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Freitag, 14. Februar 2020

Widme man sich ruhig dem Faschingsausklang

Dieser Beitrag ist (wie selten hier) tagesaktuell. Aber er ist eine Reaktion auf Gespräche mit Freunden. Dazu eine Passage aus einem Brief:

"Hast Du gelesen? Ich habe wegen Dir und H, die ähnliche Fragen  hatte, aus einem Briggs-Artikel einen Blogeintrag gemacht. Ist der Artikel nachvollziehbar genug? Denn die Überlegung, daß der Corona-Virus keine gefährliche Weltepidemie ist, steht auf sehr rationalen Überlegungen, nicht einfach irgendeinem Gefühl. Es gibt umgekehrt keine (!) logische Begründung, warum das eine Weltepidemie werden sollte. Es ist also vernünftiger, da ruhig zu bleiben. Klar, völlige Sicherheit gibt es nicht, aber aus Vernunftgründen ist keinerlei Panik angebracht. Das wird bald wieder vorbei sein."

Natürlich kann sein, was manche Medien kolportieren, und der Corona-Virus weitet sich zu einer Superepidemie aus, die weltweit ein bis zwei Milliarden Tote fordert. Woher aber solche Zahlen kommen ist nicht nachvollziehbar, sie sind reine Phantasie. Woher überhaupt die Einschätzungen kommen, es handele sich hier um eine neue (und nächste) Super-Epidemie, ist nicht nachvollziehbar. 

Dem nüchternen Betrachter könnte glatt vieles wie eine sich selbst fortzeugende Medienpanik erscheinen, wie wir sie in einer Zeit kaum noch zu überbietender Nachrichtendichte - die als eines der Hauptmerkmale hat, daß aus Nachrichten selbst geschaffene Begrifflichkeiten und damit Interpretationshorizonte werden, die an ihrer nunmehr selbst geschaffenen Definitionslinie Daten auswählen und zu "Empirie" ordnen.

Der em. Statistikprofessor William M. Briggs nahm jedenfalls eine seriöse Analyse der erreichbaren Daten vor, samt der von Chinas Behörden selbst veröffentlichten Zahlen. Und seine Ergebnisse - die natürlich mit zahlreichen Unbekannten arbeiten müssen - lassen den Schluß zu, daß es sich hier um einen relativ bescheidenen Krankheitsausbruch handelt, der nach wie vor von der Gefährlichkeit eines "stinknormalen" Grippevirus, wie er jedes Jahr um diese Zeit vorkommt, bei weitem in den Schatten gestellt wird. Bei weitem! 

Wo schon das nächste Problem bei all den Zahlen, die rund um den Corona-Virus herumschwirren, beginnt. Weil sich die Folgen der beiden Krankheiten gar nicht so genau unterscheiden lassen. Noch dazu haben Chinas Behörden die Kriterien weiter aufgemacht, so daß als Corona-Erkrankung schon bezeichnet wird, was man durchaus auch mit ganz anderen Ursachen in Verbindung bringen könnte. Eine via Röntgen festgestellte Lungenkrankheit kann viele Ursachen haben. Und wenn man schon dabei war, Zahlen richtig zu stellen, hat man auch gleich Krankheitsfälle aus der Vergangenheit dazugerechnet, die auch Corona-Virus-Erkrankungen gewesen sein könnten.

Und siehe da, welch' Zufall: Von einem Tag auf den anderen waren es auch in Hubei um 14.000 Fälle mehr. Und mit einem Schlag explodierten die Zahlen über Todesfälle. Und nach den weiteren Kriterien, die andere Länder übernommen haben, waren plötzlich auch in Vietnam Gefahrenzonen "erkennbar".

Die Epidemie ist doch viel viel schlimmer, als China zugibt!

Denn China lügt. Die Chinesen lügen immer, warum nicht in diesem Fall? Mag sein. Aber auch das hat Briggs ins Kalkül gezogen, als er sein statistisches Modell über zu erwartende Entwicklungen der Erkrankungszahlen aufsetzte und die je nach Variante unterschiedlichen Annahmen definierte. In jedem Fall werden wir das sehr bald wissen. Es spricht aber sogar einiges dafür, daß die offiziellen Angaben relativ richtig sind. Das kann man aus der statistischen Prüfung der Zahlen im Verlauf schließen. Und daraus folgernd spricht auch viel dafür, daß wir den Höhepunkt der Corona-Krise (sofern das überhaupt je eine war) praktisch schon erreicht haben. 

Und warum dann diese hysterischen Maßnahmen in China selbst? Naja, genau weiß das niemand. Aber die Ursachen dafür sind vermutlich recht komplex, und zu einem guten Teil in psychologischen Mechanismen (auch bei den Behördenvertretern) zu suchen. Tatsache ist außerdem, daß Chinesen (wer sie kennt wird das bestätigen) sehr dazu neigen, etwa solche Krankheitsmeldungen extrem - extrem! - überzubewerten. Die Bereitschaft zur Massenpanik ist also hoch! Briggs erzählt eine dies illustrierende Episode aus der Zeit, als die Vorfälle in Fukushima bekannt wurden. Er war zufällig zu diesem Zeitpunkt in San Franzisco Chinatown, und hat mit Staunen beobachtet, wie die Chinesen in einer unfaßbaren Panik riesige Mengen an jodiertem Salz kauften, weil das gegen eine angeblich unmittelbar bevorstehende Strahlenkrankheit schützen sollte.

Bleibt immerhin noch ein recht simples, aber überzeugendes Argument: Wenn der Virus wirklich so gefährlich ist - warum gibt es dann außerhalb von China (bis auf zwei Fälle, und auch die betrafen Chinesen) keine Toten?*

Wer sich mit den Details der statistischen Berechnungen von William M. Briggs auseinandersetzen möchte, kann dies auf seiner Homepage tun.

So nebenbei: Wer die Virenpaniken der letzte Jahre, von der Schweinegrippe bis zu SARS und MERS und SADS ..., hernimmt wird feststellen, daß sie alle von Erregern ausgelöst wurden, die - so wie der Corona-Virus jetzt - einem einzigen Virenstamm zuzuordnen sind. Der eine Gemeinsamkeit hat: Er hat Fledermäuse als Hauptwirte, und wird von diesen übertragen. Es gab also schon bei Entdeckung des Virus (vor zwanzig Jahren) die These, daß ein Ausbruch dieser Krankheiten in China viel wahrscheinlicher ist als sonst wo. Die Gründe dafür sind gewissermaßen "delikater Natur". Also, werte Herrschaften, feiern Sie den Fasching nicht zu wild. Lassen Sie die Fledermäuse am Dachboden, und rühren Sie die chinesischen Delikatessengläser mit in Essigsäure eingelegten, überzuckerten Tierchen dieser Art nicht an. Es gibt auch andere Suppeneinlagen.

Außerdem ist zu bemerken: Den Corona-Virus kennt man seit zwei Jahrzehnten. Und er kann eine ganze Reihe von Symptomen auslösen. Die Ausbrüche der Erkrankung daran sind in China seit 2019 bekannt und statistisch erfaßt. Dabei ist unter anderem auffällig, daß 99 Prozent der Fälle entweder direkt aus Wuhan stammten (33 Prozent), oder mit Personen aus Wuhan Kontakt hatten. Die chinesischen Behörden waren also schon vorgewarnt. Vielleicht erklärt das die für uns verblüffend hohe Reaktionsgeschwindigkeit (man beachte alleine die kurze Zeit, die man für ein Schwerpunktkrankenhaus benötigte.) Nur ein Prozent hatte Kontakt mit wilden Fledermäusen. Die Übertragung erfolgt, das weiß man schon länger, nur durch direkten Kontakt von Trägern des Virus.



*Wenn schon Spekulation, dann so richtig ... der VdZ hält es für möglich, daß China einen "Test unter realistischen Bedingungen" ablaufen ließ bzw. läßt. Samt einer Einbindung in das Social Credit-System, der Totalüberwachung mit Big Data. Um so zu prüfen, wie weit man auf dem Weg zur Perfektion ist, und woran noch zu arbeiten wäre.






Irland - Die Mutter über den Vater gestellt (2)

 Teil 2) Man stellte in Irland die Mutter über den Vater



Und das hat in Irland eine lange lange Tradition. Waters verweist auf den interessanten Umstand, von dem man sich auch bei Besuchen in Irland überzeugen kann (wie der VdZ es tat, dem fiel es ebenfalls auf), daß das irische Geschichtsbewußtsein sich seltsam häufig auf frühere legendäre "Königinnen" beruft. Irland war eben nie (oder ist schon lange nicht mehr) ein wirkliches Patriarchat! Es war immer bzw. ist seit langer langer Zeit ein Matriarchat. Die Männer waren dafür da, funktionale Dinge zu tun. Die ihnen aber die Frauen auftrugen, die die Autorität auch in moralischen Fragen hatten. 

Der irische Katholizismus hatte damit keine intellektuelle Basis, sondern war in dieser Mutterbezogenheit lediglich "etabliert", war nur mit der Mutterverbindung eingesogene Verhaltensprägung, mit allen Folgen (wie: Angst vor Individualismus und Widerstand gegen Masse und Mehrheit).

Waters ist das erst in den 1990ern aufgefallen, als er einerseits mit dem ehemaligen Sozialismus der Tschechei zu tun bekam, anderseits selbst Vater wurde. Und mit ungläubigem Staunen feststellte, daß in Irland Väter keine Rechte hatten, ebenso wenig Kinder in Bezug auf ihre Väter. Das gesamte Rechtssystem war auf die Frauen und Mütter ausgerichtet, um deren Rolle und Rechte zu stärken.


Elvis oder Jesus, Intelligenz oder Geist

Der irische Journalist, der als äußerst frommer Katholik in einer äußerst frommen katholischen Umgebung aufgewachsen ist, erzählt aus seiner eigenen Jugend in den 1960ern/1970ern, wie er das Einbrechen der Pop- und Rockkultur des Westens erlebt hat: Als fundamentalen Konflikt mit der Welt, in die er hineingeboren worden war. Jesus war, so wie er es erlebt hatte, ein lieber, netter, weicher, unmännlicher Kerl. Aber diese neue Welt, die sich in der Rock- und Popmusik, mit neuen (und rebellischeren, individualistischeren) Vorbildern wie den Beatles oder dem Fußballer George Best war viel aufregender, interessanter, attraktiver. Und beides zugleich ging nicht, das fühlte er damals, ohne das Warum (wie heute) zu kennen. Also entsorgte auch Waters den "süßen Jesus" und wandte sich von der Kirche ab. Moderne Zeit und alter Glaube schienen ihm unvereinbar: Vor die Wahl gestellt "Elvis oder Jesus" wählte er Elvis. Dort schien auch alles viel "gescheiter", intellektuell überlegen zu sein.

Was er damals nicht erkannt hatte, war, wie hoch intelligent sein Vater, seine Vorfahren gewesen sind. Trotz nur geringer Schulausbildung hatten sie die geistigen Fähigkeiten zu hochwertigster Arbeit und Weltbewältigung. Die den heutigen Menschen völlig fehlt, die zwar mit Bergen von Zeugnissen ausgestattet werden, in deren Leben es aber keinerlei Evidenz für Intelligenz gibt, die mit dem Leben und der Welt zu tun hat. Der heutige Begriff von Intelligenz richtet sich nur auf eine institutionalisierte Definition, nicht auf Welt und Leben. Mit dem kulturellen Bruch seiner Jugend aber wurde auch diese neue Form von "Intelligenz" allgegenwärtig. Endgültig wurde im letzten Jahrzehnt die alte Form von Geist erledigt und zum Verschwinden gebracht.

Aber Waters war nicht zufrieden. Was da vor sich ging in der Welt blieb ihm ein Rätsel. Also begann er in den 1980ern und 1990ern erneut zu suchen. Und stieß in Ratzinger und Johannes Paul II. erstmals auf einen anderen, ihm neuen, vernunftbetonten und vernunftbasierten Katholizismus, der sich von dem bloß frommen, den er kannte und der ihm in seinem anti-intellektuellen und die Welt draußen lassenden Affekt nicht gerade attraktiv erschien, völlig unterschied. Nach und nach entdeckte er stattdessen, daß der Katholizismus auch diese neue Welt zu begreifen half. Ja erst in seinem Licht begann er zu verstehen, was er in der Welt und Irland erlebte.  

Früher hatte er den Katholizismus für ein Gebäude von Regeln und Vorschriften gehalten, das eine Clique alter Männer über die Menschen verhängt hatte. Nun begann er ihn als tiefes geistiges, konsistentes, großartiges Gebäude, der Verfaßtheit der Welt in toto zu begreifen, von dem ihm nach wie vor viel noch nicht klar ist, auf welche Klärung er aber mit immer mehr Vertrauen auch warten kann, weil er deren Lösung in der Kirche ahnt. Denn Zeit spielt im Erkennen eine immense Rolle. Keinesfalls ist ihm heute die Kirche diese Art von Desaströsität, als die er sie in seiner Jugend bzw. im Licht der "neuen" Kultur gesehen hatte. Aber um das zu sehen, hat er lange gebraucht.

Auch um zu sehen, wie eng linke, liberale Ideen von Gerechtigkeit mit dem Sozialismus verbunden sind. Dabei war er lange noch ebenso ein links-liberaler Denker, dem die pro-life-Bewegung etwa suspekt war. Bis er allmählich sah, daß hinter der Abtreibungsfrage ein völlig anderes Begreifen von Leben stand. Als er sich damit an seine frühere (linke, liberale) Kollegenschaft wandte, erlebte er aber eine seltsame Reaktion der Ablehnung. Mehr und mehr erkannte er sogar, daß dort von Anfang an eine Zielsetzung am Werk war, die auf eine Neubewertung der Homosexualität abzielte. Und das ging von der Verantwortung seiner Tochter gegenüber aus, die er in ihren Schulen und Einrichtungen mit einer ständigen ideologischen Erziehung konfrontiert sah, die allem bodenständigen Verstehen widersprach. 

Zumal er selbst mehr und mehr den Wert der Tradition erkannte. Selbst im Torfstechen, wo er und sein Bruder die alte Methode des Abhebens von Hand wählten, wofür sie von allen Nachbarn verlacht wurden, die längst mit riesigen Maschinen die Torflandschaften auszuheben und zu zerstören begonnen hatten. Aber genau diese neue Art zu denken, alles in abstrakte Vorgänge umzubrechen, ohne Rücksicht auf irgendetwas, war auch die Basis des kulturellen Umbruchs. Dort ging alles an Verbundenheit und Verantwortung, also Verwurzeltheit verloren, und wurde zum bloß intellektuellen Ding, zu dem man sich persönlich nicht stellen mußte. Mehr und mehr begann er auch seine Verbundenheit und Liebe zu Irland, seinen Menschen, dem Boden neu zu erfahren. Aus dem Linksliberalen wurde ein Traditionalist, der überall den Finger seines Vaters im Rücken spürte. Und wo immer er Vernunft erlebte, war sie in der Tradition bereits enthalten.


Morgen Teil 3) Als er zur Kirche zurückkehrte, fand er keine Kirche mehr




Donnerstag, 13. Februar 2020

Abiogenes, unerschöpfliches Erdöl

Viele Erdölfelder im Osten Rußlands galten seit etlichen Jahren als ausgebeutet. Und wenn es so ist, wie seit hundert Jahren behauptet (sic!) wird, ist es damit verbraucht. Denn fossile Ablagerungen werden, so die gängigste Theorie, durch Druck und Hitze in Erdöl umgewandelt. 

Aber diese Theorie ist bis heute nicht bewiesen. Noch nie wurde im Experiment aus organischem Material Erdöl hergestellt. Sehr wohl aber ... aus anorganischem Material. Und genau das dürfte sich auch im Erdmantel abspielen. Deshalb ist zu Beginn des Erdölbooms im 20. Jahrhundert vielfach zu beobachten (nicht nur in Rußland, auch in Arabien), daß sich einmal ausgebeutete Felder unter bestimmten Bedingungen wieder nachfüllen.

Rußland hat heute bereits die führende Technik im Freilegen alter, durch Verunreinigungen und Ablagerungen unbrauchbar gewordener Bohrlöcher und Ölfördereinrichtungen. Und hat die Fördermenge den nunmehr vermuteten Entstehungsbedingungen angepaßt: nicht mehr so viel wie möglich soll gefördert werden, sondern die Menge des hochgepumpten Öls muß im Einklang mit der a-biogenen Entstehung durch Vorgänge in der Erdkruste an diesem Ort stehen.

Man führt als Beweis für die biologische Entstehung von Öl an, daß sich im Öl biologische Ablagerungen finden. Dies läßt sich aber auch ganz anders erklären. Denn wie sich zeigen läßt, dient Erdöl Bakterien und vielen Kleinstlebewesen als Nahrung. Sie sind auch dafür verantwortlich, daß die "Ölkatastrophen" der jüngeren Vergangenheit erstaunlicherweise keine waren, sondern verschmutzte Landschaften oder Meeresteile waren binnen weniger Jahre wieder "sauber". Und von diesen Mikroben und Bakterien stammen auch die vorzufindenden Ablagerungen im gefundenen Erdöl.

Wäre es aber biologischen Ursprungs, wäre auch die Existenz von Methan, der Vorstufe von Öl(funden), auf Himmelskörpern (Saturnmond Titan; Methaneis auf Pluto) nicht verstehbar. Es stammt aus dem Erdmantel, wo es in physio-chemikalischen Prozessen entsteht, und bevorzugt in tektonischen Bruchzonen von selbst nach oben steigt. Unterliegt das Methan dort hohem Druck, wie in den Tiefen der Ozeane, wird es zu Eis. Das auch weite Bereiche unseres Meeresbodens bedeckt. Aber auch durch andere Bedingungen ("Joule-Thompson-Effekt") kann es vereisen, tritt es aus der Erdkruste aus. So ist vermutlich auch der Permafrostboden in Sibirien entstanden, und so sind plötzliche Vereisungseffekte (Mammutfunde!) erklärbar.

Aus Methan entsteht unter bestimmten physikalischen Bedingungen Kohlenstoff (das sich mit dem Sauerstoff verbindet) und Wasser. Methan ist die größte uns bekannte Quelle von CO2 in der Atmosphäre. Während das uns bekannte Erdöl aus eben diesem Methan ausfällt.







Irland - Die Mutter über den Vater gestellt (1)

Noch 2010 wäre unvorstellbar gewesen, was sich in Irland seit 2011 abspielte: Das einstige Flaggschiff des Katholizismus brach binnen nicht einmal eines Jahrzehnts auseinander, und wurde zum Schlachtschiff des modernistischen Liberalismus der westlichen Welt, in dem die Kirche in atemberaubendem Tempo ausgebootet wurde, daß heute Irland wie zuletzt in den Fragen der Abtreibung oder der "Ehe für alle" sogar "vorbildhaft" wirkt. Auch im Haß auf die Kirche.

Wie konnte das geschehen? Wie war ein solcher Sinneswandel eines ganzen, durch und durch katholisch gewähnten Volkes in so kurzer Zeit möglich? E. Michael Jones geht im Gespräch mit dem in Irland sehr bekannten (und kontroversiellen) Journalisten John Waters dieser Frage nach.

Und Waters stellt gleich zu Beginn fest, daß der frühere Eindruck eine Täuschung gewesen ist. Eine Erzählung war lange Zeit aufrecht erhalten worden, die von der inneren Realität immer weniger bis gar nicht mehr gedeckt war. Der starke, hohe, weit ausladende Baum inmitten der Wüste der Neuzeit, als den man Irland wahrnahm, war von innen heraus bereits durchfault. Als in dem bekannten koordinierten Einwirken von NGOs, Medien und Ideologien, wie es auf bewährte Weise bereits sämtliche westliche Völker und Kulturen überwältigt hat, die ersten massiven, gezielten Axtschläge auf ihn einprasselten, stellte sich blitzschnell heraus, wie wenig Substanz und damit Widerstand noch vorhanden war, wie bereitwillig man aber diese Welt einer neuen Moral aufnahm und sogar herbeisehnte. Die irische Gesellschaft war und wurde in Wahrheit bereits seit langen Jahrzehnten geistig ausgehöhlt, und damit sturmreif geschossen für die "Neue Zeit", die "neuen Werte", wie sie den gesamten Westen bereits erfaßt haben.

Der legendäre irische Katholizismus war nur Fassade, war nur ein braves Nachlaufen und Festhalten an Gewohnheiten. Sobald diese - wie in der ernsten Finanzkrise 2011, in der Irland vor dem Bankrott stand - ihre Gefügtheit und Sicherheit verloren, brach die "Gesellschaft der Tradition" zusammen, und nichts blieb mehr übrig. Bislang eher nur unter der Hand gepflegte Sichtweisen kamen plötzlich nach oben, weil das Überkommene hinterfragt wurde. Mit einem Mal brach auch ein latenter Anti-Klerikalismus auf, den sich die irische Kirche (leider) gar nicht nur zu Unrecht selbst zuzuschreiben hat. Denn auch die hatte es sich bequem eingerichtet, und schien machen zu können was sie wollte, weil die Gesellschaft "dicht" hielt. Damit war nun Schluß.

Es stellte sich heraus, daß die Treue zur Kirche und ihre Stellung in der Gesellschaft oft einfach Indifferentismus gewesen war. Man nahm es hin, hinterfragte es kaum, ohne wirklich dahinter zu stehen. Waters meint am Beispiel seines eigentlich "tieffrommen" Vaters, daß der sein Gebetsleben pflegte, zur Messe ging, etc. etc., aber von Priestern und Bischöfen kaum Notiz nahm, ja eher amüsiert von diesen war, aber sie nicht ernst nahm. Er hatte seinen privaten Weg des Umgangs mit Gott in der und durch die Kirche. Und das war eine weit verbreitete Haltung in Irland!

Die Sichtweise der Kirche durch die Iren war generell sehr simpel. Man sah sie als regelbasiert, und daran hielt man sich. Eine in dem Sinn "personalisierte" Entscheidung war nicht nötig und traf auch kaum jemand. Wirklich tiefe Fragestellungen waren nicht üblich und wo immer sie auftraten, wurden sie auch vom Klerus abgetan und auf "das Gesetz Gottes" geschoben, basta. In dem Moment, wo es dazu kam, wo Kirche zu einer Angelegenheit der Treue durch persönliche Entscheidung wurde, wo das Individuum gezwungen war, seinen Glauben zu kennen und zu verteidigen, weil man TROTZ so vielem zu ihm hätte stehen müssen, weil die Moderne (die in vielem einfach eine Methodik des Zweifels ist) alles hinterfragte und rationale, geistige Antworten brauchte, kam der Abfall. Diese Argumente gab es nicht, man war nicht gewöhnt, sich damit zu befassen.

Dabei ist ein zweiter Aspekt zu berücksichtigen, der mit dem Genozid (der heute immer noch weithin fälschlich und in täuscherischer Absicht als "Hungersnot" bezeichnet wird) der Jahre 1845 bis 1949 zu tun hat und mit seinen fünf Millionen Toten* die Hälfte der irischen Bevölkerung auslöschte. Dies hatte beim Klerus eine Haltung bewirkt, in der das Thema "Sexualität" tabuisiert und auf Nachwuchsfragen konzentriert wurde, um die Geburtenziffern wieder hoch zu treiben, die Menschenverluste auszugleichen. Sie konzentrierten sich dabei vor allem auf die Mütter, die Frauen, und marginalisierten die Väter. So kam es zu einer symbiotischen Beziehung von Priestern und Müttern, um die Moral der Familie zu kontrollieren. Der irische Katholizismus wurde "unterwürfig" und weibisch.

Die Männer wurden irrelevant, wurden regelrecht zu Außenseitern des gesamten irischen moralischen Lebens. Mit Folgen. Denn während es im Zuge der Enzykliken Papst Leo XIII. (ab 1879) über die grundlegende Rolle des Thomismus als bestes philosophisches System des Katholizismus zu einem Aufblühen der Philosophie in Europa und Amerika kam, ging dieser intellektuelle Zug an Irland spurlos vorüber. 

Stattdessen wurden Erscheinungen der Muttergottes wie die von Knock (1879; Knock gilt heute als drittwichtigster Marienwallfahrtsort Europas von Erscheinungen, nach Lourdes und Fatima) ins Zentrum des kirchlichen Lebens gestellt, und das blieb auch so bis ins späte 20. Jahrhundert. Devote Frömmigkeit verhinderte so eine intellektuelle Auseinandersetzung, schien sie gar nicht notwendig zu machen, und damit eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Zeit und den geistigen Strömungen und Irrtümern der Moderne. Man stellte, so nennt es Jones beim Namen, die Mutter über den Vater.

 Morgen Teil 2) Man stellte in Irland die Mutter über den Vater





*Diese Zahl ist durch systematische Zählungen aus Massengräbern belegt, und wird heute von keinem ernsthaften Historiker noch bestritten. Nur die Engländer, die dafür direkt verantwortlich waren, weigern sich bis heute, das zuzugeben, und versuchen immer noch, die offizielle und zynische Version von einer von den Iren selbst verschuldeten Hungersnot durch "Kartoffelfäule", die eine Lüge ist, in der Welt aufrecht zu halten.




Mittwoch, 12. Februar 2020

Keinen Wert, in den zu investieren lohnte

Interessant, was Max Otte, der in einem neuen und dicken Buch vor einem kommenden Mega-Crash warnt, der nicht nur wirtschaftlich motiviert ist, sondern auch mit dem globalen politischen Umbrüchen zu tun hat, hier im Gespräch mit Roland Tichy, sagt.* Otte meint nämlich nicht nur, daß die Immobilienpreise derzeit einfach zu hoch sind, sondern daß der Unabhängigkeitsfaktor bei eigenem Hausbesitz weit überschätzt wird. Man ist erpreßbar, sagt der Ökonom, denn Häuser, Immobilien sind Interessensbündel, wo sich keineswegs nur private Interessen sammeln, sondern diese mit zahlreichen öffentlichen Interessen zusammentreffen.

Der Staat, die Behörde kann relativ leicht und jederzeit darauf zugreifen, um so den eigenen Besitz zu ihren Gunsten zu nützen. Es ist derzeit günstiger, zu mieten, als zu kaufen! Das hat auch damit zu tun, daß die Deutschen mit an die 50 Prozent ihrer Vermögenswerte zu viel in Immobilien investiert sind. Der Wert von Aktien gerade auch über Krisen hinaus wird nach wie vor unterschätzt. Viel zu viel Geld liegt stattdessen auf Bankkonten und Sparbüchern, und schrumpft durch die Nullzinspolitik langsam vor sich hin. Die Variabilität der Inländer, was sie mit dem Geld anfangen könnten, ist ziemlich beschränkt.

Es ist ein unbegründeter Mythos. Wir sind nicht "reich".

Das ist schon deshalb interessant, weil das deutsche Haushaltsvermögen mit 50 bis 60.000 Euro im europäischen Verhältnis außergewöhnlich NIEDRIG ist. In Spanien, Griechenland, Italien besitzen private Haushalte nahezu das doppelte an Vermögen! Nicht zuletzt in (selbst genutzten) Immobilien. Kein Land in Europa hat einen so niedrigen HausBESITZERanteil wie Deutschland.

Das bringt einen weiteren Gedanken auf. Denn es zeigt etwas an, wenn so offensichtliche Unsicherheit herrscht, was von bleibendem Wert ist, daß man lieber auf schwindendes Potential setzt (Sparguthaben) denn darauf, Werte zu sammeln, zu speichern, der eigentlichen Grundlage von Vermögen also zuzuführen. Der Leser möge sich selbst seinen Reim auf die Tatsache machen, daß in unseren Ländern niemand mehr weiß, warum überhaupt etwas wert sein soll. Er möge sich fragen, ob dies nicht mit einem generellen Verlust von Werten zu tun hat. Die weniger mit der subjektiven Sittlichkeit zu tun hat, darauf kommt es hier an, sondern mit der Sicherheit, ob diese subjektiven Werte genügend gesellschaftliche, allgemeine Anerkennung finden.

Immerhin ist "Wert" ja keine absolute, objektive Größe. Nicht, wenn es um weltliche Güter geht. Sondern sie hat mit Wertschätzung zu tun, mit der Erwartung, daß auch andere diesen Wert sehen und anerkennen. Und dafür ihre Lebenszeit, ihre Arbeit (=Geld) ausgeben. Das ist im Wesentlichen das, was man mit Kultur bezeichnet.

Man könnte also im Verhalten der Deutschen hinsichtlich Vermögen und Speicherung die völlige Verunsicherung über den Wert der eigenen Kultur und der im gesellschaftlichen Leben offiziell anerkannten Werte (Kunstgüter, Klein- und gewerbliche Kunst, generell Dinge der Lebenssteigerung also, aber auch in Güter, MIT denen sich Werte schaffen lassen, wie Unternehmen, Maschinen, Entwicklungen) erkennen. Damit verbunden ist auch die Vermeidung jedes Risikos, denn alles bleibt uneinschätzbar zum einen, ungeschätzt zum anderen. Auch die Menschen und ihre Fähigkeit, mit allen Umständen fertig zu werden. 

Es wirkt fast, als würde sich die tiefere Stimmung der Menschen in unseren Ländern auf einen Zustand völliger Kulturlosigkeit einstellen, oder sogar bereits darauf eingestellt haben. Das ist die wahre Verunsicherung, in der wir stehen, die sich sogar schon zur Gefahr entwickelt hat.







*Das eigentliche Thema des Podcast soll zwar "Mittelstand und dessen Gefährdung" lauten, aber solange man in solchen Gesprächen nicht den Begriff selbst zu klären vermag, und Mittelstand einfach mit Einkommenshöhe gleichsetzt, lohnt das nicht. Denn ja, der Mittelstand ist nicht nur gefährdet, sondern wird regelrecht zerstört, und das hat mit seinem Wesen zu tun, nicht mit Einkommenshöhe. Mittelstand bedeutet, das Risiko des eigenen Lebensunterhalts zu tragen, und deshalb auch die Einkommensquelle (meinetwegen in marxistischen Termini: Seine Produktionsmittel) in der Hand zu halten, und Einkommen dadurch zu generieren. Jede Form von Lohnabhängigkeit ist also per se bereits kein Mittelstand. Vielmehr ist diese Begriffsverwirrung schon Teil der Krise, weil Teil einer riesigen Täuschung. Die halt sehr beliebt ist, weil sie so vielen schmeichelt, aber ihm fehlt das Hauptkriterium des Mittelstands - die Freiheit, die nur daraus erwächst, wenn auch das Risiko des eigenen Lebens selbst getragen wird.

Vor allem damit (weil dem damit zusammenhängenden "Selbstwertgefühl" als "Gefühl für den richtigen Ort") hat auch zu tun, wenn beklagt wird, daß 70 Prozent der Deutschen bereits vermeiden, öffentlich zu sagen, was sie denken. Es fehlt uns weit weniger an "Freiheit" als an "freien Menschen"!





Schwindler und fanatische Gläubige bedingen sich

Schwindler gegen fanatische Gläubige im Klima Report der Lancet Kommission

Es ist wissenschaftlich unmöglich (wobei ich höhere, wunderbare Intervention offenlasse) das Weltklima dazu zu bringen, aufzuhören, sich zu wandeln. Es hat sich immer verändert. Es wird sich immer ändern. Jedes Kind, egal wo es geboren wird und egal wann, wird unter den Schlingen und Tücken eines sich wandelnden Klimas leiden.

Das wird immer so sein. Zu behaupten, daß das auch anders sein könnte, heißt zu lügen (wie die Schwindler) oder es zu wünschen (wie die fanatischen, wahren Gläubigen). Solche Behauptungen lassen sogar Zweifel aufsteigen, ob diese Wissenschaftler jemals auch nur ein Geschichtswerk gelesen haben. Denn dann wüßten sie um die unzählbaren und endlosen Geschichten von Menschen, die vom Wetter betroffen oder beeinträchtigt worden sind. So daß man sich die Frage stellt wie diese falsch- oder unbelesenen Leute auf die Idee kommen konnten, daß "Klimawandel" etwas sei, das erst vor fünfzig Jahren angefangen habe, und daß er irgendwie auch gestoppt werden könne. So etwas zu denken, kann man nur als Ergebnis bösartiger Ignoranz bezeichnen.

Denn kümmern sich Schwindler gar nicht darum, was das gegenwärtige Klima tut. Sie werden auch dann noch sagen, daß es schlecht steht, wenn alles bestens ist. Wahrhafte, fanatische Gläubige werden (als jene leicht erregbaren Naturen, die sie nun einmal sind) ohnehin immer und dankbar jede Lüge nachbeten, die ihnen Schwindler erzählen. Lügen wie "Hurricane nehmen an Zahl und Größe zu!"

Sie können einem Schwindler Statistiken zeigen, die seine Lüge entlarven. (Deutsche Übersetzung hier.) Aber was wird er tun? Er wird lächeln. Und dann sagen: "Hurricane nehmen an Zahl und Größe zu!"

Zeigen Sie anschließend dieselbe Statistik einem wahren Gläubigen. Er wird sie glauben, und das ist im übrigen gar nicht anders als beim Schwindler.  Aber er wird anders reagieren. Wie? Zuerst einmal wird er Sie überraschen, denn was wird er sagen? "Hurricane nehmen an Zahl und Größe zu!" Er sagt das aber nicht, weil es jetzt wahr ist - wahre Gläubige sind keine Lügner - sondern weil er WILL, daß es wahr ist. Es MUSZ wahr sein. Sein wahrer Glaube garantiert das. 

Was erklärt, warum mit Fakten zu argumentieren, "Evidenzen" und alles das vorzulegen, in dieser ganzen Debatte so wenig Positives bewirkt. Schon gar nicht sollten Sie also glauben, daß Sie mit Argumenten Ansichten verändern können. Etwa indem Sie mit handfesten Daten die herbeiphantasierten Behauptungen einer rotznäsigen "Wie könnt ihr es wagen!"-Schwedengöre widerlegen.

Aber was ist dann sonst die beste Strategie, oder gar die besten Strategien, wenn sich nichts ändern läßt? Soll man nicht etwa die Schwindler herausfordern? Oder versuchen, die Gefühle der wahren Gläubigen anzusprechen?

Auch das bringt alles nichts. Einen wahren Gläubigen kümmert es herzlich wenig, wenn man ihn ignorant nennt. Er legt wenig Wert auf Sternchen im Klassenbuch und tolle Ehrentitel, selbst wenn er manchmal tatsächlich solche haben sollte. Er KENNT die Wahrheit. Wirf ihm egal welchen Namen an den Kopf, es nützt nichts. Es wird in jedem Fall seinen Glauben nur bestärken. Vor allem wird es ihm bestätigen, daß Sie ihn nicht so "hassen" würden, wenn seine Wahrheit nicht so wahr wäre!

Schwindler schätzen es freilich nicht, wenn man sie widerlegt, ihre Ignoranz aufdeckt, oder sie Lügner nennt. Das bringt allerhöchstens ein bißchen, wenn diese Beschuldigungen von ganz kompetenten Autoritäten stammen. Also nicht von Leuten wie Ihnen oder mich, werter Leser: Es würde nicht einmal etwas bringen, wenn das von Tom Steyer käme, von diesem sonderbaren demokratischen Fondsmanager mit seinem einträglichen Klima-Bachelor und riesigen Appetit auf den Präsidentensessel. Wir alle werden (derzeit) den Schwindler nicht erschüttern. Dazu müßte schon - einmal angenommen - ein Mann der Kategorie eines Donald Trump diese Knöpfe drücken. Dann wird sich etwas bewegen. Wenn auch nicht viel.

Das grundsätzliche Problem ist, daß Schwindler nicht offen auftreten. Sie denken hoch effektiv, und zielen vielmehr von Haus aus auf wahre Gläubige ab. Denn das ist auch wirklich eine riesige, lohnende Zielgruppe. Ein Schwindler, den irgendein Politiker bloßstellt, wird dieser Gruppe gegenüber sofort für sich beanspruchen, Opfer einer hinterhältigen Attacke geworden zu sein, und jeder wahre Gläubige wird es ihm abkaufen. Wenn ein angesehener Wissenschaftler dasselbe tut, ihn bloßstellt, sitzt der Stachel zwar ein wenig tiefer. Selbst wenn es sich um einen ehrlichen, bestens beleumundeten Mann der Forschung handelt, wird der Schwindler, unterstützt von einer unbesiegbaren Armee von wahren Gläubigen, ganz sicher einen Weg finden, den Wissenschaftler ins schiefe Licht zu rücken. Indem er ihm nicht zuletzt vorwirft, Geld zu nehmen. Eine Anschuldigung von der man sicher sein kann, daß sie jeden Schwindler bis in die Haarwurzeln so intensiv erröten lassen würde, daß seine Venen platzen. Denn kein Gedanke ist ihm ferner.

Sie sehen, das Problem ist tatsächlich kaum zu lösen. Schwindler ebben und fluten, in direkter Proportion zur Evidenz, in der wir feststellen könnten, daß es um das Wetter eigentlich gar nicht so übel bestellt ist. Weil sie nämlich die reichen Erträge und die wachsenden Möglichkeiten für schmutzige Geschäfte sehen, darum geht es in Wahrheit. Wahre Gläubige sind in diesem Spiel sowieso dazu geboren, den Reden der Schwindler aufmerksam zuzuhören. Immerhin gibt es gewisse Überschneidungen bei den beiden Gruppen.*

Naja, lassen wir das. Und fragen uns stattdessen, wie es denn nun mit dem eigentlichen Report aussieht? Bestätigt er das Gesagte? Können wir bei ihm dann folgerichtig unterscheiden, welche seiner Teile von Schwindlern, und welche von wahren Gläubigen geschrieben worden sind? 

Hören wir aber einmal nur dieser schamlosen Kuppelei zu, die sich gleich zu Anfang des Lancet Report darbietet:
Ein heute geborenes Kind wird eine Welt erleben, die im Durchschnitt mehr als vier Grad wärmer ist als die des vorindustriellen Zeitalters. Mit dem Faktor Klimawandel, der die Gesundheit von der Kindheit über die Zeit als Erwachsener bis zum hohen Alter. Weltweit aber sind Kinder unter jenen, die vom Klimawandel am stärksten betroffen sein werden.
Wer hat das geschrieben: "Von der Kindheit über die Zeit als Erwachsener bis zum hohen Alter" - ein Schwindler oder ein wahrer Gläubiger? Der Versuch, hohe Literatur zu produzieren, würde ja schon einmal einen wahren Gläubigen vermuten lassen, aber sicher kann man noch nicht sein. Solange man nicht die absolute Lächerlichkeit der Aussage hernimmt (denn ja, Sie haben richtig gelesen, sie ist total lächerlich!). Denn nun wird die Sache eindeutig. Die Passage stammt von Anfang bis zum Schluß von wahren Gläubigen. 

Dieses "und was ist mit den Kindern!" im letzten Satz schaut allerdings aus wie eine scharfe Diagnose, darum waren da Zweifel da. Und von diesen stammt sie wohl auch wirklich. Denn das ist der Lernstoff in der Schule der Schwindler, wie er dort immer noch gleich zu Beginn der ersten Klasse unterrichtet wird. 

Führen wir uns nun das nächste Absätzlein zu Gemüte. Gleich folgend lesen wir nämlich die folgenden Sätze:
Folgt man den Trends in den globalen Erntemengen für alle maßgeblichen Erntefrüchte seit 1960, erkennt man die Bedrohung für Nahrungsmittelproduktion und Lebensmittelversorgung durch den Klimawandel. Wobei oft vor allem Kinder am schwersten von den möglichen dauerhaften Auswirkungen von Unterernährung betroffen sind ...
Diese Passage halte ich für gemischter Herkunft. Vor dem Punkt stammt es nämlich von Schwindlern, nach dem Punkt aber von den wahren Gläubigen. Dieses Beispiel eignet sich sogar sehr gut, Art und Weise eines bestimmten Betrugs nachzuweisen. Denn eigentlich liefert die Aussage sogar schon ihr Gegenargument. Denn die Nahrungsmittelernten weltweit sind seit den 1960ern GESTIEGEN, und steigen noch. Dennoch wird hier das Gegenteil behauptet. Wie ist das möglich? 

Tja, Herrschaften, durch einen eleganten Trick. Denn es wird ja gar nicht behauptet, daß sich die Aussage auf momentane Ernten bezieht. Vielmehr bezieht sie sich auf mögliche, präziser: Auf mögliche zukünftige Ernten! Genauso funktioniert Schwindelei, man muß das fast bewundern: Wir wissen also, wer es geschrieben hat ... die Schwindler. Denn wahre Gläubige sprechen eher selten auf diese oder ähnliche Weise. Die sind sowieso sicher, daß Lebensmittelknappheit eintreten wird, oder daß es sie längst gibt.

In dieser Art geht es in dem Report weiter, viele viele viele Seiten lang. Damit wird außerdem gewährleistet, daß das Zeug niemand vollständig liest. Schon deshalb sollte sich der Leser aber ermuntert fühlen, sich den Spaß anzutun, und alles einmal durcharbeiten. Gehen Sie ihn durch, und finden Sie Beispiele, die sicher von Schwindlern stammen. Dann gehen Sie her und suchen Sie Beispiele, von denen Sie mit derselben Sicherheit sagen können zu meinen, daß er aus der Feder von wahren Gläubigen stammt.

Daß das gesamte Ding ein einziger Schwindel ist, ist zwar schon alleine durch die Überschrift hinlänglich belegt. Ich wollte Sie, geneigter Leser, aber dazu ermuntern herauszufinden, WARUM wir davon so überzeugt sein können. Und gebe dazu nur einen Hinweis, wo die Lösung liegen könnte: Begeistertes, hingebungsvolles Engagement ...





*Anmerkung des VdZ: Die einen brauchen existentiell die anderen. Man kann meist nicht einmal sagen, wer wen benützt. Ähnlich, wie Hörige das Gegenteil von Gehorsamen sind, sind wahre, fanatische Gläubige keineswegs das Gegenteil von jenen Schwindlern, denen sie angeblich auf den Leim gehen.



Dienstag, 11. Februar 2020

Verweigerung der Erwachsenheit

Die Geburtenzahlen in den USA sind in den letzten drei Jahrzehnten immer noch weiter gefallen. Immer weniger Frauen (bzw. Paare) warten immer länger, um immer weniger Kinder zu gebären, während immer weniger junge Frauen noch schwanger werden. Und jedes Jahr wird die Zahl weiter unterboten.

Am stärksten fällt dabei die Zahl der Geburten in der Gruppe der 14- bis 19jährigen auf. Während sie bei 44- bis 49jährigen zwar steigt, aber da tickt bereits die biologische Uhr, der Gesamttrend kann mit diesem Alter bei der Frau nicht mehr rückgängig gemacht werden. Und die Frau ist die erste Ursache für diesen Einbruch in der Fertilität. Sie ist es vor allem, die ihre Rolle, ihren Ort in einer Ehe, verweigert. Und mit ihr fällt der Mann, dem der Eros fehlt, der ihn anwegt, in die Welt zu greifen, um Welt und Wirklichkeitsraum zu schaffen.

Umgekehrt und ebenso ungebrochen steigt die Zahl der Selbstmorde. Die Zusammenhänge sind nicht schwer zu erkennen. Sie werden etwa bei einem Twitter-Post wie in der Abbildung unten deutlich. 

Kinder sind eine Welt, und Kinder in die Welt zu setzen bereit sein ist die größte, ja einzige Offenheit zur Welt weil Wirklichkeit. Zu sterilisieren oder zu verhüten ist deshalb in jedem Fall ein Mord an der Welt.

Also paßt als Geschenk anläßlich der Vasektomie des Mannes auch ein Videospiel, das zukünftig Ersatzwelt bedeuten wird. Eine Welt der Abgeschlossenheit und Invertiertheit, wie sie auch die Welt des Kindes bedeutet. Verhütung bzw. Sterilität sind nämlich auch die Verweigerung der Erwachsenheit. Als Folge fehlenden Eros der Welt.

Und die Verweigerung des Ortes, an dem man steht, das heißt: Der Identitätsbildung des Partners, der jeweils am anderen er selbst wird: "Als Mann und Frau schuf er (den Menschen)." Der Mann wird für die Frau zum Ersatzkind.


Horex - Das Produkt übernimmt die Firma (2)

Teil 2) Rasch rasch. Alles.



Natürlich kann auch diese Dokumentation (unten) nicht umhin, den neuen Göttern ihre Gaben darzubringen. Und die Horex-Zeit 1933-45 zum Verbrechen der reibungslosen Eingliederung in nationalsozialistische Gesinnung, die Produktion von Wehrmachtsmotorrädern zum ideellen, zumindest haltungsmäßigen Kriegsverbrechen zu machen. Vielleicht aber muß man doch eine leicht schattende Bemerkung machen. Denn im Fall Horex hat sich Produkt und Unternehmer gespalten. Horex war nicht von der Innovationskraft und Produktliebe der Eigentümer getrieben, die hatten die Mitarbeiter. Sondern es war mit dem Lebemann Fritz Kleemann, diesem "Sohn des Gründers", doch einen recht geldorientierten, im Grunde wurzellosen Charakter der Tankstelle für persönliches Wohlleben. 

Dem es offenbar kein Problem war, die Motorradproduktion im Kriege einzustellen, und die abstrahierte Fertigungskapazität der "Rüstungsindustrie" zur Verfügung zu stellen. Samt Zwangsarbeitereinsatz. Aber was wäre mit solchen auch anderes zu machen gewesen? Und immerhin, was war (wie meist, übriges) unter "recht menschlichen Bedingungen" geschehen, wie eine Ukrainerin erzählt, die damals in Bad Homburg arbeitete. Fritz Kleemann selbst wurde nur als "minder belastet" eingestuft, und konnte weitermachen.

Allerdings kam nun die größte Zeit für Horex. Schon 1948 erhielt Horex die Genehmigung durch die Alliierten, wieder Motorräder zu bauen. Denn dort hatte man sich ja besonnen. Man brauchte ein prosperierendes Land Deutschland. Eben ein "Wirtschaftswunder," als diesen eiskalten Täuschungsprozeß der Indienststellung des Lebenswillens und der Lebensliebe der deutschen Völker in einen kapitalistischen Masterplan. Und nun mußte alles schnell gehen, in mehrfachem Wortsinn. Und in den späten 1940ern waren Motorräder DAS Fortbewegungsmittel für die breiten Massen. 

(1954) Die neue Zeit orientiert sich an der Welt
Zum Rhythmus des Rock'n Roll - wie passend, ist doch Rock'n Roll in seinem Anruf an die subjektive Begierde ("Rock'n Roll" ist ein Camouflagewort für "Drogen und Sex") selbst Rebellion gegen ontologische Ordnung - entwarf Reeb rasch ein Motorrad, das genau dem Zeitgeist der Mobilität entsprach. Die "Regina" war geboren. Klar, einfach im Design, technisch "reduziert nackt" und übersichtlich, und so gebaut, daß jeder auch daran herumschrauben konnte.

Doch der Höhenflug dauerte nur bis in die Mitte der 1950er. Dann hatte der Mohr auch in diesem Fall seine Schuldigkeit getan. Die deutschen Menschen hatten wieder Kaufkraft entwickelt, nun konnten sie anders verwendet werden. Die Meute zog weiter.

Die Horex-Blüte war aber nur kurz
Unter dem Eindruck des globalisierten Warenangebotes, dieser neuen wurzellosen Art mit Dingen umzugehen, die die deutsche Wirtschaft im Mark traf und völlig "umstrukturierte", mußten oder wollten ("Absatzprobleme"; gerade entwurzelte Firmeneigentümer geben unter diesem Aspekt sehr rasch auf) die Eigentümer die Produktion der motor- und antriebstechnisch überlegenen Horex-Motorrädern aufgeben, sprich: verkaufen. Das Tempo als Hauptsatz der Gleichung hatte alles überrollt. Die ersten Kleinautos oder zumindest Kabinenroller, kaum teurer als Horex-Motorräder, kamen auf den Markt. Kämpfen wollte Fritz Kleemann offenbar nicht, das war entweder zu mühsam, oder es fehlte, wie anzunehmen, einfach der Grundansatz, warum Horex überhaupt bestehen sollte. Er weigerte sich also völlig nachvollziehbar, Autos zu bauen, um das Werk zu retten. Es hätten auch Fußklammern sein können, dazu aber brauchte er kein Horex-Werk.

Das "Deutsche Wirtschaftswunder" zeigt auch hier mehr und mehr sein inneres Gesicht. Es war nur möglich gewesen, weil es die Hingabefähigkeit so vieler Menschen gab, aber keine sozialen, gewachsenen, traditionellen Strukturen mehr. Die wurden, wo noch da, von den Siegern ausgetrieben. In diesem "social engineering" entstanden neue neutralen Voraussetzungen - "allgemeiner Wohlstand" und hohe Leistungsbereitschaft weil unsättigbare Suche nach Ort - die den Faktor "Geld" mehr und mehr bestimmend machten.

So ein Mensch war endgültig auflösbar in technische Funktionen. Mehr bleibt nicht, wenn die verbindliche, selbstverständliche soziale Hierarchie, die Ordnung fehlt. Seine schöpferische Kraft wird dann nicht mehr gebraucht, denn die kann sich auch gar nicht entwickeln, sie wird sogar zum Hindernis. Es zählen dann andere "Fähigkeiten".* Weite Bereiche der Wirtschaft wurden damals zum Tagesgeschäft, flatterhaft wie der Wind, launisch wie die Mode. Es zählte nicht mehr das Bleibende. 

Auch bei Horex hatte niemand damit gerechnet, daß Kundenwünsche so fundamentlos geworden waren, mit dem Produkt selbst kaum noch etwas zu tun hatte: Es ging um eine Funktion, hier "Ortswechsel", die auch ganz andere Dinge und Einrichtungen beistellen können, noch dazu, wenn sie bequemer zu konsumieren ist.**

Aus dem verbindlichen Leben nach Archetypen in Orten als Dynamo der Geschichte, wurde ein flatterhaftes Leben nach Stimmungen. Bei einem unschöpferischen Kaufpublikum, das in Werbevirtualitäten lebt und nicht mehr selbst aktiv sein kann (das heißt aber: Leben), sondern ver-braucht, verbrennt, und damit ständig aktuell gehaltene Zulieferung vom nächsten konsumierbaren Gefühl braucht.

Einige Zeit versuchte auch Zündapp (eine nächste Unternehmens-Legende, 1984 nach wechselvoller Geschichte an Chinesen verkauft) Horex-Maschinen in seine (US-)Verkaufsstrategie einzubauen, aber auch das blieb ohne Erfolg. Mercedes kaufte schließlich 1960 die Betriebsanlagen und legte den Motorradbau endgültig still. Aus Horex in Bad Homburg wurde ein Mercedes-Teile-Zulieferbetrieb. 

Aber der Name Horex wurde anders verkauft. Mercedes brauchte ihn nicht. Er lebt mehr oder weniger sogar noch heute, wenn auch bei anderen (kleinen) Herstellern. Geblieben ist nur das Produkt, als Erinnerung bei Fans und Enthusiasten. Ob die Bemühungen einiger dieser Begeisterten gelingen, das Produkt zu revitalisieren, wird sich zeigen, es ist gar nicht auszuschließen.

Denn in jedem Fall bleibt interessant, wie stark sich hier das Produkt Horex schon von Anfang an vom Unternehmer getrennt hat. An deren Namen erinnert man sich weniger als an den des Konstrukteurs, eines Mitarbeiters.






*Heute braucht man sie ja überhaupt nicht mehr. Da gibt allumfassend die Politik vor, "was innovativ ist". Dazu braucht sie freilich nur ablaufoptimierte und -optimierende Lohnsklaven mit privater Bespaßungsbegierde und wurzelloser Privat-Willkür als Ersatz-Suchfeld für Glück, das vor allem eines braucht: Die Dogmatisierung des Leitspruchs, daß irgendwann die pseudo-rationalen, zweitwirklichen Illusionen wahr werden.

**Es gibt in der jüngsten Wirtschaftsgeschichte schon viele Unternehmen (man denke an Nokia), die bei einem eigentlich nebensächlichen Modell- oder Modewechsel völlig aus der Bahn geraten und zusperren "müssen".






Montag, 10. Februar 2020

Ganz erstaunlich

Über Gunnar Kaiser ist der VdZ etwas gespaltener Meinung. Für den großen philosophischen Kopf hält er ihn anders als so manche keineswegs! Dafür ist er ein hervorragender Blender, der das mitbringt, was Modephilosophen heute gerne haben: Sie schauen gut aus. Und Philosophie ist immer noch die beste Anmachmasche der ... Feigen. Kaisers "Denken" ist voller Widersprüche, und der Mann weiß davon nichts. Sodaß seine "Logik" nicht mehr als "Richtigkeit von Teilstrecken" ist. Das macht seine Videos oft unerträglich, der VdZ hat aufgehört, ihnen Beachtung zu schenken. 

Aber als Mann der Widersprüche hat er dafür wohl auch seinen "sechsten Sinn" darin bewiesen, sich einmal mit den Aussagen des an dieser Stelle zuletzt tüchtig gerupften Harald Lesch zu befassen. Und hat über Lesch'sche Aussagen in den letzten 15 Jahre ganz Erstaunliches entdeckt: Nicht nur Widersprüche, sondern Belege dafür, wie sich der Mann gewandelt hat. Eine Wandlung, die sich mehr mit "Haltung" als mit Ratio beschreiben ließe, die dann zu beträchtlich veränderten Aussagen führt. Der Mann führt heute einen Kampf gegen sein früheres Ich, das noch recht brav versuchte, sich nach der Vernunft zu orientieren. Vielleicht gibt die allerletzte Minute ausreichend Antwort darauf, wir haben an dieser Stelle bereits Ähnliches geäußert.

Was ist da passiert? Diese Frage kann man hier mit Fug und Recht stellen.



 Hier Gunnar Kaiser in seinem Original-Beitrag.



P. S. So nebenbei - der VdZ hält die Fragestellungen, auch die (gutgemeinten) von Gunnar Kaiser, für grundsätzlich falsch weil bereits enorm vielen Grundsatzentscheidungen und -annahmen angegliedert. Deshalb sind wir auch nicht in einem "Interglacial", sondern bestenfalls in einem Zeitalter, das einer Periode folgt, die irrtümlicherweise als "Glacial" identifiziert wird. Die Zeitbestimmungen und deren Methoden unterliegen bereits falschen Annahmen, in denen sich Ereignisse, die binnen kürzester Zeit (und katastrophisch) abliefen, als "lange, ja Millionen Jahre lange Perioden" gesehen werden. 

Was u. a. mit dem Trugschluß zu tun hat, daß aus heute beobachtbaren auf historische, zurückliegende Ereignisse geschlossen wird. Im Klartext: Unter bestimmten katastrophischen Bedingungen geschehen Veränderungen, die ansonsten (und auch da nur annähernd vergleichbar) in extrem langen Zeiträumen ablaufen. Die Einordnung solcher beobachtbarer Dinge in lange Zeiträume ist Ergebnis eines Zirkelschlusses, wo eine Annahme die andere bedingt und wiederum eine nächste "Tatsache" folgen läßt, sodaß eine Annahme durch eine andere, als Postulat gesetzte "bewiesen" wird.

Sodaß als handfestes Ergebnis auch der Bemühungen von Kaiser (und so vieler anderer) nur die Aussage bleibt, daß es für eine Klimapanik nicht den geringsten Hinweis gibt, der wissenschaftlicher Fragestellung standhält. Und gute Wissenschaftler (siehe unter vielen anderen J. Curry) wissen das.

Das Grundproblem ist freilich noch einmal anders gelagert. Die gesamte Diskussion, ja der gesamte gesellschaftliche Diskurs leidet unter der Prämisse eines dogmatisierten "Liberalismus". Sodaß sich alles, wirklich (fast) alles am heutigen Diskurs in der Situation eines schweren Irrtums befindet. Aus dessen Korpus eine Hydra nach der anderen erwächst und zum Scheingefecht unter Brüdern wird, die aber demselben Ziel der Zersetzung folgen.

Dennoch ist interessant, wie leicht handfeste, sehr zentral gesteuerte Interessen hinter der Klimapanik auszumachen sind.




Horex - Das Produkt übernimmt die Firma (1)

Man mische Bad Homburg und Rex-Einmachgläser, und schon erhält man einen nächsten Firmennamen, der nicht einfach für ein Produkt, sondern für ein Ding unseres alltäglichen Lebens stand. So wie Cappy für Orangensaft, oder Tixo für Klebstreifen, war bis 1920 das Rex-Glas ein Synonym für Einmachgläser. Die sich sogar zu einem Verb modulierten: Einrexen stand in der Kindheit und Jugend des VdZ generell für das Haltbarmachen und Lagern in Einmachgläsern, ob süß oder sauer. Etwas, das damals noch jede Hausfrau tat, und heute in Ost-Mitteleuropa immer noch sehr weitgehend üblich ist. Und die Bezeichnung "Rex-Gummi" ist gleichermaßen zum Synonym für einen bestimmten starken widerstandsfähigen und dauerhaften Gummi geworden, für den es keinen Ersatzbegriff gibt.

So, bitte schön, kann man sich Adam und Eva vorstellen, wie sie im Paradies allem einen Namen gaben, und so wurde aus der Schöpfung die Welt, die immer eine Welt des Menschen ist, also die differenzierte und in der Geschichte immer differenziertere Welt einer Kultur. So sehr, daß mit dem Fallen der Begriffe auch die Welt und der Wohlstand fällt. Wo die Sprache arm wird, wird es auch der Mensch, weil der Mensch das Hinausstrecken ins Transzendente der Idee verliert. Existenz aber ist ein Hinausstrecken. Nichts ist, was nicht über sich hinausstrebt. Ursache und Wirkung. Nicht umgekehrt.

Die Basis jedes Wohlstands ist somit nicht die Menge an Produkten, die man um sich herumstehen hat, sondern deren Einbindung in das Leben - an einen Ort, wie er in einer Kultur sogar geschaffen wird. Wo alle Dinge solche Orte ausfüllen und soweit auch "sind", die man als "Speicher" bezeichnen könnte. Immer aber dynamisch, tätig seiend. Und die in diesem Tätigsein den einzigen wirklichen Kern dessen ausmachen, was man als Wohlstand bezeichnen kann. 

In der Beantwortung des Angebots der Natur, die in ihren Kreisläufen und damit Jahreszeiten im Übermaß liefert, woraus wir durch unseren Verstand und mit Liebe zur Schöpfung Wohlleben speichern und damit auch im Winter genießen können, was auch mit Unabhängigkeit zu tun hat. Wo der Mensch zu differenzieren vermag, wo er Begriffe schafft, hat auch die Welt immer genug, damit er an dem Ort, an dem er steht, auf den hin er geboren wurde, seine Existenz bestreiten kann.

Der VdZ kann sich auch noch an die "Regina" erinnern, jene Horex Beiwagen-Maschine, die aus der nach dem Krieg siebentgrößten Motorradfabrik Deutschlands stammte, dem Horex-Werk in Bad Homburg. Auch den typischen Sound hat er noch im Ohr.

Wie immer bei solchen Geschichten steht hinter diesen Produkten, die Leben und Denken von Generationen geprägt haben, wo ein Unternehmen und ein Ding, das in eines Leben integriert wurde und dieses im rechten Sinn erweiterte und bereicherte, also ein Stück Kultur ist, die Geschichte einer Unternehmersfamilie. Die mit Hingabe und offenen Sinnen, vor allem aber mit viel Liebe zur Arbeit, Mensch, Heimat Produkt um Produkt ersann und herstellte. Das läßt sich zumindest über jenes Produkt sagen, das die Firmengründer groß und reich machte - die Rex-Gläser. Als er starb, hinterließ er einem Sohn sein Erbe, der bis zweiundzwanzig viel "von der Welt gesehen" hatte, also "Berufssohn" war. Und gerne Motorradrennen fuhr, die Tätigkeit, die einem Lebemann in den 1920ern eben ansteht.

Im Fall der eigentlichen Horex-Werke verbinden sich aber bereits die Schicksale mehrerer Unternehmer. Auch in einer Charakteristik, die diese Hingabe gar nicht mehr kennt. Das macht die Geschichte von Horex-Motorrädern sogar zu einer sehr aktuellen Geschichte.

Denn man könnte es als Menetekel sehen, wenn ein Hersteller wie Rex vom Produkt, das ihm viel Geld gebracht hat, so weit weggeht, und ein ganz neues Produkt aufgreift, "weil es sich gerade der Laune anbietet".

Hier fehlt etwas. Etwas, das die Geschichte von Horex-Motorrädern eben zur Geschichte eines Produkts und die von Mitarbeitern macht, nur sekundär zu der von Unternehmern. Es muß an bestimmtem ernsthaftem Willen gefehlt haben, wenn ein Einmachgläser-Hersteller zu Motorrädern greift.

Vielleicht hängt dieser Defekt, als das wir das gleich vorweg definieren, mit dem Umstand zu tun, daß der eigentliche Firmengründer sich bald einen Partner in die Firma nahm. Der erst die Geschichte der Rex-Gläser, aber im Sohn die Geschichte von Horex auf den Weg brachte: Friedrich Kleemann.

Aus der Not nach dem Ersten Weltkrieg (das Diktat von Versailles verbot sogar die Herstellung von Flugzeugmotoren) bündelten sich vorerst freilich scheinbar mehrere Unternehmerwillen zu einem einzigen. Rex und Columbus-Motoren (großgeworden mit dem legendären "Gnom", dem Antriebsmotor für die Landwirtschaft, aus denen später Flugzeugmotoren entwickelt wurden) stellten erst Fahrräder mit Hilfsmotoren her. Aus der Renn-Leidenschaft des verwöhnten Rex-Sohnes, der für viele ein Taugenichts schien, wurden daraus die ersten Motorräder.

Deren Technik von den leibhaftigen Erfahrungen des jungen Fritz Kleemann selbst gespeist, informiert und angetrieben wurde. Denn Motorrad-Rennen waren in den 1920er und 1930er Jahren sehr beliebt. Sogar in der Heimatstadt des VdZ, Amstetten, wurde damals vor den Toren der Stadt eine Sandbahn betrieben. Um die herum sich Gastronomie und Technik ansiedelte, und einen späteren neuen Stadtteil formte.

Die Rennerfolge des jungen Mannes ("von Beruf Sohn") beleuchteten das Produkt und hob es aus der riesigen Schar von kleinen Motorradfabrikanten in Deutschland heraus. Mit dem Kauf eines (nicht ganz so auf Rennen ausgelegten) Motorrades trat jeder Kunde in jenes Licht, in dem der Ort glänzte, den die Horex-Räder ausfüllten, und der jeden aufnahm, der diesem Beziehungskreis beitreten wollte. In Rennen zeigte sich außerdem, wie weit ein Produkt wirklich in seiner Entwicklung war. Technik und Qualität wurden für jeden nachvollziehbar. Horex-Motorräder wurden "von Rennfahrern für Rennfahrer" gebaut. Es leuchtete das Produkt, das muß man im Auge behalten.

Die Geschichte von Unternehmen ist zwar immer auch die Geschichte von Mitarbeitern, abhängig von der Charakteristik des Unternehmers selbst, in diesem Fall aber mehr als meist. Denn ein guter Rennfahrer mit Esprit (aber vielleicht etwas wenig Charaktersubstanz), Unternehmerssohn und -erbe, mußte Talente integrieren, die er selbst nicht besaß.

Wie bei jedem Unternehmen, wurden auch an den Horex Werken Talente aus der Umgebung geborgen. Unternehmen prägen, ja schaffen eben auch Landschaften. Denn so wie immer, ist ein Talent eben im Kinde der Menschen, die "an einem Ort" leben, noch amorph. Es wird erst zur "Begabung", wenn das Kind einen Ort hat, an dessen Beziehungen es sich hingibt, sich darin also übersteigt weil ganz einer Aufgabe stellt, und so erst zum vollen Individuum wird. Im Falle eines Unternehmens (aber nicht nur in so einem Fall) wird eben ein Ort geschaffen, der dann Menschen integriert, und so zu sich selbst kommen und werden läßt.

In dieser Unternehmerkonstellation ("schwacher Chef") haben sie aber mehr als sonst die Möglichkeit, zumindest regional zu bedeutenden Männern auf ihrem Gebiet zu werden. Das gilt hier vor allem vom eigentlichen Herz des Unternehmens Horex, dem Entwicklungsingenieur Hermann Reeb. Der für seinen späteren Weg und für Horex überhaupt die notwendigste Eigenschaft hatte: Hinter dem Produkt zurückzutreten, ja dahinter zu verschwinden.

Aus Reeb hätte anderswo auch ein hervorragender Maschinenbauer oder Hufschmied (oder meinetwegen IT-Techniker) werden können. Aber weil es in seiner Heimat die Horex Werke gab, wurde er zum Motorradkonstrukteur von Weltruf. Diese Maschinen wurden sein Leben, und er führte sie - indem er sich aus der Anlehnung an englische Motorräder löste - zu jener Gestalt und technischen Charakteristik, die ihren späteren Erfolg ausmachte. 1927 ins Unternehmen eingetreten, entwickelte Reeb 1932 "ohne Auftrag vom Chef" (siehe die Vermutungen zum prinzipiellen Charakter von Fritz Kleemann aus der objektiven Konstellation) eine Zweizylinder-Maschine mit oben liegender Nockenwelle, und Fahreigenschaften, die man bei Motorrädern noch nicht kannte.

Morgen Teil 2) Rasch rasch. Alles.





Sonntag, 9. Februar 2020

Finde den Fehler (2)

Wenn wir schon bei Intelligenz sind, könnten wir auch gleich darüber mutmaßen, warum sie seit vielen Jahren nachweislich weltweit sinkt. Na wenigstens wird sie durch Engagement ersetzt, diesen Kollektivruf des "Wir wissen zwar nicht, wo wir hinfahren, aber dafür sind wir schneller dort."







Handeln hat immer seine Zeit (2)

Teil 2) Es ist vor allem ein Problem der Medien



Form und Inhalt sind nicht trennbar. Deshalb ist der Anspruch, übers Internet "Wahrheit" zu verbreiten, schlichtweg dumm, in den meisten Fällen einfach bequem, vor allem aber kreuzscheu. Denn die Acedia hat mit Kreuzscheu zu tun. 

Heute, nach sechs oder sieben Jahren Bergoglio mit "Kritik" zu kommen ist hingegen zu spät. Denn die Zeit ist ein wichtiger Faktor. Am Anfang hätte man ihm begegnen müssen, sofort und knallhart. Aber zu warten, bis sich der Argentinier und alles, was er mit sich geschleppt hat, ein breites Fundament schafft, und damit eine eigene Wirklichkeit annimmt, war falsch. Nun haben wir es mit einem neuen Phänomen zu tun. Und dieses verlangt ein neues Vorgehen, eine neue Verhaltensweise. Die in diesem Fall in den Augen des VdZ nur so aussehen kann, daß man sich zurückzieht. Auf das zurückzieht, was das Wesen des Katholischen eigentlich ausmacht: Die Hingabe ans konkrete, partielle Leben in den Pfarren und Diözesen, in die man hineingeboren wurde.  

Dort ist der Ort, wo man sein Leben in Christo zu vollziehen hat. Was immer an social media-Geräusch den Äther erfüllen mag. Diese Schlacht ist nie zu gewinnen. Sie ist aber gefährlich verführerisch, sein christliches Leben, das Kreuz, in Twitter-Schlachten, Stellungnahmen und Richtigstellungen erfüllt zu sehen. 

Deshalb hält der VdZ das, was sich an Wortgefechten und "Kämpfen" im Internet abspielt, die Szene der Kritik an Bergoglio, heute außerhalb des Kairos. Sie ist irrelevant und langweilig. Und nutzlos. Aber nach wie vor gefährlich, weil sie die Ebene des Kreuztragens auf die Ebene von Propaganda (s. u. a. J. Ellul "Propaganda"), also auf eine zweitwirkliche Ebene verschiebt. Die eine neue Schichte des zweitwirklichen "Katholikentums" hervorbringt. Zu der auch Steve Skojec mit "OnePeterFive" gehört.*

Die nicht zuletzt in allen ihren Disputen und Diskussionen einen (sehr amerikanischen) Fehler machen: Die Fehlbeurteilung dessen, was die seit zwanzig, dreißig Jahren durch Internet und social media völlig veränderte Medienlandschaft bietet. Die nicht der Wahrheit eine neue Ebene vermittelt hat, die ansonsten unberührt bleiben könne, sondern die eine virtuelle Welt der Versuchung aufgestellt hat, nicht mehr zu sehen, was Handeln überhaupt bedeutet. Wo aber das Wort nicht zum Handeln wird, analog zu Gott, von dem kein Wort ausgeht, das nicht wirklich ist und damit real wird, da sollte es besser in der Brust bleiben. Ohne diese Dimension der Reflexion der Medien ist jede Diskussion über Bergoglio sinnlos, weil die Art seines Wirkens gar nicht begriffen wird. Über was sonst aber sollte man sich den Kopf zerbrechen? 

Ob der Querschluß zulässig ist, daß die neuen Medien vor allem von jenen als so relevant bezeichnet werden, die freudig diese neue Art der Kreuzesvermeidung aufgreifen, um sich so vorzumachen, daß sie doch am Seinstrom der Welt angeknüpft geblieben wären, also am Puls des Blutes der Wirklichkeit Christi wären, das mag der Leser selbst beurteilen. Der Schizoide jedenfalls, das kann immer gesagt werden, darf gar nicht nach seinen Worten, sondern muß nach seinem Handeln, muß nach seiner wirklichen Wirklichkeit - als Gestalt - beurteilt werden. Und nur darauf darf reagiert werden. 

Das Erkennen des Schizoiden ist nicht einfach eine Sache der Richtigkeit von Aussagen, sondern der inneren Festigkeit, die Wahrheit nicht im Gerede, sondern in der Gestalt WEIL IM WESEN zu erkennen. Und da ist das erste Kreuz, dieses Urteil durchzutragen, auch wenn die Worte und Aussagen es scheinbar nicht stützen. Das Problem mit dem gegenwärtigen Papst aber ist in vielem ein Problem, das man sehr durch Reflexion der aktuellen Medien begreifen lernt. Die an sich ein Problem des Schizoiden sind.**

Die genau das nicht getan haben, was ihnen fast durch die Bank zugeschoben wird: Die Welt verändert. Genau das haben sie nicht. Sie haben nur die Art verändert, wie wir der Welt begegnen, und das hat katastrophische Ausmaße angenommen. Denn die Neuen Medien haben uns von der Welt und Wirklichkeit ... abgezogen. Dazu verführt, in eine Scheinwelt eines Scheintheaters abzudriften, anstatt uns mit der wirklichen Wirklichkeit zu konfrontieren, ja diese noch zu sehen. Sie haben uns also auf ein unfruchtbares Abstellgleis geschoben. Umso mehr wird alles getan, daß wir auch fest an ihre Relevanz zur Wirklichkeitsbewältigung und zum Verstehen der Gegenwart glauben.



Nachsatz: Zum Wesen von Twitter (bzw. der Neuen Medien) hat der VdZ schon vor Jahren zahlreiche Artikel ins Netz gestellt, die der Leser gerne noch abrufen kann. Im Speziellen sei auf die Verbindung mit Papst (damals Benedict XVI.) hingewiesen.



*Warum das sehr typisch "amerikanisch" ist (auch wenn es uns in Europa, ja die halbe Welt längst erfaßt hat)? Spannen wir einen kleinen Bogen, damit der Zusammenhang leichter nachvollziehbar wird: Zweitwirklichkeit (=Pseudologie) als rationalisiertes Schein- und Ersatztheater von Wirklichkeit - Amerikanismus als zweitwirkliche, positivistische Idee von Identität (statt Verwurzelung) - die Rolle der Medien in dieser Art von Demokratie - die Art, überhaupt Welt wahrzunehmen: Als und in Zweitwirklichkeit, was wiederum die Rolle der Medien verstärkt, einerseits, und anderseits diese immer irrelevanter weil wirklichkeitsferner macht.

**Bergoglio hat nicht, wie in Verkennung behauptet wird, die Rolle der Medien "begriffen", sondern lebt - als Mensch der Zweitwirklichkeit, also des Schizoiden! - selbst in dieser Scheinwelt. Und kommt deren Erwartungshaltungen voll entgegen, hat sie mit beiden Armen umgriffen. Gegenfrage: Was bliebe von seinem Pontifikat ohne Neue Medien wahrnehmbar und relevant?




Samstag, 8. Februar 2020

Handeln hat immer seine Zeit (1)

Der Grund, warum der VdZ seine erste und sehr grundsätzliche Kritik an Papst Franziskus aka Jorge Bergoglio mit dem sperrigen Titel "Vom Wesen des Schizoiden" betitelte, ist leicht erklärt: Schon nach den allerersten Äußerungen und Taten dieses Papstes war ihm klar, womit die Kirche es da zu tun hat. Mit DER Krankheit dieser Zeit, dem Schizoiden.

War bedeutet Schizoidität? Sie bedeutet eine Diskrepanz, ja einen Widerspruch zwischen dem Reden, Sagen, den Worten eines Menschen (und damit dem Denken) und seinem Tun. Sie bedeutet einen unvereinbaren Widerspruch zwischen dem, was man an der Gestalt erfährt, und dem, was diese Gestalt sagt, daß dieses Handeln "sei". Wenn wir betrachten, womit wir es heute in erster Linie zu tun haben, dann ist es genau das. Das Handeln läuft wie ein Eisenbahnzug, während die Dispute völlig wirkungslos scheinen. Auch, weil die Begriffe vom Lügner entwertet, entleert, auf den Kopf gestellt werden. Der damit einen Schleier des Nebels über alles wirft, damit die Wahrnehmung vom wirklichen Geschehen abgelenkt wird.

Um das zu erkennen braucht es vor allem Menschenkenntnis und Erfahrung. Und zwar vor allem Führungserfahrung. Man muß diese Form der Lüge (leidvoll) erfahren haben um erkannt zu haben, daß es falsch ist, sie mit der eigentlich anzuempfehlenden Art zu reagieren zu bedenken: Dem Abwarten, und der Suche nach dem Guten, das in diesem oder jenem doch auch enthalten sei. Gutes ist immerhin auch im Bösen, im wirklich Bösen enthalten, das sollten wir in diesem Zusammenhang nicht übersehen!

Dem VdZ wurde seinerzeit vorgeworfen, er sei "zu schnell" gewesen. Er habe "zu voreilig" geurteilt, OBWOHL (und zwar dieselben Kritiker!) meinten, er habe in allem Recht behalten. Einer meinte gar, sein Urteil sei zwar richtig, wie sich herausgestellt habe, aber es "zu intuitiv" gewesen. Da habe er es noch nicht "wissen" können. 

Lassen wir einmal weg, was sohin als "Gewußtes" gesehen wird. Schon darin scheinen sich manche Geister zu scheiden. Nehmen wir uns vielmehr den Charakter dessen vor, was "Intuition" bedeutet. Also dieses in einer Idee geschehende Hineinsenken "von oben", vom Geist her.

Aber es hat Intuition nicht mit einem Herabsenken einer objektiv in seinen Maßen definierbaren Idee zu tun, sondern hat mit der Fähigkeit des mit dieser Eingebung Bedachten zu tun, aus einer bestimmten Konstellation von Realitäten und Tatsachen den Zielpunkt der angelegten Tangenten zu erkennen. Und das hat auch viel mit Erfahrung zu tun. Wir alle kennen ja den Fall, daß jemand, der in irgendeinem Fachgebiet sehr kompetent ist, weil er sich schon lang damit befaßt hat, und weil er sich vor allem tief damit befaßt hat, schon aus kleinsten Dingen den Gesamtcharakter erfassen kann, mit dem er es bei einem bestimmten Phänomen zu tun hat. 

Wahrheit hat mit Kairos, dem richtigen Moment mehr zu tun, als mit Richtigkeit. Was morgen zu sagen ist - um zu handeln - ist etwas anderes, als es das heute ist.

Der Irrtum so vieler in der Beurteilung (=Stellung zu) Bergoglio war also nicht, daß sie zu lange gewartet haben, um ihm eine (christliche) Chance zu geben, war also nicht besondere christliche Tugend, sondern es war schlicht ein Mangel. Ein Mangel an Erfahrung und damit an Haltung zur Wahrheit selbst. Denn auf Internet-, Medien-, Twitternachrichten zu starren, um daraus das eine oder andere "Richtige" zu destillieren, das dann doch ein Gesamturteil über die Gestalt selbst zu ermöglichen, ist nicht christlich, sondern es ist ... inkompetent. Zumal die neuen Medien (social media), das Internet, nicht einen neuen Höhepunkt in der Stellung der Wahrheit bedeutet, sondern die Verlagerung der Wahrheit auf Rationalität, die bekanntlich bestenfalls Material der Wahrheit ist, aber nicht Wahrheit selbst. Die ohne Geschichtsmächtigkeit - im Kairos - nicht denkbar ist. Denn sie ist letztlich Person.

Morgen Teil 2) Es ist vor allem ein Problem der Medien





Auf dem Weg zum Sklaventum (2)

Teil 2) Zu den Vätern


Der Vater kommt in allen diesen Konzepten ohnehin nicht mehr vor. Außer in einem Punkt: Er wird alles bezahlen und existentiell tragen müssen. Diese Verpflichtung, diese Verspannung des Mannes in Schuld-, Schulden- und Arbeitsleistung wird deshalb immer weiter wachsen. Als immer offensichtlicher werdender Schritt zum Sklaventum des Mannes kommt er damit Vorstellungen einer Gesellschaftsorganisation zupaß, in der sich eine Elite berufen, verpflichtet und kraft überlegener Moralität legitimiert sieht, den großen Teil der Menschheit als "Materialdepot" für ihre "überlegenen" Interessen zu behandeln. Hier deckt sich perfekt die schlimmste Form des Kapitalismus (als Oligarchentum) mit dem Kadergedanken des "wissenschaftlichen Materialismus" in Marxismus/Kommunismus. Karl Marx hat nicht zufällig die Familie als Hauptfeind des Marxismus erkannt.

Also muß auch die Ehe, diese Grundform des Zueinander des Menschen ("als Mann und Frau schuf er ihn"), aus der Integrität einer Vertrauensbeziehung herausgebrochen werden. Während die Grundempfindung, die den Mann zur Frau zieht - der Eros - über Pornographie und für sich betrachtete Ersatzbefriedigung isoliert, unschöpferisch, weltabgewandt und unfruchtbar gemacht wird. Über die an die Stelle des Eros tretende, isolierbare Begierde nimmt der Mann fortan seine Fremdherrschaft, über die er jederzeit triggerbar werden soll, auf sich. Weil dieser Grundantrieb im Mann aber vor allem steht, nimmt er seine vorgetäuschte Befriedigung, die die Schwachheit begünstigt, ja legitimiert, gerne hin, wenn ihm diese Befriedigung erlaubt wird, und stellt sich "gerne" unter das Joch des Sklavenrads.

Damit hat sich die Elite jede potentielle Konkurrenz um die Weltherrschaft aus dem Weg geschafft. Und sich eine reiche Anhängerschar gesichert, die exakt diese Furcht vor der (männlichen) Konkurrenz (als Urteil vor dem Sein, übrigens, also als Zuweisung eines Ortes, auf den Gott einen hingestellt hat, um es simpel zu sagen) nunmehr als Freibrief garantiert erhält, trotz dieser Schwachheit durch Nützlichkeit und Dienstbarkeit an der Weltherrschaft zu partizipieren, die ihnen sonst verschlossen bliebe.




*261119*

Freitag, 7. Februar 2020

Finde den Fehler (1)

Diese Graphik fand der VdZ auf Klonovskys Acta diurna-Seiten. Sie zeigt vermutlich eine Anzeige in irgendeinem City- oder Stadtblatt. Da muß man nix mehr dazu sagen. Der Leser darf sich kommentarlos amüsieren und den Kopf über das Intelligenzniveau mancher schütteln.






Auf dem Weg zum Sklaventum (1)

Sachlich gesehen bringt Birgit Kelle in einem Gespräch mit Roland Tichy vieles auf den Punkt, und zeigt die Verrücktheit und Widersprüchlichkeit, die sich rund um das Thema "Kind" derzeit aufbaut und in Gesetzesform geronnen ist und weiter rinnen will. Wir stehen in den aktuellen Bestrebungen der Erweiterung der Leihmutter-Regelungen vor den letzten Schritten, die Frau generell als Gebärmaschine auszubeuten, sie auf den Geburtsvorgang zu reduzieren. Und verfangen uns in einem Dickicht von Widersprüchen und moralischen Horrorszenarien, denen niemand mehr Einhalt gebieten wird können.

Diese Widersprüche sind im Tiefsten freilich in jenem materialistischen, evolutionistisch-mechanistischen Menschenbild gegründet, das sich seit geraumer Zeit in unserer Kultur aufgebaut hat. Darin aber kollidiert es mit in der Emotionalität noch wachen Bedürfnissen aller Seiten und Arten. Also muß man leibliche Vorgänge von geistigen trennen, eine hohe Mauer zwischen den beiden errichten, und jede Überschau verhindern. Die psychische (seelische) Welt des Menschen soll damit - in der Tradition der mißverstandenen Auslegung der Rolle des Bewußten beim Menschen seit Descartes - zu einem Theater der Vorstellungen werden, einer Welt, die mit dem Bühnenrand abbricht.

Ethische Grenzen gibt es nur noch dort, wo dieses Bewußtseinstheater noch nicht ausgeweitet genug ist und deshalb mit Emotionen kollidiert, die aus anderen Welten stammen, zu denen die Verbindungen noch nicht genug gekappt sind.

Sehr schön zeigt Kelle aber die ontologischen Zusammenhänge aller derzeit bereits möglichen und möglich werden sollenden Vorgänge rund um Kind und Mutter, d. h. in Wahrheit auch der Väter, die aber bereits völlig aus dem Spiel genommen sind. Abtreibung, Leihmutterschaft, Eugenik (genetische Vorauswahl), Prostitution, und nicht zuletzt: Homosexualität ... 

Aus der "Ehe für alle" wird nun zwangsläufig auch das "Kind für alle". Dieses "Recht" übertrifft alle übrigen Menschenrechte, die etwa das Kind selbst noch hätte, solange es uns noch nicht ausreichend vor die Augen treten kann, im Leib der Mutter. Der Zynismus, die tiefe Verlogenheit, mit denen hier sogar noch von "reproduktiver Gesundheit" gesprochen wird, ist kaum noch zu überbieten. Ebenso wenig wie die Verlogenheit zu übersehen ist, mit der dieselben, die für die Abtreibungsrechte als "Recht der Frau" eintreten, nun die Einführung von "Kinderrechten" fordern. Deren wahre Intention damit offenbar wird: Sie sollen als Instrument dienen, mit dem der Staat beliebig in Familien eingreifen kann, weil er zukünftig sogar die Pflicht festschreibt, sich täglich mit an den Tisch der Familien zu setzen. 

Während die Kinder aus ihrem ureigensten sozialen Gefüge, ALS Kind von Eltern, herausgebrochen und schein-autonomisiert wird. Scheinhalber, weil natürlich der Staat diese Autorität übernimmt, die naturrechtlich als Recht (wie Pflicht, natürlich) lediglich den Eltern zukommt. Damit werden sie zum bloßen Spielball von Interessen und sind Fremdmächten ausgeliefert. Dort unterliegt es einem existentiellen Hürdenlauf, in dem es sich unter ständiger Observation weiß, wo in dem Moment, wo es bestimmten Vorstellungen und Ansprüchen nicht genügt, sein Lebensrecht verwirkt wird.

Kinder werden zur Ware, Leihmütter zu einer neuen Form der Prostitution

Kelle weist aber auch auf noch etwas hin. Zukünftig wird immer mehr den Kindern jene Sicherheit genommen, die bisher als unnehmbar galt: Die Sicherheit der Mutter bzw. wer die Mutter ist. (Denn "Pater semper incertus" - "Der Vater ist immer unsicher", beruht lediglich auf dem Wort und kann sogar ergriffen werden, worauf die Idee der Adoption als Grundform der Beziehung Vater-Kind beruht.) Was besonders in seinen ersten Lebensjahren von entscheidender Bedeutung ist, um sich in der Welt über die Identifikation mit der Mutter zu etablieren, ehe es allmählich zum Wort (zum Vater) kommt, und damit zur Freiheit. 

Die technische Zergliederung, die einer Reduktion des Weltwerdevorgangs auf technische Vorgänge gleichkommt, die sogar örtliche Teilung der Zeugungs-, Empfängnis-, Schwangerschafts- und Geburtsvorgänge macht aber selbst diese Identifizierbarkeit zur juristischen und philosophischen Spitzfindigkeit, der die tiefere emotionale, persönlichkeitsbegründende, vor allem aber der Liebe (über Ähnlichkeit und Vertrautheit) aufhelfende Selbstverständlichkeit fehlt. Man stelle sich alleine vor, was es für einen Menschen an seelischem Bruch bedeutet, neun Monate im Leib einer (fremden) Mutter aufzuwachsen, um dann per Geburtskanal in eine völlig neue, fremde Welt der "Bestelleltern" gestoßen zu werden. So ein Mensch muß also auch als Erwachsener jede Kultur, jede gesellschaftliche Ordnung als Bedrohung durch einen Feind empfinden, der ihm die Einhausung in der Welt verweigert und das Grundvertrauen in die Ordnung der Natur verhindert und zerstört.

Und warum das alles? Wegen der Eigensucht vieler Menschen, die eine Welt wollen, die sich jeden Moment ihrer spontanen Willkür fügt, und jede Wahrnehmung der gigantischen Kollateralschäden, die sie dabei anrichten, ausschalten möchte. Deshalb muß auch jede Logik, jede Konsistenz des Weltbildes vermieden werden. Und man tut es, indem man die Vernunft selbst durch (negative) Moralisierung verhindert, während man den gefälligen Spontanbeschluß positiv romantisiert.

Morgen Teil 2) Zu den Vätern







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