschlossenen, für sich seienden Einheiten zu tun, ob Teich, dieser oder jener Teich, Wald, Wiese, Insel, etc. etc. , die in sich Regel- und Erhaltungsmechanismen - wie ganzheitliche Entitäten, Seins-Einheiten, ja Organismen - aufweisen!*
Unter diesem Gesichtspunkt brennt der Gedanke, daß auch die seltsame Verschränkung, von der die Quantentheorie berichtet (Zeilinger), in dieser Richtung eine fruchtbare Erklärung finden könnte. Denn so, schriebt Ziegler, würde sich auch erklären, daß sich so viele Entwicklungsmerkmale in den paläontoogischen Zeugnissen finden, die gleichzeitig, nicht linear-kausal entstanden sein müssen: wenn jedes Lebewesen (ja jede Dingheit) in engster Verbindung mit einer "Lebewesen-Welt" begriffen würde.
Damit würde die Welt zu einer Gegenwart sich immer wieder bedingender wie wiederholender Grundtypen - von den Pflanzen, Tieren, bis zu den menschlichen Charakteren - zum immer wiederkehrenden, sich wiederholenden Spiel derselben Typen in je anderen Konstellationen. Weil es um anderes geht, als um scheinbare Form, und doch genau um die Gestalt einer jeweiligen Form, in Bescheidenheit auszufalten, in die Mit-Welt einzufalten, zu korrespondieren. Womit auch Kultur in diesen Spiralreigen der Form sich einfügt, in ihren jeweiligen Formen - der Pubertät (dem Primitiven), dem ersten Mannesalter (Klassik), dem zweiten (Barock), dem Greisenalter, der Dekadenz - und würde doch, in dieser (Goetheanischen) Art es zu sehen dem unseligen Fatalismus entkommen: das Element des handelnden Menschen würde nicht entschwinden!
Aber die Welt würde als ein Spiel der Form gedacht sein, um ihrer selbst willen da, in ihrer Ausgestalt zur puren Fülle des Hervorquellens der nie endenden Gedanken Gottes.
Immerhin - und alleine dieser Gedanke hat doch noch kaum Eingang in die heutige Naturwissenschaft gefundne, nein: er wurde wieder ausgeschieden, "Feldtheorien" gab es längst zuhauf, doch wurden sie wegen ihrer zunehmenden Nähe zur Metaphysik als "unwissenschaftlich" ausgeschieden - haben wir es in der Natur mit jeweils abgeschlossenen, für sich seienden Einheiten zu tun, ob Teich, dieser oder jener Teich, Wald, Wiese, Insel, etc. etc. , die in sich Regel- und Erhaltungsmechanismen - wie ganzheitliche Entitäten, Seins-Einheiten, ja Organismen - aufweisen!*
Unter diesem Gesichtspunkt brennt der Gedanke, daß auch die seltsame Verschränkung, von der die Quantentheorie berichtet (Zeilinger), in dieser Richtung eine fruchtbare Erklärung finden könnte. Denn so, schriebt Ziegler, würde sich auch erklären, daß sich so viele Entwicklungsmerkmale in den paläontoogischen Zeugnissen finden, die gleichzeitig, nicht linear-kausal entstanden sein müssen: wenn jedes Lebewesen (ja jede Dingheit) in engster Verbindung mit einer "Lebewesen-Welt" begriffen würde.
Damit würde die Welt zu einer Gegenwart sich immer wieder bedingender wie wiederholender Grundtypen - von den Pflanzen, Tieren, bis zu den menschlichen Charakteren - zum immer wiederkehrenden, sich wiederholenden Spiel derselben Typen in je anderen Konstellationen. Weil es um anderes geht, als um scheinbare Form, und doch genau um die Gestalt einer jeweiligen Form, in Bescheidenheit auszufalten, in die Mit-Welt einzufalten, zu korrespondieren. Womit auch Kultur in diesen Spiralreigen der Form sich einfügt, in ihren jeweiligen Formen - der Pubertät (dem Primitiven), dem ersten Mannesalter (Klassik), dem zweiten (Barock), dem Greisenalter, der Dekadenz - und würde doch, in dieser (Goetheanischen) Art es zu sehen dem unseligen Fatalismus entkommen: das Element des handelnden Menschen würde nicht entschwinden!
Aber die Welt würde als ein Spiel der Form gedacht sein, um ihrer selbst willen da, in ihrer Ausgestalt zur puren Fülle des Hervorquellens der nie endenden Gedanken Gottes.
*Ein Hinweis auf die Arbeiten von
u. a. Gurjew, Wernadse's etc. sei gestattet, aber auch wurde hier
bereits ausführlich über die Arbeiten von Woltereck hingewiesen, die
ähnliche Fragen aufwerfen.
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Vom Wert des Geldes
Geld, schreibt Ludig von Mises in seiner "Theory of money", ist keineswegs - wie oft angenommen - einfach aus einer Vereinbarung entstanden. Vielmehr ist Geld und sein Wert nicht ohne direkte und ungebrochene Verbindung zum direkten Tauschverkehr denkbar. Von dort her - wo einmal Ware war, die zunehmend Gold als Ware war, das dann in bestimte Einheiten geformt wurde, deren Wert dann garantiet wurde, bis er durch Anspruchsscheine ersetzt wurde, bis diese durch reine Wertverhältnis- und -anspruchsscheine, die heutigen Geldscheine (das Fiat-Geld, "ich glaube ..."), ersetzt wurden - hat sich das je subjektive Gefühl für den Wert des Geldes heraufentwickelt.
Kein Fiat-Geld würde je entstanden sein, wenn es diese direkte und traditionelle Verbindung zum Warenwert nicht hätte. Und kein Geld kann eingeführt werden, das nicht zuvor bereits einen realen und sinnlich erfaßbaren Tauschwert hatte. Insofern läßt sich in jedem Geld (der Welt) eine historische Spur des Wertverhaltens zurückverfolgen, die bis in graue Vorzeit reicht, ehe sie sich verliert. Preisveränderungen, die letztlich immer subjektive Wertschätzungen ausdrücken, sind rückverfolgbar, und zeigen sehr real kulturelle Verschiebungen und Verwerfungen. Umgekehrt sind mache Preise (v. a. für Produkte deren Funktion und Bedeutung sowie deren Produktionsbedingungen sich nie entscheidend geändert haben, wie bei Bekleidung) über Jahrhunderte rückverfolgbar - und haben kaum Änderungen aufzuweisen!
Das hat natürlich Konsequenzen für die Einführung neuen Geldes, und man hat es beim Euro im Jahre 2003 deutlich gemerkt. Erst allmählich hat sich die Bevölkerung aus den alten Wertgefügen ans das neue Geld herangetastet, und dabei stets die alten Wertbezüge transformiert. Bis auch der Euro wieder Wertbezug hatte. Für ältere Leute ist das natürlich weit mehr Problem, als für junge. Und es war mehr Problem für Länder, deren Währungseinheiten in grobem Mißverhältnis zu den neuen Grundeinheiten war.
Durchaus ist da Österreich zu nennen, dessen Schilling nur der 13,7609te Teil der neuen Grundeinheit Euro wert war. Das Grund-Wert-Gefühl bildet sich aber zur Grundeinheit einer Währung! Und das ging mit dem Euro völlig verloren, fiel aus allem gefühlten Rahmen: Schlagartig hat sich auch das Wertgefüge auf die alte 10-Schillingmünze konzentriert, d. h. fast über Nacht sind die alten 10-Schilling-Werte auf den Euro (die von der Münze her am ähnlichsten waren) transferiert worden, und haben das Wertgefühl der Menschen dramatisch getäuscht - denn sie hatten mit einer Preiserhöhung für Kleingüter von 30 Prozent also zu tun. Teilweise wurden vom sinnlichen Wertgefühl für die Münze her sogar sogar 10 Schilling = 2 Euro, also das 2,7fache!, akzeptiert!
Man könnte also zu dem Schluß kommen, daß die exorbitante Ausweitung der Schulden der Staaten der Eurozone seit 2003 - und eine solche gab es! die Schulden stiegen seither progressiv! - sehr maßgeblich vom Verlust des Wertgefühls für Geld motiviert sind. Es fehlte einfach das Gefühl für den Wert der ständig weiter und gesteigert angehäuften Schulden. Denn was die Mathematik schafft - das menschliche Wertgefühl in seiner Herabkunft aus der Vergangenheit akkomodiert sich nur über Jahrzehnte, wenn überhaupt, einer willkürlich gewählten Werteinheit gegenüber.
Mittlerweile hat jeder Staatsbürger Österreichs (trotz stark gestiegener Bevölkerung!) eine vom Staat angehäufte Schuldenlast von fast 400.000 Schilling, jeder Erwerbstätige (auch diese Zahl ist stark gestiegen) 700.000 Schilling zu tragen! Nicht berücksichtigt sind dabei die Schuldenlasten der Länder und der Gemeinden - die zusammen noch einmal rund 2/3 so viel ausmachen! Aus menschlichem Kalkül gibt es dabei eine klare Antwort: das kann kein Mensch "erarbeiten", wie man das nannte. Man kann mit normaler Arbeit und normalen Zinsen und Einkommen solche Schulden nicht mehr abbezahlen.
Die normalen Staatsschulden - hier der aktuelle Wert - betragen die phantastische Zahl von rund 3 Billionen Schilling. Das sind rund 73 % des Gesamteinkommens (BIP) Österreich, 4 % des BIP sind bereits Zinsen. Wobei das BIP für diese Bezüge ein ungeeigneter und schönfärberischer Wert ist. Weil nur der wirklich wertschaffende produzierende Sektor herangezogen werden dürfte - keine Verwaltung, kein Beamter, keine Lehrergehälter etc., ja nicht einmal Bankengewinne.
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Kein Fiat-Geld würde je entstanden sein, wenn es diese direkte und traditionelle Verbindung zum Warenwert nicht hätte. Und kein Geld kann eingeführt werden, das nicht zuvor bereits einen realen und sinnlich erfaßbaren Tauschwert hatte. Insofern läßt sich in jedem Geld (der Welt) eine historische Spur des Wertverhaltens zurückverfolgen, die bis in graue Vorzeit reicht, ehe sie sich verliert. Preisveränderungen, die letztlich immer subjektive Wertschätzungen ausdrücken, sind rückverfolgbar, und zeigen sehr real kulturelle Verschiebungen und Verwerfungen. Umgekehrt sind mache Preise (v. a. für Produkte deren Funktion und Bedeutung sowie deren Produktionsbedingungen sich nie entscheidend geändert haben, wie bei Bekleidung) über Jahrhunderte rückverfolgbar - und haben kaum Änderungen aufzuweisen!
Das hat natürlich Konsequenzen für die Einführung neuen Geldes, und man hat es beim Euro im Jahre 2003 deutlich gemerkt. Erst allmählich hat sich die Bevölkerung aus den alten Wertgefügen ans das neue Geld herangetastet, und dabei stets die alten Wertbezüge transformiert. Bis auch der Euro wieder Wertbezug hatte. Für ältere Leute ist das natürlich weit mehr Problem, als für junge. Und es war mehr Problem für Länder, deren Währungseinheiten in grobem Mißverhältnis zu den neuen Grundeinheiten war.
Durchaus ist da Österreich zu nennen, dessen Schilling nur der 13,7609te Teil der neuen Grundeinheit Euro wert war. Das Grund-Wert-Gefühl bildet sich aber zur Grundeinheit einer Währung! Und das ging mit dem Euro völlig verloren, fiel aus allem gefühlten Rahmen: Schlagartig hat sich auch das Wertgefüge auf die alte 10-Schillingmünze konzentriert, d. h. fast über Nacht sind die alten 10-Schilling-Werte auf den Euro (die von der Münze her am ähnlichsten waren) transferiert worden, und haben das Wertgefühl der Menschen dramatisch getäuscht - denn sie hatten mit einer Preiserhöhung für Kleingüter von 30 Prozent also zu tun. Teilweise wurden vom sinnlichen Wertgefühl für die Münze her sogar sogar 10 Schilling = 2 Euro, also das 2,7fache!, akzeptiert!
Man könnte also zu dem Schluß kommen, daß die exorbitante Ausweitung der Schulden der Staaten der Eurozone seit 2003 - und eine solche gab es! die Schulden stiegen seither progressiv! - sehr maßgeblich vom Verlust des Wertgefühls für Geld motiviert sind. Es fehlte einfach das Gefühl für den Wert der ständig weiter und gesteigert angehäuften Schulden. Denn was die Mathematik schafft - das menschliche Wertgefühl in seiner Herabkunft aus der Vergangenheit akkomodiert sich nur über Jahrzehnte, wenn überhaupt, einer willkürlich gewählten Werteinheit gegenüber.
Mittlerweile hat jeder Staatsbürger Österreichs (trotz stark gestiegener Bevölkerung!) eine vom Staat angehäufte Schuldenlast von fast 400.000 Schilling, jeder Erwerbstätige (auch diese Zahl ist stark gestiegen) 700.000 Schilling zu tragen! Nicht berücksichtigt sind dabei die Schuldenlasten der Länder und der Gemeinden - die zusammen noch einmal rund 2/3 so viel ausmachen! Aus menschlichem Kalkül gibt es dabei eine klare Antwort: das kann kein Mensch "erarbeiten", wie man das nannte. Man kann mit normaler Arbeit und normalen Zinsen und Einkommen solche Schulden nicht mehr abbezahlen.
Die normalen Staatsschulden - hier der aktuelle Wert - betragen die phantastische Zahl von rund 3 Billionen Schilling. Das sind rund 73 % des Gesamteinkommens (BIP) Österreich, 4 % des BIP sind bereits Zinsen. Wobei das BIP für diese Bezüge ein ungeeigneter und schönfärberischer Wert ist. Weil nur der wirklich wertschaffende produzierende Sektor herangezogen werden dürfte - keine Verwaltung, kein Beamter, keine Lehrergehälter etc., ja nicht einmal Bankengewinne.
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Mittwoch, 13. Juli 2011
Überschätzte Mafia - II
Teil 2) Der moderne Sozialstaat entstand als Konkurrenz zur Mafia
Überall, wo staatliche Regelung nicht ausreicht, oder wo Bedarf nach
Illegalem besteht, besteht somit Bedarf nach Mafia. Das hat sich in der
UdSSR gezeigt, die bekannt mafiös durchsetzt war, und wo die Mafia auch
den Systemsturz problemlos überlebt hat, als Staat im Staat. Wer zur
Zeit der Wende 1989ff. in unseren Landen ein Unternehmen besaß weiß mit
hoher Wahrscheinlichkeit ein Lied davon zu singen: Kaum jemand der nicht
Besuch von adrett gekleideten Herren mit russischem Akzent bekam, die
ihm ihre Dienste zur Eintreibung von Schuldden anboten! Aber sie haben
sich wohl getäuscht, bis auf Einzelfälle war in Österreich nichts zu
holen.
Aber die Mafia tut sich aus ihrer Natur heraus schwer, sich auszubreiten, und scheitert häufiger, als man meinen könnte. Signifikant dafür ist das Mißlingen des Aufbaus eines Netzes der sizilianischen Mafia in Verona, um wieder aus dem FAZ-Bericht
zu zitieren - es gab eine starke regionale Mafia, der Markt war für das
neue Netz zu groß (!), und die alten Mafiamitglieder trauten einander,
ihre Handelswege waren eingespielt. Die sizilianische Mafia konnte die
Kontrolle nicht erobern, und mußte sich wieder zurückziehen.
Ähnliches berichten die Studienautoren aus Oxford, zwei Italiener, über die Mafia in Argentinien. Auch dort gelang es ums Jahr 1900 nicht, Fuß zu fassen, obwohl dorthin sogar viele Italiener ausgewandert waren. Aber der Markt war unbeherrschbar, die Konkurrenz zu groß, die Bauwirtschaft (auf die die Mafia abzielte) zu kleinstrukturell organisiert. Arbeiter gab es unkontrolliert und unbegrenzt aus der eigenen Landflucht, und die Gewerkschaften standen unter der Knute des Staates.
Anders z. B. in Ungarn ab 1989. Hier kam es aus der Privatisierungswelle heraus zur wirklichen Ausbildung
einer Tochterorganisation der russischen Mafia, weil der Bedarf vorhanden war: vieles war noch ungeregelt, gleichzeitig war viel "brauchbares" und vernetztes Personal aus der kommunistischen Ära freigesetzt. Von 1989 bis 1998 gab es in Ungarn nicht weniger
als 100 Bandenmorde, und 170 Sprengstoffanschläge.
Es braucht
Soziotope, die ein zweites Rechtssystem brauchen, aber es auch
akzeptieren. Darum sieht die Mafia auch Schutzgelder folgerichtig als
"Steuern". Sie schützt, wo man mit keinem staatlichen Schutz rechnen
kann. Die Mafia bietet noch dazu nicht einfach Schutz, den man
nachträglich einklagen kann - sie garantiert ihn, durch ihr
System der Angst, die wiederum nur persönlich funktioniert, durch die
Personen, die die Mafia sind.
Deshalb hat auch in der Vergangenheit belegbar der Export der Mafia nur funktioniert, wenn er vom Export entsprechendem Rechtsgefühls getragen war - wie Sizilien/USA, wo es erst zu einer Mafia in New York gekommen war, als die Zahl der Italiener dort von 1903 bis 1913 von 150.000 auf 500.000 gestiegen war, 80 % davon aus Sizilien stammend. Blieb sie am Anfang noch auf kleine Verbrechen beschränkt - Erpressung, Raub - blühte sie erst auf, als es (Freud schreibt: "unter dem Einfluß der Weibergesellschaften") zur Prohibition kam.
Ähnlich verhält es sich mit den chinesischen und japanischen Organisationen. So gibt es in Deutschland erst eine Mafia,
seit sich ausreichend Italiener hier niedergelassen haben. Unter
Deutschen fand solch ein System keinen ausreichenden Boden, denn sie
braucht eine gewisse gesetzliche Liberalität, ungeregelte Zonen, in denen sich ein bestimmtes subjektives Rechtsgefühl breitmachen kann. Je
intensiver eine Region explizit gesetzlich geregelt ist, desto weniger Boden
findet Mafia.
Und das läßt ihr Wesen, ihren geistig-mentalen Urgrund deutlicher werden, also so vieles andere.
Es überrascht nämlich unter diesem unseren Blickwinkel überhaupt nicht
mehr zu hören, daß die Mafia (in Unteritalien) zu einem Zeitpunkt
begann, als die alten gesellschaftlichen Ordnungen und Wertegefüge -
durch die Französische Revolution und den Vollender ihres
Zerstörungswerkes, Napoleon - definitiv auseinanderbrachen. Der moderne Staat, der in der zweiten Hälfte des 19. Jhds. überall entstand,
befriedigt im Grunde exakt dieselben positivistisch-rationalistischen
Regelungsbedürfnisse der Bevölkerungen, und orientiert sich wie die
Mafia an nur graduell verschiedenen diesseitigen
Gerechtigkeitsvorstellungen. Totaler Sozialstaat und Mafia sind also "Schwestern der modernen Gesellschaften".
Aber ihr Problem, so die Studie, ist eben viel mehr
unter soziologischen, sekundär erst unter ökonomischen Gesichtspunkten
zu sehen, weit weniger aber unter ethnologischen Aspekten, als man
bisher dachte. Auch ihr globales Agieren muß neu bewertet werden. Ein
personales System kann sich nie so ungehindert ausbreiten wie eine
moderne Betriebsorganisation - es klebt zu sehr an den Personen. Ja, die Mafia hat nicht einmal ein wirkliches Motiv, die regionalen Grenzen zu überschreiten. Die Gründung von Tochternetzwerken entstand erst unter dem Druck der Migration, und diese gehen auch nicht über diese "regionalen" Gruppen hinaus.
So gibt es
zwar Mafiagesellschaften über den gesamten Erdball, als paralleles
Rechtssystem, das sogar in manchen Gebieten das staatliche Rechtssystem
in der Hand hat, aber wirklich global werden sie nie agieren können. Nicht zumindest im selben Maß wie man es ihnen aus den regionalen Erfahrungen heraus bisher beigemessen hat. Sie brauchen spezifische Bedingungen, Gesellschaften die in starkem Wandel begriffen sind, wo neue Märkte entstehen, und wo das Rechtssystem nicht mehr Schritt hält. Oder wo das Rechtssystem für Korruption Angriffsstellen bietet.
Es ist jedenfalls kein Zufall, daß die Studienautoren zu dem Schluß kommen, daß die Rechtssysteme rasch und weitgehend ausgebaut werden müssen, um der Mafia den Boden zu nehmen - sie agieren am selben Markt, und befriedigen dieselben Bedürfnisse.
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Ein problematischer Fall
Es stimmt, was Andrea Gagliarducci in seinem Blog - er ist dem Verfasser dieser Zeilen aus dem Treffen im Vatican vom vergangenen Mai bekannt - schreibt: die Wahlerfolge in Finnland und Ungarn zeigen, daß es sich - katholische! - Parteien sehr wohl leisten können, mit offenem Visier zu kämpfen. Die Zeiten, wo man aus Vor- und Rücksicht meinte, ein vorsichtiges Verklausulieren der wirklichen An- und Absichten würde mehr bewirken, als mit erwarteter Ablehnung zerstört würde.
Den Linken ist in den letzten Jahrzehnten nämlich gar nicht gelungen, die Menschen "umzudrehen" - es ist ihnen aber gelungen alle GLAUBEN ZU MACHEN, daß überall anders gedacht würde, als es ihr Hausverstand ihnen nahelegt. Der Linken ist gelungen, aus ihrem Denken eine Moral des Gesollten aufzurichten, das gerade in aller Widersprüchlichkeit und Irrationalität jeden Legitimationsbezug - eine, wie ich hier immer wieder darzulegen versucht habe, in ihrem tiefsten Grund irrationale "Wissenschaftlichkeit" als Denkparadigma! - für sich in Anspruch nimmt. Damit hat sie es geschafft, die Menschen zu paralysieren: ihr eigenes Denken und Empfinden wird als illegitim und unmoralisch abgelehnt. Weil sie aber damit ihre Handlungsgrundlage verlieren, bleiben sie politisch machtlos und willfährig. Oder - und darin liegt die Begründung für die steigende Wahlabstinenz der Bevölkerungen - sie kommen in unauflösbare Widersprüche, die sie nur noch durch Fernbleiben von den Wahlurnen bewältigen können. Solange diese Prozesse aber die Machtverhältnisse regeln, kommen die herrschenden Systeme in immer größeren Widerspruch zum Empfinden der Bevölkerungen.
Mittlerweile muß man akzeptieren, daß sich der Kulturkampf in Europa und auf der Welt nicht einfach als Kampf der Religionen sehen läßt. Sondern er ist ein Kampf der Religiosität an sich gegen die Dämonie und Schreckensherrschaft des Rationalismus, eines technizistischen Wissenschaftsbegriffs, der seine eigene Relativität vergessen hat, und sich auf denkerisch groteske Weise verabsolutiert, damit - so nebenbei - verblödet. Die Frage bleibt freilich, ob nicht manches als "Religion" auftritt, dem dieses Etikett an sich vorenthalten werden müßte.
Ob nicht z. B. der Protestantismus an sich eine a-religiöse Haltung ist. Ob nicht der Islam an sich Religionszerstörung betreibt, weil auch er ein System des Moralismus ist, und KEIN "magischer" (man verzeihe den seltsamen Hilfsbegriff, er sein ausnahmsweise hier einmal gestattet) Weltzugang. Denn Religiosität hat ganz gewiß ein Kriterium, an dem auch Religionen zu unterscheiden sind: sie hat Liturgie.
Wo immer die Liturgie aber in eine Veranstaltung gezielter, gar methodischer subjektiver Befindlichkeitsveränderung oder Moralisierung umschlägt, wo das das Fundament "religiöser" Veranstaltung ist, hat sie sich bereits vom Wesen des Religiösen losgerissen. Denn der Italiener steht für den Verfasser dieser Zeilen sehr wohl unter dem Verdacht, daß er - wie so viele Strömungen in der Kirche, die fatal irrtümlich für "Aufbrüche" gehalten werden, in Wirklichkeit der definitive Abgesang sind - religiös etikettierte Scheinwirklichkeit für Religion und religiöses Gefühl hält.
Das macht auch solche Anklänge sehr problematisch und sogar fraglich. Denn das Christentum kann keine Weltanschauung sein - es ist eine persönliche Haltung im Umgang mit der Welt. Und hier laufen die Grenzen ganz anders: hier scheidet sich der Mensch in religiös, weil er an die Relevanz der Evidenz der Wirklichkeitsbegegnung glaubt, oder a-religiös, wo die Welt in technische Abläufe zerfällt, die keinerlei Relevanz für den Weg zu Gott haben. Und unter diesem Gesichtspunkt gesehen, erkennt man schon, worauf es hinausläuft: so mancher, der sich als "religiös" bezeichnet, ist es nämlich nicht.
Umgekehrt gibt es ihn tatsächlich, den "anonymen Religiösen". (Von wo zum "Gläubigen" oder "Katholiken" es natürlich noch ein tüchtiger Schritt ist.)
Deshalb aber kann es auch keine "christliche Politik" geben, eine solche wäre bestenfalls naiver, ja gefährlich unsachgemäßer, inhaltsleerer Moralismus. Politik ist eine weltlich-menschliche, schöpferischer Veranstaltung, Ausfluß gottgewollter menschlicher Weltgestaltung, und nur insofern hat sie mit Gott zu tun. Aber in ihrer Natur - als menschlichen Selbstvollzug, zu dem die größere Freiheit der Gnade "lediglich" noch mehr befähigt. Aber die nicht ihr Inhalt sein kann.
Wenn also eine Politik "christlich" genannt werden kann, dann weil sie z. B. gesundes Volksempfinden berücksichtigt und umsetzt, indem sie auf einem Denken aufbaut, das sich seiner Wurzeln in der Evidenz der sinnlichen Weltwahrnehmung bewußt ist - in aller Relativität (u. a. der Sittlichkeit, auch das aber ist etwas anderes als Moralismus!), gewiß, aber in seiner letztlich einigen Relevanz. Nicht, weil sie "christlich" in Dokumente schreibt oder in der Verfassung verankert (auch wenn dagegen nichts zu sagen ist). Daran sind auch die Politiker in Ungarn und Finnland zu messen.
Gagliarducci schreibt also:
Den Linken ist in den letzten Jahrzehnten nämlich gar nicht gelungen, die Menschen "umzudrehen" - es ist ihnen aber gelungen alle GLAUBEN ZU MACHEN, daß überall anders gedacht würde, als es ihr Hausverstand ihnen nahelegt. Der Linken ist gelungen, aus ihrem Denken eine Moral des Gesollten aufzurichten, das gerade in aller Widersprüchlichkeit und Irrationalität jeden Legitimationsbezug - eine, wie ich hier immer wieder darzulegen versucht habe, in ihrem tiefsten Grund irrationale "Wissenschaftlichkeit" als Denkparadigma! - für sich in Anspruch nimmt. Damit hat sie es geschafft, die Menschen zu paralysieren: ihr eigenes Denken und Empfinden wird als illegitim und unmoralisch abgelehnt. Weil sie aber damit ihre Handlungsgrundlage verlieren, bleiben sie politisch machtlos und willfährig. Oder - und darin liegt die Begründung für die steigende Wahlabstinenz der Bevölkerungen - sie kommen in unauflösbare Widersprüche, die sie nur noch durch Fernbleiben von den Wahlurnen bewältigen können. Solange diese Prozesse aber die Machtverhältnisse regeln, kommen die herrschenden Systeme in immer größeren Widerspruch zum Empfinden der Bevölkerungen.
Mittlerweile muß man akzeptieren, daß sich der Kulturkampf in Europa und auf der Welt nicht einfach als Kampf der Religionen sehen läßt. Sondern er ist ein Kampf der Religiosität an sich gegen die Dämonie und Schreckensherrschaft des Rationalismus, eines technizistischen Wissenschaftsbegriffs, der seine eigene Relativität vergessen hat, und sich auf denkerisch groteske Weise verabsolutiert, damit - so nebenbei - verblödet. Die Frage bleibt freilich, ob nicht manches als "Religion" auftritt, dem dieses Etikett an sich vorenthalten werden müßte.
Ob nicht z. B. der Protestantismus an sich eine a-religiöse Haltung ist. Ob nicht der Islam an sich Religionszerstörung betreibt, weil auch er ein System des Moralismus ist, und KEIN "magischer" (man verzeihe den seltsamen Hilfsbegriff, er sein ausnahmsweise hier einmal gestattet) Weltzugang. Denn Religiosität hat ganz gewiß ein Kriterium, an dem auch Religionen zu unterscheiden sind: sie hat Liturgie.
Wo immer die Liturgie aber in eine Veranstaltung gezielter, gar methodischer subjektiver Befindlichkeitsveränderung oder Moralisierung umschlägt, wo das das Fundament "religiöser" Veranstaltung ist, hat sie sich bereits vom Wesen des Religiösen losgerissen. Denn der Italiener steht für den Verfasser dieser Zeilen sehr wohl unter dem Verdacht, daß er - wie so viele Strömungen in der Kirche, die fatal irrtümlich für "Aufbrüche" gehalten werden, in Wirklichkeit der definitive Abgesang sind - religiös etikettierte Scheinwirklichkeit für Religion und religiöses Gefühl hält.
Das macht auch solche Anklänge sehr problematisch und sogar fraglich. Denn das Christentum kann keine Weltanschauung sein - es ist eine persönliche Haltung im Umgang mit der Welt. Und hier laufen die Grenzen ganz anders: hier scheidet sich der Mensch in religiös, weil er an die Relevanz der Evidenz der Wirklichkeitsbegegnung glaubt, oder a-religiös, wo die Welt in technische Abläufe zerfällt, die keinerlei Relevanz für den Weg zu Gott haben. Und unter diesem Gesichtspunkt gesehen, erkennt man schon, worauf es hinausläuft: so mancher, der sich als "religiös" bezeichnet, ist es nämlich nicht.
Umgekehrt gibt es ihn tatsächlich, den "anonymen Religiösen". (Von wo zum "Gläubigen" oder "Katholiken" es natürlich noch ein tüchtiger Schritt ist.)
Deshalb aber kann es auch keine "christliche Politik" geben, eine solche wäre bestenfalls naiver, ja gefährlich unsachgemäßer, inhaltsleerer Moralismus. Politik ist eine weltlich-menschliche, schöpferischer Veranstaltung, Ausfluß gottgewollter menschlicher Weltgestaltung, und nur insofern hat sie mit Gott zu tun. Aber in ihrer Natur - als menschlichen Selbstvollzug, zu dem die größere Freiheit der Gnade "lediglich" noch mehr befähigt. Aber die nicht ihr Inhalt sein kann.
Wenn also eine Politik "christlich" genannt werden kann, dann weil sie z. B. gesundes Volksempfinden berücksichtigt und umsetzt, indem sie auf einem Denken aufbaut, das sich seiner Wurzeln in der Evidenz der sinnlichen Weltwahrnehmung bewußt ist - in aller Relativität (u. a. der Sittlichkeit, auch das aber ist etwas anderes als Moralismus!), gewiß, aber in seiner letztlich einigen Relevanz. Nicht, weil sie "christlich" in Dokumente schreibt oder in der Verfassung verankert (auch wenn dagegen nichts zu sagen ist). Daran sind auch die Politiker in Ungarn und Finnland zu messen.
Gagliarducci schreibt also:
Finnish and Hungarian cases, on the other hand, show another side of the
truth: if two parties of Catholic roots are able to get such percentage
of votes, it means that people have the need to refer to Catholic
values. The resurgence
of religions is now taking place. Soimi understood it, and intercepted
the discontent of religious groups, and – in the name of common
interests, and without exception (he addressed to Catholics,
Protestants, Muslims, Jewish) – he gathered all religions under the
umbrella of shared values in the name of common good. A sort of Alliance of the Sacred, that John Paul II himself promoted to weighs on in international debates.
***
Es bleibt nur Barbarei - II
2. Teil) Der Totalitarismus des Wissens statt Erkenntnis
Damit haben sich
unsere kulturellen, gesellschaftlichen Grundlagen von den Prinzipien weg- und
zu konkreten Wissensinhalten hinverlagert! Genau das ist auch zu beobachten:
Die Identifikation mit vermeintlich Gewußtem, mit vermeint „sicheren
Wissensinhalten“ – und nur noch „solche“ werden an den Schulen vermittelt, das
geistige Instrumentarium, sie zu hinterfragen, fehlt mittlerweile völlig!
- ist so weitgehend, daß andere
Auffassungen, Meinungen längst als existentielle Bedrohung betrachtet und
bekämpft werden, vor allem wenn es um fundamentale „Wissensinhalte“ geht, die
ein gesamtes Weltbild stützen bzw. hinterfragen. Gleichzeitig verlagert sich
existentielle Sicherheit und Verankerung auf pures Verhalten: Man beobachte
deshalb die Diskussionen um Evolution/Schöpfung, aber noch mehr alles, was als
ethische Priorität gereiht wird, in allen Wirkmechanismen:
Klimatheorie/-wandel, das Gedeihen von Verschwörungstheorien, etc. Wissen,
Wissensinhalt wird solcherart zum Dogma! Denn die Struktur des Wissenserwerbs
selber – früher alleiniger Inhalt der Universität! – wurde und wird unantastbares,
fundamentales Dogma selbst.
Wissen wird in seinem
Anspruch totalitär. Umso mehr, als geisteswissenschaftliche Methoden –
Mathematik, Statistik – die Naturwissenschaften vermeintlich unantastbar
objektiv machen. Die galileischen Prinzipien dringen in jede Disziplin ein, und
stürzen sie um. Fast unmerklich gibt jede ihren transzendentalen Bezug auf und
unterwirft sich. Damit werden die Elemente unserer Kultur entleert und
zerstört. Sie sind nicht mehr sie selbst, sondern nur noch hinsichtlich ihrer
Funktionen bedeutsam: in ihrer Bedeutung für gesellschaftliche Prozesse,
psychoanalytisch, etc. In den Schulen dienen sie nur noch insofern, als
sie die Einfügung der Schüler in gesellschaftliche Abläufe fördern oder nicht.
Sprachen sollen nur noch dem Umgang mit dem täglichen Leben dienen, so
oberflächlich das auch sein mag. Ja die Vulgarität wird sogar primär weil
einfachster „Zugang“. Alte Sprachen werden wertlos, sofern sie es nicht noch
gerade schaffen, irgendeinen Nutzen vorzuweisen (entsprechend die
Argumentation: „Förderung der Gewandtheit des Denkens“ etc.) – dabei sind sie
zum Bersten voll mit Kultur!
Aber sogar der
Philosophie wird ihr eigener Gegenstand – das Leben selbst, seine Theorie –
geraubt. Weil dogmatisch die Subjektivität ausgeschieden wird, innerhalb einer
Problematik der Erkenntnis, deren Wesen das Subjekt ist!, bleibt nur noch
Sinnlosigkeit und Konstruktivismus. Während das Gefühl über Hintertreppen
wieder zurückkehrt, und in einen jede Form und Denkgestalt zurückweisendem, haltlosen
Subjektivismus der Beliebigkeit mündet. Die Philosophie selbst aber wurde zur
Epistemologie, zur Forschung über sich und das Wissen selbst, zur
Wissenschaftsgeschichte, die die Frage, ob man sie nicht überhaupt abschaffen
sollte, gar nicht mehr beantworten kann, weil sie keine Welt mehr abbildet.
Und von der
Psychologie ohnehin längst in der Deutungshoheit entwertet wird: als rein
biologistischer Verhaltensprozeß, zu dem alles menschliche Verhalten degradiert
wird: die alles Menschliche durch etwas Nicht-Menschliches, durch materiale,
biologische Prozesse, angeblich und postulativ erklärt. Damit wird der Mensch
endgültig galileisch-mathematisch aufgelöst.
***
Dienstag, 12. Juli 2011
Es bleibt nur Barbarei - I
Was, so fragt Michel Henry, kann eine Universität (und der
von ihr heraus abgestufte Lehrbetrieb einer Gesellschaft) überhaupt noch
bedeuten, wenn die Grundfaktoren einer Kultur, ihre Grundformen – Kunst,
Religion, Ethik – von der Universität verkannt werden? Sie benennt heute zwar
Prioritäten, Werte – Objektivität, Unparteilichkeit und folglich „Strenge“,
Neutralität – aber wie sollen sich diese Werte legitimieren lassen, wenn sie
nicht aus dieser Ethik heraus geboren und hinterfragt werden? Die Wahlentscheidungen
der Universität werden außerhalb aller Ethik und alles Lebens getroffen, ja
nachgerade dieses Außerhalbstehen ist ihr Kriterium (was an sich ja bereits
eine ethische Entscheidung ist!) Damit sind diese Wahlentscheidungen solche
ohne Wahl, in unmenschlicher Radikalität und Gewalt. Sie werden getroffen in
einem galileischen Raum des „Wissens“, einem radikalen Postulat.
Sie läßt die im Ursprung radikale Trennung Universität –
Welt fallen. Der technische Gehalt der Welt wird (und wurde) zum Gehalt der
Universität, sodaß diese in einem langen Prozeß gleichfalls begann bzw.
beginnt, Kultur bewußt und systematisch aus ihr auszuschließen. Dieses Prinzip
hat mittlerweile die gesamte Erde verheert, alle Kulturen, ausnahmslos, erfaßt
und zerstört.
In ihrem Ursprung erfaßte die Universität Theologie und
Philosophie. In ihrer Mitte aber treten die Galileischen Prinzipien auf, und
nun treten die modernen Wissenschaften auf den Plan, und verändern radikal die
Wissenschaften: sie schließen das Subjekt aus, und objektivieren (im
galileisch-mathematischen Postulat) das Naturseiende, das von allen sinnlichen
Qualitäten entblößt wird. Die Humanwissenschaften hören auf, vom Menschen zu
sprechen – sie sprechen nur noch vom „Anderen seiner selbst“, der Mensch wird
zum statistischen „Objekt“, seine Lebensäußerungen an seiner Statt zum Objekt
des Forschens. Der Mensch läst sich auf in Neuronen und Atome, Moleküle und
Prozesse.
Die
Geisteswissenschaften, die noch vom Menschen sprachen, ihn suchten, werden
zugunsten der Naturwissenschaften verdrängt. An allen Höheren Schulen passiert
genau dasselbe. Pädagogik wird vom Inhalt getrennt, Lernen vom Inhalt unabhängig,
der Lehrende wird vom Identifikationssubjekt, der repräsentiert und
repräsentieren muß, was er lehrt, zum Ingenieur der Inhaltsvermittlung. Während
aber „Lernen“ das imitative Nachvollziehen eines Inhalt bedeutet, ein
personaler, persönlicher Akt ist!
Somit wird an den
Schulen etwas gelehrt, das gar nicht mehr abzugrenzen ist, weil es aufgrund der
Natur des Menschen vom identifikationsprozeß „natürlich“ auch weiterhin gar
nicht zu lösen ist.
Mit der
Marginalisierung der Philosophie in den Höheren Schulen aber wird jene Instanz
ausgeschaltet, die das zu Wissende einer subjektiven Beurteilung unterzieht –
Wissensinhalt entzieht sich der Kritik einer von ihm verschiedenen Instanz!
Morgen 2. Teil) Der Totalitarismus des Wissens statt Erkenntnis
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Bis zur Bildschärfe
Was sehen wir hier? Wir erfassen Bildpunkte, Häufungen von Bildpunkten, und komponieren aus Details eine Geschichte, die sich in den Bilddaten zu verifizieren sucht. Wir "erfinden" diese Geschichte nicht - wir ersuchen sie zu "finden". So schauen wir das Wesen einer Handlung, eines Dings. Schauen braucht Zeit! Nur so dringen wir durch unsere eigenen Schichten, befreien uns von allen Nebeln, und legen den Logos frei. Bis das Bild scharf ist.
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| Ken Schles - Seen on everyday_i_show |
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Überschätzte Mafia - I
Es ist die Nachfrage nach Bedürfnissen, die das normale Rechtswesen eines Staates nicht befriedigt, die das eigentliche Geschäft der Mafia ausmacht, schreibt die FAZ in einem Bericht über eine große Oxforder Studie über das Wesen des organisierten Verbrechens. Die ein gewisses Umdenken verlangt, denn man hat bisher die Mafia vielfach falsch eingeschätzt.
Eine Mafia funktioniert nämlich nur in begrenztem Rahmen. Eine Gesellschaft, die aus lauter Verbrechern besteht, hat ein akutes Vertrauensproblem. Damit ist einer Organisation eine natürliche Grenze gesetzt - wem trauen? Eine große Gesellschaft funktioniert nur mit hochgradiger Arbeitsteilung, und die braucht Vertrauen, klare Kompetenzregelung. Aber selbst das simple Anfertigen eines Organigramms bildet ein Sicherheitsproblem. Eine Mafia kann ihre Entscheidungen nicht formalisieren, wie es ein Unternehmen vermag.
Also bleibt nur die persönliche Kontrolle - und die ist durch das Anwesenheitsprinzip kapazitätsmäßig begrenzt. Deshalb funktioniert Mafia immer nur regional, in überschaubaren Verhältnissen, und sie funktioniert nur durch Beitritt "ganzer Personen" - nicht als "Nebenbeschäftigung", von der man sich auch wieder distanzieren kann. Selbst die Kommunikationsmittel der Gegenwart entsprechen nicht den spezifischen Anforderungen dieser Personalität - es braucht persönliche Nähe von "Boss" und "Befehlsempfänger".
Die Globalisierung bietet deshalb für sie sogar eine gewisse Existenzgefahr, weil z. B. Drogenimporte aus Drittländern nach Deutschland, als Beispiel, nicht mehr kontrollierbar sind. Aber die wirtschaftlichen Interessen der Mafia hat man bisher sowieso vom Prinzip her falsch eingeschätzt. Ihr Geschäft ist die Gewalt, nur durch dieses Prinzip funktioniert solch eine Gesellschaft.
Entsprechend dominieren auch als Führungspersonal Personen, deren Qualifikation spezieller Natur ist - der letzte aufgegriffene Mafiapate war im Grunde Schafhirte, mit entsprechendem intellektuellem Hintergrund, der aber persönlich gefürchtet war, weil er fünfzig Personen mit eigenen Händen erwürgt hatte. Die Mafia ist deshalb im wahrsten Sinn eine "Industrie der Gewalt". Das ist ihr eigentliches Geschäft - sie ist ein personenzentriertes Gewaltsystem.
Morgen Teil 2) Der moderne Sozialstaat entstand als Konkurrenz zur Mafia
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Wüste Machinationen
Von D erhielt ich einen kurzen Text, der einen schaudern machte, wenn man nicht wüßte, daß es das alles ja gar nicht gibt, daß es nur Gedankenspielchen einiger wirrer Köpfe sind, die aus dem Beobachteten, der Kontur eines tragischen Geschehens, eine paranoide Strategie machen. Hoffentlich.
Einen mittelamerikanischen und südamerikanischen Staat nach dem anderen
haben US-Banken nach der selben Erfolgsformel für US-Banken in den Ruin
getrieben. Zuerst wurden relativ kleine Kredite gewährt, dann wurden
mehr Kreditnehmer in den Markt gelockt - auch nichtamerikanische Banken -
dann wurde das Rating gesenkt und die Zinsen erhöht und wenn die
Staaten die enorme Zinslast nicht mehr packten wurden die Anleihen auf
Termin verkauft und nach der Staatspleite billigst zurückgekauft und die
Kontrakte mit Gewinnen in Höhe dutzender Milliarden aus Bankensicht
geschlossen. Die Staaten waren ruiniert, die US-Banken haben dabei aber
immer wieder dutzende Milliarden mit dem selben Trick abgezockt.
***
Montag, 11. Juli 2011
Nichts steht
Das Bild entsteht erst im Akt des Sehens, der ein Akt des Komponierens im Betrachter ist. Das Sehen ist deshalb nicht weniger bedeutend, als das Herstellen einer Darstellung. Sehen ist aber ein Akt in der Zeit, denn es geht nicht um einen flüchtigen Eindruck, die Information über einen bestimmten Teil eines Geschehens, fast zufällig zu nennen, sondern um das Erkennen des Wesens eines Dings. Zeit wiederum ist eine Komponente des Hintereinander, als das sich etwas entfaltet. Und: alles entfaltet sich. Bliebe man nur bei Ausschnitten - was wäre auf diesem Bild dargestellt? Was würde an Aussage über diese Frau möglich sein? Kann sie gar fliegen?
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| Ken Schles - seen on everyday_i_show |
***
Geschützt gegen die Urteile aus dem, was einem geschieht
Ein Portrait des Deutschen Fernsehens über die Arbeit von Otto von Habsburg im Europaparlament. "Meine europäische Haltung entstand aus der Distanz - in Amerika. Da habe ich die Einheit der Kultur des Kontinents wirklich erlebt."
1. Teil
2. Teil
***
Keine Grenze - keine Identität
Es ist nur eine kleine Bemerkung zum Schluß eines Berichts
über das jüngste der regelmäßigen Treffen der Innenminister von Südosteuropa in Salzburg. Aber ihre
Selbstverständlichkeit hat mich erschreckt.
Nicht, daß hinkünftig Verkehrsdelikte in Österreich und
Ungarn jeweils über die Grenzen hinaus verfolgt werden. Obwohl man vielleicht
auch darüber nachdenken könnte, was das dann heißt.
Es ist der Schlußsatz. In dem die österreichische
Innenministerin Mikl-Leitner Staaten wie Bulgarien und Rumänien die Rute ins
Fenster stellt: Wenn es ihnen – wie Italien und Griechenland - nicht gelingt,
wirkungsvoll die Grenzen dichtzuhalten, um illegale Einwanderung zu stoppen,
wird – und jetzt kommt’s – man Zwangsmaßnahmen einleiten. Dazu gehört die
zwangsweise Übernahme von „vernachlässigtesn Grenzabschnitten“ durch die
Frontex, eine EU-Eingreiftruppe, bis zum verordneten Einsatz von
EU-Fördergeldern beim Grenzschutz.
Die Selbstverständlichkeit ist es, die mich schreckt, mit
der die Staaten ihre Souveränität aufgeben, und zwar an neuralgischen Punkten-
den Grenzen. Denn alles was ist, ist nur – durch die Grenze. Wenn aber Österreich, Ungarn, Rumänien (etc.) nicht ist, was sind dann seine Bewohner?
***
Sonntag, 10. Juli 2011
Und wofür sind sie da?
Die Neue Zürcher bringt in einem Bericht über die Autorentheatertage in Berlin (Thalia-Theater) eine Einschau in das dramatische Schaffen der Gegenwart. Und schreibt zugleich, daß man das nicht mehr so eng sehen dürfe, die Autoren würden es auch nicht tun. Was immer, und in egal welcher Form immer bühnentauglich ist, ist legitim. Leider schreibt die NZZ nicht, was das dann denn sei: "bühnentauglich". „Können“ müsse man es halt, schreibt sie, so wie die Jelinek. Wobei: was die NZZ schreibt, war auch schon konziser. Was soll man solch einem Geschwurbele halten?
Das fällt auf: Es ist dem Gegenwartsstück in Sachen Form alles möglich, aber die Form steht fast immer in strengen Diensten inhaltlicher Ausdrucksabsichten. Nicht selten wirken die formalen Mittel austauschbar. Ausser bei Elfriede Jelinek, der Ausnahmedichterin. In «Winterreise», eingeladen in Johan Simons' Münchner Uraufführung, verbandelt sie fast alle ihre Dauerthemen von der Mutterangst bis zur Dummheit der Menschen zu dem einen grossen Text-Fries. Man kann alles machen im Gegenwartsdrama – wenn man es kann.
Denn durchaus gibt es also Gelingen, nach Meinung der NZZ, und durchaus gibt es Mißlingen. Wobei eine Beobachtung geschildert wird, die auch den Autor dieser Zeilen längst schon beunruhigt: Es fällt auf, daß die (so die NZZ) "jungen Autoren es mit der Sprache nicht so genau nehmen". Die Fähigkleit, sich präzise auszudrücken, schwindet von Jahr zu Jahr. Beobachtbar. Und man kann häufig den Eindruck gewinnen, daß es an inner Kraft fehlt, sich so an die Dinge anzupressen, bis sie ihr Geheimnis preisgeben, bis sie im Wort erfaßt sind. Vielmehr wird häufig "irgendetwas" geschrieben, weil alles nur noch einem Zweck dient: daß alles so aussieht wie. Texte wie ein Drama, Szenen wie ein Drehbuch, Schreiben wie die Arbeit eines Künstlers.
Es ist aber das Wort, auf dem alles aufgebaut ist, es ist das Wort, aus dem heraus Welt geschaffen wird, es ist das Wort, das den Geist atmet und trägt. Es ist die Wahrheit, es bedeutet die Befreiung.
Auch wenn als Text nur noch „Irgendwas“ erscheint. Dann bleibt immer noch der Hinweis, daß es ja so gewollt war, ein freier Ausdruck, vielleicht ist ja überhaupt Poesie genau das: das Unverständliche, das Ungefähre? Mutti und Onkel Ferdinand loben ja trotzdem, was rauskommt. Und für Facebook ist der Schein ebenfalls genug. Anti-Drama also als Dramatik?
Der Verfasser dieser Zeilen hat so seine Erfahrungen mit den Schreibversuchen junger Schriftsteller – deren Webseiten und Facebook-Konten in der Regel schneller erscheinen, als ihre Bücher. Nicht selten geht es wie bei Facebook, so beim Schreiben nur noch darum, daß da ein Stoß Papier liegt, irgendwie beschrieben, und eine grobe Vorstellung, „wie“ die Geschichte aussehen soll. Aber niemand hat diese grobe Vorstellung konkret gemacht. Es bleibt bei Bojen – DA wäre ein Buch, da könnte eines sein, das dies und das das bewirken soll. Poesie ist alles andere als unpräzise. Es ist höchste Präzision, weil erstaunlicherweise in dieser Präzision die Dinge ganzheitlich erscheinen, nicht auf technische Alltagssprache reduziert. Poesie ist keine Vertuschung der Wirklichkeit – sie ist ihre höchstmögliche Präzision der Erscheinung!
Ernsthaftigkeit, Entschiedenheit. Vielleicht ist es das, was die Gegenwartsdramatik derzeit eint: ihr Bemühen, einer Wirklichkeit habhaft zu werden, die sich den herkömmlichen Denk-Ordnungen entzieht. Wenn es eine gemeinsame Botschaft gibt, dann das Bekenntnis: Wir kennen uns nicht aus in dieser unserer Welt! Wir wissen nicht (besser), wie Überleben in Zeiten der Unsicherheit, des Übergangs gehen könnte. Das Drama arbeitet darum an Inbildern der Gegenwärtigkeit, an Versuchen, der Wirklichkeit ein Gesicht zu geben, um sie erkennen zu können.
Wäre es nicht Aufgabe der Künstler, dieses Neblichte, das uns umgibt, eben zu klären? Auf daß wir eben wieder gerade stehen können? Kann es genug sein, wenn die Kunst nur noch das allgemeine Unbehagen darstellt? Kann es ausreichen, wenn auch die Dichter und Dramatiker sich nicht mehr auskennen? Ich meine – wofür werden sie denn bezahlt?
Vielleicht bestehen zwischen der subjektiven Unfähigkeit, die Sprache zu bändigen, nein, sich überhaupt ihrer zu bedienen, und der allgemeinen Orientierungslosigkeit ganz direkte Verbindungen? Kann es sein, daß ein grobes Mißverständnis hinsichtlich dessen vorherrscht, was denn ein Künstler sei? Nämlich: der Vor-Leber, der Vollzieher der Lebenssteigerung in einer ihrer höchsten Formen. Oder, wie es eine geschätzte Kollegin einmal ausdrückte: Kunst? Das ist das Ergebnis von Lebenskunst. Nicht Lebenskonsum.
Was aber die Ergebnisse des zeitgenössischen Dramas zeigen, ist nicht mehr Lebenskunst, sondern Überwältigtheit. Dazu braucht es keinen Künstler.
***
Ägypten, Phase 3
Gestern traf sich der schon länger aufgeplante Bericht über die Phase 3 der ägyptischen Revolution mit einem aktuellen Filmbericht vom Tahrir-Platz des NDR. Kernaussage: Unzufriedenheit allerorten, alles geht zu wenig radikal, der moderate Kurs wird abgelehnt, auch wenn (Zitat) "keiner weiß, was er wirklich will." Aber man demonstriert. Es soll einfach anders werden.
***
Nur Subjekte können Kultur schaffen
Kultur ist an das innere Sich-erleiden der menschlichen Grundpassivität gebunden, in der der Mensch dem "vor", der Welt, begegnet. Daraus erwächst ein Impuls, sodaß das Leben aus sich heraus Kultur schafft. Die in den drei Grundformen - Kunst, Religion, Ethik - nur als Erfüllung eines humanen Wirklichwerdenwollens zu begreifen ist, nicht als technizistische Form, wiewohl sie nur als Form existiert. Kultur kann also nur in Subjektivität entstehen und leben!
Das ist auch die Ebene, auf der erkenntnisweisige Evidenz entsteht - jene Gewißheiten über Grundtatsachen des Lebens, jenes Gegenüber zum "Sein", das erst den Menschen wirklich leben läßt.
Das heutige Denken aber schneidet dieser menschlichen Subjektivität ihren Wirkweg ab, ja die Eliminierung dieser Subjektivität ist sogar Ziel - im galileisch-reduktiven, technischen Denken der (sogenannten) "Wissenschaftlichkeit". So wird das Leben selbst zum Feind, wird eliminiert, ohne daß die Grundkraft eliminiert werden kann. Sie sucht sich andere Wege, wendet sich den unteren Stufen des Menschseins zu, findet aber keinen Weg zur Schaffung höherer Form.
Es gibt keine methodisch-technischen Wege zur Herstellung jener drei Kulturfundamente. Sie müssen über die Subjektivität entstehen, werdend das vollziehend erfüllen, was sie sind: Bedürfnisse aus dem Leid der Unerfülltheit.
Nicht die Subjektivität also ist das Problem - sie ist unumgänglich ja sie muß sich in höchster Radikalität begreifen - als einsam dem Sein gegenüberstehend. Sondern die Freiheit! Und nicht die einzelne Sünde, sondern die Wahrheit. Nicht die wissenschaftliche Gewißheit (die es nicht gibt), sondern die höchste Geistesleistung, ja direkt als Empfang des Geistes im Menschen: der Glaube.
Nur in diesem Zusammenhang greifen dann die Begriffe Tugend/Laster. Hier heraus steigert sich das Subjekt in seiner Sensibilität und in seinem Wissen, seiner Klugheit, seiner Tüchtigkeit, wird auch immer mehr befähigt, immer feinere Aufrufe des Begegnenden zu erkennen, sodaß immer feinere Bedürfnisse zum Wort, zur Gestalt kommen: leitet so seine Kraft in immer subtilere, höherstehende Formen - bindet sie zu höherer konkreter Kultur.
Anders kann Kultur nicht entstehen - als aus subjektivem Selbstvollzug der Individuen. Das "leistende Leben des Ego" als höchstes Wirken eines Ins-werk-setzen des Lebens selbst, in der Polarität des Sich-erfreuen und Sich-erleiden. Eines Lebens, das auch nicht nach seinem Platz frägt - weil es ihn immer (!) "hat".
Damit wird auch das Denken nicht zu einem Retardieren eines irgendwie zu denkenden Vor-Gegebenen, sondern es ist die Differenz des Denkens zu sich selbst in seinem fleischseienden Selbstvollzug, seiner Repräsentanz des Ganzen des Subjekts.
Nur aus dieser Differenz heraus also kann auch Wissenschaft leben und entstehen, und so ist sie entstanden. Ehe sie ihren eigenen Ursprung eliminierte. Schon 1935 schrieb Edmund Husserl, daß Europa nur zwei Möglichkeiten hat: entweder den Weg in die Barbarei, weil dem Denken das Leben fehlt, bis dieses zur Barbarei absinkt - Europa schneidet sich also den eigenen Lebensstrom ab! - oder den "Heroismus der Vernunft" als Ausweg, der (um es weiter auszudeuten) durch dieses Golgotha geht, das ihr bevorsteht.
Der Zielverlust der Vernunft geht nämlich unweigerlich mit einem Verlust des Glaubens an sich selbst einher. Durch das falsche Ideal objektiver Wissenschaftlichkeit wird das Denken des Menschen von diesem Selbst als "An-sich-Bestehendes" auffassen. Damit diffundiert das Leistende - die Subjektivität. Sie bleibt "anonym", sodaß die Menschheit in ihrem Miteinander sich nicht als SINNSTIFTEND erfährt.
Und das finden wir doch wohl heute vor! Gerade die Zwischenmenschlichkeiten werden nicht mehr als subjektive Leistung - als "Zu-Leistendes" - erfahren und gesehen, sondern als etwas "an-sich-Seiendes" - das "da" ist, oder "nicht". Deshalb lösen sich alle Zwischenmenschlichkeiten heute regelrecht auf! Weil sie nicht gesetzt werden.
In der Subjektivität aber erfährt sich der Mensch auch als leibseelische Einheit - als Sitz des Geistes, als Träger der Kultur, eingebunden, ja eingeweltet, unlösbar, eng wie die Haut, in einen jeweiligen Kosmos aus Stadt oder Land, in Sakralität, Kunst und Ethos. Weil er das Absolute erfährt - als Erst- und Urerfahrung, das Du, das dem Ich vorausgeht.
***
Ein Freibrief für das "normale" Leben
Es erstaunt immer wieder zu sehen, wie wenig ausgeprägt das Bewußtsein der Menschen ist, daß das, was ihnen derzeit (in der "Krise") passiert, überhaupt mit ihnen zu tun hat. Täter? Das sind immer die anderen, sie haben doch nur "normal" gelebt, ganz "normal", wie alle halt.
Mit all den täglichen kleinen Unredlichkeiten und Gewissensabtötern. Mit all den Lügen und Selbstbelügungtricks. Mit einer Lebensweise, die alles andere als "normal" ist, aber es ist halt so verlockend, es so zu sehen. Nein, so zu tun, als sähe man es so. Weil es ja alle machen. Weil ja doch auch die Wissenschaft sagt, daß. Und so weiter, und so fort. Alles, was nicht paßt, ist eine Ablaufstörung, an der auf jeden Fall andere schuld sein müssen. Denn wir? Wir haben ja nur "normal" gelebt. Wie alle halt.
Also schreien sie, nach der Politik. Die Politik soll doch endlich dies verhindern, und das regeln, und dies erlauben. In den Zeitungen sind die Posting-Spalten VOLL mit guten Ratschlägen, was alles getan werden mußte, welche Gesetze beschlossen, vor allem aber: wer an alle dem Desaster die Schuld trägt. Diese Schuldigen sind bekannt. Und warum nur tut die Politik nichts dagegen! Warum verhindert sie nicht, daß uns die und die alles wegnehmen, uns aussaugen, unsere Staatsfinanzen aushebeln, Verschwörungen bilden, Absprachen tätigen, Kartelle formieren, wild spekulieren, Milliarden einsacken, Arme ausbeuten, etc. etc. etc. Keine globale Ausrede ist da zu weit hergeholt, kein noch größerer Maßstab zu blöd, um das Kleine, um das "normale" Leben in seinen "normalen" Verstößen weiß zu waschen, als unerheblich darzulegen, um sich zu entschulden.
Wie sich aber auch in Griechenland zeigt - es sind nicht die Milliarden der Spekulanten, die das Land ruiniert haben. Gerade die am schlimmsten wirkenden Hebel? Das sind alle diese Anlage- und Sparfonds, mit denen aus unzählichen kleinen Hebeln, von Leuten die "nur normal gelebt" haben, die "nur ein bisserl zinsen wollten", die nur "ein bisserl mehr Zinsen wollten", die lieber Anleihen gekauft und Versicherungen bezahlt, als Kinder in die Welt gesetzt haben ... um nur ein winziges, aber sehr bedeutendes Detail zu nennen ... Es sind die Sozialleistungen, die Umverteilungen, die Staatsboni, es sind die zu vielen Beamten und Geldempfänger, die einen Staat aushebeln. Es ist der millionfache Selbst- und Staatsbetrug, der einen Staat kippen läßt. Es ist diese ganz "normale" Lebensweise, die kriminell geworden ist, ganz einfach! Und weil das jeder weiß, wehrt sich auch jeder mit Händen und Füßen. Denn es gibt sie ja, die Schuldigen, und Ehre dem Politiker, der sie benennt.
Und so sind es tatsächlich die Politiker, die alles tun, um ihrem Volk willfährig zu sein - wenn es sie nur ihre Gehirne waschen läßt, wenn es sie nur am Ruder, ihren Platz in den Büchern der Geschichte läßt (die Ruhmsucht war nicht nur in der Antike größter Antrieb der Menschen!) - und die deshalb Tag und Nacht zum Wohle ihres Volkes Gesetze ausdenken, mit denen man die Illusion aufrechthalten kann, daß es so ist, wie die Leut sich das vorstellen.
Die wirklichen Hammer aber, die verschweigen sie. Und da werden dann auch sehr still die Hämmer, die wirklichen Hämmer installiert, die der maxi von nebenan ohnehin nicht begreift.
So wie nun die EMSA - European Market and Security Authority - zu installieren, die erstaunlich schnell auch zu arbeiten beginnt - in diesen Tagen. Um zu verhindern, daß sich reale Preise und Werte bilden. Damit sich die Staaten ihre Bonität völlig selber machen können, je nach belieben, damit der Maxi von nebenan weiter "normal" leben kann ...
Denn Schuldige sind ja, wie die Geschichte lehrt, die einzige humane Ressource, die nie ausgeht.
Mit all den täglichen kleinen Unredlichkeiten und Gewissensabtötern. Mit all den Lügen und Selbstbelügungtricks. Mit einer Lebensweise, die alles andere als "normal" ist, aber es ist halt so verlockend, es so zu sehen. Nein, so zu tun, als sähe man es so. Weil es ja alle machen. Weil ja doch auch die Wissenschaft sagt, daß. Und so weiter, und so fort. Alles, was nicht paßt, ist eine Ablaufstörung, an der auf jeden Fall andere schuld sein müssen. Denn wir? Wir haben ja nur "normal" gelebt. Wie alle halt.
Also schreien sie, nach der Politik. Die Politik soll doch endlich dies verhindern, und das regeln, und dies erlauben. In den Zeitungen sind die Posting-Spalten VOLL mit guten Ratschlägen, was alles getan werden mußte, welche Gesetze beschlossen, vor allem aber: wer an alle dem Desaster die Schuld trägt. Diese Schuldigen sind bekannt. Und warum nur tut die Politik nichts dagegen! Warum verhindert sie nicht, daß uns die und die alles wegnehmen, uns aussaugen, unsere Staatsfinanzen aushebeln, Verschwörungen bilden, Absprachen tätigen, Kartelle formieren, wild spekulieren, Milliarden einsacken, Arme ausbeuten, etc. etc. etc. Keine globale Ausrede ist da zu weit hergeholt, kein noch größerer Maßstab zu blöd, um das Kleine, um das "normale" Leben in seinen "normalen" Verstößen weiß zu waschen, als unerheblich darzulegen, um sich zu entschulden.
Wie sich aber auch in Griechenland zeigt - es sind nicht die Milliarden der Spekulanten, die das Land ruiniert haben. Gerade die am schlimmsten wirkenden Hebel? Das sind alle diese Anlage- und Sparfonds, mit denen aus unzählichen kleinen Hebeln, von Leuten die "nur normal gelebt" haben, die "nur ein bisserl zinsen wollten", die nur "ein bisserl mehr Zinsen wollten", die lieber Anleihen gekauft und Versicherungen bezahlt, als Kinder in die Welt gesetzt haben ... um nur ein winziges, aber sehr bedeutendes Detail zu nennen ... Es sind die Sozialleistungen, die Umverteilungen, die Staatsboni, es sind die zu vielen Beamten und Geldempfänger, die einen Staat aushebeln. Es ist der millionfache Selbst- und Staatsbetrug, der einen Staat kippen läßt. Es ist diese ganz "normale" Lebensweise, die kriminell geworden ist, ganz einfach! Und weil das jeder weiß, wehrt sich auch jeder mit Händen und Füßen. Denn es gibt sie ja, die Schuldigen, und Ehre dem Politiker, der sie benennt.
Und so sind es tatsächlich die Politiker, die alles tun, um ihrem Volk willfährig zu sein - wenn es sie nur ihre Gehirne waschen läßt, wenn es sie nur am Ruder, ihren Platz in den Büchern der Geschichte läßt (die Ruhmsucht war nicht nur in der Antike größter Antrieb der Menschen!) - und die deshalb Tag und Nacht zum Wohle ihres Volkes Gesetze ausdenken, mit denen man die Illusion aufrechthalten kann, daß es so ist, wie die Leut sich das vorstellen.
Die wirklichen Hammer aber, die verschweigen sie. Und da werden dann auch sehr still die Hämmer, die wirklichen Hämmer installiert, die der maxi von nebenan ohnehin nicht begreift.
So wie nun die EMSA - European Market and Security Authority - zu installieren, die erstaunlich schnell auch zu arbeiten beginnt - in diesen Tagen. Um zu verhindern, daß sich reale Preise und Werte bilden. Damit sich die Staaten ihre Bonität völlig selber machen können, je nach belieben, damit der Maxi von nebenan weiter "normal" leben kann ...
Denn Schuldige sind ja, wie die Geschichte lehrt, die einzige humane Ressource, die nie ausgeht.
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Ein Stück Lebenskultur
Es ist der erste Werbefilm für diese Produktgruppe, wo ich tatsächlich den Eindruck habe, daß es sich um ein Lebensmittel handelt, das ein Stück Lebenskultur bedeuten kann. Genau damit spielt das Filmchen sehr gut und mit kaum zu überbietender Ironie.
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Samstag, 9. Juli 2011
Am Beispiel Ägypten
Die Präzision, in der Crane Brinton den Ablauf einer Revolution analysiert hat, sodaß er zu einem Schema gekommen ist, in welchem Revolutionen ablaufen, ist immer wieder beeindruckend. Und an Studienobjekten in allen Phasen mangelt es ja derzeit nicht – wie zum Beispiel: Ägypten.
Nach einer ersten Phase, in der das alte Regime also gestürzt* ist, kommt die gemäßigte Schichte unter den Revolutionären an die Macht, bestehend aus den ersten Führern der Revolution** - im Militärrat. Sie will eine Normalisierung der Lage, eben unter neuen Vorzeichen. Zuerst wird freilich den alten Machthabern der Prozeß gemacht, das muß sein, denn sonst wäre die Revolution ja im Unrecht! Also muß es die alte Schichte gewesen sein.
Aber diese können in der zurückkehrenden Mäßigung mehr und mehr mit Milde und Vernunft rechnen.
Aber da melden sich nun zwei Parteien: die erste tut es in Ägypten schon sichtbar, wie die Zeitungen schreiben: Es sind die Revolutions-Hardliner. Ihnen geht alles zu langsam, ihnen ist die erste neue Führung zu lax, zu nachsichtig, vermutlich also auch korrupt. Sie verlangen deshalb schärfere Vorgangsweise, wollen rascher die neue Gesellschaft! „Man stiehlt uns unsere Revolution,“ schreien sie. Überall und immer war das so. Das ist also in Ägypten keineswegs neu.
Damit aber kommen die Hardliner in Konflikt mit den Gemäßigten unter den Revolutionären. Damit beginnt die erste Phase deren Rückzugs.
Wer die zweite Partei ist? Warten Sie’s ab … ein kleiner Tip: es hat mit dem alten Regime zu tun, und mit dem Zurückschlagen „konterrevolutionärer Kräfte“. Und dann … aber nun ist’s genug. Schaun sie selber, was passiert.
*Gestürzt von wem? Von den Intellektuellen, der Mittelschichte (als eigentlich Tragende, die zumeist nichts will als unbeschränktere wirtschaftliche Entfaltung, wenn nicht gar Raub), und Figuren aus dem alten Herrschaftskreis, die sich von diesem aber distanzierten, warum auch immer; wobei ein Initialfall als Auslöser diente, der erst die Massen mobilisierte
**In Ägypten kann man durchaus das Militär zur übergelaufenen, alten Führungselite rechnen – Brinton beschreibt es sehr schön: Aus ihr rekrutieren sich Menschen, die an die Sinnhaftigkeit eines Verteidigens der alten Führung nicht mehr glaubt. Genau das ist passiert. Im Grunde war es in Ägypten das Militär, das die Revolution ermöglicht hat.
**In Ägypten kann man durchaus das Militär zur übergelaufenen, alten Führungselite rechnen – Brinton beschreibt es sehr schön: Aus ihr rekrutieren sich Menschen, die an die Sinnhaftigkeit eines Verteidigens der alten Führung nicht mehr glaubt. Genau das ist passiert. Im Grunde war es in Ägypten das Militär, das die Revolution ermöglicht hat.
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