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Mittwoch, 7. März 2018

Ein Korb von Widersprüchlichkeiten

Als der VdZ dieses Video zu Gesicht bekam, mußte er lachen. Nicht, weil er etwas daran lächerlich fand, wie sich die ukrainische Nationalistische Bewegung "Asow" (das s wird stimmhaft gesprochen) inszeniert. Sondern er mußte lachen, weil den EU-Bürgern überhaupt nicht klar ist, mit welchen Gärprozessen und Wassern es beim Osten Europas zu tun hat. Diese Aussage soll aber an dieser Stelle keinerlei Wertungsprozeß bedeuten! Gewisser Nationalismus hat zu gewissen Zeiten sogar gewisse relative Berechtigung, sieht man ihn nicht als Zielpunkt, sondern als temporären Ausgleichsvorgang.

Genau solch starrer Bewertungsprozeß läuft aber im Westen Europas (der ja heute genau weiß, wer der Böse ist und wie er aussieht) und macht also das Engagement der EU (als politischer Arm der NATO, also der USA) noch widersprüchlicher, als er ohnehin ist. Es macht aber auch die Nationalistenbewegungen nicht weniger widersprüchlich. Der Nationalismus der Ukraine widerspricht dem westlichen Establishment genau so, wie der Westen in seinem Dogma des Liberalismus den ukrainischen Nationalbestrebungen widerspricht. Dazwischen stehen die Menschen, die einfach leben wollen, und dazwischen stehen die Konsumisten, die einfach ihre Ruhe wollen, ohne sich um geistige Dinge zu kümmern. 

Aber das ist alles nichts Neues. Nationalistische Bewegungen werden seit je gerne benützt (ja aufgebaut), um Systeme, Staaten, geographische Räume und ihre Ordnungen zu destabilisieren. Damit sie leichte Beute für Zielsetzungen ganz anderer, viel umgreifenderer Art werden. Das geht spielend leicht, wenn man dafür sorgt, daß sich Völker intensiv mit sich selbst befassen (müssen). Und es geht noch leichter in Zeiten, wo ideologisierte Moral die Politik verdrängt.

In Wahrheit wirft dieser spezielle Fall sogar ein überraschendes Licht auf Vladimir Putin. Denn man könnte zur Ansicht kommen, daß Putins Enttäuschung über die Haltung des Westens darauf beruht - wie so vieles an Enttäuschung in Mittel- und Osteuropa - ein Stück weit echt ist und darauf beruht, daß er die Welt nicht mehr versteht: Denn eigentlich steht ihm im Fall der Ukraine doch ein Gegner gegenüber, der auch der Gegner des liberalistisch-kapitalistischen Westens sein müßte? So sagt der es jedenfalls, und seit je, das geht aus allen Interviews mit ihm ebenfalls hervor. Ausgerechnet hier also ergreift dieser Westen aber eine Partei, in der er sich selbst widerspricht. Wie soll sich also Rußland zukünftig überhaupt verhalten, um dem Westen "zu gefallen"?

Im Fall der Ukraine bzw. des gesamten Ostens hofft halt - wie es immer war - wieder einmal jeder, den anderen als nützlichen Idioten einsetzen zu können, um ihn irgendwann über den Tisch zu ziehen. Aber solche Spiele sind noch immer danebengegangen. Gutes läßt sich nicht über schlechte Mittel erreichen. Diese setzen neue Tatsachen. Vielleicht sollte man also diese Länder und Völker ihre Gärprozesse selbst austragen lassen. Der VdZ hat freilich den schlichten Verdacht, daß es dem Westen einfach an Respekt für diese Völker mangelt. Klar, wer seine eigenen Völker nicht achtet, sie nur noch als Verschiebeobjekte auf Strategietischen sieht, wie sollte der Respekt vor anderen haben?

Und das ist wohl die größte Gefahr dabei. Denn den Preis zahlt mit Sicherheit das einfache Volk (um nicht die Mehrzahl zu verwenden, um die es überall geht), das in diesem europäischen (und im gesamten europäischen) Raum lebt und will, was jedes Volk will: einfach in allen Alltäglichkeiten leben, arbeiten, beten, essen, schlafen, Kinder zeugen, Tote begraben, und abends an der Dorflinde sitzen, sich Geschichten erzählen und ihre Lieder singen, während die Töchter und Söhne zur Harmonika tanzen. 

Man sollte immer nur auf die achten und hören, die singen, spielen und tanzen. Die, die das nicht mehr tun, haben das Leben verloren und verherrlichen deshalb den Tod.










*120218*