Dieses Blog durchsuchen

Samstag, 10. April 2010

Vernunft als Sprachaufbau

Die Abstraktion als vornehmstes Instrument der Vernunft ist nur noch in der Bildung von Begriffen möglich, die ihre Anschaulichkeit umso mehr abgelegt haben, als sie allgemeiner sind (Sein, Wesen, Ding ...) Auch wenn sich die Sprache noch um eine "Mitnahme" von Anschaulichkeit (in den eigenschaftlichen Zuordnungen von Selbst- und Mit-Lauten, siehe unter anderem Jakob Grimms Schriften über die Entstehung der Sprache) mühen mag. (Bis zu dem einen Wort, in dem sich alles enthält - Gott. Anm.)

Also ist der Aufbau von Vernunft an den Aufbau von Sprache gebunden (was die Behinderung des Taubstummen so dramatisch macht). Das Tier ist zu solchen Abstraktionen unfähig, es vermag nur Eigennamen zu erkennen. (Laut Grimm übrigens hebt die Sprachbildung beim "ich" an.)

Der Aufbau der Vernunft, im Gleichschritt mit dem Aufbau der Sprache, beim Kind ist sohin nicht eine Schule der Logik. Diese ist ja auch Vernunftgestörten möglich, wie manche exorbitanten Leistungen auf Spezialgebieten der Logik bei solchen Personen beweisen.

Aufbau von Vernunft heißt, den Gebrauch der Logik zu lernen. So, schreibt Schopenhauer, wie ein Mensch von musikalischer Anlage die Regeln der Harmonie, ohne Noten und Generalbaß, durch bloßes Klavierspielen durch das Gehör, erlernt.

Erst in dieser Abstraktion ist von Wissen zu sprechen möglich (Aristoteles: "Ohne das Allgemeine ist Wissen unmöglich"), indem es mit Phantasiebildern zusammengedacht, anschaulich (und damit: besessen) und geordnet (ob nach Regeln ordenbar, oder auf Bilder zurückzuführen) wird, erst in diesen Begrifflichkeiten (Universalien) vermag man von Denken zu sprechen, und Heinrich Reinhardt geht in "Johannes - Die Rede von Gott" sogar so weit, daß Philosophieren nur das Nachdenken über das, was ein Wort überhaupt ist, heißen kann.



*100410*