Dieses Blog durchsuchen

Freitag, 22. Juli 2011

Das Opfer fühlt sich schuldig

In einer deutschen Zeitschrift fand ich ein Interview mit dem österreichischen Vaterrechtler Achim Tschuggernell. Dabei geht es um eine jüngst erfolgte Erhebung, dergemäß  nur noch 30 % der jungen Männer überhaupt ein Kind wollen, während der Kinderwunsch bei Frauen noch deutlich ausgeprägter ist. Man kann also durchaus von "Männerstreik" sprechen, die die Presse es formuliert.

Was wäre zu tun?

Das Problem ist in Österreich nicht mehr lösbar, schon gar nicht per Gesetz. Dazu ist die Meinungsbildung bereits zu neurotisiert, und die Feministinnen arbeiten ja mit aller Kraft, um das so zu lassen. Typisch frauliche Schizoiditätsreaktion eben

Was kann man darunter verstehen?

Die Gedankenwelt ist an den entscheidenden Stellen paralysiert. Konkret heißt das, daß das allgemeine Gefüge der Werte - des Gesollten - sehr geschickt Einzelparadigmen herausgegriffen hat, die bereits von Kleinkindalter an, vor allem von allen Medien, tief im Erleben der Menschen verankert wurden.

Welche sind das?.


Vor allem das Thema Gewalt, und vor allem die hierarchische Zueinander von Mann und Frau. Selbst hartgesottene, durch den Leidensdruck aber aufgescheuchter Anti-Feministen vertreten das Dogma der "Gleichberechtigung", die ja nichts anderes meint als "Gleichheit". Dagegen traut sich niemand etwas sagen, sonst wird er nicht einmal mehr ignoriert - die schlimmste Strafe einer öffentlichen Meinungsbildung, die keine tradierten Wertevermittlungen mehr kennt. Deshalb wird auch der Leidensdruck nichts ändern. Aber die Beobachtungen bei den jungen Menschen heute machen mich sicher, daß es zu Ersatzreaktionen kommen wird. Die Psyche sucht sich Auswege, um die durch das Bewußte verstellten Wege doch irgendwie zu erreichen.


Heißt das, daß Sie Gewalt gegen Frauen vertreten?

Sehen Sie, schon diese Formulierung, diese Fragestellung zeigt, woran wir sind: DAS ist schizoid, zu fragen, ob ich Gewalt gegen Frauen also befürworte! 

Aber Sie sagen ja in Ihrem Buch ...

Gar nichts sage ich. Als daß zu einer Deregulierung auch gehörte, daß das Zueinander von Mann und Frau eine bestimmte Gewalt- und Machtstruktur hat. Das ist eher mit der Metapher Haupt und Leib vergleichbar. Aber es gibt keine Einheit, wenn das Haupt den Leib nicht bezwingen kann! Wenn der Leib seinen eigenen Plan hat, kann Mann und Frau nicht funktionieren! Das regelt sich in der Praxis ja in hundert Dingen! Man muß nur das Dogma aus dem Kopf kriegen: das Dogma der Gleichheit!

Aber was muß man daraus an Fazit ziehen?


Haß gegen die Frauen, provokante Herausforderung an das (natürlich) Weibliche ist die Folge. Der Kirchenhaß ist ein typisches Beispiel einer Ersatzreaktion (immerhin hat die Kirche, wenn auch ambivalent, sich auf die Seite der Frauen geschlagen; Kirche und Frau aber sind Synonyme).

Es geht um eine Deregulierung der Mann-Frau-Verhältnisse, in der sich die "potestas" wieder natürlich regeln würde. Das Thema ist aber noch lange nicht diskussionsfähig, wenn überhaupt (weil es sofort zur Ideologie gerät). Es berührt massiv unsere gesamten Lebensumstände, allem voran: den Sozialstaat, der ja v. a. psychosozial dramatische Auswirkungen hat(te).


Und was kann man den Vätern sagen?

Nichts Gutes ... Einen guten Rat kann ich ihnen geben: sich emotional von ihren Kindern, der ganzen vergangenen lebenssituation abzukoppeln. Das geht, das kann man erreichen. Es hat sich gezeigt, daß die Männer im Normalfall ohnehin so reagieren. 

Eine Art Selbstschutz also?

So ist es. Denn die wenigsten Männer kommen aus Überlegung zu den wirklichen Quellen dieses Leidens - und die sagen, daß für den Mann im Moment, wo er weggeht oder weggehen muß, etwas anderes, Schwerwiegenderes zerbricht als für die Frau. Der Mann sieht das Ganze, er sieht die zerbrochene Familie, und sein Vatersein ist in dem Moment obsolet, in dem er als Vater, als Haupt, abmontiert ist. Das ist nicht mehr herstellbar, und genau dagegen wenden sich ja die Gesetze!


Begründet sich darin die oft beklagte "Verantwortungslosigkeit" der Männer nach Scheidungen, das heißt: wo man ihnen vorwirft, daß sie sich um ihre Kinder nicht mehr kümmern?

Ja, genau darin liegt das begründet. Und aus besagten Gründen wird darüber nicht gesprochen. Also muß der Mann sich innerlich immunisieren. Man nennt das "posttraumatisches Überlastungssyndrom", das ist seit einiger Zeit ein von der WHO akzeptiertes psychisches Krankheitsbild: der Menschg kapselt ein schweres, traumatisches Geschehen - und dazu gehört die Ohnmacht, das ist ja das Wesen des Traumas - in sich ab, es kommt zu einer Art Kallusbildung. Diese Thematik bringt einen sonst um, weil man defacto machtlos ist, nichts tun kann, ja nicht nur das: die Erfahrung hat gezeigt, daß das für die meisten Männer eine Situation ist, in der alles, was sie tun, gegen sie ausgeht. Das kann man durchaus mit Hölle vergleichen. Da ist nichts mehr vernünftig, und daraus kann man schon so seine Schlüsse ziehen.

Soll ein Betroffener psychologische Betreuung aufsuchen?

Wenn er kein Umfeld findet - und das ist schwer, weil die Sachlage komplex ist, er es im Normalfall mit der Fülle an Fehlurteilen der Öffentlichkeit zu tun hat, schon deshalb ist es oft besser für Betroffene, zu schweigen - das ihn tatsächlich versteht und birgt, ist das fast anzuraten. Weil es sich um ein Trauma handelt, geht es in der Regel mit einem massiven Selbstwertverlust einher. Ganz ähnlich wie bei Mißbrauchsfällen - sie sind in der psychologischen Struktur in diesem Punkt ident, auch dort arbeitet der Täter (unbewußt zumindest) mit in Teilbereichen "angenehmem Erleben" für das Opfer, er macht es also "mitschuldig", was natürlich überhaupt nicht stimmt - fühlt sich der Vater schuldig. Und er findet in der Gedankenebene keinen Ausweg! 

Also eine Art "hausgemachter Zynismus"?


Genau: er verspottet sich also selbst, er hat die zynischen Strukturen immanentiert. Denn er erlebt eine Gewissenslage, die aber der sachlichen Lage nciht entspricht: sein subjektives Erleben spricht ihn für etwas schuldig, das objektiv ein Vergehen an ihm war! Deshalb ist es für jemanden der nur auf sich gestellt ist kaum verarbeitbar. Da kann ein guter Therapeut, der freilich das Thema auch kennen und richtig einschätzen muß, lebensnotwendig sein..



***