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Donnerstag, 7. November 2013

Dichte durch Sinn

Vielleicht wirklich die beste Interpretation Beethoven's 9. Symphonie aller Zeiten - durch Wilihelm Furtwängler, am Luzern Festival 1954. Mit dem London Philharmonic Orchestra, und der unvergleichlichen Elisabeth Schwarzkopf.

Er sieht Bögen, Zusammenhänge, Sinn, Interpretationsbögen, die anderen entgehen, die verbinden, überspannen, was andere nur als einen Parcours von Zielpunkt zu Zielpunkt hintereinandersetzen können. Und erreicht damit eine Intensität, in jedem Augenblick, die immer von einem überspannenden Gesamtsinn ausgeht, die vermutlich nicht mehr zu übertreffen ist. Oh nein, hier kommt keiner daher und tut so, als käme die "Ode an die Freude" ach wie wichtig daher. Hier KOMMT sie, als erfahrbarer Urgrund der Welt, aus dem Dunkel, und lichtet alle Welttragik. Wie gerne wäre der Verfasser dieser Zeilen damals, 1954 in Luzern, dabeigewesen.

Müder Abklatsch, rekonstruiert, was heute davon - auf diesem Wege, dem Netz - nur noch in der Hysterie in der Form der Digitaltransposition zu erfassen ist. So gut können die Lautsprecher des geneigten Lesers gar nicht sein. Es kann nicht mehr sein aus Aufforderung, wenigstens die Rille, die Schallplatte zu hören, in der noch die reale Wirkung selbst, die Welle leiblich leiblich, konkret, wirklich erfaßbar ist.

Heute sitzt da einer, der mit (wenigen, ach wie wenigen!) Lautstärke- und Tonaussteuerungen per Programmierung, die selbst bereits Interpretation ist, zu simulieren versucht, was diese Musik wirklich ist. Und als was sie damals Fleisch wurde. Sodaß das Weinen, das der Freude entquillt, heute ein Weinen der Trauer über mögliches Mögliches ist, nicht über Wirkliches. Man "kann es sich (nur noch) vorstellen." Zwischen "best of" Bach oder Tschaikowskij oder ... Beethoven.*










*Es gab Zeiten, da verwendeten HiFi-Enthusiasten - noch wirkliche Musikliebhaber - Golddraht von den rein mechanischen Tonabnahmesystemen und Verstärkeranlagen zu den Boxen, um den letzen Weg des direkten Schalls, der Bewegung selbst, die das Musikereignis bei der Produktion ausgelöst hatte, zu übertragen, nicht in den letzten Metern noch mehr als nötig zu verlieren. Um an Ereignissen wie diesem über die Zeit hinaus wenigstens etwas teilzuhaben. Was wir heute über digitale Musikanlagen erfahren, ist prinzipiell etwas völlig anderes.


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