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Sonntag, 22. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (2)

Teil 2)



Interessant, was Peterson über Zebras erzählt, mit dem er so manchen der gegenwärtigen Mythen zertrümmert. Angeblich würden ja Tiere von Löwen geschlagen, weil sie die schwächsten seien. Tatsache ist aber, daß Zebras durch ihre Zeichnung als einzelne Tiere extrem in der Landschaft auffallen - aber das tun sie nicht mehr, wenn sie in einer Herde stehen. Dann erfüllt die Zeichnung ihren Sinn. Denn da ist ein Individuum nicht mehr ausmachbar. Löwen fallen aber Tiere an, die IDENTIFIZIERBAR sind. Das ist die Lösung des Problems: Identifizierbarkeit. Das macht erst Individualität.

Nur nicht auffallen!

Peterson nützt das Beispiel der Zebras, um zu zeigen, was auch unter Wissenschaftlern passiert. Sie verbergen sich konsequent in der Masse, wollen nicht auffallen. Denn sobald sie durch Individualität auffallen, werden sie "angegriffen".  Deshalb verwendet die Gruppe der Wissenschaftler immer eine Sprache, die sie als Gruppe schützt, und nur innerhalb derer agiert sie. Sie will Sicherheit innerhalb einer Gruppe, eines Systems, und wagt nicht, das System zu hinterfragen und damit zu erweitern. Deshalb imitieren, benützen zum Beispiel amerikanische Forscher die Sprache der Franzosen, in der Übersetzung, die ihnen geliefert wird. 

Michel Foucault wollte in Frankreich (in seiner Muttersprache) noch das System hinterfragen, provozieren. In die USA übersetzt wollten seine Leser ihn nur noch benutzen, imitieren. Seine Sprache, seine Thesen haben also auf eine Weise ihren Sinn (weil ihren Ort; Anm.) verloren! In Frankreich hatte Foucault einen Sinn. Aber nicht mehr in Englisch, nicht mehr in England oder den USA.

Dennoch haben Amerikaner die französischen Texte zu imitieren und in die USA zu transferieren versucht. Das war nicht notwendig, und damit völlig falsch.

Besonders ereifert sich Paglia über die Entwicklung der Fakultäten. Sie hatte gemeint, die 68er-Revolution würde ein Niederreißen von Grenzen bedeuten. Das Gegenteil trat ein. Die Studien wurden fortlaufend fragmentiert, immer neue Fakultäten und Teilgebiete geschaffen. Und meistens über Nacht, was dafür Sorge trug, daß die wissenschaftlichen Voraussetzungen überall ungeklärt blieben. Um ideologischem Druck zu genügen, wurden etwa "Gender-Studies" eingeführt. Aber niemand befaßte sich damit, was das überhaupt sein sollte! Stattdessen holte man mit Fingerschnipsen alle möglichen Vortragenden und die definierten einfach, was das nun sei. Daß das etwa mit Biologie zu tun haben könnte wurde nicht einmal diskutiert, und darf bis heute nicht diskutiert werden. 

Der Erfolg ist, daß diese Studien intellektuell auf dem Stand der 1970er Jahre eingefroren sind. Und nur die Prämisse zählt, daß Geschlecht mit Macht zu tun haben soll. Es seien nur linguistische Konstrukte. Was ein Mensch ist (Geschlecht ist) wurde so zu einer Frage, die nur der Beliebigkeit des Menschen unterliegt, und keinerlei Bedingungen hat, die vorausgehen - eben eine Natur. Kultur wurde so zu einer sich ständig verändernden amorphen Masse. Und groteskerweise hat sich die Politik sofort darauf gestürzt. Es geht dabei aber nur um Macht, um irrationale Macht, weil nichts mehr definierbar ist, Sexualität und Geschlecht völlig aus allen Beziehungen herausgenommen wurde.

Alles, was etwas ist, ist Begriff. Darum werden Begriffe zum Feind.

Jede Definition wird hingegen als bösartige Äußerung des Patriarchats eingestuft und durch ideologische Festlegung ersetzt. Die reale Ambivalenz des Menschen, die Notwendigkeit, zwischen tyrannischer Mutter und sorgender Mutter, zwischen tyrannischem Vater und sorgendem Vater, einer Aufgabe, der jeder sich ständig neu zu stellen hat, kommt gar nicht mehr vor. Es gibt nur die sorgende Mutter - die "Große, gute Mutter", und den tyrannischen Vater, den "Bösen, dem es nur um Macht über die Frau geht". Das ist pathologisch und saugt, sagt Peterson, regelrecht die Vitalität aus unserer Kultur. Mit einer fatalen Entwicklung, die eine klare "anti-männliche" Forderung ist und gerade die jungen Männer - genau die, die die größte Energie haben - aus allen Schulen und Universitäten hinausdrängt.

Es gibt keinen anderen Weg, sagt Paglia, als den, daß Männer wieder aufstehen und fordern, als Männer angesehen und respektiert zu werden. 

Peterson weist auf Untersuchungen hin, die belegen, daß die Psychopathologien bei Frauen deutlich zunehmen. Frauen, die in diesem toten Schema sozialisiert werden, können nicht mehr zwischen Tyrannei und Kompetenz unterscheiden. Das überlegene Argument, die größere Fertigkeit wird bereits als Tyrannei angesehen. Wir werden deshalb immer ausschließlicher von schwer pathologischen Persönlichkeitsstrukturen von Frauen dominiert, die unfähig sind, gesunde, ausgewogene Beziehungen zu Männern aufzubauen. 

Man sagt gerne, daß Männer eben aufstehen müssen, um sich zu wehren. Aber das übersieht eine Tatsache: Diese Frauen haben nie gelernt, daß es im Kampf gegen unfaire Mittel anderer oder in einer Auseinandersetzung Stufen gibt - Gespräch, Diskurs, Streit, und als letztes auch physische Gewalt. Aber diese Stufen zu sehen ist heute verboten! Schon die "mögliche Bedrohung" wird attackiert.

Männer können nur noch verlieren. Denn ihnen gilt der Kampf.

Damit kommen Männer auf jeden Fall unter die Räder, weil sich mit ihnen IMMER die Möglichkeit verbindet, physisch gewaltsam zu werden. Wenn Männer untereinander reden, ist diese Möglichkeit immer präsent, ja sie ist der Hintergrund der immer mitschwingt, und allen ist das bewußt. Im Gegenteil: Wenn man es mit jemandem zu tun hat, der diese Bereitschaft NICHT hat, hat man vor ihm gar keinen Respekt. Es braucht also nicht die Männer, die aufstehen, sondern es müssen die noch gesunden, ausgewogenen Frauen sein, die aufstehen und sagen: Genug von dieser Pathologie! Genug von diesem Männerhaß! 

Nur ist dabei das Problem, daß die gesunden Frauen viel zu sehr damit beschäftigt sind, gesunde Dinge zu tun - Beruf, Familie, Alltag. Sie haben gar keine Zeit, sich mit ihren durchgeknallten Schwestern auseinanderzusetzen. Während die pathologischen Frauenpersönlichkeiten eben nichts zu tun haben, als sich mit ihren pathologischen Vorstellungen auseinanderzusetzen. Und das ist der Grund, warum diese kranken Vorstellungen unsere Gesellschaften, unsere Kultur so stark dominieren können. Das ist fatal, und es ist symptomatisch für den Niedergang unserer Kultur.


Morgen Teil 3)





*160618*

Merkwürdigkeiten

In irischen Zeitungen fand sich vor einiger Zeit folgende Geschichte: Ein Priester erlitt in einer Schwulenbar eine Herzattacke und verstarb binnen weniger Minuten. Aber, schrieben die Zeitungen, er hatte Glück. 

Denn in derselben Bar waren noch zwei weitere Priester anwesend, die ihm die Letzte Ölung* erteilten.

Wirklich passiert.

Irland.**


***

Der Präsident der Catholic Action League in Massachusetts, einer Laienvereinigung, berichtete im selben Podcast auf OnePeterFive, daß die Medien mittlerweile bei ihm anrufen, wenn sie wissen wollen, wie die Katholische Kirche zu bestimmten Moralfragen steht. Denn die (Erz-)Diözese selbst antwortet auf solche Fragen gar nicht oder nur ausweichend.


***

Übrigens wurde in Irland mit der letzten Volksabstimmung die Abtreibung NICHT freigegeben, sondern vorerst nur der 8. Verfassungszusatz entfernt, der den Schutz des ungeborenen Lebens beinhaltete und erst 1983 beschlossen worden war. Noch also hat das Massenschlachten nicht begonnen, die konkreten Gesetze dazu werden in den nächsten Monaten erst ausgearbeitet.

Noch ein Detail: Die einzige Gruppe, die mehrheitlich GEGEN die Freigabe der Abtreibung entschied, waren die Angehörigen der Altersgruppe 65+.






*Also die Krankensalbung, die man als Sterbesakrament bezeichnet, weil es nur in Lebensgefahr gespendet werden darf.

**Wir sprechen hier von Süd-Irland. Nordirland ist nun das einzige Land in Europa, wo die Abtreibung bedingungslos verboten ist. Und die nordirischen Katholiken haben bereits angekündigt, eine Entwicklung wie im Süden zu verhindern. Gleichzeitig aber haben englische Politiker angekündigt, dieselbe Gesetzeslage der Abtreibung wie im Süden auch in Nordirland durchsetzen zu wollen.





*150618*

Samstag, 21. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (1)

Wir bringen hier eine Zusammenfassung als sinngemäße Übertragung, die wie üblich da und dort Ausgangspunkt für eigene Ausführungen wurde, aber im Wesentlichen das im 5. Teil schließlich eingefügte Gespräch zwischen Camille Paglia und Jordan Peterson wiedergibt. Das nicht, weil der VdZ in allem den beiden zustimmt, ja er hat sogar sehr prinzipielle Einwände, worüber er schon gesprochen hat oder noch sprechen wird. Beide zeigen enorme Widersprüche, die auf ihre Prämissen zurückzuführen sind. Dazu ein anderes mal mehr. 

Kurz aber vorweggeschickt: Die Argumentation beider - beider! - beruht auf falschen Voraussetzungen, auf falschen Prämissen. Beide versuchen lediglich, ihren mit Recht aufgewachten gesunden Menschenverstand zu retten und zu seinem Recht zu bringen. Begründen können sie ihn aber nicht, dazu fehlt ihnen etwas Entscheidendes: Die Denkgrundlage. Beide bleiben damit Phänomenologisten. Darin freilich ist viel Richtiges.

Im großen ganzen ist das Gespräch also sehr interessant, vieles ist sehr richtig, und die beiden decken ein breites Feld ab, weshalb es eine Analyse der "Modernen Zeiten" ist. Im besonderen geht es dabei auf die Problematik Neo-Marxismus und Postmoderne ein. 

Ganz vehement wendet sich Camille Paglia gegen die Saga, daß der Postmodernismus der ursprünglichen Protestbewegung der 1960er entstamme. Sie habe selbst erlebt und oft und oft gesehen, wie gerade die intellektuell Begabtesten von LSD bzw. Drogen ausgeschaltet wurden. Die Bewegung nach den 68ern war eine Bewegung des Ausstiegs, und das hieß vor allem ein Ausstieg aus dem wissenschaftlichen Denken. 

Sie habe selbst erlebt, wie stattdessen "Hohepriester" eines neuen Denkens die Herrschaft übernahmen, und diese Denker - vor allem Franzosen wie Derrida und Foucault - waren NICHT progressiv, sie waren zutiefst reaktionär. Vor allem war diese Bewegung getragen von einer extremen Arroganz eines Überlegenheitsgefühls, in dessen Namen alle herkömmlichen Formen in Wissenschaft wie Kunst ignoriert und deshalb "überwunden" wurden. Das wurde getragen von einem fast hysterischen, in jedem Fall nur gefühlsmäßig verankerten "Wissen" um die Destruktivität, die in "Sexismus", "Rassismus" etc. verankert war, die angeblich alles zerstöre. Nun herrschte das "Gefühl".

Der Umbruch der Akademiker - Akademismus wurde zu einem Feld von Betrügern

Alle diese Leute waren BETRÜGER. Der Akademikermarkt in den 1970ern brach zusammen, aus einem Studium auszusteigen war Mode. An dessen Stelle setzte sich deshalb umso leichter institutionalisierter, intellektueller Betrug. 

Die nunmehr autorisierten neuen Leitbilder haben Theorie lediglich als Rechtfertigung mißbraucht, sie aber nie redlich betrieben. Daraus entstand eine existentiell motivierte, tiefe Verachtung gegen alles, was nach Qualität und intellektueller Kompetenz auch nur roch. Hier kann man nur simple Motive wie "Eifersucht" und "Neid" feststellen. Die Kunstkritik war getragen von Leuten, die nicht den geringsten Sinn für Kunst - Schönheit, Wahrheit, Gutheit - hatten. Es war die brutale Reaktion von Dummen - ja, von Dummen! - gegen die Gescheiten. Dafür wurden neue, völlig undefinierbare Kriterien eingeführt. "Bewußtseinserweiterung", "Kosmologisches Bewußtsein", etc. etc. 

Und genau auf dieser Welle schwammen die Modeintellektuellen der Zeit, die vor allem aus Frankreich kamen: Derrida oder Foucault. Man verstand einfach nicht mehr - und wollte nicht verstehen, und konnte mangels intellektueller Befähigung nicht verstehen - was Kunst ist. Die über Warhol entstehende "Pop-Art" zerstörte sogar die echte Avantgarde der Kunst, die immer eine leidende Schichte aus innovativem Drang gewesen ist. Und das Lustigste: Diese neue "Kunst" erklärte sich als Anti-Konventionalismus, lebte aber nur deshalb, weil die Medien sie hochdrückten! Und die Galerien, die natürlich nur aufs Geschäft schauen, taten mit. Seit fünfzig Jahren haben wir deshalb einen regelrechten Infantilismus in der Kunst. 

Getragen von einer Akademikerschicht, die man als gnadenlose Karrieristen bezeichnen muß, die auf jeder populären Welle mitschwammen, um es zu etwas zu bringen. Schlimmster Bürokratismus zog ein! Nach oben kam, wer gut mit Behörden umgehen konnte. Eine ganze Generation wurde korrumpiert.

Die Post-68er waren eine einzige Bewegung der Konventionalität! All der Protest gegen die Regierung etc. war eine verabscheuenswürdige Inszenierung zutiefst konventioneller Defraudanten.

Gleichzeitig kam die Ausbeutung der Studenten durch die enormen Studiengebühren. Die scheinbar aber niemanden störten! Mit dem Geld sank hingegen die Qualitätskontrolle. Und jeder Absolvent verließ die Universität mit exorbitanten Schulden. Die Umstellung der Methode, in der sich nun jeder Student "frei" wählen konnte, was er denn an Vorlesungen besuche, ohne jede Führung, ohne jede Anleitung, führte zu einer Illusion von Freiheit und Wissen. Niemand kümmerte sich nun noch darum, vor allem durch ein Teilstudium erst einmal die Basis fürs Denken zu schaffen. Und die Lehrenden entschlugen sich nun jeder Verantwortung für Erkenntnis an sich, sie hatten ja nur ihre beschränkten Teilgebiete zu "lehren". Was damit geschah, war nicht mehr ihre Verantwortung.

Tja, plötzlich sah niemand mehr Zusammenhänge, große Sinnkonstrukte. Damit verlor jede Gesamtorientierung ihren Sinn, ihre Autorität. Alles wurde damit relativ. Die großen Erzählungen (die eigentlich das Grundmaterial jeder Wissenschaft sein müßten, jede Forschung ist eigentlich eine Variation dieser Grunderzählung; Anm.) gab es nicht mehr.

Es war nicht Intellektuallität. Es war Emotionalität, die sich als Intellektualität tarnte.

Der Neo-Marxismus, der damals aufbrach, war keine intellektuelle Bewegung, sagt Paglia. Er war eine "Attitüde". Eine Solidaritätsgeste mit Schichten und Lebenswirklichkeiten, die niemand der Proponenten des Marxismus auch nur annähernd kannte. Gerade die Neo-Marxisten zeichneten sich durch besondere Arroganz etwa gegenüber dem Betriebspersonal der Universitäten aus, denen sie sich natürlich völlig überlegen fühlten. Sie waren die neue Aristokratie! Dabei, so Paglia, hat sie erlebt, daß diese neue Studentengeneration von nichts eine Ahnung hatte, sie war nicht in der Lage zu begreifen, daß die Geschichte VOR ihrer Zeit existiert! 

Sie sahen und sehen alles aus der Perspektive der Gegenwart. Deshalb kann ihnen Geschichte nichts mehr erzählen. Sie sind also in Wahrheit ganz schlecht ausgebildet! Und halten sich aber, weil das Vergangene total relativiert wird, für überlegen. Wie will man aber klassische, europäische Kultur (und deren Gegenwart; Anm.) verstehen, wenn man keine Ahnung von ihrer Genese hat? Die gegenwärtige Generation ist extrem ignorant! Sie bemerkt nicht einmal, daß das, was sie als große Neuentdeckungen feiert, jedem Menschen mit Erfahrung absolut lächerlich vorkommen muß, weil das doch längst klar war! Die Ignoranz der gegenwärtigen Studenten ist extem! Sie haben auch so gut wie nichts gelesen, sie kennen einfach nichts, und schon gar kennen sie nicht die Quellen. Wie aber soll man da "denken"?

Foucault oder Derrida sind niemals Forscher gewesen. Sie haben einfach nur das, was sie gelesen haben -  wenn sie es denn gelesen haben - einfach wiederverwertet, und darauf ihre "neuen" Ideen aufgebaut. Ihren ganzen Theorien fehlt deshalb die Realität. Sie haben sie ignoriert.


Morgen Teil 2)



*150618*

Ein Ereignis des Nominalismus (7)

Teil 7)




 








*Seit dem Zweiten Vatikanum kommt es scheinbar nur noch auf "die innere Haltung" an. Heutige Liturgie präsentiert sich folgerichtig als ständiges psycho-methodisches Herumpfuschen an "inneren Haltungen", Frömmigkeit wird zur psychogenen Evokation von "inneren Gestimmtheiten". Während das, was eben diese innere Haltung (oder Gestimmtheit) erst vermitteln würde, das Himmlische, das Heilige, also die Liturgie, völlig relativ geworden ist. Die Ordnung des Heils wird seither von der Ordnung der Dinge und den Gestalten losgerissen, diese sind unbedeutend.





*130618*

Freitag, 20. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (6)

Teil 6)



Es ist eine belegte Tatsache, daß deshalb die Hierarchie der Kirche von Marxisten und Homosexuellen direkt unterwandert werden mußte. Nur wenn man die Kirche zerstörte, ihre Autorität aushöhlte, konnte man sie als Block gegen die Atomisierung der Gesellschaft ausschalten. Dazu waren die Priesterseminare bestens geeignet, wo Lehre (über die Aushebelung der Lehre durch "Wissenschaften" über oligarchischen Einfluß - im Funktionskreis Stiftungen, bezahlte Studien, Medienmacht, Einfluß auf die Politik - haben wir an andere Stelle bereits geschrieben) und Prägung der Lebensführung zusammenfallen. Und mit dieser Unterwanderung gelang es. Es gibt Zahlen die belegen, daß der Großteil der Mißbrauchsfälle (67 Prozent) männliche pubertierende Jugendliche (12-16) Jahre) betrifft, und die Täter sind zu zwei Dritteln Priester, die als aktive Homosexuelle bekannt waren.  Das Problem der Kirche ist also nicht Pädophilie! Es ist Homosexualität. Denn hier geht es eben nicht um Fertilität, sondern in deren Sexualität geht es nur um sexuelle Lust. Und das beste Objekt dafür ist der noch unfertile Jugendliche, von dem keinerlei Konsequenzen zu erwarten sind.

Das führt wiederum zur Zerstörung der Institution. Denn wenn man sie schwul und weich macht, wer sollte sie noch ernstnehmen?  Wer hingegen einen männlichen, klar identifizierbaren, sittlich lebenden Priester erfährt, der treu die Lehre verkündet, ändert sich in den Augen der Menschen auch Bild und Autorität der Kirche. Und wer sonst als die Kirche sollte beim Kampf gegen das Übel, gegen die Sünde am besten Bescheid wissen? Hier zumindest erwarten die Menschen die entscheidende Kompetenz.

Das bringt wieder zurück zum Zweiten Vatikanum. Für Geyer ist der entscheidende Punkt gewesen, daß die Kirche ihre Ekklesiologie geändert hat. Das heißt die Sichtweise, was sie ist, und wie sie aussehen muß. Vor dem Konzil waren die Sichtweisen mit denen der Orthodoxie praktisch deckungsgleich, und führte sich auf das Konzil von Nicäa zurück. Wo es im damals festgelegten Credo heißt "ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche".  Man beachte vor allem das Wort "eine". Wer in Gemeinschaft mit dem Papst von Rom war, oder in der Orthodoxie: in Gemeinschaft mit der apostolischen Sukzession, der gehörte zu dieser einen Kirche.

In Lumen Gentium aber wurde die eigene Identität plötzlich geändert. Noch zwanzig Jahre zuvor hatte Pius XII. in Mystici Corporis klar festgestellt, daß die römisch-katholische Kirche die originäre, auf Jesus und die Apostel zurückzuführende Kirche ist. Lumen Gentium sagt nun, daß diese Kirche in der römisch-katholischen Kirche "subsistiert". Das heißt nichts anderes, als daß sie auch in anderen "Kirchen" sein könnte, zumindest könnte man es so deuten, auch wenn Benedict XVI. noch meinte, daß es heiße "ist". Aber so steht es eben nicht da. Und daß das anders gedeutet werden konnte, hat sich bald gezeigt. Plötzlich kamen dogmatische Interpretationen auf, daß die Kirche auch andernorts zu finden wäre. Zum Beispiel - in den protestantischen Kirchen.

Wieder derselbe (nominalistische) Vorgang wie oben bereits ausgeführt: Plötzlich waren die Dinge eben nicht mehr sie selbst, nicht mehr notwendig sie selbst! Plötzlich hing was sie waren von dem ab, was man in sie "hineinlegte", womit man sie also verband. Form und Inhalt wurden getrennt, würde ein Scholastiker sagen (was Florian Geyer freilich nicht ist.)

Damit hat die Kirche ihre eigene Autorität zerstört und vor allem die Rückbindung der eigenen Gläubigen an diese römisch-katholische Kirche, denn diese hat sich "branched off", also in Seitenzweige aufgeteilt. Ihr Ganzes war plötzlich eine Art Summe aus allen möglichen "Teilkirchen". Damit hat sie sich sogar auf den Boden des aufklärerischen Humanismus gestellt. Mit diesem "Ökumenismus" kam sie exakt ins Fahrwasser der Oligarchie. Es waren nicht zufällig Stellen wie die Rockefeller-Stiftung oder Rothschild, die die Entwicklung einer neuen Liturgie (NOM) finanzierten.

Die Kirche nach dem Zweiten Vatikanum ist deshalb eine ANDERE Kirche als die vor diesem Konzil, sagt Geyer. Mit einer eigenen, neuen Liturgie. Es sind zwei verschiedene Religionen. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Kunst und in der Architektur, wo der Bruch am deutlichsten wird: Plötzlich "passen" die alten Kirchen nicht einmal mehr, und die neu gebauten sehen völlig anders aus.  Eine völlig neue Musik kam auf. Eben: Eine völlig neue Art der Kommunikation, der Sprache der Kirche zeigte sich. Die in sich häretisch ist, wie oben bereits ausgeführt wurde.

Das ist der Hauptpunkt der Kritik von Florian Geyer am Zweiten Vatikanum. Er ist ekklesiologischer Natur. Die Kirche nach dem Konzil ist eine andere Institution, der Katholizismus VOR 1962 und NACH 1965 ist unvereinbar, er wurde eine andere Religion. Herauskam eine alchemistische Religion, die die isolierten Bestandteile der Tradition neu zusammenstellte und so eine Kontinuität vortäuschte, die nicht mehr bestand. 

"Ein Ensemble von richtigen Teilen hat die Wahrheit als unteilbares Ganzes ersetzt."

Als das Ganze einmal zerstört war, blieb im Grunde nur noch die Sprache der Feinde der Kirche übrig, der Nihilismus zugrunde liegt. Es ist auch nicht einfach Pragmatismus, es ist britischer, newtonischer Empirizismus.

Wo der Monarch als oberste Macht im Staat abgesetzt wird, folgt automatisch und unweigerlich die Herrschaft der Oligarchie. In ihren Händen konzentriert sich nun die Macht. Und das Besondere an diesen Leuten ist, daß sie Chamäleons sind. Diese Leute glauben nicht wirklich an etwas, vor dem sie sich rechtfertigen müßten, nach dem sie gemessen werden könnten. Deshalb können sie auch vor keiner weltlichen Institution zur Rechenschaft gezogen werden, sie haben keine über sich! Darum findet man sie auch an allen Stellen der Erde, egal auf welcher Seite. Sie haben die IG-Farben oder Hitler genau so finanziert wie die Anti-Hitler-Front. Das einzige, dem sie folgen ist - Macht. Und das einzige, was sie bewegt ist der Eros der Macht.

Diesem Eros der Macht ("libido dominandi"), der auf keiner Sittlichkeit beruht, entspricht (wir werden über die Zusammenhänge noch handeln) wie entspringt auf gleicher Ebene das Streben, den anderen zu demütigen, indem man ihn nach unten (und unter einen selbst) zieht. Ihn in Versuchung führt, ihn zu korrumpieren versucht. Denn diese Menschen wissen um die Hohlheit ihrer Macht vor dem Hintergrund des Absoluten.

Morgen Teil 7)




*140618*

Historische Melancholien


Eigentlicher Grund zur Melancholie ist in diesem Fall die Zersplitterung eines ungemein geschlossenen Kulturkreises. Es geht also nicht um Träume von einstiger Größe oder Machtvollkommenheit, es geht um künstliche Grenzen, wo besonders in langen Jahrzehnten des Eisernen Vorhangs ein seit je zusammengehöriger, zusammengewachsener Kulturraum geteilt war. Eine Wunde, die nach den Vertreibungen der Österreicher 1945/46 - auch die Sudetendeutschen im Norden Böhmens, auch die Schlesier in Mähren sahen sich immer als Österreicher - noch schlimmer schmerzte.

Immerhin zeigt dieses Lied bereits eine gewonnene Distanz zu sich selbst. Es ist Zeichen von Verarbeitung, wenn man zum Spiel mit einer Sache gelangt, nicht mehr von ihr getrieben wird.

Peter Alexander

Wie Böhmen noch bei Öst'reich war, 
vor finfzig Jahr, vor finfzig Jahr, 
hat sich mein Vater g'holt aus Brinn, 
a echte Wienerin.







*Als kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges der englische Botschafter anläßlich einer Audienz bei Kaiser Franz Josef diesem anbot, auf die Seite der Entente zu wechseln, es würde sich lohnen, antwortete dieser voller Unverständnis: "Aber ich bin doch ein deutscher Fürst!" Wie sollte er da zu den Feinden Deutschlands wechseln, von dem er doch selber ein Teil war?

**Bis zum Jahresende 1914 war die Zahl der Gefallenen und Verwundeten Österreich-Ungarns genau so hoch wie die Gesamtzahl der Soldaten in der Mobilmachung vom August 1914 betragen hatte - zwei Millionen. Ein ganzes Heer mußte ersetzt werden. Nicht zum letzten Mal. Und es waren die Besten, die Ritterlichsten, die Tapfersten, die Mutigsten, die von den neuen blutig-technischen Kriegsmethoden, von diesem Krieg der Techniker, Kaufleute und Industriellen, völlig überrascht waren, weil sie als Ritter in den Kampf gezogen waren. Mit gezogenem Säbel ritten, mit aufgepflanztem Bajonett liefen sie auf die feindlichen Schützengräben zu - als die Maschinengewehre los tackerten. Niemand hätte so einen Krieg für möglich gehalten. 

Hätte Österreich das aber nicht gemacht, wäre Deutschland vom ersten Moment an ohne Chance gewesen, weil es einen Zweifrontenkrieg niemals hätte bestehen können. Der ganz andere Dimensionen hatte als lediglich die Kämpfe gegen zwei Armeen in Ostpreußen (Tannenberg). Sogar dieses wollte die deutsche Heeresleitung kampflos aufgeben, als die Russen einmarschierten, weil man dazu durch den Ausgriff nach Westen keine Kräfte hatte. Bis ... Hindenburg kam. Der das bekannte Husarenstück ablieferte, mit einer halben Armee zwei Feindarmeen zu schlagen, weil sich deren Kommandeure spinnefeind waren. Österreich hat das alles freilich nichts genützt, im Gegenteil.




*100618*

Donnerstag, 19. Juli 2018

Analyse der Gegenwart in einem Aufwasch (2)

Teil 2)




Die Internationalisierung der Wirtschaft, wie sie in den 1970er Jahren (und vor allem mit der EG/EU) einsetzte, brachte in immer rascheren Schritten ein Absinken der Löhne, das durch "Konsumfreuden" kaschiert wurde. In diese Lage hinein errangen Anfang der 1970er Jahre überall in Europa sozialistische Regierungen die Macht. Und überall begannen sie, die gesellschaftlichen Grundlagen zu revolutionieren und die Gesetzeswerke einem neuen, modernen Menschentypus anzugleichen.

Der Sozialstaat als Daueralimentierungsstelle wurde geschaffen, das Brot zu den Spielen, mit dem die Bürger leicht zu überrumpeln waren, stillschweigend der Auflösung der sozialen Strukturen und vor allem der angestammten Moral zuzusehen. (Gleichzeitig explodierten die Staatsschulden, mit denen dieses Brot zu den Spielen finanziert wurde. Finanziert? Es wurde der Zukunft angelastet.) Der damit die neu entstehenden Lücken aus dieser Auflösung der sozialen Gefüge ausfüllen sollte, weil angeblich konnte. Was natürlich nicht geht, aber noch bemerkte es niemand. Kurz darauf zogen folgerichtig (Ende der 1970er) die Kredite ins Leben des normalen Bürgers ein, mit denen er sich das finanzierte, was ihm die Löhne nicht gestatteten. Und mit den Krediten erfolgte die endgültige Bindung an den Systembestand. Wozu ihn ein immer mehr aufgestacheltes 'Bedürfen' trieb, das vor allem aus unbefriedigter echter sozialer Bindung entstand. 

Die Linke beschränkte sich immer mehr auf Forderungen, staatliches Geld zu verteilen, um den Konsumismus der Menschen aufrechtzuhalten. Sie war dabei, sich zum Helfershelfer der Oligarchien zu machen, der sie heute ist. Deren Anliegen ganz exakt die Interessen des Kapitals erfüllen. Die sie mit "neuer Moral" (selber eine Implementierung der Oligarchie) - Ökologie, sexuelle Befreiung - rechtfertigte. Die eigentlichen Anliegen der Sozialistischen Bewegungen existieren nur noch als ungeliebtes Museumsstück. Heute beschäftigen sich die Linken damit, sexuelle Befreiung und grenzenlosen Konsum zu propagieren, und verkaufen den Abstieg der Lebensmöglichkeiten als "Errungenschaft". Der heutige Mensch ist arm, fährt Fahrrad statt Auto, kann keine Familie ernähren und kommt gerade so über die Runden, aber er darf dafür ficken, wen und wo immer er will, bis ihm das Gehirn endgültig verdampft.

Und er darf saufen. Und er darf Drogen nehmen. Nötigenfalls auch auf Krankenschein, als Psychopharmaka getarnt. Ja, er darf sogar die Welt retten, wieder und wieder. Damit bleibt ihm immer die Möglichkeit, sich "gut zu fühlen", "Held zu sein", auch wenn seine eigentliche persönliche Situation objektiv katastrophal ist. Er merkt nicht einmal, daß ihm seine dringendsten Lebensziele* - stabile Partnerschaft, Familie, Kinder - einfach nicht mehr gelingen. 

Dafür vermitteln "Neue Medien" die Illusion, politisch beteiligt und wichtig zu sein wie noch nie. Während die Menschen meinen "zu partizipieren", geschieht das Gegenteil: Sie werden noch besser gesteuert, und vor allem wird ihre Sprache, ihr Denken gesteuert. Ganz freiwillig. Ganz so, wie eben Mißbrauch funktioniert. Und ebenso freiwillig nehmen die Menschen diese Medien an, die sie durch eine Scheinwelt eines angeblichen Sozialen nicht merken lassen, daß das Wesentliche des Sozialen verdunstet ist, ja sie sich sogar immer mehr der Steuerung ausliefern. Durch Medien, die sie bis auf die Unterhose ausziehen und durchleuchten und in geschickter Verführung - immer unter der Fahne einer immer größeren "Freiheit" - noch besser benutzbar machen, weil sie Zugang zu dem eröffnen, was sie steuerbar macht: Zu ihren Schwächen und Angreifbarkeiten.

Eine eigentliche Linke gibt es nicht mehr, sie trägt nur noch deren Namen. Es sind auch genau diese nominellen Linken, die auf die Kinder zugreifen - erst durch Anti-Autoritäts-Bewegungen, die die familiären Strukturen atomisierten, dann durch immer frühere staatliche Erziehung, ebenfalls "hochgepriesen", so daß niemand merkt, was für ein Verlust an Lebensqualität es ist, wenn die Mütter nicht einmal mehr bei ihren Kindern bleiben können. Und es ist ebenfalls die Linke, die - gegen alle ursprünglichen Anliegen! - die immer totalitärere Regelung selbst kleinster sozialer Situationen fordert, die so den Anschein von "Moral" geben.

Berlin ist für E. Michael Jones die Hauptstadt des europäischen Niedergangs, die Hauptstadt der Oligarchie - eine einzige Schwulen-Disco ("gay disco"). Kapitale in einem EU-Europa, das er als "Viertes Reich" bezeichnet, in dem die Neue Weltordnung Wirklichkeit wurde. Die eine Weltordnung der Oligarchie ist, die die Masse der Unfreien beherrscht und steuert.







*Wir haben es schon mehrmals erwähnt, auch heuer wurde es wieder bestätigt: In der Prioritätenliste der jungen Menschen steht und stand immer eine stabile Partnerschaft und gelingende Familie ganz ganz oben. Nach wie vor wollen dies 90 Prozent der Jungen vorrangig. Gleichzeitig fällt offenbar niemandem auf, daß die Parameter, die diese Stabilität ausdrücken - Ehe, Nicht-Scheidung, Verhütung und Abtreibung, homogenes soziales Umfeld - in die Gegenrichtung weisen. Nicht einmal das fällt noch auf, daß zwar einerseits die "Ausbildungshöhe" immer mehr steigt, aber die Berufszufriedenheit Jahr für Jahr fällt. Das sind nur einige der Hinweise darauf, wie sehr man den Menschen bereits Sand in die Augen gestreut, sie von ihren eigentlichen Zielen abgelenkt hat. Selbst der Wahnsinn der political correctness hat nur eine Funktion: Er soll von den eigentlichen Katastrophen ablenken und Sündenböcke schaffen, die von den wahren Schuldigen ablenken.



*180618*

Über das Schreiben und die Kunst - Interview (4)

Teil 4)


Aber Sie erfinden ja auch ihre Figuren?
Nur in einem gewissen Sinn - so kommen sie natürlich nicht vor, wie sie da beschrieben werden. Aber sie alle tragen von irgendwoher aus Beobachtungen gestohlene Eigenschaften, die ich an ihnen darstelle. Und zwar weil diese Figuren in mir zu leben anfangen, ich gar nicht mehr unterscheiden kann, ob sie real oder nicht sind. Ich rede, lebe, streite mit ihnen oder verliebe mich gar in sie. Im Schreiben stellen sie sich dar, woraus ersichtlich wird, was sie tun, nicht was ich dabei will. Ich gehe Wahrgenommenem also gewissermaßen nach, warum ist nicht bedeutend.

Kann man ihrem letzten Roman "Helena oder: Das Gute ist was bleibt" entnehmen, daß Sie für eine psychologische Literatur plädieren?
Aber überhaupt nicht, im Gegenteil. Die heute als solche verstandene Psychologie ist ja nur ein Erklärungsmodell, das aber einfach hinten und vorne zu kurz ist und von einer Weltanschauung ausgeht, die der komplexen Wirklichkeit nicht gerecht wird. Doderer nennt sie einmal eine "Erkrankung des Geistes," das kommt auch meiner Ansicht recht nahe: Heil wird man nur in einer Offenheit dem Begegnenden gegenüber, frei nur durch Wahrheit. Wenn heute ein Roman etc. als psychologisch erscheinen muß förmlich dann deshalb, weil das Handeln der Menschen sich verändert hat: Alles hat sich nach Innen verlegt, wir leben im wahrsten Sinne virtuell, pseudologisch, wie es Doderer nannte. Somit kann man das Heute nur darstellen, wenn man diese Gedankenebenen sieht und berücksichtigt. Handlung wird durch diese Verwirrtheit permanent verhindert, verkommt zum "Tun". 

Wir haben es heute mit starren, fast toten Menschen und Vorgängen zu tun, die innerlich abgefangen werden. Impotenz also zum Quadrat. Wir denken nicht mehr, sondern "werden gedacht." Das liegt einmal am fehlenden Vermögen, Ziele zu gewichten und auch überaktuell zu verfolgen, ein andermal an der immer größer werdenden Furcht vor der Wirklichkeit und Wahrheit Die Menschen erstarren in der Furcht etwas falsch zu machen und im Mißtrauen, die Wirklichkeit könnte sie übervorteilen. Dann handeln sie nach scheinbaren Sicherheitsregeln, um nur ja das gewünschte Resultat zu erzielen. Es kommt nicht darauf an viel zu tun, sondern das Richtige. Diese Kunst aber, die eine Frage des Gewissens ist, haben wir verlernt, dazu sind wir zu viel sinnlos informiert und doch nicht gebildet, und sie ist nur in tugendhafter Unschuld auszuüben, das ist nicht mehr rückgängig zu machen. Wir können fast nur noch resignieren im Faktischen und Solitären.

Sie sind also Kulturpessimist?
Keinesfalls, sondern Realist - und da kann man gar nicht anders als einen völligen Niedergang vorherzusagen, dazu braucht man keine besondere Intelligenz und Bildung.

Warum schreiben sie doch noch? Wollen Sie die Welt noch retten?
Erstens ist man als Romanschreiber sowieso ein armer Hund: Es dauert Jahre, bis man was fertig hat, und in denen man sich täglich neu durchringen muß. Das ist in Zeiten, wo sich in einem das Werk das man dann gebiert in den Figuren erst formt besonders hart. Diese Figuren aber lassen einen nicht mehr ruhen, die wollen auf die Welt kommen. Zweitens aber weil ich mich eben zum Schriftstellersein durchgerungen habe, was sollte ich also sonst tun? Möbel verkaufen? Drittens - und das ist tagtäglich am schwersten zu leben - kommt es nicht darauf an, wie der Erfolg ist oder was herauskommt, sondern auf das beständige Anstreben des Guten und Richtigen, danach werde ich einmal vor dem Richter bemessen. Ich habe nicht die Gnade einer Bewahrtheit, wie sie bei manchen lokalen oder älteren Künstlern durchaus noch anzutreffen ist. Ich bin mit den Menschen verblutet, und genauso neurotisch wie alle. Deshalb besteht meine Arbeit auch zum überwiegenden Teil in einem distanzierenden Freikämpfen von Lüge und Selbstbetrug, in einem immer weitergehenderen Wahrwerden, und das ist schon verdammt schwer, denn man wird ja zu jeder Stunde regelrecht überschwemmt mit Idiotie. Das ist aber die eigentliche Berufung des Künstlers, ob er es heute noch zum Meisterwerk bringen kann oder nicht, und ob das verstanden wird oder nicht.




*130618*

Mittwoch, 18. Juli 2018

Analyse der Gegenwart in einem Aufwasch (1)

In einem nächsten Parforceritt durch die deutsche und europäische Geschichte des letzten Jahrhunderts faßt E. Michael Jones zusammen, was er in seinen Studien zu den Wurzeln der Gegenwart an den Tag befördert hat. Und das kann auf einen Punkt gebracht werden: Wir befinden uns im "4. Reich", wir befinden uns in einer neuen Weltordnung, die die Ordnung der Oligarchen ist. Die sich damit die ganze westliche Welt zu Diensten gemacht haben, die heute unter dem Motto lebt: "Arm aber sexy!" 

Schlüsselposition dazu ist Deutschland. Wo sich ein besonderes Arbeitsethos herausgebildet hatte, der auf die Benediktiner zurückgeht, denen unsere Länder den kulturellen und wirtschaftlichen Aufbau verdanken, der sie so wohlhabend, der die Kultur so reich gemacht hatte. War vor dem Christentum Arbeit bestenfalls ein notwendiges Übel, das man am besten den Sklaven überließ, kam mit Benedikt von Nursia ein neues Ethos in unsere Welt. Mit "ora et labora" wurde Arbeit zum Ort der Welterfüllung in Gott. Es waren die Benediktinermönche, die mitten in einer Welt in Trümmern (aus dem Zusammenbruch der Antike, im Chaos der Völkerwanderung) begannen, blühende Inseln zu bilden, die Vorläufer aller späteren Formen von Produktivitätszentren, von arbeitsteiligem Handwerk und Industrie. Von denen ausgehend dann das Land rundum kultiviert wurde. 

Sie trugen dieses Ethos und vor allem das stupende Wissen über die Alpen, und begannen hier (später zusammen mit ihren Reformbrüdern, den Zisterziensern), eine Wildnis in blühende Landschaften umzugestalten. Und nahmen die Bevölkerung mit. Sie lehrten sie Wirtschafts- und Anbautechniken, und formten sie geistig in dieses Ethos der Arbeit hinein. 

Aus diesem Ethos heraus entstand im 19. Jahrhundert ein Deutschland, das zum Staat geeint eine Wirtschaftsdynamik zeigte, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. Binnen weniger Jahrzehnte war Deutschland zur größten wirtschaftlichen Weltmacht geworden, ohne viele Fehler, etwa eines kapitalistischen England oder einer regellosen USA zu wiederholen. Als es schließlich begann, seine Wirtschaftsmacht auch militärisch - zur See - zu stützen, wurde es zur ernsten Gefahr für den anglo-amerikanischen Raum, der ein Raum der Oligarchen war. Wo also wenige viel besaßen. An Macht, an Kapital. Also beschloß man um die Jahrhundertwende, Deutschland in einen Krieg zu führen, um es so zu schwächen. Und es gelang. Die Kriege 1914/18 und 1939/45 hinterließen ein devastiertes Land.

Das aber seine innere Kraft immer noch nicht verloren hatte. Aber nun, als restlos Besiegter, wurde es zum Zielpunkt des social engineering. Durch psycho-sozialen Umbau der Seelenlandschaft sollte die eigentliche Schaffenskraft Deutschlands gesteuert und ausgenützt werden. Und dazu mußte seine gewachsene Struktur, die auf Familie aufgebaute deutsche Lebensweise, die sich bis hinein in große Gemeinschaften ausgeformt hatte, aufgelöst werden. 

Die Menschen wurden gezielt zu Konsumenten umgebaut, deren Interessen nur noch auf Konsum und Unterhaltung ausgerichtet waren. Und vor allem - auf die Befriedigung von gezielt entfesseltem Begehren: In der Sexualität. In den späten 1960er Jahren begann die Pornographie eine immer wichtigere, gezielt initiierte Rolle zu spielen. Als sicherstes Mittel, die Menschen auf sich selbst zurückzuwerfen, sie immer ausschließlicher mit sich selbst zu beschäftigen. Während dem Land die Kraft zum Selbstsein durch einen implementierten Schuldkult genommen wurde, der jedes Eigensein zum sicheren Weg zum verbrecherischen Grund eines ganzen Volkes öffnete, den es ja in den Kriegen bewiesen hatte.

In diesen seelischen Ruinenlandschaften - die in seltsamem Kontrast zum Wirtschaftswunder mit seinen gelackten Oberflächen standen - bildete sich ein subkutaner Widerstand, der sich in den Revolutionsereignissen der 1968er eine Spitze suchte, die schließlich in den Terror der Baader-Meinhof-Gruppe mündete. Aber diese Bewegungen des Aufbegehrens gegen die Zerstörung der unmittelbarsten, natürlichen Lebensformen eines Volkes wurden durch intellektuelle Zersetzung kastriert. Selbst die Baader-Meinhof-Gruppe wußte im Grunde nicht, was sie wollte, sie wußte nur, worunter man litt. Und darin haben sie den Nerv der Zeit tatsächlich getroffen. Eine Umfrage aus der Mitte der 1970er Jahre ergab das erstaunliche Ergebnis, daß über 50 Prozent aller Deutschen einem der Terroristen, als die sie bald auftraten, Unterschlupf gewähren würde, wenn er vor der Türe gestanden hätte.

Also trafen sich 1975 erstmals die sieben größten westlichen Industriestaaten - die künftigen G7 - in Rambouillet und trafen ein Abkommen. Denn man begriff sehr wohl, daß ihre Stabilität gefährdet war. Der Terror hatte sie an die Grenze ihrer Rechtsstaatlichkeit gebracht, sie ernsthaft herausgefordert.  Der gesamte Westen wurde in ein System der Gesamtsteuerung gesteckt, in dem durch forcierte Umgestaltung des Lebens der Bürger die politische Stimmung systemkonform gebügelt werden sollte. Und diese Gesamtsteuerung - die sich bewußt der Instrumente des social engineering bediente - traf sich auffällig mit den Interessen der Oligarchie. Jones behauptet deshalb auch, daß in Rambouillet die definitive Herrschaft der Oligarchie über den Westen programmatisch wurde.

Längst hatte die Linke abgedankt. War ihre ursprüngliche Rolle gewesen, den Arbeiter vor einem übermächtigen oligarchischen Kapitalismus zu schützen, für lebensgerechte Löhne zu kämpfen, hatte sie mehr und mehr begonnen, sich nur noch um einen funktionierenden Konsumismus zu kümmern. Der schließlich wie automatisch dazu überging, daß sie zunehmend das "Wohlgefühl" ihres Klientels in den Blick nahm. So hatte sie zugelassen, daß die Löhne nur noch für individuellen Konsum ausreichen mußten. Immer weniger war ein Arbeiter in der Lage, seine Familie ausreichend zu ernähren.

Morgen Teil 2)



*180618*

Über das Schreiben und die Kunst - Interview (3)

Teil 3)



Warum muß dann Kunst erzählen? Sie sprechen ja selber von Bildern?
Weil sich Erkenntnis aus der Bewegung ablöst, aus der Minimalspannung der zeitlichen Abstände. Aus der Dauer wird das Wirken eines Dings und damit seine Eigenschaft ablesbar. Bewegung ist also in erster Linie als Selbstvollzug in der Beziehung zum vorhandenen Wirkenden zu verstehen. Somit sind wir bei den Kriterien der gestalthaften Erkennbarkeit und damit Identifikationsmöglichkeit. Wo diese fehlt haben wir es nicht mit Kunst, sondern mit Unsinn zu tun. Natürlich setzt dies eine Weltsicht voraus, die den Dingen ein im Prinzip unveränderliches Wesen unterlegt, das nach Entelechie drängt, sowie einen prinzipiell freien menschlichen Willen - daraus ergibt sich ja Handlung und Drama.

Sie lehnen also abstrakte Kunst ab?
Ich lehne gar keine Kunst ab - entweder ist sie Kunst oder nicht. Und ich bin auch gegen platt abbildenden Naturalismus, der auch nicht Kunst ist. Vieles, das uns als Kunst verkauft worden ist, ist gar keine, das ist das Problem. Damit hat man der Kunst und ihrer gesellschaftlichen Rolle sehr geschadet. Kunst bemißt sich nach dem, was sie darstellt und dem, wie sie es vermag. Sie ist in gewisser Weise kein Ding an sich, an dem sich experimentieren ließe, also blanker Formalismus. Sie wird auch dort nicht zur Kunst, wo sie Ideologien einbringt, Interpretationen also, die von einer Sollensidee ausgehend die Wirklichkeit dahingehend interpretieren. Ohne Wahrheit ist Kunst nicht denkbar, und Wahrheit ist das einzige, das sich nur aussagen, aber jederzeit verifizieren läßt, an die nicht auf irgendeine fideistische Weise geglaubt werden muß und die der Alltagserfahrung widerspricht. 

Sie kann die Einzelerfahrung bei weitem übersteigen, insoferne den Betrachter erweitern, und gute Kunst tut das auch, aber der sens ratio nicht in strengem Sinne widersprechen. Wo Kunst ihre Erkennbarkeit grundsätzlich verliert, da hat sie sich selbst verloren. So gesehen sind unsere Museen voll mit Dekorstücken. Viele der heutigen Künstler oder die sich für solche ausgeben spekulieren mit dem Effekt des Unbekannten, lediglich Interessanten - das grundsätzlich ja nicht zu beurteilen ist. Und so mancher kommt einem böswilligen Betrüger schon recht nahe: Sie täuschen Welt vor. Aber wie ich schon sagte: Der Künstler muß in sich das Prinzip der Welt tragen, also Wahrheit, und nur insofern ist er auch wahr in seinem Werk. Wenn Experiment, dann hat es seine Notwendigkeit nur in Bezug auf das Ringen um immer bessere und zeitlichere Darstellung dessen, worauf er sich bezieht. Jeder muß seinen eigenen Ausdruck finden. Wahrheit ist universal, ihre Ausformung aber ist individuell und ihre Gestalt hat eine Zeitkomponente. Das macht Kunst prinzipiell unerschöpflich.

Also wird doch Neues?
"Neues" wird im Sinne von "Weiterwerden" in der Vervollkommnung von Eigenschaften, diese Sehnsucht als Sehnsucht nach Teilhabe an Gott, also nach Ewigkeit liegt im Menschen und in allem Lebendigen. So verstanden kann man von "neu" sprechen, es wird ja tatsächlich etwas geschaffen. Die Phantasie ist dabei nicht das entscheidende, sie ist leer, keine Kraft zur "creatio ex nihilo". Ihre Gegenstände sind entscheidend, und die sind der Welt des Bekannten entnommen, die die Phantasie je nach Herzenskräften neu zusammenstellen oder auseinandernehmen. 

Man verwechselt heute vielfach Kreativität mit Formlosigkeit, Uferlosigkeit, Konturlosigkeit, die eher hysterisch denn kreativ zu nennen ist. Alles "Neue" sieht nur so aus, als wäre es neu - es ist Bekanntes, das lediglich in einem Zusammenhang geordnet ist, der bisher nicht so auftrat, aber wirklich schon vorhanden und erfahrbar war und sich nun in eine Gegenwart hinein gestaltet. Selbst in der Technik können Sie das beobachten: Der Mensch schafft "neu", was in ihm schon vorhanden ist, nach seinem Abbild, sonst kann man nicht von Schaffen, sondern muß von Zufall sprechen. Was "neu" ist, muß eben "etwas sein", eine Frage, die ja bei der Konsumation vieler heutiger Kunstwerke eine große Rolle spielt. Wobei ich die Verfremdung hier ausklammern will - denn es wird etwas oft erst sichtbar, wenn es fehlt.


Morgen Teil 4)





*130618*

Dienstag, 17. Juli 2018

Gibt es nun eine neue Balkanroute - oder nicht?

Was nun? Während der Bundeskanzler durch hektische Reiseaktivität versucht, die Balkanländer an einem Strang ziehen zu lassen, um eine nächste Migrationswelle zu verhindern, melden sich der Bundespräsident van der Bellen und etliche andere Gutmenschen die meinen, es gäbe eine solche gar nicht. 

Der von Dieter Mateschitz ins Leben gerufene und von dessen Geld finanzierte Thinktank Addendum ist der Frage nachgegangen, ob es nun eine neue Balkanroute gibt oder nicht. Nachdem man die Lage jeweils vor Ort unter Augenschein genommen hatte, ist die Frage beantwortbar: Ja, es gibt sie! Und es ist auch tatsächlich eine neue verstärkte Migrationswelle an unseren Grenzen in allernächster Zeit zu erwarten.

Nachtrag vom 16. Juni 2018: So einen Bundespräsidenten hat Österreich (und die Welt) gerade gebraucht. Mittlerweile ist aus Deutschland publik geworden, daß es schon seit einiger Zeit zu neuen Hochständen an illegal Zutritt Begehrenden kommt. Die Demokratie ist ein leerer Witz, gut. Aber wann hören die Menschen endlich auf, all diesen Lügnern und Betrügern ihre Stimme zu geben, um sie so zu "legitimieren" und ihr eigenes Gewissen erdrücken zu lassen? Ideologieersoffene gibt es ohnehin bereits genug. Die ÖVP hat van der Bellen unterstützt. Sie hat danach versucht, sich unter einem Tarnanstrich - Sebastian Kurz - durch die Affäre zu drücken. Aber wir können davon ausgehen, daß es zu einem dramatischen Rückschlag kommt. 

Weil die ÖVP gigantische Schuld auf sich geladen hat, und zwar durch ihr Verhalten in den letzten Jahren und Jahrzehnten. In Wahrheit ist sie schon lange zu einer primitiven Vergemeinung von Trotteln herabgesunken. Daraus einige hellere Köpfe herausziehen zu wollen und damit eine ganze Partei von Missetätern, die das Migrationsdesaster, die die Verwirrnis im Land absolut mit zu verantworten hat, weißwaschen zu wollen, ist tumb. Man kann vor dem Verwesungsgestank der ÖVP und damit vor Kurz nur warnen.






*150618*

Über das Schreiben und die Kunst - Interview (2)

Teil 2)



Was ist überhaupt Kunst? Und welche Rolle spielt der Künstler dabei?
Schon die scheinbare Notwendigkeit einer Kunsttheorie halte ich für ein Krankheitszeichen. Wenn ich dennoch sage, daß Kunst die explizite Schönheit des Wahren im Guten ist kann das nicht verstanden werden, wenn man nicht weiter ausholt: Nämlich beim Sinn der Schöpfung beginnt, der darin liegt, daß der liebe Gott den Menschen an sich teilhaben lassen wollte. 

Der Mensch hat über das Erkennen am Leben Gottes teil sowie an dessen Eigenschaftlichkeiten. Diese lösen wir im Erkennen über die Sinne ab. Erst die Erbsünde als Erkenntnisbruch schuf die Möglichkeit zur Nicht-Kunst, zum Profanen. Kunst knüpft also an das Paradies an. Der Künstler ist als Raum und Zeit bedingtes Wesen fleischlich geformt, trägt in sich Eigenschaftlichkeiten, hat aber keine dezidierte Figur einzunehmen, ist also nicht primär nützlich - er ist Asket. 

Er trägt die Bilder seiner Umwelt in sich, die sich in ihm entfalten und reiben, ohne von ihnen zu kosten. Er kann dazu - wenigstens als junger - keine Figur sein, die sich an Archeteypen formen könnte, damit er in die Lage kommt, sich von allem zu distanzieren. Er ist also eine Art Seismograph der welttragenden Kräfte, nicht bloßer Faktenerfasser. Er stellt purifiziert dar, was er in der Vergangenheit gesehen hat, läßt zeitbedingten Schein abfaulen wie die Schalen einer Kastanie. Insofern ist er aktuell, aber wie Doderer sagt: Immer einen Schritt hintennach. 

Deshalb hat er in sich eine besondere Berufung zur Wahrheit, die Voraussetzung für die Schönheit und Vollkommenheit seiner Darstellung ist. Da erst wird es zur Frage des Talents. Aus diesem Grund finden sich auch zwei Typen vom guten Künstler: Der besonders naive und der besonders gescheite Talentierte. Ein Mittelding gibt es nicht, bzw. produziert das Mittelmaß eben Mittelmaß. Wo er Ideologie schon gar ernsthaft einzubringen versucht, versagt er. In der Kunst finden sich somit abstrahierte, einerseits vom Konkreten abgelöste, anderseits eben im Konkreten nur darzustellende Züge der Welt. 

Der Künstler wird mit der Zeit zu einem fleischlichen Bündel der Abstraktionen, der Grundzüge der Welt, aus denen sich mehr und mehr Gestalten rekrutieren. Er hat keine andere Aufgabe als immer wahrer zu werden. Deshalb auch ist er zu besonderer Gottähnlichkeit berufen und begabt: Er wird immer universaler, trägt alles in sich, kann alles zeugen. Je klarer erkennbar, also gegenständlich vollkommener ein gültiges, weltformendes, raumgreifendes Allgemeines sich dargestellt findet, umso größer ist das Kunstwerk, das Welt tatsächlich nachschafft. 

Kunst kann somit reiner sein als die faktische Wirklichkeit, und sie hat die immanente Funktion, die Welt der Wahrheit, Schönheit anschaubar zu bewahren, als gewissermaßen Regenerationsstelle des ewig Gültigen für die Menschen. Denn der Mensch ist nach Formen, Bildern gemacht, deren Liturgie die Kunst ist. Der Betrachter hat somit in der Konsumation Anteil an diesem Ewigen, das in ihn übergeht, sein Sein kräftigt. Die Frage nach der Wahrheit der Kunst ist somit eine Frage nach der Wahrheit des Künstlers. Wobei ich das alles sage ohne den Anspruch zu erheben, diesem Ideal schon gerecht zu werden.


Morgen Teil 3)





*130618*

Montag, 16. Juli 2018

Frauen pflegen, Männer bauen




Graphik: Agenda Austria







*130618*

Über das Schreiben und die Kunst - Interview (1)

Auf besonderen Wunsch von Leser R, welcher den Text im Netz fand, bringen wir hier den Wiederabdruck eines Interviews aus dem Jahre 2000, das der VdZ damals anläßlich der Ersterscheinung seines Romans "Helena oder: Das Gute ist was bleibt" gegeben hat. Weil der VdZ damals mit dessen in mehreren Zeitungen veröffentlichter Endfassung, auf die er keinen Einfluß hatte, nicht zufrieden war, hat er es nachträglich in "reinerer Form" noch einmal niedergeschrieben, was dann von anderer Stelle im Internet veröffentlicht wurde und seither dort zu lesen steht. Nun also auch hier.

Herr Wagner, warum schreiben Sie?
Die Frage ist ungefähr gleich sinnvoll wie die an den Tischler, warum er Bänke baut. Sein Metier ist eben das Tischlern, meines das Wort. Der Unterschied liegt im behandelten Gegenstand und den Voraussetzungen, die sie benötigen.

Also vergleichen Sie sich mit einem Handwerker?
Ja. Insoferne wehre ich mich gegen eine Romantisierung des Künstlers. Dieses unselige Erbe schadet den Künstlern ungemein. Denn sie versuchen häufig ein Bild zu werden und meinen, dann erst schreiben bzw. gut schreiben zu müssen. Aber sie stehen sich damit im Wege, denn wie schon Goethe bemerkte, kommt der entscheidende Kick erst dann, wenn man begreift, daß man schreibt, weil es eines Natur ist, nicht weil man Kunst produzieren möchte - das ist ein immanentes Geschehen.

Kunst also als zufälliges Produkt der Tätigkeit?
In einem gewissen Sinne: Ja. Was nicht heißt, daß jeder der schreibt Kunst produziert. Der es aber tut, weiß es nicht wirklich, für ihn gibt es nur das Kriterium gelungen oder nicht gelungen, seinen Maßstäben gerecht oder nicht. Künstler zu sein ist immer eine Begabung, von der der Begabte am allerletzten erfährt. Die Beurteilung, ob etwas ein Kunstwerk ist oder nicht obliegt dem Kritiker, dem Betrachter. Der Künstler trägt seine Kriterien in sich, ist sich gewissermaßen selbst Maßstab, er hat keine andere Wahl - das ist Krönung wie Crux seiner Zunft. Und so verstanden ist er unendlich frei, unterliegt streng genommen nicht einmal der Moral. Wenn er zu dieser Radikalität nicht findet, bleibt er eine arme Knackwurst.

Somit plädieren Sie für eine Willkür der Formen in der Kunst?
Keineswegs! Die Formen sind eine der Wirklichkeit abgerungene Spiegelung, ihre jeweiligen Eigenarten beziehen sich auf Eigenart und Sinn der Wirklichkeit. Somit wehre ich mich auch gegen den Ästhetizismus. Hier ist es Zeit, das Kriterium der Erzählung als Eigentümlichkeit des Erkennens und damit des Lebens anzusprechen: Jede Kunstform ist eine Form des Erzählens, weil auch die Wirklichkeit sich erzählend preisgibt. Schon die Worte sind ja beschreibende Festhaltungen von den Dingen inhärenten, diese in die Welt hinaustreibenden Eigenschaften. Darin liegt auch der Anspruch auf Wahrheit und Schönheit von Kunst begründet. Keinesfalls darf dabei Schönheit als ästhetisierende Behübschung verstanden werden, sondern dieser Begriff ist nur vor dem Hintergrund verstehbar, daß nichts, was es gibt, nichts, das Sein hat, "schlecht" sein kann! Häßlichkeit ist stets nur ein Mangel an Vollkommenheit im Selbstvollzug, denn alles was etwas ist will seiner Art gemäß wirklich sein.


Morgen Teil 2)




*130618*

Sonntag, 15. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (5)

Teil 5)




Es ist nicht unwichtig zu sehen, daß die von den Juden heute ausgeübte Religion nicht identisch ist mit der der Juden im Alten Testament. Dazwischen steht ein Bruch mit der Tradition, man könnte sagen, daß es nach den Jahren 129/130 (Aufstand von Simon bar Kochbar) mit Sohar und Torah zu einer Neugründung kam. Die originalen Deszendenzen wurden zerstört. (Die exakten Abläufe und Zusammenhänge aus der Sicht von Florian Geyer finden sich am Video rund um min. 57, das am Ende dieser Artikelserie gebracht wird.) 

Auch wenn es heute schwierig ist, über diese Themen zu sprechen - wer immer den Judaismus oder Israel kritisiert muß sich sofort dem Vorwurf des Antisemitismus (mit der Beinote des Holocaust) stellen -  muß doch festgehalten werden, daß die Wahrnehmung jüdischen Einflusses historisch immer mit der Wahrnehmung von subversivem Einfluß auf die Mehrheitsgesellschaft einhergeht. Geyer sieht es freilich nicht so einfach, man unterschätzt, meint er, die Multipolarität innerhalb des Judentums selber.  

Und es würde auch an der Wirklichkeit vorbeigehen, die Juden alleine für den Niedergang der westlichen Kultur verantwortlich zu machen. Gerade bei den einflußreichsten Kräften (die Personen sind) verschwinden diese Aspekte und spielen keine Rolle mehr. Einem Rothschild sind die Juden völlig egal! Vielmehr haben wir es mit einem wirklichen geistigen Kampf zu tun, der im Letzten ein Kampf gegen Satan ist. Man darf deshalb nicht übersehen, daß es im Letzten um uns und unsere Sünden geht, in denen wir selbst verharren! Es liegt also an uns, wir sind nicht einfach Manövriermasse in den Händen anderer. Nur weil wir selbst Sünder sind, können etwa Juden oder Freimaurer Erfolg dabei haben, unsere Gesellschaften zu untergraben. Das Problem ist die menschliche Korrumpiertheit, unsere eigene Korrumpiertheit! 

Der geistige Kampf geht gegen unsere Sünden. Pornographie ist die effektivste Waffe gegen uns, weil wir so anfällig sind. Wirkliche Macht zeigt sich in Informationsmacht, in der Macht über die Daten über den Internetverkehr auf Pornoservern, in der Finanzmacht, die der Alchemie gleich kommt. In diesen Dingen wird uns Aufstieg zu Glück und letztlich Gottgleichheit versprochen. Hier sind sehr klare Analogien zwischen der heidnischen Priesterschaft Babylons und den wirklich Mächtigen der Gegenwart zu finden. Man kann deshalb George Soros durchaus mit einem babylonischen Magier vergleichen. 

Wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Unterhaltungsindustrie und die 'social media', und beeinflußt damit unsere Begierden. Insofern kann man von einer geheimen Regierung sprechen, denn diese Kräfte haben Macht, uns vielfach zu täuschen und zu manipulieren. Aber der wichtigste Kampf dagegen muß unser eigener Kampf um Verantwortung sein, muß die Bereitschaft zu bereuen, der Wille uns zu bessern sein. Ohne zu vergessen, daß wir mit bestens organisierten Mächten zu tun haben, die jede Lücke ausnützen, um uns zu Fall zu bringen.  

Das Gespräch schwenkt bei 1:09:00 zum "social engineering". Denn in der Vergangenheit sind wir immer in homogene Gemeinschaften hineingeboren worden, die uns Halt und Stütze waren, die uns geprägt haben und unser Verhalten in die Sicherheit einer Gemeinschaft mit gemeinsamen Wertvorstellungen eingebettet haben. Es ist reine Propaganda zu behaupten, daß der Mensch immer als Individuum handelt. Vielmehr ist alles was wir tun von sozialen Bezügen durchwirkt, und der Mensch braucht auch diese Eingebettetheit in eine weitgehend mit ihm homogene Gemeinschaft. 

Diese Kommunitäten (mit dem Zentrum der Familie) waren durch ihre Stabilität bis ins 20. Jahrhundert ein Machtblock gegen die westlichen Eliten (Oligarchen). Deshalb waren sie bevorzugtes Ziel ihres Kulturkampfes, der ein Kampf um Macht war und ist.  Das führt zu dem Punkt, warum Putin ein so populäres Ziel der Oligarchie des Westens ist. Denn er ist der wohl einzige ernsthafte Christ an der Spitze eines Staates, weltweit. Und in seiner Weltanschauung ist er der einzige, der der Aufklärung entgegensteht.

Die Zerstörung der Autorität der katholischen Kirche hat jeden höheren moralischen Standard ins Mark getroffen und ausgelöscht. Selbst wenn man ihr gewisse Restriktivität oder Formalismus da und dort vorwerfen könnte, so ist das immer noch die bessere Alternative, denn der Mensch muß sich gewahr bleiben was ihm "blüht", wenn er sündigt: Er verfehlt sich selbst weil seinen Sinn, und er wird, wenn er das tut in der Hölle landen. Selbst die schlechteste Form von Katholizismus ist noch besser als dieser völlige Niedergang der Moral, den wir heute erleben. 



Nächsten Freitag Teil 6)




*140618*

Eines Ablasses würdig

Geneigter Leser, nehmen Sie die Einladung des VdZ an, in seine Kindheit einzutauchen. Er ist heute noch auf den Knien (sic!) dankbar für die letzten Reste einer unschuldigen Welt, die er erleben durfte, die ihn sogar formte. Versteht er, warum er meint, daß die Welt damals hätte stehenbleiben können? Nein, nicht stehenbleiben, sondern was danach kam war qualitativ so unterschiedlich, daß es für ihn ein bis heute nicht verwundener Kulturbruch war. Ach ... eine ganze Welt tut sich hier auf. Nachfahren, jüngere Generationen - wie anders als die heutige Welt!? Was wird Euch vorenthalten. Gerade, weil man es Euch zu geben meint.

Ein wenig nachvollziehbar in einer Sendung, die anläßlich des 100. Geburtstags von Heinz Conrads entstanden ist. Eines Mannes, der die 1960er Jahre als erste Jahre des VdZ nicht nur begleitet, sondern mit gestaltet hat. Deo gratias. Wo wäre heute die Kunst, die eines Dankes gen Gott würdig wäre?

Glaube der Leser dem VdZ - hier sieht er eine Reminiszenz mit zahlreichen Archivaufnahmen, die eines Sonntags, dem Tag der Muße, würdig sind. Und die laut Katholischer Kirche sogar mit einem (zeitlichen) Ablaß bedacht sind.








*100618*

Samstag, 14. Juli 2018

Mal in die Karten der Wirklichkeit schauen

Tja, sie wäre ein gescheitel, ja fast geistvolle und von Lebenserfahrung genährte Frau, die derzeitige Außenministerin von Österreich, Karin Kneissl. Ihre Analyse des arabischen Raumes, des vorderen Orients also, ist ziemlich hörens- und sehenswert. Beides ist ja nicht zu trennen.

So manche sehr erhellende, gerade aus ihrer Eigen- - gar nicht so sehr Kontraposition - erhellende Aussagen. Sanktionen wie gegen den Iran, sagt Kneissl so nebenbei, haben diese Völker immer nur stärker gemacht. Der Vordere Orient war aber seit je ein Konfliktraum zwischen Arabien und den Persern.

Europa, so die österreichische Außenministerin, ist auf beiden Augen blind. Hat von den wirklichen Zusammenhängen keine Ahnung. Nur China hat ein erkennbares Konzept. Europa weiß zwar im Grunde alles, aber es verweigert sich der Wirklichkeit. Und die USA sind den Wirklichkeiten in diesem Raum nicht gewachsen. Die Empörungs-Emphase des Westens ist schlicht und ergreifend infantil.









*130618*

Ein Ereignis des Nominalismus (4)

Teil 4)



Und das führt zu den Kulturkampfaspekten des Zweiten Vatikanums. Die in Nostra Aetate seinen unrühmlichen Höhepunkt fanden. Denn mit einem Mal wurden die Juden von ihrer Verantwortung für den Tod Jesu Christi losgesprochen. Der als ontologische Tatsache, die als allem Judentum zugrundeliegende seinshafte Beziehung verstanden werden muß, also mit Rasse etc. nicht das geringste zu tun hat. Aber nur aus dieser seinshaften Beziehung bzw. Beziehung zum Sein (und der in ihm liegende, aus ihm stammenden Ordnung) läßt sich das Wesen des Judentums begreifen. Und seine Grundausrichtung als ... Rebellen gegen jede Form christlicher bzw. (um an oben anzuknüpfen) "aus der Liturgie gespeister" Ordnung. 

Darin zeigt sich aber noch etwas: Es zeigt sich, daß der Individualismus der Aufklärung, der dieser Erklärung zugrunde liegt (es gibt damit keine "Kollektivschuld" oder ähnliches als Form kollektiver Prägung einer Geisteshaltung oder Religion) demselben Nominalismus entstammt, der im Zweiten Vatikanum Einzug in die Kirche hielt. Der Individualismus aber übersieht, daß der Mensch zutiefst in eine Gemeinschaft eingebunden ist, ja ohne Gemeinschaft würde er nicht einen Tag überleben, hätte keine Sprache. Der Einzelne verdankt sich also in höchstem Maß auch der Gemeinschaft, in die hinein er geboren wurde, und ihre Grundprägungen prägen auch ihn. (Um das zu sehen muß man überhaupt nicht in genetische Faktoren absteigen.) Jeder Einzelne wird VOR jeder Individualisierung also von einer "corporate identity", einer gemeinschaftlichen Identität geprägt, der er aufs Erste alles verdankt. 

Das baut sich in Stufen auf, die sich auch historisch ausprägen. Die erste ist die Familie (die als erweiterte Familie zu verstehen ist, also Generationen und Nebenzweige umfaßt), die in den Stamm ausgreift. Deshalb muß auch Jesus Christus als Teil seines Stammes gesehen werden.  Und genau dieser Stamm wandte sich gegen ihn und verurteilte ihn zu Tode. Deshalb muß - und die Kirche hat das immer getan! - der Tod des Gottmenschen Jesus direkt auf die (konkreten) Juden bezogen werden. Die in einem (weiter vererbten) Schuldverhältnis dem göttlichen Erlöser gegenüber standen und bis heute stehen. Das führte zu den Vorbehalten, die die Kirche gegenüber Juden hatte. Die in "Sicut Iudaeus non" allerdings jede direkte Verfolgung von Juden verbot. Dennoch herrschte Mißtrauen, und Juden waren so lange geduldet, auch in ihrer Religionsausübung, solange sie sich nicht gegenüber der christlichen Mehrheitsgesellschaft subversiv verhielten.  Juden durften nicht verfolgt werden, aber umgekehrt durften Juden die moralischen Prinzipien der Gesellschaft nicht antasten. 

Damit brach das Zweite Vatikanum. Was damit aber passierte war, daß der jüdische Einfluß auf die Kirche quasi legitimiert wurde. Damit wurde auch die Kooperation zwischen der katholischen Hierarchie und dem organisierten Judentum legitimiert. Und damit öffnete man sich dem organisierten (und sehr mächtigen) jüdischen Einfluß. Noch dazu, wo sich die Juden weltweit als Teil einer großen Familie sehen. Aber die Haltung von Juden gegenüber dem Christentum hat sich nicht durch diese einseitige Proklamation der Katholiken geändert. Das zeigt sich im Talmud, der die interpretative Schrift zur Torah ist, dem eigentlichen mosaischen Textkorpus und spätestens seit dem frühen 2. Jahrhundert maßgeblich (und identitätsstiftend) für das Judentum war.

Man muß deshalb als eine der Folgen sehen, daß genau damit die Tore dafür geöffnet wurden, daß christliche Gesellschaften atomisiert wurden. Dieser Effekt ist bei protestantisch geprägten Gesellschaften noch stärker, denn einerseits spielt dort das Alte Testament eine größere (und buchstäblichere) Rolle, und anderseits führt sich ihre Bibelübersetzung (Luther!) auf jüdische Rabbis zurück, ist also von deren Glaubensgewebe geprägt.


Morgen Teil 5)




*130618*

Freitag, 13. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (3)

Teil 3)



Damit ist der Weg frei um zu verstehen, daß es "die Menschen" sind, die die Kirche SIND. Und zwar alle (Getauften; Anm.). Kirche ist nicht "die Hierarchie des Klerus", sie ist nur ein Teil der Kirche. Das heißt zwar nicht, daß Staat und Kirche zusammenfallen, aber es heißt, daß die Nation, der Staat durch die Menschen zur Kirche gehört. Der König wird damit nur zum Träger gewisser Funktionen, zu deren Ausübung er gewisse Hierarchie braucht. Deshalb gibt es - nach orthodoxer Sichtweise - keinen Unterschied in der Gnade vor Gott, ob es sich nun um einen Bauern oder einen Bischof handelt. 

Damit steht die orthodoxe (katholische) Sicht der Sichtweise des liberalen Demokratismus völlig entgegen. Der Staat kann niemals von der Religion getrennt werden. Und nun sind wir an dem Punkt wo wir sagen müssen, daß das Zweiten Vatikanum den Modernismus in seine Lehre einließ. Deshalb muß man es als häretisch bezeichnen. Darin ist der Grund zu sehen, warum niemand heute noch die Kirche ernst nimmt, nicht einmal der überwiegende Teil der sogenannten "Gläubigen". Das ist das größte Problem der römisch-katholischen Kirche, sagt Geyer. 

Denn seit dem Zweiten Vatikanum nimmt sich die Kirche nicht einmal mehr selber ernst. Seither sieht es sich als Alchemisten, der aus einfachen Elementen Gold machen kann, selbst.* Was für einen Wert soll Gold dann noch haben? Wenn die Menschen aber eine Kirche erleben, die sich selbst nicht ernst nimmt, der alles gleichgültig zu sein scheint, weil ohnehin aus allem irgendwie Gold wird, warum sollte ein Gläubiger noch in dieser Kirche bleiben? Er geht, das ist nur zu verständlich!

Aber indem die Kirche ihre Tradition entwertet hat, hat sie die Gesellschaft, der Kultur ihre Basis entzogen. Deshalb gibt es eine direkte Verbindung zur Wirtschaft, enorme Parallelen. Das Fiat-Geld entspricht dem Nominalismus der Kirche, wo niemand mehr ernst nimmt, was er sagt. Wucher und Homosexualität sind zwei Seiten derselben Medaille, wo Fruchtbarkeit nur noch behauptet, aber durch keine Realität mehr gedeckt ist. Das Zweite Vatikanum ist exakt dasselbe: Es hat Fiat-Geld erzeugt, nimmt die Tradition, die eigene Sprache nicht mehr ernst. Paul VI. hatte deshalb völlig recht als er sagte, daß der Rauch Satans in die Kirche eingedrungen sei. 

Denn es hat den Nominalismus in die Kirche eingeführt. Es hat eine Sprache eingeführt, die nicht mehr länger meint, was sie sagt. Und Nominalismus ist die Analogie zum Tod, denn er meint, daß nichts real ist. Alles ist nur Rauch. Wenn innerer Wert, Aussage, Sinn keine Basis im Ding selbst hat, nichts also fixiert ist, alles "übertragbar" auf andere Dinge ist, weil jeder Sinn vom Alchemisten "eingesetzt" werden kann, egal wohinein, dann löst sich alles auf. Es ist Nihilismus. Es gibt keine unbewegbaren Dinge mehr, sie zerfließen im Relativen. Und damit zerfließt auch Gott, der in der Liturgie inkarniert ist (oder: wäre).

Das ist die Botschaft der Liturgie seither. Was Sinn hat hängt nur noch vom "Meister" ab, von seinem Wissen, von seiner Weisheit, von dem, womit er Dinge auflädt. Sinn wird zur relativen Vereinbarung. 

Deshalb zeigt sich spätestens seit der protestantischen Reformation dieser Kampf gegen die Kirche und vor allem gegen den Papst. Denn sie ist aus ihrer Natur heraus allen weltlichen Regierungen übergeordnet. Und der Papst hat sich ja tatsächlich als "Super-Imperator" dargestellt.  Deshalb sieht Geyer auch den jahrhundertelangen Konflikt Englands mit dem Papst gar nicht so sehr als religiösen, sondern weit mehr als machtpolitischen Konflikt. Der - in orthodoxer Sichtweise - auf einer häretischen Sicht dessen beruht, was klerikale-kirchliche Hierarchie überhaupt ist. Nämlich eben keine korporale, weltliche Machtorganisation! Der Papst war nicht nur eine religiöse Autorität, sondern auch eine politische Autorität. Und er war das kraft gewisser "Selbstherrlichkeit" (woraus sich dann allmählich die Unfehlbarkeitsdefinition entwickelt hat, so Geyer.) Er war damit jedem Führer im Christentum überlegen. 

Der Protestantismus war deshalb zuallererst eine Rebellion der Fürsten und Könige GEGEN DEN PAPST als Super-Imperator. Also primär weltlich motiviert. Und diese Rebellion mündete - über die Enteignung der Kirche - direkt in den geldbasierten internationalen Kapitalismus und in den Neokonservativismus. 

Was im Zweiten Vatikanum passierte, findet sich aber als Folie über viele Jahrhunderte zurück. Indem die Autorität der Religion gebrochen wurde, verloren ganze geographische Räume ihren inneren Zusammenhalt, weil ihre geistige Einheit. Damit werden sie als Kampfplatz für andere Interessen aufgebrochen, werden letztlich für starke Mächte (wie es das internationale Geld ist) leichte Beute. Das passierte sogar bei der arabischen Welt durch die Jungtürken und vor allem durch Atatürk, der das Kalifat zerstörte und damit die gesamte arabische Welt, die nachhaltig zerstört war, dem westlichen Finanzkapitalismus öffnete. 
Morgen Teil 4)





*130618*

Österreichische Klassiker

Wahrscheinlich ist keinem Volk der Erde die reife Traurigkeit so eigen wie dem Österreicher. Sei es in Vorahnung vor dem Ende der Monarchie, sei es im Nachklang, diesem Trauma der Ohnmacht angesichts einer übermächtigen Welt. Trauer ohne je sentimental zu werden. Gefühlssimulation hat der Österreicher nicht notwendig. Da ist alles echt.

Peter Alexander
"'s ist einmal im Leben so, allen geht es ebenso, was man möcht so gern, liegt so fern."
Aus "Das weiße Rössl" von Ralf Bernatzky









*100618*

Donnerstag, 12. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (2)

Teil 2)




Diese Entwicklung ist in der Geschichte bereits seit dem späteren Mittelalter zu beobachten. Auch hier begann es erst mit dem 11., 12. Jahrhundert, daß man Texte als Wirklichkeit für sich zu sehen begann. Plötzlich tauchen überall Urkunden auf, zum Beispiel, die Realitäten (Herrschaftsansprüche, Besitzverhältnisse etc.) "begründen". Das war zuvor undenkbar! Ohne Tradition, ohne persönlichen Hintergrund war ein Text wertlos, der konnte nie mehr sein als Erinnerung, als Markierung von darüber hinausgehenden Realitäten.

Mit diesem Schritt der Trennung dieser Kommunikationsmomente aber wurde die Kirche in die Medienwelt hinein aufgebrochen, und ihre Aussagen wurden auf dieselbe Ebene eines bloßen Textes gestellt. Erst damit wurde sie offen für Propaganda und mediale Manipulation. Damit wird zugleich aber auch die Rolle von Medien als Werkzeuge politisch-ideologischer Interessensgruppen deutlich relativiert. Denn das eine gründet im anderen, im Nominalismus eben, diese Prozesse lassen sich nicht voneinander trennen.

Aber damit wurde eine ganz neue Entwicklung ausgelöst. Das weitreichendste Beispiel war das neue Meßbuch, der NOVO ORDO MISSAE, der NACH dem Konzil (unter der Federführung von Kardinal Bugnini) ausgearbeitet wurde. Und das ist auch schon das größte Problem des NOVO ORDO: Er entstammt NICHT der Autorität des Konzils, wie dann behauptet wurde. Denn er hätte nur INNERHALB DES KONZILS beschlossen werden können. Einfach eine "Kommission" zu beauftragen, die dieses Heiligste der Kirche festlegt, ist IN SICH UNMÖGLICH. Und wir sprechen hier von einem dogmatischen Faktum, nicht von einem "technischen Detail". Im Gegenteil, wurde ja am Konzil selbst FESTGELEGT, daß DIE LITURGIE NICHT GEÄNDERT WIRD (sieht man von kleinen Änderungen ab.)

Eine neue Liturgie festzusetzen war also nicht einfach ein Akt des Ungehorsams, es war ein DOGMATISCH UNMÖGLICHER AKT. Das neue Missale der Kirche war NICHT Teil des Zweiten Vatikanums, es ist nachher entstanden. Und DAS war der Akt, der die Spiritualität der römischen Kirche völlig, und zwar wirklich völlig zerstörte! Denn damit hat man die Spiritualität sämtlicher Gläubigen der Welt verändert. Denn die Liturgie ist der eigentliche, ja der einzige Akt, AUS DEM HERAUS dann auch das intellektuelle Leben der Menschen geformt wird. Ist die Liturgie aber - wie geschehen - gar nicht aus dem innersten Herz der Kirche entstanden, öffnet man sie bzw. öffnet sich ohne jeden Zweifel für das Wirken des Antichristen, des Teufels. 

Denn dem ist es immer nur um die Liturgie gegangen, sie ist das Herz der Kirche, und damit der Kultur. Es ist die Liturgie, die den Willen, die Ausrichtung der Menschen formt, ohne langen intellektuellen Disput (Gnosis), der für die allermeisten, ja eigentlich für alle ohnehin gar nicht bewältigbar ist, denn Gott ist unendlich. Und die Liturgie ist göttlichen Ursprungs! Sie ist damit ein in seiner Umfänglichkeit gar nie auslotbares Mysterium des Geistes, deshalb kann sie nur über Tradition und als Gestalt weitergegeben, niemals durch intellektuelle Leistung "erdacht" werden.

Der Geist des Westens wurde also mit der Zerschlagung des traditionellen Ritus definitiv zerstört. Deshalb muß das Zweite Vatikanum als Teil eines globalen westlichen Bestrebens gesehen werden, die Grundlagen unserer Kultur zu zerstören. Und dazu mußte man die Quelle dieser Kultur - die Liturgie der Hl. Messe - im Mark treffen. (Wie gesagt: diese Veränderung kann man nicht durch die "Änderung" einzelner Vorgänge erfassen, sie geht, wie oben dargestellt wurde, viel viel tiefer! Sie ist eine Frage des Zugangs zu Gestalt und Inhalt überhaupt!) Und über die Liturgie hat man auch die Weltanschauung des Westens ins Mark getroffen. 

Was dann in den 1968ern (die als "Bewegung" eine Orchestrierung des CIA war; daß er LSD gezielt als Waffe der Auflösung einsetzte, ist mittlerweile von niemandem bestritten) passierte - Auflösung der Autoritäten, Rebellion (in der Liturgie der Musik als realer Quelle), Drogen, sexuelle Befreiung etc. - ist nur als integraler Bestandteil dieser Gesamtbewegung zu sehen, meint Florian Geyer weiter. Man hat gewissermaßen den "Generator unserer Kultur" desintegriert. Desintegriert ist das Stichwort für die Auflösung der sozialen Gestalt der Gesellschaften. Wie die jungen Generationen, die von ihren Eltern isoliert, aus den Familien desintegriert wurden.

Im Zweiten Vatikanum hat man genau dasselbe gemacht. Sein Endresultat war die Desintegration der Tradition. Es war die Auflösung von echtem Gold in Quecksilber (also in Bestandteile, in chemische Elemente), um es im Terminus der Alchemie auszudrücken. Und als einzelne Elemente wurde es dann der Herrschaft des "Hexenmeisters" unterworfen. (Und tatsächlich ist es bis heute ein oft gehörtes Argument, daß die Einzelteile der Liturgie des NOM ja alle noch da wären.) 

In allen anderen Bereichen unserer Kultur erleben wir heute genau dasselbe: Auflösung aller traditionellen Gestalten in seine "chemischen Elemente". Die Folge ist die Auflösung eines in der Natur verankerten Moralgesetze zugunsten neuer, technisch definierter Moralgesetze, die aber eiderdautz eine völlig neue Moral ergeben. Deshalb geht auch die Argumentation der meisten Kritiker des Zweiten Vatikanums an der eigentlichen Sache völlig vorbei! Sie setzen sich mit Einzelaussagen, mit Textinterpretationen auseinander und sehen nicht, daß das Wesentliche durch die Veränderung der Sprache, durch eine neue Art der Kommunikation geschehen ist.

In der Liturgie - sei es in der des Johannes Chrysostomus wie die Orthodoxie, oder in der des tridentinischen Ritus wie bei den Katholiken - ist einfach alles Symbol und Träger symbolischer Information. Alles. Jede Geste, die Architektur, die Ikonographie, einfach alles gibt "Information" weiter, ist Sprache, ist Kommunikation, ist "Formierung". Alles ist mit Bedeutung und Sinn aufgeladen, und alles verweist über sich hinaus ins Transzendente, ins Ewige, in den Himmel. Die Liturgie ist ein Fenster in den Himmel, der sich hier mit der Erde verbindet! 

Deshalb ist die Liturgie die Manifestation der Herrschaft und des Königtums von Jesus Christus, die damit irdische Realität werden, als Reich Gottes auf Erden (Kirche). Damit gibt die Liturgie auch die Form und die Gnade, die alltäglichsten, kleinsten Verrichtungen - draußen, im Alltagsleben - zu bewältigen. Und zwar sub auspicii aeternitatis, also in einer immanenten Ausrichtung auf das Ewige hin. Damit kann, ja damit muß man sagen, daß die Religion eben die Kultur trägt und formt. So wird die ganze Erde, in der Bearbeitung durch den Menschen, der von der Liturgie geformt ist, in der Kultur ins Reich Gottes hineingezogen.


Morgen Teil 3)





*130618*

Stalin wollte ganz Europa unterwerfen (4)

Teil 4)




Als Deutschland den Krieg verloren hatte, wurde der Mißerfolg in Rußland damit begründet, daß die Bedingungen - der harte Winter, die schlechten Straßen, der Schlamm etc. etc. - der Grund gewesen seien. Nur, sagt Suworow, das kann doch niemand ernst meinen? Alle diese Dinge waren doch nicht überraschend!? Man wußte das alles im Voraus! Aber man war einfach nicht darauf vorbereitet, und das ist ein gewaltiges Versäumnis, kein "überraschender Schicksalsschlag". Dennoch unvorbereitet anzugreifen war schlicht ein Versagen. Mit dem Stalin geschickt spekuliert, zu dem er Hitler provoziert hatte. Denn Stalin blieb im Grunde gar keine andere Wahl als Krieg zu suchen, weil es nicht gelungen war, das versprochene Paradies der Arbeiter zu schaffen. Und er hatte dabei die Vordenker des Sozialismus - darunter Chruschtschow - auf seiner Seite, die genau wußten, was sich da abspielte.

Womit hatte man gerechnet? Russen sind doch keine Idioten!? Sie waren die ersten im Weltraum, sie haben die besten Schachspieler, sie fördern am meisten Öl, haben gigantische Rohstoffvorkommen ... Man sollte also Rußland nicht unterschätzen, sondern sich vielmehr fragen, warum es mit diesen Voraussetzungen nicht ganz oben an der Spitze der Welt steht. 

Hitler hat die Russen unterschätzt, und prompt ging er Stalin auf den Leim. Der nun jemanden hatte, den er geschickt benutzen konnte, um seine eigenen Pläne durchzuziehen. Und sie sind ihm auch weitgehend geglückt: Stalin hatte 1945 zwar nicht ganz, aber einen beträchtlichen Teil Europas unter seiner Macht. Etwas anderes hatte er nie vorgehabt. Die Sowjetunion war nach 1945 außerdem Weltmacht, ex aequo mit den USA am ersten Platz, zumindest scheinbar und so lange der Bluff eben ging. Aber die Bösen vor der Weltgeschichte sind trotzdem die Deutschen und ist Hitler. Stalin war weit gerissener, realistischer als Hitler, der sich völlig überschätzte und viele zur gleichen Selbstüberschätzung verführte.

Was Suworow da vorzeigt ist ziemlich interessant. Vor allem, weil er den Blick auf Details lenkt, die überraschen, und auf die man normalerweise nicht schauen würde. Denn Geschichte läßt sich einfach nicht nur durch Dokumente belegen, offizielle Dokumente sind meist nur sehr bedingt aussagekräftig. Also entwirft Suworow einen Thesenbogen, der dem gesamten Geschehen einen Sinn geben soll, und den er durch handfeste Materialien belegt, an die aber niemand denkt. Wer kommt auf die Idee, ein Impressum auf einem Plakat zu suchen, das das Druckdatum enthält? Aber DAS seien Dokumente die weit mehr aussagten, meint er.

Seine Argumentation hat deshalb vor allem "Plausibilitätsfunktion", und die Belege für seine Thesen sind oft verblüffend. Und wirken nicht wenig überzeugend. Außerdem sind sie ziemlich originell und machen Suworow fast zu einem Gestaltseher. Eine Eigenschaft, die man nur schöpferischen Geistern zuschreiben kann.

Nicht verhehlt soll abschließend werden, daß die Ursache für die anfänglich inferiore Rote Armee beim Angriff der Deutschen für die meisten Historiker in den furchtbaren Säuberungen Stalins in den 1930er zu suchen sei. Diese hatte wiederum vor allem höhere, erfahrene Offiziere getroffen. Fieberhaft wurden in Schnellsiedekurse "Offiziere" ausgebildet, die die so entstandenen Lücken füllen sollten. Zusammen mit den enormen Aushebungen an Soldaten, stand im Juni 1941 die Rote Armee in einer Phase eines Neuaufbaus. Es fehlte aber extrem an Offizieren, und die Kampfmoral der Truppen, vor allem der allgemeine Informationsstand, war durch die ständige Drohung, Säuberungen zum Opfer zu fallen, sobald man seine Meinung äußerte, sehr niedrig. Die meisten Historiker sind auch der Ansicht, daß die Sowjetarmee an Waffen zwar zahlenmäßig weit überlegen war, daß aber die meisten Flugzeuge, Panzer, Geschütze veraltet waren. Man hatte sie aber im Dienst gelassen, weil die zusätzlich ausgehobenen Truppen ja irgendwie bewaffnet werden mußten. Der VdZ kennt aber auch keinen Historiker, der der Roten Armee nicht von Anbeginn an eine enorme Mobilität zugeschrieben hätte. Die Ausrüstung mit Lastkraftwagen war also schon 1941 hervorragend. Und selbst deutsche Offiziere konzedierten bereits 1943, daß sie über das Tempo, mit dem die Rote Armee taktisch dazugelernt hatte (und die deutsche Strategie der dynamischen Tiefenverteidigung quasi imitierte), überrascht waren.









*110618*