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Samstag, 18. Oktober 2014

Ungebildete Wissensgesellschaft

Mit Bildung, schreibt Konrad Paul Liessmann in "Theorie der Unbildung", hat das Wissen der Wissensgesellschaft rein gar nichts mehr zu tun. Vielmehr wird Wissen utilitaristisch verstanden, und damit reinen Zweckbedingungen unterworfen. Nur, wo Wissen auch anwendbar ist und Nutzen bringt, wird es toleriert, dort wo es sich zur "Information" reeduziert. Aber was unterscheidet den heutigen "Wissenden" vom bloßen Produzenten früherer Epochen, dessen Tätigkeit so selbstverständlich genommen wird, daß er - wie früher die Bauern - nicht einmal als Stand (sondern nur als amorphe, anonyme Masse) gezählt wird?

Bildung geht nicht auf gewußte inhaltliche Details. Sie geht nach dem Warum, nach dem Erfassen von Zusammenhängen und Ursachen, damit nach den Grundlagen der Kultur in der wir leben, und damit im letzten nach der Grundfrage des Menschen, dem Sinn der Existenz. Sie ist kein Anwendungswissen, das sich übernehmen ließe, wie man Kleider anzieht, sodaß der am gebildetsten ist, der möglichst viele Wissensteile wie aus einem Ersatzteillager assembliert. Und auch und schon gar nicht der, von dem es heute heißt, er wisse, wo er Wissen abfragen könne - im Internet, bei Wikipedia, oder in Bibliotheken. 

Die eigentliche Leistung der Bildung muß von jedem selbst erbracht werden, und sie besteht nicht im Ansammeln von Gewußtem, sondern im Verstehen der Untergründe. Deshalb hat Bildung auch eine klare Hierarchie des Wissenswerten. Wer sich in unbedeutendem Wissen verliert, die Rangordnung des von ihm Gewußten im Rahmen der menschlichen Existenz nicht mehr einschätzen kann, lebt in der dringenden Gefahr, den Boden zu verlieren, der ihm ein Ordnung des Gewußten oder Wissenswerten, eine Einschätzung des daran Bedeutenden und Unbedeutenden, überhaupt erst ermöglicht.

Zugleich aber muß man sehen, daß der recht verstandene Bildungsbegriff sehr wohl zu einem gewissen Kanon des Gewußten führen muß. Denn die Pädagogik der Gegenwart tut in einem panischen Umkehrschluß so, als wäre Bildung ein rein formales, technisches Geschehen. Aber jede Bildung kann sich nur auf Konkretes beziehen. Nimmt man dieses Konkrete - so, als müßte man gar nichts mehr im Gedächtnis halten, nichs mehr an Wissen parat haben - so stürzt die Bildung völlig ins Nichts und wird gar nicht zu Bildung, sondern zur bloßen Anwendungsmechanik von vorgeblich Gewußtem. Bildung heißt nämlich, Gewußtes abwägen und bewerten zu können. Dazu aber muß man etwas ... wissen.* Bildung ohne Wahrheit und Wahrheitsbegriff ist deshalb sinnlos. Nur der solcherart in den Grundfesten stabile Mensch vermag auch auf Distanz zum Zeitgeist zu gehen, weil er dessen Relativität erkennen kann. Schule ohne Vergangenheitszugewandtheit, die stattdessen meint gegenwartstauglich (als Verhalten, im Ungang) machen zu sollen, ist deshalb zum Scheitern verurteilt.**

Dagegen aber steht der fatale Irrglaube (der selbst aber bereits Folge viel tieferer Ursachen  ist), die Steigerung des heute ungeordnet "Gewußten" würde auch eine Steigerung der Vernunft der Menschen mit sich bringen. Der Prozentsatz der Menschen, die nach den logischen Kriterien der Wissenschaft selbst denken (und denken können), ist nämlich extrem niedrig. Und er wird auch durch Akademikerquoten nicht erhöht, wenn wie heute Universitätsausbildung immer mehr nur noch heißt, Gewußtes "gleichzuschalten", sodaß Akademiker wird, der sein Denken dem vorgeblich Gewußten angleicht. Mit Nietzsche läßt sich deshalb sagen, daß unsere Schulen und Universitäten sich in "Anstalten der Lebensnoth" gewandelt haben, die im Gegensatz zu den zweckfreien, gerade nicht "aktualitätszugewandten" Stätten der Bildung - als Muße! - stehen. Und sie muß zuallererst Stätte der Muttersprache, der Sprache, des Umgangs mit der Sprache sein.  Denn in der Sprache stecken auch alle Beziehungen zu den Gegenständen der Welt, ihr gilt es sich zuallererst UNTERZUORDNEN. (Nicht, wie im Genderwahn, sie zurechtzubiegen.)*** Denn sie ist das Spiegelbild der Entwicklung einer Kultur.

Noch einen Irrtum widerlegt Liessmann. Den, wo man meine, Wissen (im heutigen Sinn) würde auch das kulturelle Niveau heben und die Art der Gesellschaftsform bestimmen. Das hieße zu übersehen, daß sich Wissensgesellschaften in allen bislang bekannten Gesellschaftsformen herausgebildet haben, im liberalen Amerika genauso wie im nationalsozialistischen Deutschland, dem kommunistischen Rußland oder dem totalitären China. Wissensgesellschaften heutiger Prägung sind also gesellschaftspolitisch "neutral", Diener jedes Herren. Aus ihnen läßt sich nichts ablesen, das sich als Ethos oder gesteigerte Moral definieren ließe. Schon das sollte zu denken geben.

Im übrigen ist die Unwissenheit der breiten Bevölkerung heute um nichts geringer als im so gerne geringgeschätzten Mittelalter. Deren Leben sich auf Anwendung beschränkt. Wer mit einem iPhone umgeht, hat in der Regel absolut keine Ahnung, was sich im Inneren seines Gerätes (oder der hochtenisierten Einrichtungen, mit denen er im Alltag zu tun hat) abspielt, nicht anders als der mittelalterliche Bauer bei seinen einfachen Maschinen. Das tägliche Tun bleibt irrational und dumpfe, fast magisch zu nennende Anwendung.



*Genau hier hinterläßt auch der Liessmann'sche Bildungsbegriff eine Lücke, die er bestenfalls durch fast zufälligen Pragmatismus überbrücken kann. Es ist kein Zufall, daß Liessmann das Hegel'sche (immanentistische, historizistische) Konzept von Geist hervorhebt. Das macht ihn zwar zum guten Polemiker, aber letztlich nicht überzeugend, weil er den Ort, von dem aus er kritisiert, selbst nicht verankern kann. 
Aber alles Gewußte ist letztlich ein für wahr Gehaltenes, ein Geglaubtes - man "weiß" (rational) nicht, sondern man glaubt in einem vorgängigen Akt, daß etwas gewiß sei. Die Begegnung mit der Wahrheit aber ist ein personaler Akt, ein Akt des Annehmens und Vertrauens, kein Resultat logischer Operationen. Eher einem Licht vergleichbar, als einem Denkprozeß. Auch Logik kommt ohne eine solcherart fundierte personale Wahrheit, als sittlichem Akt, nicht aus. Eine Gesellschaft, die auf einen personalen Gott also verzichten zu können meint, fällt unweigerlich in sehr handfeste Dummheit. Und ihre Wissenschaft kann gar nicht anders enden als im immer engeren Pragmatismus. 
Wer die Entwicklung der abendländischen Wissenschaft nicht aus dem Katholizismus heraus begreift, versteht deshalb auch die Wissenschaft falsch, schätzt die Wende zur Moderne (ab dem 16. Jhd.) falsch und singulär ein. Und DAS begründet die richtige Feststellung Liessmann's, daß Bildung heute gar nicht gelingen DARF, weil sich sonst ihr Ungenügen zur Weltdurchdringung offensichtlich machen würde. Die Bildungsmanöver der Gegenwart sind deshalb großangelegte Selbstbetrugsmanöver.

**Darin liegt der Sinn des Studiums der Antike und ihrer Sprachen, hier läßt sich tatsächlich an das humanistische Bildungsideal anschließen. Wer sich mit der Antike eingehender beschäftigt, die uns doch so umfangreich vorliegt, wird wenigstens den Wahn verlieren, daß unsere Zeit alles anders und besser mache. Aber dieses Studium der Alten läßt sich nur exemplarisch vollführen, am Konkreten also, das es damit im Gedächtnis zu wissen gilt. Es gibt Bildung also nicht ohne Wissen, nur ins Gewußte hinein wie aus diesem heraus kann sich Geist, als personale Bewegung der Freiheit, entfalten.

***Karl Kraus geht sogar so weit zu sagen, daß wenn aus dem Deutschunterricht der Schulen nicht Ekel vor dem Journalismus bzw. seiner Sprache erwächst, war er auf jeden Fall umsonst.




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Amerikanische Kultur

Chet Baker - "My Funny Valentine" (1987)







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Freitag, 17. Oktober 2014

Auf abschüssiger Bahn rutscht alles bergab

Wie Dominosteine fällt allmählich ein Kulturgut nach dem anderen, und die Logik mit der dies geschieht ist nahezu zwingend. Fehlen die Fundamente, ist unser Kulturhaus falsch gegründet, ist bald nichts mehr haltbar. Nun hat der deutsche Ethikrat die Freigabe von inzestuösen (Geschwister-)Beziehungen zur Aufhebung empfohlen. Derzeit ist das Inzestverbot noch durch das Strafrecht abgesichert. Die eigentlichen Einhakpunkte, Argumente finden sich im entsprechenden Artikel der FAZ aber nur in Nebensätzen, oder bleiben ungeschrieben. Und mindestens genauso erschreckend ist die Unfähigkeit der Politik, darauf fundiert einzugehen.

Wenn nämlich der Ethikrat meint, es sei nicht zulässig, eine abstrakte kulturelle Form - außerfamiliäre "Liebe" - zu schützen, dann zeigt sich weit mehr als eine partielle Verirrung, vielleicht noch in irgendwelchen Moralismen verankert, deren Begründungen quasi heute längst alle weggefallen sind.

Weggefallen, weil sich mit Utilitarismen, mit Biologismen (die wiederum auf Utilitarismen reduzierte Kausalzusammenhänge sind) keine Kultur begründen wie aufrechthalten kann. Denn natürlich ist das Argument, daß sich aus Inzest höhere Wahrscheinlichkeit für Mißbildungen ergeben, kein wirkliches Argument. Wer es bislang darauf reduziert, verkannte die Sache genauso, wie der Ethikrat - die Spitze des Eisbergs gesellschaftlicher Strömungen - wenn er argumentiert, daß sich im Zeitalter der pränatalen Diagnostik Empfängnis und Schwangerschaft nicht darauf einschränken ließe. Klartext: Unter der Erlaubnis, mißgebildete Kinder abzutreiben, sind auch solche Betriebsunfälle nur noch unbedeutende Fehler, die sich beseitigen lassen. Auch Mukoviszidose ist ja vererbbar, und entsprechend diagnostizierter Nachwuchs im Mutterbauch problemlos zu entsorgen. Ja, es stimmt, Genetik ist kein Argument.

Aber genauso wenig ist es eine Rechtsordnung, die das Strafrecht nur in momentaner Sitte verankert sehen will. Im Recht gibt sich ein Volk, ein Staat nämlich, nicht einfach die Sanktionierung seiner momentanen Lebensordnung, sondern die kulturschaffende Funktion des Rechts, deshalb die kulturelle Höhe einer abstrakten, formulierten Rechtsordnung überhaupt, zeigt sich genau darin, daß es gerade Normen festlegt, die zwar im Alltäglichen durchaus einmal gebrochen werden, die aber der Entfaltung des Menschen entgegenstehen. Wir befinden uns also in einem grundlegenden Streit der Anthropologien!

Das Argument gegen den Inzest ist nämlich anthropologisch verankert, und nur dort hält es: in Gesamtbetrachtung des Menschen und des Sinns seiner Existenz selbst. Wir stehen also vor den Trümmern einer Anthropologie, die selbst bereits Folge eines Verfalls ist. Deshalb ist es eines der historischen Zeichen einer gewissen kulturellen Höhe auch der Einzelnen eines Volkes, wenn der Inzest tabuisiert, verboten, dem Zufälligen momentaner Gefühle (die noch dazu von Minute zu Minute schwanken, schwächer, stärker sind) entrissen ist. Dies mit "biologischen Überlebensvorteilen" zu argumentieren, wie heute als fatale Folge des darwinistischen Kurzschlusses allgemeine Lesart geworden ist, entstammt selbst bereits der Dekadenz. In dem der englische Krämergeist aus Nutzen & Vorteil sich als Lebenshaltung auch zur Grundstruktur des Denkens entfaltet hat.

Die Aufgabe, der Sinn des Menschen ist, sich die Welt geistig anzueignen, was so viel heißt wie: weiter werden, immer weiter, bis er eben die ganze Welt in sich trägt. Und dazu ist die Sexualität in besonderer Weise Stufe. Denn in der Ergänzung durch das andere Geschlecht, in der jeder Mensch ganz zu sich kommt, bis in seine tiefsten Winkel hinein, ist es ein hohes kulturelles Gut, inzestuöse Bindungen zu verbieten, weil sich so die Selbstwerdung logisch beschränkt. Weil es nicht ins Fremde, Andere hinausgeht, sondern im Gleichen, in weit höherem Maß in sich selbst bleibt. Das betrifft insbesonders Inzestverbindungen von Eltern und ihren Kindern. Auch die übrigens scheint der deutsche Ethikrat nicht auszuschließen, er habe sich, so die FAZ, dazu nicht geäußert. Und es wäre ja nur logisch, wenn es nichts "Abstraktes" mehr zu verteidigen gilt. Erbschäden sind aber nur noch eine sekundäre Folge davon, weisen nur darauf hin, sind nicht das primäre Problem, das es zu vermeiden gilt.

Es geht um das Weiterwerden. Wird Inzest unter Geschwistern (und die Einschränkung auf "Erwachsene" macht gar nichts mehr besser daran) freigegeben, fehlt bereits der kindlichen und jugendlichen Erziehung das Ziel - das HINAUS, das FORT, das IN DIE WELT - und damit die entscheidende Grundlinie jeder Erziehung. Nur aus diesem Hinaus aber entsteht Kultur, ja - entsteht überhaupt Welt. Insofern trifft sich der Inzest in direkter Linie etwa mit der Haltung zur Homosexualität. Und auch Mißbrauch, über den sich so scheinheilig alle entrüsten, nach wie vor, ist unter dieser Argumentation nicht haltbar. Die Zeiten dämmern bereits, in denen er auch offiziell zur Norm wird. Inoffiziell ist er es ohnehin bereits.

Deshalb ist auch "Liebe" kein Argument, an deren Unerfülltheit Geschwister eventuell leiden würden. Denn die Liebe, selbst wenn zu ihrem Wesen gehört, daß sie "passiert", ist nicht etwas, das einfach passiv hinzunehmen ist. Sie ist in der menschlichen Form eine "abstrakte" Kulturleistung, die es zu erlernen, in die es hineinzuwachsen gilt. Am anderen, an der "Feindesliebe". Sie ist ein Werk, in der sich der Mensch zur Geistigkeit hebt. So baut die Ehe also Kultur im Kleinsten beginnend auf. Das Ziel der Ehe geht über die bloße (utilitaristische) "Dauerhaftigkeit" ja weit hinaus, wie an dieser Stelle bereits betont wurde. Sonst wären Schwäne die besseren Menschen.

Daß jede Weltwerdung, jede Schöpfung Schmerzen kostet, Geburtsschmerzen, ist in ihrem Wesen bedingt. Jede Werdung, alles Neue, braucht ein gewisses Maß an Gewalt und Schmerz. Sonst wird nichts Neues. Zu jammern also, daß es an Innovationen fehlt, ist in dieser Kulturstimmung, in der wir uns offenbar bereits befinden, einfach nur noch lächerlich. Es kann gar nicht anders kommen, eines hängt mit dem anderen zusammen. 

Wenn wir heute schon in allem nur noch Schmerzvermeidung suchen und das gar als ethisches Gebot hochhalten, werden wir mit völliger Sicherheit nur noch eines erreichen: Das Zurücksinken auf eine Stufe der Primitivität, der Kulturlosigkeit, die nämlich "abstrakt" ist, was sonst, weil geistig, die wir noch vor fünfzig Jahren mit Entsetzen quittiert hätten. In die unsere heutige "Normalität" aber nach und nach bereits hineingeschlittert ist.



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Kultur


Gesehen auf everyday_i_show






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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Erziehung zum geistlosen Analphabetentum

Ein hervorragender Artikel aus der Feder von Konrad Paul Liessmann fand sich dieser Tage in der FAZ. Liessmann bespricht darin die bereits erschreckend fortgeschrittene und allgemein werdende Unfähigkeit, sich schriftlich, sprachlich auszudrücken. Selbst Universitätsstudenten erschrecken mittlerweile, wenn sie schriftlich und in ganzen Sätzen Inhalte zum Ausdruck bringen sollen. Das aber beginnt in den Volksschulen, die von einer Spracherlernung weg hin zu einem "Problemlösen" gehen, in der die Sprache bestenfalls auf Informationsträgerqualität eingeschränkt wird. Kommunikation wird damit auf rein sachliche Information reduziert, die Sprache immer extremer simplifiziert.

Schuld hat eine Didaktik, die das Kind nicht "traumatisieren" will, indem es mit Rechtschreibung konfrontiert wird. Jeder soll "nach Gehör" schreiben, und sich so seine eigene Grammatik und Rechtschreibung zusammenstoppeln.

Aber Sprache ist mehr. Sie ist nicht angeboren, und das verweist auf ihre Rolle als Kulturträger. Wozu aber braucht der Mensch Kultur? Das ist die eigentliche Kernfrage, die Liessman hier aber nur streift, wenn er schreibt, daß Menschen, die sich nicht mehr der Sprache überlassen können, die nicht mehr durch Sprache denken können, zur Geistlosigkeit verdammt sind. Dazu braucht der Mensch Kultur, in ihrer Untrennbarkeit von allgemeiner Kultur, und dabei: von Sprache.

Diese muß erlernt werden. Erst dann wird klar, daß die Sprache selbst ein geistiger Schatz ist, aus dem nur der zu schpfen vermag, der ihre Logik, ihre Grammatik beherrscht. Denn in dieser steckt geistiger Inhalt, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde und wird. Oder nicht. Das erfährt aber nur der der begreift, daß Sprache nicht einfach nur subjektive Gedanken ausdrückt, sondern in sich eine Dynamik trägt, die DURCH Sprache, durch das Schreiben denken macht. In dem Moment, in dem man sich ihr ausliefert, und ihre immanente Logik, im Dialog mit eigenen Impulsen, entfalten läßt. Logik ist die bereits fleischgewordene Welterkenntnnis, ihr zu folgen ist wie an ihrer Hand die Welt zu erfahren, und im Erkennen sich ihr gegenüber verhalten zu können.

Nicht zuletzt wird durch die schulische "Pisa-"Didaktik eine Generation nach der anderen von den Schätzen der Literatur unserer Sprache abgekoppelt. Sie können sie nicht mehr heben, sie können sie nicht mehr begreifen, weil sie verlernt haben, daß sie von Sprache geformt werden - nicht, sie formen. Diese Richtungsumkehr ist es auch, die der VdZ schon vor zwanzig Jahren heftig kritisiert hat, als mit der grotesk verworrenen Diskussion um die schließlich verordnete Rechtschreibreform, deren Ziele vor allem diese nun auf uns zurückfallende Simplifizierung waren, die Richtungsumkehr im Verhältnis zur Sprache (aber überhaupt zu jedem zu Erlernenden) in Wahrheit zur Diskussion stand. 

Plötzlich wurde Sprache zu etwas beliebig von jedem Kind bereits Machbaren, als wäre sie in jedem je neu geboren, und kein Kulturgut, das es zu schaffen galt und gilt, und an dem jeder, der dieser Sprache mächtig ist, im Maß seiner Sprachbeherrschung wenigstens theoretisch teilhaben kann, indem er ihrer mächtig wird. Unter dem Totschlagwort "Erlernen von Kritikfähigkeit" sieht sich heute stattdessen jeder Fünfjährige bereits ermächtigt, selbst zu entscheiden, was sinnvoll ist und was nicht. Damit bleiben die Menschen aber im Stadium der Kleinkinder gefangen, sie werden bestenfalls durch Schicksalsschläge über diese Grenzen getrieben. Wer aber in sich bleibt, in seinen Ansprüchen und Antrieben gebunden bleibt, kann sich nie zum Geist erheben.

Liessmann schreibt, daß wir heute bereits an den Schulen direkt und methodisch Analphabetismus erzeugen. Schon jetzt können viele Kinder und Jugendliche nicht mehr mit der Hand schreiben, bestenfalls Tasten einer Tastatur bedienen oder simple Zeichen von sich geben. Die kulturelle Verarmung, auf die wir hier zusteuern, ist gar nicht drastisch genug ausmalbar.

Der Mensch hat (in gewisser Hinsicht) die Aufgabe, sich selbst zu schaffen. Aber er kann es nicht "aus sich", sondern er muß sich als Teil einer Kultur schaffen. Sie ist erst das Material, in das hinein und vor allem aus dem heraus sich Menschsein konkretisieren kann. Anders IST es nicht mehr als unerfüllter, im Fortgang des Lebens nicht mehr ordenbarer Anspruch. Anders wird auch nicht das, worum es angeblich heute allen geht: Freiheit, die sich nur aus der Geistigkeit in lebendige Gestalt erheben kann. Hinter der Didaktik des Schreibens, wie sie heute praktiziert wird, steckt also die altbekannte Feindschaft der Kultur gegenüber, die ohne Tradition ins Nichts fällt.

Die Gestalt der Freiheit ist selbst dynamisch. Sie wird erst in der Bindung sie selbst, und damit wirklich weil konkret und real. Sie ist erst vorhanden, wenn sie vollzogen wird. Nicht, wenn der Mensch entbunden von allen Regeln und Vorgaben einfach sich selbst überlassen bleibt. Denn er ist kein erster Schöpfer, der sich eine beliebige Welt aus dem Hut zaubern kann! Glaubt er das aber, wird er ohne es zu merken impotent, dreht sich in sich selbst - und in seinen Unfreiheiten und Getriebenheiten. Denn Freiheit heißt in erster Linie, "von sich selbst" frei zu sein. Erst dort entsteht Geist - im freien Verhalten zu eigenen Antrieben, im sachgemäßen Gestalten von Welt. So muß Objektivität verstanden werden, als Freiheit zur Objektgemäßheit, als Freiheit von subjektivistischer Getriebenheit.




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Als der Krieg noch ehrenhaft geführt wurde

Pizzighettone; Brücke über die Adda
Carlo Goldoni berichtet aus eigenem Erleben von einem Waffenstillstand während der Belagerung von Pizzighettone 1733, wo Franzosen und Sardinier die eingeschlossenen kaiserlichen Truppen bekämpften (und die lombardische Stadt schließlich einnahmen):

"Alsbald wird eine Brücke über die Bresche geworfen, die eine Verbindung zwischen Belagerten und Belagerern herstellte. Überall wurden Tafeln gedeckt und Offiziere bewirteten einander abwechselnd, draußen und drinnen, unter Zelten oder Bäumen, überall gab es Bälle, Unterhaltung und Konzerte. Die Bevölkerung der Umgebung traf ein, zu Fuß, zu Pferde und in Kutschen, aus allen Richtungen trafen Lebensmittel ein, Überfluß wurde sehr bald sichtbar ... Es waren fröhliche Stunden, eine reizende Begegnung."




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Mittwoch, 15. Oktober 2014

Amerikanische Kultur

Tim Buckley - "Sweet Surrender"
aus der LP "Greetings from LA" (1972)

Buckley starb 1975, aus einem Versehen: Ein Freund hatte ihm ein weißes Pulver angeboten. Buckley hatte es in der Meinung, es sei Kokain, in der entsprechenden Menge durch die Nase aufgesogen. Es war aber unverschnittenes Heroin. Wer den Film "Pulp Fiction" kennt, kann sich diese Szene gut vorstellen. Dort kann John Travolta Uma Thurmann noch durch eine spektakulär durch die Brustplatte durchgetriebene Adrenalinspritze retten. Der Frau von Tim Buckley, und dann dem Spital, gelang das freilich nicht: Am Nachhauseweg brach er mit Herzversagen zusammen und konnte trotz Notaufnahme im Krankenhaus nicht mehr gerettet werden.







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Dienstag, 14. Oktober 2014

Film zeigt Wirklichkeit

Ein bemerkenswertes Filmchen, das zeigt, was Fernseh-/Filmbilder tun. Von denen immer noch geglaubt wird, daß sie "objektive Wirklichkeit" zeigen. Das tun sie aber nie. Sie zeigen eben immer die Wirklichkeit - und die ist immer unsichbar. Sie ist die Interpretation, der die sinnlichen "Fakten" der Welt nur dienen. Ein Ordnungsgefüge, in das Daten eingeordnet und damit zu Fakten, zu "Beweisen" werden. Man lügt nicht durch Daten, man lügt durch erzählte Wirklichkeiten.

Betrachten Sie die Entstehung eines Dokumentarfilms über eine sensationelle Geschichte: In Rußland gibt es Gruppen, die in Kriegsspielen ihr eigenes Leben riskieren ...









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Versinkende Kulturarchive

"Sie werden immer weniger, die Privatbibliotheken," meinte einmal ein Antiquar zum VdZ. "Wenn es viel ist, bin ich in der Woche noch ein oder zwei mal zur Besichtigung einer Bibliothek eingeladen, bzw. soll sie schätzen, um sie zu kaufen. Vor 30 Jahren bin ich täglich mehrmals unterwegs gewesen, aus demselben Zweck. Da hatte noch jeder Bürger seine Bücher, und kam man zu einem mit akademischen Weihen, konnte man mit ganzen Bibliotheken rechnen, die er im Laufe seines Lebens angelegt hatte. Wenn der verstarb, kam für die Hinterbliebenen oft sogar das Problem der Zusammenlegung von Bibliotheken, also mußte man einen Teil oder alles verkaufen. Wenn man heute zu jungen Menschen hinkommt, und dabei sind akademische Tiel so häufig wie noch nie, fragt man sich: Wo haben die ihre Bücher versteckt? Wenn es hoch kommt, steht irgendwo ein Regal mit ein paar Taschenbüchern. Von denen sie gerade einmal die gelesen haben, die sie fürs Studium unbedingt gebraucht haben. Aber die kauft man nicht. Einen Markt für häufige oder alltägliche Bücher gibt es nicht mehr. Wobei auch Kenner-Käufer immer rarer werden."

Es gibt in Wien Kooperativen von Antiquaren, die gemeinsam riesige Lager mit hunderttausenden Büchern unterhalten. Aber sie sind kaum noch verkäuflich, meist nur noch übers Internet, und auch hier fallen die Preise (für Alltagsware überhaupt) ins Bodenlose, sodaß sich auch eine digitale Aufbereitung für Internet-Verkauf nicht mehr lohnt. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Zahl der Antiquariate, die Verkaufsläden unterhalten, um 80 % reduziert. Die Käufer "schöner Einbände" sind den Verbliebenen oft letzte Stütze der Existenz.

Warum die verbliebenen weitermachen? Einige wenige leben von den Lagen ihrer Lokale, etwa neben Gerichten, wo Rechtsanwälte oder Richter vorbeikommen, die auch noch etwas mehr Geld für spezielle Ausgaben oder seltene Bücher ausgeben. Der Rest? Lebt oft gar nur vom Idealismus. Einer jener meinte einmal: "Ich sehe mir einen Kulturauftrag, auch wenn es so wenig geschätzt wird. Aus Gewinnsucht mache ich das sicher nicht." 

Wobei das Wissen mancher Antiquare über Geschichte und Rang von Büchern, Auflagen, oder die kulturgeschichtliche Bedeutung und Entwicklung von Verlagen beeindruckend ist.

Buchhändler (und Verleger) war aber immer ein Beruf, den man nicht aus Gewinnsucht betrieb. Gewinn war bestenfalls notwendig. Sondern weil man die Menschen, die Kultur liebte. Liest man Julien Green's Tagebücher (der Franko-Amerikaner Green, der übrigens in Klagenfurt begraben ist, hat selbst eine Bibliothek angesammelt, die gegen sein Lebensende an die 13.000 Bände enthielt), erhält man einen Eindruck, was "bouquinistes" einmal geleistet haben. Denn die waren - und nicht selten war ihr Laden nicht größer als der Handkarren, mit dem sie irgendwo Aufstellung nahmen - nicht einfach "Verkäufer", Buchhändler mit Geschäftsplänen, die waren geistesgeschichtliche Archive in Person. Lasen meist selbst in Permanenz. Kannten Bücher, Autoren, geistige Linien, Entwicklungen. Man ging nicht in eine Buchhandlung - man ging zu einem Buchhändler. Green erzählt nicht nur einmal von tiefsinnigen Gesprächen, und Empfehlungen, die er so erhielt und ihn weiterbrachten. Sie haben das geistige Klima der Stadt und des Landes mit gestaltet.


Aus einer Verkaufsanzeige auf willhaben.at - Photorechte also privat



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Montag, 13. Oktober 2014

Merkwürdigkeiten (in eigener Sache)

Anfang Oktober waren bereits sämtliche (auf je verschiedenen Servern liegende) Homepages des VdZ gehackt und manipuliert, daraufhin von Providern und Suchmaschinen blockiert worden. Nach fast einem Tag Arbeit waren die Seiten am letzten Donnerstag wieder repariert und freigegeben. 

In der vergangenen Nacht war das Blog- bzw. Mailkonto dran. Doch konnte google erfolgreicher abwehren, hat die Einbrechversuche (vermutlich schon nur deshalb, weil von einem anderen Computer aus als üblich Zugang versucht wurde) offenbar bemerkt und sämtliche Zugänge vorbeugend gesperrt. Dadurch ist das Blog aber einige Stunden nicht erreichbar gewesen. Auch dieses Problem ist mittlerweile behoben.




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No more comment (Rußland und Deutschland)

Der VdZ würde auch gerne amerikanische Gegendarstellungen hier vorstellen. Aber - es gibt sie nicht. Es fehlt eine artikulierte, differenzierte westlich-amerikanische Vision, eine Formulierung des Zieles westlicher Politik, die über die Mediendarstellungen (die das zum Teil also übernehmen) und über indifferente Schlagworte hinausgeht. Was will der Westen, was wollen "wir" - repräsentiert durch unsere Politiker - überhaupt? Wie soll unsere Zukunft aussehen? Wie wollen wir sie gestalten?

Der VdZ sieht sich hier wie selten sonst in der Tradition seines Vaters stehend, der - als Christlich-Sozialer bis in die Wolle, der jeden Sozialismus aus tiefstem Herzen ablehnte, der genau deshalb auch gegen Hitler aktiv war - sich mit den Russen als Besatzer aber bestens verstand und als erster Bürgermeister nach 1945 viel für seine Heimat herausholte, das ihr gar nie bewußt wurde. Sogar dieses Heimatdorf, eine bekannte Nazi-Hochburg, vor Vergeltung bewahrte. Der in einer Zeit, als die Sozialisten die nach 1945 von jeder demokratischen Beteiligung ausgeschlossenen Nazis mit allen Mitteln zu rehabilitieren suchten, um an die Macht zu kommen, sogar eine Zeitung gründete, in der er versuchte, über diese Fälschung der Zukunft wie der Vergangenheit aufzuklären, um gesunde Wurzeln wieder mit Leben zu erfüllen. Der Mut hatte, sogar zu viel Mut, sodaß ihn sogar seine eigene Partei verriet*, weil sie sich gleichfalls längst zu arrangieren begonnen hatte.









*Und Verrat ist Charakteristik der ÖVP bis zum heutigen Tag geblieben.




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Eine wahre Erfolgsstory (2)

Teil 2) Die Folge amerikanischer Sendung - Chaos und Sieg der Brutalität




Nach 1865 war der Süden wirtschaftlich nachhaltig runiert. Die Plantagenbesitzer waren verarmt, die Felder unbestellt, die Farmen zerstört, die Infrastruktur nicht mehr vorhanden. Ein Teil der nun "freien" Sklaven wanderte nach dem Norden aus. Dort fand aber nur ein kleiner Teil Arbeit in den Fabriken. Der größere blieb ohne Lebensunterhalt, und die Menschen gründeten die Slums, wie wir sie heute kennen.

Der andere und größere Teil der früheren Negersklaven blieb im Süden. Dort war er ja daheim. (Ein Gefühl, daß die prinzipiell nomadische, wurzellose innere Struktur der Protestanten kaum kennt.) Aber dort blieb er auch ohne Arbeit, denn die Plantagen und Haushalte und kleinstrukturierten Unternehmen, in denen sie früher gelebt und gearbeitet hatten, gab es nicht mehr. Und nichts stattdessen. Hunger ging um, Epidemien griffen um sich, die Neger starben wie die Fliegen. Es gibt Schätzungen, daß alleine 1865 mehr als 200.000 Neger starben. Frei, aber ... tot. Die örtlichen Regierungen wurden abgesetzt und durch nordamerikanische Generäle ersetzt. 1866 erhielten die Neger des Südens Bürgerrechte ihrer jeweiligen Staaten (eingen hunderttausend Weißen wurden sie hingegen entzogen.) Nun konnten sie auch als Soldaten eingezogen werden. Die Südstaaten wurden dabei sogar aus den USA entlassen. Mehr hatten sie zuvor ja gar nicht gewollt! Womit der Norden - eiderdautz - sogar bestätigte, was er zuvor sogar als Kriegsgrund angesehen hatte: Daß die Staaten tatsächlich Hoheitsrechte hatten, die die USA eben zu einem Staatenbund, nicht zu einem Bundesstaat machten.

Plötzlich aber standen sich mehr Schwarze als Weiße bei Wahlen gegenüber. Erstere hatten natürlich einen gravierenden Nachteil - sie waren ungebildet, kaum einmal des Lesens und Schreibens kundig, und damit willkommene Opfer von Demagogen. Chaos und wilde Szenen beherrschten die Lokalparlemente. (Die einzige, die ruhig lebte, war die Verfasserin von "Uncle Tom's Hut", Harriet Beecher-Stowe.)

Die Landverteilung durch den Norden, als Gegenmaßnahme, ging einfach: man belegte die (weißen) Grundbesitzermit so hohen Steuern, daß sie diese nur bezahlen konnte, indem sie Land abstießen.* Die Grundpreise verfielen. Und wer nicht verkaufte, wurde halt von den Generälen (als Regenten) enteignet. Und in Massen fielen Glückritter aus dem Norden - "Taschenfüller" genannt - ein, die von diesen Maßnahmen und dem Wirrwarr kräftig profitierten. Der Gouverneur von Lousiana, der ein Jahresgehalt von 8.000 Dollar bezog, schaffte es so, in einem Jahr 100.000 Dollar "zu sparen".

Das besserte sich erst, als 1877 die "carpetbaggers", die Taschenfüller, und die Besatzungstruppen den Süden wieder verließen.  Da liefen längst in Chicago die ersten Fließbänder der Wirtschaftsgeschichte, Teil eines Wirtschaftssystems, das sehr bald und um jene Zeit die gesamte europäische Wirtschaft so unter Druck zu setzen begann, daß auch diese mehr und mehr nachspringen mußte. Namen eines neuen Geldadels wie Rockefeller oder Carnegie, Vanderbilt (Reedereien) oder Harriman (Eisenbahnen), tauchten als neue Milliardärsklasse (des Nordens) auf. Und der ganz Amerika bald beherrschende Bankier Morgan hätte jederzeit einen (gedeckten) Scheck ausstellen können, der doppelt so hoch war wie der, der dem deutschen Kaiser möglich gewesen wäre. Guggenheim wurde reich mit Erzgruben, und Armour erfand das Konservenfleisch, in Massen durch Massenfütterung erzeugt, das in Folge die gesamte europäische (kleinstrukturierte) Landwirtschaft umstürzte und sämtliche Produkte qualitativ völlig veränderte. Allesamt ... Nordstaatler. Allesamt hatten sich mit brutalsten Methoden von Einwanderern zu Milliardären "hochgearbeitet". Pardon - sie waren ehrbar und tüchtig, und haben nur "Marktlücken" entdeckt und gefüllt. Den Krieg hatte die Wallstreet gewollt, finanziert und geführt.

Unter dem Präsidenten Grant (1869-1877) - einem früheren General - schrieb der deutsche Gesandte in Washington, Kurd von Schlözer, in einem Bericht an Berlin: "Unter einer Republik dachte ich mir als Schüler, wenn uns die Tugenden des antiken Republikaners vorgertragen wurden, daoch etwas anderes als das, was man hier erlebt. Schwindel über Schwindel; in der Regierung Bestechung, Betgrügereien, Diebstahl von seiten der höchsten Beamten. Die Pareimaschine arbeitet mit Hochdruck; das Wohl des landes steht im Hintewrgrund. Diese Union ist eine Republik, die durch Korruption auf Betriebstemperatur gehalten wird." Ein Begriff wurde mit einer neuen Inhaltlichkeit gefüllt: Der Kapitalismus wurde zur Übernahme der Regierung durch die Hochfinanz. Politik wurde zur Wirtschaftspolitik, von Unternehmen für Unternehmen.

Und was passierte mit den 1877 aus dem Süden in den Norden zurückströmenden Soldaten? Ihr für ein normales Leben unbrauchbar gewordener Charakter wurde durch "Lösung des Indianerproblems" befriedigt. Denn die Wirtschaft brauchte ... Infrastruktur. Bahnlinien. Tempo. Zeitersparnis. Vernetzung. Land. Ein ganzes Volk, die Indianer, wurde, völlig rechtlos, schlichtweg vertrieben.**

Gut, es waren keine Negersklaven mehr da, die man befreien hätte müssen. (Die Neger im Norden hatten eine sozial so niedrige Stellung, der eine Verachtung, ja eine Abscheu folgte, die sie im Süden überhaupt nie gehabt hatten.) Nun zeigten die Helden der Freiheit, wie Buffalo Bill, den wahrhaftig großen Häuptling der Sioux, Sitting Bull, in einem Käfig in Zirkusshows.

Eine neue Philosophie durchtränkte das Land. Nicht Denken oder Ethik entscheiden über Wahrheit und Lebenswert, sondern der Erfolg.




*Die Willkür gegen die Weißen war fast grenzenlos (weil nicht nur möglich, sondern gewollt). Viele waren so verarmt, daß sie - in einer Schlange mit ihren früheren Sklaven - um Essen bei den Sozialstellen anstehen mußten, aber oft gar nichts erhielten. SO ist die Entstehung von Selbsthilfeorganisationen wie dem Clu-Clux-Clan zu verstehen. In einem Süden, der stets DEMOKRATISCH (NICHT republikanisch, also "rechts") gewesen war.

**Übrigens - die "Skalps" waren keineswegs eine Erfindung der Rothäute. Sie waren notwendig, um Prämien für den Abschuß eines Indianers zu reklamieren, die die Engländer im 18. Jhd. einführten.





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Sonntag, 12. Oktober 2014

Mobbing

Die körperliche Überlegenheit des Mannes über die Frau ist jener Aufgabe des Staates analog, in der dieser sich gegen den Kampf seiner Bewohner gegeneinander wenden muß. Der sofort ausbricht, sobald er diese ordnende Gewalt nicht mehr anzuwenden bereit ist. Folgerichtig ist Mobbing aller gegen alle eine der logischesten zwischenmenschlichen Erscheinungen der Gegenwart.




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Eine wahre Erfolgsstory (1)

Man muß es regelrecht als Ammenmärchen bezeichnen, daß es dem protestantischen und industrialisierten Norden der USA im Bürgerkrieg 1861/65 gegen die Südstaaten um die Befreiung der Negersklaven gegangen war. Nicht nur, daß es auch im Norden Sklaven gab, war der Lebensstandard der meisten Sklaven relativ hoch, und die Neger selbst zufrieden mit ihrer Lebenssituation. 

Gewiß gab es Gemeinheit und Brutalität und Mißbrauch, so wie immer, so wie überall und in allen Lebenslagen - Freiheit heißt eben auch die Möglichkeit des Bösen zu ertragen. Aber die waren keineswegs die Regel, sondern eine Ausnahme, die von den meisten der Südstaatenbewohner keineswegs für gut geheißen wurden. Nicht anders als im Altertum der Menschheit, lag es ja doch im Interesse des Herren, die Lebensbedingungen der Sklaven gut zu gestalten. Wobei man ohnehin ganz anders dachte. Der Sklave war NICHT, wie dem technizistischen Norden längst eingefleischt, nur ein Mittel zum Zweck. 

Nur so war nicht nur ihre Arbeitskraft und vor allem ihre Arbeitsmoral, sondern auch ihre Fertilität zu zu erklären, was hieß, daß sich die Arbeiter selbst vermehrten. Ja, es entwickelten sich (wie hier bereits ausgeführt) Ansätze zu einer echten amerikanischen Kultur. Die Neger waren immer eher ein Teil des Haushalts, wenn auch an unterster Stelle. Doch das Haus, dem sie zugehörten, bot ihnen eine geordnete Welt und Rechtsschutz. Der keineswegs, so wie heute auf der Nordhalbkugel der Erde, quasi selbstverständlich war.

Die Desavouierung der Sklaven war ein definitives Propagandaprojekt. Man wollte damit Unruhe in die Südstaaten bringen, wollte ihn destabilisieren. (Wie kennt man das nicht alles ...) Und hoffte auf eine Revolte der Neger, sodaß dem Süden die materielle Basis entzogen werden hätte sollen. Nichts davon aber passierte, als man propagandistisch groß aufgezogen die Negerbefreiungskarte ausspielt. Fast alle Sklaven blieben bei ihren Herren, und fürchteten wie diese die Zerstörung ihrer eigentlich heilen Welt.

Das änderte sich schlagartig nach 1865. Wo sich der brutale rationalistisch-technizistische Kleinkrämergeist des Nordens zur Staatsmaxime der gesamten USA machte. Und zwar als direkte Folge der bis heute typischen Art der Kriegsführung der protestantischen Amerikaner, die seither das gesamte Land dominieren. Die Südstaaten waren denen des Nordens zahlenmäßig mehrfach unterlegen. Der Norden hingegen schöpfte aus scheinbar ohnendlichen Reservoiren. Materiell wie nach Menschen, also Soldaten. Schon lange aber war den Nordstaaten die Prosperität der Südstaaten ein Dorn im Auge. Denn die hatten mehr oder weniger aus reiner Landwirtschaft - etwa Baumwolle oder Erdnüsse - gewaltige Kapitalien angesammelt. Die es ja den Südstaaten ermöglichten, so frech und frei den Unionsvertrag auszulegen (und damit sogar im Recht waren in der Frage, ob die USA nach 1776 ein Bundesstaat oder ein Staatenbund waren; sie waren ein Staatenbund) daß sie auch auszutreten wagten. Der Norden hingegen war kreditfinanziert, wie es eben neuzeitliche Industrie immer war. Ihm fehlte jene Substanz, die der Süden hatte, der Norden war getrieben.

Nach der Niederlage von Gettysburg waren die Südstaaten unter General Lee erschöpft, im Grunde wehrlos. Aber anstatt einen Frieden anzubieten, wie es der Tradition gemäß die Südstaaten erwarteten, hetzte die ständig anwachsende Nordarmee die verbliebenen Truppenteile durch ihr eigenes Land. Und wandte dabei eine perfide Taktik an, die seither Merkmal amerikanischer Kriegsführung ist: Sie zerstörten die Lebensgrundlage der Südstaaten. Man wollte den Feind auslöschen, vernichten, nicht einfach besiegen. Nur ja keine militärisch motivierten Friedensverhandlungen! Man wollte doch mehr!

In dutzende Kilometer breiten Streifen schlängelten sich die Nordarmeen durch den Süden, und verwüsteten alles, was ihnen unter die Finger kam. Plantagen, Städte, Dörfer, Werkstätten, Felder, Menschen. Wie eine Schlange - "Anakonda" nannte man diesen mehrjährigen Verwüstungszug später - zogen sie durchs Land, militärische Ziele waren nebensächlich, denn die waren längst erreicht. Man wollte dem (bereits 1863 geschlagenen) Süden regelrecht die Lebensgrundlage entziehen. Argumentiert wurde, daß man nur auf diese Weise den militärischen Widerstand zum Ersterben bringen könne. (Kennen wir das nicht?) Der Widerstand der - fast gezwungenermaßen nun weiterkämpfenden - Reste der Südstaatenarmeen war nur noch verzweifelte Gegenwehr gegen die Verwüstung.

Totaler Krieg. Und die Engländer finanzierten ihn gerne, denn so wurden sie lästige Baumwoll- und Maiskonkurrenten los, so wurde eine finanzell zuvor bestens fundierte Gesellschaft ihrer Substanz beraubt, ihr Kapital vernichtet. So eine Gesellschaft würde zukünftig Kredite brauchen, die sie zuvor nicht gebraucht hatte.

Manche munkeln über Zusammenhänge der Wallstreet mit englischem Kapital. Aber das ist sicher wieder so eine Verschwörungstheorie. Aber so nebenher konnte die billigere (weil qualitativ etwas schlechtere) Baumwolle der Südstaaten die in englischen Fabriken verarbeitete Baumwolle aus Ägypten und Indien nicht mehr konkurrenzieren. Der Export aus den Südstaaten brach ja völlig zusammen: Keine Plantagen, keine Arbeitskräfte, pleite geganene Plantagenbesitzer.

Immerhin, dreimal darf der geneigte Leser raten, WER die Nordstaaten mit Krediten finanzierte? Es war der wichtigste Bankplatz der Welt, großgeworden etwa 100 Jahre zuvor, als erstmals in der Geschichte ein Staat Garantien für private Banken übernahm, um einen Finanzzusammenbruch zu verhindern ... London. (Äußerst erhellend dazu: Bagehot's "Lombardstreet"; eine Pflichtlektüre, nicht nur für Wirtschaftsfachleute.)


Morgen Teil 2) Die Folge amerikanischer Sendung - Chaos und Sieg der Brutalität




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Samstag, 11. Oktober 2014

Apropos Erwärmung

Die Durchschnittstemperaturen in Deuschland sinken seit 17 Jahren.

Quelle: Eike


Die Winter Deutschlands werden seit 26 Jahren immer kälter.


Quelle: Eike




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Versuch einer Gesamtinterpretation

Um dieses russische Video (3 min, mit deutschen Untertiteln) zu sehen, ohne zu hyperventilieren und Schaum vor dem Mund zu produzieren, oder, umgekehrt, in Schreie des Entzückens auszubrechen, muß man kein Gegner oder Befürworter von Verschwörungstheorien sein. Und man muß auch nicht alles für richtig befinden. Es reicht eigentlich, das Buch "The Grand Chessborad" von Zbigniew Brzezinski, dem ehemaligen Sicherheitsberater einiger Präsidenten der USA, zu kennen. Das wie ein Handbuch zum Verständnis der amerikanischen Außenpolitik wirkt, die genau dem Vorwurf eines amerikanischen Globalpolitik entspricht. Und damit auch einige Interpretationsplausibilitäten nahelegt.







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Freitag, 10. Oktober 2014

Begreifen Sie immer noch nicht? (2)

Teil 2) Eine erschütternde Rede - Adolf Hitler im November 1941





Nach wie vor aber wird auf Schulen und Unversitäten, und in Dauerumerziehung (=Dummerziehung) durch Medien, den Menschen eingeredet, man könne das Böse einfach daran erkennen, daß es den Hitlergruß zeige, Hakenkreuzbinden trage, und Juden vernichten wolle. Eben einfach böse sei. Wäre der Nationalsozialismus aber nicht auf einem Boden gestanden, der auf verblüffende Weise viele Wahrheiten und Tatsachen zu einem verwirrenden Konglomerat zusammengemixt hätte, bis seine eigentliche Natur nicht mehr erkennbar war, wäre er nie so mächtig geworden. Erst so wird verstehbar, warum sich so viele hervorragende Köpfe mit ihm identifizieren konnten. Die so manches halt für Kinderkrankheiten oder Randerscheinungen hielten.

Und er würde heute noch viel leichter gewinnen, gerade jene, die sich durch brave und attestierte Eingliederung in die Guten so gefeit vor ihm wähnen (und das kommt von Wahn.) Die heutigen Generationen, behauptet der VdZ, wären sogar so fanatische Nationalsozialisten (wenn auch mit hier und dort anderen Inhalten), wie es sie damals in dieser Masse (und in ganz Europa) gar nicht gab. Denn ihnen fehlt heute längst jener Rest von Humankultur, den damals immer noch viele hatten. Ihre Unmenschlichkeit kennt als Massenphänomen überhaupt keine Grenzen mehr, und von einem unüberwindlichen Wall des Narzißmus umgeben in tiefste Dunkelheit gestürzt.

Jetzt wie vielleicht in der Geschichte der Menschheit noch nie kommt es auf den Menschen selbst an, gerade in der dialektischen Gegenwelle zur Vermassung der letzten Jahrhunderte, in der nun die Sittlichkeit jedes EINZELNEN so gefragt ist wie noch nie. Wer jetzt nicht fest steht, den wird der Sturm der Zukunft, der wesensnotwendig immer wieder neue Anläufe sucht um endlich zum Orkan werden zu können, wie Laub im Herbst wegfegen. Das gilt für Politik und Staat nicht anders, als für die Kirche. Das aber stimmt sehr pessimistisch ... denn woher sollen die Menschen heute die Kraft dazu noch nehmen?








*Vielleicht wird nun auch den Letzten klar, daß sich das Thema Nationalsozialismus nicht über eine Diskussion über Holocaust, Hakenkreuze und Generalverdammung der Menschen und dem primitiven Geschrei von "Antifaschismus" lösen läßt. Das alles sind in diesem fundamentalen Sinn unwesentliche Kasperltheateraufführungen, wo ein und derselbe Spieler hier links den guten Kasperl, und dort den bösen Räuber spielt. ER ist es, der sich die Guten, er ist es, der sich die Bösen - als Figuren - selbst schafft. Aber nach wie vor befaßt sich niemand mit dem Spieler. Fast alle glauben, daß es darum geht, wer von den beiden den anderen besiegt!

**Noch einmal, und wieder und wieder: Man lügt nicht durch falsche Daten oder Fakten, sondern durch richtige Tatsachen. 

***Es gehört ja zu einer der groteskesten Merkwürdigkeiten der Gegenwart zu sehen, daß die heutigen Menschen meinen, ihre Gedanken und Weltbilder und Lebensweisen wären originell und deshalb Produkt des Fortschreitens der Menschheit. Nur weil die Römer oder Ägypter kein iPhone und keinen Opel Omega 3i hatten. Der VdZ hat in seiner mittlerweile fünf Jahrzehnte währenden Lebensspanne NOCH NIE etwas (in zivilisatorischer Hinsicht) gesehen, das es nicht vor tausenden von Jahren sogar bereits gegeben hätte. Und staunt immer wieder zu sehen, daß so viele Menschen meinen, was sie dächten und täten wären einmalig in der Geschichte. Aber diese Verblendung ist eben Teil des (ewig gleichen) sittlichen Problems, sie ist keine Frage des Disputs (oder gar von Internet-Foren und Zeitungsabonnements). Sodaß gerade New Age-Behuschte ins Narrentürmchen gesperrt gehörten, die von "neuen Zeitaltern" quatschen, die wir nun angeblich beschritten. (Welch Überlegenheit, welch realistischer Blick, der die katholische Geschichtsauffassung kennzeichnet. Die einzige, die auch verifizierbar ist, ohne in Wahn zu verfallen.) 




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No more comment (Ukraine)

Immer mit der gebotenen Vorsicht: Richtige Tatsachen machen noch keine Wahrheit. Aber es gibt auch keine Wahrheit, ohne richtige Tatsachen. Das eindringlichste Video, das der VdZ zum Thema bislang gesehen hat, präsentiert er hier. Und er hat viel gesehen. Wer so spricht, muß sich seiner Sache sehr sicher sein.







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Kultur (Frausein)


Gesehen auf everyday_i_show







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Donnerstag, 9. Oktober 2014

Begreifen Sie immer noch nicht? (1)

Mit der größten Verblüffung - in Anknüpfung an die gestrigen Bemerkungen - hört man also, was Adolf Hitler in einer Rede im November 1941 von sich gab. Sprach er hier von der Gegenwart und der Ukraine bzw. Rußland? Oder von der weltpolitischen Situation Deutschlands 1941?

Hier wird noch deutlicher, was der VdZ meint: Bewegt sich die Politik nur auf der Ebene der Pseudologie, kommt es zu überhaupt keiner Entwicklung, sondern bleibt in Grundkonflikten stecken, die eigentlich nur in Vernichtung enden können. Jeder "Kampf" ist ein Scheintheater, links und rechts bewegen sich auf derselben Ebene. Eine Ebene, auf der sich sowohl die USA damals wie heute bewegen, aber auch die Weltgemeinschaft, und genauso Deutschland damals oder vermutlich auch Rußland (wo der VdZ diese Gefahr der Pseudologie als Vehikel sehr wohl sieht). Und daß sich heute beide Seiten so vielfach einig zu sein scheinen - man muß nur mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen, zuhören, sehen - ist nichts als die Folge einer unausbleiblichen, nur durch die Zeit bewirkten, zwangsläufigen Zurückführung dieser Exponenten auf ihre gleiche Substanz.

Wenn man hier den wahren Kern nicht herausschälen kann, hier nicht die Erdung findet, bleibt nur noch Verwirrung. Und nun beginnt sich zu rächen, daß die eigene Geschichte seit Jahrzehnten falsch erzählt wird, daß speziell die eigentliche Thematik Deutschland (und Österreich) in den 1930er, 1940er Jahren nie wirklich aufgearbeitet wurde. Denn es geht um etwas anderes, es geht um viel mehr als beim Auftritt des Kasperl zu jubeln, und beim Auftritt des Räubers empört zu buhen um sich und allen zu vergewissern, daß man auf der richtigen - natürlich: guten - Seite steht. Worauf sich Erziehung, Schule, Journalismus seit Jahrzehnten beschränkt. Das betrifft auch eine gewisse Neigung, Nationalsozialismus MINUS Vernichtungslager ("denn klar ... das ging ja dann doch nicht ...") für doch recht akzeptabel zu halten. Welchen Verdacht der VdZ bei einigen russischen Strömungen zu sehen meint. Ja, darauf wird es in resigniert-realistischer Betrachtungsweise hinauslaufen. Und wieder haben wir selbst es verbockt. Aber Wahrheit gibt es nicht frei Haus geliefert, sodaß man sie nur ins Regal stellen müßte, um bei Gelegenheit darin nachzuschlagen.

Denn was Hitler da sagt, ist deshalb starker Tobak, weil man es grosso modo fast 1:1 als Analyse der gegenwärtigen Weltpolitik gelten lassen könnte.* Diese Argumente hört man heute immer öfter, und zwar bei Linken UND Rechten. Bei Kasperl UND Hotzenplotz.

In diese Richtung argumentiert etwa ein Alexander Dugin, zumindest hört der VdZ es mitschwingen. Dugin, der noch vor zehn Jahren quasi kommunistischer Revisionist war, gilt heute als rechter Gottseibeiuns, ohne daß er seine Gedanken wesentlich geändert hätte. Und niemandem fällt etwas daran auf. Dabei sieht der VdZ Dugin keineswegs als Lügner, und schon gar nicht als dummen Menschen. Selbst wenn Dugin das Wort "dritter Weg" verwendet, das auch der VdZ hier gebraucht. Meint er aber dasselbe? Der VdZ meint: nein. Er meint genau diesen zweieinhalbten Weg.

Vielmehr scheint er nämlich ein Pferd zu reiten, dessen Siegeszug auch durch Westeuropa nach Auffassung des VdZ kaum noch aufzuhalten ist. Da kann sich EU und NATO auf den Kopf stellen. Das wäre tatsächlich nur durch Krieg und vor allem seiner Folge - staatliche Totalitarismen aus der Umstellung auf Existenzbedrohungsmodus - zu stoppen.

Es baut auf auf der Unfähigkeit, einen anderen Weg zu finden als hier blanken Revisionismus, oder dort sinnloser Ablehnung des Richtigen. Weil die Phänomene keineswegs neu sind, und viel Wahrheit enthalten. Und wie wenig neu, das sollte Ihnen, geneigter Leser dieses Blog, dem der VdZ seine Gedanken hoffentlich klar genug darzustellen vermochte, durch Hören dieser verblüffenden Rede deutlich werden.** Weil aber nie dem nachgegangen wurde, wo der Nationalsozialismus (und der Kommunismus) auf Richtigem, auf dem berühmten Funken Wahrheit und auf so vielen richtigen Tatsachen aufbaute, stellt er heute die Menschen immer drängender vor die Wahl, sich pauschal für oder gegen diese falsche Alternativenwahl (!) auszusprechen. Kayserling wies schon vor 100 Jahren nicht zufällig darauf hin, daß der Amerikanismus und der Bolschewismus (und später: Nationalsozialismus) von EIN UND DERSELBEN Grundhaltung getragen wird.

Ist alleine angesichts der amerikanischen Nivellierungsaggression (und Entstaltung ALLER Lebensprozesse) - die wir ja bis ins Geschlecht hinein erleben - noch nie jemandem diese Parallele aufgefallen? Die auf einer geistigen Struktur aufruht, die keineswegs Zufall sondern vektoriell im Ausgang des Mittelalters angelegt ist. (Wobei in Wahrheit immer in mehr oder weniger Kraft vorhanden war.)***

Es ist die Menschheit selbst, es ist die Entwicklung der Kulturen, die fehl ging. Auf der Ebene der faktischen Argumente - und was Hitler hier sagt, ist heute äußerst weitverbreitete Ansicht, und dabei sogar auch nach Meinung des VdZ vielfach richtig, damals wie heute! - läßt sich dieses Problem nicht nur nicht lösen, sondern wir drehen uns im selben Kreis der Selbstentfremdung und -vernichtung, in die die nördliche Halbkugel seit fünfhundert Jahren mehr und mehr, in einer fatalen Eigendynamik, die in den USA wie in Rußland nur je extrapoliert wurde, hineingerutscht ist. Und in einem falschen Kreis der Politik der Technik von Abläufen gelandet ist.  

Diese Rede sollte also erschüttern. Aber illustrierend, und so ganz anders, als manche vielleicht meinen. Angst vor Tatsachen sollte man auf jeden Fall nicht haben. Aber auch die Kraft, sie richtig zu ordnen. Und dazu muß man anders denken, als heute üblich ist. Und schon gar der Versuchung widerstehen, den Tatsachen einfach aus Angst auszuweichen.


Morgen Teil 2) Eine erschütternde Rede - Adolf Hitler im November 1941
 samt nachgelieferten Fußnoten





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Der Blick

Max Oppenheimer - "Thomas Mann" (1926)







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Mittwoch, 8. Oktober 2014

Tanz um den Funken Wahrheit

Was den VdZ mißtrauisch macht ist, daß die Gegenwehr gegen kollektive Schuldzuweisungen für Holocaust und Kriegsschuld (1914 wie 1939) dazu neigt, einen Schuldigen zu verteidigen, der sich von so manchem Mitgemeinten deutlich unterscheidet. Denn was hier anzuklagen wäre - und hier hätte auch tatsächlich so manche Schuldzuweisung ihren tieferen Sinn - wäre eine Auffassung von Staat, die doch tatsächlich abzulehnen ist. Selbst wenn sie nur eines der Gewächse europäischer Staatsentwicklung ist.

Aber der positivistische Staat - aus Hegel und Preußen gemixt - hat keine Verteidigung verdient. Er ist der Totengräber wirklichen Volkstums, das er aus seiner Verwurzeltheit in Sphären pseudologischer, zweitwirklicher Rationalismen drückt, bis es entschwunden ist, weil man danach handelt. Er ist ein Produkt der zentralistischen Propaganda, einer Ebene des Menschen, wo er sein Wahrnehmen und seinen Dialog mit dem Wirklichen durch Worthülsen überlagern läßt, um es salopp zu formulieren. Auf daß er sich selbst entfremdet wird.

Also verteidigt so mancher Gutmeinende, dessen Heimatliebe gar nicht an Abrede gestellt werden soll, ein Deutschland, das in Wahrheit bereits die Selbstentfremdung der deutschen Menschen mit sich selbst war. Und das begann mit Bismarck, dem Kaiserreich der Hohenzollern (und in hinkendem Gleischritt dazu dem österreichischen Kaiserreich), wenn nicht als Folge des 30jährigen Krieges. 

Der Verdacht drängt sich auf, daß dahinter ein Wunsch und verführerischer Traum von Größe steckt, der selbst keineswegs ein wünschenswertes Ziel ist, sondern bestenfalls Folge eines starken Selbstseins der Deutschen ALS jeweilige Teile eines Umfeldes oder als Summe von Teilvölkern, die sich zu Staaten formieren, sein kann. Der aber das Eigensein, und nur dort gäbe es die erwünschte Stärke, überfliegt.

Das erklärt nach Auffassung des VdZ sogar vieles an der deutschen Politik, besonders in der Gegenwart. Die in ihrer Halbherzigkeit egal in welcher Richtung wirkt, als würde man einfach zu keinem Entschluß kommen können, einerseits ein totes Pferd zu reiten, anderseits dieses tote Pferd zu neuem Scheinleben aufzublasen, etwa um "der realen Bedeutung Deutschlands in Europa ihre Gestalt zu verleihen", ohne einen schöpferischen Umgang mit dem Deutschsein überhaupt zu kennen oder zu wagen. So baut man, im Dunkelen herumtappend, unbewußt weiter an einem zentralistischen Deutschland, dessen Schatten an der Wand man aber wieder auszutreten sucht. Und zwar sogar durchaus mit Recht.

Nur dort aber, in für viele neuartiger, aber notwendiger Differenzierung, könnte ein Weg zu einem für alle Seiten überraschenden Konsens auch in der historischen Aufarbeitung zu finden sein. Der sowohl den sogenannten "Nestbeschmutzern" wie den "Verteidigern" den Wind aus den Segeln nimmt, aber diesen berühmten Funken Wahrheit aufgreift, um den beide Seiten herumtanzen, ohne ihn aber zu sehen. Dessen nie artikulierte Stellvertreterfunktion sie hier nicht loswerden, dort aber nicht überwinden - weil er der wahre Kern in den geschichtlichen Ereignissen, der damit in der Gegenwart fortwirkt.

Denn der Irrtum, der Fehler war nicht "der Holocaust" oder "der Nationalsozialismus", sondern diese (preußische, im wahrsten Sinn: moderne) "Idee von Deutschland", die tatsächlich von so vielen politischen Entwicklungen nicht zu trennen ist. Und nur deshalb hielt, weil das wahre Deutschland - das zumindest aus zwei Kulturkreisen und Volkswesen und damit Staaten besteht (Stichwort "Weißwurstäquator") - von einer Ideendecke ins Vergessen abgedrängt und künstlich zu einem "neuen Deutschland" gemacht wurde. Das tatsächlich "neu" war. Und der sich im Nationalsozialismus (was an dieser Stelle schon hinlänglich begründet wurde) als Prototyp des heutigen modernen Staates nur auf die Spitze brachte, in Wahrheit aber nicht aufhörte, auch nicht 1945.

Gelingt es nicht, diesen gewissermaßen "dritten Weg" zu beschreiten, droht Deutschland in den nächsten Jahren neuerlich in bloße dialektische Gegenreaktion zu verfallen, um sich - notwendigerweise! - einen Platz in der Welt zu sichern. Denn das derzeitige Vokabular, das auch in sogenannten rechten Kreisen auftaucht, ist völlig ungeeignet und voller Widersprüche. Damit wenig geeignet, das Mißtrauen, das man dabei unwillkürlich empfindet, zu überwinden.*




*Nicht unähnlich der Reaktion vieler, die gegen den Islam wettern, und mit den neblichten Schlagworten Demokratie und Stellung der Frau als zu verteidigende Werte argumentieren. Und sich damit auf derselben Wesensebene wie der Islamismus bewegen, nur die eine Blüte gegen eine andere austauschen wollen, "weil sie halt recht haben".




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Damit es Oma nicht zieht ums Arscherl

Läuft ihr PC-Bildschirm ohne zu Flackern? Ist Ihre Zimmerbeleuchtung konstant? Läuft ihre Waschmaschine und ihr Kühlschrank ohne Probleme? Können die CNC-Maschinen auf Ihrer Arbeitsstätte ohne Probleme eine ganze Schicht bohren und fräsen? Gibt es nach wie vor Strom, wo und wie lange immer Sie ihn benötigen? 

Dann verdanken Sie das einem immer fragileren Netzsystem, an dessen kontinuierlicher Lieferfähigkeit mittlerweile pausenlos gearbeitet werden muß. Alle 2,7 Stunden muß mittlerweile irgendein Kraftwerk Deutschlands rauf- oder runtergefahren werden, samt allen Anlauf- und Abschwungphasen. Und natürlich: Kosten. Und nicht ein Kraftwerk darf ausfallen. Längst sind alle bestehenden (konventionellen) Kraftwerke in Süddeutschland (Öl, Gas, Kohle, Atom) als systemrelevant eingestuft. Wobei ohne Zulieferungen aus dem Ausland, etwa durch Speicherkraftwerke in den Alpen, oder wenn EON Gaskraftwerke im schönen Salzburg langfristig mietet, ohne Atomstrom aus dem fernen Frankreich oder der noch ferneren Tschechei ohnehin gar nichts mehr geht. Was einer kalten Enteignung entspricht, denn per Gesetz sind die Betreiber der süddeutschen Kraftwerke gar nicht mehr befugt, die somit nur noch schlecht ausgelasteten Kraftwerke am Netz, und die Betriebsverluste in Grenzen zu halten. Nicht ein weiteres Kraftwerk in Süddeutschland darf mittlerweile noch ausgeschaltet werden, weil es in schnödem Gewinndenken mit solchem Betrieb unrentabel wäre. Alle haben dem Ganzen so ihre Opfer zu leisten, alle.

Der Bedarf an kurzfristigen regulierenden Eingriffen wächst dazu progressiv mit dem Ausbau der "erneuerbaren Energieproduktion". Alle 2,7 Stunden heißt es 2014 bereits, irgendwo rauf oder irgendwo runter mit der Leistung. Waren 2012 noch rund 1000 Eingriffe nötig, so dürften es 2014 bereit über 4000 werden. Damit ihre Funzel weiterhin nicht flackert, ihr Kühlschrank läuft, und ihr Handy aufgeladen werden kann, mit dem Sie höchst engagiert per Twitter den Klimawandel und die CO2-Begrenzung diskutieren.

Aber nicht nur die Betreiber kosten diese Maßnahmen viel Geld. Den Löwenanteil bezahlt es der Stromverbraucher, und hier vor allem der private Haushalt. Wenn Ihnen aber, geneigter Leser, erzählt wird, daß die Öko-Abgabe, die ihren Strompreis in so süße Höhen treibt, mittlerweile Überschüsse liefert, der Preis für die Kilowattstunde also wieder gesenkt werden könne, beobachten sie diese Meldungen als Teil propagandistischer Bestrebungen, um die Laune der Menschen nicht überzustrapazieren, die sich den Luxus eines doppelten Strom-Produktionsnetzes leisten ohne es zu wissen, und dafür zufrieden von Windkraftparks in der Nordsee oder am Brocken lesen. Denn sie sind nicht wahr, beruhen auf einer Umlenkung von Subventionsmaßnahmen, die nun lediglich nicht mehr aus diesem Einnahmeposten des Staates gedeckt werden. Geld hat ja bekanntlich keine Mascherl. Elektrischer Strom auch nicht.

Was spätestens dann klar wird, wenn es kleschkalte und windstille Winterabende gibt, die den Stromverbrauch in die Höhe schnellen lassen. Dann kommt es auf jede Brennnkammer an, die per Gas, Kohle oder Atomzertrümmerung jenes Wasser aufheizt, das dann in Dampfform die Generatoren antreibt. Wenn jeder seine Blaulampen im Aquarium und seine Fernseher wieder aufdreht, wenn die Heizungen höhergestellt werden müssen, damit es Oma und ihr Enkerl je in ihrer Zweizimmerwohnung, die sie längst alleine bewohneb, nicht kalt und finster haben, während "Wetten, daß?" läuft, oder das Enkerl youtube guckt und Facebook aktualisiert. Und auch der Anteilsscheinbesitzer am Windradpark in der Lüneburger Heide darf sich wohlig am Kaminfeuer räkeln und heiter seinen Blick durchs Fenster auf die nächtliche Landschaft werfen, denn er weiß, daß sein Konto sich füllt, selbst wenn sein Windrädlein mal stille steht und keine Vöglein vom Himmel fegt. 

Alles also im grünen Bereich. Wie? Ach so, "man müßte nur" ... und in zwei, drei Jahren, DANN ... und überhaupt liegt alles an der Atom- und Energielobby. Daß der VdZ das vergessen konnte. Schönen Tag noch!



Quelle: Eike





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Dienstag, 7. Oktober 2014

Fehldeutung

Man redet gerne davon, daß sich die Menschen doch so unvorsichtig im Netz darstellten. So würden sie überwacht und überwachbar, weil im Netz alles sichtbar würde und bliebe. Und wundert sich zugleich über die "Unvorsichtigkeit" so vieler, gerader junger Menschen, so viel von sich preiszugeben. An welchem Verhalten auch noch so groß angelegte Aufklärung seltsamerweise nichts ändert. Man denke doch alleine an die NSA, an die Überwachungsskandale der letzten Jahre.

Herrschaften, jede Aufklärung dahingehend ist umsonst. Weil sie dem Wesen des Internet widerspricht. Es ist nicht so, daß den Menschen Offenheiten "passieren", die sie später bereuen. Selbst wenn sie es einmal tatsächlich bereuen sollten, was aber nur hohes Maß an Abstraktionsfähigkeit begreifen lassen kann, so riskieren sie das gerne. Denn die Menschen WOLLEN gesehen werden, das steckt hinter dem Internet und den social media. Sie WOLLEN beobachtet und ernstgenommen werden! Sie WOLLEN in der anonymen Maschine, als die die heutige Welt erfahren wird, endlich als sie selbst - und das heißt: als Darstellung ihrer selbst - wahrgenommen werden. Und wenn von Liebe die Rede ist: Sie wollen gewollt werden, weil sie sich im Leben nicht mehr als gewollt erfahren.* Wer sich im Netz darstellt, will, daß auf ihn reagiert wird, der will wissen, wie er ist. Und das kann ihm nur ... die Welt sagen.**

Wenn also eine Kultur sich auflöst, keine Identität mehr zu stiften vermag, läßt sie ihre Mitglieder in einem unbestimmten Zustand zurück. In dem aber niemand leben kann, denn alles menschliche Tun und Handeln ist immer ein "Handeln als jemand" und in einer bestimmten, definierbaren, historischen Situation. Die Täuschung des Funktionalismus besteht ja darin, darauf aufzubauen, daß die Welt auf bloße neutrale, "objektive" Vorgänge real umzubrechen wäre. Aber Funktion ist nie aus der geschichtlichen Situation und Ebene eines Dings der Welt ablösbar. Sie ist immer Kommunikation von Wesenheiten, die zueinander in dialogischem Verhältnis stehen. Wer das nicht sieht, nimmt die Welt als Maschine wahr, die außerhalb von ihm steht, und in die er eingebunden zu sein sich mühen muß, die ihn aber jederzeit wieder ausspucken kann.***

Das Internet/social media würde schlagartig wie ein ausgelassener Luftballon zusammenfallen,  wenn jede Äußerung, jeder Akt der Selbstdarstellung nur noch adressatengebunden und adressatenintim wäre. Selbst die Beschränkung auf spezielle Foren oder Öffentlichkeitsadressen wie Blogs könnten das Grundbedürfnis nach Beachtung, nach wahrnehmbarer Liebe, nach Selbsterkenntnis und -erfahrung, das hinter dem Netz steckt, niemals kompensieren. Denn Wahrnehmung ist eine schöpferische Leistung, die eben mit Wahrheit und damit mit Tugend zu tun hat. Sie ist nicht einfach etwas, das es der Welt wie durch einen Temperaturfühler "empirisch" abzulesen gäbe. Sie ist eine menschliche Bringschuld.

Und hier läßt sich der Selbstdarstellungssucht der Gegenwart sogar ein interessanter Aspekt abgewinnen. Denn das Handeln der Menschen ist immer irgendwie wahr. Wenn auch oft ganz anders, und auf anderen Ebenen, als sie selbst meinen. Man muß es aber zu lesen lernen.



*Was nicht heißt, daß sie nicht mehr gewollt und geliebt würden - von Gott, dem Sein, das sie immer birgt, so verquer ihr Leben auch sein mag. Sondern sie nehmen die Welt nicht mehr als getragen von der Wahrheit wahr.

**Es wäre aber eine nächste Fehldeutung, die psychische Situation wie sie hier beschrieben ist, auf Nutzer des Internet/social media beschränkt zu glauben. Es ist vielmehr nur EINE ART der Äußerung. Ja, vielfach ist sogar zu beobachten, daß Kritiker des Internets/der social media GENAU DIESELBE Ersatzhandlung, nur auf anderem Weg suchen. Gäbe es also das Internet nicht, so würde es sich anders ausdrücken bzw. drückt sich in andere Konnkretionen hinein aus. Formwille verwendet dann nur anderes Material. Aber der fulminante Siegeszug des Internet ist zu einem großen Teil auf diese seelische Situation zurückzuführen.

***Auch dahinter, übrigens, steht eine tiefe Wahrheit, wenn auch auf anderer Ebene. Aber dieses "Selbstgefühl" ist ein Analogon zur tiefsten Ontologie der Welt - die sich als so frühes Prinzip von allem Seienden natürlich in alle differenzierteren Ebenen mit hineinträgt, sich dort aber in der Sprache und Weise und Gestalt der jeweiligen Ebene äußert -, in der alles ins Nichts fällt, das nicht am Sein teilhat. In diesem Fall äußert sich also die Ferne von Gott, die auf der psychologischen bzw. allein zugänglichen Ebene "so und so" kompensiert werden soll.




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Pragmatischer Sinneswandel

"Ich bin nicht und war nie für die Verwirklichung, in welcher Form auch immer, der politischen und sozialen Gleichheit zwischen der weißen und der schwarzen Rasse. Ich bin nicht und war auch nie dafür, den Schwarzen das Stimmrecht zu geben oder das Recht, einer Jury anzugehören; auch nicht, daß man ihnen gestattet, öffentliche Ämter zu bekleiden oder sich mit Weißen zu verheiraten. 

Ich möchte dem noch hinzufügen, daß es einen physischen Unterschied zwischen der weißen und der schwarzen Rasse gibt, der sie meiner Meinung nach immer daran hindern wird, auf der Grundlage einer sozialen und politischen Gleichheit  miteinander zu leben."


Abraham Lincoln in einer Rede in Charleston, 1858, 
also drei Jahre vor Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs, 
in dem es angeblich um die Befreiung der Negersklaven ging




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Montag, 6. Oktober 2014

Wirklichkeit ist immer zeitlos (2)

Teil 2) Der Traum, Alkohol und Masturbation




Was aber im Zeitlosen bleibt, hat keine Gestalt, und es ist deshalb nicht (direkt) sinnlich erkennbar. Das im Traum "Gesehene" ist also das aus der unbewußten Phantasietätigkeit zum nur Gefühlten Hinzugefügte. Das Wahrgenommene wird durch das Gewußte ersetzt, sieht man von jenen Bereichen und Fällen ab, in denen sich die reale Alltagswelt - als Geflecht von Gestalten, von realen Körpern, und damit von Zeit und Raum - bereits einzumischen beginnt. (Der Mensch bleibt ja auch im Traum realer, auf einem Bett, in einem Zimmer etc. liegender Körper.) Deshalb werden die meisten Träume wie in der Dämmerung wahrgenommen, in der sich ja jeden Tag neu die Welt auszublenden beginnt.

Umgekehrt braucht der Mensch dieses ungehemmte Aufsteigen des in ihm Wirkenden, das sich nur sichtbar machen kann, wenn es sich an den Strukturen der Persönlichkeit im Wachsein, eingebunden in dieses Weltgeflecht, vorbei zur Kenntnis bringt. An ihrem Ort, zu ihrer Zeit. Denn jedes Alltagsgeflecht ist immer mangelhaft. So tritt er mit einem Paket an Erfahrenem als Aufgabe im nächsten Aufwachen in die Welt hinein - als Welt, und als Aufgabe. (Schlafentzug wirkt deshalb direkt dissoziierend.) Als einer der Pole, zwischen denen sich Menschsein erst vollziehen kann. Hier hat jede Kulturdroge (in gewissem Sinn, zumindest in ihrer Intention, auch Zustände wie Trance) ihren sehr berechtigten, ja notwendigen Platz.**

Aber die Welt des Menschen ist Gestalt. Der Mensch träumt also immer im Rahmen seines Seins, im Rahmen seiner wirklichen Wirklichkeit, in ihren Berührungspunkten mit der begegnenden wirklichen Wirklichkeit. Traum ist deshalb Gespräch.
 



**Sieht man von möglichen Ausnahmefällen ab - dem VdZ fällt hier nur höchste Heiligkeit ein - ist deshalb zu Vorsicht vor allen jenen geraten, die jede Kulturdroge, deren Wesen Steuerung und rechte Platzzuweisung ist, strikt ablehnen. Fanatismus ist nur eines der Gesichter, die solcher Puritanismus zeigt. Aber erst in dieser (temorären) umhegten Selbstauflösung kann sich Neues zeigen und geboren werden. Deshalb ist der kultische Wert des Weines, wie er alle Kulturen zu allen Zeiten kennzeichnete, mehr als logisch. Ohne diese temporäre, partielle Selbstauflösung kann Kultur gar nicht geschaffen werden, sie bleibt ein immer enger werdendes menschliches Konstrukt. Das Weinverbot im Islam erzählt also eigentlich viel mehr, als manchem lieb sein mag, und beleuchtet vieles an seiner Geschichte.

Gleichzeitig erhellt sich aus dieser Perspektive viel über den Alkoholiker. Der meist schon aus Disposition der Schwäche, der fehlenden seelischen Spannkraft (und hier soll nicht von "Schuld" gesprochen werden), das Alltagsgeflecht in einer selbst getragenen Ordnung nicht zu ertragen vermag. (Das gilt auch für Zeiten starker Bedrückung, die die normale Fassungskraft überbeanspruchen.) Wie im Fall des Drogensüchtigen noch deutlicher wird, schwächt er so Disponierte oder Präparierte aber damit erneut seine Fassungskraft, und gerät in einen spiralförmigen Abwärtssog. Sinngemäß gilt dieser Hinweis natürlich auch für Partialspannungen (man denke an die Masturbation, oder an ungehemmten Sex, logische Folge eines Zerfalls der Repräsentationskraft von institutionalisierten Partnerschaften, bei gleichzeitig hohem und vom Einzelnen zu wenig verhinderten Niveau an Anregung - auch das eine spiralförmige Bewegung). 





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Schluß mal mit Graphiken

Bei aller Vorsicht und Skepsis, mit der solche Aussagen (und "Messungen") betrachtet werden sollten, ergeben Temperaturmessungen im Nordatlantik, daß dort die Wassertemperatur in den 1990er Jahren zwar (relativ) stark anstieg, aber seit 2004 wieder SINKT. Der Südatlantik bleibt - wie bisher - sehr stabil. Die Zunahme der Temperaturen vor 20 Jahren allerdings sind, so ein Artikel auf wetter-center.de, nicht auf Klimawandel, sondern auf bekannte Zirkulationsphänomene in der Atmosphäre zurückzuführen. Die verhindern, daß kühle Nordluft nach Süden vordringt.

Anders der Indische Ozean. Er hielt sich bis 2005 sehr stabil, seine Temperaturen (wo und in welchen Schichten sagt der Artikel aber leider nicht) steigen seither stark an.


Quelle: wetter-cender.de


Aber damit lassen wir es mit solchen Graphiken und Aussagen wohl auch schon wieder lieber. Sie lassen sich gut als argumentativer Holzhammer verwenden, entsprechend hat jeder so seine Graphiken die "belegen", aber an sich sollte an sich als Medienkonsument eher wenig davon beeindrucken lassen.




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Sonntag, 5. Oktober 2014

Der Staat als Sphäre für sich

Aus prinzipiellen Gründen, schreibt Edith Stein, kann der Staat selbst nicht Träger eigener religiöser Werte sein. Er kann oder muß sogar ihre Ausbildung ermöglichen, kann sie indirekt auch fördern, aber er selbst gehört keiner persönlichen Sphäre an, er selbst kann also kein ethisches Element selbst sein. Selbst die Hingabe an den Staat, eine hoch ethische Frage, ja unter gewissen Bedingungen Voraussetzung eines Staates, weil der Wille wie die Fähigkeit zum Eigenstand eines Volkes im bzw. als Staat wesensnotwendig gehört, ist eine rein persönliche Sache seiner Bewohner. 

Aber die Sphäre des Religiösen ist ihrer Natur nach persönlich. Ein Staat kann sie nicht "machen". Er kann sie begünstigen, er kann oder muß sie sogar ermöglichen, aber er kann sie nicht machen, ja nicht einmal (befehlend) fordern. Es gibt ihn also nicht, den "Heiligen Staat", es gibt nur mehr oder weniger heilige Menschen, ja mehr oder weniger heilige Volksgemeinschaften, die in ihm leben. Wenn diese die staatliche Autorität über Recht und Ordnung aber nicht anerkennen, so arbeiten sie an der Auflösung des Staates, und dieser muß sich dagegen zur Wehr setzen. Aber sein Maß kann nur die Tat sein, nicht die persönliche Haltung seiner Bewohner.

Nun ist es freilich notwendig, daß sich ein Staat auf das sittliche Verlangen seiner Bewohner stützt. Also ist es ein staatsfeindliches Verhalten der Staatenlenker selbst, wenn sie diese seelischen Kräfte der Individuen nicht zu Verbündeten, sondern zu Feinden machen. Weil das Individuum aber in jedem Fall in der Religion ansetzt, muß der Staat also die Religionsausübung unbehindert entfalten lassen.

Weil aber ein Staat nur auf der Grundlage eines geeinten Volkswillens bestehen kann, kann es sein, daß das Auseinanderfallen seiner Bewohner in unvereinbare, disparate seelische Dispositionen den Bestand eines Staates von innen heraus gefährdet. Denn in jedem Fall ist der Mensch - auch das hat der Staat zu respektieren - zuerst Gott und seinem Gewissen diesem gegenüber verantwortlich, und DANN erst dem Staat. Erläßt er also Gesetze, die der religiösen Welt seiner Bewohner widersprechen, so löst er sich auch hier auf. Denn nie kann sich ein Staat gegen diese Wirklichkeit auf Dauer halten. Er muß also seinen Bewohnern ermöglichen, Gott zu geben, was Gottes ist, und dem Kaiser, was diesem zubehört. Das ist aber nicht seine Religion.

Aus religiösem Empfinden und Sosein aber ergibt sich nicht zwingend eine "Form des Staates". Der Staat ist vielmehr einfach der Ort, und zwar egal in welcher Form, AN DEM sich Sittlichkeit (in ihrer Zubehörigkeit zu Religion) entfalten kann und muß. Der Staat ist also einerseits auf die Sittlichkeit seiner Bewohner angewiesen, anderseits aber gehört er dieser Sphäre nicht direkt an.

Gleichzeitig aber schließt das nicht aus, daß sich eine Volksgemeinschaft (die wiederum aus vielerlei Gemeinschaften und Gesellschaften besteht), die sich zum Staat bzw. als Staat zusammenschließt, sich einen Staat in Form einer Theokratie selbst gibt. Der also die Staatsakte als Einheit mit dem Willen Gottes auffaßt. Das verlangt aber freilich, daß sich die Staatsorgane selbst diesem göttlichen Willen unterstellen. Der aber keine inhaltliche Vorformung bedeutet, sondern nur in besonderer Weise Instrument der (religiösen) Sittlichkeit seiner Bewohner ist. Seine Gesetze aber müssen in Einklang mit göttlichen Geboten stehen, ohne diese freilich "befehlen" zu können. Er kann aber den Verstoß dagegen, als Verstoß gegen die Verfaßtheit und damit den Bestand eines Staatsvolkes, mit Strafe belegen. Staat bedeutet eben, daß sich ein Volk sein Schicksal selbst gibt, in allen Konsequenzen.

Gerade dieser Auffassung des Staates aber entspringt gleichermaßen die Freiheit der Form, in der solche Theokratie statthaben kann. Denn wenn jede weltliche Macht letztlich auf Gott zurückgeführt werden muß und kann, so ist es auch gleichgültig, welche Gestalt diese Macht hat. Jede empirische Staatsform kann dann Gottes Willen ausdrücken.

Das sagt noch alles nichts über die "weltliche Tauglichkeit" oder Klugheit solcher Staatsverfaßtheit vor allem im Umfeld anderer Staaten. Und es ist auch hier zu beachten, daß der Staat nur bestimmte Befugnisse hat. Jene, die eben seiner Ebene beigehören. In Rechtssprechung, in Rechtspflege wie -setzung, in der Kriegsführung. 

Auch in einer Theokratie also gibt es unzulässige Überschreitungen des Staates, man denke etwa an die Integrität der Familie. Er bleibt selbst in einer Theokratie eine Sphäre für sich, die lediglich von Personen konkretisiert, ausgeführt und repräsentiert wird. Und das kann praktisch auch gegen den Staatssinn verlaufen. Der bis ins Mittelalter heraufgehende Begriff des Königs als Stellvertreter Gottes hat nie ausgeschlossen bzw. eingeschlossen, daß dieser damit verpflichtet ist, sich dem Volkswillen gemäß nach Gottes Geboten zu halten. Verstieß er dagegen, verstieß er gegen die Verfaßtheit des Staates, und diese Person war untauglich. Das Widerstandsrecht war im germanischen Königsbegriff außerordentlich ausgeprägt. Nie ist er zu einer Identifikation der faktischen Person mit dem Staatsamt geschritten. Umgekehrt schreibt Gott nicht vor, welche Zölle zu erlassen oder welche Straßen zu errichten oder welche Butterbrote zu schmieren sind.

Umgekehrt verlangt das Begreifen dieser Differenziertheit nicht, daß ein Staatenlenker die Religion bzw. die sittliche Orientiertheit des Volkes ausklammern muß. Zwar darf er die Sphären nicht vermischen, aber prinzipiell ist nicht zu kritisieren, wenn wie in der Türkei die Frau des Präsidenten Kopftuch trägt. Das ist an sich noch lange keine Gefährdung des Staates, eher vermutlich sogar zum Gegenteil, ja es könnte Ausdruck großer politischer Klugheit sein.

Auch geschichtlich ist diese allmähliche Ausdifferenzierung nachvollziehbar. Es sind Schritte der voranschreitenden Erwachsenwerdung des Menschen, in einem Ausgreifen der Verantwortlichkeiten durch Steigerung der Durchdringung der Welt (in bzw. als Freiheit). Ähnlich, wie es das Kind erst noch erlebt, daß Gott und Eltern (zulaufend auf den Vater) - in einer (darüber dann hinausweisenden) Analogie - ineinander fallen, entwickelte sich historisch aus dieser ursprünglichen Erlebenseinheit eine allmähliche Differenziertheit, ein wachsendes Begreifen der verschiedlichen Sphären.

Es stehen sich also immer, so Edith Stein, religiöser Anspruch und Staat auf eine Weise gegenüber, und das ist ein prinzipiell unlösbares Problem. Es ist eine Zweiheit der Absolutheiten, die als solche nicht ineinander aufgehen können, weil der Staat menschlicher Freiheit unterliegt, ja diese erfordert, die gleichzeitig aber der absoluten Sphäre Gottes verpflichtet ist. Hier kann es nur faktische Lösungen geben. Auch die Theokratie ist nur eine Form dieses faktischen Ausgleichs, will sie nicht zum Götzendienst werden.



*051014*