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Sonntag, 22. Februar 2015

Keine Verschwörung, aber eine Richtung (1)

Zwar ist der VdZ kein Verfechter von Verschwörungstheorien, und zwar aus der bescheidenen Einsicht in Entscheidungsprozesse auch bei politischen Gremien. Die wesentlich irrationaler, im Grunde chaotischen Prozessen weit mehr vergleichbar ablaufen, als die meisten Menschen es sich vorstellen können. Selbst also, was uns als "eindeutig" in seiner Intention erscheint, ist in der Regel (und ganz sicher im Ganzen betrachtet) eine TENDENZ. Die sich zwar sehr wohl wiederum als geistige Richtung bestimmen läßt, aber nicht einfach das Funktionsprogramm einer noch so verzweigten Organisation ist.

Nur unter diesen Auspizien lassen sich so manche Dinge konsumieren. Wie dieses Video, das im Einzelnen sehr wohl überlegenswerte und wohl richtige Gedanken vorträgt. Denn daß die weltweiten Migrationsströme eine direkte Folge der Globalisierung der Weltwirtschaft sind, und zwar weil diese Globalisierung wiederum Auswuchs einer technizistischen Auffassung von Wirtschaft überhaupt ist, dazu braucht es keine Verschwörungstheorien.

Solche Art der Wirtschaftsgebahrung duldet keine Konkurrenz. Denn ihr steht jede regional in sich mehr oder weniger harmonische Bedarfs- und Arbeitsgemeinschaft entgegen. Ihre Prinzipien hebeln jedes verortete Wirtschaften aus, steht diesem diametral entgegen. Die Auswirkungen auf die seelische Kultur der betroffenen Menschen liegen auf der Hand: sie werden entwurzelt, weil ihr Lebensraum auseinanderfällt, zu einer reinen Funktionsmaschine mutiert, und ihr Denken, ihr Bewußtsein wird zur Pseudologie entkoppelt. Auf dieser Ebene wirkt im übrigen Propaganda, auf dieser Ebene wirken vor allem die social media, das Internet als Massenmedium, die über Wortgeflechte ein bewußtes "Ich" (bzw. Selbst) in der Existenz halten, das ohne sie ins Nichts stürzen würde. Damit wächst auch die Bedürftigkeit, im Ganzen gesehen, nach Globalisierung. Das sind bestimmten bewußt gesetzten Absichten allerdings immanente Folgen. Erkennbar als Richtung, wirken sie wie Absicht, aber sie sind genauso wenig planbar, wie es letztlich eine solche globalisierte Wirtschaft ist. Die gleichfalls zu einem hochkomplexen System ausartet, und damit in ihren Entwicklungen gegen alle Bekundungen der Politik überhaupt nicht mehr steuerbar sind, sondern chaotisch reagieren. Klare Ursache-Wirkungserhältnisse bleiben damit auf isolierte Teilvorgänge beschränkt.

Diese Wahrheit aber macht natürlich eine Argumentsreihe, wie sie das Video darstellt, plausibel, weil es auf der Hand liegt: Die Globalisierung läßt sich nur fördern, wenn sich Nationen - wir sprechen von Staaten - zu einer Aufweichung ihrer Grundlagen bereit erklären. Globalisierung dieser Art steht nämlich auf zwei Säulen: Der Nutzbarmachung der Staaten als abstrakte Funktionsapparate, und der Partikularisierung von Staatsvölkern. Auf deren einheitlichem Willen, ja auf deren Gemeinschaft aber Staaten aufruhen. Besonders das Schlagwort "Demokratie" - als eierlegende Wollmilchsau durch jedes Dorf getrieben - erweist sich hier als äußerst effektiver Systemknacker. Und selbst das Wort der "Islamophobie", die Verleumdung so mancher Regungen als "Nationalismus" etc., zeigt sich in anderem Licht. Und wenn von "multikulturellen Gesellschaften" gesprochen wird erhebt isch der Verdacht, daß damit ein positiver Wert nur vorgelogen werden soll, dessen Hintergründe schlicht und ergreifend anderer Natur sind, anderen Funktionen dienen. Denn machen wir uns doch nichts vor: auch die derzeitigen politischen Systeme können sich nur am Leben halten, wenn dieses aus sich heraus expansive System der Geld- weil Schuldenwirtschaft, das ohne je weitere Randzonen, die die unklärbaren Grauzonen der Verschleierung von Konstenwahrheiten durch "Zusätzlichkeiten" aufnehmen können nicht auskommt, prolongiert wird. Scheitern wird das System (und da muß man in gewisser Hinsicht sogar Karl Marx zustimmen) aber unausweichlich, und zwar aus sich selbst heraus. Doch solange es expandieren kann, wird sich dies nicht ereignen.

Eine Rückkehr zur menschlichen Wirtschaft, zu homogenen Lebensräumen menschlicher Gemeinschaften aber würde es unweigerlich kollabieren lassen. Schon deshaln liegt nahe anzunehmen, daß das politsche und gesellschaftliche Establishment diese "Rehumanisierung" als tödliche Gefahr begreifen MUSZ. Ob sie das weiß, oder nicht.

Damit erhalten aber sogar Aufrufe der Katholischen Kirche in Deutschland und Österreich, eine "Willkommenskultur" zu entwickeln, Migranten freimütig aufzunehmen, eine ganz eigentümliche Färbung. Von Ländern mit besonderen direkten historischen Verantwortlichkeiten, wie das bei Frankreich oder England, ja selbst Italien ungleich anders der Fall ist als etwa in Deutschland, Länder, die sich also der Frage der Migration bzw. spezifischer Migration ganz anders stellen müssen, soll vorerst nicht gesprochen werden. Wobei sich solche Fragen ja überhaupt sehr länderspezifisch stellen, und nicht einfach der ganzen Welt übergestülpt werden können. Der Ruf nach "europäischen Lösungen" hat da oft kaum anderen Charakter als den, Verantwortung weiterzuschieben.

Gleichzeitig tritt ein Land, das in diese Globalisierung hinein aufgeht, in Verantwortungsgeflechte, die durchschaut zu haben der Politik schlichtweg abzusprechen ist. Oder will sich Europa durch Beitritt zu einem TTIP mit den USA auch um die Migrationsprobleme Mexiko-USA kümmern weil dann kümmern müssen?

Universalisiert aber stehen sie aber dann in der konkreten Weltsituation im Wirkstrom an sich - aus katholischer Soziallehre und Anthropologie heraus! - abzulehnender und menschenfeindlicher Gesamtrichtungen, ja arbeiten diesen zu. Denn eines kann mit Sicherheit gesagt werden: Ein Land, das seine ihrem Staat zugrundeliegende Gemeinschaft verloren hat, und das heißt konkret: Kultur, hat sich selbst aufgelöst und ist in einen höheren Funktionszusammenhang aufgegangen. Im Grunde ist es da sogar Christenpflicht, sich DAGEGEN zu stellen. So nebenbei: noch mit einem sehr realen Hintergrund. Denn die Folgekosten einer Globalisierung" der derzeit angestrebten Art, deren "Kollateralschäden", sind auch von einer versammelten Menschheit gar nicht mehr zu tragen. Die Globalisierung baut an einem schönen Balkon, während das Haus selbst in Schutt und Asche versinkt.

Christentum, Katholizismus aber ist ohne Kultur überhaupt nicht denkbar, es ist aus seinem Wesen heraus auf eine Kultur hingerichtet. Denn es ist nie abstrakt, sondern kann überhaupt nur konkret und verortet sein, ja das Heilsgeheimnis, das sie verkündet, das Kreuz als Tor zum Leben, ist NUR konkreten Lebensvollzügen eingeschmolzen, niemals abstrakten, "universalistischen" Werteerfüllungen. Der Christ muß also aus seinem Wesen heraus die Verwurzelung anstreben, um die Wirklichkeit des Kreuzes als Wirklichkeit des Lebens zu finden. Erst dort liegt das Wesen der Heiligkeit. Dieser Ort beginnt an der Nasenspitze, beim Stein vor den Fußspitzen, und erst in sehr oder sogar sehr sehr nachrangiger Linie in Problemen in 1.000 oder 10.000 km Entfernung, oder gar bei "der Welt" und deren "Zukunft" als Ganzes. Diese Ordnung kann überhaupt nicht umgedreht werden, auch nicht von einem Papst.*

Das ist der Grund, weshalb gewisse politische Forderungen, ja Widerstände zur Christenpflicht werden können. Etwa durch Vorbehalte, durch Interventionspflicht der Kirche, zum Beispiel gegen Bestrebungen, solche Globalisierung weiter zu betreiben, aufzutreten. Sich hier auf Einzelregelungen zu beschränken, Einzelpflichten einzufordern (wie die, Zuwanderer "liebevoll aufzunehmen"), greift nicht nur zu kurz, sondern kann im Gesamtrahmen gesehen zu einer Selbstinstrumentalisierung für falsche Gesamtziele führen. Derzeit freilich wirkt die Linie der Kirche - sehr, sehr! gelinde formuliert - oft regelrecht naiv, ja dumm und so gar nicht menschenfreundlich, auch wenn sie genau das behauptet. Mit treuherzigem "habt Euch doch lieb" ist da viel zu kurz gegriffen.

Die Kirche deshalb, weil sich Institutionen wie die UNO bereits recht deutlich bestimmten Interessen und Richtungen untergeordnet hat, die als mit dem Christentum verträglich zu bezeichnen nicht mehr möglich ist. Selbst manches von dem, was als "Menschenrecht" bezeichnet wird, ist aus christlicher Sicht UNRECHT. Weil sich hier die Menschheit einem System in die Arme treibt, das die Hölle auf Erden bedeutet und Freiheit zum leeren Schlagwort verkommen läßt.






Morgen Teil 2) Exkurs - Sind wir überhaupt reich? 




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Samstag, 21. Februar 2015

Freitag, 20. Februar 2015

Verlust der Rechtsstaatlichkeit (2)


Teil 2) Wer irgendwie gut sein will, 
ebnet Willkür den Weg





Mit welchem Risiko spielen dabei Staaten und demokratische Regierungen´ohnehin nicht längst? Sie dürften es sogar wissen. Denn längst begegnen sich ja zwei Prinzipien: Zum einen eine Politik, die beinhart weitreichende Zukunftsentscheidungen, die eine gesamte Bevölkerung treffen (und dort höchst kontrovers beurteilt werden), auf reiner Mehrheitsbasis trifft, zum anderen ein immer sensibleres Recht, abweichende Meinungen auszuschalten.

Der Weg dazu, jeden, der einfach eine andere Meinung hat, auszuschalten, und zwar ohne eine vom Recht definierte Tat begangen zu haben, ist definitiv und bereits jetzt ja breit und offen. Man ist nur vorsichtig, ihn zu offen zu beschreiten. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, daß man still und diskret abwartet, bis sich das Rechtsempfinden in manchen Gebieten abgestumpft hat. Schon jetzt ist etwa "Freiheit" für einen überwiegenden (!) Teil der Bevölkerung unserer Länder kein vorrangiger Wert mehr, in jedem Fall "Sicherheit (vor Terror)", aber auch gar schon "Gesundheit (durch Schutz vor Tabakrauch)" unterzuordnen. Über wie viele Themen wird ja längst nicht mehr diskutiert, ob sie überhaupt Angelegenheit eines Gesetzes sein können, sondern, ob sie diese oder jene Regelung "besser" ist. "Na Rauchen ist eben nicht gesund!" Ja? Und? Ist es deshalb Angelegenheit eines Gesetzes? Was ist das nächste? Übergewicht? Warzen auf der Nase, die ansteckend sind, wie wir alle wissen? Ablehende Meinungen zu Feminismus oder Homosexualität sind es ja ohnehin fast schon, gewisse historische Themen berührt man besser auch nicht. 

Und die Liste ließe sich enorm verlängern, wo der Freiheit - und hier ist nicht Willkür gemeint! - des Menschen bereits Schranken gesetzt wurden namens eines "moralischen Wertes", der nicht damit leben läßt, daß es Meinungen gibt, die nicht gesollten, festgesetzten, dabei meist - wie "Terrorismus" - gar nie eingrenzbaren Normen entsprechen. Was ist etwa Rassismus? Diskriminierung? Ablehnung der Gender-Inklusivsprache? Bedeutet es nicht längst Verhetzung, auf  jeden Fall die Wahrscheinlichkeit einer Straftat, seine Kinder traditionell (und auch mit der Bereitschaft zur einen oder anderen Tachtel) zu erziehen?*

Das alles wird natürlich durch den Umstand begünstigt, daß auch das jeweilige Rechtsempfinden in einem Staat, wie es ursprünglich jedem Rechtssystem ja zugrundeliegt, keineswegs mehr einheitlich genannt werden kann. Dafür sorgt der Pluralismus zum einen, zum anderen die Etablierung eines neuen, zumindest anderen Rechtsempfindens durch Zuwanderer aus anderen Kulturen und Religionen. Wer davor die Augen schließt, dem kann nicht mehr geholfen werden.

Weiters muß davon ausgegangen werden, daß selbst in dem Fall, daß ein Staat ein einheitliches Rechtsempfinden, also eine für alle Bewohner gerecht empfundene Rechtssprechung im Fall "Terrorismus" hat, die internationale Staatengemeinschaft, wenn sich deren Rechtsauslegung bzw. -empfinden und -wollen nicht mit diesem Teilstaat deckt, sich berechtigt sieht, in dessen Rechtssprechung einzugreift.

Und dies alles auf der Grundlage ... nicht definierter, wohl auch gar nicht explizit definierbarer Tatbestände, denen schon gar kein einheitliches Rechtsempfinden zu Grunde liegt. Als der sicherste Weg zu Willkürgesetzen.

Oder ist der Leser in der Lage, dem VdZ eine hieb- und stichfeste Definition von Terror und Terrorismus zu liefern, die noch dazu NICHT auf einem sehr spezifischen Rechtssystem und dem diesem zugrundliegenden Rechtsempfinden aufbaut?

Sodaß es zusammenfassend zu sagen gilt, daß der momentan neue Höhen erreichende Wille zur Bekämpfung des Terrors eine Entschlossenheit vorgibt und fordert, die sich auf einen undefinierten Begriff bezieht. Und zum anderen nicht einmal auf jenes (allgemeine, einem Staat zugrundeliegende) Rechtsempfinden zurückgreifen kann, das einer richterlichen Entscheidung den Rahmen zu gegen vermöchte, der jeder Rechtssprechung ohnehin nur zugrundeliegen kann: Den einer moralischen Gewißheit.




*Andere Staaten regeln "gut oder schlecht"-Dinge ja durchaus anders. Simples Beispiel: Ungarn hat für Zuckerprodukte oder fette Speisen bei Imbißständen (darunter Hamburger bei McDonalds) eine Sondersteuer eingeführt, weil man der Meinung war, daß sie Krankheiten begünstigen, und damit als Kosten auch das Sozialsystem belasteten. Gut, ist nachvollziehbar, ob richtig oder falsch ein anderes Thema. Aber niemand hat je überlegt ein Verbot auszusprochen, Hamburger oder Zuckerwatte zu kaufen, zu verkaufen oder zu essen!





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Weg zum sopranationalen Sozialismus

Frage: Während Ihrer Jahre der Debatte um die globale Erwärmung und der Konfrontation mit dogmatischen Gläubigen an AGW, was war für Sie am enttäuschendsten?
 
Monckton: Die Politisierung der Wissenschaft seitens der Temperatur-Diktatoren; der beängstigend große Lärm des dreisten Unsinns durch einen Großteil von Akademikern und der Politik; der zombiehafte Eifer, mit dem jene, die von Klimawissenschaft keine Ahnung haben, behaupten, dass die Wissenschaft ,settled' ist; der Widerstand der Klimaextremisten, mit jemandem zu diskutieren, der sich in der Klimawissenschaft auskennt und die immer häufiger erhobenen Forderungen der Klimaextremisten, dass jene von uns, die skeptisch sind, wegen ,Verbrechen gegen die Menschlichkeit' angeklagt und verurteilt werden sollten. 

Lord Christopher Mockton, der als politischer Berater maßgeblich daran beteiligt war, daß Margaret Thatcher ursprünglich begann, Maßnahmen gegen den Klimaerwärmung einzufordern, bis sie - und Mockton - die wissenschaftliche Unhaltbarkeit dieser Thesen erkannten, in einem Interview während der Neunten Internationalen Konferenz zum Klimawandel des Heartland Institute 2014. Thatcher, so Mockton, sei erstmals skeptisch geworden, als sie (mit seiner Hilfe) sah, daß die Thesen zur Klimaerwärmung und deren Vermeidung auf wissenschaftlich fragwürdigen Füßen standen, wessentwegen sich ja auch Mocktons Ansichten schon gewandelt hatten. Den Ausschlag für eine Änderung der Politik gab schließlich, als Thatcher erkannte, daß diese Thesen hervorragend als Hebel taugten, einen sopora-nationalen Sozialismus einzuführen.




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Donnerstag, 19. Februar 2015

Der gemobbte Papst (2)

Teil 2) Nicht auf den Papst - auf die Interpreten schauet!




Wenn es also offenbar ist, daß die Medien eine Botschaft des Papstes regelmäßig oder auch nur mehrheitlich verdrehen, so kann man nicht die Schuld den Medien zumessen. Sondern die Schuld geht sehr rasch auf den über, der seine Botschaft diesem Risiko aussetzt. Das heißt: Wo das Display des Empfängerhandys gar nicht einschätzbar ist, kann der Sender nicht "ein Werk" versenden und so tun, als sei der Empfänger verpflichtet, auf sein Werk zu reagieren. Denn er weiß gar nicht, ob beim anderen überhaupt "dieses Werk" ankommt, und nicht ein anderes, und der Empfänger weiß nicht wirklich, was er da überhaupt erhalten sollte, weil er etwas anderes erhielt.

Verantwortungsvolle Schaffende gehen deshalb nicht einfach daovn aus, daß sie ein Bild malen, und dann möge es hängen, wo es möge, in der Abstellkammer oder im Empfangssalon, sondern sie suchen genau jenen Platz, an dem das sinnliche Komposit das darstellt, was sie zeigen wollten. Nur so ist verantwortlich gehandelt. Und erst dann kann man scheiden, wo eventuell auch böser Wille vorhanden ist, der aus dem Gesehenen etwas ganz anderes macht.

Wenn er das nicht gewährleisten kann, dann sollte der Maler auf jeden Fall sein Bild verborgen halten. Oder, als Sprecher gedacht: schweigen. Oder nur im Gegenüber reden, wo die Rezeptionsbedingungen halbwegs zumindest beherrschbar sind.

Und allen Internet-Rambos gesagt, die da herumlaufen und überall durchsetzen wollen, daß das Gesehene, Wahrgenommene der Menschen NICHT DAS IST WAS SIE WAHRGENOMMEN HABEN: Sie sind extrem lieblos und respektlos, und schaffen GENAU das, was zu verhindern sie angeblich trachten: Respektlosigkeit der eigentlichen Äußerung gegenüber, die wahrscheinlich ja gar nicht ist, was sie meinte.

Weshalb man ihnen schon gar nicht trauen sollte. Weil sie offensichtlich etwas anderes wollen. Nämlich das, was sie tun, aber anders benennen. Indem sie den ignorieren, nicht ernst nehmen, den zu "beschützen" sie heuchlerisch vorgeben.

Was also all die Interpreten tun, die ganze Internetseiten Tag für Tag mit Interpretationen vollschmieren, die päpstliche Aussagen in Zusammenhänge stellen, in denen sie zu wichtigen Aussagen werden (hätten können), ist die Verhinderung des Wirkens des Hl. Geistes. Nicht mehr und nicht weniger. Weil sie die gerechte Rückmeldung verhindern. Denn sie schieben sich vor jene Gestalt, mit deren reinem Vorhandensein dieser Heilige Geist unüberwindlich einherzugehen versprochen wurde.

Im Berufsleben nennt man das übrigens Mobbing. Es fällt unter das 5. Gebot: Du sollst nicht töten.** Die Interpreten mobben den Papst, und sie mobben ihn, weil sie meinen, seine Aussagen wären erklärungsbedürftig, nicht das was sie wären, sondern ... unerträglich. Weshalb man sie besser gar nicht sehen sollte. Sondern den Blick - auf die Interpreten richte.




*Der Leser meint, das sei selten? Oh, er kennt die Kunst nicht! Solche Haltungen, solche "Werke" sind fast die Norm. 

**UND JETZT KOMMT'S: Dies ist eine der direkten Folgen der medialen Präsenz des Papstes, auch wenn das niemand gerade der Frommschnalzer glauben wird wollen, es würde ihm die Unterhosen ausziehen. Denn genau sie hat bewirkt, daß das Amt sich auflöste und zur faktischen Person wurde, die der eigenen Verfügung unterliegt, in diesem fabelhaften Zwischenwirken mit der "Unfehlbarkeitstaufe" des Faktischen, des Menschen, der dort in Rom auf der Kathedra Petri sitzt. (Siehe die Warnung von Kard. Newman, kombiniert mit der Entwicklung der Medien.) 

Ein "Mensch wie Du und ich", und zwar im wahrsten Sinne. Folge? Nicht der Papst kommt zu mir (und bleibt aber, was er ist; das bleibt eine reine Gedankenbehauptung, quasi notwendiges Fazit einer Pseudologie; die phänomenologische Realität ist ANDERS), sondern die reale psychologische (wobei: hoch ambivalente) Folge ist: ICH KOMME ZU IHM. ICH WERDE PAPST heißt die zweite Hälfte dieses Janusgesichts der Medien am Bildschirm in meiner Hand oder vor meiner Tastatur oder im Wohnzimmer. Mit jedem Re-Tweet, mit jeder Antwort, mit jeder Mail, mit jeder Interpretation "wie es gemeint war", mit jedem Niederknieen bei der Übertragund des "Urbi et orbi" in früher noch schwächerer, aber genau das bereits einleitender Form, und nciht zuletzt: mit jedem Papst-Handschüttler am Petersplatz, mit jedem zufriedenen Grunzen, weil er wieder einmal ein Kind auf die Wange beschmust hat. Wir haben es heute mit EINER MILLIARDE PÄPSTE zu tun! Und das ist genau das, was der Protestantismus deklamiert hat.

Oh ja, nicht das erste mal, daß dem VdZ vorgeworfen wird, erst unlängst von einigen Lsern dieses Blog, daß er - hier: Papst Franziskus - "hasse". Und WER diese Vorwürfe erhebt! Eine beliebte Waffe. Der VdZ aber schweigt. Wie damals, wie früher. Vielleicht ... aus Respekt? Weil ihn bodenloser Schrecken über diesen Niedergang des Papsttums in seiner Rolle in der Welt erfüllt, wo Liebe zur primitiven Sentimentalitätsübung verkommt, während das Handeln verheimlicht töten will? Es gibt keine Liebe ohne Wahrheit. Es gibt keine Liebe ohne Läuterung. Es gibt keine Erkenntnis ohne Liebe. Gott, der die Liebe ist, weiß alles.




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Verlust der Rechtsstaatlichkeit (1)

Oh ja, das will natürlich jeder, und wer es nicht wollte, wäre ohnehin bereits aus jeder menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen. ALLE wollen deshalb, daß der Terrorismus bekämpft wird. Und überall denkt man darüber nach, wie Terrorismus noch effektiver bekämpft (und verhindert) werden soll. Die UN hat ja bereits vor Jahren eine für sämtliche Mitgliedsstaaten verbindliche, per Sanktionen einforderbare Resolution Nr 2178 beschlossen. In dieser muß Terrorismus bekämpft und verhindert werden. 

Nur in einem Punkt kam es bislang zu keiner offiziellen Definition: Was Terrorismus überhaupt sei. Denn was für die einen Staaten Terroristen waren, waren für andere Freiheits- und Widerstandskämpfer. Das heißt nichts anderes, als durch diese UN-Resolution ein Freibrief für Staaten geschaffen wurde, jede Mißliebigkeit, ja sein eigenes Rechtssystem aus dem Weg zu räumen.

Und dem VdZ ist auch niemand bekannt unter den Allzuvielen, die seit Wochen und Monaten sich "gegen den Terror" aussprechen, der jemals erklärt (und vermutlich auch nie nachgedacht) hätte, was Terrorismus und Terror überhaupt sei!

Dies wird noch dringender durch Forderungen, durch mittlerweile an vielen Orten erwogene oder bereits erlassene Gesetze, auch "terroristische Absichten" oder "Begünstigungen" als terroristische Akte zu sehen, also mit Rechtsmitteln zu bekämpfen. Was nichts weniger heißt als daß Gedanken unter Strafe stehen, und den Entzug staatsbürgerlicher Rechte, den Verlust des Rechtsschutzes, der ja die Zentralaufgabe eines Staates ist, nach sich ziehen können.

Denn nun wird es ja überhaupt erst heikel: nicht nur ist nicht klar, was Terrorismus ist! Dieses Wort ist ja zu einem ähnlich beliebigen Totschlagwort geworden wie Demokratie, oder Menschenrecht. Sondern nun geht das Recht dazu über, sich selbst auszuschalten, weil undefinierbar ist, was denn nun eine Absicht oder Begünstigung von Terror überhaupt sei! Was ja doch seit vielen Jahren schon bei den USA zu beobachten ist, die frank und frei JEDEN der sich ihnen entgegenstellt, zum Terroristen erklären, also gar keine Kriege mehr führen, obwohl sie überall zündeln, sondern nur noch "Terroristen bekämpfen". Darunter solche, die wenige Jahre zuvor - von den USA selbst dazu erklärt - koalitionsfähige Freiheitskämpfer waren.

Folgerichtig wird in Deutschland und in Österreich schon ganz offen darüber diskutiert, ob Personen, die unter "Terrorverdacht" stehen (etc.), durch Fortnahme ihrer Personaldokumente die staatsbürgerlichen Rechte weitgehend zu beschneiden. Wer ist aber nun verdächtig, Terrorismus zu fördern, zu begünstigen, oder gar und vielleicht zu planen? Jeder, der einen Blog führt, oder einen Leserbrief schreibt, oder im Kaffehaus mit Freunden ein Gespräch führt und zufällig belauscht wird, in dem er Verständnis für irgendeine Tat oder Vereinigung äußert, oder auch schon jeder, der sich nicht strikt genug von einem Akt abgrenzt, der (zufällig, oder aus aktuellem Anlaß) als Terrorismus definiert wird? Wie sieht es dann erst mit jemandem aus, der provokative Äußerungen irgendwo getätigt hat, oder nur regelmäßig in die Moschee geht (oder in die Kirche), und nun auf amazon nach Sportwaffen oder Messern surft (weil er heimlich einen Campingurlaub plant)? Ist der bald schon unter "dringendem" Terrorverdacht? Oder sind es alle Demonstrationen, die irgendeiner Macht behauptenden Definition nicht genehm sind? Oder entschließen wir uns unter dem Eindruck aktueller Verhältnisse und Ereignisse rasch mal zur Diktatur? Man muß es nur wissen!

Denn so, wie dieser neue Terrorbekämpfungsakt diskutiert wird, hieße das sogar, daß es nicht einmal mehr zu einer Verhandlung kommen müßte, in der der Tatbestand einer Straftat zu klären ist, EHE jemand verhaftet wird. Herrscht in einer Gesellschaft klarer Konsens ist das ja noch zu diskutieren und evtl. legitim. Aber herrscht dieser Konsens nicht, kann es nur heißen, daß eine Gruppe über die andere(n) herrscht und das Recht hat, Opposition als Terror zu definieren und auszuschalten. Das ist gar nicht so weit hergeholt, denn immerhin werden immer wieder Gesetze beschlossen, die für einen Teil der Bevölkerung (man denke an die aktuellen Fortpflanzungsgesetze in Österreich) niemals akzeptabel sein KÖNNEN. Einem Katholiken, der den Staat auch als Verantwortungsgemeinschaft begreift, KANN es gar nicht gleichgültig sein, in einem Staat zu leben, der solche Gesetze beschließt, denn hier wird er an die ultimative Pflicht Gott gegenüber gepreßt. Ist also bei Regierungswechsel erlaubt, die Vertreter (und Beschließer) solcher Gesetze als Terroristen anzusehen, und entsprechend zu bestrafen? Das Recht dazu wäre nicht einmal von der Hand zu weisen! Wovon spricht dann gar Carl Schmitt, der vom "Terror der Werte" spricht?

Oder wie sieht es mit jemandem aus, der das TTIP als ultimative Kulturkatastrophe sieht, die er seinen Kindern mit allen Kräften ersparen möchte? Ein potentieller Terrorist? Und wenn ihn der hiesige Staat nicht so sieht - tut es die internationale Staatengemeinschaft, die seine Inhaftierung verlangt? Terrorisiert ihn nicht der Staat? 

Genau so war ja Demokratie aber auch nie verstanden, als Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit. Denn ursprünglich war klar, daß Demokratie in Grunddingen einen Konsens aller braucht, sonst bricht ein Staat auseinander. Wer terrorisiert aber nun wen, wenn er terrorisiert, und wie? Denn es ist ja gerade das Paradox einer Demokratie, daß sie einhellige Meinungen und Haltungen, zumindest in Grunddingen, BRAUCHT, sonst funktioniert sie gar nicht, sondern wird zur Diktatur der Mehrheit. Regierungswechsel würden dann zum Wechsel der Diktatoren, deren jeweils erster Akt die Revidierung zuvor beschlossener "falscher" Gesetze wäre.



Morgen Teil 2) Wer irgendwie gut sein will, ebnet Willkür den Weg



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Mittwoch, 18. Februar 2015

Der gemobbte Papst (1)

Nun mangelt in diesen Tagen, Wochen und Jahren nicht an jenen eifrigen Gemütern, die ihre Tage damit verbringen, vom Papst Gesagtes, Geäußertes, Getanes zu "interpretieren". Bösartige könnten es sogar als "Katholisieren" bezeichnen. Gemeint ist jene Tätigkeit, die aus diversen Wortspenden herausfiltert bzw. sich die Autorität zumißt, dies zu tun, was wie und in welchem Zusammenhang zu verstehen sei. Und steigert sich nicht selten in wahre Fanatismusorgien und Verwünschungstiraden, weil dazu nicht jeder und  nicht immer bereit sei.

Nun sei so manchem einmal angeraten, wie es einem selber gehe, wenn man es mit "Freunden" zu tun hat, die ständig der Welt erklären, wie das, was man tut, sagt oder äußert denn "in Wirklichkeit" zu verstehen sei. Dabei, im übrigen, noch gehörig selektieren, also nur jene Aussagen heranziehen, die so und so in diesen Zusammenhang paßten. 

Wie es dem VdZ in gewissem Zusammenhang bereits ergangen ist. Denn dann würde er am eigenen Leib fühlen, was das nachdenken ohnehin aussagt: Es ist eine Erfahrung äußerster Respektlosigkeit und Demütigung, und in allem: der Lieblosigkeit.

So verfährt man mit Geisteskranken, mit Unberechnbaren, mit fragwürdigen Charakteren, die man doch noch irgendwie halten will. Oder mit Kindern, bei denen man diese Unfähigkeit abzustimmen, was gemeint, und was geschaffen wurde, noch als wahrscheinlich annimmt. Denn man unterstellt zum einen, daß derjenige nicht in der Lage wäre, sich so auszudrücken, daß er verstanden würde. Zum anderen unterstellt man, daß derjenige nicht genug Klugheit besäße, sich in einer Form auszudrücken, die unmißverständlich sei, sodaß beim Empfänger auch ankomme, was er absandte.

Um zu illustrieren, was damit gemeint ist: Man stelle sich vor, ein Maler verfertige Werke, die er dann per Handy verschickt. Und weist darauf hin, daß dies ein Werk sei, auf das er stolz sei, denn er drücke sich darin vollkommen aus. Nun hat aber der eine Empfänger eine alte Nokia-Mühle, in der ein 3x4 cm großes, gräßliche aufgepixeltes Bildnis erscheint, das in blassen Farben und zerronnenen Konturen etwas darstellt. Der andere hat auf seinem Samsung Trophy 3400 eine gewisse Gelbfärbung, die alles in seltsamem Gelb erscheinen läßt. Der nächste hat einen Fehler in der Bildanzeige seines Siemens Uralt 5000, sodaß nur Fragmente auftauchen. Etc. etc.  Sie fragen nach, alle, rufen den Man an, ob das, was sie so vor sich hätten, SEIN Bild sei? Aber ja doch, versichert der Künstler, das sei sein Bild! 

Was meint nun der geschätzte Leser, was diese über das Bild des Künstlers sagen werden? Er male es sich selbst aus. Schon gar wenn man sich einen Künstler vorstellt, der aus Jux und Lässigkeit irgendetwas auf die Leinwand schmierte, und dann dem Empfänger gegenüber behauptet, es sei dies oder das, es läge nur an seinem Handy, es nicht zu sehen. Auch das - ein Akt der Lieblosigkeit, wenn nicht arglistige Täuschung. Vielleicht weil man ohnehin davon ausgeht, daß der Empfänger aus Liebe oder Verpflichtetheit daraus "etwas mache".*

Was lernen wir daraus? Um eine Botschaft anzubringen, ist es von nicht geringer Bedeutung zu berücksichtigen, ob das Medium, über die sie mitgeteilt wird, beim Empfänger überhaupt ALS diese Botschaft ankommt. Wenn sich der Sender gar nicht darum kümmert, kann er es mit seiner Botschaft also gar nicht ernstnehmen. Denn dann liefert er sie der Willkür der Empfänger aus. Der eine meint, dann, das Gelb wäre zu reduzieren auf ein mattes Grün, der nächste, daß die Fragmente nur zusammenzuhalten seien, und der dritte, daß diese Unschärfe wahrlich große Kunst sei, in der der Schaffende die Fragwürdigkeit der Welt meine. Und so verbreiten sie es dann weiter: XY habe ein Werk geschaffen, das so und so sei und dies und jenes aussage. Als sie einmal zusammentreffen, zufällig, nach einem Kinobesuche, kommen sie ins Gespräch, und stellen mit wildem Eifer fest, daß die je beiden anderen das Bild völlig falsch verstanden hätten.

Was ist daraus zu folgern? Daß der Künstler möglichst nicht mehr seine Bilder über Handy verschicken sollte. Denn ein Bild ist ein Bild ist ein Bild. Und die Verantwortung dafür hört nicht auf, wenn er es auf Papier bringt, das Einscannen und Versenden oder gar Empfangen geht ihn gar nichts mehr an, das Bild zu erkennen liegt also in der Verantwortung der Empfänger, die sich darauf gefälligst einen Reim machen sollen.

Aber noch etwas Wesentliches wird von den frommen Interpreten und Kaholischmachern gefließentlich übersehen. Daß nämlich in jedem Fall eine Botschaft für jeden in gewissem Grad etwas anderes bedeutet. Seine Reaktion darauf ist aber nicht vernachlässigbare Größe, sondern sie hat ein seltsames Geheimnis: WAS nämlich etwas ist, ist immer (zumindest: auch), vor allem aber initial, also in seinem Grund, geoffenbart, also: empfangen. Und keineswegs schlichte Willkür oder guter Wille. Darin liegt die Wahrheit, daß es in jedem Fall und unter allen Umständen gilt, offene Ohren zu haben dafür, was der andere, der Empfänger, über das, was man gesendet hat, denkt, wie er es sieht, und wie es aufgenommen wird. 

Es gibt die "nur so zu sehende" Interpretation also nicht. Und darin liegt der Weg Gottes zu den Menschen! Der immer eine persönliche Botschaft enthält. Weshalb es immer notwendig ist zu dem zu stehen, WIE etwas auf einen wirkt. Ganz subjektiv. Es gibt diese Pflicht zur Subjektivität tatsächlich! Und zwar genau sogar dann, wenn diese Subjektivität tatsächlich mit der "gemeinten" Wirklichkeit des Empfangenen gar nicht übereinstimmt. Als Rückmeldung ist sie höchst wesentlich. Nur so kann der Sender prüfen, ob seine Ausdrucksmittel von jenem Geist durchdrungen sind, aus dem er selbst das schöpft, was er auszudrücken beliebte.


Morgen Teil 2) Nicht auf den Papst - auf die Interpreten schauet!




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Die Geister die ich rief

Es ist zwar noch kein Argument, aber es illustriert die Dimension: Um die gigantischen Summen, die die USA in den Anti-Terror-Kampf fließen läßt, rein finanziell zu rechtfertigen, müßten die Geheim- und Abwehrdienste jährlich 1667 (täglich vier) Terroranschläge vereiteln. Schier unbegrenzte Mittel stehen zur Verfügung, werden laufend weiter ausgebaut, und haben einen militärischen Untergrundkomplex entstehen lassen, dessen größtes Problem ist, daß er weitgehend an private Unternehmen ausgelagert ist, schreibt James Risen in Pay Any Price. Damit wird jeder Standard der Kriegsführung unkontrollierbar, und gar nicht unerwünscht. Denn selbst die Folter konnte auf diese Weise ausgelagert werden.

Als Privatgeschäft ist aber nunmehr eine Eigendynamik am Werk, die dafür sorgt, daß dieser Krieg gegen den Terror gar nicht mehr enden wird, weil mächtige Interessen dagegen sprechen. Ja die Frage, ob dieser Krieg irgendwann auch zu Ende sein könnte oder sollte, stellt sich nicht. Dieser Krieg hat nämlich kein Ende "aus sich heraus", so wie man eine feindliche Armee in der Schlacht schlägt und damit ein Kriegsziel, die Wehrlosigkeit des Feindes, für alle erkennbar erreicht. Zu viele haben zu viel zu verlieren, sollte ein Friedenszustand erreicht sein. Zu eng ist bereits die Verknüpfung von Politikern und Kriegskonzernen, die Abermilliardengeschäfte mit der Terrorangst machen.

Ein perpetuiertes, ständig weiter ausgebautes Bedrohungsbild, das der Politik zugleich die Rechtfertigung gibt, die Rechte der Bürger - weltweit - in einem nie gesehenen Ausmaß einzuschränken. Jeder steht unter Generalverdacht, und niemand kann sich schützen. James Risen spricht von einem regelrechten Krieg gegen die Normalität.

Wo man aber vorsichtig sein muß ist, die Diskussion auf eine "Demokratie-Diskussion" verkürzen zu wollen. Mit Demokratie, mit einer Staatsform hat die Würde des Menschen einmal noch gar nichts zu tun. Denn diese Würde als Mensch ist nicht das Ergebnis einer Mehrheitsabstimmung, sie ist überhaupt nicht disponibel, sondern absolut. Genaus so wenig, wie Demokratie an sich (schon gar bei dieser Begriffsverschwommenheit, die heute herrscht) ein Qualitätsausweis für menschliche Würde ist. Das, was man als "Menschenrecht" bezeichnet, hat nur Sinn, wenn es in der Abbildhaftigkeit zu Gott gründet. Nur dort ist ein Menschenrecht verankerbar, will man diesen Begriff mit Sinn erfüllen, und ihn nicht der Stimmungsrelativität einer Gesellschaft unterworfen sehen.

Diese Situation ist durch Rückblicke weiter zu erhellen. Weil historisch fast durchweg bei allen Völkern vorfindbar, dem Nichtmitglied der eigenen Gemeinschaft das Menschsein* abgesprochen wurde, und damit jedes Mittel erlaubt ist**. Nur daß es hier eigentlich schon jeden, auch die Amerikaner, betrifft. Der Staat anerkennt also nicht einmal mehr sein eigenes Staatsvolk, sondern hat es präventiv zum Feind erklärt. Das kratzt sogar an den Fundamenten eines Staates, der nur aus einer Gemeinschaft eines sich zum Staat findenden, also eines Sinnes seienden Volkes (sonst kann es etwa keine Gerechtigkeit geben, die alle so empfinden) leben kann, sonst verfällt er, egal in welcher Staatsform. Was umgekehrt nicht immer heißen muß, daß in einer Abstimmung alle, oder eine Mehrheit, für das sie Tragende Gemeinsame stimmen muß. Das Ausmaß jener, die sich etwa mit einer solchen Verletzung der Menschenwürde, wie sie die USA laufend betreibt, abfinden, ja sie sogar fordern, selbst wenn es sie einbegreift, ist ja erschreckend.

Krieg korrumpert - grenzenloser, nicht endender Krieg korrumpiert grenzenlos und ohne Ende, zieht der Autor das Fazit in seiner Untersuchung. Er lädt die Politik dazu ein, sämtliche Grenzen zu überschreiten, und die tut das auch.




*In sehr vielen Sprachen heißt das Wort für die eigene Nationalität (z. B. "magyar") schlicht "Mensch", oder ist so zu verstehen. Recht, voller Rechtsschutz beginnt selbst heute erst dort, wo jemand dieser Nation (mit Bürgerrecht) zugehört.

**So war in Europa bis zum Ausgang des Mittelalters bestimmte Waffenentechnik (v. a. wo sie anonym, rein zweckorientiert auf das Ausschalten des Gegners mir allen Mitteln ausgerichtet war, wie bei der Armbrust) nur zum Einsatz gegen (asiatische) Heideninvasionen erlaubt, die außerhalb des christlichen Wertecodex des Abendlandes standen. Die Situation der Sklaven seit je, aber auch die ursprüngliche Stellung der Indianer nach der Entdeckung Amerikas, als Beispiel, ist in dieser Sichtweise begründet, die sich erst auf Betreiben der Kirche wenigstens partiell änderte.



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Dienstag, 17. Februar 2015

Tod durch Wirklinge

Die ganze Natur, schreibt Jakob von Uexküll an einer Stelle, zerfällt in "Merklinge" und "Wirklinge". Nehme man eine Henne mit ihrem Küken: Die Henne, die nach Finden von Futter das Küken herbeiruft, übernimmt die Rolle des Merklings, während das Küken ganz Wirkling (kraft des "Vertrauens", eine Selbstverständlichkeit) wird.

In gleicher Weise zerfällt jede menschliche Organisation in solche Teilung. Und es ist angeboren, welcher dieser Gruppen man zugehört. Schon deshalb ist nicht jeder Mensch für jede Position geeignet, denn jedem ist etwas dieser beiden "selbstverständlich", und das ist der Boden, auf dem jeder steht, ja: auf welchem NUR er stehen kann. 

Ja, wenn ein Merkling zum Wirkling werden will, wird er das genauso falsch tun, wie umgekehrt, der Wirkling den Merkling vortäuscht, um das Merklingsein zum Wirklingsein umzufälschen. Und das scheint dem VdZ als eine der realsten, folgeträchtigsten und leicht beobachtbaren Konsequenzen: Daß jeder Mensch eine vorhandene Vernunft und Sprechweise auf seine Weise umformt. Sodaß sie wie das eine klingt, dem Worte nach, aber dem anderen gemäß wirkt.

Um das zu illustrieren, holen wir diese Teilung in die konkrete Welt der Gegenwart. Und greifen so manche Wut des Wirklings heraus, sich in Verbindung mit Ereignissen oder Personen zu setzen. Nehmen wir ... das "Selfie", oder den Wahn sich überall mit Postings und Rückmeldungen vermelden zu müssen, oder zu sollen. Das sind eben alles Merkmale des "Wirklings". Der keine andere Möglichkeit hat, sich in den Besitz der Welt zu setzen, als diese Welt in die seine zu holen, ganz konkret. Sein Wesen ist, konkret zu beweisen, daß er in der Welt Spuren hinterläßt. 

Der geistige Zugang des Merklings ist ihm fremd. Dessen Wesen ist ihm Gegenpol, entgegengesetzt. Anders als der Wirkling, braucht der Merkling nicht den Beweis seiner Wirkung auf die Außenwelt, sondern, umgekehrt, ist ihm das Wichtige die Wirkung der Welt auf ihn. Es liegt in seiner Natur, seine Außenwirkung zu unterschätzen, denn seine Außenwelt besteht aus lauter Problemen. 

Während für den Wirkling seine Wirkung bzw. die Folgen aus seinem Tun "Selbstverständlichkeiten" sind, ja alles unter Selbstverständlichkeiten versinkt. Auch und gerade das, was er von der Mitwelt abverlangt. Er kennt "Respekt" nicht, nicht in dessen Wesen. Wenn, wird er zur pragmatischen Wirkung.

Ein Problem für eine Gesellschaft als Ganzes entsteht, wenn die Mischung aus diesen beiden Typen nicht mehr gesund ist. Eines ist dabei tödlich, schreibt Uexküll: Eine Gesellschaft, die nur aus Wirklingen besteht.




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Frau


Gesehen auf everyday_i_show




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Montag, 16. Februar 2015

Auf den Punkt

Ein guter Satz, in einem lesenswerten Artikel in der FAZ zu Pegida, der manches auf den Punkt bringt:

Die Wut gegen Pegida - die Anti-Pegida - schäumt vor allem deshalb so auf, weil unausrottbar scheint, daß "im privaten Meinen vorkommt, was aus dem öffentlichen Diskurs [der einem bestimmten Gesollten folgt; Anm.] verbannt ist."

In Pegida aber, als Spitze eines -  wie sämtliche Erhebungen ergeben - sogar sehr breit vorhandenen, ja mehrheitlichen Volksempfindens, äußert sich der Unmut darüber, daß sich eine breite Bevölkerungsschichte schlichtweg weder von Medien noch von der Politik noch repräsentiert fühlt. Sondern sogar noch die Erfahrung macht, daß ihr Wollen, ihre Ängste, ihre Sorgen unterdrückt, und ihre Themen, sie selbst in jedem Diskurs als "böse" verleumdet oder gar ausgeschlossen werden.  

Weil aber diese Einzelmechanismen der Unterdrückung einer ganzen Volksschichte so gut zu funktionieren scheinen, muß am Gesamtsystem der Macht - an der die Anti-Pigeda partizipiert - etwas nicht stimmen. 

Denn was muß passieren, damit sich eine mit Recht als tragende gesellschaftliche Mitte begreifende Bevölkerungsschichte auf die Beine macht, und demonstriert? Das muß sehr wohl dahingehend gewertet werden, daß diese einzelnen Vulkanausbrüche auf ein breites Brodeln im Untergrund hinweisen. Selbst wenn man die Pegida-Meinungen ablehnt, kann man sie deshalb nicht einfach ignorieren und marginalisieren.




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Frau


Gesehen auf everyday_i_show





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Sonntag, 15. Februar 2015

Man denkt sich, weil man gedacht wurde

Wenn es Leute gibt, schreibt Franz von Baader einmal, die behaupten, sie wüßten vom Absoluten nichts, so ist die Frage, ob man ihnen trauen und glauben darf, sei es daß sie bewußt die Unwahrheit reden, sei es daß sie ihre eigenen Gedanken nicht verstehen, sei es daß sie bis zum Zustande der Verwilderung entartet sind. Denn die Grade der Klarheit des Beuwßtseins sind unendlich und es kann in einem Ich ein so geringer Grad vorhanden sein, daß der Gedanke des Unendlichen nur noch als dumpfe Ahnung vorhanden ist. 

In irgendeiner Form aber ist der Gedanke des Unendlichen im Ich immer vorhanden, und verschwände der letzte Rest  der Ahnung desselben, so müßte das Bewußtsein selbst verschwinden.

Denn das Ich kann sich seiner selbst nur bewußt werden, wenn es sich als begrenzt erfährt. Es kann sich aber nur als begrenzt erfahren, wenn es (in logischer Folge, in der die Weltdinge wie eine Rampe vorzustellen sind) zuvor das Unbegrenzte erfährt. So, wie es aber auch das Unbegrenzte nur weiß, weil es das Begrenzte weiß. Zeitlich gleichzeitig, logisch aber in Hierarchie, weil ein sich selbst erfassendes Ich nur in der Struktur eines überhaupt sich damit absoluten selbsterfassenden Ich möglich ist.

Deckungsgleich ist dieser Gedanke mit jenem, daß jemand, der Gott leugnet, erst recht sein Wissen um ihn zugibt. Denn es läßt sich nicht leugnen, was zuvor gewußt wird.  (Dem Agnostiker fehlt also "lediglich" der Wille, sein Denken in strenger Logik fortzuführen.)

Das Schwinden der Identitäten, das heute zweifellos zu beobachten ist (begleitet von einer Gegenbewegung: dem  willentlichen Konstruieren einer Identität), verläuft (auf einer anderen, bereits konkreteren, ausgefleischlichteren Ebene) in Korelation zum Ausdämmern des Bewußtseins des Unendlichen. 

Wo das Bewußtsein des Unendlichen aber wirklich schwinden sollte, löste sich auch das eigene Bewußtsein, das Selbst auf. Der Mensch fiele in den Irrsinn, er könnte sich nicht mehr festigen und würde zerfließen. 

Und er vermöchte es auch dort nicht mehr, wo er sich nicht im Glauben - dessen Wortdeckung mit "Ge-loben", sich also anverloben, sich zueignen, auf die Wurzel des Glaubens im Willen, also als Akt, hinweist - an das Unendliche, Gott, zu verankern vermag. Dieser Akt selbst allerdings ist nicht eigene Setzung! ("Gott gibt das Wollen und das Vollbringen") sondern ist nur dann möglich, wenn das Ich sich als gewollt begreift, der Willensakt also seiner Natur folgt. In der er das Einfügen in einen vorausliegenden Willensakt ist. So, wie ja das Befolgen eines Gesetzes (und darauf beruht jedes Erkennen der Welt) nur das Einfügen in ein vorausliegendes Sein (und Wesen) ist. Wo das Denken nicht gehorsam und welt-/dingkonform sein wollte, bliebe die Welt vollkommen unverständlich, und der Mensch könnte rein gar nichts mehr tun. 

Im selben Sinne ist auch das Sich-selbst-Denken, das Bewußtsein seiner, nur möglich, weil diesem Akt ein bereits Gedacht-werden (im Unendlichen) vorausliegt. Ohne den Gehorsam diesem göttlichen Denken gegenüber, wäre dieser Akt des Sich-selbst-Denken gar nicht möglich.

Im "cogito ergo sum" des Descartes weiß also zwar der Mensch von sich und seiner Existenz, aber er weiß von sich nur, weil er (in logischer, nicht zeitlicher Folge) bereits vom Unendlichen weiß. Und er weiß dies nur wenn er davon ausgeht, daß er geschaffen wurde, also ihm selbst vorausliegenden, zu erfüllenden Sinn hat. Und das ist nur möglich, wo es einem absoluten, unendlichen Sinn (=Vernunft) gleicht - also gott-ebenbildlich sein will. Damit wird es Analogie zu Gott, freilich aber nicht zu Gott selbst. Und er weiß auch um diese Differenz, sonst wüßte er nicht von sich. 

Wüßte somit der Mensch nicht um seine prinzipielle Vernünftigkeit (als Sinnhaftigkeit, das heißt als Ausgerichtetheit auf ein zu Erfüllendes, das FÜR IHN in der Welt ist, soll heißen: der Welt hinzuzufügen ist), könnte er auch die Welt nicht in Sinnverhältnissen stehend wissen, also denkend zur Vernunft ordnen, also erkennen. Sein Denken würde sich auflösen. (Wessen Ich sich also in obigem Sinn auflöst, kann auch nicht vernünftig denken - etwas, das bei Geisteskranken ja zu beobachten ist.)

Deshalb ist der allergewisseste Gedanke der Gedanke von Gott. In dem Sinn muß er gar nicht gefaßt werden, weil er der Denkbewegung ohnehin bereits vorausliegt. 

Von dem zwar (vom Menschen aus betrachtet) kein direkter Beweis zu führen ist. Denn wenn ein Gott ist (und wie gesagt, davon geht jeder Mensch und also DIE MENSCHHEIT, das Wesen des Menschseins immanent aus), dann übersteigt er selbst alles, was das nur geschöpflich denkbare Menschsein ist, unendlich. Weil aber alles nur auf eine Art gedacht werden kann, die seinem Wesen entspricht, müßte sohin der Mensch tatsächlich selbst Gott sein. Nur Gott kann sich selbst denken. Wohl aber kann er das "unter ihm" denken, also den Menschen. Wo dieser Gott direkt zu denken wähnt, steht er im Widersinn, und damit in einer Aporie. Schon der Begriff Gott ist ja das Denken von etwas, das des Menschen denken übersteigt. Sich für Gott zu halten ist deshalb nie mehr als ein Wahn, der auf einem Nicht-gewahr-Sein seiner selbst beruht.

Aber sehr wohl ist ein indirekte Beweisführung möglich, als ein "notwendiges Schließen auf". Oder, wie Viktor Frankl es einmal sagt: Durst ist der Beweis dafür, daß es Wasser gibt.  Selbst wenn es nicht da bzw. sichtbar da ist müßten wir deshalb davon ausgehen, daß es Wasser GIBT.

Auf diesem jedem Menschen gewissesten aller Gedanken ruht jede weitere Gewißheit, nur so kann er überhaupt leben, und sein Leben entfalten.* Dies alles nun betrachtend können wir nun verstehen wenn davon gesprochen wird, daß Gott selbst das Licht der Welt(erkenntnis) ist. So wie die Wahrheit dieses Licht in seiner Weltrealität ist, ohne das bzw. ohne die alles zerfallen würde. Alles was ist ist in sie eingebettet. Und im selben Maß ist das Licht das, in dem alles ist, und aus dem alles ist.²

Im selben Sinn ENTSPRINGT die Erkenntnis bzw. Gewißheit Gottes nicht aus der in sich verbleibenden Natur- oder Weltbetrachtung, also quasi "von unten heraus", sondern diese kann eine in jedem Menschen bereits vorhandene Gewißheit nur ERWECKEN, zum Gedanken anstoßen, und so zur Welt führen, ja in gewisser Weise "gebären" - in (weil aus) der Gestalt der Wahrheit.** Genau so, wie umgekehrt eine Lüge, ein Irrtum (der somit - fast - immer aus einer Unsittlichkeit stammt³), diese Gewißheit verdecken, verdrängen, und schließlich sogar final erwürgen. Und damit entweder zum Irrsinn führen, oder zur entselbsteten Scheme, zum Handschuh gewissermaßen, den ein anderer, fremder Wille ausfüllt und bewegt als wäre es ein für sich stehender, integerer Mensch.***



*Wird im weiteren, konkreteren Denken deshalb die Gewißheit von Gott aufgelöst, so muß nicht nur ein logischer Fehler vorliegen, sondern es lösen sich auch, je spezifischer die Gedanken werden progressiv mehr, alle weiteren Gewißheiten auf. Etwas, das sich im Relativismus bestens beobachten läßt.

²Man beachte dabei die Analogie, die die Quantenphysik kennt: alles ist im letzten ... Licht, heißt es da. Ein Gleichnis (bereits in Gestalthaftigkeit, wobei: aus Wirkungen erschlossen) für die geistige Wirklichkeit, die sich im Denken erschließen kann, weil das Denken selbst ja aus dieser Wirklichkeit stammt, wenn es denn Nach-Denken ist. "Denn im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort WAR Gott." (Beginn des Johannesevangeliums)

**Grundwirklichkeiten, denen der Rationalist durch (die Welterfahrung ausgrenzen sollende) Konstruktion eines Ich - und der Welt als Folge - zu entgehen sucht. Er ist also auf der Flucht zum einen vor sich selbst, zum anderen vor dem Unendlichen, um das er weiß, weshalb er ja darauf reagiert, und zugleich vor der Welt ALS Wirklichkeit, in der er zweifellos das ihm selbst Bewußte vorfände.

³Wir verweisen damit auf die Diskussion, ob es eine "in sich schlechte Tat" gibt, die auszuführen also immer Sünde ist. Von jenen, die dies bestreiten, wird meist angeführt, daß es den Irrtum gäbe, und daß somit der irrende Mensch gar nicht zu sündigen vermöge. Aber das übersieht diesen Zusammenhang, wie Josef Seifert in seiner Untersuchunt über "Die Wahrheit" auseinanderlegt: Weil der Irrtum eben immer (bis auf einige wenige Fälle eines "gewaltsam implementierten Irrtums", der aber im speziellen für die Leibessünden, um die es hier meist geht, nicht gelten kann, denn der Leib bleibt dem Menschen quasi immer) auf einer Unsittlichkeit, also auf einer vorauliegenden moralisch qualifizierten Entscheidung beruht. Wer "irrt" (sagen wir in Bezug auf Sexualität, auf den Ehebruch) hat sich bereits zuvor FÜR DIE ABWEICHUNG VOM WISSEN GOTTES (wie wir es hier auseinandergelegt haben) entschieden. 

***Hier ist die Rede von jener Erfülltheit mit dem Geist des Bösen, die in der Erfahrung zeigt, daß der "wirklich Böse" eiskalt, nüchtern und scheinbar emotions- und bewegungslos das Gute zerstört.



*150215*
Leicht überarbeitet *140322*

Welt ist Wunder

Nicht simple mechanistische Prinzipien sind die Grundlage der Welt. Die Grundlage der Welt ist das Wunder. Und Wunder sind die normale Art der Realisierung von Seiendem, von "etwas". Der Mensch hat gar nicht die Möglichkeit, eine zu dieser Wunderwelt parallele Welt zu bauen. Das ist ein tragischer Irrtum zum einen, völlige, auch willentliche Selbstverkennung in den menschlichen Möglichkeiten zum anderen. Wo immer der Mensch dem Wesen der Welt, ihrer Ordnung im Geist, in den unendlichen Ideen Gottes, zuwiderhandelt, kann er nur die Pracht der Welt vermindern und zerstören, das heißt: ins Nichts zurückstoßen. Sie zu vermehren vermag er nur, wenn er dem Wunder Raum einzuräumen vermag.

Denn nur aus dem Wunder heraus wird das Mögliche (als im Seienden präsenter Seins-Wille zur Weltwerdung) material, als Gabe, als Wunder, und nur daraus und nur so weit läßt sich Welt bauen. Der Rest ist Illusion, Täuschung, Scheinbild, Scheinrealität, die freilich in gewisser Weise zurückwirkt, aber dem darin enthaltenen Sein nach. Deshalb dem in dieser Scheinrealität Lebenden immer so ganz "anders als geplant". Denn Irrationalität ist nicht Geheimnis, Überraschung nicht einfach Wunder, Willkür nicht einfach Freiheit.

Das Mögliche ist nämlich nicht menschlicher Willkür unterworfen, sondern liegt in dem, was allem Sein gibt. Und nur darauf kann sich sinnvoller Wille werfen. Ohne annahmebereite Offenheit diesem Sein gegenüber, ohne Freiheit deshalb kein Wissen (sondern: Irrtum), und ohne Willen diesem Sein gemäß (das sich in der Erkenntnis, in der Vernunft erschlossen hat) zu handeln - nur Zerstörung.




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Samstag, 14. Februar 2015

Laßt den Alten weit weg sein (2)

Teil 2) Der Katholik braucht keinen Papst zum Seligwerden





Er scheint diese Überforderung zu ahnen, denn daß er die päpstlichen Gestaltmerkmale nach wie vor ablehnt, nicht einmal in die päpstlichen Gemächer zieht, könnte ganz einfach ein Davonlaufen vor der Überforderung zu sein, die ihm die Kardinäle aufgebürdet haben. Werter Leser, Sie sind nicht weniger katholisch, wenn Sie der Meinung sind (und das sind sie nicht allein!), daß der werte Herr Dorfpfarrer-Niveau hat, und meint, es wäre ein besonders tolles Papstverständnis, den Papst zum Dorfpfarrer zu machen, statt einfach am Rio de la Plata zu bleiben und Mate mit Pedro und Juanita zu süffeln. Und als kleiner Jux, der das Leben ein wenig amüsante macht: Machen Sie, geneigter Leser, sich klar, daß die, die dieses wirre Zeug. das man halt so beim Tee dahertratscht, wo man eben redet wie einem der Schnabel gewachsen ist, wie es nun aber vom Balkon des Petersplatzes erklingt, zur "tiefen Spiritualität" erklären, gar nicht wissen, was überhaupt Spiritualität (und schon gar: tiefe) ist.

Wer mit offenem Herzen dem depositum fidei zugeneigt ist, und das sagt ein Kardinal Newman, DER ist katholisch verankert.

Der braucht keinen Papst im Fernseher der ihm (völlig absurd, aber auch tief beleidigend!) erklärt, wie viele oder wie wenige Kinder er haben soll, und es gehört dann auch nicht zur Christenpflicht, nachher dutzende Artikel zu suchen, in denen berichtigt wird, weil er es in Wirklichkeit anders gemeint hätte, was halt so und so aus den und den Gründen rüber kam. Man höre einfach nicht mehr hin, was erwartet man sich denn überhaupt davon? Die Heilsgestalt der Kirche, dieses "Pharmakon der Heiligkeit" (Zitat: M. Mosebach) ist niemals (!) am Bildschirm sinnlich erkennbar. Dort wird bestenfalls DARÜBER berichtet, wie es eben ein Photo leisten kann. Man höre weg, wenn man etwas Seltsames in sich aufsteigen spürt, wenn wieder einmal Papstbotschaften durch den Äther klingen. Aus Selbstschutz - hören Sie weg!  Was wichtig ist, wird Ihnen am Sonntag der Pfarrer erzählen, ganz sicher.

Aber diese vermaledeit kompliziert gewordene Verquickung von faktischer Person (die zuvor so fern und hoch am Berg war, daß niemand eine "persönliche Beziehung zu einer konkreten, faktischen Person" hatte) und Amt in der expliziten Dogmatisierung macht es ununterscheidbar, ob eine Abneigung gegen Bergoglio auch eine Abneigung gegen das Papstamt ist, sodaß das Gewissen in unlösbare Konflikte geriete. Denn dann ... würde es der erste Schritt zur heilsverwirkenden Apostasie, dann würde die rein persönliche Aversion gegen einen nicht sehr gescheiten und völlig überforderten* Argentinier plötzlich zum Beginn eines Sedisvakantismus. Genau davor hat ja Kardinal Newman gewarnt, als er meinte, es sei unklug, das Dogma der Unfehlbarkeit explizit auszurufen, wo es doch ohnehin dem Katholischen implizit sei.

Und dann könnte es einem glatt so ergehen, wie es allzuvielen bereits ergeht: daß man den Mut zur eigenen Wahrnehmung verliert, weil man Angst hat, es könnte etwas "Gefärliches" dabei rauskommen, und in debiles Lob-Lallen verfällt, um besser kein Risiko einzugehen, wie es mit eigenem Urteil verbunden ist. Wenn es bei einem, geneigter Leser, so weit einmal gekommen ist, dann hat man bereits einen fundamentalen Schaden im Glauben und Heilsstreben.

Aber mit dem Herz am depositum fidei, dem Herz am Herzen Jesu, der braucht auch niemanden, der ihm erklärt, wie er "den Muslimen" zu begegnen hätte - der hat seine Menschen in der Umgebung, Ebenbilder Gottes, die Gott ihm geschickt hat, und als solche kann und MUSZ er ihnen "in Christo" begegnen. Liebe heißt aber keineswegs Dauergrinsen, und es heißt nicht Synkretismus.

Der hat für sein Glaubensleben seinen Pfarrer, den Bischof, den Katechismus, und die Liturgie der Sakramente und im Jahreskreis als Weg zur Heiligkeit, in Ehrfurcht vor allen Dingen, weil sie aus der Hand Gottes stammen, der allem erst Wirklichkeit gibt. Und irgendwo ganz ganz weit weg, man hat davon schon gehört, auch einen Papst, als definitiven Anker der Kirche in Gott, der einen sonst nicht weiter zu bekümmern hat als daß es ihn gibt. Das sind die Anker der Katholizität. Und  DIE formen jene Glaubensdisposition, jenen Glaubensinhalt, an den auch der Papst glaubt und zu glauben hat, und aus dem er seine Aussagen, und dann und wann, aber höchst selten, auch eine ex-cathedra-Erklärung schöpft.




*Es ist eine alte Erfahrungstatsache, daß der Überforderte zum Hochmut, der Hochmütige zu besonders viel Beweisen für seine Demut, und der dafür Gelobte zu Keckheit und Selbstüberschätzung neigt, weil er nur so - höchstens, aber Gott findet immer einen Weg - zur Wirklichkeit findet. (Während der Unterforderte bekanntlich in Selbstzweifeln zergeht.)




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Filmkritik "Unbroken"

Mit einiger Spannung hat der VdZ sich Unbroken angesehen, das neueste Filmprodukt aus der Regiehand von Angelina Jolie, und mit viel Pomp und Trara, wie üblich, angekündigt. Sogar zum Papst fuhr die Holde, um ihn in einer Privatvorführung vor dem Kinostart zu informieren.
Das postwendend erfolgte Lob des Vatikan ließ bereits einiges befürchten. Und leider erfüllt der Film diese Befürchtungen. In dem man 2 1/4 Stunden absolviert, ohne ein einziges mal berührt zu werden. Denn berührt ist etwas anderes als vielleicht betroffen, oder erschreckt.
Dabei ist es doch eigentlich eine tragische Geschichte, die durchaus etwas hergeben könnte. Der amerikanische Olympiasieger im Laufen, Zamperini, gerät nach der Notwasserung seiner Maschine in japanische Kriegsgefangenschaft. Und erlebt dort die Hölle, weil sich sein ehemaliger Laufkonkurrent als Lagerkommandant ganz besonders um ihn kümmert, um ihn zu brechen.  (Warum eigentlich? Schon das bleibt nicht nachvollziehbar.)
Aber alles zerfällt in Episoden, die linear hintereinandergereiht noch keine Geschichte ergeben. Nichts entwickelt sich logisch, sodaß eins aus dem anderen käme. Reicht es für einen Film zu sagen, daß "die Geschichte halt so war", und rein aus dem Durchhalten des Helden ihre Berechtigung schöpft, dargestellt zu werden?
Genau das glaubt der VdZ eben nicht, selbst wenn man im Einzelnen und jedem Detail sagen wird können: Ja, das war GENAU SO. Aber es war eben nicht GENAU SO. Denn dazu könnte man nur Wirklichkeiten heranziehen. Wenn man es aber an "Tatsächlichkeiten" festmacht um dann zu sagen: so sei etwas gewesen, dann hat man über die Sache einfach nicht genug nachgedacht. Weil man den springenden, den dramaturgischen Punkt nicht gefunden hat. Wieviel hätte man dann aus diesem Thema machen können!
Und tatsächlich ist der vermutete oder angebliche dramatische Punkt völlig untergegangen. Wenn man in der "Realität" nichts findet, sagen wir: alle haben Pokerface aufgesetzt, um sich nicht zu verraten, dann muß man halt genauer suchen, und andere Ansatzpunkte finden, in denen man das wirkliche Geschehen, die wirklichen Konflikte, die immer hinter dem Außen stehen, aufreißen kann. Denn die gibt es ohne jeden Zweifel, weil alles Handeln der Menschen entweder Fuge oder Sonate ist Entweder also findet man den Konflikt, der eine Handlung, die ihren Weg der Läuterung geht, konstituiert - als Sonatenform, als Drama. Oder man bleibt bei der Entwicklung eines Themas in Variationen, was aber nur kurze Zeitspanne verträgt. Nur: Poesie als tragende Wirklichkeit findet sich im Film nicht. Und zwar deshalb, weil dem Film das Unsichtbare fehlt. 
Wer alles zu zeigen versucht, macht nichts mehr sichtbar.

Die Darstellung der Brutalitäten hat deshalb zwar "hohe naturalistische Qualität", erschrickt aber höchstens, bis man sogar abstumpft. Sodaß man die vermutlich als Wende - das war er wohl, der dramaturgische Punkt - dargestellte ultimative Brutalität nur noch zur Kenntnis nimmt. In der der Schauspieler sich übrigens endgültig lächerlich macht, man kann seine Reaktion nur seltsam und befremdlich finden. Das wird auch nicht besser, schon zuvor nicht, durch die zahlreichen Rückblenden, die eine charakterliche Disposition darstellen sollen, die nicht einen Moment greifbar, also nur behauptet wird. Darauf baut aber dann der vermutlich gemeinte dramaturgische Punkt auf.
Spannend wird der Film höchstens in einzelnen Szenen von je ein paar Minuten, und auch da selten, man weiß ja, wie es im Ganzen ausgeht, und das vergißt man auch nicht. Dieses Ankleben am Historischen, am Gewußten auszuhebeln, sodaß man mit dem Helden mitfiebern würde, gelingt nicht einen Moment. Aber das ist bei historischen Figuren genau das Kriterium der Kunst, anders kann er gar nicht berühren, weil die Identifikationsebene, die "unmittelbare Traumebene" des Films bzw. eines dramatischen Kunstwerks fehlt. Der Held ist kaum je glaubwürdig, so sehr er sich im Einzelnen "einen Arsch abspielt", wie man in Schauspielerkreisen gerne sagt. Seine innere Wandlung zum "Frieden in Gott" (gewissermaßen; es sollte vermutlich darauf hinauslaufen) ist nicht nachvollziehbar. Man braucht Dramaturgie-Kenntnisse, um einzelne Szenen als "vermutlich so gemeint" zu deuten.

Am besten kann gerade noch der Bösewicht gefallen, in der Gestalt eines japanischen Lagerkommandanten. Wenigstens in einigen Szenen, auch wenn im Ganzen nichts an seiner Motivation begreifbar wird. Immerhin aber, sein Mienenspiel bei dieser (vermeintlichen, ultimativen) Wende ist beeindruckend. Da hat man für ein paar Minuten eine Geschichte, eine Seelenlandschaft erzählt bekommen. Figuren an sich werden aber generell nirgendwo in Unbroken lebendig.
Am Schluß, im Nachspann liest man etwa von einem amerikanischen Captain, der angeblich eine so gute Beziehung zum Helden hatte. Der VdZ mußte erst nachdenken, wer von diesen vielen blassen Figuren, die allesamt bestenfalls Staffage sind, die in Konventionen ertrinkt, damit gemeint gewesen sein könnte.*
Dessentwegen Jolie wohl beim Papst war, um ihm den Film in Privatvorführung zu präsentieren. Deutet sie das Thema gar christlich, katholisch? Vermutlich. Und vermutlich dessentwegen hat der Vatikan dann wohl auch sein "Lob" ausgesprochen. Die Zeiten, wo die Kirche (ja, gerade sie, ja nur sie, denn es fällt mit ihrem eigenen Geheimnis, der Inkarnation, zusammen) etwas von Kunst versteht, sind offenbar längst vorbei.
Dabei greift der Film eine Botschaft auf, die es ja in sich hätte: Durchhalten, Hoffen wider alle Hoffnung, hätte man einfach nur sagen können, es hätte dasselbe Ergebnis gebracht. Reine Aussage, reine Behauptung, erlebbar war sie nicht, nur kognitiv als "Schluß" aus dem Ganzen zu ziehen. Dafür hätte eine Grußkarte genügt. Oder eine Twitterbotschaft. Unbroken schafft es nicht, über ein moralisch Gesagtes hinauszukommen. Wobei sich die Unfähigkeit, lebendige Figuren zu schaffen, ohnehin durch das gesamte zeigenössische Film-(und Kunst-)geschehen zieht und die derzeit sogar spannendste Aussage, die eigentliche künstlerische Botschaft - als Symptom allerdings - über die Gegenwart ist.


Und das macht eine positive Rezeption durch die Kirche noch eigenartiger. Denn man könnte dieses "Durchhalten", dieses "Versöhnen", durchaus als Surrogat des "Guten", das in der Nacht gnadenhaft einbricht, als einen dieses ersetzenden Akt der Verzweiflung sehen. Positivistisch "gut", moralisch können auch Atheisten sein. Das macht ihr Leben aber nicht einen Deut wahrer, und möglicherweise in der Endabrechnung auch nicht gerechtfertigter.
Darüber können auch einige Ausflüge in Religion (etwa durch einen Kameraden des Helden) nicht hinwegtäuschen. (Vermutlich soll dabei aber sogar angedeutet werden, wie viel Kraft ein Gläubiger hat, im Vergleich zu einem Nicht-Glaubenden. Man denke besonders an jene Szene, in der die beiden vermeintlich exekutiert werden sollen, und der Held in Tränen ausbricht, während sein Kamerad gefaßt betet. Aber man merkt die Absicht und ist verstimmt. Oder sollte es gar kein Film werden, sondern ein Predigtwerk?

Zum Ärger wird mittlerweile sowieso, daß im Film weltweit in immer perfektere naturalistische Ausstattung investiert wird. Die aber den Bluff verdeckt bzw. ausmacht. Nicht anders, wie es ja auch bei hiesigen Filmen längst Methode ist. Das liegt aber nur an der technischen Perfektion in Maske, Kostüm, und vor allem Computersoftware, mit der Naturalismus inszeniert wird, der aber den Zuschauer noch mehr austrocknet, weil gar kein Erkenntniserleben - das ein schöpferischer Akt des Zuschauers, der eigentliche Akt der Katharsis ist - mehr Platz hat. Aber das nicht alleine: Dieser Naturalismus dient der Verschleierung des Versagens am Thema, durch die Behauptung "es war doch so!". Eben. SO WAR ES EBEN NICHT.
Man muß sich aber freilich schon recht gut kennen, viel Erfahrung haben, um zu unterscheiden, wo man bei einem Film- oder Kunstgeschehen vom Naturalismus plattgemacht wird, oder was am Geglaubten der Glaubwürdigkeit einer dargestellten Wirklichkeit zuzuschreiben ist. Die nämlich NICHT am Naturalismus einfach so festgemacht werden kann, sondern eben nur (!) an der transportieren Wirklichkeit - die aber unsichtbar ist.

Gar auf Spielberg-Sentimentalität (der ja ein Meister dieser Täuschung bzw. dieser Art Film ist, dem auch Unbroken zugeschrieben werden muß) herabgesunken wirkt der Film dann am Schluß, als dokumentarische Aufnahmen des 2000irgendwas noch Lebenden, für den zu interessieren Unbroken einfach nicht schafft, zeigen, wie er die Olympiafackel in Tokyo in unseren Jahren trägt. Wie der Film überhaupt in manchem sehr an jenen Spielberg-Film erinnert, oder war er von jemandem anderen, wer weiß das noch, sie gleichen sich allesamt zu viel ... der ja ein ähnliches Thema vor ein paar Jahren auf die Leinwand gebracht hat. Manche Szenen und Szenerien wirken regelrecht nachgestellt, man hat das Gefühl, sie schon zu kennen. Und wenn schon Naturalismus - der Krieg hörte also einfach so auf? Keine Atombomben, keine Reaktion bei den Japanern, nur ein paar freundliche Flugzeuge über dem Lager, die Cornedbeef abwerfen?
Nein. Ein schwacher Film, der seine Schwäche hinter Opulenz versteckt. Das Prädikat "billiger (dabei gewiß mit gutem Budget produzierter) amerikanischer Propagandamüll" trifft es nicht einmal. Da kann man sich noch für Tom Cruise als Held und Pilot leichter begeistern.

Als fast bösartige Überraschung rundet sich das Erlebnis als Zuschauer allerdings, wenn man im Abspann dann liest, daß die Brüder Coen das Drehbuch geschrieben hatten. Wie das? Deren bisherige Filme waren doch so ganz anders, schon zum allermindesten subtiler und vor allem weit intelligenter? Also muß es wohl an Jolie liegen, die das (sogar als Mit-Produzentin) auf ein offenbar recht bescheidenes Niveau plattgebügelt hat? Oder haben die Coens mal geschlampt, oder sich gar einen Jux gemacht?
Jaja, Preise wird er wohl einheimsen. Es wird genug geben, die sich zum einen gerne täuschen lassen, und zum anderen die patriotische oder ethische Botschaft von der Qualität eines Films als Film nicht trennen können oder wollen. Aber das ändert nichts daran, daß es ein Machwerk ist. "Halte durch dann kommst Du durch" hätte auch auf einer SMS Platz.




*Es scheint ja mittlerweile akzeptierte (weil weit verbreitete) "Lehre" der Dramaturgie zu sein, zwischen (wenigen) tragenden Figuren und solchen, die lediglich "dramaturgische Funktion" haben, zu unterscheiden. Aber das ist ein tragischer Irrtum, und meist einfach Rechtfertigung für ein schlechtes Buch. KEINE Figur darf jemals nur "dramaturgische Funktion" haben, und wenn sie auch nur zehn Sekunden durchs Bild huscht. Keine Figur ist "nur eines Stichwortes wegen" da, mit dem eine Handlung, die sich eben gar nicht aus sich entwickelt, vorangetrieben werden soll. Bis zu jenen Filmen, in denen überhaupt diese Stichwortbringer die eigentliche Dramaturgie behaupten, als Slalomparcours, gewissermaßen, während die Hauptfiguren den leeren Raum zwischen den Stangen füllen.





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Freitag, 13. Februar 2015

Laßt den Alten weit weg sein (1)

Was aber heißt das: "sentire cum ecclesia"? Heißt es, mit beißenden Ohren am Twitterapparat zu sitzen und die in unglaublicher Fülle ausgegossenen Wortspenden des Bischof von Rom aufzusaugen? Geht man dann mit der Kirche, wenn man jede noch so belanglose Botschaft "befolgt", jeder noch so dahergequasselte Aufforderung nachgeht?

Der Papst ist der Bischof von Rom. Aus. Aus, sonst nichts. Er hat als solcher lediglich einen Vorrang, und dieser Vorrang ist in höchstem Maß auf die (gewissermaßen) "Nahtstelle" zum Übernatürlichen begrenzt. Hierein ankert aber die reale Anwesenheit Christi unter uns Menschen - und die findet in den Pfarren, den unzähligen kleinen und großen Kirchen, in den Bischöfen, den Priestern statt. SONST NIRGENDS.

Kirche gibt es nur lokal, regional. Und wo sie das nicht ist - ist sie NICHT.  Nur dort liegt der Ort der Christusbegegnung. Alles andere ist Illusion, Folgeerscheinung aus Medienmißbrauch wegen Wirklichkeitsflucht. Denn es ist Mißbrauch, sich auf eine universalistische Ebene zu hieven, um daraus die Selbstvergewisserung zu beziehen, man würde "mit der Kirche gehen", weil man dieselben Worte zukünftig benutzt wie der Papst. 

Kirche ist kein ideologisches Gebäude, das die Wege der Wirklichung für die gesamte Welt festlegen könnte. Sie bestimmt nicht einmal den Glauben, den sie nämlich gar nicht von sich hat, denn sie bezeichnet ihn nur, empfängt ihn aber selber - von Gott. Die Art, wie sich Kirche in der Welt verwirklicht, hat aber genau so viele Gesichter wie Menschen, und so viele Orte wie unter den Füßen eines jeden Getauften Platz hat.

Man lebt nicht ein Yota christkatholischer, wenn man sich plötzlich für Flüchtlinge vor Sizilien oder Muslime in Paris interessiert und Protestmails an die UNO abschickt. Im Gegenteil, meist sind solche Dinge in einer maßlosen Selbstüberhebung, Selbstüberschätzung begründet, in der Selbstvergewisserung "gut zu sein", das man in Einzelphänomene gliedert, in "universale Taten". Sie sind meist nicht mehr als Teil des Symptoms der heutigen Überhebung des Menschen, der da meint, die ganze Welt ginge ihn etwas an, und er würde selbst bis nach Birma und Hawaii wirken.

Während das wirkliche Gutsein ganz woanders liegt: keine zwei Millimeter vor der eigenen Nase, in einer jeden Augenblick neuen Gestalt und Aufforderung, dort liegt es!

So gigantisch diese Scheinwirklichkeit mittlerweile geworden scheint - sie ist irrelevant für das Heil, und sie ist NICHT der Weg der Kirche. Wer dieser Täuschung verfallen ist, der ist es, der auf jeden Fall herausfällt aus dem "sentire cum ecclesia", der niemals ein Weg der ZENTRALSTEUERUNG der Lebens- und Verhaltensweisen im konkreten Leben sein KANN, sofern er sich nicht in einzelnen verbindlichen dogmatischen Äußerungen niederschlägt. Und die sind nicht nur höchst selten (weil notwendig), sondern sie sind gleichfalls nur Ausdruck dessen, woran die Kirche und der Katholik ohnehin immer glaubt und geglaubt hat, und das explizit oder auf neue Art zu befestigen aus irgendwelchen Gründen notwendig scheint.

Was der Alte Mann in Rom sonst an Lebensratschlägen und weiß der Deibel was noch von sich gibt - es hat für den Katholiken in Funzeldorf oder Berchtesgaden nicht den Funken von Relevanz, es hat bestenfalls den Unterhaltungswert einer Talkshow. Man sollte also besser weghören, um nicht die wirkliche Bedeutung des Papstamtes aus den Augen zu verlieren, und ihn mit dem Saufkumpel aus der Kneipe gegenüber, oder mit einem Filmstar zu verwechseln, dessen Bart wir charmant finden. 

Man lasse sich auch nur nicht ins Bockshorn jagen: Die Verweigerung der päpstlichen Dauerberieselung hat mit "Mangel an Katholizität" nicht das geringste zu tun, sondern IM GEGENTEIL. Weghören ist erlaubt. Selbst, wenn da oder dort etwas "Richtiges" gesagt wird. Es ist auch nicht "nicht-katholisch", wenn Sie finden, daß er Unsinn quatscht. Den Papst persönlich nicht mögen hat nichts mit inhaltlichem Widerspruch zu tun. Denn er ist nicht Ihr Nächster, sondern IN JEDEM FALL Medienzirkus, denn was will man persönlich lieben, sympathisch finden - auf dem Bildschirm, in 500 Metern Entferung am Petersplatz, oder meinetwegen auch vom Kurzeindruck während einer Audienz? Diese "Liebe" hat denselben Rang wie der, Brad Pitt oder Laetitia Casta anzuhimmeln. Mit dem Rang eines - vielleicht! - da und dort klugen Menschen, wie ihn viele andere auch haben und verdienen. Mit dem Rang eines Symbols. Als Mensch darf er völlig uninteressant bleiben.

Deshalb (noch einmal) - einigen Lesern vor allem sei es gesagt, die sich an den VdZ wandten -  ist man keineswegs weniger katholisch, weil man meint, daß der Papst regelmäßig Verwirrung stifte. Das geht nicht nur diesen so, sondern vielen, ja der VdZ behauptet: allen, nur heucheln die meisten das Gegenteil vor. Fast alles, was die Schreibstube oder vor allem den Mund dieses Papstes verläßt ist außerordentlich unklar und sogar widersprüchlich, fast alles wirkt regelrecht unreflektiert, mit unklaren Begrifflichkeiten, gar nur so dahergesagt, und innerhalb weniger Sätze sagt er gerne mal so - und gleich wieder anders.


Morgen Teil 2) Der Katholik braucht keinen Papst zum Seligwerden



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Wille zur Ausweglosigkeit

Deutschland hat die Neigung, der Welt vorauslaufen zu wollen. Hin und wieder aber ist es doch sinnvoll stehenzubleiben und sich umzudrehen, um zu gucken, ob überhaupt jemand hinterherläuft. Dies tut der Ökonom Hans Werner Sinn mit seinem im Dezember 2013 gehaltenen Vortrag (1 1/2 h) mit dem Titel "Energiewende ins Nichts". "Man muß das alles einmal rechnen, wirklich rechnen, um zu relevanten Aussagen zu kommen."

Daß Sinn an die Erderwärmung von Menschen Hand glaubt, sei ihm unbelassen. Es gemahnt uns vielmehr vielleicht sogar daran, daß jede Kritik, jedes Gegenargument nur dann aus den Quellen der Wahrheit zu schöpfen vermag, wenn man die Offenheit nicht aufgibt. Deshalb ist auch die Ablehnung des Klimawahns nur dann vertretbare Geisteshaltung, weil nur dann Geist, wenn sie auch den Gedanken erträgt, daß es "anders" sein könnte. Die Gegenhaltung gegen eine Fehlhaltung ist nicht die Anti-Haltung, sondern Offenheit.

Wobei das gesamte Problem in den Augen des VdZ (und nicht nur seiner) ein viel prinzipielleres Problem ist. Nur über abstrakte Betrachtung lassen sich hier jene Gewißheiten gewinnen, die jede Diskussion über Daten und technische Lösungen eigentlich schon müßig machen. Jedenfalls ist das Problem nicht auf "empirischem" Weg zu lösen. Nur dann, im Sehen der Seinsbewegungen, läßt isch auch das Insgesamt an Auswirkungen ermessen, weil es alles - auch gesellschaftliche, humane Faktoren - miteinbezieht. Die Frage kann gar nicht "technische Machbarkeit" sein, über die auch in der dem Vortrag folgenden Diskussion eingegangen wird.

Sinn's Meinung interessiert uns hier nur, soweit sie volkswirtschaftliche Aussagen trifft. Dort ist er als Stimme gewiß zu schätzen. Und was er hier an nackten Fakten und Zahlen darbietet, läßt einen manchmal die Luft anhalten. Diese, quasi "problemimmanente" Diskussion zeigt, daß die Energiewende schon aus eigenem heraus unmöglich ist.

Sodaß die Frage bleibt: Was tun wir, was tut die Politik mit der Energiewende überhaupt? Wo werden wir uns damit hinmanövrieren? Es wird den "Klimaskeptikern" gerne vorgehalten, sie wären eine vernunftlose Minderheit, die abstrusen und unwissenschaftlichen Thesen nachliefe. Nach dem Hören der Aussagen Sinns, die oft nur einfache Schlüsse des derzeitigen Denkens vollziehen, muß man sich aber fragen, ob nicht die Verfechter der Energiewende dieser Gruppe zuzuordnen sind.

Nur ein Gedanke, der rein mathematischen Überlegungen entspringt, herausgegriffen: Alleine, um die Windstromproduktion (mit einer durchschnittlichen realen Leistungsfähigkeit von 5 GWh) zur Kontinuität (die ein Stromnetz braucht) auszuglätten, bräuchte Deutschland mehr als 6.000 Speicherwerke jener Kapazität, von denen es derzeit 35 (!) besitzt. Versucht man Wind- und Solarstrom zur gegenseitigen Glättung einzubeziehen, mit 7 GWh Gesamt-Durchschnittsleistung pro Jahr, bezieht man auch die Wirkungsgradverluste mit ein, bei einer Gesamtausbeute von 3 Atomkraftwerken, reduziert sich zwar die Anzahl nötiger Speicher auf unter 400, aber auch das ist illusorisch, und würde 32 Atomkraftwerke kosten - das Zehnfache an Kosten also. Rechnet man anders. Wobei die "Eerneuerbaren Energien" bei realistischer, gesicherter Einbringung dennoch nur 0,6 % des gesamten Energiebedarfs Deutschlands pro Jahr liefern können.

Die Rechnung wird noch phantastischer, wenn man die Speicherkapazitäten von Elektrofahrzeugen einbezieht. Und steigert sich noch weiter, wenn man auch Methanspeicher (mit einem Wirkungsgrad von dzt. 25 %) einbezieht. Wobei der Ausbau der Methanproduktion auf eine weltweite Konkurrenz von "Tanks und Tellern" hinausläuft, weil riesige Landflächen für Energiepflanzen notwendig sind.

Je mehr Varianten Sinn (mit Mitarbeitern) hier durchrechnet - die Situation ist nicht nur technisch unvorstellbar, sondern volkswirtschaftlich absurd. Ein gleichzeitiger Ausstieg aus Kohle- und Atomkraft ist, so Sinn, pure Utopie. Für Sinn ist eine Rückkehr zur Atomkraft praktisch unausweichlich. Bleibt es aber beim Nein zur Atomenergie, wird Deutschland zum einen ein Rückwendung zu Kohlekraftwerken, vor allem aber zum Großimporteur von Atomstrom aus dem Ausland werden. Geht man so wie Sinn davon aus, daß das CO2 eine Klimaerwärmung bewirkt, die sich als Katastrophe auswirkt. Bei insgesamt 85 % Energie aus fossilen Quellen ist ein Ausstieg ohne Atomstrom, sagt Sinn, völlig undenkbar.

Der Vortrag Sinns, unter der Voraussetzung der Klimakatastrophe, wird also zu einem flammenden Plädoyer für die Atomkraft. (Gibt es nicht das Gerücht, daß die Schlagzeile der Klimakatastrophe gezielt von der britischen Atomindustrie als PR-Projekt erfunden wurde? Gewiß auch nur eine dieser Verschwörungstheorien, weil die Koinzidenzen der Interessen einfach auffallen.)

Selbst aber, wenn man nun wie Hans Werner Sinn (und der VdZ) die Gefahr der Atomstrahlung für überschätzt bzw. falsch gewichtet hält, selbst wenn man nicht der Meinung des VdZ ist, der mit Martin Heidegger ein fundamentales ontologisches Problem sieht, also meint, daß die Atomkraft ein tief ethisches Problem hat, das über Lagerstättenfragen etc. weit hinausgeht, selbst wenn man also die Atomkraft für "gut" hält, hat sich Deutschland (und es zieht ganz Europa mit hinein, denn anders werden sich auch die technischen Probleme nicht lösen lassen, so wird man zumindest meinen) in eine regelrechte Sackgasse manövriert. Denn politisch ist eine Umkehr von der Umkehr bereits undenkbar, zu dramatisch sind die durch Fakten vorgegebenen zukünftigen Normen vorgespurt, und werden mit jedem Tag, in dem sich ein reale Wirtschaft und Gesellschaft darauf einstellt, noch schwerwiegender.

Was der Vortrag aber illustriert ist, in welchem Ausmaß man bereit ist und war, wider jede Vernunft, sogar wider jeden Verstand zu handeln. Die Energiewende ist (so wie der Klimawandel) zutiefst irrational - der sicherste Verweis auf die religiöse, psycho-soziale Dimension.  Eine Ebene, auf der alleine eben diese Fragen zu klären sind.

Man muß also konstatieren, daß man nunmehr ein ganzes Volk, ja einen Kontinent, zum Getriebenen, fast möchte man sagen: Sklaven, bereits getroffener, ja religiöser Entscheidungen macht. Sodaß der Schwanz mit dem Hund wedelt, schöpferische politische Grundentscheidungen zukünftig gar nicht mehr möglich werden, weil der Preis durch Folgewirkungen auf die Gesellschaft immer gigantischer wird. Entscheidungsspielräume zukünftiger Politik werden sich auf Rasierklingenbreite verengen. Der Rest sind Notwendigkeiten, "Ausweglosigkeiten" eines Systems, das nur noch als Ganzes zu verändern, nicht mehr aber zu reformieren sein wird. Was mit derzeitigen politischen Prozessen durchsetzen zu wollen aber nicht mehr vorstellbar ist.

Die Energiewende zeigt also dieselbe Charakteristik wie etwa die Finanzsituation Europas: Durch Perennierung, durch weitere Ausladung eines Systems mit Komplexität, im Namen der Sicherung des Status quo, steuert man auf die wahre Katastrophe zu, die nur noch mit immer mehr Zwang, mit immer höherer Lastverschiebung auf zukünftige Generationen, zurückgehalten werden kann. Bis es nicht mehr geht, weil solche Systeme, die immer mehr umfassen, sich irgendwann chaotisch entladen weil entladen müssen.








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Donnerstag, 12. Februar 2015

Wesen des Stierkampfes

Es erinnert an sehr - sehr! - alte Bilder vom Stierkampf aus Kreta, 1.500 und  mehr Jahre vor Christus. Spiel mit der damit überwundenen, zur Schönheit werdenden gewaltsamen Dynamik des Lebens.



















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Kultur und Islam schließen sich aus

Das ist natürlich interessant, weil es einen gehörigen 'Batzen Wahrheit enthält: Da moniert der Wiener Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker, daß vieles, was dem Islam zugeschrieben werde, mit diesem nichts zu tun habe, sondern ein Produkt der Geschichte sei. Diese zwei Dinge würden gefließentlich unzulässig vermengt.

Der Artikel im Standard ist deshalb nahezu eine Sensation, weil es unter völlig anderer Motivation den Kern der Sache auf den Punkt bringt. Beginnen wir damit, daß die Katholische Kirche, das Christentum, das von sich NICHT sagt. Denn das Christentum versteht sich NICHT als quasi hermetische Lehre, die einen hermetischen und definierbaren Zustand herbeiführe. Der Unsinn mit dem Archälogismus, der sogar an theologischen Hochschulen gelehrt wird, nachdem nach einem "urchristentum" gesucht werde, das es nachzubilden gelte, denn nur dort ist das Christentum, ist NICHT christlich, ist NICHT katholisch. Auch wenn es katholische Hochschulen mit grinsenden Kardinälen als vorgebliche Wächter der Lehre so verbreiten. Vermutlich ist auch ihr Grinsen das der befreiten Christen im Jahre 33.

Aber das Christentum IST aus seinem Wesen heraus historisch. Real. Ein Wirkfaktor in der Geschichte. Nur deshalb ist es so geschichtsmächtig geworden, daß es die mächtigste Kultur, die jemals den Erdball erfüllt hat, regelrecht GESCHAFFEN hat. 

Diese Geschichtsmächtigkeit, diese Realität im Fleische, hatte der Islam nie. Und was der gebürtige Emsener vermutlich mit positiver Konnotation versieht, ist in Wahrheit eine der wahrsten und tiefsten Analysen des Islam der letzten Jahre. Selbst was man ihm heute zuschreibt - das Reich Cordoba, die Höhe der Kultur im persisch-arabischen Raum vor dem Jahre 1000: es war nie islamisch. Und nichts an der Eroberungsstrategie der Osmanen war je islamisch. Sieht man von praktischen Verwendbarkeiten ab.

Daß der Islam nach dem allmählichen Verdunsten seiner auf natürlicher, regionaler Religion und Resten christlich-jüdischer Offenbarungsreligon basierenden Spiritualität (was noch vor den Osmanen der Fall war) sich immer mehr auf ein Moralsystem, ein System von Verhaltensregeln reduziert hat, beweist dies umso mehr. Es war der Versuch, diesen erlebbaren Mangel des Verdunstens jeder geschichtsbildenden Kraft, diese historisch sich erweisende Schwäche zu kompensieren. Durch Kultursimulation. In Wahrheit aber waren die Triebkräfte des islamischen Raumes rein weltlicher Natur. Der Islam war lediglich nützlich.

Hier, in dieser Geschichts-Unmächtigkeit, wurzeln exakt die eigentlichen Grundprobleme der Muslime bzw. muslimischen Staaten. Hier wurzeln die tief verankerten und tief gegründeten Unterlegenheitsgefühle gegenüber dem Christentum und Judentum, die so vieles - auch am Terror! - motivieren. Mit Streicheleinheiten einer proklamierten "Liebe" ist da nichts gewonnen.

Und wie exakt paßt dazu eine Aussage, die Martin Mosebach einem der Proponenten in seinem Roman "Das Blutbuchenfest" (dessen Lektüre der VdZ jedem nur wärmstens anempfehlen kann) in den Mund legt: Keine regionale Kultur, die vom Islam über längere Zeit beherrscht war, hat sich jemals wieder erholt. Dem Islam fehlt die Kulturbezogenheit ab ovo, aus seinem Wesen heraus. Er lehnt jede Abbildung Gottes ab, womit er aber jede Abbildung überhaupt ablehnt, weil die Welt eine Analogie Gottes ist.  Ohne Gestalten, ohne Abbildungen, ohne Figuren aber kann es konkrete Kultur gar nicht geben. Sie bleibt ein Gedanke. Jede, wirklich jede urtümliche Religion und Kultur, dies nur als Beispiel, hat deshalb ihren Moment, in dem Gott zur Welt kam.


Wo der Islam spirituell tief, anerkennenswert tief sogar ist, rührt er nicht an jenem Gott, der ACTU selbst ist, dessen Wesen aus sich heraus fließt, um sich liebend in den Schöpfungsakt zu neigen, die Welt im ewigen Jetzt, der zeitlosen Vernunft zu erhalten. Er bleibt eine abstrakte, statische Aussage. Der Sufismus erzählt viel dazu, wo sich zur Begegnung mit Gott der Mensch (in der Trance) ausschaltet.* Weil als einzige Wirkdimension sonst die Moral, das Verhalten bleibt. Nur: Kultur entsteht nicht über Verhalten.  Und sie entsteht auch nicht durch methodisches Sich-Aus-Der-Welt-Nehmen, wie immer man es auch spirituell deuten mag.

Sodaß die These hier lautet: Es gibt Kulturen, es gibt Kulturen, in denen sich muslimische Menschen einhausen bzw. den Islam annehmen. Aber in dem Moment, wo der Islam zu sehr nach der Welt greift, erstickt die Kultur. Genau das war ja das Problem des spanischen Cordoba - immer wieder und wieder und völlig falsch als Blüte islamischer Kultur gepriesen - mit dem Kalifat in Arabien. Cordoba galt als glaubensfeindlich, als Häresie, als Verweltlichung des Islam. Es bleibt bestenfalls ein voluntaristisch aufrecht erhaltener Staat, der zu einer Art Selbstzweck wird.

Auf dieser Ebene lassen sich zwar Staaten, und auch über lange Zeiten, aufrechthalten, aber nur, wenn sie sehr starke disziplinatorische Regulative (Polizei) haben. Und solche Regulative können sogar Kulturen überlagen, meist um sie zu nutzen, sodaß beides wie eines aussieht. Aber durch eine unüberwindliche Kluft getrennt bleibt. Kultur selbst entsteht und lebt nur aus der ontologischen Dimension einer Wirklichkeitsbeziehung.

Wer mit offenen Augen den arabischen Frühling, oder das Verhalten der Türken der faktischen westlichen Zivilisation gegenüber in unseren Tagen betrachtet, kann nicht anders als Parallelen zum Gebahren von Kindern zu sehen, die meinen, in der Beherrschung von (technischen) Abläufen, wie sie im christlichen Westen zu sehen sind, läge auch die Aneignung und Beherrschung dieser Kultur. Muslime glauben auffallend oft, und zwar gerade dort, wo sie modern sein wollen, daß sich Politik und privates Streben, moderne Entwicklung, um das Gleichziehen in zivilisatorischen Phänomenen drehe. Was zu erstaunlicher Naivität führen kann, sodaß etwa manche Türken in Wien ganz genau jenen Optimismus aufweisen, der Älteren, wie den VdZ, noch aus den Zeiten des naiven Readers-Digest-Optimismus der 1960er Jahre bekannt ist.

Überspitzt formuliert: Man ist am Tahrir-Platz für bessere Bestellmöglichkeiten bei amazon gestorben. Weil die Handhabung eines iPhone (oder die Erbauung des höchsten Turmes der Welt ... die Beispiele sind fast ohnendlich) gleichbedeutend ist mit kulturellem Hochstand. Umso unbegreiflicher war jenen allen, daß sich nach den Umstürzen ... nichts tat! Sie hatten also nur mitgewirkt, die bestehende Ordnung zu zerrütten, und damit fremden bzw. partialen Interessen gedient. Ordnungen, die sie nun entweder gar nicht mehr herstellen können, wie in Libyen und Tunesien, oder wo nur noch durch eine noch weit diktatorischere Staatenlenkung als zuvor, wie in Ägypten oder Syrien, wenigstens irgendeine Ordnung wiederherstellbar ist.

Weshalb viele Muslime, die den Islam ernstnehmen, völlig richtig eine prinzipielle Unvereinbarkeit zwischen westlicher Lebensart und Islam erkennen. Und DORT liegen interessanterweise viele Koinzidenzen mit dem Westen. Denn dort herrscht, in einer vor hunderten Jahren begonnenen und nun längst eigendynamisch gewordenen Entwicklung (d. h. daß man genau das wünscht, aus Leidensdruck, das dieses Leiden erst geschaffen hat), in weiten Teilen der Bevölkerung das Bestreben, die Kultur abzuwerfen.

Die vielgerühmte Toleranz des Islam war in seinen Expansionsjahren nichts anders als daskkluge Nützen vorhandener Kulturen, schreibt der Belgier Henri Pirenne, im übrigen einer der anerkanntesten und wirkungsvollsten Historiker des 20. Jhds. Wobei: nur dort, wo die vorhandene, eroberte Kultur bereit war, sich den neuen Herrschern zu unterwerfen. Dann hatte man kein Problem. Was so lange gut ging, als diese Kulturen oder Kulturreste noch innere Kraft hatten.

Im Gegensatz dazu ist die Kraft des Christentums niemals das "Gebot" gewesen, wie heute viele glauben. Sondern es ist die vom fleischgewordenen, in den Sakramenten präsenten Gottmenschen Jesus Christus den (defekten; s. Thomas v. A.) Sinnen erfaßlich gewordenen Gestalt, die im Erkennenden, im Rezipierenden offenen Herzens, ein simile, eine Jesus ähnliche (Kern-)Gestalt und damit analoge Schöpfungskraft bewirkt. Worüber man mit einem Protestanten oder einem Muselmanen natürlich nicht zu reden braucht. (Die tiefen Ähnlichkeiten zwischen Protestantismus und Islam sind sowieso ein eigenes Thema.)

Aber eine mit christlichem Abendland und Wirklichkeitsbezogenheit vergleichbare Kulturkraft hatte der Islam nie. Es bleibt bestenfalls Technik. Und dasselbe Schicksal blüht dem Abendland, wenn es seine katholischen Nährwurzeln noch weiter erstickt.


*Zum Vergleich: Der Gott des Christentums ist niemals einer, der immer auf die Vernunft des Menschen abzielt. Es gibt deshalb keine christliche Methode der Mystik, weil Mystik und methodisches Beseitigen der Freiheit sich ausschließen, was immer für Unsinn diesbezüglich auch heute erzählt werden mag. Wer die großen Mystiker liest wird es bestätigt finden.




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