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Donnerstag, 29. Oktober 2020

Um das Absehbare zu verhindern (2)

Teil 2)

 

"Wir haben den falschen Feind bekämpft," war mehr und mehr seine Meinung. Amerika müßte jetzt speziell in der Frontstellung gegen den Kommunismus an einem Deutschland interessiert sein, das möglichst bald wieder ein intaktes Wirtschafts- und Alltagsleben hatte, um als Pufferstaat gegen die Sowjetunion zu stehen. Würde das nicht gelingen, würde auch Amerika dem Kommunismus zum Opfer fallen.
Er bekannte, daß er sich für sein Land schäme, das in seinen Augen in den Maßnahmen gegen die Deutschen auf untermenschliches Niveau gesunken war. Man habe für die Menschenrechte gekämpft, und würde nun Millionen Menschen in die Sklaverei verschleppen, meinte er anläßlich der Überstellung von einer Million deutscher kriegsgefangener Soldaten an Frankreich, wo sie (mit dem Ergebnis hunderttausender Tote) Sklavenarbeit verrichten mußten.

Bei einem Besuch in Berlin im Juli 1945 war er schockiert, als er die Rechtlosigkeit vor allem der deutschen Frauen handfest miterlebte. Wenn sie nicht für Zwangsarbeit verschleppt oder erschlagen werden, werden sie vergewaltigt, schrieb er an seine Frau. 
Die generelle Rechtlosigkeit der Deutschen, die gegen jedes Prinzip verstößt, für das die Soldaten gekämpft hatten, scheint aber nicht nur niemanden zu stören, sondern sogar gewollt zu sein. Er verwahre sich dagegen, daß die Opfer der Soldaten nun durch die Politik zu kriminellen Zwecken ausgenützt würden. 
Alles das würde die amerikanische Armee demoralisieren. Aber das wäre ja wohl Absicht und Ziel des Kommunismus, der überall in den USA gefördert und vorangetrieben würde. Diesem nicht entgegenzutreten würde die Zukunft Amerikas verspielen.

Mehr und mehr sah Patton die Alliierten als die eigentlichen Verlierer des Weltkrieges an. Das Kriegsziel, die Befreiung Europas, würde ohnehin schon verfehlt werden. "Wir haben großartig begonnen, aber das Finale vergeigt!" Wenigstens jetzt also, wo man das Militär noch mobil hatte, sollte man das Richtige tun. Übrigens sind von Winston Churchill ähnliche Überlegungen bekannt. 

Was er sah wurde dem amerikanischen General immer unerträglicher. Bei einem Besuch bei einem französischen General in Paris Ende August 1945 nahm er sich kein Blatt vor den Mund. Man habe das einzige ordentliche und funktionierende Land in Europa zerstört. Und nur, um dem Kommunismus Tür und Tor zu öffnen! Die Deutschen seien nämlich das einzige anständige Volk in Europa. Zu seiner Überraschung, notierte er in sein Tagebuch, teilte dieser seine Meinung. 

Aber Patton war eben Soldat, nicht Diplomat, und ihm fehlte deren schlangengleiche Klugheit. Er hatte somit nicht damit gerechnet, daß seine Ansichten den maßgeblichen (und gerne verborgen agierenden) Kreisen in Washington und New York, vor allem aber der Presse bekannt würden.

So fand er sich bald einer unausgesetzten Medienhetze gegenüber. Was immer er vermeintlich vertrauenswürdigen Politikern mitteilte hatte eben allen verraten, mit wem sie es zu tun hatten. Patton sah darin die Hand der Juden, denen es seiner Meinung nach nur darum ging, erstens den Kommunismus einzuführen, und zweitens, die Existenz jedes Deutschen ohne jüdische Vorfahren zu vernichten. Um jemanden zu zerstören genügte es schon, jemanden als "Nazi" zu bezeichnen.

Umso mehr zieh man ihn des Antisemitismus. Schon längst war er ohnehin der Politik ein Problem. Denn Roosevelt hatte seit Kriegsbeginn alles unternommen, um die in seinen Augen so gute und wichtige Zusammenarbeit mit der Sowjetunion nicht zu stören. Der US-Präsident ließ kein Mißtrauen und keine Kritik an seinen Alliierten zu.

Umoveator ut amoveatur. Befördern um zu entfernen. Mit Oktober wurde Patton als Gouverneur Bayerns abgelöst und zum Kommandeur der 15. Armee ernannt, die sich mit kaum mehr als mit Nachschub befaßte. Er entschloß sich, mit Jahresende zurückzutreten, um dann endlich der Öffentlichkeit reinen Wein einschenken zu können.

Am 9. Dezember 1945, einen Tag, bevor er in die USA abreisen wollte, stieß das Zivilauto, in dem der General saß, bei einem fast lächerlich kleinen Unfall mit einem Militär-LKW zusammen. Der kaum nennenswerte Aufprall reichte aber aus, um dem General einen Halswirbel so zu brechen, daß er gelähmt war. Vermutlich ist er vom Rücksitz aus gegen die Trennscheibe zum Fahrerraum geknallt. 

Am 21. Dezember 1945 verstarb schließlich der 60jährige Held der Nation im Militärhospital in Heidelberg, in das man ihn verlegt hatte, infolge einer Lungenembolie. Die Gerüchte sind bis heute nicht verstummt - und es ist nicht unspannend, die Indizien zu studieren, die den Verdacht beweisen sollen - daß er Opfer eines Mordanschlages war.

Schon kurz nach seinem Tod kam auf, daß einer der engsten Berater des US-Präsidenten Roosevelt, Amber Hiss, der sogar teilweise die Verhandlungen mit Stalin über die zukünftige Aufteilung der Einflußsphären in Europa geführt hatte, ein sowjetischer Spion war.