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Samstag, 11. Dezember 2010

Vom menschlichen Werden

Jan Lenica, in "Swiat"
 Was Jan Lenica hier darstellt, ist natürlich weit mehr als eine Reminiszenz an die lächerliche Aufdeckungsmentalität, die die 1970er Jahre zur Selbstbefriedigung der Achwiegescheiten und vor allem Achwiemoralischen aufschäumen ließ - jaja, so werden sie halt. Nein. Lenica stellt eine tiefe kulturelle Wahrheit dar, die unausweichlich ist.

In dem Maß, in dem der Mensch aufsteigt, in dem Maß, in dem er in einer Gesellschaft institutionalisiert anerkannt wird, in demselben Maß, so formuliert es Daim, gerät er in innere Abhängigkeit von den Autoritäten, und in demselben Maß wird er zum Typus. Sein Personales tritt hinter seiner Kategorie zurück, es bleibt die Kategorie.

Mit dem ersten Orden fällt der Mund. Dann "stinkt" nichts mehr, aber auch Sympathien fallen ("jemanden riechen können"). Schließlich hört man auf zu sehen. 

Die Identifikation mit dem System selbst passiert in dem Maß, als man an der Macht - über die Autorisierung, die Anerkennung - beteiligt wird. So wurden sogar im Kommunismus  Kommunisten, bei den Nationalsozialisten Nazis geschaffen, aber so schafft sich sogar jede Kaste (Stand) für sich ihre Stabilitäten und Perspektiven - wo immer Eliten gebildet werden, ist dieser Prozeß unausbleiblich.

Schon deshalb sind manche Funktionen nicht innerhalb gesellschaftlicher Elitenbildungsprozesse ausübbar - der Künstler, der Prophet, der Philosoph. Ihr Werden muß ohne Stand bleiben, weil ihre Aufgabe genau in dieser jeweiligen Neudefinition "zur Gesellschaft" ersteht. Sie repräsentieren die Spannungen der Abweichungen zur unverrückbaren, ewig neuen, gleichen Wahrheit.

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