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Freitag, 19. Juni 2009

Eine Tragödie der Ideologie


Wie sich Verwirrung, die durch ideologische Behandlung eines Sachverhalts (demgemäß sich durch die Wirklichkeit ergeben muß, was sich ergeben soll) entstanden ist, zur Tragödie steigern kann, aber auch, wie Ideologie in subjektive Schuldverarbeitung verwoben ist, demonstriert der "Fall Cher-Chastity".

Die Tochter des Pop-Stars Cher nämlich, Chastity (beide im Bild), ist nicht nur "bekennende Lesbe" (im übrigen: eine Lebensform, für die Bekenntnis wesentlich ist, weil alles an ihr Versuch ist, auszusagen), sondern hat sich nun "entschlossen", ihr Geschlecht umwandeln zu lassen. Cher findet das "mutig".

Mutig, sagt nun Cher, und stärkt ihrer Tochter zumindest medial den Rücken. Erst sei es ihr ja nicht so recht gewesen, daß aus ihrer Tochter ein Sohn würde, aber nun ... sagte sie. Die ja mit ihrer Musik immer ein wenig mit einer gewissen Faszination der weiblich-männlichen Identifikationsachse gespielt hat.

Mutig? Nicht mehr? Ist das alles, was eine Mutter dazu zu sagen hat? Ach so, ja, wir haben es ja mit dem Zeitalter der "herrschaftsfreien Diskurse" (Habermas) zu tun. Wo sohin auch das Geschlecht frei zur Disposition steht. Und nachdem Chastity offenbar in ihrer lesbischen Beziehungsgeschichte jeweils den Part des Mannes gespielt hat, kann sie sich ja gleich zum Mann um operieren lassen, der man so gerne immer gewesen wäre. Heutzutage kann man sich ja nicht nur eine andre Nase machen, oder das Fett aus den Schwabbelzonen absaugen lassen - heutzutage kann man sich in der Mitte seines Lebens auch das Geschlecht mal schnell wandeln lassen. Beispiele zeigen das ja zur Genüge.

Zur Genüge? Es gibt Transsexualität als Phänomen tatsächlich. Es gibt - man schätzt in Deutschland wie Österreich etwa fünf- bis achttausend Personen - diesen seltsamen Fall, daß das sichtbare Äußere eines Menschen mit seinem gesamten seelischen Fühlen und Erleben nicht kombiniert. Dieses seltsame Fremdsein im eigenen Körper liegt weit jenseits von Neurosen und Homosexualität, es ist eine seltsame Laune der Natur, für die Erklärungsgründe irgendwo dort liegen könnten, wo die katholische (thomistische) Seelenlehre die Nahtstellen zwischen der reinen "Vegetativseele" und der "Verstandesseele" ansetzt.

Ähnlich, wie die Fälle, wo "nicht überlebende Zwillinge" in den Überlebenden lange Jahre oft weiterwachsen. Wo mit fünfzehn, fünfundzwanzig, dreißig ... Jahren plötzlich bis dorthin im Körper desjenigen gewachsene Körperteile des anderen Zwillings gewachsen sind, "gelebt" haben, bis sie eines Tages denn doch absterben. Hier zeigt sich nichts anderes als die von Thomas so bezeichnete "Vegetativseele", die in gewisser Weise gewisse Abtrennung von der ganzpersonalen menschlichen Mitte zuläßt, und wie im genannten Fall (Reste eines Zwillings, die im eigenen Körper mitwachsen) offenbar interpersonal verschränkt, durcheinander sind. (So nebenbei: und nur dort, in diesen peripheren Bereichen, kann es auch mit gewisser Erfolgsaussicht zu menschlichen "Klonergebnissen" kommen. Zumindest ist alles, was derzeit an Erfolgen auf dem Gebiet der Gentechnik, auch im Tierreich, gefeiert wird, so verstehbar.)

Aber aus Gesprächen mit Betroffenen, deren Leidensdruck mit seelischen Neurosen Homosexueller, mit Identitätsproblemen nicht das geringste zu tun hat, die sich auch selbst in keinem (mir) bekannten Fall als "Homosexuelle" bezeichnen, ja sich strikt dagegen verwahren, zeigt sich eine grundlegende Unterscheidung zu den Identitätsproblemen, die Homosexualität evozieren. Menschen, die sich als "im falschen Körper" erfahren, erfahren sich nicht als "Homosexuelle", sondern erleben höchstens, daß sie in dieses Umfeld geschoben werden. Transsexualität also in eine Reihe mit Genderthematik zu stellen ist auch in den Augen der wirklich Leidenden ein (wie sich hier zeigt: unverantwortlicher, weil beispielgebender) Fehler. "Queer" oder "Transvestitentum" haben damit nicht das geringste zu tun. Hier nicht klar zu scheiden, bedeutet eine Verhöhnung und verächtliche Abwertung des Leidensdrucks wirklicher Transsexueller!

Das Gegenteil behauptet natürlich die Homosexuellenbewegung, mit deren Schutzschild, der Ideologie des "Gender". Für sie, die Geschlecht prinzipiell subjektiv beliebig wählbar, zumindest in seiner Polarität als "conditio humanae" bestreitbar sehen (um sich zu rechtfertigen), sind diese bedauernswerten Menschen (deren Selbstmordrate bedrückend hoch ist, zumindest, solange sie den Schritt zu einer heute weitgehend vollziehbaren "Geschlechtshomogenisierung", also nämlich keiner "-umwandlung", nicht vollziehen) Beweisgegenstände und Objekte der Rechtfertigung, daß ihre Nicht -Wahrnehmung ihres Geschlechts(auftrags) eine unwiderstehliche Naturmacht (und vererbt) ist. Ja, daß das Geschlecht generell wählbar ist, frei nach Simone de Beauvoir, daß man zur Frau (oder umgekehrt) erst gemacht würde, das sei man nicht.

Es gibt nur einen Fall aber, wo die Selbstmordrate noch höher ist, und hier ist nicht die Rede von Theorien, sondern von Informationen aus der Praxis (auch in Österreich gibt es Chirurgen, Mediziner, die damit relevante Erfahrungen haben) Nämlich jene Fälle, wo Homosexuelle ihre Neurose zu solchen Geschlechtsumwandlungen ausformten. Hier liegt die Wahrscheinlichkeit eines Suizids bei über 50 Prozent. Weshalb im Vorfeld exakt und höchst eingehend zu prüfen ist, ob es sich eben um die Charakter- und Identitätsneurose "Homosexualität" handelt, oder um wirkliche "Transsexualität". Passiert hier ein Irrtum (die hormonellen und operativen Eingriffe sind nur ein einziges Mal machbar, und irreversibel) wird aus dem "Drama der Selbstinszenierung" plötzlich ein Ernst, dessen Leidensdruck wohl unvorstellbar ist.

Chastity bekannte sich als Lesbe, als Homosexuelle also. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie wirklich transsexuell ist, schon recht niedrig, hoch aber dort, wo zu vermuten ist, daß die Ideologien des heutigen Genderwahns Grundlagen ihrer Entscheidung sind. Cher scheint denselben Ideologien zu folgen, was umso befremdlicher erscheint, als Cher selbst ein Musterbeispiel für den Entstehungsboden von Homosexualität bietet! Eine Mann-Frau äußerlich mit ihrer Identität, mit der Androgynie spielend (damit keine Identifikationsfläche bietend), stark, und (wenn vielleicht auch aus ihrer Vita erklärbar) stärker als der Mann. (Stärker als Sonny, ihrem ersten Mann, war sie allemal.)

(Nachweisbar und höchst signifikant statistisch korrelierend ist, daß in über 80 Prozent der Homosexualität die Kräfteverhältnisse unter den Eltern so sind: schwacher Mann, starke Frau. Sodaß die Umverteilung der Macht, die in den letzten Jahrzehnten stattfand, ein regelrechter Garant für die Zunahme von Homosexualität - noch einmal: eine Neurose der Identität und Persönlichkeitsentfaltung - war und ist.)

Dieser Hintergrund aber gibt ihrem "Verständnis" mit einem Mal - einen seltsamen Beigeschmack von Zynismus. Als diente ihre "Liebe" zu ihrer Tochter im Grunde nur der ... Rechtfertigung ihrer Leichtfertigkeit, mit der sie das Joch ihres Mensch- und Mutterseins abschüttelte.

Im übrigen: Das wahrscheinlich häufigste Motiv für die heute so gern zitierte elterliche "Toleranz".

Aber es würde nicht Wunder nehmen, wenn auch diese Geschichte ein tragisches Ende nähme. Vielleicht ist die Öffentlichkeit dieser Geschichte ihr Wert - was zu sagen hoffentlich ohne Zynismus möglich ist. Es spricht aber viel dafür, daß sich hier nicht ein Muster an Liebe und Verständnis vollzieht, sondern ein Lehrbeispiel der Tragödie, die entsteht, wenn man tatsächlich Gender-Ideologie ernstnimmt (Chastity), und ihr aufsitzt. Und ein Lehrbeispiel, was der Entstehungsgrund einer Ideologie ist: Rechtfertigung eigenen Versagens (Entschuldung) und eigener Fehlhaltungen.

Was nichts an Cher's Liedern ändert, mit denen eine Generation groß wurde. Und wo eine verheiratete Cher ihr Spiel mit der Androgynie - wen wundert's? - noch keinesfalls so in den Vordergrund schob. Als: Sonny und Cher in "I got You Babe"

Und wie erst (ich gestehe alles ...) Cher mit Sunny in "The Beat goes on"




*190609*