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Freitag, 13. November 2020

Die Folgen sind furchtbar (4)

 Teil 4)


Dieses Ausstrecken auf den Platz innerhalb dieses Ortes (Ehe) ist es dann, das Mannsein oder Frausein ausmacht. Völlig unabhängig vom Grad der Aktualisierung, der Verwirklichung, der Weltwerdung. Und darauf muß sich dann auch das Lieben (das im Wesentlichen ein Entschluß, ein Wollen ist) beziehen. 

Wenn aber Mann und Frau (wie hier vor allem, siehe oben) sich als Menschen sehen, deren Existieren vor allem eine Aufgabe des "Liebens" ist, dann fehlt der Liebe das Zu-Liebende. Es fehlt die konkrete Materia, die durch die Liebe erst ins Wohlwollen gebettet wird, die sich wiederum auf die Seinsvervollkommnung (als Seiendes, als Weltliches sozusagen, also als praktischer, faktischer Mann bzw. als Frau) auswirkt, um die es dann (in der Ehe) geht. Die Ehe ist nämlich der archetypische Raum der konkreten Vervollkommung der Schöpfung. 

Die somit aus dem Ewigen heraus (aus der Idee heraus) das faktische Dasein immer wieder neu mit dem Frischen der Ursprünglichkeit und des Willens Gottes (die in der Idee beschlossen ist) durchwirkt und tränkt. Sodaß in einer ständig als Tagesaufgabe neu zu Wollenden (=Liebe) das jeweilige Existieren als und in den Geschlechtern ein kleines Stückchen weiter vollkommen in der Realisierung wird. 

Das Übel wird noch größer, wenn nicht nur die "Liebe", sondern auch die "Sexualität" herausgenommen und für sich gestellt werden. Die es dann zu vollziehen gäbe, und zwar ohne Bezug, ja ohne den obersten Punkt, dieses Verhängtsein in die gesellschaftliche, soziale Stellung und den Stand. Was auch Beruf heißt, der der Frau (im konkreten Fall) alles an Identitätsmerkmalen liefert, dessen sie bedarf.
Also im gesellschaftlichen Auftreten, meinetwegen, oder auch im Sinn und Wesen der Kinder, die nicht ausgeschlossen werden dürfen, die aber das sind, auf das die Sexualität wesenhaft abzielt. 

Weshalb es auch keine "natürliche Empfängnisverhütung" oder "-planung" gibt. Beide sind immer ein grober Verstoß gegen das Wesen der Ehe. Und was das bedeutet ist wohl nicht vielen klar: Ein Verstoß gegen das Wesen der Ehe ist eine Selbstschädigung der Betroffenen. Und zwar ganz konkret! 

Nicht zuletzt äußert sich das in (körperlicher, geistiger, psychischer) Krankheit (wie sie die fehlende Identitätsdefinition ALS Mann oder Frau ebenfalls ist).

Deren Wesen in dem Maß nicht mehr verstanden wurde, als man Krankheit ... für sich stellte, zu einem "Ding für sich" machte. Die man angeblich auch isoliert, als herausgenommene Ablaufstörung einer Funktion, behandeln könne. 

So wie man den Scheibenwischermotor beim Auto auswechselt, ohne daß das Auto wesentlich gestört wäre. Und warum hat man aufgehört, das so zu sehen? Der VdZ behauptet klipp und klar: Ab dem Moment, wo die eigene Lebensführung sündhaft wurde, man also die Folgen des Wesens- und Naturverstoßes, und das ist ja Sünde, kaschieren, die Sünde verbergen und ableugnen wollte, weil man die Sünde liebte.

Dies alles, also das Wesentliche an der Polarität von Mann und Frau, wird heute auf kaum faßlich umfassende Weise und auf allen Ebenen durch den Lebensvollzug verfehlt. Indem die Entwicklung beider - sogar mit dem frischen Schwung durch ein Mißverständnis innerhalb des Katholischen! - in einer Ehe auf das Individuelle bezogen bleibt. Das jeder vorausgehenden Bestimmtheit enthoben wird. 

Das betrifft sämtliche Begriffe wie Liebe, das betrifft sogar die Definition der Polarität von Mann und Frau als "biologische Tatsachen" (die nur hinweisend verstanden werden können, Evidenz ist nie begründend). Und das betrifft den Imperativ zur "Verwirklichung" durch für sich stehende "Begabungen und Talente". Ein nächster grober Unsinn der Leistungsbezogenheit als nachträglich erfolgende "Seins- und Identitätsstiftung" ist, der so viel Verwirrung stiftet.

Man kann es somit auch von einer anderen Warte her sehen: Der Beginn aller Dinge als Anruf zur Existenz wie das im Dasein Durchtragende, damit also auch Beginn wie Gewähr der Kontingenz einer Person - damit also auch die Identität (die Identität mit sich selbst bedeutet) - liegt im Namen, der wiederum ein Seinsbild ist, das sich im Existieren offenbart. Von ihm geht alles Seiende aus, wird geschichtlich wie durch die Geschichte und sogar über das Ende der Zeit(en) hinaus durchgetragen.

Oder ist es nicht dasselbe (ursprüngliche, anfänglich existierende) Auto, selbst wenn sie mit der Zeit "sämtliche" Teile auswechseln? Es ist eben der Name, der ein Ding "macht". Es ist nicht eine Art "faktische materielle Verfaßtheit", irgendein Aktualisierungsgrad. Und es ist somit auch nicht ein biologisch-materieller Befund, der eine Person ausmacht.

Liebe bezieht sich aufs Seinsbild, nicht aufs Tun, das soll damit gesagt werden. Denn sie stammt auch aus dem Sein selbst, ist dessen Eigenschaft, die sich im Drängen zur Welt(werdung) erkennen läßt. (Und sich in der Dreifaltigkeit als allem Seienden überhaupt zugrundeliegenden Beziehungsbild, als erste Grundgrammatik der Welt zeigt.) Und dieses Sein wird Welt vom äußeren Rahmen her ausgehend. Nicht vom "individuellen Sein" her. 

Das Individuelle ist nur das jeweilige Erfrischen des Vorausgehenden, Vorgegebenen (auf das hin sich dann der Mensch selbst überschreitet, was nicht weniger heißt als daß es ihn auch konkret definiert), das gewissermaßen "Variieren" vom jeweiligen Sein her, das den Menschen überhaupt erst zur Person macht. 

Werden diese Akzidentien aber für sich gestellt, wird sogar das Mann- und Frausein für sich gestellt und nicht auf einen Seinsort (eine Idee in Gott) bezogen, löst sich Identität auf bzw. kann sich nicht bilden. Damit wird, um es salopp zu sagen, das Frausein (siehe oben) dadurch definiert, daß sich die Frau auf das Installateur- oder Angestellten- oder Chef- oder wasauchimmer-sein des Mannes beziehen. Und dieses annehmen! Dann findet sie auch zu ihrer eigenen Identität, und dann - hinterher gewissermaßen, eingeschlossen in eine umfassendere Identitätsweite - findet sie auch zu ihrer geschlechtlichen Identität. Nicht umgekehrt. 

Lernen wir von den Pflanzen, von der Natur: Die tiefste Tiefe tanzt mit dem kleinsten Äußeren. Das Blatt am Rande spricht mit der Spitze der Wurzel. Von ihm hängt die Existenz des Baumes ab.

Und damit wird auch klar, warum diese Ergänzung als dritter Teil des vorangehend behandelten Themas bezeichnet gehört. Denn auch die Verfehlung oder Nicht-Erreichung dieses "Selbstsein" (Identität), die ausgerechnet bei den wichtigsten äußeren Kreisen ansetzt (die man aber "im Volksdenken" als völlig unwesentlich darstellt*) - Beruf, Stellung, Stand usw., aus denen wiederum Lebensvollzüge und -institutionalisierungen hervorgehen - ist eine Frucht eines ungeheuren Drucks, den man auf Frauen ausübt. Und mit dem man sie schließlich zur Verfehlung auch ihrer geschlechtlichen Identität verführt, zwingt und schließlich bringt.



*Der Unsinn begann in den 1970er Jahren, zumindest hat es der VDZ so erlebt. Als der Spruch "Aufs Äußere kommt es nicht an" seine Wirkung zu entfalten begann, weil er buchstäblich über allen Lebensvollzügen als neue Generalmoral hing. Wir erleben gegenwärtig, wie dieser Spruch (dessen Anfänge als tödlicher Virus freilich sieben- bis achttausend Jahre zurückliegen) alles, und zwar wirklich alles zerstört weil auflöst. Und warum? Eben. Weil das Weltsein jeder Idee am Außen hängt.


*181020*

Donnerstag, 12. November 2020

Die Folgen sind furchtbar (3)

 Teil 3) Nachbemerkungen zu einer
jüngst durchgeführten Erhebung


Wie eine jüngst in den USA durchgeführte Untersuchung ergab, sehen sich dreißig Prozent aller Mädchen und Frauen unter fünfundzwanzig Jahren als LGBT. Das heißt, daß ein knappes Drittel aller jungen Frauen sich als homosexuell, metro-/transsexuell oder bisexuell sehen. 

Wir wollen diesmal aber einmal nicht auf die strukturellen, systematischen Ursachen eingehen, wie sie sich aus der Auflösung des Sozialen sui generis (das eine Frucht der gefühlten, habituellen Verbindlichkeit dem anderen gegenüber ist) ableitet. Das haben wir an dieser Stelle ohnehin ausreichend gemacht. 

Stattdessen wollen wir auf einen Wirkfaktor eingehen, der in den Augen des VdZ gar nie gesehen wird. Im Gegenteil, wird er sogar noch verstärkt, und zwar gerade von katholischen, "gut meinenden" Kreisen. Die von der "Theologie des Leibes" ausgehen, wie sie +St. Johannes Paul II. ausgeführt hat. Und die in Österreich zumindest im Rahmen der Ehevorbereitung als Non plus Ultra gesehen wird. Wie der VdZ bei einem Kongress feststellen mußte, der wie ein Who is Who der konservativen Katholizität auftritt (von einem Institut ausgehend, das ebenso auftritt).

Hier wird aber die Liebe (und sogar die Sexualität) gefährlich als Ding für sich gesehen. Selbst, wenn man die Sexualität und Leiblichkeit in der puren, "nackten" Geschlechtspolarität ansetzt, greift das noch weit zu kurz. Und zwar nicht graduell, sondern prinzipiell. 

Denn diese Identitätsschwäche, wie sie die oben angeführte Untersuchung belegt, ist mit einer fehlenden Polarität der Geschlechter nicht ausreichend erklärt. Sondern braucht ein Begreifen der Identität von den äußersten sozialen Kreisen aus, also von Stand usw. usf. Und es braucht damit auch die hierarchische Gliederung, die dem Wesen des menschlichen Daseins und Aufgabe des Existierens ist. 

Das heißt, daß sich die Liebe der Ehe (wie überhaupt die Liebe) nicht als "Ding an und für sich" sehen läßt! Sie darf noch weniger auf ein Person- und Menschsein ausgehen, das sich aus Leistung, als Gemachtem, aus Vollzogenem definiert. Wo also Mann und Frau in einer Polarität landen, allerbestenfalls, die wie eine Leistungsergänzung gesehen wird. Nein! Das ist falsch!

Sondern jede Liebe muß sich auf das Sein selbst beziehen, weil sie auch von dort kommt und genährt wird. Das heißt nicht weniger als daß sich auch Mann und Frau nicht aktualistisch-faktisch als "Ergänzung" sehen dürfen, sondern dieses Mann- oder Frausein zielt auf das Wesensbild ab! Das heißt auf die hierarchische Gliederung, in der das zweigeschlechtliche Gefüge (wie jedes Gefüge!) steht. 

Zur Ehe ja zu sagen - und das zu wollen, anzustreben, ist ein Zeugnis psychischer und geistiger Gesundheit, Ehe nicht anzustreben, sie nicht als gar nicht erwähnenswertes, immanentes Lebensziel eines jungen Menschen zu sehen, Zeugnis von mehr oder weniger schwerer (individuell feststellbarer, aber im großen Ganzen gesellschaftlich initiierter) Gestörtheit -  heißt nicht einfach eine "abstrakte Ehe" zu wollen, sondern heißt, eine bestimmte Ordnung zu wählen und per Eid (dem "Ja") einzuhalten. Und zwar zuerst einmal der beiden Ehepartner zueinander, somit als Mann dem Mannsein verpflichtet wie als Frau dem Frausein verpflichtet, das ihrem faktischen Dasein jeweils vorausgeht, also ein Idealbild ist.  

DAS macht ihr Wesen aus. Nicht eine abstrakte oder abstrahierte "Liebe". Es geht um den Bezug auf den Ort, an dem sich beide in der Ehe (dem natürlichsten Ort des Menschen) einfinden. Mann und Frau, natürlich in ideeller wie faktisch-praktischer Polarität, vor allem aber in wesenhafter, ontologischer Polarität. Als Seinsbild, das im Ort, der beide umfängt, den beide jeweils betreten und der nur ihrer ist, als Beziehungsfeld und Beziehungsidee vordefiniert ist.

Wenn sich also die Identität von Mann und Frau als Existenzbefindlichkeit auflöst und aufgelöst hat, so auch und vor allem deshalb, weil die Bezugspunkte, die diese Identität stärken und bilden könnten, auf "Leistung", auf "Machen" bezogen gesehen werden. WAS Mann und Frau tun ist nämlich nicht jener Maßstab, auf den sich beide Teile beziehen als erfände sich jedes Ehepaar in seiner konkreten Gestalt neu. 

Anders ließe sich auch die Ambivalenz, wie sie die Praxis zeigt, nicht erfassen. Die nicht weniger heißt als daß es so gut wie immer zu einem gewissen Verschwimmen des Männlich- und Weiblichseins kommt. Am äußeren Spektrumsrand, als gewissermaßen "ganze Männer" und "ganze Frauen" steht nur ein relativ kleiner Anteil der jeweiligen Geschlechtermenge. 

Das liegt schon alleine daran, daß der Embryo von einer gewissen Unbestimmtheit ausgeht, die erst durch das berühmte Y-Chromosom zum Mann wird. Die Unbestimmtheit ist dabei im Fokus. Denn deren Name ist dann ... Frau.

Mann ist in der Realität also eine gewisse Gradualität, je nach Aktualisierung dieser Durchdringung und Durchdrungenheit mit dem Y-Chromosom, um es sehr bildlich zu machen. Das ist aber nicht das Kriterium! Das Mannsein ergibt sich nämlich nicht aus der biologischen Aktualisierung, sondern aus dem Platz, auf den es in der Idee gestellt (=verwiesen) ist.

Identität ergibt sich also nicht aus dem faktischen, sondern aus dem idealen Ort, aus dem Sein. Das immer ein vorausliegendes Idealbild ist, das wiederum aus dem Ort hervorgeht, auf den der Mensch bezogen ist. Und das ist jeder Mensch, mit dem Augenblick seiner Empfängnis: Niemand hat KEINEN Ort!

Der den Rahmen, den Bedingungsrahmen, das Formende selbst also (in der Selbstüberschreitung!) vorgibt wie geschenkhaft gibt, den jeder Mensch dann betritt bzw. an dem er steht. Als Wesensbestandteil, als Wesen. Und gezeugt werden heißt vom ersten Moment an: ehelich sein. Denn der Mensch ist wesenhaft ehelich. Und nicht nur der Mensch, im übrigen, sondern auf übertragene, "symbolische", archaische Art alles Daseiende, von dem nichts "für sich alleine" dasteht. Welt, Schöpfung ist eine nie unterbrochene Bezogenheit.

 
Morgen Teil 4)

  

*181020*

Mittwoch, 11. November 2020

Die Folgen sind furchtbar (2)

 Teil 2) Die Anmerkung - Welche Verzweiflung erleben wir -
Welch schreckliches Sterben steht uns bevor!


*Wehe allen "einwanderungskritischen Kreisen", die sich nicht entblöden, sich auf dieses Thema auch noch draufzusetzen. Indem sie in die Tröte der gleichberechtigten Frau blasen, als angeblich "westlicher Wert", und die Frau, die Ehe, das Geschlechterverhältnis aus diesem ideologischen Schwachsinn, der dem Gehirn einen schweren dunkelen Vorhang vorhängt, definiert sehen. Vielleicht noch garniert von Sätzen wie jene von der "Aufklärung, die der Islam nie hatte". Die nun also diese Steigerungen in "gewaltpräventiven Maßnahmen" (wie die Wegweisegesetze) auf die Zunahme von Ehen - durch Zuwanderung - aus Kulturkreisen, in denen die Ehe noch hierarchisch, "archaisch", in der Ordnung von Mann und Frau geschlossen wird. 

Und wenn wir schon dabei sind: In diesem Fall dürfte die Frau sehr sehr jung gewesen sein, als sie (mit dem Mann) nach Österreich kam. Denn das ist das nächste Wässerchen auf die Mühlen der Verwirrten, die kein Lager weniger hat, ob links, ob rechts - ohnehin ein Scheintheater, wie alleine dieses Thema beweist. Und nun einhellig eine Hochsetzung des Heiratsalters auf mindestens 16, am besten aber auf 18 Jahre. 

In Wahrheit muß die Frau von einer Obhut - die Geste findet sich nach wie vor in vielen heimischen Hochzeitsritualen! - in die andere übergehen. Also vom Vater in die des Ehemannes. Es richtet schweren Schaden an, die Frau einige Jahre (und das ist mittlerweile üblich, weil die Kinder schon mit sehr jungen Jahren der Obhut der Eltern entrissen werden, durch Schule, durch allgemeine Tendenzen und "Werte" aus dem faktischen, realen Lebensvollzug, wie sie zur autoritären Allgemeinheit geworden sind) sich selbst zu überlassen. Sodaß sie - angeblich - "Persönlichkeit" aufbauen kann, um dann "mit vollem freien Willen" eine Ehe eingehen zu können. 

Ohne Mann, ohne Ehe kann eine Frau aber keine Persönlichkeit aufbauen. Und heiratet sie nicht, braucht sie eine eheähnliche Zuschreibung an eine Institution oder eine feste Identität, unter deren Mantel sie selbst dann Identität "bekommt." 

Die Folgen dieses Hinausschickens der (jungen) Frauen (Mädchen) in das Nichts sind auch hier furchtbar. Und zeigen sich als wichtiger Faktor in der Betrachtung der Tatsache, daß nur noch die Hälfte der jungen Menschen die Verwirklichung ihres nach wie vor - nach wie vor, Jahr für Jahr zeigen es "Wertestudien" wieder! - wichtigsten Lebenszieles, einer stabilen "Beziehung" (und damit ist Ehe gemeint, aber man wagt es meist nicht einmal mehr auszusprechen, weil es der gesollten Wertewüste nicht entspricht) und einer stabilen Familie, nicht mehr erreichen. 

Speziell Frauen mit "hoher Bildung" (soll heißen: Vielen Zeugnissen, die ihre Konformität bestätigen und Freibrief für eine angeblich selbst erstellte Identität und Rolle in der Gesellschaftsstruktur und -hierarchie sind) sind in den höchsten Prozentzahlen nicht mehr in der Lage, einen Partner zu finden. Die Gründe dafür liegen ganz woanders, als sie dieselben Linken, die diese Zahlen interpretieren, phantasieren.

Wieviel Verzweiflung, wieviel Elend, wie viel Irrationalität (denn posthoc-Rationalisierungen sind wertlos, wenn sie den logos, den Sinn verfehlen, dann schließen sie das eigene Gefängnis, in das man gelangt ist, nur umso hermetischer - und das im wahrsten Wortsinn - ab) und Ratlosigkeit. 

Weil das Leben so viele Frauen unserer Generationen in eine Situation gelangt ist (und bei den nun jungen und noch nachfolgenden umso mehr gelangen wird), die man mit den heutigen Sprechangeboten gedanklich nicht mehr durchdringen kann. 

Denn es fehlen die wirklichkeitsadäquaten Begriffe. Sodaß man nicht nur einer Lebenslage - inmitten der Ruinen einer tief verwüsteten, tief verwundeten Seelenlandschaft - ratlos gegenübersteht, sondern einer Lebensanfrage begegnet, die schreiend wurde, der man aber nicht mehr antworten kann. Weil man sich das eigene Leben nie angeeignet hat, sondern von ungekannten Mächten getrieben wurde.

Ist es da verwunderlich, daß der Wunsch nach Totalkotrolle (um die fremden bestimmenden Mächte endlich dingfest zu machen) heute so dominiert, daß sich die Menschen (siehe Corona-Krise) Beschränkungen und Kontrolle (aller anderen, aller Lebensäußerungen) wünschen? 

Auch den Wunsch nach einem "schnellen Tod" kann man unter diesen Prämissen begreifen. Dann ist es auch nicht verwunderlich, daß der "unterstützte Selbstmord" (sodaß man den dafür nötigen "Mut" nicht mehr aufbringen muß, man das Leben weiter einem "fremden, obwaltenden Schicksal" überantworten kann) als "nichtende" Generalflucht aus Welt und Verantwortung eine so unheimliche Dynamik angenommen hat. 

Aber welch furchtbarer Irrtum. Was für schreckliche Todeskämpfe werden mehr und mehr die Szene bestimmen. Wenn in jenen letzten Stunden und Minuten die Seele sich von den Beschränkungen des Leibes löst, und immer mehr ihre Natur als Geist emaniert (der auf Leib zum Ganz-Mensch-sein ausgerichtet ist), der immer mehr der puren Wahrheit gegenübersteht. 

Und sieht, daß diese jenseits eines tiefen Grabens liegt. Sieht, daß man das eigene Existieren, den Anruf des Seins völlig verfehlt hat. Aus Schuld - eigener, fremder, an einem vollzogener, gerade als man junger Mensch und auf das Außen angewiesen war - an jener Weichenstellung beteiligt war, die einen dorthin brachte, wo man nun steht: Im Verlorenen. 

Weil man zwar 70, 80 oder 90 Jahre wurde, aber nur quantitativ Jahre voller Zurückweisung an das Sein gesammelt hat, ohne je über das Stadium des Kleinkindes hinauszukommen. Um erwachsen genug zu werden, um dem Lamm des Heiles freudig entgegenzugehen.

Morgen Teil 3) Nachbemerkungen zu einer
jüngst durchgeführten Erhebung


*161020*

Dienstag, 10. November 2020

Die Folgen sind furchtbar (1)

Dieser Fall hat den VdZ einmal mehr (wie ähnliche Fälle, die sich gar nicht so selten als Zeitung finden) erschüttert. Eine 31jährige Mutter, offenbar nepalesischer Herkunft, hat in diesen Oktobertagen des Jahres 2020 ihre drei Kinder (8 Monate, 3 und 9 Jahre) getötet. Ein anschließender Selbsttötungsversuch mißlang. Die Polizei, die sie selbst telephonisch mit einem Geständnis (das sie, wie die Zeitung schreibt, später mehrmals wiederholt hat) verständigt hatte, konnte ihr Leben retten. 

Natürlich sind die Gedanken, die hier wieder einmal angestoßen werden, nur allgemeiner Art, denn den konkreten Fall kennt der VdZ nicht. Aber wenn man liest, wie viel sich da der Staat schon früher eingemischt hat, wird dem VdZ übel, und man ahnt Furchtbares. Nicht nur in diesem Fall. 

Solche "Betretungsverbote" als "Frucht" der Wegweisegesetze, die 1997 in Österreich eingeführt und als "Fortschritt im Schutz vor Gewalt" gefeiert, ja regelrecht propagiert wurden, sind in ihren Auswirkungen katastrophal. Denn eine Familie ist nachher auf jeden Fall zerstört. 

Mittlerweile gibt es in Österreich schon bald 10.000 Fälle von Wegweisungen PRO JAHR. 1997, als das Gesetz eingeführt wurde, waren es noch 1.300 Fälle. Im Jahr 2000 schon 6.000. Und das bei in Österreich jährlich knapp 30.000 geschlossenen Ehen, von denen man dann noch die zahlreichen Mehrfachehen (Wiederverheiratungen) abziehen müßte, wollte man ein realeres Bild von der Ehe und auf ihr gegründeter Familie erhalten. 

Man kann sich dabei leicht vorstellen, was los ist, und wieviel die guten Menschen, die diese Gesetze zumindest lobbyiert hatten (heute findet man fast immer Frauen auf den zuständigen "Sozial-"Ämtern, man kann die gesamte Angelegenheit selbst weiterdenken) an Verwüstung anrichten. Und die Verantwortlichen, die Politiker die diese Gesetze sogar noch weiter verschärft haben, feiern sich sogar noch, verkünden diese Zahlen als "Erfolg". 

Und natürlich als Indiz für die Zunahme böser Männer, vor denen diese Wegweisegesetze die armen Frauen "schützen."* 

Nicht nur in diesem Fall hängt über der Szene der Geruch totaler Verzweiflung. Weil die Frau etwas entschieden hat (bzw. eine Mechanik ausgelöst hat), dessen Folgen sie niemals gewollt hätte. 

Wie so oft, ja das ist das Grundschema so vieler "Entscheidungen" von Frauen, geht es um ein Ganzes. Frauen stecken aber einfach zu sehr im Einzelnen, im Konkreten. Diese enge Verbindung zum Fleischlichen ist eben die Art der Frau, und das ist gut so, das ist notwendig so, das ist gottgewollt so. 
Aber das macht es ihr so schwer, ja fast unmöglich, ein Ganzes zu entscheiden, weil sie es nicht sieht. Und das ist weit mehr als "Verstand" oder "Logik." Ein geistiges Bild ist der Frau nie in dem Maß präsent, wie es beim Manne der Fall ist. 
Je Mann, je Frau haben eine Erfahrungs- und Gefühlswelt, die sich auf diese unterschiedlichen, aber hierarchisch zueinander stehenden Ebenen ausrichtet. Der Mann fühlt das Zerbrechen des Ganzen, die Frau den Schmerz (und die Freude) des Einzelnen, dessen Grad der Einordnung sie in ihrem Gefühle nicht bekümmert.

Und dann möchte sie einfach "auslöschen", sich, alles, was an Vergangenheit bindet und damit eine unbelastete Zukunft verunmöglicht. Was aber, wenn sie ahnt, daß das Ganze unrettbar zerstört ist? Der Mann, steht im Artikel, ist nicht mehr zurückgekommen, obwohl das Betretungsverbot nur bis Ende September galt. Mir wäre völlig klar, warum! Und ich könnte mir vorstellen, daß der Frau nun klar geworden ist, WAS sie da gemacht hat. 

Nun steht sie vor dem Nichts, vor einer Wüstenlandschaft, und weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll, weil sie ein neues Leben "schaffen" müßte, was eine Frau eben nicht kann. (Wenn es denn so war, im konkreten Fall weiß ich das ja nicht; ich denke nur allgemein.) 

Man geht eben nie zweimal in demselben Fluß baden. Und das ist den Frauen nicht bewußt: Daß eine Tat sich aufs Ganze auswirkt, daß ein Ganzes nicht mit Teilheilungen, mit momentanen Gefühlen etc. reparabel ist. Das aber wissen die Männer. 

Morgen Teil 2) Die Anmerkung - Welche Verzweiflung erleben wir -
Welch schreckliches Sterben steht uns bevor!


*161020*

Montag, 9. November 2020

Gedankensplitter (687)

Noch bezugnehmend auf das gestern Gesagte bringen wir heute eine Überlegung aus dem Archiv. Schon vor Jahren hat sich der VdZ die Frage gestellt, was angesichts des schon fast die gesamte Menschheit eingreifenden Verfehlens der Wirklichkeitsebene zu erwarten ist. Und er meinte Folgendes:

Weil das Wahrheitsempfinden des Menschen, der isset, also "tätigseiend ist", immer mit dem Sein kommuniziert weil ihm permanent begegnet, ja dieses umschließt ihn wie den Fisch das Wasser, 

erfährt er jede Entfernung seines Selbst als des welthaften Ich, das nur ein "Seinspunkt" ist, reines Potens, reine Möglichkeit, die aber strukturell auf ein Hinaus, 
auf ein Weltsein, auf ein real konkret sein drängt, weil das das Wesen der Liebe ist, die alles durchwest, das am Sein teilhat, weil das Sein auch und vor allem Liebe ist, und Liebe dem Willen zubehört, der also Bewegung zum Seiens-sein, also zur Welt bedeutet, denn die Welt wurde nur aus Liebe geschaffen,

weil der Mensch also ist, der da denkt und Welt ist wie in der Welt ist, so wird er immer diesen Anruf des Seins hören. Er wird sich also niemals von der Tatsache wegbewegen können, daß er einem wirklich Wirklichen angehaftet ist, dem eine Welt gegenübersteht, die ein gewisses Eigensein entwickeln kann, das aber der wirklichen Wirklichkeit nicht mehr entspricht. 

Das "Willen" (Motive, Gedankenkonstrukte, Imperative, gesellschaftliche Richtungen als mitreißender Strom, Kultur- und Zivilisationslarven usw. usf.) entwickeln kann, der wie ein wirkliches Bewegungsziel (Motiv) auftritt. 

Machen wir das konkret und an einem simplen Beispiel leichter begreifbar: Es gibt Moden, Trends, und diese Trends hat - und das hat gewiß jeder schon erfahren - ein großes Täuschungspotential. Es gibt Kaufleute, die auf einen Trend setzen (der sich als Willen äußert, zu kaufen) der sich nicht entwickelt. Der VdZ kannte etwa einen Textilkaufmann (dem er später ein Haus gebaut hat) der in den mittleren 1980er Jahren sein gesamtes Vermögen (und das war damals gar nicht so gering) auf eine bestimmte Mode setzte. Er gab in Indien (und heute wird ohnehin alles schon in dieser geographischen Region genäht, was in unseren Kaufhäuern angeboten wird) Massen von Kleidungsstücken in Auftrag, und versprach sich hohe Gewinne. Weil er als einziger diesen Trend wirklich bedienen würde können. 

Es kam ... anders. Kaum hatte er die Container mit Kleidungsstücken in Österreich empfangen, mußte er erkennen, daß die Mode wie ein Hase einen wahren Haken schlug und in eine völlig andere Richtung ging. Er saß auf Tonnen von Kleidung, für die er trotz der niedrigen Gestehungspreise im Einzelnen sein gesamtes Vermögen ausgegeben hatte, die unverkäuflich waren. Beziehungszweise die er dann zu Preisen verramschte, über Jahre (denn selbst zu solch niedrigen Preisen wollte niemand das Zeug kaufen), die den Verlust gerade noch verkraftbar machten.

Dies ist ein Beispiel das zeigen soll, was gemeint ist und sich auf vielen Ebenen abspielt: Der Mensch kann sich täuschen. Er kann die Wirklichkeit verfehlen! Ob in der Mode, ob in der Politik, der Einschätzung des Weltgeschehens, der religiösen Imperative, egal wo, egal auf welcher Ebene. Wir können völlig fehlgehen. Und werden nur noch von jener Substanz gehalten, die da war, jetzt aber gerade noch ausreicht, um uns nicht völlig auszulöschen. 

***

Wenn man sich ansieht, was sich heute abspielt, in dieser völligen Vefehlung des Wirklichen, so zeigt sich etwas, das man für eine Anfälligkeit für Wahn halten kann. Was es auf eine Weise ist, gewiß, aber es ist auch etwas anderes. Dieser Wahn kann eine andere Ebene eines tief geistigen Geschehens sein. Denn die Schöpfung, diese unsere Welt ist in ihrer tiefsten Substanz von Archetypen gehalten. Von Bewegungsschemata, um es auf simple Weise auszudrücken. 

Und diese haben Erscheinungen, Gestalten, die in der Welt sind und die "die" Welt sind. Auf allen Ebenen. Also auch auf den Ebenen des Verstandes, der Verstandesdinge, und nicht zuletzt: der Phantasie (die die Kombinationsfähigkeit aus Verstandesdingen ist, die aber nach inneren, seelischen Richtungen zusammengefügt werden; das heißt, daß die Phantasie auch solche Täuschungen integriert hat) als der "möglichen, in der Zukunft real gewordenen Wirklichkeit."

Aber nicht nur in der Zukunft, sondern auch in der Vorstellung eines wirklichen Geschehens, das "über" dem momentan faktisch Vorgefundenen steht (bzw. schwebt). Man kann Bilder vor Augen haben, die mit dem tatsächlich vor Augen stehenden nichts zu tun haben. Im schlimmsten Fall wird das pathologisch, also zur Krankheit, die es dann tatsächlich sein kann (aber auch nicht!).

Nun haben wir, meint der VdZ, schon ausreichend Komponenten, um den Gedanken einer Gesamtgestalt einzufügen. Und der lautet, daß sich in solchen, in unseren Zeiten, eine gehäufte Neigung heranbilden wird - und auch schon sehr kräftig gebildet hat - unsere Zukunft über oder fern oder außerhalb der Erde zu suchen. 

Deshalb wird nicht nur Science-Fiction und Fiction allgemein unsere unmittelbare Zukunft ausmachen. Man betrachte doch die "virtual reality", die vor einem regelrechten Boom steht. 

Die Pornographie reiht sich übrigens in diese Linie. Auch sie ersetzt fehlende Realität, Wirklichkeitsanbindung, durch Phantasie. Ohne Phantasie gibt es keine Pornographie.

Aber diese virtual reality, also diese vorgestellte Wirklichkeit, zeigt sich auf anderen Ebenen in einer Hinwendung zum Außerirdischen. Sei es in der Kosmologie, die sich als Wissenschaft (fast möchte man sagen: Als Wissenschaft getarnt; gemeint ist: Auf dieser Ebene unseres Weltseins) in immer phantastischeren Entwürfen äußern wird, wie der gesamte Kosmos, in dem die Erde immer unwichtiger werden wird, "abspielt", wie er "funktioniert", sondern dieses Funktionieren des Kosmos wird zu einem immer mächtigeren, fernen, außerirdischen "Apparat", zu einer gottgleichen Macht. 

Im selben Atemzug wird die Neigung, an Außerirdische zu glauben, die uns natürlich hoffnungslos überlegen sind, ja denen wir unser Existieren überhaupt verdanken, immer mächtiger werden. Sie wird auch die Wissenschaft erfassen, die uns "beweisen" wird, DASZ es Leben da draußen gibt, irgendwo, und irgendwie, aber - es wird dort Leben "gefunden" werden. (Was natürlich nur ein Begriffsspiel ist, eine völlig wirklichkeitslose Realitätsmathematik, aber das weiß der allergrößte Teil der Menschheit nicht, das wissen nicht einmal noch die meisten Wissenschaftler.)  

Es wird sich speziell deshalb auch in Filmen und Kunstwerken zeigen. Und es wird sich in Geschehnissen zeigen, die uns weltweit - und es wird immer mehr alles, was geschieht, egal was es ist, "global sein" - erfassen und beherrschen. Geschehen, das von geheimnisvollen Mächten und Dingen ausgelöst und beherrscht wird. Das nicht sichtbar ist. Oder so klein, daß es dem normalen Auge unsichtbar bleibt, wie geheimnisvolle Krankheitserreger, die nur noch von Trägern des großen Arkanums gesehen und verstanden werden.

Aber jetzt kommt's: Der Witz dabei ist, daß dieses Ahnen dem Angedrücktsein ans Wirkliche entstammt. Und somit etwas tief WAHRES zur Welt gebiert! Nämlich den Versuch, dieses innere Ahnen auch vor Augen zu bekommen, um so die Begegnung mit ihm gestalten zu können. 

Um so - in Gehorsam, denn es geht immer um Gehorsam, sogar der Ungehorsam-sein-Wollende ist gehorsam - diesem Wirklichen genügen zu können. In jener Beziehung, die allem Irdischen gemäß ist: In Beziehungen der Dankbarkeit aufgrund des Empfangens des eigenen Daseins, das vom Gehorsam gegenüber diesem wirklich Wirklichen abhängt.

Diese Form von "Science-Fiction" wird unsere Zukunft sein. In jeder Form, auf jeder Ebene. Als Versuch, religiös zu leben. Als Versuch das zu vollziehen, das zu tanzen, das zu zelebrieren, was dem Menschen so untrennbar weil wesentlich zu eigen ist, daß er ohne es gar nicht existieren kann: KULT.

 

*161020*

Sonntag, 8. November 2020

Mächte über den Staaten

Tucker Carlson, einer der Starkommentatoren auf FoxNews, vergleicht das Vorgehen von Twitter, aber überhaupt der Mediengiganten, mit dem Vorgehen der chinesischen Behörden gegenüber unerwünschten Meldungen. Die Selbstherrlichkeit, die hier an den Tag gelegt wird, zeugt von einem Machtbewußtsein, das nur totalitäre Regime an den Tag legen.

Die Frage ist also gar nicht primär, ob es "der Staat" ist, der totalitär wurde. Vielmehr könnte  man den Eindruck gewinnen, daß es Mächte sind, konkret existierende Institutionen, Vereinigungen, Verbände, Konzerne, Einzelpersonen die durch ihr Kapital wirken, die so viel Einfluß auf die politischen Institutionen haben, daß sie den Staat (generell) und die Staaten (konkret) in ihrer Hand haben. 

Das demokratische Theater, das sogenannte öffentliche Leben und Geschehen, das wir tagtäglich vor unseren Augen abrollen sehen, könnte also nicht mehr sein als ein Puppenspiel, das der Ablenkung dient. Während die Medien - und die erwähnten Mächte - den Menschen die Illusion eintrichtern, sie hätten etwas zu sagen 

Etwa durch "Kommentarfunktionen" in der einen oder anderen Form, und damit sind auch "Alternativmedien" gemeint, die man zuläßt, denn das ist es ja, Blogs und deren Förderung (jeder solle doch bloggen, nicht wahr?), alles eben, wo man Dampf ablassen kann. Dazu gehört sogar ein "Meinungskampf" innerhalb dieser Medien, dazu gehören "Sperren", dazu gehört eine inszenierte "Zensur", erst die macht glaubwürdig, daß diese "Medien" eine Relevanz haben. 

Was natürlich gar nicht der Fall ist. Hauptsache aber, die Menschen glauben alle diese Scheinereignisse, die sich abspielen. Klima, Corona, Wirtschaftskrisen, Krankheiten, das Liebesleben und Sexgeschehen, Kunst und Unterhaltung, Wissenschaft und Bildung, Politik und Krieg - alles ist enteigentlicht, alles ist trocken und leere Hülle geworden.

Der VdZ sieht keinen "tiefen Staat" als das wahre Übel. Auch das ist ein überholtes Konzept der 1960er bis 1990er Jahre. Die neuen Mächte brauchen die offiziellen Institutionen gar nicht mehr. Sie lassen dieses ganze Staatstheater nur noch zu, um die Menschen in einer Art Sandkasten ihr Spiel spielen zu lassen. 

Was aber alles wirklich bewegt hat alles längst umfaßt, nicht "durchdrungen." Es spielt damit. Es bewegt eine Geschehenslinie, die sich vom offiziellen Leben in Gesellschaften, wie es uns zuvor immer als solches erschien, längst abgespalten haben. Und die Substanz ernten, die natürlich aus dieser menschlichen Sphäre stammt, und nur von dort gewonnen weil gemolken werden kann.

Wie ist so etwas möglich? Es ist möglich, weil wir alle, wirklich alle in dieser westizistischen Kultur zu einer Entfremdung von uns selbst und damit von der Wirklichkeit ge- und verführt worden sind. Und uns dazu verführen haben lassen. Wir haben angebissen! 

Deshalb ist eine Heilung von dieser wahrlich satanischen Krankheit nur über den Einzelnen möglich. Nicht über eine Bewegung, nicht über eine Partei, nicht über Bewegungen, nicht über Demonstrationen und "Straßenprotesten". Alles das sind Institutionen des Scheintheaters. 

Heilung ist nur über den je nur individuell möglichen Prozeß der Rückanbindung an die Wirklichkeit möglich. Und das ist ein mühsamer, für das Seelenleben wahrlich mühsamer und quälender Prozeß, da mache sich niemand eine Illusion. Die Illusion, daß dieses Zurück zur Wirklichkeit ohne Leid und Kreuz möglich wäre. 
Zumal nur über das Sterben das Tor zur Wirklichkeit aufgestoßen wird, über das das Licht der Welt, das die Welt ist und schafft und belebt, eintreten kann. Wenn es denn das möchte und uns somit Leben schenkt. Fern jeder Methode, fern jeder Machbarkeit, fern jeder Habhaftwerdung - reines Geschenk und reine Gnade.

Erst dann, erst dort, bekleidet mit der Rüstung des Lichts, können wir hinaustreten in diese Sphäre des wirklich Wirklichen. Und gegen jene Mächte stehen und kämpfen, die die Welt wirklich bewegen. Mit der Gewißheit, daß wir siegen werden. Weil unsere Waffe die des bereits gewissen weil bereits geleisteten Sieges ist.




Samstag, 7. November 2020

Wider Enzykliken (4)

 Teil 4) Wie das Katholische zur Ideologie wurde
Aus einer Ideologie aber folgt Totalitarismus

Nun geschieht aber Folgendes, und dem Leser wird nun vielleicht klarer, warum der Anfang den Inclusivismus aufs Spielbrett holte: Dieses Selbstgefühl der Schwäche ist notwendige Konsequenz des Verzichts auf jene männliche Vernunft, die sich nicht selbst von der intellektuellen Rechtfertigung abhängig macht, sondern diese zwar liefern kann wenn sie möchte, aber um die prinzipielle Problematik des Intellektualismus weiß: Der eine prinzipiell andere Sphäre mit Mitteln beweisen soll, die gar nicht dieser Ebene zugehören. 

In den Augen dieser Welt ist die Kirche, ist der Glaube "unterlegen". Aber eben nur in den Augen DIESER Welt! Nicht in den Augen Gottes, nicht in den Augen der Wirklichkeit. Die mangelnde Selbstverfügung, die man mit dem Schritt in den Wettbewerb alleine innerhalb der Mittel dieser Welt ausgelöst hat, hat den Verlust des Selbstwerts bewirkt. Was nun einsetzte ist exakt das, was mit dem Inclusivismus des Inders beschrieben wurde.**** 

Man hat, mit den Worten von Abszessium Kuhschneider formuliert, diesem weltweit berühmten Bänkelsänger aus dem Inneren Allgäu, mit dem Zweiten Vatikanum auf die allumfassende Wirklichkeit und Macht verzichtet, um sich der Welt "verständlich" zu machen. Man hat den Ferrari in der Garage gelassen, um mit dem Tretroller um die Wette fahren zu können. Den der andere nicht als Seinsmangel fährt, sondern der fortan der Maßstab der Fortbewegung sein soll. Man hat dieses unendliche Licht des Glaubens und der Wahrheit ausgeklammert, um fortan mit dem beschränkten Verstand des Nichtgläubigen zu denken. 

Die Folge ist, daß sich das gesamte katholische Denken in Widersprüche zu verheddern beginnt. Aus dem unendlichen Wahrheitsgebäude wurde ein irrationales Gefühlsgelände. Von dem nun (weil es keine Grenzen mehr kennt weil scheinbar hat) behauptet wird, daß es "alles" enthält, was in der Welt der Fall ist (um einen Satz von Wittgenstein zu mißbrauchen). 

Fortan war die Kirche mehr und mehr nur noch bemüht der Welt zu beweisen, daß sie in ihren Kategorien denken und handeln konnte. Mit der unausbleiblichen Folge, daß sie auch die Kriterien der Welt aufzugreifen begann, ohne deren wirkliche Wirklichkeitsrelevanz noch beurteilen zu können. Was nach sich zieht, daß dieses Bestehen-können vor der Welt von dieser selbst abhängig wird: Die weltliche Instanz wird für die Kirche, die auf jede Kohärenz und Widerspruchsfreiheit in ihrer Lehre verzichtet, bindend.³

Daß dabei die katholische Soziallehre beispiellos verzerrt wird kann nicht ausbleiben. Diese hat sich von einem befreienden Regelsystem in ein System von schwerfälligem Emotionalismus und theoretischer Inkohärenz verwandelt. 

Die Rolle der katholischen Soziallehre bestand nie darin, eine politische Plattform oder Ideologie vorzuschreiben. Sie wollte nie mehr als die Grenzen festlegen, außerhalb derer der gefallene Mensch in geistigen Verfall geraten würde. Dazu mußte sich der Mensch seiner Rolle in der Politik ermächtigen und sie mit katholischem Blut durchdringen. 

Hier sind die Grenzen, das soll uns die katholische Soziallehre dabei sagen. Aber innerhalb dieser Grenzen bist Du frei. Diese Grenzen SCHAFFT aber nicht die Kirche, sondern sie weist nur darauf hin. Die Kirche schafft nicht die Wahrheit. Die Wahrheit schuf die Kirche! Heute aber erlebt der katholische Denker eine Kirche, in der das Denken abgelehnt wird. Weil der Klerus in eine Atmosphäre führen will, die er selbst schafft. Und zu der er sogar zwingt. 

Das ist totalitär!

Alle, die nicht mit dem Geist des Papstes, mit der Atmosphäre, die er geschaffen hat, übereinstimmen, werden immer eingeschüchterter. Und warten wie furchtsame kleine Parteifunktionäre von Jahr zu Jahr mehr, welches Denkverbot mit einer jederzeit verkündbaren neuen Anweisung von oben kommen könnte. Noch nie (!) hatten deshalb päpstliche Verkündigungen dermaßen großes Gewicht wie heute.

Das hat zu Schizophrenie und immer unüberschaubareren, zahlreicheren De-facto-Schismen in der Kirche geführt. Denn da stehen auf der einen Seite jene, die an der modernen Atmosphäre festhalten, und auf der anderen Seite die, die nach den alten Regeln leben wollen, die die Kirche zwei Jahrtausende vertreten hat. 

Mit der unausbleiblichen Folge, daß diese Verwirrung auch den Papst selbst erfaßt, der diese Widersprüche zumindest ahnt, aber nicht mehr auflösen kann. Was er mit Leutseligkeit zu versöhnen bzw. zu überspielen trachtet. 

Ich kann Laien nur empfehlen, schreibt Richard Greenhorn abschließend, dieses Spiel nicht mitzuspielen. [...] Wir schulden den Päpsten Respekt. Sie aber schulden uns Kohärenz.

Ein kleiner Tip für die alltägliche Praxis: Stelle sich der Leser vor, er wäre Analphabet. Oder taubstumm. Oder beides. Dann versuche er sich vorzustellen, welche Rolle der Papst nun in seinem Glaubensleben spielte. Vielleicht findet er so eine Position, mit der es sich als Katholik leben läßt. Zu der er jedenfalls keine weiteren Enzykliken - schon gar nicht solche wie Laudato Si und Fratelli tutti - braucht. Und da gehen wir mit den Sichtweisen des Greenhorns völlig d'accord.


³In seinem Begriff vom "Wirken des Heiligen Geistes" hat Franziskus sogar explizit das Vernunftauflösende, das jede Widersprüchlichkeit in Atmosphäre, in Gefühl auflöst, zum expliziten Moment dieses Wirkens erhoben.

****Also sollte sich der Leser Fratelli Tutti einmal unter dem Gesichtspunkt des Inclusivismus lesen. Dann wird ihm der Aufruf zur Geschwisterlichkeit und Interreligiosität, den er dort findet, in ganz neuem Sinn aufscheinen.


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Freitag, 6. November 2020

Wider Enzykliken (3)

Teil 3) Ein Paradigmenwechsel mit schweren Folgen


Diese Realität, die wir im Glauben bekennen, hat aber eine strenge Grammatik. Die besser zu hören dienen vor allem jene Grenzen, die das Papstamt setzte, indem es das ausschied, was sicher NICHT dazugehörte. Ansonsten aber konnte sich jeder innerhalb dieses Glaubensgutes bewegen, wie es ihm quasi beliebte.

Auf die Grenzen zu verzichten bedeutet aber etwas ganz Schwerwiegendes: Das Wissen um diese innere Grammatik der Wahrheit geht mit der Zeit verloren. Der nun einsetzende Versuch einer positivistischen Rekonstruktion durch Festlegung der Wahrheit in Wahrheitssätzen hat schwerwiegende Konsequenzen: Das Katholische wird von einem System der Freiheit und Weite zu einem System der beschränkten Ideologie.
Den Beweis für diese Einschätzung liefert das, was nach 1965 einsetzte: Der Wettstreit um die richtige Interpretation. Der sich auf einen Geist des Vatikanums berief, den zu unterscheiden nur für den wirklich Glaubenden möglich ist, sich aber einem (sozusagen) kommunikationellen Disput entzieht.

Weil ein Disput vor allem keine moralischen Kategorien kennt, die auf derselben Ebene wie er selber liegen. Das heißt, daß Glaubensfragen im Grunde auf logischer Ebene alleine (!) nicht zu entscheiden sind, wenngleich sie niemals unlogisch und widersprüchlich sein können. 

Dem Disput über theologische Fragen steht also jedes Tor offen, mißbraucht und Opfer von Äquivokation, Scheinlogik und der Lüge des Schizoiden zu werden. Dementsprechend blieb eines: Immer mehr wurde das Katholische überhaupt dem Irrationalen überantwortet. 

Erlaube der Leser einen Querverweis: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, hat die Entwicklung des "Wissens" (in der sich nun als solche formierenden "Wissenschaft") eine ganz analoge, parallele Entwicklung genommen! Auch hier wurde in ihrer kulturellen Bedeutung Wissenschaft zu einer Ideologieformulierung. Man sehe sich doch die gegenwärtigen Dispute um Klima und Corona, aber auch um Themen wie Schöpfung/Evolution oder Kosmologie an. 
Ja, die gesamte Bildung einer sogenannten Weltanschauung der Gegenwart unterliegt haargenau demselben Problem, das hier an der Kirche sichtbar gemacht wurde. Wir sehen hier dogmatische Konflikte, keine wissenschaftlichen Auseinandersetzungen.

Die Folge war eine immer vollständigere Aushebelung des individuellen Urteilsvermögens. Was denn nun katholisch sei, was zu tun und zu lassen sei, fiel zwar einerseits mehr und mehr in die Hand der Obrigkeit, denn es gab kein verbindliches Urteil mehr. Die Kirche, der Papst beanspruchte für sich lediglich noch, so wie jeder nur zu denken.

"Nach dem Zweiten Vatikanum," so Greenhorn, "sieht es ganz anders (als zuvor; Anm.) aus. Seit dem Konzil fungiert der Papst in seinen Enzykliken nicht als Herrscher oder Lehrer, sondern als Akademiker, der versucht, eine These zu unterstützen: Das Zweite Vatikanische Konzil. [...] 
Wann immer nun die Entscheidung ansteht, die Kirche oder die Konzilsväter zu zitieren, wählen die Päpste die Konzilsväter. Die vage, unbestimmte Autorität von Enzykliken ist hervorragend für die vage und widersprüchliche Natur der damaligen päpstlichen Lehre geeignet. Man merkt sofort, daß moderne Enzykliken nicht von Männern geschrieben wurden, die sich als Repräsentanten der Kirche verstehen. Das päpstliche "Nein" wird durch das "Ego" ersetzt."

"Das ist bereits bei Johannes Paul II. erkennbar, von dem so vieles geschrieben wurde, so Greenhorn weiter, das nichts als ein Versuch ist, die Lehre der Kirche in die kantische Ethik zu übertragen. Es gibt keinen Grund, dies außerhalb der intellektuellen Zufriedenheit zu versuchen. Die neunundneunzig Prozent der Katholiken, die keine Ahnung haben, was Kantsche Ethik bedeutet, haben weitgehend unlesbare und meist stumpfe Bücher vor sich liegen, die wenig oder gar keine Bekehrungskraft haben."

Aber die bisher schlimmste Form dieses Intellektualismus findet sich nun in den Enzykliken von Papst Franziskus. In seiner jüngsten Enzyklika findet sich schon rein gar nichts mehr, was sich in ein wirksames Gesetz oder sogar in ein umsetzbares moralisches Prinzip verwandeln ließe. Es ist einfach ein persönliches Grübeln darüber, wie sich der Papst gerne die Welt vorstellte. 

Er nimmt damit aber nicht mehr die Rolle eines Papstes ein. Das ist die Rolle eines Ideologen.

Sämtliche der letzten drei Päpste waren keine Führer mehr. Alle drei überwachten lediglich einen beispiellosen institutionellen Zusammenbruch. Sie waren schwache Führer und schlechte Gouverneure, die nicht führen wollten oder konnten. Stattdessen taten sie alles eine moralische Atmosphäre zu schaffen, in der sie nicht mehr als oberster Hirte weil Papst auftreten mußten. Die Päpste des 19. Jahrhunderts waren lange im Clinch mit dem Staat. Die Päpste unserer Zeit sind es mit ihrer eigenen Institution.

Selbstgefühl der Schwäche und Unterlegenheit - Das Katholische als Inklusivismus
 
Morgen Teil 4) Wie das Katholische zur Ideologie wurde
Aus einer Ideologie aber folgt Totalitarismus


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Donnerstag, 5. November 2020

Wider Enzykliken (2)

Teil 2) Der Kampf um Bedeutung und Autorität
- Was sich durch das Erste und Zweite Vatikanische Konzil geändert hat


Das Problem begann in Wahrheit schon 1519 mit Luther, mit den gesellschaftlichen, politischen, kulturellen Verwüstungen, die der Protestantismus anrichtete. Was wir weiter unten genauer ausführen wollen, hat da bereits angefangen, und zwar auch und vor allem in den Festlegungen in der Liturgie, der langfristig die Luft abgeschnürt wurde. Spätestens hier begann eine Entwicklung, die wir mit "Identität als Apologetik und Angstbehauptung" betiteln wollen und nach dem Zweiten Vatikanum einen vielleicht nicht mehr zu überbietenden Höhepunkt erreicht hat.

Wobei im noch größeren Rahmen gesehen auch diese Festsetzung des Anfanges unzulänglich ist. Denn um präziser zu sein müssen wir schon im langen 13. Jahrhundert ansetzen. In jenem Zeitraum, wo dieses fast traumähnliche Ganze, das Europa als die Kultur des Abendlandes gewesen ist (und das jede Kultur im Grunde ist, ist sie noch eine Kultur und nicht ein verwesender Leichnam), zu zerfallen begann. Wir sehen es also noch schärfer als das Greenhorn in seinen Ausführungen, die wir hier so schamlos als Sprungbrett zu unserer eigenen und umfassenderen Deutung benützen.¹ 

Aber offensichtlich schlagend wurde es 1789, bei und nach der Französischen Revolution. Und der von ihr verwirklichten Schwächung der gesellschaftlichen Position der Kirche, namentlich ihrem Autoritätsverlust durch die aufoktroyierte Aufklärung. Das hat zu einer veränderten Haltung der Päpste als oberste Autorität geführt. Sie sahen sich mehr und mehr (und warum auch immer) genötigt, dem Wust an aufkommenden Ideen und Ideologien etwas entgegenzusetzen, das zuvor gar nicht notwendig war. Zumindest nicht von Päpsten direkt. 

Denn zuvor waren es die Priester und Katecheten, die Mönche und Heiligen, vor allem aber durch die Liturgie und den Jahreskreis, der die Gesellschaft (als und zur Kultur) geformt hatte und völlig selbstverständlich gewesen war. Diese Selbstverständlichkeit war nun ins Wanken geraten, und das sahen auch die Päpste als oberste Autorität. Und sie taten eines, sie griffen zur einzigen Waffe, die ihnen angesichts des realen Bedeutungsverlustes noch blieb: Sie griffen zum Stift. 

Das heißt nichts weniger als daß, was nun in der Kirche einsetzte, bereits aus einer Position der Schwäche heraus entstand. Die Kirche erfuhr sich unterlegen, und integrierte nun das Überlegene - den Staat (und das heißt letztlich, von anderer Seite aus gesehen, den Zeitgeist) und dessen Begierden.

Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter der Revolutionen, des Zerfalls gesellschaftlicher Strukturen und politischer Organisation von Völkern. Der Staat stand im Vordergrund des Denkens, und damit auch die Autorität und Stellung der Kirche. Die erstmals etwas begann, was es in dieser Form zuvor noch nicht gegeben hatte. Sie begann, ideale Strukturen und Bilder zu entwerfen. Vom Staat, von der Kultur, von ihrer eigenen Struktur. Und mit einem Mal stand die Position des Papstes zur Diskussion. Innerhalb der Kirche! 

Diese Frage wurde bekanntlich sogar Anlaß einer nächsten Kirchenspaltung, die der (so genannten) Alt-Katholiken. Aber der wahre Anlaß war, daß eine positive Definition³ (sofern sie nicht Poesie ist, die man aber Spekulative Theologie nennt) für eine wissenschaftliche philosophisch-theologische Auseinandersetzung damit untauglich weil zwangsläufig mangelhaft bleibt. Und so mancher katholische Eckpfeiler, darunter der zum Kirchenlehrer erklärte Kardinal Henry Newman, sah das Problem (speziell bei der Dogmatisierung der Päpstlichen Unfehlbarkeit) nicht weniger wie der bayrische, dermalen hoch angesehene, aber heute katastrophal miß- und unverstandene (wofür der Wikipedia-Eintrag einmal mehr ein Beispiel ist) bayrische Theologe Ignaz von Döllinger. Der dafür exkommuniziert wurde. 

"Das Papsttum," schreibt dazu unser Greenhorn, "beschränkte sich im Allgemeinen auf die Rolle, Streitigkeiten beizulegen und damit die Grenzen der Orthodoxie festzulegen. Die Moraltheologie wurde mehr oder weniger den Moraltheologen überlassen. Und die positive Theologie den Poeten, Mystikern und Spekulativen, fügen wir hinzu.  
Der stetige Strom von positiven Erklärungen nach 1789 war vielleicht eine notwendige Gegenmaßnahme gegen das Revolutionäre, aber er war zumindest außergewöhnlich. 
Die Weisheit und moralische Integrität der Männer, die in diesen Jahren das Papsttum innehatten, verlieh ihnen viel Autorität. Es ist jedoch wenig vorstellbar, daß irgendjemand eine solche moralische Führung der Päpste während der 'Pornokratie' des 9. Jahrhunderts ernst genommen hätte.  
Dennoch waren die besten Enzykliken alles andere als akademisch. Sie waren vielmehr Versuche, die unsterbliche Lehre der Kirche auf konkrete moderne Situationen anzuwenden. [Enzykliken waren] kein Selbstzweck, sondern unterstützten ein größeres Betriebsprogramm. [Sie waren] niemals Wiederkäuer um ihrer selbst willen."

Waren zuvor kirchliche - also päpstliche - Lehrentscheidungen kaum jemals mehr als Abgrenzungen gewesen, konsultierte man Lehrkompendien lediglich in Fragen, was NICHT katholisch ist, setzte eine neue Bewegung ein, die sich darauf zu konzentrieren begann positiv zu formulieren, WAS KATHOLISCH SEI. So etablierte sich Schritt für Schritt eine Form der päpstlich-lehramtlichen Äußerung, die als "Enzykliken" betitelt das aufzuarbeiten begann, was denn die Kirche immer schon geglaubt hatte.² 

Damit aber passiert etwas scheinbar Seltsames, es beginnt zwangsläufig, das Denken vorzugeben und es damit EINZUSCHRÄNKEN. Ja damit wurde die Vernunft des Menschen, diese unverzichtbare Basis der katholischen Theologie und Anthropologie! beschränkt weil als Säule der Freiheit festgelegt.*** 

War das Katholische zuvor das Unbegrenzbare, das in seiner Weite und Größe niemals erfaßbare, das mehr durch Grenzen als durch positive Beschreibung zu erfassen war, begann nun eine neue Art des Umgangs damit um sich zu greifen. 
War bislang grosso modo alles das katholisch gewesen, was nicht explizit NICHT katholisch war, war immer mehr nur noch das katholisch, was DEFINIERT war. Der Leser möge das in Ruhe bedenken, und so nachvollziehen, wo der gravierende, wirklich gravierende Bruch in der Haltung des Getauften zu Glaube, Sakrament und Liturgie besteht.

Aber die Lage hat sich mehr und mehr geändert, ein Stein wurde auf den anderen gesetzt. Schon keineswegs zufällig wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Neothomismus ausgerufen. Er war nicht weniger als Restaurationsversuch, ein Selbstbefestigungsversuch, die Rückbesinnung auf Thomas von Aquin. Der immerhin auch so gesehen werden kann, daß er am weitesten aller Denker und Beter im katholischen Kulturraum dabei kam, eine geschlossene, positive Theorie aufzustellen.² 

Die in seinen zweifellos großen und großartigen Hinterlassenschaften wie der "Summa Theologiae" und der bewußt als Abwehrkompendium gegen die Irrtümer des Islam (die ja in ihren Prinzipien keineswegs Einzelfälle sind, sondern als Archetypen für den gesamten menschlichen Geistesraum gelten können) verfaßten "Summa contra Gentiles" als Bastion bereits genug war und es noch immer sein sollte, den leidenschaftlichen Anstürmen der Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts zu widerstehen.

Das hat sich mit und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil grundlegend geändert. Schon die Texte dieses Konzils kann man als Versuche begreifen, die Gesamtheit des Katholischen zu definieren, OHNE noch auf die Grenzen einzugehen. Ja, die Grenzen verschwanden sogar nahezu, und wurden nur noch für den existent und erkennbar, der ausreichend theologische und philosophische Bildung und Herzensreife hatte, sie mit den Texten des Konzils still mitzudenken.

Entsprechend verschwommen und "flexibel" sind viele, oft sogar die entscheidenden Formulierungen. Und das ist auch kaum anders möglich. Denn will man das Katholische positiv formulieren, ihm als "Lehre" eine Kontur geben, die in der intellektuellen Welt bestehen kann, muß man nicht nur scheitern, sondern der Versuch, es dennoch zu tun liefert, was wir tatsächlich geliefert bekommen haben: 

Texte, die dermaßen ambivalent sind, weil so viel zu berücksichtigen ist, weil so viel offen zu bleiben hat. Weil jede positive Formulierung² im intellektuellen Disput bestehen können muß. Sodaß am Ende dieses langsamen Scheiterns aber die Auflösung, die positive weil unbestimmte (weil in den Augen mancher ohnehin unbestimmbare) Vieldeutigkeit, und damit letztlich der Verzicht auf das eigentlich Mitzuteilende steht.

Das aber der sensus fidei, der existentielle Glaubenssinn, keineswegs als offen erfaßt. Es ist nur kaum oder gar nicht zu formulieren. Hinter jedem Glaubenstext steht also etwas, das mehr ist als Text, das ein reales, vollwirkliches und geschichtswirksames wie - schaffendes Glaube(n) ist! 

 
Morgen Teil 3) Ein Paradigmenwechsel mit schweren Folgen

¹Über diese Explosion des Abendlandes, die im "langen 13. Jhd." (der Begriff wurde von Jacques Le Goff gebildet und meint den Zeitraum vom späten 12. bis zum frühen 14. Jahrhundert) ablief, werden wir einen eigenen Beitrag in den nächsten Tagen veröffentlichen. Der vor allem darauf eingeht, daß es sich um eine "architektonische" Wende, um eine Architekturexplosion, also um eine Erschütterung des Raumes und damit des Ortes aller Dinge gehandelt hat.

²Der Leser kann es auch an manchen Texten in diesem Blog erkennen, die oft nicht zufällig so weit zu schweifen scheinen. Sie tun es, weil es sehr sehr schwierig ist, das, was man erfährt, das was vor einem steht, real, in Worten zu fassen zu kriegen - und "positiv" zu beschreiben. Also von innen heraus, nicht von seinen Grenzen her. Eine Aufgabe, die normalerweise der Poesie zugeschrieben wird, ja die zum Wesen der Kunst behört. Deshalb waren fast immer die Mystiker - sie sind die, die das Ganze sehen, dem Ganzen begegnen - zugleich wahre Poeten, man denke etwa an Johannes vom Kreuz.

***Vernunft ist dabei in einem viel umfänglicheren weil holistischen Sinn gemeint, als es die Aufklärung tut. Die die Vernunft auf die Ratio beschränkt - und damit unvernünftig wird. Dasselbe ist nun auch in der Kirche passiert.

³Wir müssen uns bewußt sein, daß einer der fundamentalsten Gründe, warum sich die Orthodoxie nicht in die Kirche eingliedern will und wird, genau das ist: Die Orthodoxie lehnt die positiven Definitionen (nach dem Konzil von Nicäa, das im Glaubensbekenntnis gewissermaßen die einzige positive Definition festlegte) ab, in die sich die Kirche mehr und mehr begeben hat. Dabei werden gar nicht so sehr die Glaubensinhalte abgelehnt, auf den sich die katholischen (päpstlichen) Definitionen im Grunde beziehen, sondern diese Definition. Die den Inhalt nur ungenügend erfassen, und damit irreführend sind oder sein (können)! 

Zugleich wird aber auch das Elend deutlich, das damit einhergeht. Denn OHNE solche Definitionen entstehen neue Gefahren, und die sieht man in der Orthodoxie tatsächlich. Es entsteht die Gefahr einer Inclusion von Inhalten, die ursprünglich auszuschließen wären. Es entsteht bei einem Bruch der persönlichen Überlieferung (sic!), die in der Orthodoxen Theologie eine weit größere Rolle spielt als in der römischen Kirche, die Gefahr einer Zulassung von Inhalten, die ursprünglich ausgeschlossen waren. Selbst bei einer so großen Rolle, die die Kirchenväter in der Orthodoxie spielen. Und damit entsteht die Gefahr einer der Häresie einhergehenden Selbstausschließung aus der Kirche, weil es keine Korrekturinstanz gibt. 


*141020*

Mittwoch, 4. November 2020

Wider Enzykliken (1)

Die neueste Enzyklika von Papst Franziskus, "Fratelli Tutti", verstärkt den Eindruck, der einen angesichts der Kirche befallen muß, nämlich den der Erbärmlichkeit und Schwäche. Das schreibt der Amerikaner Richard Greenhorn in einem Artikel, der am Blog von William M. Briggs unter dem Titel "Against Papal Encyclicas - Gegen päpstliche Enzykliken" in diesen Wochen erschienen ist. 

Aber es ist nicht die Zuflucht zu irgendeinem - fremdverfaßten, damit nicht so deutlich der eigenen Verantwortung unterstehendem - Pejorativ, das den an kirchlichen Angelegenheiten noch Interessierten verlocken sollte, diese Ausführungen zu lesen. Sondern es ist die Gedankenlinie, die so bemerkenswert ist, daß sie dem VdZ die Wanderung in diese Bibliothek der Orientierungssuche inmitten einer verrückt gewordenen Welt wert ist. Der sie aufnimmt und in der respektlosen Art, die wir von ihm gewohnt sind, in sein Weiterspinnen einbindet.

Dabei schadet es nichts, sich die Anmerkungen von Greenhorn von vor einigen Wochen vor diesen, Fratelli tutti zum Anlaß nehmenden Gedanken zu Gemüte zu führen. Die unter dem vielsagenden Titel "Integralismus als Verzweiflungsakt des Liberalismus" erschienen sind. 

Das Greenhorn, das den Artikel verfaßt hat, meinte mit Integralismus, die aktuelle Diskussion in den USA, ob man nicht die Kirche (und überhaupt die Religionen) in eine Art von Mitspracherecht in der Politik ausstatten solle. An sich ist zwar die Verfassung der USA die einzige und erste, in der Kirche/Religion und Staat strikt getrennt sind (wir haben darüber hier, unter Bezug auf die Arbeiten von David Wemhoff, ausgiebig gehandelt), der Staat also eine rein weltliche, laizistische Angelegenheit ist. Das ist in der Praxis natürlich gar nicht möglich, weil Glaube und Religion immer eine Rolle, ja eine so große Rolle spielen, daß sie der Politik sogar Vorgaben macht, ja meint, machen zu MÜSSEN. 

Insofern geht es nun darum, der Kirche bzw. der Religion auch offiziell diese Rolle strukturell einzuräumen. Sie also in den Staat, in die Gesellschaft offiziell (wieder) zu integrieren. Denn bislang ist es möglich, und es wurde auch immer mehr der Fall, daß religiöse Motive bei Richterentscheidungen ausdrücklich auszuschließen und aus der Rechtsprechung herauszuhalten waren. Aber damit war die Mehrheit der Amerikaner so gar nicht zufrieden, und das ist ziemlich verständlich.

Wir sehen damit, daß dieser Integralismus nicht mehr als eine Spezialform dessen ist, was der VdZ mit Paul Hacker Inclusivismus nennt: Der Staat gibt von seiner Macht ab. Das heißt nicht weniger als daß man aus einer (vermeintlich) überlegenen Position heraus das Verlangen aufgibt, das öffentliche Bekenntnis zu einer hierarchischen Ordnung zu verlangen, in der man überlegen ist und großmütig zuläßt, daß die (in den eigenen Augen unterlegene) Position des anderen "auf Augenhöhe gestellt wird." 

Insoweit verschwimmen also die Begriffe, denn dieser Integralismus ist nicht nur Ausfluß des Liberalismus, er ist noch umfassender gedacht Inclusivismus. Und als solcher ist es bereits beschrieben, weshalb wir im weiteren Voranschreiten diesen Begriff verwenden werden. Weil er damit seine Aktualität besser vor Augen stellt.

Deshalb sehen wir uns verpflichtet, die Schrift von Paul Hacker, diesem großen deutschen Indologen (und die meisten Indologen von Weltruf sind interessanterweise Deutsche), zum Inclusivismus anzupreisen. Die dankenswerterweise von Gerhard Oberhammer 1983 herausgegeben und somit der Nachwelt zugängig wurde. 

Wo Hacker, der sich zeitlebens mit indischer Religion und Philosophie und Lebenswirklichkeit* befaßte aufgezeigt hat, daß die typisch indische Grundhaltung**, die wir gerne - aber irrtümlich! - als extrem tolerant und liebevoll (also liberal) einschätzen, aus einem Unterlegenheitskomplex geboren ist, den Indien über seine letzten tausend Jahre Geschichte kultiviert hat. In der es von lauter überlegenen Mächten bestimmt worden ist - vom Islam, vom Christentum und von der abendländischen Kultur, also dem Westen, in der Gestalt von Portugal, Frankreich, England, und zuletzt USA. 

Mit dem Grunderleben, daß das eigene Schicksal, das Weltschicksal immer noch von anderen Mächten bestimmt wird, OBWOHL Indien mittlerweile das einwohnerstärkste Land der Welt ist. Da wacht aber heute etwas auf. Wir sehen es in einer immer feindlicheren Haltung gegenüber dem Christentum. Und wir sehen es im Inclusivismus der Inder. Wer schon mit Indern zu tun hatte wird an deren ganz subtiler Arroganz erkennen, was der VdZ meint.

Inclusivismus ist, grob gesagt, eine Haltung, in der alles, was einem begegnet, mit einer stillen, nie wirklich explizit gemachten Theorie (die mehr eine Haltung, vor allem eine Behauptung einer Theorie, also mehr eine These denn eine durchgedachte Theorie ist) umfangen wird. Diese Behauptung lautet in etwa so, daß dieses einem begegnende Phänomen oder Theorie oder Philosophie oder Religion in der eigenen Theorie oder Philosophie oder Religion (oder in allem zusammen) längst enthalten ist. Deshalb ist man ihr DOCH überlegen. Auch wenn man das nicht durchsetzen (und schon gar nicht beweisen) kann.

Noch ein Gedanke soll wie eine Saite angeschlagen werden, auf daß im Kommenden ein Ton mitklingt, den der Leser hört, während er den Textgedanken folgt. Diese Integration, dieser Inclusivismus ist erst möglich geworden, weil die vordem unterlegene Seite dieser Trennung bewiesen hat, daß sie der überlegenen Seite nicht schadet. 
Das Wesen des Inclusivismus ist also auch, daß es der Unterlegene ist, der sich integriert. Obwohl er in Wahrheit meint, der Überlegene zu sein. 
Schwirrt Ihnen, werter Leser, nun der Kopf? Geduld. Es ist nicht so kompliziert. Es ist nur komplex, und nicht simpel. 

Nun haben wir endgültig das Bett des Flusses vorgegraben, in das sich die Gedanken des Greenhorns ergießen, dessen Ergüsse wir zum Anlaß weiterer Erörterung nehmen. So können wir die Richtung deutlicher machen, in die der Fluß des Wirklichen fließt. 

Auch hier geht es nämlich um Unterlegenheit, und einer daraus erwachsenen Beweis- und Behauptungshaltung, die aber von keiner Theorie wirklich getragen und zu tragen ist. Zu widersprüchlich, zu wirr sind die Wünsche, und um solche handelt es sich, die der Verfasser von Fratelli Tutti vorträgt. Schon gar, sieht man sie im Rahmen der katholischen Lehre, die seit zweitausend Jahren unverändert steht.


Morgen Teil 2) Der Kampf um Bedeutung und Autorität
- Was sich im Ersten und Zweiten Vatikanischen Konzil wirklich geändert hat


*Aus welchem Durchmessen des geistigen Raumes des Menschen er zu seinem äußerst empfehlenswerten Alters- und Weisheitswerk "Das ICH im Glauben bei Martin Luther" kam.

**In ihrer religiösen Form bezeichnen wir Westler diese Lebenshaltung gerne als "Hinduismus", und nennen sie "Weltreligion". Kaum etwas könnte verfehlter sein. Wir tun das, weil wir es so gewohnt sind, aber in Indien ist es völlig anders. Hacker kommt aus der intensiven Befassung mit dessen Religion zu dem Urteil, daß man von "einer" Religion gar nicht sprechen kann. Praktisch hat nämlich jedes Dorf, manchmal jede Familie eine ganz eigene Religion. Alleine die Zahl der Hauptgötter und deren Interpretationen, die wenigstens noch so halbwegs durchgängig sind, beläuft sich auf mehrere zehn-, wenn nicht hunderttausend. Und sie sind mit unseren Denkkategorien kaum zu ordnen. 

Was uns in Europa als "hinduistische Religion" oder "Weisheit der Veden" etc. etc. vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begegnet, ist, und hier teils beachtlich reüssiert hat (man denke nur an die Beatles und den Run, den diese ausgelöst haben), ist durch bestimmte Figuren geprägt und vor allem gemacht, die uns mit einer Religion (oder Religionen) bekannt gemacht haben, die es so in Indien gar nicht gibt. Die eine regelrechte Erfindung ist, die von diesen Leitfiguren bereits durch das Scheidewasser europäischer Philosophie gemangelt wurde. Denn diese alle haben in Europa studiert. Somit ist es eine Illusion zu glauben, uns würde in diesen Heilslehren und -lehrern eine uralte indische Weisheitsreligion begegnen, geprägt von uralten Schriften, den Veden. Nichts wäre falscher!


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Dienstag, 3. November 2020

Erste Entwürfe eines Gesamtbildes (2)

 Teil 2) Aus dem Tagebuch - Erste Entwürfe zu Grundlinien 
einer christlichen Kultur und Wirtschaft


[...] Das heißt (wenn man so will) dann auch den Einschluß von "Sozialleistungen" für jene, die noch nicht oder nicht mehr am mehr oder weniger reziproken Wertaustausch egal aus welchen Gründen teilnehmen können. Das kann man dann meinetwegen "Sozialstaat" nennen. So war er jedenfalls gemeint, auch wenn man Röpke oder Erhard liest, obwohl letzterer deutlich liberalistisch war, Röpke hingegen noch viel substantieller abendländisch dachte. 
Ich bin auf ihn sogar über Architekturkritik, die er in Istanbul verfaßt hat, gestoßen. Die ich vor etlichen Jahren (erinnerlich um viel Geld, noch dazu ist sie ein relativ dünnes Heft) bei einem Antiquar - ich weiß nicht wo - auftreiben konnte. Er hat schon vor hundert Jahren das Ende dieser Kultur wie deren Charakteristik aus der Architektur abgelesen. Dazu braucht man schon sehr tiefe geistige Fundamente. [...] 
[...] Wenn das oben Gesagte nicht gegeben ist, wenn eine Gesellschaft (und ein darauf bezogenes Gefüge wie es der Staat ist) nicht auf diesen durch Dankbarkeit und Dankbarkeitspflicht zwischenmenschlich verankerten Grundzügen aufbaut, kann man von einem intakten Sozialgefüge gar nicht mehr sprechen. 

Es ist auch nicht konstruierbar oder rekonstruierbar. Denn kein Zusammenleben läßt sich auf Gesetzen und Vorschriften aufbauen. Jedes soziale Gefüge, das sich nur oder auch nur vorrangig darauf berufen kann, bricht mit der Zeit zusammen, denn es wandelt sich von Solidar- zu Kampfverhältnissen. [...]

In einer christlichen Kultur aber will jeder die Gestalten vervollkommnen, die alle Seiten umschließen, also Dinge weil Orte (!) vollkommen machen. Und die Welt ist ein Mosaik von Orten, AUF DIE HIN jeder geschaffen wird. Das rechtfertigt dann das Vertrauen in Gottes Vorsehung, in dem sich jeder Mensch "sicher" fühlen kann, sodaß er seiner Hingabe kein Maß anlegen muß. 

Er wird nicht verletzt, um es salopp zu sagen, wenn er sich auf seinen Ort hin transzendiert, selbst übersteigt, also nicht seinem niedrigen "Wollen" folgt, sondern dem Wollen des Heiligen Geistes gehorsam ist. Dort liegt ja dann seine maximale Freiheit, in der Anähnlichung an Gott, seinen Schöpfer. 

Und wenn doch verstoßen wird (was immer heißt: Dem Eigenwillen folgen, der Welt, die einen umgibt, nicht Gerechtigkeit und Angemessenheit zutrauen), so ist das nicht Maß aller Dinge, sondern ein von allen anerkannter und zugestandener Bruch mit dem Ganzen, der sogar (wie im Verbrechen) von der Obrigkeit, vom Rechtssystem (das die inneren Gesetze der Kultur enthält, aber vor allem deren Grenzen aufzeigt) bestraft wird.

Auch gerechtes Wirtschaften entsteht somit, aus der Eigeninitiative der Einzelnen, auf das Gemeinwohl bezogen. In dem das Wohl und Heil möglichst aller gefördert - aber vor allem: nicht behindert - wird. Das jeder im letzten natürlich selbst und in Freiheit anstreben muß, ist somit nur eine Folge. Indem jeder allen Anrufen die wesensgemäßen (ortsgemäßen) Antworten gegenüberstellt. Das heißt, daß der "Kaufpreis" nichts anderes ist als eine dem Wert des erhaltenen Geschenks ("Verkaufsakt") entsprechende Wertleistung.

Wir hatten das bereits in unserer Kultur erreicht. Denn das ist die eigentliche Leistung des Abendlandes, die sich bis zur höchsten Kulturhöhe im Mittelalter, bis zum 12. Jahrhundert, steigerte. Als geschlossene, nicht von interkulturellen Wirtschafts- und sonstigen Beziehungen aufgebrochener Kulturraum. Als geschlossene Gesellschaft, in der sämtliche Obrigkeiten ihre Aufgabe darin sahen, diesen Raum nicht nur aufzubauen, sondern auch zu schützen.

Denn jedes soziale System - und man muß sogar so weit gehen, die gesamte Schöpfung, die gesamte Welt als solches zu sehen! - besteht NUR dann (weil alles ins Weltlose und Nichts abfällt, wenn es das Systemische, das Ganze aufgibt oder verläßt) wenn es auf seinem innersten Gesetz aufruht: 
GABE und GEGENGABE, getragen und getrieben von der moralischen Verpflichtung zur (über-)adäquaten Gegengabe, in die hinein der Mensch sich opfert, auf die hin er sich transzendiert. 
Das ist zugleich der einzige Sinn alles dessen, was wir als Wirtschaften bezeichnen, die Ausfluß des Lebensvollzugs ist, der ein Oszillieren einer Zweipoligkeit ist, die innerhalb eines Dritten, der Liebe, des Geistes (Freiheit, Liebe, Wahrheit, etc. etc.) west. 
Die Welt wird somit von der aus Freiheit angenommenen Verbindlichkeit getragen - und das ist letztlich die Liebe. Deshalb braucht jedes System die Kirche als der perfekten Gesamtgestalt im Geiste, die die Welt hervortreibt: Die Kirche als einzige (!) Quelle der Menschen, und das heißt der Kultur, denn der Mensch ist Welt ALS Kultur.

Das Abendland kann somit nur durch und mit einer (starken, unangetasteten) Kirche ent- und bestehen. Wo immer diese als oberste Lehrerin und oberste moralische Instanz angezweifelt und verdrängt wird, bricht die Kultur auf das, was sich in Ersatzlehren, in neuen Weltgrammatiken ausdrückt - wie dem Evolutionismus, wie dem Liberalismus, dem Kapitalismus, dem Marxismus-Kommunismus, dem (fatalistischen) Hegelianismus (als falschem Bild vom Wesen der Geschichte), etc. 

Nur im Maß auch, in dem die Welt christianisiert wird, kann eine Öffnung in die Internationalität geschehen. Eine Öffnung auf andere Kontinente zu. Wie 1492 nicht zufällig aus einem tief katholischen Spanien heraus tatsächlich geschehen ist.  

Aber dies geschah bereits zu einem Zeitpunkt, wo die entscheidenden Brüche im (europäischen) Abendland bereits geschehen sind. Die sämtlich im "langen 13. Jahrhundert" abliefen. Jener Zeit, wo das Abendland aus einem "maximal dem Paradies, dem Traum ähnlichen Zustand" in einen (allgemeinen) Kriegsmodus fiel. Der fünf Jahrhunderte später den Kontinent buchstäblich in Ruinen legte. [...]




Montag, 2. November 2020

Das Nehmen verweigert

Wir leben in einer Zeit, die die Filterung sämtlicher Aussendungen des Mundes filtert und reinigt. Also das zumindest anstrebt und für nötig hält. Wo jede Berührung mit dem Nächsten zur Gefahr wird. Wo überhaupt jede Begegnung mit einem "anderen" zur Gefahr wird, weil das Gegebene nicht angenommen wird. Die also Interpreten wie Michel Foucault zu Kündern der wahren Realität hochhebt. Wen soll da noch irgendetwas wundern?

Nicht Corona war die Gefahr, war jemals eine Gefahr. Sondern Corona war wie die Emanation eines Geistes, war ein Spuk, in dem sich verwirklicht hat, was Grundzug der Gegenwart ist. Die im dialektischen Prinzip eine Wirklichkeit schafft, die der Grammatik der Seelen entspricht.

Eine Zeit, die das Nehmen verweigert. Denn im Nehmen wird der Geber als hierarchisch übergeordnet anerkannt. Im Nehmen wird aber die Prägung der eigenen Existenz durch ein Begegnendes akzeptiert. Und damit ist Nehmen eine Auslieferung, die dem Sterben genauso entspricht wie sich im Geben vollzieht, in dem jemand seine Existenz dem Transzendenten übergibt, also die Situation, die Gegenwart Gottes Realität und Gnade öffnet.


*311020*

Erste Entwürfe eines Gesamtbildes (1)

Aus dem Tagebuch - Erste Entwürfe zu Grundlinien 
einer christlichen Kultur und Wirtschaft 


[...] Wo zuletzt sogar das ein stilles Anliegen wurde, den eigentlichen Denkprozeß nur zu provozieren, aber im Leser selbst ablaufen zu lassen, als dessen eigene Leistung. [...]

Und wie es das Gesetz des Theaters ist. Weil es das Gesetz der Erkenntnis in der Welt ist. Man findet in sich die Bausteine, und setzt sie schließlich selbst zusammen. Damit ist Erkenntnis wirklich jener schöpferische Prozeß, der sie sein muß. Wo die Tangenten verlängert werden, die Richtungen aufgenommen, in die alles weist - die Linien aber dann selbst verflochten werden müssen. Oder, wie im Theater, wie in der Kunst, die Bilder selbst entstehen weil selbst gebildet werden. Aus den Wirklichkeiten, die unsichtbar hinter allen dargestellten Dingen stehen.

Diese werden angedeutet, werden freigeschaufelt, werden durch Katharsis (die ein Verbrennen der niedrigen, falschen, sündigen Beimengungen zu allen faktischen, historischen Dingen ist) freigelegt. Und dann zu einer neuen Lösung verbunden. Die wiederum deshalb artikulierbar, darstellbar, in eigenen Bildern herstellbar ist, weil sie mit bereits vorliegenden höheren, himmlischen Wirklichkeiten (die man durch das in-der-Welt-sein in sich trägt, als Anrufe der Wahrheit, des Wissens Gottes) zu jener himmlischen Wirklichkeit werden, die letztlich der Heilige Geist IN UNS herstellt und bewirkt.

Somit ist es denn der Heilige Geist, der aus uns spricht. Tatsächlich, real. Nicht "wir". Und das geschieht im Sterben, im Wegnehmen von allem, was von uns als Eigenwille in die Welt strebt. So werden wir zum Fenster und Tor des Heiligen (Geistes). [...]

Und in diesem Punkt deckt sich alles, auch das Wirtschaften. Denn im Weggeben dessen, was uns behört, öffnen wir eben dieses Tor. Damit ist alles Herstellen und "Verkaufen" ein "Verschenken", dem aber - in der moralischen Entsprechung - ein Wiederschenken begegnet. 

Das ist es, was die Verbindlichkeit menschlicher Gesellschaft(en) ausmacht. Das ist es, was eine christliche Kultur so einzigartig macht, und so bedeutend. In der die Obrigkeiten dafür zu sorgen haben, daß sie frei bleibt von fremden Einflüssen, die diese Gegebenheiten ausnützen wollen oder könnten. Weil sie auf Werten beruhen, die dieser christlichen Ethik nicht entsprechen.

[...] Nur auf dieser Grundlage, der Verbindlichkeit von Geschenk und Gegengeschenk, entsteht überhaupt (!) ein soziales, ein wirklich soziales Gefüge. Das seine Moral aus einer allgemeinen und allgemein wechselseitigen Verbindlichkeit aus persönlichen Verpflichtungs- wie Vertrauensverhältnissen bezieht. [...] 

[...] SOZIALE GEFÜGE, DIE IN SOLIDARITÄT UND VERBINDLICHKEIT mit offener Zukunft BESTEHEN WOLLEN, KÖNNEN NUR AUF DANKBARKEITSVERHÄLTNISSEN AUFGEBAUT WERDEN. 
Die Implikationen dieser Feststellung reichen dermaßen weit, daß sie auszuführen hieße, eine komplette Anthropologie, ja eine Metaphysik der Schöpfung selbst auszuführen. Denn alles ist als Dank auf Gott hin ausgerichtet. 
Weil ein Werk Eigenschaften seines Hervorbringers hat, stoßen wir damit direkt ins Herz einer Analogie zur Dreifaltigkeit. In der Gott im Heiligen Geist sich selbst ein Dank- und Sühnopfer darbringt. [...] 

 

Morgen Teil 2)


*091020*

Sonntag, 1. November 2020

Es ist schon alles gesagt

Aus dem aktuellen (und wie immer lesenswerten) Blog mit Corona-Update XXVII von William M. Briggs:

"Ich zitiere mich selbst: „Ich wiederhole meine Befürchtung, daß mit den lächerlichen und zunehmenden Tests die regelmäßige Erkältungs- und Grippesaison - und die damit verbundenen Infektionen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle - genutzt wird, um die Panik zu steigern. Nehmen Sie sich also in Acht.“

"Es passiert wie vorhergesagt. Wir haben letzte Woche gesehen, daß das Grippetracking der WHO zeigte, daß die Grippe seit Monaten so gut wie verschwunden ist. Anderen ist das auch aufgefallen. 

Genau wie bei der Grippe werden uns Impfstoffe nicht vor allen Todesfällen durch den Corona-Wahnsinn retten." (Zitat Briggs)

Graphik WHO - Die Grippe ist weltweit nahezu verschwunden 

Es ist zum Thema schon alles gesagt. Eine Wiederholung wäre nur sinnvoll, wenn Sie, werter Leser, unter Amnesie leiden. Wenn Sie manches wieder ins aktuelle Bewußtsein holen wollen, dann erlauben wir uns den Hinweis auf die Veröffentlichungen an dieser Stelle. Die von Beginn dieser "Corona-Krise" an völlig zutreffend analysiert hat, was IST, und vorhergesagt hat, was KOMMEN WIRD.

"Ambrosius-Konnotationen lesen schützt. Nicht nur vor Corona." Auch das ist ein Zitat. Das eines Lesers.

Zur Abrundung noch die offizielle Webseite der Regierung (AGES Corona), die die aktuellen Zahlen veröffentlicht. Weder aber spricht man von Hospitalisierten, sondern immer nur von Fällen, noch von Erkrankungen unter den "Infizierten", noch von Corona-Toten MIT und AN Corona. Wie man, davon abgesehen, bei Menschen über 80 Jahren - die die bei weitem größte Gruppe der "Betroffenen" sind - bei einem Durchschnittsalter von rd. 78 Jahren* sprechen kann ist dem VdZ ein Rätsel.

Und auch das sollte nicht fehlen. Damit man den Überblick nicht verliert.




*Eine Zahl, die weltweit, übrigens, seit etlichen Jahren SINKT: Das Durchschnittsalter der Menschen global, im besonderen aber in Industrieländern, also dem Westen. 


*311020*

Vom Preis und vom Schenken

Die wichtigste Funktion des Potlatch, diese bei so vielen Völkern zu beobachtende "Orgie des Herschenkens", der die Abendländer scheinbar so fremd gegenüberstehen*, könnte man fast übersehen, schreibt Marcel Mauss in "Die Gabe". Es ist die ständig wieder erinnerte, etablierte Hierarchie zwischen Häuptling und Vasallen und deren Dienern. Aber keineswegs aus "niedrigen Motiven" des bloßen Übertrumpfens, und schon gar nicht, um jemanden zu beschämen.**

Dieses Herschenken, das manchmal bis zum Selbstruin geht***, geschieht vielmehr aus höchst edlen, moralisch hochstehenden Beweggründen. Denn Geben heißt, (moralische) Überlegenheit, moralischen Hochstand durch die Fähigkeit zur Selbstüberschreitung zu beweisen, also magister zu sein. 

Annehmen ohne zu erwidern hingegen heißt, sich unterzuordnen, minister zu sein, tiefer zu sinken, Knecht und Gefolge zu werden.

Was dieser Ansatz (deshalb) an Kraft hat, die Ehe und ihre Stellung in der Gegenwart zu erhellen, werden wir noch zeigen.  


*Was so formuliert gar nicht stimmt. Denn auch bei uns war nicht nur, sondern ist ein Treffen, bei dem das Herschenken im Mittelpunkt steht, noch viel häufiger und lebendiger als man meinen könnte. Denn wenn sich die Verwandten zu bestimmten Anlässen treffen (mal mehr, mal weniger) und einander beschenken, so finden sich alle die Potlasch-Elemente genau so, wie sie bei den "Naturvölkern" üblich waren oder nach wie vor sind. 

Auch darin, daß man nicht nur schenkt, sondern dieses Schenken eine unausgesprochene (oft sogar unbewußte) wechselseitige Verpflichtung ist. Es "bedeutet etwas", wenn man jemandem nichts (oder etwas) schenkt. Und man fühlt sich verpflichtet, ein Geschenk mit einem Gegengeschenk zu erwidern.

**Deshalb schenkt man auch nicht einfach "so", sondern es gehört zur Kunst des Gebens, den Beschenkten nicht zu beschämen, sondern ihn möglichst in der Hingabe zu übertreffen, diesem eigentlichen Geschenk. Das heißt, daß der Beschenkte durch ein Gegengeschenk in der Lage sein muß, einer durch die Gabe moralisch entstandenen Verpflichtung (!) durch ein Gegengeschenk zu begegnen. Das aber wiederum nach seinem Stand (als Ort in der Hierarchie) bemessen sein muß.

Um das auf die Schnelle zu überprüfen, möge der Leser doch die Gegenprobe machen und sich ausmalen, wie man sich verhält, wenn jemand Geschenke nie entgegnet.

Auch wenn man (angeblich) nicht gerne hört, daß Geschenk mit Gegengabe zu tun hat, so sind sogar die Bedenken unangebracht, in diesem Zusammenhang das Wort vom "bezahlen" oder vom "angemessenen Preis" in die Runde zu werfen. (Was bis zum Wesen von Geld fortzudenken ist, darüber ein andermal mehr.) 

Denn darauf geht das zurück, was wir heute als ... Wirtschaft, als Angebot und Nachfrage, als Preis und Wert etc. bezeichnen. Praktisch das gesamte Wirtschaftsvokabular hat in Wahrheit eine in der "bloßen" Zwischenmenschlichkeit und deren sozialer Kommunikationstonleiter seinen Ursprung.

So nebenbei stoßen wir hier auf die Gründe für die Tatsache, daß es heute sowohl an der Fähigkeit zu schenken, Geschenke anzunehmen und dem Problem mangelnder Dankbarkeit zu mangeln scheint. Es hat damit zu tun, daß in einer Epoche, in der Identität mangels sozialer Institutionalisierung und Einordnung (was sogar Grundsatz der Pädagogik wurde) nicht mehr besteht, ist jedes Geschenk "bedrohlich" und muß zum "Recht" werden. Das betrifft auch die "Sozialleistungen".

***Sogar das ist in unseren Ländern alles andere als unbekannt. Man denke an ein Hochzeitsfest! Das keineswegs nur bei (zugewanderten) Türken eine wahre Geschenkorgie ist, die so manches Ausrichters reguläre wirtschaftliche Potenz deutlich übersteigen. Und zwar bei den Ausrichtern (Brautleuten bzw. Brauteltern) wie bei den Gästen.



*081020*