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Dienstag, 18. Februar 2014

Folgen von Kurzschlüssen (2)

Teil 2) Wenn das Kapital wieder auf Reisen geht




Nun werden diese Kapitalien wieder abgezogen. Weil sich in den entsprechenden Volkswirtschaften die unausbleiblichen Anzeichen einer Abnüchterung zeigten. Argentinien, das seine Krise von 2000 mit genau diesen Mitteln bekämpfen wollte, mit denen Europa hantiert, zeigt als Vorreiter bereits, was dann passiert. Das Land steht vor seinem nächsten Kollaps. Einer bloßen, aber unausweichlichen Folge. Vielleicht sogar die gesamte Wirtschaft des südamerikanischen Kontinents ist in ihrer nominellen Performance ihrer wahren, inneren, "sittlichen" Leistungsfähigkeit deutlich voraus, muß also über kurz oder lang kollabieren. Ein später Fluch der Verbindung mit dem Abendland, übrigens, denn die Nominalwirtschaft orientiert sich (und das in allen Schwellenländern, um die es hier geht) an der inneren Leistungshöhe der Europäer, hat sich wie eine luftdichte Decke über die Menschen des Kontinents geworfen. Noch drastischer formuliert: Die meisten Schwellenländer haben eine Wirtschaft hochgezogen, die nicht aus ihr selbst generiert wurde und ein fremdes Gesetz aufzwingt, das von der gesamten sittlich-sozialen Struktur des Volkes nicht erfüllt werden kann. (Wenn man von hoher Korruption gerade in vielen Ländern spricht, so hat sie genau hierin ihre tiefen Wurzeln.)***

Graphik: Die Welt
Die rechts angefügte Graphik aus Die Welt belegt das, wenn sie alleine natürlich nicht ausreicht: Dem Aufblasen von Volkswirtschaften folgt regelmäßig ihre Abnüchterung, der bisher genauso regelmäßig neue Geldzufuhr folgte, mit denselben Effekten.²

Das heißt: Das Geld sucht auch dort seinen wahren inneren Wert, und der ist auf das Realleistungsvermögen einer Volkswirtschaft ausgerichtet. Die Währung - im Außenverhältnis zumal - muß angesichts einer drohenden oder bereits realisierten Inflation abgewertet werden, denn Geld ist immer nur ein Leistungsversprechen zweier Leistungsträger. Übersteigt die nominelle, mathematische Leistung einer Volkswirtschaft ihre reale Potenz, muß es mittel- und langfristig zu einer Entwertung (oder Reduktion) dieser Nominalleistung kommen. Derselbe Irrtum übrigens, der dem Sozialstaatsdenken eigen ist.****

Die Türkei liefert ein gutes Beispiel dafür: Der Verfasser hat sich vor Jahren sehr persönliche Kritik anhören müssen, weil er angeblich die Wirtschaftsdaten der Türkei, die so hohe Performance anzeigten, nicht zu kennen schien. Oh doch, er kannte sie, aber er interpretierte sie auf eine viel fundamentalere Weise.***** Denn zwar hat der Staat einen niedrigeren Verschuldungsgrad als die meisten europäischen Länder, und sein staatliches Sozialnetz ist mit dem Europas nicht annähernd vergleichbar, aber dafür ist der Verschuldungsgrad der Privaten und Unternehmer sehr hoch. Das war in Irland oder Spanien nicht viel anders. Die Individualleistung war aber auch damit nominell überbewertet, der volkswirtschaftliche Effekt derselbe. Nun suchen diese Gelder einen Ausweg, der ihre ursprünglichen Absichten noch erfüllen soll - sie wollen sich zurückziehen, flüchten, ehe es zu einer Verwurzelung ins Geflecht der Volkswirtschaft kommt, ehe der Abnüchterungsprozeß einsetzt. 

Der Kapitalabfluß aus der Türkei ist derzeit enorm, wie zu lesen ist. Weshalb der Staat mit Erhöhung der Zinsen reagiert. Was im Grunde nichts anderes ist als der Versuch eben solcher Abnüchterung zu verhindern, indem er weiteres Kapital anlocken möchte. Womit nicht mehr erreicht werden wird als daß sich die KapitalSTRUKTUR der Türkei verschieben wird, noch mehr nämlich zum Geld hin. Was alles nichts daran ändern wird, daß zumindest langfristig der Türkei ein enormer volkswirtschaftlicher Korrekturbedarf ins Haus steht. Was der Verfasser dieser Zeilen schon seit vielen Jahren auch behauptet, und sich nun erstmals abzeichnet. Nur durch immer stärkere Abhebung des Geldmarktes von der Realwirtschaft - wir nennen bereits die Abstrakta, der Raum wäre zu klein, um alles konkret auszuführen - kann dieser Prozeß scheinbar überwunden, in Wahrheit nur verlängert werden, mit einem umso größeren Korrekturbedarf, der aber in die Zukunft verschoben wird.




***Hier also zu meinen, man könnte mit Umverteilung, nach "brüderlicher Teilhabe am Wohlstand der Industrieländer", usw. usf., etwas verändern zeigt nur eine wahrhaft erschreckende Ahnungslosigkeit "sozial bewegter" und sehr schlichter Gemüter. Kulturaufbau, und nur um den kann es überhaupt gehen, gerade katholisch bewegten Geistern, passiert niemals durch geschenkte, generelle (nominelle) Wohlstandserhöhung.

****Wovon deutlich die sogenannte "soziale Marktwirtschaft" in ihrem ursprünglichen Sinn ausgenommen werden muß! Aber wer etwa heute die Schriften deren "Erfinder" liest (für Deutschland maßgebend etwa Ludwig Erhard) hat den Eindruck, es hier mit Turbokapitalismen zu tun zu haben, verglichen mit den krankhaften Auswüchsen heute, die einer Perversion dieser alten Idee gleichkommen. Die soziale Marktwirtschaft nimmt den Organismen nicht ihr Eigenleben, sondern baut zum Gegenteil darauf auf, daß sie ihre Gesundheit bewahren, wozu auch da und dort Heilungsanstöße gegeben oder Krankheiten, Harmoniestörungen dieses Eigenlebens eines Organismus vermieden werden müssen. Aber sie baut immer auf dem Grundsatz der Äquivalenz von Wirtschaftsleistung und Eigenkraft einer Bevölkerung auf, und nur um die kann es einer Politik gehen.

*****Aus vielfacher eigener Erfahrung kann sogar ein Gesetz formuliert werden: Daß eine bestimmte Höhe des Aktivitätsniveaus eines Organismus keineswegs seine sich vollendende Gesundheit und Prosperität anzeigt, sondern im Gegenteil zeigt sich darin das dräuende Ende, das nur noch durch immer weitere Erhöhung der aktuellen Aktivität vermieden werden kann. Klartext: Ein Betrieb, der scheinbar extrem wächst, und alles auf Wachstum setzt, hat (wahrscheinlich IMMER) mangels wahrer Rentabilität keine andere Wahl mehr. Vorsicht also vor besonders expansiven, SCHNELL wachsenden Unternehmen - Vorsicht vor besonders schnell wachsenden Volkswirtschaften!






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Montag, 17. Februar 2014

Folgen von Kurzschlüssen (1)

Nun passiert also genau das, was schon vor Jahren (auch an dieser Stelle) vorhergesagt war, und es ist ein "leichter Sieg" der Prognose, denn er hat eine Zwangsläufigkeit: Die Währungen der Schwellenländer, auf denen die Performance der Weltwirtschaft in den letzten Jahren ausruhte, werden teils massiv abgewertet.

Bildquelle: Die Welt
Was war dabei logisch? Auf der Flucht vor den geplatzten Spekulationsblasen der Industrieländer haben sich die Kapitalien der Welt (davon zwei Drittel direkt oder indirekt staatlich) auf Länder konzentriert, die noch Entwicklungspotential hatten - Entwicklungsländer (v. a. Rohstoffe) und (meist bevölkerungsreiche) Schwellenländer wie die Türkei, Brasilien, Indonesien, Rußland, Argentinien, Chile, Indien, um China (trotz Sonderbedingungen dieser halbstaatlich-dirigierten "freien" Situation) nicht zu vergessen.

Rein technisch gesehen bewirken aber zugeflossene Kapitalien dasselbe wie Verschuldung, ja SIND Verschuldung, nur mit anderer Risikokomponente. Rein technisch gesehen werden durch zufließende Kapitalien, ob als Investition oder als Kredit, ja sogar als Geschenk, dieselben Wirkungen ausgelöst. Nachfrage wird über den einem volkswirtschaftlichen Organismus eigenen Takt hinaus erhöht, was kurz- und mittelfristig tatsächlich "belebende" Effekte hat. Wer in Kuala Lumpur eine Fabrik baut, erhöht dort kurzfristig die Bautätigkeit, das Liefervolumen für Ziegel, die zu leistenden Arbeitsstunden, usw. usf. Aber dann tritt etwas Seltsames ein. Der Verfasser dieser Zeilen nennt es "Abnüchterung". Es erfolgt ein Anpassungsprozeß der lokalen Wirtschaft an diese zusätzlichen Nachfragesteller, das Kapital (aus dem Ausland). 

Weil das in überwiegendem Ausmaß europäisches Geld war (sogar dadurch, daß die USA weit mehr Kapital im eigenen Land anlegten, wie das nominelle Ansteigen der Industrieproduktion dort zeigt), zeigt sich dieser Abwertungsprozeß also vorerst in einer Veränderung dem Euro gegenüber.

Denn der volkswirtschaftliche Effekt eines produzierenden Betriebes etwa wird weitgehend überschätzt bzw. falsch eingeschätzt. Keineswegs erhöht sich die Produktivität einer Volkswirtschaft, sondern sie schichtet sich nur um. Der einzige wirkliche und nachhaltige Faktor, der eine Volkswirtschaft vergrößert, ist nämlich ausschließlich menschliche und höchst individuelle Leistung, und das hat mit Sittlichkeit, und damit mit Wirklichkeitsrezeption und Persönlichkeit zu tun. 

Die Kapitaleffekte bewirken das aber nicht. Die finanzmathematische Berechnung von Investitionen hinkt also um einen gewaltigen Faktor, und liefert im Ganzen gesehen höchstens Hilfsdaten, aber nicht die entscheidenden Daten. Im Gegenteil, weil zufließende Kapitalien Blüte vortäuschen (und zwar nur über Geldwirkungen, also über technische Performance) bewirken sie ein Abschlaffen der einem Organismus eigenen Kräfte. Das Fremdkapital wird zum Dauerbedarf, ja durch dieses Abschlaffen wird ständig höherer Kapitalzufluß notwendig, unbesehen der Fehleinschätzung des aktiven Werts von Investitionen (die nämlich nie "dauernde" Werte schaffen, sondern wie jede Maschine einen Zusatzbedarf nach Zuwendung, nach Energiezufuhr bewirken, um erhalten zu werden. Jede Maschine braucht mehr Energie, als sie ausstößt! Das ist ein logisches Ergebnis aus dem Energieerhaltungssatz, weil jede Maschine Reibungsverluste hat. Georg Friedrich Jünger zeigt das so gedanklich klar in seiner großartigen Untersuchung über die Maschine.

Graphik: Die Welt
Aber darauf ist eine Investition nicht ausgerichtet. Sie will "kassieren", und das sogar mit gewissem Recht (der Verfasser beklagt also nicht die Zinswirtschaft an sich, und beteiligt sich auch nicht den dummen Kurzschluß der  "Zinseszinsklage"). Aber eine Investition, eine Fabrik, eine Maschine(rie) funktioniert NIE als reine Geldmaschinerie. Sie ist aus ihrem Wesen heraus ein Ding, mit dem der Mensch lebt, und das seine Kapazitäten im Gleichschritt mit menschlichem Leistungsvermögen entfaltet, aber NICHT das liefert, was der Verfasser als einen der großen Irrtümer der Volkswirtschaftslehren (Ludwig von Mises als Beispiel ausgenommen, aus dessen Schriften der Verfasser dieser Zeilen durchwegs Stützung seiner Thesen herausliest) sieht, und was man als "Effizienz" bezeichnet. Diesen Faktor gibt es nicht. Nicht in der Form, wie er sich mathematisch zwar ergibt, aber seltsamerweise nie so in der Realität eintrifft, betrachtet man eine Investition etwa über einen sehr engen Rahmen hinaus.* Klartext: Wer investiert, kann dies immer nur tun, wenn er sich selbst damit wirklicht. Die Fabrik selbst betreibt, in ein sozial entsprechend mitgewachsenes Umfeld eingebettet ist, das sich in jede Stufe anschmiegt, gewissermaßen, also im selben oder annähernd selben Persönlichkeitsgrad steht, wie der Investor, dessen Maschine (Fabrik usw.) ja Ausdruck seiner Persönlichkeit ist. Darüber werden wir hier gewiß noch mehr erzählen.**

Lange Rede, kurzer Sinn:  Eine Volkswirtschaft verträgt nur so viel an Investitionskapital und Investitionen, als sie aus ureigener Leistung der sie tragenden Menschen und Sozialgefüge heraus generieren kann oder will. Geld kann nie mehr als ein Äquivalent menschlicher Leistung sein, sein Nominalwert ist defacto gleichgültig, tatsächlich eine abstrakte mathematische Größe.

Zurück zum aktuellen Thema ...


Morgen Teil 2) Wenn das Kapital wieder auf Reisen geht




²Natürlich werden andere mit anderen Thesen daherkommen, die genau erklären, warum welche Entwicklungen stattfanden. Aber der Verfasser behauptet, daß sie sich sämtlich auf rein technische, sekundäre Vorgänge beziehen. Ihm ist kaum eine fundamentale Aufarbeitung der Kreisläufte bekannt, die sich auf primäre Ursachen bezieht. Die meisten Volkswirtschaftler oder gar Betriebswirtschaftler erklären nicht mehr als "technische Ablauffunktionen." Das ist einer der Gründe, warum Wirtschaftsprognosen, wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, oft so dramatisch und bis zur Sinnlosigkeit falsch waren. Aus dem Vielfältigen heraus läßt sich etwas nie erklären. Es liefert nur Hinweise und Belege für viel grundsätzlichere Zusammenhänge. Ein Wirtschaftsexperte, der nicht von der Anthropologie ausgeht, kann nie mehr als herausgegriffene Ablaufszenarien kennen. Weshalb bei allen großen Wirtschaftstheorien der Vergangenheit IMMER eine ausgeprägte Anthropologie am Anfang steht und stand. Das ist es, was die viel zu wenig rezipierte, noch weniger aber verstandene (USA ...), Österreichische Schule der Volkswirtschaft so einzigartig macht - sie geht nämlich von einer sehr wahren Anthropologie aus, ist alles andere als bloße Theorie von Abläufen. Und das ist es, warum sämtliche (anderen) Großthesen heute versagen.

*Beispiel aus dem Buch von Jünger: Zwar erhöht bessere Technik die Performance eines hochstufigen Produkts wie des Computers, gleichzeitig wird aber die Gesamtmenge an zu leistender Arbeit in den untersten Stufen gleichfalls erhöht, nur in einer globalisierten Situation verschleiert. Globalisierung funktioniert also überhaupt NUR, wenn sie auf Ungleichheiten abzielt, sie ist in der heutigen Form also ein Widerspruch, wenn nicht eine zynische Heuchelei in sich, weil sie gar nie - in der heutigen Form - funktionieren kann.

**Etwa das nach Wissenstand des Verfassers noch nie eingehender untersuchte Kapitel der amerikanischen Volkswirtschaft im 20. Jhd., deren Performance nämlich auf dem Zufluß von Fremdkapital (vorwiegend aus England) im 19. Jhd. beruhte, das vor allem nach dem 1. Weltkrieg volkswirtschaftlich gesehen enteignet wurde. Die Charakteristik der heutigen US-Volkswirtschaft weist in den Augen des Verfassers alle Anzeichen solcher Überlagerungs-Überhitzung auf, was die Richtigkeit seiner Thesen untermauert. Was als amerikanische Wirtschaftspolitik bezeichnet wird, ist deshalb als Versuch zu deuten, diese Abnüchterungsprozesse zu vermeiden oder wenigstens hinauszuzögern.

Wenn heute der britische Historiker Neil Ferguson mit der These aufregt, daß England 1914 mit seinem Kriegseintritt einen schweren Fehler gemacht habe, so kann man ihm - zumindest aus rein "historisch-technischer Sicht" - nur zustimmen. Modris Eksteins zeigt in seinem leider so wenig bekannten "Rites of spring" (so viele aktuelle Publikationen, etwa "The Sleepwalkers" von Clark, oder "Der taumelnde Kontinent" von Bloom, wirken als wären sie daraus abgeschrieben; in der Meinung, daß Eksteins ohnehin zu wenig bekannt oder längst vergessen sei), wie sehr England diesen Krieg aus einem Idealismus heraus führte, in dem es scheinbar um die Verteidigung einer Kultur ging, die in England selbst gar nicht gefährdet war - aber nachher erst recht zusammenbrach. Indem es das Commonwealth, noch mehr aber die globale Stellung Europas verspielte, die Weltordnung auflöste und ins Chaos stieß, und die Rolle der USA als neue, dabei kulturell überforderte Weltmacht regelrecht präformierte.






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Tod der Elite

Wer die Entwicklung des Schulwesens in den letzten Jahrzehnten betrachtet, stellt in jedem Fall die zunehmende Schwächung der "Selektions"-Mechanismen fest. Mit der Forderung nach Abschaffung von Schulnoten nimmt dies nur eine neue Stufe an. 

Selbst wenn man einschränkt, daß Schulnoten - alleine - nie absolute Kriterien sein können, selbst wenn dieselben Arbeiten zweimal benotet unterschiedliche Ergebnisse bringt, selbst wenn einzelne Schulen und Lehrer dieselbe Einzelleistung unterschiedlich bewerten, so läßt sich weltweit eine hohe Korrelation zwischen schulischen Leistungen, wie sie in Noten ausgedrückt werden, und gemessener Intelligenz nachweisen. Der Bedarf nach individueller Anpassung der Einschätzung des Leistungsvermögens von Kindern und Jugendlichen  ist begrenzt, und Einzelfälle krasser Fehleinschätzung sind nie auszuschließen. Aber nur so lernt ein Mensch - auch in Einbeziehung des Fehlverhaltens anderer - wo sein Platz in einer Gesellschaft ist. Man braucht also allgemeine Selektionsmechanismen. Jeder Versuch, Individualentwicklung davon abzukoppeln, etwa durch Sondergemeinschaften, Sondermilieus, nimmt der Persönlichkeitsentwicklung der Menschen den entscheidenden (!) Faktor der wirklichen Wirklichkeit, drängt seine Erkenntnis in rein ideale Bereiche ab, die nur in Utopien enden können.

In der Abschaffung von Noten aber, bei gleichzeitiger "Objektivierung" von Leistungen durch staatliche Tests ("Zentralmatura") und offiziell geforderter, ja gesetzlich vorgeschriebener Bedeutung von Ausbildungszertifikaten (bei Bundesbehörden usw. längst als "Objektivierung" eingeführt) zeigt sich etwas anderes.* Es zeigt sich das Bestreben der Politik (und politischen Strömungen), die Elitebildung zu manipulieren.

Die Politik schafft sich (unter anderem) damit eine erhöhte Abhängigkeit der Elite von ihr selbst, von ihren Inhalten und inhaltlichen Zielen. Indem sie die soziale Strukturierung steuern und bestimmen will. Die ansonsten immer das Ergebnis wirklicher zwischenmenschlicher und individual-psychologischer Prozesse ist, mit allen Schwächen, Ungerechtigkeiten und Problemen dennoch grosso modo schon aus Eigeninteressse realistische Strukturen hervorbringt. Aber diese Realität ist der Politik nicht recht.**

Wer aber diese wirklichen Prozesse zu manipulieren versucht, schafft unausweichlich eine unwirkliche Elite. Und damit nimmt sich ein Gemeinwesen am sichersten ... seine Problemlösungskraft. Ein Staat stirbt, wenn er keine wirklichkeitstgeprüften Eliten mehr hat, die Politik wird selbst irreal und utopisch (und: tief ungerecht). Gleichzeitig schafft er sich breite soziale Strömungen, die vor allem durch utopisches Denken gekennzeichnet sind - die schließlich zur aggressiven Kraft in Richtung Totalitarismus werden.***



*Mit manch skurrilem Detail: Denn einerseits erfahren diese solcherart "beglaubigten Leistungsträger" natürlich, daß die Zertifikate etwa bei Bewerbungen immer weniger zählen. Woraufhin ein Wettbewerb um noch mehr Zertifikate einsetzt. Der Verfasser dieser Zeilen kennt nicht wenige Frauen, die noch mit 30 Jahren von Ausbildung zu Ausbildung torkeln in der vorgegebenen Meinung, das würde "heute" notwendig sein, die "Anforderungen" würden ständig steigen. Meist nichts als die Abschottung vor dem Urteil der Wirklichkeit, das argumentativ entwirklicht werden soll.

**Wobei sich die Realität - deren Wohl und Wehe von der Wirklichkeit abhängt - natürlich lange noch (ehe das Stadium der Apathie einsetzt - siehe ... Ostblock) alternative Wege sucht, um ihre Urteils- und Selektionskriterien anzuwenden. Das Privatschulwesen zeigt es deutlich.

***Es ist deshalb keineswegs verwunderlich, wenn einerseits die Stellung der Frau (im geschlechtlichen Zueinander) entwirklicht und utopisch überzeichnet wird (im Feminismus), und andersseits diese nun entwirklichten Frauen eine Bedeutung formaler Bildungszertifikate betonen und verlangen - und das ist es zuvorderst, was sich in den teilweise so hohen Frauenanteilen gerade "weicher" (und das heißt: entwissenschaftlichter) Studiengänge (Psychologie, Publizistik, Sozialwissenschaften, längst auch bestimmter Wirtschaftsstudien, oder man denke an die Fachhochschulen!) ausdrückt.




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Sonntag, 16. Februar 2014

Denn sie wissen nicht was sie tun

Ein Auszug aus einem Bericht über Frankreich aus der FAZ, wo die Regierung Hollande ein Gesetz nach dem anderen durchzieht, um die Gesellschaft "umzugestalten". Viele Franzosen wehren sich dagegen. Wenigstens das haben sie der hiesigen Bevölkerung voraus. Wo angeblich eine Mehrheit bereits solches Vorgehen für normal hält weil die damit durchgesetzten "Werte" für richtig. Und selbst dann noch, denn für persönliche Ansichten könnte einer noch Respekt aufbringen, so verrückt sie sein mögen - niemand denkt sich noch etwas dabei, Dinge nicht einfach für "richtig" zu halten und im eigenen Lebensvollzug umzusetzen, sondern selbst Höchstpersönliches auch durch Gesetze vorzuschreiben.

Man greift auf solche Weise in den Blutkreislauf eines Volkes, eines Staates sein, vergiftet und entwirklicht den gesellschaftlichen Raum, schafft einen "Gottesstaat" für die neue Religion. Noch gibt es große Bevölkerungsanteile, die - wie in Frankreich - den Mut nicht verloren haben, und nur deshalb können unsere Systeme noch überleben. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis entweder die große Apathie einsetzt, oder die Konflikte im wahrsten Sinne schlagend werden. Und nichts ist kompromissloser, als der Kampf der Guten gegen die Bösen. 

Eric Voegelin legt in "Die politischen Religionen" die Mechanismen frei, die die politischen Strömungen des 19. und 20. Jhds. als Sublimationsformen der Gottferne, ja als Entwicklungen entarteter religiöser Ideen begreift. Mechanismen, die sich aus genuin religiösen, aber dekaptierten Grundschemata menschlichen Daseins erwachsen. Die Seinsvergessenheit der Gegenwart kann sich gar nicht anders äußern als in der Selbstvergottung der Menschen, der sich eine "neue schöne Welt" schafft. Weil dieses Ziel so "edel" ist, rechtfertigt es jede Schandtat des neuen "Volkes Gottes". Wie Himmler einmal sagte: "... ob fünfhundert, oder ob tausend Leichen daliegen. Aber dabei stark geblieben zu sein ..."


Das [jüngst beschlossene; Anm.] Gesetz reicht über die Paritätspflicht in so traditionsreichen Institutionen wie den Gelehrtenakademien weit hinaus. An den französischen Journalistenschulen müssen die Absolventen sich künftig einem Pflichtkurs unterziehen, um sexistische Vorurteile und Klischees zu erkennen und in ihrer künftigen Tätigkeit darüber aufzuklären. Das Gesetz beinhaltet zudem eine Ermunterung an die Männer, vermehrt ihren Vaterschaftsurlaub in Anspruch zu nehmen und schon frühzeitig in der Kindererziehung aktiv zu werden. Die sogenannten Mini-Misswahlen für junge Mädchen unter 13 Jahren werden verboten. Schönheitswettbewerbe für 13 bis 16 Jahre alte Mädchen müssen fortan durch ein behördliches Genehmigungsverfahren zugelassen werden. Zudem enthält der Gesetzestext verschärfte Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung im Internet oder per Telefon.


Das bürgerliche Gesetzbuch (Code civil) wird auf Wunsch der Grünen sprachlich bereinigt. Der vom lateinischen bonus pater familias stammende Begriff des „guten Familienvaters“ wird durch den Ausdruck „vernünftig“ ersetzt. Die Grünen hatten in der Formulierung „ein überholtes Familienbild“ ausgemacht. Es reiche vollkommen aus, dass ein Vermögen oder eine Immobilie „vernünftig“ verwaltet werde. Die Aufgabe des Bildes vom „guten Familienvater“ aber hat die Gegner der Gesetzesänderungen besonders erzürnt. Die Vorsitzende der im Protest gegen die Homo-Ehe entstandenen „La manif pour tous“, Ludovine de la Rochère, etwa wittert dahinter den Versuch, die Geschlechterunterschiede zu leugnen und die traditionellen Familienstrukturen weiter zu zerstören. Seit der Einführung der Homosexuellenehe am 17. Mai 2013 hat sich die Gegenbewegung nicht aufgelöst, sondern setzt über soziale Netzwerke den Widerstand fort.



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Samstag, 15. Februar 2014

Schorle zum Tag

Das schlägt doch allmählich dem Faß den Boden aus ... Es kann nur mehr als offene Äußerung von Geisteskrankheit bezeichnet werden, und es ist nicht einmal zum ersten mal, wenn "maßgebliche Personen" der Kirche (wir vermeiden zumindest hier noch das Wort "Papst", hat der aufmerksame Leser es bemerkt? wir WOLLEN nämlich nur den Sack schlagen, nicht den Esel) aufrufen, den katholischen Glauben nicht in Formalisierungen ersticken zu lassen. Das Auswendigkönnen des Glaubensbekenntnisses sei noch nicht Glaube, meinte er da jüngst verkünden zu müssen.

Was doch die Frage aufstehen läßt: In welcher Zeit lebt der? Und: in welcher Kirche? Denn vielleicht hat so ein Argument vor fünfzig Jahren seine Berechtigung gehabt. Es kann aber heute nur als Rechtfertigung und Verschleierung für das elementare Versagen der Verkündigung gewertet werden, auf dessen Trümmern wie stehen. In einer Zeit, in der ganze Generationen (übrigens sogar Schauspieler ...) bereits nicht einmal mehr wissen, wie man ein Kreuzzeichen macht, ein Vaterunser betet, wie das Glaubensbekenntnis (worum es da konkret ging) überhaupt lautet. In solch einer Zeit also aufzurufen, diese Vollzüge des Glaubens nicht überzubewerten, läßt nur noch den Kopf schütteln. Was meint der?

Es ist doch bestenfalls Indiz für das Steckengebliebensein in einer Zeit - nennen wir es konkret: der Zeit des 2. Vatikanums bzw. die darauf folgte, in der alle "einem Geist" nachliefen, bis heute, ohne ihn je gefangen zu haben, und dabei sind sie noch heute geblieben - die ihren wahren Charakter, ihre ideologisch-fanatische Intention, genau damit verrät: Der Fanatiker wie der Ideologe bleiben stecken.

Und so sind es genau jene, die nicht "zeitgemäß" sind, die in der Kirche dadurch auffallen, daß sie in allen Bereichen "Forderungen" als Anliegen stellen, die der Zeit um Jahrzehnte hinterherhinken, wie Ausblicke in ein Museum wirken. Einen Leib mit Mitteln kurieren wollen, der genau daran bereits gestorben ist. Die von "Frohbotschaft statt Drohbotschaft" sprechen, ohne zu bemerken, daß NIEMAND (wie durch Umfragen, aber natürlich durch eigene Erfahrung genügend nachgewiesen) mehr an Hölle oder Fegefeuer, an Gerechtigkeit (was alleine das für Folgen für die HOFFNUNG der Menschen hat!) glaubt.

Und das hat nicht zuletzt damit zu tun, daß sie vom Glauben selbst nicht den blassesten Schimmer mehr haben. Nach 10, 15 Jahren Religionsunterricht sogar selbst die Grundgebete der Katholischen Kirche nicht mehr auswendig können. Ah, glauben sie doch? Nur "anders"? Woran?

Wer ist das, der in einer Zeit, in der allgemein die Menschen händeringend nach konkreten religiösen Formen suchen, und den Fehler machen (denn so muß man es längst bezeichnen), sich an katholische Pfarren zu wenden, mit leeren Händen heimgeschickt, dem Indifferentismus oder allen möglichen übrigen Religionen ausgeliefert werden, wer ist das, der in solch einer Zeit also predigt, daß es nicht auf die Formen ankäme?

Na worauf kommt es denn sonst an? In einer Kirche, deren Existenz selbst GESTALT ist, weil Fleisch im Symbol, und damit in der Sichtbarkeit gebotene Teilhabe an der Wahrheit. Hat er andere Gestalten erfunden? Ja, sich selbst, wir wissen ... denn er glaubt ja offenbar wirklich, daß ER höchstpersönlich, als Mensch, jene die Wahrheit vermittelnde Gestalt ist, nicht das, worauf er verweist, das macht er ja gar nicht mehr sichtbar, ganz bewußt nicht. Oh ja, und wir wissen, wie viele ihm da begeistert zujubeln, die damit selbst gleichfalls heiliggesprochen sind.

Welche Anthropologie vertritt man aber da plötzlich, die mit völliger Gewißheit nur dazu führen kann, die Kirche selbst zu entsorgen, weil sie gar nicht mehr verstanden wird? Oder ist die Wahrheit mit ihrem Bezug zur Geistnatur des Menschen abgeschafft, oder schon endgültig zu einer "Pastoral der Wuschiwaschi-Zärtlichkeit verkommen? In einer Zeit, in der sogar schon "Frühwarnsysteme" eingerichtet werden, die genau das verhindern sollen: daß die Menschen sich wieder formen lassen, wieder Gestalt annehmen. Denn das - ja jede Distinktheit - wird als Extremismus verleumdet, der diesen Gesellschaften "gefährlich" eingestuft wird. Will man SO wirklich "neuevangelisieren"? Durch Grinsefratzen und Streicheleinheiten statt Glaubensbekenntnissen? Das kann jede nihilistische Jugendfürsorgerin und esoterische Psychologin besser, und wie! Und WAS für Gefühle die vermitteln können, kein Scheiß.

Es gab einmal Menschen, die wurden zu Martyrern, nur weil sie die Entfernung der Kreuze aus den Klassenzimmern kritisierten. Sagen wir ihnen doch die Wahrheit - daß sie einer Schimäre aufgesessen sind. Für NICHTS gestorben. Freilich, fürs Glaubensbekenntnis zu sterben, in diese Verlegenheit wird ohnehin bald niemand mehr kommen. Weil es gar keiner mehr kennt. Wozu auch. DARAUF, auf den Wortlaut bitte schön, kommt es nun doch wirklich nicht an, in dieser Religion der "Liebe" und des "Glaubens" (woran?).

Wer aber nimmt diese Menschen von heute noch an der Hand, wenn sie fern der Kirche sind, als das Glaubensbekenntnis, das sie früher eimal gehört, und auswendig gelernt (oh, was für ein böse Katechet, der das noch tat und verlangte!) haben. Als Maßschnur dessen, das sie durch ihr und in ihrem leben allmählich begreifen lernen sollten, weil darin das ganze Leben IST? Ja, weil ihr Heil davon abhängt, das zu begreifen, was einmal für jeden nur leere Worte waren, die sich aber zur mächtigen Denkschule entwickelt haben?

Jedes Kind lernt erst einmal seine Sprache nur durch leere Worte. Es ist die immer unerfüllt bleibende Aufgabe, diese Worte mit Inhalt zu füllen, mehr und mehr zu begreifen. Und das heißt: Begreifen, was für ein Geschenk die Sprache war, die sie einmal nur leer nachplapperten. Ohne Inhalt. Aber es war der Anfang zu ihrem Begreifen, der sie im Geist mehr und mehr in die Wahrheit hineinnahm, durch GLEICHFÖRMIGKEIT, durch Ähnlichkeit. Sie alle, und jeder, trägt zu Beginn seines Daseins nur diese leeren Symbole in sich, das Auswendiggelernte. Es ist der Same, der zu wachsen beginnen kann. Oder den man erstickt. Aber dazu muß der Same einmal gesät sein! Kein Tauber hat noch je "aus sich heraus" sprechen - und deshalb: Denken! - gelernt, ja kein Tauber hat "aus sich heraus" je eine Persönlichkeit formen können - alleingegelassen, ohne "auswendig gelernte Symbolik", blieb ihm alles versperrt, fiel er in dumpfes Nicht, in die Debilität des Nicht-Geistes, dem Treiben des Vielfältigen, mangels Symbolik unbegreifbaren, ausgeliefert. Erst wenn er Symbole gelernt hat, vermag er sich im Verhältnis zur Wirklichkeit zu organisieren, vermag er Wirklichkeit zu erkennen.

Ohne Glaubensbekenntnis - kein Glaube. Man betrachte alleine die Unterschiede zwischen dem sogenannten "großen" (nicäno-konstantinischen) und dem nach dem 2. Vatikanum meist gebrauchten "apostolischen" (ökumenischen), das auf so wenig ausgefaltete Glaubenssätze reduziert ist, daß es sogar mit den reformierten Kirchen eint. Daß die Orthodoxie des Ostens sogar die Bedrängnisse des Kommunismus überstand, ist nicht zuletzt wohl auch auf die spezifischere, im Glaubensgut weit reichere, tiefere Form des "großen" Glaubensbekenntnisses zurückzuführen, an dem sie festgehalten haben. Nicht weniger sollten wir also auswendiglernen - sondern mehr. Möhler sagt in seiner Symbolik völlig richtig, daß von Ökumene nur geredet werden kann, wenn man den eigenen Glauben gut kennt. Was aus dem Glaubensbekenntnis verschwand, wird auch nicht mehr geglaubt, und noch weniger verstanden. Was soll vom Glauben bleiben, wenn das Glaubensbekenntnis überhaupt verschwindet, weil es keiner mehr auswendig kann? Eine amorphe hab-dich-lieb-Esoterik? Wo wir ja ohnehin längst angekommen sind - WEIL niemand mehr das Glaubensbekenntnis auswendig kann und damit seinen Glauben kennt.

Oder glauben da manche Päpste (die auch darüber bereits ihre gewichtigen Worte verloren haben) wirklich, die Sexualmoral der Gegenwart sei deshalb völlig aus dem Ruder gelaufen, weil die Kirche zu viel verkündet hat, was sie vom Menschen weiß? War es nicht genau umgekehrt? Daß sie ZU WENIG und zu wenig konkret davon geredet hat, und genau deshalb mit Wagenladungen an Sägespänen versucht hat, zu dämpfen, was da mangels Distinktheit ins Irrationale anschwoll? Da ist ja noch Lars von Trier mit seiner "Nymphomania" apostolischer mittlerweile, der traut sich noch zu zeigen, wohin das führt, und macht damit tief betroffen!

(Der Verfasser dieser Zielen erlaubt sich übrigens in diesem Zusammenhang auch auf seinen Roman "Helena" hinzuweisen, der einen sehr ähnlichen Ansatz verfolgt. Und genauso von manchen "Katholiken" nicht verstanden wurde, weil die ja gar nicht mehr wissen, wovon sie reden. Vielleicht sind eh die gemeint - als solche, bei denen das Glaubensbekenntnis wirklich nie über leere Worte hinauskam. Nur wäre das dann eine lächerliche Minderheit, sodaß man sich fragen müßte: wer, meint der Papst, steht ihm da gegenüber, wenn er eine offizielle Botschaft losläßt, an wen richtet er sie? Zu 38 Schülerinnen eines Mädchenpensionats eines mißratenen Lehrgangs eines Privatgymnasiums im Moselgebiet, oder zu 1 Milliarde Katholiken, die ihr Glaubensbekenntnis gar nicht mehr kennen und von denen 100 Millionen glauben, sie wären katholisch weil sie Müll trennten und für Aigs-Kampagnen spenden, und 200 Millionen, sie wären es, auch wenn sie zum Erweckungsgottesdienst der Lutherans of Last Days um die Ecke gingen, weil es da viel lustiger sei,. und 700 Millionen gar nicht mehr wissen woran sie glauben sollen? Daß so ein Papst gut ankommt ist keine Frage. Denn er räumt das blöde "Ärgernis Katholischer Glaube" von selbst aus dem Weg. Wer glaubt denn noch an "eines Wesens mit dem Vater" ... wir leben im 21. Jahrhundert!)

Wer sich die Missionsmethodik (er selbst hat sich gegen dieses Wort freilich zu wehren versucht) des Hl. Franz Xaver ansieht muß angesichts solcher Papstworte fragen, wovon dieses Urbild aller Missionare der Kirche, der gewaltige Erfolge hatte (!), einen ganzen Kontinent fast im Alleingang bekehrte (weil so viele zuvor eines nicht hatten, was er eben besaß: Ähnlichkeit mit dem Gekreuzigten, hinter den er ganz zurücktrat, und genau darin seine Gaben - als Antwort auf das Begegnende in der völligen, von keinem Selbstischen gehinderten Hingabe daran - entfaltete) wovon der also überhaupt redete, was er tat, als er die Heiden einfach … Gebete auswendiglernen ließ, und als er sie vor allem - das Glaubensbekenntnis lernen ließ. Auswendig. Die wollten, verlangten das sogar, weil sie wußten, daß hier alles seinen Anfang nehmen konnte, was sie an Franz Xaver erfahren hatten, ihm also glaubten. Weil sie ihm glaubten, wollten sie wisse, woran er glaubte. Und er verriet es ihnen. Als Text, der sich dann erst nach und nach im Verständnis und damit im Fleisch erfüllen konnte. Aber erst muß man wissen, wonach man sich überhaupt ausstrecken soll. Die Füllarbeit bleibt stets und auch temporär schwankend unvollkommen, wir werden sie nie ganz abschließen können, weil Gott unendlich ist. Und damit sind es auch die Geheimnisse des Glaubensbekenntnisses. Das bis vor wenigen Jahrzehnten auch jeder Schüler im Religionsunterricht einfach … auswendig lernen mußte. So fing alles an. Und ohne es - hätte nie etwas angefangen.

Oder wer spricht von jenem Stadium, in dem alle Einzelinhalte des Glaubensbekenntnisses zu einem einzigen Gesamtsymbol zusammengewachsen sind, sodaß sich gerade im Leiern, im scheinbar (!) gedankenlosen Heruntersagen - der tiefste Glaube überhaupt auszudrücken beginnt? Da ist scheinbar nur noch ein "auswendig Heruntersagen." Im Auswendiglernen - das Englische nennt es ja sogar: "learning by heart", bezeichnet also genau, was da geschieht - wird der erste Schritt zur Aneignung getan. Aber es ist der unerläßliche Schritt! Nichts kann ihn ersetzen,  nichts ihn überholen.

Wieviel ließe sich dazu noch sagen.

Wer braucht scheinbar heute aber noch Symbole (und auch Sprache, Wort und wahres Wort ist Symbol)? (Außer katholischen Katecheten, die mit geheimnisvollem Raunen in der Stimme von Mandalas und Symbolen aus anderen Religionen berichten ...) Wir Katholiken, wir haben doch jetzt die Direktvermittlung! Wir haben doch die Gottesdienste der kuscheligen Wohlfühlnähe, da braucht es keinen Geist mehr, nur noch Methoden der Selbstbefindlichkeitsproduktion. Wir haben doch die Banalität neu erfunden!

Lediglich völlige Wirklichkeitsverweigerung, gepaart mit regelrechter Unbildung und Kenntnislosigkeit kann zu solchen Aussagen bewegen, nur Krankheit des Geistes kann sie tun, anders kann man das nicht sagen. Die übrigen und so weiten Implikationen sollen dem Leser anheimgestellt bleiben. Das aber sogar dann noch zu rechtfertigen, das "Wahre" - an solchem "Holler" - zu suchen, zu erklären "daß er, der Bobschd, es ja anders und eh richtig gemeint habe", zeigt, wie weit sich diese Krankheit bereits ausgebreitet hat. Diese Leute verfehlen völlig den Aufruf der Zeit, und sie vollziehen damit, was sie selbst als Schaden auf ihre Fahnen geschrieben haben, und all das - nicht zufällig. Denn was auch der Verfasser dieser Zeilen in den 1970igern erlebt hat, dem er selbst ausgeliefert war (und dessentwegen er sich damals von der Kirche völlig entfernte*), wird ihm heute in den Zusammenhängen sehr klar.

Von "Zeitgemäßheit" solcher Verkündigung zu reden kann sowieso nur Debilen passieren, aufgewachsen in der Separatwelt einer geschützten Werkstatt, zu der die Kirche seit den 1970igern verkommen ist. Und die Theologen fast sämtlicher Fakultäten "der Kirche" arbeiten längst und effizient daran, die Menschen in neuen Indifferentismen zu schulen, diese zu "begründen", damit sie einmal in der Lage sind, zu glauben auch OHNE Glaubensinhalte. Mit jeder Wette -nicht einmal in Südamerika, namentlich in Argentinien, gibt es noch eine formalistische Verkündigung. Sonst würden nämlich nicht Katholiken in Massen zu den Freikirchen wechseln (oh, Pardon, ist ja alles eins, hat der Papst ja eingehend noch seinerzeit demonstriert.) Dann würden sie nämlich die tiefen dogmatisch-philosophischen, wesentlichen (!) Unterschiede erkennen, und wenn sie das Glaubensbekenntnis kennten (und dazu muß man es einmal "kennen", im literalen Sinn, weil es überhaupt erst lebendig und aussagekräftig werden kann, wenn man es auch auswendig kennt), nicht so einfach den Fliegenfängern auf den Leim gehen.

Ach, es läge nur an den Medien, die alles so verzerrt, so einseitig darstellten? Oder drückt er sich einfach ein bisserl "ungeschickt" aus? Wissen Sie was, geneigter Leser? Man muß hier doch dann sogar von einem wahren MEDIEN-DESASTER sprechen, das dieser Papst anrichtet bzw. pausenlos erleidet. Seine "Zeitgemäßheit" bezieht sich dann offenbar nur darauf zu meinen, daß aus der Bedienung des "send"-buttons auf der iPad-Anzeige auch Medienkompetenz erwachse. So verhalten sich kleine Kinder, die meinen, weil man etwas bedienen könne, es auch zu beherrschen, weil ihre Vernunft noch unentwickelt ist, sich im Teil verliert.

Wenn ich aber ständig Botschaften die mißverständlich weil zu wenig klar sind auch noch über Kanäle absetze, die sie "verzerren", dann müßte man sich doch ganz andere Fragen stellen? Und zumindest einmal den Finger vom "send"-button lassen, weil ich offenbar zu naiv bin, mit den Medien umzugehen. Nicht Lastwagen voller Sägespäne urbi et orbi auf den Petersplatz kippen und dann erklären, man habe doch nur die drei Senfkörner gemeint, die jemand darin gefunden hat. Nach dem Motto: Die anderen (die nämlich, die noch das pure Glaubensbekenntnis auswendig kennen, deshalb wissen, wonach sie suchen müssen) werden's schon richten, ich mach es mir solange mal auf der Couch gemütlich und brabbele in Filzpantoffeln beim Teeplausch so vor mich hin. Hitler (und so mancher andere Diktator) hat auch Lastwagen voll geschwafelt, und die Körnerausleser haben daraus Genie konstruiert, weil ja doch sein mußte, was sein sollte. Wobei der das deshalb tat, weil er noch seinem Hund beweisen wollte, was für ein großer Führer er sei. Dieser Papst will  ja nur beweisen, wie ungeheuer amikal er ist. Wobei er ja auch meint, daß DAS das sei, wofür alle zu stehen hätten. Denn ausbaden mußte es weder Hitler, noch dieser Papst. Gefallen sind Hänschen Müller und Liesl Plauensteiner aus Zürnberg an der Kleinen Wupper. Dabei hat Hitler doch auch nur den "send"-button betätigt.

Es wird sich erfüllen, wovon diese 1970iger (und aus dieser Schule genau stammt ja auch erstmals ein Papst) alle geschwafelt haben und noch immer schwafeln. Es wird der Tag der Laien kommen, und er scheint nicht einmal fern. Nämlich der, an dem die letzten verbliebenen katholischen Laien (manche Priester und Bischöfe an der Hand hinter sich herschleppend, die mit trotzigem Blick ins Publikum murmeln, daß sie "voll dahinterstehen"), die die noch das Glaubensbekenntnis auswendig könne, die Engelsburg im Sturm erobern, und den Rest des Vatikan mit eisernen Besen auskehren, und per "vox populi" einen Papst akklamieren. Der zuerst einmal beweisen muß, daß auch er das Glaubensbekenntnis auswendig kennt, sodaß er es bei alle, was er dann auch sagt, nie vergißt. Als Orientierungspunkt, als Meßlatte, als Prüfstein der Worte.

Wäre nicht das erste mal in der Kirchengeschichte. Getan von jenen, die das Glaubensbekenntnis noch auswendig hersagen konnten, und denen sich deshalb erschlossen hatte, mit der Zeit, was an unglaublicher Tiefe dahintersteht, die in so wenigen, präzisen Sätzen, an denen kein Wort umzustellen, kein Wort wegzunehmen ist, formulierbar (und als Symbol: teilhabbar, "besitzbar", zum Material des Geistes) gemacht wurde.

Es ist höchste Zeit, die Dinge beim Namen zu nennen.



*"Zurück" kam er genau durch das, was er noch als tote Formeln wußte, an dem er sich aber wieder langsam aufzuziehen begann. Mit der ewigen Dankbarkeitspflicht, von einer "formalistischen" Liturgie wenigstens seine ersten neun Lebensjahre geprägt worden zu sein, sodaß in ihm fleischlich war, woran der Geist zu zweifeln begonnen hatte. Woran aber soll sich die heutige Generation aufziehen?


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Völliges Umdenken (2)


Teil 2) Schaubergers Ideen - Der Film




Über Details etwa der Schauberger'schen Ansätze zu diskutieren ist deshalb vermutlich noch wenig produktiv. (Schön sind die ihm nachempfundenen Apparate auch nicht gerade, was auf jeden Fall einen Mangel anzeigt.) Und bedauerlicherweise finden sich seine Ideen auch meist in der esoterisch-irrationalen Ecke. Es muß aber zuerst um geistige Grundfragen, deshalb um Philosophie, nicht um phantasievolle oder subjektivistisch versonnene Weltbildentwürfe gehen. Wer glaubt, sich diese Mühe ersparen zu können, hat bereits den Zug versäumt.

Wiewohl manche Ansätze (man nehme die zur Flußregulierung) wohl sofort umsetzbar wären, manchmal sogar schon umgesetzt werden. Sehr gut ist auch ableitbar, wie begrenzt menschliche Einflüsse sind, denn die Kreisläufte der Natur sind wesentlich abgegrenzter, als lediglich begriffliche Abstraktionen, die real gar nicht existieren - "Weltklima" - glauben machen. Ein allgemeines Prinzip hat er darin entdeckt, als er die TemperaturDIFFERENZEN so bedeutend gewichtet hat. Denn die Glättung der Dinge als Auslöschung ihres Eigenseins, damit aber, in der Auslöschung ihrer Beziehungen, im Erlöschen ihrer Eigentätigkeit (das in die Zweitwirklichkeit reiner Ideenwelten flüchtet), findet sich bis in die heutige "Anti-Diskriminierung" oder päpstliche Aufrufe zur "Zärtlichkeit" als Aufrufe, Differenzen real zu ignorieren.

Er selbst mußte deshalb nicht zufällig zur Kenntnis nehmen, daß auch seine "Technik" zur Beschleunigung der Zerstörung verwendet werden kann, udn wurde: Seine großartigen Holzschwemmen etwa haben die "Entwaldung der Wälder" sogar noch optimiert. Wald bedeutet nicht "Anzahl von Bäumen", sondern ist weit mehr. Das kommt heraus, wenn man seine Ansätze mit dem "alten" Ansatz nimmt, dem seiner mit 180 Grad entgegenstand, wie er selber auch in anderen Ansätzen meinte. "Das Naturprinzip ist Implosion, nicht Explosion," schreibt er etwa einmal.

Was zu bedauern ist ist also gewiß, daß Schauberger sein oft so richtiges  Fühlen und Ahnen nicht in klares philosophisches Denken umformen konnte. Es hätte ihm viele Ansätze viel präziser und verstehbarer, damit nämlich auch umsetzbarer machen können. Eine "Krankheit", unter der so intuitive Charaktere wie er leider oft leiden. Sodaß sie woanders herauskommen, als sie beim Einschlüpfen beabsichtigt hatten. Was er zum Beispiel mit "metaphysischer KraftERZEUGUNG" beschreibt, ein Physikalisierung des Geistes, zeigt seine letzthinnige und eigentlich sehr bedauerliche denkerische Verwirrung. Denn ... da wird es blanker Unsinn.

Aber es erklärt seine Beschlagnahme durch die Narren (die in Wahrheit lediglich Lügner sind) der Esoterik*. Schauberger merkt nicht, daß er mangels denkerischer Formung im Nihilismus landet. Sodaß seine "letzten Erklärungen" nur noch abstrus sind, weil er technizistisch fortdenkt, was nicht technisch ist. Womit er letztlich sogar in stumpfsinnigen sozialen Utopien landet.

Je größer, je allgemeiner, je unkonkreter seine Erklärungs- und Lösungsvorschläge werden, desto groteskter werden sie also damit. Und er begann zu scheitern. Seine Maschinen wurden nicht mehr gebaut, oder versagten. Worin bemerkenswerte Parallelen zu Wilhelm Reich bestehen, der genauso die "Weltenergie" (Gott) technisch manipulierbar darstellte. Nihilisten werden zwangsläufig größen-wahnsinnig. Die Weltursache wird ihnen zur Idee.**




*Esoterik ist genau das nicht, als was sie von ihren Vertretern ausgegeben wird: Sie ist KEINE spirituelle, und schon gar keine religiöse Bewegung oder Suche aus religiöser Bewegtheit. Sie ist die Lüge der Unaufrichtigkeit, ein Charakterschaden. Esoteriker sind Lügner durch und durch.


**Ein wirklich ausgzeichnetes Beispiel für die daraus folgende Schwafelei bietet das Interview mit Jakob Mayer auf Youtube. Da stimmt sogar das eine oder andere an Teilaussage. Noch mehr freilich spielt der Narzißt, der da in Turnschuhen dasitzt und redet, genau mit solchen allgemeinen Aussagen. Aber in Summe ist es exakt das Gegenteil von Geistigkeit - eine einzige Schwafelei der Invertiertheit. Wie heißt es so schön? Am Abstieg begegnet einem dasselbe wie beim Aufstieg. Der Unterschied zeigt sich in einem simplen Vergleich: Der Esoteriker sucht im Einzelnen das Viele, er kommt deshalb nie zum Ende, jedes begegnende kann sein Grundsystem überwerfen. Er kommt nie zur Ruhe, es sei denn er lähmt sich im Schein durch Techniken. Der Metaphysiker (...) kommt im Einen zur Ruhe, das alles enthält, aber im Vielen Einzelnen nicht erschöpfbar ist. Deshalb kennt diese Denkweise auch keinen Unterschied zwischen Anorganischem und Organischem, zwischen Anorganischem und Tier, und zwischen Tier und Mensch. Sie habne keinen Geist, und deshalb erkennen sie auch keinen Geist. Übrigens: GENAU DAS, was hier bereits dargelegt wurde, offenbart sich auch in diesem Video von Mayer. Der tatsächlich den Informationsinhalt einer DVD (bzw. Internet AUS Esoterik) als Emanation des Weltengrundes sieht. Hier zeigen sich die Extremata, in denen auch Schauberger gelandet ist: "Ein Mensch wird, was er trinkt. Wasser ist Bewußtsein. Trinkt er gutes Wasser, wird Friede auf der Erde." Wie bitte? NEIN! Sie sind lediglich Schmarotzer am Konkurs des Rationalismus.


Teil 1





Teil 2




Teil 3




Teil 4




Teil 5



Teil 6




Teil 7




Teil 8




Viktor Schauberger - Vermutlich einzige erhaltene Tonaufnahme aus 1955
"Alles fing an, als ich mir die Frage stellte, wie es möglich war, 
daß Forellen selbst bei stark fließendem Gewässer 
mühelos gegen die Strömung stehen können."







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Wie wir leben

Eine Prinzessin aus dem Hause Colonna in der Galerie des Palasts ihrer Familie in Rom, der dort einen ganzen Häuserblock einnimmt.


Gesehen auf everyday_i_show



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Freitag, 14. Februar 2014

Faktoren gesellschaftlicher Prozesse

Intelligenz als die Fähigkeit, Erkenntnis über die Welt zu generieren, um damit in ihr zu leben, mit ihr umzugehen, baut in hohem Maß (wenn auch nicht erschöpfend so beschreibbar) auf zwei Faktoren auf: Der inneren, geistigen Aktivitätsbereitschaft, sowie der Fähigkeit, sich Wahrgenommenes zu merken. Denn nur so lassen sich Schlüsse ziehen, durch Vergleichen Abstrahierungen erkennen, die Vielfältigkeit der Erscheinungen auf ihre Gemeinsamkeiten hin erkennt und in Handhabungstypen ordnet.

Nun stellt man fest, daß Intelligenztests bei sehr einfachen Problemstellungen ansetzen. Weiss schreibt in "Die IQ-Falle", daß dies keineswegs eine Unterforderung der Intelligenten darstellt, sondern darauf Bezug nimmt, daß sich komplexe Probleme nur als Konzentrierung vieler einfacher Lösungsschritte darstellen lassen. Die höchste Mathematik setzt bei einfachsten Identitätsfragen (1=1) an. Nur wer diese einfachen Dinge entsprechend lösen kann, kann auch höhere Probleme lösen.

Damit ergibt sich ein nächster Schritt. Daß nämlich die Leistungsfähigkeit eines Menschen, die sich zwar keineswegs (!) in jedem Einzelfall, aber als statistische Wahrscheinlichkeit**, auch in seiner Stellung in einer Gesellschaft ausdrückt. Denn die Fähigkeit, größere Probleme zu lösen, zu abstrahieren (auch als Grundfähigkeit, zu leiten, zu führen) wird auch höher im Ansehen (und Bezahlung) durch die Gesellschaft ausgedrückt.

Diese Fähigkeit, die aber nicht einfach - zumal heute - in akademischen Graden oder Ausbildungszertifikaten abzulesen ist, hat nun ein interessante Eigenschaft: Intelligenz und Problemlösungskapazität verhalten sich zueinander nicht linear, sondern sprungprogressiv. Das heißt, daß sich eine Differenz im IQ von (sagen wir) 105 zu 125 nicht in "18 %" ausdrückt, sondern in einem VIELFACHEN davon. Weiss nennt das Doppelte, andere gar das Vierfache. Damit hängt auch der soziale Schichtenbau mit Intelligenz zusammen. Und dieser Schichtenbau ist (immer) dreistufig: Oberschicht - Mittelschicht - Unterschicht. Noch einmal: Es handelt sich hier um statistische Größen, während der Einzelfall IMMER individuell zu betrachten ist.

Gleichzeitig funktioniert ein Gemeinweisen nur, wenn es zu einem adäquaten Größenverhältnis dieser Schichtungen kommt. Bei einer zu geringen Elite (Weiss setzt mit vielen anderen Autoren diese Elite mit 8-9 % der Bevölkerung an) versagt eine Gesellschaft ebenso, wie bei einem je zu geringen Anteil von Mittel- und Unterschicht. Dies hat schon alleine mit den Überlebensstrategien der oberen beiden Schichten zu tun, wo die eine sich erhalten, die andere die über ihr stehende ersetzen will, sie also anstrebt. In sich stabil, also ohne diese deutlichen Aufstiegsaspirationen, ist lediglich die Unterschicht. Diese Tendenzen werden noch dadurch verstärkt, daß statistisch in hoher Korelation in Ehen die Partner immer Partner gleicher Intelligenzstufe suchen. Die sich in der Mittelschicht (die exakten Faktoren und Argumente dafür liefert u. a. Weiss) bereits zu mischen beginnen.

Während zu hoher Anteil an Elite (mit entsprechendem Selbstanspruch) die keinen Platz in der wirklichen Führungsschichte finden (ebenfalls historisch belegbar, es sei u. a. auf die hier bereits eingehend besprochene Studie über Revolutionen von Brinton Crane hingewiesen) das entscheidende revolutionierende Element ausmacht. Ohne hier noch auf die Implikationen einzugehen, daß hohe Massenausbildung (zumal als "soziale Maßnahme" instrumentalisiert) zwangsläufig das deutliche Sinken der Intelligenz der (titulierten) Ausbildungsgräger zur Folge hat. Ausbildungszertifikate verlieren also ihren inneren Wert, etwas das wir heute längst beobachten können, die Akademikerarbeitslosigkeit etwa zeigt das an.

Noch eine interessante Erkenntnis läßt sich aus dem historischen Studium von Fakten ablesen: Entgegen einem landläufigen Vorurteil ist es historisch gesehen NICHT die unterste Schichte gewesen - wenn es im historischen Spiel auch zu gewissen Pendelbewegungen kommt - die die höhste Vermehrungsrate aufwies. Sondern es war die Mittel- und Oberschicht. Dieses Verhältnis hat sich heute umgekehrt, vermutlich als direkte Folge der Sozialstaatspolitik, obwohl der Verfasser dieser Zeilen darüber noch andere Ansichten hegt. Die zwar auch den interventionistischen Staat der Moderne als Ursache sieht, aber in anderen Zusammenhängen mit der Familienentwicklung.

Und es war die städtische Bevölkerung. Weiss liefert (mit zahlreichen anderen Autoren) schlagkräftige Hinweise, daß Intelligenz und Stadt, mit ihren entsprechenden Erwerbsformen, direkt zusammenhängen. Genauso, wie Intelligenz und Herkunftsfamilie, Abstammung in genetischer Betrachtungsweise.*** Der Versuch, Sozialpolitik durch "Bildung für alle" zu betreiben, ist also in sich zum Scheitern verurteilt, provoziert aber zahlreiche (und viel fundamentalere) Soziialprobleme, indem er die Fakten ignoriert und über das Zertifikatswesen neue soziale Spannungen herstellt, indem er das realistische Zuweisungsgeschehen der Menschen, die einander ihren Platz aufgrund realer Erfahrungen miteinander zuweisen, manipuliert, auf eine andere Ebene schiebt. Deren Wirkmechanismen von der Intelligenz zu gewissen Charakterdispositionen verschiebt. Damit dünnt sich eine Gesellschaft in ihrer Problemlösungskraft selbst aus, wird salopp formuliert zu einem Intrigantenstadel, wo es nur um die Sitzplätze geht, nicht zu einem gesunden Organismus. Dem aus bestimmten Gründen vielfach gerade die Intelligentesten zum Opfer fallen, und zu einer kritischen Masse revolutionären Potentials werden.****



*Mit einer wichtigen Ergänzung: Intelligenz, meßbare Intelligenz, spielt für sich betrachtet zwar EINE Rolle in der Entwicklung eines Menschen, aber sicher nicht alleine, und ist schon gar kein Parameter des "Werts" eines Menschen.. Wissenschaftliche Erfassung von Intelligenzneveaus und statistische Zusammenhänge (und damit "bestimmtes Wissen", das aber in seiner Ontologie noch keine Verankerung, Einordnung im Insgesamt hat) mit gesellschaftlichen Prozessen haben also gewiß ihren Wert, aber sie sind - schon gar nicht im Einzelfall - "anwendbare Urteils- und Handlungskriterien" oder moralische Wertmaßstäbe.

**Eines der Probleme Israels ist, daß aus verschiedensten Gründen der durchschnittliche IQ des Landes deutlich über dem der übrigen Welt liegt, was historisch belegbar ein Land in die Selbstzerstörung treibt. Israel braucht deshalb die Palästinenser, deren IQ im Schnitt deutlich darunter liegt. Mit der Konsequenz, daß die hohe Intellektuellenquote in Israel palästinensichen Intellektuellen keine Überlebensmöglichkeit bietet.

***Die Statistik untermauert hier das alltäglich zu Beobachtende: Partnerschaften (Nachwuchs) kennzeichnen sich zumeist durch ein vergleichbares Intelligenzmaß. Je unterschiedliche die Intelligenz der Partner ist, desto mehr "mendeln" (also: Verteilung nach mendel'scher Vererbungslehre) die Intelligenzniveaus bei den Nachkommen. Während anderseits statistisch die Intelligenzniveaus von Familienmitgliedern die höchsten Ähnlichkeiten aufweisen.Diese Tatsache gewinnt übrigens bei der Betrachtung der historischen Entwicklung der Juden als in sich abschließende Bevölkerungsschichte - mit nachweislich höchster Intelligenzkonrentration - im Zusammenspiel von Erbfaktoren, sozialer Stellung und politisch-historischen Faktoren nahezu exemplarische Bedeutung. Und sie sind nicht einmal historisch völlig "einzigartig" darin: Etwa die Geschichte mancher Länder mit chinesischen Bevölkerungsanteilen in Südostasien zeigt erstaunliche Parallelen, bis hin zu den Pogromen.

****Dieses Problem trifft in besonderer Weise auch Österreich, und zwar schon aus historischen Gründen: Als 1918 die Monarchie zerfiel, blieb ein ungewöhnlich hoher Anteil an Menschen in Österreich zurück, der der obersten und mittleren Schichte - Bildungsbürgertum, Elite - angehört hatte. Denn Wien war historisch gewachsen das intellektuelle und verwalrungstechnische Zentrum eines einst acht mal so großen geographischen Raumes wie 1918, dem nun der Corpus fehlte, auf den sie hinorientiert war. So manche typisch österreichische Eigenschaft - der sprichwörtliche Neid, als Problem des Platzes in der Welt, nicht zuletzt - läßt sich nur daraus bereits verstehen. Von Österreich sagt man nicht zufällig, daß "jeder Teamchef" ist, "jeder Bundeskanzler" sei, etc. Als General Clerk 1945 durchs Land fuhr - die Anekdote wurde an dieser Stelle bereits in voller Länge erzählt - meinte er symötomatisch: "Call everyone a Doctor. In Austria everyone is a Doctor." Das Gefühl, unter Wert vom Leben behandelt zu werden, ist in Österreich also schon aus historischen Gründen besonders verbreitet.



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Völliges Umdenken (1)

Jean-Henri Fabre schreibt einmal, daß alle die modernen (naturwissenschaftlichen) Ideen von Menschen in Umlauf gesetzt wurden, die Schreibtischtäter waren und sind. Woran es so fundamental mangelt ist das intensive, staunende, das Detail wirklich aufnehmende Beobachten der Natur selbst. So, wie er es mit seinen Insekten tat. Niemand mit solchen feinen Ohren und Augen wäre etwa auf den Evolutionismus der Gegenwart gekommen.

Wer - so wie auch der Verfasser dieser Zeilen das Glück in seiner Kindheit "im Wald" hatte - stundenlang auf dem Boden liegt und den Lebewesen zusieht, kommt zu völlig anderen Ansätzen über das Wesen der Wirklichkeit, als sie heute weil seinsvergessen das Denken zum Rationalismus lähmen.

Einen sehr ähnlichen Ansatz, zu sehr gleicher Zeit, pflegte ein Österreicher. Dieser Film (80 min gesamt) ist dazu äußerst anregend - die Überlegungen von Viktor Schauberger (1885-1958), einem Forstmeister aus dem österreichisch-böhmischen Grenzgebiet. Der von intensiver Naturbeobachtung ausging, und deren Prinzipien aufnahm, und zu einem neuen Ansatz in der Technik führte. Frei von Obskurantismus und Immanentismen, sieht man den vollen metaphysischen Hintergrund - von dem im Grunde Schauberger ausging. Mit Esoterik haben seine Überlegungen damit nichts mehr zu tun. Dafür aber alles mit ausgereifter Naturphilosophie, der es auf so erschütternde Weise der gegenwärtigen Wissenschaft fehlt.

Dazu muß man freilich so manche Begrifflichkeit auch in dem Film mit Vorsicht nehmen. Denn mit "Leben" hat "Energie" noch nichts zu tun, das sind keine Real-Identitäten. Gerade im Sprechen von Energie sind viele Begriffe lediglich physikalisch-mathematische Äquivalente, keineswegs identische reale Dinge. Eine Scheidung, die in der Esoterik als Phantasterei der geistigen Trägheit nicht gemacht wird, sodaß sie auf dem Sumpfboden des immanentistischen Technizismus ihre Blüten treibt, die häufig sogar simpelste Begriffsverwirrung sind. Was zu so völlig schwachsinnigen Aussagen führt, und das sogar häufig, wie Gott SEI ("ist gleich") Energie. Gar, die man sich zunutze machen könne. Dazu aber noch später. 

Nur ein radikal neuer Ansatz aber könnte abwenden, darin hat Schauberger zweifellos recht, worauf wir in immer mehr gesteigertem Tempo zusteuern - einem Totalkollaps eines hyperkritisch gewordenen, immer totaleren, umfassenderen Systems, dem keine Optimierung (wie im Zentralismus ja verzweifelt versucht) helfen kann, weil es dadurch noch potentiell-katastrophischere Ausmaße annimmt. 

Nichts muß dabei "weggeworfen" werden, auch keine wissenschaftlichen Teilergebnisse. Aber sie müssen vielfach völlig neu eingeordnet und relativiert werden. Sie bloß als Anwendungsoptimierung, aus der Technik alleine heraus verstehen zu wollen, würde zu nichts führen. Sie als Möglichkeit, die derzeitige Lebensweise zu retten zu verwenden, würde nichts ändern, oder gar zu einer Ökologiepolitik wie derzeit führen, wo man die Umwelt zerstört, um die Umwelt zu schützen. Auch Utopien egal welcher Richtung sind da auszuscheiden, auch sie sind Ausfluß derselben verfehlten Denkweise - des "Drückens", des Explodierens, nicht der Rhythmik des zentrifugalen und -pedalen, wie Schauberger es nennt.

Weil alles aus der Differenz zueinander agiert, aber nicht nur: aus der hierarchischen Ordnung heraus, in der sich alles findet, was ist. Schauberger arbeitet ja in seinem Denken mit genau diesen Beziehungen jeweiligen Selbstseins in Zuständen "zur" anschließenden Welt. Wo das Niedere dem Höheren dient, das Höhere das Niedere passiv aufnimmt, integriert weil transformiert, und in neue, ihm gemäße Aktivität umsetzt. Im Wesentlichen ist das das Geheimnis der einfachsten chemischen Vorgänge. Die großartigen und klaren Gedanken des Chemikers Alwin Mittasch dazu werden an dieser Stelle noch ihren Niederschlag finden.

Auch daß alles, was ist, sich in einer mathematisch erfaßbaren Proportionalität, Geometrie und Größenverhältnissen findet, ist zweifellos richtig. Aber es sind nicht die Größenverhältnisse, die die Dinge konstituieren, sondern diese sind Symbole aus Grundverfaßtheiten der Wirklichkeit, im letzten Analogien (unvollkommene Ähnlichkeiten) zu Gott, dem Dreifaltigen.

Das alles reicht bis zur narrenhaften Physikalisierung des Zeit-Begriffs aus dem Mißverständnis betreffend Einsteins Zeit-Raum-Korrelation. Das Stichwort technisch möglicher "Zeitreisen" soll da genügen.

Deshalb "ist" Wasser nicht "Leben". Man kann es niemals "lebendig" machen, sondern es dient dem Lebendigen, in seiner Stufe, auf seine Art: ganz unten gewissermaßen. Auf daß es alles Höhere aufnimmt und transformiert. So wichtig es dabei auch ist, und so wichtig dabei auch seine physikalisch-chemischen Eigenschaften sein mögen, die eine entsprechend vielfältigere Reaktion/Aktion des Ausnehmenden bewirken (können). Daß es hierbei der ganzen Natur zugrundeliegt ist einfach sachlich davon unterschieden. Was lebt braucht zuerst Wasser, aber Wasser IST nicht das, was real lebendig MACHT.



 Teil 2) Schaubergers Ideen - Der Film




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Donnerstag, 13. Februar 2014

Ende einer politischen Groteske

Erneut meldet sich der Namensvetter des Verfassers dieser Zeilen, der Energieexperte Dipl.Ing. Eberhard Wagner, mit einem wohltuend sachlichen und umfassenden Artikel zu Wort. Worin der das hier immer wieder Vorgetragene zur in jeder Hinsicht gegebenen Absurdität der Energiewende nicht nur stützt, sondern im Detail untermauert. Fazit: Während noch im Jahr 2000 der Energiemarkt als autonomes Wirtschaftsgeschehen funktioniert, ja teilweise Netze mangels Auslastung rückgebaut werden sollten, hat sich der Strommarkt binnen weniger Jahre zu einem vollständig von der Politik abhängigen Geschehen gewandelt, das enorme Kosten produziert, die vor allem eines kennzeichnet: sie werden auf die Allgemeinheit umgewälzt, sie sind sinnlos, und sie haben das Geschehen in seiner Logik komplex und definitiv absurd gemacht. Nur fanatische Tatsachenverweigerung kann davor bewahren, diese Groteske so deutlich zu sehen, wie sie in Wirklichkeit ist. Getrieben vom Bemühen der Politik, das Desaster, das sie und nur sie angerichtet hat, zu verheimlichen.

Spanien kann und will sich als erstes Land diesen Witz nicht mehr länger leisten, und steigt deshalb aus der Energiewende wieder aus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die volkswirtschaftlichen Schäden (von all den anderen gar nicht zu reden) auch den Rest - vor allem Deutschland und Österreich - zwingen, dasselbe zu tun.




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Wie wir leben


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Mittwoch, 12. Februar 2014

Eheziel Gestalterfüllung

Das Erschreckende am Verschwinden der Ehe  - und davon muß man bei dieser Generation sprechen - ist nicht ein irgendwie moralistischer Aspekt. Das sind bestenfalls zweit- oder drittrangige Argumente. Auch das Argumentieren vom Zweck her greift immer zu kurz, und ist nur Ausdruck der Hilflosigkeit. Auf argumentativer Ebene ist die Ehe so gut wie gar nicht zu "begründen". Nicht, weil sie das nicht wäre, sondern weil um sie auf diese Ebene aufzulösen ein ganzes Weltbild in seiner tiefsten metaphysischen Tiefe rational verstanden werden müßte. Eine kaum je gegebene, noch weniger zu erwartende Voraussetzung.

Die Ehe verschwand ab dem Moment, an dem man sie als selbstverständliche Institution in Frage zu stellen begann, sie begann auf Funktionen und Zwecke aufzulösen. Es ist der Verzicht einer Kultur auf Gestalt, und weil die Ehe so tief beim Einzelnen ansetzt, ist die allmähliche Auflösung der Ehe der direkteste Triebstollen, der eine Kultur von innen heraus zersetzt. Alles das vorbereitet durch die Umkehr der Blickrichtung - vom Außen auf das subjektive Innen als Taktgeber des Wirklichen.*

Das bei der Zivielehe begann, über Scheidung bereits disponierbar wurde, über den Feminismus- und Gendergedanken seine wirkungsvollste Keule der Persönlichkeitsentprägung gewann, und in der "Homoehe" seine vermutlich letztmögliche Verdunstung erfährt. Individualentwicklung ohne Gesamt einer Kultur ist aber unmöglich, nicht von einander zu trennen.

Entsprechend ist alles, woraus sie als weltschaffende Wirklichkeit schöpft, ein reales Symbol der ersten Weltkräfte, auf der - nicht VOR der - selbst die Kirche ruht, die in sich dieses wirkmächtige Symbol, nur auf andere Ebene, ist. Die Ehe ordnet vor allem das Zueinander der Einzelnen, damit die ersten Züge einer Individualität überhaupt, in der Geschlechtlichkeit, und sie tut es nicht einfach von innen heraus, sondern als den Einzelnen wie die umgebende Gesellschaft gleichermaßen umfassendes Ordnungsbild. So, wie alles Leben der Vollzug eines Bildes ist. Die Bilder, die "ideas", sind das Leben des Seins selbst.

Wenn junge Menschen "einfach so" zusammenleben, so gibt es nicht einmal mehr dafür "Argumente", die über einzelne Funktionen hinausreichen. Die aber niemals begründen können. Nicht einmal das "Zusammenleben", die "Beziehung", an sich schon ein völlig nichtssagendes Abstraktum, und nicht zufällig. In Wahrheit drückt sich in diesem Drang zum Zusammenleben, der erstaunlicherweise immer noch da ist, eine nicht mehr faßbare Ahnung aus. Vor den wirklichen Konsequenzen aber, die ja tief persönliche Veränderungen einschließen würden, schreckt man dann zurück. 

Die Weigerung zu heiraten, die Unmöglichkeit, in einer Ehe noch einen Sinn zu sehen, bezieht sich also auf die Gestalt. Und in diese allgemeine Gestaltverweigerung eingebettet, die der sicherste Zug zur Auslöschung der Kultur ist, aus ihr motiviert, ist auch die Ehe nicht mehr vorhanden. Was die Menschen auszeichnet, ist genau das: Ihren Lebensvollzug sehen sie nicht mehr in Gestalten. Nur noch in einzelnen Funktionen und Partialerfüllungen, die eines gemeinsam haben: sie sind ... kontrollierbar, sie sind meßbar, "Erfolg" definierbar. Was alleine schon ihren unschöpferischen, monistischen (von einer rationalen Idee gelenkten, entlebendigenden) Charakter zeigt.

Dazu sind einfach die konkreten Charakterformungen nicht mehr vorhanden, denn der faktische Grundansatz der Gegenwart ist das genaue Gegenteil der Wurzel alles Schöpferischen - das Kreuz steht hier gegen die Anleitung, sich die Lebensfrüchte selbst zu holen, die sich genau in dem Maß entziehen, in dem man sich nach ihnen bückt. Die Zweitwirklichkeiten, die losgerissen vom Sein selbst sind, sind unser Lebensmetier geworden. 

Aber alles schöpferische Werden und Tun ist ein tiefes Geheimnis, das sich der menschlichen Machbarkeit entzieht. Deshalb kann auch die Ehe nur funktionieren, wenn sie "einfach so", als Bejahung der vorgegebenen Gestalt, entgegengenommen wird**, als Grundkonstellation die in der Gestalt - in keiner Funktion, in keiner moralischen oder noch so gut gemeinten subjektiven Absicht - enthalten ist (samt allen Folgen***), und sich auf eine als Ehe allgemein erkennbare, definierte Gestalt bezieht. Wer verheiratet ist, kann deshalb nur diese Gestalt wollen, sonst eigentlich schon gar nichts, dort liegt das Wesensbild der Ehe. Wenn aber die Gestalt nicht mehr da ist - ist auch keine Ehe mehr da.




*Was heute im Irrtum zu meinen, Talente "kämen von innen", einen tragischen Höhepunkt zu finden scheint. Tragisch, weil natürlich im Maß der Erfüllung der Invertiertheit genau diese Erfülltheit abhanden kommt, und man sich noch mehr in sich vertieft, um sie zu "finden". Denn Talente - kommen von außen, vom konkreten kulturellen Umfeld. Nur dort erfhalten sie Gestalt. Sie sind im Einzelnen lediglich insoweit verankert, als sich bestimmte individuelle Prägungen von "blinden", unkonkreten Bewegungsbildern angelegt finden, in denen selbst aber keine direkte Aussage über "richtig" oder "falsch" (in Hinblick auf Lebenserfülltheit) steckt. Deshalb ist es ein furchtbarer irrtum zu meinen, eine Kultur würde schlicht vom Innen der Einzelnen gestaltet - sie tut es zuerst von außen her, und tut es später in einem steten Wechselspiel mit vorgegebenen Formen. Ohne ganz konkrete, vorhandene Kultur gibt es also keine Individualentfaltung, sie bliebe blind und ewig unerfüllt. Gerade aber die Reformpädagogiken gehen genau den gegenteiligen Weg. Sie wird noch rascher auslöschen, was der Selbsterfüllung alleine dienen könnte - die konkrete Kultur, wie immer sie aussieht, und wie ramponiert sie immer sein möge. Selbst beim Künstler, der ja nicht zufällig nicht ohne seine faktische (!) Zeit, AUF DIE HIN er sich zu dem entwickelt hat der er ist, zu denken ist. 

**Im Katholischen Raum ist die Ehe sehr stark am individuellen Aspekt orientiert. Im Orthodoxen Raum kommt der Stiftungscharakter der Ehe durch die Gesellschaft (Ekklesia, die Kirche) weit mehr in den Vordergrund, der im Katholischen nicht weniger liegt, aber dort fast aus dem Bewußtsein verschwunden ist. Die aktuellen Ehevorschriften in der Diözese Wien verlangen nicht einmal mehr die Öffentlichkeit durch das sogenannte "Aufgebot". Rosenstock-Huessy schreibt einmal sehr richtig, daß es sogar die HOCHZEITEN sind, auf die es ankommt, weil in ihnen die "Gemeinschaft aller" diese eine Ehe gründet. Hochzeiten sind deshalb einer der grundlegenden Zeitschöpfer.

***Man kann deshalb mit höchster Gewißheit davon ausgehen, daß die demographischen Entwicklungen des letzten Jahrhunderts direkt mit der Stellung der Ehe als Gestalt in den einzelnen Ländern zusammenhängt. Was immer sich deshalb heutige Politik einfallen lassen will, um die "Bereitschaft zum Kind" zu erhöhen, ist deshalb grotesk unwirksam. Und alles, was als "Argument" bei Erhebungen zum Vorschein kommt ("Vereinbarkeit von Karriere und Kind" etc. etc.), ist das hilflose Herumrudern für etwas, dessen Erklärungs- weil Ursachenhorizont schlicht entschwunden ist.

Und die Vergleiche von Ländern zeigen das ja auch, denn was hier scheinbar "wirksam" ist, ist es dort gar nicht, sodaß sich überhaupt kein Schluß aus politischen Maßnahmen ziehen läßt. Weil man eben die wirklichen Zusammenhänge nicht mehr kennt. Weil kennen will. Die Konsequenzen lägen dann völlig woanders, und sind politisch unerwünscht. Europa stirbt aufgrund seiner Ideologien aus, aus sonst keiner anderen Ursache. Und wenn Wohlstand mit Rückgang der Geburtenrate statistisch scheinbar zusammenhängt dann nicht wegen des Wohlstands, sondern wegen der ideologischen Einflüsse, der Verlagerung des Menschen auf Ideologie hin - häufig irrational "Demokratie" genannt - von denen solcher moderner Wohlstand getragen ist. Während ehelos gezeugten Kindern schon ab ovo das Fundament der Weltwerdung in ihrer Erfahrung - und damit der Welt - fehlt.





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Dienstag, 11. Februar 2014

(Schleichender) Paradigmenwechsel

Vielleicht illustriert dieses Beispiel, das der Verfasser in Hans André's "Urbild und Ursache in der Biologie" fand, dem geschätzten Leser  den entscheidenden Unterschied zwischen morphologischem, ganzheitlichen, gestaltorientiertem Denken, und der Denkweise der Einzelwissenschaften. Er ist grundlegend, und schließt sich einerseits zwar nicht aus, wird aber zum Verhängnis, wenn die Quantifizierung der Naturwissenschaft die Gestaltsicht verdrängt, das Denken selbst "quantitätenmorphisch" macht. Und damit den Zweck, den (herausgegriffenen) meßbaren Nutzen, zur abstrahierten Ursache setzt,* und aus diesen Zwecken schließlich ein ganzes Weltbild konstruiert, das als Interpretationshorizont alles weitere Forschen eingrenzt und bestimmt.**

Weil die Pflanze in ihrer Bestimmungsbereitschaft lichtgeöffnet wie eine aufblauende Finsternis und zugleich im Höchstmaß rein und aktiv lichtbezogen (und darum die gelben Strahlen am meisten ausnutzend) ist, kommt ihr als konforme Ausdruckqualität das Grün zu. Das ist die höchste Perspektive, unter der ich hier die Qualität Grün in ein einsichtiges Ordnungsschema bringen kann. 

Für den Ökologen und Physiologen liegt das Problem eine Stufe tiefer. Der Ökologe betrachtet das Grün unter dem Gesichtspunkt der möglichst zweckmäßigen Energieauswertung des Sonnenspektrums durch die Pflanze.Die Pflanze ist für ihn grün, WEIL SIE DADURCH die vielen roten Strahlen gegen die Dämmerung hin noch ausnutzen kann und nicht zu viel Wärme absorbiert, was z. B. der Fall wäre, wenn sie in schwarzer Färbung dem heißen Sonnenlicht ausgesetzt wäre. 

Die Einpassung des vitalen Energietransformators in sein natürliches Medium ist das Problem des Ökologen. Auch wie in bestimmten Fällen eine chromatische Anpassung an die veränderte Beleuchtung stattfinden kann, ist für ihn von Interesse. Den Physiker schließlich interessieren nur die Bewegungsvorgänge, die mit dem optischen Phänomen verbunden und seiner Messung und mathematischen Behandlung zugängig sind.



*Etwa derselbe Prozeß, der sich in Keplers Schriften aufweisen läßt, wo er anfangs noch die Bewegungen der Planeten als von Höherem gelenkt sieht, bis er über deren mathematische Berechenbarkeit zu einem rein physikalistischem Weltbild kommt, wo es "physische Kräfte" werden. Und plötzlich ist der gesamte Kosmos pure mathematische Physik.

**In seiner höchsten Steigerung, die an den Grenzen eben dieses Zweckdenkens auftritt: Der Welt die Kausalität überhaupt abzusprechen, sie zum (sinnlosen) Zufall zu erklären, weil sie (wie in der Quantenphysik) nämlich aus den Zweckhorizonten heraus (logischerweise!) nicht erklärbar ist.



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Wie wir leben








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Montag, 10. Februar 2014

Machterfahrungen

Einen interessanten Kommentar zur Lage in Ägypten konnte man im Schweizerischen Fernsehen auf "Sternstunde Philosophie" hören. Das Land ist nicht mehr homogen, sondern zerfallen. Reinhad Schulze, ein Islamwissenschaftler aus Bern, meint, daß heute eine Vielzahl von Parallelwelten abgeschlossen nebeneinander existieren. Die Spaltungen der unterschiedlichsten Wert- und Lebensvorstellungen gehen auch mitten durch die Familien. Mit einer neuen Rolle des Militärs: Alle erhoffen sich Stabilität vom Militär, als Übervater.

Schulze meinte, gaß es in den vergangenen Revolten gar nicht um Politik ging, sondern rein um individuelle Lebensentwürfe. Als eine Art Befreiung von den zuvor traditionellen Lebensweisen, sollten alle Grenzen weichen. Entsprechend sind aber nun in der aktuellen liberalen, modernen Verfassung, die von einer beträchtlichen Mehrheit im Lande gewählt wurde, konkrete Lebensentwürfe, politische Programmteile enthalten, was für eine Verfassung seltsam ist, weil dort gar nicht hingehört.

Wer nun gegen die Verfassung ist wird dämonisiert, wird zum Feind des Landes gemacht. Ein neu entfachtes Nationalgefühl (als psychologische Klammer) spielt eine ungemein starke Rolle, und Vertreter anderer Meinungen werden zu Staatsfeinden. Die ägyptische Gesellschaft selbst wurde zum Diskussionsinhalt, der Diskurs in welcher Gesellschaft man überhaupt lebe spielt nun eine enorme Rolle, wobei sich weit auseinanderliegende Vorstellungen gegenüberstehen. Manche Gruppierungen (wie Kopten, Nuber etc., aber auch die Muslimbrüder) sind nun von öffentlichen Positionen (wie Militär) ausgeschlossen. Ägypten ist zu einer Föderation geworden. Die Polizei hat wieder genau so viel Macht und Einfluß wie vor den Umwälzungen.

Gewinner der Situation sind nun kleine, ultrareligiöse Gemeinschaften, die wie in Syrien oder im Irak zu agieren beginnen. Verlierer ist die breite, alte Mittelschicht. Die Auswirkungen reichen bis in die Türkei, wo Erdogan erleben muß, wie die auch von ihm präferierte muslimische Bewegung aus der Politik zurückweicht. 

Die Muslimbrüder sind an sich als ein stabiles sozial-religiöses Milieu zu sehen,. wo die Menschen innerhalb fester, traditioneller Werte und Vorstellungen leben. Sie waren nicht direkt politisch, weit mehr durch soziale Aktivitäten aktiv, bis sie sich daraus heraus in den letzten Jahren zu einer politischen Partei entwickelten - nun ist die ganze ägyptische Gesellschaft politisiert.

Der Westen, so Schulze, hat Ägypten überfordert, in dem man stabile politische Strukturen verlangte. Die Revolte von 2011 war lt. Schulze aus dem Wunsch geboren, endlich den Staat als Taktgeber der Lebensweise abzuschütteln. Man wollte eine plurale politsche Landschaft von Meinungen. Aus denen hätte es Jahre gedauert, bis sich auch eine politsch-demokratische Struktur ergibt.*

Daraus ist auch ein Druck entstanden, meint die ägyptische ´Publizistin und Lehrerin Jasmin el Sonbati dazu, der Welt nun zu beweisen, daß man ihr widerstehen kann, eine eigene Form entwickeln kann. Der Islam, so Sobati, hat sich leider sehr stark verkürzt, ist zu einer reinen normativen Kraft geworden.

Wobei Schulze darauf hinweist, daß man gar nicht davon sprechen kann, was überhaupt "islamisch" ist. Und da wird's interessant.

Die erste Steinigung einer Frau fand im späten 17. Jhd. statt, und wurde heftigst kritisiert. Von einer einheitlichen Religionsgemeinschaft kann man heute gar nicht mehr sprechen, die Vorstellungen differieren von einem Extrem zum anderen. Der islamische normative Moralismus ist eine sehr moderne Erscheinung, und wurde vor allem im 19. Jhd. stark. Die Moderne hat sich Religionsformen erschaffen, für die das islamische Feld nur ein Forum ist.

Syrien, so Schulze, ist kaum noch zu rekonstruieren, das Land is tbereits unrettbar zusammengebrochen, der gesellschaftliche Kit einer Zukunftsvision existiert nicht mehr. Vom benachbarten Irak gilt ähnliches zu sagen. Die islamistischen Bewegungen - an sich eine kleine, aber radikale, militärisch starke Gruppe - zwingen dabei, Syrien mit dem Irak zusammen zu denken, denn deren Ziele (als Gottesstaat) liegen in diesem gesamten geographischen Raum. Man muß sie aber klar von den Muslimbruderschaften abgrenzen, von denen sie Welten trennen.

Der nachhaltigste Effekt aus 2011 ist die Mobilisation der Bevölkerungen. Diese Erfahrung der Macht zur Destruktion wird bleiben, schon gar, weil der "Arabische Frühling" vor allem von den Jungen getragen wurde.




*Spätestens an diesem Punkt muß man die Einschätzungen Schulzes auf ihre Relevanz hinterfragen.




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