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Samstag, 21. September 2019

Gute, amerikanische Laune

Es ist einfach gute Laune, die W. M. Briggs auf einer von ihm produzierten Radio-Show "Let's Polka! Or How Polka can save the World" in Amerika 2016 verbreitet hat. Was die wenigsten wissen dürften: Der sich selbst als Reaktionär bezeichnende Briggs, Universitätsprofessor für Statistik und Philosophie em. in New York, hat eine österreichische Großmutter, die ihm in seiner Kindheit sogar das Zählen auf Deutsch beibrachte. Das ist aber auch alles, was ihn mit Österreich noch verbindet, außer eine gewisse Affinität zur Kultur in unseren Ländern. Und die zelebriert er - auf typisch amerikanische Art - in dieser halben Stunde Radio, mit Polka, Jodler und Akkordeon

Wußten Sie, daß es in Texas einen in ganz Amerika berühmten Jodler gab, der erst 2010 starb? Oder wußten Sie, geneigter Leser, daß es 1938 ungelöste diplomatische Spannungen zwischen Hitler und Mussolini gab, die Hitler mit Schweigen zu übergehen suchte, als Mussolini in Südtirol das Jodeln verbot, weil er es als Integrationshindernis betrachtete. Da waren ihm die zehntausenden Sizilianer lieber, die er in Bozen und Umgebung ansiedelte. 

Oder wußten Sie, daß es vor ein paar Jahren in Österreich ein Gerichtsurteil gab, das einem 63jährigen Österreicher allen Ernstes verbot, im Freien und vor allem beim Rasenmähen wieder zu jodeln? Ein Nachbar, ein Muslim, hatte ihn angezeigt, weil er das Jodeln für eine Verhöhnung des Muezzins hielt, der um diese Zeit im Radio zur Gebetszeit aufrief. Gleichzeitig mußte der Österreicher 800 Euro Strafe wegen Störung der Religionsausübung des Nachbarn zahlen.

Das alles und mehr erfahren Sie hier, bei einem Hörvergnügen für seltene Minuten, das der VdZ gerne weiterreicht. Briggs' Motto? "Alles, was verhindert, daß amerikanische Popmusik die Welt verseucht, muß unterstützt werden."







Eintreten in die Matrix Christi (1)

In diesem Ausschnitt aus einem der Gespräche von E. Michael Jones, die im Netz verfügbar sind, hat Jones nur die eine Botschaft herausgegriffen: Schaut Euch keine Pornographie an! Denn Pornographie vernebelt nicht nur den Geist und leitet die Handlungsenergie und Tatkraft und Aufmerksamkeit von der Außenwelt ab, sondern sie ist darin der effektivste Weg, sie als politische Kontrolle einzusetzen. Die Menschen, die ihr verfallen, reihen die Wichtigkeiten in ihrem Leben auf völlig unproduktive Selbstischheit um. Sie wenden sich also von den eigentlichen Lebensaufgaben ab, die darin bestehen, "ein Leben" zu formen und zu erhalten. Das macht die Pornographie so leicht zur Sucht. Die (wie jede Sünde) immer ein Abkehren vom logos ist.*

Nun kann man natürlich leicht sagen: Ja, ich höre auf damit. Was aber, wenn es bereits zur Sucht wurde, man also gar nicht aufhören "kann", nicht aus eigener Kraft? Jones macht es eindrücklich: Die Zuwendung zum logos ist nicht einfach die Zuwendung zu einem Lebensprogramm, einem Verhaltensschlüssel, einer Handlungsanleitung. Sie verlangt auch keinen moralisch-puritanischen Hochleistungsathleten. Sie ist die Zuwendung zu einer Person! Denn der logos - Jesus Christus - ist Person, ist persönlich, und sie kümmert sich um einen, sie läßt einen nicht im Stich. Der Weg, wie sie als aktive Hilfe ins Leben eines Pornosüchtigen eintritt ist der der Gnade, der helfenden Gnade, die man erhält, wenn man gewissermaßen in die Matrix Christi eintritt. Sie ist eine reale Kraft, die uns zwar nicht wie eine Technik zur Verfügung steht, die uns aber ungeschuldet und auf unser Bitten hin zugewendet wird. Mit dieser Hilfe kann der Mensch guten Willens auch diese Sucht überwinden.

Der sicherste "irdische" Weg, ja der für die meisten einzige Weg, sagt Jones an einer anderen Stelle, ist freilich der, eine Familie zu gründen und Kinder in die Welt zu setzen. Dann HAT man ein Leben, und nicht nur das. Man hat einen sicheren, durch die Liebe zu Frau und Kindern etwa sogar leichten Weg, sich von sich selbst abzuwenden (also die eigene Begierde zu transzendieren), und FÜR jemanden zu leben. Das ist der einzige Weg zu dem, was alle Menschen suchen: Glück und Geglücktheit.

Man lasse sich dabei vom (auch in diesem Video) verwendeten Begriff "success" nicht irritieren. Denn er hat im Englischen weit mehr Bedeutung, als die landläufige Übersetzung "Erfolg" im Deutschen. Er ist vielmehr eben ein Begriff für "Glück". Was nicht heißt, daß mit der Gnade alles eitel Wonne und Waschtrog ist. Beileibe nicht! Aber es heißt, daß die Probleme, die einem begegnen, einen höheren Sinn haben, weil sie Etappen und Stufen zu einem Gesamtziel sind, das über alles Irdische hinausreicht. Und logos heißt auch das: Ziel, denn logos ist auch ein "auf - zu". In Wahrheit sogar das Irdische bestimmt, denn alles was ist, ist nur, weil es von einem Geist, einem Gedanken zuvor (in)formiert wird. Als Anfang wie Ziel zugleich. Kein Mensch kann deshalb ohne Sinn (logos) leben, und wo der Sinn verschwindet, verschwindet auch jede Lebenskraft.

Dieser Sinn richtet sich auf das, wohin die Geistigkeit des Menschen ausgerichtet ist, auf den absoluten Geist, den Geist an sich - Gott. Und alles definiert sich in seinem Wesen aus seiner höchsten Möglichkeit, folgt also einer Hierarchie. An deren Spitze Geist steht, den nur der Mensch haben beziehungsweise an dem er teilhaben kann. Der Mensch ist also kraft Geburt (=natürlicherweise) auf das ewige Glück, auf die Gelungenheit des Lebens im Spiegel des Geistes und der Vorsehung Gottes, des logos ausgerichtet. Was sich davon entfernt, entfernt sich vom Sein. Und was kein Sein hat, hat keinen Bestand, ist Illusion, und dem Tod und der Vergänglichkeit geweiht.






Morgen Teil 2) Die Anmerkung *




Freitag, 20. September 2019

Über Soziopathie zur Bevölkerungskontrolle (2)

Teil 2)



Herrschaften, hierbei belassen wir es beim Besprechen des Videos auch. Denn was sich ab Minute 9 abspielt, ist substanzloses Dauergewäsch. Die beiden Herren deklassieren sich nur noch als das, was sie zu kritisieren vorgeben: Sie sind Scheinbeschäftigung im Internet. 

Leute, geht also dann, nach ein paar abschließenden Bemerkungen, die nun folgen, hinaus. Trinkt ein Bier im Gastgarten beim Seewirt, lutscht genüßlich ein Eis am Stand vor der Rotunde, und laßt vor allem einen Gedanken fahren: Daß Euch das Internet Freiheit bringt. Und erringt Euch Eure Freiheit stattdessen dort, wo sie einzig besteht: Im persönlichen Kontakt, in der persönlichen Auseinandersetzung, in der verantwortlichen Bindung. Gerade (!) also dort, wo sie mühsam und anstrengend wird. Und nur dort, wo sie mühsam und anstrengend wird, ist sie überhaupt Freiheit, als aktuelle, verfügbare Fähigkeit zur Spannung dem Geist gemäß. Das erst macht frei.

Weil es überall darum geht, zu ertragen. Und das Wesentliche am Leben das Moment des Bittens ist, des Ungeschuldeten, des Geschenks und der Gnade, das im Gleichschritt mit der Hinordnung auf das Wort geschieht. Dann von Gott gewährt wird, wenn wir ihn bitten. Die Sicherheit, zu der Jesus persönlich rät, mit der wir bitten sollen erzählt alles. Das Faktische der Geschichte ist auf eine Weise bedeutungslos, es geht nur um ein Dahinter, einen logos, ein "auf - zu". Das Faktische der Geschichte ist weitestgehend nicht mehr als die Bedingung, unter der wir das Wahre suchen und erflehen müssen.

Damit nähern wir uns der Frage, die auch Hancock als ein Kriterium in den Raum stellt, das scheinbar heute so gar keine Rolle mehr spielt, gerade in diesen Technokratenkreisen: Die Frage nach dem WOZU. Dem WARUM. Die Frage nach dem Sinn. Dann aber würde sich auch die Frage nach dem Internet beantworten. Was Hancock aber nicht zu kennen scheint: Diese Frage ist nicht mit weiteren materialistischen, weltimmanenten Gründen zu beantworten. Und da, ja, da beginnt die Problematik der allermeisten Verschwörungstheorien. Sie setzen oft bei richtigen Fragen an, und enden bei lächerlichen Antworten.

Denn fürchten? Nein. Fürchten müssen wir uns nicht. Die Schweine der Gegenwart haben ein Merkmal: Sie sind auch dumm wie Schweine. Sie sind freilich auch gerissen wie sie, verschlagen, perfide. Mißtrauen ist also mehr als angebracht. Aber sie sind verschlagen, weil sie um die Irrelevanz ihrer Ansätze wissen. Der Materialismus, der der heutigen Weltanschauung zugrunde liegt, ist nämlich irrelevant. Er ist, als würde man einem lebendigen, komplexen, nur dem Geiste zu offenem Gewebe eine starre Model überstülpen.

Fazit? Viele, allzu viele, die meisten, alle ... Rechten glauben nicht, daß die Natur, das Wesen des Menschen im Absoluten - Gott, Gottes Eben- und Abbild - verankert ist, sondern von den politischen, wirtschaftlichen, ideologischen Ansätzen verändert werden kann. Sie offenbaren sich damit als die, die sie zu verachten vorgeben: Als Materialisten. Sie glauben, daß die Fehlentwicklungen der Geschichte das Wesen des Menschen für die Zukunft verändern könnten, auch das Internet, auch die Manipulationen von Interessenvertretern. Sie meinen deshalb, daß man die Frage um Gott vorerst beiseite schieben kann, weil es nun um Wichtigeres geht.

Sie begreifen die Geschichte - auch die Gegenwart damit - nicht als Auseinandersetzung mit immer einem und demselben, ewigen, in der Dreifaltigkeit abbildhaft, aber grammatikalisch bestimmenden, fundierten Wesensbild. Damit sind sie das, gegen das sie anzukämpfen vorgeben, das aber - wie bei allen Liberalen - nur aus subjektivistischer Leiderfahrung stammt: Kinder dieser Zeit. Nicht der Ewigkeit. Und all ihr Bemühen ist wert- und wirkungslos.







Wir wollen Lebensdynamik, nicht starren Effekt

Die Gründe, warum wir dieses (ein wenig seltsame) Video, eine Episode aus "Verstehen Sie Spaß", hier präsentieren, sind vielschichtig. Grob beschrieben geht es um die Düpierung eines Trainers und Verhaltensforschers bei Hunden durch absurde Ideen, wie man Haustiere (Hunde) perfektioniert. Alle spielen mit, das Publikum, die Kollegen, die Moderatorin, ein (falscher) Pharmavertreter und ein (falscher) IT-Fachmann. Diese geben vor, durch einerseits Pharmaprodukte und andererseits das Einsetzen von Computerchips einen Hund dazu zu bringen, sich menschlichen Wünschen und Vorstellungen zu fügen, ohne daß eine erzieherische Interaktion notwendig wäre. Wie die, daß um das Klima zu retten Hunde auf vegane Ernährung umzustellen seien. 

Lassen wir einmal beiseite, daß der Umstand, daß man die Aussagen fast glaubt (auch der Düpierte tut das), anzeigt, wie weit wir wirklich sind. Es wird aber vor allem klar, daß man ein Haustier nicht anschafft, um eine perfekte Verhaltensmaschine zu erhalten. Vielmehr geht es um einen gemeinsamen Weg, der nur dadurch zu einem erfüllten Weg wird, weil er ein Ziel hat, das aber letztlich nie erreicht wird, weil es dynamisch ist. Und genau darin liegt der Reiz eines Haustieres. Das Zusammenleben mit ihm drückt ein je neu aktuelles Zueinander aus, auf das es einem ankommt. Sonst schafft man sich kein Haustier an. Denn darin, in diesem Ringen um eine Idee, die doch jede Sekunde verfehlt wird, liegt das Leben.

Man kann es vereinfacht so ausdrücken: Es geht nicht um das perfekte Ergebnis, den vollkommenen Effekt, den perfekten Hund. Der Effekt liegt nämlich nie in unserer Hand, das darf er gar nicht. Wehe, ein König zählt sein Volk! Wenn der Mensch das glaubt, verfehlt er sich gegen das Leben selbst. Denn das Ergebnis entspricht SEINEM Bild, seiner Vorstellung, und erstarrt zum Bild. Aber das ist immer ... tot. Effektbeherrschung bedeutet Tod.

Wenn die Existenz nicht ergebnisoffen ist, ist sie keine Existenz, sondern Erstarrung zu Stein. Es kommt vielmehr deshalb darauf an, das Ideal - die Idee - anzustreben, sich auf sie zu zu bewegen, ohne daß diese Idee jemals starr wäre! Sie ist in sich dynamisch, sie ist aber auch das, worauf man zuzuschreiten hat, denn nur sie ist durch die Bindung erfüllend. Bei einem Hund heißt das also, daß der Weg mit ihm ein Zuschreiten auf ein konkretes Ziel ist, in dem sich das Zueinander befindet, und das beider Seite Wesen umfaßt: Beide stehen an ein und demselben Ort.

Deshalb geht es auch in der Verantwortung nicht um ein starres Ziel, sondern um den Zustand der Bindung. Es geht um die Übernahme einer Bindung durch eine Aufgabe im Rahmen von Abhängigkeiten, die nie zu einem Ende kommt, es sei denn, die Verantwortung endet. Die nie mehr als ein Wort - Ja, Nein; also ein Entschluß - ist. Es geht nun darum, beide Seiten in ihrem Wesen auf diesen einen, beide erst verbindenden (in diesem Wort steckt "Ver-bindlich-keit", also Pflicht, Selbsttranszendierung, Abstand von flüchtigen Stimmungen etc.) Ort in ihrer jeweiligen Lebendigkeit zu sammeln.

Dieser Ort definiert nur die Art der Beziehung jener, die ihm beitreten, also dessen Struktur und in gewisser Weise somit dessen Hierarchie in bestimmten Hinsichten. Diese Art der Beziehung ist damit das fundamental Feste, Fixe daran, die konkrete, historische Ausgestaltung hat jene Dynamik des Historischen, die dem Geschichtlichen eben anhaftet und wie "Veränderung" aussieht. Sie ist aber nur das Resultat einer Dynamik, die nie erstarren kann, weil sie sonst Tod wäre.

So, in dieser dynamischen (wenn auch immer doch auch festgefügten) Verbindlichkeit durch Selbsttranszendenz, ist der Ort das Tor zur Lebendigkeit. Der Mensch hat keine Freude daran, wenn das Tier (oder der andere*) wie ein Roboter reagiert, völlig vorhersehbar und steuerbar ist, so daß es kein Eigenleben mehr entwickelt, also auch keine authentische Reaktion mehr zeigt, das Tier selbst erstarrt in dieser Konditionierung in Depression, Desinteresse an der Welt und Unlebendigkeit. 

Das Leben aber ist es, um das es geht. Und Leben ist immer Einbruch des Transzendenten. Und es bricht ein, wenn das Lebende sich am Sinn - am logos - ausrichtet. Der das Leben selbst weil Person ist. Auch beim Tier. Das gibt jedem Moment seine Geschichtlichkeit weil Einzigartigkeit. Und der ganze Kosmos ist ein solches selbsttranszendierendes System, das von einem logos angewegt wird (wobei der Mensch sich als geistesbegabtes Wesen entscheiden muß), zu sein, weil sich in diesem Netz der dynamischen Interaktivität zu bewegen.**






*Wir reden deshalb hier so oft von der "Ehe", weil die Ehe als allem vorausgehendes, verbindlichkeitsschaffendes Wort der Prototyp der Art ist, wie alles Seiende einem Ort beitritt, oder - es ist gar nicht. Entsteht nicht, oder vergeht. Die Welt ist ihrem Wesen nach ehelich.

**Das gilt übrigens auch für das Wetter, also das "Klima", als dessen statistische Abstraktion, nicht aber als dessen "Motivator", als hätte es ein eigenes Sein. Sein hat nur das Wetter! Wenn also ein sogenannter Klimaforscher (wie unlängst geschehen) sagt, der "Klimawandel" sei "Wetter auf Steroiden", muß man allen Ernstes am Geisteszustand desjenigen weil an seiner Denkfähigkeit zweifeln.




Donnerstag, 19. September 2019

Der Donnerstag Theaterabend

Mit vollen Hosen ist gut stinken. Dieses Sprichwort ist für Harald Schmidt anzuwenden. Der nun "im Alter", und außerhalb des eigentlichen Show-Business jene angenehme, ruhige Distanziertheit und Selbstironie zeigt, die wie beim Baby feine Rundumernährung und Sicherheit zeigt.

Außerhalb? Nein, er nimmt nun einfach die Rolle des Balkonkommentators ein, der jede Freiheit hat, weil er in keine Notwendigkeit mehr eingespannt ist. Schmidt sagt selbst, daß er seine ganze Existenz, von der Geburt bis zum Grab, als Show ansieht. Er spielt immer eine Rolle, was im übrigen auf seine ursprüngliche Profession des Schauspielers hinweist. (Deshalb haben wir es auch hier in den Titel eines Theaterabend gestellt.) 

Und nichts sonst tut er auch. Gesättigt von viel Erfolg. Was in diesem speziellen Fall einfach heißt, daß er seinen Platz im öffentlichen Theater gefunden hat, und das alleine ist ein, ja DER Lebenserfolg für jeden Menschen. Weil sie eine Art vollkommenen Zustand der Identität bedeutet, die man nicht mehr ständig behaupten muß, die gewissermaßen in die Grammatik des Gesellschaftlichen bereits eingeschrieben ist. 

Das zeigt sich auch in der distanzierten Lockerheit, in der er über handwerkliche Details spricht. Die zeigt, daß er nichts (mehr) zu befürchten hat. Für Kollegen oder Insider ist er da durchaus Vorbild, von dem man lernen kann. Das einen aber auch in vielerlei Hinsicht beruhigt. Denn gerade in diesem Gewerbe - Bühne, Öffentlichkeit - wird man rasch von Ansprüchen geplagt, die nie zu erfüllen sind, die es auch gar nicht zu erfüllen gibt. Sodaß man sich gleich mal als "dilettantisch" vorkommt, bis man draufkommt, daß ohnehin alle mit Wasser kochen, und in der gesamten Branche kaum jemand kein Dilettant ist. Dessen Professionalität nur darin besteht, diesen Dilettantismus, diese Selbstunsicherheit möglichst gut zu verbergen.
Schmidts Nonchalance zeigt vor allem aber eines: Sie ist jene Maske einer Rolle, die verhindert, daß die wirklichen, tieferen Ansichten sichtbar werden. Und dazu hat er eine Maske gewählt, die jederzeitigen Rückzug ermöglicht, sobald es ernst, existentiell werden sollte. Das zeigt sich schon darin, daß er sich selbst als Reaktionär sähe, hätte er - eigener Aussage nach - die dafür notwendige Bildung (womit er den Nagel ziemlich auf den Kopf trifft.) Mit solchen Tricks nimmt er sich aus jeder Schußlinie. "Ich halte mich nicht mit Denken auf, ich haue einfach raus. Ich bin nicht schnell im Kopf, ich bin nur schnell mit der Zunge."

Und ein wenig kann man tatsächlich davon lernen. Denn Reife heißt vor allem auch, daß man sich zu sich selbst distanziert verhalten können sollte, weil vor allem sich selber nicht zu ernst nehmen darf. Sonst wird man ungenießbar, aber um nichts wahrer. Fortiter in res - suaviter in modo, nannten das die Römer. Hart in der Sache, aber weich in der Art. Schmidt geht es halt um nichts, und er bekennt sich dazu, und das ist nicht nur für einen Schauspieler, der ja gar keine figurale Weltsubstanz hat, der also nicht "dem Publikum" zugehört, gut so. Er hat genug verdient, hat eine sichere Existenz, muß nichts Irdisches fürchten, und kann sein verbleibendes Leben nur noch genießen. Das heißt: Endlich ganz und unbekümmert als Spiel spielen, was er als "Rolle Harald Schmidt" gefunden hat. (Was ihn fürs Schauspiel längst untauglich gemacht hat.)

Immerhin sieht er vieles recht richtig. So, wenn er in dem nämlichen ORF-Interview, auf das das Gespräch mehrfach Bezug nimmt, sagt, daß eine Sendung wie sein "Latenight-Talk" heute nach einer Woche wegen ständiger Verstöße gegen die political correctness nach spätestens einer Woche eingestellt würde. Da müßte es die Interviewer eigentlich gerissen haben.

Es läßt sich doch auch so mancher Gedanke herauspicken, wir wollen es aber nicht überziehen. Einer der Höhepunkte sind Schmidts Schilderungen über den Tourismus, den er durch sein Traumschiff-Engagement sehr hautnah erlebt. "Es ist überall auf der Welt so voll, Herrschaften, bleiben Sie zu Hause!" Erleben, sehen, genießen kann man kaum noch etwas.

Fast schon großartig seine Erzählung über seine Anfänge am Theater in Augsburg. Wo er jahrelang nur "Scheiße" gespielt hat, und unbedingt weg wollte. Denn er wollte in diesem Getriebe nicht aufgehen, hatte das Gefühl, daß das nur Teil seiner Biographie sein wird, die aber anders aussehen wird. Er kam weg, indem er sich dem Journalismus zuwandte. Was zwar in der Form nicht gelang, aber die Distanz zum "Kunstgeschehen auf der Bühne" festigte sich. So daß er mehr und mehr seine eigene Rolle schrieb. Und das Glück hatte, daß er damit durchkam. Heute erlebt er, wie diese Phase seines Lebens hervorragend eignet, romantisiert zu werden. Weil er sich in der öffentlichen Meinung schon an den Rand der Verklärung geschoben hat. "Wenn ich wissen will, wie mein Leben läuft, gehe ich heute zu Wikipedia, um nachzusehen." Ein Reaktionär aber weiß, wovon da die Rede ist.

Eineinhalb entspannte Stunden, das bietet dieses Gespräch, das die Augsburger Zeitung mit ihm im Juli 2019 veranstaltet hat und das man nicht zu ernst nehmen sollte. Wer die Schmidtsche Grenzwandelei mag, dem sei das Video deshalb empfohlen.







Über Soziopathie zur Bevölkerungskontrolle (1)

Daß James Corbett ein alter Verschwörungstheoretiker ist, wissen wir natürlich alle längst. Aber wir wissen auch, daß die meisten der Verschwörungstheorien sich mittlerweile als Berichte über die wirklichen Vorgänge herausgestellt haben, die man mit dem verleumderischen Etikett lediglich versieht, um diese Vorgänge zu verbergen. Also wird es Zeit, eine weitere seiner Theorien hier vorzustellen, der so mancher Geruch von Realität anhaftet.

Corbett beginnt dieses mal gleich mit einem kräftigen Schluck aus der Pulle, die seinen Ruf begründet hat. Es sei unfaßbar naiv, und dem der das glaubt nicht zu helfen, der da meine, das Internet habe sich aus freiem Wirtschafts- und Altruismus-Impuls heraus entwickelt, und sei nun in einem permanenten Widerstandskampf gegen die pöhse Politik, die es für sich zu benützen versuche.

Mitnichten und -neffen. Das Internet war von allem Anfang an ein Projekt des US-Verteidigungsdepartments, das sich aus dem 'Arpanet' heraus - einem rein militärischen, weltweiten Netz des Informationsaustausches - nicht einfach entwickelt hat, weil da ein paar findige Superhirne die Welt revolutionieren wollten, sondern das unter Anleitung und Leitung des US-Geheimdienstes technisch adaptiert, mit viel Geld finanziert und dann unter dem elegantesten Werbeetikett, das denkbar ist - Freiheit und Wohlstand - popularisiert wurde. Einfach, weil die Technik vorhanden war und dazu regelrecht einlud, auf diese Weise die Menschen in globalem Maßstab zu dirigieren. Na, wer das glaubt, nicht wahr, werter Leser, dem ist doch nimmer zu helfen? Wir sind doch so frei geworden durch das Internet, das uns allen so viel Meinungsfreiheit gibt, Gott sei es gepfiffen und getrommelt.

Sein diesmaliger Gesprächspartner zieht aber sogar noch einen Gang an. Er meint glatt, daß sich direkte Verbindungslinien zwischen den Eugenik-Programmen hochwissenschaftlicher Landesverteidiger zeigten, sieht man der Sache genauer unter die Decke. Jener also, die seit Jahrzehnten, wenn nicht ein gutes Jahrhundert, die (primitive) Bevölkerung als großen Feind der Freiheit ansehen. Na, und das, das glauben wir schon überhaupt nicht mehr.

Oder sollten wir es besser doch glauben? Wo wäre der Ansatz? Wirkt Internet kontrazeptiv? Nun, der erste Ansatz ist, daß diese Form der (unnatürlichen, ja gefährlichen) Scheinkommunikation einen psychologisch perfekt ausgedachten Stoß der Bevölkerung ins Soziopathische versetzt. Dem könnte man also glatt zustimmen: Das Internet versetzt die Menschen in ein antisoziales, ja soziopathisches "Mindset", also in eine solche Geistesverfassung. Die sogar das Scheinfach aufmacht, in dem sich jeder als "Dissident", als "geistig originell" sehen kann, ohne noch die Wahrnehmung dafür zu haben. Denn es wird ihm ja bestätigt: Das Internet ist die perfekte Maschine der Zweitwirklichkeit, die ihre eigenen Wertmaßstäbe in sich trägt, und mit dem aus der wirklichen Wirklichkeit aufsteigenden Weltstrukturen und -grammatiken nichts mehr zu tun hat. Es ist alles nur noch eine Vorstellung, und diese Vorstellungen sind über attestierte Qualität - Scheinhierarchien von "gut" und "schlecht" - sehr leicht zu kontrollieren.

Denn mit dem Internet läßt sich so etwas wie ein globales Gedankenlesen veranstalten. Auf die elektronische Ebene transponiert, ergibt sich für jeden, der auch nur fünf Zeilen ins Netz schustert, ein immer weiter perfektionierbares Gedanken- und Seelenprofil. Wer soll das wollen? Cui bono, wem nützt es am meisten?

Nun, sagt Corbett, um eines mal festzuhalten: Technokraten sind Eugeniker. Und Eugeniker Technokraten. Soviel zu deren Sichtweise des Menschen. 

Eugenik setzt genau dort an: Es will auch über die Anwendung in der Gentechnik ja nichts anderes als "bessere Menschen". Durch störungsfreiere, optimierte Empfängnis und Geburt ist jedem ein besseres Leben bescheidbar. Deshalb wird per Abtreibung längst mit einer Nonchalance selektiert, wie es sich kein Auschwitz-Arzt an der Rampe hätte vorstellen können. Das Gedankengut von Abtreibung und Rassenvernichtung deckt sich nicht zufällig bis in den letzten Winkel. Selbst die Argumente sind dieselben, ob sozialer oder psychischer oder leistungstechnischer Art.

Die Idee, die Menschheit in eine bessere, ja in die richtige Richtung zu lenken, ist nicht neu. Sie ist im Gleichschritt mit der Entwicklung der Technik, noch mehr aber mit der gesellschaftlichen Entwicklung (allem voran die Beseitigung von Thron und Altar als Einflußfaktoren), eine direkte Frucht der Aufklärung. Das ist zugleich die absolute Rechtfertigung für eine "herrschende Klasse", sie ruht ganz auf der "Vernünftigkeit" auf. Wer wird da etwas dagegen sagen? Wer will nicht Führer, die ihn zum Besseren bringen?

Diese Form der Rationalität ist der Grund, warum die Menschen auch selbst und freiwillig eine neue Form der Herrschaft akzeptiert haben und heute mit offenen Armen akzeptieren, ja herbeisehnen, im Internet herbeischreiben. Alle Dispute im Internet gehen in Wahrheit nur darum: Wer - links? rechts? - hat dazu die besseren Konzepte? Über das allen gemeinsame Ziel - hier sind die, die gelenkt werden, dort die, die lenken - wird nicht diskutiert. Und nie läßt sich die Menschheit besser dirigieren als über die "Pluralität", in der niemand einer Autorität zuzugehören scheint, wo alle so unglaublich "frei" und "autonom" sind. 

Was für ein tragischer Irrtum. Was für eine verfluchenswerte Droge der Entwirklichung. Die sicherste Autorität hat der, der dem anderen weismacht, daß er ihn völlig frei entscheiden läßt. Und unter den Tisch fallen läßt, daß es einen Menschen außerhalb einer Hierarchie gar nicht gibt, daß der Klebstoff, der jeden Menschen überhaupt erst Mensch sein läßt, Mensch in der Welt, Autorität, Hierarchie ist. Daß es der Glaube ist, daß es vor allem das "jemandem glauben" ist, das den Menschen von allem Anfang an in seiner Welthaftigkeit bestimmt. Beginnend von der Mutter, über die Familie, hinaus in die Umgebung, erst nahe, dann weiter. Wir alle haben das, was wir glauben, empfangen. Empfangen. Von jemandem.

In einem Menschenbild, das den Menschen nur noch als mechanistisch-materielles Gebilde sieht, ist auch klar, daß der Überlegene sich durch überlegene Physis - und damit durch überlegene Gene - auszeichnet. Und die Gründer von Silicon-Valley, dieser Geburtsstätte und Hochburg der Computerwelt und des Internet (samt der Aftergeburt der social media), waren Eugeniker, waren Genetiker, waren überzeugt von dem Gedanken der mechanisch konstituierten Überlegenheit einer bestimmten Art von Menschsein.

Die Möglichkeit, die Wirklichkeit in Einsen und Nullen - die Grundstruktur aller Computertechnik: Ja/Nein, Strom/Nicht-Strom - aufzulösen hat seit je Eugeniker und Computer-Technizisten fasziniert und geeint. Gene an, Gene aus. Strom an. Strom aus. Diese Mentalität führt fast zwangsläufig zur Gleichsetzung von schneller, perfekter, bequemer, billiger, besser mit dem "Guten" an sich. Diese Kriterien sind die perfekte Basis, um die bestehende obere Klasse zu delegitimieren. Der Ort, der Stand wird durch die bessere Technik in Prozessen abgelöst. Das ist auch mittlerweile die Milch, die die fromme Denkungsart der "Demokratie" nährt. 

Und an diesem Punkt zeigt sich die Problematik und Irrelevanz nicht nur von Corbett, sondern quasi der gesamten Internet-Rebellions-Bewegung, wie sie sich oft genug selbst versteht. Corbett sagt tatsächlich, daß die Idee einer herrschenden Schichte (als Stand, als generationenübergreifende Identität) das Problem sei. Weil ja alle gleich seien. Dabei ist diese "ewige Identitätsidee"  das einzig Realistische an Identität.
Morgen Teil 2)




*160719*

Mittwoch, 18. September 2019

Seltsamer Dienst am Menschen

Tim Kersnick auf Twitter mit einer seltsamen Wahrheit:
Antwort an@benshapiro
It was underneath her feet the whole time just like the rest of America.@BillClinton & @HillaryClinton are like the worst welfare recipients ever. They’ve been dependent on government housing, income, and food their entire lives and called it “serving the people”.
Es war wie für den Rest von Amerika viel zu selbstverständlich, um darüber zu reden. Aber Bill und Hillary Clinton gehören zur schlimmsten Sorte von Kunden des Wohlfahrtsstaates. Sie waren beide ihr Leben lang abhängig von staatlichen Wohnungen, staatlichem Einkommen und öffentlichen Nahrungsprogrammen, und das nannten sie dann "den Menschen dienen".

Eine Theorie, die beängstigend plausibel ist

Es ist meist nur ein Outtake (also einem herausgenommenen Schnipsel) aus seinem Film "Der Bauer und sein Klima", aber diese Aussagen herauszugreifen, um sie pointierter vor Augen zu stellen, ergänzt durch Zusatzmaterial, ist oft durchaus sinnvoll. Auch hier. Marijn Poels zeigt Szenen aus seinem Gespräch mit dem Astrophysiker Piers Corbyn (dem Bruder des britischen Politikers Jeremy Corbyn, dem Chef der britischen Labour-Party). In dem dieser die These von der menschengemachten Klimakatastrophe und der Klimarettung über CO2-Einsparung als völligen wissenschaftlichen Unsinn darstellt, der nicht selten sogar auf Betrug basiert. 

Aber darum soll es nun gar nicht gehen. Vielmehr spitzt Poels mit seinen Szenen eine Aussage zu, die soviel Plausibilität hat, weil sich so glatt über das Geschehen rund um den Klimawahn legen läßt, daß es einen gruselt. Denn Corbyn sagt folgendes: Der gesamte Klimawahn ist eine perfekt inszenierte Strategie gewesen, mit dem Großkonzerne ein ganz simples Ziel verfolgt haben, das sie auch erreichen werden, wenn es so weitergeht. Ihr Ziel war eine Art "Zweiteilung" der Erde, in hier Konsumenten (im Westen), und dort Produzenten (Entwicklungs- und Schwellenländer). Dort sind die Löhne wesentlich niedriger, und die Produktionsbedingungen insgesamt sehr "günstig". Denn diese Länder sind in der Regel ja froh, daß Arbeitsplätze und Wertschöpfung durch Dritte entstehen. 

Damit aber kann ein global agierender Konzern seine Gewinnmargen extrem steigern. 

Das Ziel des Klimawahns war nach Corbyns Ansicht also ganz eindeutig, daß der Westen DEINDUSTRIALISIERT werden sollte. Der völlig sinnlose Klimaschutz als politisch-religiöse Agenda verteuert über Energiekosten und Umweltauflagen die Produktion im Westen dermaßen, daß die Betriebe mangels Konkurrenzfähigkeit schließen müssen oder auswandern.

Wir haben in anderem Zusammenhang (siehe den Artikel über Bayer - Monsanto) bereits darauf hingewiesen, daß es seit längerem zu den Strategien großer Konzerne gehört, unter dem heuchlerischen Titel, "Besserungen für den Konsumenten" einzuführen, Produktionsbedingungen mit der Hilfe von Gesetzen und Auflagen und Regelungen so zu erschweren, daß es eine Verdrängung der Konkurrenz und Monopolisierung von Märkten bedeutet.

Das Vorgehen beim "Klimaschutz" ist kaum anders zu deuten. Und würde den seltsamen Umstand erklären, warum sämtliche Konzerne (nämlich auch die Mineralölkonzerne!) auf diesen Zug aufgesprungen sind (und sei es über Stiftungen, einem beliebten "under cover" Veränderungswerkzeug für gesellschaftliche Strömungen), den man doch eigentlich als ihren Geschäftsinteressen zuwiderlaufend sehen müßte. Oh nein, man geht längst viel geschickter vor. Man macht es über social engineering.

Übrig bleiben manipulierte Konsumenten, die dann jene Produkte kaufen, die im Rest der Welt sehr billig hergestellt werden. Nicht nur das: Der Westen subventioniert diese Produktionsstätten noch, durch Klimaabgaben und einer Art moralischer Pflicht, Geld in diese Billiglohnländer zu verschieben. Von dem wiederum die Konzerne profitieren, weil die nunmehr produktiven Länder von einer steuerlichen, sozialrechtlichen oder ökologiebedachten Belastung der Konzerne absehen können, weil sie das Geld ohnehin bekommen.

Ausgangspunkt beim Klimawahn als Strategie war nach Corbyn der Mauerfall 1989. Der hat die Linke in Europa orientierungslos gemacht. So hat sich eine Art Ökosozialismus entwickelt, der dann Tür und Tor für die Strategie aufgerissen hat, wie sie sich in der Klimawandel-Ideologie des Big Business manifestiert. Ökolinke sind damit zu nützlichen Idioten des globalen Großkapitals geworden.

Endlich wieder ein akzeptiertes moralisch vorbildliches Mitglied der Weltgesellschaft.

Die Vorreiter-Rolle, die man dabei Deutschland zugeschanzt hat (und die dieses mit Handkuß aufgenommen hat: Lob ist der wirksamste, gefährlichste Manipulator!), ist damit nur Teil einer weit größeren Gesamtstrategie. Die nach 1945 (Morgenthau-Plan usw.) eine Versklavung der Deutschen vorsah, aber aus anderen Nützlichkeiten, die man nun sah, über drei Banden (Kalter Krieg für die Rüstung, Amerikanismus als "Wirtschaftswunder", um den perfekten Konsumenten und Abnehmer für die Konzerne herzustellen, was heute über Identity Politics - sexual liberation, Gender, LGBT etc. - als social engineering perfektioniert) gespielt wurde.

Heute ist es der Klimawahn, der die Deutschen zu Zahlmeistern und bald zu Sklaven der Welt macht. Einzementiert und definitiv beherrscht durch die Fiskal- und Währungs-Union mit dem Rest Europas samt der Eisenfesseln EZB und ESM. (Man lese dazu auch den erhellenden und um nichts weniger beängstigenden Artikel zur Bankenunion auf Achgut.) Wozu man geschickt das Zuckerl der Wiedervereinigung einsetzte, das man sich aufgespart hatte, so daß Deutschland gerne zu diesem nächsten Schritt der Versklavung zustimmte.








Dienstag, 17. September 2019

Zu nichts gut

Es ist Zeugnis eines gewaltigen Scheiterns, schreibt Jordan B. Peterson in einem Gastartikel auf Achgut, wenn wie heute 80 Prozent aller Arbeiten und Studien in der Geisteswissenschaft von NIEMANDEM zitiert oder gelesen werden. Und es ist außerdem sehr teuer. Die Gründe sind rasch aufgezählt. Öffentliche Bibliotheken werden gezwungen, zu überhöhten Preisen publizierte Arbeiten zu kaufen, während die Verlage jedes Maß für Qualität und Sinnhaftigkeit abgelegt haben, weil sie wissen, daß ihre Schriften sowieso Abnehmer finden - die Bibliotheken. 

Peterson schreibt, daß sich auf den Universitäten "Fäulnis" gebildet hat. Wo sich kleine "ideologische Gärten" aufgebaut haben, in denen sich Wissenschaftler herumtreiben, die Wissen produzieren, das weder jemand braucht noch für das sich jemand interessiert, weil es ihm Erkenntniszugewinn verspräche. Die sich dann gegenseitig die "Qualität" im peer review bestätigen, obwohl sie oft genug armselig ist. Die Schwelle, um mit einer geisteswissenschaftlichen Arbeit veröffentlicht zu werden, ist somit äußerst niedrig geworden. Außerdem gleichen sich viele dieser Arbeiten in hohem Maß, und wozu sollte man eine Arbeit zitieren, die nichts Neues zu sagen hat oder etwas erzählt, das man ohnehin selber oder besser weiß?

Damit aber muß man von reiner Geldverschwendung reden. Denn solche Arbeiten sind völlig sinnlos, wenn sie keine Wirkungsgeschichte aufweisen können.




Von der Wahrheitspflicht des Journalisten (2)

Teil 2)




Da stoßen wir vor allem aber erst auf das Problem der (objektiven) Schuld, weil sie die wirksamste Gestaltungskraft ist. Nur wer vor Gott, dem Sein selbst, der Wahrheit selbst offen bleibt, also selbst zurücktritt, kann offen für die Wahrheit sein, und jenes Belegmaterial zitieren, das auf diese Wahrheit verweist. Hier hat die Photographie (und Film ist eine Form der Photographie) schrecklichste Verwüstungen und Irrtümer angerichtet! Man hält sie für "immer wahr". Aber das ist völlig falsch. Gerade die Photographie ist immer ein "Bezug auf eine Wirklichkeit", nie dargestellte Wirklichkeit aus sich selbst. (Womit die Kunstphotographie beziehungsweise der Film schwer kämpft, denn sie werden auch erst durch die Geschichte, die sie erzählen, wahr oder unwahr, also Kunst oder nicht Kunst.)

Was nichts weniger heißen soll, als daß die Wahrheitspflicht des Journalismus ohne eine in der absoluten Wahrheit bestehende Verankerung zur sinnlosen Floskel wird. Die zwar der Welt der Tatsachen verpflichtet ist, aber nur insoweit, als es Tatsachen nicht widersprechen darf. Sollen aber Tatsachen, Daten, zu Nachrichten formuliert werden, braucht es den Gestaltungswillen des Berichtenden. Und damit stehen wir wieder vor der in Gott bestehenden Wahrheitspflicht. Ohne Religiosität hat somit sogar der Journalismus jeden Sinn verloren.  Wir ersticken somit auch hier an jenen Dünsten und Dämpfen, die den Ruinen entsteigen, und uns signalisieren, daß etwas verloren ging, daß etwas zerstört wurde, dem wir nun verzweifelt hinterher hecheln, das es aber so nicht mehr gibt, weil wir die Gebäude ablehnen, die sie enthalten haben.

Guter Journalismus kann also nicht sein, Daten wahllos vor die Menschen zu werfen, auf daß diese "sich ihr eigenes Bild machen" könnten. Das werden sie dann auch nicht, ja erst recht nicht können und auf andere Deutungshorizonte zurückgreifen. Das war auch schon vor zwanzig Jahren, als es aufkam, die rasch aufdämmernde Erkenntnis beim Internet, daß es keineswegs aus sich heraus und durch Datenfülle "mehr Informiertheit" bedeuten wird. Vielmehr - mehr Verwirrung, und was noch kaum erkannt wird: Leichtere Steuerbarkeit. Ja mehr noch: Steuerbarkeit DURCH Datenfülle.

Das hat sich längst bewahrheitet. Schon damals war (zumindest dem VdZ) klar, daß es Institutionen, Menschen brauchen wird, wie im realen Leben, ja aus diesem genommen, die die Datenfülle ordnen, selektieren, und somit Information "gestalten". Nichts im Internet hat deshalb heute dermaßen Hochkonjunktur wie das Handwerk der Weltdeutung. Also der Ordnung von Daten zu Informationen.

Der wahre Grund, warum wir vom Journalismus, den Medien keine Wahrheit mehr erwarten können, liegt nicht in Bildern oder Richtigkeiten. Er liegt in Zahlen wie diesen begründet, wonach an die neunzig Prozent der Journalisten unseres Sprachraumes sich selbst als grün oder links oder sonst wie atheistisch bezeichnen. Und das heißt: Ohne Bezug zur Wahrheit, die es nur in Gott gibt. Die Erwartung, daß die Medien also "wahrhaftig" berichten, ist in jedem - in jedem! - Fall bereits unerfüllbar.



Nachsatz: Der Leser mag sich verwundert die Augen reiben, über das was nun zu sagen ist. Aber ihm wird vielleicht aufgefallen sein, daß der VdZ sich in der Frage um die Internetzensur stets sehr zurückhielt. Warum war das so? Weil er tatsächlich der Meinung ist, daß die Forderung nach einem völlig offenen Internet nicht nur unreflektierter Unsinn ist, sondern vor allem einem dient: Der Subversion. Was unter anderem daran auffällt, daß die Lüge immer erst völlige Offenheit gefordert hat, um sich dann als Beschränkungsinstanz etablieren zu wollen. Siehe Klimawandelwahn. 

Das Problem der Politik ist deshalb ernst zu nehmen, das Annagretel Krampkarrenbauer, diese "nette Cousine vom Plankenfreibad Bad Rumpelstädt an der Leine", tatsächlich richtig (!) nannte, wofür sie natürlich sofort geprügelt wurde, so daß sie damit kleinlaut im Boden verschwand. Aber da ist was Wahres dran, und das würde es tatsächlich brauchen: Eine Beschränkung des Internet. 

Es fehlt nur an der Instanz, die die Wahrheit garantieren, also das Maß der Beschränkung bestimmen kann. Darin ist die Politik nicht nur hilflos, sondern in ihrer derzeitigen Form würde auch der VdZ ihr diese Aufgabe niemals überlassen. Aber man muß das Internet in die Bahnen der Wahrheit lenken, sonst wirkt es zerstörerisch beziehungsweise bietet der Zerstörung jeden Raum.  Aber dazu muß sich die Politik selbst von der Wahrheit des Absoluten durch ein Absolutes korrigieren lassen. Die Parteiendemokratie ist nämlich aus seiner Natur heraus (s. unter anderem Robert Michel in seinen Analysen von vor achtzig Jahren) ein einziger Interessenklüngel im Dienste des Machterhalts und kann gar nicht anders enden als in ungerechter Zensur. Aber es bräuchte eine "Zensur".

Denn das Netz hat bislang extrem subversiv gewirkt, und war darin extrem effektiv. Man denke alleine an die entsetzliche Wucht der Pornographie. Die das perfideste Mittel der Kultur- weil Gesellschaftssteuerung ist, das denkbar ist, eine schwerere Sünde gegen die Menschenwürde, und deshalb von jedem Staat als vorrangige Agenda verboten werden muß. Und die - eiderdautz! - ihre ungehemmte Verbreitung ca. 1964 von den USA ausgehend als "Kampf um Meinungsfreiheit" (man sehe den Film über Larry Flint und seinen Pornokonzern) sowie in der Form von Holocaustfilmen ("Pawn broker" 1965) unter der Forderung nach "Freiheit und Menschenrecht" getarnt hatte. 

Das kann also nicht die Frage sein. Die Frage muß sein, ob die Kirche, die einzige Institution, die das leisten könnte, das faktisch noch leisten kann. Derzeit ist auch das zu verneinen. Nicht prinzipiell, sondern aus Realismus.




Montag, 16. September 2019

Die Wüsten verschwinden

Der deutsche Wüstenforscher Stefan Kröpelin berichtet in einem Podcast über einige Ergebnisse seiner 40jährigen Forschungstätigkeit in den trockensten Bereichen der Sahara, dem Osten. Nicht nur weist er darauf hin, daß die Wüste über die Jahrtausende kam und ging, sondern daß der allgemeine Stand des Wissens in der Öffentlichkeit seinen Befunden widerspricht.

Denn keineswegs dehnen sich die Wüsten aus, wie es im Zuge des Klimawandelnarrativs gerne heißt, sondern er findet klare Indizien dafür, daß die Wüsten sich verkleinern und ergrünen. Seiner Einschätzung nach wird sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte die Sahara um ein Drittel VERKLEINERN, also an Siedlungsfläche für die Afrikaner zur Verfügung stehen. Überall nehmen die Niederschläge zu, und es ist verwunderlich, daß man darüber bei uns nicht oder sogar falsch berichtet.

Es gibt Desertifikation, ja, aber sie hat nie etwas mit Klimawandel zu tun, sondern ist auf die enorm angestiegene Bevölkerungsdichte in manchen Gebieten zurückzuführen. Trinkwasser und Landwirtschaft benötigen dann auch mehr Wasser. Dabei ist es gerade die Erwärmung, die menschlichen Lebensräumen zugute kommt. Überall. Ein kühleres Klima wäre für weite Teile der Welt erst tatsächlich ein schweres Problem.

Was er sieht ist, sollte uns also viel gelassener werden lassen, das ist seine Botschaft. Denn er sieht im Buch der Landschaften und deren Geschichte mit den Menschen, die sich in der Wüste in so reichem Maß studieren läßt, daß sich klimatische Bedingungen immer verschoben und geändert haben. Er hält es für unverantwortlich und außerdem wissenschaftlich nicht geboten, Panik zu schüren. Dafür besteht kein Grund, und es führt zu falschen Entscheidungen. Die Menschen haben immer in einem Dialog mit Umweltveränderungen gelebt, und warum sollte das plötzlich anders sein? Was kümmert uns sogar, sagen wir, ein Meter Meeresspiegelanstieg, bei 4.000 Metern durchschnittlicher Meerestiefe? Bauen wir halt Dämme, wenn es wo notwendig wird.
 
Sein Fazit aus der überaus reichen Erfahrung in ganz Afrika? Es gibt bis heute keinen einzigen Klimaflüchtling! Davon zu sprechen ist Unsinn. Den Afrikanern ist es schlicht und ergreifend egal, ob es heute 40 oder 40,5 Grad Außentemperatur hat. Das kümmert niemanden. Wenn, dann adaptiert man sich einfach ein wenig, so wie man es seit tausenden von Jahren gemacht hat. Alle Auseinandersetzungen, alle Gründe zu Wanderungen haben politische und wirtschaftliche Gründe.

Kröpelin wendet sich damit vor allem gegen die panische Berichterstattung. Wo jede Serie von Hitzetagen, jeder Sturm oder jeder Hurricane zur Katastrophe hochgespielt wird. Noch vor vierzig Jahren haben wir das nicht einmal bemerkt, weil das Leben immer einen gewissen Wandel bedeutete, ein solcher einfach "normal" war! Nichts von dem, was wir heute erleben, ist eine Erfindung der Neuzeit, das hat es alles schon immer gegeben. Man könnte da durchaus von der Gelassenheit der Wüstenbewohner, ja überhaupt von deren Haltungen lernen, die Abstand von den Scheinproblemen lehren, mit denen wir uns täglich auseinandersetzen.

Daneben sind seine Schilderungen des afrikanischen Winters interessant. Denn zwar gibt es weniger Niederschläge als bei uns, aber nachts enorme Kälte. Minus 15 Grad, bei starken Winden, werden manchmal zu einem Problem. Aber die Wüste ist halt ein Extremlebensraum, so wie Hochgebirge, in dessen Mächtigkeit man sich sehr aufmerksam verhalten muß, will man überleben. Aber es ist auch ein ungeheurer Freiheitsraum, und die Bewohner dieser Zonen lieben und genießen diese Freiheit, in der sie ohne Steuerbehörden und Autoritäten leben können.




*010819*

Von der Wahrheitspflicht des Journalisten (1)

Der VdZ hat schon einmal davon berichtet. Als er an einer Filmschule unterrichtete stellte er den Studenten die Frage, wie der Manipulation bei Nachrichten vorzubeugen sei. Die Antwort war aus mehreren Gründen erschütternd: Denn die meisten waren der Meinung, daß ein Aufstellen von Kameras überall und an jedem Ort das verhindern würde. Vom Aspekt der totalen Überwachung wollen wir hier gar nicht reden, der darin enthalten ist und offenbar allseits auf große Zustimmung stieß. 

Vielmehr soll es um einen schweren Grundirrtum gehen, der sich in solch einer Sichtweise verbirgt. Nämlich dem, daß die Empirie aus sich heraus Wahrheit liefern könnte! Daß es also eine Wirklichkeit gebe, die sich im "rein Faktischen" entbirgt. Nichts stimmt weniger.

Der Gedanke spielt eine Rolle, wenn man einen nächsten "Manipulationsfall" durch ein Medium heranzieht, diesmal in den Reihen des RTL. Ähnlich wie im Spiegel Monate zuvor, hat auch dort ein Reporter nachweislich Filmberichte gefälscht, die er in den Nachrichten präsentiert. Das ergab nun eine senderinterne Untersuchung, wie Tichys Einblick berichtet. Der Reporter habe vor allem damit getäuscht, indem er Archivbilder herangezogen hat, die in ganz anderem Zusammenhang entstanden waren, um im Beitrag aufgestellte Behauptungen und Nachrichten zu belegen, so daß diese Bilder als Originalaufnahmen angesehen werden mußten. 

Schon vor vielen Jahren hat der VdZ in einem Projektvorschlag (der aber nie realisiert wurde, der Förderstelle schien das offenbar zu wenig interessant, man wollte "Videokunst" oder weiß der Deibel was) aufzuzeigen versucht, daß sich mit jedem, wirklich mit jedem Bildmaterial nur durch Auswahl der Details, durch Aspekte die man zeigt, so gut wie jede Behauptung "beweisen" läßt. Mit demselben Filmmaterial läßt sich je nach Auswahl damit sowohl eine These wie ihr Gegenteil beweisen. Und Filmmaterial, Bildmaterial muß immer ausgewählt, geordnet werden, sonst hat es eine zufällige Aussage, denn die hat es immer. Ohne Weltbild kein gesehenes Bild!

In der Frage, die nun an die Medienwelt gestellt wird und die laut nach "Wahrheit, nichts als Wahrheit" schreit, weht also bereits etwas wie ein "Reinheitswahn" der Katharer und anderer Sekten mit. Mehr noch, ein "sola scriptura", das demselben Irrtum entspringt. Denn immer noch ist es das Weltbild, die Behauptung also, die erst konstituiert, was der Mensch überhaupt sieht. Der Datenempfänger muß also immer bereits vor-wissen, was an Wissen dann auf ihn eintrifft. Information ist nicht aus sich heraus Information, sondern ihr Adressat muß sie als solche auch erkennen, also vor-kennen. 

Speziell Bilder im Film haben die unselige Verführungsfunktion, sie aber für wichtiger als die Botschaft, als die Behauptung zu nehmen, die sie begleitet. Aber erst diese macht aus dem Gesehenen eine Botschaft, und erst das Gewußte aus dem Gesehenen Beleg oder gar "Beweis". An der Methode, Bilder heranzuziehen, um eine Botschaft zu belegen, ist also gar nichts Verwerfliches. Nicht einmal daran wäre etwas auszusetzen, wenn jemand eine Geschichte "erfindet", wie Relotius und wie so viele andere es beim Spiegel getan haben. Daß das zu kennzeichnen wäre, ist dabei so läßlich (und man hört zudem die Verlegenheit darin), daß es fast gleichgültig ist. (Fast; denn das hängt dann ein wenig von der Information und ihrem Zweck ab.) Das Übel an Relotius et al. war und ist nicht, daß sie ihre Geschichten erfanden oder ausschmückten. Das Übel war, daß sie inhaltlich gelogen waren beuehungsweise mit erfundenen Belegen gelogen werden sollte.

Die Kernfrage ist und bleibt also nicht, ob das Belegmaterial, sondern ob die Aussage, die Behauptung wahr ist! (Darum arbeiten ja PR-Agenturen so verbissen an "Symbolbildern", und die meisten Medien übernehmen sie unhinterfragt.) Das heißt nichts anderes, als daß sich niemand durch "Evidenz von Bildern" (oder Geschichten) darauf hinausreden kann, daß sie seine Weltbilder durch "Tatsächlichkeit" erzwängen. Vielmehr kann sich niemand die Frage ersparen, ob das, was er denkt und damit sieht, der Wahrheit entspricht. Und da stoßen wir auf ganz andere Probleme. 

Morgen Teil 2)





Sonntag, 15. September 2019

Konnotationen zu zwei aktuellen Filmen (2)

Teil 2)



Der zweite Film war "Destroyer" (2018), mit Nicole Kidman. Die den ganzen Film trägt, aber so auf völlig fertig geschminkt worden war, daß man es gar nicht glaubt. Weil es so überzogen wirkt - "Achtung, Aussage!" - daß es offensichtlich eine Drehbuchschwäche kaschieren bzw. direkt eine Drehbuchfunktion erfüllen soll. 
Auch und wieder (wie oft, wenn auch nicht immer, bei Kidman) mit viel method acting, was viele Szenen mit ihr quälend und zäh macht, man möchte ihr am liebsten einen Tritt in den Arsch geben. Diese aufgekochten Gefühle ("viel von nichts", denn etwas ist nur etwas im actu der Beziehung, also in der Geschichte, in der Handlung) sind unerträglich anzuschauen. 

Die die eigentliche Handlung, diesen Träger jeder Geschichte (und Kunst muß erzählen, das hatten wir schon), auch der persönlichen Geschichte der Proponentin, damit ständig das Geschehen unterbrechen, wie in Zeitlupe verzähflüssigen und etwas reinbringen, das man zwar mit "Spannung" verwechseln könnte, aber nur Ärger und Angst ist, daß die Figur über lauter Gefühl das Handeln vergißt. Dem Film hätte also Straffung gutgetan. Das method acting kommt bei Schauspielern freilich auch schon mal dann, wenn die Regie und/oder die Handlung nicht trägt und man "in der Luft hängt", also "irgendwas" spielt. Method acting und die oft sogar schon lächerliche Schwachheit heutiger Drehbücher - das geht irgendwie Hand in Hand.

Aber diese Handlung selbst, die ja immer ein Weg von Punkt A nach Punkt B ist, die sich mit Sinn verbinden, mit sehr vielen Rückblenden, was ich sonst nicht so mag, die diesmal aber in geschickter Verschachtelung mit der Gegenwart dramaturgisch Sinn erfüllen, ist natürlich das Interessante. Nur nicht einfach erkennbar, weil viele Szenen sehr hart sind. Und sogar das wäre typisch für schlechte Drehbücher, oder unsichere Produzenten und Regisseure. 

Auch hier also diese Sünde des Films: Sein Realismus sagt oft zu viel, man vergißt, daß sich Betrachtung im Zuseher ereignen muß, als Eigenleistung, und nur aus Sinn ergibt, der der Boden ist, auf dem alle Bilder in einem aufblühen. Die sind es ja dann, die erzählen. Oder nicht. Aber deshalb ist Andeutung oft viel wirksamer als das Auszelebrieren. 

Ich habe nach einer Stunde überlegt, ob ich mir genau das weiter antue. So viel Häßlichkeit! Häßlichkeit, die keinen dramaturgischen Sinn erfüllt ist überflüssig, genauso wie Sexszenen, die dann gleichfalls häßlich werden. Aber das kann auch mit dem method acting zu tun haben. Dann dazu eben noch die beschriebene szenarische Zähigkeit von Kidmans Spiel, das verlangt Geduld. Die letztendlich dann doch lohnt. Denn am interessantesten ist eben die Gesamtproblematik des Films, auch wenn das in den offiziellen Beschreibungen, die ich im Netz suchte, gar nicht durchkommt und man sie erst langsam erkennt: Schuld. Und die Frage, wie man sie los wird.  

So richtig klar wird das erst gegen Ende der insgesamt 2 Stunden 10 Minuten. Hm, ich kann mich ad hoc gar nicht erinnern, daß auch nur ein Kidman-Film (soweit ich sie gesehen habe) kürzer war. Vielleicht braucht man sie zum Strecken dünner Drehbücher, die auch in eineinhalb Stunden abgedreht wären? Vielleicht hat aber kein Filmkritiker so lange durchgehalten ;-)

Kidmans Figur, eine Polizeibeamtin, versucht nämlich, ihre vergangene Schuld zu bewältigen, und das heißt: los zu werden. Davonlaufen hat auch nichts gebracht. (Nur das kann der Sinn der seltsamen Geschichte sein, den die Tochter am Schluß erzählt, die Geschichte vom sinnlosen Lauf durch den Gebirgswald, einem "Ausflug", ihrer einzigen guten Kindheitserinnerung, was wir natürlich alles andere als ernst nehmen, denn das ist typischer Teenie-Quatsch.) 

Aber das kann man eben nicht ohne ein Absolutes, das vergibt. Der Schluß ist also typisch: Nachdem sie "aufgeräumt" hat, stirbt sie in einer langen Szene im Auto still vor sich hin - angeblich im Frieden, das soll das wohl aussagen, mit ihren gegen den blauen Himmel gerichteten (hellblauen) Augen. 

Wer's glaubt wird selig. So wird man mit Schuld eben nicht fertig, Hollywood, das sehr wohl (und nicht zufällig; im Abspann wird das noch deutlicher: Fast nur jüdische Namen und Produzenten) wieder einmal weiß, worum es in der Gegenwart geht, versucht also auch bei diesem Thema, eine Ersatzlösung anzubieten, die nur im Sentiment besteht, die es jedoch gar nicht gibt. Wie bei so vielen Themen, in den letzten Jahren etwa bei "Lösungen für zerbrochene Herkunfts-Familien", die auf glückliche Patchwork-Konstellation hinauslief. 

Schuld ist DAS Problem der Gegenwart. Seit je, aber heute umso dramatischer, weil jeder Entsühnungsmechanismus der Religion fehlt. Dem Judentum der Opferkult im Tempel, dem Katholizismus das Schuldbewußtsein und die Beichte. So bietet man eine neue Entschuldung an: Tretet der Neuen Moral bei, und schon löst sich die Schuld in Wohlgefühl auf. 

Interessant dabei aber immer wieder diese eine Lösung, die als Vorleistung dazu angeboten wird: Selbstjustiz. Das Fundament dieses Friedens ist also weltimmanent weil psychogen. Wem etwas nicht paßt, wer mit Schuld nicht fertig wird, der soll sich halt selbst, soll seine Maßstäbe und dazu seine Gefühlswelten "verändern". Denn eine objektive Wahrheit, eine objektive Grammatik der Realität gibt es ihnen nicht.





Tage vor einer Bewußtseinsrevolution

Das Argument, daß die Welt sich einem Schöpfer verdankt, daß hinter ihr ein Plan steckt, ist dermaßen vernünftig, daß es nicht nur wissenschaftlich weil anzunehmen, sondern wissenschaftlicher als die Evolutions-Zufalls-Thesen ist. Denn die Wahrscheinlichkeit, daß sich Leben und Lebewesen durch Zufallsmutationen entwickelt haben, ist dermaßen unwahrscheinlich und widerspricht so sehr jeder Beobachtung, daß man es praktisch ausschließen muß. Es gibt kein einziges Beispiel aus der Biologie, daß ein Lebewesen eine Mutation lebend überstanden hat, die eine fundamentale Änderung der Gestalt einerseits, und eine Beibehaltung der biologischen Funktionalität anderseits belegt. Solche Mutationen enden immer tödlich.

Dabei ist es überhaupt nicht notwendig, quasi "von der Bibel" auszugehen. Die rein biologischen Fakten weisen aus sich heraus auf eine intelligente Konstruktion hin, die jeder einzelnen Gestalt vorausgehen mußte. Je komplexer die Lebewesen werden, umso mehr. Denn mit jeder Mutation steigt mit der Komplexität die Zahl der Möglichkeiten exponentiell, sodaß wir rein mathematisch bei so unglaublichen Zahlen anlangen, daß es einfach nicht mehr vernünftig ist, solche Mutationszufallsketten in biologischen Prozessen anzunehmen.

Das soll nicht einmal eine Kritik an Darwins Idee sein, die für gewisse Anpassungsmodalitäten (Felldichte, oder Art des Gefieders) durchaus ihre Erhellungskraft haben. Aber niemals für die großen Formvarianten gelten können. Darwin wußte einfach nicht, wie komplex biologische Vorgänge selbst in kleinsten Zellen sind, er wußte nichts von Proteinen und DNA-Strängen. 

Deshalb ist es umso bitterer zu sehen, daß diese Art der Argumentation, daß diese nahezu aufdringliche Evidenz einer allen biologischen Prozessen vorausgehenden, aber in keinem rein materiellen Prozeß verortbaren Information dermaßen diskreditiert, ja aus jedem wissenschaftlichen Disput ausgeschlossen wird. Das zeigt, daß es sich hier um eine Weltanschauung handelt, nicht um wissenschaftliches Streben. Und das sagen immer mehr Biologen. Die alle dieselbe Erfahrung machen: In dem Moment, wo sie das augenfällig aussprechen, haben sie mit Schwierigkeiten, Angriffen und Versuchen zu tun, ihren Ruf zu zerstören, mit denen sie nie gerechnet hätten. Das ist der Grund, warum sich so verhältnismäßig wenige Wissenschaftler mit einer Meinung an die Öffentlichkeit wagen, die in Wirklichkeit bereits ein großer Teil der Naturwissenschaftler hat.

Aber so beginnt es immer. Das sind immer die ersten Phasen einer Wissenschaftsrevolution, wie Ludwik Fleck oder Thomas Kuhn sie in der Geschichte der Wissenschaft erkennen. Die geprägt ist von psychodynamischen Prozessen, die der Otto Normalverbraucher heute, der von der Wissenschaft als neue Wahrheitsquelle überzeugt ist, gar nicht vorstellen kann. 

In Wahrheit stehen wir also vor einer fundamentalen Bewußtseinsrevolution, die vielen gar noch nicht klar ist. Die drei Säulen des Bewußtseins des 19. und 20. Jahrhunderts sind mittlerweile eingerissen und werden auch an der wissenschaftlichen Lehre nach und nach (von Ausnahmen abgesehen) widerlegt und als überholt angesehen: Freud (der das Schuldproblem "klärte"), Marx (der die sozialen Probleme löste) und Darwin. Der einen "Ursprung der Arten" propagierte gefunden zu haben, den er aber gar nicht gefunden hatte. Denn er hatte nur einleuchtende Gründe für Anpassungsveränderungen gefunden, keinen einzigen Grund aber für den Ursprung komplexer Arten. Der Ort, wo sich der Glaube an diese drei Säulenheiligen der Gegenwart derzeit aber noch hält ist ... das Bewußtsein des kleinen Mannes, der Medien, der Öffentlichkeit. 

Und ... bei zahllosen Wissenschaftlern, die in Maximen großgeworden sind und nichts anderes kennen wollen oder können, die wissenschaftlich einfach nicht zu halten sind. Ist es deshalb ein Wunder, daß sich der Impuls zuletzt zunehmend gegen die Präposition der Vernunft in der Wissenschaft selbst richtet? Hat man dafür nicht schon einen Begriff, den der "postnormalen Wissenschaft"? Die um einer Anschauung, einer Moral, einer Handlungsmaxime willen das Vernunftprinzip aus der Wissenschaft verbannt haben will? Und, hat nicht so der definitive Niedergang der muslimischen Welt begonnen, die seit dieser Entscheidung im 11. Jahrhundert auf das Stadium von konsumistischen Nomaden zurückgefallen ist. 

Was muß also passieren? Die drei prominenten Wissenschaftler und Buchautoren aus England und Amerika im Gespräch sind sich nicht sicher. Es könnte noch lange alles beim Alten bleiben. Es könnte aber auch zu einem plötzlichen Umbruch kommen. In jedem Fall kann man vermuten, daß sie noch lange im Gedächtnis der Menschheit bleiben.







Samstag, 14. September 2019

Konnotationen zu zwei aktuellen Filmen (1)

(Direkter Übertrag aus dem Tagebuch, weil der VdZ nach einer längeren Reise zu erschöpft war, daraus einen formgerechteren Artikel zu machen.)
 
Gestern am Abend noch zwei gute Filme erwischt, wieder: Zufall.
Erst "La Cordillera - Das Komplott" (2019), über südamerikanische Politik und Politiker. Wo sämtliche südamerikanischen Staaten eine gesamt-südamerikanische Öl-Fördergemeinschaft gründen wollen, um aus dem globalen politisch-wirtschaftlichen Öl-Problem auszusteigen. Mit dabei seltsamerweise Mexico. Das ist die einzige Unschlüssigkeit des Films, denn Mexico ist ein mittelamerikanisches Land. Und die Hereinnahme der mittelamerikanischen Länder, die sonst gar nicht auf dem Gipfel der Staatspräsidenten vertreten sind, aber sowieso als amerikanische Vasallen deren Interessen gefügig sind, soll dann eine wichtige Rolle spielen.
Großartig wird der Film, wenn man sieht, wie man es geschafft hat, den Teufel ahnbar und im Ahnen erkennbar zu machen, als sähe man ihn. Weil man ihn in konkreten Dingen sogar aufzuspüren vermag. Um damit zu zeigen, wie politische Korruption in privater Schuld und diabolischer Dynamik gegründet ist. Am Ende dient alles den Amerikanern (die hier wohl als personifizierter Teufel zu verstehen sind) und ihren Konzernen. Das je eigene Volk wird dann nur mit Schein abgespeist - "Vorsitz über die Organisation", Ehrentitel für den Präsidenten ... das läßt sich gut verkaufen. 

Der einzige, der unnachgiebig zu seinem Land steht, im Film der Präsident Brasiliens, wird durch geheime Hintergrundabsprachen ausgetrottelt und man kann erahnen, daß die USA ihn aus dem Amt putschen werden. (Direkt gesagt wird es aber nicht. Der Film beruft sich deutlich erkennbar auf eine Art "weltweite Bewußtheit der Machinationen der USA und des CIA".)

Dabei hat der angebliche Saubermann, der frisch gewählte Präsident Argentiniens, ein Mann wie Du und ich, so trat er zur Wahl an, ohne Geschichte, privat Milliarden kassiert und sein Land verkauft. Langsam wird deutlich, daß er eben genug und buchstäblich sogar Leichen im Keller hat. Nur hat er es geschafft, alles geheim zu halten: Niemand weiß etwas über ihn. Außer auf seltsame, übersinnliche Weise - seine Tochter. Aber auch das bleibt nur angedeutet, wird nie direkt ausgesagt. 

Toll vor allem, wie es geschafft wurde, Symbolik - etwa im Pferd, das den argentinischen Präsidenten ansieht, und das wie eine Konkretisierung seiner dunklen Vergangenheitsgeschichte, die mit einem Pferd zu tun hat, wirkt: als tauchte es aus dem dunklen Hintergrund der bösen Geister auf - in seiner Verschwommenheit mit der konkreten Wirklichkeit und Geschichte zu zeigen. Denn die Welt ist in sich Symbol und es ist Wirklichkeitserhellung, das zu begreifen. Dann kann man es tatsächlich und real sehen. Denn man sieht nur, was man erkannt hat. Aber das ist mehr als bloße Rationalität. Diese gründet vielmehr in einem Vor-Wissen über die Wirklichkeit. 

Diese Verwobenheit will der Film (wie jedes Kunstwerk, denn das ist die Ebene, die die Dingwelt konstituiert) offensichtlich machen. Das Wirkliche ist zwar selbst unsichtbar - auch im Film spielt deshalb der Hintergrund, das Verborgene die eigentliche Hauptrolle - aber es wird im Symbolsehen sehr wohl sichtbar.

Morgen Teil 2)




Roland und Achim

Nicht Dick und Doof, sondern die Österreicher haben die Doppelkonference im Kabarett regelrecht erfunden. Also lieben wir sie auch, wenn sie in Deutschland mal funktioniert. Wie hier bei Roland Tichy und Achim Winter. Anders als mit Sarkasmus und Ironie kann man dem Schwachsinn, den die Klimahysterie ausgelöst hat, nicht mehr begegnen. Sachliche Argumente sind alle vorgebracht, sie haben keine Wirkung gezeigt. Die Darsteller auf den öffentlichen Bühnen sind allesamt zu Figuren einer burlesken Komödie geworden, ihre Politik besteht nur noch darin, das Volk auch auf die Bühne zu kriegen. Also kommt als nächste Generalstufe das Kabarett, um dann von einer kurzen Phase des Dadaismus abgelöst zu werden. Auf dieser Tabula Rasa, die generell im Denken weil in der Sprache keinen Sinn mehr sieht, wird sich dann völlig Neues, diesmal aber ganz Ernstes, Wahres aufbauen ... Das hatten wir in den 1930er-Jahren ja schon.







Freitag, 13. September 2019

Typisch heißt unausweichlich? Wenn man es zuläßt.

Es ist zu typisch, um hier nicht erwähnt zu werden, und wird von einem zarten Applaus begleitet, auch wenn mehr als symbolische Wirkung von der Wortmeldung des US-Finanzministers Steven Mnuchin kaum anzunehmen ist. Denn den Mumm, wirklich etwas zu tun, wird niemand aufbringen.

Mnuchin aber sagt nur die schlichten Worte: Amazon hat den Einzelhandel ruiniert.

Mehr gibt es zum Kapitalismus kaum zu sagen. Einen Markt völlig sich selbst zu überlassen, wie es die angeblich "freiheitsliebenden" Liberalen fordern, ist für einen Staat eine schwere Pflichtenverletzung. Und dient nicht dem Gemeinwohl. Es kennt am Ende nur noch einen Sieger: Den Brutalsten, den Skrupellosesten, den Stärksten.

Die Gegenworte von Amazon? Nein, man habe nichts vernichtet. Man habe nur ... "ersetzt". Geht es noch dümmer? Nein. Heute sind alle schon so dumm.





*250719*

Von Stalin, Hitler, und deutschen Mythen-Verkäufern (3)

Teil 3)



Vieles, was die Geschichtsschreibung der Gegenwart als Versagen der Roten Armee - und damit vor allem Stalins - bezeichnet, ist in Wahrheit also ganz anders zu deuten. Die Zusammenschau heute offenliegender Dokumente von Wehrmacht und Roter Armee zeigen, daß vieles, was traditionell als Versagen der Roten Armee ausgelegt wurde, wie so manche wie eine sinnlose Verzweiflungstat aussehende Konterattacke, in Wahrheit und auf mittlere Frist die deutsche Wehrmacht im Ganzen substantiell und sehr treffend schwächte. Bis sie reif war, gepflückt zu werden. Die Verluste der Wehrmacht in der letzten Kriegsepoche Sommer 1944 bis Mai 1945 waren so hoch, wie in all den Jahren zuvor zusammen. Zufall? Versagen des längst todkranken Führers? Eben nicht. Strategisches Gesamtversagen, vielmehr. Und vor allem: Klugheit Stalins. Den noch 1945 sowohl Churchill als Stalin in privaten (sic!) Briefen an ihre Frauen als äußerst charmanten, klugen, ja liebenswerten Genossen beschrieben haben.

Alleine der Umstand, daß Stalin die Wehrmacht zu ständigen Bewegungen und Umgruppierungen zwang war genial. Denn so schwächte er die Offensivkraft der Angreifer entscheidend. Was man Stalin also als "Vergeudung" und "menschenunwürdige Opfertaktik" vorwarf, ist in Wahrheit (nach den gigantischen Anfangsverlusten) seine einzige und richtige, ja kluge Strategie gewesen.  Ja, selbst eine Armee von einer Million Soldaten (wie in der Ukraine 1941) in die Gefangenschaft zu schicken war in Wahrheit eine kluge, substantielle Schwächung Deutschlands, denn man versorge mal eine Million Kriegsgefangene!* Und genau darin - das so phantastische Groß-Deutschland von 1871 hat sich NIE selbst versorgen können, und kann es bis heute nicht - hat es den Gegner so geschwächt.

Die Wehrmacht im Frühjahr 1942 vor Moskau war nicht mehr dieselbe Wehrmacht, die im Dezember 1941 vor Moskau lag. Sie war entscheidend ausgedünnt, geschwächt, weil logistisch absurd deutlich unversorgbar. Bitte, welcher Idiot schickt eine Armee im Dezember bei erwartbaren minus 20 Grad in Feldblusen in die Schlacht?! In Deutschland hat man als Reaktion die Frauen aufgerufen, Fäustlinge für die Soldaten zu stricken, und ihre Pelzkrägen zu spenden ... klingt das nach Vernunft und Ordnung?

Stalin hat nur den Deutschen nicht den Gefallen einer "Entscheidungsschlacht" geliefert, wie die deutsche "überlegene" Strategie seit Gneisenau und Scharnhorst als Bedingung für einen erfolgreich zu führenden Krieg befand. Und niemand überhaupt je. Kraft der deutschen "überlegenen Strategie und Tüchtigkeit" hat Deutschland seit 1871 jeden Krieg desaströs verloren.  Am Anfang ja, da kostete seine Strategie viele Tote. Aber ab 1944 begann die Rückzahlung. Dann waren die Verluste der deutschen Wehrmacht desaströs. Jede Stunde starben 1944 bereits tausend deutsche Soldaten, Tendenz dramatisch steigend.

Von Anfang an hat die "Operation Barbarossa", also der Angriff auf die Sowjetunion, monatlich drei Divisionen gekostet. Im Durchschnitt. Schon von Anfang an, also ab Juni 1941, war die Wehrmachtsführung nicht mehr in der Lage, die Verluste an Soldaten durch Nachschub auszugleichen. Was wäre also die richtigere Strategie für Stalin gewesen, als die Wehrmacht auszubluten, und auf den geeigneten Moment zu warten, sie zu vernichten? Damit hat er sogar den Krieg entschieden, ja fast im Alleingang geführt. 52 Prozent aller deutschen Verluste an Soldaten entstanden in Rußland.


Ja, sagt Kotkin, die sowjetische Armeeführung hat enorme Fehler gemacht. Aber sie war immer in der Lage, die Verluste auszugleichen, das war die Wehrmacht von Anfang an nicht. Stalin aber war nachweislich von Anfang an in der Lage, den Verlauf des Krieges exakt vorherzusagen.









*Selbst noch im Mittelalter, ja bis ins Barock, hat man genau deshalb die Krankenhäuser VOR die Stadtmauern verlegt. Nicht wegen "Ansteckung", davon wußte man damals ja noch gar nichts. Aber so hat man einen angreifenden Feind über das Mysterium Krankheit, Fluch und Ekel, aber auch über Mitleid und Hoffnung auf milde Behandlung eines selbst bei Verwundung beschwert. Auch deshalb hat man nämlich Verwundete immer sehr barmherzig behandelt. Nicht nur, weil es in den Kriegen früher nur um die Ausschaltung der Kampfeskraft des Gegners ging, dann war der Konflikt beendet.




Donnerstag, 12. September 2019

Täuschungen Täuschungen Täuschungen

Glauben Sie, geneigter Leser, wirklich an ein Internet der frei verfügbaren Information? Wenn man bedenkt, was Information IST, dann sollte man sich diesen Glauben nämlich rasch abschminken. Denn es gibt gar keine Möglichkeit, das Internet so einzuschränken, daß es Wahrheit und nicht bereits vorgeformte Anschauung präsentiert. Denn weil Information immer zweiseitig ist - der Informierte muß wissen, was entsprechende Information ist, BEVOR deren Daten eintreffen, also Information werden - ist sie in der Ebene der Informationsvermittlung immer gestaltet. 

Diese Tatsache machen sich Agenturen wie die Cambridge Analytica Corporation zugute. Sie analysiert aus zahllosen Datenspuren, die wir im Internet hinterlassen, die Kriterien, nach denen wir "ticken", also Information aufnehmen. Und versuchen dann, uns zu einer emotionalen Verfaßtheit zu bringen, in der wir irrational reagieren. Je nachdem, ob ablehnend oder zustimmend, ob aktivierend oder passivierend, je nach gewünschtem Effekt, versuchen so Politik und Wirtschaft, die Menschen weltweit zu "steuern".

Je nach erwünschtem Zweck ist auch der Mitteleinsatz gewählt. Das geht von einfachen Mediennachrichten (die heute fast nur noch über internationale, ja globale Agenturen erstellt werden) über die bekannten social media, oder bleibt überhaupt im Dunklen, wenigstens solange der nunmehr vielleicht Erpreßte tut, was die Erpresser von ihm verlangen.

Das alles wird in diesem Investigationsvideo ganz offen zugegeben, ja Cambridge Analytics brüstet sich sogar damit. Und zeigt eine Fülle von Handlungsebenen und -möglichkeiten auf, die von der Einschaltung von dritten Ebenen (Geheimdienste aller Art, ehemalige Agenten, Subunternehmer usw.) bis zu direkter Erpressung reicht.

So nebenbei: Die geoffenbarten Vorgangsweisen decken sich dermaßen exakt mit den Vorgängen rund um das legendäre "Ibiza-Video" aus Österreichs Politikniederungen, daß man schon ein wenig nachdenklich wird.







Von Stalin, Hitler, und deutschen Mythen-Verkäufern (2)

Teil 2)



Wenn Deutschland den Krieg verloren (nicht Rußland ihn gewonnen) hat, wird aber auch Stalins Rolle gar nicht begreifbar. Sie wird immateriell, gewissermaßen. Und das entspricht so überhaupt nicht der Realität. Man sagt in Zeiten wie diesen, wo Geschichte als materialistischer, mechanistischer Ablauf von Umständen und (auch sozialen) Gegebenheiten gedeutet wird, vielfach, daß Geschichte nicht von Männern, sondern von Umständen gemacht werde, zu denen zufällig Männer dazustoßen. Das ist ein Irrtum.  Ja, es gibt diese Faktoren - Wohlstand, Geld, Demographie, Landschaft, Geographie, Rohstoffe etc. Aber das alles bewegt sich nicht von selbst! Es sind immer noch einzelne Männer, Politiker, die dann mit diesen Umständen umgehen und Geschichte formen.

Ja, Stalin war schlecht auf das Unternehmen Barbarossa im Juni 1941 vorbereitet. Er wußte NICHT, was Hitler vorhatte, der Mythos vom großen Spion ist erfunden, und der Informationsstand der innersten Kreise in Moskau war nicht besser genährt als die Gerüchteküche in Berlin, Bunkelsburg an der Kleinen Fitzel, oder Paris an der Großen Seine. Der für die damalige Zeit fast gigantisch-überlegene Rüstungsstand der Roten Armee, mit grotesk hohen Beständen an Kriegsmaterial - denn Stalin hatte seit den frühen 1930er Jahren Deutschland (und überhaupt dann Hitler) "erwartet", allein die Zahl der Panzer war der der deutschen Wehrmacht um das Achtfache überlegen - waren durch eine inkompetente Führung strategisch so stumpfsinnig postiert, daß sie im echten Angriffsfall wertlos und leichte Beute waren. 

Korrigiert hat das Stalin sofort, und selbst, so schnell es halt ging. Indem er die nächsten Führungsoffiziere austauschte, als er deren desaströses Vorgehen sah, und jene fähigen Männer berief, die dann einen Schritt nach dem anderen die Wehrmacht zertrümmerten, indem aus einer fast schon verlorenen Position heraus die Rote Armee zu der Kampfkraft regenerierte, die sie dann darstellte.

Der schlechte Ruf, den Stalin als oberster Kriegsherr nach dem Krieg bekam, führt sich - wie bei Hitler - auf den Umstand zurück, daß die Memoiren der Offiziere erst nach dem Tod des obersten Despoten erschienen. Neben der Brauchbarkeit dieses Mythos für die späteren Sowjetführer, wie Chruschtschow, die den Rückstand des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus - gegen alle Vorhersagen des Marxismus - so wunderbar begründeten.

Wo alle russischen Offiziere, die etwas auf sich hielten und noch ein wenig mehr Pension ergattern wollten - genau wie die deutschen zehn Jahre zuvor (bei Siegern wie den West-Alliierten sind es ohnehin immer die Chefs, und, wenn auch etwas zurückgestuft, auch alle ihre Untergebenen, die genial sind) - entdeckten, daß sie in Wahrheit Genies waren, die nur wegen der Unfähigkeit der obersten Führung nie ihre Fähigkeiten ausspielen konnten. Erst mit der Zeit wurde die Einschätzung der Leistung Stalins im Großen Vaterländischen Krieg etwas gnädiger, und zwar dort, wo Offiziere beweisen wollten, daß er "auf ihre Meinung gehört" habe. So wird auch aus einem simplen Brigadeoffizier ein Großgott.*

Der Mythos vom unfähigen Tyrannen Stalin ist gut konstituiert und sehr nützlich, aber er hat ein Problem: Er ist nicht wahr.  Die bisher bekannt gewordenen Dokumente zeigen, daß die Sowjetführung nicht weniger als die in England und Frankreich (in sechs Wochen kapitulationsbereit), mit der von Deutschland initiierten Blitzkriegführung nicht umgehen konnte. Und einige Zeit brauchte, um mit der deutschen Deutung des Krieges - es ging nicht mehr um Herrschaft über ein Land, um abgrenzbare, definierte Ansprüche und strategische Ziele, sondern um die Zerstörung der Lebenskraft von Ländern und Völkern überhaupt - umgehen zu lernen. 

Leider haben alle sehr bald von Deutschland gelernt. Das es selbst von Napoleon gelernt hat. Der hat vorexerziert, nicht zum ersten, aber für Deutschland (siehe die Armeereformen unter Gneisenau und Scharnhorst in Preußen, das daraufhin ganz Deutschland zusammenraubte) zum entscheidenden Mal: Es geht nicht um Armeen, um Kanonen und Panzer, es geht um die umfassende Lebenskraft einer Kultur.

Es gibt viele Kriegsdokumente der sowjetischen Kriegsführung von damals nicht mehr. Es gibt aber bei uns viele Dokumente deutscher Offiziere, die beweisen sollen, daß die Rote Armee unter Stalin inferior war. Aber vieles an Gegendokumenten der sowjetischen Seite wurde durch die ersten Niederlagenereignisse vernichtet, vieles auch gezielt zerstört, weil Realität für die Offiziere, vor allem auch für deren weitere Vorgesetzte, gefährlich werden konnte. 

Das gilt auch im umgekehrten Sinn, speziell bei deutschen Kriegsdokumenten, die die Kompetenz der Führungskräfte belegen sollte, trotz allem. Da ein ausgewogenes Bild zu rekonstruieren ist nicht immer leicht, sagt Kotkin. Aber eines läßt sich mit Sicherheit sagen: Die Rote Armee kämpfte gut, und sie kämpfte mit Heldenmut und enormem Heroismus. Die Verlustzahlen in Gegenüberstellung (man denke an die Panzer-Schlacht bei Kursk im Juli 1943, sicher die entscheidende Schlacht des gesamten Zweiten Weltkriegs, wo die Rote Armee zwar viermal so viele Panzer verlor wie die Wehrmacht, aber die Deutschen zum Rückzug zwang und für die darauffolgende Gegenoffensive fast wehrlos machte) täuschen. 

Denn die Rote Armee hatte einfach eine andere Strategie, wo einfacher aufgestelltes Material taktisch weniger Einzelwert hatte. Ein T34-Panzer kostete nicht den Bruchteil eines deutschen Panzers IV oder gar eines Tigers. Das war einfach anders gedacht! Eisen, Rohstoffe, Öl waren in der Sowjetunion anders als in Deutschland unbeschränkt vorhanden. Letztendlich waren es somit erneut die Deutschen, die den Krieg ihres Zeitalters nicht begriffen haben. Wie zur Zeit Napoleons.


 Morgen Teil 3)



*Ach ja, der VdZ kann davon ein Lied unter anderem aus seiner Zeit als Unternehmer singen. Wo Erfolge in Wahrheit - vergesse der Leser das nicht - das Verdienst von Angestellten und Untergebenen sind. Und zwar ausschließlich. Dann hat etwa der Verkäufer (der sowieso in den allermeisten Fällen) die Firma am Leben gehalten. Alles Fehlgegangene aber ist auf das Versagen des Chefs zurückzuführen. Im Übrigen ist das die einzige "Leistung", die der Liberalismus - "alles nach seiner Kompetenz", also nicht nach dem Sein, nicht erst Sein, Wesensvorgabe, also Ort, dann Handeln - zuwege bringt. Subversion vom Feinsten. Und vom Blödesten außerdem. Liberale sind eben strunzdumme Schwätzer, die auch immer wissen, wer an ihrem Scheitern schuld ist. Sie sind es nämlich sicher nicht.