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Donnerstag, 11. August 2016

Erdogan und Krenn, oder: Die Saga vom großen Meister

(Erste Bestandsaufnahme) Je intensiver sich der VdZ mit Recep Tayyip Erdogan befaßt, desto mehr kommt er zum Schluß, daß ihm da Grundzüge entgegentreten, die ihm von ganz erstaunlichem anderne Ort her bekannt sind: Die Parallelen zwischen Erdogan und Bischof Krenn - Gott hab ihn selig -, den der VdZ aus nächster Nähe kannte, sind auffällig.

Es hat mit dem System, der Art zu tun, wie sie herrschen - und das ist nämlich irrational, rein subjektiv, momentbezogen, und bedient sich der Rationalität nur, folgt aber nicht der Vernunft, bedient sich aber geschickt einer Scheinvernunft. Denn Vernunft, gemessenes, strategisch abgestimmtes Handeln würde charakterliche, ja tugendbezogene Konstitution verlangen. Diese fehtl diesen Leuten aber, wenn auch in unterschiedlichen Tönen.

Sie widmen sich deshalb umso mehr ihrem Ruf, ihrem Bild im Außen. Das müssen sie, denn aus innerer Gesetzlichkeit heraus würden sie nicht bestehen können, zumindest fürchten sie das. Beide haben nämlich unter starkem eigenen Wollen ihre Position erreicht.

Sie umgeben sich deshalb mit Entourage (oder: ziehen solche Anhänger an), die wenig bis keine Angepreßtheiten an die Wirklichkeit, noch weniger schöpferische Erfahrung und Verantwortung kennen und die vor allem eines eint: Die Geschmeicheltheit, der Macht so nahe zu sein, ja hinter ihre Kulissen blicken zu dürfen, auf daß endlich ihre Leben aufgewertet werde. Um allen anderen, ihrer ganzen bisherigen Umgebung, endlos überlegen zu sein, also: selbst aufgewertet zu sein. Endlich. Eine Entourage, die sehr leicht zu täuschen ist.

Die deshalb dem großen Meister bewundernd zugetan sind, der diese ferne Macht inne hat - und an dieser sie durch Liebdienerei Teil zu haben meinen, weil sie eben in die Nähe dieses großen Mannes gelangt sind, ja, die ihnen dieser so überraschend gewährt. Denn der Meister holt sich solche Leute sogar.

(Man spricht ja auch bei Erdogan längst davon, daß er sich nur noch mit Leuten umgibt, die ihm unkritisch huldigen. Die größte Gefahr einer Führung, denn darin liegt die Gewähr auf völligen Realitätsverlust, was ihre Nervosität, ihre Impulsivität im Umgang mit Kritik noch stärker macht, sodaß sie gerne überreagieren. Ebenso entstammt daraus die Neigung, die Welt durch ständiges "großes" Handeln zu überrennen, auf daß sich diese kaum zu sammeln vermag.)

Diese Entourage sieht sich durch die Nähe zur Macht aufgewertet, und damit wird sie zu eifrigen Verteidigern, vor allem aber Erklärern ihres Meister, egal was da kommt. Daß diese gar keine Strategie haben, daß diese irrational nach Tagesaktualität vorgehen, sich häufig widersprechen, eigentlich nur so irgendwie ihre Macht zelebrieren, taucht in den Nimbus der großen Führungskunst ein, mit dem sich diese Männer gerne umgeben (und davon umgeben lassen) und natürlich, weil ja klar ist: sie wissen Dinge, die die anderen nicht wissen, haben Überblick, den der einfache Mensch nicht hat, in welchen Nimbus sie alles tauchen. Denn alles können sie natürlich nicht sagen.

Männer? Auch Frauen sind darunter, auch Merkel ist für den VdZ immer klarer als dieses Typus erkennbar, der sich natürlich in manchen Spielarten darstellt. Aber diese Männer spielen gerne mit diesem Nimbus, machen im internen Kreis gerne Ankündigungen, verkünden Pläne, erklären - ganz im Vertrauen -, wie kompliziert alles ist, und doch durchschauen sie es, lassen jovial aber das eine oder andere interne Detail fallen. Ihre Irrationalität wird immer mehr zum "Über-Wissen", ihre Gefolgschaft zur Gemeinschaft der bedingungslos Gläubigen.

Ihre Jünger nicken nur noch begeistert und mit roten Ohren, ihren Meister, der natürlich immer knapp mit der Zeit ist weil so viel zu tun hat, und dabei doch immer wieder so erstaunlich viel Zeit hat, mit allen Mittel zu verteidigen mehr bereit denn je.

Die alle vor allem eines auszeichnet, ja mit dem Meister verbindet: Sie sind bisher zu-kurz-Gekommene, entstammen NICHT dem Establishment, das ihr Meister sogar zu bekämpfen vorgibt, das dieser bestenfalls (und angeblich) soweit eben berücksichtigt, als es gerade noch aus Klugheit nötig erscheint. Denn immerhin, sind sie ja selbst Emporgekommene.

Und niemand braucht den Beifall des Establishments dabei so sehr, wie Emporkömmlinge! Niemand ist so schlecht geeignet, um zu reformieren! Ja, oft ist es, als wäre bei niemandem der Fokus so sehr darauf gerichtet, dem bisherigen Establishment zu gefallen, so gut man das auch zu verbergen sucht. Sie reagieren deshalb gerne äußerst gereizt, wenn dieses Establishment sie nicht anerkennt. Dann werden sie sogar wirklich da und dort zu jenen Revolutionären, die zu sein sie ursprünglich vorgaben.

Oh ja, denn nun kommen sie, die Jünger, und deuten der Welt an, daß sie in das komplizierte Räderwerk Einblick haben (der andere freilich nicht), und knüpfen fleißig an diesem Netz des Irrationalen weiter, das natürlich für alles eine Erklärung bereit hat. Denn das Amt ist ja so kompliziert, die Lage ist so verflochten, die Führungsaufgabe so komplex - die durchschaut ein einfacher Max von der Straße nicht, zu dem jeder wird, der nicht ihrer Vertrautlichkeitssphäre zugehört. Also wird auch in den größten Unsinn und Widerspruch noch hineingedeutet, daß die Zuckergläser bersten. Es sei nicht verständlich? Na das sei nur, weil eben der andere nicht jenen Einblick habe, dessen man sich selber erfreue. So bauen sie sogar zweite, dritte Kreise um sich, die alle nach demselben Schema funktionieren. Und oft genug befinden sich darin auch Vertreter von Medien.

Erdogan ist gewiß tatkräftiger als Bischof Krenn, das verlangt schon sein Amt, das anders als bei Krenn nicht gewisermaßen dogmatisch abgesichert ist, sodaß jeder Krtiker mit dem Gefühl des drohenden Heilsverlusts zu kämpfen hat. Wenngleich Erdogan auch daran arbeitet, denn auf Dauer ist Opposition, die wirklich etwas bewirken könnte, lästig und gefährlich. Ein Bischof muß das ja nicht - oder: so gut wie nicht - fürchten. Darin aber, in dieser in die Sphäre des Heiligen, Großen eingetunkte Dogmatisierung ihrer Position, kommen sie sich wiederum so nahe wie nie. Erdogan brauht den Islam, und vielleicht ist der Islam überhaupt nur so verstehbar, hat sich nur deshalb so stark ausgebreitet, weil er sich so hervorragend und von Anbeginn an als sehr taugliches Instrument gerade irrationaler, rein machtbezogener Herrschaft eignete.

Daß die Pläne solcher Herrscher, ihre Erklärungsmodelle bestenfalls den Rang von zufälligen, manchmal regelrecht situationsgeborenen, einfach gutklingenden Traumtänzereien haben, ist ihrer Entourage natürlich nicht klar. Woher denn auch, denn sie kennen ja das Thema Führung und Verantwortung nur aus Vorstellungen. 

Und darum haben solche Leute immer dieselbe Art von Entourage. Wobei oft durchaus kluge Köpfe, Fachleute auf gewissen Gebieten oft, nicht selten aber wirklichkeitsfern wie der Meister, dabei sind.

Die sich natürlich in einem Punkt vollkommen täuscht - sie wird nämlich nicht geschätzt, sondern verachtet. Sie sind deshalb auch die ersten Opfer, wenn es um momentane Nützlichkeiten geht, denen sie im Wege stehen, ja sie sind gesuchte Opfer, als Ausweichraum, weil ein Handeln nach Außen nicht möglich oder gescheut wird, die noch dazu meist ihre Treue mit ins Grab nehmen. Solche Männer behandlen ihre engste Entrourage am schlechtesten und treulosesten, und diese nimmt es noch dazu opferbereit entgegen, denn SIE hat ja Einblick und Verständnis für die Komplexheit des Regierens, der der andere zu folgen hat.

Deshalb ist es regelrecht müßig darüber nachzudenken, was Erdogan nun mit seinem Putin-Besuch vorhat. Der ist so augenblicksgeboren wie überhaupt alles, was er macht, und alles kann sich von heute auf morgen ändern, auf der Ebene der Strategie ist er nur insoweit zu denken, als das Verhältnis dieser beiden Ländern strategisch enorme Bedeutung hat, immer hatte, und auch weiter haben wird - Erdogan BERÜHRT also strategische Ephemeriden, rührt in deren Wirkkräften um, aber er gestaltet sie nicht. (Wenn manche Zeitungen schreiben, daß beide eines Wasser seien, so irren sie auch darin. Zwar kennt der VdZ keinen der beiden persönlich, aber er ist völlig sicher, daß ihre Charaktere unterschiedlicher kaum sein könnten.)

Erst war es mal die Opposition gegen Rußland, nun ist es die Kooperation. Weil es sich eben so ergab, weil gerade ein andere "Ziel" (die Ausweitung der Macht im Nahen Osten) vordergründig war. Dieses Ziel muß Erdogan weitgehend aufgeben, es wird ihm icht viel von seinem ursprünglichen Syrien-Engagement bleiben. (Und Erdogan hat schon lange vor den Ereignissenin Syrien von einem Eingreifen dort geträumt, wie Berichte belegen.) EU-Beitritt? Recht sicher ist Erdogan daran gar nicht interessiert. Nicht als Ziel umfassender, kohärenter strategischer Vernunft. Die Idee hat ihm genützt, ja, denn viele Türken wollen am europäischen Lebensstandard teilhaben, wollen die westliche Lebensweise, wollen dazugehören. Also spielt er gelegentlich damit. Noch mehr wollen ja andere Gruppen der Türkei der EU ihre Überlegenheit beweisen, wenn schon nicht auf deren angestammten Gebieten (weil man dort chancenlos ist), dann eben auf anderen Gebieten - wie dem der Moral, der Religiosität. Wenn es also dazu kommt - gut, dann wird eine EU-Mitgliedschaft benützt, so wie alles andere (auch die Jünger) benützt werden.

Viel wichtiger ist dabei der Aspekt des Selbstbewußtseins, des Respekts, den Erdogan erwartet. Da schmeichelt der Besuch des Papstes nicht wenger als der eines amerikanischen Präsidenten. Und in großmütiger Geste leistet man sich schon das eine oder andere Entgegenkommen. Und schlimmstenfalls kann man mit dem Austritt aus der NATO oder einer doch wieder christenfeindichen Politik - oder mit Flüchtlingsweiterschiebungen - drohen, und schon spürt man sich durch die Reaktion der anderen wieder. Deshalb muß auch jede westliche, traditionelle Diplomatie scheitern, denn gerade Diplomatie setzt auf langfristige Strategien, die höchste Formen der Vernunft verlangen. Jedem anderen arabischen Staat ist das zuzutrauen, der Türkei nicht, oder: nicht mehr. Sie ist bereits mitten drin im einzigen wirklich despotischen System alten orientalischen Zuschnitts, das es seit hundert Jahren in diesem Raum gibt.

Noch eine Parallele fällt auf: Die der Verschwörungstheorien, die allesamt auch ein mögliches (und dumpf geahntes) Scheitern vorwegnehmen, indem sie die Dolchstoßlegende vorbereiten.

In Wahrheit hat aber diesen Leuten nichts wirkliche Bedeutung, außer - sie selbst, und einige willkürliche persönliche oder gar fixe Ideen. Es zählt als Amtsbild aber nur das narzißtische Bild das sie mit sich tragen, in dem man sich als Machtvollzieher sieht und eigentlich nur den Attributen Aufmerksamkeit schenkt, die damit einhergehen. Da zählt sie Armbanduhr mehr als das Gegenüber, das im Stuhl vor einem sitzt und mit dem es um etwas zu verhandeln ginge. So einfach ist das oft unter Menschen.

Der Mensch handelt aus Stimmungen, aus Gestimmtheiten als Gerichtetheiten seiner Persönlichkeit. Sie sind es, die sein rationales Gebäude, seine Vernunftstruktur bestimmen.

Es fällt auf, wie viele der derzeitigen Männer, die das europäische Geschehen bestimmen, diesen Typus verkörpern. Und das muß Angst machen, denn sie sind der Garant dafür, daß Vernunft keine Chance hat. Daß sie eines ganz sicher nicht tun: Zukunft schöpferisch gestalten, so sehr sie genau das behaupten.





*090816*

Bresche ins Verwirrungsdickicht (1)

Was der Papst mit seinen Aussagen zur Gültigkeit von Ehen (und einer quasi "eingeschlichenen, durch Faktizität von selbst entstandenen" Ehe durch einfaches Zusammenleben "von Glaubenden") an Verwirrung angerichtet hat ist gar nicht zu ermessen. Diese Meinung vertreten auch diese katholischen Stimmen (ein Kirchenrechtler und ein Laie) in einer amerikanischen Fernsehsendung. (Video folgt im morgigen 2. Teil). 

Die die sachlichen Gegebenheiten der Ehe und ihrer Gründungsbedingungen ganz ausgezeichnet darlegen. Keineswegs nämlich muß ein Paar "reif genug" sein, um alle Konsequenzen der Ehe zu wissen. Die kennt nicht nur niemand, sondern es wäre fatal, weil man mit heutigen Augen fernes Zukünftiges auch völlig falsch bewertet. (Ein Fehler, der so oft gemacht wird, und er hängt mit einer vermeintlich konkret vorhersehbaren oder gar nötig vorherzusehenden (fernen) Zukunft zusammen, die man ohne sie bewerten zu KÖNNEN aber aus dem Heute bewertet.) Es reicht, bei einer Ehe nur "wollen, was die Ehe will". Die Ehe selbst ist ja dann das Instrument, das beide Ehepartner reifen läßt.* Und die Eheschließung ist der Initialpunkt dazu!

Das Gespräch im Video zeigt leider erschütternd, daß der Papst ganz einfach eine falsche Sichtweise der Ehe verbreitet, die fatale Folgen hat und noch mehr haben wird. (Beitrag ab 27 min.) Der wie so oft schon einen Widerspruch zwischen Lehre (Sichtweise) und Pastoral herbeikonstruiert.  Und der schon zum wiederholten Male sogar explizit den Priestern in den Rücken fällt. Und natürlich auch den Eltern. Denn das hat ganz konkrete und verheerende Auswirkungen auf die Sicht- und Lebensweise der (vor allem jungen) Menschen, die auch der VdZ beobachtet. Die in einer heilsverfehlenden Situation leben, aber nun noch vom Papst selbst den Rücken gestärkt erfahren, darin zu verharren. Der Moderator der Sendung erzählt aus seiner eigenen Erfahrung mit Bekannten, die nun nach Priestern suchen, die ihr außereheliches Zusammenleben gewissermaßen in Sakramentsstatus segnen, denn der Papst habe ja gesagt: Sie wären ja eigentlich sakramental verheiratet. Er meint, daß man sogar den Eindruck haben müsse, daß der Papst vor Menschen wie ihm warne, die doch nur ganz normale Katholiken sein wollen.

Im übrigen widerspricht sich der Papst am laufenden Band selbst. So, als er 2016 davor "warnte", die Christenverfolgung im Nahen Osten als "Genozid" zu bezeichnen - was er im Jahre 2015 sogar explizit "forderte". 

Auch wird die unhaltbare (und wiederholt getroffene) Aussage des Papstes zur 

TODESSTRAFE 

diskutiert, die ebenfalls nicht der Tradition und Sichtweise der Kirche entspricht. Der Wert des Lebens, sagte der Papst dazu, sei nämlich absolut. Das ist in dieser Weise angewandt falsch, der Papst vermischt da unzulässig (und das tut er so oft, daß man es als eine seiner Hauptsünden bezeichnen muß, denn das ist der perfideste Weg den die LÜGE geht, nicht nur häufige Folge von Unverstand und Irrtum) die Ebenen dieser Aussage. Und jeder Märtyrer belegt es. Es setzt sich fort für Soldaten, für die es im Krieg offensichtlich nicht zutrifft. Es ist nämlich nicht jeder Soldat, der einen Feind im Kampf erschießt, ein Verbrecher! 

Und es geht bis zur Todesstrafe. Sie ist einmal eine ultimative Form der Notwehr. Wenn alle anderen Strafen nicht ausreichen, um die Gesellschaft zu schützen, muß man zu dieser Form greifen, will man nicht andere leichtsinnig gefährden. Sie ist freilich keine Form der Rache! Wenn man aber gewahr wird, daß jemand jemanden töten will, so muß die verantwortliche Instanz einschreiten (und ihn unter Umständen töten)! Und der Staat hat ja die Aufgabe, das Leben seiner Bürger zu schützen. Wer sich aber außerhalb dieses Staates stellt - und das tut jemand, der etwas verbricht - hat in gewisser Hinsicht auch seine Bürgerrechte verwirkt. (Deshalb hat man bis vor kurzem auch Strafgefangene von der aktiven wie passiven Wahl in einer Demokratie ausgeschlossen.) Durch die Strafe werden diese erst wieder hergestellt. Er wird durch die Strafe (!) re-sozialisiert - re-integriert.

Das wird heute aber immer weniger verstanden und durch sentimentales Irgendwiegeschwafel ersetzt, mit dem man Gefühle vortäuscht. Denn ganz dramatisch wird es, wenn man sieht, wie Ideologien und verworrene Sentimentalitäten (die eine Form des unsachlichen Egoismus ist, kein Gefühl) bereits das Verständnis von Strafe überhaupt ausgewaschen haben. Denn es wird bei Strafe heute überhaupt nicht mehr gesehen, daß sie ja die Form der notwendigen Sühne nach einer Tat ist! 

Auch Gott straft - oder wozu soll der so großzügig und in vielerlei Formen und Weisen gewährte Ablaß gerade im Jahr der Barmherzigkeit gut sein? Auch die Heilige Schrift ist voll von belegenden Beispielen, sowohl im Alten Testament wie auch im Neuen. Jesus wandte sich nicht einmal gegen die Steinigung (der Ehebrecherin) selbst. (Zu den Bedingungen der Barmherzigkeit in diesem speziellen Fall siehe unten.)

Jede Sünde, jede Straftat hat ja mehrere Ebenen der Leidtragenden, und fordert aber auf jeder dieser Stufe Sühne zur Reintegration, zur Wiederherstellung. Da sind einmal die direkten Opfer, dann etwa Hinterbliebene, dann ist da die Gesellschaft, und dann ist auch jede böse Tat ein VERGEHEN GEGEN DAS SEIN SELBST, also GEGEN GOTT, den reinen Geist. Ohne Sühne gibt es keine Versöhnung mit Gott! Darin liegt ja das ganze Geheimnis unserer Erlösung. (Wobei der VdZ ohnehin in den letzten Jahren den Eindruck gewinnt, daß sich gerade in sogenannten katholischen Kreisen eine absurde Erlösungstheologie breitmacht, die gar kein Kreuz mehr "braucht", es bestenfalls als reduziertes Singulärereignis einzelner "Schicksalsschläge" und ähnliches - nicht aber als Grundhaltung - sehen kann. Und das ist tatsächlich unkatholisch.)

Eine Reintegration der Täter in eine Gesellschaft, in eine Gemeinschaft (in der er zuvor ja einen Beziehungsstatus hatte, einen logos, und sei es als Gast) verlangt einen "Schmerz", der dem Maß seines Heraustretens aus dieser Gemeinschaft entspricht. Das Tor zu dieser Reintegration IST DIE STRAFE. Auch die Todesstrafe. 

Das Schicksal eines Menschen hört ja doch nicht mit seinem Tode auf! Eine Reintegration in die Gemeinschaft der "Heiligen" (Kirche als societas perfecta) ist ja doch auf die Gemeinschaft ALLER Seelen bezogen. Also auch derer im Jenseits. Die Todesstrafe für alle Fälle für ungerecht zu erklären , ist deshalb einfach nicht richtig, so sorgfältig man sie auch behandeln sollte. Man übersieht sträflich, daß es ohne Sühne auch keine "Resozialisation" geben KANN. Auf Strafe zu verzichten ist kein Akt menschlicher Barmherzigkeit (auf Seiten der Opfer oder des Staates), sondern ein Akt der notwendigen Gerechtigkeit IM INTERESSE (auch, ja zuerst) DES TÄTERS. Auch wenn man im Einzelfall (wenn die Umkehr auch so glaubhaft ist) Strafe in einem Akt der Barmherzigkeit ERLASSEN kann. 

Es gibt übrigens in der Rechtsgeschichte sehr interessante institutionalisierte, ja kultivierte Formen solcher Barmherzigkeit, meist aber verbunden mit Sühne ALS FOLGE - etwa, wenn Delinquenten noch unmittelbar vor dem Galgen das Leben geschenkt wurde, wenn sie eine Hure zur Frau nahmen. Hier wurde die einmalige Sühne durch eine dauerhafte, in gewisser Hinsicht schwerere ersetzt, die so eine Ehe dann bedeutet. Wenn man solche Barmherzigkeitsakte ansieht, so haben sie aber immer mit Umkehr und Reintegration beim Täter zu tun. Aber dazu muß eine Strafe erst einmal verhängt sein. Und in diese Kategorie (der Folge der dauerhaften Umkehr VOR der Strafe) fällt auch die Barmherzigkeit, die Jesus für die Ehebrecherin erwirkte. (Übrigens: Erwirkte! Er hat das menschliche Gerichtswesen akzeptiert. "Haben SIE dich nicht verurteilt? Dann will ich es auch nicht tun. Geh hin und sündige nicht mehr.")



 Morgen Teil 2) Täter wollen, ja fordern der Tat angemessene Strafe! 
Wer sie verweigert, verweigert ihre Reintegration.






*050716*

Was hinter Clinton wirklich steht (3)

Teil 3) Was der amerikanische Konservativismus wirklich will
ist gleichfalls widersprüchlich - 
Amerika ist NICHT Abendland! Im Gegenteil.




Dinesh D'Souza stellt immer wieder provokativ die Frage (meint es aber auf jeden Fall dialektisch, also verneinend), ob aber nicht die gesamte Idee der USA auf der Idee des Diebstahls beruht. So zumindest wird es ihr vorgeworfen. Sie habe das Land den Indianern genommen (dabei - und hier wird D'Souza wirklich grotesk - seine Version ist, daß das doch nur die Spanier ab 1492 gewesen seien; 1776 sei diese Zeit 200 Jahre vorbei gewesen; Amerika sei sogar die Gegenidee gewesen; manchmal würde man D'Souza schon mehr Bildung wünschen), Mexiko der Hälfte seines Staatsterritoriums beraubt, habe die Arbeitskraft der Sklaven ausgebeutet, habe sich überall auf der Welt um Staaten "gekümmert", wo es Rohstoffinteressen hatte, habe die Positionen seiner geostrategischen Macht durchweg geraubt (man denke etwa an die Philippinen oder Hawaii). So habe sich Amerika als erste Weltmacht etabliert, und im 20. Jahrhundert ausgebaut. Als Idee freier Menschen, freier Märkte, freier Initiativen, und - der Menschenrechte.

Was der amerikanische Konservativismus aber nun Obama (und Clinton, also den Demokraten) vorwirft ist, daß er diese Stellung als erste Weltmacht aufgegeben habe. Der linke Geist des Progressivismus, der aus der 1968er Bewegung heraus die Politik durchdrang und den auch Obama vertrat (und Clinton vertritt) ist deshalb so gefährlich, weil er die innere Stärke der USA auflöst, und das tut er, indem er auch seine außenpolitische Position gefährdet.  Obama habe, so D'Souza (und niemand ist so demonstrativ für "Werte" und zur Ideologie gewandelten Konservativismus wie ein Neubekehrter, der das Gebilde, dem er gerade beigetreten ist, nur in gewissen Wirkungen kennt, vergessen wir das nicht, werter Leser - und Ideologie bezieht sich auf phänomenologisierte Wirkungen; darin ist D'Souza sogar eindeutig LINKS) Amerika nachhaltig beschädigt und weltweit demontiert.

Hören Sie sich einmal diesen Teil (einer ganzen Reihe von Trailern eines der neuen Filme von D'Souza, "America":




D'Souza fordert eine neue Stärke Amerikas in der Welt. Er kritisiert die Linke deshalb, weil sie Amerika schwächt. Nun ist das etwas, mit dem man leben könnte und kann. Ein Land, das nicht möchte, daß es stark in der Welt ist, ist einfach nur krank.

Seine Argumentation hat für sich gesehen einmal etwas sehr Bestechendes und viel Richtiges: Er argumentiert, daß die Linke jede Form von Eigentum als Diebstahl, als Raub ansieht. Auch den Reichtum Amerikas sieht sie als zusammengestohlen. Wenn man Eigentum so begreift, ist es auch nur logisch, es jederzeit ent-eignen zu dürfen. Über Steuern. Ist es logisch, es nach abstrakten "Gerechtigkeitsstandpunkten" umverteilen zu dürfen. Denn dann ist es auf jeden Fall Unrecht. Nun ist das die logische Folge eine Bevölkerungsschichte (wie hier schon so oft dargelegt), die selbst noch nie schöpferisch war oder - und das ist wichtig! - tatsächlich Diebstahl begangen hat.

Wir haben an dieser Stelle schon davon gehandelt, daß die Sozialstaaten heutiger europäischer Prägung Gesellschaften von Dieben sind, denn der Empfänger von staatlichen sozialen Wohltaten, von Geld, das er nie verdient, sondern zugesprochen erhalten hat, fühlt und handelt wie ein Dieb: er weiß um das prinzipielle, nur in abstrakten Gedankenkonstruktionen - also gar nicht real, in seinem eigenen Welterleben verankerte - zu entkräftigende Unrecht seines Besitzes. Eine Schwächung des eigenen Landes kommt deshalb immer von Menschen, die an seinem Aufbau tatsächlich nicht beteiligt waren und sind, sondern davon nur profitieren. Die das Land, in dem sie leben, als zur Plünderung ausgeschriebene, weil mit Diebesgut angefüllte Tafel betrachten. In seiner Argumentationsrichtung hat also D'Souza schon recht.

Je höher in einem Land deshalb der Anteil an unproduktiver Bevölkerung wird, je höher auch sein Beamtenanteil wird, je größer der Teil der Menschen wird, die ihr Leben und ihre Lebensführung als nicht mehr von ihnen abhängig erfahren, je mehr ehedem in freien Beschäftigungsverhältnissen durch Gewerkschaften und staatliche Macht in quasi-verbeamtete, also rückschlagsfreie Sonderstellungen kommen (man denke da v. a. an die Lehrer, deren Stand man völlig umgewandelt hat, entsprechend hat sich ja die Pädagogik gewandelt), desto höher wird seine Neigung zur Umverteilung, zum Sozialstaat und damit zum in alles eingreifenden Zentralstaat.

So hat man auch in Europa schon ganze Generationen von Staatsmündeln herangezogen. Ganz bewußt, daran kann kein Zweifel bestehen. So wie kein Zweifel bestehen kann, wer der Profiteur ungebremster Zuwanderung ist, der vom Staat alimentiert wird, hier also gar nie in die Lage kommt, sich selbst etwas aufbauen zu müssen. Deren Verhältnis zu Eigentum grundlegend gestört wird. Eigentum hat nichts mehr mit Persönlichkeit - und diese mit Verantwortung (und Verantwortung gründet in Eigentum, ist die sichtbare Seite einer Sorge, in der erst ein Ding zu eines Personsbereich gehört) - zu tun.





Auch das ist alles richtig: Je mehr ein Staat Aufgaben an sich zieht, je mehr er sich vor allem (der Gedanke ist für einen Europäer heute sowieso schon fast undenkbar, dabei steht er AM ANFANG unseres Wohlstands: daß Infrastruktur privater Initiative entspringt) desto mehr zerfließen Eigentumsbeziehungen, und desto mehr schwindet das Bewußtsein, daß alles einzelnen Personen entspringt wie ihnen zu verdanken ist. Desto mehr verdunstet Eigentum in einem ungreifbaren Allgemeinbegriff von "Gesellschaftseigentum". Dabei gibt es keine einzige Eisenbahn, keinen Flughafen, keine Post, nichts mit einem Wort, das nicht privater Initiative zu verdanken wäre! Aber der Staat hat alles an sich gezogen, "kameralisiert", meist mit ganz klaren eigenfinanziellen Interessen, mit "sozialem Interesse" überschmückt. Darin spielt die umgeschriebene, bewußt und falsch ("neu interpretiert") umgedeutete Kolonialgeschichte eine besondere Rolle. 

Mit einem Wort: Die Gegenwart ist für so eine Sichtweise nicht das Produkt der Freiheit der Menschen, der Vorfahren, sondern das Ergebnis von Raub und Unrecht. Die Gegenwart verdient deshalb auch keinen Respekt. Sie steht einem entweder sowieso als Recht und Wiedergutmachung zu, oder sie ist sogar, weil schuldbeladen aufzugeben. In dieser Gewissenssituation leben wir heute tatsächlich. 



Morgen Teil 4) Deshalb die Forderung: Sofort zurück zur Rassendiskriminierung!  
Was Europa von Amerika endlich lernen sollte





*130616*

Mittwoch, 10. August 2016

Es wäre eine ziemliche Ironie

Wie man liest, war der von Muslimen während eines Gottesdienstes bzw. in Unterbrechung dieses geköpfte französische Priester P. Jacques Hamel seit Jahrzehnten ein eifriger Verfechter des Leitsatzes, daß Muslime unsere Brüder seien. Ja mehr noch, er stellte ihnen einen Teil des Grundstückes, auf dem die Kirche, der spätere Ort seines Todes, stand, zur Verfügung, auf daß sie darauf eine Moschee errichten sollten. Katholiken, Meßbesucher berichten, daß fortan der Gang zur Kirche ein Spießrutenlauf für sie wurde. 

Ob da nicht einfach ein Mann eine Dummheit weil furchtbare Fehleinschätzung, ja sogar dem Irrtum des Relativismus anhing, der sich furchtbar rächte?  Relativismus ist nämlich ganz sicher nicht jene Liebe, als die er gerne tituliert wird. Man kann nur ein Etwas lieben. Wo die Grenzen eines Etwas aber verschwimmen, löst sich das Etwas auf - und damit die Liebe.

Nicht alles, wo Blut durch Muslime fließt, muß auch Martyrium sein. Dummheit ist keine Grundlage für Martyrium. Dann hätten wir aus diesem Fall etwas ganz anders zu lernen. Und wir müßten es lernen. Das wäre dann das Zeichen Gottes. Denn da muß man dem Papst schon recht geben: Nicht jeder, der alahu akbar ruft, ist ein Religionstäter. Und nicht jeder, der seinen Messerstreichen erliegt und getauft ist, ein katholischer Märtyrer.

Aber den Fall kennt der VdZ nicht wirklich. Er konnotiert wieder einmal nur.





*070816*

Ist schon was dran

Naja, da hat Gavin McInnes nicht so ganz Unrecht ... 10 Gründe, warum die Zugehörigen zur Generation der Babyboomer (Geburtsjahre 1946-66) die Ärgsten sind.











*170616*

Was hinter Clinton wirklich steht (2)


Teil 2) Wie alles plötzlich Sinn bekommt




Wie an dieser Stelle schon lange dargelegt sind wir von den ständigen Quatschereien um "Reichtum" völlig verwirrt. Wir begreifen nicht, daß Reichtum nicht heißt, viel Geld am Konto zu haben, wie es sich der sozialistisch-verkrampfte Neidgenosse vorstellt und der gerade-mal-genug-Verdiener erträumt. Ab einer gewissen und sogar relativ niedrigen Grenze ist das für den Reichen selbst bedeutungslos und bringt auch keine Freuung, keine zusätzliche Befriedigung. Im Gegenteil, gerade die wirklich Reichen zeichnen sich oft durch spartanischen Lebensstil aus, der sich von dem der Normalbürger kaum unterscheidet. Es geht viel mehr bei Reichtum und Macht um die Fähigkeit ZU BEWEGEN. (Weshalb immer galt, daß der wahre Mächtige, der wahre Reiche der größte Geist ist. Das ist viel mehr als eine Metapher, das ist die Beschreibung von Gott.) Eigentum ist eine Größe der "Bewegungsmacht", und nur als solche birgt es immanente Befriedigung, die davon gar nicht mehr reden muß, die keine verbale Bestätigung mehr braucht.

Und diese wirklich Mächtigen in den USA haben perfekt (und äußerst diskret) vorgebaut: Analog zum europäischen "Marsch durch die Institutionen" haben die amerikanischen Demokraten seit Jahrzehnten systematisch die Bildungseinrichtungen an sich gerissen. So haben sie eine "Elite" herangezogen, die zum gesellschaftlichen Instrument ihrer Ziele wurde.

Man könnte den Eindruck gewinnen, daß in den USA Diskussionen aufbrechen, die in Europa vor hundert Jahren nicht ausreichend oder gar nicht geführt worden sind, weil das Freiheitsbewußtsein des Europäers zum einen nicht so ausgeprägt, weil zum anderen in vielem die Freiheit des Individuums noch nicht so gefährdet war - dank seiner immer noch größeren kulturell-institutionalisierten Stabilität. Dazu kommt und kam es erst in diesen Jahren. Man übersieht doch ständig Folgendes: Die wirkliche Konkurrenz Deutschlands war die zum demokratisch-großkapitalistischen Amerika. Die Führungsschichten und Eliten BEIDER Länder haben ähnliche Konzepte verfolgt und Deutschland war auf der Überholspur. 

In den Jahren 1920 bis 1930 holte Deutschland ein Viertel aller Nobelpreise. Seine Naturwissenschaft, seine technischen Entwicklungen, seine Geisteswissenschaft zog der Welt davon. Und seine Wirtschaft hatte sich durch etatistische Maßnahmen (die Staatsverschuldung wuchs rekordverdächtig) rascher "erholt" als die der Amerikaner und begann, die Weltmärkte zu dominieren und politisch seine ihm historisch zugewachsene Rolle - Aufstieg zur führenden Macht Europas, mit einer ungeheuren Entwicklungsdynamik - wieder einzunehmen. Der Erste Weltkrieg hatte noch nicht ausgereicht, um das Land aus dem Rennen zu werfen. Es mußte ein zweiter her. Und die Amerikaner taten alles, um den Krieg zu einem totalen Weltkrieg eskalieren zu lassen, der aber als Kreuzzug der Vernichtung Deutschlands angelegt war.

Die "moralischen Gründe" waren fadenscheinig und vorgeschoben, was sich am realen Verhalten, den realen Geschehnissen zeigt. Es gibt Stimmen die plausibel (und mit Einzelnachweis) argumentieren, daß praktisch die gesamte amerikanische Nachkriegswirtschaft auf zwei Grundlagen aufgebaut ist: Der Enteignung englischen Kapitals nach 1918 (als Gegenrechnung gegen Kriegsschulden), und systematisch geraubte deutsche Patente nach 1945. Den Rest beantwortet die Frage "cui bono?" - wem, welchen Interessensgruppen hat es direkt genützt?

Übrigens: Der Journalist und Filmemacher Dinesh D'Souza nennt sich eines der legendigen Beispiele, wie im heutigen Diskurs vorgegangen wird und immer intensiver vorgegangen werden soll. Wo die Kritik am (demokratischen) Establishment, wo dissidente Meinungen zum Verbrechen, durch Gesetze kriminalisiert werden. Putin hätte Journalisten ins Gefängnis geworfen? Barack Obama hat D'Souza ins Gefängnis geworfen. 

Nur - stimmt das? 

Vielleicht in dem Fall nicht ganz, auch wenn D'Souza damit argumentiert, daß viele andere das auch täten, aber nicht verfolgt würden. Wer wird wegen Parteispenden inhaftiert, die sowieso jeder macht, wenn man ihn nicht mundtot machen möchte? Naja. Er bekannte sich vor Gericht für schuldig. Der Richter veruteilte ihn daraufhin zu acht Monaten Sozialarbeit (Sprachkurse für Immigranten). Die einzige Verschwörung dabei kann er aber vermutlich seiner Ex-Frau zurechnen - einer ehemaligen Schönheitskönigin - die ihn ans Messer geliefert hat: Sie sagte aus, daß er sie getäuscht, weil er unter ihrem Namen (sie hatte den Beleg unterschrieben) Wahlkampfspenden an seinen Politiker-Freund weitergeleitet habe, um so die gesetzliche Höchstgrenze nicht zu überschreiten. Aber er sei sowieso ein Lügner und Mißbrauchscharakter, denn er habe sie einmal unter Ausnützung seiner Karatekenntnisse zu Boden geworfen (und ...? vermutlich; schon deshalb: Vorsicht vor Phantasiesex!).

All das spräche also aus europäischer Sicht ziemlich für D'Souza und den von ihm vertretenen Konservativismus. Doch muß man dem Mann ein wenig länger zuhören, und im Netz gibt es eine Menge von ihm zu sehen und zu hören (und als Buch zu bestellen). Um zu begreifen, daß er wohl einer Renaissance des Geistes Amerikas das Wort redet, sehr viel im Einzelnen richtig sagt und sieht (wie es der Simplifizismus, aus dem nämlich Amerika entstand, in sich trägt; Europa ist oft schon zu kompliziert entwickelt, da bricht eine reduzierte, einfachere Sicht manchmal viel wieder an Rückbesinnung auf Grundlagen auf) aber - ist das auch der Geist Europas? Ist das im Sinne europäischer Interessen und Politik?

Es beginnt bei der Aussage über seinen Wechsel von Indien in die USA. Den er in höchsten Tönen preist. Denn der Unterschied sei, so D'Souza, daß man in Indien sein Schicksal weitgehend als gegeben betrachte. Man habe es zu erfüllen, das sei Lebenspflicht. Wäre er dort geblieben, hätte er nicht wirklich weniger Lebensstandard gehabt, erzählt er. Er sei Sohn einer gutgestellten bürgerlichen Familie gewesen, und wäre er in Indien geblieben, hätte sich sein Leben absehbar im Umkreis von zehn Kilometern um seinen Heimatort abgespielt, und er hätte sich wohl nie darüber beklagt.

ABER was er in Amerika kennengelernt habe, das habe ihn begeistert. Denn der amerikanische Geist von 1776 sei ein Geist gewesen, in dem der Mensch sein Leben ganz neu begriffen hat. Es ist der Geist der ... französischen Revolution. Plötzlich habe er begriffen, daß der Mensch in diesem freien Land so frei sei, daß er sein Leben, sein Schicksal SELBST KONSTRUIEREN könne und: müsse.



Morgen Teil 3) Was der amerikanische Konservativismus wirklich will
ist gleichfalls widersprüchlich - 
Amerika ist NICHT Abendland! Im Gegenteil.













*130616*

Dienstag, 9. August 2016

Kirche ohne Insecuritas ist Kirche ohne Gott

Peter Wust hat dazu ein wunderbares Buch geschrieben - über die "Insecuritas" als den eigentlichen Moment des Einlasses Gottes in diese Welt, als deren eigentlichem schöpferischem Augenblick. Alles christliche Leben läßt sich im Grunde darauf reduzieren: Erst im Hinaussteigen in das Ungewisse liefert sich der Mensch an Gott aus. Natürlich heißt das nicht, ins Irrationale einzutreten. Im Gegenteil. Die Vernunft ist der Moment der Gottebenbildlichkeit in der Freiheit. Aber jedes Bedenklichwerden (nach Vernunftmaßgabe), jedes Zögern, jede Mutlosigkeit ist eine Glaubenslosigkeit, und darin (siehe u. a. Kard. Newman) ein Aussperren Gottes aus dem Weltenlauf, ein Herausnehmen der Welt aus der Vorsehung Gottes.

Das ist der Grund, warum der VdZ immer so vehement gegen eine so abgesicherte Kirche wettert, wie sie in einer einzigen Bewegung über den "rationalistisch aufgeklärten" Kaiser Josef II. bis zu Adolf Hitler zur Vollendung kam. Denn die sogenannte Kirchensteuer, als Höhepunkt einer Entwicklung seit Josef II., der die Kirche enteignete, ihr Vermögen im "Religionsfonds" sammelte, und so den Klerus staatsabhängig machte, die Verpflichtung zum Erhalt verstaatlichte (was übrigens für ihn ein Verlustgeschäft war, worüber er sich sehr enttäuscht zeigte), machte die Kirche zu einer wohlgesicherten Sonderanstalt, die mit der Welt nichts mehr zu tun haben mußte. 

Welt? Das waren fortan die anderen. Wirklichkeit? Die abzupuffern war nun Aufgabe des Staates. Niemand hatte sich mehr zu fragen, ob die tägliche Wirklichkeit, dieses tägliche Hineinwerfen in die Vorsehung Gottes, von Bedeutung war. Nun mußte man nur noch mit dem Kaiser (dem Staat) "verhandeln". Und alles und jeder hatte sein Auskommen.

Hitler hat das perfektioniert. In dem typischen Ausgang jeder gottfeindlichen Bewegung. Die in ihr Gegenteil umschlägt (weil es ohne gott keine Vernunft gibt), und doch genau damit erreicht, was der (wegen Gottesferne eben unvernünftige, nicht mehr klar denken könnende) Atheist beabsichtigte. Aber ohne daß er es weiß. Er stellte die Kirche auf sich selbst, und verlangte von ihr die Einhebung einer Kirchensteuer, in der Meinung, damit würden sich die Gläubigen ohnehin von der Kirche abwenden. Das Ergebnis war genau gegenteilig. Selbst 19444 und 1945 hatte die deutsche Kirche mehr Einnahmen, als VOR den katastrophischen Kriegsereignissen, die das deutsche Volksvermögen so schädigten. Aber genau damit ... hat er die Kirche ins Mark getroffen. Ohne es zu wissen. Er hat sie verbeamtet.

Damit ist auch schon alles dazu gesagt, daß die Diözese München-Freisinig unlängst ihren Vermögensausweis offenlegte. Der zeigte, daß sie über ein nominelles Geldvermögen von 5,5 Mrd. Euro verfügt. Man rechne das auf ganz Deutschland hoch. München ist dabei beileibe nicht die reichste Diözese Deutschlands. Mainz, Paderborn, Köln ... schwimmen im Geld. Der halbe Vatikan, und mit ihm halb Afrika hängt direkt am Geldtropf Deutschlands.  (Ein Schelm, wer da an Korruption auch der theologischen Inhalte dächte. Wie hieß es einmal in einem Buchtitel? "Der Rhein fließt in den Tiber!")

Dafür auch noch ein Nutzen-Argument anzuführen ist mehr als armselig. Es ist häretisch. Denn die Kirche ist eben kein gottabgewandete-weltliches Unternehmen, das sich auch gegen Gottes Vorsehung absichern muß. Ach, Rückstellungen für Pensionen? Sieht man einmal von etwas ab, wovon man gar nicht absehen dürfte. Daß nämlich Geldrückstellungen keineswegs "neutral" sind, sondern jenes Elend vergrößern, jenen unmenschlichen Leistungsdruck auf die Menschen, der diese Wertabsicherung täglich - täglich! - erarbeiten muß, denn Geld ist nur als relativer Leistungswert überhaupt ein Wert, und jeder Prozentpunkt Zinsen auf investiertes Kapital muß von produktiven Kräften (Arbeitern, der Wirtschaft - KEIN Beamter hat noch je einen Schilling produktiv erwirtschaftet, das darf man nicht vergessen, auch wenn sie nicht "unnötig" sind) erarbeitet werden. Sehen wir also davon einmal ab.

Dann ist nicht einzusehen, warum die Kirche als "societas perfecta" nicht genau das vorzeigen muß, was der Gesellschaft auferliegt: Das Umlageverfahren nach Generationen. Daß also die Pensionslast der Kirche nie jenes Maß übersteigen darf, das von der aktuell aktiven, tätigen Generation erarbeitet wird. Aber genau das hat die Kirche auf abscheuliche Weise ignoriert. Die Zahl der deutschen Kirchenbeamten stieg von 1960 bis 2015 von 150.000 auf über 700.000. Bei auf ein Drittel gefallenen Priesterzahlen, bei einer Reduktion der Kirchenmitglieder um die Hälfte, Tendenz anhaltend.

Deshalb ist ein Vermögen der Kirche in Deutschland (und Österreich; wo es freilich nicht ganz so krass ist; Österreich war durch Josef II. bereits besser "vorgerichtet"; das Konkordat war deutlich schlechter ausgefallen, als das des Stammreiches, geschlossen 1933, wo Hitler noch mehr meinte, er bräuchte die Kirchen) Unrecht. (Von dem Schwachsinn der linksgesoffenen Schwammgehirne, die ihre historischen Bauten, Kunstschätze etc. als "Vermögen" sieht, wollen wir da freilich nicht reden.) 

Wegen seiner Verwendung, wegen seiner Funktion. Denn dadurch ist es Blutgeld. Das ließe sich nur reinwaschen, indem man einerseits sofort (!) die Kirchensteuer aufgäbe udn die Kirche auf ihr eigentliches Fundament - freie Gabe, Almosen - zurückstellte, und anderseits mit dem vorhandenen Überfluß dutzende oder hunderte großartige und neue Kathedralen errichtete. Die getreu der Tradition der Kirche als kulturbildende Kraft das Handwerk, die Baukunst in Deutschland neu aufblühen ließen (und so nebenbei: vielen tausend Asylanten Sinn, Brot und Arbeit gäbe). Samt einer Prunkentfaltung in liturgischem Gerät, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. So und nur so wäscht man dreckiges Geld rein. 

Als Startschuß für eine sinnvolle Neuevangelisierung. Mit einem Klerus, der sich täglich neu in die Hände Gottes begibt, am und vom Tisch der Gläubigen Gast, ihr Schicksal direkt und täglich neu teilend. So Gott in diese Welt einläßt. Und ihn nicht durch gesicherte und gelangweilte Existenzen ohne jede Gefahr eines Wirklichkeitseinbruches täglich neu aussperrt.

Aher dazu müßte man halt in das als Wirklichkeit einsteigen, von dem es sich am Sonntag so bequem predigt. Glauben, wagen, was man lieber anderen auferlegt, und im Zweifelsfall halt auch erläßt, immerhin - man glaubt es ja selber nicht. Und in einem fast übermenschlichen Einsichtsakt endlich jene zu hassen aufhören, die den Nerv des Christentums noch treffen und treffen wollen: Die Freien, die Mutigen, die Wagemutigen, die nur im Rückblick - nicht in aktualer Selbstzusprechung - als Heilige Erkennbaren. Die sich halt in einer so Kirche der Schmerbäuche und selbstzufriedenen Gutmenschen so gar nicht wohlfühlen.






*220616*

Was hinter Clinton wirklich steht (1)

Dinesh D'Souza sagt selbst, daß es vermutlich nur ihm als gebürtigem Inder - Ausländer, Dunkelhäutiger - möglich war, solche Dinge zu denken und zu sagen, wie er es tut. Damit unterläuft er nämlich die political correctness. D'Souza hat sich so in den USA einen Namen als konservativer Denker gemacht, dessen Analysen und Aussagen zumindest immer sehr inspirierend sind. Er scheut kein Tabu der neuen Zeit, die sich, so der Amerikaner, in einer wahren Vernunftverweigerung über die Gesellschaft gebreitet haben. Wo aber nicht mehr gesagt werden darf, was ist, weil es - und damit ist schon ein großer Teil der political correctness beschrieben - das Gesollte gefährdet, kann nicht mehr erkannt werden, wo die Realität hinführt.

In diesem Film widmet sich D'Souza der seltsamen Verschwiegenheit, die sich über Amerika gesenkt hat, wenn es darum geht, die wahren Hintergründe und Wurzeln der demokratischen Partei zu nennen. Sie verstand sich nämlich ursprünglich als die Partei der Sklavenhalter und Herrenmenschen. Und sie tut es bis heute, sagt der gebürtige Inder. Denn sie hat nur ihre Strategie gewechselt, und wurde von einer "Partei der Sklaverei" zu einer Partei der "Versklavung". Und das ist auch der eigentliche Hintergrund hinter der political correctness, die das wirkliche amerikanische Ideal - Freiheit des Unternehmens, Freiheit des Denkens, der Rede, der Lebensweise - zu einer Perversion "göttlicher Sendung" einer moralistischen Gruppe gemacht hat. 

Die über "social engineering" und "social control" ein Volk nicht mehr einfach von außen und offensichtlich kontrollieren (="führen") will, sondern an die Grundlagen seines Denkens und Fühlens, an sein Selbstverständnis faßt. Deshalb enthält ihr Programm (und Obamas Politik hat es definitiv gezeigt) auch so viele Punkte, die direkt in soziale Vorgänge und Gegebenheiten eingreifen sollen, um "das Volk" zu "gestalten". "Gouvernment is the one thing, we all belong to," definiert eine der Stimmen im Film die Politik der Demokraten. Daraus leitet sie das Recht auf direkte soziale Eingriffe ab. Aber warum sollten sie das tun? Warum das wollen? Aus moralischer Sendung? Dazu verhalten sie sich viel zu widersprüchlich. Zumal sie nicht nur die "Partei der Neger und Minderheiten" sind (zumindest stellen sie sich seit siebzig Jahren so dar; zuvor war es genau umgekehrt), sondern auch die "Partei des Großkapitals" und der Konzerne (was man in Europa meist nicht einmal weiß, weil man unter den Begriffen mit den Entsprechungen "links=demokratisch" und "rechts=republikanisch" ganz andere Bedeutungshintergründe zusammenfaßt; sie sind in den USA aber genau umgekehrt gemeint!).

"Was verbergen die Demokraten," stellt D'Souza also die Kernfrage? Und er kommt auf eine nur scheinbar einfache Antwort. Scheinbar, weil dieser Hintergrund in den Augen des Filmemachers und Autors der Hintergrund überhaupt aller Verbrechen ist: Diebstahl. "They want to steel our country," sagt D'Souza an anderer Stelle, und er knüpft dabei an Carl Schmitt an (der eine Entwicklung vorhersah, in der der Staat zur "Beute" von Interessengruppen wird.) Denn die USA sind (als Vermögenswert betrachtet) die wertvollste Sache, die die Menschheit je hergestellt hat. (Naja, ist ziemliche Betrachtungssache, Anm.) Alles in den USA zusammengerechnet, repräsentiert die USA einen pekuniären Wert von über 700 Billionen (engl: trillion) Dollar. 

Ist das nicht ein lohnendes Ziel, für das es sich schon einmal lohnt, sämtliche Selbst-Regenerationsmechanismen eines Volkes auszuschalten, um es so zur leichten, manipulierbaren weil abhängigen Masse zu machen? Zum Spielkapital einer wahren Elite, das sich hundertprozentiger Zwangshebeln einer "Alternativlosigkeit aus ethischen Gründen", man denke nur an den Klimawandel? Die deshalb durchaus die Notwendigkeit sieht, sich weltweit als einzige Führungsmacht zu behaupten. Immerhin steht Clinton für eine Fortführung der bisherigen expansiven und aggressiven US-Außenpolitik. Dabei darf man sich das nicht zu simpel vorstellen. So, als würden einige alles bildlich "einsacken" wollen, dinglich, buchstäblich.


 Morgen Teil 2) Wie alles langsam Sinn bekommt - 
Wie plötzlich neue Dschungel und Widersprüche auftauchen - 
Was D'Souza (und der Republikaner Trump?) wirklich vertritt



*Der VdZ meint, daß es auch an der Zeit für Europäer ist, die amerikanischen Verhältnisse besser zu kennen. Europa ist viel zu naiv, in vielem sogar wirklich zu gutgläubig. Es begreift deshalb nicht, welchen direkten Einfluß die transatlantischen Verhältnisse auf europäische Gesellschaften und europäische Politik haben, ja wie sehr Amerika Europa bereits in der Hand hat und mit ihm spielt, es wie eine Maschine bedient und manipuliert und sogar (durch Schaffen von Problemen) "zwingt". Unter diesem Blickwinkel betrachtet wirken die Geschehnisse in Europa in den letzten Jahren sogar wie das Ablaufen eines Planes, der auffällig rund ist, versucht man auch die USA selbst zu verstehen.





*130616*

Montag, 8. August 2016

Terror als Versuch, sich zu entschulden

Es ist ein sehr wichtiger Gedanke, Navid Kermani hat ihn irgendwo einmal ausgesprochen. Und er betrifft den Hintergrund so mancher "Terrorerscheinung" der Gegenwart. Die Zuwanderer erleben hier nämlich, daß nichts passiert. Sie sind hier, werden aber weder gebraucht, deshalb auch in kein soziales Umfeld eingebunden, und genau so wenig finden sie ein Betätigungsfeld. Sie kommen her und erleben sich hier unnotwendig wie ein Kropf, wie man in Österreich so sagt. 

Es passiert einfach "nichts" in ihrem Leben. Und diesem Nichts setzen sie ein "Etwas" entgegen. Fortgeführt vom VdZ - und begehen eine Straftat, die sie durch einen vorgegebenen islamistischen Hintergrund aufwerten, indem sie ihr universale Bedeutung drüberstülpen. Damit wird die Politik nicht von ihrer Verantwortung freigesprochen, im Gegenteil: An die Vernunft gemahnt. 

Denn in ein Europa einzuwandern, dazu gar einzuladen, das über 25 Millionen Arbeitslose selbst schon hat, das also überhaupt keine neuen Zuwanderer sinnvoll in Aufgaben, Gebrauchtheiten einbinden, "einarbeiten" kann, ist schlichtweg verrückt. Man wanderte dereinst nach Amerika aus, zu Millionen und Abermillionen, weil jeder wußte: Dort wird jede Hand gebraucht. Dort hat jeder Mensch tatsächlich die Möglichkeit, sich ein Leben und eine Zukunft zu schaffen. Und das ist der übliche und zugleich der einzig vernünftige Grund, in ein bestimmtes Land zu immigrieren: Wo man gebraucht wird, wo eine Aufgabe wartet. 

Welche Aufgabe haben aber die Millionen, die Europa seit vielen Jahren überschwemmen. Um dann noch zu erleben, daß sie die sozialen Systeme und Gemeinschaften ihrer Zielländer völlig überfordern, sogar abgelehnt werden? Ihr Leitbild war eine Integration in eine andere Lebensweise. Aber diese Lebensweise seht ihnen gar nicht offen. Nicht aus bösem Willen, sondern weil diese Lebensweise ohne Gebrauchtheit undenkbar ist. Das ist auch mit keinem Sozialprogramm oder einer Beschäftigungstherapie zu beheben! Sie kommen als Schmarotzer, genau so müssen sie sich auch erleben. Was muß da für Enttäuschungen bewirken! Nicht in Einzelfällen, sondern kollektiv bei Millionen!

Aber warum wandert man in einen Kontinent, in ein Land aus, von dem man mit an Gewißheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen kann, daß man dort - selbst mit sagen wir: guten Qualifikationen - einfach nicht gebraucht wird? Was macht eigentlich ein Gastgeber, der jemandem sagt, er solle zuwandern, ohne diesen aber zu brauchen? Auch die demographische Situation ist dabei nichts als Lüge, denn ohne Einbindung, ohne Gebrauchtheit ist auch eine fremde Jugend hier völlig sinnloses Opfer eines absurden Zahlenspiels ausgetrockneter Gehirne, die keine Ahnung von den realen und inneren Zusammenhängen eines sozialen Gefüges sondern nur mathematische Kalkulationen vor sich liegen haben, die seltsamerweise nie aufgehen.

Daran ändert auch die unfaßbar teure Versorgung, ja Überschwemmung der Zuwanderer mit Geld nichts. Wie hier schon oft geschrieben, ist das schwierigste Problem des Menschen nicht die begangene Schuld, sondern die Schuld, die man HAT. Sie setzt einen Mechanismus der Entschuldung in Gang- und dazu gehört auch, den Geber, den Kreditor, dem, dem man Dank schuldet, mit Schuld zu überhäufen, um sich zu rechtfertigen. 

Und dafür liefert ein sogenannter Islam (in gewisser Interpretation, denn, wie hier bereits gezeigt: aus sich heraus hat der Islam diese Schranke nicht. der Islam "neigt" nicht zur christlichen Interpretation, dieses Bild bietet er nur, wenn er auf ein sozial ruhiges Feld getroffen ist) einen perfekten Hintergrund (oder, und im selben Maß: linke Positionen). Denn mit ihm läßt sich diese psycho-soziale Notlage noch am allerbesten zu einer objektiv sinnvollen Tat - zu einem "Etwas" - "rechtfertigen". Die sie also entschulden. Denn die Schuld der Zuwandernden wird mit jedem Tag, der sie mit dem Füllhorn hiesiger Sozialleistungen überschüttet, immer größer. 

Nichts hilft dabei so sehr wie ein moralisches, religiöses Überlegenheitsgefühl, das eine soziale Reform auch des Ziellandes - nach ihren Vorstellungen - zum letzten Halt von Lebenssinn macht. Da bleibt nur noch Aggression, der Rückgriff auf Eigenschaften (durchaus körperlicher Art), in denen man sich den Hiesigen, den Kreditoren, überlegen weiß. Samt einer einhergehenden Forderung  nach Umbildung der Wertelandschaft des Ziellandes, der man nämlich nicht genügen kann, wie man täglich erlebt. Selbst wenn sie es "geschafft" haben, werden sie so gut wie sicher an der untersten Leistersprosse des sozialen Gefüges angelangt sein, und sich kaum darüber hinaus bewegen können.

Und das ist keine Bosheit der Gastgeber, sondern das liegt in der Natur der Sache. Als Postbote, Lagerarbeiter oder in Zureichdiensten am Bau. Zu mehr reicht es gar nicht. Und selbst das ist nur einem kleinen (!) Prozentsatz der Zuwanderer möglich. Der Rest erlebt, was er hier ist: unnötig.* Ganze Generationen wachsen so auf. Und es wandert genau jene Altergruppe zu. 80 % der Zuwanderer der letzten Jahre sind in der Altersgruppe "Junge Männer, 20-35 Jahre", die sowieso schon die größten Probleme (Spanien, Italien: 50 % Arbeitslose nur in dieser Gruppe) hat. Anders als in den Zuwanderungswellen der 1970er ff. ist diese Niederreihung aber nicht gewollt oder in kauf genommen. Diesmal ist es ein Schicksalsurteil. Wer mit Türken dieser Zuwanderungswelle spricht wird überrascht sein, wie ambitionslos diese sind und waren. Das ist heute ganz anders.

Deshalb die große Bereitschaft, die Ausreden der Linken und Geistesverwirrten zu akzeptieren: Daß die Zuwanderer ein "Anrecht" auf (gegenleistungslose) Vollversorgung etc. hätten. (Es sind deshalb in hohem Maß die Caritas-Stellen, die NGO-Büros, die die Flüchtlinge "über ihre sozialen Anrechte beraten", die den Terror DIREKT bewirken, das muß endlich einmal gesagt werden.)**

Es ist die Schuld, die das größte Problem des Menschen ist. Nichts treibt so sehr das Verhalten. Und das bei Menschen, die - angeblich - den Ehrbegriff so hoch stellen. Gibt es ein explosiveres Gemisch?




*Hier offenbar sich auch die ganze Bescheuertheit so vieler "christlicher" und sozialistischer Programme, die dann von "Gefühl von Gebrauchtheit vermitteln" und ähnlichem Schwachsinn faseln, also Selbsttäuschung anstreben, und den Wert der Realität gar nicht mehr kennen.

**Spätestens hier ist der Ort, von den Zusammenhängen linker Ideologie (die eigentliche eine Charakterdeformation, kein "Denken" ist) und Protestantismus zu sprechen. Denn gerade die Protestanten (und die protestantisierten Katholiken) sind in hohem Ausmaß "links". Genau dort nämlich, wo sie das Problem der "Rechtfertigung" haben. Das keineswegs eine "Schreibtischproblem" ist, sondern wie alle geistigen Fragen der Höhepunkt des Realismus darstellt. Die Protestanten lehnen jedes Zutun des Menschen zu seiner Rechtfertigung ab, sie lehnen die Verdienstlichkeit ab. Das hat sich auch nach bzw. bei der berühmten "Erklärung zru Rechfertigung"§ nicht geändert. 

Wenn der Papst davon spricht, daß es hier zu einer "Übereinstimmung" gekommen wäre, so hat er leider wieder einmal keine Ahnung, wovon er spricht. Eine "Übereinstimmung in der Rechtfertigungslehre" war diese gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung zwischen Protestanten (bei denen der Papst so salopp von "Kirche" spricht - na fragen Sie mal einen kundigen Protestanten, was er davon hält!) und der Kirche nie. Sie hat nur ein schmales Band an möglicher Übereinkunft in gewissen Formulierungen bestätigt, als kleinen Schritt gewissermaßen. Von gleicher Auffassung in der Gesamtsache kann KEINE REDE sein. 

Dem Protestanten ist (nach wie vor) keine eigene Rechtfertigung (und Verdienstlichkeit) möglich, er verdankt (vermeintlich) alles der Gnade. Das verschärft exakt auch das Migrations-Problem, und zeigt die Nähe zum Islam, unter anderem. Damit wird der Weg für Muslime sogar noch eingeschränkter, sich von Schuld zu befreien, der Druck noch größer, am eigenen Versagen andere schuldig zu sprechen, und Dankesschuld an konkrete Gesellschaften und Menschen abzulehnen. 

Das ist übrigens der Ethos, in dem heutige Generationen bereits zu Massen herangewachsen sind, die sich niemandem mehr verdanken (wollen). Wer Augen hat, der sehe! Denn die Lösung für eine Entschuldung ist damit nur noch Gewalt.





*070816*

Weder fremd noch gleich

Es gibt zwei Fehler in der Beurteilung fremder und ferner Kulturen und Menschen. Der eine ist, sie als völlig verschieden zu sehen. Und der andere, sie als völlig gleich zu sehen. Tatsache ist vielmehr, daß zwar alle Menschen eine gewisse allgemeine Erfahrungsschichte verbindet, daß das allgemein Menschliche also auch alle Menschen gleichermaßen kennzeichnet, aber dieses ist weitgehend unbewußt und muß es auch sein. Dem steht die syntagmatische Sinngebung durch die spezifische regionale, geographische, topographische, lebenswelt- und sogar rassisch bedingte Ausformung als Haltung gegenüber, in der sich eine gewisse Wertung und Gliederung ausdrückt, wie sie in der Sprache, also dem inneren Denken (als dynamisches Kräftegefüge innerer, seelischer Zuwendungs- und Gantheitsverhältnisse) jedes Volkes, jeder Sprache, jedes Menschen zur Gestalt kommt. Das bedeutet auch, daß je andere Bewußseinsinhalte auftreten, je nach dem, was in einer Kultur eben bewußt werden sollte oder mußte. Und  nur in diesem Bereich kann auch von Veränderlichkeit gesprochen werden, denn der Rest ist immanent. Erst wenn sich Bedeutungsakzente der Lebenswelt verändern, verändert sich allmählich auch das Weltbild, ist aber - etwa bei Zuwanderung, Migration - nie (obestenfalls über sehr sehr lange Fristen) dasselbe (weil sein Ausgangspunkt anders ist), als das der Einheimischen, der Landschaft "eingeborenen".

So bilden sie Kulturen und Stilformen des Lebens aus, die durchaus voneinander verschieden, ja in gewisser Hinsicht inkompatibel sind, weil sie die Welt mit anderen Sinngehalten und -gliederungen gestalten, die immer in einem Ganzen der Welthaltung verankert sind, das immer nach Stabilität sucht. Man kann also auch nicht einfach Kulturelemente herauslösen, neu assemblieren, oder einfach woanders integrieren.* Die Balance der jeweiligen menschlichen Systeme wäre sonst rasch gefährdet, denn in jedem Menschen findet sich diese eine Spitze, ob er darum weiß oder nicht: Die Einheit des Sinns.

Fremde Anschauungen fremder Kulturen relativieren also nicht unsere eigenen, und Kulturen heben sich nicht gegenseitig auf, sodaß sie auf sich selbst verzichten könnten. Sondern sie sind je anders bedingte syntagmatische Formen der Weltbegegnung. Die weder völlig voneinander verschieden - also nicht verstehbar - sind, noch ineinander im Verstehenwollen aufgehen.




*Hannah Arendt hat einmal darauf hingewiesen, daß jeder Mensch nur eine Muttersprache hat, und die ist unersetzbar für sein wirkliches, tiefes Ausdrücken. Jede Fremdsprache, so gut man sie beherrschen mag, bleibt einem nur über Allgemeinplätze und Simplifizierungen zugängig, und insofern verflacht auch die eigene Ausdrucksfähigkeit unausbleiblich, sobald man in einer Fremdsprache spricht oder schreibt. Man soll sich also von "guten Fremdsprachen kenntnissen" nicht täuschen lassen, in einer hohen Geläufigkeit liegt sogar eine Gefahr (des leichteren Plapperns).

So sehr sich Syntagmatik mit der Grammatik einer Sprache deckt, so deckt es sich nie vollständig (dann wäre eine Sprache tot) - das lebendig Auszudrückende ist also dem sprachlich Ausdrückbaren immer überlegen und voraus. Genau das aber ist nicht einfach übernehmbar oder veränderbar, sondern dem eigenen Weltauffassen gewissermaßen fleischlich immanent.  

Das ist umso wichtiger, als die Sprache weit mehr als sie "sagt" - verbirgt! Das Nicht Gesagte, das Zwischen den Zeilen oder Dahinter Stehende ist meist sogar das Ausdrucksstärkste, syntagmatisch stärkste Sinngebende, das wir haben. 

Das, was menschliches Verstehen ausmacht, was damit eine Verstehensgemeinschaft (wie eine Volk, eine Kultur etc.) ausmacht, ist primär ein vor-verbalisiertes "Dahinter", und es ist stets das eigentliche Verbindende unter Menschen.

Das heißt nicht, daß nicht alle Menschen letztlich von derselben Logik verbunden sind. Es heißt aber, daß jeder Mensch nur von einem - SEINEM - Standpunkt aus diese Logik syntagmatisch definieren, differenzieren kann. Und das bringt selbst bei nahen Kulturkreisen und Sprachen Unübersetzbarkeiten mit sich, weil es eine "allgemeine, neutrale, für alle gleichermaßen geltende menschliche Sprache" nicht gibt. Und wie in einem Paradox: NUR ÜBER SEINEN EIGENEN STANDPUNKT (als der je modellierten Individualform des Allgemeinen) kann er das allgemeine, überindividuelle eines Ausdrucks erfassen. 

Denn dieses Allgemeine, dieses Gemeinte, dieses "Ding an sich", auf das sich alle Kulturen etc. gleichermaßen ja beziehen (sagen wir: bei einer gleichzeitigen, am selben Ort stattfindenden Begegnung mit einem bestimmten Ding, das also in einer bestimmten Beziehungsqualität zu seiner Umwelt steht), wird NUR SO zugängig und bestimmbar, und ist über das Individuelle der einem immanenten syntagmatischen Modellierung hier ergreifbar, um dann dort in eine andere Sprache transformiert werden zu können, was aber nie völlig gleich möglich ist.





*220616*

Kurz und bündig - Einblick in US-Politik

Das kurze Video ist sehenswert, weil es diese seltsame Frontverwirrung zwischen "rechts und links" in den USA - verglichen mit Europa - begreifbar macht. Denn bis Roosevelts New Deal ab 1933 waren die amerikanischen Demokraten die Partei des Rassismus und der Sklavereibefürwortung. Der KuKluxKlan war - demokratisch! Und das war auch schon im Bürgerkrieg der Fall gewesen, in dem anfänglich nur die Republikaner des Nordens GEGEN die Sklaverei waren. Auch der Republikaner Lincoln, Ikone der Sklavenbefreiung, war ursprünglich keineswegs ein definierter Gegner der Sklaverei. Er wurde er erst, als er ihren realpolitischen und vor allem militärischen  Nutzen erkannte: Schwächung der Südstaaten. Und ab da galt er als "Befreier der Sklaven". Als Republikaner.

Bis zum Demokraten Roosevelt 1934 wählten 70 % der Schwarzen in Amerika deshalb republikanisch! Erst als Roosevelt ihnen definitive Vorteile versprach, wie Arbeitsplätze, soziale Fürsorge etc. etc., wählten sie demokratisch. Und blieben dann dabei. Für viele war es eine große Hürde, denn immerhin waren die Demokraten ihre angestammten Feinde, seit je.

Erst in den 1970er und 1980er begann die Gegenbewegung bei den Weißen, die seit hundert Jahren aus obbesagten Gründen (nennen wir sie: Rassismus etc.) demokratisch gewählt hatten, und nun auf die Republikaner umschwenkten.










*120616*

Sonntag, 7. August 2016

Wenn Frauen durchziehen

Auch der "flexible Charakter" ist eine sehr häufige und sehr spezifische Eigenschaft von Frauen (oder weibischen Männern), die an die große Macht wollen. Wir kennen das ja längst. Abby Martin zeigt in diesem Video die erstaunlichen inhaltlichen Hakenschläge, die Hillary Clinton in den letzten Jahren durchgeführt hat. Als sich die Notwendigkeiten der Propaganda eben änderten. Denn während sich Clinton als "Anwalt der Minderheiten" und Erfinderin der political correctness gebärdet, ist sie mit der finanziellen und medialen Macht im Land engstens verbündet. Dabei nützt sie äußerst geschickt die Besonderheiten der amerikanischen Wahlsysteme.

Waren die Clintons nicht zu Zeiten der Präsidentschaft von Bill (privat) pleite? Das hat sich jedenfalls wieder kräftig geändert. Die Frau tanzt ihm vor, wozu sie in der Lage ist.










*300716*

Vor den Vorhang! Ursache der Zweiten Weisheit (3)

Teil 3) Gott in der Welt - auf einer neuen Stufe




Wenn es einen Grund gibt, warum sich die Kirche derartig mächtig und prächtig entwickeln konnte dann lag der ja genau darin: In der Erfahrung einer Mächtigkeit im Leben! Im ganz eigenen Leben, durch reale Veränderungskraft - weil es hier um einen tatsächlich real anwesenden Gott geht, der im Kult real eingreift, real auch einen selbst gestaltet - "rhythmisiert", um es banal auszudrücken. Im Pharmakon des Kults, im Sakrament, in dem Gott selbst real eingreift.

Aber nun muß ich nach einer Wahrheit und Weisheit suchen, die ohne all das auskommt, was mit so einem Gott verbunden ist. Dann suche ich nach einer Weisheit, die mangels vorhandener Transzendenz das Heil nur noch in einem irdischen Glück sucht, dem ich durch "Werte" (an deren Ehrenhaftigkeit an sich ja niemand zweifeln kann: Liebe, Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft, Nicht-Diskriminierung, Anti-Rassismus, Gleichberechtigung, Weltrettung, Klimarettung, Umweltrettung ... es funktioniert auch ohne die Religion der political correctness, in Heimatliebe, Volksliebe, Familienliebe traditioneller Form, ja sogar mit Liturgie-Strenge als museale Starre, auch das ist möglich und gibt es ...) auch moralische, ja religiöse Höhe zuerkenne. Die wie in der political correctness längst die Form einer institutionalisierten Religion angenommen hat, mit Wertegerüsten zum einen, vor allem aber mit institutionalisierter Autorisierungsstruktur und damit identitätsstiftender, -verleihender Kraft - sie kann, was ein Gott kann)

Neu ist aber auch - wenigstens für so manchen - zu sehen, wie diese Depotenzierung Gottes in einer entstalteten Liturgie (dazu gehört auch eine willkürlich gestaltete, die schon deshalb keine Gotteserfahrung tragen kann - Willkür und Transzendenz schließen sich aus) eine ganze geistige Landschaft binnen einer Generation völlig umbauen kann, weil sie die Spannung zum logos abschafft, die zuvor noch immer viel zusammenhielt. Der man aber dann ihre Substanz entzogen hat. 

Die eine Kulturstimmung bewirkt hat, die in der heute jungen Generation endgültig eine geschlossene, vollendete, sich bereits abrundende Realität angenommen hat. Eine neue Stufe der Entwicklung, weil - eine gefestigte Stufe mit allen Absicherungsmechanismen, die eine Kulturstufe eben hat. Die Weisheit der heutigen "Weisen" - Jungen wie Älteren (es ist gerade die Generation um die 60, an der es ebenfalls so deutlich auffällt) - ist von völlig anderer Natur als die aller Vorfahren. Sie ist purer Pragmatismus und bedeutet einen Kulturbruch ungeheuren Ausmaßes.

Einer Generation, mit weit ausholenden Händen alles, und zwar wirklich alles begrüßt, was Macht und Wirklichkeit und Glück (als Heil) und Seligkeitserfahrung und Schuldvergebung und Moralität und Heiligkeit verspricht. Bei Gläubigen wie bei Heilsvermittlern, Propheten, Künstlern und Priestern. Samt Selbstperfektionierung in Nahrungsneurotik und natürlich, ja natürlich Gesundheit, sowie der nach Selbstentwurf gekofferten Kuschelmuschioperation. Ein Organismus, dem längst alles zur Allergie wurde, ihn selbst eingeschlossen, der mit Bekämpfungsmilitär auf alles reagiert, was dieser Perfektionierung nicht genügt, Raucher, Rechte, Riesenbäuche, Rinderfilets und Runkelnasen eingeschlossen, je nach Ausschlag eines wahnwitzigen Oszillographen.***

Eine Weltwelt, die tatsächlich ohne Gott auskommt, weil sie sich in neuartiger technischer Geschlossenheit und Lückenlosigkeit ... selbst als Welt erhalten kann, die sie sogar retten und heilmachen kann, und die ihre Teufel kennt, bekämpft, eliminiert, zumindest - besiegt.

Was wäre mehr wie Gott?




*Der VdZ hat es ja schon erzählt: Als er vor Jahren keine andere Sonntagsmesse besuchen konnte als die in einer bestimmten Stadtpfarrkirche, die sich durch besondere "Kreativität" in der Meßgestaltung auszeichnete, stahl er sich regelmäßig nach dem Schlußsegen über Seitengassen davon. Niemand sollte ihn sehen. Denn wer DAS erlebt hatte, konnte unmöglich noch glauben, daß wer daran teilnahm noch einen Funken von jenem Verstand hätte, den man dem VdZ doch sonst zuschrieb. Dem konnte man nicht vertrauen.

**Es kann nicht der geringste Zweifel daran bestehen, daß - würde man es einmal konkreter untersuchen - statistisch eine klare Korelation zwischen Gestaltungsgrad des Kultes und Teilnahmeintensität und -treue erkennbar ist. Ausnahmen, in denen "Halleluja-Tempel" mit besonders "kreativer Stunde" eine schon besonders hysterisierte Sondergruppe herangezüchtet hat, sind keineswegs Ausnahmen, sondern sogar Belege, weil dort eben Wirklichkeit gesucht, aber durch Simulation ersetzt wird. Umgekehrt freilich - neue Schichten zu traditionell gestaltetem Kult heranzuerziehen - ist es enorm schwierig geworden. Denn in der benannten Kulturstimmung ist für Gottes Wirklichkeit gar keine Wahrnehmungsbereitschaft mehr enthalten, denn sie erforderte eine Bereitschaft Spannung auszuhalten, die schwer fällt.  

***Natürlich muß das alles krachend einstürzen, und das tut es ja auch immer, aber man sieht es halt nie im Ganzen, weil das wäre nur dem Denken möglich. Also muß es äußere Feinde geben, Todfeinde, die das Paradies gefährden. Andersdenkende genauso, wie diese nichtsnutzige Mama, der man die wenig puffigen Hutznuckel samt Zellulite mit 24 verdankt, während man sich alles Gute selbst erarbeitet hat.




*100516*

Angst vor Abgrenzung weil "too big to fail"?

Es ist kein Zufall, daß der VdZ diese beiden Nachrichten direkt hintereinander zu Gesicht bekam. Denn sie sind aufeinander bezogen. Da ist einmal eine Stellungnahme des Erzbischofs von Triest, Giampaolo Crepaldi, worin er darauf hinweist, daß es zwar gut und lobenswert sei, wenn Menschen ihre jeweilige christ-katholische Berufung lebten, aber daß es nicht ausreiche, ja persönliche Zurückgezogenheit auf das eigene Leben gerne in die Versuchung gerät, sich um die weiteren, öffentlicheren Angelegenheiten nicht zu kümmern. 

Es genüge nicht, wenn Eheleute ihre Ehe und ihr Familienleben "gut" lebten, denn die Ehe hat eine soziale Dimension, ja sie kann ohne diese gar nicht gesehen werden - Öffentlichkeit und Privates bedingen sich in der Ehe! Der Vorrang der persönlichen Enscheidung ist ontologisch zu sehen, aber er bedeutet nicht, daß das eine ohne das andere real bestehen könnte. Also müssen Eheleute in "guten" katholischen Ehen auch bereit sein, die öffentliche Stellung der Ehe zu verteidigen, so unangenehme Konsequenzen das auch oft hat. Man kann nicht tatenlos zusehen, wenn die öffentliche Stellung der Ehe durch gesetzlich legitimierte eheähnliche Ersatzgemeinschaften relativiert wird, die sowohl im Bewußtsein der Gesellschaft wie auch per Gesetz einer Ehe quasi gleichgestellt werden. 

Bekenntnis zum Richtigen auf der einen Seite also, demonstratives, engagiertes Auftreten gegen Verfehlungen auf der anderen - das sind also zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Dies führt zu dem sehr guten, sehr wichtigen Dokument des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, das in den ersten Juniwochen mit päpstlicher Approbation veröffentlicht wurde. Darin geht er auf das Verhältnis von charismatischen Gemeinschaften, ja überhaupt der Charismen zur Kirche und den Sakramenten ein. Und er sagt darin sehr viel Richtiges, Gutes, das wirklich aufmerksames Lesen lohnt. Denn eigentlich steht alles drin, und eigentlich reichte es sogar, auf das traditionelle Verständnis von Charismen hinzuweisen.

Aber was der Kardinal in den Augen des VdZ zu wenig macht ist, daß er direkter auf die Realität in den charismatischen Bewegungen eingeht, auch wenn er im Zuge der Veröffentlichung des Dokuments davon sprach, daß diese oft noch einer gewissen "Reinigung" bedürften. Müller macht die wesentliche Abgrenzung im Dokument selbst aber etwas zu wenig deutlich. 

Denn wenn er völlig richtig sagt, daß die individuellen Charismen als Gnadengaben des Heiligen Geistes auf die Sakramente, auf die Kirche selbst hingerichtet sein müssen, ja sich überhaupt erst dadurch ausfalten und erfüllen - nicht zuletzt durch die jeder Gnadengabe unerläßlich notwendige Demut des Gehorsams, der konkret der Kirche gegenüber geschuldet sein muß, weil die Kirche ja inkarniertes Heilsinstrument, das Neue Volk Gottes ist, Gott also keine "Separatkirche" mit seinen "Gnadengaben" gründet, das wäre völlig widersinnig - so sagt er zu wenig darüber, daß sich dieses Verständnis der Charismen, das sich auf die gesamte Kirchentradition berufen kann, mit der Weise schlägt, wie Charismen in der Praxis dieser charismatischen Bewegungen gesehen und "entfaltet" werden.

Denn dort stehen sie allen verbalen Bekenntnissen zum Trotz tatsächlich wie eine "Separatkirche" da. Es wurde nachgerade das Erkennungsmerkmal der charismatischen Bewegungen, Separatformen der Frömmigkeit und des Glaubenslebens zu entwickeln. Ja, gerade diese werden in der Regel sogar als Merkmal von Charisma angesehen! Sie werden für sich gestellt, und nicht wie eine Vertiefung der bestehenden Leiblichkeit der Kirche betrachtet. 

Eine Leiblichkeit, die sich in der Liturgie und im ganzen Zug der Kirche durch den Jahreskreis (als Welt) ausdrückt. Und nirgendwo sonst! Es ist deshalb ein fatales und verräterisches Indiz für geistige Verstiegenheit und Hochmut sogar - und das ist nach den persönlichen (und nicht nebensächlich erfolgten) Erfahrungen mit den charismatischen Bewegungen geradezu ihr Fundament - daß sich diese durch die "Erfingung neuer liturgischer Formen", die die alten, hergebrachten überlagern und sogar verdrängen (bis auf einen gewissermaßen skeletierten Rest, dem einzigen Hinweis auf die Hinordnung auf die Kirche selbst). Denn hier werden Charismen, geistige Gaben, zu "Dingen für sich", werden für sich gesehen und "extra" gestellt. Und werden in den allermeisten Fällen sogar als Berechtigung für Ungehorsam gesehen.

Aber wie Müller eben schreibt: Eine "für sich gestellte" Gnadengabe GIBT ES NICHT. Sie kann nur in ihrem Bezug auf das offizielle und offiziöse Glaubens- und liturgische Leben der konkreten, verorteten Kirche im Umfeld des Gläubigen gesehen werden.  Und diese Vollzüge sind auch die reale Quelle der Charismen. Nicht für sich gestellte dogmatisch-abstrakte Aussagen, die in Äquivokation (also: nomineller Übereinstimmung von Aussage, die aber auf ganz andere Ebene gestellt, in den allermeisten Fällen eben versimpelt und verdinglicht werden) oft völlig mißverstanden werden. 

Wer charismatische Bewegungen im Alltag erlebt, erlebt deshalb so gut wie immer eine ganz gezielte, bewußte Formenveränderung, die einer Neuschaffung entspricht: Neue Lieder, neue Gebräuche in den Liturgien, neue Gebetsformen (gemäß dem Charakter dieser erwähnten Zusammenhänge von ausgesuchter Banalität, Primitivität und sogar Barbarität, die eine ausgesuchte Verachtung der Tradition und Tiefe der oft über viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende gewachsenen Formen zeigt) die allesamt aus einem gar nie für sich zu sehenden Gnadengut einen formschöpferischen (und entsprechen formschwachen - Charismatik heißt so gut wie immer, ja ist ihr Merkmal: subjektivistische Formsuche aus "gefühlten Bewegtheiten") 

Ja, man muß gerade nach Müllers wichtiger (und sogar schon viel zu spät von Rom gegebener) Schrift sogar sagen: Was ist denn ein Charisma "für sich betrachtet" überhaupt, wenn nicht ausgehend von einer konkreten Stellung im hierarchischen Gefüge dieser societas perfecta, der Kirche, eine Gnadengabe, die zur Ausfüllung eben dieser Stelle in der Ordnung der Welt befähigen und beflügeln soll? Diese Stelle im gigantischen, unendlichen Netzwerk der Vorsehung ist es, auf die sich Charismen beziehen. Nicht sie sind deshalb "zuerst da", um dann ihnen gemäß zu überlegen, was damit anzufangen wäre, sondern erst ist die Stelle da weil DAMIT die Sendung, und DANN das besondere Wirken des Heiligen Geistes, der an dieser Stelle deren Innehaber begeistert und beflügelt, auf daß die Kirche als Ganze - als die sie ein nie genug zu bewunderndes Mosaik der Welt ist, und das ist sie ja: Kirche ist Neue Welt - immer vollkommener werde. 

Damit fällt die Charismatik direkt mit dem heutigen Gerede von "Talenten" zusammen, die in der Regel genau gleich gesehen werden. Hinter dieser Auffassung aber steht eine neue und materialistische Anthropologie, die gemäß dem Materialismus davon ausgeht, daß sich ein Ganzes aus den Teilen aufrichtet. Und das ist nicht nur theologisch falsch (auch wenn es sich auf eine Weise theologisch so ausdrücken läßt, aber das tut es nur in richter Weise vor einem viel umfassenderen Hintergrund, keine Aussage der Theologie kann einfach "für sich gestellt" werden, sondern alles hängt mit allem zusammen), sondern das ist auch als Aussage über die reale Welt, es ist also auch in einer rein naturwissenschaftlich-empirisch, immanent-mechanistisch verstandenen Welt falsch und ein Irrweg der Wissenschaft. 

Erst ist der logos, erst ist die im ohnendlichen, alles menschliche Wissen kategorial übersteigendes Wissen Gottes verankerte wie von dort (über den Akt der Liebe des Hervorbringes, also: in einem Akt den Sein bedeutet) hervorgehende Ordnung der Welt. Die in der Kirche in diese göttliche Dimension der Vorsehung als Sakrament (an dem die Taufe teilnehmen läßt) hineingehoben wurde. Aus diesem Geflecht der Ordnung ergeben sich die Individualisierungen - als jeweilige Wesensbestimmtheit, als logos also. Der nicht nur das eigentlich zu Erkennende an der Welt ist (denn das Individuelle ist immer Geheimnis), sondern jeder konkreten Gestalt einerseits vorausgeht, anderseits in gewisser Wechselwirkung mit ihrem faktischen Selbstvollzug steht.*

Denn "Gott ist ideal - aber er ist kein Idealist." Deshalb sind alle Dinge ideal, als auf diese Idee ausgerichtet, die eine Beziehungsidee ist, eine Beziehungsdynamik, und daraus ergibt sich das Wesen aller Dinge, also auch eines konkreten Menschen (bei dem der Akt der Freiheit dazukommt, ohne daß dies heißen kann: Willkür), und daraus ergibt ich die Spannung zu diesem logos als eigentlicher Ort der Selbstwerdung - gleichfalls als Akt und als Akt des Freiheitsvollzuges. Aber sie sind es nicht in der Weise, daß sie "über der Welt - und über der Kirche" schweben, wie Müller es so gut darstellt. Charismatik ist keine Parallelkirche. 

Und der Mensch mit Charismen (und Talenten) ist kein für sich stehender Talent- und Charismenverwirklicher, sondern Mensch an konkretem Ort, der es ist, der seine Aufgabe vorgibt und täglich neu definiert. So, wie im Irdischen also die Identität den Talenten vorausgeht, sie erst konkret werden läßt, so geht auch in der Kirche den Gaben des Heiligen Geistes eine konkrete Aufgabe weil ein konkreter Ort voraus. Charismen - wie Talente - so überzubetonen, wie es heute geschieht, ist deshalb auch gegen die spirituelle Tradition der Kirche gerichtet, die aus gutem Grund (der sogar mit dem Wirken des Heiligen Geistes zu tun hat, ja dessen Voraussetzung ist) eher im bescheidenen Dasein seiner Träger verborgen wurden, statt betont.

Die Frage muß also weiter geogen werden. Weil anhand der realen Gestalt, die die charismatishen Bewegungen zeigen, nicht eher davon ausgegangen werden muß, daß sie in Wirklichkeit das echte Wirken des Heiligen Geistes aus ihren prinzipiellen Motiven heraus VERHINDERN - und genau aus dem Grund so in den Vordergrund stellen, um sich den eigentlichen Weg, afu dem der Heilige Geist wirkt, elegant zu ersparen. Weil man in dieser Herausgenommenheit der Gnadengaben - die somit die Grenzen zur narzißtischen, hochmütigen Simulation verschwimmen lassen - den Beweis für ein Glaubensleben zu liefern meint, das in Wahrheit zur ausgedörrten Wüste psychogener Selbstberauschung wird. Worin sich die Herkunft der Charismatik aus dem protestantischen Raum definitiv zeigt - ja man könnte die Charismatik als Katholizismus definieren, der versucht über den Protestantismus zu existieren.

Hier schließt sich also der Kreis zur Aussage des Triester Erzbischofs sogar auf doppelte Weise. Zum einen weil es nottut, über die Stärkung der positiven Gnadenlehre hinaus auch gegen keineswegs nur im Einzelfall auftretende Probleme vorzugehen, sondern ihre Grundsätzlichkeit zu sehen, die einem Wildwuchs entgegenzustellen wäre, der seit Jahrzehnten schwersten Schaden anrichtet und durch so manche Versuche, ihn "katholisch zu taufen", diesen Schaden perenniert und noch tiefer eindringen läßt. 

Und zum anderen weil auch die Stellungnahme Kardinal Müllers die Sorge nicht geringer macht, ob sich die Kirche realpolitisch nicht auf eine Weise aus der Welt in eine Separatkirche katapultiert hat und katapultiert, und sich damit sogar zufrieden gibt, die dem im natürlichen Menschen- und Geschöpfwesen bereits begründeten Katholischsein überhaupt nicht entspricht und nichts ist als Symptomatik eines weltweit verheerenden Zeitgeistes, der sich auch in allen natürlichen Denk- und Handlungsweisen zum Ausdruck bringt. Weil es Kirche und Welt zu Separatsphären auseinanderreißt, als könnte eines ohne das andere gesehen und begriffen werden. Und sich selbst schon mit Äquivokation zufriedenzugeben, wie sie der Titel ausdrückt: "Iuvenescit Ecclesia", aber im Bezug auf die charismatischen Gemeinschaften mit weit mehr kritischer Distanz gesehen werden müßte, als es geschieht. Sodaß man fragen muß ob es reicht zu meinen, man könne sie mit der Zeit wieder substanzschwerer machen, indem man ihnen wie einem Siechen das Medikament der wahren Täufung nach und nach einträuft, während die Praxis eine Faktenwucht schafft, die auch diese behutsame Strategie bereits als Angstsymptom erscheinen lassen könnte, weil man fürchtet, daß die Auswüchse der Charismatik bereits jetzt "too big to fail" wurden.




*Sehr richtig setzt Xavier Zubiri, dessen ganze Philosophie auf dieser Frage aufruht, logos mit "dynamischem Beziehungsfeld" und "Wesen" gleich. Denn wir erkennen eben das Wesen, das ist das "Bild" der Idee Gottes, das sich in der analog trinitarischen Wesensbeschaffenheit als (in Gott ontisch indefinit-unendlich begründete) Beziehugnsdynamik jedes Einzeldings - und Welt ist nur DURCH und IN Individuellem, das ist die Matrix der Realität - und sohin hält die Welt Wesenserkenntnis hier, Geheimnisoffenheit dort in Bestand.



*150616* 

Samstag, 6. August 2016

Was aber, wenn Erdogan recht hat? (2)

Teil 2) Erdogan ist aber ein Orientale. 
Und daran ist nicht einfach etwas Schlechtes.
Wäre da nicht ein Kulturgefälle.





Erdogan ist nicht unbedingt ein nach europäischen Mustern gestrickter Mensch. Er ist vermutlich nicht einmal sehr intelligent. Was so aussieht ist vermutlich einfache Schläue eines Straßenjungen, der viel kennt und gelernt hat, daß man lieber zweimal zu früh zuschlägt als einmal einzustecken, in die wir Europäer, weil wir von uns ausgehen, Vernunft und Absicht und exakt überlegte Strategie hineininterpretieren. Aus diesem Milieu stammt er ja. Und daß er nach europäischem Mainstream - nach europäischem! - einen gewissen Charakterdefekt hat steht außer Streit. Der VdZ glaubt nicht, daß Erdogan ein großer Stratege ist. Nicht aus dem Beobachteten, nicht aus so vielen anderen Gründen, für die auch schriftliche Zeugnisse (Biographien) Belege liefern, wenn man sie zu deuten versteht. Gründe, Einzelmotive, denen er treu ist, Teilabsichten denen er strikt folgt, ja. Aber das ist keine Strategie.

Aber verhält er sich nicht einfach wie ein Orientale?  Europäisch ist kein Orientale, und er ist es nie gewesen. Das stellen sich nur die Dorfschwabbler mit Großstadt-Outfit vor, zu welchen so viele Europäer geworden sind, die sich gar nicht vorstellen können, daß es jemanden gibt, der Dinge tut und denkt, die eben ein Europäer nicht tun würde und auch nicht zu denken vermag, und trotzdem kein Problem damit hat weil sich sein Ehrgefühl ganz anders auspolt. 

Der Orientale ist nach allen Zeugnissen und Erfahrungen seit je kein strikt-logischer, philosophischer Mensch, wie der Deutsche, der Europäer. Er kann mit europäischer Distanziertheit und Objektivität nichts anfangen, sie ist ihm schon menschlich unsympathisch, und liebt wesenloses Theater.

Darum gibt es dort auch kein Theater im eigentlichen Sinn. Eine solche Anstalt würde sowieso niemand ernstnehmen - der Orientale sucht nicht die alles tragende Wirklichkeit, wie der Europäer, diese geht im "Kismet" unter, der Beliebigkeit Gottes, der nicht "Vernunft selbst" ist. Das ist nur etwas für europäisierte, entislamisierte Atatürk-Rationalisten. Und, in gewissem Rahmen - für Sufisten, wie letztlich Gülen. Gülens Lehren versuchen diese Verbindung von Vernunft und Offenbarung. Also hat auch das Wort dort eine andere Bedeutung. Gülen vertritt eine Art Synthese von Atatürks europäisch aufgefaßter Modernität samt deren Nationalismus - und dem Islam.

Deshalb hat er ein anderes (wobei: keineswegs völlig unnachvollziehbares, für einen strengen deutschen Menschen sogar tatsächlich als abzulehnen qualifiziertes) Verhältnis zum Wort, zur Sprache, zum Versprechen, zur Logik, und damit zum Denken. Einem vernunftlosen Gott kann Logik niemals entsprechen, sie ist deshalb auch kein Weg zu ihm.

Deshalb steht seine Identität ständig am Prüfwasser; denn Identität braucht Erinnerung, Wirklichkeit, also Urteil, also strenge Begrifflichkeit. Er kann morgen tun, was er heute ablehnt, und übermorgen wieder umgekehrt. Das ist ihm keineswegs "Charakterschwäche" wie dem Europäer, sondern Klugheit. Welt bleibt damit Traum. (Möglicherweise ist das der tiefere Grund des Konflikts mit den Kurden, die soweit der VdZ damit Erfahrung gemacht hat (und die hat er) anders, sogar "europäischer" sind, und den Türken sogar vorwerfen, gar keine Kultur zu haben.) Selbst der Islam als Religion zeigt diese Charakteristik. 

Weshalb auch alle Versuche, ihn als "christentums-kompatibel" darzulegen, ihn europäisieren zu wollen, schlicht und ergreifend Ausflüsse von Intelligenzschwäche sind, sonst gar nichts. Mehr als einen allfälligen momentanen Teilnutzen wird der Orientale nie in Europa und seiner Kultur sehen, und nur so weit wird er ihr auch folgen. Das heißt noch dazu nicht einmal, daß sich beide Kulturen auf Augenhöhe begegnen, das tun sie nämlich nicht. Das tun nicht einmal die Kulturen der Völker in diesem geographischen Raum untereinander. Einige ist anderen weit überlegen, wie das eben ist auf der Welt. Welche welcher möge sich der Leser aber selbst zusammenreimen. Es hat aber in einem Ausmaß mit der Sprache - und damit der Sprache der Heiligen Bücher - zu tun, daß der VdZ es nicht mehr wagt, diesen Gedanken hier weiterzuführen.

Denn darin liegt der Schlüssel zu dem so oft beklagten Umstand, daß islamische Völker praktisch keine eigene Kulturentwicklung kennen, alle Entwicklungen anderen Kulturen entstammenden, lediglich genutzten Umständen verdanken. Atatürk dürfte das immerhin gesehen und deshalb (!) eine Sprachreform - weg vom jede Entwicklung verhindernden, ja man muß fast sagen: absurden (Atatürk nannte es "stinkenden Leichnam") Arabischen, hin zu einem neuen, entarabisierten, latinisierten (und damit latinistisch-logisierten) Türkisch* - als Schlüssel zu einer Entwicklung erkannt haben.

Also haben sich einfach in der Türkei zwei gefunden - ein zentralistisch-totalitärer Erdogan, und ein Volk, das mehrheitlich (und zu dieser Mehrheit gehören auch die meisten rechten, nationalistischen Bewegungen, selbst wenn sie nicht direkt Erdogan-Anhänger sind; die könnte jeder nationalistische Politiker hinter sich sammeln, also auch ein Gülen) genau so einen Herrscher möchte und braucht. Auf das Erdogan paßt wie die Faust aufs Auge.

Mit europäischen Maßstäben sind die Türken nie zu messen gewesen. Denn die Türken bzw. die Völker der Türkei sind eben kein europäisches Volk. Die Türken selbst, die dann die heutige Türkei eroberten und formten, kamen sogar relativ spät - ab dem 11., 12. Jhd. - aus Asien, und füllten unter dem Fürstengeschlecht der Osmanen das Machtvakuum, das die Byzantiner (nach ihren Niederlagen gegen die Seldschuken, wie die bei Manzikert) nach Arabien auch hier hinterließen.

Europäisch sind sie nie gewesen und nie geworden. Daran ist sogar Atatürk gescheitert: auch seine Pläne, die Türken europäisieren zu wollen, sind in Wahrheit nie aufgegangen. Seine Hinterlassenschaft ist ein gewisser Anteil an "modernen" Türken, die regelrecht ihren eigenen Wurzeln entsagt haben (das ging bei Atatürk bis zu Latinisierung und Reform der Sprache), und nun ein tatsächlich gespaltenes Land sichtbar machen, weil sie in die "alte" Türkei, die eine deutliche Mehrheit vor allem im einfachen Volk hat, nicht paßt. Hier existieren tatsächlich zwei Gesellschaften, die Kurden oder Armenier sind dagegen noch ein bewältigbareres Problem.

Das beweist die heutige Türkei endgültig. In der diese Bestrebungen über all die fast 100 Jahre ihres Bestehens in der heutigen Form nie geruht haben, wirklich nie griffen, das Alte aber immer latent blieb, und nur durch starkes Militär und Ordnungsmächte unterdrückt werden konnte. Das ergibt Mentalitäts-Unterschiede, die auch eine christlich-abendländische Politik einfach als "Andersheit" hinnehmen sollte, wo soll das Problem liegen? Europa hat im Gegensatz zu den Amerikanern keineswegs Ziel und Aufgabe, die Welt - oder die Türkei - zu retten. Es hat deshalb die Möglichkeit, sich jene politischen Linien mit außereuropäischen Partner auszusuchen, in denen Interessen zur Deckung kommen.

Aber schon Otto von Habsburg hat völlig richtig festgestellt: Europa liebt die Türkei. Aber diese gehört nicht zu Europa. Die Türkei hat eine andere Sendung ein einem anderen geographischen Raum. Kehren wir hier zum Anfang zurück.

 Nur eine These

Na klar: was und wenn und wenn nicht ... Näheres weiß man nicht vom Putschversuch in der Türkei. Alles bleibt Spekulation. Als Versuch, zu verstehen, Hintergründe hinter Geschehnissen zu verstehen. Denn sie sind es, auf die es letztlich ankommt, will man eigenes Handeln vernünftig gestalten. Und wir Europäer sind ja betroffen, involviert. Man weiß ja auch von der landläufigen Lesart (samt einem Watschenmann vom Dienst - Erdogan) nicht viel Verläßlicheres. Sie ist nicht weniger auf Mutmaßungen angewiesen ist. 

Also muß es auch erlaubt sein zu fragen, ob es nicht klare Interessen gewisser global agierender Mächte geben könnte, die Türkei in der heutigen Form zu destabilisieren. Durch ein Benützen der völlig richtigen, natürlichen Ressentiments der Europäer gegen die vielen Millionen Türken, die Europa bereits als Parallelgesellschaften durchlöchern, durch inszenierte oder geförderte Terroranschläge direkt in der Türkei, oder wie jüngst vielleicht gar durch ganz leicht angestoßene Putschversuche gegen ihre Regierung. Die diesen Interessen vielleicht nicht immer so dienlich ist, wie es jenen Mächten genehm wäre. Und sei es, weil sie orientalisch ist.




*Das Türkische als Sprache gehört den Altaisprachen zu, wie das Mongolische oder das Sibirische, in ganz weitem Sinne (weil historisch-linguistisch bereits enorm entfernt) auch das Ungarische und Lappisch-Finnische als ural-altaische Sprachengruppe, in die das Koreanische und Japanische, aber auch das Eskimoische fallen. Altaisch heißt mit Sprachcharakteristiken, die (wie u. a. P. W. Schmidts linguistische Untersuchungen belegen) den vaterrechtlich organisierten Nomaden-Viehzüchter-Völkern eigen sind. Grammatik einer Sprache ist ja immerhin der direkteste Ausdruck eines  Weltbefindens, sodaß man sehr gut sagen kann, daß gleiche Sprache auch gleiche seelische Stimmung - also Kulturdisposition - bedeutet. Die Türken sind der westlichste Ausläufer dieses breiten, asiatischen Kulturbandes, das im Osten bzw. dessen Süden bis zu den Chinesen reicht.




*020816*

Vor den Vorhang! Ursache der Zweiten Weisheit (2)

Teil 2) Wer soll an einen wirkungslosen Gott glauben?




Die Jugend verweigert ohnehin längst. Denn Kinder und Jugendliche sind bekanntermaßen beinhart in einem Realismus, den man als Erwachsener gut beobachten (wenn auch nicht einfach direkt als relevant betrachten) sollte. Wer mit heutigen jungen Menschen spricht, wer deren völlige Ignoranz feststellt, die nicht einmal mehr in ablehnender Haltung besteht, sondern denen die Kirche einfach gleichgültig ist, und zwar wirklich gleichgültig, macht sich da keine Illusionen. Und der VdZ kann alleine auf zahlreiche persönliche Begegnungen hinweisen, in dem ihm junge Menschen aus ihrer Erfahrung als Kinder und Jugendliche IN DER KIRCHE genau das gesagt haben - sie halten die Kirche nicht für relevant, und zwar auch und gerade in religiösen Angelegenheiten. Die haben auch nicht unbedingt "gegen" die Kirche. Sie interesseert sie einfach nicht. 

Und sie wüßten auch nicht, warum sie sie interessieren sollte. Irgendwelche noch vorhandene "irgendwie religiöse Bedürfnisse", als Bezug zu einem doch geheimnisvoll Geahntem, nein, sogar Gewußten oder Ersehnten "irgendwas-Gott" (Energie, Kraft, Höheres Wesen, wie auch immer das genannt wird) werden reichsens bedient. Angebote warten um jede Ecke, und sie sind anerkannt, veräßlich, verfügbar und wohlfeil. Man kann, ja man muß wohl auch darin ein Indiz für die hier aufgestellte These finden.

Bei Erwachsenen ist es nicht anders, und wie gesagt: Genau bei jenen Erwachsenen, denen noch ein höherer Grad an gesundem Hausverstand und Vernünftigkeit zugeschrieben werden kann. Es sind die Freien Stände vor allem, die Menschen mit klarem Kopf, die Realisten, die er Kirche in Scharen davongelaufen sind, es sind die die in tiefer Vernunftbezogenheit aus Realitätssinn sagen: Da muß ich ja einen Vogel haben ...**

Und damit hat auch die Wahrheit selbst keine Funktion mehr. Sie wird und wurde als impotent erfahren. Man beginnt das klare Denken abzulehnen, es für welt-irrelevant zu halten, es als lebensfeindlichen Störfaktor zu sehen. Und um die allgemeine Fähigkeit zu denken ist es heute katastrophal bestellt.

Stattdessen hat - schon lange vorbereitet, nun immer offener zutage tretend, von einer Renaissance gewisser Hollywood-Unterhaltungsprodukte einer "neuen Glücklichkeit der Bescheidung und willkürlicher, einfach nur noch gefühliger Familialität freier Entscheidung" begleiteter -  eine außerordentlich pragmatische, einfach alles faktisch Brauchbare einbindende Weisheitsrede eingesetzt, über die hier schon mehrfach geschrieben wurde. Ein Ersatzdenken, das den Vorteil hat, so brauchbar zu sein, weil es keine strengen denkerischen Grenzen kennt, an die es sich zu halten gäbe.

Neu ist das hier Angerissene nicht unbedingt. Neu ist nur, die Zusammenhänge zur sogar globalen Kulturstimmung herzustellen,die sich anderswo ja schon viel länger aus einem zerstörten Kult speist (man denke nur an die protestantischen Strömungen und Kirchen). 

Neu ist, die Ursache für das praktische Verdunsten von Gott aus dem Denken der Menschen, sein Verschwinden als Faktor des Geistes in der allgemeinen, im alltäglichen Leben stattfindenden Suche nach Glück, sein Ersetzen durch Erlebensqualitäten, neu ist also, daß die Ursache dafür in einem der Liturgieentstaltung seit den frühen 1970ern zu suchen ist. Nach deren praktischer Durchsetzung mit ihren faktischen Ergebnissen sich die Rolle der Kirche im Leben der Menschen exponentiell aufzulösen begann. Und aus diesem Erleben heraus hat sich die geistige Landschaft der Menschen - als Zurückweisen des logos, in neuer Schuldbewältigungsstrategie - komplett, nein sogar fundamental umgebaut. 

Denn wenn es heißt, daß Kultur im Kult gründet, so ist das ja keine frömmelnde These, sondern ein aus der Praxis sich ergebender, realer Zusammenhang. Lex orandi - lex credendi. So, wie der Mensch betet, so glaubt und damit denkt er. Denn allem Denken geht ein Glaube voraus.

Aber wer bitte sollte an einen Gott, der überhaupt nicht mehr wirksam ist, der im Kult gar nicht mehr erlebbar, erfahrbar ist ("Die Kirche spielt sich die Häuser leer," meinte ein keineswegs dummer und schlechter oder kirchenferner Regisseur einmal zum VdZ, und er meinte GENAU diese Erfahrbarkeit), wer also bitte sollte mit so einem Gott in seinem Leben real rechnen? Ja, ist denn nicht der Begriff Gott mit Macht und Wirklichkeit und Wirksamkeit unlösbar verbunden? Wenn also dieser von der Kirche verkündete und behauptete Gott eigentlich nur noch eine hysterische Behauptung ist, hinter der nur für den Realität steht, der eigentlich schon längst keine Realität mehr zur Kenntnis nimmt, dann kann das gar kein Gott sein.


Morgen Teil 3) Gott in der Welt - auf einer neuen Stufe





*100516*