In diesen vier Elementen drückt sich vielmehr die analoge dargestellte Grundnatur der Welt und Physis aus, in ihren Zuständlichkeiten und Bewegungen, durchaus - aber wieder: als Analogie zu sehen! - als flüssig, gasförmig, fest und warm. Als alles umfassend, als organische wie anorganische, als seelische und geistige Grundinstinkte, die in dieser Abstraktion beschreibbar werden. Was bis in die berühmten "vier Temperamente" geht, die direkte Verbindungen mit diesen vier Weltelementen haben. Es ist ein verständlicher, aber realer und häufiger Denkfehler, diese Abstraktionen an konkrete Bilder gebunden zu sehen, auch wenn sie an sich völlig wahr sind. Aus denen sie zwar stammen, auf die sie sich zurückführen, in der Erweisführung, als die sie aber nicht gedacht werden.
Gleiches gilt für die Darstellung des Paradiesesflusses, der sich in vier Ströme aufteilt (und der als fünftes Element, weil er alle anderen enthält, die "quinta essentia" genannt wurde.) Und der Analogien findet sich fast kein Ende. Wobei sich die Frage stellt, ob nicht die Erklärungskraft dieser Analogien weit über eine rationalistische Wissenschaft zu stellen ist, die zu gar keinen Aussagen "an sich" in der Lage ist, sondern nur Beziehungen definiert. (Wie es ja und eben Mathematik tut, womit sich der Kreis im übrigen schließt, weil sich die Zahlen als Bilder herausstellen.) Immerhin schließt sich der Kreis bemerkenswert, wenn das metaphysisch "materia prima" zu Denkende, mit dieser Quinta essentia (oder griechisch: Äther) zusammenfließt, und die heutige Quantenphysik über die Wiedereinführung des "Äthers" diskutiert, als ungeformte, aber alles enthaltende "Urmaterie" (ohne Eigenschaften). Ohne an dieser Stelle noch auf die deutschen Physiker Philberth hinzuweisen, die sich in ihren Arbeiten mit der Analogie der Dreiheit der kosmischen Erscheinungen zur Dreifaltigkeit befaßt haben - als innerstes Wesen aller dieser vier Elemente (analog) verstanden. Ja, die Analogie ist das Grundelement menschlichen Erkennens überhaupt: aus dem einen können wir auf das andere schließen. Aufgrund der Abstraktion, nicht aus der Gefangenheit in die Unendlichkeit der Daten im Einzelfall.
Keineswegs aber drückt sich in dieser Darstellung geringeres Wissen oder naives Weltverständnis aus, sondern tatsächlich: das genaue Gegenteil. Ein Weltverstehen, das alles Gegenständliche, Konkrete, in seinen Prinzipien bereits enthalten sieht, und deshalb dem Einzelnen nur hinweisenden Charakter auf Grundwillen der Welt zuerkennt. Nichts anderes tut ja die heutige Physik, die in allen Erscheinungen nur das Abstrakte sucht, um so zum eigentlichen, ja einzigen Prinzip der Welt zu gelangen: Forschung, Empirie, sucht immer nur diese eine Weltformel, als alles umfassendes Abstraktum. Das sich - als Abstraktum - freilich in allen Dingen und deren Teilen wiederfinden läßt, und diese am umfassendsten beschreibt.
Von diesem Punkt an aber muß man sogar noch weiterleiten. Denn letztlich ist jede Sprache eine Analogie. Der Wandel der "wissenschaftlichen Tatsachen" von der Antike bis zum heutigen Tag ist also kein Wandel der Erkenntnis, sondern einer der Sprache und ihrer Verwendung. Ihre Bildhaftigkeit ist lediglich eingeschränkter, partialer geworden, bezogen auf die großen Bilder, in denen gedacht wurde wie wird. Aber es bleiben nach wie vor Bilder. Es wäre fatal, das zu vergessen, und dem Wort HEUTE nominalen, weltlosen Wert beizulegen, den es aber nie hatte und hat. Damit verdrängt man nur das zu-Sagende von der Oberfläche, ohne es auszuschalten, macht damit jede Aussage sogar ... okkult. Und überantwortet sie dem Unterbewußten.
Wer die Wahrheit einer Aussage zerstören will, und ich spreche hier sogar von der Alltagserfahrung, der reduziert sie auf eine angebliche (dabei so mythische!) "logisch für sich seiende", weltlose Nominalität.
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