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Freitag, 10. Dezember 2010

Generation Why - II

Die Frankfurter Allgemeine bringt nun eine deutsche Übersetzung des hier schon vor zwei Wochen (in englischer Originalfassung) zu lesenden Artikels von Zadie Smith - "Generation Why" - Generation Warum?"

Zum Nachlesen. Ein hervorragender Artikel, der sehr oft die richtigen Fragen stellt.

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(Aus dem Artikel) Man will ja in Bezug auf die eigene Generation optimistisch sein. Man will mit den anderen Schritt halten und nicht Sorge haben, etwas nicht mehr zu verstehen. Anders gesagt, wenn man sich in ihrer Welt nicht ganz wohl fühlt, möchte man gute Gründe dafür haben. 

Der Computerpionier Jaron Lanier, der den Begriff der virtuellen Realität eingeführt hat,[...] geht der Frage nach, warum Menschen „sich selbst reduzieren“, um ein möglichst zutreffendes Computerprofil von sich zu haben. „Informationssysteme“, so Lanier, „benötigen Informationen, wenn sie funktionieren sollen, doch in der Information ist die Realität unterrepräsentiert.“ Es gibt kein vollkommenes Computerprofil eines Menschen. In der Realität ist uns das klar, aber sobald wir online sind, vergessen wir es. Auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken wird das Leben zu einem Datenbestand. Lanier sieht darin eine Herabsetzung, die auf einem philosophischen Irrtum beruht - „dem Glauben nämlich, Computer seien in der Lage, das menschliche Denken oder zwischenmenschliche Beziehungen abzubilden. Zumindest heute können Computer das jedoch nicht.“


Wer auf einer Website wie Facebook nur noch als Datenmenge existiert, ist ein reduzierter Mensch geworden. Alles ist eingeschränkt - Charakter, Freundschaften, Sprache, Empathie. In gewisser Weise ist es eine neue Erfahrung von Transzendenz: Wir verlieren unseren Körper, unsere Gefühle, unsere Bedürfnisse, unsere Angst. Wer das liberal-bürgerliche Menschenbild ablehnt, muss wissen, was an dessen Stelle treten soll. Social Networking macht uns nicht freier, sondern abhängiger.

Wir wollten online leben. Es versprach, so toll zu werden. Aber was für ein Leben ist das? Treten wir für einen Moment von unserer Facebook-Pinnwand zurück: Sieht sie nicht ein bisschen lächerlich aus? Das eigene Leben, in diesem Format?

Als in dem Film das alte Blogportal LiveJournal erwähnt wurde (in Russland noch immer populär), lachten die Zuschauer. Ein Leben ohne Dateien kann ich mir nicht vorstellen, sehr wohl aber kann ich mir eine Zeit vorstellen, in der Facebook so komisch und altmodisch erscheint wie LiveJournal. In diesem Sinn ist „The Social Network“ nicht das gnadenlose Porträt einer realen Person namens Mark Zuckerberg. Es ist ein gnadenloses Porträt von uns, von 500 Millionen lebendigen Menschen, die in der Gedankenwelt eines unbekümmerten jungen Harvard-Studenten gefangen sind.

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