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Sonntag, 5. Juli 2020

Wir erleben es gerade

Das Wissen, daß etwas sinnlich Vorgefundenes in der vorgefundenen Gegebenheit gewußt wird, kommt aus einem jedem wissenschaftlichen Denken vorgelagerten, unableitbaren, aber jedem Menschen gleichermaßen grundlegenden Vorwissen. Dieses begründet erst den Intellekt in seiner Urteilsfähigkeit, und ist nur in einem persönlichen Akt der Entscheidung zu wirklichen. Der wiederum auf einer Empirie, einer Erfahrung beruht, die aber nicht im eigentlichen Sinn rational, sondern die Rationalität erst begründend wirkt. Darin sind sich Aristoteles und Kurt Gödel im Grunde einig, Gödel hat diese aristotelische Entdeckung gewissermaßen noch einmal aufgegriffen und der Zeit vor Augen gestellt. 

Deshalb ist jede Methode der Vernunft feindlich gesinnt, weil sie bereits Vorentscheidungen beinhaltet, die erst zu klären wären, und die erst im eigentlichen Sinn gewußt sind.

Deshalb ist die heutige Wissenschaft in ihrem Versuch, genau diese Grundlegung des von ihr angeblich geschaffenen Wissens zu negieren und fernzuhalten, zu einem tiefen Nicht-Wissen und Nicht-Begreifen verdammt. In dem Maß, in dem sie sich von dieser menschlichen Grundlage der Vernunft entfernt, wird alles, was sie fördert, irrelevant und leer.

Die Methode selbst stellt sich in einen unendlichen Regreß, zeigt P. Dominicus Trojahn in diesem wirklich hörenswerten Beitrag. Damit löst sich jedes Denken, das aus dem Sinn erst zu einem solchen wird, in Unlösbarkeit auf.



Jeder Mensch aber weiß darum! Deshalb ist die Berufung auf Wissenschaft, egal wer und in welcher Position er sie bemüht, niemals die redliche Berufung auf Wahrheit und Wirklichkeitsrelevanz, sondern nie mehr als eine persönliche Vorentscheidung, die Vernunft, die eigene Vernunft, und damit die eigene Sittlichkeit, zu "entschulden". Diese vorgebliche Berufung auf "Gewußtes" ist somit ein höchst taugliches Instrument, die Welt über den inneren sittlichen Zustand zu täuschen. 

Umso mehr, als diese Sittlichkeit, die die Entscheidung zur Vernunft benötigt, eine Leistung der Persönlichkeitswerdung ist. Weil genau diese Persönlichkeitswerdung heute aber durch die Entwertung kultureller Institutionen (also deren Abschaffung, was im Wesentlichen schon alleine von ihrer Entgrenzung - eine Form der Indifferenz - bewirkt wird) und damit der kollektiven, zum Habitus, zur Gewohnheit gewordenen Verweigerung und Gutheißung der Verweigerung der Selbstüberschreitung auf das Begegnende hin, weil damit also die Persönlichkeitswerdung (die ein schöpferischer, ein gewissermaßen sogar eigenschöpferischer Akt ist) nicht mehr stattfindet, ist sie ein Schutzschild über dem eigenen nie Realität und Welt gewordenen Ich.

Diese genuin kindliche Haltung wird durch die (bereits erfolgte) Auflösung der Kultur prolongiert, und zur gesollten Haltung des Erwachsenen hochstilisiert. Damit stehen wir vor der historisch in unserer Kultur einmaligen Situation, daß wir die Agenden der Öffentlichkeit durch den Generationswechsel, der sich derzeit vollzieht, in die Hände von A-Persönlichkeiten legen und legen müssen, die in ihrem Urteilen gar nicht mehr zu relevanten Urteilen gelangen können. 
Jeder Vernunft beraubt wird diese Jugend somit zum Instrument von Geistern und Dämonen.
Somit wird sich der Prozeß beschleunigen (und wir beobachten genau das derzeit, bei der Klimafrage nicht weniger wie jüngst in der Corona-Panik), in dem wir praktisch ständig falsche Entscheidungen treffen bzw. von solchen geprägt werden. Wir werden deshalb binnen weniger Jahre oder Jahrzehnte alles verspielt haben, was wir heute noch "Wohlstand" nennen. Das kann gar nicht anders sein. 


*120620*