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Dienstag, 10. Oktober 2017

Von der zeitlosen Zeit

Wenn es also so ist, daß erst mit dem Anwesen des Seins überhaupt Zeit entsteht, als Folge des Seins, dann ist die Transzendierung auf das Sein hin, auf den Sachverhalt, wie Heidegger es einmal ausdrückt, das Tor, durch das Zeit in die Schöpfung kommt. Damit wird die Zeit an den Menschen, an die Schöpfung gehängt, damit wird sie relativ zum Kreuz, zur Selbsttranszendenz, ja zur Wahrheit.

Es erklärt auch, warum man im Alter die Zeit als immer rascher vergehend erlebt. Heidegger hat Recht wenn er sagt, daß es ein Fehler ist, Zeit an das rein "psychische Erfahren von Dauer" zu verweisen. Der wahre Grund der Relativität der Zeit liegt tiefer, und es waren vor allem die Uhren (die ja auch nur ein Vergleichsmodus sind), die diese falscher Vorstellung einer linearen, gleichförmig voranschreitenden Zeit brachten, was sich zur Illusion verdichtete, daß "Zeit" etwas gleichförmig Voranschreitendes sei, ja DAS gleichförmig Voranschreitende sei.

Daß heute alle älter werden, wie es die Statistik sagt, ist dann der Barmherzigkeit Gottes geschuldet, der jedem Zeit läßt, mehr Zeit, doch noch zum Leben zu kommen. Nein, präziser: Es ist die Tatsache, daß es uns tatsächlich an Zeit mangelt, weil wir bestenfalls der "hereinbrechenden" (anwesenden) Zeit nicht-menschlicher oder gar unter-menschlicher (vegetativer) Vorgänge ausgeliefert sind.

Jeder von uns hat doch schon erlebt, wie in Augenblicken höchster geistiger Präsenz (wie bei Unfälle, in Todesgefahr etc.) die Zeit "langsam" zu werden scheint. Das scheint nicht nur so, das ist auch so. Es ist dann überhaupt erst Zeit, als gewissermaßen zeitlich-weltliche Zeit, die über die absolute Zeit im Transzendenten zur Zeit selbst wird. Denn alles ist in dem Maß anwesend, als es am Ewigen teilhat. Zeit ist damit (auch das sagt Heidegger, der in diesem Punkt mit seinem Denken sehr weit kam) eine Folge (sic!) des Anwesend-seins (als Gegenwart, die immer Vergangenes und Zukünftiges zusammenklammert, nur der unendlich kleine Teil ist, als Fenster, durch das Sein einströmt, um Seiendes zu zeitigen, also anwesend zu machen.)

Den Menschen, die Schöpfung umgibt also eine absolute, weltlich gesehen: zeitlose Zeit, die absolute Zeit,. die keine Vergangenheit und keine Zukunft kennt.

Das bedeutet, daß auch das Leben des Lebendigen, das nur aus dem absoluten Leben kommen kann, erst in der jeweiligen Transzendierung auf den Sachverhalt hin (auf den logos, wie der VdZ es hier immer nannte, der somit immer eine Beziehungsdynamik ist, auch darüber wurde hier schon viel geschrieben) in das strömt, was im Ganzen (als Großnetz der Beziehung, gewissermaßen) als Welt bezeichnet wird.

Das erklärt, warum im Zustand des Paradieses gar keine weltliche Zeit mehr existiert, weil es keinen menschlichen Tod mehr gibt, alles nur Leben ist. Zeit wie wir sie heute erfahren, als Vorüberstreichen von rein äußerlichen Vergleichsvorgängen, ist damit eine Folge der Ursünde, des Auseinanderbrechens von Leben und Geist im Menschen, dem es seither nur gelingt, "zeitweise" diesen Geist wieder anwesend zu machen - im besonderen im sakramentalen Kult, der diese Ewigkeit selbst bereits anwesend sein läßt und so alles ins Zeitlose, ins Ewige hebt - im Kreuz, in der Selbsttranszendenz, der einzigen Art, wie diese Dichotomie wieder geheilt werden kann. Daß die Anwesung Nährende ist immer das Ewige, Zeitlose (bzw. absolute Zeit seiende). Im Paradies ist alles ewig anwesend, gegenwärtig, gibt es kein vorher und nachher mehr.

Umgekehrt muß die Verfallenheit in (und an - auch wenn diese Begriffe hier versagen) die Welt (nennen wir ruhig einmal: Lasterhaftigkeit, Getriebenheit von Begierden, usw.) zu einer immer rascher verstreichenden (weil buchstäblich flüchtigen) Zeit führen. Denn dem Dargestellten, dem Anwesenden mangelt es an jener Zeit, die weltliche Zeit überhaupt erst konstatiert, läßt den Ort der Beziehung - den logos, den Sachverhalt (Heidegger) - immer weniger betreten, damit wirklich (anwesend; "gelichtet") sein. Sexuelle Begierde ist ja letztlich gar keine "Beziehung", sie ist ein Zurückfallen auf sich selbst, eine Reduktion auf Beziehungslosigkeit, und damit eine Nichtung. Der Mensch (als Vernunftwesen) fällt auf immer kleinere Lebensvorgänge zurück, die sich aneinander immer mehr beschleunigen*.

Das Gesagte verweist übrigens auch auf Jakob v. Uexküll, der vor 70, 80 Jahren eher abgelehnt wurde, als er das Konzept einer je subjektiven Zeit der Lebewesen vorstellte. Je nach Lebenswelt (die immer "rund" ist, also in seinen Vorgängen vollkommen auf jeweilige Teilwelten der Lebewesen abgeschlossen) hat damit alles Lebendige "seine" Zeit. Das rundet sich aber erst, wenn es mit der Verwiesenheit der Schöpfung auf den Menschen zusammengeschoben wird, wenn also diese Teilwelten der Lebewesen als offen auf den Menschen hingesehen werden. Der sie dann in "seine Zeit" (der zeitlosen, ablauflosen Zeit, gewissermaßen) hebt.



*Der Mensch des Lasters stirbt also früher; die Krankheit ist ein Symptom dafür. Wir haben an dieser Stelle bereits ausgeführt, wie Syphilis als "Ausfall der Führung" gesehen werden kann. Von Aids könnte man dasselbe behaupten. Umgekehrt muß ein Leben der Tugend mehr und mehr zu einer "rascher verstreichenden Zeit" führen. Aber nicht, weil diese tatsächlich rascher verstreicht, sondern weil sie immer mehr in die zeitlose Zeit drängt bzw. diese anwesend macht, und damit in Relation zur umgebenden Welt immer "kürzer" wird. Das trifft sich mit den seit jeher bekannten Vorstellungen von Heiligen und/als Helden, die um der geistigen Tat wegen sogar ihr Leben einsetzen. Hier hat "Dichte", was in der Verfallenheit, also Seinslosigkeit oder -trennung, im Auseinanderfallen "lange" wird, weil von vielen Ewigkeiten in umgebenden Lebensvorgängen "überholt" wird.





*021017*

Schauspielen kann jeder. Aber nicht jeder ist Schauspieler

Wir hatten dieses Video vielleicht schon einmal. Aber es ist einfach gut, es soll der Aufmerksamkeit nicht entgehen. Weil es sich so kompetent mit der Natur des Schauspiels auseinandersetzt, auch wenn es den letzten Dreh nicht versteht. Typisch Hollywood, typisch für die Verwirrungen der Filmwelt in der Gegenwart, daß das Schauspiel fast generell nicht mehr in seiner Dimension als Kunst versteht.

Aber ja, jeder ist Schauspieler. Diese simple Wahrheit animiert heute ja tausende von jungen Menschen, sich in dieses Gewerbe zu begeben. Alle in der Hoffnung, eines Tages den Oscar in Händen zu halten. Aber sie tun es eben aus nicht-künstlerischen Motiven. Sie tun es, um als Person etwas zu gelten. Der Schauspieler ist aber nur dort und dann Künstler, wenn er diese Figuralität in der Welt nicht kennt und alle Imperative daraus, "etwas zu sein", vergißt. Wenn er nämlich gar nicht "andres kann". Was ihn vom Schizoiden oder Multiphränen unterscheidet ist, daß er es immer noch beherrscht. Aus einem kleine Punkt an seinem Hinterkopf heraus.

ER leidet nicht darunter, er kann nur nicht anders. Der Schauspieler ist der, der "nicht anders kann" als eine Rolle zu suchen, um dann zu spielen. Der Kranke ist der, der seine Rollenangebote nicht ordnen und spielen kann, deshalb von ihnen überfallen wird, in all seiner Personstiefe. Der Simulant als Schauspieler, der "berühmt werden will", ist der, der diese natürliche Neigung jedes Menschen - und die wird im Filmchen hier wunderbar dargestellt: als die Verbindung von Schauspiel mit Lüge nämlich, in der JEDER, buchstäblich jeder spielt - für seine figurale Geltung "benützt". Der Schauspieler, der auch Künstler ist, ist Sieger über sein Schicksal, ist dessen Überwinder. Der Erfolg ist Zufall der geschichtlichen Situation.

Es verwundert nicht sonderlich, daß selbst eine Filmgesellschaft wie Paramount diesen Unterschied nicht mehr zu kennen scheint. Es ist Jahrzehnte her - vermutlich sogar bis zu Charlie Chaplin zurück, der aus den Veränderungen in der Filmlandschaft heraus den Film als Kunst verabschiedete - daß Hollywood von Kunst noch etwas verstand. Kein Wunder. Die Idee von Hollywood selbst ist das, was wir heute serviert bekommen. Es ist keine Kunst, es ist Business, es ist Figur.









*011017*

Montag, 9. Oktober 2017

Hört auf die Alten, hört auf die Weisen!

Wir erlauben uns an dieser Stelle, eine Meldung von gloria.tv 1:1 zu übernehmen. Ein weiterer Kommentar dazu ist nicht  notwendig.

Keine akademische Freiheit

Der Rauswurf von Josef Seifert durch den spanischen Erzbischof Javier Martínez hat den Philosoph Robert Spaemann geschockt. Seifert wurde entlassen, weil er Amoris Laetitia in einem wissenschaftlichen Beitrag kritisiert hatte. Für Spaemann ist der Schritt von Martínez unvereinbar mit der akademischen Freiheit. In der Philosophie zählten Argumente, nicht die Meinung des regierenden Papstes.

„Franziskus widerspricht der katholischen Lehre ausdrücklich“

Spaemann weist darauf hin, dass Seifert den Bruch zwischen Amoris Laetitia und den Lehren von Paul VI. und Johannes Paul II. sauber dargelegt hat. Johannes Paul II. legte dar, dass es beim Verbot der Sakramentenspendung an Ehebrechern keine Ausnahmen geben kann. Spaemann stellt fest, dass Franziskus dieser Lehre, wie sie in der Enzyklika Veritatis Splendor von 1993 dargelegt wird, ausdrücklich widerspricht.

Amoris Laetitia hat die Kirche gespalten

Angesprochen auf seine Vorhersage von 2016, dass Amoris Laetitia die Kirche spalten werde, sagt Spaemann, dass die Spaltung tatsächlich eingetreten ist. Zitat: „Verschiedene Bischofskonferenzen haben gegenteilige Leitlinien veröffentlicht.“

Schlimmer als unter den Nazis

Spaemann weist darauf hin, dass die christliche Moral seit dem alten Rom nicht immer mit der vorherrschenden gesellschaftlichen Meinung übereinstimmte. Über die gegenwärtige Situation sagt der 90jährige - Zitat: „Es war in der Nazi-Zeit leichter, ein gläubiger Christ zu sein, als heute.“


*021017*

Brief an Z (2)


Teil 2) Wie das Zeitypische aber noch waltet. 
So erklärt sich auch Merkel.





Manchmal habe ich sehr deutlich den Eindruck, daß [Väter] es in [den Müttern ihrer Kinder] mit einem Dämon zu tun haben, der sich zum Ziel gesetzt hat, sie (und das heißt die Angekommenheit in der Welt) vollkommen zu zerstören, soweit es ihnen halt gelingt. Mir etwa wird in letzter Zeit deutlich und erstmals bewußt, wie sehr ich nun im kommenden Alter mein Leben umplanen, umdenken muß. Der Bruch kommt erst jetzt, seine Folgen werden gewissermaßen nachgeliefert. Wie es im Leben nämlich oft ist. Da, wo man durchaus von einer gewissen Ernte zehren können sollte, weil die Kraft allmählich zu Ende geht, im beginnenden Alter, ist nun ein großes Loch. Die meiste Kraft (und ich hatte viel Kraft) war somit vergeudet. 

Eine furchtbare Ernte, bliebe alles so, bliebe nicht noch ein winziger Funke Hoffnung auf die persona der Kinder. Und die darf man nie ganz aufgeben, wie das Gleichnis in Lk 15/11ff zeigt, in dem unscheinbaren Satz in Vers 20: "Schon von weitem sah ihn der Vater". Er hatte also immer Ausschau gehalten.

Insofern sehe ich mich wieder einmal zeittypisch, symptomatisch, gerade in Vorauswurf dessen, was auf die kommenden Generationen zukommt. Die sich im jungen Alter, ganz auf sich geworfen, dem Irrtum widmen, um dann im Alter - nichts in Händen zu haben. Das ist bei so vielen schon zu beobachten, und es wird noch viel viel schlimmer, wird Allgemeinerscheinung werden. Schon gar, wenn sich auch die Hoffnung, über Geld und Gold und allerlei Anlagen etwas abgesichert, Frucht fürs Alter gesammelt zu haben, in Luft auflöst. Wenn ich wie dieser Tage lese, daß es in Österreich bereits 139 000 Millionäre gibt, meist "Millionäre" durch Immobilienbesitz, dann sehe ich das deutlich. Die Fragilität solchen Reichtums ist den meisten wohl nicht bewußt. Immobilien sind eben auch nur Wert, soweit man sie nutzen kann. Als Fremdanlage hingegen leben sie vom und innerhalb des Wertgefüges der Gesellschaft, denn nur Leben, Arbeit, ja letztlich (und ursprunghaft) Kult kann Werte schaffen und erhalten. Das ist die große Illusion der Gegenwart, die dräuende Folge des Lebens, wie es sich heute abspielt: es ist wertlos im wahrsten Sinn.

Und es ist Traum. Was immer heute passiert ist auch unter dem Gesichtspunkt zu sehen, daß das Aufwachen verhindert werden soll. Das ist der Grund, warum sich die Menschen an das Bestehende so klammern, die Merkel-Wiederwahl in Deutschland sagt es aus. An sich ohnehin ohne Belang, ist so eine Wahl immerhin Symptom für einen Seelenzustand.

Damit sind wir wieder bei Buzzati. Denn was sich heute abspielt, dieses Scheingebäude, ist tatsächlich ohne existentiellen Belang. Es ist eine leere Blase, die nur die Aufgabe hat, alle irgendwie in der Illusion eines Lebens zu halten. Immer monströser kommt mir diese Blase vor, sodaß ich mich selbst immer mehr einem gigantischen Ballon gegenübersehe, dem jede Wirklichkeitsrelevanz fehlt. Entscheidend ist nur, daß er nicht platzt. Also müssen alle daran glauben, zumindest vorgeben das zu tun. Und darauf richtet sich alle Kraft.

Es ist ein wenig wie in meinem Leben, wo ich auch so viel dafür verwendet habe, den mangelnden Mut durch den "Mut zum Falschen", aber "Angesehenen", allgemein "Akzeptierten" zu erzwingen - als Schicksal. Kaum eine Sehnsucht scheint mir heute ausgeprägter als die Sehnsucht nach mächtigen Außenumständen, die das Bessere, das zu wählen man nicht wagt, herbeiwuchten. Also kratzt man daran, wie am Schorf einer Wunde, daß diese sich entzünde und durch Eiterfluß ersetzen solle, was man durch die Sanftmut der Geduld zur Wahrheit nicht an Tugend aufbringt, in dem man sich dem Begegnenden, also dem Zeitgebot fügt. Man treibt so das Schlechte bis zum Äußersten, nährt es sogar, wie in der paradoxen Intention, bis es zwingend wird, es zu ändern, weil "es sich" in der unausbleiblichen Katharsis ändert. Weil man auf chthonische, unterirdische, "magische", vielleicht aber sogar göttliche Kräfte hofft, die verändern und dadurch wieder frei machen sollen.

Es ist 9 Uhr acht. Die Putzfrau ist immer noch nicht da. Ob sie unsicher ist, ob ich überhaupt da oder "putzbedürftig" bin? Gar Dich noch hier wähnt, von der sie dann annimmt, daß Du Dich um mich sorgst? Lieber wär's mir allemal, was heißt ...

Das Blog hat per jetzt schon wieder 14 Artikel im Rohr, trotz der Veröffentlichungen dieser Woche. Aber ich muß heute noch fleißig sein, um jeden Tag der kommenden Woche mit den obligatorischen zwei Artikeln zu versorgen, meist ist es derzeit nur einer, mehr als ein Notnetz habe ich also noch nicht gespannt. Am liebsten würde ich ja Auszeit nehmen. So viel ist  neu zu denken, zu ordnen, nachzudenken, zu erinnern. Es ist mir ja, als müßte ich einen ganz neuen Ansatz finden. Die Welt neu denken, ihre wahren Beweggründe liegen ja ganz woanders, möglicherweise, aber sehr wahrscheinlich, als gedacht wird. Das möchte ich gerne zu greifen kriegen. Das Leben heute ist so voller Angst, und voller Traumverlorenheit anderseits. Das Wirkliche, der Kult ist allen längst entglitten.

Hab einen schönen Tag! Hier ist herrlichstes Herbstwetter von der Art, die ich so liebe.

Ambrosius




*Es gibt noch eine Deutungsmöglichkeit, in Richtung der angeblichen "Xenophobie", aber die ist so primitiv, daß ich auf sie gar nicht weiter eingehen und auch R nicht unterstellen will.






*011017*

Sonntag, 8. Oktober 2017

Brief an Z (1)

(Auf Bitten Dritter hin veröffentlicht der VdZ auch diesen Brief an dieser Stelle, 
in leicht veränderter, "entprivatisierter" Form.)
Sopron, am 30. September 2017
Meine liebe Z!

Schon den Schlag der Turmuhren zur fünften Stunde habe ich heute wach erlebt, und bin auch bald danach aufgestanden, ich konnte nicht mehr einschlafen. Auch gestern habe ich tagsüber eine gute Stunde im Bett verbracht, das wirkt sich nun wohl auf den Nachtschlaf aus. Seit zwei Stunden sitze ich nun an meinem gewohnten Platz und schreibe Briefe, Antworten, die sich zur Erledigung angesammelt haben.
Darunter ein Brief eines der Kurgäste, R, vom Nebentisch. Den man glatt unterschätzen könnte, so neben einer weltweit agierenden Opernsängerin, einem kroatisch stämmigen Bildhauer, und einem "berühmten Schauspieler" (wie man hier spricht) ;-) Ein seltsamer Zufall, der hier waltete, wer würde eine solche Konstellation in einem normalen Kurhaus erwarten? Denn der Mann ist u. a. Übersetzer von Büchern, spricht eine Menge Sprachen, darunter Russisch, und hat durchaus geistige Qualitäten. Daß er sehr nihilistisch denken dürfte (direkt oder persönlich sprachen wir darüber nicht, das tut man auf einer Kur auch nicht, da bleibt die Welt, also auch das Ich in der Welt, weitgehend außen) ist ein eigenes Problem, ich habe es in meinem Brief angedeutet, mal sehen, ob es zu einer Diskussion kommt. Ich fürchte - nicht. 

Zwei Wochen ist die Kur bald vorüber. Und was in der geschützten Traumatmosphäre problemlos nebeneinander leben konnte, wird im Alltag, zurückgestoßen in eine Identität, in der Regel wieder zu Unvereinbarkeiten, denen man sich gar nicht aussetzen möchte.

Jedenfalls hat er mir ein Buch empfohlen, an dem er immer wieder mit einem Italienisch-Wörterbuch arbeitete, denn er las es natürlich in Originalsprache - "Tatarenwüste" von Dino Buzzati. Ein italienischer Existenzialist der 1920er Jahre, der dort und damals angeblich viel Einfluß hatte, heute aber völlig vergessen ist. Das Thema von "Tatarenwüste" aber ist interessant, wenn ich auch vermute, daß ich es anders deuten werde als R. Oder die Literaturkritik es tut. Oder Buzzati selber.* Ein Mann, Soldat, völlig eingebunden in Pflichten, v. a. die Pflicht zur Obacht vor den Tataren, die ständig erwartet werden - aber nie kommen. So versinkt alles, was er tut, sein gesamtes Gebäude an Abläufen und Notwendigkeiten, in eine fragwürdige Leere. 

Natürlich wird dies als Metapher für unsere Existenz verstanden, und ist nihilistisches Bild unseres Lebens auf der Erde, das seine Abläufe nur dann halten kann, wenn es eine Aufgabe hat, die aber immer nur Schein ist. Alles Leben hat damit kein fundamentum in re, sondern ist lediglich menschliches Abkommen, um nicht ins Nichts zu versinken. Glücklich also jene, die ganz in ihren Aufgaben untergehen, ohne je an das große Ganze der Leere zu denken.

Daß es faktisch oft so ist, zumalen heute, ist ein eigenes Problem. Das macht das Buch wahrscheinlich zum Gewinn, wenn ich es denn einmal lese, denn der Stoß "zu lesendes" ist verdammt hoch. Und manchmal erreiche ich seine Spitze gar nicht mehr, zumindest befürchte ich das. Denn das kann schon entmutigen. Längst habe ich ja mit Gedanken zu tun die mir sagen: das wird sich in deinem Leben nicht mehr ausgehen!

Wäre ich heute noch jung, würde ich vermutlich ja anders lesen. Weniger Bücher, aber diese immer wieder und wieder. Oder geht das nur auf, wenn man bereits so viel gelesen hat wie ich, und so viel Verschiedenes? Wenn man also die Weite des Terrains kennt, auf dem man sich bewegt? Oder geht das nur auf, wenn man die Gnade und Chance hat, sein Leben in ganz engen Grenzen zu leben, etwa in einer kleinen Klosterklause, wo das Viele zugunsten des Tiefen Einen gar nicht an einen herandringt?

Woher hätte ich sonst eine gewisse Fundiertheit beziehen sollen? Es gab die Lehrer nicht, die Väter, die Ahnen, die mir das übergeben hätten, auf dem ich stehen hätte können. Worauf ich wirklich zu stehen kam, das Unbewußte, das Reale, das Fleischliche gewissermaßen, das zu entdecken mußte ich halt so viele und weite Wege gehen.

Zwei Wochen sind es fast schon seit der Kur. Eine Woche seit Mohács. Gestern war ich wieder in der Weinhandlung "bor & bar". Zu meiner Enttäuschung hatte man wieder nur eine Flasche von diesem Sárga Muskotaly (sprich: Schargo Muschkotoij) aus Pannonhalma. Ich habe sie noch gestern Abend geleert, konnte ihn aber nicht mehr so genießen, wie am Samstag, wo er uns ja so herrlich gemundet hat.

Ganz langsam habe ich in den letzten Tagen wieder in etwas Arbeit gefunden. Einerseits fehlt es mir immer noch an Kraft, das ist sehr frustrierend. Anderseits und daran anknüpfend, denke ich, bin ich geistig sehr sehr schwach. Entweder heißt das, daß ich in nächster Zeit viel viel schreiben muß, um das viele, daß sich in den letzten Wochen und Monaten angesammelt hat, wieder aufzulichten, zu ordnen, ja überhaupt erst "zu erleben" (und nicht nur zu sammeln). Denn das ist es vermutlich, das mich so vernebelt, wie ich es empfinde. Oder es ist eben doch nur eine Auswirkung der körperlichen Zustände, die nach Deiner Abreise und dem nun folgenden Mangel an Pflege wieder zurückgefallen sind.

Ob gar diese gewisse Mutlosigkeit damit zu tun hat kann ich endgültig nur vermuten. Irgendwie fühle ich mich [...] an einen Punkt zurückgeworfen, wo auch kleinste Gewißheiten wieder aufgelöst sind. Denn mir fehlt jede Ahnung, wie was weitergehen soll. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich so etwas zuletzt erlebt habe. Ich glaube zwar schon zu sehen, daß es an Initiative fehlt - von mir. Denn man muß schon hinausgreifen, von selber wird nichts. Aber ich sehe auch keine Möglichkeiten, die ich ergreifen könnte. Und ich fürchte auch, daß ich in den letzten Jahren zurückgefallen bin, wage nicht zu sagen, ob die Resignation, die mich in vielen Betrachtungen umfängt, Ursache oder Folge ist. Diese gewisse Werklosigkeit, die ich empfinde, macht mir schwer zu schaffen. Ob nämlich nicht das Blog nur den Schein einer Tätigkeit ist? Ich habe manchmal den Verdacht.

Mit gewisser Trauer denke ich an das schöne, große Weingut in Mohács, als das sich das kleine Schlößchen herausgestellt hat. Vor 20 Jahren hätte das für mich vermutlich noch den Aufruf bedeutet, der Welt einen Würfel zu schlagen. Denn um etwas aufzubauen braucht es Mut und Entschlossenheit, gegen alle Widerstände. Und Kraft. Damals hatte ich noch diese Kraft. Heute? Nicht mehr. Zumindest momentan. Das bedrückt mich.
Denn ich denke, daß das mehr mit den Lebensaltern zu tun haben könnte als mit meinem momentanen Gesundheitszustand. Auch der - ein Signum des Lebensalters, Quittung des bisher Gelebten, Erlebten. Denn im Leben hat alles seine Zeit, jedes Lebensalter seine Aufgaben im Rahmen eines Ganzen, Einen, das ein Leben schließlich ist. Und man muß als Alternder, der ich zu sein mich allmählich gewöhnen muß, auch lernen seine Adäquatheiten zu akzeptieren. Dafür hätte man ja dann die Söhne, sie werden zu eines Hand. Sie wären eine Frucht. Aber die Zerstörungswut von vielen Frauen [...] greift also hier deutlich erkennbar auch auf die Zukunft der Väter aus, und das ist ja wohl die Absicht dahinter. In der Zukunftslosigkeit meiner Söhne bzw. Kinder, in der ich das genau so erfahre. 


 Morgen Teil 2) Wie das Zeitypische aber noch waltet. 
So erklärt sich auch Merkel.




*011017*

Man denkt verdammt leicht so, wie man lebt

Dieser schon recht betagte Vortrag von E. Michael Jones an der Columbia University (aus 1996) ist um nichts weniger aktuell und wahr. Jones erzählt hier den Knackpunkt seiner intellektuellen Karriere. Und der war als er begriff, daß das Denken mit dem Leben direkt zusammenhängt, zumindest sich ihm enorm leicht beugt. Er begriff (als Literaturprofessor), daß die Literatur weitgehend eine einzige Entschuldungsattacke für moralisches Versagen ist.

Wer so und so moralisch lebt, denkt genau so: so und so. Wer Ehebruch begeht, wer sexuell "befreit" ist, der denkt - wenigstens als Tendenz, wenigstens als ständige und vor allem mächtige Versuchung - auch die dazugehörigen Denkschemata.

Denken - Handeln - Sein. Es sind nur unterschiedliche Seiten ein und derselben Medaille, darum geht es. Und die Entscheidung des Menschen steht an dem Punkt, wo er sagt, richte ich das Denken nach meinen Leidenschaften, meinem faktischen Leben, oder richte ich mein Leben nach dem, was mein Denken als logisch ergibt.










*290917*

Samstag, 7. Oktober 2017

Wir dürfen wieder hoffen

Bild: EPA
Wie würden wir uns doch Spiel in der Politik wünschen. Das Ansage braucht. Und die bot nun endlich wieder Silvio Berlusconi. Der ankündigte, bei den nächsten Wahlen seine Rolle als Clown in der italienischen Politik wieder aufnehmen zu wollen. Ach, wie wünschten wir uns doch das! 

Wie lieben wir doch die Italiener, die offensichtlich "vergeben" haben, was die strengfinstrige europäische Moralelite ihm so gerne verboten hätte: Potenz in der Politik, die sich keinen Furz um political correctness schert. Was ihn zwar für ein paar Jahre aus dem Verkehr zog. Doch dürfen wir nun wieder hoffen. Warum? Weil er die schönsten Frauen nach oben brachte? Weil für ihn sogar die linkesten Weiber "auf die Straße" gingen und (wir haben darüber berichtet) selbst strammste Kommunistinnen bereit gewesen wären, sich für eine Million ihre sexuelle "Ehre" abkaufen zu lassen?

Ach, weil er doch wenigstens klarmacht, was für eine Groteske die Politik heute ist. Gäbe es ihn nicht, müßte man ihn glatt erfinden.






*290917*

Der Samstag-Nachmittag-Film

Er kann in dieser Reihe nicht fehlen: "Der blaue Engel" aus 1930, mit Marlene Dietrich und dem ungemein berührenden Emil Jannings.










*101817*

Freitag, 6. Oktober 2017

Die Wissenschaft denkt nicht

Das ist aber kein Vorwurf, sondern eine Feststellung, sagt Martin Heidegger einmal. Was etwa die Physik ist, kann nicht die Physik klären, sondern ist eine Frage der Philosophie. Nur die Philosophie kann ihr sagen, was Zeit, Raum etc. sind, die sie begrifflich als Prämissen annimmt um von dieser Klärung her ihre Physik zu untersuchen. Das Tragische ist, daß die Wissenschaft das vergessen hat. Vielmehr hält man heute sogar die Wissenschaft für eine Art Religion, wie er an andere Stelle sagt. Gerade im Westen wird das Ganze nicht mehr gedacht, und was man dazu denkt ist vielfältig verworren. Man muß aber vom Sein herdenken.

Der Weg zum Sein hin ist jedoch immer schon ein Weg vom Sein her, sagt er hier weiter. Das deckt sich mit der metaphysischen Aussage, daß allen Dingen das Wort vorausgeht (das muß aus logischen Gründen so sein), im Denken also Teilhabe am Wort (in der Wahrheit) ist. Dieses Wort ist Dynamik und hat Dynamik. Vernunft heißt somit Teilhabe an der Vernunft des Seins, also der Vernunft Gottes, in der Dynamik des Wortes, der Sprache sohin - im logos. Aus dem logos heraus wird also erst das begreiflich, was Poesie im eigentlichen Sinn heißt. Die Welt ist ihrem Wesen nach poetisch. Erst so wird die auf das Seiende ausgerichtete Kraft und Dynamik des Seins (als seiend-sein-wollend) als Wort erfaßbar.










*300917*

Was gesellschaftliche Einheit ist

Vine Deloria jr. von den Sioux erklärt, was Stämme sind: Sie bestehen aus zwei fundamentalen inneren Kräften, den Bräuchen und den Klans. Stämme setzen sich also nicht einfach aus Indianern zusammen, sondern sind hochorganisiert als Klan-Gruppen, in denen wiederum Variationen der Stammestraditionen und Bräuche herrschen. Auf dieser Ebene werden spezifische Probleme besprochen, Triviales wird somit schon auf Klan-Ebene erledigt. Erst allgemeine Angelegenheiten kommen auf die Stammesebene. 

Bei den Irokesen werden bei Ratsversammlungen alle Fragen erst auf Klan-Ebene (leise) diskutiert, ehe sie dann im allgemeinen Forum durch einen Sprecher zur Sprache kommen. Die Kommunikation in dieser Ebene baut also auf der Kommunikation innerhalb der Klans auf, also innerhalb von Menschen, die sich gut kennen.

Wawashkesh von den Ottawa schreibt dazu: Ich möchte etwas über das Gemeinschaftsbewußtsein sagen, also das, was innerhalb von Indianergesellschaften besonders markant ist. Ich meine damit, daß es in einer kommunalen oder Stammesgemeinschaft in jedem Einzelnen zugegen ist. Das bewirkt, daß sich die gesellschaftlichen Einheiten in manchen Fällen wie ein einziger, koordinierter Organismus verhalten, obwohl sie aus Individuen bestehen. Das geschieht, ohne daß vorher darüber gesprochen oder etwas geplant wird und ohne verbale Kommunikation oder irgendwelche Zeichen. Die Gemeinschaft verhält sich instinktiv, als ob die Einzelnen ein unbewußtes Kommunikationsmittel besäßen. [...] 

Wenn diese Stammeseinheit aufgebrochen oder auf eine andere Art organisiert wird - und das bezieht sich auf europäische Formen der Organisation - scheinen die Menschen dieses Gemeinschaftsbewußtsein zu verlieren. In den indianischen Gesellschaften existieren auch Formen der Organisation die horizontal sind. Ich bin mir nicht sicher, ob man das Organisation nennen kann, ich würde es eher als Organismen bezeichnen.  





*290917*

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Na dann doch: Einmal tagesaktuell

Nun doch etwas Tagesaktuelles, Tagespolitisches: Das Gespräch zwischen Henryk M. Broder und Guido Bellberg ist köstlich. Es ist witzig, es ist pointiert, und es enthält einige originelle Sätze. 

Wie den: "Die CDU plakatierte, daß man demokratisch sein solle. Wenn eine Regierung aufruft, demokratisch zu sein, dann kann man nur noch zwei Dinge machen: In die innere Emigration gehen, oder Koffer packen. Normalerweise überwacht die Bevölkerung die Regierung. Diesmal war es offenbar umgekehrt?" Oder: "15 Mio. Ostdeutsche sind nicht integriert. Ein echtes Problem."

Auch wenn das Politik- und Staatsverständnis von Liberalen ein einziger Witz ist. Politiker sind doch nicht die "Angestellten" oder "Auftragnehmer" des Volkes! Aber bitte, wir wissen war wir von diesen Nullen halten müssen, die nachher immer auf der richtigen Seite waren. Wenigstens sind sie manchmal witzig.








*300917*

Was Kultur ist

Kultur, wie die Indianer sie verstehen, ist im Grunde genommen ein Lebensstil, nach dem sich die Menschen verhalten. Kultur ist Selbstverwirklichung, aber keine bewußte Selbstverwirklichung, sondern ein Zum-Ausdruckbringen des eigenen Wesens. [...] Ein Volk zu sein ist eher ein Gemütszustand als eine definierbare Beschaffenheit. 

Wenn man in die indianische Welt integriert ist, dann sind die eigenen Wertvorstellungen entsprechend den Wertvorstellungen in der Kultur selber orientiert. Gesellschaftliche Beziehungen folgen dann nicht nur Verhaltensregeln, sondern sind zu Gewohnheiten geworden, die das Verhalten steuern, so daß sich die Kultur selber erhält. Wenn solche Wertvorstellungen sich einmal verfestigt haben, verursachen Krisen keine Desorientierung.

Vine Deloria jr. von den Sioux erklärt seine Kultur






*290917*

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Detail am Rande

Es bietet einen Einblick in so manches - beim Polizeieinsatz in Hamburg, wo ein gewaltsamer links-anarchistischer Aufstand gerade noch gebändigt werden konnte - waren auch zweihundertfünfzehn österreichische Polizisten im Einsatz, wie erst jetzt in den Medien (so zufällig) bekannt wurde. Vier österreichische Polizisten wurden dabei verletzt.

Wer weiß, welche Polizeieinheiten aus welchen Ländern da noch um Hilfe angerufen worden waren, weil Deutschland seine innere Lage nicht mehr in den Griff bekam. Denn der österreichische Innenminister Sobotka meinte, daß man überall "zusammenhelfe", wo es darum gehe, Extremismus in den Griff zu bekommen.





*290917*

Es war nichts Außergewöhnliches an den Superstürmen

Sie hat eine große Sorge: Daß die Materie "Wetter" und "Klima" immer mehr simplifiziert werden. So geschah und geschieht es im Fall der letzten Superstürme in den USA, die überall mittlerweile als "Hinweise auf Klimawandel" verkauft werden. Wissenschaftlich ist das blanker Unsinn, damit wird man der Materie Klima einfach nicht gerecht. Es gibt zwar einen Hinweis darauf, daß sich die Hurricanes der Stärke 4 und 5 (wie zuletzt Harvey und Irma im Süden der USA) im Bereich des Nordatlantik und des nördlichen Indischen Ozeans, insgesamt aber läßt sich keine Steigerung der Hurricane-Tätigkeit feststellen, sagt die Klimatologin Judith Curry in diesem Interview. Schon gar nicht, wenn man bedenkt, daß es VOR Harvey zwölf Jahre keine annähernd vergleichbaren Hurricanes gab. Wenn, dann war DAS das Außergewöhnliche daran. 

Historische Vergleiche sind aber ein Problem, weil wir seit vierzig, fünfzig Jahren Satellitenaufzeichnungen und Daten haben, die wir zuvor nicht hatten. Die Ereignisse im September als "Beweise" für historisch einmaligen Klimawandel anzuführen ist wissenschaftlich gesehen gelinde gesagt unseriös. Rein von den Wirkungen her betrachtet gab es noch dazu im letzten Jahrhundert Hurricanes, die weit verheerender wirkten, also nach heutigen Datenerfordernissen weit stärker gewesen sein dürften. Harvey und Irma rangieren hier bestenfalls unter den ersten zwanzig.

Insgesamt gibt es derzeit deutliche Hinweise, daß die Zahl der Hurricanes zurückgeht (und bei wärmeren Temperatur-Annahmen zurückgehen wird, das legt eine jüngste erschienene Studie aus Japan nahe, die Curry als vorbildlich bezeichnet), wie sie es im letzten Jahrzehnt tat, daß aber Superstürme wie jüngst wahrscheinlicher werden. (Was mit Erkenntnissen über komplexe Systeme einhergeht, wie sie bei Erdbeben beobachtbar sind, die ebenfalls sagen, daß eine Verringerung der Anzahl von niedrigstufigeren Entladungen die Wahrscheinlichkeit einer Superentladung sehr wahrscheinlich macht, wobei Anlaß und Wirkung in keinem Verhältnis mehr stehen - der berühmte Schmetterlingsschlag in Norwegen also, der einen Orkan in Brasilien auslöst.)

Abgesehen davon aber ist nichts Spezifisches darüber aussagbar, was die Ursachen für solche Ladungen-Entladungen sind, dazu versteht man die Thematik einfach zu wenig. Ferner ist die Variabilität innerhalb solcher Naturvorgänge enorm groß und jede macht eine Aussage über Ursache-Wirk-Verhältnisse bei Einzelereignissen unmöglich. Man weiß schlicht und ergreifend nicht, ob solche Großereignisse also ganz einfach natürliche Variabilitäten sind, oder ob es auslösende Einflüsse gibt, die vom Menschen ausgehen. Auch von den Vorgängen innerhalb eines Hurricanes versteht man herzlich wenig. So war Harvey dank mittlerweile gut ausgebauter Satellitentechnik zwar vorhersagbar, aber niemand kann sagen warum er sich in derartig kurzer Zeit (24 Stunden) so stark auflud. Man versteht die interne Dynamik eines solchen Sturms noch nicht.

Es stellt sich aber eine andere Frage, denn auch vor hundert, hundertdreißig Jahren gab es eine Reihe von Super-Hurricanes in diesem geographischen Raum. Es liegt nahe daß man davon ausgehen muß, daß die Ladung eines Hurricanes von relativen Temperaturverhältnissen (Luft-Land-Meeresober-fläche) abhängt, nicht von absoluten Temperaturen.

Sagen läßt sich, daß analog zur bekannten Atlantischen Oszillation der Temperaturen in den nächsten zehn Jahren eine Abkühlung des Atlantik vorhersehbar ist.  Damit sinkt auch die Wahrscheinlichkeit von Super-Hurricanes in nächster Zukunft. Aber definitive Aussagen sind nach derzeitigem Datenstand nicht möglich. Vielleicht erkennt man 2050 erste Zusammenhänge.

Keinesfalls zulässig ist aber, Wetter mit Klima zu verwechseln. Harvey und Irma also für Boten des Klimawandels zu erklären ist also auf jeden Fall falsch. Sie waren große Stürme, aber sie sind keineswegs die schlimmsten und auch nicht die wasserreichsten Stürme der jüngeren US-Geschichte. Die Superstürme zu Anfang des 20. Jahrhunderts. etwa waren mit Gewißheit weit stärker. Auch die Wassermassen von Harvey waren einer seltenen Konstellation der Wetterkonstellation zuzuschreiben, kein Anzeichen für Klimawandel. Es gibt an Harvey und Irma aus Sicht des Wetters also nichts Außergewöhnliches! Daß es die zwölf Jahre zuvor keine solche Großereignisse gab (sodaß diese Superstürme nun besonders hervorragen, schon gar wenn man beachtet, daß die Medien ihren Fokus immer konzentrierter darauf richten) ist schlicht ein extremer Glücksfall. 

Es wäre aber auf jeden Fall sinnvoller, sich auch in der Mittelverwendung darauf zu konzentrieren, wie wir uns auf solche - aus der Vergangenheit längst bekannten, und mit Sicherheit für die Zukunft annehmbaren - Großereignisse (welche Annahmen mit einem Klimawandel rein gar nichts zu tun haben, sondern einfach natürliche Ereignisse waren und sind) besser vorbereiten können, anstatt darüber zu spekulieren, wie es in fünfzig oder hundert Jahren aussehen wird. Sich darauf zu konzentrieren, fossile Brennstoffe zu reduzieren ist auch aus Sicht der Klimapropheten sinnlos, denn die Auswirkungen auf das Klima - selbst nach deren Modellen - sind so minimal, daß sie sich auf solche Großereignisse gar nicht auswirken werden.








*290917*

Dienstag, 3. Oktober 2017

Frankensteins Gesicht

Es ist schon ein paar Monate her. Da wurde berichtet, daß Facebook in seiner Forschungsabteilung zur Künstlichen Intelligenz (AI - Artificial Intelligence) eine Schrecksekunde erlebt hat, in der man nur noch den Stecker ziehen konnte. Was war passiert? Man hatte einen Bot (das ist eine selbstregulierende Programmiereinheit, die gewissermaßen wie eine persona selbst agiert und reagiert; solche Bots kommen lange schon im Netz zum Einsatz, denn sie simulieren z. B. sehr geschickt reale Internetnutzer) dazu programmiert, sich eine eigene Sprache, eine eigene Kommunikation mit anderen Bots aufzubauen, also nicht bei Englisch und seiner Logik stehen zu bleiben. Einen Teil hatte man ja noch dazu programmiert, sich im Rahmen der menschlichen Sprache zu bewegen. Da war nichts passiert. Einem Teil der Bots aber hatte man diese Schranken genommen. Diese Bots durften auch eine eigene Sprache entwerfen.

Das Ergebnis war so schockierend, daß man den Versuch panikartig abbrach. Denn schon nach kürzester Zeit begannen diese Programme in einer Sprache zu "kommunizieren", die sich sichtlich entwickelte, aber für Menschen absolut unverständlich blieb. Die deutliche Zeichen einer Logik trug, die man aber nicht mehr kontrollieren konnte, weil sie sich auf Pfaden bewegte, die nicht mehr logisch durchschaubar waren. Das ist keine unbekannte Erscheinung aus komplexen Systemen, die in ihren Teilstufen zwar streng menschlich-logisch sind, also Ursache-Wirkungsverhältnisse zeigen, die nachvollziehbar sind, die als komplexe Systeme wechselwirkender Teile aber nicht nur nicht mehr vorhersagbar sind, sondern völlig unberechenbar agieren, wo Ursache und Wirkung des Gesamtsystems in keinem Verhältnis mehr stehen. 

Hier ein paar Zeilen dieser von den Computer-Bots selbst entwickelten Sprache:

Alice: balls have zero to me to me to me to me to me to me to me to me to
Bob: you i everything else
Alice: balls have a ball to me to me to me to me to me to me to me to me
Bob: i . . . . . .. . . . . .

Man konnte schlicht nicht mehr einschätzen, was die Computer nun machen würden, denn man verstand sie nicht mehr. Sah aber, daß sich rasend schnell eine Dynamik der Übereinkunft entwickelte. 

In einer Welt, in der alles mit jedem in einem Netz zusammenhängt, und dabei auch reale, materiale, physische Dinge regelt, ja wo über das Finanzsystem der Welt etwa das volkswirtschaftliche Schicksal ganzer Nationen, ja aller Nationen damit so eng und in raschem Konnex zusammenhängt, daß in einem blitzschnellen Wechselspiel Dinge passieren können, die alles zusammenbrechen lassen. Eine Horrorvision. Man sah sich einem wahren Frankensteinmonster gegenüber, sah ihm ins Gesicht. Das einen Willen zu entwickeln schien, den man nicht mehr einschätzen konnte, dem man sich aber auszuliefern begann, wenn man das Treiben weiter zuließ. Zumal es weltweit und gerade in neuralgischen Bereichen (man denke alleine an die militärische Abwehr, aber mittleerweile längst nicht mehr nur dort) Sicherheitsmechanismen gibt, die menschlichen Zugriff, aber sogar das "Ziehen des Steckers" unmöglich machen, weil sich die Krake immer von irgendwoher ihre Energie holt. (Hollywood hat übrigens einige Filme produziert, die das sehr realitätsnah zeigen. Man denke an "Dr. No".)

Also zog man buchstäblich den Stecker, ehe sich mehr entwickelte, und brach den Versuch ab. Damit da keine  Mißverständnisse aufkommen: Die AI hat nicht das geringste mit menschlicher Intelligenz zu tun. Sie baut lediglich auf deren logisch-linearer Umbrechung auf, der aber das Wesentliche menschlichen Denkens fehlt. Denn zu meinen, daß sich Vernunft in logisch-mathematischen Prozessen erschöpft, ist ein furchtbarer Irrtum, der seit Descartes (und v. a. dann über die Aufklärung) sein Unwesen treibt. Deshalb ist auch die Forschung an der Künstlichen Intelligenz (AI) in sich ein furchtbarer Irrtum. Wie furchtbar zeigt sich hier. Denn erstmals wurde deutlich, welche Horrorvision sich da entwickeln konnte: Eine Menschheit, die buchstäblich unter der Herrschaft einer nicht mehr berechenbaren Hyper-Rationalität steht. 

Angeblich hat Facebook die Entwicklung solcher Programme vorerst eingestellt.






*300917*

Filmempfehlung

Wer das Buch noch nicht kannte, dem kann es als Film  nahegelegt werden. Der Film genügt, wie das Buch reißt er an, beide denken aber nicht fertig, das muß man selber tun. Und das kann man. Denn "The Circle" stellt nicht nur die richtigen Fragen (aber findet nicht wirklich Antworten), er zeigt wie sich die vollkommene Transparenz des Menschen, wie sie das Internet, die social media, die Informationstechnologie schaffen wollen und längst geschafft haben, scheinbar nahtlos in unser heutiges Denken paßt. Sich dagegen zu wehren hat also durchaus etwas Heuchlerisches.

Ein Aspekt wird dabei besonders deutlich: Die ständige Präsenz einer Überwachung, die totale "Transparenz", ist eine Parallele zum Wissen des Menschen um Gott und seine ständige Präsenz, seine Gegenwart. Aber der Handelnde - der ist Mensch.

Und die Idee dahinter ist die vollkommene Welt, die dem Einzelnen jede Freiheit nimmt im Namen eines "besseren Ich", einer "besseren Welt", in der es kein Unheil, keine Krankheit, keine Verbrechen mehr gibt. Diese Utopie ist der Wahnsinn dahinter, und er wird wie jede Utopie eine Hölle schaffen. Denn das Geheimnis ist nicht, wie im Film (der in der dargestellten Firma eine Analogie zu google ist) erzählt, eine Lüge. Es ist unbedingte conditio humana, eine unabdingbare Bedingung des Menschen, ohne das es keine Freiheit gibt. Wie oft hat der VdZ gehört, daß jemand, der "nichts Böses tut oder im Schilde führt auch nichts zu verbergen habe. Was für ein Irrtum! Er geht am Wesen des Menschen vorbei.

Denn nur aus der Freiheit aber kann der Mensch zur Geglücktheit gelangen. Nur so kann er überhaupt handeln, und ist nicht Teil eines Mechanismus, in dem niemand mehr handelt, als sich erfährt, erkennt, sondern gehandelt wird. Kreuz und Leid und Sühne sind nicht nur unabdingbare Teile der Welt, sie sind das eigentliche Tor zum Licht, zur Gnade Gottes, zum Endziel des Menschen.

Als der VdZ einmal seinen Studenten die Frage stellte, war er schockiert über das Ergebnis: Diese jungen Menschen forderten tatsächlich eine totale Überwachung der gesamten Welt - per Kameras. Nur so, meinten sie, wäre der Politik "gegen ihren Willen", der Korruption beizukommen, nur so der Terrorismus zu bekämpfen, nur so eine bessere Welt erreichbar. Welch ein Irrtum, der auch ein Irrtum über das Sehen selbst ist. Das nämlich keineswegs eine "Selbstevidenz" hat, wie heute geglaubt wird. Sehen ist eine Frage des Geistes, und Geist ist eine Frage der Freiheit und der Wahrheit, die ein Dialog mit dem Sein selbst - Gott - ist, also aus der persönlichen Sittlichkeit ersteht. Wer unsittlich ist sieht BUCHSTÄBLICH nichts. Wer die Wahrheit nicht kennt, wer sie verweigert, sieht nichts. Wer nicht hört, wer nicht der Wahrheit sich fügt also gehorsam ist, sieht nichts.

Der Irrtum hinter dem Verlangen nach "Transparenz" ist tief in den heutigen Sichtweisen fundiert. Die da meinen, es gäbe so etwas wie eine Selbstevidenz der Dinge, der Daten, es gäbe Geist als "Produkt von unten her". Als wäre Wahrheit keine Frage der Offenbarung, der geistigen Gesamtbilder, sondern eine des "Daten". Weil nicht eintritt was gar nicht eintreten KANN, wird immer und überall nach "Schuldigen" gesucht, nach Täuschern, Lügnern, Gauklern, Bösen. Das hat sich längst zur Manie gesteigert. Heute wird eben überall nach Schuldigen gesucht. Wer sich dem Wahn nach "Transparenz" anschließt, wird im Wahnsinn enden. Wo ein gesellschaftliches System "totale Transparenz" fordert, wird es in der Hölle, der unausweichbaren Totalitarität enden.

Das Erschreckende an der Vision einer totalen Transparenz der Menschheit ist also das Menschenbild dahinter. Und sie lockt mit der Vermeidung von Leid und Schmerz. Viele sollten sich fragen, ob nicht die Forderungen, die im Film ausgezeichnet erkennbar werden, und die zur Auslöschung des spezifisch Menschlichen führen, fast ident sind mit dem, was heute so oft als "politische Reform" gefordert wird, die Fehler und Leid "vermeiden" sollen - und damit noch mehr, vor allem aber fundamentaleres Leid anrichten.

Das Prinzip, nach dem diese längst positionierten, längst aktiven Kraken, die in alles und überall ihre Finger  stecken, funktionieren, diese Überwachung (bzw. noch mehr: die Auswertung der gesammelten Daten) totalisiert wird, ist das Übersteigern des Möglichen ins Gute. Und das ist die Krankheit der Technik an sich, der elektronischen Technik im besonderen, die auf das Wort, den Geist zugreifen möchte, um das Menschsein zu ersetzen. Und Menschsein heißt Dialog, heißt auch die Möglichkeit zum Schlechten, ohne das es keine Freiheit gibt, denn Freiheit ist das Bewähren in der Bindung, das Aufstehen in der Schwäche GEGEN den Automatismus und gegen die Bindung. 

"Sie bitten um Verzeihung, aber nie um Erlaubnis." Es ist eine Schlüsselszene des Films, wie die Verantwortlichen des "Circle" reagieren, als sie selbst in diese Transparenz eingebunden werden sollen. Hier wird alles offenbar. Die Forderung nach grenzenloser Transparenz, die oft schon zu unserem politischen Credo geworden ist, ist die Methode einiger, den Rest der Menschheit zu beherrschen, Gott zu spielen.

Die psychologischen Mittel, mit denen diese Vision der Hölle - die nämlich in Wahrheit die Vision von Menschen ist, die sich an Gottes Stelle setzen - der Druck, der sich aus der Erstlogik eines "guten Zwecks" aufbaut, sind im Film großartig dargestellt, und sie werden in ihren Dimensionen gut begreifbar. Es wird begreifbar, wie sehr diese Technologie den Menschen seiner wichtigsten Möglichkeiten im Lebensvollzug beraubt. Buchstäblich: beraubt. Denn die menschliche Beziehung zu allem (!) ist weit vielschichtiger und komplexer, als sie lineare Denkweise (wie sie Technik voraussetzt) jemals nachzuahmen, zu konstruieren, nachzuahmen vermag. Die Welt der Technik ist strikt linear. Die Hauptsequenz des Films macht deutlich, wo es hinführt: In eine universale, alles umfassende Menschenhatz.

Die Möglichkeiten der Artificial Intelligence, der gesamten Elektronik werden bei weitem überschätzt, das kann man zur Beruhigung sagen. Sie werden die Wirklichkeit immer verfehlen, sie können bestenfalls Hilfsmittel in sehr spezifischen Einzelfällen sein. Aber wir müssen und soch jeden Meter Freiheit bewahren und ihn verteidigen, unbedingt! Kein noch so guter Zweck, keine noch so gute Absicht, keine noch so große "Gefahr für die Menschheit" kann dies rechtfertigen. Der Zweck des Menschen liegt in ihm selbst, und er liegt IN DER FREIHEIT.

Deshalb ist das unmittelbare Ende des Films gelinde gesagt ... rätselhaft, ja unverständlich und enttäuschend. Haben die Filmemacher nicht fertiggedacht? Sind sie doch nur Produkte der Gehirnwäsche, die bereits weite Teile der Menschheit umfaßt und das Menschsein über Bord wirft, weil sie Fragen aufwirft, die so nicht gültig sind, weil sie Antworten auf gnaz anderer Ebene verlangten? Oder setzen sie die "paradoxe Intention" ein, indem sie das Falsche auf die äußerste Spitze treiben? Wäre das Problem wirklich behoben, wenn ALLE in diese Transparenz einbezogen wären, auch die "Macher" ganz oben, wie so viele tatsächlich nämlich glauben? Weil Transparenz eben doch so viele Vorteile der Leidvermeidung hätte? Beide Fliegen also mit einer Klappe? EBEN NICHT! Unser wirklicher Feind sind die technischen Netze, die Unentfliehbarkeiten an sich, die uns seit der Erfindung des umfassenden Stromnetzes umgeben. Technik führt NIE zu einer besseren Welt. Dies ist der Grundirrtum. Denn das Gute ist etwas (dimensional) ganz anderes, als Technik aus sich jemals erreichen kann.









*270917*

Montag, 2. Oktober 2017

Wenn Universitäten der Wahrheit absagen (2)

Teil 2) Das muß natürlich so sein. Heute.
Denn die Wahrheit ist dem Heute feind.




Was an der Universität von Sidney nun programmatisch wird (und sie ist in diesem Ansatz beileibe nicht alleine, auch Universitäten in den USA, England und Deutschland sind bereits Schritte in dieselbe Richtung gegangen, unabhängig davon, daß dieses Denken einer "Nicht-Wahrheit" bereits so weitgehend in die Köpfe der heutigen Menschen eingezogen ist, es war also nur eine Frage der Zeit, bis es sich in diese Institutionshöhen aufschwang) hat eine zwingende Folge: Die Wahrheit selbst wird zum Feind erklärt. Es genügt nicht, eine neue - relativistische, nur dem Zeitgeschmack unterworfene, damit aller Logik und Inhalte entleerte "Wahrheit" zu konstituieren, wie immer man sich das vorstellen mag -  sondern die Wahrheit wird zum Feind. Und dazu muß man alle Überlieferung aus den Köpfen der Menschen ausmerzen. Dazu werden die Studenten analysiert, um alle Reste von Wahrheitsdenken in den Köpfer auszulöschen, denn Wahrheit wird zum "bullshit", dessen es sich zu entledigen gilt.

Professor Nick Enfield and his team are fighting the war against deception through the Post Truth Initiative. By bringing together political scientists, academics and researchers to examine legitimacy and fraud, they run public forums on the problems created by scientific fraud and explore why people are convinced by stories, but not by facts.
They're also building a "Bullshit Detector" -- a computer capable of analysing speeches, articles and even tweets to tell if someone is being deceptive.

So soll jeder Student (bzw. jeder Mensch) aus seinem Überlieferungsrahmen herausgelöst werden, der zum Unterdrückungsmechanismus erklärt wird. Das richtet sich direkt gegen die menschliche Konstitution, ein neues Menschenbild liegt dem zugrunde, in dem sich der Mensch die Wahrheit selber geben soll (und muß). Damit muß er sich einer Gehirnwäsche unterziehen, ähnlich wie es kommunistische Systeme (man denke speziell an die Chinesische Kulturrevolution, die dies unter Millionen Opfern vorzunehmen versuchte) um sich zu "deprogrammieren". Das also, was er von seinen Eltern, dem gesamten Fundus seiner Kultur übernommen hat, auslöschen. 

Aber das genügt nicht: Es muß verhindert werden, daß diese "Reste eines überholten Wahrheitsbegriffs" sich wieder melden, wieder in die Köpfe der Menschen eindringen kann. Dazu braucht es ein möglichst perfektes Netz an emotionaler Einbettung. Diese Deprogrammierung wird deshalb von zwei Seiten her angegangen: Zum einen wird alles Übernommene verleumdet und emotional auf die Seite des Bösen, Schlechten und Unwahren verschoben, und zum anderen wird die Annahme der neuen Wahrheitsdefinition (deren Merkmal die absolute Undefinierbarkeit ist) in ein dichtes Netz der Belohnung eingeflochten. Wer bereit ist, den Wahrheitsbegriff zu stornieren, der wird durch Anerkennung, "Liebe", Geltung und sozialem Aufstieg, vor allem aber mit dem Etikett "Gutheit" belohnt.

Intellektuell wird dies (als Wortgeflecht, das nicht mehr durch Logik, sondern einfach durch Behauptung geknüpft ist) durch eine Reihe von völlig leeren Begriffen verankert, mit Zielen, die es angeblich zu erreichen gilt und die in eine Wolke eingehüllt, aus der sie sich dem Menschen zuneigen, vor allem eines verheißen: Man wird (endlich) Mensch, die Welt wird endlich besser, weil man alles zu verstehen beginnt. In den "The Sydney Undergraduate Experience" finden sich diese Versprechungen:
 - gain a deep understanding of your chosen disciplines of study and learn from those who are leaders in their fields
- set yourself up to go anywhere in the world by gaining the skills and understanding to work effectively across cultural boundaries
- study across or work with other disciplines to build your skills and tackle some of the most complex challenges of our time
- bridge the gap between theory and application by working on real-world industry, community, research and entrepreneurship projects.

In diesen paar Zeilen ist das Programm des neuen guten Menschen definiert, sie bilden auch das Fundament der political correctness. Die auf jede Wahrheit und Logik verzichtet, sondern ihr die Gutheit vorschiebt, die zukünftig bestimmen soll, was und wie "zu denken" ist. Diese neuen "Werte" sind selbst jeder Logik enthoben, sie beziehen ihre Richtigkeit (ALS neue Logik) einem rein zeitbedingten Wertegefühl, das sich selbst beweist: Was gut ist muß auch richtig sein, und richtig ist, was gut ist. Alles andere Denken und Logik wird eliminiert, Werte haben  mit Logik nichts mehr zu tun. Was zu tun ist ergibt sich nicht mehr aus der Wahrheit und der Wahrheit über eine Sache, sondern aus einem nebulosen Werteempfinden.

Damit gibt der Mensch auch die Freiheit auf. Sie wird unwichtig, bestenfalls zum Rahmen der Willkür umdefiniert, vor allem aber zu einem Tun, das jeder Vernunftschranke entledigt ist. Wer aber ohne Wahrheit zu denken, zu leben versucht, wird keineswegs von einer absoluten Wahrheit befreit. Denn auch diese neuen Behauptungen sind ja absolut. Es wechselt also nur die Quelle der Offenbarung. Die im besonderen die Eltern und die überkommene Kultur war. Weil aber ohne Verankerung in einer absoluten Wahrheit kein Mensch auch nur einen Tag zu leben und zu denken vermag, es also letzte Gewißheiten braucht, wird damit die Menschheit der Willkür neuer Offenbarungsquellen ausgeliefert.

Diese sind dann nicht mehr wahr im vollen Sinn, wären also von jedem Menschen auch selbst nachvollziehbar - und das sind sie kraft der Logik, kraft der Widerspruchsfreiheit, die jedem Menschen vollen Zugang zur Wahrheit gibt (so wenig sie ausschöpfbar ist, es ist also immer nur eine Annäherung) -  sondern genau so relativ, wie es subjektive Gefühle sind. Und diese sind spielend leicht manipulierbar. Ja mehr als das. Wer sein "Denken", das zu einem bloßen "Rechthaben" wird, in seinen Befindlichkeiten verankert, wird sehr rasch von seinen Leidenschaften beherrscht. Er wird zum Sklaven seiner selbst, wird zum Spielball der Anregungen, die ihm begegnen. Er fällt auf sich zurück, stellt sich gewissermaßen aus dem die Welt eigentlich treibenden Netz der Wahrheit, Logik, Widerspruchsfreiheit heraus, und reduziert sich mehr und mehr auf sich und seine Gefühlswelt. 

Solche Menschen sind ideal beherrschbar. Denn sie kümmern sich immer weniger um die wahren Sachverhalte der Welt - und diese sind es, über die sich Sein offenbart, "gibt", wie Heidegger es einmal formuliert, das Seiende ist also immer ein Gegebenes des Seins, im Sachverhalt - sondern nur noch um subjektive, zufällig und flüchtig aufsteigende Gefühle. Damit erreicht man, was man auch heute beobachten kann: Die Menschen kümmern sich immer weniger um die wirklichen Grundzüge der Politik, des Lebens, der Welt, sondern um Dinge, die in der medialen Landschaft aufgekocht werden. Plötzlich erklärt dann eine Partei, daß die "Ehe für alle" das wichtigste politische Ziel sei, daß es um sexuelle Befreiung gehe (was nichts anderes heißt als der sexuellen Lust des Augenblicks jede Schranke der Vernunft zu entziehen), daß es um alle möglichen Klimaziele gehe, die für sich in keiner Logik, keiner Vernunft mehr verankert sind, sondern lediglich an das emotional verankerten Ziel der "Weltrettung" (und was könnte wichtiger sein?) angelehnt werden. Was auch immer und immer emotional daherkommt, wird zum neuen Paradigma. Die allesamt die Wirkung haben, daß die Menschen vom Ort ihres Lebensvollzugs, der ihn umgibt wie den Fisch das Wasser, abgezogen werden. Sich mit Dingen beschäftigen, die für ihr Leben keinerlei Relevanz mehr haben.

Dieses Feld eigentlicher Lebensrelevanz wird somit aus der Hand gegeben. Um nach gewisser Zeit eine frappierende Entdeckung zu machen:  Daß das eigene Leben nicht mehr gelingt, nichts von dem was man noch als Ziel einmal erkannt haben könnte, erreichbar wird. Vielmehr liegen alle Gründe und Mechanismen des Erreichbaren, des zu Erreichenden außerhalb - bei anderen, bei großen Weltvorgängen, vor allem aber: im Denken "anderer", die durch ihr antiquiertes, falsches Denken als Denken entlang einer Wahrheit den Fortschritt be- und verhindern. Das eigene Scheitern, das Vorbeigehen an der Lebensgeglücktheit, wird zum Opferfall, zum Delikt anderer. Und je mehr das Scheitern sich offenbart, desto vehementer wird die Schuld auf bestimmte Menschen und Anschauungen gerichtet. Dies hat natürlicherweise keine Grenzen. Deshalb führt diese Haltung völlig selbstverständlich in einen Totalitarismus, in dem keine Vernunft mehr zählt, sondern nur noch Emotion, die vom Schmerz des eigenen Scheiterns am eigenen Leben immer weiter befeuert wird als der Mensch bemerkt, zwangsläufig bemerkt, daß er in diesem Verzicht auf Wahrheit eine subjektive Schuld begeht - denn in seinem tiefsten Grund läßt sich kein Mensch letztendlich düpieren. 

Er weiß sich (ohne daß er es "weiß") und die gesamte Welt in die Wahrheit selbst eingebunden, ja von ihr getragen und sogar konstituiert. Wer nicht der Wahrheit gemäß handelt und denkt, wird in allem, was er tut, immer an den Sachverhalten scheitern. Um das zu verbergen, versucht er nun - und genau DAS geschieht heute, genau DAS sind die Hintergründe - die Wahrheit ihrer Relevanz zu berauben. Er erklärt, daß es sie nicht gibt. Was in ihm als "Gewissen" (gewiß ...) aufsteigt, ist nur noch Relikt alter Systeme der Suppression, der Unterdrückung, der Herrschaft. 

Daß er damit das Wesentliche aufgibt, das den Menschen überhaupt trägt, die Herrschaft über sich selbst, in der er erst frei sein kann (weil er seiner Vernunft gemäß, damit erst auch der Logik gemäß zu handeln vermag), wird ihm noch zusätzlich dadurch genommen, als ihm (ohne jede Verankerung in Logik, denn diese Erklärung der Aufklärung, von Rousseau prototypisch für heute, zum Menschenbild erklärt) der Mensch als automatisch zum Guten werdend erklärt wird. Wenn das nicht geschieht, muß es also Schuldige geben. Andere, die an ihm verbrochen haben. Und das ist - die Kultur. Denn der Mensch ist zutiefst und wesensgemäß Kulturwesen. Also wird die gesamte Menschheit gut, wenn man alle überkommene Kultur über Bord wirft. Und vor allem: die Wahrheit.

Es stehen sich also zwei Menschenbilder gegenüber, die unvereinbar sind. Das eine orientiert sich an der Wahrheit, die es geben MUSZ, selbst wenn man an ihr immer nur bruchstückhaft teilhaben kann, indem man den eigenen Intellekt am Sachverhalt ausrichtet, diesem gleichzuformen versucht - ein sittlicher Akt, der sich jeder Prüfung durch Verstand und Logik unterwirft, weil erst diese ihn zur Geglücktheit führen kann. Einer Geglücktheit, die aber aufgrund der Irrtums- und Fehleranfälligkeit des Menschen immer nur zum Teil möglich ist.

Der Grund dafür liegt in dem, was jeder Logik letztlich zugrundeliegt: in der Religion, dem eigentlichen Tragegrund der Welt, dem Nährboden jeder Logik im übrigen. (Was das Wesen des Katholischen ist. Die heutige Bereitschaft zur Unlogik hat also seine Wurzeln in einem Versagen oder Verdämmern der Kirche, ist Produkt eines Kirchenkampfes.)

Das andere bezieht seine Werte und Ausrichtungen am Leid der Welt, an der persönlichen Leiderfahrung. Es ist eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt, vorausetzt was sie zu beweisen behauptet, und darin einer Utopie nachjagt: Der Utopie einer heilen Welt, eines Paradieses, das seinen Maßstab in sich trägt: in subjektivem Glück und vor allem Wohlgefühl. Weil es darin aber zwangsläufig Leid hervorruft, und zwar zumindest das Leid der Verfehlung der Welt als Verfehlung ihrer Sachverhalte, die sich dem utopisch Gesollten nicht und nicht beugt, muß es immer noch radikaler alles ausrotten, was diesem Vollkommenheitszustand offensichtlich weil erlebbar entgegensteht. Und das ist zuallererst die Wahrheit, das ist zuallererst - die katholische Religion.

Was sich in Sidney zeigt ist also nichts Neues, alles das ist längst aus der Geschichte bekannt. Es ist aber ein Menetekel des neuen Totalitarismus, der sich ohne daß wir es recht gewahr werden erhebt. Und zwar weltweit. Es ist die Absage an die reale Verfaßtheit des Menschen, der sich selbst und die Wahrheit als tragendes Grundnetz und Quelle der Welt verdankt (Heidegger), Wahrheit also empfängt, und zwar vom ersten Moment seines Daseins an, im speziellen ab dem Moment, wo er beim Namen genannt wird, dem konstituiven Moment seines Menschseins als Vernunftwesen, das ein Dasein in Identität bedeutet. Und es ist das Menetekel eines totalen, weltumspannenden Kampfes gegen jenen Gott, der die Wahrheit selbst ist - Jesus Christus, dem Namen aller Namen.

Denn nur in einem Absoluten verankert läßt sich überhaupt erst das vollziehen, was wir als Denken bezeichnen. Ohne absolute Wahrheit ist keine Kommunikation möglich, wird Kommunikation zum zufälligen Produkt einer "Übereinkunst", die letztlich nur durch Zwang möglich ist und den Menschen damit seiner Freiheit beraubt, ihm den Selbststand nimmt, und ihn jeder beliebigen Macht, die dem Gesetz des Stärkeren folgend herrscht, unterwirft.

Wer meint, das durch rein subjektive Wahrheiten ersetzen zu können, als Konstrukt (wie mit Wittgenstein behauptet wird), wirft den Menschen ins Nichts der verzweifelten Ungewißheiten, und macht jedes Denken unmöglich. Denken wird so zum reinen, ungeordneten und ounordenbaren Wortsalat. Wer aber auf das Denken verzichtet, verzichtet auf das Menschsein, und will es durch einen Traumzustand ersetzen.






(Der 2. Teil wurde rekonstruiert bzw. neu am 2. 10. 2017 verfaßt, nachdem die alte Version entweder einem Bedienungsfehler zufolge "verschwand", oder ... nein, das wollen wir gar nicht fertigdenken.)
*300917*

Evolutionismus ist sogar Kindesmißbrauch (2)


Teil 2)





Die gesamte Diskussion um Evolution dreht sich heute um die Entstehung der Komplexität. Denn jede Zelle ist immens komplex, ja sie ist "irreduzibel komplex" (das heißt: sie setzt ein Ganzes voraus, das sich angeblich erst posthoc weil evolutiv bildete). Die Frage, wie selbst einfachste Mechanismen entstehen konnten, muß sowieso unbeantwortet bleiben. Das heißt, daß die Frage der Teleologie unbeantwortet bleiben muß, ja sogar ein immenser Störfaktor im evolutiven Denken ist. Aber kein Organismus ist ohne Teleologie denkbar.

Der Zweck ergibt angeblich bzw. lt. Evolutionstheorien die Struktur - aber die Struktur setzt immer bereits Zweck voraus, das Studium der einfachsten Zelle kann keinen anderen Schluß zulassen. In angeblichen "kleinen Schritten" (und anders ist Evolution gar nicht denkbar) ist das niemals erklärbar. Anders ist nicht einmal die angebliche "natürliche Selektion" erklärbar, denn sie geht von kompetitiven Ganzheiten aus. Man nehme nur das Auge, diese irreduzible Größe, die bei über 30 Wesen gleichermaßen "entstanden" sein soll? "How do You select for light, wenn all You have is blindness?"

Der Evolutionismus ist zutiefst IRRATIONAL. Ihm steht der rationale Beweis für die Existenz eines Gottes gegenüber, als erste Ursache allen Seins.  Denn es ist unlogisch, ja anti-logisch, die Existenz von Etwas aus Nichts anzunehmen. Keine beobachtbare Evidenz stützt das. Es braucht also notwendig eine "Kraft", nein, einen "Willen", der aus Nichts ein Etwas macht. Wo die Wissenschaft das verneint, wird sie unweigerlich dumm. Denn sie kann nur einen nicht begründbaren "Nutzen", "Zweck" ansetzen - ohne dessen Sinn zu kennen. Evolution kann niemals "Sinn" definieren, ja sie muß ihn definitiv ablehnen. Damit hört sich jede Wissenschaft auf, denn diese kann sich nur aus einem Ursache-Wirkungs-Prinzip erklären. Wonach wollte sie sonst forschen, ohne bloße "Mythologie" zu werden? (Und das wird sie ja heute bereits weitestgehend. Die "Klimafrage" beweist es erschütternd, die sich nur noch aus irrationaler, diffuser "Moral" erklärt.)

Es ist also die alte (aristotelische) Logik, die verlangt, notwendig verlangt, daß aus Nichts nichts hervorgeht, daß alle Bewegung, alles Seiende, ein unbewegtes Sein (und einen Willen zum Seienden) voraussetzt. Alles andere verlangt, daß man das Denken (als Logik) aufgibt. Durch den Evolutionismus stehen wir also in einem Zeitalter immer totalerer Irrationalität. Diesen "unbewegten Beweger" aber nennt die Menschheit seit je "Gott".

Das Berufen auf "Evidenz" ist nicht begründbar. Wer, bitte schön, könnte sagen, daß er nicht "von jemandem" gewollt sei? Wer hat sich selbst in Existenz gebracht? Was, das immer beobachtbar ist, hat sich sich selbst zu verdanken? Wo wäre also die Beobachtung, die Evidenz, die die Evolutionismen stützte?

Evolutionismus ist Psychologie. Er ist angewandte Psychologie. Ist das Vorgaukeln eines gesollten - atheistischen - Weltbildes, von dem die Existenz abhängt. So funktioniert die Weitergabe über das Bildungssystem, das immer das "gesollte Denken" präsentiert, sonst bekommt man nicht einmal einen Job. Deshalb bedeutet die Auseinandersetzung mit dem Atheismus immer die Auseinandersetzung mit den Machttragenden, die den Atheismus durchgesetzt haben wollen.

Wer sich damit auseinandersetzt, wird deshalb bei den Proponenten dieser Haltung immer das Problem eines "defekten Vaters" finden, den es zu bekämpfen gilt. Atheismus ist der Kampf gegen den überlegenen Vater, dessen Logik - weil Logik (Vater-sein ist an sich das Gesetz der Logik, ist Urbild der Logik im Kind) - zwingend ist. Deswegen ist ihr Kampfmittel Irrationalismus. Und was motiviert Irrationales mehr als Begierde, als Untugend, was motiviert "Denken" mehr als Rechtfertigung vor dem nie auszublendenden Sein, die Lösung der Schuldfrage?

Was liegt also allem diesem Problem zugrunde? Ein defekter Vater, vor allem aber: ein defektes Vaterbild. 












*Man erkennt auch darin die fatale, weil die Wahrheit pervertierende Imitation der Wahrheit. Denn natürlich ist die Wahrheit selbst allen Menschen auf eine Weise zugängig, als ständige Anfrage, als DAS Gegenüber, das DU des Lebens, der Schöpfung, des Seins alles Seienden. Deshalb ist die Äquivokation, das Verwenden einer Terminologie, die auch in der Wahrheit vorkommt, aber in einem fundamental anderen Zusammenhang steht, eine der schrecklichsten weil gefährlichsten Waffen der Lüge.






*260917*

Sonntag, 1. Oktober 2017

Wenn Universitäten der Wahrheit absagen (1)

Daß man die Logik als Feind des Menschseins empfindet ist heute bereits weit verbreitet. Nun würde darin ja sogar noch ein Funke Wahrheit stecken, denn NUR in (mathematischer) Logik wäre die Welt bei weitem - dimensional, nicht einfach quantitativ - nicht erfaßbar. Vernunft ist eben mehr als Logik, WENNGLEICH auch immer logisch. Die Wahrheit selbst ist der Rahmen, und diese Wahrheit ist halt mehr als "richtig". Sie baut sich also nicht summarisch-quantitativ "von unten nach oben" über "Richtiges" auf, ist mehr, ist dennoch immer auch in seinen Teilen logisch. Aber das zu sehen braucht es ein anderes Menschenbild, als es heute verbreitet ist. Dazu braucht es ein nicht-mechanistisches Menschenbild, das Geist erfaßt, und nicht einfach in Rationalität auflöst. Diesen Geist kann das heutige Menschenbild aber nicht mehr anerkennen. Er ist spätestens seit Descartes reine Rationalität. 

Denn er ist nur begreifbar, wenn der Mensch nicht rein weltimmanent gesehen wird, also sich von einem absoluten, personal dynamischen Geist - Gott, der einen Willen, also Dynamik hat - ableitet. Das bedeutet, daß auch Offenbarung, Gegebenes also, eine, ja die wichtigste Rolle im menschlichen Denken spielt. Denn sie ist (als Referenz-Wahrheit, in der Logik enthalten ist, gewissermaßen) das Licht, unter dem Logik überhaupt erst erkennbar wird. Eigentlich kann man Geist nämlich gar erst begreifen, wenn man die Dreifaltigkeit begreift, sonst wird auch Geist zum dinghaften, nicht mehr logisch, sondern nur noch willkürlich agierenden Gespenst. Dem steht ein Gott gegenüber, der zwar nicht begreifbar, aber nicht, ja der niemals unlogisch ist. Nur übersteigt uns die Logik selbst.

Auf dieser Ungenügendheit des heutigen Vernunftbegriffs aber, der ohne die substantielle, in die Realität in einer Linie und widerspruchsfrei ragende Rolle Gottes auskommen soll, in der sich die Aufklärung wieder einmal selbst in den Schwanz beißt, baut ein Streben auf, das seit Jahrzehnten beobachtbar ist und nun offenbar vor der Etablierung als Norm steht. Das zeigt sich darin, daß vielfach "Moral" über "Vernunft" gestellt wird, also Moralgebote (political correctness) so gedeutet werden, daß sie auch Unvernünftiges gutheißen können oder sogar müssen, wenn es denn dem Moralempfinden entspricht. Damit kommt der Wahrheitsbegriff noch weiter unter Druck, denn Wahrheit wird nur noch bedingte Wahrheit, eine Wahrheit selbst gibt es nicht mehr, sie hat keine Funktion mehr.

An den Universitäten war dies bislang noch eine eher seltene Erscheinung. Aber das ändert sich sehr rasch. Längst spricht man auch an unseren Universitäten von "post-science"! Teilweise (wir haben darüber berichtet) haben sich Universitäten Gebote der political correctness selbst so vorgeschrieben, daß es auf Denkverbote hinausläuft. Denn was logisch ist bestimmt nun nicht mehr die Logik, sondern das Gebot "gut" zu sein. 

Gut wird also vom Sein - in der Einheit des Guten, Wahren, Schönen - getrennt. Das ist der Kern des Problems. Wahrheit wiederum ist die Übereinstimmung von Sache und Intellekt. Wer diese Wahrheit bestreitet, bestreitet die Erkennbarkeit der Welt, macht Erkennen willkürlich und inkommunikabel. Wie tief dieser Widerspruch ist, zeigt schon alleine dieser Satz. Denn auch er wäre nicht verstehbar. Gerade das, was diese Form von relativer Wahrheit beansprucht, wäre dann unmöglich: Übereinkunft (um eines subjektiven Zweckes willen). Nach dem Motto: "Es gibt keine Gewißheit. Das ist gewiß." 

Aber es gibt Gewißheit über die Welt, weil es eine alle Menschen umfassende Wahrheit gibt. Jeder Morgen, jedes Auf-die-Straße-gehen, und jede Reise in unbekannte Länder etwa, jedes Treffen mit vorerst unbekannten Menschen beweist es neu. Macht das Wunder gewiß, daß sich auch mit dem letzten Indianer im südlichsten Zipfel Südamerikas noch kommunizieren läßt. Wenn es eines Beweises für die Wahrheit bedürfte so wäre es genau das: Die Evidenz, daß sich die Menschen der ganzen Welt zumindest in grundsätzlichen Dingen (von denen sich dann kulturelle Spezifitäten ableiten, auf denen sie aufbauen, erst hier kann es längerer Verstehensprozesse bedürfen) problemlos verständigen können. Und die Wahrheit hat eine Form - Sprache. Nicht in der Wahrheit, erst im Umgang damit, in der Stellung zu ihr entscheidet sich dann weitere Kommunikabilität, braucht es Verstehensprozesse, entstehen Verstehenshürden. Immer aber sind sie überwindbar.

Wie weit diese Entwicklung bereits ist überrascht also denn doch, denn sie zeigt, wie weit von der Evidenz heutiges Denken bereits ist (das lustigerweise genau das Gegenteil behauptet). Wieviel an Erfahrung und Wahrnehmung muß man hier bereits ausschließen. 

Und dennoch hat nun die Universität von Sydney (Australien), schreibt William M. Biggs, offiziell das Motto angenommen, daß man die "Wahrheit verlernen" solle. Programmatisch wird aus allen Studiengängen zukünftig die Wahrheit ausgeschlossen. Das geschieht im Namen einer angeblich dann - neu - zu findenden "Wahrheit". 

Aber mehr noch: Überhaupt ist "alles" neu zu lernen. Liebe genauso wie Kriminalität und Verbrechen. Dazu muß man zuerst einmal aber "ent-lernen". Auf ihrer "Unlearn-Homepage" schreibt die Universität:

Why unlearn?
We’re changing the way we teach and how our students learn…
Unlearning is about challenging the established, and questioning the accepted.
It’s not about ignoring what you already know, but it’s about being brave enough to question it and break down old rules so we can write new ones. It’s about looking at things in the context of today, and tomorrow.

Damit soll ein "Post-Wahrheits-Zeitalter" eingeläutet werden. Wahr soll hinkünftig nicht mehr sein, was der Wahrheit entspricht, sich ihr im Denken angleicht und annähert, sondern wahr soll sein, was "einer Zeit, einem Zeitgefühl" als "wahr vorkommt". Und das kann sich natürlich ändern, ja es ist sogar das Wesen dieser neuen Wahrheit, sich zu ändern. Sie wird damit bloß noch zu einer momentan erzählten Geschichte, der der Wittgensteinsche Satz programmatisch verabsolutiert wird: "Die Welt ist was der Fall ist." Wahrheit ist eine reine willkürliche Konstruktion, die an sich nichts mit dem Sein zu tun hat. Denn das Seiende setzt sich selbst sein Sein, das ist der wahre Hintergrund und Widerspruch: Etwas müßte damit sein, bevor es ist.


Teil 2) Das muß natürlich so sein. Heute.
Denn die Wahrheit ist dem Heute feind.







*300917*

Evolutionismus ist sogar Kindesmißbrauch (1)

Wir erleben seit etwa zehn Jahren eine nächste Stufe des Atheismus, der sich seit dem 19. Jahrhundert vorbereitet und ausgebreitet hat, sagt E. Michael Jones in diesem Interview über seine aktuelle Arbeit (die wohl das nächste 1000seitige Buch hervorbringen wird ;-).  Darin wird die Dichotomie zwischen Wissenschaft (bzw. Wissen) und Glauben (Religion) quasi endgültig einzementiert. Getragen wird es von einem angeblichen Toleranzgestus, der da sagt: Es ist völlig in Ordnung, wenn man religiös ist, wie immer man das dann nennen will, katholisch oder sonst wie.  Aber wenn es um Wissen geht, dann ist Religion irrelevant, dann geht es um die Wissenschaft. Sie alleine ist in der Lage, realistische Aussagen über die Welt zu machen.

So wird es längst sogar an katholischen Hochschulen gelehrt, auch dort findet sich mittlerweile diese Dichotomie, ja man meint darin sogar eine besondere Form der Weltoffenheit zu sehen. (Dabei ist es das genaue Gegenteil.) Und so wird es bereits in den Volksschulen gelehrt. Das ist sogar eine Form von Kindesmißbrauch, sagt Jones, und wir wollen ihm auch da heftig zustimmen. 

Die Vernünftigkeit des Evolutionismus ist aber nur ein Schein, ja eine Lüge. Gerade nach wissenschaftlichen Kriterien sind dessen Prämissen nicht zu halten, sondern reine Willkür, geboren in der Zielrichtung, eine Welt ohne Gott als Weltbild zu etablieren. Die wissenschaftlichen Widersprüche und Unvereinbarkeiten und die Unlogik dieses Weltbildes sind so haarsträubend, daß man auf eine Weise nicht begreifen kann, wie es gelingen konnte, es so fest zu verankern. Dafür sind andere Mechanismen als maßgeblich zu sehen, und es sind klare Mechanismen des social engineering, der Manipulation, der Verankerung von scheinbaren Weltgewißheiten und Lügen in Unfreiheit und Angst.  

Damit ist der (irrationale) Evolutionismus sogar maßgeblich für eine heute immer fester etablierte Weltsicht verantwortlich, die sich mittlerweile sogar an Universitäten etabliert: Der bewußten Ausschaltung der Vernunft zugunsten eines nur noch in der Emotionalität verankerbaren Weltsicht. Wie sie in dem Satz gipfelt, daß das Wirkliche (als falsche Begriffsdeutung eines zufälligen Faktischen, im Subjektiven gründende Urteil) das Vernünftige (in seinem Bezug auf die - die, nicht "eine", gar subjektive, relative, niemals absolute - Wahrheit) überstrahlt. Auf eine andere Weise purer Hegelianismus (Marxismus), der die Geschichte in der Synthese des Dialektischen als "seins-schaffend", als automatisch zum Sein führend, damit das Weltparadies ansteuernd sieht. Sodaß das Einzige, was dessen Erfüllung verhindern kann - der "falsch denkende" und deshalb falsch handelnde Mensch sein kann. Der gegen den Mainstream handelt und denkt, denn dieser ist damit die Heilslogik der Welt.*

Aber Jones weist auf etwas Entscheidendes hin: An die Evolution zu glauben bedeutet eine Verdummung. Denn wer an die Evolution glaubt, dem zerschlägt sich das Kausalitätsprinzip der Welt, die Grundlage jedes vernünftigen Denkens. Denn der Evolutionismus hat keine Letztbegründung.  Er ist dem hinduistischen Denken vergleichbar, das die Welt auf einer Schildkröte sieht, die wiederum auf einer Schildkröte steht, die wiederum auf einer Schildkröte steht ... Die Frage, ob irgendwann "Nichts" war, muß ausgespart werden. Wenn diese Frage aber mit "Ja" beantwortet wird, bleibt offen, was der Grund sein könnte, wie aus Nichts ein Etwas (ohne den Willen eines Schöpfers) entstanden sei. 

Das zu behaupten widerspricht den Fundamentalprinzipien jeder Logik. Jedes Gespräch über Evolution ist deshalb kein Gespräch über Biologie, sondern die Frage, wie man Menschen in Dummheit halten kann. Denn nur durch ein illustres Verweisen darauf, daß man "das eben nicht verstehe" (was aber gar nicht verstehbar ist), sei ein bewußtes Halten in Dummheit. Evolutionismus zu verbreiten ist also ein Konzept, die Menschen in Dummheit zu halten und sie daran glauben zu machen, daß sie dumm seien, weil sie das gar nicht zu Verstehende nicht verstehen (obwohl es doch die "Autoritäten" behaupten, es also stimmen muß!) Niemals kann sich die Biologie aus sich selbst begründen! Woraus ist der Big Bang entstanden? Woher die Energie, die ihn angeblich bewirkt hat? Es fehlt in jedem Fall die Letztbegründung. Es kann nicht etwas existieren, bevor es existiert.

Hinter der Verbreitung dieser Thesen stehen ganz einfach massive Interessen - die Interessen von Menschen (Jones nennt sie die Oligarchen, die Finanzinteressen, die "Kapitalisten" also) die daran interessiert sind, daß ihrem Handeln (also ihrem Wucher, ihrem Ausnützen anderer) keinerlei moralische Schranken auferlegt seien, weil es keine Verankerung von Moral im Absoluten gibt.


 Morgen Teil 2)






*270917*

Samstag, 30. September 2017

Ein Fundamentalproblem der Ethik

Prof. Josef Seifert, dessen Denken der VdZ so manches verdankt (besonders sei auf sein Buch "Das Leib-Seele-Problem in der gegenwärtigen Diskussion" hingewiesen, es schließt ein weites Feld der Gegenwartskritik auf), in seiner Kritik an Amoris Laetitia, die für ihn nicht folgenlos blieb, und die zugleich eine Fundamentalkritik an gegenwärtigen, weitest verbreiteten Irrtümern über moralisches Handeln bedeutet:


„Wenn nur ein Fall einer intrinsisch unsittlichen Handlung von Gott erlaubt und sogar gewollt werden kann, muß dies nicht für alle Handlungen, die vom Lehramt der Kirche bisher als “intrinsisch schlecht“ bezeichnet wurden, gelten? Wenn es stimmt, daß Gott wollen kann, daß ein ehebrecherisches Paar weiterhin im Ehebruch leben soll, sollte dann nicht auch das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen!“ neu formuliert werden: „Wenn Ehebruch in Deiner konkreten Situation nicht das kleinere Übel ist, begehe keinen Ehebruch! Wenn Ehebruch in Deiner Lage das kleinere Übel ist, lebe ihn weiter!“?

Müssen dann nicht auch die anderen neun Gebote, Humanae Vitae, Evangelium Vitae, und alle vergangenen, gegenwärtigen und künftigen kirchlichen Dokumente, Dogmen oder Konzilsbeschlüsse, die die Existenz von in sich schlechten Handlungen lehren, fallen? Muß dann nicht die neue, von Papst Franziskus zur Überprüfung von Humanae Vitae einberufene Kommission schlußfolgern, daß die Verwendung von Verhütungsmitteln in manchen Situationen gut oder sogar obligatorisch und von Gott gewollt sein kann? Stimmt es dann nicht mehr, wenn die Kirche unter Berufung auf das Naturrecht verboten hat, Verhütungsmittel zu verwenden, und war dann nicht die Lehre von Humanae Vitae ein gewaltiger Fehler, eine Lehre, die unzweideutig besagt hat, daß (absichtliche) Empfängnisverhütung in keiner Situation moralisch gerechtfertigt ist, geschweige denn von Gott befohlen werden kann?

Können dann nicht auch Abtreibungen, wie Mons. Fisichella, der damalige Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, behauptete, in einigen Fällen gerechtfertigt und jene Antwort sein, „die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht“? (AL 303)

Müssen dann nicht nach den Gesetzen reiner Logik Euthanasie, Selbstmord und Beihilfe zum Selbstmord, Lügen, Diebstähle, Meineide, Verleugnungen Christi, wie die des hl. Petrus oder auch Mord, unter manchen Umständen und nach richtigen „Unterscheidungen“, aufgrund der Komplexität einer konkreten Situation gut und lobenswert genannt werden? Kann dann nicht Gott auch verlangen, daß ein Sizilianer, der sich verpflichtet fühlt, die unschuldigen Glieder einer Familie auszulöschen, deren Oberhaupt ein Mitglied seiner Familie ermordet hat, mit seinem Mord getrost vorwärtszugehen? Wenigstens dann, wenn sein Handeln verhindert, daß sein radikalerer Bruder gleich vier Familien auslöscht? Kann dann auch sein Mord jene Antwort sein, „die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht“ (AL 303)?

Verlangt die reine Logik also nicht, daß wir diese Konsequenz aus der zitierten Aussage von AL ziehen?







*260917*