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Dienstag, 18. März 2008

Verloren gegangene Priesterberufungen

Eine nie zu klärende, aber aus persönlichen Eindrücken äußerst wichtige Frage, ist die Frage der verloren gegangenen Priesterberufungen. Nicht nur daß ich erstaunlich viele Männer bereits traf, die in ihrer Kindheit und Jugend den Wunsch hatten, Priester zu werden, doch aus irgendwelchen Gründen im "Zivilleben" landeten, hatte ich erst unlängst aus dem Gespräch mit G. erfahren, daß alleine in diesem Jahr in der Mitte der 80er Jahre drei Seminaristen aus dem Kloster NN sich wieder verabschiedet hatten: Sie waren von der liberalen, ja freizügigen Art des vorgefundenen Klosterlebens enttäuscht und abgestoßen. (Der damalige Novizenmeister ist heute Abt eines Schwesterklosters.)

Einer hatte sogar die ganz simple Angst, Alkoholiker zu werden. Er meinte zu mir: "Wenn aber sogar Mönche am Abend die Flucht in den Rausch benötigen, weil sie ihr Leben sonst nicht aushalten ... ?" Als er sich vorsichtig zu beschweren versuchte, ignorierte man ihn.

Beinahe alle diese "verlorenen Priesterberufungen" werden aber diese Berufung nie ganz los. Auf irgendeine Art versuchen alle, sie zu leben, auch wenn sie verheiratet sind, Kinder haben etc. Fast immer habe ich den Eindruck, daß sie diese ihre Berufung als Auftrag ernster nehmen als sämtliche spätere Lebens- und Standesentscheidungen. Dieser eine versucht heute, wiewohl ebenfalls verheiratet, eine Form von monastischem, kontemplativem Leben des "Immerwährenden Jesus-Gebets" inmitten seines Zivillebens zu führen, denn es hat ihn dieses damalige Ideal nie in Ruhe gelassen. Nun, vierzig, in jenem Alter also, wo ein normaler Mensch ernst macht, ist seine Entschlossenheit groß wie nie. "Vielleicht kommt noch der Tag der 'viri probati'" meinte er.




*180308*

Samstag, 15. März 2008

Details zu Viten historischer Personen

Oft habe ich mich schon gefragt, wie Viten, literarische Komplexe, volle Details, entstehen, die uns noch Dinge beschreiben, von denen man kaum fassen kann, daß die überliefert sind - oder daß man die überhaupt festhielt.

Wo darüber noch Verwunderung herrschte, schlug sie nun in Bewunderung für solches Faktensammeln um, weil mir solche Biographien als Summe oft unendlicher Akribie deutlich wurde. Am Beispiel: Johann Gottfried Herder (1744-1803). Noch nie hatte ich gehört, daß der lebenslang an einer mehr als lästigen Entzündung des rechten Auges litt.

Bis ich über ihn in autobiographischen Notizen bei Goethe las, der beschreibt, daß Herder, den er in Straßburg kennengelernt hat, an die Ursache dafür ein nicht vorhandener Tränenkanal im rechten Auge war. Dadurch war dieses Auge ständig gerötet, tränte stark, was nicht unerheblich zur häufigen Gereiztheit Herder's beigetragen haben mag, wie sie Goethe oft - und unverzüglich mit Herder's gesundheitlicher Belastung entschuldigend - erwähnt.

Herder erhoffte in Straßburg (um 1770; Herder war damals 26 Jahre alt, Goethe 21, als sie sich ebendort kennenlernten) von einer Operation durch Lobstein, einen international anerkannten Spezialisten für Augenoperationen dieser Art, Linderung. In welcher in den Knochen der Augenhöhle ein Loch gebohrt wurde, durch das die sich ständig sammelnde Tränenflüssigkeit abfließen können sollte.

Die Operation gelang soweit (dachte man erst) und um dieses Loch offenzuhalten, um zu erreichen, daß der Kanal als offener vernarbte, zog man ein Pferdehaar ein.

Doch leider genügte das nicht. Die Öffnung wuchs immer wieder zu, die Operation wurde wiederholt - ohne Erfolg. Herder hatte also monatelange Qualen zu erdulden, um dann am Ende doch aufgeben zu müssen. Sein Augenleiden blieb ihm bis zum Tode (1803) erhalten.





*150308*

Ein schrecklicher Text, meinte Goethe.

Edward Young (1681-1765)

"Then old Age und Experience, hand in hand,
Lead him to death, and make him understand,
After a search so painful and so long,
That all his life he has been in the wrong."

Manchmal könnte einen schon die Panik darüber ergreifen, wie ungewiß die Lebensfahrt ist.
Manchmal könnte einen die Panik erfassen, wenn man erkennt, daß alle eigene Kraft nicht reicht, daß man selbst nach größter Anstrengung noch weit mehr der Barmherzigkeit bedarf, als man hoffte. Weil man vorausblickt, aus seinem Körpergefängnis (denn das wird er dann, bzw. wird einem dann bewußt, daß er das in dieser Welt ist) hinausblickt und plötzlich ist's einem, als würden sich vor einem nur wahre Hürdenläufe aus Schleiern und Hindernissen auftun und als blitzte erst weit weit dahinter das lichte Feld der uneingeschränkten Wahrheit.

Man kann nur hoffen, daß einen diese Panik nicht am Totenbett erst überfällt. Wenn der Körper kraftlos wird, sich von der Seele zu lösen beginnt - und damit diese losläßt. Und man selber plötzlich frei wird von allen Selbsttäuschungsmechanismen und Lügenapparaten, die man sich ein Lebtag lang angezüchtet hat.





*150308*

Freitag, 14. März 2008

Heilsmöglich und heilsnotwendig ...

Zwei schöne Begriffe der Katholischen Dogmatik - jener der HEILSNOTWENDIGKEIT sowie jener der HEILSMÖGLICHKEIT. Schön gar in ihrer Verbindung mit den Begriffen der "dogmatischen" und der "bürgerlichen" Toleranz (siehe die Karfreitagsbitten).

War immer klar, daß die Kirche heilsnotwendig (eben er die erste, im Umstand Jesus/Gott gesehen und damit mementorial innewohnende, im Geist wunderbarerweise wirkliche, fleischgewordene wie sukzessiv -gebliebene, und damit wirklich gewordene Verbindung von Übernatur und Natur) ist, formte sich etwa ab Ambrosius und seinem Schüler Augustinus (in Zusammenhang mit der Begierdetaufe) der Begriff der Heilsmöglichkeit aus. Augustinus geht sogar so weit, daß er die Häretiker unterscheidet in "formelle" und "materielle" Häretiker. Nur ersteren sei das Heil (weil bewußt gewollt, als Zielrichtung ihrer Existenz quasi) verwehrt, letzteren (den unbewußten Häretikern also) nicht unbedingt.

Vor allem im Eindringen gewisser Annahmen wie Erkenntnisse der (heute: an sich) materialistisch-mechanistischen Psychologie wird auch die formelle Häresie zunehmend aufgeweichter gesehen. (Wieweit "will" ein Mensch, was er "will"? Wo und wann ist jenes Zentrum motiviert, wenn er als "ich will" zu bewegen scheint?) Ab wann ist ein gesprochenes Wort, ein gefaßter Gedanke bindekräftig, weil er frei gefaßt ist?

Hier kannte das Christentum in seiner (philosophisch fundierten - als Geistseele begriffen wohl die adäquate Wissenschaft) Seelenkunde bereits ein Unbewußtes, als Freud noch nicht einmal angedacht war ...

Der Begriff der Heilsmöglichkeit freilich wurde in seiner Unsagbarkeit, Unbestimmbarkeit (er schließt ja nur nicht aus, nicht hingegen explizit ein) dort problematisch eingesetzt, wo diese Unsagbarkeit zur Heilsgewißheit mißgedeutet wurde. Die Rezeptionsgeschichte von "Lumen gentium" (Vat. II) ist eine Geschichte dieser Mißdeutungen. Ja für manche Kreise ist dieser Begriff zum Angelpunkt einer neuen (und synkretistischen) Theologie geworden.





*140308*

Gibt es Christentum als Politik?

(Titelverlinkung: Homepage der Partei "Die Christen" in NÖ)

Bei den NÖ-Landtagswahlen ist wieder einmal eine Partei angetreten, die schon im Parteinamen "Die Christen" vermeint klare politische Forderungen stellt - was mich höchst seltsam berührt. "Christentum" an sich ist nämlich leer, ist wie das Aroma, das eine konkrete Materie und Lebensaufgabe durchdringt. Politik selbst ist aber ebenfalls keine Regelung des Lebensalltags, sondern hat stets nur in Subsidiarität die Rahmenbedingungen zu einem gedeihlichen, naturrechtlich respektierten Leben der Bürger zu gewährleisten. Dieses aber nicht vorzuschreiben. Sohin: zu ermöglichen, Christ zu sein. Was "Christliche Politik" sei, das ist mir aber nicht klar.

Ist also diese Gruppierung nichts als die nächste Gruppierung der "besseren Katholiken", der noch moralischeren Menschen, die in die "Sakristei drängen" (Wortoriginal von Bischof Krenn) als eine Art "Parallelkirche", ja täuschlerisch sich als konservativ gebende, aber revolutionäre, ja besonders heimtückische "Kirche von unten"-Bewegung, als Ansammlung von Wichtigmachern, Möchtegern-Klerikern (mit besonders hohem Anteil an Frauen und Männern, die eigentlich mal Priester werden wollten) und Verstiegenen? Von historischen Bezügen auf den bisher gewaltigsten Versuch - und der mußte auch scheitern, wie gesagt: was IST Christentum als Politik? Genau das war doch schon die Enttäuschung, die Christus selbst spätestens nach dem Palmsonntag allen bereitet hatte!!! - Der Verbindung von Politik und Christentum im Ständestaat des Österreich von 1933ff ist nichts zu merken, auch nicht von den gewaltigen und bemerkenswerten theoretischen Anstrengungen, die damals stattfanden. Namen wir E. K. Winter oder Seipel oder Messner etc. etc. zu finden wäre zwar zuviel verlangt, aber diese neue Partei scheint sowieso die Welt neu erfinden zu wollen.

Was ist also "christliche Politik", betrachtet man das Programm der Partei "Die Christen"?

Um das zu ergründen, habe ich nun die konkreten Forderungen auf deren Homepage angesehen. (Das Abschneiden bei der Wahl letzten März-Sonntag war ja mit zweieinhalb Prozent der Wählerstimmen durchwachsen.) Gleich der erste Eindruck: Es sind (fast möchte ich polemisch sagen: erwartungsgemäß) nur zum Teil POLITISCHE Forderungen, keinesfalls ist es ein Gesamtprogramm, sondern bestenfalls Ergänzung zu bestehenden Grundzügen mancher Parteien, sprich: der ÖVP. Wenn auch der webtechnische Menüpunkt "Schwerpunkte" suggeriert, daß sehr wohl eine gesamtpolitische Vorstellung existiert. (Was ich bestreite, s. u., zu viele Widersprüche existieren.)

Ich bin also wahllos und klicke das Nächstliegende an ... wobei es mir gleich bei den Forderungen zur "Kultur" kalt über den Rücken läuft: Denn hier wird ganz klar eine Ideologisierung der Kunst gefordert, und damit deren Tod. Wo die Kunst tot ist - ist es auch bald die Religion. Das haben die Herrschaften aber wohl noch nie gehört, schon gar nicht reflektiert. Also finden sich die alten Forderungen, wie sie eben ideologisierte Idioten immer gestellt haben und stellen: Freiheit der Kunst, natürlich, ABER NUR WENN ...

Keine Ahnung von Kunst und so wird auch hier - bei welcher Partei derzeit nicht? Da muß man sogar lobend die ÖVP, ab und zu auch die SPÖ erwähnen! Nur dort bzw. bei manchen ihrer Bundesproponenten hatte ich bisher den Eindruck, daß Freiheit und Kunst etwas miteinander zu tun haben - Kunst, Künstler und Verwendung von Kunst wahllos durcheinander geworfen, ja in eins gesetzt, um die Bedrohung - und Kunst ist IMMER eine Bedrohung, wenn sie denn Kunst ist - hintanzuhalten. Jeder Künstler müßte sich also fürchten! Was er bisher lediglich bei FPÖ und den Grünen müßte, deren Ideologisierungsforderung von Kunst unübertreffbar und eindeutig innerhalb der Fußstapfen des guten alten Funktionärs-Mäzenatentums liegt. (Der Forderung nach einer angeblichen Pflicht der Politik nach direkter "Förderung der Kunst" - was ist das? - kann ich nie etwas abgewinnen.)

Themenwechsel. Ich klicke mich gleich weiter.

Die Forderung nach Lebensschutz ist - na net nana - uneingeschränkt zu unterstützen, keine Frage. Ich bin ja sowieso gespannt, wie lange die Kirche den von Schönborn medial erst unlängst wieder so süß vertretenen Weg - ein unendlicher Spagat - aushält, einerseits die Abtreibung als das bewertet zu wissen, was sie naturrechtlich ist - Mord - und anderseits diesen Mord nicht bestraft gewußt zu wollen. Aber Schönborn wird das schon wissen. "Die Christen" scheinen es aber auch mit Schönborn zu haben, denn sie schweigen sich ebenfalls dazu aus. Aha. Das klare Wort haben die Herrschaften also nicht erfunden. Wer aber ... wenn nicht die Politik? Was ist dann das Programm der "Christen"? Sie haben doch sonst nix, wie sich gleich herausstellen wird! Da bringen die sich also um einen der wenigen wirklichen politischen Punkte ... das verstehe mal einer.

Die Forderung nach dem "umfassenden Rechtsschutz" des Lebens hinkt nämlich damit entscheidend in diesem Punkt. (Auch hier wäre übrigens bereits nach bestehenden österreichischen Gesetzen, für die Abtreibung nach wie vor ganz klar strafrechtlich relevanter Mord ist, lediglich ein Gesetz WEGZUNEHMEN, nämlich jenes über die Aussetzung der Strafverfolgung unter bestimmten Bedingungen - die sogenannte Fristenlösung.)

Ähnliches betrifft die übrigen Forderungen zu diesem Themenkreis: Eigentlich ist derzeit noch alles per Gesetz zumindest implizit geschützt, (meist nicht einmal) diskutierte neue Gesetze betreffen die Umgehung oder Aussetzung der bestehenden Gesetze (Embryonen, Euthanasie). Somit halte ich es für nicht nur nicht notwendig, sondern sogar politisch wie medientechnisch unklug, diese Themen überhaupt anzuziehen.

Das Thema "Bildung und Erziehung" enttäuscht vorerst sogar noch mehr: außer allgemeinen Floskeln und ein wenig (ja, stichhaltiger) Jammerei über (ja, kann man irgendwie schon so sehen) pädagogische wie lehrinhaltliche Mißstände ist nichts zu finden.

Außer etwas Augenfälliges ... als Höhepunkt findet sich doch tatsächlich ein Hinweis auf die Europäische Menschenrechtskonvention (also was jetzt? die fordern doch auch die "Antidiskriminierung von Homosexuellen und Frauen" etc.?) Mehr ist leider zu diesem Thema nicht zu finden. Ginge ich wählen - wozu sollte ich also zustimmen, außer nebulosem "Erziehung nach christlichen Werten"? Erst sollte man da außerdem endlich den Kirchen (und Klöstern) ans Krawattel fassen!!! Denn in welcher kirchlichen Schule, wählt man sie als Eltern, ist das noch als (v. a. dimensionale) Ergänzung zum elterlichen Auftrag gewährleistet, sind die angeführten Mißstände s. o. nicht zu finden!? In so gut wie keiner, behaupte ich, und zwar aus eigener und jüngerer Erfahrung.

Die einzige heraus lesbare irgendwie originäre POLITISCHE Forderung könnte aber nicht mehr als ein großes Mißverständnis, ja sogar eine große Drohung sein - da steht nämlich:

>>Der Staat hat zu gewährleisten, dass Erziehung und Unterricht der Kinder entsprechend den religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen der Eltern stattfinden. Wir treten dafür ein, dass unsere christlichen Wertvorstellungen über den Lebensschutz, über Ehe, Familie und Kultur in der Kindererziehung und in der Erwachsenenbildung zum Tragen kommen.<<

Der Staat also hat zu gewährleisten ... aha. Da haben die Herrschaften den Kakao der Aufklärung schon etwas sehr bereitwillig geschlürft, durch den wir gezogen wurden - als die Bildung (das geht nicht ohne Inhalte) als Aufgabe des Staates okkupiert wurde. Bildung und Ausbildung ist und bleibt EIN RECHT (wir eine Pflicht) der Eltern, und von dort ausgehend den je weiteren Gemeinschaften, in welchen sich diese befinden. Der Staat hat bestenfalls dafür zu sorgen, daß die Eltern etc. dies ausüben können, ja er hat es auf eine Weise (aber: wie?) sogar zu fordern, um das Recht der Kinder bei elenden Eltern (angeblich heute bereits wieder etwa 10 Prozent !!!) durch Forderung derer Pflichten zu stärken.

Schon gar nicht beitreten aber kann ich aus realpolitischen Gründen - wir leben nicht mehr in der kulturellen Geschlossenheit des Mittelalters!!! - der Forderung nach "Werteerziehung" und sei es noch so gut gemeint. (Sieht man davon ab, daß es einem kalt über den Rücken läuft, wenn man das Pädagogik-Verständnis dahinter ahnt. Pädagogik ist nämlich zuallererst immanent, der "Duft der Lebensweise"!) Der Staat hat sich nicht um die Implantierung von Werthaltungen meiner Kinder zu kümmern, aus und Maus! Das kann mir als Eltern niemand abnehmen, das auf gesamtstaatlichen Maßstab abzutreten ist totalitaristisch, nicht einmal stände-elitistisch zu begründen.

Ich kann mir als Eltern die Schule aussuchen, gut und richtig, und diese Möglichkeit haben wir in Österreich übrigens VORBILDLICH! Anders als in Deutschland beispielsweise. Da gibt es in Österreich also nichts zu fordern, das will auch hierzulande niemand antasten. Wie also das Problem der ideologischen Ausrichtung von Wissenschaften wie Lehrern in den Griff kriegen? Das geht gar nicht. Es sei denn, man reduziert die Schule zumindest in den unteren Stufen wieder auf die überschaubare Gemeindeebene! Eine solche Forderung - wie überhaupt eine Forderung nach "Verkleinerung" der Strukturen - findet sich aber nicht, die wäre aber real, und die ist real auch berechtigt zu erheben, weil sich in allen Bundesländern (Unterricht auf Grundstufen ist in Österreich Ländersache!) die deutliche und ganz praktische Tendenz zur Zentralisierung der Grundschulen durchzusetzen beginnt. Von konkreten Vorschlägen aber ist auch hier sohin nichts, rein gar nichts zu finden.

Konzentrieren wir uns zu guter Letzt auf das erwartungsgemäß ergiebiger ausgeführte Thema "Ehe und Familie" - hier ist auf der im Titel dieses Blog-Beitrags verlinkten Homepage zu lesen:

>>Wir fordern daher:
Rechtliche Neuordnung der Institution Ehe mit dem Ziel, das Hineinwirken staatlicher Organe in die Familie zurückzudrängen.
Die Ehe ist die einzige Form der Lebensgemeinschaft, die den Interessen und der Menschenwürde der Kinder gerecht wird, und ist daher rechtlich zu schützen.
Strafgesetzlicher Schutz gegen die Herabwürdigung von Ehe und Familie.
Die gesetzlichen Privilegien für Homosexuelle sind rückgängig zu machen.
Förderung von Ehe und Familie in wirtschaftlicher Hinsicht durch:
Familiensplitting im Steuerrecht
Müttergehalt mit Sozialversicherung und Pensionsanspruch
Direkte finanzielle Förderung von Eltern und Familien
Wahlrecht der Eltern für ihre Kinder
Erziehungsgeld: Wer Kinder selbst betreut, soll bekommen, was der Staat für Kindergärten, Hort, usw. ausgibt.<<

Zwar wäre z. B. ein Hinausdrängen der Politik aus Ehe und Familie nur zu unterstützenswert (was m. E. aber keine Neuregelung verlangte, sondern lediglich eine Beendigung der Verflachung - die Auflösung geschieht auf diesem Weg - der Ehe und Familie über die Veränderung umgebender Gesetze), doch lese ich die weiteren Forderungen, nehme ich den Herrschaften das einfach nicht ab: Denn die weiteren Punkte haben genau das zum Inhalt, ein weiteres Einmischen lediglich unter anderen Vorzeichen. Und zum mindesten über Geld und Geldverteilung. Privilegien für Homosexuelle kann ich (noch) nicht ausnehmen, sieht man von den EU-"Menschenrechts"-Trotteleien ab (die Kirche hat damals einen EU-Beitritt übrigens unterstützt und mitmanipuliert, also soll sie nun den Mund halten und Abbitte leisten, statt zu versuchen, die Schuld an allem was ihr nun nicht so paßt anderen in die Schuhe zu schieben) - allerdings auch keine Diskriminierung, wie andere meinen.

Regelrecht treuherzig-dumm schon finde ich das in Kirchenkreisen gern verbreitete "Geldverteilungsspielchen" - wo man meint, über das Finden neuer Sozialleistungen Politik machen zu müssen. Das hat man in den 60er-, 70er Jahren auch geglaubt.

Denn net bös sein: Sozialleistungen dürfen lediglich subsidiär sein. Das müßte also nun nicht heißen: Geld für jene, die die Subsidiaritätsleistung des Staates NICHT benötigen, also z. B. die Kinder selbst erziehen! "Auf was hinauf?" Da fehlt es am Bewußtsein, was denn solche Leistungen überhaupt sind - eben Leistungen, die der Staat übernimmt, wenn die Einzelnen (Familien) Leistungen nicht mehr erbringen können. Ansonsten aber hat der Staat die Aufgabe, sich diskret auf jeder Kindererziehung etc. herauszuhalten! (siehe Forderung 1 ...).

Noch hirnrissiger sehe ich die "moderne" Forderung, den Müttern ein Gehalt zu zahlen. Woher - wenn nicht von den Männern, den Werktätigen (und wenn das nicht die Frauen sind, dann sind es ...? Richtig, die Männer), denn den wirklichen Geldvermehrungsapparat hat nicht einmal der Turbokapitalismus bisher erfinden können - das kommen soll, ist den "christlichen Wertequatschern" wohl auch gleichgültig.

Erfahrungsgemäß sind übrigens solche Aktivisten in hohem Maß Beamte bzw. Menschen in öffentlicher, rückwirkungsunabhängiger Besoldung, und Pensionisten - nicht zufällig daher auch diese strukturell ewig gleichen Forderungen, geboren aus der Langeweile.

Ebenfalls abzulehnen ist dieses alte, schon so abgestandene und so absehbar politisch irrsinnige Spiel, mehr Förderungen würden den Familien helfen (den Sozialstaat heutiger Ausprägung können wir uns doch jetzt schon nicht mehr leisten!). Nicht MEHR Förderungen den Familien (und damit weitere Stärkung deren Abhängigkeiten vom Staat!) - sondern WENIGER Förderungen den Nicht-Familien, so muß ein sozial gerechtes System lauten, das mit dem Begriff "Kostenwahrheit" etwas anfangen kann. Als da sind folgende Beispiele: höhere Besteuerung (Renten) für Alleinstehende (dafür von mir aus geringere für Familien), höhere Sozialabgaben für dieselben, generell: Abgeltung der höheren Infrastrukturkosten für Alleinstehende.

Politische Ahnungslosigkeit - auch so typisch für kirchennahe Kreise - kann man deshalb der Forderung nach Müttergehalt attestieren. Denn über diese Zwangsumverteilung (Mann zu Frau) wird DIREKT in die Ehe eingegriffen. Und außerdem einem Denken Vorschub geleistet, das meint, das Dasein selbst wäre in allen seinen Lebensäußerungen mit Geld zu bewerten. So nebenher wird nämlich der "Verdrießlichkeitsaspekt" bei den das Leben bestimmenden Verrichtungen - Arbeit, Gebrauchtheit, Sinn! - auf eigentümliche Weise deshalb verstärkt, als das "Unangenehme" durch Geld abzugelten sei.

Stattdessen würde es bei einer solchen Verschiebung von Macht über Entkoppelung der Herkunft jener innerhalb der Familien (die am schlimmsten durch "Verrechtung" geschieht) zu deren weiterer Auflösung kommen. So wie ich der festen Überzeugung bin, daß eine der weitreichendsten und wirksamsten Maßnahmen der sozialistischen Familienpolitik war, die Rechte auf Kinderbeihilfe, Steuerausgleichszahlungen für Kinder etc. AUF DIE FRAU zu legen. Unmerklich hat man damit auch die Macht innerhalt der Familien verändert, und deren Auflösung über Aufweichung des Einheitsprinzips beschleunigt.

Sohin bleibt neben der Forderung nach Zurückdrängen der Politik aus Ehe und Familie - die die (demokratische) Partei "Die Christen" schon im nächsten Atemzug in der Praxis aber widerruft - nur noch eine einzige sinnvolle Forderung aus dem Bereich "Familie und Ehe", nämlich jene nach dem Familienwahlrecht, dem nach Kinderköpfen gewichteten Wahlrecht der Eltern.

Das ist SEHR wenig.

Eine Partei für Christen? Keine Ahnung, was die über die Kirche hinaus als Institution noch zu brauchen meinen. Aus ihrem Programm heraus wird es jedenfalls nicht klar. Das ist nicht gescheiter oder klüger oder weniger beängstigend (da darf man doch mal darauf hinweisen, daß der scheinbare Friede der Kirche - dessen Dauer sich in Jahrzehnten bemißt! - mit der Demokratie nicht auf deren Naturgemäßheit beruht, sondern realpolitischer wie historisch-bedingter Kompromiß war wie ist! Insofern ist in der Demokratie JEDE politische Forderung aus ihrer Natur heraus erst mal FURCHTERREGEND, weil sie aus ihrer Natur heraus bereits geringeres Übel - wo sie noch "gut" - aber nicht, ja niemals einfach an sich gut ist!) nicht einmal ethisch-verantwortlicher als anderswo. Bestenfalls naiver.

Das gar nicht unbeachtliche Ergebnis bei den letzten Landtagswahlen deutet zwar auf ein Grundbedürfnis nach klarer, naturrechtlich fundierter Politik, wie sie ÖVP oder FPÖ nicht bieten. Aber es ist auf ein Mißverständnis zurückzuführen, auf absolut unklare Aussagen darüber, wie Christentum überhaupt politisch verstanden werden kann. Was umso bedauerlicher ist, als sich in der Parteileitung Juristen finden - die sich aber offensichtlich auch nicht auf ihre Kernkompetenz konzentrieren, sondern etwas anderes spielen wollen.





*140308*

Freitag, 8. Februar 2008

Erschütternde Bilanz der Bio-Treibstoffe

Ich muß nichts hinzufügen - der Artikel führt alle Fakten an. Und läßt natürlich das Tor zu Utopie wie Totalitarismus offen - "man müßte" ...





*080208*

Mittwoch, 30. Januar 2008

Von der Versuchung, sich Selbstachtung verdienen zu wollen ... oder: Vom Wandel des Edlen zum Imperativistischen


Georges Chastellain (1404-1475)

"... der Glanz der Fürsten besteht in Hochmut und im Unternehmen sehr gefährlicher Dinge; alle fürstlichen Machtäußerungen laufen in einem engen Punkte zusammen, der 'Hochmut' heißt."

"Nun ist aber unter den tiefverwurzelten Gefühlen des Menschen keines, das geeigneter wäre, sich in Redlichkeit, Vaterlandsliebe und Gewissenhaftigkeit umzusetzen; denn der Stolze bedarf der Selbstachtung, und um sie zu erlangen ist er versucht, sie zu verdienen."





*300108*

Dienstag, 29. Januar 2008

Der Windkraft-Schwindel ... ?

Es ist doch heute wirklich schon egal, ob eine Sache sachlich gerechtfertigt ist oder nicht - es geht nur noch darum, daß Sentimentalkontingente befriedigt werden.

Befaßt man sich nur oberflächlich sachlich mit der Angelegenheit - Windkraftanlagen, WKAs - gewinnt man den Eindruck, daß das doch ein einziger ausgemachter Bluff ist?! Hier ist eine der vielen Seiten verlinkt, die sich mit den zahlreichen Argumenten GEGEN Windkraft auseinandersetzen. Wobei diese Seiten oft bejammern, daß sie es mit einer regelrechten Öko-Lobby zu tun hätten, wo massive Profitinteressen von Großkonzernen wie Siemens sich auffallend unauffällig mit zur Moral erhobenen "Umweltschutznarreteien" verquicken.

Auszüge:

... Professor Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises, Initiator des ostdeutschen Nationalparkprogramms, erstmals den Windkraftkurs der neoliberalen Bundesregierung als überspannt und unverantwortlich anprangert ... Succows Windkraft-Kritik fast durchweg der Medienzensur zum Opfer fällt. Denn nicht nur in Redaktionen, auch in Umweltorganisationen haben die Windkraftkonzerne clever ihre Funktionäre postiert, sponsern sie nach Kräften, damit Windkraftwerke wider besseres Wissen mit Umweltschutz gleichgesetzt werden.

Succow sieht, wie selbst seine Heimat Brandenburg zunehmend durch die Windmonster zerstört wird. „Aus einer Kulturlandschaft ist eine Produktionslandschaft geworden, die nur noch ein Ziel hat - Maximalprofite. Industriemäßig genutzte Standorte sind lebensfeindliche Räume. Wahnsinnige Erträge, die Bodenfruchtbarkeit vernichtet - riesige Flächen, wo kein Hase mehr leben kann, das Leben flieht. Und dann kommt noch die Windkraftanlage dazu - in ökologisch hochwertigen Räumen für mich ein Fluch! Diese Verschandelung der Landschaft kann man nicht akzeptieren.“

... Pseudo-Umweltschützer tun weiter so, als grabe man mit Windkraftwerken der bösen Atomindustrie, den Betreibern konventioneller Großkraftwerke das Wasser ab, tue also ein gutes Werk. Und bestreiten erbittert selbst öffentlich in Umweltblättchen, daß just die Rüstungsindustrie, der Atomkraftwerksbauer Siemens-KWU von Anfang an beim Windkraft-Deal mit dabei sind - als Produzenten, Planer, Vermarkter hohe Profite erwirtschaften. Es reicht, im Internet die entsprechenden Firmen-Websites anzuklicken. Und - wenn man einmal dabei ist, die Argumente auf den Windkraftgegner-Websites zu studieren - über fünfhundert Bürgerinitiativen Deutschlands sind inzwischen vernetzt. Mancher bislang Blauäugige müßte sich zwangsläufig mit einigen physikalisch-technischen Details befassen: Windanlagen können keine konventionellen Kraftwerke ersetzen, brauchen diese sogar, um überhaupt zu laufen. Und im häufigen Fall einer Flaute, damit abnehmender Windanlagenleistung, müssen die konventionellen Kraftwerke sofort einspringen, deshalb schon vorher Reserveleistung vorhalten.

„Windenergie für sich allein ist zwar emissionsfrei erzeugt, aber auch schlicht unbrauchbar“, schreibt in der Frankfurter Rundschau“ der Windkraftkritiker Werner Eisenkopf.“ „Sie schwankt von Viertelstunde zu Viertelstunde und ist bei Schwachwind, Flaute und auch bei Sturm wegen Sicherheitsabschaltung nicht verfügbar. Im deutschen Schnitt des Jahres 2001 waren nur ca. 14 Prozent der Nennleistung aller Windräder überhaupt und unregelmäßig nutzbar. In der übrigen Zeit und immer wieder zwischendurch mußte durch ständiges Zu- und Abschalten von Regelungsenergie dafür gesorgt werden, daß die örtlichen Stromnetze nicht dauernd durch diese unvermeidlichen und natürlichen Schwankungen des Windes abstürzen und Computer täglich mehrmals zwangsweise neu booten müssen und Daten verloren gehen. Diese Regelungsenergie(...) ist nicht emissionsfrei erzeugt, sondern kommt von aus dem Teillastbetrieb schnell hochgefahrenen Kohlekraftwerken und von Gasturbinen.“

Nicht zufällig gilt bei Naturschützern Windkraft auch deshalb als der größte Bluf.

... müssen die Industrieanlagen in deutlichem Abstand von menschlichen Siedlungen errichtet werden, um die Menschen nicht zu stören oder zu gefährden. Aber der Natur, den wildlebenden Tieren sind all diese negativen Effekte zuzumuten, meinen die zynischen Windkraft-Sympathisanten. „Kein Mensch baut die Anlagen“, so Sömmer, „weil er den Strom braucht, sondern weil er an der Förderung verdient.“ Der erfahrene Naturbeobachter ist sicher, daß die Anlagen, „nachdem sich die Firmen dumm und dämlich verdient haben, wohl wieder abgebaut werden - zu riesigen Kosten, die dann die Allgemeinheit bezahlt.“



*290108*

Widerspricht der Islam der Schweizer Gesetzesgrundverfaßtheit?

Ein interessantes Argument brachte in einer auf Ö1 (siehe Link) zu hörenden Diskussion ein Schweizer Gegner gegen (weitere) Minarette in seinem Heimatland vor:

Die islamische Lebensordnung und -welt (schon gar in der Scharia) widerspreche der Schweizerischen Grundordnung und der darin verankerten Lebenswelt.

Übrigens: Die Freiheit des Gewissens und der Religionsausübung ist kein Gegenstand des Völkerrechts.





*290108*

Menschliches Leben IST Kommunikation

Samy Molcho im Interview auf SWR3; sinngemäße Wiedergabe:

"Es gibt keine Körperhaltung, die gut oder schlecht ist. Jeder Mensch hat einen Grund, so oder so sich zu verhalten. Gut oder schlecht kann es höchstens sein für meine Ziele. Der Körper ist der größte Schwätzer aller Zeiten, bewußt und unbewußt. Man kann nur gewisse Sachen machen, gewisse aber nicht. Man kann nicht wirklich mit dem Körper täuschen und lügen. Man sieht sofort den Widerspruch.

Der Körper ist der Handschuh der Seele. Jede seelische Bewegung äußert sich im physischen Verhalten. Selbst wenn man durch Kleidung verdeckt ist - dann ist es eben die Atmung ... Man hört nie auf (über Empathie) zu kommunizieren. (Menschliches Dasein IST pausenlose Kommunikation.) Man kann sich aber über Bewegungen, über Haltungen auch in seelische Positionen bringen!"





*290108*

Kein Mensch ist unabhängig

Eine schlichte Nachricht unter vielen als Link zu einer Tageszeitung - ein Ungeborenes wurde mittels Kaiserschnitt aus einer Mutter geboren, die bereits tot war, Opfer eines Schußwechsels. Das Baby lebt.

Eines der Argumente, die ich gehört habe, um das "noch nicht Mensch"-Sein eines Ungeborenen zu beweisen ist, daß es erst in dem Moment, wo die Nabelschnur durchtrennt sei, Mensch, weil selbständig existenzfähig sei.

Wie sehr ein Mensch trotz seiner Abhängigkeit zu leben vermag, beweist dieses Baby. Aber die Selbständigkeit als Organismus, als eigenständiger Organismus kann jeder Arzt bestätigen. Gerade übrigens Abtreibungsärzte, denn nicht nur überleben manchmal vermeintlich Abgetriebene, wie ich persönlich von (erschütterten) Krankenschwestern gehört habe, die man dann einfach bewußt liegen und sterben läßt. Sondern Videoaufnahmen zeigen, nicht weniger erschütternd, wie der Embryo bereits im dritten Monat der todbringenden Zange zu entkommen sucht.

Doch was dahintersteht ist eine per se falsche Vorstellung über die Autonomie des Menschen. Niemandem würde einfallen, die Abhängigkeit des Menschen von Sauerstoff, Wasser, Nahrung als Grund anzusetzen, daß er nicht Mensch sei. Niemandem würde einfallen, den Unternehmer, der von der Zahlung des Kunden existentiell abhängt, den Rentner, der wenn die Rentenzahlung nicht eintrifft nichts zu essen hat, den Bauern, der zwar alles zum Wachsen seiner Feldfrucht beitragen kann, aber dennoch das Wachsen selbst nur abwarten kann, etc. etc. als weniger Mensch anzusetzen.

Kein Mensch ist autonom im Sinne von unabhängig von der Welt oder der Kultur! Jeder Mensch hängt existentiell ohne Unterbrechung von allen möglichen Umständen, aber auch von Mitmenschen ab. Abhängigkeit - die religio, die existentielle Rückgebundenheit - ist Kennzeichen des Menschen, ja Kennzeichen der ganzen Schöpfung, die ein gigantisches Zueinander der Dinge ist, wo nichts autonom agiert, und nichts agiert ohne anderes zu tangieren.

Sie tangiert nicht die Freiheit des Menschen, denn nichts kann ihm nehmen, sich zu allem zu verhalten. Ja selbst Notwendigstes zu verweigern. Erst wenn dieses Verhalten zu sich selber eingeschränkt, getrieben ist (wie beim Tier) - dann ist der Mensch unfrei.

(Was der Biologismus der Naturwissenschaften, der alles Lebendige als simplen Ursache-Wirkung-Mechanismus erklären möchte, als erstes opfert ist eben die menschliche Freiheit. Deutlich wird das für jeden, der mit einem Psychologen europäischer Schule spricht ...)





*290108*

Mittwoch, 23. Januar 2008

Glück = Nutzen

Es soll nachgeschoben werden: Der Vortrag von Tobias Moretti bei einer Tagung in Hartheim in Oberösterreich. Denn er ist es wert.

"Wer das Leben am einen Ende - bei der Empfängnis - in Frage stellt, wird es auch am anderen Ende in Frage stellen. Das Leben an sich darf aber keine Rechtfertigung benötigen!"

Mit einem schönen Gedanken: "Mir macht die Norm Angst: Fit, jung, schön ... Wer aber ein behindertes Kind großzieht, sich um einen alten Menschen kümmert, für den ist das plötzlich Hobby (gegen die Norm) ... Die Frage, was Lebenskultur zu einer menschlichen Kultur beitragen kann ist, daß diese Frage nach dem Nutzen offen bleibt."





*230108*

Dienstag, 22. Januar 2008

Aufschreiben als Pflicht

Es sind oft nicht viele Sätze, ja manchmal wenige, manchmal nur ein einziger ... die aufstehen. Vor denen man Respekt entwickeln wie bewahren muß, so kummervoll das auch sein mag. Denn man darf sich nie dabei verurteilen, nie werten, sondern bescheidentlich hinnehmen, was einem so dürftig vorkommt.

Doch diese wenigen Sätze aufzuschreiben - es ist das Wahrnehmen von Lebensgelegenheiten, es ist die Treue einer Pflicht gegenüber, an die zu glauben einem selbst schwerer fällt als ein Außenstehender glauben mag. Aber am Abend, vor dem Einschlafen, werde ich nach ihnen gefragt. Ich kann dann ruhig einschlafen, wenn ich sagen kann: ja, ich habe sie aufgeschrieben.

Erst wenn man diese Pflicht, die aus Momenten des Tages aufsteigt, aufgibt - dann gibt man auch das Leben als Schriftsteller auf, das sich scheinbar sonst durch nichts zu erkennen gibt ... will man nicht in den Beruf des "Künstler-Seins" fallen, der heute größten und tödlichsten, folgenreichsten Versuchung.

Aber man weiß es einfach: Dann gibt man sich selbst, sein Leben auf.





 *220108*

Halloween ... Schluß mit dem Rätselraten

Was gibt es nicht alles für Thesen, woher Halloween stamme: von den Kelten, aus Urzeiten, des Teufels Werk, heidnisches Unzeugs, erfunden in den USA, etc. etc.

Die Wahrheit ist aber vielleicht viel einfacher: Gottseibeiuns MARTIN LUTHER hat auch Halloween erfunden! Aus der Notwendigkeit, dem Protestantismus mehr Freude einzuhauchen, dessen Ausbreitung nach den ersten Jahren zu erlahmen schien (denn feiern können bekanntlich nur die Katholiken ...) führte er das Fest "Hallo Wahn!" ein.

Luther galt ja bald als "Spaßverderber", und das war tatsächlich eines der schlagendsten Argumente für die katholischen Bischöfe und Landesfürsten. Zu bierernst war bald der Protestantismus geworden, der binnen 5 Jahren immerhin 50 Prozent Deutschlands erobert hatte. Aber die Arbeit als "höchste Tugend", der Moralismus als Lebensgalle ... das verlangte nach Gegenmaßnahmen, um die Massen nicht wieder zu verlieren. Immerhin wurden in den protestantischen Gebieten die meisten katholischen Feiertage gestrichen, und darüber hinaus die zur Unmoral so verleitenden Fastnacht und Karneval! Es gab also ein ernstes! "Imageproblem"...

So kam es zu ernsthaften Debatten, wieweit die Freude des Festes, "Wein, Weib und Gesang", nicht reiner Ausfluß teuflischen Umtriebes war. Ob also irdische Festesfreude generell als göttliche Gnade angesehen werden kann, wie es übrigens die Katholiken betrachten. Für das Argument teuflischer Herkunft sprach für Luther und Melanchthon, daß bei großer Festesfreude ein "Wahn" über die Menschen zu kommen schien. Ja, als läge geradezu das Wesen des Festes im "Wahn" ... ein "frommer Wahn" ... Also habe der Christ denn doch den (begrenzten) Wahnsinn zu begrüßen - der Weg zu "Halo Wahen" war nur kurz: Am 1. April 1522 erschien die Luther-Schrift "Sermon vom Halo Wahen! Dem gottgewollten und also gestatteten Frohsinnsfeste zum Frühlingsbeginn".

Rasch setzte sich dieser neue Brauch durch, und er schlug rasch auch Fastnacht und Karneval aus dem Rennen: Die Obrigkeit wurde verspottet, und so manches Treuegelöbnis nicht mehr so ernst genommen. Luther schien das erst kaum zu stören.

Wäre diese Lockerung der Sitten nicht auch im Hause Luther zu bemerken gewesen ... bei ihm wie bei seiner Frau ... So begründet allen Ernstes die Lutherforschung zu nicht unerheblichem Teil den sonst nicht wirklich nachvollziehbaren Stimmungswandel, der ab 1525 bei Luther dieses Fest betreffend einsetzte.

Daneben aber uferten die Halo-Wahen-Feste zu Aufständen aus, es kam zu Bauernaufständen etc., und Luther war Revolution eigentlich ja ein Greuel! So kam's zur nächsten Schrift: "Wider das gotteslästerliche Halo-Wahen-Treiben der Bauern, Hexen, Juden und Bademeister ..."

Also konterkarierte er es, denn abschaffen konnte er es kaum noch. Und verlegte es in den düsteren Herbst. Und so wurde aus dem typischen Winter- und Frühlingsfest das heute bekannte Herbstfest, am Vorabend zum Buß- und Bettag. Halloween ist also ein wirklich protestantisches Fest! Wer nicht zum Beten in die Kirche ging - dem sollte wenigstens aber der Schrecken in die Glieder fahren! Nur den Kindern war es noch erlaubt, feiernd herumzuziehen

Damit wurde aber das "entschärfte", "kanalisierte" Fest unpopulärer. Nach und nach geriet es in den protestantischen Gebieten sogar wieder in Vergessenheit. Thüringer Auswanderer jedoch sorgten dafür, daß das Fest in den USA weiterlebte ... von wo es heute wieder zu uns kam. Denn in den USA ist es längst das größte "Frohsinnsfest" des Jahres geworden.

Die Verquickung aus Freude und Moral, einem immer vorhandenen letzten Rest schlechten Gewissens, stammt eben aus dieser schon an allem Anfang sichtbaren protestantischen Zwiespältigkeit, dem "einerseits und doch auch anderseits" Der Katholik kann ja über die Strenge schlagen, er findet in der Beichte seinen Frieden wieder. Für den Protestanten war das aber eine Heuchlerei. So kennt er zwar die Reformation - verlangt aber völlige Unterordnung unter die Landesherren, kennt Freude - aber ohne gefährliche Selbstvergessenheit ... was zum Vorwurf an die Protestanten führte, sie wären unfähig zu feiern.

***

ACHTUNG: Dieser "Bericht" basiert auf einem Aprilscherz des WDR, er entspricht nicht der historischen Wahrheit, sosehr er ihr als Metapher sowie in abstrakten Grundaussagen entspricht! "Halo Wahen" hat NIE EXISTIERT!

ATTENTION: This "report" is fictious, and it is based on some 1st-April-joke of WDR-Radiostation Germany! It does not describe historical facts, though they are true in abstract, and describe motives and truths according protestantism and Martin Luther, but not in concrete! There never existed any "Halo Wahen"!




*220108*

Freitag, 11. Januar 2008

Alles Bakterien ...

Bisherige Ergebnisse brachten vorläufige (und immer weiter steigende) Schätzungen einer Bakterienmasse auf unserem Planeten, die 80 Prozent der Biomasse der Erde beträgt. Aufeinandergeschichtet - auch jene Organismen, die unter der Erdoberfläche leben - ergäbe das eine Bedeckung der Erdoberfläche von 1,50 m Höhe.





*110108*

Mittwoch, 9. Januar 2008

Physik am Ende?

Dem deutschen Physiker Max Planck wurde 1875 als Student von einem angesehenen Professor geraten, sich nicht mit der Physik, sondern mit der Mathematik zu befassen. Denn in der Physik sei nichts mehr zu holen, es seien alle bahnbrechenden Entdeckungen bereits gemacht, die Welt ausreichend erklärbar.

Der amerikanische Sachbuch-Bestseller-Autor Bill Bryson schreibt in seinem Buch "A short history of nearly everything", das mit dem Aventis-Price for Science-Books 2004 ausgezeichnet wurde, daß das Fazit der heutigen Kosmologie so laute: "Wir leben in einem Universum, dessen Alter wir nicht berechnen können, umgeben von Sternen, deren Entfernung wir nicht kennen, zwischen Materie, die wir nicht identifizieren können, und alles funktioniert nach physikalischen Gesetzen, deren Eigenschaften wir eigentlich nicht verstehen."

In der Kosmologie sei "ein Berg von Theorien auf einem Maulwurfshügel von Befunden" aufgebaut. (Ein Eindruck, den ich übrigens beim Lesen von "Die kürzeste Geschichte der Zeit", dem Sachbuchbestseller von S. Hawkins so stark hatte, daß ich das Buch für wissenschaftlich unseriös halte.) Ein anderer (Martin Rees) meint: "In der derzeitigen Zufriedenheit (bei unserem derzeitigen Kenntnisstand) spiegelt sich möglicherweise eher ein Mangel an Daten als die Qualität der Theorien wider."

Es gibt allen Ernstes bei manchen Publikationen zu diesem Thema - so Bryson - auch in reinen Fachkreisen niemanden mehr, der unterscheiden könnte, was geniale Theorie und was Unsinn oder gar Betrug sei. Die Spekulationen zu diesen Themen hätten sich längst jeder Vorstellungskraft entzogen.





*090108*

Sonntag, 6. Januar 2008

Wegen einer Beobachtung in elf Jahren

Die Venus schiebt sich ca. alle hundert Jahre, dann aber zweimal hintereinander im Abstand von etwa acht Jahren, zwischen Erde und Sonne. Um die Abstände der Planeten untereinander, neben dem der Erde zur Sonne etc., noch genauer zu vermessen (bis ins 17., ja 18. Jahrhundert verfehlte man durch die Ungenauigkeit bei nautischen Messungen Ziele zur See oft gewaltig) schwärmten 1761 weltweit über sechzig Astronomen aus aller Herren Länder aus, um dieses Ereignis zu beobachten und unter Berücksichtigung der von Newton festgestellten Abplattung der Erdkugel in Meßreihen festzuhalten.

Unter den alleine zweiunddreißig französischen Beobachtern war auch ein gewisser Guillaume LeGentil. Er wollte den Durchgang in Indien beobachten, und machte sich 1760 schon von Frankreich aus auf den Weg. Wegen verschiedener Pannen aber war er 1761 immer noch auf schwankender See, als das Ereignis stattfand. Sodaß sich die entsprechenden Messungen nicht vornehmen ließen.

Ohne zu zögern fuhr LeGentil aber weiter, um dann eben den Durchgang der Venus im Jahre 1769 in Indien abzuwarten. Er baute dort alle seine Geräte auf, und bereitete in Form einer erstklassigen Beobachtungsstation acht Jahre lang alles für diese drei Stunden, vierzehn Minuten und sieben Sekunden am 4. Juni 1769 vor. Schließlich war es so weit. Am Morgen war auch das Wetter klar, die Sonne schien, LeGentil machte sich bereit.

Im selben Moment aber, wo sich die Venus vor die Sonne zu schieben begann, taten dies auch Wolken, und verstellten endgültig die Sicht. Das Unternehmen war gescheitert. Ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, ließ LeGentil die Station abbauen, die Sachen verpacken und nach einem nahen Hafen verbringen, um den Heimweg anzutreten. Ehe er aber einschiffen konnte, packte ihn die Ruhr, die ihn ein Jahr ans Bett fesselte. Schwer geschwächt, trat er 1770 endlich die Heimreise an. Doch das Schiff sank vor der afrikanischen Küste.

Schließlich, als er nach elf Jahren wieder heimatlichen Boden betrat, mußte er feststellen, daß seine Verwandten ihn für tot erklärt und seinen Besitz veräußert und aufgeteilt hatten. Mit großen Mühen konnte er noch sein weiteres Überleben sichern.

Wegen einer einzigen, dreistündigen Beobachtung des Durchgangs der Venus zwischen Erde und Sonne ...

Es kommt nie darauf an, wieviel wir tun, oder ob wir damit Erfolg haben. Es kommt darauf an, ob wir das tun, was es zu tun gilt.





*060108*

Dienstag, 4. Dezember 2007

Der "Männerminister"

Mit einer neuen Kampagne gegen Gewalt an Frauen. Und dem Versuch, eine weitere Psychose zu installieren: Das Tragen des "white ribbon" soll "sensibilisieren". Sodaß wohl jeder, der dieses Zeichen nicht trägt, sich als Gewaltbefürworter kennzeichnet. Die Kampagne soll natürlich auch in Schulen ansetzen.

Ein Männerminister, der sein Amt dahingehend versteht, seine Mandanten "verbessernd" zu erziehen. Einzugliedern in den Zug der Feministen. Und der sich natürlich nicht zu schade dafür ist, mit Gewalt weitere Verhaltensneurosen bei jungen Menschen als "geringeres Übel" zu installieren.

Man kann all diese Sozialismen eigentlich ganz einfach verstehen: Als historische Ausdünstungen eines zerfallenden Kulturkörpers, wo sich das Geistlose (und umso Selbstbewußtere) in Moralismus und Utopien flüchtete, um alles doch noch zusammenzuhalten.

Da nützt wohl nur, sich zum Paradoxen zu bekehren - und zu sagen: Ja, man befürworte Gewalt! Weil es am Rand der Dinge gar nicht anders geht, dort, wo etwas zerbricht für das man Verantwortung trägt; solange noch die Chance besteht, daß es nicht zerbricht.

Und den Jungen, den Kindern, den Gequälten zurufen: Fürchtet Euch nicht, wir Väter werden Gewalt anwenden, um Euch vor diesen Mördern zu schützen. Auch wenn man uns dann köpft.

Verbeißen kann ich es mir freilich nicht: Sozialminister Buchinger ließ sich klammheimlich vor einigen Monaten scheiden. Denn er hat eine "Neue" kennen- und lieben gelernt. So ist das halt im Leben. Liebe kommt und Liebe geht.





*041207*

Frauen gewalttätiger als Männer!

Solche Medienberichte und statistische Fakten werden selten veröffentlicht - aber doch: Die Gewalt an Kindern geht weit stärker von Frauen als von Männern aus. Bemerkenswert an diesem (deutschen) Artikel: Er sieht daneben (richtig) auch Vernachlässigung als Gewalt an.

Eindeutig und für jemanden, der seine Einschätzungen aus den Medien bezieht, ist wohl kaum zu glauben: Der überwiegende Anteil von Morden an Kindern wird von Frauen begangen.





*041207*

Dienstag, 27. November 2007

Klima- und andere Lügen

Welche Rolle die Medien in den individuellen Meinungsbildungsprozessen spielen - darüber läßt sich viel sagen.

Hautnah sind solche Prozesse und ihre Steuerungs- und Absichtsinstrumente immer wieder zu erleben.

Ein kleines Beispiel dazu:

Vor etwa drei Wochen erschienen Medienberichte über die hervorragende Auftragslage von EADS im Zusammenhang mit dem neuen Großraumflugzeug A 380. Man sprach von jahrelanger Auslastung. Weitere Berichte finden sich über Absichten Chinas, die Fluglinien mit solchen Flugzeugen zu bestücken.

Vorige Woche tauchten plötzlich Berichte auf, daß - weil die Abrechnung von Flugzeugen weltweit in Dollar passiert (vermutlich auch die preisliche Konkurrenz) - Airbus in Schwierigkeiten kommen wird, weil der Preisverfall durch die Dollarparität (seit Einführung des Euro vor fünf Jahren hat der Dollar sage und schreibe 33 Prozent an Wert eingebüßt!) die Existenz der Flugwerke infrage stelle. Man sprach von Auslagerungen in jene Länder, wo die Herstellungskosten niedrig gehalten werden könnten - und die ...

Gestern nun die endgültigen Meldungen: China hat dutzende Flugzeuge bestellt, ein riesiger Auftrag, der jahrelange Auslastung gewährleistet.

Es ist bekannt, daß China seit Jahrzehnten eine Politik betreibt, wo die Öffnung ausländischen Betrieben gegenüber immer im Gegenzug mit Knowhow- und Arbeits-/Produktionstransfer nach China verbunden ist.

Aber eines der Beispiele, wie Airbus-EADS konsequent über PR Politik betreibt. Ohne daß man noch wirklich sagen könnte, wo der Sinn dieser Airbus-Geschäfte liegt, außer sich selbst zu perpetuieren. Die Argumente, die dafür sprechen, sind so bekannt, daß sie langweilig sind. Sie sind allesamt Maßnahmen der "geringeren Übel."

Die Fakten, die hier ins Treffen geführt werden, sind jahrelang, ja jahrzehntelang bekannt, zumindest absehbar gewesen. Wenn ich selbst als Unternehmer vor mittlerweile 15 bis 20 Jahren Geschäfte abgeschlossen hätte, wo ich Ware zu Preisen verkauft hätte, die nicht kostendeckend sind - ich wäre wegen betrügerischer Krida ins Gefängnis gewandert.




*271107*

Montag, 19. November 2007

Trotzalter

Es liest sich vermutlich viel zu leicht, ist nämlich völlig ernst gemeint:

Wenn man mich fragt, was das Kennzeichnendste an den Menschen der letzten Jahrzehnte ist, so komme ich nur zu einem Schluß: Wir leben im Zeitalter der Trotzphase.

Es gibt kaum Menschen, die über das Verhalten dieser Drei- bis Fünfjährigen hinauskommen.

Nahezu alles, was an politischen Forderungen im Raum steht, ist aus der Haltung dieses Kindes heraus zu verstehen, das sich unreif in ein neurotisierendes Teilziel verbeißt.

Was ganz anders zu verstehen ist als die berühmte "Haltung des Kindes", die sich auf die Art der Weltoffenheit bezieht.





*191107*

Dienstag, 6. November 2007

Lächerlich schlecht

Was die Bischöfe im Film über Elisabeth I. beklagen, betrifft nahezu ausnahmslos sämtliche und schon gar historische Darstellungen der Katholischen Kirche im Film.

Mangels Bildung, noch mehr aber mangels Verstehen wird die Kirche und alle ihre Thematiken, zumal der Glaube, auf eine grotesk gängige und meist primitive Gerüchte und nicht selten nur verleumden sollende Vorurteile Art gezeigt, die einem Magenkrämpfe hervorruft.

Am stärksten betrifft dies interessanterweise die Drehbücher aus europäischen Werkstätten. Während amerikanische Drehbuchautoren wenigstens ab und an noch bemerkenswerte Darstellungen zuwegebringen.





*061107*

Freitag, 26. Oktober 2007

Prof. Ulrich Lüke zu Evolutionstheorien - Teil II (aus: Zenit)

Der Glaube ist also eine positive Grundhypothese, mit der ich an die Wirklichkeit herantrete...

Mehr noch, er ist die Ermutigung und Ermächtigung zur Forschung. Das Erste Vatikanische Konzil sagt uns: Gott, Ursprung und Ziel aller Dinge könne mit dem Licht der natürlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewissheit erkannt werden. Dann ist die Natur zugleich der Ort, an dem ich etwas über das Sosein und Dasein Gottes erfahren kann. Solch ein Glaube drängt zur Erkenntnis.

Der moderne Naturwissenschaftler erkennt also Gott in den Dingen?

Gott ist kein Gegenstand der Naturwissenschaft. Aber der Naturwissenschaftler kann gewissermaßen als existenzielle Konsequenz, die in sich vernünftig ist, Gott erkennen. Naturwissenschaftliche Erkenntnis ist vielleicht manchmal das Ende eines kindlich gebliebenen Glaubens, häufig aber der Anfang des erwachsen gewordenen Glaubens. Der Anfang der Gotteserkenntnis liegt im Staunen.

Die natürliche Gotteserkenntnis stützt sich aber wesentlich auf die Schönheit der Schöpfung als Kosmos, als geordnetem Ganzen. Wie lässt sich diese Vorstellung mit Zufall und Selektion der Evolutionstheorie vereinbaren? Hatte Einstein unrecht: Würfelt Gott doch?

Wenn ich mir den Körperbau eines Vogels anschaue, so kann ich daraus die Gesetze der Aerodynamik erschließen. Der Vogel selbst hat aber keine Ahnung davon. Er hat auf dem Weg seiner Evolution ohne Bewußtseinsbegleitung gewissermaßen Gesetzmäßigkeiten aus der Umwelt extrahiert und in seinen Körperbau aufgenommen. Dasselbe gilt für Fische, deren Körperbau die Gesetze der Hydrodynamik widerspiegelt, ohne diese zu kennen. Sie verweisen auf eine intelligible Struktur der Umwelt hin. Wenn sich das aus den beiden Stellgrößen mutativer Zufall und selektive Notwendigkeit ergibt, dann gibt mir das zu denken. Es spricht also nichts dagegen, die Natur als Buch der Schöpfung zu lesen. Vielleicht zieht der Schöpfer, wenn er inkognito bleiben will, den grauen Kittel des Zufalls an.

Damit wären wir beim „Intelligent Design“: Das intelligente Design der Wirklichkeit, verweist für diese Denkrichtung aus naturwissenschaftlichen Erkenntnissen auf einen intelligenten Designer, der dahinter steht. Neodarwinisten werfen den Vertretern dieser Richtung vor, sie seien verkappte Kreationisten und ziehen in den USA bis vor Gericht.

Das hat etwas von einem Glaubensstreit unter Fundamentalisten. Ich sehe im Intelligent Design die „Evolutionsform“ eines überholten Kreationismus. Aber auch der Neodarwinismus ist durch die Synthetische Theorie überholt.

Der Mathematiker William Demski hat hier errechnet, dass der Informationsgehalt biologischer komplexen Strukturen viel zu hoch sei, um im Zeitraum der Erdgeschichte allein durch Zufall vollständig zu entstehen.

Um so den Designer nachzuweisen?

Sie versuchen zunächst eine hochkomplexe Zweckmäßigkeit in Organismen nachzuweisen, dann alle bekannten Ursachen für deren Entstehung auszuschließen und schließlich über die Wahrscheinlichkeitstheorie auch den Zufall. Vom höchst zweckmäßigen Design schließen sie dann auf einen Designer. Die nähere Kennzeichnung des Designers, wer es ist und wie er wirkt, lassen sie offen.

Und woran machen Sie ihre Zweifel fest?

Als Naturwissenschaftler denke ich, dass sie Zwischenschritte übersehen, die schon für andere evolutive Prozesse tauglich und vorteilhaft sind. Die Evolution springt nicht vom Boden in den siebten Stock. Ginge man davon aus, dann hätten die Vertreter des ID vielleicht recht. Bei der Entstehung des Auges müssten dann im Sinne der Koinzidenz von Zufällen Millionen von Würfeln „zufällig“ gleichzeitig eine Sechs aufweisen.

Wie würfelt die Natur stattdessen?

Sie hält sozusagen jede Sechs fest und würfelt weiter. Wir benutzen den Zufall doch auch als Innovationselement etwa beim Brainstorming. Dabei schaffen wir einen Pool von Problemlösungen und probieren sie aus. Ganz ähnlich macht es das Genom. Mit einem Teil macht es die alten Hausaufgaben weiter und mit dem anderen begibt es sich auf genetische Exploration. Damit hätte der Zufall eine „klare Aufgabe“. Zu sagen, weil es in der Biologie Zufall gibt, kann es keinen Plan geben, ist nicht zwingend. Wir selbst sind nur Teilnehmer eines Prozesses – siehe Vögel und Fische – die das, was an ihnen passiert, nicht letztlich durchschauen.

Können Sie dies anhand eines Beispiels verdeutlichen?

Wenn ich morgen im Kölner Dom am neuen Fenster von Richter stehe und dort 10 Bekannte von mir ohne vorherige Absprache mit Goethes Farbenlehre unter dem Arm auftauchen, könnte ich sagen: Das ist aber ein Zufall! Dennoch könnte auf Nachfrage jeder nachvollziehbare Gründe für sein Dortsein angeben: Der Eine ist Kunststudent, der andere Germanist mit einer Vorliebe für Goethe, der Dritte schlicht ein Beter etc. Es gibt also klare Kausalitäten. Wo liegt nun der Zufall? Bei diesem Zufall handelt sich also um einen „subjektiven Zufall“, der eigentlich nur die prognostische Inkompetenz des Forschers bezeichnet, aber nicht die absolute Grund- und Ziellosigkeit des Vorgangs. Von dieser Art Zufall ist der biologische Zufall, wie man bei Ernst Mayer, einem „Papst“ der Evolutionstheorie, gut nachlesen kann.

Also kein absoluter Zufall?

Nein, kein absoluter Zufall wie in der Quantenphysik, sondern ein subjektiver Zufall, eine naturwissenschaftliche Kategorie, die man nicht metaphysisch aufladen sollte, wenn man im Bereich der Naturwissenschaft bleiben will. Darüber hinaus aber kann man ihn natürlich deuten.

Ist Intelligent Design also völlig abwegig?

Vielleicht liegt das intelligente Design in der Singularität des so genannten Urknalls. Mit ihm entstanden die vier Grundkräfte: Die schwache und die starke Wechselwirkung sowie die Elektromagnetische- und die Gravitationskraft. Wären die Werte dieser Kräfte aber nur minimal andere, dann hätte es die gesamte Kohlenstoffchemie, auf der die Evolution des Lebendigen gründet, nicht gegeben. Wenn also Leben nur durch diesen schmalen Korridor möglich ist, dann kann dies durchaus auf ein Geheimnis jenseits der naturwissenschaftlichen Wirklichkeit verweisen.

Damit wäre jener Designer also doch mit der Vorstellung eines Schöpfergottes vereinbar?

Wenn Gott für die Kreationisten gleichsam ein Hersteller von Einzelprodukten ist, dann sieht das Intelligent Design in ihm einen Konstrukteur, der die Weltmaschine in Gang setzt und sich selbst den Wartungsvertrag ausstellt, um immer wieder mal einzugreifen: Beim Übergang vom Unbelebten zum Belebten, vom Affen zum Menschen, bei Schritt von Ei und Spermazelle zur Zygote. Der „liebe Gott“ fungiert dann als Weichensteller, als Reparateur oder Lückenbüßer, fast wie eine biologische Größe. Das ist unter der Würde Gottes.

Aber im Sinne einer ständigen Schöpfung, einer creatio continua?

Nur wenn man davon ausgeht, das die Schöpfung aus dem Nichts, also die creatio ex nihilo, und die creatio continua aus der Perspektive Gottes in eins fallen. Die Erschaffung des Seins und die Erhaltung im Sein sind aus der Perspektive Gottes ein und dieselbe Initiative. Gott macht kein Fertigprodukt. Er macht eine Welt, die sich macht.

Wie kann ich Gott dann erkennen?

Man kann ihn natürlich nicht mit Waage, Bandmaß oder Geigerzähler erfassen. Aber der erste Schritt der Gotteserkenntnis ist, wie gesagt, das Staunen. Ich lebe in einer Welt, die ich selbst nicht gemacht habe und lebe als jemand, der sich selbst einem anderem verdankt. So steckt schon in meinem Dasein ein Verweis auf den Geber dieser Gabe. Wann immer ich über Gott rede, er sprengt meine Kategorien und Definition. Ich kann also nur hinweisend, nicht beweisend von ihm sprechen. Gott, das Geheimnis der Welt, übersteigt jederzeit unsere Erkenntnis und unsere Begriffsbildung: „Deus semper major“. Und Naturwissenschaftler wie Theologen sind nur armselige Nach-Denker dessen, was ein unerschöpflicher Vor-Denker zuvor ins Werk gesetzt hat.

[© Die Tagespost vom 20. Oktober 2007]




*261007*

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Prof. Ulrich Lüke zu Evolutionstheorien - Teil I (aus: Zenit)

... Allerdings scheint die Evolutionstheorie nach dem Ende der großen Ideologien für nicht wenige Zeitgenossen als allumfassende Erklärung der Wirklichkeit übriggeblieben zu sein. Sie erheben den Anspruch, alle Lebens- und Wissensbereiche allein evolutionistisch zu erklären. So versuchen zum Beispiel Soziobiologen alles, auch die Religion evolutionistisch zu erklären und damit eine allumfassende Deutungshoheit zu gewinnen.

Wie begründen sie dies?

Sie zerlegen die Religion in die Bereiche Ritus, Mythos, Ethik und Mystik und behaupten, jeder Bereich sei im Rahmen der Evolution von selektivem Vorteil. Demnach stärkt etwa eine gemeinsame Ethik das Vertrauen einer Gruppe oder Gesellschaft. Dies sei dann ein Vorteil gegenüber anderen Gruppen. Oder sie sagen, die Religion fördere ein brutpflegefreundliches Verhalten. Damit ist die Religion für die Biologen lediglich eine populationsdynamische Umwegfinanzierung, sie ist nur insofern wahr, als sie der Evolution dient.

Der englische Biologe Richard Dawkins sieht in seinem soeben erschienenen Werk „God Delusion“, „Der Gotteswahn“ in der Religion hingegen eine evolutionäre Fehlentwicklung, die man bekämpfen müsse.

Wenn er schon einem derartigen Gedanken folgt, müsste er erklären, wie der Homo sapiens in seiner über einhunderttausendjährigen Geschichte ein solch „schädliches“ Verhalten entwickeln und mitschleppen konnte. Das alles ist schlecht durchdacht und dient weniger der Wissenschaft als vielmehr der medialen Selbstdarstellung.

Wo sehen Sie die Gefahren einer Absolutsetzung der Evolutionstheorie?

Die Evolutionstheorie ist eine naturwissenschaftliche Theorie und hat als solche einen empirisch bestimmten Aussagerahmen. Wenn man sie zu einer neuen Metaphysik aufbläst, verliert sie ihre naturwissenschaftliche Dignität. Eine naturwissenschaftliche Theorie, die sich selbst als Ganzes oder auch eines ihrer Elemente, zum Beispiel den Zufall „metaphysiziert“ „metafüsiliert“ sich als Naturwissenschaft selber.

In welchem Sinne?

Sie verstrickt sich schon auf der Ebene der Erkenntnis in unaufhebbare Widersprüche. Den Zufall zur alles entscheidenden Größe in diesem Welttheater zu erheben, ist keine Naturwissenschaft, sondern ein philosophisch unzureichend durchdachtes Glaubensbekenntnis. Wenn alles bis hin zur naturwissenschaftlichen Erkenntnis und zur Religion nur eine Finte der Evolution ist, um die biologische Fitness zu maximieren, dann wird auch die naturwissenschaftliche Erkenntnis selber zu einer Finte der Evolution und der Zirkelschluss ist perfekt. Hier wird versucht, eine metaphysisch überhöhte Evolutionstheorie zur alles umfassenden Megatheorie zu kreieren.

Welche gesellschaftlichen Folgen sehen Sie bei einer ausschließlich biologischen Sicht auf den Menschen?

Der Mensch wird ein biologischer Gegenstand, über den man dann je nach Interessenlage verfügen kann. Das gilt für den Anfang des Lebens, bei der Embryonenforschung, wie für das Ende bei der Euthanasie. Mit einem Geschöpf von unantastbarer Würde gehe ich anders um, als mit einem x-beliebigen Bio-Produkt der Evolution. Wenn angeblich biologische Behauptungen, ein Mann sei von seiner Natur her für mehrere Frauen geschaffen, zur Legitimation eines entsprechenden Verhaltens werden, dann produziert man einen naturalistischen Fehlschluss: Dann wird von einem (angeblich) empirisch erhobenen Sein auf ein moralisches Sollen oder Dürfen geschlossen. Dann bin ich letztlich nicht für mein Verhalten verantwortlich, da ich nur dem biologisch vorgegebenen Trieb folge. Das Ergebnis ist eine Selbstentmündigung und Entwürdigung des Menschen: Er spricht sich selbst die Freiheit ab. Eine Ethik, die sich allein aus Zufall und Selektion begründet, nicht aus Liebe und Vernunft, ist keine Ethik, und das auf grausame Weise.

Angesichts dieser Perspektiven suchen vor allem in den USA immer mehr Menschen ihre Zuflucht im Kreationismus. Inzwischen wurde sogar ein Museum eröffnet. Die Kreationisten setzen auf ein wortwörtliches Verständnis der Bibel, wonach die Welt vor knapp 6.000 Jahren von Gott erschaffen wurde.

Der menschliche Wunsch nach einem geistigen Halt in einer hochkomplexen Welt ist nachvollziehbar. Doch darf dies nicht auf Kosten der Vernunft geschehen. Bei den beiden Schöpfungsgeschichten handelt es sich um Erzählungen, die tiefer liegende, überzeitliche Wahrheiten mitteilen. Sie sind also keine minderwertige Naturkunde darüber, wie es zum Menschen kam, sondern eine hochrangige „Ur-Kunde“ darüber, was es mit dem Menschen auf sich hat. Sieht man in ihnen hingegen naturwissenschaftliche Reportagen, dann tauchen schon auf den ersten Seiten der Bibel Widersprüche auf, da es zwei völlig divergente Schöpfungsgeschichten gibt. Wer in den zweieinhalb- bis dreitausend Jahre alten Erzählungen eine Alternative zu den Naturwissenschaften sieht, hat weder das Eine noch das Andere verstanden.

Dennoch sprechen die Bibel und die Kirche davon, dass sich der einzelne Mensch wie die Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxie dem einen Schöpfer verdankt. Lebt der Gläubige damit in Parallelwelten: Als geliebtes Geschöpf Gottes einerseits und als Zufallsergebnis der Evolution andererseits? Lassen sich Glaube und Naturwissenschaft noch vereinbaren?

Davon bin ich als Biologe und als Theologe fest überzeugt. Solange die Naturwissenschaft tut, was ihr Handwerk ist, sehe ich keinerlei Widerspruch. Glaube verdankt sich ja nicht der Ignoranz: Es ist nicht so, dass die, die viel wissen, wenig glauben müssten und die, die viel glauben, wenig wissen dürften. Jeder – auch der Atheist – glaubt etwas, und er muß mit seiner Ratio über das, was er glaubt, Rechenschaft ablegen. Manchmal stellt man aber fest: Der Theologe weiß, dass er glaubt. Und der Naturwissenschaftler glaubt, dass er weiß.

Welche Haltung hat also die Kirche gegenüber der Naturwissenschaft?

Es ist kein Zufall, daß die naturwissenschaftliche Forschung und ihre technische Anwendung vor allem auf dem Boden der christlich-jüdischen Tradition entstanden ist. Denn Voraussetzung allen Forschens ist ein Grundvertrauen in die Erkennbarkeit der Welt. Wie der heilige Thomas sagt: „omne ens qua ens est intellegibile“, alles Seiende, insofern es ist, ist erkennbar. Alle Naturwissenschaftler, auch jene, die nicht an Gott glauben, gehen zwangsläufig von dieser Grundhypothese aus. Wenn ich nun an einen Schöpfer glaube, der Logos ist, der mit seiner Schöpfung das Vertrauen in die Erkennbarkeit seiner Welt mitliefert und uns nicht dem blanken Chaos aussetzt, dann ist dies die beste Voraussetzung für die Forschung.





*251007*

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Die Jungenkatastrophe - Defizite männlicher Erziehung

56 Prozent der Abiturienten sind mittlerweile Mädchen, was sich bei Studienanfängern fortsetzt. Dafür stellen die jungen Männer die oft deutliche Mehrheit bei Lehr- und Schulabbrechern, bei Selbstmorden (75 Prozent), Schulabsentionen (vulgo: Schule schwänzen), Drogenkonsum, Jugendkriminalität etc.

Frank Beusters hat als Pädagoge an Hamburger Schulen Erfahrungen ausgewertet und in seinem Buch "Die Jungenkatastrophe" dargestellt. Einige seiner Fazits:

Es fehlt Buben mehr als Mädchen an körperlicher Selbstwahrnehmung und Erfahrung, was sich vor allem auf mangelnden Sport, genuin männlichen Betätigungen (auch "kultivierter Aggressionen" in Sportkampfarten wie Boxen) zurückführen läßt (weil damit auch verändert werden kann). Dort lernten sie auch eine "Kultur der Wertschätzung."

Zwar haben auch Buben Träume, doch meist nicht die Kraft, sich zum Erreichen eines Zieles zu überwinden, auch längerfristig zu motivieren. Sie haben nie gelernt, daß man auch etwas tun muß, daß es Überwindung braucht, sie haben nie gelernt, etwas auszuhalten. So erwarten sie mit wenig Einsatz viel Erfolg, wenn sie ein Talent haben, was jedoch nicht zum Erfolg führt. Beusters führt dies auch auf die vielen irreführenden, vor allem von Medien vorgesetzten Idealbildern zurück. Vor allem aber fehlt es an männlichen Begleitpersonen, Vorbildern und Identifikationsfiguren in ihrer unmittelbaren Umgebung. (1 Million Jungen wächst in Deutschland ohne männliche Bezugsperson auf.)

Mehr als Mädchen sind Buben sinnorientiert. Weshalb er schon im pubertären Alter Arbeitserfahrung (Ferien) einfordert.

Ein großes Problem sieht Beusters darin, daß Jungen vorwiegend an Mädchen gemessen werden. Über Männlichkeit aber zu sprechen sei derzeit ein großes "Minenfeld", fast unmöglich und tabuisiert. Genau an dieser Definition aber mangele es.





*241007*

Dienstag, 23. Oktober 2007

Tut Buße und bekehret Euch ...

Das Klimageschwafel nimmt immer beeindruckendere Ausmaße an. Nun gibt es wunderbare Mechanismen, sich von Sünden lossprechen zu lassen (Zustimmung zum Mainstream der Medienhype, deren Zustandekommen übrigens alleine eine bemerkenswerte Geschichte darstellt, die zu beobachten faszinierend ist), Reue zu beweisen und Buße zu tun. Es ist dies einer der Geschäftszweige, denen eine große Zukunft vorhergesagt wird: Der Ablaßhandel. (Der Ablaß bezieht sich auf die Befreiung von Sündenstrafen durch Sühneleistung mittels Geld.)

Unter anderem über das oben mit Link erreichbare Unternehmen können Umweltsünder, die zum Beispiel nach Mallorca fliegen, sich (für den konkreten Fall: mit 15 Euro) mit Geld von den Folgen loskaufen, indem sie dieses Geld für Umweltprojekte spenden. (Verwaltungsaufwand von hier Atmosfair laut Radiointerview: 12 Prozent in Deutschland)

Wer also mit seinem Porsche mal nicht gerade die hochschwangere Frau ins Krankenhaus rast (im Notfall wird das höhere Gut meist sehr rasch sichtbar), sondern zum Sonntagsvergnügen übers Land braust, kann sich das schlechte Gewissen durch Geldüberweisungen, durch welche in Brasilien ein Bäumchen gepflanzt werden kann, das das CO2, das er gerade freistieß, absorbiert, freikaufen.





 *231007*

Samstag, 20. Oktober 2007

Wir leben heute viel kürzer

Der Arzt und Theologe Dr. Manfred Lütz:

"Die Menschen im Mittelalter lebten viel viel länger als wir heute: Sie hatten zwar eine kürzere Lebensdauer hier, aber dafür die Ewigkeit. Wir heute haben nur noch die Phase zwischen Geburt und Tod - und darein müssen wir alles drängen."

"Die Erziehung sieht heute oft so aus, daß wir bis 18 die Hardware aufbauen, um dann die Software aufzupfropfen. Werte sind heute oft nicht mehr als eine Straßenverkehrsordnung mit Chancen für Falschparker."

"Die Psychologie ist unfähig, über die Existenz Gottes etwas auszusagen. (...) Die Sehnsucht nach einer Sahnetorte beweist zwar nicht, daß es eine Sahnetorte gibt. Aber es heißt auch nicht, daß es sie nicht gibt. Die Psychotherapie ist nicht mehr als die (Selbst-)Manipulation auf Zeit auf Geld. Sie ist zudem ständig mit Existentiellem - Liebe etc. - konfrontiert, das sie total übersteigt."

"Kein Kind ist Atheist. Jedes Kind sieht die Welt unter einem Sinnaspekt (Anm.: mit der Frage "warum?")"





*201007*

Spiegelneuronen und tierische Sprache

Die Verhaltensforscherin Julia Fischer im Radiointerview:

"Es scheint so zu sein, daß wir genau dieselben Neuronen ('Spiegelneuronen') im Gehirn aktivieren, wie jene, die wir beobachten und die etwas tun. Das sind mehr als einzelne Neuronen, sondern ganze Verhaltenskomplexe."

"Ich würde es aus meinen Forschungen an Tieren - gerade im Vergleich zum Menschen - so formulieren: Es existiert eine gemeinsame Weltwahrnehmung auch mit den Tieren, aus der aber jeder seine eigene Welt konstruiert."

"Ein Beispiel: Ein (Berber)Affe weist, wenn er auf der Hand sitzt und der Mensch nimmt eine Nuß, dieselben Gehirnströme auf als nähme er die Nuß selbst."

"Es ist eindeutig für mich, daß ein Tier sich fundamental in seiner Kommunikation vom Menschen unterscheidet. Selbst beim Schimpansen, dessen physiologischen Voraussetzungen dem des Menschen sehr ähnlich sind, kennt keine Kommunikation, die sich vom Gegenstand löst, die also abstrahiert. Alle entsprechenden Versuche sind lediglich Formen der Konditionierung, der Verbindung von Erfahrung und Laut oder Geste. Es gibt im Tierreich auch keine hinweisende Geste. Natürlich kann das im Verkehr mit Menschen sehr weit gehen (weil es sich der menschlichen, differenzierteren Welt anpaßt.)"

"Die Verhaltensforschung an Tieren war sehr lange sehr anthropozentrisch, wir haben also alles auf seine Nähe zu menschlichem Verhalten interpretiert. Wenn man sich davon aber löst, wird das tierische Verhalten viel besser deutbar."

"Es wird aus der Verhaltensforschung bei Tieren derzeit viel darüber diskutiert, daß man evolutionär den Zeitpunkt der Entstehung der Sprache beim Menschen viel viel weiter zurückdatieren wird müssen. Mit dem Kernsatz: "Nichts Genaueres über die Sprachentstehung wissen wir eigentlich nicht."





*201007*



Freitag, 12. Oktober 2007

Bericht eines Scheidungsrichters

Jürgen Rudolph, einer der renommiertesten Familienrichter Deutschlands, im Radio-Interview:

Die Scheidungsquote von mittlerweile über 50 Prozent entstehe in erster Linie in den Großstädten - mit 70 bis 80 Prozent Scheidungsquote in Wien (die höchste im deutschsprachigen Raum), Hamburg ... Von den städtischen Randgebieten aus greife die hohe Scheidungsquote zunehmend auch aufs Land über.

Immer sei für zumindest einen der beiden Betroffenen die Scheidung ein umfassender Bruch der Lebensvita.

Für Kinder sei eine Scheidung ebenfalls ausnahmslos ein traumatisches Erlebnis (was Rudolph zu einem Vorkämpfer eines vermitteln sollenden Verfahrens macht, wo die Scheidungsauseinandersetzungen im Vorfeld und von den Kindern getrennt ablaufen sollen, in Deutschland als "Cochemer Modell" bekannt). Eine Folge sei dabei typisch, daß - als Überlebensstrategie - die Kinder die Haltung desjenigen Elternteils übernehmen, bei dem sie verblieben (zumeist also die Frau) Das führt sehr oft zur Dämonisierung des "weggehenden" Elternteils. Hier ließen sich auch die gravierendsten psychosozialen Folgen aufzeigen. Rudolph gebraucht dabei Kinder anbetreffend den Begriff "Mißhandlung", weil die Kinder in einem für sie unlösbaren, von sehr realen Ängsten dominierten Spannungsverhältnis stünden.

Rudolph plädiert deshalb auch für rasche sachliche Auseinandersetzung ("Cochemer Modell", das interdisziplinär alle Faktoren so rasch als möglich zu klären versucht, eine Art umfassendes Mediationsmodell also), weil die reine (solange die Verfahren dauern unentschiedene) Kampfsituation die schwersten Folgen hat und die Konflikte noch weiter verfestigen. Zudem verlagert sich bei länger dauernden Auseinandersetzungen die richterliche Entscheidung zunehmend auf prozessuale Eigendynamiken, verlangt Gutachten etc., wird also ein möglicher Konsens zunehmend unwahrscheinlich.

Die entscheidenden Motive der sich Trennenden in den Scheidungsprozessen seien Verletzungen, wobei schon deshalb die meisten Motive unbewußt wirken, auch gestützt vom jeweiligen sozialen Umfeld. Diese Verletzungen bestimmten auch die Art des Kampfes um die Kinder. Der bei Männern eher über charakterliche Einschätzungen der Frauen, bei jenen über Kriminalisierungen der Männer gehe.

Eine Aussage, ob die Trennung vorwiegend von Frauen ausgehe, könne man nicht treffen. Es läßt sich nur sagen, daß die Frauen in der Mehrzahl die Schritte unternehmen. Die "einfachsten" Scheidungen ergäben die Ehen mit einer Dauer von 5 bis 7 Jahren, die häufig sehr schlicht auf ein "war halt nicht der Richtige" hinausliefen.

Immer unterschätzt sieht Rudolph den "Nachtrennungskampf", auch, wenn wohl Regelungen bestehen, doch Änderungen in den Lebensumständen (neuer Partner z. B.) des anderen eintreten. Wobei nach Rudolph's Einschätzung Männer wie Frauen gleichermaßen, wenn auch anders, unter der Trennung von Kinder litten.

Was in den von Rudolph also verlangten (und in Deutschland zunehmend flächendeckend installierten) Mediationen von Scheidungen "gelöst" wird, bleibt aber gerade angesichts dieser Tatsachen fraglich. Bestenfalls kann es wohl darum gehen, die wirkliche Beurteilung (und DAMIT nämlich Lösung) der Konflikte auch mit rechtlichen Schritten zu verhindern (nicht alle Richter sind ja wohl deshalb bereit, das Prinzip zu übernehmen) - um Schmerz für die Kinder zu vermeiden, seelische Probleme wie unter Eis zu legen. (Etwas, das ich auch den "rainbow-"Bewegungen in Österreich vorzuwerfen habe, so edel ihre Motive auch sonst sein mögen.) Oder nach dem Motto "ist das Problem unlösbar, dann ändere die Sichtweise darauf", das letztlich (wenn es nicht vereinzelte Notmaßnahme bleibt) auf ein anderes Menschenbild zurückgeht.

Sodaß ich auch von dieser Seite in der Auffassung gestärkt bin, daß eine Scheidung - zumal wenn Kinder da sind - im Prinzip unlösbare Fakten und Brüche schafft, die bestenfalls subjektiv überwunden ("... trotz der Scheidung und trotz der Trennung der Eltern") und ins Leben integriert, nie aber behoben werden können. Man kann ja auch lernen, mit einer Krücke noch so weiterzuleben, daß man das, was mit der Krücke noch möglich ist, wahrnimmt.

Aber das heutige Reden um eine gar neue, der alten auf Ehe gegründeten Familie quasi ersatzlos gleichberechtigten "Patchworkfamilie" wird immer als fahrlässig und dumm entlarvt.





*121007*

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Über die Gleichsetzung von Licht und Gott

Das Licht wird (und wurde vor allem) von allen Menschen als das erste und entscheidende Kriterium des Lebens erfahren und erfaßt. Insofern ist es völlig verständlich, daß es in seinem Ausgangspunkt, der Sonne, mit Gott (in vielen Religionen ontologisch) gleichgesetzt wurde und wird. Dieser Gedanke findet sich in nahezu allen Religionen. Und sei es, daß es durch den Begriff der "Erleuchtung" ausgedrückt wird.

Auch das Christentum hat diesen Gedanken somit zentral und wenn es in der Osternacht heißt "Lumen Christi - Christus das Licht", und zu diesem dreifachen Ruf der Kirchenraum allmählich, von der Osterkerze ausgehend, ins Licht emporsteigt, die Welt aus dem Dunkel (des Nichtseins) herausgerissen wird, vom Licht erfaßt wird, so drückt sich dies aus. Über die historischen Entwicklungen nahezu vergessen wurde dieser Gedanke im Kirchenbau, wo die Wandlung "gegen das Licht zu", "auf das Licht hin" geschah, durch die Levitierung (Hebung) der Opfergaben, die (in den realen Gott) aus dem Licht heraus verwandelt werden.

Aus diesem Grund kann man auch nie von "Volksaltar" oder ähnlichem sprechen, dieser Gedanke an sich ist eigentlich lächerlich. Es ging um das Gegenübertreten zu Gott hin. Es ist hinlänglich nachgewiesen, daß dieses Wenden auch des Volkes zur Sonne hin bis ins hohe Mittelalter, ja bis in die Renaissance hin liturgisch üblich war. Erst die stärkere Rationalisierung des Glaubens - deutlich im Protestantismus - hat eine Fixierung der Zelebrationsrichtung über bauliche Maßnahmen (Kirchenbänke) gebracht. Bis hin zur Incarnierung des gesamten Himmelsgeschehens, des transzendenten Geschehens im Barock. Der somit einerseits die Tendenz der scholastischen Metaphysik ausdrückte und verwirklichte, anderseits ihre Gefahren - nämlich genau diese Spiritualisierung, also quasi Entwirklichung, Entfleischlichung des Glaubensgeschehens, das immer mehr in die Vorstellungswelt des Menschen hineinverlegt wurde, wie sie heute geschieht, bis hin zur ontologischen Vergöttlichung des faktischen Menschen an sich, dem nämlich eigentlichen und in praxi ganz rasch häretisch werdenden (auswählenden) Zentralgedanken der "neuen Liturgie" - mit sich brachte.

Das, was das Licht bedeutet, drückt Eigenschaften Gottes aus: Es ist nicht machbar, es ist Urgrund allen Lebens, ja das Leben selbst (ich verweise auf parallele Erkenntnisse der Physik, die hier interessante Fragestellungen aufdrängen, daß nämlich das Licht das von ihm Beschienene, die Form, zu dem dieses erwacht, auf eine Weise mit sich bringt) ist, es ist nur zu empfangen, und es regelt unser gesamtes Leben und Geschehen, aber auch unser Erkennen. Wir können uns ihm nur unterwerfen. Das, was dem Licht also zugeschrieben wird, floß mit der Beschreibung Gottes in eins.

Gott Vater, der im unzugänglichen Licht wohnt ... Und: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott - so heißt es nach wie vor im "großen" Glaubensbekenntnis.

Zugleich erfolgt auch weltweit die Gleichsetzung des Bösen, des Gegen das Sein Gerichteten, mit dem Dunkel.





*101007*